(Bitte nicht löschen, zur Zeit pausiert - Stand: 15.08.) Nachtschwärmer unter sich [Nocte.&CopperTellurium]

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    • (Bitte nicht löschen, zur Zeit pausiert - Stand: 15.08.) Nachtschwärmer unter sich [Nocte.&CopperTellurium]

      Nachtschwärmer unter sich

      Joshua Tony Harris


      Wie ein Komet schlug die neuste Benachrichtigung von Professor Henning am Ende der Vorlesung ein. Er informierte alle Studenten, die gerade in seiner Kosmologie Stunde saßen und plötzlich hauchte er damit dem ganzen Saal wieder Leben ein. Man hörte wie manches Handy wieder zurück in die Tasche fiel und in den letzten Reihen sich die noch verkaterten Köpfe von der Tischplatte hoben. "Dieser Wettbewerb gilt aber nur für die Mitglieder im Astronomie Club, vielleicht sollten sich hier einige Herrschaften überlegen sich dort doch einzuschreiben", hallte die kratzige Stimme des mittlerweile weißhaarigen Dozenten durch den Saal. Ein schlanker, hoch gewachsener Mann, der seine zynischen Kommentare selbst jetzt nicht zurück halten konnte. Trotz seiner Autorität, ließ es sich nicht vermeiden das vor allem die anwesenden Teilnehmer des Clubs bereits mit aufgeregter Stimme darüber diskutierten, was wohl die Aufgabenstellung sein würde. Diese hatte der Professor nämlich der breiten Masse an Studenten vorerst enthalten und meinte lediglich er würde den Brief mit der Aufgabe an ein Mitglied weiterleiten, damit sie gleich im Club Raum darüber diskutieren konnten, da er dieses Mal nicht dabei sein konnte um die Teams auszusuchen. Das war nämlich wie es normalerweise mit dem strengen Mann lief - Er mochte es nicht wenn sich irgendwelche Grüppchen bildeten, weswegen er für jede neue Aufgabe die Partner neu ausloste. Er hielt es für eine gute Idee, so die Stundeten auch untereinander vernetzen zu können. Das würde heute wohl aber anders laufen, weswegen der Schwarzhaarige nachdenklich den Kopf abstützte. Nicht nur das er ebenfalls einer dieser war, der Montagmorgen gerne mal von einem leichten Kater geplagt war, so wie es gerade der Fall war, sondern überlegte er mit wem er denn ein Team bilden könnte.
      Nur 2er Gruppen wurden zugelassen, so viel hatte der weißhaarige Mann vor der Tafel bereits erzählt. Wirklich gut kannte Joshua die Leute im Astronomie Club nicht. Er hatte durchaus mit den meisten bereits einmal was zu tun gehabt, allein durch das Auslosen der Arbeitsgruppen, aber abseits von Namen und bei manchen sogar das Alter hörte es da auch schon auf. Vor allem weil sein blondhaariger Freund neben ihm erst aus der Gruppe ausgetreten war. "Mann, hätte wohl warten sollen mit dem Abschied aus dem Club..", ertönte die Stimme rechts von ihm. Joshuas eisig blaue Augen ließen langsam von der undeutlich beschriebenen Tafel ab und blickten zu seinem Sitznachbarn, wobei er seinen schweren Kopf weiterhin auf einer Hand abgestützt ließ. Während er mit seiner anderen Hand einen billigen Stift immer wieder um seinen Daumen drehte, hörte er dem blonden Freund weiterhin zu. "Josh meintest du ich sollte wieder eintreten?", fragte er willkürlich und setzte sich plötzlich auf, um den verwirrten Blick des Schwarzhaarigen zu erwidern. Joshua zog fragend eine Augenbraue hoch, so das sich seine Stirn unter den schwarzen und weißen Haarsträhnen runzelte. "Ich weiß garnicht warum du überhaupt ausgetreten bist", erwiderte er lediglich mit einem Schulternzucken, "Dazu bin ich froh die Aufgabe ohne dich machen zu können, mit dir kommt man eh nie zu etwas." Endlich erschien auf dem müden Gesicht des Schwarzhaarigen ein amüsiertes Grinsen, was mit einem leisen Lachen beantwortet wurde. Der Blonde namens Andrew konnte nur ungläubig den Kopf schütteln, während er sagte: "Klar das ist meine Schuld und sicher nicht deine! Aber du weißt doch warum ich ausgetreten bin. Lydia hat sich ständig beschwert das ich Abends zu viel weg bin, weil wir immer mit zusätzlichen Aufgaben vom Club beschäftigt waren.." Nun war es Joshua, der zweifelnd den schwarzen Haarschopf schüttelte. Die beiden Männer verstanden sich zwar gut, solange sie nur nicht auf das verbotene Thema Lydia kamen. Da waren sie sich stets uneinig, nur hatten sie sich damit abgefunden und jegliche Diskussion über das Thema wurde einfach gemieden. So wie gerade, wobei sie bei diesem Vorhaben davon unterstützt wurden das der Professor in diesem Moment die Vorlesung beendete und die Mitglieder des Astronomie Clubs noch einmal daran erinnerte sich direkt im abgesprochenen Raum einzufinden, damit die Teambildung abgesprochen werden konnte. "Ohne Umwege", hörte man noch die strenge Stimme des älteren Herrn über die Köpfe der Studenten sausen, bevor es auch schon mit lautem Poltern losging. Schreibmaterialien wurden in der Tasche verstaut und so langsam strömten die unzähligen jungen Menschen aus dem Vorlesungsaal. Darunter auch Joshua, welcher seinen Block zusammen mit ein paar losen Kugelschreibern unachtsam in seinen schwarzen Rucksack beförderte, um daraufhin direkt aufzuspringen. Vielleicht war er, abseits der Team Problematik, bereits ein wenig neugierig worum die Aufgabenstellung sich drehen würde. Dazu klang der Preis doch sehr verlockend, diese Chance würde sich der neugierige Schwarzhaarige nicht entgehen lassen.

      Mit einer kurzen Handgeste verabschiedete er sich von Andrew, bevor er zwischen den erste Studenten bereits unterging. Sein Weg führte ihn tatsächlich ohne Umwege zu dem kleinen Zimmer, welches im zweiten Stock mit einem Schild an der Wand mit "Astronomie Club"gekennzeichnet war. Obwohl man sich flüchtig kannte, war die kleine Gruppe, welche sich in dem Raum langsam ansammelte, wie eine zweite Familie. Nur eben für die wissenschaftlichen Probleme und keine emotionalen. Jeder der dazu stieß grüßte die bereits anwesenden Mitglieder und stellte sich zu den paar Leuten, mit denen sie gut auskamen. Die Ausnahme dafür war mit unter anderen der Schwarzhaarige. In solchen Momenten vermisste er dann doch die Anwesenheit des Blonden, der erst vor zwei Wochen seinen Abschied aus dem Club gefeiert hatte. Doch der redegewandte Joshua würde egal mit wem zurecht kommen, vielleicht war auch geplant ohne Professor Hennings Anwesenheit wie gewohnt die Teams auszulosen. Kurz reagierte der Schwarzhaarige auf diese Gedanken mit einem unwillkürlichen Schulterzucken. Egal wie, er würde am Ende mit jemandem zusammen arbeiten und definitiv die Chance nutzen in einem Forschungsteam zu enden. Schlimmer als Andrew konnte es ihn als Teammitglied sowieso nicht treffen, denn es war nicht gelogen, als er meinte, das die Beiden nie etwas zu Stande brachten. Zusammen blödelten sie lieber mehr rum, anstatt sich aufs Wesentliche zu konzentrieren. Hoffentlich bekam er jemand, der fokussiert bei der Arbeit blieb, dann war es unwahrscheinlicher das sich Joshua ablenken lassen konnte. Auch wenn das sehr schnell passierte.
      Fürs Erste blieb er aber bei der Sache. Wettbewerb, Teambildung. Gespannt lehnte er an einem Schrank in der hintersten Reihe von neugierigen Studenten, die nicht mehr abwarten konnten zu erfahren was die tatsächliche Aufgabe war. Irgendjemand musste ja den Brief zugeleitet bekommen haben und somit auch die Verantwortung für die Teambildung. Wer genau das war beantwortete sich genau in diesem Moment, als eine große Blondine nach den letzten, eintrudelnden Mitgliedern den Raum betrat und hinter sich die Tür schloss. Natürlich hatte Juliet das Sagen sobald der alte Professor mal nicht anwesend sein konnte. Amüsiert über diesen Gedankengang beobachtete er die Vorzeigestudentin der Astronomiefachschaft. Das Mädchen hatte die Proportionen eines Models, das passende Gesicht hatte sie ebenfalls dazu. Und trotzdem versteckte sie sich hinter einer Menge Büchern und schaffte es dabei auf wundersame Weise die Beliebtheit sowohl bei den Dozenten, als auch den Mitstudenten, zu gewinnen. Eine merkwürdige Person, die vor allem durch ihre Zielstrebigkeit in Joshuas Augen beneidenswert erschien. "Ich denke alle haben mittlerweile in den Vorlesungen mitbekommen das die IAAC einen neuen Wettbewerb austrägt", erklang die zarte Stimme der jungen Blondine und mit diesen Worten hatte sie sofort die Aufmerksamkeit aller Mitglieder. Sie waren ein wenig mehr als 20 und mit ignorierbaren Ausnahmen waren auch alle davon anwesend. Dementsprechend war der Raum gut gefüllt, aber blieb weiterhin ruhig, während Juliet den Brief in ihrer Hand vorlas.


      "Liebe Studierenden der Astronomiefachschaft,

      Mit dem heutigen Tag, dem 11. April, starten wir den Versuch eine umstrittene Theorie zu beweisen. Sie wird Ihnen allen bereits bekannt sein, es handelt sich nämlich um die Existenz schwarzer Löcher in Verbindung mit Röntgendoppelsternen. Alle Teilnehmer dieses Wettbewerbs erhalten eine Kopie der notwendigen Unterlagen über jene These und welche Kriterien unabdingbar getroffen werden müssen, um die erforderliche Aufgabe zu erfüllen. Natürlich erhalten Sie abseits der Genugtuung, an so einem wichtigen Forschungsthema beteiligt gewesen zu sein, als Gewinn eine geldliche Entlohnung im Wert von 500 Tausend, die auf beide Teilnehmer des verlangten Zweier Teams fair aufgeteilt werden. Des Weiteren erhalten Sie mit den notwendigen Beweisen, welche Sie uns in einer schriftlichen Abhandlung belegen müssen, das Angebot an der voranschreitenden Forschung über schwarze Löcher in unserem Institut teilzuhaben. Dies gilt für die beiden Gewinner, welche Ihren ausgearbeiteten Nachweis zuerst abgegeben haben.

      Wir bitten Sie alle inständig darum Ihre sämtlichen Unterlagen in dieser Zeitspanne des Wettbewerbs zu datieren, falls es zu einer knappen Entscheidung kommen sollte. Dazu wird Ihre schriftliche Ausarbeitung von Ihrem Dozenten in einem Fach der Astronomie - darin einbegriffen sind die Studiengänge Astrophysik, Kosmologie, Astrometrie und Astrodynamik - genehmigt werden müssen. Mit diesen Formalitäten aus dem Weg, ist es Zeit sich auf die Suche nach den mysteriösen schwarzen Löchern, um den Geheimnissen des Weltalls ein kleinen Schritt näher auf den Grund gehen zu können.

      Die benötigten Kontaktdaten sind enthalten in der beigelegten Kopie der These, zusammen mit einem Merkblatt bezüglich der Richtlinien für diesen Wettbewerb. Die International Astronomy and Astrophysics Competition wünscht allen teilhabenden Studenten viel Erfolg bei ihrer Forschung!

      Mit hochachtungsvollen, sowie kollegialen Grüßen,

      Das Forschungsteam der IAAC"


      Stille hatte das kleine Zimmer mit den etwa 20 Studenten übernommen. Schwarze Löcher. Doppelsterne. Diese Theorie war so bekannt geworden über die letzten Publikationen, aber bisher hatte noch kein Forscher einen Röntgendoppelstern mit allen gesuchten Kriterien gefunden. Und jetzt lag das Schicksal jener These in den Händen unzähliger Studenten? Joshua hatte vieles erwartet, aber sicherlich nicht so eine begeisternde und anspruchsvolle Herausforderung. Umso besser, das würde es ihm sicherlich leichter machen sich auf das Wesentliche zu konzentrieren! Die verstummte Stimme der groß gewachsenen Juliet fand schließlich wieder zu Wort, bevor sich dieses Lauffeuer an Begeisterung zwischen den Studenten zu sehr ausbreitete, denn die anfangs stille Atmosphäre wurde nun von einigen entflammten Studenten durchschnitten, die bereits einige Ideen zu diesem Thema und der zu lösenden Aufgabe ausklügelten.
      "Da Professor Henning nicht da ist, hat er mich beauftragt die Teams auszulosen", kam es schließlich wieder zart von Juliet, obwohl sie wusste das dieser Satz auf keine positive Reaktion stoßen würde. Tatsächlich war das auch der Fall, neben Joshua regte sich bereits ein pummeliger Braunhaariger lautstark mit seinem Freund auf, das sie nicht zusammen daran arbeiten könnten. Nur kurz hatten die blauen Augen des Schwarzhaarigen die beiden sich beschwerenden Typen gemustert, bevor sein Blick über die ganzen Studenten zurück zu der Blonden mit dem Brief und den zuvor erwähnten Kopien in der Hand ging. "Ganz ruhig Leute, ich bin da auf eurer Seite, ich hab auch keine Lust bei so einer bedeutsamen Aufgabe mich mit einem zufällig ausgesuchten Arbeitspartner zu vergnügen", beschwichtigte sie ihre Mitstudenten und offensichtlich hatte sie damit Erfolg, denn erneut galt ihr die ganze Aufmerksamkeit der neugierigen Meute. Sie legte die Kopien vor sich auf einen quadratischen, abgenutzten Holztisch ab, der normalerweise oft und gerne für Gruppenarbeiten verwendet wurde. Dabei erklärte sie ihre Idee: "Statt nach Professor Hennings Art zu gehen, würde ich sagen wir bilden selbst unsere 2er Teams und jedes bereits bestehende Team kann sich eine Kopie mitnehmen und loslegen?"
      Jener Vorschlag regte sehr viel Freude unter den jungen Erwachsenen an und ehe sich der Schwarzhaarige versah war die Hälfte des Clubs bereits mit einer Kopie in der Hand verschwunden. So hatte er sich das ganze jetzt nicht unbedingt vorgestellt und offensichtlich war selbst Juliet von dem Erfolg ihrer eigenen Idee überrascht. Sie hatte nicht erwartet das sich so schnell die Gruppen bilden würden und schon auf dem Weg zum hitzigen Debattieren waren. Der gerade noch vollgefüllte Raum war innerhalb weniger Minuten nur noch mit Juliet und ihrem Teampartner besetzt, zusammen mit Joshua und drei weiteren armen Seelen, die anscheinend vom selben Schicksal wie er getroffen waren. So wie der Schwarzhaarige blickte die Vorzeigestudentin zwischen den vier übrig gebliebenen hin und her. Auf welche geniale Idee würde sie nun kommen?

