retrouvaille. [medusa & Aiden]

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    • retrouvaille. [medusa & Aiden]

      Vorstellung
      @medusa



      Isleen Young

      In vielen Kulturen wird angenommen, dass Wasser Emotionen, Erinerungen und Worte speichert, aufbewahrt und überträgt.
      Das war der letzte Satz, an den Isleen sich erinnern konnte, bevor sie - wie zu oft- viel zu spät eingeschlafen war.

      Isleen konnte nichts mehr hören, bis auf ein statisches Rauschen. Es war nicht so schön, wie das rauschen des Meeres, oder gar das ähnliche Rauschen aus einer Muschel. Dieses Rauschen zerstach ihren Kopf auf dem von sich aus schon ein unendlicher Druck lag. Die Schmerzen in Isleens Kopf, überschatteten beinahe die Schmerzen die ihr restlicher Körper ausstrahlte. Ihr Magen war leer, und doch war ihr so Übel, wie sonst nie in ihrem Leben. Ihre Gelenke fühlten sich geborsten an, ohne, dass sie diese Bewegen konnte.
      Langsam versuchte Isleen die Augen aufzuschließen, doch alles was sie erkannte war blendendes weiß. Panik überkam sie. Wo war sie? Ihr Atem ging schnell, und er raschelte unangnehm. Sie versuchte zu reden, doch kein Wort kam aus ihrem trockenen Mund, in dem das Feuer sein Unwesen treibte. Isleen versuchte ihre Hände zu heben, doch bekam es nicht. Isleen bekam das gefühl zu Ersticken und schnappte wie ein Fisch außerhalb seines Lebensraumes nach Luft.
      Ganz plötzlich berührte sie jemand sanft am Arm, doch Isleen erschreckte bei dieser Berührung so sehr, dass sie glaubte ihr Herz bliebe stehen.

      Und das war jedes mal wieder der Moment in dem Isleen schwer atmend aus ihrem Traum erwachte. Verwirrt blinzelte sie, um zu erkennen wo sie sich gerade befand. Und zu ihrer Erleichterung, war es ihr kleines Zimmer. Ihr neues Zuhause. Vorsichtig blickte Isleen zu ihren Wecker, und dieser zeigte ihr 06:43 Uhr an. Leise seufzte Lyn, und strich sich vorsichtig über ihr verschwitzes Gesicht. Sie hätte gut noch zwei Stunden schlafen können, und wäre selbst noch dann zu früh für ihre erste Lesung wach gewesen. Sobald Isleen jedoch aus ihren fürchterlichen Träumen erwachte, brachte sie so schnell kein Auge mehr zu. So konnte Lyn sich also gleich fertig machen, und vielleicht fand sie nach einer erfrischenden Dusche auch noch die Motivation, eines der empfohlenen Bücher für ihre Kurse zu lesen. Zumindest wenige Seiten. Mühsam richtete sich Isleen auf, und bemerkte, dass ihre Beine noch immer etwas zitterten. Das musste an diesen Alptraum liegen, doch sie konnte sich jetzt schon kaum mehr an diesen erinnern. Ihr blieb nur noch das flüchtige Gefühl der Kopfschmerzen, doch dieses würde auch in wenigen Stunden verfliegen. So war es bisher immer gewesen.
      Einige Stunden später, befand sich Lyn in dem Gebäude der City University of London, und war ein wenig überfordert mit der Größe. Und wie stiril hier alles wirkte. Die besten Doktoren, und Buisness Männer und Frauen dieses Landes. Was die wenigsten jedoch wussten, war das die City auch ein wundervolles Program für Ethnologie hatte, mit einen großen Reichtum an interessanten Kursen. Schon seit vielen Jahren wollte Isleen in diesen Hallen studieren, und nun bekam sie endlich die Möglichkeit dazu. Und sie hatte es sich verdient. Sie hatte vier Jahre lang viele Stunden geschufftet, um sich ihre Bücher und die Semesterkosten decken zu können. Sie hatte auf so viel verzichtet um genug Geld auf der Seite zu haben, um ihre kleine Wohnung ein wenig einzurichten, um ihre Kaution zu bezahlen und die ersten Monatsmieten. Zu ihrem Glück hatten ihre Eltern jedoch angeboten die Miete zu zahlen. Es kam sie anscheinend billiger, als wenn Isleen ganz bei ihnen lebte. Als sie diese Worte gehört hatte, hatte es zwar ein wenig geschmerzt, doch sie konnte es irgendwie verstehen. Kinder waren nicht billig, vor allem nicht in einer Stadt wie London. Es war schon ein großes Glück, dass Isleen so eine preiswerte Wohnung
      finden konnte. Es war nicht nur das große Gebäude, sondern auch die vielen Studenten, die hier alles unübersichtlich wirken liesen. Ein wenig verunsichert blickte Isleen auf den Saalplan, und wohin sie denn nun genau musste. Gerade wollte sie ein wenig näher an ihren Plan heran zoomen, da schloss sich die Seite einfach. "So ein Mist", grummelte Lyn vor sich hin. Vielleicht sollte sie es doch auf die altmodische Art versuchen? Isleen stellte sich auf ihre Zehenspitzen und versuchte über die Menge an Studenten hinweg zu blicken. Sie musste nur weiter gerade ausgehen, und dann befand sich dort ein Schalter, mit Menschen die so wirkten als würden sie sich auskennen. Die Braunhaarige drängte sich durch die Menge, und rempelte dabei einige Personen an. "Tut mir leid... Sorry... Entschuldigen Sie bitte? Ich muss hier durch!", ging es die ganze Zeit. Isleen konnte es nicht unbedingt leiden, so unhöflich zu sein, da konnte sie sich ja wohl entschuldigen, wenn sie es schon tat. Irgendwann kam sie dann doch bei dem Schalter an, musste sich ein wenig auf die Zehenspitzen stellen, um gut darüber schauen zu können, und auch um gut gehört zu werden. "Entschuldigen Sie? Wissen sie wie ich in den Saal N324 komme? Griechische Philologie." Eine junge Frau mit blonden Haar sah von ihrem Computer auf, und sah Lyn fragend an. Also wiederholte sie einfach diese Frage. Die Blonde nickte kurz, und tippte dann irgendetwas ein. "Sie müssen in den dritten Stock, und dann in den linken Flügel. Der letzte Saal in diesem Gang." Und dann wandte sie sich ab, und hörte vermutlich kaum noch Lyns "Danke".
      "Sleep doesn't help, if it's your soul that's tired. "



    • Arsan | Alain Blanc

      Er war wütend. Sehr sogar. Und seine Frust versuchte er durch Zigaretten zu besänftigen. Ob es auch half? Nein, nicht wirklich. Aber zumindest lenkte es ihn ab. Genauer gesagt, täuschte sich Arsan vor, dass er auf andere Gedanken gebracht wurde, doch eigentlich dachte er nur an eines - Mairi. Er fasste sich mit der einen Hand auf die Stirn, während die andere die Stummel in den Aschenbecher legte, nachdem er zum letzten Mal tief an der Zigarette gezogen hatte. Zwei Jahre, zwei verdammt volle Jahre, wälzte er sich an dieser Universität herum und gab sich als ein Professor aus. Logischerweise musste er irgendwelche nervenauftreibenden Menschen unterrichten. Und für wen machte er das alles? Richtig. Für Mairi. Doch Anscheinend schienen seine ganzen Mühen sinnlos zu sein. Was sollte er jetzt machen? Arsan war genau vor zwei Jahren auf eine Pythia gestoßen. ,,Gestoßen'' war wohl etwas zu sanft formuliert, weil er eigentlich nach ihr suchen lassen hatte, um sie anschließend gefangen zu nehmen. Das war jedoch nicht wichtig. Fakt ist, dass er dafür gesorgt hatte, ihm die Reinkarnation Mairis voraussagen zu lassen. Zu seiner freudvollen Überraschung war sie schon seit Jahren wiedergeboren - in England und sollte an dieser Universität studieren. Was hatte ihn jedoch erwartet? Nichts von dem. Es gab keine jeglichen Anzeichen von ihr weder an dieser Hochschule noch in ganz London. Er hatte alle Maries, Marias und was auch immer Ms durchwühlt, aber keine einzige Suche von ihm erzielte irgendeinen Erfolg. War er so blind auf irgendeine Möchtegern-Weissagerin reingefallen? Das durfte nicht wahr sein. Er würde sie schon finden und dafür sorgen, dass sie es mächtig bereute. Verdammte Göre - verfluchte er. Für diese Pythia war wahrscheinlich das alles amüsant gewesen. Doch eindeutig nicht für ihn. Arsan wusste nicht, warum er in der letzten Jahren so dermaßen erpicht war, Mairi zu finden. Nach all ihren Wiedergeburten sollte er sich schon daran gewöhnen, dass nicht er sie entdeckte, sondern sie ihn. Seit ihrem letzten Tod waren 247 Jahre vergangen. Und eigentlich war es kein großer Zeitabstand, wenn man bedachte, dass er noch viel länger auf sie warten musste. Irgendetwas in ihm jedoch, sei es sein Bauchgefühl oder Intuition - je nachdem wie es Menschen nannten -, verriet ihm, dass Mairi wieder am Leben war. Und dies schon seit mehreren Jahren. Genau das machte ihn so wütend. Sie war irgendwo da draußen und er konnte sie trotzdem nicht finden. Das Schicksal eben, dass ihn durch die ganzen Tode seiner Geliebten und das Erwarten auf sie leiden sehen wollte. Dieses Leiden zerfraß einen innerlich, wenn es schon über 2500 Jahre andauerte. Eine unvorstellbar große Zahl, doch sie entsprach tatsächlich der Wahrheit. Wie aus dem Nichts knallte die Tür zu, sodass Arsan aus seinen Gedanken gerissen wurde.
      ,, Das ist doch nicht dein Ernst? Willst du etwa, dass ich wegen dir meine Arbeitsstelle verliere?", ertönte eine ermahnende Stimme. Er beobachtete wie die besagte Gestalt mit schnellen Schritten durch den Raum lief und die ganzen Fenster öffnete. ,, Wie oft habe ich dir gesagt, dass du nicht in diesem Gebäude rauchen sollst, verdammt nochmal?!''. Arsan guckte ihn nur fragwürdig an, als ob er diese unzufriedene Bemerkung zum ersten Mal in seinem Leben hörte. ,, Komm mal runter, Will", beruhigte er seinen Arbeitskollegen, ,, niemand würde mich sowieso erwischen''. Natürlich war es gelogen, doch das war das Letzte, worüber er sich Sorgen machte. ,, Komm mal runter, Will", mokierte dieser seine Aussage nach, ,, und es ist ja überhaupt nicht schlimm, dass du in meinem Büro rauchst?!". Arsan zuckte nur mit den Schultern. Er verstand es nie, warum ein paar Zigaretten für so eine große Furore sorgten. Was machte es für einen Unterschied, wenn er im oder außerhalb des Gebäudes rauchte? Er rauchte ja trotzdem. Menschen war echt sonderlich, obwohl Will kein einfacher Mensch war. Arsan wusste zwar nicht, welche andere Wurzeln dieser Mann hatte, aber es war sicher, dass er das Blut eines anderen Wesens in sich hatte. Er es war sich darüber sich, weil er einen Platz an dieser Uni durch Will ergattert hatte. Doch das alles interessierte ihn ebenfalls sehr wenig. Bevor er jedoch etwas erwidern konnte, wurde ihm eine Mappe in die Hand gedrückt. ,, Bis du auch das noch vergisst. Das ist dein neuer Kurs für griechische Philologie und er fängt in wenigen Minuten an. Also, beeil dich lieber''. Arsan konnte kaum auf das ganze Gerede reagieren und so wurde er im nächsten Moment vor die Tür gestellt. Er guckte sie die Papiere genauer ein. Eigentlich suchte er nur nach einer Information. Saal N324 - da hatte er sie auch. Er bewegte sich zu den Aufzügen, da er in den dritten Stock musste. Kurz beobachtete er die ganze Masse an Studenten, die sich am Eingang versammelt hatte. Da jetzt ein neues Semester begonnen hatte, waren auch neue Gesichter unter den Anwesenden, was auch der Grund war, warum es heute so viele waren. Genervt rollte er mit den Augen. Hoffentlich würde das alles so schnell wie möglich vorbeigehen. Eine angeneheme Brise flogt ihm entgegen. Der Duft nach weißen Rosen...Arsan blieb abrupt stehen und schaute aufgeregt umher. Doch er fand nirgendwo die Gestalt, nach welcher er Ausschau hielt. Weiße Rosen - wie lächerlich. Er hatte also schon angefangen zu halluzinieren.
      Er fuhr auf den dritten Stock und betrat den Saal, der für ihn vorgehesen wurde. Arsan unterrichtete griechische Philologie und eigentlich hatte er das gewählt, weil er wusste, dass dieses Fach unbeliebt war. Und dadurch hatte er sich erhofft, mit wenigen Studenten zu tun zu haben. Nach seinem Antreten an dieser Uni hatte die griechische Philologie jedoch an Interesse gewonnen. Das war natürlich gut für diese Uni, sehr schlecht für ihn. Er betrat den Raum und blickte in neue Gesichter. Das Erste, was ihm in die Augen fiel, war, dass er einen Saal mit einer Tafel und keinem Whiteboard bekommen hatte. Toll. Das passierte häufiger schon. Wahrscheinlich, weil andere Fächer sie stärker brauchten. Er seufzte. Das bedeutete nämlich, dass er mit der Kreide schreiben musste.
      Arsan blickte in den Raum und schaute sich die neuen Gesichter an. Er trug eine Anzughose begleitet mit einem weißen Hemd, wobei die ersten drei Knöpfe offen waren. Eine Krawatte hatte er nicht angezogen - er hasste sie. Lässig schritt er durch den Raum und lehnte sich gegen den Tisch, der für ihn vorgesehen war. ,, Wie ihr wahrscheinlich schon alle wisst, bin ich Alain Blanc. Und in diesem Semester werde ich euch griechische Philologie unterrichten", erklärte er deutlich mit aufeinandergelegten Armen.

