sour candy. (xenovia & akira)

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    • sour candy. (xenovia & akira)


      The way he tells me I'm his and he is mine
      Open hand or closed fist would be fine
      The blood is rare and sweet as cherry wine.

      Erinnerungen verblassen - keiner kann sich entsinnen, wie lange es her zu sein vermag, dennoch fühlt es sich wie gestern an, als dem jungen Kaiser Larzod berichtet wird, dass er sich so bald nach der Übernahme des Landes in einer Zwickmühle befindet. Kurz nachdem er den Thron besteigt, fällt er bei einem Magier des Kaiserreiches in Missgunst, der ihm - einem angeblichem Eiszapfen, der sein Herz eher dem Teufel als seinem Volk schenken würde - einen Fluch auferlegt. Sollte er es nicht schaffen, sich seiner Gefühle bis zu seinem 30. Geburtstags zu beugen und der Person seiner Begierde gestehen, dass er etwas für sie empfindet, dann soll er dem Magier in sein Grab folgen und jedwedes Leben das Larzod inne hatte, würde genau an eben jenem Tag ausgelöscht werden. Larzod, sichtlich am Boden zerstört, wird von seinem Kindheitsfreund und Berater Cassius aufgemuntert, der ihm versichert, dass er sich keine Sorgen machen muss. Wieso denn auch? Der Fluch selbst geht davon aus, dass der Kaiser sich erst verlieben muss, bevor er diese Gefühle überhaupt Jemandem gestehen kann - etwas, das beinahe unmöglich scheint. Larzod lebt die nächsten Jahre abgeschottet von potentiellen Ehefrauen, meidet den Kontakt zu seinem Volk und verlässt sich gänzlich auf Cassius, der ihm mit Rat und Tat zur Seite steht. Als Anerkennung für seine Dienste lässt Larzod, zusammen mit Cassius, zwei Koi in einem kleinen Teich im Palastgarten frei, bevor er überhaupt realisiert, dass sein treuer Berater, illuminiert vom Mondlicht, nicht nur lieblich anzusehen ist, sondern auch unsagbar warm. Übermannt von seinen eigenen Gefühlen realisiert Larzod viel zu spät, dass er sich ausgerechnet in seinen Berater verliebt hat, ihm aber eben jenes nie gestehen könnte, nein. So kommt es also dazu, dass Larzod sein Leben an seinem 30. Geburtstag lässt - und Cassius die nächsten Jahrzehnte alleine zurücklässt.

      Das Kaiserreich existiert mittlerweile nicht mehr, gleich wenig wie die damalige Zeitrechnung. Angekommen im hier und jetzt, realisiert Grayson - der mittlerweile CEO einer hochangesehener Firma ist - dass es sich hierbei um sein zweites Leben handelt. Er selbst ist lediglich die Reinkarnation des Beraters, der vor mehr als einem Millennium wohl oder übel gerne an der Seite seines Kaisers gestorben wäre. Zufälle gibt es aber auch in diesem Leben lediglich zweimal, denn kurz nach dieser Realisation werden Grayson einige neue Praktikanten vorgestellt, die sich nichts mehr wünschen, als einen festen Arbeitsplatz in seiner Firma. Unter besagten Praktikanten befindet sich Liam, die Reinkarnation seines heißgeliebten Kaisers, der sich aber - anders als Grayson - nicht an seine Vergangenheit oder gar ihn entsinnen zu scheint. In der Hoffnung, diese Erinnerungen wiederzuerwecken, nimmt sich Grayson vor, Zeit mit Liam zu verbringen. Eben das scheint leichter gesagt als getan - immerhin handelt es sich bei Liam in diesem Leben um einen einfachen Praktikanten und bei Grayson um das ranghöchste Tier in der ganzen Firma.

      Vorstellung.

      Liam / Larzod = @Xenovia | Grayson / Cassius = @Akira
      Looking back, it maybe is like the toy carts you rode when you were a kid. But those toy carts could never go beyond the walls of the lawn. We want to follow the rugged concrete road beyond the wall. As we've grown, we've decided to leave behind the toy cart.

    • Schuldig im Sinne der Anklage - das wären wohl oder übel die Worte des Richters, wenn er sich länger mit dem Tod seines Vaters befasst hätte und zu irgendwelchen Entschlüssen gekommen wäre, die besagt hätten, er selbst hätte sich - aufgrund von Habgier und Neid - dazu entschlossen, das Leben seines alten Mannes auszuhauchen wie eine filigrane Kerze auf einer Geburtstagstorte. Allerdings war dem nicht so. Was konnte er dafür, dass sein Vater - der Kettenraucher und Alkoholiker schlechthin war - sich von seinem Lebensstil dazu verleiten ließ, seinen Körper zu vergiften? Nichts. Tatsächlich biss er allerdings auf dem Ende des Glimmstängels herum, den er gerade noch im Mund hatte, bevor er einen Zug von dieser nahm, die letzten Worte seiner ach so wichtigen E-Mail zu Ende tippte und danach brummte, als er das Verlangen besaß, den ganzen Absatz zu löschen und von neu anzufangen. Unzufrieden stützte er seinen Kopf auf seiner rechten Hand ab, legte ihn schief, rieb sich die Schläfen und nahm die Zigarette aus dem Mund, bevor er sie in seinem überfüllten Aschenbecher abäscherte. Viele Dinge hatten - vor allem in den letzten Monaten - keinen Sinn ergeben. Zuerst starb sein Vater, dann wurde ausgerechnet er und nicht einer seiner Brüder Geschäftsführer dieser elendigen Spelunke, danach hatte er die Realisation, dass er gar nicht er war, sondern jemand, den es schon seit einem Jahrtausend nicht mehr auf dieser Welt gab und schlussendlich landete er wieder hier, in seinem Büro, in einem Raum mit dimmen Lichtern, mit dem Rücken zu einer imposanten Fensterwand auf der Schattenseite des Gebäudes, während er sich selbst in dieser Dunkelheit versteckte. Die Anzugjacke hatte er schon längst ausgezogen, die Ärmel seines gebügelten Hemdes aufgestrickt - ob er nun Grayson oder Cassius hieß, war ihm egal - er verstand nicht ganz, weswegen er sich selbst mit all diesen Gedanken folterte.

      Cassius Lambda war eine ihm vorangegangene Person und doch zerbrach er sich den Kopf - allem voran über sich selbst, in diesem Fall. Allein von eben jenem Gedanken genervt, seufzte Grayson erneut, bevor er sich mit beiden Händen auf seinem Tisch auf die eigenen Beine stemmte und einen Knopf drückte, der die Jalousien zumindest so weit nach oben zog, dass er sehen konnte, wie viel Chaos sich in seinem Büro aufgetürmt hatte. "Such' dir eine Sekretärin", waren die Worte eines Geschäftspartners gewesen, der es lediglich gut mit hm meinte, während Grayson selbst nichts davon hielt. Ein Griff zum Aschenbecher und dem leeren Papierkorb unter seinem Tisch, entledigte er sich der Asche der vergangenen Tage, bevor er ein Fenster hinter sich öffnete und seine Anzugjacke sowie einen Mantel vom Boden aufhob, letzterer müsste eigentlich schon einige Wochen hier liegen. Danach knöpfte er das teilweise aufgeknöpfte Hemd wieder zu, warf die Anzugsjacke über seinen Sessel und hing den Mantel an seinem Kleiderständer auf - und begann, die Dokumente, die lose auf und um seinen Schreibtisch herumlagen, zu stapeln und zu sortieren. Verfluchter Papierkram. Nachdem also auch das getan war, zumindest soweit, dass es ansehnlich aussah, stellte er sich einen Moment lang vor den Spiegel, den er in diesem Büro hatte - das Ding war höchstwahrscheinlich älter als sein Vater. Einigermaßen präsentabel sah er aus, dafür, dass der geflochtene Zopf, den er hatte, schon bessere Zeiten gesehen hatte - gleich wie sein zugekniffenes, rechtes Auge. Unzufrieden ließ er sich wieder in seinen Sessel fallen, raunte und begann, die Mail neu zu schreiben, während das offene Fenster dafür sorgen sollte, zumindest einen Teil des Zigarettengeruchs aus diesem Raum zu bekommen. Zumindest, bis es an seiner Tür klopfte, was es in diesem Moment tat. "Grayson, ich wäre mit den Praktikanten da, hast du Zeit?", fragte die Stimme am anderen Ende des Raumes, die allerdings gar nicht auf eine Antwort wartete, sondern einfach die Tür öffnete und mit drei Neuanfängern im Schlepptau den Raum betrat. Bevor Grayson auch nur etwas sagen konnte, setzte sein Mitarbeiter wieder zum Sprechen an. "Im letzten Stock des Bürogebäudes befindet sich das Büro unseres Geschäftsführers, Grayson Tián. Im Prinzip momentan eher unwichtiger für euch, aber ihr solltet zumindest wissen, wo ihr jemanden findet. Ach ja, und Grayson, das sind unsere neuen Praktikanten - Darian, Liam und Cara." Musternd sah er die drei nun also an, bevor er nochmals aufstand und zu ihnen ging. Irgendetwas fühlte sich an dieser Situation nicht richtig an, aber was? "Freut mich, euch kennenzulernen", meinte er lediglich mit einem Lächeln auf den Lippen, bevor er für einen Moment inne halten musste. Irgendetwas machte keinen Sinn, aber was? "Wir sollten uns dann auf den Weg machen, damit ich euch eure Arbeitsplätze zeigen kann", meinte der Andere lediglich, bevor Grayson sich wieder zu seinem Schreibtisch begab. "Grayson, ich gehe davon aus, dass du sie nachher zu dir holst, wenn ich dir die Verträge vorbei bringe?" "Ja, nachher.", gab er lediglich von sich, bevor das Ensemble wieder aus seinem Büro verschwand und die Tür hinter sich schloss. Seine Nackenhaare stellten sich auf, er brummte. Liam konnte doch nicht ernsthaft ... doch.
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    • Dieser Moment, wenn irgendjemand auf dieser Welt diese glorreiche Aussage zu einem traf, dass seine eigenen Eltern einen wohl nicht geliebt haben. Leider Gottes war dies auch noch bei Liam zutreffend, weshalb sich meist ein Lächeln auf seinen Lippen bildete, wenn jemand genau diese Aussage ihm gegenüber äußerte. Doch warum sollte man sich damit auch befassen, wenn seine Eltern tatsächlich keinerlei Interesse an ihrem einzigen Sohn hegten? Das meiste, was Liam's Eltern wohl interessiert, war das Kindergeld, welches aber nun nicht mehr erhielten, was den Wert ihres Sohns komplett auf null setzte. Manch einer würde deswegen trauern, oder seiner miserablen Kindheit nachweinen, doch sah Liam all dies sehr gelassen, denn immerhin ließ ihn genau diese miserable Kindheit nun stehen, wo er sich gerade befand - vor den großen Eingangstüren, einer hochangesehenen Firma. Seine langen Beine führen ihn in das große Gebäude vor sich hinein, wo er dann auch flink den Weg zu der Rezeption einschlug und mit einem charmanten Lächeln zu der Dame vor sich sah. "Guten Tag, die Dame. Ich habe hier einen Termin, da ich mich als Praktikant hier beworben habe.", fing Liam an zu sprechen, wobei sein Blick kaum von der Frau vor sich wich. Lange dauerte es nicht, ehe die Dame in die Tasten vor sich tippte und den entsprechenden Termin auf ihrem Monitor öffnete. "Richtig... Ich werde kurz einem Kollegen Bescheid geben, dass er Sie hier im Empfang abholen soll. Allzu lange sollte das auch nicht dauern.", sprach sie mit einem freundlich Lächeln, woraufhin sie dementsprechend abnickte, damit Liam sich von ihr abwendet. So wie sie es zu wollen schien, wandte sich der Mann dann auch schon ihr ab, während die Dame bereits einen Kollegen am Telefon hatte, der sich um Liam kümmern sollte.

