Taranoke's Schlacht [Taru & Codren]

    Diese Seite verwendet Cookies. Durch die Nutzung unserer Seite erklären Sie sich damit einverstanden, dass wir Cookies setzen. Weitere Informationen

    • Taranoke's Schlacht [Taru & Codren]

      Zweite Versammlung der tarakonischen Mächte

      Es war ein verregneter Tag, als Brerandt's Kutsche bei der Burg Ovil anrollte, die vier prachtvollsten Hengste, die sein Hof gerade zu bieten hatte, vorneweg. Seit den frühen Morgenstunden hatte der Regen bereits unentwegt hinab geprasselt und dementsprechend schlecht war auch seine Stimmung, als seine Bediensteten ausstiegen, um den Weg zum Burgtor vorzubereiten. Er trug den kastanienbraunen Bärenpelz um seine Schultern, mit den Elfenbeinknöpfen an seiner Brust und den schwarzen Seidenhandschuhen, die er trotz ihres Schutzes unter den Pelz steckte, damit der Regen wenigstens sie verschonen würde. Dies waren wahrlich schlechte Omen für die zweite Versammlung dieses Jahres.
      Normalerweise trafen sich all jene, deren Einfluss Taranoke's Zukunft verändern würde, einmal im Jahr um über die gemeinsamen Ziele und Dispute zu sprechen - hauptsächlich die Streitigkeiten. Darunter zählten Grenzbestimmungen, erweiterte oder abgeschlossene Handelsverträge, die unmittelbare Gefahr der Barbaren und die aufstrebenden Mächte anderer Häuser. Diese Treffen gab es schon solange es Taranoke gab, aber eine Wiederholung einer solchen Versammlung war noch nie nötig gewesen. Dieses Mal allerdings schon.
      Die Tür öffnete sich und ein kalter Luftzug brachte den Regen mit hinein.
      "Pass doch auf", knurrte Orin den Bediensteten, dessen Namen er nicht kannte an und beeilte sich, aus dem Wagen zu kommen. Die Felle würde er bei seiner Rückkehr sowieso wegschmeißen
      müssen, da half auch kein reinigen mehr, dennoch konnte er nicht mit ansehen wie sie von den Tropfen verunstaltet wurden.
      Draußen angekommen beeilte sich eine junge Frau damit, seinen Pelz aufzufangen, bevor er auf dem Boden landete, und lief ihm dann mit dem hinteren Ende in den Händen nach, während er im
      Schutze einer hochgehaltenen Plane in den Burghof flüchtete. Auf den Mauern wurde seine Anwesenheit von Soldaten in silberner Rüstung weitergetragen, die sich aber nicht von der Stelle
      rührten. Man hatte sich schon lange darauf geeinigt, dass man eine neutrale Bewachung brauchte, damit Herrscher wie Vultjag keinen unmittelbaren Vorteil davon erhielten, unter seinen eigenen Leuten zu sein. So bezogen sie ihre Soldaten zu den Versammlungen stets aus einem Kloster in den Bergen, in dem sich eine Mönchsgemeinschaft zur Meditation niedergelassen hatte. Es waren zwar keine ausgebildeten Soldaten, aber sie konnten kämpfen und waren damit stark genug, um die jährlichen Besucher daran zu hindern sich gegenseitig umzubringen.
      Am gegenüberliegenden Ende angekommen suchte er schnell den Schutz der steinernen Mauem und ließ das Tor hinter sich zufallen. Das düstere Licht der brennenden Fackeln umhüllte ihn ebenso schnell wie die ruhige Atmosphäre, die sie mit sich brachten.
      Den Gang entlang hinter den eisernen Türflügeln befand sich auch schon der Saal mit dem langgezogenen Tisch, an dem Lyxaxu bereits Platz genommen hatte.
      "Scheußliches Wetter", brummte er zur Begrüßung und klatschte seine Handschuhe auf den Tisch, die natürlich nass geworden waren. Lyxaxu saß lässig in ihrem Stuhl, zurückgelehnt, die Beine gekreuzt und mit dem Rücken zu ihm gewandt. Ihre einzige Antwort dazu war ein belustigtes Schnauben.
      "Das ist nur Wasser. Das wird deine Knochen schon nicht weich machen" Orin nahm am Kopfende platz und ließ die Provokation kommentarlos an ihm vorbei rauschen, Wenigstens war die Innenseite des Pelzes noch trocken.
      "Sind die anderen schon hier?"
      "Ich bin auch erst angekommen." Damit war auch schon das private Gespräch zwischen ihnen erledigt, wenigstens ohne einen Streit. Nach und nach trudelten die anderen ein und nachdem alle angekommen und die Gespräche sich gelegt hatten, erhob Brerandt sich.
      "Willkommen - ein weiteres Mal. Ich freue mich dass ihr alle heil angekommen seid" Angesichts des Regens war der Sarkasmus nicht zu überhören.
      "Wir sind heute hier, weil wir uns um ein weitaus wichtigeres Problem kümmern müssen, als die diesjährigen Steuereinnahmen" Ein Schnauben von Lyxaxu.
      "Die auswärtigen Länder Übersee rücken uns mit ihren Kundschaftern und Gesandten immer weiter auf die Pelle und wenn die momentanen Umstände sich nicht ändern, werden wir neue Grenzen schaffen müssen. Lyxaxu, warum erzählst du nicht weiter?" Ein desinteressierter Blick der Seefahrerin wanderte durch die Runde, aber als sie sprach, war ihre Stimme fest und klar.
      "Die Schiffe kommen mittlerweile in kleinen Flotten von etwa 5-10 Schiffen und versuchen auch bei der nördlichen Küste am Wald anzulegen. Sie reden davon, dass sie neue Handelsverträge anbieten und sich an unserem wirtschaftlichen Fortschritt beteiligen wollen, aber die meisten von ihnen die an Land gehen, verschwinden in den Wäldern und werden nie wieder gesehen. Ich habe mittlerweile den Verdacht, dass es sich um Spione handelt und habe meine Männer ausgeschickt, aber alle werden wir niemals erwischen. Einige befinden sich sicherlich noch unter uns."
      "Was ist mit deinen Zollstellen? Sie können die Fremden sicherlich ausmachen." Lyxaxu warf ihm einen nur allzu giftigen Blick zu, da er genau wusste, dass er damit einen wunden Punkt erwischt hatte. Nach einer kurzen Pause erklärte sie.
      "Zwei der Stellen sind bereits ausgefallen, weil die Arbeiter streiken. Sie verlangen nach höherem Lohn bei den Gütern, die die Zölle überqueren. Ich habe bereits Soldaten hingeschickt um die Lage zu klären, aber diese Idioten können kein Gold zählen, geschweige denn jemanden ausfindig zu machen." Ein provokanter Blick huschte zu Vultjag, als rede sie von seinen Soldaten.

      @Zerome
      @Taru
    • Burg Ovil
      Prinze Zane Mehyve

      Das Wetter war wirklich kein gutes Reisewetter. Es hatte schon ein paar Tage Zeit in Anspruch genommen, um von seinem Sitz aus bis hier zur Burg in Brerandts Gebiet zu reisen, aber nur am letzten Tag hatte es angefangen zu regnen. Sollte man das als ein Zeichen deuten? Nun, die Versammlung stand ja auch nicht unter einem guten Grund an, sondern wegen gewisser Umstände, die sich nach und nach im ganzen Land auszubreiten scheinen.
      Neben seiner Kutsche, die von einem vierer Gespann an pechschwarzen Pferden gezogen wurden, begleiteten den Prinzen noch eine Delegation aus 50 berittenen Soldaten, darunter zehn Schützen. Ohne Absicherung sollte man sich schließlich nicht durch das Land wagen.
      Im Burghof angekommen, stieg er aus und spähte zum Himmel. Die Sonne hatte keine Chance die Wolkendecke zu durchbrechen. Nur Regen viel wie aus einem zerbrochenem Eimer hinab. Pfützen hatten sich gebildet. Brerandt war kurz vorher eingetroffen. Egal. Er strafte sich und marschierte los. Begleitet wurde er von zwei Bediensteten, die einen Regenschutz schleppten, so wie ein Magier, der am Boden das Wasser beiseite schob, damit Zanes Stiefel trocken blieben. Nicht ein Tropfen Wasser, nicht ein Tropfen Schlamm sollten sein Auftreten besudeln.
      Kurz darauf betrat der das Innere der Burg und begab sich erneut zu dem Saal, an dem er vor nicht all zu langer Zeit sein erstes Treffen mit den anderen Führern der Lande abgehalten hatte. Der Magier öffnete die Tür, blieb jedoch vor dem Raum und schloss die Tür wieder hinter dem Prinzen. Zane widerum sah sich nur kurz um, reagierte aber nicht auf leichtes Nicken oder Blicke zur Begrüßung, sagte selbst auch nichts, nahm auf einem der Stühle Platz und lehnte sich etwas zurück. Seine Haltung wirkte desinteressiert und gelangweilt. Er schien zwar zuzuhören, aber es wirkte so, als wäre er eher damit beschäftigt, die Nägel an seinen Händen zu begutachten. Vielleicht brauchten sie ja wieder mal Pflege. Auch betrachtete er die Innenhand, suchte nach möglichen Schwielen, die vom Training mit dem Schwert stammen könnten. Wurde er fündig? Vermutlich war ihm das auch egal.
      Er hörte zu, aber schien keine Anstalten zu machen, ein Wort dazu zu sagen. Selbst als der Anführer von Vultjag mit feindseeliger Aura aufzutreten schien, ignorierte er das gekonnt.