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    • Isleen Young

      Gut, Isleen musste also irgendwie in den dritten Stock gelangen. Auf der linken Seite. Diese Aufgabe klang einfacher, als sie es am Ende doch war. Vor allem da Isleen keine Ahnung hatte, ob es Treppen gab, die sie dort hinführen würden. Leise seufzte sie. Nun galt es erst einmal wieder durch die Menschenmenge hindurch zu kommen. Dieses Mal versuchte sie es ohne die anderen anzurempeln, doch das half ihr alles nichts. Schienen die meisten sie doch gar nicht wahrzunehmen, und das obwohl sie nur wenige Zentimeter kleiner war als die meisten! Es wurde auch nicht einfacher, als sich alle Leute zu den verschiedenen Ausgängen zwängten, denn irgendwie hatte Isleen im Gefühl, dass der erste Unterricht wohl in wenigen Minuten beginnen würde... Und sie? Sie würde zu spät kommen! Lyn könnte sich dafür Ohrfeigen! Es wäre besser gewesen einen Tag früher her gekommen zu sein, um sich den Weg einmal einzuprägen. Doch sie hatte die ganze Situation unterschätz, niemals hatte Lyn angenommen, dass es hier so voll sein würde, immerhin wusste sie über die größe dieses Gebäudes bescheid.
      Die Braunhaarige stellte nicht nur an andere hohe Ansprüche, sondern auch an sich selbst. So gehörte es für sie zum guten Ton, niemals zu spät zu kommen. Es gehörte dazu, dass sie alles tat was in ihrer Macht stand, und immer vorbereitet war. Zumindest trafen heute zwei dieser Dinge zu. Sie war vorbereitet, und sie hetzte sich ab, um es in den dritten Stock zu schaffen. Der Fahrstuhl war vor ihrer Nase weggefahren, und danach hatten sich so viele andere Schüler hineingedrängt, dass sie nun doch die Treppe nahm. Vielleicht war das auch besser. Nur für den Fall. Während sie die Treppen hochstieg, immer zwei auf einmal, malte sie sich aus, was alles passieren hätte können, wenn sie den Aufzug genommen hätte. Zu allererst kam ihr in den Sinn, dass er abstürzen könnte. Wie in einem schlechten Horrofilm. Der zweite Gedanke der Lyn in durch den Kopf schoss, war dann doch noch schlimmer. Sie hätte stecken bleiben können, mit einen haufen von anderen Studenten, für einige Tage. Und alle brachen in Panik aus. Ein nachhall der Panik aus ihren Traum überkam Isleen, und sie blieb einen kurzen Moment stehen. Ihr Brustkorb ob sich stark, als Isleen tief einatmete. Sie musste weiter, denn ein kurzer Blick auf ihr Smartphone verriet ihr, dass die Lesung vor vier Minuten angefangen hatte. Die Nachricht von Mark ignorierte sie, sie würde später noch genug Zeit haben, um diese beantworten zu können.
      Endlich hatte es Isleen zu N324 geschafft, und stand nun vor der Türe. Ihre Hände zitterten ein klein wenig vor Aufregung, und ihr Atem ging noch ein klein wenig zu schnell. Ihr Herz pumpte, ob es nun vom Treppensteigen in aller Eile, oder der Aufregung zu schulden ist, konnte Lyn nicht genau sagen. Vorsichtig klopfte sie an die Türe, immerhin hatte sie es nie anders gelernt, und in der Schule ging man auch so vor. Jedoch wartete sie nicht auf eine Aufforderung einzutreten und tat es dann einfach. Einige Köpfe hatten sich zur Tür gewandt, als Lyn eintrat. Hitze stieg in ihre Wangen, irgendwie war dem Mädchen das doch unangenehm. "Entschuldigung", sagte sie dann, und setzte sich auf den ersten freien Platz den sie finden konnte. Und erst als sie saß, blickte sie nach vorne, um der Reaktion des Dozenten zu begegnen. Ob er sehr verärgert war, oder ob er es einfach ignorierte. Sie wusste auf jedenfall, dass sie von dem Momentan bestimmt einen Stein bei ihm im Brett hatte, auf eine negative Art.
      Isleen hatte viel erwartet, und vor allem einen alten Professor, mit einer zu kleinen Brille auf der Nase. Doch der Mann der da vorne stand, entsprach nicht ihren erwartungen. Dieses kantige Gesicht, das so jung wirkte. So jung und irgendwie vertraut. Ob dieser Mann wirklich der Professor für griechische Philologie war? Seine Augen wirkten so unendlich, und Lyn konnte kaum anders als diesen Mann anzustarren. Sein Anblick weckte etwas in Isleen, dass sie bisher nicht gekannt hatte, doch im ersten Moment verwechselte sie es mit Aufregung, Angst und Interesse.
      Erst als ihr ein wenig schwindelig wurde, bemerkte Isleen, dass sie ihren Atem angehalten hatte. Kurz schnappte sie nach Luft, und versuchte ihren Körper zu beruhigen, denn immer spannte er sich vor Angst an, wenn Lyn den Atem anhielt. Vorsichtig griss Lyn in ihre Tasche um einen Block und einem Stift hervorzuziehen. Die meisten anderen benutzten Laptops, und Ipads, doch Lyn bekam es nie hin, diese richtig zu benutzten. Immer brachen die Schreibsoftwares ab, oder der Akku war plötzlich leer, weswegen sie für ihren wichtigen Unterricht immer diese Art zum Schreiben nutzte. Und auch wenn sie all ihre Sachen rausholte, konnte sie ihren Blick kaum von diesem Mann wenden.
      "Sleep doesn't help, if it's your soul that's tired. "