      Wenige Minuten später tauchte dann auch schon ein Mitarbeiter bei Liam auf, der bereits zwei andere Personen bei sich im Schlepptau hatte, wobei sich die Frage stellte, ob es sich bei ihnen auch um neue Praktikanten handelte. "Sie müssten dann Liam Zerces sein, freut mich sehr. Ich bin für sie derzeit zuständig, bis sie sich bei uns eingewöhnt haben.", meinte der Mitarbeiter vor ihm, der mit einer Gestik symbolisierte, dass Liam ihm und den Anderen folgen sollte. "Freut mich ebenso, vielen Dank.", antwortete er dann auch schon kurz, während seine Beine schon zum Folgen ansetzten. Beinahe die gesamte Firma wurde den Dreien gezeigt, doch wartete nun eine eventuell unangenehme Vorstellung - die des CEO's - denn wer wollte schon an seinem ersten Tag unbedingt mit dem höchsten Tier der Firma Kontakt aufnehmen? Allerdings standen sie dann schon vor der Tür des CEO's, wobei es den Mitarbeiter nicht zu kümmern schien, ob um Einlass gebeten wurde. Den Worten der Anderen sein Gehör geschenkt, antwortete er dann auf die des CEO's. "Die Freude ist ganz meinerseits." Da war die kurze Begegnung schon vorbei gewesen, da die Arbeitsplätze riefen, welche den Dreien ebenfalls zügig gezeigt wurden. Soweit alles für den Anfang hinter sich gebracht, stand nun das Gespräch mit den Verträgen an. Darian und Cara durften zuerst diese Angelegenheit hinter sich bringen, wobei Liam nichts tuend vor sich hin wartete. "Liam, du bist dran.", kam es von dem Mitarbeiter von eben, der ihn bis zu dem Büro von Grayson führte. "Grayson, der letzte Praktikant wäre dann auch nun da.", mit diesen Worten öffnete der Mitarbeiter die Tür und ließ Liam eintreten, woraufhin sich die Tür dann auch schon hinter Liam schloss. "Danke, dass Sie sich die Zeit nehmen. Wenn es in Ordnung ist, würde ich vor Ihnen Platz nehmen.", sprach Liam mit sanfter und doch kraftvoller Stimme, wobei er auf die Antwort von Grayson wartete.
      “Never be afraid to be kicked in the teeth. Let the blood and the bruises define your legacy.”

    • Chief Executive Officer oder nicht, Grayson wusste zu viel über diese Firma und wusste auch, dass so manch Mitarbeiter zu viel über ihn wusste. Verflucht, die Meisten seiner Mitarbeiter kannten ihn wahrscheinlich schon seitdem er jung war und was würde es ihn wundern, wenn seine Mutter auch für Delta gearbeitet hatte und eine Geschäftspartnerin, oder die Sekretärin seines Vaters gewesen war. All diese Fragen würde aber auch ein Glas Whiskey mit ausreichend Eiswürfeln nicht beantworten, selbst wenn er für eine Sekunde lang in dieses starren sollte, bis er erkannte, was sich in einer Illusion auf dem Grund des Glases befand, und er dieses ... Gebräu nicht in seine Kehle, sondern eine seiner gehassten Büropflanzen kippte. Was Grayson dafür geben würde, nicht er zu sein, konnte er nicht genau sagen, aber dass er genau dafür einen saftigen Stapel Geld bezahlen würde, würde wohl ein jeder glauben, der ihn bei seinen Rauchgewohnheiten beobachtete, während er versuchte, sich auf Papierkram zu konzentrieren, der vor ihm lag. Die Verträge hatte man ihm gebracht, unterzeichnet hatte er sie bereits und es fehlte eigentlich nur mehr die Unterschrift der Praktikanten, die so sehr an ihm nagte, wie noch nie. Vielleicht war es die trockene Kehle, an der er just in diesem Moment litt, oder aber auch die Tatsache, dass er von Gefühlen übermannt wurde, die er nicht wiedererkannte, weil sie nicht zu ihm gehörten - was zum Teufel sollte das werden? Liam beschäftigte ihn mehr, als er sollte, und nur, weil er vor wenigen Jahren die Realisation gehabt hatte, dass er nicht er war, sondern ein Hirngespinst eines zweiten Lebens, weil sein erstes bereits vor Ewigkeiten geendet hatte.

      Sein Herz pochte in seiner Brust, schlug unaufhaltsam, als wolle es sich aus dem fleischernen Käfig befreien und Grayson selbst würde es vorziehen, sich just in eben jenem Moment in einer seiner Pflanzen zu übergeben, hielt sich allerdings zurück. Verflucht nochmal. Das Klopfen an seiner Tür und die Praktikanten, die allesamt nicht Liam waren, interessierten ihn nicht, und doch hielt er sich am Riemen und ging auf das Standardprozedere mit ihnen ein - junge Leute, die auf weichen, schlotternden Knien in dieser Welt standen und nicht wussten wohin mit ihnen, während sie versuchten, jemand zu werden der sie zu diesem Zeitpunkt noch nicht waren. Wie es das Schicksal so wollte war der Letzte von ihnen derjenige, mit dem Grayson wohl oder übel den Rest seiner Zeit verschwenden wollte. Liam Zerces. "Danke für die Info", sprach er lediglich seinem Mitarbeiter entgegen, als er nebenbei ein anderes Dokument ausfüllte. Wenn er in seinem letzten Leben wirklich der Berater eines verfluchten Kaisers war, wieso fiel es ihm in diesem so schwer, Ordnung zu halten? Verflucht nochmal. "Ich nehme mir für meine Mitarbeiter immer gerne Zeit - und nimm' Platz, wo auch immer du möchtest", meinte Grayson lediglich, bevor er Zeigefinger und Daumen gegen sein Nasenbein drückte und die Augen schloss. "Verzeih', ist es in Ordnung wenn ich dich duze?", warf er lediglich in den Raum, bevor er den Vertrag vor sich nochmals kurz musterte, ihn drehte und zu Liam schob. "Ich bräuchte eine Unterschrift von dir, und zwar ... dort", mit einem Fingerwink zeigte er auf ein leeres Feld am unteren Ende des Vertrages. "Und auf der letzten Seite, aber lass dir Zeit und lies ihn dir durch. Darf ich dich im selben Atemzug vielleicht auch gleich fragen, wieso du dich bei Delta beworben hast?" Ruhm. Reichtum. Ein besseres Leben. Grayson Tiáns Herz, womöglich.
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    • Auch wenn es sich hierbei um einen neuen Abschnitt in Liam’s Leben handelte, sah er selbst alles gelassen, machte sich keinen großen Kopf und sorgte einfach dafür, dass ihm keiner etwas Negatives sagen konnte. Solange man seine Arbeit gut verrichtete und es keinen Gegenwind gab, sollte das normalerweise ausreichen, wobei er natürlich auch auf sein Image achtete – als ein Arschloch, oder Sonstiges wollte man immerhin nicht unbedingt dastehen. Seinen Arbeitsplatz hatte Liam bereits gründlich inspiziert und sich dazu auch schon vorgestellt, wie er diesen denn einrichten würde, sobald der Vertrag mit seiner Unterschrift unterzeichnet wurde. Familiäre Bilder fielen schon einmal weg, doch ein Bild seiner Katze wäre bestimmt ein feiner Anblick. Das wohl einzige Lebewesen, welches bisher nicht von seiner Seite wich und anscheinend auch stets dortbleiben würde. Aus seinen Gedanken an das silberhaarige Tier gerissen, widmete sich Liam wieder dem freundlichen Mitarbeiter, der den Praktikanten zugeteilt wurde. Nicht sehr lange würde es mehr andauern, bis er im Büro von Grayson Platz nimmt und den Vertrag vor sich begutachtet, der nur darauf wartete, unterschrieben zu werden. Allerdings machte sich nun eine Frage in dem Kopf von Liam breit, und zwar, ob er sich direkt gut mit dem CEO stellen sollte, oder er lieber etwas Abstand nimmt, um nicht aufdringlich zu wirken? Vielleicht wäre es zu überstürzt den Mann zu einem Drink einzuladen, um sich eventuell etwas kennenzulernen und über das Arbeitsleben zu sprechen, wobei das wohl eher ein unpassendes Thema für einen Feierabend sein würde.