      Katarina "Katie" Lawson

      Beinahe hätte die verträumte Blondine die bedeutsame Ansprache ihres Professors Rix verpasst. Diese war auch nicht sonderlich gut ausgeklügelt, der schusselige junge Mann stand vor seinem Podest mit einem farbigen Post-It in der Hand und nutzte die letzten 3 Minuten Aufmerksamkeit der Studenten, die er in dieser Vorlesung von Astrophysik noch hatte, um sich mit einer Hand am zotteligen Hinterkopf zögerlich die Information von seinem Kollegen aus der Kosmologievorlesung weiterzugeben: "Also... Anscheinend hat Herr Henning eine Nachricht für die Mitglieder des.. was soll das denn heißen.. Ah!.. Für den Astronomie Club!" Amüsiertes Gelächter rumorte durch den deutlich kleineren Saal, als der von anderen Vorlesung. Ihr Studiengang war um einiges weniger besetzt als der ihrer Vor- und Nachgänger, als auch den anderen Astronomievorlesungen. Woran das lag, konnte den wenigen Astrophysikern niemand beantworten, aber bei dem vergesslichen und zugleich schusseligen Professor Rix war eine kleinere Gruppe durchaus von Vorteil. Das Gelächter verstummte, als der Braunhaarige vor den Studenten weiterhin versuchte den kleinen Zettel mit der unleserlichen Schrift seines Kollegen zu entziffern. "Er hat mir geschrieben, dass ihr euch im Club Raum einfinden sollt. Ohne.. Ohne was? Umweben? Umrege- Ach.. Umwege. Also ohne Umwege direkt nach dieser Vorlesung. Es handelt sich um einen Wettbewerb der IAAC, mehr Informationen kann ich ihnen da aber auch nicht geben." Mit diesem Satz, der nicht ansatzweise so viel Strenge wie bei seinem Kollegen zeigte, entließ er sowohl die Mitglieder des Astronomie Clubs, als auch die restlichen Studenten, die gewarteten hatten, ihn ausreden zu lassen. Dementsprechend hatten sie nicht nur drei sondern zusätzliche fünf Minuten länger gebraucht. Mit dieser kleinen Verspätung waren es die Interessierten am Wettbewerb, die als aller erstes aus dem Saal eilten. Darunter auch Katie, die zum Glück nicht wieder in ihren Träumen abgetaucht ist, während sie ungeduldig darauf gewartet hatte, bis der schusselige Professor seine Verkündigung beendete. Ihre bunten und fröhlich gestalteten Stifte verschwanden geschwind in einem durchsichtigen Mäppchen mit schwarzen Kätzchen drauf, welches sich seinen Weg in ihre durchsichtige Bibliothekstasche bahnte. Ihr schmaler Laptop und Schreibblock wanderten direkt hinterher und mit der vollgepackten Tasche war die kleine Blondine bereits aufgesprungen und mit zackigen Schritten auf dem Weg zum Club Raum. Ihr langer Pferdeschwanz wippte dabei neben den anderen Studenten aus dem Astrophysik-Kurs mit jedem Schritt energisch hin und her.
      Anscheinend waren sie die letzten paar Leute, die noch verspätet in den bereits gefüllten Raum traten, gefolgt von der allseits bekannten Blondine Juliet, welche hinter sich die Doppeltür zu dem kleinen Zimmer schloß. Katie fand es schon immer ironisch, wie der Astronomie Club eine bereite Doppeltür aus schwerem Holz hatte, aber der Raum gerade so für ihre 20 Mitglieder reichte. Für Gruppenarbeiten beschlagnahmten sie natürlich auch andere Räume, denn allein für Besprechungen dieser Art wurde es dann doch etwas eng. Aber schlimmer als das war für Katie, dass sie durch ihre Verspätung ganz hinten stehen musste. Mit ihren 1,68 Meter Größe konnte sie nicht mal mehr Juliet am Tisch sehen, welche gerade das Wort und die Aufmerksamkeit aller an sich genommen hatte. Die kleine Blondine bewegte sich von einem Bein auf das andere, sie wollte keinen Radau verursachen, sie suchte lediglich nach einer Lücke zwischen den restlichen Studenten, neben denen sie völlig unterging. Sie konnte nichtmal ihre zwei Freundinnen in der Masse ausmachen, da sie von paar hoch gewachsenen Jungs umgeben war. Wie ein Kleinkind bei einem Event kam sich Katie gerade vor, die nun sogar versucht auf den Zehnspitzen zu stehen und ihre spitze Nase in die Höhe streckte, um vielleicht wenigstens den sprechenden, blonden Haarschopf für einen Augenblick sehen zu können. Okay, keine Chance, gab sie es auf, da sie ihre Balance nicht ansatzweise lang genug halten konnte. Dann würde sie sich eben einfach auf das Gesagte konzentrieren, welches gerade aus dem Inhalt des zugekommenen Briefes bestand.

      Das plötzliche Schweigen zum Ende des Vorgelesenen, tat der tüchtigen Denkerin nicht gut. Für einen kurzen Augenblick hatte sie den Kopf frei um in ihrer Fantasie eine Idee nach der anderen, bezüglich möglicher Lösungswege, zu fabrizieren. Nachdenklich stützte sie den Kopf ab, während sie daran dachte, was sie erst über Doppelsterne in Astrophysik behandelt hatten. Professor Rix war mit ihnen die Entstehung und Voraussetzungen der Paarsterne durchgegangen, die sich um einen gemeinsamen Schwerpunkt drehten. Dabei hatten sie auch kurz die Theorie der Röntgendoppelsterne besprochen und was es nicht alles für Ansätze zur Berechnung jener gäbe. Wer hätte erwartet das diese Vorlesung tatsächlich irgendwann nützlich werden würde. Bei all diesen Gedanken bekam sie garnicht den Tumult ums Auslosen mit und das sie es heute anders sein würden, indem sie ihre eigenen Teams aussuchen konnte. Diese Tatsache bemerkte sie erst, als der Raum sich plötzlich leerte und sie ihre zwei Freundinnen Daniela und Marina entdeckte. "Eh... Was machen alle?", ersuchte sie flüsternd die Antwort darauf das immer mehr zweier Grüppchen bereits mit einer Kopie in der Hand den Raum verlassen. Beide erblickten überrascht ihre verträumte Freundin an, bevor sie anfingen loszulachen und Marina auf ihre Frage erwiderte: "Du bist echt unverbesserlich Katie.. Juliet meinte wir können uns unsere 2er Gruppen selbst aussuchen." Mit diesen Worten und einem eigenen Stapel an Papier waren die Beiden direkt verschwunden. Zum Einen handelte es sich hier immer noch um einen Wettbewerb und zum Anderen wussten sie wie die emotionale Blondine drauf sein konnte, weswegen sie nicht weiter darauf eingehen wollten, das sie nun ohne sie ein Team gebildet hatten.
      Verdutzt blieb Katie in dem leer gefegten Raum zurück, zusammen mit ein paar weiteren Studenten. Die schmalen Schultern der jungen Frau sanken langsam enttäuscht runter, zusammen mit dem blonden Haarschopf und ihrem Blick. Toll, die eine Gelegenheit sich seinen Partner frei auszusuchen und nun war sie dennoch mit mehreren Fremden übrig geblieben. Kurz musste sich das emotionale Mädchen sogar eine Träne verkneifen und stützte stattdessen mit einem hoffnungslosen Seufzer die Hände in die zierliche Hüfte. Ganz ruhig Katie, das wird schon, unter diesen Leuten wird schon einer okay sein, dachte sie sich um ihre negativen Emotionen in diesem Moment nicht zuzulassen. Auch wenn ihr das nicht leicht viel, da sie unter den verbliebenden Gesichtern sogar Schwierigkeiten hatte die Namen aufzuzählen. Ihr Gedächtnis war oft unnütz wenn es dazu kam Namen und Personen miteinander zu verknüpfen, sowie sich an solche fortlaufend zu erinnern. Neben den Übergebliebenen wirkte sie wie eine zerbrechliche Puppe, die sich gerade anscheinend am Liebsten in ihrer Ecke hinten im Raum verstecken würde. Doch Juliet winkte alle vier zu sich an den Tisch. "Ich hab ehrlich nicht damit gerechnet das irgendwer übrig bleibt, aber zum Glück ergebt ihr eine gerade Zahl", erklärte sie mit sanfter Stimme und betrachte die Herangetretenen, darunter auch Katie, die zögerlich als letzte zu dem Rest stieß. Ihre hellblauen Augen musterten die drei neben sich, zu denen sie alle aufschauen musste. Links von ihr befand sich ein Schwarzhaariger, welcher ungeduldig die Arme in seiner Lederjacke verschränkt hatte und eindringlich mit den kalten blaue Augen die Gruppe an Ausgestoßenen betrachtete.
      "Und was machen wir jetzt? Doch auslosen oder sollen wir etwa Schnick Schnack Schnuck spielen?", was der Schwarzhaarige mit scherzendem Unterton meinte, so dass es selbst ihm ein amüsiertes Grinsen abverlangen konnte, erschien der großen Blondine als eine tatsächlich gute Idee. "Schnick Schnack Schnuck! Aber klar!", kam es begeistert über Juliets volle Lippen, "Josh du spielst gegen Katie und Katie dann gegen Hailey, die zwei Gewinner sind in einem Team und damit haben wir auch das andere Team, ich denke damit seid ihr alle einverstanden?" In der sonst so zarten Stimme schwang ein bestimmter Unterton mit, der signalisierte das die Blondine eigentlich keine Widerworte erlaubte, obwohl sie auf ein einvernehmliches Nicken wartete.

      Währenddessen glitten die mandelförmigen Augen zu den zwei rechts neben sich. Direkt neben ihr befand sich die Braunhaarige, dessen Namen sie sogar tatsächlich wusste bevor die Blondine vor ihnen diesen erwähnte. Mit ihr war sie fast auf einer Augenhöhe, dabei musste sie dennoch leicht zu Hailey aufsehen. Ihre ausgefallenen Schminklooks waren das, wodurch sie sich nach ihrer gemeinsamen Zusammenarbeit weiterhin an ihren Namen erinnern konnte. Das ohne Fehler aufgetragene Make-up und dazu diese großen Rehaugen zusammen mit vollen Lippen, sowie einer Stupsnase. Ein Wunschgesicht für Katie, aber wanderte ihr Blick weiter zu dem Braunhaarigen, der über einen ganzen Kopf größer war als sie selbst. Bevor sie den wuscheligen, braunhaarigen Haarschopf mit seinen markanten Gesichtszügen weiter betrachten konnte, meldete sich wieder die tiefe Stimme von Joshua zu Wort.
      "Nagut, nützt ja alles nichts oder? Na hop Katie", forderte er ihre Aufmerksamkeit ein, wobei er seinen charmanten Unterton selbst bei so groben Worten nicht verlor, und streckte ihr seine große Pranke entgegen. Sofort schreckte die kleine Fee auf, als fühlte sie sich dabei ertappt die anderen ausgiebig zu betrachten und kurz davor war sich wieder in Gedanken zu verlieren. "Eh ja, okay... Schnick Schnack Schnuck!", kam es ihr flink über die Lippen, während sie ihre zierliche Hand gleichzeitig mit seiner drei Mal hin und her bewegte bevor sie mit ihrer Hand eine Schere darstellte. "Stein gegen Schere, Joshua hat gewonnen. Jetzt Katie gegen Hailey und dann haben wir das endlich hinter uns", kommentierte Juliet, deren Partner bereits die kleine Kindergartenshow langweilte, weswegen er mit einer Kopie ungeduldig los ging. Damit waren nur noch die fünf übrig, zusammen mit zwei Kopien auf dem Tisch.
      Der schmale Körper von Katie drehte sich entschlossen um 180 Grad in die Richtung der Brünette und sie richtete ihre hellblauen Augen auf sie. Wie sie wohl so lange Wimpern hinbekam? Oder waren die von Natur schon so schön? Argh, Konzentration Katie, mit diesem Gedanken musste sie sich schon häufiger selbst ermahnen. Wieder streckte sie ihre kleine Hand mit den kurzen Nägeln aus, woraufhin ihre mädchenhafte Stimme erklang: "Schnick Schnack Schnuck!" Wieder formte sie eine Schere und abermals kostete ihr das den Sieg. Enttäuscht ließ sie beide Hände runter baumeln. Ihr war es egal it wem sie zusammen gearbeitet hätte, sie war lediglich über ihre zweifache Niederlage enttäuscht. Währenddessen verteilte Juliet die zwei letzten Kopie an die beiden Jungs der Gruppe.

      "Damit haben wir unsere Teams. Joshua und Hailey, Zane und Katie. Ich wünsch euch viel Erfolg!", entgegnete sie allen vier mit einem zufriedenen Lächeln, bevor sie es ihrem Partner gleich tat und nun die zusammengewürfelte Gruppe im Raum zurückließ.