    • Arsan | Alain Blanc

      Desinteressiert betrachtete er die Menge und sprach über den üblichen Kram. Doch bevor er mit dem eigentlichen Thema anfangen konnte, klopfte es an der Tür. Verwirrt blickte er in diese Richtung. Es war unerwartet gewesen, dass jemand an erster Stelle überhaupt klopfte. Er musste gestehen - egal wer diese Person war, sie war tapfer genug, um es sich zu erlauben, an seiner Sitzung zu spät zu kommen. Arsan - oder besser gesagt Alain Blanc - pflegte gerade nicht den besten Ruf. Er war ein strenger Dozent und hatte Erwartungen an seine Studenten. Falls jemand sich verspätete, dann hatte dieser mit Konsequenzen zu rechnen. Schließlich war dieser Ort kein Kindergarten, sondern eine Hochschule. Wer nicht in der Lage war, einfache Regeln zu befolgen, hatte hier nichts verloren gehabt. Erst recht nicht, wenn man nicht einmal rechtzeitig den Vorlesungsraum erreichen konnte. Arsan übertrieb mit seinen Einstellungen, er war sich dessen bewusst. Doch Disziplin war eine Eigenschaft, die er sich als Krieger aus seinen jungen Jahren angeeignet hatte. Demnach brachte er diese Eigenschaft nicht nur selbst hervor, sonder verlangte diese auch von den anderen. Er war schon kurz davor, die besagte Person anzumotzen, doch ihm fiel der eigene Atem weg. Er traute seinen Augen nicht. Geschockt beobachtete er, wie sich die zierliche Gestalt entschuldigte und sich anschließend einen Platz suchte. Er folgte mit den Augen ihr nach. Mairi. Das - das konnte einfach nicht wahr sein, flog es die ganze Zeit durch seinen Kopf. Doch das war es. Sie war hier. In diesem Raum. Nur wenige Meter von ihm entfernt. Seine Mairi. Er wollte zu ihr rennen und sie in eine tiefe Umarmung nehmen, doch innerlich hielt er sich rechtzeitig davon ab. Bei allen Göttern, rief er in den Gedanken aus. Diese Phytia hatte also doch recht gehabt. Er blickte sie weiterhin an. Äußerlich hegte Arsan die gleiche desinteressierte Miene, doch innerlich wurde er von einer Wucht an Emotionen getroffen, die er seit Jahrhunderten nicht mehr verspürt hatte. Freude, Aufgeregtheit und Trübheit vermischten sich zu einer ganzen Masse zusammen. Er spürte langsam, wie sogar seine Hände zu zittern begannen. Mairi. Arsan wollte ihre Stimme hören, schließlich war so viel Zeit vergangen. Und ihr Lachen, ihr Duft - wie sehr hatte er all das vermisst. Das Wichtigste war jetzt aber die Fassung zu behalten. Schließlich erinnerte sie sich nicht an ihre eigentliche Vergangenheit. Er musste vorsichtig bleiben - das hatte er sehr gut aus seinen vorherigen Erfahrungen gelernt. Außerdem war gerade nicht der passendste Zeitpunkt gewesen, um etwas zu unternehmen. Schlussendlich befanden er sich in einem Saal, umgeben von vielen Studenten, die sich wunderten, warum er plötzlich verstummt war. Er bemerkte deren verwirrten Blicke. Arsan räusperte laut und wusch mit einer Hand durch seine Haare. ,, Jedenfalls", begann er mit seiner tiefen Stimme wieder zu sprechen, ,, wenn ihr irgendwelchen Fragen zum Studium habt, dann wendet euch an Sekretäre oder andere Leute dieser Universität. Sie werden euch aufklären, ich aber nicht. Weil ich es zum einen nicht will und es auch nicht meine Aufgabe ist". Er blickte wieder in die Menge und erlaubte sich, die Anwesenden genauer zu betrachten. ,, Deswegen werde ich nicht allzu lange um den heißen Brei reden und zum eigentlichen Thema kommen: griechische Philologie". Während er sprach, holte er die Mappe raus, die ihm Will vor kurzem noch gereicht hatte und betrachtete diese genauer. ,, Aber vorab möchte ich noch einige Sachen klarstellen - das ist kein einfacher Kurs. Wenn irgendjemand von euch hier ist, weil er denkt, es wird ein einfaches Fach, wo man sich gut Punkte sammeln kann, der kann wieder gehen", erklärte er in einem ernsten Ton und deutete auf den Ausgang hin. ,, Es wird nicht einfach, sondern schwer - genauso wie jedes andere Fach an dieser Universität.'' Arsan machte eine kurze Pause, bevor er weitersprach. ,, Ich habe Erwartungen an jeden von euch. Sei es nun das anständige Erledigen von Wochenaufgaben oder die Pünktlichkeit vor jedem Vorlesungsbeginn", als er auf den letzten Punkt kam, blickte er kurz in die Richtung Mairis. ,, Jeder von euch wird dieses Semester eine ausführliche Hausarbeit über ein vorgegebenes Thema schreiben müssen. Ist sie nicht gut, seid ihr auf die Prüfung nicht zugelassen und könnt dieses Semester nicht bestehen. Zumindest, was meinen Kurs anbelangt". Er spürte, wie die Stimmung immer unwohler wurde. Natürlich würden seine Worte nicht auf Zustimmung treffen, doch er wollte diese Punkte von Anfang an verdeutlichen. ,, Was diesen Kurs angeht, werden wir uns vor allem auf die frühgriechische Lyrik und Poetik fokussieren. Als Beispiele werden Werke von Philosophen, Historikern und anderen historischen Figuren vorgenommen. Natürlich werden wir uns auch mit der griechischen Sprache selbst auseinandersetzen, ihre Eigenschaften beziehungsweise Besonderheiten betrachten." Wieder legte er eine Pause ein, damit die anderen mit seinen Informationen mitkamen. ,, Hat irgendjemand bestimmte Fragen? Es wäre nämlich der richtige Zeitpunkt sie zu stellen."
    • Isleen Young

      Sein Blick hielt ihren gefangen, und dieser vermittelte mehr als sein desinteressiertes Gesicht. Doch Lyn war nicht dazu in der Lage zu deuten, was er ihr genau vermittelte. Langsam lies die Panik nach, die ihr Körper afgebaut hatte, als sie ihren Atem angehalten hatte, und als dieser Abklang, räusperte sich der Dozent vor ihr, und strich durch seine Haare. Wenn Lyn ihn so dabei beobachtete, hätte sie das auch sehr gerne getan... Doch diese Vorstellung war lächerlich, sie konnte doch nicht einfach einen Dozenten durch die Haare streichen!
      Mit schnellen Handbewegungen schrieb Isleen Griechische Philologie und das Datum auf das erste Blatt, und anschließend auch die Anforderungen,die der Dozent - als Lyn auf ihren Stundenplan blickte, stellte sich heraus, dass es wohl Dr. Blanc war. Lyn wusste nicht warum, aber sie fand diesen Namen lustig. Vielleicht weil er nicht zu dieser tiefen, dunklen Stimme passte, die ihr eine leichte Gänsehaut verpasste. Isleen war deswegen froh, einen leichten Pulli zu tragen, denn es käme bestimmt seltsam, wenn sie in diesem stickigen Raum, Anzeichen von Kälte zeigte.
      Nachdem der Dozent das zuspät kommen angesprochen hatte, fühlte Lyn sich wirklich schuldig. Es war immerhin nicht ihre Absicht gewesen. Vermutlich konnte sie sich glücklich schätzen, dass sie nicht von ihm angemotzt worden war. Vielleicht sollte sie sich nach der Lesung dafür entschuldigen? Wäre das seltsam? Lyn entschloss sich dafür, dass es vermutlich besser so war, als wenn sie einfach ohne ein Wort wieder verschwinden würde. Irgendwie bedrückte es sie, dass sie schon am ersten Tag, in der ersten Lesung, einen schlechten Eindruck hinterlassen hatte. Das sollte doch gar nicht ihre Art sein. Als Dr Blanc nach Fragen fragte, erhoben sich einige Hände im Raum, und auch die Hand von Isleen ging in die Höhe. Vielleicht konnte sie so zumindest zeigen, dass sie ein wenig Ahnung hatte, und nicht nur eine faule Zuspätkommerin.
      Isleen hatte einige Fragen, alleine schon zum Stoff, und es stellte sich heraus, dass andere ähnliche Fragen hatten. Und zum Schluss hin bekam sie die Angst, dass sie keine Frage mehr stellen konnte, die sie hätte schlau erscheinen lassen können. Vielleicht würde sie ihren schlechten Eindruck niemals wieder gut machen können, und irgendwie fürchtete sie sich davor. Es war ein wirklich seltsames Gefühl, denn normalerweise interessierte Isleen das doch gar nicht zu sehr.
      "Wissen Sie schon, welche Themen es sein werden?", stellte die erste Person ihre Frage.
      "Wie sehen solche Wochenaufgaben aus?", fragte ein Mädchen direkt neben Isleen. Sie hatte ihren Kopf auf ihre Hände gelegt und grinste den Dozenten süß an. Es fehlte nur noch, dass sie mit den Wimpern klimperte. Lyn verdrehte nur ein klein wenig genervt die Augen. Wenn man es so nötig hatte, sich bei einem Dozenten beliebt zu machen. "Und geben wir diese Aufgaben direkt bei Ihnen ab, oder sollen wir Ihnen eine Email schicken?" Irgendwie hatte Lyn das Gefühl, dass das Mädchen neben ihr, einfach nur die Emailadresse des Dozenten haben wollte. Lyn schrieb noch ein wenig auf ihren Block mit, während ihre Hand erhoben blieb.
      "In welchen Zeitraum ordnen Sie die frühgriechische Lyrik und Poesie ein?", fragte dann jemand aus den ersten Reihen, und Lyn war offensichtlich erleichtert, dass endlich das Mädchen mit der piepsigen Stimme neben ihr nicht mehr sprach.
      Nach zwei weiteren Fragen, kam dann auch endlich Lyn an die Reihe. Ihre Hand fühlte sich schon so an, als würde sie abfallen, und war im Anschluss dankbar darüber, endlich wieder auf den Tisch verweilen zu dürfen. Zu Lyns Glück, gab es tatsächlich noch Fragen die sie stellen konnte. Die sich nicht nur auf das organisatorische beziehen würden. "Werden wir auch weibliche Philosophen und Poeten durchnehmen? Wie Sappho oder Arete von Kyrene?" Isleen wusste nicht genau warum, doch ihr war das Thema doch wichtig. Man hörte selten von Frauen aus der Antike, oder aus anderen Jahrzehnten. Erst seit der Moderne gab es immer mehr berühmte weibliche Persönlichkeiten. Sie hoffte also wirklich, dass der Kurs diesen hohen Anspruch gerecht werden könnte. Immerhin hatte er diesen Ruf, und Lyn wollte nicht enttäuscht werden.
      Erst als Lyn ihre Frage stellte, blickte sie den Dozenten wieder an, hatte sie zuvor eben noch fleißig mitgeschrieben. Und wieder raubte er ihr für einen Moment den Atem. Dieser Dozent war ein wirklich attraktiver Mann, das konnte Lyn sicherlich nicht leugnen. Doch sie wollte auf keinen Fall wie das Mädchen neben ihr wirken. Und noch weniger unhöflich. Das war auch der Grund, warum sie versuchte eine ernste Miene zu behalten.
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    • Arsan | Alain Blanc