      Es war an der Zeit sich von seinem neuen Bürostuhl zu erheben und die Höhle des Löwen zu betreten, wobei Grayson nicht wirklich wie ein Löwe wirkte, auch wenn es sich bei ihm um den Kopf der Firma handelte. Liam war die Ruhe selbst, als der Mitarbeiter die Tür zu dem Büro des CEO’s öffnete und dann auch schon wieder verschwand, nachdem alles Wichtige gesagt war. „Das weiß ich zu schätzen und vielen Dank.“, meinte er mit einem sanften Lächeln, ehe er sich auf Grayson zubewegte und vor dem Tisch, auf einem Stuhl, Platz nahm. Ein eher unerfahrener Jungspund war Liam gewiss, allerdings besaß er ein gutes Maß an Selbstvertrauen und wollte nicht im Erdboden versinken, wenn so eine gewaltige Präsenz vor ihm saß – im Gegenteil. „Natürlich ist das in Ordnung, wenn es das auch für dich ist?“, kam es direkt erkundigend von ihm, denn immerhin sollte das Duzen dann auch auf Gegenseitigkeit beruhen. Mit einer Hand eine Strähne seiner Haare nach hinten gestrichen, sah Liam konzentriert zu dem Vertrag vor sich, woraufhin er diesen in seine Hände nahm. Gott sei Dank konnte er schnell lesen und musste sich nicht ewig mit einem Haufen an Wörtern befassen, weshalb der Vertrag relativ schnell durchgelesen war, auch wenn es wie ein einfaches überfliegen wirkte. „Wieso ich mich bei Delta beworben habe, hm?“, wiederholte Liam die Frage, während er den Vertrag wieder vor sich auf den Tisch legte, nach einem Stift griff und alle Stellen unterschrieb, wo seine Unterschrift benötigt wurde. „Eventuell klingt das jetzt etwas hochnäsig, oder überheblich, doch… Ich bin von mir selbst überzeugt, dass nicht einfach irgendein Arbeitnehmer bin, der nur seinem Chef hinterher räumt, wenn er mit dem Finger schnipst.“, erklärte er sich, wobei sein Blick auf Grayson überging. Bei seinen Worten handelte es sich nichts weiter, als um die pure Wahrheit und die Selbstsicherheit, die Liam in sich hatte und spürte. Dabei war eventuell eine Prise Hochmut dabei, wovon er allerdings aber niemals fallen würde. „Es ist wie eine Art inneres Bauchgefühl, dass ich in dieser Firma meine Flügel entfalten kann und nicht nur an meinem Schreibtisch versauern werde.“, auch der damalige Kaiser, Larzod Permaz, sprach in solchen Tönen von sich, als er noch nicht als Kaiser das Land regierte. Grayson müssten diese Worte mit Sicherheit noch in seinem Kopf herumschwirren, da Larzod im jungen Alter ständig davon sprach und nie lockerließ.
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    • Hochmut kam vor dem Fall und sie alle wussten genau, dass es nichts ausmachen würde, wenn sie ein kleines bisschen an Ambitionen in ihrem bisherigem Leben zeigten. Immerhin sah es auf einem Lebenslauf gut aus, hatte man sich dazu durchgeboxt, diverse, freiwillige Tätigkeiten zu übernehmen. Viele von ihnen bewarben sich allerdings ohne jedwedes zusätzliches Wissen, oder derartiges Addendum im Lebenslauf und Grayson war es, wenn er ehrlich war, relativ egal. Diejenigen, die nicht das Glück hatten, der Sohn seines verstorbenen Vaters oder eines anderen, erfolgreichen Geschäftsmannes zu sein, zogen ohnehin immer den Kürzeren, egal was sie taten. So oft hatte man versucht, ihm die Übernahme auszureden und jemandem die Firma zu überlassen, der sein Leben lang für diese gearbeitet hatte, anders als Grayson, der eine relative kurze Karriere hatte, als er während seinem Studium nebenbei für Delta arbeitete, dann als einfacher Mitarbeiter und prompt einen Sprung in die Höhe der Karriereleiter machte und hier landete - in einem unbequemen Ledersessel, in einem Büro, das so eingerichtet war, dass einen die Mittagssonne, die einem sowieso immer im Nacken saß, nicht nur das Augenlicht raubte, sondern einen auch dazu brachte, förmlich zu schmelzen. Des Öfteren hatte er es sich überlegt, mit jemandem dieses elende Büro zu tauschen, weil es kaum etwas gab, das ihm daran gefiel, doch wenigstens hatte er hier oben für eine gewisse Zeit seine Ruhe und konnte entspannen, bevor man in sein Büro krachte und unmögliche Dinge von ihm oder anderen Personen in diesem Unternehmen verlangte. Warum genau er sich auf all das hier eingelassen hatte, konnte er nicht sagen, aber womöglich verschmähte er es gar nicht, ohne viel Arbeit eine hohe, gut bezahlte Position einzunehmen. So hatte er für den Rest seines Lebens vorgesorgt und sollte Delta jemals zu Grunde gehen, dann sicher erst nachdem er aus dem Unternehmen verschwunden war.

      Im hier und jetzt gab es allerdings keinerlei Anstalten, zumindest von seiner Seite aus, sich seinem Schicksal zu beugen und vollkommen in seiner Misere zu versinken, egal wie viele Zigaretten es waren, die er noch in seinen Mund stecken würde. Vielleicht sollte er sich aber auch einfach bemühen, dieses nervige Stress-rauchen ab zu blasen und sich um das Wohlergehen seiner angeschlagenen Lungen zu kümmern, die es ihm womöglich danken würden, würde er seinen Körper nicht auf Dauer mit Gift füllen. "Keine Ursache", kam es knapp über die eigenen Lippen, als Liam begann, ihm zu danken - etwas, das in diesem Fall mehr Glücksgefühl in ihm auslöste, als es sollte. Verflucht, was war er? Ein junges Schulmädchen das Gefühle für ihren Lehrer entwickelt hatte? Hoffentlich doch nicht, ansonsten würde er sich selbst den Kopf abschlagen. "Da kann ich fast nicht nein sagen", lachte Grayson leicht, als man ihn nicht nur bei seinem Fehler erwischte, sondern die Situation gleich gänzlich zu seinem Gunsten ausnutzte. Wahrhaft, Liam war ihm zuvor gekommen und ehrlich gesagt wusste Grayson nicht, ob es ihm gefiel - aber diese Suppe hatte er sich ohnehin selbst eingebrockt. Wer war auch so dumm und versuchte vor einem Praktikanten nicht höflich zu bleiben, geschweige denn ihn auf Abstand zu halten? Grayson. Wenn es etwas gab, das ihn momentan aus dem Konzept brachte, dann war es die offensichtliche Reinkarnation eben jener Person, die sein Gehirn allein durch Worte zu Brei verarbeiten konnte. "So so, ambitioniert und von sich selbst überzeugt, hm? Ich glaube, du bist hier relativ gut aufgehoben und wirst dich nicht unterkriegen lassen. Diverse Mitarbeiter können etwas ... harsch sein, wenn es um Praktikanten geht, die ihnen potentiell den Rang ablaufen können", bemerkte er. Eigentlich würde er Larzod zu Füßen liegen, aber das hier war nicht länger der Ort und Platz, oder gar die Zeit, um eben jenes zu tun. Sie beide waren an etwas gebunden, an diese Welt die nicht mehr die der ihren glich, und so würde es auch bleiben. "Wenn du der Meinung bist, dann hoffe ich doch wohl, dass ich gute Arbeit von dir sehen werde." Grayson wusste in diesem Moment eines: Egal, wie weit sein Leben als Cassius verblasst war, und egal, wie viele Leben es nach oder vor diesem schon gegeben hatte - der Mann vor ihm musste sich gar nicht um sein Herz bemühen, denn er hatte es schon, fest umklammert in seiner Hand. "Kann ich dir vielleicht ein Glas Wasser, einen Kaffee, eine Zigarette oder Ähnliches anbieten?" Trivialitäten waren in diesen Worten zwar ohnehin enthalten, aber besser wäre es, Liam zu beschäftigen, bevor er sich ziellos hier aufhalten musste, während Grayson seinen Vertrag wohl oder übel mit Stempel versehen musste, kopierte, einheften musste und dann noch über andere, langweilige Dinge schwafeln durfte.
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    • Als eine vollkommen andere Person wiedergeboren zu werden, in einem völlig anderen Zeitalter und dann noch nicht einmal die Erinnerung an sein vergangenes Leben zu besitzen, ist dann doch etwas ‘unglücklich‘. Wenn man selbst natürlich keinerlei Kenntnisse darüber besitzt schein es definitiv weniger tragisch zu sein, allerdings würde man sich bestimmt damit beschäftigen, falls man es nicht als eine erfundene Geschichte abstempeln sollte. Wer sollte denn auch irgendeinem dahergelaufenem Mann glauben, den man wahrscheinlich nicht einmal wirklich kennt und dann mit solch einer Erzählung um die Ecke kommt? Womöglich keiner. Ehemaliger Kaiser eines Landes klingt zwar in den Ohren sicherlich angenehm und besonders, jedoch klingt es ebenfalls nach einem Märchen, welchem man keinen Glauben schenken kann. Liam war nun einmal ein einfacher Mensch, ohne irgendwelche vergangenen Erinnerungen. Sein jetziges Ich versucht sich in diesem Leben etwas aufzubauen, wobei sein damaliges Ich seinen Titel schon in die Wiege gelegt bekommen hatte. Das mag auch wahrscheinlich der einzige Unterschied zwischen dieser Person sein, welche nun einen anderen Namen trägt und keinerlei Ahnung davon hat, dass sie bereits in der Vergangenheit ein Leben lebte, wenn auch nur ein Kurzes. Nach seinem Vater hätte dieser viel lieber eine Tochter in diese Welt erzeugt, die dann einen wohlhabenden Mann heiraten und der Familie somit Unterstützung bieten soll. Einer der vielen Gründe, warum Liams Eltern keine Liebe für ihr einziges Kind empfinden. Traurig, aber wahr.