      Schlachtfürst Trakur

      Die Tür polterte auf, als der Hühne eintrat, und der Schwung der Tür reichte aus um selbst wieder zuzufallen. Die Reise hatte ihm nicht anhaben können. Er war alleine mit dem Pferd hergeritten, und ihm war es egal gewesen, ob es regenete oder nicht. Er hatte auf der anderen Seite gegenüber von Prinz Zane am Tisch platz genommen. Klitschnass vom Regen, ignorierte er die Feuchtigkeit, verschränkte die Arme vor der Brust, brummte zur Begrüßung und wartete ab. Brerandt übernahm als Erster das Wort. Die Frau aus Lyxaxu hatte ebenfalls einiges zu berichten. Zudem schien sie mit ihren Soldaten unzufrieden zu sein. Im gefiel nicht, das sie dabei in seine Richtung sah. Könnten es angeheuerte Krieger sein, denen man Versagen anheften wollte, um seine Soldaten hier schlecht zu reden?
      Er lachte trocken auf.
      " HAHAHA, Tain Lyxaxu, es ist mir mal wieder eine Ehre, mit euch hier an einem Tisch zu sitzen. Und ich bin mir ziemlich sicher, das eure Soldaten die geborenen Sucher sind. Meine hingegen sind geborene Krieger. Sie suchen nicht, sie kämpfen."
      Er lähnte sich vor, ein Arm am Tisch abgestützt. "Wollt ihr ein paar fähige Krieger erwerben? Schließlich müssen jene, die es zu finden gilt, auch wieder vertrieben werden." Er grinste, auch wenn man es nur anhand der kaum sichtbaren Gesichtsbereiche bemerken konnte.
      Sicher würde sie ihm jetzt sagen wollen, das sie an besagten Stellen bereits Soldaten aus Vultjag postiert hätte. Aber sicher würde sie nicht sagen, das sie es auch wären, die nach irgendwelchen Fremden Ausschau halten sollten, und dabei schändlich versagen.
    • Elfenkönigin Alannia Norodiir


      Es entsprach nicht der Norm, dass man sie zu solchen Treffen einlud. Schon gar nicht wenn es sich dabei um eine Versammlung taranokescher Mächte handelte zu denen die Elfen nun einmal nicht gehörten. Dennoch... Es hatte sie sogar ein Gesandter des Hauses Brerandt erreicht, was die Sache doch sehr eindeutig machte. Sie mochten die einstigen Herrscher dieser Insel sein, doch wurden sie schon vor langem von den Menschen abgelöst. Dass sie nun jedoch einer ihrer Sitzungen beiwohnen sollten, sprach ware Bände über den Ernst der Lage. Die Menschen ließen sich nur selten mit den Elfen ein und jetzt wirkte es fast schon so als würden sie ihre Hilfe ersuchen. Immerhin hatte sich seit Jahren kein Gesandter mehr in die Tiefen des Waldes bis zu ihrem Königssitz vorgewagt um ihr ein Anliegen vorzutragen. Um ehrlich zu sein kam es allgemein eher selten vor, dass sich ein Mensch dorthin verirrte. Noch eher öffneten sich die Elfen für die Außenwelt um Handel zu betreiben und alte Verbindungen zu pflegen. Doch jetzt war nicht der Zeitpunkt um misstrauisch zu sein. Es war keine Kriegskonferenz und auch wenn sie den wahren Grund ihres Zusammentreffens noch nicht kannte, wollte sie vorurteilslos bleiben. Alles andere würde lediglich ihre Wahrnehmung trüben und das wäre im Moment einfach nicht angebracht.
      Entgegen der Worte ihrer Berater und Untertanen war sie allein und unbewaffnet erschienen. Sie wollte kein böses Blut. Schon gar nicht als Gast der lediglich auf den Geheiß des Gastgebers geduldet wurde, denn sie ging nicht davon aus, dass die anderen Teilnehmer sonderlich erfreut über ihre Ankunft waren. Aber daraus würde sie sich nichts machen. Die Elfen waren ebenso ein Teil der Insel und hatten dadurch genauso ein Anrecht darauf hier vertreten zu sein, wie alle anderen, auch wenn sie noch keinem von ihnen wirklich begegnet war und selbst die Geschichten, die man im Wald hörte ihre Zeit brauchten bis sie sie erreichten. Sie hatten also nur ein recht grobes Bild der anderen Anwesenden das jedoch hoffentlich durch dieses Treffen ein wenig aufklaren würde.
      Sie stieg also schon fast stolz vom Rücken des majestätischen Hirsches herab, der sie auf dem Weg bis hierher getragen hatte und nun in einiger Entfernung zur eigentlichen Burg auf sie warten würde. Die letzten paar Schritte bis zum Tor schaffte sie auch gut allein und der Regen, der dabei auf sie nieder prasselte störte sie nun wirklich nicht. Es gab schlimmeres, doch sie hoffte wirklich, dass es kein schlechtes Omen war wenn der Himmel schon zu Beginn dieses Treffens weinte. Eigentlich verhieß Regen nur gutes, stärkte den Wald und auch die Magie, aber nun... Sie war sich unsicher, als sie erhobenen Hauptes das Tor passierte und nur wenig später ins Innere der Burg geleitet wurde. Ihre Ankunft war also wirklich erwartet wurden...
      All die Steine um sie herum wirkten beengend. Sie war an weite grüne Flächen und das Sternenzelt gewöhnt, nicht aber an kalte, graue Felsen, die nichts mehr von ihrem natürlichen Selbst besaßen. Während des Gehens rollten sich ihr deswegen fast die Fußnägel hoch und auch als sie die erleuchtete und bereits gut besetzte Versammlungshalle betrat, nahm dieses Gefühl nicht ab. Einzig und allein die Tatsache, dass hoffentlich alle anderen sich auch an die Vorgaben, unbewaffnet zu erscheinen, gehalten hatten. Denn allein waren einige von ihnen schon einmal nicht gewesen. Aus welchem Grund sonst sollten draußen vor den Toren bereits Männer in Rüstungen ihr Lager aufschlagen. Es war wirklich nicht so wie sie erhofft hatte, doch jetzt hieß es wohl Augen zu und durch.
      Seufzend ließ sie sich auf einem der letzten verbliebenen Plätze nieder und konnte den lauten Gesprächsfetzen nur spärlich folgen, die erst verstummten als Brerandt das Wort an sich nahm. Der Einzige den sie hier in dieser Runde kannte. Zwar nur von einem früheren Besuch gemeinsam mit ihrem Vater, doch sein Gesicht konnte sie zumindest einem Namen zu ordnen, während sie bei allen anderen wohl eher raten musste, durch die Gespräche aber schon ein paar Namen aufgeschnappt hatte. Wirklich vertrauenserweckend wirkten sie alle nicht, doch sie wollte eine friedliche Koexistenz mit den Menschen. Möglicherweise waren sie alle gar nicht so schlimm wie sie jetzt noch vermutete. Es kam immerhin auf die Inneren Werte an und von den könnten sie alle eine ganze Menge verbergen.