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    • Zane Owen Carter


      Zane gähnte einmal ausgiebig in seinen Arm, als er den letzten verklingenden Worten seines Dozenten, für diese Lesung, zuhörte. Mit müdem Blick spähte er auf seine spärlichen Notizen, welche ihn murrend den Kopf auf seine Arme sinken ließen, welche auf dem Tisch vor ihm lagen.
      Normalerweise war er wohl einer dieser Vorzeigestudenten, welcher bei jeder Lesung mit schrieb und vor allem auch zuhörte. Dabei musste er sich einige Informationen, aus eben jenen Stunden, höchstens zwei Mal anhören beziehungsweise durchlesen und er hatte diese fest in seinem Kopf verankert. Heute jedoch war er einfach viel zu geschafft, um Professor Rix auch nur annähernd seine ungeteilte Aufmerksamkeit zu schenken. Dafür hatte einer seiner Kater gesorgt, welche er vor einigen Wochen auf der Straße hatte finden müssen, aber sofort und ohne nachzudenken bei sich aufgenommen hatte, statt diese in das Tierheim zu geben, in welchem er freiwillig arbeitete. Nachdem Taco aber seit zwei Tagen ständig auf der Couch herum lag, statt in Zanes kleiner Wohnung umher zu tollen, was einfach typisch für das kleine Sausemonster war, hatte der braunhaarige junge Mann sich irgendwann doch ziemlich Sorgen um seinen kleinen Stubentiger gemacht und diesen noch spät am Abend zu einem Not-Tierarzt gebracht. Scheinbar hatte der Kleine Spulwürmer, welche aber Gott sei Dank noch behandelt werden konnten. Zwar musste sein kleiner Freund daher zur Beobachtung in der Praxis bleiben, doch war ihm dies definitiv lieber gewesen, als ihn mit zu sich zu nehmen. Schließlich wollte er, dass es seinem Katerchen auch wirklich gut ging und er nicht irgendwelche Anfälle bekam, welche er während des Schlafens eventuell nicht mitbekam. So hatte er zumindest gedacht. Denn, dass er selbst nach dieser Entscheidung nicht schlafen konnte, hatte er nicht angenommen. Er hatte sich zu viele Sorgen um Taco gemacht, obwohl er diesen in guten Händen wusste und hatte daher kaum ein Auge zu getan. Irgendwann in den frühen Morgenstunden war er aber scheinbar doch eingeschlafen, denn hatte ihn sein Wecker ziemlich unsanft und mit einem ziemlichen Schreck-Faktor aus dem Bett geklingelt.
      Hier saß er nun allerdings. - Gerädert und müde, mit Kopfschmerzen welche ihn fantasieren ließen, dass er letzte Nacht nach dem Tierarztbesuch nicht nach Haus gegangen, sondern noch einen Abstecher in einem Club gemacht hatte. So fühlte es sich zumindest an. Doch nicht einmal die zwei Tabletten, sowie die drei Becher Kaffee hatten sonderlich viel an seinem Zustand geändert und diesen etwas gelindert, weswegen er nun, zum ersten Mal seit Beginn seines Studiums, wirklich froh darüber war, dass diese Lesung nun endlich geschafft war. Zumindest glaubte er dies, denn als er gerade zu seiner Federmappe greifen und diese in seinen Rucksack hatte fallen lassen wollen, erhob sein Professor noch einmal das Wort. Er hörte im ersten Moment nur nebensächlich zu, jedoch genug, um die wichtigsten Worte richtig verinnerlichen und auch verstehen zu können. Was Tabletten und Kaffee nicht geschafft hatten, schaffte sein Professor innerhalb von Sekunden. Er war hellwach.
      Aufmerksam hörte er dem Professor daher dabei zu, wie dieser versuchte die unordentliche Schrift seines Kollegen zu entziffern, und beugte sich mit jedem Wort, welches dabei aus dem Mund Rix' hervor kam, weiter auf dem Tisch nach vorne. Am Ende hing er beinahe schon auf der Stuhllehne seiner Kommilitonin vor ihm, genauso wie ein breites vorfreudiges Strahlen auf seinem Gesicht.
      Der junge Mann hatte schon vor wenigen Wochen einen neuen Eintrag auf der Website der IAAC entdecken dürfen, in welchem es grob um die Vorbereitung eines Wettbewerbes ging und auch in den Vorlesungen hatte dies seine Kollegen immer wieder aufs Neue erwähnt. Dass diese dabei nun allerdings ausgerechnet auch Zanes Universität mit einbeziehen würden, hätte dieser nicht annähernd für Möglich gehalten. Schließlich gab es unzählige Fakultäten, welche sich direkt auf das Thema Astronomie spezialisiert hatten. Zanes Uni war, mit diesen verglichen, eine Ameise, welche noch unzählige andere Studiengänge beherbergte und eben dadurch wohl auch erst jetzt aufgefallen war und als qualifiziert galt.
      Umso erfreuter packte der Brünette daraufhin aber seine Unterlagen zusammen und begab sich sofort in den Astronomie-Club der Universität, wo die meisten Mitglieder schon warteten. Er setzte sich auf einen der freien Tische und besah sich die anderen Mitglieder für einen Moment, welche mindestens genauso aufgeregt und neugierig wirkten wie er selber. Doch kaum sah er Juliet den Raum betreten und hörte sie das Wort erheben, legte sich sein Fokus auf diese, während er gespannt den Worten seiner Kommilitonin lauschte. Die nächsten fünf Minuten war Stille in den Raum getreten. Wahrscheinlich könnte man eine Stecknadel auf den Boden aufkommen hören, dachte sich Zane und ließ sich schließlich die Sätze des Briefes der IAAC nochmals durch den Kopf gehen. Er hatte schon so viel über die Theorie über schwarze Löcher und Doppelsterne gehört, weswegen es ihm nun wie ein Traum vorkam, an eben jener nun mitarbeiten und herausfinden zu dürfen, ob sich diese These bewahrheitete oder nicht. Am liebsten hätte er Luftsprünge vor Freude gemacht, unterließ dies allerdings, da er den anderen Mitgliedern keinen Grund geben wollte, sich nicht mit ihm für dieses Projekt abzugeben. Scheinbar brauchte es dafür aber nicht einmal seinen Freundenhüpfer, denn hatten sich die meisten sogleich zu ihren jeweiligen liebsten Clubmitgliedern begeben, kaum hatte Juliet verkündet, dass sie Professor Hennings Anweisung zur Gruppenaufteilung einfach übergehen und jeden selbst entscheiden lassen würde, mit wem derjenige zusammen arbeiten wollte. Übrig blieb dabei er Selber, sowie drei andere Personen, welche er regelrecht vom sehen im Club her kannte. Wobei er sich sicher war, dass er die zierliche blonde junge Frau aber auch schon in seinen Vorlesungen hatte sehen dürfen. Diese sah recht betrübt darüber aus, dass sie scheinbar nicht einmal mehr die Chance bekommen hatte, sich mit einer ihrer Freundinnen für diesen Wettbewerb zusammen zu tun. Sein Blick glitt daraufhin über die brünette Dame, mit den meist knalligsten Farben an den Augen, und schließlich zu dem jungen Mann, mit den auffälligen Haaren. Da nun allerdings keiner so wirklich etwas mit den jeweiligen Anderen anzufangen wusste, wurde sich schließlich für Schnick Schnack Schnuck entschieden. Diese Idee war wohl nicht einmal die Schlechteste wenn ich bedachte, dass es in einem anderen Fall vielleicht zu Komplikationen und unnötigen Stress hätte kommen können.



      » ☾ «



      Hailey Aleah Hale


      Summend kritzelte die braunhaarige 21 Jährige am Rand ihres Blockes herum, als das Ende der Lesung immer näher zu kommen schien. Zwischendurch schrieb sie immer wieder einige Notizen auf diesen hinunter, wenn ihr Professor, neben diversen Antworten auf Fragen ihrer Mitstudenten, endlich wieder zum Wichtigsten kam und sie das Erfuhr, was sie wollte. Dabei fragte sie sich immer wieder aufs Neue, wie es einige ihrer Kommilitonen überhaupt schafften sich in diesem Studiengang zu halten, wenn diese doch immer wieder die Selben unnötigen Fragen stellten, welche schon unzählige Male beantwortet und durchgekaut wurden. Mittlerweile waren diese wohl noch zäher und klammer als ein altes Stück Kaugummi, welches man an einem der Tische in den Studienräumen fand. Wenn man damit auch noch in Berührung kam, konnte man nicht anders als sich zu schütteln und zu fragen, wie Menschen so etwas tun konnten. Genau dieses Gefühl überfiel Hailey jedes Mal aufs Neue, wenn sich diese Situation wiederholte. Am liebsten wäre sie in diesen Fällen einfach aufgestanden und hätte der Person ihr Buch an den Kopf geworfen. Wenn sie dies ihren Vätern oder Freunden erzählte, drehten diese mittlerweile meist nur noch mit den Augen. Wahrscheinlich wiederholte sich Haileys Impulsivität gegenüber dieser Geschichte mindestens genauso oft, wie die Fragerei ihrer Kommilitonen. Nur mit dem Unterschied, dass sie dabei meist neue und verschiedene Titel für diese hirnlosen Dummtorten benutzte. Und ja, diese Bezeichnung durfte sie definitiv verwenden, nachdem Hermine Granger selbst keine bessere Umschreibung für ein etwas hängen gebliebenes Mädchen hatte finden können.
      Immer noch vor sich hin summend schrieb Hailey schließlich die letzte und wichtige Information der heutigen Lesung auf und klappte ihren Block zu. Sie hatte schon alles in ihrer Tasche verstaut, als ihr Dozent noch einmal seine Stimme erhob. Bei Professor Henning fragte man sich oft, oder zumindest Hailey tat dies, ob er bei seinem nächsten Satz nun eigentlich seine Stimme verlieren würde oder nicht. Diese war nämlich so kratzig und rau, dass diese mit Schmirgelpapier konkurieren konnte. Am Ende rief diese nämlich das selbe Gefühl hervor. Gänsehaut.
      Diese Gedanken schob sie allerdings jäh bei Seite, als sie die Worte ihre Professors hörte. Kaum hatte sein zartes Stimmchen endlich abgeklungen, sprangen die meisten der Studenten auch schon aus ihren Sitzen und verließen den Vorlesungsraum. Auch Hailey griff schließlich gänzlich zu ihrer Tasche und ihrer ausgewaschenen Jeansjacke und machte sich auf den Weg zum Club-Raum. Sie und einige andere Personen aus ihrem Kurs lehnten sich an die Tische oder setzten sich auf die Stühle. Sie selber bevorzugte es, sich auf einen der Tische niederzulassen und ihre Beine etwas herum baumeln zu lassen, während sie sich die Menschen in dem Raum ansah. Dabei fiel ihr bei einigen der Mädels Tattoos, Shirts oder Schmuck ins Auge, welche ihr total gefielen. Ihr kribbelte es beinahe schon in den Fingern zu ihrem Handy zu greifen und diese einfach zu fotografieren. Nicht die Mädels. Sondern den Schmuck, die Kleidung und die Tattoos. Daher war es auch nicht sonderlich unüblich für Hailey tatsächlich zu ihrem Handy zu greifen und beispielsweise diesen überaus coolen Grunge Look der rothaarig gefärbten Frau zu fotografieren. Ehe diese allerdings überhaupt ins Gespräch über die schönen Tattoos an ihren Schenkeln kommen konnten, hörte sie auch schon das feine Stimmchen Juliets durch den Raum hallen. Sofort war jegliche Aufmerksamkeit auf dieses zarte hübsche Pflänzchen gerichtet, welche den Studenten nun den Brief der IAAC vorlas und alles nötige dazu erklärte. Kaum hatte diese mit dem Reden geendet, konnte Hailey aber nicht an sich halten und klatschte leise und quietschend in die Hände vor Freude. Sie hatten in den letzten Lesungen so viel über die IAAC gehört, durch genommen und diskutiert, dass es sie nicht einmal mehr wunderte, dass dieses Wettbewerbsangebot von diesen geschickt wurde. Umso mehr wunderte es sie aber, dass sich ausgerechnet eine Juliet gegen die Vorschriften des Dozenten lehnte und kurzerhand entschied, dass die Studenten sich selbst ihre Partner aussuchen dürften, statt diese zugeteilt zu bekommen. Hailey hätte dies wohl als eine wirklich wundervolle Idee erachtet, wenn denn wenigstens einer ihrer Freunde aus ihrem Studiengang mit in diesem Club wäre. Es waren zwar einige andere Kommilitonen mit dabei, allerdings keiner, mit welchem sie sonderlich viel Kontakt während und nach den Lesungen hegte. Daher war sie wohl auch etwas überrumpelt, als sich die Masse lichtete und schlussendlich nur noch sie, sowie drei andere Studenten und Juliet in dem Raum standen. Sie klatschte einmal laut in die Hände, bevor sie begann zu sprechen und sich dabei mehr in die Mitte des Raumes begab und somit den anderen Studenten näher zu sein. "Wunderbar, dann muss ich den Wettbewerb also doch nicht allein gewinnen." hörte man diese ironisch sagen, während sie jeden der drei Personen genauer unter die Lupe nahm und interessiert beäugte. Zuerst blieb ihr Blick an dem braunhaarigen Zottelkopf hängen, welcher für sie allerdings viel zu langweilig wirkte, um noch näher betrachtet zu werden. Ihr Blick wanderte zu dem blondhaarigen Mädchen, welche sie ebenfalls zu mustern schien und aus welchem Grund sich ihre Augen trafen. Ein breites Grinsen legte sich auf die Lippen Haileys, während sie das niedliche und hübsche Gesicht dieses kleinen Engels begutachtete. Schließlich und letztendlich musterte sie noch den anderen jungen Mann in dem Raum. Kurz hob sich dabei allerdings ihre Augenbraue, als sie seine Haare anschaute. "Ich nehme an, du wolltest ein Streifenhörnchen imitieren und es ist nach hinten los gegangen?"schlussfolgerte diese auf gut Glück und konnte sich ein Schmunzeln nicht verkneifen.

      Ihre Aufmerksamkeit legte sich schlussendlich aber wieder auf juliet, da diese erneut das Wort erhob. Das Streifenhörnchen, so hatte sie den Typen mit dem weißen Streifen im Haar getauft, fand es daraufhin allerdings ganz lustig die restlichen Studenten über das Schnick Schnack Schnuck Prinzip aufzuteilen. Eigentlich war dies nicht einmal sonderlich schlechte Idee, fand Hailey, wenn man bedachte, dass man sich auf diese Art wohl leichter einigen konnte. Dies fand scheinbar auch Juliet, denn war diese außerordentlich begeistert von dieser Idee und drückte unter anderem Hailey die Bürde auf, eines der Spiele zu gewinnen oder zu verlieren. Am Ende gewann sie gegen den blondhaarigen Engel und lächelte dieser schief entgegen. "Sorry, Engelchen." meinte die Hale ehrlich. Währenddessen hatte es sich Juliet schon zur Aufgabe gemacht auch die restlichen Informationsblätter an Streifchen und Zottel zu verteilen. Kaum hatte diese den Raum verlassen, lief Hailey wie von Selbst zu ihrem geschnick-schnuckten Partner. "Also dann ihr Hübschen, auf ein gutes Gewinnen." zwinkerte diese noch ihren beiden Konkurrenten zu und grinste breit.
      Happiness can be found even in the darkest of times, if one only remembers to turn on the light.
    • Joshua Tony Harris

      Missbilligend blickte er zu der lautstarken Brünette runter, fühlte sie sich etwa von der offensichtlich nicht sehr selbstbewussten Konkurrenz bedroht? Aber natürlich musste sie es ausgerechnet mit dem Schwarzhaarigen aufnehmen, welche die Farbwahl seiner Haare kritisierte. Diese war nicht mal seine Entscheidung gewesen, sondern hatte Joshuas modebegeisterte Schwester das so gewollt und wie sollte er ihrem Hundeblick auch nur einer Sekunde widerstehen können? Das tat aber nichts zur Sache, denn er würde sich egal ob seine Haarfarbe durch eine Wette, seine freie Entscheidung oder auf Wunsch seiner Schwester hin entstanden ist, nicht von so einem vorlauten Gör einschüchtern lassen. Während all diese defensiven Gedanken sich in seinem Kopf spielten zeigte er als Reaktion nach außen hin lediglich wie seine linke Augenbraue sich leicht hob, durch die sich eine schmale Narbe zog - diese verdankte er seinem großen Bruder. Dünne Falten bildeten sich auf seiner Stirn, die teilweise von den eben kritisierten Haaren bedeckt wurde. "Wenn ich im Gesicht wie ein Clown aussehen würde hätte ich auch das Bedürfnis andere verbal zu attackieren", entgegnete er ihr kühl, wobei sich sein Mundwinkel kurz zu einem amüsierten Grinsen verzog, während er das kinderhafte Augenmake-up betrachtete.

      Er würde jeden als Teampartner nehmen, selbst Andrew, nur wollte er nicht an die voll geschminkte Hailey geraten. Alles nur kein viel zu lautes Mädchen, das ihn bereits jetzt irritierte. Mit so etwas an seiner Seite würde er sich nie konzentrieren können und ständig abgelenkt sein, aber nicht wegen irgendwelchen guten Gründen. Das würde der Schwarzhaarige natürlich nie zugeben, schließlich lobte er sich selbst ständig damit ein solch talentierter Charmeur zu sein, der mit jedem Menschen klar kam. Aber sie war gefährlich nah an der Grenze noch ein paar mehr spottende Kommentare von dem wortgewandten Mann abzubekommen. Er hatte gegen die anscheinend etwas verpeilte Blondine gewonnen, welche neben den restlichen drei fast schon wie eine Schülerin wirkte, anstatt einer Studentin. Aber selbst Katie würde er lieber in seinem Team haben, den ruhigen brünetten Kerl von ihm aus auch. Egal wer. Aber stand die Entscheidung leider lediglich zwischen den zwei übrig gebliebenen Mädchen. Seufzend fasste sich der Schwarzhaarige bei dem Resultat an die Stirn und die höhnende Stimme Juliets machte sein gerade durchlebtes Trauma nicht besser. Wie sollte ihn es auch anderes treffen? Hier ging es wahrscheinlich um die wichtigste Chance seines Lebens und er sah wie sein Verderben in Form einer farbenfroh geschminkten Brünette auf ihn zu kam.