      Liams Blick durchflog den halben Raum, während er dort saß und das nur, um zumindest irgendetwas über Grayson in Erfahrung bringen zu können, ohne explizit danach fragen zu müssen. "Na dann ist ja gut.", gab er mit einem zufriedenen Lächeln zurück, da wahrscheinlich auf nicht jeder den CEO duzen darf und schon gar nicht ein gerade erst eingestellter Praktikant. Liam wusste meist wie er mit Menschen in seinem Umfeld umzugehen hatte, auch wenn es sich nur darum drehte etwas von ihnen zu bekommen. "Wenn man nicht ambitioniert ist, wird man nie auffallen, oder gar aufsteigen. Allerdings kann ich versichern, dass ich niemandem direkt auf den Schlips treten werde, weil ich der Meinung bin, dass ich seinen Rang mehr verdient habe.", das Gerede rund um ihn herum würde er sowieso ausblenden, oder sachlich darauf eingehen, was sein Gegenüber in Grund und Boden stampfen wird. Natürlich könnte Liam auch provokant zeigen was er drauf hat und dies auch jedermann unter die Nase reiben, was aber negative Reaktionen mit sich bringen würde und das wäre mit Sicherheit eine Schiene zu kontraproduktiv. "Selbstverständlich.", kam es lediglich gerade heraus, während sich Liams Blick wieder minimal gebannt auf Grayson richtet. Die nächsten Worte seines Gegenübers ließen ihn erleichtert seufzen, woraufhin er mit einem dankbaren Blick antwortete. "Eine Zigarette und ein Glas mit Wasser wäre perfekt. Ich heute morgen keine Zeit mehr etwas zu essen, da würde mir das jetzt gut tun.", warum musste seine Katze ihm auch in der Früh so auf die Nerven gehen und noch dazu in sein Essen springen? So viel in der Früh noch in der Wohnung zu wischen und dann noch das Talent haben pünktlich zu seinem Termin zu erscheinen, brachten einen Haufen an Stress mit sich, da kam ihm auch die angebotene Zigarette gelegen. "Fühlst du dich hier überhaupt wohl, wenn ich das fragen darf? Du hast nämlich keine Sekretärin, diese Pflanze dort hat bestimmt schon bessere Tage hinter sich und ansonsten sieht das Büro nicht sehr 'heimisch', oder angenehm aus.", erkundigte sich Liam, während sein Blick noch immer auf Grayson gerichtet war. Ein anderes Thema für einen Smalltalk viel ihm gerade nicht ein und eventuell lag er mit seiner Frage auch noch richtig.
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    • Ob Gold oder Silber, jeder Löffel hatte eine Farbe und wie es diese Welt so wollte, hatte Grayson in diesem Leben einen der Goldenen abbekommen und im Letzten an einem Silbernen herumgekaut. Noch immer war es für ihn irgendwie komisch, dass er sich so sehr an dieses Leben, das nie wirklich war, erinnern konnte und glaubte, dass er wirklich die Spiegelbilder derjenigen in ihren Augen sehen konnte, die sie in ihrem vorherigen Leben waren. So sehr er sich allerdings auch daran entsinnen wollte, oder gar versucht hatte, mehr herauszufinden, so kurz waren die Exzerpte und Berichte, die er über sich selbst - über Cassius - finden konnte und viel mehr über seinen Kaiser, Larzod Permaz, konnte er auch nicht herausfinden. Wer glaubte in dieser Welt auch schon an Flüche und derartige Dinge? Genau, die Wenigsten, die ihre Liebsten nicht an eben diese Dinge verloren hatten, die sich nicht mehr erinnern konnten, wie ihnen einst geschehen war. Wenn es einen Fluch auf dieser Welt gab, so fand Grayson, dann war es eben jener, in diesem Moment vor dem Objekt seiner Begierde zu sitzen, an den er sich schemenhaft erinnern konnte, und von Anfang an zu wissen, dass er seine Hände nicht nach ihm ausstrecken konnte, selbst dann, wenn ihm sein Herz bereits gehörte. Grayson wusste, dass er sich am Riemen reißen musste, um nicht aufzufallen und Aufsehen zu erregen. Aber wem fiel es schon leicht, sich zu benehmen, wenn man so nah an dem war, nachdem man seit einer gefühlten Ewigkeit verlangte? So, als wäre seine Kehle eine staubtrockene Wüste fühlte er sich, jauchzen wollte er, nach der Person rufen, die es schon längst nicht mehr auf dieser Welt gab - er schluckte sein Verlangen herunter, so, als wäre er in der Lage, es mit einem solch einfachen Akt zu begraben.

      Alles, was es in diesem Raum gab, gehörte größtenteils nicht Grayson - wobei das auch nicht sonderlich richtig war. Es gehörte ihm, aber das Büro hatte sich kaum verändert, seitdem es seinen Vater nicht mehr gab. Nur die Arbeit nannte er seine Eigene, aber der Charme, den dieser Raum einst hatte, ging mit seinem Besitzer einher - und in diesem Fall passte nichts davon mit seinem neuen Besitzer zusammen. Vielleicht wäre es gut gewesen, das zu ändern, aber genau dann würde es sich so anfühlen, als würde er etwas tun, das einfach nicht sein sollte. "Du könntest nicht mehr recht haben. Natürlich setze ich voraus, dass du dich mit deinen Kollegen verstehst, aber ich glaube, du wirst schon mit ihnen zurechtkommen - solltest du irgendwelche Anliegen haben, kannst du dich natürlich an mich wenden", vermutlich war das aber auch nur eine schemenhafte Taktik von Grayson, der genau wusste, wie er mit den Schachfiguren auf seinem Brett zu spielen hatte - und wenn er etwas haben wollte, dann nahm er es sich, selbst wenn er dabei keine Rücksicht auf Verluste nahm. In diesem Fall wollte er lediglich Liam für sich selbst, einfach, weil er hinter dessen Augen etwas Anderes sah, das sein Herz dazu brachte, ihm fast aus der Brust zu springen. Seine Nackenhaare stellten sich in eben jenem Moment auf, bevor er seine Schachtel Zigaretten aus einem der Läden seines Schreibtisches nahm, sich eine aus dieser nahm, die Packung seinem Praktikanten zuschob, sich seinen eigenen Glimmstängel dann anzündete und ihm das Feuerzeug reichte, bevor er ihm noch den - beinahe leeren - Aschenbecher über den Tisch schob und selbst aufstand. "Tu' mir den Gefallen und hol' dir nachher etwas anständiges. Ich kann schlecht Moralapostel spielen, aber glaub mir, du kannst die Energie sicher brauchen", murrte er, kaum wandte er dem Praktikanten den Rücken zu. Ein kurzer Griff zu einem Glas, das definitiv eher ein Whiskeyglas war, als irgendetwas anderes, griff er nach einem Krug, der neben der Kaffeemaschine stand. Nachdem das Wasser den Behälter wechselte und er dieses Liam vorsetzte, hörte er diesem zu, als hätte er gerade einen wunden Punkt getroffen. "Meine letzte Sekretärin habe ich entlassen, die Pflanze dient wohl oder übel als Auffangbehälter für Alkohol der mir aufgezwungen wird und das Büro habe ich nicht umdekoriert, seitdem es mir gehört. Es erfüllt seinen Zweck, glaub' mir." Ein bequemes Bett stellte es dennoch nicht dar.
      Looking back, it maybe is like the toy carts you rode when you were a kid. But those toy carts could never go beyond the walls of the lawn. We want to follow the rugged concrete road beyond the wall. As we've grown, we've decided to leave behind the toy cart.

    • Wenn etwas nicht so lief, wie man es unbedingt wollte, dann blieb es einem nicht anders übrig, als die Situation zu drehen und das Beste daraus zu machen. Bei Liam handelte es sich dabei zwar leider um seine miserable Kindheit, wobei er aber dennoch die Kurve bekommen hatte und sich dazu entschied etwas besseres, als seine Eltern zu werden. Wenn dazu noch Erfolg, als Belohnung seiner Taten, mit von der Partie war, dann könnte er sich derzeit kaum etwas Erstrebenswerteres im Leben vorstellen, da er nicht zwingend immer mehr benötigte, um glücklich zu sein. Andere wären eventuell in einen nichts sehr schönen Abschnitt ihres Lebens gefallen, bei dem man durchaus schnell seinen eigenen Wert und die eigene Würde aus den Augen verlieren kann, was man aber niemals machen sollte. Sein eigenes Wohlergehen sollte stets an erster Stelle sehen und niemals dürfte man dies leichtfertig hinten anstellen. Für Liam gab es zwar nichts wo er sich verbundener Maßen daran festhalten musste, außer an seiner Katze und womöglich seine neue Arbeitsstelle, wenn denn alles positiv verläuft und sich der Herr keine Feinde macht. Leistete man zufriedenstellende Arbeit und niemand hatte etwas daran auszusetzen, konnte man sich bereits dessen sicher sein, dass man seine Arbeit gut verrichtete. Ein Lob für seine geleistete Arbeit wäre zwar die Kirsche auf der Torte, jedoch dürfte man niemals nur für ein wahrscheinlich nicht einmal ernst gemeintes Lob arbeiten. Man stand für sich und das Geld auf seinem Konto jeden Tag auf, jedoch könnte eventuell bald ein neuer Grund hinzukommen.