      Eisenfürst Gormur Melnud


      Die Verordnung sah es zwar eigentlich vor allein, ohne Gefolgschaft zu erscheinen, doch daran hielt sich sowieso nie irgendjemand. Außerdem war es lediglich eine Zweitversammlung und er nahm diesen langen Weg gewiss nicht ohne einen kleinen Eigennutzen auf sich. Er schadete schließlich niemandem damit und irgendwann musste man seinen Erben auch einarbeiten. Er wollte schließlich nicht, dass seine Tochter so endete wie der Spross aus dem Hause Mehyve. Sicherlich hatte der Junge seine Qualitäten, doch seit des letzten Treffens hatte er deswegen einfach ein ganz schlechtes Bauchgefühl. So sehr er sich auch bemühte, einen verwöhnten Bengel würde man immer und überall erkennen und er gab sich noch nicht einmal sonderlich viel Mühe dies überhaupt zu verstecken. Es wirkte fast schon als wäre er stolz darauf und das hatte ihn bereits beim letzten Mal dazu veranlasst nur noch mit dem Kopf zu schütteln. Hoffentlich würde es dieses Mal besser werden, sonst würde er sich sofort zur Ruhe setzen und seiner Tochter die Zügel in die Hand geben. Er war einfach schon zu alt für all das.
      Wie nicht anders zu erwarten ritten sie beide auf den Pferden, die den Stolz ihres Hauses darstellten ein und er war wirklich froh nirgendwo Trakur ausmachen zu können, der sonst sicher versucht hätte sie ihm unter dem Hintern wegzuzerren. Sein Auge für gute Pferde war vortrefflich, doch er sollte bereits gut genug wissen, dass manche von ihnen einfach unverkäuflich waren. Manchmal besaß er einfach keinen Anstand, doch jetzt wo er noch einmal genauer darüber nachdachte, traf das wohl auf so ziemlich jeden von ihnen zu. All diese Jungspunde ohne rechte Erziehung... Sie waren all die Aufregung wirklich nicht wert und er hoffte, dass dieses Treffen wirklich absolut notwendig war. Er hatte schließlich noch Gesteinslieferungen, die erfüllt werden wollten und so etwas organisierte sich nur selten von allein. Er hatte zu tun und nach ihrer alljährlichen Sitzung gewiss nicht damit gerechnet, dass so bald eine neue einberufen wurde.
      Der Regen machte ihm nichts aus, doch er trübte seine sowieso schon schlechte Laune. Die Reise war zu lang gewesen und er hatte sich zu sehr den Kopf über unwichtige Themen zerbrechen können... Da half auch die Gesellschaft seiner ältesten Tochter nichts, die zwar nicht auf den Kopf gefallen war und einen würdigen Nachfolger für ihn abgeben würde, wie er selbst aber eher mürrisch und schweigsam veranlagt war. Es war also wirklich nicht weiter verwunderlich, dass er den Saal bereits mit herabgezogenen Mundwinkeln betrat und dann auch noch die Tür lauter als unbedingt nötig hinter sich ins Schloss fallen ließ. Nicht nur hatte man ihm gerade eben erst offenbar, dass alle Begleiter vor der Tür warten mussten, nein, damit nicht genug, er war auch noch der Letzte von allen und musste zähneknirschend feststellen, dass Orin mittlerweile wohl verrückt geworden war. Selbst die Elfen hatte er eingeladen. Welche Apokalypse musste über sie hereinbrechen, damit er zu solchen Mitteln griff?
      Normalerweise mischte er gern diesen buten Haufen etwas auf, verwickelte sich gern in einen kleinen abwechslungsreichen Wortgefecht, zu dem man sonst nur selten die Gelegenheit bekam, och im Moment wünschte er sich nichts sehnlicher als einen wirklich großen Krug Met. Der würde seine Laune zumindest ein wenig aufbessern und dann könnte er gewiss auch besser mit all dem klarkommen, doch Alkohol wurde wenn überhaupt erst nach den Verhandlungen gereicht, schließlich wollte man keine volltrunkenen Hausführer, obwohl das gerade sein angestrebter Zustand war. Stattdessen gab er sich einfach mit dem zufrieden was Brerandt und das Fräulein aus dem Hause Lyxaxu zu sagen hatte, dem er nur brummend zustimmte. Er war eindeutig noch nicht wieder für diese Verhandlungen aufgelegt und die Tatsache, dass Trakur keine zwei Sekunden brauchte um etwas wirklich sinnloses dazwischen zu schreien, machte es nicht besser. Er hatte sich nicht aufregen wollen, doch gegen den Strich ging ihm das alles trotzdem, weshalb auch all das ruhig durchatmen nicht mehr wirklich half und er stattdessen, dass Wort an sich nahm. „Und wo wären deine Krieger heute, gäbe es keine camisseschen Pferde? Wenn ich recht gesehen habe, bist du doch auch auf einem von ihnen hier eingetroffen. Du solltest den Mund also wirklich nicht so voll nehmen. Es ist nicht nur dein Verdienst. Ohne Waffen und Pferde wären deine Männer genauso nutzlos wie ein paar Vogelscheuchen.”, stellte er mit fester Stimme klar und hatte sich dabei sogar etwas auf dem Tisch abgestützt. Genau aus diesem Grund liefen diese Treffen immer aus dem Ruder, doch einsehen wollte das irgendwie nie jemand.
      "Aurora, what is love known by?" - "When it hurts to say goodbye."

      Child of Light - Igniculus & Aurora
    • Es dauerte keine Sekunde, da hatte sich Lyxaxu schon auf Vultjag's Provokation eingelassen und schoss in ihrem Stuhl nach vorne, um ihn mit ihrem sengendem Blick zu verbrennen. Es war fast schon so, als würde sich die Versammlung vor nicht allzu langer Zeit ein zweites Mal abspielen.
      "Eure Krieger werben? Lieber würde ich Pferdedung fressen, als mir das noch einmal anzutun! Eure Krieger sind nichts weiter als ein paar hirnlose Hunde." Zu ihrer sichtbaren Freude, was sich durch ein schiefes Grinsen zeigte, war Camisse auf ihrer Seite.
      "Ohne seine Pferde seid Ihr nichts und ohne Eure Waffen könnt Ihr nicht einmal kämpfen. Ihr könnt Euch nur glücklich schätzen ihn hier als loyalen Nachbarn zu haben, sonst wären wir diejenigen mit den besten Kriegern!" Eine rasche Handbewegung zu dem stillen Zane machte deutlich, wen sie genau meinte. Dabei beachtete sie den jungen Herrscher nicht einmal. In ihren Augen war er ihre Aufmerksamkeit nicht würdig, solange er sich nicht als fähiges Oberhaupt bewiesen hatte. Leider gab es hier keine Abstimmung, mit dem sie jemanden rauswerfen konnten.
      "Meine Herren, ich bitte euch. Wenn wir dann jetzt wieder zum Thema zurückkommen könnten…", startete Orin einen Versuch, während er noch immer am Kopfende stand, die Handschuhe vor sich auf dem Tisch und die konzentrierte, steinerne Miene, die er in der Öffentlichkeit immer zur Schau stellte. Tain wusste genau, dass er das nur tat um als besser als die anderen dazustehen und gewährte ihm gerade deshalb nicht diese Unterbrechung.
      "Wie kommt es eigentlich, dass man ihn hierzu einlädt? Er ist gerade mal aus den Windeln geschlüpft und keine drei Tage auf dem Platz seines Vaters, da hat er hier auch noch Mitspracherecht! Der sollte erst lernen wie man den Mund aufmacht, bevor er Entscheidungen trifft." Es war unnötig klar zu machen, wen sie dabei meinte. Brerandts einzige Antwort dazu war:
      "Er ist ein Oberhaupt so wie alle von uns."
    • Trakur

      Er lachte kurz auf, begrüßte die kleine Flamme, die versuchte ein Großfeuer zu werden. "Mag sein, das wir Pferde aus Camisse brauchen, da sie die besten Tiere für lange Ritte und machtvolle Schlachten sind, aber wir brauchen auch Holz aus den Rabonewäldern, die über den Seeweg gelifert werden. Und in letzter Zeit sind verdächtig viele Piratenschiffe daran beteiligt, Handelsschiffe von Brerandt zu kapern und zu versenken. Auch jene aus euren Häfen sind dabei nicht untätig, verehrte Lady. Und ich ich frage mich, wofür brauchen die all das Holz? Bauen sie vielleicht insgeheim eine größere Flotte auf? Und auch von eurem Reich gibt es Berichte, das eure Schiffe ebenfalls gerne mal einen Holztransport kapern. Für eure Flotte? Außerdem scheint ihr eure Preise erhöht zu haben, was den Holzhandel über den Seeweg betrifft. Denn eure Schiffe werden seltsamerweise nicht von den Piraten angegriffen, und meine Leute haben kaum eine andere Wahl als vorerst mit eurem Volk zu handeln."
      Trakur brauchte nicht erwähnen, das die spärlichen Wälder seines Reiches kaum brauchbares Holz zum Bau liefert. Ausgedörrte dürre Bäume die sich eher als Feuerholz eigneten waren es kaum wert, diese zu fällen und weiter zu verarbeiten.