      Juliet war bereits verschwunden, wahrscheinlich wollte sie selbst auch endlich am Wettbewerb teilnehmen, anstatt zwei Zankenden und zwei stillen Wässerchen beim Diskutieren zuzuschauen. "Ich hoffe du bleibst so motiviert", meinte Joshua aufgrund ihres Kommentars zu seiner dazu gewonnen Partnerin, auch wenn er sie momentan nicht als einen Hauptgewinn sehen konnte. Aber gegen eine semi zufällige Auswahl konnte er sich jetzt nicht mehr wehren. Vor allem da er bezweifelte, das er einen der beiden Verlierer dazu überreden konnte sich mit Hailey rumzuschlagen. Sie würde egal welchen der Zwei mit ihrer lauten und anstrengenden Art einfach niedermähen. Natürlich bildete sich Joshua ein, das die Brünette das bei ihm nicht hinkriegen würde. Nein, nein. Er war sich sogar ziemlich sicher das er ihr den Weg zeigen würde und hier das Sagen hatte. Der Schwarzhaarige war allein schon in der Überhand indem er die ganze notwendige These in seiner Pranke hielt. Gut das die Blondine ihm all die zusammen getackerten Zetteln anvertraut hatte. Mit besagtem Papierkram von Juliet in der einen Hand und der anderen in seiner zerrissenen Jeans, ging er dem übereifrigen Mädchen voraus "Viel Erfolg euch, ihr habt hier die besseren Karten ohne so 'ne Tratschtante an der Seite", verkündete er, während er durch die offen stehende Doppeltür schritt und sich mit einer einfachen Handgeste, die durch den Stapel Papier getarnt war, von den zwei ruhigeren Kandidaten verabschiedete.

      Dabei erwartete er das die temperamentvolle Hailey ihm folgen würde, denn wie er offensichtlich selbst bei seiner Verabschiedungsgeste verdeutlichte, hatte man ihm die bedeutenden Blätter anvertraut, dazu hatte er sie gerade erst als eine Tratschtante bezeichnet und er wusste, das würde sie sicherlich nicht auf sich sitzen lassen. Er machte sich schon darauf gefasst weitere, neckende Kommentare an seinen Streifenhörnchen-ähnlichen Kopf geworfen zu bekommen, während er die Füße über den alten, abgenutzten Holzboden des Flures schleifte.




      Katarina "Katie" Lawson

      Fast schon überrumpelt war sie von den zwei Streithähnen, zwischen welchen sich die Blondine wiederfand. Überfordert von all der lautstarken Energie im Raum, tat sie nur ihren gefragten Teil des Schnick Schnack Schnucks, mit dem sie vor allem Joshua anscheinend keinen Gefallen tat, welcher sich im genauen Moment des Ergebnisses schon an den Kopf fasste. Ihre blauen Augen richteten sich wieder auf die Brünette neben sich. "Sorry, Engelchen.", kam es lediglich über ihre vollen Lippen. Überrascht sah sie die junge Frau an, denn eigentlich hatte sie sich auch schon auf eine freche Bemerkung vorbereitet. Aber stattdessen wurde sie von Hailey als ein kleiner Engel bezeichnet und natürlich nahm sich die sensible Blondine dieses Kompliment zu Herzen. Auch wenn sie es nicht äußerte, sondern lediglich die letzte Gelegenheit benutzte um ihre farbenfrohe Wahl an Lidschatten zu bewundern. Wie eine Meerjungfrau sah sie mit den Blautönen zusammen mit Lila und Pink aus. Sofort musste sich die verträumte Blondine diese Farbkombination neben ihrem beleuchteten Aquarium vorstellen zusammen mit den enthaltenen durchsichtigen Quallen, nur mit einer ganz ruhigen Hailey, welche zwar noch immer vor Selbstbewusstsein strotzte, aber nicht ganz so vorlaut erschien.

      Die abweisenden Kommentare von Joshua holten das zierliche Mädchen wieder zurück auf die Erde. Genug von der Unterwasserwelt und ihren schönen Farben, das war noch immer ein Wettbewerb! Diesen Gedanke verfolgte der Schwarzhaarige anscheinend auch, der mittlerweile durch die Tür abgehauen war und ihnen lediglich die Rückseite seiner Lederjacke zu wand. "Viel Erfolg!", rief sie ihm und Hailey nett gemeint hinterher, bevor endlich Stille in das Zimmer des Astronomie Clubs kehrte, so wie es zuvor gewesen war als Juliet das Wort hatte. Die mandelförmigen Augen, welche auf den beiden Silhouetten der Streithähne geruht hatte, wand sich nun zum Brünetten neben sich. Bisher hatte er sich nicht zu dem Sachverhalt geäußert, aber er hatte die Papiere von Juliet angenommen, das konnte Katie wohl als eine Art stummes Einverständnis sehen. Mit diesem Gedanken aus dem Weg hatte sie die kurze Gelegenheit seine unordentlichen Haare zu betrachten, welche in das markante Gesicht hingen. Wenn er still blieb, könnte man ihn aufgrund der ausgeprägten Kiefer- und Wangenknochenstruktur für eine antike Statue halten. Vielleicht einen Moment zu lange musterte sie fasziniert den groß gewachsenen Mann vor sich, bis sie mal wieder auf das eigentliche Thema zurückkam. Wettbewerb. Wie oft musste sie sich noch damit ermahnen? Vielleicht würde es ja schon helfen wenn sie einfach durch die Theorie gehen würden, damit sie ihr kleines Köpfchen mit tatsächlich wissenschaftlichen Theorien anstrengen konnte, anstatt über das hübsche Gesicht des Brünetten nachzudenken.

      "Da wir den Raum nun sowieso für uns haben, können wir wohl auch hier bleiben, oder?", schlug sie besonnen vor, während sie ihre durchsichtige Tasche neben dem Tisch leise auf dem Boden abstellte. Sie zog einen der Stühle mit einem Knarzen über die fast schon antiken Holzdielen, bevor sie sich an den Tisch setzte und auf den Papierstapel in seiner Hand deutete. "Ich würde sagen wir gehen direkt die Theorie zusammen durch und fangen an zu planen", fing sie an ihren ersten Schachzug in diesem Wettbewerb zu artikulieren, bevor das längere Betrachten seines Gesichtes eine kleine Glocke in dem viel beschäftigten Kopf der Blondine klingelte, "Warte, bist du nicht bei mir im Astrophysik Kurs? Bei Professor Rix?" Die zuvor sanfte Stimme des Mädchens wurde plötzlich etwas aufgeregter, da sie sich freute zumindest mit jemandem aus der selbe Fachrichtung zu tun zu haben. Wenn sie sich denn nicht täuschte, bei ihrem schlechten Gedächtnis konnte sie ihn auch mit einem der anderen unzähligen Typen verwechseln, die sie schon in manchen Vorlesungen angeschwärmt hatte.
    • Zane Owen Carter


      Zane wirkte zwar immer sehr teilnahmslos, da er solch eine ruhige Persönlichkeit besaß, doch achtete er auf seine Umgebung wie ein Falke auf dem Beutezug. Daher war es auch nicht verwunderlich, dass er der recht zickig angehauchten Konversation von dem 'Streifenhörnchen', wie Hailey Joshua so schön genannt hatte, und eben jenem 'Clown', wie eben Josh diese nun betitelt hatte, aufmerksam folgte. Ein leichtes Grinsen lag dabei auf Zanes Lippen. Nicht etwa, weil er es als gut befand, dass sich diese Beiden wohl gerade anfeindeten, sondern weil er die jeweiligen neuen Namen der beiden doch recht amüsant fand. Zwar herrschte in ihm fast schon der Drang dem Ganzen etwas entgegen zu wirken und diese aufkommende Situation schnellstmöglich zu entschärfen, schließlich konnte er sich schon jetzt denken das die Braunhaarige diese Bemerkungen nicht einfach auf sich sitzen lassen würde, doch sagte er sich im selben Atemzug, dass ihn dies nichts weiter anging. Und waren wir mal ehrlich, so lange die Beiden sich nicht plötzlich ansprangen und dem Anderen den Kopf abreißen wollten, war wohl noch alles im grünen Bereich.

      Mit diesen Gedanken im Kopf, konzentrierte sich Zane schließlich wieder auf Juliet, welche den Plan Joshuas als überaus gut befand und Joshua, sowie Hailey und die blondhaarige junge Dame, welche wohl Katie hieß, das Duell um den zukünftigen Wettbewerbspartner austragen ließ. Leider hatte Katie gegen Joshua verloren und auch gegen Hailey schien sie keine Chance zu haben, weswegen sie nun ziemlich enttäuscht wirkte. Dabei konnte er nun allerdings nicht sagen ob diese Enttäuschung daher rührte, dass sie nun beide Spiele verloren hatte oder eben daran, dass sie mit keinem der Beiden den Wettbewerb austragen konnte. Dass dies nun aber direkt an ihm lag, wagte er allerdings zu bezweifeln. Schließlich kannten die Beiden sich gar nicht weiter.

      Zane selbst jedoch, wenn er ehrlich war, war allerdings nicht einmal annähernd darüber enttäuscht nun mit dem niedlichen Mädchen in einem Team zu sein. Zwar kannte er die Arbeitsmoral der anderen beiden Anwesenden nicht, doch war sich Zane unsicher, ob er, wegen deren aufmüpfigen Charakteren, dies überhaupt heraus finden wollte. Da war ihm solch eine ruhige junge Frau, wie Katie, definitiv lieber. Nicht, dass er nun Vorurteile gegenüber den anderen Beiden hatte. Nur würde er auf Dauer wohl nicht mit deren lauten Charakteren klar kommen, welche die beiden auf jeden Fall besaßen. Um dies zu wissen, musste er diese nicht einmal sonderlich lange kennen. Immerhin strahlten die beiden Clubmitglieder jeweils mehr Selbstbewusstsein aus, als Zane wohl jemals besitzen würde.


      Juliet verteilte noch eben die restlichen zwei Infoblätter an die beiden jungen Männer, ehe auch sie den Raum verließ und die vier Studenten somit alleine. Kurz huschte Zanes Blick über den Stapel, während Joshua es ebenfalls als sinnvoll erachtete, mit seiner neu gewonnenen Partnerin den Raum zu verlassen. Gerade noch so am Rande bekam dieser mit, dass sich die beiden Clubmitglieder von ihnen verabschiedete, weswegen er schnell seinen Blick hob. Er lächelte diesen freundlich entgegen, bevor er Selbst endlich das Wort erhob. "Danke, ich wünsche euch auf jeden Fall auch viel Erfolg!" meinte er und sah den Beiden zu, wie diese das Zimmer verließen. Nun standen Katie und Zane alleine in dem Raum, weswegen er dieser kurz scheu entgegen lächelte und anschließend nach blickte, als Katie zu ihrer Tasche griff. "Da wir den Raum nun sowieso für uns haben, können wir wohl auch hier bleiben, oder?" hörte er die feine Stimme der Blondhaarigen. Nickend blickte er zu ihr. "Das macht wohl mehr Sinn, als sich nun noch extra auf die Suche zu begeben." lächelte Zane auf den Vorschlag hin und beugte sich zu seinem Rucksack hinunter. Er schritt auf den Tisch zu, an welchem Katie sich niedergelassen hatte und setzte sich neben sie, ehe er die Blätter auf dem Tisch ablegte. Gerade wollte er seiner Partnerin zustimmen und sie fragen, ob sie sich die Arbeit des durchlesens der Blätter aufteilen wollten, denn schließlich hatte Zane einen wirklich beträchtlichen Stapel an Blättern in der Hand, da schien diese ganz Aufgeregt festzustellen, dass der Mann neben ihr wohl sonst im selben Studiengang saß wie sie. Leider musste Zane zugeben, dass er sich nicht an Katie aus seinem Kurs erinnern konnte, weswegen er sofort ein schlechtes Gewissen bekam, als er antwortete. "Ja, richtig. Ich sitze meist sehr weit vorne, deswegen nimm es mir bitte nicht übel, wenn ich dich nicht sofort zuordnen konnte." Auch wenn er somit nun wohl ein noch schlechteres Gewissen bekam als zuvor, so war er leider ein viel zu ehrlicher Mensch, als diesem armen Mädchen nun auch noch zu erklären, dass er bis vor wenigen Minuten nichts mit ihr anzufangen gewusst hatte.

      Um wieder zum wesentlichen Teil des Ganzen zu kommen, konzentrierte er sich wieder auf die Blätter, welche er mittlerweile in die Tischmitte geschoben hatte, damit sie auf diese Weise besser zusammen arbeiten konnten. "Aber ich finde deinen Ansatz schon einmal gut. So kommen wir wahrscheinlich besser mit dem Rest voran, wenn wir schon einmal alles zusammen durch gegangen sind und eine konkrete Struktur besitzen."







      Hailey Aleah Hale


      Hätte Hailey nicht bereits geahnt, dass ihr Gegenüber Haare auf den Zähnen hatte, seinem Aussehen nach jedenfalls zu urteilen, dann wäre sie nun wohl schockiert, über so viel Dreistigkeit. Schließlich steckte sie fast jeden Morgen unendlich viel Energie und Zeit in ihr Make-Up. Nicht, weil sie es unbedingt tun müsste, sondern weil es ihr regelrecht viel Spaß bereitete. Somit hatte sie allerdings schon mit einer Spitze gerechnet, auch wenn sie nicht wusste, dass diese in jener Form kommen würde. Dennoch musste sie leicht schmunzeln über die Aussage des Streifchens und blickte diesem erst musternd ins Gesicht, ehe sich ihr Blick wieder zu dem weißen Farbklecks in seinen Haaren bewegte. "Tja, was ich im Gesicht habe, bevorzugst du scheinbar in den Haaren. Außerdem war der Posten zum Streifenhörnchen schon vergeben, aber jetzt weiß ich wenigstens auch an wen und muss mir nicht täglich Gedanken darüber machen, dass derjenige dieser Rolle nicht gerecht wird." zwinkerte sie Streifi zu und konzentrierte sich anschließend wieder auf das Geschehen vor sich.

      Während der kleinen Partie Schnick Schnack Schnuck, welche die jeweiligen Teampartner bestimmen sollte, wünschte sich Hailey beinahe schon das Streifenhörnchen als diesen zu bekommen. Nicht, dass sie sonderlich viel Interesse für diesen hegte, allerdings schien dieser ihr zumindest verbal Parole bieten zu können und nicht auf den Mund gefallen zu sein. Zwar fand sie den blonden Engel überaus niedlich, allerdings würde sie sich bei dieser wohl die meiste Zeit zurück halten müssen, da ihr diese einfach viel zu zartbesaitet erschien. Doch da Hailey wusste, dass sie dies nicht sonderlich lange aushalten könnte und am Ende wohl wie ein Maschienengewähr auf die Arme losgehen würde, war sie schon darauf vorbereitet sich im Notfall doch an einen der Männer zu klammern. Nicht, dass das Engelchen wegen Haileys Art noch ein Trauma davon tragen würde. Auch wenn diese wohl nicht auf den ersten Blick so wirkte, doch würde die Braunhaarige sich in dem Fall wohl noch lange Vorwürfe machen. Als Albtraum wollte sie schließlich für niemanden enden, auch wenn sie die meiste Zeit das sagte, was ihr gerade im Kopf herum schwirrte.

      Tatsächlich blieb das Glück ihr aber hold und sie durfte mit Joshua zusammen arbeiten. Dieser schien weniger begeistert von dieser Gruppenaufteilung, doch war es Hailey nur recht. So konnte sie sich schließlich auch für den Vergleich des Clowns an Streifchen rechen. Nicht, dass sie ihm dies wirklich übel nahm, anders verdient hatte sie es nach ihrer eigenen Bemerkung immerhin nicht. » So wie es in den Wald hineinruft, so schallt es aus wieder heraus. « wagte ihr Vater immer zu sagen.