      Zu seiner Erleichterung hob sich die Hand, die er am meisten sehen wollte. Seine Mundwinkel zogen sich unbemerkt zu einem leichten Lächeln zusammen. Er konnte immer noch nicht seinem Verstand trauen. Nicht weit entfernt, konnten seine Augen Mairi erblicken. Am liebsten hätte er sofort sie rangekommen, doch als ein Dozent musste er sich an bestimmte Regeln halten. Ob er das nun wollte oder nicht. Falls er sich zu sehr auf Mairi konzentrieren sollte, würde das den anderen auffallen. Und wer wusste, auf welche Ideen sie das schlussendlich bringen könnte. Demnach hörte sich Arsan zuvor ruhig die Fragen der anderen an, die ihn eigentlich wenig interessierten.
      ,, Ja, ich habe einige Vorstellungen, was die Themen angeht. Es wird zu Beginn vor allem um die Mythologien gehen“, erklärte er deutlich, während er verschiedene Studenten anblickte. ,, Ihr werdet schon selbst bald sehen, wie die Wochenaufgaben aussehen werden. Es wird vor allem eine Fragestellung geben, zu der ihr eure Stellung nehmen müsst. Und nein, ich gebe meine Email für nur wichtige Fälle aus, ihr werdet eure Arbeiten bei mir persönlich abgeben müssen.“ Es waren echt banale Fragen gewesen, die größtenteils seine Erklärungen gar nicht brauchten. Ein wenig bereute er sogar, in dieses Thema eingeleitet zu haben. Nachdem er jedoch wieder Mairi erblickte, vergaß er sofort seine Unzufriedenheit. Auch wenn mehrere Meter die beiden voneinander trennten, so konnte er trotzdem ihre feinen Gesichtszüge erkennen. Seine Augen glitten über ihre leicht lockigen Haare, die sie offen trug. Wenn er überlegte, so müsste es ihre zehnte Wiedergeburt sein. Und trotzdem schaffte sie es jedesmal ihre äußerliche Erscheinung beizubehalten. Vielleicht war es sogar besser gewesen, denn falls sich neben ihrem Charakter auch ihr Aussehen veränderte, wäre es eine viel zu große Herausforderung für ihn -sich jedesmal an eine neue Mairi zu gewöhnen, war nicht die einfachste Aufgabe. Er musste wieder grinsen, nachdem er ihre Frage wahrnahm. Diesmal konnte Arsan es aber nicht verheimlichen.
      Eine solche Frage hätte auch nur von ihr kommen können.
      ,,Arete von Kyrene?“, wiederholte er amüsiert und lachte leise auf, während er sich kurz am Kinn fasste. Was für ein Zufall, auch wenn es dies eigentlich nicht war. ,, Natürlich können wir uns auch mit weiblichen Philosophinnen beschäftigen. Das Problem ist nur, dass es in den meisten Fällen sehr wenige bis kaum Überlieferungen gibt“, erläuterte Arsan, während er sie mit seinen Augen fixierte. Mairi fiel alleine schon dadurch auf, dass sie unter den restlichen Studenten auf Papier schrieb. Er wunderte sich, was wohl der Grund dafür war. Vielleicht empfand sie es so als angenehmer.
      Damit er jedoch ihre Stimmung nicht ganz verdarb, fügte er noch rechtzeitig hinzu: ,, Aber ich werde mich umschauen, was ich finde, um es in den Lehrplan einzufügen.“ Anschließend blickte er noch einmal in den Raum. Da keine weiteren Fragen gestellt wurden, nickte er dankend.

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    • Isleen Young


      Es erfüllte Lyn mit einer gewissen Genugtuung, dass der Dozent nicht auf den Flirtversuch des Mädchens neben ihr Einging. Als er sich dann an Lyn wandt konnte sie von dem Mädchen nur ein leises Seufzen vernehmen. Das musste sie ja wohl wirklich frustrieren, aber was erwartete sie denn? Das ein Dozent ein Risiko einging seinen Job zu verlieren nur um auf irgendein Mädchen einzugehen?
      Isleen blickte den Dozenten dann verwirrt an, als dieser auflachte. Sie verstand nicht ganz, was an ihrer Frage so lustig gewesen war? Doch trotz ihrer Verwirrung wurde ihr ganz warm in der Brust, und sie konnte nicht verhindern, dass sie ebenfalls zu lächeln begann. Diese kleine Geste war für Lyn zu ansteckend gewesen. Sie hätte sich zu gerne umgesehen ob es den anderen auch so ging, oder wie sehr das andere Mädchen sich darüber ärgerte, oder freute.
      Während Dr Blanc erzählte, es gebe zu wenig Aufzeichnungen, doch dass er sich umsehen würde, nickte Lyn leicht. Sie war sich unsicher, ob sie einen Dank aussprechen sollte, lies es aber am Ende bleiben, als er seinen Blick abwandte. Vielleicht wäre es doch besser gewesen, wenn sie noch etwas gesagt hätte, nur um seinen Blick noch ein wenig länger auf ihr spüren zu können. Isleen konnte nicht sagen, wann sie das letzte Mal gewollt hatte, dass eine Person sie für längere Zeit ansah, oder ihr auch nur in die Augenblickte. Es lies sie immer nervös werden, hatte sie doch schon oft genug das Gefühl beobachtet zu werden. Als würde sie von irgendjemanden verfolgt werden. Doch das hatte sich jedes Mal wieder als ein Hirngespinst herausgestellt. Denn egal wie oft sich Lyn in leeren Straßen umdrehte, unter ihr Bett und in ihren Schrank gesehen hatte, nie hatte sich dort wirklich eine Person befunden. Sie war immer alleine, höchstens einer ihrer Freunde war bei ihr gewesen. Und diese hatten sich noch nie beobachtet gefühlt. Kurz schüttelte Lyn ihren Kopf, um diese Gedanken wieder loszuwerden. Sie wollte nicht in dieser Lesung sitzen, und dabei nervös und paranoid wirken. Denn irgendwie hatte Lyn das Gefühl, dass dieser Unterricht wirklich spannend werden konnte. Und es sehr sicher auch wurde. Allein die Stimme des Dozenten versprach Lyn, das dies hier wohl einer ihrer liebsten Kurse werden würde. Ob er auch noch andere Kurse gab, die sie in späteren Semestern besuchen konnte?
      Lyn strich sich ihre Haare hinters Ohr, so wie sie es immer tat, wenn sie in Tagträume gleitete. Und dabei waren es dieses Mal nicht besonders kreative, sondern einfach nur, wie sie hier saß, und dem Dozenten zuhörte. Und besonders auf ihre Fragen und Missverständnisse einging. Ihr einfach mehr Aufmerksamkeit schenkte als den anderen Studenten die in seinen Kurs saßen. Es war eine nette, wenn auch sinnlose Vorstellung. Denn er würde seinen Job nicht für irgendein Mädchen riskieren. Nicht für das Mädchen neben Lyn, und auch nicht für sie selbst. Und irgendwie bereute Lyn es nun im Moment noch viel mehr vorhin zu spät gekommen zu sein, denn wenn er sich nun überhaupt an sie erinnerte, dann an das Mädchen, welches zu spät kam und feministische Fragen stellt. Sie konnte kaum glauben, das dies zu einer guten Erinnerung werden konnte.
      Isleen beobachtete die Bewegungen des Dozenten genau. In seinen Bewegungen steckte eine Anmut, die Zeiten überdauern konnte. Sie waren fließend und schön zu betrachten. Dem Mädchen blieb gar nichts anderes übrig als in ihm ein schönes Geigenstück zu erkennen. Elegant und schwierig zu erlenen, vielleicht sogar etwas melancholisch. Bei dem Gedanken konnte Lyn gar nicht anders, als vor sich hin zu lächeln. Ihr gingen einige Melodien durch den Kopf, doch die einzige die zu ihm passte -zumindest soweit es der kurze Eindruck, denn Lyn in den wenigen Minuten erhaschen konnte, erlaubte- war eine an deren Namen sie sich gar nicht mehr erinnern konnte. Egal wie sehr sie es auch versuchte.
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    • Arsan | Alain Blanc

      Er schaute sich noch ein letztes Mal in Saal um.
      „ Fangen wir doch gleich mit unserem ersten Thema an“, begann er mit seiner gefassten Stimme zu sprechen. Er versuchte so beherrscht zu klingen, wie es in seinem Zustand nur möglich war. Es war schon eine Ewigkeit her, seit dem Arsan auf diese Weise überwältigt von seinen Gefühlen war. Konzentriere dich auf den Inhalt - redete er sich ständig ein. Trotzdem konnte er nicht anders, sodass seine Augen unbemerkt in Mairis Richtung blickten.
      Musste sie genau während seiner Sitzung vor ihm auftauchen? Das war echt ungerecht. Aber das war wohl alles an seiner Existenz. „Platon sagt euch allen bestimmt etwas“, stellte er fest, während er seine Arme verschränkte, „ Symposion wohl er weniger.“ Er umfasste kurz seine Stirn und überlegte sich, wie er am besten den Inhalt erklären sollte.
      „ Um es unkompliziert auszudrücken - Symposion ist ein Werk Platons, das in der Form eines Dialogs verfasst wurde. In diesem wird ein Mythos über Kugelmenschen geschildert. Besser gesagt, geht es in dieser Legende um die ursprüngliche Beschaffenheit des Menschen“, erklärte er entschlossen, während er eine kurze Pause einnahm, bevor er weitersprach, „ laut dieser Erzählung hatten Menschen früher vier Arme, vier Beine, zwei Köpfe aber nur ein Herz. In dieser Form verfügten sie über gewaltige Kraft. Überzeugt von ihrer Macht wollten sich die Kugelmeschen einen Weg in den Himmel bahnen, um die Götter anzugreifen. Daher entschied sich Zeus, die Kugelmenschen zu schwächen, indem er jeden von ihnen in zwei Hälften zerschnitt. Diese Hälften sind die heutigen zweibeinigen Menschen.“
      Er schaute in die verwirrten Gesichter der Studenten. Dieser Mythos war für die meisten von ihnen sicherlich neu.
      „Die neuen Menschen litten schwer unter der Trennung von ihren anderen Hälften. Da sie sonst nichts mehr unternahmen, begannen sie zu verhungern. Um ihr Aussterben zu verhindern, versetzte Zeus die Geschlechtsorgane nach vorn. Damit ermöglichte er ihnen, durch die sexuelle Begegnung ihr Einheitsbedürfnis vorübergehend zu befriedigen und so die Sehnsucht zeitweilig zu stillen. Zugleich gewannen sie dadurch die Fähigkeit, sich auf diese Weise fortzupflanzen. So wurden sie wieder lebenstauglich“, Arsan hoffte innerlich, dass sie mit seinem Gerede mitkamen,
      „ Die Menschen leiden aber weiterhin unter ihrer Unvollständigkeit, jeder sucht die verlorene andere Hälfte. Die Sehnsucht nach der verlorenen Ganzheit zeigt sich in Gestalt des erotischen Begehrens, das auf Vereinigung abzielt.“
      Er seufzte innerlich auf. Wahrscheinlich hatte er diese Legende schon dutzendmal seinen Studenten erzählt. „ Wir können an diesem Mythos etwas interessantes erkennen. Und zwar wird hier indirekt die Seelenverwandtschaft aufgegriffen. Was haltet ihr davon?“, er blickte in den Saal und nahm einige Studenten ran, die ihre Hände sofort hoben.
      Ohne das es zu auffällig wurde, schaute er auch zu Mairi. Er musste feststellen, dass sie kein Interesse hatte, ihre Meinung zu schildern. Genauer gesagt, schien sie in ihren Gedanken abgetaucht zu sein.
      In seiner Sitzung! Arsan musste gestehen, dieses Verhalten von ihr kränkte ihn.
      Er bewegte sich gelassen zu ihr und beugte sich leicht zu ihr runter. „ Und Sie?“, fragte er Mairi mit einem hochgezogenen Augenbrauen an, während er ihr direkt in die Augen guckte, um sie auf diese Weise aus ihren Träumen zu reißen. „Was halten Sie von dem Mythos der Kugelmenschen und der Seelenverwandtschaft?“
    • Isleen Young