      Zane mischte sich plötzlich ein, ehe Tain etwas darauf erwiedern konnte.
      "Schon interessant, das ausgerechnet Vultjags Krieger maßgeblich daran beteiligt sind, in den Reihen der Söldner zu versuchen, dieses Treffen zu vereiteln. Woher wussten sie, welchen Weg ich nehmen würde? Wir wurden gestern Mittag angegriffen - gezielt. Fünf Mann habe ich verloren, ehe wir den Feind zurückschlagen konnten. Sie hatten es nur auf meine Kutsche abgesehen, und den Angriff sofort eingestellt, als sie die Verteidigung nicht durchbrechen konnten."
      Zane vermied es einen zu rauen Tonfall anzunehmen. Auch vermied er es, einen der Anwesenden mit Blickkontakt zu beehren.
      "Und wie die Dame es schon andeutete, ohne die Waffen aus Mehyve sind eure Soldaten auch nichts wert. Und dafür, das sie mich angegriffen habe, werde ich den Preis für drei Monate für Vultjag verdoppeln. Seht das als Strafmaßnahme."

      Trakur sprang auf. "WAS? Habt ihr den Verstand verloren? Söldner, ja, es waren vielleicht Söldner, aber ich habe sicher keinen Angriff befohlen. Wagt es ja nicht, mir zu unterstellen, euch nach dem Leben zu trachten. Es könnte sich womöglich bewahrheiten."

      Zane verzog nur minimal die Lippen. "Wie dem auch sei. Dennoch habt ihr in letzter Zeit erheblich mehr Waffen bestellt als üblich. Rüstet ihr zum Krieg?"
      "Soll das eine Drohung sein? Ihr selbst habt euer Militär doch verstärkt. ", erwiederte Trakur.
      "Nur um ein paar Aufstände niederzumetzeln.", entgegnete Zane trocken und gelangweilt.
      "Hehehe, seht ihr, und wir brauchen eben die Waffen, um mit den Piraten fertig zu werden.", meine Trakur schließlich und blickte dann zu Tain hinüber. Ganz so, als wollte er sagen, das ihre Bemühungen, den Holzhandel zu erschweren, nicht von Dauer sein werden. Sie wäre sicher mit den Piraten im Bunde.

      Zane begutachtete wieder seine Hände. "Und, was gedenkt Brerandt gegen die Piraten zu unternehmen? Mir kann es ja egal sein. Solange Vultjag genug Waffen kauft, können wir genug Erz aus Camisse bestellen. Wenn ihr Krieg gegen die Piraten führen wollt, nur zu."
      Zane würde es begrüßen. Er würde viel Geld über den Waffenhandel einnehmen. Also, warum nicht versuchen, hier eine kleine Saat keimen zu lassen?
      Und Camisse würde durch das Erz florieren.
    • Eigentlich hatte Gormur keine Hintergedanken gehabt, als er sich mit Trakur angelegt hatte, denn manchmal musste man ihn einfach ausbremsen und auf den Boden der Tatsachen zurückbefördern bevor er zu übermütig wurde. Es war also nur logisch gewesen sich auf die gegenüberliegende Seite zu stellen, doch dass er dadurch gleich so etwas großes Losgetreten hatte... Es war immer wieder erstaunlich wie leicht sie sich alle doch reizen ließen und manchmal fragte er sich eben genau aus diesem Grund wie diese Zusammenarbeit überhaupt funktionieren sollte, wenn sie sich bei diesen Umständen vermutlich am liebsten gegenseitig zerfleischt hätten. Zumindest bei Trakur und der Kleinen Lyxaxu konnte er sich das sehr gut vorstellen. Und eigentlich wäre es auch durchaus abwechlungsreich. Selbst Prügeleien waren bei dieser Art von Versammlungen eher rar, da sie sofort unterbunden wurden und auch Todesfälle hatte es nur wenige gegeben, so dass er sie problemlos an einer Hand abzählen konnte. Das Spektakel wäre es also wirklich wert und dann hätte er auch endlich einmal eine Geschichte bei der es sich wirklich lohnte sie zu Hause zu erzählen. Alles bisherigen waren mehr als nur langweilig gewesen. Vielleicht sollte er sie also nur noch mehr anstacheln. Es konnte sicher nur besser werden, immerhin waren sie bereits jetzt lauter als Brerandts Rufe und würden demnach nicht allzu bald aufhören.
      Er gestand es sich nicht gern ein, aber er musste dem Mehyve Jungspund wirklich recht geben. So sehr ihn seine hochnäsige Art auch würgen ließ, ein Krieg hatte sich seine Vorteile. Vor allem für ihre beiden Häuser, die daraus sicher einen enormen Profit schlagen konnten. Profit den er zwar nicht unbedingt benötigte, doch die Staatskasse beschwerte sich nie über ein paar klirrende Münzen zu viel. Es wäre also wirklich das Beste diesen Piraten den Gar aus zu machen. Jetzt mussten sie nur noch allen anderen diese Methode ein wenig näher bringen, aber das sollte sicher nicht allzu schwer sein und so ungern er es auch zugab, ein wenig gefiel ihm diese Art an dem Bengel schon. Er wusste was er wollte und das war anders als bei seinen Eltern. Vielleicht war er also doch gar nicht so schlecht mit ihm dran. Immerhin besaß er eine scharfe Zunge und einen klugen Verstand. Alles andere würde sich zu gegebener Zeit noch herausstellen.
      „Ich finde wir sollten wirklich darüber nachdenken. Piraten bedeuten ernsthafte Probleme für unsere Schiffe und wenn die Sicherheit auf See nicht mehr gewehrleistet ist sehe ich keinen Grund euch länger zu vertrauen. Oder sehe ich das falsch? Ihr seid keine Piratenbraut, sondern für den Schutz unserer Fracht verantwortlich, wenn ich mich recht erinnere.“, wandte er sich nun auch noch an Tain. In diesen Situationen musste man flexibel sein, denn es gab keine wirklichen Verbündeten. Sie alle waren eigenständige Häuser und das hätte man ganz eindeutig besser bedenken sollen, als man sich dise Treffen erdacht hatte.
      Sie würden gewiss nie so harmonieren wie man das gern hätte und allein diese Tatsache jagte der Elfenkönigin am anderen Ende der Streitigkeiten einen kalten Schauer nach dem anderen den Rücken hinab. Wo auch immer sie sich hier hineinmanövriert hatte, es war gewiss nicht gut und sie war wirklich froh, dass noch niemand das Wort an sie gewendet hatte, denn so langsam begann ihr grenzenloser Optimismus wirklich zu brökeln. Es schien keine gute Entscheidung gewesen zu sein diese Menschen mit der Insel zu betrauen, denn gerade verhielten sie sich nur wie Kinder. Große Kinder mit Waffen in der Hand, die einander mehr Schaden als Nutzen brachten. Warum musste sie sich das antun? Wollte man sie foltern? Das wäre eindeutig auch noch einfacher gegangen, doch hier musste sie eine Fassade wahren um des Friedens und ihres übergeordneten Zieles Willen. Sie konnten sich schließlich nicht nur so in der Wolle haben. Irgendwann musste doch auch mal Ruhe einkehren, oder? Das würde nicht ewig so weitergehen... oder? Fragend wandte sie ihre Blick an den andern vorbei in Richtung Brerandt der wirklich versuchte seine Fassung zu wahren, doch im war anzusehen wie sehr ihn das alles doch reizte. Einfach würde es gewiss nicht werden. Für keinen von ihnen.
      "Aurora, what is love known by?" - "When it hurts to say goodbye."