      Auf Joshuas Aussage hin, konnte sie nur breit grinsen.
      "Oh aber sicher, Streifchen. Einen motivierteren Partner wirst du kaum finden." konterte sie und beobachtete diesen dabei wie er von Juliet die Blätter in die Hand gedrückt bekam. Am liebsten hätte sie ihm diese gleich wieder aus der Hand gerissen, um sich diese genauer ansehen und schon einige innere Notizen machen zu können. Allerdings konnte sie sich gerade noch so davon abhalten, um nicht den nächsten verbalen Krieg loszureißen. Für genaueres untersuchen hatte sie immerhin auch später noch Zeit und wenn wir mal ehrlich waren, hätte Hailey höchstwahrscheinlich eh wieder die Hälfte von dem vergessen, was sie sich versucht hatte zu merken. So blieb ihr also nichts anderes übrig, als dem zickigen Streifenhörnchen, der das arme Pflänzchen Hailey im übrigen mal wieder verbal vor den anderen ausmergelte, wie ein treudoofer Hund hinter zu dackeln. Die Worte des Streifchens einfach ignorierend, reagierte sie viel lieber auf den blondhaarigen Engel, welche so niedlich lächelte. "Danke, Engelchen. Ich wünsche euch auch viel Erfolg!" Schon hatten sie den Raum verlassen und liefen den Gang entlang.

      "Oooh Gooott, da ist ja eine Horde alter Rentner, schneller als du." maulte Hailey nach gut drei Minuten, als sie das schleifende Schritttempo Joshuas nicht mehr ertragen konnte. Kurzerhand nahm sie diesem den Stapel Blätter aus der Hand und beschleunigte ihr, durch das Hörnchen, ebenfalls langsamer gewordene Schritttempo. "Wenn du gewinnen willst, würde ich mal einen Zahn zulegen." meinte Hailey und lief in Richtung der Bibliothek der Universität. Dort angekommen, musste sie allerdings feststellen, dass dort auch schon einige andere Mitstreiter des Wettbewerbs saßen. Natürlich wäre es kein Problem gewesen sich dennoch in die Bibliothek zu begeben, genug Platz bot diese immerhin. Doch war die Gefahr dennoch groß, dass sie bei einem gemeinsamen Gespräch belauscht werden konnten. Gleichzeitig fiel ihr jedoch ein besserer und ruhigerer Platz ein, weswegen sie sich wieder umwand. "Ich kenne einen besseren Ort, wo wir ungestört sind." Kurzerhand machte sich die Brünette daher, mit Streifi im Schlepptau versteht sich, auf den Weg in die unteren Etagen der Uni, bis sie an einem alten Trackt ankamen. Die Räume in diesem wurden mittlerweile als Archive oder Lagerräume genutzt, doch befand sich dort etwas versteckt eine alte Bibliothek, welche nicht mehr benutzt wurde. Hailey hatte diese per Zufall entdeckt, als sie an ihrem ersten Studientagen vergessen hatte in welche Räume sie musste und sich daraufhin verlaufen hatte. Die Tür stand Gott sei dank immer offen, da es sonst wohl keiner wagte in diesen Bereich der Etage zu kommen, außer die Dozenten.

      Zufrieden über so viel Ruhe begab sich Hailey in die alte Bibliothek und ließ ihre Tasche einfach auf dem Boden nieder, während die junge Frau es sich auf einer alten, aber noch gut aussehenden Couch bequem machte, welche in der Ecke des Raumes stand. "Wollen wir uns das Lesen aufteilen? So kommen wir schneller voran, können am Ende die gewonnen Informationen dem Anderen erklären, uns besser mit der Thematik auseinander setzen und ob wir es verstanden haben. Am Ende können wir dann die Planung durchgehen. Oder was meinst du?" schlug Hailey vor und blätterte durch den Stapel um sich einen Überblick über die Menge der Texte und Aufgaben zu verschaffen.
      Happiness can be found even in the darkest of times, if one only remembers to turn on the light.

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    • Joshua Tony Harris

      Die Kleine konnte wohl wirklich nicht aufhören mit ihren feurigen Kommentaren, oder sie wollte es erst garnicht. Hoffentlich verbrannte sich der Schwarzhaarige nicht daran, während er versuchte es stattdessen einzudämmen. Bisher hatte Hailey aber auf jeden seiner dummen Sprüchen einen noch blöderen Konter parat, als würde dieses Gehirn, unter viel zu viel Schminke und den langen Haaren, nur mit solchen schmeichelnden Beleidigungen um die Ecke kommen können, als wäre es nur dafür gemacht. Und diese bösen Kommentare rollten der kleinen Diva natürlich sofort über die Lippen, ohne auch nur eine Sekunde zu zögern. Offensichtlich genoss sie es ihm dabei derartig auf der Nase zu tanzen. Vielleicht war es aber auch wie bei einem Ölbrand und wenn man Wasser reingoss wurde das Feuer nur noch größer. Wobei er sicherlich nicht die Absicht zeigte diesen Brand löschen zu wollen und auch nichts dazu beitrug die Situation mit ihr zu entschärfen.

      Dafür fruchtete der Plan seine herausragende Dominanz ihr gegenüber zu beweisen und das sogar ganz ohne verbale Kommunikation. So einfach konnte er sie also zu einem kleinen Hund machen, der ihm brav hinterher lief? Das war ein wenig zu einfach um wahr zu sein, zumindest in den Augen des Schwarzhaarigen, der gänzlich ohne Ziel losgelaufen war. Die Bibliothek war sicherlich bereits vollgelaufen mit anderen Astronomiestudenten, welche schon dabei waren ihre Strategien zu diskutieren, und nach den Vorlesungen waren die meisten anderen Clubräume ebenfalls belegt. Wo sollte er also die temperamentvolle Brünette mit hinschleppen, damit sie zusammen endlich mit der Aufgabe anfangen konnten, indem sie erstmal die Theorie durchgingen? Kurz in seinen Gedanken verloren, wurden seine schleifenden Schritte nur noch langsamer, was Hailey offensichtlich nicht passte. Ihre bisherigen, bissigen Kommentare hatte er weitestgehend ignoriert, weswegen ihn ihre Aktion umso mehr aus der Fassung und zurück auf den Planeten Erde brachte.
      Sie war anscheinend nicht nur schnell darin ihre Gedanken loszuwerden und mit ihrem Umfeld zu teilen, sondern hatte sie dem Schwarzhaarigen wirklich nicht einmal die Zeit gelassen um über einen passenden Ort zum Arbeiten nachzudenken. Diese Aufgabe nahm ihm die flinke Hailey ab, welche den völlig überrumpelten Mann mit leeren Händen zurückließ, denn hatte sie ihm gerade aus diesen die Unterlagen gestohlen. Sofort eilte der sich selbst ernannte Teamcaptain ihrer schmalen Silhouette hinterher, die mit einem mindest doppelt so schnellen Schritttempo auf die Bibliothek zueilte. "Die wird sowieso voll sein, da brauchst du es nicht versuchen Cakeface.", kommentierte er ihre Entscheidung von hinten und freute sich gerade darüber dieses Wort von seinen Schwestern beigebracht bekommen zu haben. Es passte definitiv zu dem Clownimage, das der Schwarzhaarige für sie etabliert hatte. Und so wie er mit den Spitznamen für Hailey seiner eingebildeten Sicht nach Recht behielt, so musste sie einsehen, das er auch mit der Bibliothek richtig lag. Bei dieser angekommen wand sich die Brünette nämlich schlagartig um, anscheinend aber mit einem neuen Ziel im Kopf.

      Die kleine Zicke eilte unaufhaltsam wie ein Lauffeuer durch die Universität. Tatsächlich musste sich der eigentlich sehr sportliche Joshua bemühen hinterher zu kommen und war lediglich darauf konzentriert mit ihren schnellen Schritten in einem harmonischen Tempo zu bleiben. Das Einzige, was wohl an den beiden sich in dieser Teamarbeit auf einander abstimmen ließ, abseits ihrer Fähigkeit sich gegenseitig unendlich viele Sprüche an den Kopf zu werfen. Fokussiert auf ihren schmalen Körper bemerkte er garnicht wo er ihr eigentlich hin folgte. Sie waren einige Treppen in dem marmorierten Treppenhaus hinabgestiegen, bis sie schließlich nicht mehr von den üblichen weißen Wänden mit Holztäfelung und zerkratztem, dunklem Boden umgeben waren. Als hätten sie hier in diesem Abschnitt nie eine Renovierung durchgeführt, die vor Jahren einmal im ganzen Gebäude umgesetzt wurde, befanden sie sich in einem Flur der Universität, der komplett mit Holztäfelung verkleidet war und mit einem gefliesten Boden schon nach Abstellkammer und Kellerabteil schrie. Soweit er sich zurückerinnern konnte hatte er sich bisher kein einziges Mal hier wiedergefunden und er wollte sich garnicht ausmalen woher die temperamentvolle Brünette diesen Ort kannte. Denn auch wenn Joshua nicht der schlimmste Frauenheld war, kannte er definitiv einige Orte, wo man in dieser Universität ungestört allein sein konnte und an dem man sich eventuell auch keine Gedanken machen musste wie laut man war. Bei solchen Erinnerungen musste der Schwarzhaarige kurz genießerisch schmunzeln, bis das farbenfrohe Gesicht der Brünette wieder vor seinem inneren Auge auftauchte und jegliche angenehme Fantasie an vergangene Frauen in seinem Leben ausradierte. Warum hatte es ausgerechnet ihn mit ihr getroffen? Wieso konnte er nicht eine der beiden guten Seelen oben im Astronomie Clubraum abkriegen? Stattdessen hatte er nun diesen angriffslustigen und dominanten Clown an der Backe. Die Schuld hierfür konnte er wohl ganz allein seinem blonden Freund Andrew zuschieben. Wenn er ihn doch nur überredet hätte heute wieder in den Club zu kommen. So ein Scheiß auch..

      "Ich kenne einen besseren Ort, wo wir ungestört sind.", imitierte er sie mit piepsiger Stimme innerhalb seiner Gedanken. Hatte sie jetzt etwa plötzlich doch Interesse an seinem Steifenhörnchen Look? Wahrscheinlicher war wohl eher, das sie ihn so dringend los werden wollte, das die aufbrausende Brünette dafür sogar über Leichen gehen würde. Zutrauen würde er es ihr definitiv. Denn endete ihre Tour durch das halbe Universitätsgebäude in einer alten, verstaubten Bibliothek. Anscheinend wurde sie zur Hälfte auch als Lager missbraucht, denn im Gegensatz zu der neuen Unibücherei taten sich überall stapelweise Berge aus Kartons und unterschiedlichen Schriftwerken zusammen, die genauso unbenutzt wie die unsortierten Bücher und Druckwerke in den schmalen Regalen wirkten. Wo hatte Hailey sie nur hingebracht?
      Trotz seiner Zweifel was ihre genaue Absicht nun war, folgte er ihr in den großen Raum, welcher das Tageslicht lediglich durch kleine Kellerfenster abbekam. Doch offensichtlich hielt sich die Kleine öfters hier auf, denn zielstrebig ging sie auf ein Sofa zu, welches nicht ganz so mitgenommen aussah, wie die restlichen Möbel verteilt in diesem Zimmer. Anstatt den Platz neben ihr zu beschlagnahmen setzt er sich dem neugetauften Cakeface gegenüber auf den abgenutzten Couchtisch. In dieser Ecke herrschte deutlich genug Licht um in dem staubbelagerten Zimmer lesen zu können ohne dabei seine Sehmuskeln allmählich zu riskieren.

      Natürlich hörte er sich ihren ausgeklügelten Plan an, wobei er dabei überrascht in seiner Bewegung seinen Rucksack abzusetzen innehielt. Joshuas eiskalte, blauen Augen blickten ihr sofort verwundert ins Gesicht. "Und ich dachte du wärst bereit mich umzubringen! Jetzt willst du mir erzählen, ich muss dich tatsächlich noch den ganzen Wettbewerb ertragen?", motzte er mit einem amüsierten Unterton, wobei er sich mittlerweile bei all den Sticheleien sein schmunzelndes Grinsen im markanten Gesicht nicht verkneifen konnte. Er warf seinen schwarzen Rucksack in die Richtung ihrer Tasche auf den Boden und zog seine Lederjacke aus, welche er dann plötzlich achtvoll neben sich hinlegte. Unter dem wertvollen Kleidungsstück kam sein graues Bandshirt zum Vorschein. Die abgedruckten Flügel des Rise Against Logos zogen sich über seine Brust bis hin zu den durchtrainierten Schultern. Seine Schwester Rebecca zwang ihn natürlich eindringlich dazu, das er stets Sport trieb und dieses Hobby nicht aufgab. Ansonsten konnte sie den Schwarzhaarigen nicht mehr als Model für ihre selbst angefertigten Kleiderstücke missbrauchen. Er rollte einmal seine Schultergelenke in einer kreisenden Bewegung, bevor er schließlich zustimmend auf ihren Vorschlag nickte und sich den gestohlenen Papierstapel aus ihren schmalen Fingern nahm. Er blätterte neugierig durch die Seiten und fand auf Anhieb eine annehmbare Hälfte, wo der Text nicht mitten im Satz begann. An dieser Stelle halbierte er die unzähligen Blätter in zwei schmale Stapel und reichte ihr einen davon. Wenn auch nur widerwillig, schließlich gab er hier seinen Trumpf ihr gegenüber auf.

      "Wenn du was nicht verstehst, erkläre ich dir das natürlich gerne. Wenn du dich schon schminkst als wärst du ein Kleinkind, dann erwarte ich nicht, das du irgendwas von dieser These verstehst", stichelte er die Brünette mit einem amüsierten Grinsen weiterhin an.






      Katarina "Katie" Lawson

      Ihre Niederlage im Spiel hatte die Blondine schnell verkraftet, denn die Überraschung über den zufrieden wirkenden Zane überwog ihre emotionale Waage. Wobei, die Auswahl war nicht groß gewesen und vielleicht war er lediglich froh darüber, das er mit keinem dieser beiden, lauten Streithähne klarkommen musste. Bisher hatte sie aber noch nicht mit dem Braunhaarigen zusammen gearbeitet, somit konnte das ebenfalls ordentlich schief gehen. Oder aber sie bildeten ganz zufällig ein großartiges Team? Zumindest wusste sie Freundlichkeit wertzuschätzen und diese zeigte er mit einem Lächeln der gerade verschwundenen Konkurrenz. Anscheinend war der junge Mann zwar ruhig, aber auf jeden Fall höflich. Was sollte Katie mehr verlangen, abseits einer guten Arbeitsmoral?

      Mit einem scheuen Lächeln der kleinen Romantikerin gegenüber, hatte er aber sofort jegliche Sympathiepunkte bei ihr auf einmal gesammelt. Plötzlich wirkte das einprägsame Gesicht viel ansprechender als unnahbar. Natürlich schlug ihr Herz bei sowas direkt höher, denn konnte sie sich bei jedem gut aussehendem Typen einbilden, sich auf den ersten, zweiten oder dritten Blick verliebt zu haben. Vielleicht war es hier eher verknallt durch das erste Lächeln? Aber solche Gedanken waren oft nur ihre ideenreichen Träumerein, die sehr von ihrer romantischen Veranlagung geprägt waren. Und in jenen Fantasien verlor sie sich am aller liebsten, schließlich konnte sie sich in diesen jedes Happy End ihrer Wünsche zusammenreimen. Wem würde das nicht gefallen? - Rhetorische Frage, jeder mochte ein glückliches Ende.