      Gefühlt kam es Liam so vor, als würde er um einiges länger im Büro des CEO's Zeit verbringen, wobei er nicht recht einschätzen konnte, ob das nun etwas Positives war, oder doch etwas Negatives. Früher, oder später würde sich das bestimmt noch offenbaren, obwohl Liam viel lieber in jenem Moment die Gewissheit darüber hätte und nicht erst dann, wenn es bereits quasi zu spät war. "Ich werde darauf zurückkommen, falls etwas anliegen sollte, was ich allerdings nicht glaube.", wer wollte denn auch schon direkt zum höchsten Tier laufen, wenn es Probleme zwischen ihm und Mitarbeitern gibt? Alleine so etwas zu regeln gehörte mit zu seinen eigenen Stärken, außer sein Gegenüber stellte sich auf die unmöglichste Weise quer und ließ kein Wort mit sich reden. "Vielen Dank.", bedankte er sich freundlich bei Grayson, ehe er schon die Zigarette zwischen seinen Lippen hatte und mit dem Feuerzeug, welches ihm gereicht wurde, anzündete. Das Feuerzeug zurück auf den Tisch vor sich gelegt, sah er dann auch schon wieder zu dem CEO, der keine Anstalten machte das Gespräch irgendwie zu Ende zu bringen. "Werde ich machen, sobald ich meine erste Pause antreten darf, keine Sorge.", bestätige Liam mit einem beinahe zuckersüßen Lächeln auf den Lippen, woraufhin er einen Zug von seiner Zigarette nahm und daraufhin einen Schluck von dem bereitgestellten Wasser trank. Hatte der Praktikant denn tatsächlich einen wunden Punkt getroffen und wenn ja, wie schlimm würde sich das gerade auswirken? "Wenn dem so ist.", knappe Worte von Liam, die beinahe aus dem Munde des damaligen Kaisers hätten kommen können. Weiter darauf einzugehen würde wohl nichts bei Grayson bringen, obwohl dieser hier einiges an Veränderung gut vertragen könnte. Der Smalltalk schien irgendwie beendet zu sein und Liam wusste nicht so recht, was er jetzt noch in den Raum werfen könnte, um die Stimmung wenigstens etwas zu steigen.
      “Never be afraid to be kicked in the teeth. Let the blood and the bruises define your legacy.”

    • Grayson Tián ließ sich am ehesten dadurch beschreiben, dass er eine Art von Selbstgefälligkeit und gleichzeitiger Unzufriedenheit ausstrahlte, was oftmals dazu führte, dass es diverse Personen gab, die für sich selbst realisieren mussten, dass ihr perfekter CEO gar nicht so perfekt war, sondern sichtlich gelangweilt von diesem und wahrscheinlich auch von seinem nächsten Leben. Die Realisation, dass man eben nicht alles haben konnte und dass derjenige, der eben alles hatte, beinahe daran ersticken würde, war verrückt - Grayson selbst wusste aber, dass es nicht mehr war als ein augenscheinlicher Vorhang, dem man um seinen Hals legte und die Schatten, die durch die Sonne auf der kahlen Leinwand wiedergespiegelt wurden, oftmals nur der unbeschriebenen Halbwahrheit entsprachen. Seine Eltern waren beide keine Menschen, mit denen man gut Kirschen essen konnte - wenn man nicht gerade ihr Sohn war. Genau genommen wusste er, dass es nicht viel brachte, würde er sich über sie aufregen, oder sie gar in ihren Gräbern verteufeln, aber wieso sollte er das auch? Alt genug, um zu realisieren, dass nicht jeder ein Freund seiner selbst sein konnte, wusste er - und doch hatte er gerade Dinge im Kopf, die nicht seine Familie betrafen, sondern die Vergangenheit, die er liebend gerne verdrängt hätte. Realisationen gab es in seinem Leben nicht mehr viele, doch diese, die er jetzt vor sich hatte, in einem Moment, in dem er klar denken konnte, war so, als wäre sie ein Fiebertraum - als existiere Liam nicht wirklich, sondern war nur seine Einbildung, während er versuchte, Cassius zu verdrängen und sich darum zu bemühen, sich selbst wieder in die Augen starren zu können, die eigentlich beide nicht mehr funktionieren sollten. Womöglich wäre er dann in einer anderen Welt, in einem anderen Leben, gefangen - aber genau das wollte er sich nicht ausmalen.

      Sollte er Liam verscheuchen, ihn persönlich zu seinem Arbeitsplatz bringen? Nein, das war vermutlich die falsche Entscheidung. Gleich, wie er wusste, dass sich diese Konversation unnötig in die Länge zog, nur weil er in diesem Moment noch nicht loslassen wollte. Er war so nah an Liam und doch so weit entfernt, als würde sein eigener Tisch eine Kluft zwischen den beiden ausheben, die viel tiefer war als man es sich vorstellen konnte. "Freut mich zu hören", sprach Grayson mit einem sanften Lächeln auf den Lippen die schon so ausgelaugt davon waren, immer wieder die gleiche, falsche Form anzunehmen, nur weil man es als höflich ansah, sich vor diversen Geschäftspartnern zu verneigen, als wäre man ein Hund, der es nicht anders gelernt hatte als eben so. "Keine Ursache", ein Zug von seiner Zigarette und die Rauchschwaden eben jener verblassten, desto weiter sie nach oben stiegen. Eigentlich gab es in diesem Gebäude eine strikte Regelung gegen das Rauchen, aber als CEO konnte man sich alles erlauben - selbst, wenn man seinen Praktikanten malträtieren wollte. "Gut, das freut mich zu hören", mit einem kurzen Griff nach dem Vertrag von Liam legte er diesen wieder auf seine eigene Seite des Schreibtisches und begann, die Unterschriften mit einem Firmenlogo und einem Datum abzustempeln. Wieso tat er sich diese Arbeit an? Wahrscheinlich, weil er seine Sachen penibel und genau ordnen wollte und nicht immer die Chance dazu bekam. "Ach ja - willst du eine Kopie von deinem Vertrag? Ich kann ihn dir gleich kopieren oder ich kann dir eine digitale Kopie zukommen lassen. Du bist von meiner Seite aus aber insofern entlassen und kannst zurück zu deinem Arbeitsplatz gehen", riet Grayson ihm, als er sich eine Strähne aus dem Gesicht wischte. Ewig festhalten konnte er Liam leider nicht.
      Looking back, it maybe is like the toy carts you rode when you were a kid. But those toy carts could never go beyond the walls of the lawn. We want to follow the rugged concrete road beyond the wall. As we've grown, we've decided to leave behind the toy cart.

    • Der Mensch konnte viele verschiedene Gesichter in einem einzigen Leben aufweisen, wenn dieser es nur wollte. Dabei war es völlig irrelevant welche Gründe man dazu hatte, sei es um jemand anderen zu täuschen, um jemanden dazu zu bringen, einen zu mögen, oder weil man mit sich selbst nicht zufrieden war. Möglichkeiten über Möglichkeiten und dennoch musste keine von ihnen zutreffen, da es sich bei jedem von ihnen um ein Individuum handelte und sie somit beinahe unberechenbar waren, außer man handelte so offensichtlich, dass man ihre Absichten, oder Gründe, gar nicht übersehen konnte. Der damalige Kaiser, Larzod Permaz, hatte nicht tatsächlich etwas für die Liebe übrig, bis auf für eine Person, der er nicht einmal seine Liebe offenbaren konnte, oder eben wollte. Vielleicht handelte es sich hier um eine göttliche Fügung, dass Larzod und Cassius, als neue Personen in etwa der gleichen Zeit wiedergeboren wurden und nun den gleichen Arbeitsplatz aufsuchten. Die Rangordnung hatte sich zwar von Grund auf geändert, was aber wohl keine Rolle spielen sollte, da Liam immerhin auch keinerlei Erinnerungen an sein vergangenes Leben hatte. Allerdings wäre es durchaus möglich, dass sich der junge Mann auch in diesem Leben in sein derzeitiges Gegenüber verlieben könnte. Vollkommen auszuschließen war dies nicht und dennoch konnte man nicht fest davon ausgehen, weshalb Grayson gerade nur seine Erinnerungen blieben. Sowohl wundervolle Erinnerungen, als auch schlechte, wie als Beispiel der Tod seines Kaisers, was aber normalerweise der verblassten Vergangenheit angehören sollte. Definitiv hätte der CEO mehr Chancen bei Liam zu punkten, wenn er als die völlig neue Person, die er nun ist, sich mit ihm auseinandersetzt und sich langsam an ihn heran nähert, sodass sie sich von Grund auf neu kennenlernen könnten.

      Eine Ausrede damit dem jungen Mann die Flucht aus diesem Büro gelingt, gab es nicht wirklich, bis auf, dass er die Toilette aufsuchen müsste, wobei es dann aber normalerweise der Höflichkeit entsprach noch einmal wieder zurückzukehren. Selbst hatte sich Liam in diese Lage hineinmanövriert und diese Suppe galt es nun auszulöffeln, bis sich ihm die Chance bot zu gehen. Graysons freundliche Antworten ließen ihn nur lächeln, doch darauf noch weiter einzugehen würde eine noch längere Unterhaltung mit sich bringen, die wahrscheinlich in einer unangenehmen Stille ihr Ende findet. Seine Zigarette hatte er mittlerweile im Nu fertig geraucht, weshalb er den Stummel im Aschenbecher versinken ließ und zu dem CEO sah. „Eine digitale Kopie würde ausreichen, vielen Dank.“, mit einer flinken Bewegung stand Liam dann auch schon von diesem Stuhl unter sich auf und nickte Grayson daraufhin noch einmal freundlich zu. Kurzerhand führten ihn seine langen Beine zu der geschlossenen Bürotür, welche er öffnete, sodass er das Büro schnellstmöglich verlassen konnte, um dann die Tür wieder hinter sich zu schließen. So hatte sich der junge Mann es zwar nicht vorgestellt, aber immerhin hat er die Erlaubnis bekommen den CEO zu duzen, was mit Sicherheit ein großes Privileg für einen einfachen Praktikanten war. Nach kurzer Zeit kam Liam dann auch schon an seinem neuen Arbeitsplatz an, wo vorerst ein Berg an Papierarbeit wartete. Sortieren hieß die Aufgabe, die er soeben von dem zuständigen Mitarbeiter erhalten hatte und ein nein dürfte auf diese Aufgabe nicht folgen. Bis zu seiner ersten Pause tat er also nichts anderes, als diesen Berg aus Papier zu sortieren und sich beinahe die Finger blutig zu schneiden. „Verdammtes Papier…“, murmelte er leise vor sich her, während sein Blick auf die etwas demolierten Finger fielen. Aber das sollte jetzt keine große Rolle spielen, denn sein Magen knurrte und nach einer Zigarette schrie sein Körper ebenfalls. Mit dem Aufzug fuhr er bis zum Haupteingang der Firma hinunter, verließ diese und machte sich sofort eine Zigarette an, wobei Liam bereits überlegte, wo er sich etwas zu Essen auftreiben sollte.
      “Never be afraid to be kicked in the teeth. Let the blood and the bruises define your legacy.”