      Child of Light - Igniculus & Aurora
    • Kaum hatte Lyxaxu schon ihren Zorn gegenüber Mehyve's unverschämtes Verhalten ausgesprochen, machte er sie doch tatsächlich für einen Moment sprachlos, als er zu sprechen anfing. Allerdings waren seine nachfolgenden Worte sehr viel wichtiger, sodass Tain einen verräterisch langen Moment brauchte, um die Fassung zu bewahren.
      "Ich stehe mit dem Piratensyndikat in Kontakt, weil es auf unseren Gewässern fährt, die ich zu beschützen weiß. Bevor du mir unterstellst, dass ich illegale Geschäfte betreibe, solltest du dich lieber fragen, wer dir deinen Schutz gewährleistet." Sie spielte beleidigt, verschränkte die Arme und lehnte sich zurück, doch leider schwankte die Aufmerksamkeit sehr schnell wieder auf sie um und sie bedachte nun Camisse mit einem überaus giftigen Blick.
      "Solange Ihr Euer Bier und Euer Fleisch bekommt, sehe ich keinen Grund, dass Ihr Euch in meine Angelegenheiten mischen müsstet. Die Piraten können tun und lassen was sie wollen, solange sie uns in Frieden leben lassen. Solche Schäden kommen immer mal wieder vor." Tain war eine wahrlich schreckliche Lügnerin, aber sie wusste darum, und so sprach sie nicht weiter sondern verfiel in eine schmollende Stille. Brerandt ergriff die Gelegenheit sofort.
      "Der Seeweg ist einer unserer größten Schwachstellen, weshalb wir uns auch heute eingefunden haben. Es gibt vermehrte Angriffsstellen an den Küsten, die von Piraten und den Barbaren ausgenutzt werden. Wir müssen eine einheitliche Lösung finden dagegen vorzugehen, damit wir das Problem ein für alle Mal eindämmen können. Darf ich deshalb bitte vorstellen: Alannia Norodiir." Eine ausladende Handgeste deutete auf die Elfe, die nun von Lyxaxu zum ersten Mal richtig angesehen wurde. Während sich eine erwartungsvolle Stille ausbreitete, ruhten nun alle Augenpaare auf der dunklen Königin.
    • Zane unterbrach kurz darauf die Stille. "Die Waldelfen? Richtig. Die ursprünglichen Bewohner dieser Insel. Und dann kamen wir, die Menschen, und bauten überall unsere Reiche auf. Es wäre nicht verwunderlich, wenn ihr Waldelfen einen Plan ausgeheckt habt, um Unruhe unter unseren Völkern zu stiften. Vielleicht wollt ihr uns sogar gänzlich vertreiben."
      Er lehnte sich zurück und lächelte. "Ihr versteckt euch in den Wäldern und macht gemeinsame Sache mit Brerandt. Es wäre durchaus möglich, das auch Brerandt irgendwie davon profitieren könnte. Ganz Taranoke könnte unter eure Herrschaft fallen."
      Beim letzten Satz sah er zu Orin Brerandt. Wer würde schon auf die Idee kommen, dass das kleine Volk der Waldelfen gegen die fünf großen Häuser einen Aufstand proben würden? Und wenn, dann würde es sicher Brerandt sein, der im Hintergrund die Fäden spinnt.
      "Es wurde erwähnt, das Fremde die Insel betraten, und für Ärger sorgten. Und angeblich wären sie nicht zu finden. Ja, wo außer in den tiefen Wäldern wären sie wohl am besten versteckt? Vergesst die Zollstellen, wenn die Spione und Kundschafter sich geschützt durch die Elfenwälder oder dem Rabonewald bewegen. Und fragt euch, warum die Elfen oder Brerandt diesbezüglich noch keine guten Nachrichten erwähnt haben."
      Warum sollten sie es auch erwähnen. So tun als wüsste man von nichts wäre einfach die klügere Wahl. Zane aber lehnte sich zufrieden zurück. Damit hätte er wohl genug Misstrauen im Raum verteilt. Nahezu gegen jeden hier gab es Argumente, die für Spionage, Überfälle und den Aufständen durch Mangel am Handelsmarkt in Frage kämen.
      Und Zane selbst bekundet von Mehyve lediglich das Interesse, Waffen zu verkaufen. Und das ganz offen.
      Allerdings machte das Mehyve nicht weniger verdächtig. Würden sich alle bekriegen, so hätten Armeen mit stabileren Waffen sicherlich im Zweikampf Vorteile, selbst wenn die Soldaten weniger gut ausgebildet wären. Außerdem konnte Mehyve vermutlich schnell größere Mengen liefern - natürlich an den Höchstbietenden. Armeen könnten so recht schnell aufgestellt und ausgerüstet werden.
      Nur, wer würden den ersten Schritt wagen?
      Und gab es hier überhaupt jemanden, dem man ansatzweise vertrauen konnte? Trakur würde mit Freunden in die Schlacht ziehen, aber er führt ehrenvolle Kriege. Allerdings geht er mit den Barbaren auch nicht zimperlich um.
      Und bei Brerandt wusste man inzwischen auch, das sie immer irgendwo ihre Finger im Spiel hatten.


      Trakur rieb sich das Kinn und spähte zu Zane. "Interessant. Und dem möchte ich hinzufügen, das es die nördlichen Küsten bei Brerandt sind. Ein direkter Zugang zu den Wäldern. Dennoch, es bleibt wohl die Frage, ob sie wirklich von Brerandt, den Elfen, oder einem anderen von uns geschickt wurden. Vielleicht waren es auch die Barbaren."
      Sie hatten fern der Insel noch ein großes Reich. Und nie war es den Barbaren gelungen, ihre Eroberungen hier auf Taranoke auszuweiten. Könnte dies ein neuer Versuch sein? Nein, dazu wären sie viel zu wild und zu plump. Sie würden eher mit einer ganzen Armada an Schiffen auflaufen und das tun, was sie am besten konntern. Ohne Verstand wild drauf zuschlagen und möglichst viel dabei zu zerstören. Die primitive Vergangenheit Vultjags.
    • Sie würde sich nicht aufregen. Egal welche üblen Unterstellungen man ihr machte, denn sie wusste, dass keine von ihnen auf sie und die anderen Elfen zutraf. Stattdessen überging sie all die Missgunst, die man ihr entgegen brachte und erhob sich mit einer Grazie, die man sicher nur bei einer Elfe ihres Schlags finden konnte. Sie sah sich zwar nicht als den Menschen überlegen odr besser gestellt an, doch im Moment betrauerte sie wirklich ihre Beschränktheit. Es hätte alles ganz anders ablaufen können, doch anscheinend waren sie einfach noch nicht bereit für den Schritt in die richtige Richtung, den sie sich so sehr herbeisehnte und der jetzt in ungreifbare Ferne rückte. Mit ihnen konnte man einfach kein vernünftiges Wort wechseln, wenn sie weiter so egoistisch und verschlagen blieben. Sie verstanden sich immerhin noch nicht einmal untereinander. Wie sollten sie dann also eine Außenstehende wie sie in ihrer Mitte akzeptieren? Sie konnte es wirklich nicht fassen, rief sich aber zu innerer Ruhe auf. Sie war diesen weiten Weg nicht für nichts gekommen. Sie wollte ihr Volk vertreten und eine Allianz mit den Menschen aushandeln, also sollte sie sich nun auch dafür einsetzen.
      „Es freut mich alle Versammelten hier begrüßen zu dürfen. Bisher hatten wir noch nicht die Ehre einander kennenzulernen, doch ich bin mit friedlichen Absichten hier erschienen. Ich und mein Volk sind nicht gewillt Ihr Misstrauen zu erregen und ich versichere Ihnen, dass wir nichts mit den Piraten zu tun haben. Ebenso liegt es uns mehr als nur fern unser Land zurückzuerhalten. Wir haben gelernt mit den Menschen zu teilen und hegen keinen Gräul mehr gegen einen von Ihnen. Die Zeiten waren schwer und die letzten Schlachten zwischen Elfen und Menschen liegen Jahrzehnte zurück. Es liegt in meinem Interesse unsere Differenzen endlich zu vergessen und stattdessen an einer gemeinsamen Lösung zu arbeiten. Die Insel leidet und das liegt nicht an den Piraten.“, überging sie erhaben die restlichen Gespräche und kam einfach auf die kurze Vorstellung durch Brerandt zurück. Auch sie hatte ihre ganz eigenen Anliegen und diese hatten hauptsächlich mit der Ausbeutung zu tun, die die einzelnen Häuser betrieben und anscheinend auch noch stolz darauf waren. Sie konnte sich das wirklich nicht länger mit anhören und setzte sich erst einmal wieder. Mit so viel Ignoranz hatte sie wirklich nicht gerechnet, doch die Menschen schienen nicht einmal mehr ansatzweise so kompromissbereit zu sein wie es ihr von ihren Vorfahren übergeben worden war. Es hatte wirklich Zeiten gegeben als sie diesem Wunsch auf Zusammenhalt wesentlich näher gewesen waren, doch nun bereitete ihr das alles nur unnötige Schmerzen. Es war schrecklich mit anzusehen wie sie sich verhielten und um Dinge feilschten, die ihnen nicht gehörten.
      Dieses Verhalten ließ selbst den älteren Mann am Tisch nur verächtlich schnauben, obwohl es doch eher so wirkte als würde ihn das Verhalten der Jüngeren bloß amüsieren, die sich mit jedem Wort nur noch mehr in die Wolle zu kriegen schienen. Sollte das Schicksal ihrer Insel wirklich auf ihren Schultern liegen, dann würden ihnen gewiss schlechte Zeiten bevorstehen. Es würde bergab mit ihnen gehen und dann wären Piraten oder die Barbaren im Norden wirklich ihr geringstes Problem, aber warum sollte man auf sie hören? Sie vernahmen die Stimme der Natur schließlich nicht, dabei konnte man sie vor allem außerhalb des Waldes sehr klar und deutllich hören. Ihr Klagen und Flehen... Schrecklich, aber unbedeutend in ihren Augen. Seufzend schloss sie die Augen um sich zu sammeln, während es um sie herum einfach weiterging, als hätten ihre Worte gar keine Bedeutung für sie.
      „Auf dieses Gebrau aus dem Ausland und vom Rest der Insel kann ich gut und gern verzichten. Mir kommt nur gutes camissesches Bier auf den Tisch und nichts anderes. Tu nicht so als wüsstest du womit wir handeln, Kleines. Konzentrier dich lieber weiter auf deine kleinen Boote. Ich habe gehört es sollen bereits eine ganze Menge versenk worden sein. Dabei rühmst du dich doch immer mit deinem Titel als bester Kapitän deines Hauses. Daran ist wohl auch nichts mehr. Selbst ihren Stolz haben die Lyxaxus bereits verloren. Dein Vater hätte diese Piraten ohne mit der Wimper zu zucken bereits vor Wochen ausfindig gemacht und ausradiert.“, stachelte er weiter. Sie regte sich einfach viel zu leicht auf, doch das war nicht das Einzige das ihn störte. Brerandt war ihm viel zu still, also wandte er sich lieber noch einmal ihm dazu. „Du hast heute wirklich wenig zu sagen, mein Freund. Hat es dir die Sprache verschlagen oder hast du deine Zuge beim Lügen verschluckt. Es wäre wirklich schade, jetzt wo es so gut für euch läuft.“
      "Aurora, what is love known by?" - "When it hurts to say goodbye."