      Etwas erschrocken darüber, dass der Professor nun direkt vor ihr stand, nun nicht mehr nur stand, er beugte sich tatsächlich auch ein wenig zu ihr herab um ihr direkt in die Augen sehen zu können, blickte sie ihn mit geweiteten Augen an.
      Sie hatte nicht aufgepasst, und war für einen Moment vollkommen überfordert mit der Frage die dieser Mann ihr stellte. Es fiel ihr nun auch wirklich nicht einfach direkt zu antworten, wenn er sie ernst in die Augen sah. Eine leichte Gänsehaut bildete sich auf Lyns Armen, und zog sich bis über ihren Rücken.
      Lyn brauchte wenige Momente bis sie die Frage wirklich begriff die ihr gestellt wurde.
      Er wollte wissen, was sie davon hielt? Das vor allem der Sex eine große Rolle spielte, bei einer Seelenverwandschaft?
      Lyn musste sich kurz räuspern bevor sie die Frage beantworten konnte, irgendwie hatte sie das Gefühl, einen Frosch im Hals zu haben. "Nun, ich denke das mehr dazu gehört als ein erotisches Begehren. In der Erzählung Platons geht es auch um andere Arten der Liebe. Ich bin der Ansicht, das man mehr als nur diese eine körperliche Liebe benötigt um eine Seelenverwandschaft zu haben. Auch der Aspekt des Mythos, dass es viel mehr Homosexuelle 'Paare' gibt und diese als reiner angesehen wird, finde ich interessant."
      Ein sanftes Lächeln umspielte ihre Lippen. Sie war vorbereitet in diesen Kurs gekommen, und um dies zu unterstreichen holte sie eines der empfohlenen Bücher des Kurses aus der Tasche. Lyn war zwar zu spät gekommen, und leider in Träumerein versunken, doch mit seinen Worten hatte sie genug anfangen können.
      Lyn kannte zwar nicht jeden Mythos, und hatte sicherlich nicht alle Reden, und alle Thesen gelesen, doch es gab genug welche Isleen kannte. Sie hatte diesen Kurs hier nicht ohne Grund gewählt, es war ein Thema das sie schon seit ihrer Kindheit interessierte. Das alte Griechenland, die Legenden, und Mythen, die Götter, und ihre Geschichte. Isleen wünschte sich irgendwie in dieser Zeit zu leben.
      Irgendwann würde sie auch nach Griechenland reisen, dafür belegte sie gerade einen kurs in modernen Griechisch.
      Bevor Lyn sich jedoch zurück halten konnte purzelten ihr auch schon die nächsten Worte aus dem Mund.
      "Und was halten Sie von diesem Mythos und Seelenverwandtschaft?"
      Sie bekam erst mit was sie sagte, als sie es selbst hörte. Es war unbedacht und gehörte sich sicherlich nicht einen Professor einfach so diese Frage zu stellen. Vor allem da es eindeutig eine Ermahnung sein sollte besser auf zu passen. Obwohl, was für einen Unterschied machte es, ob sie die Meinungen ihrer Mitstudierenden kannte oder nicht?
      Dr. Blancs Meinung hingegen, diese interessierte sie wirklich. Sie wollte wissen was er davon hielt. Ihr blick wanderte von seinen Augen hinunter zu seinen Lippen. Lyn wollte sehen wie sich diese bewegten, sie wollte die Worte hören und seine Meinung in sich aufziehen. Vielleicht würden die Wörter auch gestalt annehmen, wenn sie seine Lippen so betrachtete? Diese schön geschwungenen Lippen, die so voll waren.
      Etwas irrtiert blinzelte Lyn, und sah dem Professor wieder in die Augen. Dieser Moment war... intimer als sie jemals erwartet hätte. War nicht das hier genau das, wovon Lyn eben noch geträumt hatte. Das war seltsam, und sie musste sich wirklch zusammen reißen. Sie wollte nicht auf seiner Abschuss Liste stehen, und wenn sie davon weg kommen wollte wäre es besser wenn sie mit all diesen Träumerein, zumindest in diesem Kurs außen vor lassen.
      "Sleep doesn't help, if it's your soul that's tired. "

    • Arsan | Alain Blanc

      Er musste gestehen, er war sichtlich überrascht über ihre Antwort gewesen, auch wenn er sich es nicht anmerken ließ. Sie war vorbereitet auf diesen Kurs. Viel zu sehr vorbereitet sogar.
      Arsan blickte runter auf das Buch, das sie eben rausholte und musste schmunzeln. Das war eine Geste, die einfach Mairi charakterisierte.
      Er blickte in ihre Augen, sodass er sich von denen verlocken ließ, um endgültig in dieses Blau abzutauchen.
      Erst als sie ihre Gegenfrage stellte, wurde Arsan aus seinen Betrachtungen gerissen. Sie war wirklich viel zu schlau.
      Er glitt über sein Kinn und grinste dabei.
      „Nun, ehrlich gesagt, halte ich nicht viel von diesem Mythos“, erklärte er mit einer festen Stimme, „besser gesagt, gibt es einige fragwürdige Lücken an dieser Legende.“ Arsan richtete sich wieder auf und nahm einen sicheren Abstand ein, damit sein Verhalten nicht allzu auffällig wurde.
      „ Allein die Ansicht, dass die Liebe von homosexuellen Kugelmenschen, wie Sie eben erwähnt haben, als reiner angesehen wird, ist natürlich der größte Schwachsinn. Vielmehr sehe ich hier den Versuch Platons, die männliche Überlegenheit zu rechtfertigen.“
      Er wandte sich wieder zu seinem Kurs, um die restlichen Studenten in diese Diskussion miteinzubeziehen. „Und außerdem...“, seine Stimme wurde tiefer, während er seine Augen zusammenzog, „ die Liebe zwischen zwei Hälften, die nicht von einem ursprünglichen Körper stammen, wird gar nicht berücksichtigt.“
      „ Aber das ist gar nicht möglich!“, entgegnete eine Kommilitonin. „ Wieso nicht?“, hakte Arsan aufdringlich nach, „ zwei Hälfte können sich verlieben, auch wenn sie nicht füreinander bestimmt sind. Schließlich können diese beiden Hälften die Sehnsucht nach der Vollkommenheit stillen, oder nicht? Die Frage wäre aber, was mit diesen Hälften passieren würde, wenn sie gegen den Willen der Götter handeln?“
      Er bemerkte, wie sich noch mehr Verwirrung auf den Gesichtern seiner Studenten abbildete.
      „ Aber wahrscheinlich lehne ich mich viel zu sehr aus dem Fenster“, erwiderte er amüsiert und lenkte von diesem komplizierten Thema ab, „ die Vorstellung der Seelenverwandtschaft spricht mich dahingegen viel eher an.“
      Er musste sich gegen einen überraschten Ansturm ankämpfen. „ Ja, ja, ich bin auch nur ein hoffnungsloser Romantiker.“ Ein leichtes Gelächter machte sich im Saal breit. „ Obwohl ich zugeben muss, dass für mich die körperliche Liebe das Bestimmende für die Seelenverwandtschaft ist“, er blickte diesmal zu Mairi, wobei sich seine Mundwinkel zu einem schelmischen Grinsen zusammenzogen.
      In der restlichen Zeit besprach Arsan noch einige Aspekte des Mythos. Er verteilte Arbeitsblätter, in denen diese Legende in gesamter Form niedergeschrieben war, wo auch gleichzeitig Aufgaben aufgelistet waren, die bis zu der nächsten Sitzung erledigt werden mussten.
      Nachdem die Vorlesung dem Ende neigte, beobachtete er, wie die ersten Studenten den Saal verließen.