    • Selten vergnügte sich ein hohes Tier seines Kalibers gleich mit Frischfleisch und wenn es doch dazu kam, dann war man entweder ein verliebter Volltrottel, so wie Grayson, oder aber hatte andere Ansichten und versuchte, seine neuen Mitarbeiter zu zwingen, gleich mit einem ins Bett zu steigen - definitiv nicht so, wie Grayson. Eine feine Linie gab es dennoch, die den Unterschied zwischen ihnen symbolisierte und wenn es etwas gab, das ihm sauer aufstieß, wenn er daran dachte, dass er es nicht jedem so leicht machen durfte, dann würde er sich am liebsten einen Plan überlegen, wie er die sozialen Strukturen loswurde, die sie alle dazu zwangen, jemand zu sein, der sie nicht waren. Eine tickende Uhr und eine geschlossene Tür später, brummte Grayson und starrte auf das Kopiergerät vor sich, bevor er den Vertrag einscannte, eine Kopie an sich selbst und an Liam sendete und schließlich zu seiner Tür stolzierte, die er von innen versperrte - sein Schädel brummte und seine Laune war auf dem Nullpunkt. Ein kurzer Griff zu seinen Zigaretten später, hatte er den Glimmstängel bereits wieder in seinem Mund, nahm einen Zug und legte sich auf der ledernen Couch nieder, die eigentlich für Besprechungszwecke dort stand. Die Beine überkreuzt, den Kopf auf einem Kissen ruhend, griff entledigte er sich der halb gerauchten Zigarette und öffnete einige Knöpfe seines Hemds, bevor er sich nach rechts, gen Couchlehne, drehte und die Augen schloss. Ausgeruht war er nicht und das sollte auch noch länger so bleiben, einfach aus dem Grund heraus, weil er keine Zeit dazu fand, nach Hause zu gehen.

      Lautstarkes Klopfen an seiner Tür erweckte ihn gegen Mittag, bevor er grummelnd aufstand, sich das Hemd wieder zuknöpfte und die Tür entsperrte, damit er denjenigen, der sich am anderen Ende der Tür befand, eine Predigt darüber halten konnte, dass man seinen CEO schlafen ließ, wenn dieser eine schlechte Nacht gehabt hatte. Ehe er dazu kam, wurde er allerdings schon mit Fragen überhäuft, die er gar nicht erst verstehen wollte - schnaubend und unzufrieden erklärte er dem Mitarbeiter, dass er gerade wirklich keine Zeit hatte, sich um die Approbation einiger dummer Dokumente zu kümmern, die eigentlich schon letzte Woche auf seinem Tisch hätten liegen sollen. Zischen verließ Graysons Lippen zum Abschluss, als er ihn endlich loswurde und sich selbst dazu entschied, es für heute sein zu lassen, nach Hause zu fahren und sich auf dem Weg irgendwo ein heißes Mittagessen zu ergattern, bevor er in seinem Eigenheim dem süßen Schlaf verfiel, der nach ihm rief und ihn nicht loslassen wollte. Den Gang entlang schlurfend, bahnte er sich den Weg an einigen Leuten vorbei, die höchstwahrscheinlich etwas von ihm wollten - aber wenn Grayson eines konnte, dann war es, Leute zu ignorieren. Müde Beine trugen ihn zum Haupteingang, dort, wo sich eine Menschentraube bildete, die aus Rauchern bestand - etwas, das er in diesem Moment nicht wirklich brauchte. Dennoch blieb er stehen, als er Liam erblickte und fragte relativ knapp: "Und? Irgendeine Idee, wo du etwas zu essen auftreibst? Kennst du dich in der Gegend überhaupt aus?", ehe er erneut eine Zigarette nahm, um seinen eigenen Hunger zu unterbinden und eine Berechtigung zu haben, hier stehenzubleiben.
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    • War man etwas Besonderes, wenn das Schicksal zwei bereits verblasse, sowie vergangene, Menschen ein neues Leben schenkt und wieder miteinander vereint? Eventuell ist es sogar gewollt, dass der damalige Kaiser nun keine Erinnerungen mehr an sein vergangenes Ich besitzt und in seinem neuen Leben von vorne beginnt. Zu Schade, dass niemand diese Frage mit hundertprozentiger Gewissheit beantworten könnte, auch wenn plausible Erklärungen dazu äußerte. Wem konnte man schon auf dieser Welt voll und ganz vertrauen, wenn sogar Personen an sich selbst zweifelten und somit keineswegs vertrauenswürdig wirkten? Liam besaß das erneute Vergnügen alles Relevante in seinem Leben zu erkunden und zu lernen, damit er eventuell sogar besser am Ende dasteht, als sein vergangenes Ich. Der naive Kaiser Larzod, welcher von einem grausamen Fluch belegt war und diesen nicht einmal überlebte, obwohl er die Chance dazu hatte. Nur weil er die Liebe zu seinem Kindheitsfreund und Berater nicht aussprechen wollte, geschweige denn für sich selbst zugeben wollte. Dieser dumme Fehler ließ ihn bei seinem 30. Geburtstag von dieser Welt scheiden, was Larzod, wenn er noch einmal von diesem Punkt aus starten könnte, definitiv anders gemacht hätte. Aber nein, jetzt befand er sich in einem völlig anderen Körper, zwar mit in etwa der gleichen Haarfarbe, und ohne Erinnerungen, wovon er selbst kein Wissen darüber besaß. Amüsant wäre es mit Sicherheit anzusehen, wenn Liam ebenfalls die Erinnerungen von damals besäße und sich mit Grayson darüber austauschen könnte, denn immerhin waren sie einst enge Freunde. Träumereien die nur Grayson in seinem Kopf vor sich spielen lassen könnte, wenn er überhaupt seine Gedanken damit füllen ließ.

      Ein knurrender Magen, der ungestillte Drang nach einer Zigarette und was sollte noch folgen? Womöglich Kopfschmerzen die Liam bombardieren würden, sobald sich seine Hände von dem Papierkram erholt hätten. Neue Bekanntschaften konnte er bisher noch nicht in der Firma schließen, bis auf die mit dem CEO, was für den ersten Tag dennoch etwas ernüchternd war. Normalerweise hatte er sich den Tag etwas lebhafter vorgestellt, da es sich immerhin um den ersten Arbeitstag der neuen Praktikanten handelte, aber was hielt die Mitarbeiter schon davon ab ihren Papierkram auf die Neulinge abzuwälzen? Irgendwann stünde Liam mit Sicherheit auf gleicher Stelle, wie die anderen Mitarbeiter gerade standen, wenn nicht sogar höher, damit er zumindest schon nicht mehr die minderwertigste aller Arbeiten abbekam, wobei eine Arbeitsbeschaffungsmaßnahme hier bestimmt auch nicht bezaubernd aussah. Frische Luft durchströmte seine Lungen, nachdem er den Haupteingang des riesigen Gebäudes verließ, woraufhin er allerdings diese frische Luft zunichtemachte, indem er an seiner Zigarette zog. Ungestört schien Liam dabei auch nicht lange zu bleiben, da Grayson hinter ihm auftauchte und knapp seine Fragen stellte. „Mir wurde gesagt, wo man hier akzeptable chinesische Nudel essen kann. Von daher werde ich auf jeden Fall nicht verhungern.“, gab er nach einem kurzen Zug an seiner Zigarette zurück, ehe er weitersprach. „Und nein, ich kenne mich hier nicht sehr gut aus. Aber wie sieht es bei dir aus? Gehst du auch etwas zu Mittag essen, denn du könntest es bestimmt vertragen?“, letzteres sollte keineswegs frech, oder sonstiges der Gleichen klingen, da es sich dabei mehr um Fürsorglichkeit handelte. Den CEO nach einem Mittagessen, in einem kleinen China Restorant zu fragen wäre hier wohl nun fehl am Platz, weshalb Liam die fast zu Ende gerauchte Zigarette in einen Aschenbecher warf und nur noch darauf wartete loszugehen.
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    • Grayson und Cassius waren nun einmal, und würden auch immer, zwei von Grund auf verschiedene Leute bleiben. Einer von ihnen hatte lediglich Glück gehabt, dass ein vernarrter Kaiser ihn so sehr mochte, wie er es schlussendlich getan hatte - der Andere von ihnen war bereits mit Privilegien geboren worden und kostete diese auch zunehmend aus, je öfter er konnte. Grayson bezeichnete sich dennoch als realitätsnah, was meistens auch der Wahrheit entsprach - ein Realist, vielleicht auch ein Pessimist, der wusste, dass es auf dieser Welt nichts gab, das einem einfach so in den Schoss fiel. Für alles musste man arbeiten und selbst dann, wenn man sich dabei keine Freunde machte, so musste man das Gift in sich aufnehmen und es verteilen, so weit möglich. Cassius hingegen war optimistisch - ein Tagträumer, der durchaus glaubte, all die Dinge, die man sich wünschte, würden für jedermann in Erfüllung gehen und nicht nur für ihn, weil ihn der Kaiser unter seine Fittiche nahm und sich einen Narren an ihm gefressen hatte. Auch wenn Grayson derjenige war, der lediglich ein Auge hatte, so war es Cassius, der blind durch das Leben zu laufen schien, wenn es um soziale Hierarchie ging, während er sich an seinen Kaiser klammerte, der sich dabei schwer tat, von ihm abzulassen und für sich selbst zu realisieren, dass sein eigener Berater sich in sein Herz schlich und ihn in sein Grab zwang. Egal wie man es drehte und wendete, es waren Fakten, die Historiker gerne drehten, damit sie dem Weltbild entsprachen, das für sie normal war - nach einer dahergelaufenen Dirne suchten, die das Herz des Kaisers auffraß wie einen Apfel, und doch war es anscheinend ein Mann, der dem Kaiser davon abriet, sich mit einer potentiellen Braut zu treffen - und der Kaiser, der wohl sein ganzes Leben auf die Worte seines Beraters hörte.