      Sein groß gewachsener Körper hatte sich neben sie am Holztisch niedergelassen. Selbst sitzend überragte er die junge Blondine um mindestens einen ganzen Kopf, weswegen sie ihre spitze Nase wieder Richtung Decke strecken musste, um mit ihren blauen Augen das Lächeln im wie aus Stein gemeißeltem Gesicht betrachten zu können. Mit den wirren, braunen Haarsträhnen die bis zu seinen Augenbrauen über die Stirn hingen, war seine Aufmerksamkeit dem Stapel Papier gewidmet, bis er ihre Feststellung anhörte. Fast schon zögerlich reagierte Zane auf ihre Vermutung den braunen Haarschopf aus der Vorlesung von Professor Rix zu kenne. "Ja richtig. Ich sitze meist sehr weit vorne, deswegen nimm es mir bitte nicht übel, wenn ich dich nicht sofort zuordnen konnte“, antwortete er ihr ehrlich und traf der emotionale Blondine direkt ins Herz. Nicht mit Cupidos vergoldetem Pfeil der Liebe, sondern hatte er ihre romantischen Vorstellungen von den gemeinsamen Nächten unter dem Sternenhimmel, die zu irgendwas mehr führen könnten, zusammen mit ihrem kleinen Herzen in mehrere Einzelteile zerschossen. Mit nur einer unbeabsichtigten, aber gezielten, Aussage.
      Ihre Gefühle zu verstecken war die Blondine nicht gewöhnt, schließlich hatte sie von ihrer Mutter gelernt ehrlich und offen mit ihren Emotionen umzugehen. Dementsprechend agierte sie auf seine Worte, indem sie sich mit ihrer schmalen Hand enttäuscht an die Brust fasste, wo ihr gerade erst zertrümmertes Herz lag. "Das tat jetzt aber weh zu hören, vor allem sind wir garnicht so viele in der Vorlesung!", äußerte sie mit einer besonders theatralischen Stimme, um weiß zu machen, das sie es ihm nicht tatsächlich übel nahm. Nur nach der Freude über den neuen Spitznamen "Engelchen", auf den sich Katie definitiv etwas einbildete, musste er ausgerechnet ihre fragilste Seite treffen und romantischen Hoffnungen im Keim ersticken. Sie konnte ja nicht einmal eine Sekunde daran verschwenden über alles was möglich gewesen wäre zu fantasieren! Und wahrscheinlich hatte er es nicht einmal böse gemeint, sondern lediglich mit seinem ehrlichen Unterton in der männlichen Stimme ihr mitgeteilt, wie es eben war. Das machte es nur leider nicht leichter für die klein geratene Blondine, die mit gespieltem Entsetzen seinem Blick entgegnete.

      Aber immerhin hatte das ganze etwas Gutes. Denn wenn Zane anscheinend erst jetzt von ihrer Existenz an dieser Universität erfuhr, dann war er bisher noch nicht mit dem bekannten Gerücht über Katie in Berührung bekommen, welches sogar außerhalb der Astronomiefachschaft weiter erzählt wurde, als würde ein Leben davon abhängen. Abseits das der Betroffenen, welches dadurch nur unerträglich schwerer geworden war. Wie man sich denken kann, war es nicht besonders schön von seinen Mitstudenten als "Schlampe" und ähnliches bezeichnet zu werden, obwohl sie nie jemandem etwas Böses wollte. Sie wusste ja nichtmal in welcher Gerüchteküche und von welcher Hexe an dieser Universität dieser Unsinn verbreitet wurde. Aber jetzt klebte dieses Label an ihren fragilen Gefühlen und sie war immer wieder froh darüber jemanden zu treffen, der davon noch nicht mitbekommen hatte. Dementsprechend konnte sie den unabsichtlichen Kommentar resigniert runterschlucken, auch wenn es sie etwas Kraft kostete sich zusammenzureißen. Jedoch erinnerte sie sich mit ihrer inneren Stimme der Vernunft nochmals daran, dass der sonst sympathische Braunhaarige jene Aussage sicherlich nicht böswillig meinte.
      "Dann darfst du mich nun kennen lernen, meinen Namen hast du ja bereits gehört", deklarierte sie wieder fröhlich, nachdem sie die Hand von ihrer Brust genommen hatte und nun ein leichtes Lächeln auf den rosigen Lippen trug. Katie selbst war es natürlich gewohnt das ihre Emotionen so schnell hin und her schwankten, wie bei einer wilden Achterbahn, bei der es ständig auf und wieder ab ging- nur konnte das für Außenstehende manchmal sehr irritierend sein. Dafür war ihr großer Vorteil, das sie durch ihre Vergangenheit zu einem kleinen Stehaufmännchen geworden ist, welches sich unbeirrt von Rückschlägen schnell erholte.

      Somit stand der Blondine wieder nichts mehr im Weg, sich auf das Eigentliche zu konzentrieren. Durch seinen zustimmenden Kommentar aufgrund ihrer Planung half er ihr wieder motiviert bei der Sache zu bleiben, weswegen sie direkt ihren Block und das mit Kätzchen bedruckte Mäppchen aus ihrer Tasche kramte. Schwer waren die Sachen in ihrer durchsichtigen Bibliothekstasche nicht zu finden, wodurch sie in Windeseile bereits alles auf dem Tisch vor sich liegen hatte und zwei kleine Textmarker zückte. Passend zu ihrem mädchenhaften Auftreten waren die Stifte zum Markieren in ihrer Hand in einem Pastellblau und -rosa. Bevor er überhaupt dazu kam seine Schreibsachen rauszuholen hielt sie dem jungen Mann bereits den Hellblauen entgegen, pink war stets für Katie selbst reserviert.
      "Willst du alles zusammen durchlesen oder sollen wir uns den ganzen Stapel aufteilen und nur die wichtigsten Informationen teilen?", fragte sie, plötzlich komplett zielgerichtet auf den Wettbewerb. Nur bei sowas konnte sie tatsächlich ihre Emotionen und Schwärmereien im Zaun halten. Zumindest vorerst, bevor sie sich wieder in ihrer eigenkreierten Gedankenwelt verlor, sowie man es in den unendlichen Weiten des Weltall tun konnte.

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    • Zane Owen Carter


      "Das tat jetzt aber weh zu hören, vor allem sind wir garnicht so viele in der Vorlesung!" Nun, da war er wohl in ein Fettnäpfchen getreten. Auch wenn er Ehrlichkeit bevorzugte, schließlich war er damit großgeworden und kannte nichts Anderes, hatte er es dennoch irgendwie nett umschreiben wollen, statt der zartbesaitet wirkenden Blondine knallhart ins Gesicht zu knallen, dass er diese nicht kannte und selbst dann noch nie gesehen hatte, obwohl ihr Kurs nun einmal wirklich sehr klein war. Das Problem war dabei leider nur, dass Zane sich, sobald er an und in der Uni ankam, nur noch auf das Lernen seiner größten Leidenschaft konzentrierte. Freunde hatte er hier in den sechs Monaten, in welchen er in dieser Uni studierte, noch nicht finden können. Nicht, weil er kein wirkliches Interesse daran hatte, nur empfand er es wichtiger, sich auf einen guten Abschluss und seinem geliebten All zu fokussieren, statt sich dabei von irgendjemanden ablenken zu lassen. Und das war nun einmal bei den meisten der Fall, wenn er mal all die Leute beobachtete, die sich hier kannten. Natürlich waren mit Sicherheit sehr viele nette Leute unter seinen Mitstudierenden, die ihn und seine Absichten vollkommen akzeptiert hätten. Doch war es einfach noch nicht dazu gekommen, dass er dies hätte herausfinden können. Vielleicht war Katie aber nun diejenige, die ihm auf diese Art zeigen konnte, ob dies auch wirklich funktionierte. Und wo ihm nun auch wieder Katie in den Sinn kam, schließlich war er kurzzeitig etwas abgedriftet und von seinen eigentlichen Gedanken abgekommen, konzentrierte er sich wieder auf diese. Eben jene fasste sich nach dieser Aussage übertrieben theatralisch an die Brust und blickte den Älteren mit ebenso einem Blick auch an. Ein kurzes leises Lachen konnte er sich dabei allerdings nicht verkneifen, denn sah die blonde Schönheit dabei wirklich ziemlich niedlich aus. Doch so konnte er sich wohl sicher sein, dass sie ihm seine vorige Äußerung wohl doch nicht allzu übel genommen hatte, wie er es erst annahm.

      Immer noch schmunzelnd musterte er die junge Frau neben sich, während diese ihren theatralisch geschauspielerten Blick endlich absetzte und ihm ebenfalls entgegen lächelte. Zane ging dabei beinahe das Herz auf. Nicht, weil er sich nun ganz plötzlich in sie verliebt hatte, sondern weil er jeden Menschen mit einem Lächeln im Gesicht, automatisch viel schöner fand. Und auch Katie stand dieser Gesichtsausdruck definitiv viel besser, als der vorherige, auch wenn dieser scheinbar nur gespielt gewesen war. "Dann freut es mich wirklich sehr, dich endlich kennen lernen zu dürfen, Katie." meinte er mindestens genauso fröhlich, wie seine Sitznachbarin und deutete auf seinem Sitzplatz eine leichte Verbeugung an. "Ich glaube zwar, du hast meinen Namen vorhin auch schon hören dürfen, aber für den Fall, dass er dir nicht im Gedächtnis geblieben ist... Ich bin Zane." stellte sich der zweiundzwanzig Jährige dennoch einmal höflich vor und lächelte seiner Partnerin entgegen.

      Dankend nahm Zane anschließend den blauen Marker entgegen, welcher ihm entgegen gehalten wurde. Wahrscheinlich konnte seine Nachbarin nun auch schon Gedanken lesen, denn wollte er sich nun seine Federmappe aus dem Rucksack herbei angeln. Auf ihren anschließenden Vorschlag hin bedachte der braunhaarige aber die Blätter, welche er in die Mitte des Tisches gelegt hatte. "Ich denke es wäre praktischer, wenn wir uns die Arbeit aufteilen. Am Ende können wir schließlich alles gemeinsam auswerten, aber so kommen wir wenigstens auch etwas schneller voran." entschied er sich für die eine Auswahl ihrer Optionen und erklärte dabei auch den Grund. Während er sprach, schnappte er sich auch schon den Stapel Blätter, löste vorsichtig die Klammer und teilte den Stapel in zwei gleiche Hälften auf. Die eine Hälfte legte er schließlich vor seiner Teamkollegin auf dem Tisch ab, ehe sie begannen ihrer Arbeit nachzukommen.







      Hailey Aleah Hale


      Erstaunlicher Weise war ihr neu gewonnener Teamkollege den Rest des Weges außerordentlich still, weswegen sich Hailey so langsam sorgen machte, dass sie diesen eventuell schon kaputt diskutiert hatte. Was wirklich Schade wäre, denn so hätte sie schon wieder eine Person weniger der ihr zumindest in diesem Sinne das Wasser reichen konnte. Nicht einmal ihre engsten Freunde hatten es bisher geschafft, so schnell und brüsk auf Haileys schnellen Kopf zu reagieren. Meist hatten sie dazu allerdings auch keine Chance, da sie nun einmal schneller ihre Gedanken aussprach, als es einigen Menschen lieb war und sie überhaupt wirklich darüber hätten nachdenken können. Die meiste Zeit passierte dies dabei auch noch so ungefiltert, dass sie gar nicht weiter darüber nachdenken konnte, was genau sie eigentlich sagte. Die Meisten die sie kannten, wunderte es aber schon gar nicht mehr, wenn Hailey einfach losredete und selber nicht mehr mit ihren Gedanken hinterher zu kommen schien. Dafür hörten diese ihr erstaunlicher Weise aber dennoch zu. Selbst wenn sie dabei einmal aufs Neue in ihre sarkastische Schiene abrutschte. Am Ende blieben sie dennoch bei ihr und zeigten ihr auf diese Art, dass sie Freunde und Menschen waren, auf welche sie zählen konnte. Andererseits hätten diese Menschen sich wohl schon vor langer Zeit von ihr abgewandt, so wie viele andere Menschen zuvor auch.

      So in ihre Gedanke versunken, bemerkte sie erst jetzt, dass ihre Füße sie wohl automatisch zu der alten Bibliothek getragen hatten. Zwar war dies auch ihr Ziel gewesen, nur war sie kurzzeitig so sehr abgedriftet, dass es sie wohl nicht gewundert hätte, wenn sie gegen die nächste Wand gelaufen wäre und sich somit zu Fall gebracht hätte. Dies wäre jedoch überaus peinlich geworden, wenn das ausgerechnet das Streifenhörnchen hätte mitbekommen müssen. Somit hätte dieser schließlich erst recht noch mehr Zündstoff gefunden, welches er hätte gegen sie verwenden und in Brand setzen können.

      Nachdem ihre Tasche also den Platz auf dem Boden und sie selber jenen auf der Couch eingenommen hatte, schlug sie Josh die Aufteilung der Wettbewerbsarbeit vor. Dieser schien deutlich überrascht, als dieser mit seiner Bewegung, seinen Rucksack neben ihrer Tasche auf dem Boden abzustellen, inne hielt und sie auch dementsprechend anblickte. Amüsiert darüber zog sie ihre Augenbraue in die Höhe, ehe Streifi schließlich auch verbal seine Überraschung, über ihren Vorschlag, preisgab. Ehe sie jedoch mit einer ihrer typischen, spitzen Bemerkungen hatte antworten können, zog dieser sich auch schon seine Lederjacke aus und gab den Blick auf ein wirklich befriedigendes Muskelspiel preis. Ihre Augen blieben einen Moment zu lang auf seinem wohlgeformten Körper liegen, ehe sie es endlich schaffte sich von diesem abzuwenden. Nicht, dass sie sich unter normalen Umständen zu fein dafür wäre, ihr deutliches Interesse, an solch einem gut gebauten Männerkörper, zu zeigen, doch wollte sie dem schwarz-weiß Haarigen auf diese Art nicht unbedingt einen Grund geben sie mit seiner deutlichen Wortgewandtheit niederzumähen und sich über sie lustig zu machen. Mit Sicherheit könnte sie sich dagegen wehren, doch müsste sie dafür erst einmal wieder den Kopf frei bekommen. Sie wusste nicht warum, doch sobald sie einen attraktiven Mann mit Muskeln sah, und das war Streifi definitiv, auch wenn sie sich zur Zeit etwas über seine zweifarbige Mähne lustig machte, regte sich bei ihr alles; nur nicht ihr Gehirn. Dass war wohl der Fluch, wenn man einen bestimmten Typ Mann hatte und dieser sich ihr auch noch wie auf dem Silbertablett servierte.

      Schnell versuchte sie sich aber abzulenken und auf irgendetwas anderes zu konzentrieren. Dabei glitt ihr Blick jedoch erneut und wie von Selbst, über Joshuas Körper, welcher in einem Rise Against - Shirt steckte. Dies fiel ihr erst jetzt auf und das, obwohl sie ihn bestimmt zwei Minuten lang regelrecht angegafft hatte. Somit fand sie jedoch die nötige und gewünschte Ablenkung, auf welche sie gehofft hatte. "Naja, wenigstens wirkt sich dein schrecklicher Haarstil-Geschmack nicht auf deinen Kleidungsstil aus." versuchte sie sich in typischer Hailey Manier an einem beinahe-Kompliment. Schließlich kannte sie das Bandlogo auf dem Shirt nur allzu gut und liebte deren Musik ebenso, wie die Band und deren Mitglieder selber. "Ach ja, du musst dir im übrigen keine Sorgen machen, so leicht mache ich es dir nämlich nicht. Ich stehe darauf, meinen Opfern vorher noch unendliche Qualen zuzufügen. Also hebe ich mir das für nach den Wettbewerb auf." zwinkerte sie ihrem Gegenüber noch abschließend, auf seine vorigen Worte, entgegen und wühlte anschließend in ihrer Tasche nach einem Haargummi. So sehr sie ihre Haare auch liebte, doch im Moment würden sie diesen wohl einfach nur stören, mal abgesehen davon, dass sie sich von dem wohlgeformten Körper vor ihr ablenken wollte.