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    • Isleen Young

      Das Grinsen welches sich auf seinen Lippen bildete, verursachte ein leichtes Kribbeln bei Lyn. Es von dieser Nähe aus zu betrachten war noch mal etwas ganz anderes. Aus der Ferne wirkte es schon bezaubernd, aber von hier aus?
      Als sich der Professor von Lyn wegbewegte war sie kurz davor gewesen nach ihm zu greifen und ihm zum Bleiben zu bitten, doch sie hielt sich zurück. Dieses mal passte sie genau auf, was er sagte und bemerkte dabei gar nicht die giftigen Blicke ihrer Kommilitonin, direkt neben ihr. Sie schien jetzt schon etwas gegen Isleen zu haben, genau wie Isleen gegen diese.
      Isleen verstand was Dr. Blanc sagte, zumindest den ersten Teil. Damals war es auch eher angesehen einen Freudenknaben zu haben, als mit seiner Frau auf der Straße gesehen zu werden. Was sollte man auch sagen, es gab immerhin auch noch mehr als genug Sklaven, es war eine andere Zeit. Und manche Männer würden heute noch alles dafür tun, um ihr Geschlecht über zu ordnen.
      Dieser Mythos würde auch all die anderen mittlerweile bekannten Geschlechter nicht erklären, und all die Leute, die Asexuell oder Aromantisch waren. Es erklärte ziemlich wenig, von all den Dingen die man Mittlerweile wusste. Damals war es vielleicht eine logische Schlussfolgerung und die einzige der man folgen konnte. Ob es so einfacher war?
      Gerne hätte Isleen sich in dieses Gespräch weiter eingemischt, sie hatte Fragen und Ideen, doch sie fühlte sich so als hätte sie schon genug 'Ärger' bereitet. Vielleicht würde sie es auch als entschuldigung nutzen können, um nach ihrer Entschuldigung noch etwas mit ihm zu reden. Er hatte eine wirklich angenehme Stimme. Sie hätte ihn auch noch viel länger als diese Lesung zu hören können, und konnte es jetzt schon kaum mehr erwarten, bis sie wieder hier sitzen würde.
      Als Dr. Blanc dann von der bestimmende Rolle der körperlichen Liebe sprach, hatte Lyn das Gefühl, als würde er sie dabei ansehen und das Grinsen auf seinen Lippen, lies ihr Herz für einen Moment schneller schlage. Sie merkte wie sie schon wieder die Luft anhalten wollte, zwang sich dann jedoch auf ihre Blätter zu sehen. Einen panischen Moment konnte sie gerade wirklich nicht gebrauchen. Das würde sie nur noch weiter aus der Bahn werfen, in die sie eben erst wieder gefunden hatte.
      Die Lesung endete, und die meisten Studenten verschwanden. Isleen blieb noch ein wenig Sitzen und sah sich die Aufgaben schon genauer an, in der Hoffnung auch hier noch eine Frage zu finden, die sie hätte stellen können.
      Die junge Frau neben ihr stand dann auf, und ging nach vorne zu dem Professor. Lyn bekam die Frage von dieser nur ganz leise mit, und auch nicht vollständig. Es ging wohl darum, ob er eine Studentische Aushilfskraft benötigte. Hm, von dieser Art Jobs hatte Lyn auch schon gehört. Sie halfen Professoren mit den Unterlagen und Vorbereitungen. Soweit sie es jedoch wusste, war das meistens etwas für fortgeschrittene Semester. Isleen selbst hätte wohl schon genug damit zu schaffen, sich ins Uni Leben einzufinden.
      Die Antwort des Professors bekam Lyn jedoch nicht mit, und erst als die Andere den Saal verlassen hatte, wagte auch sie sich zu ihm.
      "Ich wollte mich entschuldigen für mein zu Spät kommen."
      Natürlich hätte Isleen sich erklären können, sich heraus reden, dass sie normaler Weise immer vorbereitet war und einfach nicht mit den vielen Menschen gerechnet hatte die sich im Eingangsberreich befanden. Sie hätte ihm erzählen können das sie den Weg nicht gekannt hatte und der Aufzug vor ihrer Nase weggefahren war, und sie erst all die Treppen hatte nehmen müssen. Doch irgendwie hatte Lyn das Gefühl, das würde alles noch etwas schlimmer machen, weswegen sie es bleiben lies.
      "Es wird nicht erneut vorkommen", schloss sie dann ihre Entschuldigung lieber. Auch ihre Fragen lies sie lieber bleiben, es fühlte sich unnatürlich an. Sie wollte nicht so wirken, als wollte sie sich bei ihm einschleimen, oder ein Streber sein oder was man sonst noch so denken konnte. "Bis zur nächsten Lesung", lächelte sie ihn dann freundlich an, und machte sich bereit zu gehen.
      "Sleep doesn't help, if it's your soul that's tired. "

    • Arsan | Alain Blanc


      Er bemerkte, dass Mairi eine der Wenigen war, die noch zurückgeblieben war. Arsan überlegte sich, wie er sie in ein Gespräch verwickeln sollte. Worüber könnte er sie denn ansprechen? Sie ermahnen, damit sie das nächste Mal pünktlich zum Unterricht kam?
      Das wäre wohl viel zu dreist von seiner Seite. Er wollte sie doch nicht abschrecken. Doch bevor Arsan weiterhin irgendeinen Plan schmieden konnte, unterbrach ihn eine andere Studentin. Er hatte sie in dieser Sitzung mehrmals bemerkt, weil sie sich öfters gemeldet hatte. Wer auch immer sie war, sie stellte sich als Zoe vor. Er verstand zwar nicht, warum sie das machte. Ihn interessierte es schließlich nicht. Aber kurz darauf musste Arsan anhören, wie sie sich als eine studentische Aushilfskraft anbot. Er hatte sowas noch nie gehabt und er war bekannt dafür, dass er keine Studenten, vor allem Studentinnen, einstellte. Sie war unverschämt genug, um ihn das zu erfragen.
      ,, Ich werde es mir noch überlegen", erwiderte er lächelnd, um nicht unhöflich zu klingen. Beleidigte Frauen, die sein Leben erschweren würden, hatte er echt nicht zu gebrauchen. Er beobachtete aus den Augenwinkeln, wie sie den Saal verließ.
      Erfreut stellte Arsan fest, dass Mairi immer noch nicht weggegangen war.
      Zum seinem größten Glück sprach sie selbst ihn an. Er hörte sich ruhig seine Entschuldigung an und lächelte dabei leicht.
      ,, Ihr Name?", fragte er sie nach, nachdem er erblickte, wie sie sich umdrehte, ,, wie lautet Ihr Name?"
      Er wollte nicht, dass sie so einfach ging. Nein, er wollte sie überhaupt nicht gehen lassen. Am liebsten hätte er sie über seine Schulter geworfen, um mit ihr zu verschwinden. Er packte seine letzten Papiere zusammen, nahm diese entgegen und bewegte sich zu ihr, sodass er neben ihr stand.

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    • Isleen Young

      Isleen hatte es wirklich nicht erwartet, doch sie vernahm noch einmal die Stimme des Professors. In ihrer Bewegung hielt sie inne und drehte sich noch einmal zu ihm um. Ihr Name? Sie hatte eigentlich gehofft, dass er den Auftritt von heute vergessen konnte, doch mit ihren Namen zu ihrem Gesicht würde dies schwierig werden. Lyn konnte wirklich nur hoffen, dass er sie deswegen nicht zu sehr auf dem Kicker hatte.
      Bevor Isleen richtig antworten hätte können, stand der Mann schon neben ihr. Er war ein ganzes Stückchen gößer als sie, weswegen sie zu ihm hatte aufsehen müssen. "Isleen Young", meinte sie dann doch etwas zurückhaltend. Hoffentlich wollte er ihren Namen nicht nur deswegen um ihr das Leben schwerer zu machen... Obwohl das konnte sie sich gar nicht vorstellen, wenn sie ihn so ansah. Lyn hatte wirklich nicht das Gefühl, als wollte er ihr irgendetwas schwerer machen.
      Für einen Moment spielte Lyn mit dem Gedanken dem Professor ihre Hand zu reichen, so wie man es eben tat wenn man sich vorstellte. Doch irgendwie hatte sie nicht das Gefühl, dass sich das hier und jetzt gehörte. Außerdem musste er sich ja auch nicht bei ihr vorstellen. Sie wusste wer er war, und wie er hieß. Er war ihr Professor für griechische Philologie und sein Name war einfach Alain Blanc. Doktor Alain Blanc. Was für ein poetischer Name.
      Isleen setzte sich dann in Bewegung, sie konnte nicht für immer mit ihren Professor in dem Vorlesungsraum stehen obwohl sich der Gedanke nicht so schlecht angefühlt hatte. Und auch er konnte nicht für immer hier stehen.
      Während sie ging, wollte Lyn keine unangenehme Stille aufkommen lassen. "Meinten sie so etwas in die Richtung von Helena von Troja oder eher Oedipus, wenn es gegen den Willen der Götter geht?" Beides hatte ja unterschiedliche Ansichten und Ausmaße gehabt. Oedipus wurde soweit ausgetrickst, dass er mit seiner Mutter geschlafen hatte und sich schließlich vor Schmach umbrachte und die Liebe zu Helena hatte einen blutigen Krieg ausgelöst. Vielleicht hatte der Professor auch etwas ganz anderes gemeint, und Lyn hoffte es dadurch irgendwie heraus zu finden.
      "Wissen Sie vielleicht wie ich zu A217 komme? Ich möchte ungerne auch zu meinen nächsten Kurs zu spät kommen", stellte sie erst die nächste Frage als sie an den Treppen angekommen war. Nach ihren ersten Gedankengang über den Aufzug, würde sie nur zu ungerne jetzt in diesen einsteigen. Die Treppen fühlten sich doch etwas sicherer an.
      "Sleep doesn't help, if it's your soul that's tired. "