      Ein Zug seiner Zigarette, eine Nase frische Luft und ein befreiter Verstand wären wohl die Allheilmittel, um sich in seinen Toyota Supra zu setzen und einfach zu verschwinden, bevor er Zuhause auflief und sich dort, mit dem Gesicht zuerst, auf den Boden, oder den Couchtisch, oder das Bett fallen ließ. Und dann hatte er eine bessere Idee - seine Leber vergiften, er würde sie heute ohnehin nicht mehr brauchen. Natürlich schmeckte Alkohol ungefähr so, als würde er tausend glühende Zigaretten auf einmal schlucken und zeugte davon, dass Grayson ungefähr die gleiche Alkoholtoleranz hatte, wie er eine Toleranz für dumme Ideen hatte, aber hin und wieder war es eine willkommene Abwechslung. "Dass du nicht verhungerst, hört sich schon mal positiv an", die Zigarette fiel auf den Boden, Grayson trat auf sie und ließ den Stummel unter seinem Schuh begraben, während dieses kurze Gespräch stattfand. "Das wird schon noch. Und ich wünschte, ich bin aber auf dem Weg zu einem externen Meeting", welches den wundervollen Namen 'Siri, wie zum Teufel werde ich das metaphorisch klaffende Loch in meiner Brust los und hilft Alkohol dabei' trug - aber das konnte er einem Praktikanten schwer erzählen. "Lass es dir auf jeden Fall schmecken", sagte Grayson noch, da beugte er sich hinunter, hob den Stummel unter seinem Bein auf, entsorgte ihn entsprechend in einem der dafür vorgesehen Aschenbecher und machte sich auf dem Weg zu seinem Wagen, bevor er sich in diesen setzte und davon fuhr - für heute hatte Grayson genug.
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    • Empfänglich für großartige zwischenmenschliche Kontakte war Liam zwar nicht unbedingt, allerdings musste man auch nicht vollkommen alleine durch diese triste Welt voranschreiten, während man meist sowieso nur in Arbeit versank und sich kaum Freizeit nahm, wenn sich denn überhaupt die Möglichkeit dazu bot. Alleine schon für intime Beziehungen hatte Liam so gesehen keine Zeit, da die Arbeit derzeit an der ersten Stelle stehen musste und das nur um sich für den Anfang zumindest zu beweisen. Wer wollte denn auch schon von Anfang an schlecht bei seinem neuen Arbeitgeber dastehen, vor allem wenn man nichts weiter war als ein einfacher Praktikant, der nichts zu melden hatte? Derzeit war das Motto von Livian dann also 'Leben um zu Arbeiten', anstatt wie es eigentlich sein sollte, 'Arbeiten um zu Leben', aber wen kümmerte das schon, wenn sich ein gut funktionierender Mitarbeiter vor ihm befand, der lediglich leichte Augenringe mit der Zeit bekommen würde, weil er selbst Nächte mit seiner Arbeit verschwendete, anstatt sich seinem verdienten Schlaf zu widmen. Hocharbeiten müsste Liam sich und das mit seiner eigenen Zeit, sowie Schweiß, damit er eines Tages vernünftig sein Leben führen könnte und nicht weiterhin als simpler Praktikant in der Welt herumhuschte. Alles anders als Larzod es während seines Lebens hatte, da dieser gefühlt alles in die Wiege gelegt bekam und somit sich nicht von Grund auf hocharbeiten musste, was definitiv angenehmer klang, als davon zu hören, wie es Liam gerade ergeht. Was sollte man aber auch schon daran ändern können, wenn das Leben eben genau so funktionierte und es von einem verlangte, dass man wie ein geschmiertes Zahnrad sich mitdrehte und ansonsten aussortiert werden würde?

      Leider Gottes würde sich der Arbeitstag noch eine ganze Weile in die Länge ziehen, da für den Neuling noch einiges an Papierkram wartete und er seine Stunden definitiv erfüllen müsste, wenn er sich nicht sogar dazu entscheiden würde Überstunden zu machen, aber das stand gerade auf einem anderen Blatt, dem er sich jetzt nicht widmen wollte. "Mit Sicherheit, ansonsten würde es mich dahinraffen.", gab Liam lediglich mit einem kurzen Lächeln zurück, um nicht unhöflich zu wirken. Die Bewegungen Graysons mit den Augen verfolgt, antwortete er dann aber auch schon seinen nächsten Worten. "Bestimmt. Dann verhungere selbst nicht während des Meetings und versuche dir irgendwo etwas aufzutreiben.", was war Liam, seine Mutter? Aber besser als schweigend neben dem CEO zu stehen, der sich dann auf den Weg machen wollte und somit erneut das etwas merkwürdige Gespräch zwischen den Beiden beendete. "Dankeschön. Einen angenehmen Tag noch.", waren vorerst die letzten Worte von Liam an Grayson, der sich dann auch schon auf den Weg zu seinem Wagen machte. Jetzt war es für den Praktikanten an der Zeit gewesen zu Fuß zu diesem chinesischen Restaurant zu finden, dabei etwas zu bestellen was nicht die Welt kostete und sich dann mit dem Essen zu beeilen, damit er nicht zu spät von seiner Pause wieder am Arbeitsplatz antrat. Wie zufriedenstellend es sich anfühlen wird seinen Bauch mit gebrannten Nudeln und Ente vollzustopfen, nachdem sein Magen schon danach schrie endlich etwas zu Essen zu bekommen.
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    • Das Licht in seiner Wohnung flackerte wie in einem schlechten Horrorfilm, kaum zwang er sich dazu, beinahe schon in diese zu stolpern und dabei noch irgendein Licht anzuschalten, damit er nicht über irgendwelchen Müll stolperte. CEO der Delta Corp hin oder her, es interessierte ihn einen Scheißdreck. Müde Augen und träge Beine koordinierten sich durch das mit ungewaschener Wäsche übersäte Minenfeld, das sich diese Wohnung nannte, während er langsam begann, sich aus seiner Kleidung zu kämpfen, bevor er seinen Kleiderschrank erreichte und versuchte, zumindest irgendetwas bequemes zu finden, in dem er gut schlafen konnte. Grayson murrte, warf schließlich auch die Kleidung von heute auf den Boden und schlüpfte in irgendwelche Kleidung, nach der er gerade gegriffen hatte - ein viel zu großes Shirt, das ausgewaschen war und diverse, kleine Löcher hatte und irgendeine Hose, die ihm wohl oder übel über die Hüfte hinunterrutschen würde, band er diese nicht fest. Murrend fing er an, die Kleidung aufzuklauben, überall in der Wohnung, während die automatischen Jalousien den Rest taten, die Abendsonne aussperrten und er selbst nicht mehr wollte als nach zwei Tassen Kaffee und einer Zigarette, irgendwo, auf egal welcher Oberfläche in diesem Apartment zu schlafen. War Cassius auch so ein trauriger Saftsack gewesen? Vermutlich nicht, aber das konnte er ja nicht wissen, waren sie doch nur ein und dieselbe Person - also wusste Grayson es doch, kaum ließ er die Wäsche murrend in einen Korb fallen, den er zu einer Waschmaschine schleppte. Kaum war diese befüllt und eingeschalten, holte er sich ein Glas Whiskey und setzte sich vor sie, als könnte sie all die Dinge ergründen, die in seinem Leben falsch gelaufen waren, aber nein - sie schleuderte nur nasse Wäsche hin und her.

      Das Glas Whiskey war leer, die Wäsche wurde noch immer geschleudert - und Grayson wollte nichts mehr von sich selbst, oder irgendwelchen Gehirngespinsten hören, weswegen er sich salopp auf die Couch in seinem Wohnzimmer gelegt hatte und desinteressiert durch das Nachmittagsprogramm suchte, bevor er einfach aufgab, den Fernseher wieder ausschaltete und das Licht kurz danach. Den Weg in sein Bett fand er nicht oft, doch wenn er es tat, dann war es eben erst dann, wenn er sich so fühlte, als würde sein Geist seinen Körper verlassen, legte er sich nicht sofort hin und schlief die Nacht durch wie ein Stein - zumindest war so der Plan. Jedoch war er kaum im Bett angekommen, als er Läuten vernahm - die schlechte Angewohnheit, eben jenes nicht auszuschalten, kaum war er auf dem Weg nach Hause, biss ihn immer wieder in den Hintern. "Tián, ja bitte?", sprach er, kaum hatte er abgehoben. "Wir hätten in fünfzehn Minuten ein Me-", sprach die Stimme am anderen Ende, es war irgendein Mitarbeiter, der vermutlich wieder einmal keinen gefragt hatte, was genau sein Chef gerade tat. "Ich bin leider außer Haus, können wir das Meeting auf morgen verschieben?" Ohne eine Antwort abzuwarten, legte er auf, schaltete das Handy aus und drückte sich eines der Kissen in sein Gesicht. Die Welt um ihn herum wurde nicht nur stockfinster, er träumte schlussendlich auch von besseren Tagen, nur um viel zu spät aufzuwachen, irgendwann gegen neun Uhr. Grayson brummte, stand auf, zog sich aus, stellte sich in die Dusche - wie schlimm konnte sein Vormittag noch werden? So schlimm, dass sein privates Telefon mit Nachrichten überging. Verfluchter Dreck.
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    • Als ein einfacher Praktikant musste Liam sein Leben nun hier führen, ohne zu wissen, wie das Leben seines vorherigen Ichs überhaupt nur ansatzweise aussah. Würde er sich dann automatisch anders verhalten, wenn er auch nur den Hauch einer Ahnung von seinem vergangenen Ich hätte? Vermutlich und es würde man ihm wohl kaum übel nehmen können, denn normalerweise war er es sonst nicht anders gewohnt sich so zu verhalten, wie es Larzod einst tat. Jedoch war es aber Schicksals Wille, dass der junge Liam keinen blassen Schimmer von alledem hatte und führte ihn deswegen auch zu Grayson, damit ihre Beziehung anders und besser verlaufen könnte. Fragen über Fragen und Liam konnte sich keine einzige davon selbst stellen. Derzeit war er nur mit der Arbeit beschäftigt, die er auf gar keinen Fall schlecht machen wollte, denn immerhin wollte er nicht ewig auf dem Platz eines Praktikanten sitzen bleiben, sondern aufsteigen und das am besten so schnell wie es geht, um sich nicht dumm und dämlich zu arbeiten. Wer wollte schon für alle Ewigkeit auf einem niedrigen Punkt stehen bleiben, wo man sich als nichts weiter wie eine mickrige Made fühlte, die lediglich Mittel zum Zweck war?