      Child of Light - Igniculus & Aurora
    • Wie eine aufmerksame Wildkatze schnellte Tain's Blick zwischen der Elfenkönigin und Brerandt hin und her, während sie sich ganz auf Zane's Sticheleien einließ.
      "Der Bengel hat recht!", ließ sie lauthals verkünden und schlug dabei zur Unterstützung ihrer Worte mit der flachen Hand auf den Tisch. "Wer sagt uns, dass euer kleines Bündnis nicht viel weiter geht als nur zum Handel? Woher sollen wir wissen, was ihr dort in euren riesigen Wäldern treibt, in dem sich die Elfen bestens auskennen?" Obwohl sie dabei beide Parteien meinte, funkelte sie Brerandt an und zeigte mit dem Finger auf ihn.
      "Vielleicht bist du dafür verantwortlich, dass sie überhaupt erst so schnell verschwinden konnten! Schließlich hast du deine Soldaten zu jeder Tageszeit an der Grenze im Wald postiert, damit niemand dein Gebiet betreten kann!" Sie redete sich geradezu in Rage, eine leidenschaftliche Zuneigung, der sie sich nur allzu gerne hingab.
      "Du hast immer schon darauf geachtet, dass meine Schiffe deinen Küsten nicht zu nahe kommen, jetzt hast du auch noch den Grund dazu!" Erst das Schaben des Stuhls als Alannia aufstand, ließ sie zögern und schließlich verstummen, während sie von dem faszinierenden Anblick der Elfe in den Bann gezogen wurde. Es wurde für einen Moment sehr still als die Königin zu sprechen anfing und nur Brerandt, der sich zu den Beschuldigungen noch gar nicht geäußert hatte, konnte seine Fassung bewahren und die eiserne Miene vorzeigen, die er trug. Sie alle lauschten der feengleichen Stimme der Königin ohne sie zu unterbrechen, bis Gormur's tiefes Brummen den schönen Klang augenblicklich zerstörte und sie allesamt wieder in die Realität zurück holte. Nur Lyxaxu, deren Kampfeslust noch nicht vergangen war, wandte sich gleich an ihren nächsten Feind: den Zwerg, der nicht nur sie, sondern auch ihre Vorfahren beschimpfte.
      "Was hast du gesagt?", zischte sie und beugte sich nach vorne, die Augen verengt. Bevor sie allerdings mit ihrer Schimpftirade weitermachen konnte, wandte er sich schon Brerandt zu, was sie sichtlich noch mehr erzürnte als seine anfängliche Aussage.
      "Ich habe nicht vor mich gegen unwirkliche Vorwürfe zu verteidigen", erwiderte Brerandt gefasst, aber Lyxaxu ließ ihn gar nicht mehr weitersprechen. Sie sprang auf.
      "Was hast du gesagt du bärtiger Wicht? Weißt du eigentlich, mit wem du hier redest?"
      "Das reicht, Tain." Sie ignorierte Orin's Schlichtversuch.
      "Ich lasse doch nicht meinen Namen von einem Volk beschmutzen, das nichts als Stein und Dreck kennt! Ihr seid nicht mehr als die Spitzhacken die ihr führt und wenn es eure Pferde nicht gäbe, hätte man euch niemals gestattet eine Siedlung in Taranoke zu errichten! Ich würde die Berge lieber nutzen um die Barbaren dort einzusperren, als eure Kinder dort herumtollen zu lassen!"
    • Brerandt wich ihm aus. Eigentlich wich er allen Worten und Fragen, die an ihn grichtet waren aus und das machte es gerade so verdächtig. Sollte er wirklich nichts zu verbergen haben, sollte es gerade dafür keinen Grund geben. Dann müsste er nicht immer nur solch kurze Antworten geben, die sich leicht im Mund verdrehen ließen. Warum gab er keine konkreten Erklärungen? Warum versuchte er alles zu Beschwichtigen und zu Beschönigen? Von den Elfen war er nichts anderes gewohnt. Sie lebten in einer völlig anderen Welt in der man wirklich noch an die Wunder der Magie glaubte, während sich sein Volk bereits vor langer Zeit von diesem Humbug abgewendet hatte. War Brerandt also über die Jahre weich geworden? Alt und träge um nun nicht einmal mehr seine eigenen Schlachten zu schlagen? Es war ein guter Zug, das musste man ihm lassen, doch so vorhersehbar und auch wenn sie bisher noch nichts unternehmen konnten wäre auch das nur noch eine Frage der Zeit. Sofern denn ihr selbsternannter Kapitän endlich einmal seiner Arbeit nachkommen würde. Bevor er sich jedoch ein weiteres mal diesbezüglich äußern konnte, riss sie auch schon wieder das Wort an sich.
      „Und wo wärst du ohne unser Gestein und unseren Dreck?“, warf er obligatorisch erst einmal eine Frage in die Runde, während der er sich erst einmal entspannt zurücklehnen konnte und schlussendlich sogar seine Füße auf dem Tisch ablegte als er mit seinem Stuhl weit genug nach hinten gefahren war. Kein wirklich höfliches verhalten, doch er war bereits zu alt um sich auf jede kleinere Streiterei einzulassen, also nahm er sie einfach mit List und Gelassenheit. Er würde so oder so zum Schluss als Sieger hervorgehen, da konnten sich die anderen wirklich sicher sein. Doch erst einmal wollte er noch etwas in dieser Wunde bohren. „Wenn ich recht sehe stammt dein Ohring aus unserer besten Goldschmiede und auch ansonsten wurden sicher sämtliche Waffen deiner Armee aus unserem Stahl angefertigt, Kleines. Du willst doch nicht anfangen mit kleinen Holzschwertern kämpfen zu müssen nur um jetzt deinen Willen zu bekommen. Davon fangen sich die Piraten auch nicht schneller.“, fuhr er süffisant grinsend fort und fuhr sich noch einmal durch den Bart. Egal wie alt er wurde, es machte immer noch mindestens genauso viel Spaß wie am ersten Tag einige Zweifel und Missgunst zwischen ihnen zu sähen. Die Reaktionen waren eben einfach nur vortrefflich.
      "Aurora, what is love known by?" - "When it hurts to say goodbye."

      Child of Light - Igniculus & Aurora
    • Trakur fuhr nun ebenfalls hoch und ließ die Faust auf den Tisch poltern. "Genug! Holz oder Steine, jeder weiß, das gerade in den Bergen verflucht viel Erz zu finden ist. Und ihr seid nicht der Einzige Lieferant von Erz, Camisser!"
      Tatsache war, das man sicher sagen konnte, das Vultjag mehr Berge hatte, um darin nach Gold und Erz zu schürfen. Allerdings gehörte ein Teil der Berge auch zu Mehyve, oder sie waren neutrales umkämpftes Gebiet, das bis heute noch keiner für sich festigen konnte. Nöedlich machten es jedoch die Barbaren nahezu unmöglich, Bergbau zu betreiben, weshalb die Berge dort auch nahezu unberührt waren. Mehyve hatte weniger Berge unter seiner Kontrolle, aber dafür auch einen Wald, der durchaus brauchbares Holz bot. Vultjag konnte das nicht behaupten. Wollte Zane den Holzhandel erschweren, bräuchte Vultjag womöglich einen Krieg, um an den Rohstoff zu kommen. Mehyve selbst würde sich in der Zeit selbst versorgen, und an Vultjag Waffen verkaufen - und an seine Gegner. Ein lohnendes Geschäft.
      Jeder hier schien auf unehrliche Weise irgendwie zu versuchen, die Machtposition weiter auszubauen. Deshalb zeigte er auch mit dem Finger auf die Runde.
      "Ihr alle werdet es noch bereuen, wenn ihr Vultjag herausfordert. Ich soll mehr für Waffen zahlen? Dann zahlt ihr mehr für die Söldner meines Volkes! Ich verdreifache den Preis, bis die Sache entglütig geklärt wurde! Wer es sich leisten kann, der wird sicherlich ein Vorteil davon haben! Und sollten unsere Häfen alsbald wieder regelmäßig mit Holz beliefert werden, könnte man gegebenfalls mit Preisnachlässen rechnen!" Er sah dabei zu Tain und Orin.