    • Arsan | Alain Blan


      Arsan wartete neugierig auf ihre Antwort. Maria, Maria, Madlene, was auch immer M - das waren die Namen, auf die er sich gefasst machte. Alles Mögliche, aber nicht das. Isleen? - wiederholte er aufgebracht in den Gedanken. ISLEEN?! Sollte das ihr Ernst sein? Hatten sich die Schicksalsgöttinnen etwa einen weiteren Streich für ihn ausgedacht? Mit einem beherrschten Gesichtsausdruck folgte er ihr aus dem Saal. Kein Wunder, dass er es nicht geschafft hatte, sie zu finden! Er hatte schließlich seit seiner Ankunft in dieser Stadt alle Frauen, deren Namen mit M anfingen, durchgesucht gehabt. Es war eine nervenaufreibende Herausforderung gewesen. Ihm wurde schlecht, wenn er sich allein daran erinnerte. Aber diese ganzen Mühen waren umsonst gewesen, weil seine Mairi sich in diesem Leben ausgesucht hatte, Isleen zu heißen. Er seufzte innerlich.
      Erst nachdem ihre Frage ertönte, konzentrierte sich Arsan wieder auf sie. Ihr Aussehen, ihre Körpergröße, ja sogar ihre Gestik - das alles war gleich geblieben. Mit Ausnahme ihres Namens. ,, Nein, ich meinte es anders", erwiderte er ihr amüsiert, ,, Aphrodite hatte ja Paris versprochen, dass sich in ihn die schönste Frau der Welt verlieben würde, wenn er ihr den Erisapfel gab. Das, was Helena demnach für ihn empfunden hatte, kann man nicht wirklich als Liebe bezeichnen.'' Er blickte zu ihr runter und suchte ihre Augen.
      ,, Hm", ertönte es von ihm überlegend, während er seine Augenbrauen zusammenzog, ,, die Legende von Amor und Psyche würde wohl eher auf meine Vorstellungen zutreffen.''
      Sie stellte an den unerwartetsten Stellen Fragen, sodass er ihr nicht mehr hinterherkam.
      ,, Klar, ich bringe Sie dort hin", antwortete er lächelnd. Arsan wunderte sich, warum sie nicht den Aufzug nehmen wollte.
      Aber sie darüber auszufragen, wäre wohl komisch. Er deutete mit der Hand nach oben, um ihr zu verdeutlichen, dass sie einen Stockwerk überwinden mussten. Sein ganzer Magen hatte sich zugedrückt. Mairi war neben ihm. Er kämpfte verzweifelt gegen den Versuch an, sie nicht anzufassen. Wie sehr er doch ihre Wärme spüren wollte! Er räusperte sich. ,, Und was genau studieren Sie?", fragte er sie nach, während er sich zu beherrschen versuchte.
    • Isleen Young
      Amor und Psyche. Lyn versuchte sich zu erinnern ob sie diese Legende kannte. Sie kannte Amor, und sie kannte Psyche, aber ihr wollte einfach nicht die Legende dazu einfallen. Sie versuchte es noch einmal, doch es würde keinen Sinn machen, weiter darüber nach zu denken. Sie wusste es einfach nicht.
      Dr. Blanc bot Isleen an sie zu ihren nächsten Raum zu begleiten und sie nickte dankend, während sie ihn ansah. So war die Gefahr sich zu verlaufen, am aller geringsten. Als er nach oben deutete, begann Lyn den aufstieg. Das Gebäude auch immer so viele Treppen haben mussten. Warum gab es nicht mehr weitläufigere und dafür ebene Gebäude? Verlaufen konnte man sich in diesen auch recht gut! "Ich studiere Ethnologie und Sozialökonomie", beantwortete sie seine Frage, und blickte wieder zu ihm auf. Das eine hätte er sich wohl gut denken können. Immerhin war sein Kurs vor allem einer dieser die man in Ethnologie belegte. Und nach diesem einen Kurs bereute es Lyn nicht mal ein wenig dieses Studium ausgewählt zu haben. Es konnte immerhin nur noch besser werden... Sie wusste das die meisten Studenten in den ersten beiden Semestern das Tuch warfen, das konnte sie sich jedoch nicht leisten.
      "Können sie mir von Amor und Psyche erzählen? Ich glaube von der Legende habe ich noch nicht gehört?", gab Lyn dann doch schließlich zu. Sie war neugierig und wollte wissen, was ihr Professor gemeint hatte. Wenn er es erwähnte würde es doch relevant sein, und für die kommenden Prüfungen wollte sie einfach gewappnet sein. Lyn hatte in seinen Kurs nämlich das Gefühl bekommen, dass wenn es schon schwierig war, überhaupt zu seinen Prüfungen zu gelassen zu werden, seine Prüfungen doch noch ein ganzes Stück schwieriger sein würden.
      Außerdem wollte Lyn ihn weiter reden hören. Sie mochte seine Stimme, diese verursachte bei ihr eine angenehme Gänsehaut. Er strahlte insgesamt etwas angenehmes aus. Vollkommen anders als all die anderen Lehrer die sie bisher hatte.
      Bei denen war es immer unbehaglich. Irgendwie seltsam, und alles was man sagte wirkte vollkommen gezwungen und verkrampft.
      Das hier empfand war alles andere. Die Angst die Lyn am Anfang hatte, dass er sie von nun an auf der Abschussliste hatte, empfand sie nun auch nicht mehr. Etwas an seiner Art schien nicht ganz dieser Vorstellung zu entsprechen.
      Und selbst wenn, was sollte Lyn dagegen tun? Sie konnte sich Mühe geben, und wenn das nicht genug war, würde sie wohl einen anderen Kurs besuchen müssen um auf ihre Punkte zu kommen. Dieser Gedanke war es, der sie etwas betrübte, doch sie schüttelte ihn sogleich wieder ab.
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    • Arsan | Alain Blanc

      Ethnologie und Sozialökonomie also - bestätigte Arsan in den Gedanken. Er würde sich gleich noch mehr nach ihr auskunden.
      Es war schließlich keine große Herausforderung, an Informationen zu gelangen. Er müsste nur nach ihren Namen in den Ordnern der Studenten suchen, um im nächsten Moment das Wesentliche über sie zu erfahren. Ein Vorteil dieses Jahrhunderts.
      In ihren vergangenen Leben war das keine einfache Aufgabe gewesen, weil er stets andere Menschen befragen musste und sich selbst auf die Suche begeben, damit er Antworten über ihre Person erhielt. Nun, es war einerseits auch unheimlich gewesen, wenn in der Suchmaschine so viele private Informationen vorzufinden waren. Aber er sollte sich einfach nur glücklich schätzen, dass er nicht viel zu arbeiten hatte.
      ,, Dass Amor der Sohn von Venus ist, wissen Sie bestimmt", erläuterte er, ,, jedenfalls, um die Legende kurz zu fassen: Amor verliebte sich in Psyche, die überirdisch schön und sogar schöner als Venus war. Venus wiederum wurde neidisch und um Psyche zu beschützen, brachte Amor, der selbst in sie verliebt war, sie in einen sicheren Ort. Psyche wusste nicht, wer Amor war und da er sie immer nur nachts besuchte, glaubte sie, er wäre ein Monster. Aber dann erfuhr sie, wer er wirklich war und verliebte sich ebenfalls in ihn. Venus wiederum schmiegte Intrigen, damit deren Glück zerstört werden konnte, weshalb sie dafür sorgte, dass Psyche in einen Todesschlaf verfiel. Amor konnte sie aber retten, erhaschte dann die Gunst des Zeus, der wiederum Psyche von Ambrorisia trinken ließ, wodurch sie unsterblich wurden und die beiden heiraten konnten." Er machte eine kurze Pause, nachdem sie das richtige Stockwerk erreichten. Arsan schritt durch den Gang, um sie zu ihrem Raum zu bringen. ,, Eine der wenigen Liebesmythologien, die wohl gut enden", ergänzte er amüsiert.
      Das war eine der Lieblingslegenden Mairis gewesen. Damals. Als Mairi noch Mairi war. Er erinnerte sich daran und musste bedrückt lächeln.
    • Isleen Young
      Ja, sie wusste wer Amor war, und von wem er abstamm. Das war auch nicht wirklich schwer zu erraten, wenn man bedachte für was er zuständig sein sollte. Es wäre wohl eher überraschend, wenn er ein Kind Hades' gewesen wäre.
      Lächelnd hörte sie Dr. Blanc zu, und konnte sich ein wenig vorstellen, was für Schwierigkeiten Amor und Psyche bevorstand. Wenn ein Gott eifersüchtig oder gar neidisch war, endete es in den seltensten Fällen gut. Deswegen war Lyn doch ein wenig überrascht zu hören, dass diese Geschichte gut ausging. Das die beiden tatsächlich heiraten konnten, brachte die junge Frau nur noch ein wenig mehr zum Lächeln. "Es ist auf jeden Fall ein schöner Mythos. Die harte Arbeit, und der anstrengende Weg wurden zum Schluss belohnt. Ich finde alle guten Liebesgeschichten sollten so enden. Das das Liebespaar nach einem steinigen Weg doch ihr Happy End bekommt."
      Dramen waren nichts womit Lyn sich sehr lange beschäftigen konnte. Ganz im Gegensatz zu ihrer besten Freundin. Sie liebte jede Liebesgeschichte, und umso dramatischer sie war, desto besser. Lyn verstand nicht, warum man sich so nach Herzschmerz sehnte. Manchmal hatte sie das Gefühl, mehr als genug davon erlebt zu haben, wobei ihre einzige wirkliche Beziehung für sie nie wirklichen Herzschmerz bedeutet hatte. Mark war einfach nicht der Richtige für sie, er machte sich alles zu einfach, und das hatte Lyn niemals gefallen.
      Vielleicht hatte sie nur einfach genug von dem Herzschmerz ihrer Freundinnen mitbekommen, oder zu viele Filme über all diese Dinge gesehen. Lyn wusste auf jedenfall, dass sie sich nicht nach dieser Art Schmerz sehnte. Vielleicht war auch das der Grund, warum Lyn beschloss sich etwas tiefergehender mit dieser Legende zu beschäftigen. Ihr stellte sich auch die Frage, ob die beiden es auch ohne die ganzen Betrügerein der Götter ausgehalten hatten. Das Zeus die Finger von dieser Frau hatte lassen können, war doch etwas erstaunlich.
      Lyn sah sich dann die Schilder neben den Türen genauer an, bis sie A217 erblickte. Langsam blieb sie dann stehen, und sah noch einmal ihren Professor an. Sie kam einfach nicht umhin, zu bemerken wie attraktiv er war. Davon musste sie Erika erzählen. Sie liebte es, wenn Lyn ihr von attraktiven Männern erzählte.
      "Dankeschön das Sie mich hier her gebracht haben", dankbar lächelte sie ihn an, und betrachtete sein Gesicht noch einmal etwas genauer. Ob sie ihm schon einmal über den Weg gelaufen war? "Ihre Vorlesung war übrigens sehr interessant, sie hat mir Spaß gemacht", meinte Lyn noch. Einfach weil es ihre Art war, diese Dinge auszusprechen. Und bevor sie ihm erzählte, dass sie ihn außerordentlich schön fand, versuchte sie sich auf ein anderes Thema zu konzentrieren. Es würde sich sicherlich nicht gehören einen Dozenten so etwas zu sagen!
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    • Arsan | Alain Blanc


      Blöd nur, dass im echten Leben die Liebesgeschichten nicht vom Happy End geprägt waren - flog es niedergeschlagen durch seinen Verstand. Leider hatten die beiden den Raum erreicht. Er wollte noch länger mit ihr reden.
      Sie betrachten, wenn sie lächelte. Sie einfach nur die ganze Zeit ansehen... Arsan blinzelte mehrmals unbemerkt. „Das freut mich doch“, erwiderte er erfreut. Er legte seinen Kopf leicht schief und sog ein letztes Mal ihr äußere Erscheinung ein.
      „ Na dann, hier trennen sich wohl unsere Wege“, erklärte er, wobei er versuchte nicht allzu bedrückt zu klingen. „ Auf Wiedersehen, Isleen“, ertönte es von ihm, während er sie lächelnd anschaute.
    • Isleen Young