      Das Haarband endlich in ihrem Federmäppchen findend, griff sie schließlich zu ihren langen, in Wellen über die Schultern fallenden, Haare und band diese zu einem hohen Dutt zusammen. Deutlich zufrieden über diesen Umstand, holte sie anschließend auch noch ihre Federmappe aus der Tasche, um somit endlich mit den Wettbewerbs relevanten Aufgaben zu beginnen. Eine ganze Weile hörte man regelrecht das Kratzen der Stifte auf Papier, sobald sich Streifi oder Hailey selbst N
      otizen machten, oder eben das umblättern der Seiten. Nach gut einer gefühlten Stunde, wenn es nicht sogar vielleicht zwei waren, sie hatte nämlich jegliches Zeitgefühl verloren, streckte sie sich einmal ausgiebig und ließ sich anschließend, mit dem Rücken voran, auf die Couch fallen. Auf ihrer vollen Unterlippe herum knabbernd, wie sie es meistens tat wenn sie konzentriert war, las sie sich die letzten beiden Seiten durch und schrieb sich auch für diesen noch Notizen auf. Am Ende kam es ihr vor, als hätte sie einen halben Roman geschrieben. Ihrer leicht schmerzenden Hand und den fünf beidseitig vollgeschriebenen Blättern nach zu urteilen, lag sie damit wahrscheinlich nicht einmal komplett falsch. Den Block über ihr Gesicht haltend, um somit noch einmal alles aufgeschriebene genauer überprüfen und durchlesen zu können, wanderte ihr Blick irgendwann zu ihrem Partner, welcher noch in seinen Teil des Stapels vertieft zu sein schien. Kurz musterte sie ihn, besah sich seinen konzentrierten und dabei leicht streng wirkenden Blick, ehe ihre Augen zu seiner schreibenden Hand wanderte. Nur für einen kurzen Augenblick blieb sie dort hängen, ehe ihre Augen an seinem Arm hinauf fuhren und das leichte Muskelspiel bei jeder kleinen Bewegung beobachteten.

      Räuspernd wand sie ihren Blick wieder von ihm ab und sah auf ihren Block, welcher nun mittlerweile gefährlich nahe über ihrem Gesicht hing und ihr wohl beinahe sogar aus der Hand gerutscht wäre, hätte sie den jungen Mann noch weiterhin angestarrt, wie das zweite Weltwunder. So konnte sie diesen gerade noch davon abhalten direkt mit ihrem Gesicht zu kollidieren, wie beispielsweise ein Komet mit der Erde. "Und, kommst du genauso langsam voran wie vorhin auf dem Weg zur Bibliothek oder bist du auch schon fertig?"

      Happiness can be found even in the darkest of times, if one only remembers to turn on the light.

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    • Joshua Tony Harris

      Fast konnte er es nicht glauben, das Hailey garnicht mit einer schnippischen Antwort auf seinen Kommentar reagiert. Stattdessen spürte er nur ihre großen Rehaugen auf sich, wie sie ihn eindringlich musterten. Verunsichert wanderten seine hellblauen Augen ebenfalls an seinem Oberkörper runter, denn fragte er sich, was genau die Brünette gerade so interessantes an ihm gefunden hat. Hoffentlich kein neuer Grund, um ihr noch mehr Munition gegen ihn zu verschaffen. Mittlerweile hatte sie schließlich abseits seiner weißen Strähnen schon genug Material, mit dem sie den jungen Mann ärgern und spielerisch beleidigen konnte. Er lag aber anscheinend weit daneben mit seiner Vermutung, wie sie mit ihren fast schon lieben Worten bestätigte.

      "Naja wenigstens wirkt sich dein schrecklicher Haarstil-Geschmack nicht auf deinen Kleidungsstil aus.", ertönte ihre feminin Stimme und wieder zeigte sich in Joshuas Gesicht eine gewisse Verwunderung. Seine Augenbrauen zogen sich erstaunt hoch und bildeten wenige, schmale Falten über seiner Stirn. Ein wenig in seinem Ego bestätigt, strich er sich die zweifarbigen Haare zurück und sah sie schmunzelnd an. "Komplimente machen ist wohl nicht deine Stärke, hm?", stellte er amüsiert fest, denn als solches hatte er es verstanden. Als er seinen Satz ausgesprochen hatte viel ihm aber auf, das ihre versteckte Schmeichelei sich wohl ebenfalls auf seinen Musikgeschmack bezog. Er hatte sicher nicht erwartet, dass so eine kleine Göre wie sie tatsächlich rockige Musik hörte. Ob sie sich wohl auch bezüglich anderer Bands einig wurden? Diese Idee ließ er aber fürs Erste unkommentiert, denn bekam er die temperamentvolle Hailey direkt wieder zurück. Diese drohte ihm nun mittlerweile mit unendlichen Qualen, wenn sie denn diesen Wettbewerb hinter sich gebracht haben. Ihr zuversichtliches Zwinkern, entlockte dem jungen Mann ein belustigtes Grinsen, während er eine Hand auf der Tischplatte zurücklehnte. "Mit dir zusammen zu arbeiten wird schon Qual genug sein", erwiderte er und seine Mundwinkel zogen sich zu einem amüsierten Lächeln. Seine blauen Augen weiterhin auf die vorlaute Frau gerichtet, sah er zu, wie innerhalb von wenigen Handgriffen ihre langen, dunklen Haare in einem Knoten auf ihrem Kopf endeten. Er hatte keine Ahnung wie sich diese Frisur nannte, aber damit hatte er seine Schwestern auch schon oft rumrennen gesehen. Anscheinend war das für viele Frauen so praktischer. Für ihn ebenfalls, schließlich gab sie damit nicht nur ihr vollgeschminktes Gesicht, sondern auch ihren Körper frei, der zuvor von den braunen Wellen verdeckt war. Die viele Schminke konnte er zwar nicht gut leiden, aber das nahm er für diese betörende Aussicht gerne in Kauf.

      So sehr ihm die kleine Brünette auch auf die Nerven gehen konnte, den Anblick einer attraktiven Frau würde er sich nicht entgehen lassen - und Hailey zählte definitiv zu den gut aussehenden Damen, das konnte selbst Josh nicht verleugnen. Sein neugieriger Blick schweifte kurz über die schmalen Schultern hinweg zu ihrem Dekolleté, bevor er durch den Stift und die Papiere in ihren zarten Händen streng ermahnte wurde, weswegen sie eigentlich hier waren. Sie sollten ja die Theorie für den Wettbewerb durchgehen, damit sie überhaupt weiter planen konnten. Kurz schüttelte Joshua unwillkürlich den Kopf, um die letzten, ablenkenden Gedanken loszuwerden, bevor er sich zu ihr vorbeugte und ihr Federetui schnappte. Da er seinen Rucksack lediglich in die Richtung ihrer Tasche geschmissen hatte, war ihr Mäppchen deutlich näher an ihm dran. Der Schwarzhaarige war da sehr einfach mit seiner Faulheit: Er brauchte einen Stift? Hailey hatte bestimmt noch welche übrig.
      Gesucht, gefunden. Mit einem Kugelschreiber in der Hand stellte er das Federmäppchen anschließend neben seiner Lederjacke ab. Die Brünette lag nämlich bereits mit ihrem Rücken auf dem weichen Sofa und war schon vertieft in die unzähligen Informationen, welche die Dokumente enthielten. Der Anblick des nachdenklichen Mädchens würde sich wohl noch auf Dauer in sein Gehirn brennen. Länger als ihm lieb war, ruhten seine blauen Augen auf Hailey, die sich gerade auf ihre volle Unterlippe biss und dabei konzentriert irgendwelche Anmerkungen aufschrieb. Ihm kam zum Glück in Erinnerung, wie vorlaut die Kleine sein konnte, obwohl sie gerade eine ganz andere Seite von sich zeigte. Ihr angriffslustiges Verhalten würde ihm wohl auf Dauer noch verrückt machen, dementsprechend sollten sie diesen Wettbewerb so schnell wie möglich hinter sich bringen. Vor allem, weil sie nur so den begehrten Preis erlangen konnten.

      Der Schwarzhaarige stützte sich also auf beide Ellenbogen und stellte seine Schuhe am Rand der Couch auf. Bereit sich an den tatsächlich anstrengenden Teil zu machen, fing er in dieser Position an sich langsam durch all die wissenschaftlichen Informationen zu arbeiten. Stück für Stück las er sich den Text durch, während er ganz selten mal eine Notiz dazu machte. Keine zehn Minuten später setzte sich der groß gewachsene Mann mit einem leisen Seufzen auf. Joshua konnte nicht lange in einer Position verweilen, damit regte er auch in jeder Vorlesung seine Sitznachbarn auf. Nur Andrew konnte damit leben, denn der blonde Freund litt genauso darunter, sich ständig umsetzen zu müssen. Diesem Problem unterzog sich der Schwarzhaarige gerade ebenfalls. Fünf Minuten später hatte er den Knöchel auf seinem rechten Bein liegen und den Arm darauf abgestützt. Paar Augenblicke darauf hatte er das hochgelegte Bein ganz an seinen Körper angezogen, das markante Kinn auf dem Knie abgelegt und sich aus dieser Position heraus weiter durch den Text gehangelt. Schließlich endete er aber in seiner Ausgangsposition, mit einer Hand auf der hölzernen Tischplatte nach hinten gestützt und mit der anderen blätterte er die Seiten in seinem Schoß um. Er verließ sich hauptsächlich auf sein Gedächtnis, wenn es zu solchen Thesen kam - Notizen machte er sich nur an den Stellen, die tatsächlich von Relevanz waren. Trotz dieser Tatsache war Hailey anscheinend einen ganzen Ticken schneller als er beim Lesen. Genervt sahen seine blauen Augen zu ihr auf, wie sie sich gemütlich auf dem Sofa räkelte mit ihrem Block über dem Gesicht.
      "Und, kommst du genauso langsam voran wie vorhin auf dem Weg zur Bibliothek oder bist du auch schon fertig?", hatte sie nach seiner Aufmerksamkeit verlangt, woraufhin der Schwarzhaarige seine Augen verdrehte und erwiderte: "Bild dir da bloß nichts drauf ein." Kopfschüttelnd und gleichzeitig mit einem breiten Grinsen legte er die Blätter zu seiner Lederjacke und ihrem Mäppchen auf den Tisch, denn war er mittlerweile ebenfalls bei der letzten Seite angekommen.

      Er verschränkte seine großen Hände ineinander, während er sich zu der geschminkten Brünette vorlehnte und den Kopf auf seinen Fingerknöcheln ablegte. Wieder erwischte sich Joshua dabei sie in dieser Position zu mustern. Sie hatten jedoch wichtigeres zu tun, daran musste der junge Mann sich immer wieder erinnern, denn er war wirklich sehr leicht ablenkbar. Nicht nur von gut aussehenden Frauen - Andrew bekam das genauso leicht hin.
      "Was hat die Madame in ihrer Doktorarbeit alles notiert?", fragte er mit einer hochgezogenen Augenbraue, als er die willkommene Erinnerung an den Wettbewerb erblickte: ihre vielen beschriebenen Blockseiten. Im Gegensatz dazu waren die paar Wörter, welche er sporadisch über den Seiten der These verteilt hatte ja nichts dagegen.




      Katarina "Katie" Lawson

      Ein begeistertes Lächeln erschien auf ihren schmalen Lippen, dank seiner formalen und höflichen Vorstellung. Das obwohl sie ihn ja eigentlich schon irgendwie vom Sehen her kannte. Katie fand so sehr Gefallen an seinem Gentleman Auftreten, das sie natürlich inspiriert war sich ebenfalls auf seine Art vorzustellen. "Also wenn du es ganz formal haben willst", fing sie fröhlich an die Nachahmung von ihm einzuleiten, "Freut mich dich kennen zu lernen Zane, ich heiße Katie." Darauf deutete die Blondine wie ihr männlicher Teampartner eine kleine Verbeugung im Sitzen an, woraufhin ihr ein heiteres Kichern entfloh. Aber den Spaß beiseite, sie hatten noch einiges vor sich und viel Zeit hatte die verträumte, junge Frau nicht übrig, bis sie sich zu ihrer Arbeit in einem kleinen Coffee Shop melden musste.

      An diesem Zeitdruck orientiert, nahm sie seine Entscheidung den Papierkram aufzuteilen mit einem einvernehmlichen Nicken an. Voll mit Neugierde nahm sie ihren Teil des Stapels in die kleine Hand, lehnte sich damit bequem auf ihrem Stuhl zurück und fing mit dem Textmarker in der anderen Hand an ohne Verzögerung loszulegen. Seite für Seite markierte die Blondine die wichtigsten Informationen oder das, was sich zumindest als nützlich für ihren Gegenüber erweisen würde. Im ganzen Raum hörte man lediglich wie die Beiden sich nach und nach durch ihren jeweiligen Stapel arbeiteten, wie die Stiftspitzen über das Papier gezogen wurde und vielleicht das ein oder andere angestrengte Seufzen. Für Katie war dieser Text jedenfalls nicht leicht zu lesen. Die kleine Träumerin schweifte ständig in ihren Gedanken ab, darüber wie sie heute Nacht sicherlich schon damit loslegen würden ihren geliebten Sternenhimmel zu betrachten. Sie wurde einfach zu aufgeregt, wenn es um ihre Liebe für Astronomie ging und das konnte sie selbst bei einem Wettbewerb nur schwer bremsen. Schließlich kam Katie aber nach einer guten Stunde am Ende der letzten Seite an, woraufhin sie erleichtert ihren Stift auf den Tisch fallen ließ.

      Mit einem lauten Seufzen stand sie von ihrem Stuhl auf, dessen Holzbeine leise über den Boden des Astronomie Clubs kratzten. Obwohl sie sich die Aufgabe geteilt hatten, war es dennoch einiges an wissenschaftlichen Informationen, die sich die Blondine in ihren viel beschäftigten Kopf reinprügeln musste. Zumindest hatten sie damit nun jegliche Fakten, die sie für den weiteren Verlauf des Wettbewerbs gebrauchen konnten. Mit welchen Parametern es theoretisch nachweisbar war, das es sich um ein schwarzes Loch anstatt einem weiteren Stern handelte, welche Kriterien die gefundenen Doppelsterne erfüllen mussten und alles weitere. Nur der Ansatz wie sie an diese Beweise kommen sollten war nicht enthalten, logisch, sonst mussten sie ja keinen Wettbewerb daraus machen.

      Die zierlichen Arme der Blondine hoben sich über ihren Kopf hinweg, während sie sich einmal nachdenklich streckte und in ihren Gedanken versuchte diese Masse an neuen Informationen zu verarbeiten. "Wenn ich nun die ganzen Bedingungen von Doppelsternen durchlesen musste, hattest du wohl was zu den schwarzen Löchern?", fragte sie interessiert nach und nahm dabei auf ihrem Stuhl Platz, welcher knarzend nachgab. Sie war sich sicher der Braunhaarige war um einiges schneller dabei seinen Teil durchzulesen, als sie mit ihrem. Allein dadurch wie schnell sie sich in Gedanken verlor. Das passierte übrigens auch gerade, denn obwohl sie ihren Teampartner eine Frage gestellt hatte, war sie schon wieder in irgendwelchen Theorien abgetaucht. Zur Zeit ratterte ihr kleines Köpfchen die ganzen Herangehensweisen durch, welche sie in ihrem Kurs bei Professor Rix behandelt hatten. Mit dem Wissen, das sie durch ihren Teil des Stapels gesammelt hat, konnte sie schon einige Vermutungen der Mitstudenten ausschließen, bis sie sich schließlich an eine spezielle erinnerte.
      Mit der flachen Hand schlug sie plötzlich, begeistert von ihrer eigenen Fähigkeit sich tatsächlich an etwas aus einer Vorlesung zu erinnern, auf die Tischplatte vor sich. Diese energische Handlung bereute sie zwar sofort, denn zog sie die schmerzende Hand schnell zurück und schüttelte sie kurz, doch sprudelte unaufhaltsam, sowie aufgeregt, aus ihr heraus, was ihr eben durch den Kopf gegangen war: "Wir können heute Nacht eine Sternenkarte orientiert an der Position der Sternenbilder anfertigen und jeden möglichen Doppelstern, der in den nächsten Tagen eine Veränderung aufweist eintragen! Damit können wir uns zum Beobachten einfach an bekannten Konstellationen orientieren!" Ihre blauen Augen funkelten vor Begeisterung, während sie dem Braunhaarigen entgegenblickte und auf eine Reaktion des Größeren zu ihrem Vorschlag wartete.