      Zane erhob sich und marschierte Richtung Tür, blieb aber noch mal kurz stehen, ehe er hinaustrat.
      "Für mich gibt es keinen Grund länger zu bleiben. Alles was gesagt werden musste, wurde gesagt. Der Rest interessiert mich nicht. Jedoch, was auch immer geschehen möge, Mehyve wird für Camisse kämpfen und das Reich verteidigen. Die Rohstoffe des Landes sind zu wichtig für uns, als das wir sie in andere Hände übergeben würden. Rechnet daher mit einigen Truppenverbänden als Vorsichtsmaßnahme, Eisenfürst. Spart euch das Geld für überteuerte Söldner. Wartet lieber darauf, das Vultjag überteuerte Waffen kauft, hehehe.", grinste Zane und trat dann hinaus. Er war nicht auf Truppen Vultjags angewiesen, und hatte einen Grund gesucht und gefunden, um die Preise für Waffen für Vultjag zu erhöhen. Und as für einen kurzen Zeitraum. Das würde bedeuten, wenn es Krieg gäbe, dann sollte er schnell entschieden werden. Wer zuerst käme, hätte finanzielle und materielle Vorteile. Vultjag müsste tief in seine Goldkiste greifen, um den materiellen Nachteil auszugleichen.
      Und Camisse bräuchte keine Söldner, da Zane bereits militärischen Beistand angepriesen hatte, und auch Truppen entschenden würde.

      "Ihr alle seid ehrlose Hunde. Und mancheiner hier gar nutzlos. Wir klären das am besten auf dem Schlachtfeld. Meine Männer werden nicht ewig warten. Einen Monat vielleicht, dann werden wir selbst mit einer zufälligen Auswahl eines Gegners in die Schlacht ziehen. Bedenkt möglichen Handelsspielraum."
      Er verneigte sich knapp, machte kehrt und folgte Zane aus der Tür. Auch für ihn war das Treffen hier beendet.
      Waren die Regenwolken auch noch so dunkel und ergossen sich unerbittlich über das Land, so schienen am Horizont noch dunklere Wolken aufzuziehen. Vom Geruch her wie schwarze verbrannte Asche eines Feuersturms, würden sie ganz sicher Blut regnen lassen. Gewisse gewiss ....
    • Der Schlag der Tür war vorerst das letzte Geräusch im Raum. Eine kühle Stille legte sich um die noch anwesenden Mitglieder, begleitet von dem fernen Prasseln des Regens. Selbst Lyxaxu war verstummt. Sie ließ sich auf ihren Stuhl fallen und starrte dann ins Leere, in ihren Gedanken bereits bei ihren Büchern, bei all den Zahlen ihrer Geschäfte, beim Preise feilschen und Gold zählen. Sie war schon gar nicht mehr wirklich anwesend. Brerandt räusperte sich verhalten.
      "Da es nun ruhiger ist, werde ich meine anfänglichen Ausführungen zuende bringen. Ich mache es kurz. Im ganzen Land werden Bürger zu Aufständen angezettelt von Leuten, die - so wie wir glauben - von außerhalb stammen. Die großen Nationen würden erst wagen uns anzugreifen, wenn wir geschwächt sind. Deshalb werde ich meine Grenzen verschließen, niemand wird mehr die Rabone-Wälder betreten oder verlassen ohne meine Kenntnis." Er gab den anderen einen Moment, um den Worten bewusst zu werden. Nach einer Pause sprach er weiter. "Und wir werden unseren Anspruch auf den Gebirgspass durchsetzen." Lyxaxu blickte auf, sie hatte wohl doch zugehört. In dem kurzen Moment der Stille sah sie von Brerandt zu der Elfe, zu Camisse und wieder zurück.
      "Ihr wollt Krieg?", flüsterte sie schließlich. Der Ton in ihrer Stimme ließ darauf schließen, dass sie sich sehr viel Mühe dabei gab nicht wieder aufzuspringen.
      "Er wird euch allesamt arm machen." Damit sprang sie dann doch auf, viel zu grob, um es lässig aussehen zu lassen. Als sie nach draußen gestapft war, schlug die Tür ein weiteres Mal zu. Brerandt's Blick traf den der Elfenkönigin. Auch wenn es vielleicht nicht jedem bewusst war, so hatten sie alle gerade eine Kriegserklärung abgegeben. Taranoke würde seinen ersten Krieg führen - und die Elfen würden nicht unbeteiligt sein.
    • Garlingen - Blütenfeld
      Flora Goldfield
      Blütenfeld.jpg