      Irgendetwas in seiner Miene änderte sich, und Lyn hatte plötzlich das wahnsinnige Bedürfniss ihn zu trösten. Gerne hätte sie ihn in den Arm genommen, und gesagt das alles gut werden würde. Aber sie wusste noch nicht einmal, was gut werden sollte? Soweit konnte doch nicht so viel schlecht sein. Nun, Lyn wusste nichts über den Mann, vielleicht war er gerade in einer schwierigen Zeit, oder hatte schon viele schreckliche Dinge erlebt. Sie selbst konnte wohl froh sein, das ihre Albträume das schlimmste an ihrem Leben waren.
      "Auf Wiedersehen, bis nächste Woche! Ich freue mich schon auf ihre nächste Vorlesung", versuchte sie ihn mit ihren Worten zu verstehen zu geben, dass ihr Wiedersehen gar nicht lange auf sich warten lassen würde.
      "Und dann werde ich nicht zu spät sein!", meinte sie leicht Grinsen. Sie würde ihn viel lieber etwas leichter sehen, bevor sie in den nächsten Saal musste. Noch einmal nickte sie ihm zu, schenkte ihm ein strahlendes Lächeln bevor sie doch endlich in den Saal ging. Zwar hatte sie noch einige Minuten und gerne wäre sie so lange noch bei dem Professor geblieben, doch er hatte sicherlich besseres zu tun, als seine Zeit auf den Fluren mit einer Studentin zu verbringen, die erst angefangen hatte zu studieren. Es war vermutlich schon erstaunlich genug, dass die Beiden auf diesen kurzen Weg ein Gesprächsthema gefunden hatten.
      Der Saal war noch recht leer, weswegen sich Lyn einen Platz weiter vorne aussuchte. Sie traf schon alle Vorbereitungen, schrieb den Namen der Lesung und das Datum auf das Papier, und beobachtete, wie der Saal sich füllte.
      Noch immer blieb genug Zeit und so blickte sie auf ihr Handy. Erst da fiel Isleen die Nachricht von Mark wieder ein. Sie hatte diese während der Vorlesung komplett vergessen, und während des Gespräches mit Dr. Blanc wäre sie auch nie auf die Idee gekommen, auch nur nach ihrem Handy zu greifen.
      Hoffe deine 1. Lesung war gut!
      Stand da die Nachricht, und dahinter hatte er noch ein Herz eingefügt. Lyns Augenbrauen hoben sich. Sie mochte es nicht, wenn er das tat, vor allem nicht nachdem sie diese Beziehung beendet hatte. Bisher hatte er es nicht gelernt, weswegen sie ihm erst gar nicht antwortete. Stattdessen schrieb sie Erika.
      Der Professor für griechische Philologie ist atemberaubend.
      Wirklich?! Hast du ein Bild gemacht??
      Als hätte Erika die ganze Zeit auf eine Nachricht von Lyn gewartet, hatte sie ihr direkt geantwortet. Lyn musste ein wenig schmunzeln. Warum sollte sie denn einfach ein Bild von ihrem Professor machen? Trotzdem wollte sie ihn Erika wirklich gerne zeigen. Also gab sie einfach seinen Namen in Google ein. Doch sie fand kein Bild von ihm. Sie fand zwar einen Eintrag der Uni, und ein unvollständiges Facebook Profiel, aber nirgendwo ein Bild. Ob Lyn jemals die Gelegenheit haben sollte, ein Bild von ihm zu machen?
      Nee, tut mir leid! Finde aber auch keines von ihm!
      Oh Menschenskind! Dann muss ich mich wohl in den Kurs schleichen!

      Lyn konnte sich nur zu gut vorstellen das Erika genau das tun würde. Und sie wollte sicherlich nicht dafür zur rechenschaft gezogen werden. Es war schon schlimm genug, dass sie heute zuspät gekommen war! Und den Professor dann auch gleich so in Anspruch nahm, das er ihr den Weg durch die Uni zeigte... Gerade begann sie Erika dies zu schildern, als eine andere Nachricht erschien.
      Ob sie morgen Nachmittag arbeiten könne, die Überstunden würden auch bezahlt werden!
      Kurz ging Lyn ihren Stundenplan durch, und ab dem späten Nachmittag würde dem wohl nicht viel im Weg stehen. Wenn sie heute schon ihre Aufgaben dieser Kurse erledigte, würde es auch nicht ganz so stressig werden. Und das Geld konnte sie immer gut gebrauchen.
      Während dieser Überlegung betrat der nächste Dozent den Saal, und auch hier begann die Lesung. Die sie bei weiten nicht so faszinierte wie griechische Philologie.
      "Sleep doesn't help, if it's your soul that's tired. "

    • Arsan | Alain Blanc


      ,, Bis zur nächsten Woche", erwiderte er kurz und beobachtete, wie sie in diesem Raum verschwand. Er verkrampfte förmlich, weil er seine ganzen Kräfte dafür aufopferte, sich im Griff zu halten. Er dürfte auf gar keinen Fall voreilig werden. Das wusste Arsan ganz genau, denn er hatte schon unschöne Erfahrungen gemacht, wenn es um die vorherigen Leben von Mairi ging. Er lehnte sich gegen die Wand, schloss seine Augen und atmete tief ein. Beruhige dich - redete er sich selbst ein.
      Nachdem Arsan in seinem eigenen Büro ankam, setzte er sich sofort an den Rechner und durchstöberte die offizielle Website der Universität, welche er als Professor aufrufen konnte. Durch Will hatte er auch Zugang zu den privaten Portalen erhalten, wo die persönlichen Informationen der Studenten gehalten wurden. Er hatte sie bis jetzt ausgenutzt, um nach Mairi zu suchen. Aber, so wie es sich herausgestellt hatte, war sie diejenige, die ihn gefunden hatte.
      Ohne seine Zeit zu verschwenden, gab er in das Suchfeld ihren Namen ein. Zum Glück gab es nicht viele Isleens, weswegen er nicht lange brauchte, um sie zu finden. Er lächelte zufrieden, als ob er eine schwere Aufgabe vollrichtet hätte. Seine neugierigen Augen glitten über die ganzen Informationen, die er auffassen konnte. Isleen Young - las er langsam in den Gedanken durch. Er konnte entnehmen, welche genauen Kurse sie an welchen Tagen und Uhrzeiten belegte. Auch fand er die Adresse ihres Wohnsitzes, doch das war es auch mit den privaten Angaben.
      Arsan empfand seinen Durst als nicht gestillt. Er wollte noch mehr von ihr erfahren. Ja, das war ihm wichtig. Er musste herausfinden, wer sie wirklich war. Wo sie sich in den meisten Fällen aufhielt, was sie mochte, wer ihre Freunde waren. Er ballte seine Hand zu einer festen Faust. Er holte einen schweren Atemzug. Arsan wusste, dass er nicht übertreiben durfte. Was, wenn sie von dieser wahnsinnigen Seite von ihm erfuhr? Sie würde sofort ein falsches Bild von ihm bekommen.
      Er erinnerte sich an ihr Gesicht, an ihre meeresblaue Augen, die es jedes Mal schafften, ihn in den Bann zu ziehen... Und dann noch das schwarze Muttermal, das sanft ihre rechte Wange umrandete.
      Er fasste schmerzverzerrt sein Gesicht. Im nächsten Moment nahm Arsan sein Handy hervor, durchsuchte seine Kontakte und rief bei der gewünschten Nummer an. ,, Ich habe eine Bitte an dich, Damian", erklang seine ernste Stimme, ,, kannst du für mich nach einer Person suchen?" Er wartete, bis er eine Zustimmung von seinem Gesprächspartner bekam. ,, Ishleen Young", ergänzte er langsam, ,, ja, Young mit einem Y am Anfang.'' Er wartete, bis sich Damian diesen Namen markierte. ,, Suche mir alles über sie heraus, was du finden kannst."
      Arsan hörte, wie er ihm zustimmte. Anschließend verabschiedete er sich und legte das Handy wieder auf.

      Nervös hielt er seine Hände in den Hosentaschen vergraben. Er wiegte sich langsam zur Seite und beobachtete immer noch das Schild, das vor dem Cafe hing. ,, Bist du dir sicher, dass es dieser Ort ist?"
      ,, Ja, wie oft denn noch", gab Damian angenervt kund. Er beobachtete genauer diesen hochgewachsenen Mann. Ein wenig tat er ihm auch leid. Seine Familie stand unter seinen Diensten. Es war eine sehr lange und komplizierte Geschichte. Doch wenn er sie kurzfassen wollte, sah die Lage so aus - er hatte einen Ururururururgroßvater (die Urs waren noch mehr, doch er behielt sie lieber kurz) namens Darawesch gehabt. Dieser Darawesch war ein sehr enger Kamerad Arsans gewesen. Arsan wiederum war ein persischer General, der uneheliche Sohn des damaligen Kaisers und ein Menschen-Mischling. Lange Rede, kurzer Sinn. Darawesch hatte ihm den treuen Dienst geschworen und später dafür gesorgt, dass auch sein ältester Sohn ebenfalls diesen ausführte. Im Verlauf von Generationen und damit auch Jahrtausenden stellten die Nachfahren von Darawesch ebenfalls ihre Hilfe zur Verfügung. In den meisten Fällen war es das älteste Kind gewesen, welches Arsan diente. Und diese Ehre war in seinem Fall auf ihn gefallen. Seine Familie lebte seit Jahrzehnten in London. Und zu seiner großen Überraschung war er vor zwei Jahren auch in diese Stadt gezogen, um an einer Universität zu unterrichten. Am Anfang hatte es Damian durchaus verwirrt, doch jetzt hatte er sich daran gewöhnt. Es war eigentlich eine Seltenheit gewesen, dass dieser Mann ihn um etwas bat. Insbesondere, wenn es darum ging, nach Menschen zu suchen. Umso größer war seine Überraschung gewesen, als er ihn gestern angerufen hatte. ,, Hast du sie gefunden?", fragte ihn Damian neugierig nach, ,, deine Mairi?"
      Arsan guckte ihn ernst an, ohne dass sich irgendwelche Mundwinkel bei ihm regten. War das etwa so offensichtlich gewesen?
      Eigentlich wollte er ungern, dass man auf diese Weise schnell über die Rückkehr seiner Liebe erfuhr.
      ,, Wir sollten rein", entgegnete Arsan nur und betrat das Cafe. Von Damian hatte er die notwendigen Informationen über Isleen Young erlangt. Und durch diese hatte er auch erfahren, dass sie hier arbeitete und heute ihre Schichte hatte.
      Er betrat die Stube, die eine übliche Ausstattung besaß. Sofort nahm er einen Platz am Tisch, wo zwei Plätze zur Verfügung standen.
      ,, Ich bin gespannt, wie sie aussieht", erklang Damians neugierige Stimme, während er sich zu ihm setzte. Arsan musste grinsen.
      Hoffentlich war sie heute wirklich da. Nicht, dass sie ihre Schicht mit irgendjemandem ausgewechselt hatte. Eigentlich wollte er alleine hier sein. Aber dann würde er wohl viel zu auffällig sein. Deswegen hatte er Damian mitgeschleppt. Arsan schaute sich im Rauch nach einer Kellnerin um. Sie musste doch irgendwo sein. Er senkte wieder den Blick. Er wollte ja nicht viel zu aufdringlich wirken.
      Seine Augen blickten das zufriedene Gesicht seines Begleiters an. Damian war ein junger Mann, er wirkte ein wenig naiv, doch das war er bei weitem nicht. Trotz seines jungen Alters hatte er erfolgreich sein Informatik-Studium beendet und arbeitete in einer kleinen Firma, die er übrigens selbst gegründet hatte. Er war womöglich viel zu ambitioniert für sein Alter. Zumindest für die modernen Verhältnisse.