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    • Zane Owen Carter

      Aufmerksam las sich der junge Mann die Informationen und Thesen über schwarze Löcher durch. Einiges hatte Zane zwar, bei seinen eigenen Nachforschungen oder eben in seinen jeweiligen Kursen mit Professor Rix, schon herausfinden und erfahren dürfen, doch standen in diesen Blättern noch einmal einige Informationen, von welchen Zane überrascht war diese zu erfahren. Er war sich, ehrlich gesagt, sicher gewesen, dass er schon so gut wie alles über diese wusste, was es bisher zu wissen gab. Dass er nun doch noch einiges mehr erfuhr als er angenommen hatte, überraschte ihn zwar, weckte aber gleichermaßen seinen Wissensdurst, zu ergründen was er bisher noch übersehen und nicht einmal erahnt hatte. Er verschlang die Wörter beinahe und versuchte nur das in seinem Kopf abzuspeichern, was für ihn am wichtigsten erschien. Dies war jedoch regelrecht ein Ding der Unmöglichkeit, wenn man mal bedachte, dass der Braunhaarige das All und seine unendlichen Mysterien viel zu faszinierend fand, um überhaupt irgendetwas davon als wichtig und unwichtig ein zu kategorisieren. Für ihn war jedes Detail, welches er in sich auf sog wie ein Schwamm das Wasser, überaus wertvoll und vor allem wichtig. Ob er dabei nun die meisten Dinge schon gewusst hatte oder eben nicht. Damit er aber am Ende nicht ein dreiviertel der Blätter wiedergab und seiner Teamkollegen damit eventuell noch einmal eine Stunde lang das Ohr abkaute, versuchte er sich gezwungener Maßen wirklich nur das, seiner Meinung nach, Wichtigste zu merken und anzustreichen.

      Meiner Meinung nach sind die Texte viel zu kurz gewesen., dachte Zane, als er schließlich die Kappe wieder auf den Stift steckte und diesen anschließend bei Seite legte. Am Ende hatte er wohl doch viel mehr neue Informationen in sich aufnehmen dürfen, als erwartet und hätte am liebsten noch mehr erfahren. Vor allem die Thesen fand er überaus spannend, weswegen er sich an einigen wirklich lange aufgehalten und regelrecht fest gebissen hatte, um im Kopf selbst noch einmal durchzugehen, ob diese stimmen könnten oder Welche davon eventuell doch nur aus einem Science Fiction Film herbei gezogen war. Am Ende war er zwar nicht wirklich auf ein zufriedenstellendes Ergebnis gekommen, hatte sich aber dennoch immer von den Thesen losgerissen, um sich nicht noch weiter seinen braunen Haarschopf über Jene zu zamatern und endlich mit der Vervollständigung seiner Aufgabe fertig zu werden. Dies hatte aber wahrscheinlich doch etwas länger gedauert als angenommen, weswegen er nun zu Katie sah und mit dieser die gewonnen Informationen aus zu diskutieren. Als er aber erkannte, dass diese immer noch über ihren Blättern gebeugt dasaß, statt wie angenommen schon auf ihn zu warten, da er so lange gebraucht hatte, war er nun doch etwas überrascht. Er hatte eigentlich gedacht, dass er sich viel zu lange mit den jeweiligen Thesen auseinandergesetzt hatte und seine Teamkollegin nun schon auf heißen Kohlen saß, weil er nicht aus dem Knick kam. Dabei war es nun wohl anders herum. Nicht, dass er ungeduldig war, denn schließlich konnte es sein, dass sie Katie ebenfalls gedanklich mit einigen Thesen oder Informationen überrannt hatte. In dem Fall hätte er dies verstehen können. Auch aus einem anderen Grund hätte er sie natürlich nun nicht dazu gedrängt schneller zu machen, denn erzeugte Druck immerhin meist eine Schlamperei der aufgetragenen Arbeit. Zwar wusste er nicht wie Katie mit Druck umging, doch da sie recht zart und in den wenigen Situationen, welche er in den letzten paar Stunden mit ihr hatte erleben dürfen, auch ziemlich unsicher wirkte, nahm er nicht unbedingt an, dass sie mit solchen Situationen gut umgehen konnte. Aber wer wusste das schon. Am Ende war schließlich auch das erst einmal nur eine These, bis er mehr über sie erfahren würde.

      Eine Weile noch beobachtete er die blondhaarige junge Frau von der Seite, während diese total vertieft ihre Texte bearbeitete. Er musste gestehen, dass Katie wirklich ein überaus süßes und hübsches Mädchen war. Natürlich kannte er sie und ihren Charakter noch nicht sonderlich gut, genau genommen gar nicht, weswegen er dies erst einmal nur auf ihr Äußeres beziehen konnte. Doch konnte er sich auch nicht vorstellen, dass diese zart wirkende Frau irgendjemanden mit ihrer jetzigen lieben und ruhigen Art nur etwas vorspielen wollte. Dafür wirkte sie auf ihn viel zu ehrlich und aufrichtig.

      Kurz verirrte Zane sich mit seinen Gedanken, über Katie und wie denn wohl ihr restlicher Charakter sein sollte, dass er erst verspätet bemerkte, dass diese mit einem Mal aufgestanden war und sich nun neben ihm streckte. Schmunzelnd beobachtete er seine Teampartnerin und blickte ihr nach, als diese sich wieder auf den leicht knarzenden Stuhl setzte.
      "Wenn ich nun die ganzen Bedingungen von Doppelsternen durchlesen musste, hattest du wohl was zu den schwarzen Löchern?",fragte sie währenddessen und brachte Zane damit zum nicken. Ihren darauffolgenden Vorschlag fand Zane jedoch so gut, dass er sie für einen Moment nur anstarren konnte. "Wow, also... Darauf wäre ich nie gekommen. Das ist echt ne gute Idee!" meinte der Braunhaarige ehrlich lächelnd und aufrichtig. "Wir hätten zudem genug Zeit, weil morgen schließlich Wochenende ist. Ich bringe dann noch mein Teleskop mit und einge Bücher, dann können wir uns besser an den Sternen orientieren und herausfinden wo sich eventuell einer der Doppelsterne aufhalten könnte."
      Wenn man Zane nun gefragt hätte, ob er aufgeregt wegen der folgenden Nacht war, hätte er diese Frage wirklich sehr schlecht verneinen können. Wenn er erst einmal aufgeregt oder vorfreudig war, konnte er diese Emotionen nach Außen hin auch nur sehr schlecht kontrollieren. Damit war es also auch nicht verwunderlich, dass der Ältere nun auch vor sich her grinste, wie ein Kind vor dem Weihnachtsabend.








      Hailey Aleah Hale

      "Mit dir zusammen zu arbeiten wird schon Qual genug sein." Hailey musste es sich verkneifen ein breites Grinsen auf ihr Gesicht zu zaubern, da sie dem Streifenhörnchen nicht auch noch damit Genugtuung verschaffen wollte, indem sie ihm zeigte, dass sie sich wegen ihm nun ebenfalls amüsierte. An sich wäre dies natürlich nichts schlechtes, aber für den Moment wollte sie Streifi diese Seite erst einmal nicht zeigen. Nicht, weil sie sich zu fein war. Sondern um ihn zu necken. Denn seinem Grinsen auf dem Gesicht nach zu urteilen, empfand auch er seine Worte als wirklich amüsant. Und was ärgerte Einen mehr, wenn man Selbst über seine Worte lachen konnte, aber Andere nicht!? Zumindest empfand es Hailey so. "Das mit den Komplimenten, ist meiner Meinung nach Ansichtssache. DAS war jetzt zum Beispiel eins für mich." zwinkerte sie ihrem Partner zu und deutete mit dem letzten Part auf Streifis vorige Äußerung hin. Ein breites Grinsen konnte sie sich dann allerdings doch nicht mehr verkneifen. So war das nun einmal, wenn man eine Frohnatur war und sich unter anderem auch sehr gut über sich selbst beölen konnte.

      Nachdem sie diese kleine Diskussion also schließlich abgelegt hatten, setzten sich beide über ihre jeweiligen Stapel und arbeiteten diese aus. Dass Streifi dabei nun zu einem ihrer Stifte gegriffen hatte, ärgerte sie nicht einmal annähernd so sehr, wie sie es angenommen hatte. Denn genau genommen konnte Hailey es überhaupt nicht leiden, wenn jemand einfach ihre Dinge nahm, ohne zu fragen. Vor allem wenn es dann auch noch eine Person war, welche sie nicht weiter kannte. In dem Fall jedoch konnte sie wohl einmal eine Ausnahme machen, da Streifi alias Joshua wenigstens verbal mit ihr mithalten konnte und in dieser Hinsicht keine Hemmungen ihr Gegenüber zu zeigen schien. Zumindest dies, mal abgesehen von seinem wirklich umwerfenden Körper, welchen sie zuvor viel zu lange und beinahe sabbernd angeschmachtet hatte, brachte ihm bei ihr einige Plus- sowie Sympathiepunkte. Vom Unterhaltungsfaktor mal ganz abgesehen, wobei das defintiv schon mehr, als sie erwartet hätte. Gerade auch sein leider Gottes doch recht gutes Aussehen brachte die Brünette schließlich des öfteren dazu, zu Josh zu blicken und für einen Moment zu beobachten. Dass sie dabei gänzlich ihre eigentliche Arbeit vergaß, musste sie wohl nicht noch extra erwähnen. Am Ende schaffte sie es aber doch immer wieder sich von seinem Anblick loszureißen und sich auf das Wesentliche zu konzentrieren.

      Allerdings nur bis zu dem Augenblick, als Streifchen schließlich begann sich alle fünf Minuten eine neue Position zu suchen. Bei den ersten zwei Malen hatte sie sich noch nichts dabei gedacht und ihren Mund gehalten, doch nach dem vierten Positionswechsel, der schließlich auch schon wieder das Sofa zum schwanken brachte, seufzte sie genervt auf. "Erst so mobil wie ein Rentner und jetzt gar nicht mehr aus dem bewegen herauskommen. Man könnte meinen du bist kein Streifenhörnchen, sondern Bambi." zog Hailey ihren nächsten Tiervergleich und amüsierte sich dabei köstlich. Währenddessen schrieb sie sich ihre letzte neu gewonnene Information in ihre Notizen und klickte anschließend die Mine ihres Kullis zurück in die Hülle. Da sie nun aber ein neues Feuer in sich entfacht hatte, fragte sie Joshua kurz darauf ob er denn nun genauso langsam im Informationen sammeln sei, wie auf dem Weg zur neuen Bibliothek vorhin, oder doch schon fertig war, so wie sie Selbst. Dieser antwortete natürlich sogleich mit einem Konter und brachte Hailey dazu nun doch zu ihm zu blicken. Dabei bemerkte sie auch, dass sich ihr Teamkollege erneut in eine andere Position manövrierte und sie dabei kurz musterte. Allerdings erschien ihr dieser Moment so kurz, dass sie kurzzeitig überlegte, ob sie sich dies eventuell eingebildet haben könnte. Aus diesen Überlegungen wurde sie jedoch jäh gerissen, als Joshua erneut das Wort an sie erhob. Diesmal jedoch in Form einer Frage. "Was hat die Madame in ihrer Doktorarbeit alles notiert?"

      Sogleich griff Hailey schmunzelnd zu ihrem Block und schielte noch einmal für einen Augenblick zu Streifi, ehe sie sich kurz räsuperte und begann diesem aus ihren Notizen vorzulesen. "Eigentlich recht viel... Also der Titel ist: 'Das Streifenhörnchen, welches es zu weit trieb und am Ende doch siegte'... Es begann alles vor vielen, vielen Millionen Jahren und mit einem Streifenhörnchen, welches eine seltsame Obsession zu einer Nuss hegte. Jedes Mal verfolgte er diese Nuss, wenn diese ihm durch einen blöden Zufall wieder entfleuchte. Durch die ganze Welt, sogar durchs All. Doch jedes Mal, wenn er die Nuss im Besitz hatte und versuchte aufzuknacken, passierte etwas unvorhersehbares schlimmes. Denn es war nicht irgendeine Nuss, nein. Es war die Königin aller Nüsse und somit die mit der stärksten Schale. Erst benutzte er sie versehentlich, um die Kontinente zu spalten, als er sie in die Erde rammte und auf diese Weise versuchte zu öffnen, und anschließend schoss er sich und die Königin der Nüsse so weit ins All, dass er in einem Stern landete. Dieser explodierte und kollidierte, wegen der immensen Kraft dieser Nuss, so dass ein schwarzes Loch entstand. Es heißt, dass eben jene Nuss auch noch heute im All umher fliegen soll und nun als Doppelstern dieses schwarzen Lochs gehalten wird. Streifis Seele jedoch hatte es zurück auf die Erde geschafft und versuchte nun einen Wettbewerb, mit seiner wunderbaren, wunderschönen, super lustigen und spontanen kreativen Partnerin zu gewinnen, in welchem es sich um eben jenen Nuss-Doppelstern handelte. Streifi und seine super coole neue Nuss-Kollegin gewannen natürlich den Wettbewerb und lebten schließlich glücklich und, mit weiterhin neckenden und sarkastischen Kontersprüchen auf den Lippen, bis an ihr Lebensende. Ende!" las Hailey natürlich nicht wirklich von ihrem Block vor. Auch wenn sie sich nicht sicher war, was genau für ein Tier es nun war, so hatte sie auf einmal an dieses Streifenhörnchen aus Ice Age dem Film denken müssen. Sie war die Nuss, Streifi war Streifi. Das passte wunderbar und sie hatte sogar noch ein wenig das Thema des Wettbewerbes mit einbringen können. Natürlich war ihr bewusst, dass es wichtig war den Wettbewerb zu gewinnen und für diesen auch voran zu kommen, doch hatte sie sich diese kleine Geschichte nun einfach nicht verkneifen können. Nachdem die beiden Wettbewerbspartner also gelacht hätten, hätten diese sich also weiter um die wesentlichen Dinge kümmern können. Doch für den Augenblick konnte es nicht verkehrt sein, sich etwas auf diese Art von dem vielen Lesen ablenken zu können und aufzulockern, fand Hailey. Daher war es auch nicht allzu verwunderlich, dass sie sich, auf die Unterlippe beißend, ein Lachen verkneifen musste. Doch kaum, dass sie schließlich zu Joshua blickte, konnte sie dieses nicht mehr zurück halten. Die Vorstellung von ihm, als eben jenes Hörnchen des Films, fand sie einfach viel zu lustig, als noch länger an sich halten zu können.
      Happiness can be found even in the darkest of times, if one only remembers to turn on the light.

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