      Das Essen in seinem Bauch drehte sich wie verrückt umher, so sehr, dass ihm beinahe schlecht wurde. Nein - niemals dürfte er an seinem ersten Arbeitstag krank werden und früher nach Hause gehen, denn das würde absolut nicht gut bei seinen Kollegen und den ihm Überstehenden ankommen. Die unangenehme Übelkeit war ihm wie in sein entzückendes Gesicht geschrieben, weshalb er sich schnellstens auf den Weg wieder zurück der Firma machte und dort seinen Arbeitsplatz aufsuchte. Es befand sich eine handgeschriebene Notiz auf seinem kleinen Schreibtisch, hinter welcher sich ein riesiger Berg von unsortierten Unterlagen befand. Auf der Notiz stand folgendes: 'Sortiere bis zu deinem Feierabend die dort auf deinem Schreibtisch stehenden Unterlagen, damit diese Arbeit nicht morgen noch auf deinen Schultern lastet.' Die Augen Liams rollten genervt umher, ehe seine zarten Hände nach dem ersten Stapel Unterlagen griff und diese anfing zu sortieren. Von Minute zu Minute wurde seine Haut immer blasser, bis ihm die Übelkeit plötzlich zu viel wurde und er die Flucht zur Männertoilette ergriffen hat. Sämtliche Arbeitskollegen die sich mit in dem Raum befanden sahen dem Praktikanten verwundert hinterher, ließen ihn jedoch alleine in der Toilette zurück. Sein gesamtes Mittagessen entleerte sich in der Toilette vor der Liam kniete und sein Magen schien immer noch keine Ruhe geben zu wollen. Er müsse wohl leider Gottes nach Hause gehen und sich auskurieren, sonst kotzt er vermutlich noch die Unterlagen voll, was fatal wäre. Mit großer Mühe taumelte Liam zu dem nächst besten Mitarbeiter und schilderte ihm die Situation, packte daraufhin seine Tasche und machte sich dann auf den Weg nach Hause. Viel länger hätte er vermütlich mit seinem Magen dort nicht mehr ausgehalten, weshalb ihn ein Taxi zu seiner Wohnung führ und er sich dort weiter wundervoll am übergeben war. Das verdammte chinesische Essen schmeckte zu gut, weshalb er sich ja unbedingt den Bauch vollstopfen musste.
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    • Grayson, Grayson, Grayson - wieso zum Teufel war er eigentlich er? In einer Führungsposition hatte er sich noch nie wohlgefühlt und die Fragmente von Cassius, die nun dafür sorgten, dass er alles wusste, machten es nicht sonderlich besser für ihn. Immer wieder glaubte er, der Schein einer heilen Welt würde ihn verwirren, würde ihm Dinge zeigen, die schlussendlich gar nicht dort waren, wo er sich sie vorstellte, aber dabei war er sich nicht sicher - das, was ihm jedoch klar war, war, dass Liam derjenige war, den er schon so lange suchte, dem sein Herz gehörte. War es lediglich dieser Schmerz, der ihn weiter vorantrieb, oder war es die unbescholtene Wahrheit, dass er - so, wie er jetzt war - nicht überlebensfähig wäre? Grayson wusste so vieles, konnte so vieles und doch war es ihm einfach absolut nicht möglich, er selbst zu sein, oder gar das zu tun, was er tun wollte. Schlussendlich war er nicht mehr, als eine rechte Hand, als ein Diener, der versuchte, ohne seinen Befehlshaber über die Runden zu kommen und eben das sorgte dafür, dass alles nur noch weiter im Chaos versank. Manchmal, so glaubte er, wusste er nicht so richtig, wer er war - Cassius hätte Ideen gehabt, Cassius hätte gewusst, was er mit sich selbst anzustellen hatte und er, der nun einmal Cassius war, wusste gar nichts.

      Während er sich anzog, ging er alle erhaltenen Anrufe und Nachrichten durch - absolut nichts wichtiges war dabei, außer, dass sich der ein oder andere, liebenswerte Mitarbeiter krank fühlte und sich schlussendlich nicht auf die Arbeit begeben konnte. Graysons Lippen verließ ein leichtes Seufzen - er konnte vermutlich auch telefonieren, während er sich anzog und sich dann auf den Weg machte, weswegen er sich eben dazu entschied und hoffte, es wäre nicht zu spät, um seinen Angestellten noch zu gefallen. Natürlich wusste er, dass viele von ihnen glaubten, er wäre unfähig, allein deswegen, weil er nur der Sohn seines Vaters war und nicht mehr, zumindest in ihren Augen. Schweigen war es allerdings, das ihm auf dem Weg in sein Unternehmen Gesellschaft leistete - und dass Liam nicht dort war, nervte irgendwo auch. Eher halbherzig kümmerte er sich um seine Meetings, um all die Dinge, die sonst noch anstanden, zumindest für die nächsten Tage, bis wieder Licht am Ende des Tunnels und ein Sinn in seinem Leben wäre - mehr brauchte es doch auch gar nicht, oder? Was würde er denn sonst auch haben wollen? Auf Tuchfühlung mit einem Praktikanten, der sich an nichts aus seinem Leben entsinnen konnte, zu gehen, war eine dumme Idee und Grayson wusste eben das ... aber schlussendlich war es Verzweiflung, die aus ihm sprach, oder?
      Looking back, it maybe is like the toy carts you rode when you were a kid. But those toy carts could never go beyond the walls of the lawn. We want to follow the rugged concrete road beyond the wall. As we've grown, we've decided to leave behind the toy cart.

    • Endlich war Liam zu Hause angekommen und konnte sich Hals über Kopf in seine Toilette hängen, welche er mit dem wunderbaren chinesischen Essen füllte. Nie wieder würde er so viel essen, oder wahrscheinlich dort erneut essen gehen. Schnell musste er wieder auf seine Beine kommen denn Fehlstunden waren mehr als nur ungern gesehen, wenn ihm nicht sogar dafür der Platz als Praktikant entzogen wird. Etwa eine Stunde brauchte es bis der junge Mann wieder halbwegs auf seinen Beinen stand, sich wie eine Leiche im Spiegel betrachtete und wieder die minimale Kraft fand sich zu dem Unternehmen zu schleifen. Zwar war er bleich als hätte die Sonne nie seine Haut geküsst, so könnte er aber zumindest in diesem Zustand sich um den Berg aus Papier kümmern, den man ihm zum Abarbeiten aufhalste. Arbeit musste nun einmal immerhin gemacht werden und so stieg er lieber erneut in ein Taxi, um diese schnellstmöglich heute noch zu erledigen, anstatt mit einem unwohlen Gefühl erst morgen wieder im Unternehmen aufzukreuzen. Nach etwa fünfzehn Minuten fuhr das Taxi vor das Firmengelände und ließ Liam nach der Bezahlung aussteigen, woraufhin dieser sich schnell seinen Weg in das Gebäude bahnte und in den Aufzug sprang. Lebensmittel würde der Praktikant wohl kaum heute noch zu sich nehmen, obwohl sein Körper geradewegs danach schrie, jedoch konnte er es wohl kaum in Kauf nehmen sich erneut auf der Firmentoilette zu übergeben. Nach kurzer Zeit fand er sich dann an seinem Arbeitsplatz wieder mit dem gleichen Berg Unterlagen wie zuvor, ehe er sich einen Stapel nahm und begann diesen zu sortieren und zu scannen.

      Eine festangestellte Mitarbeiterin bemerkte den Praktikanten und fragte danach wie es ihm denn gehen würde, damit sie auch seine Anwesenheit wieder Grayson melden konnte. Komplett begraben von Papier meinte Liam nur knapp, dass es ihm einigermaßen gut gehen würde und er diesen Berg heute noch definitiv abarbeiten würde. Jene Mitarbeiterin begab sich zu dem Büro des CEOs und klopfte an dessen Tür. Nachdem der Einlass bestätigt wurde überbrachte sie nur die kurze Information, dass sich der krankgeschriebene Praktikant wieder im Hause befand und seiner Arbeit fleißig nachging - nach dieser Nachricht machte sich die Mitarbeiterin wieder ihrer Wege. Liams Kopf brodelte nur so vor lauter Zahlen und Buchstaben, da diese Unterlagen nicht einmal ansatzweise vorher auch nur irgendwie sortiert wurden. Bei welchem Monat war er nun angekommen? Juli? Verdammt - oder war er doch noch bei Juni und hatte etwas durcheinander gebracht? Dadurch, dass er kein Essen mehr, nachdem er sich übergeben hatte, zu sich genommen hatte plagten ihn mittlerweile nervtötende Kopfschmerzen. Hastig durchsuchte er seine Tasche nach Tabletten, ehe er welche fand diese sich in den Mund legte und mit etwas Wasser runterspülte. "Gott verdammt...", kam es erschöpft von dem Praktikanten, der nur noch hoffte, dass diese Tablette schnell ihre Wirkung zeigte. Nicht mehr viel von diesen Unterlagen musste sortiert werden, jedoch wollte er unter allen Umständen heute noch fertig werden.
      “Never be afraid to be kicked in the teeth. Let the blood and the bruises define your legacy.”