      Ein herrlicher Tag, wie Flora es in ihren Gedanken mehrmals wiederholt hatte. Es war bereits gegen Mittag, und die Sonne stand schon hoch am Himmel, hatte mit ihren Strahlen bereits für äußerst angenehme Temperaturen gesorgt. Zu dem wehte kaum Wind, da er aus östlicher Richtung kam, und größtenteils durch die Berge abgehalten, oder um sie herum geleitet wurde. Allgemein aber war es relativ ruhig im Himmel, was man an den geringen kleinen Wolkenfetzen sehen konnte, die sacht am Himmel schwebten und gemächlich in westliche Richtung zogen. Und wenn doch mal eine Böhe durch dieses Meer an Blüten zog, so war es eine willkommene warme und milde Umarmung, die reichlich Duftstoffe der unterschiedlichten Blüten mit sich führte. Der Frühsommer hatte begonnen, alles stand in voller Blüte, und sogar die Felder glänzten inzwischen wieder voller Gold im Licht der Sonne. In wenigen Wochen war die erste Ernte fällig, und hunderte Bauern aus den Dörfern wären dann den ganzen Tag damit beschäftigt, mit Sensen dieses Gold zu ernten. Ein Moment, der Flora immer nachdenklich machte. Sie möchte den Glanz der Weizenfelder. Sie ging gerne auf den Wegen dazwischen spazieren. Oder sie marschierte quer durch die Felder. Manchmal ritt sie auch auf einem Pferd geschwind hindurch. Tatsächlich konnte man hier in Garlingen zweimal im Jahr die Felder bestellen und abernten. Zum Frühlingsanfang im März säte man, denn dann waren hier schon angenehme Temperaturen, und der Boden weich genug um ihn zu bearbeiten. Im Sommer dann folgte die Ernte, und sogleich danach säte man für die Herbsternte. So gab es den Frühlings und den Sommerweizen für den Markt, auch wenn sie im Sommer und Herbst geerntet wurden, bekamen sie den Namen nach der Saatzeit. Jeder hatte seine Qualitäten und beide Sorten waren heiß begehrt. Während der Sommerweizen wuchs, wurde der Frühlingsweizen bereits zum größten Teil in den Mühlen verarbeitet und zu Mehl gemahlen, um ihn dann über die Handelsnation in ganz Taranoke zu verkaufen. Die Goldfields und die Bauern benötigten nur wenig für sich selbst, dem Nutzvieh und für die Soldaten, die das Land beschützten. So konnten sie rund 80 Prozent auf dem Markt anbieten.
      Nach der letzten Ernte verteilten die Bauern noch ein Erz, das in Camisse aus den Bergen gegraben wird, und zum Großteil für guten Weizen eingetauscht wird, welchen die Camisser wiederum für ihre Biersorte Goldglück verwenden.
      Ein jeder Bergmann trinkt sozusagen morgens einen Humpen Glück, damit der Ertrag aus ihrer Arbeit höchst ergibig sein möge. Und den Bauern in Garlingen ermöglicht es, das der Boden der Felder immer gut mineralisiert war und Jahr für Jahr die besten Ernteergebnisse und Qualitäten erzielte.
      Das Blütenfeld lag nordwestlich, nahe der Gebirgsausläufer, wo es nur noch kleinere Hügel gab, hinter denen dann auch irgendwo schon der Elfenwald begann. Wenn sie ihr Pferd gut antrieb, brauchte sie eine knappe halbe Stunde bis zu diesem Ort. Der Reitwind in ihren Haare hatte ihr gut getan.
      Jetzt graste ihr Pferd etwas weiter abseits und erholte sich. So ein Dauergalopp war Kräftezehrend, und normalerweise war man in gemächlicher Geschwindigkeit gute zwei Stunden vom Anwesen bis hierhin unterwegs.
      Flora selbst lag auf dem Rücken zwischen den Blumen, hatte den linken Unterarm auf ihrer Stirn liegen und beobachtete die Wolken am Himmel, zwischen denen hier und da mal ein Blütenblatt zu sehen war, wenn es über Flora hinweg wehte, oder manchmal auch ein Insekt oder ein Vogel.
      Das Gras war weich und warm. Sie genoss die Ruhe, die nur gelegentlich durch das Rauschen des Windes zwischen den Blüten durchbrochen wurde. Ab und zu schnaubte das Pferd.
      Hier war es angenehmer als daheim. Ihr Vater war bis heute absolut unzufrieden damit, das sie sich der Kampfkunst widmete, und ihre eigentlichen Aufgaben dabei vernachlässigte. Sie war immerhin die Erbin, die all das hier einestages weiterführen sollte. Wie oft hatte es schon Streit gegeben, der schon mal in tagelangem Schweigen endete, und dann tat man so, als sei nichts geschehen.
      Flora aber hatte wenig Lust, in irgendwelchen Büchern Zahlen und Unterschriften einzutragen, mit Händlern in Kontakt zu treten und Zahlungen an die Bewohner des Landes zu leisten, die hart für das Geld arbeiteten. Sie war kein Geschäftsmann, oder eher eine Geschäftsfrau. Nicht mehr seit jenem Tage ..., und als Codren zu ihr kam, und zu ihrer Leibwache ausgebildet wurde. Von ihr hatte Flora einiges abgeschaut, konnte sie selbst nicht am Training in der Burg teil nehmen, so zigte Codren ihr dies und das, und Flora selbst entwickelte es weiter, nahm zudem noch ein Studium für kampfunterstützende Stellarmagie an. Dieses war der schwerste Teil gewesen, denn sie konnte nur aus Büchern lernen, nicht von einem Magiebegabten Magier selbst. Aber sie hatte einige Fortschritte gemacht.
      Und heute war sie eine sicherlich gute Kämpferin geworden. Und sie wäre in der Lage sich und das Land zu verteidigen, auch wenn Goldfield vermutlich nur Barbaren, Banditen oder Söldner fürchten müsste.
      Aber immerhin waren sie es, die einst hier wüteten, und das Leben ihrer Mutter nahmen, die sich brav an die Vorgaben des Vaters gehalten hatte. Flora würde diesen Fehler, diese Schwäche nicht begehen.
      Es gab keinen männlichen Erben, und Erben konnte nur ein Blutsverwander. Einen männlichen Nachfolger bekäme dieses Land daher nur über eine Heirat.
      Flora musste häufig grinsen, da sie selbst bereirs mit ihren Outfit einer Braut ähnelte - auch wenn sie vorn etwas zu viel Haut zeigte, und so häufig die Blicke der Männer auf jene Stellen lockte. Im Kampf sicher von Vorteil, und ein wenig war es wohl auch so gedacht. Auch das war natürlich ein Streitpunkt mit ihrem Vater.
      Ebenfalls suchte er bereits nach einem möglichen Gatten für eine Ehe. Darauf konnte sie getrost verzichten. Zum Glück gab es momentan nicht viele Bewerber die in Frage kämen, denn sie mussten vom Adel sein.
      Sie atmete tief ein und verdrängte die Gedanken. Jetzt genoss sie erstmal den Tag, bevor sie zum Mittagessen wieder zum Haus zurück reiten würde.
      Neben ihr lag ein Beutel im Gras, in dem sich etwas Brot befand. Es wurde heute morgen erst frisch gebacken. Den Laib hatte sie sich gemopst ehe sie her kam. Sie griff zum Beutel und nahm eine der Scheiben, die sie abgeschnitten hatte, roch an dieser und biss herzhaft hinein. Es schmeckte herrlich, saftig und aromatisch. Man schmeckte den Sommer, denn es wurde aus Mehl gebacken, welches aus den Kornspeichern der letzten Jahresernte kam. Bald gäbe es wieder das süßliche Frühlingsbrot. Sie fluchte. Hätte sie bloß noch etwas Aufstrich mitgenommen. Etwas Honig, oder Marmelade. Vielleicht auch Käse oder ein Stück Wurst aus dem Kellerlager.
      Naja, es schmeckte auch so vorzüglich.
      Etwas zu Trinken wäre auch nicht verkehrt. Auch das hatte sie vergessen. Sie seufzte.
    • Der schöne Frühlingsmorgen hatte bereits gut begonnen. Codren war früh aufgestanden, hatte im Stall mitgearbeitet, um sich dann zu ihrer morgendlichen Trainingseinheit aufzumachen. Sie bestand aus einer kleinen Gruppe von Bauern und Knappen, die sich selbst verteidigen wollten, falls es wieder zu einem solchen Massaker wie vor einigen Jahren kommen sollte. Codren hatte alle Geschichten und Variationen schon gehört, schließlich war es das Lieblingsthema der Goldfields. Aber immerhin schienen sie aus diesem Ereignis gelernt zu haben.
      Das Training selbst war niemals wirklich aufschlussreich und diente eher dem Zweck, Bewegungen zu automatisieren - Codren's Meinung nach völlig unnütz, da sie intensive Trainingsjahre im Faust und Messerkampf hinter sich hatte und somit schon weitaus professioneller kämpfen konnte als mit dem Holzschwert, das sie in diesen Stunden vor sich hin und her schwang. Aber Goldfield bestand darauf und sie hatte vor wenigen Jahren das Streiten aufgegeben.
      Er war schon immer freundlich zu ihr gewesen. Seit dem Tag, an dem er sie am Hafen gesehen hatte, an dem sie seit ihrer Ankunft gearbeitet hatte, hatte er große Geduld mit ihr - viel zu große, wenn man bedachte, was sie damals für einen Nutzen für ihn hatte. Sie verstand kein Wort seiner Sprache, hatte noch niemals eine Pfeilspitze geschnitzt oder einen Hammer gehalten und konnte nur sehr amateurhaft reiten. Ihr fehlten jegliche Fähigkeiten um eine einfache Bedienstete darzubieten, aber trotzdem hatte er sie gekauft. Für gutes Geld, denn Lyxaxu verkaufte ihre Sklaven niemals zu günstigen Preisen. Mittlerweile hatte sich dieses Geld für ihn gelohnt.
      Nach dieser Trainingsstunde war sie wieder an den Hof geritten und kaum eine halbe Stunde später stand sie auch schon vor dem tobenden Goldfield, dessen Kopf schon vor Zorn glühte.
      "Finde sie, auf der Stelle!"
      "Ja, mein Herr." Sie neigte den Kopf und trabte nach draußen, ihrer nächsten Aufgabe entgegen.
      Sie war von Anfang an niemals als Familienteil angesehen worden, aber mittlerweile war sie genauso wenig Familie, wie sie eine Bedienstete war. Der einzige Vergleich, der ihr dabei einfiel war ein Pferd, besser gepflegt als Schafe und Schweine, aber nicht mit den selben Vorzügen, die ein Hund genoss. Sie wurde vielleicht als Bekannte des Hofes angesehen, nur ohne eigenen Namen. Ihre Herkunft hatte hier keine Bedeutung, genauso wenig wie ihre eigentliche Ausbildung.
      Eine Stunde dauerte es, bis sie auf die Idee kam und eine weitere halbe, bis sie endlich dort war. Vom Weiten konnte sie bereits den Fleck im Gras sehen.
      "Flora!", zischte sie und brachte ihre Stute mit einer ungelenken Bewegung zum stehen, bevor sie absprang. Der Hintern tat ihr von dem ungewohnt langen Ritt weh und sie würde morgen einen Muskelkater in den Schenkeln haben. Aber diese Sorgen konnten warten.
      "Du kannst dich nicht ständig aus dem Staub machen, wenn es dir passt!" Mit den Händen in den Hüften fixierte sie Flora mit einem ernsten Blick, was für diese nur eins bedeuten konnte: Ihr Vater suchte nach ihr. Würde er nämlich nichts davon wissen, hätte sich Codren in diesem Moment eher noch zu ihr gesetzt. So aber blieb ihre Miene unerschütterlich.
      "Du verpasst deinen Unterricht, Frau Carley ist bestimmt schon da." Zu Flora's eigenem Albtraum hörte sich Codren manchmal haargenau wie ihr Vater an, denn von ihm hatte sie schließlich auch die Sprache gelernt. Nun sprach sie beinahe akzentfrei, aber der Preis dafür war der oftmals sehr ähnliche Tonfall, mit dem sie die Erbin Goldfields nun schimpfte.
    • So schön friedlich, wie es eben noch war, so schnell konnte Codren diesen auch zunichte machen, als sie angeritten kam, und nahe bei Flora ins Blumenmeer sprang. Zudem schien sie nicht freiwillig hier zu sein, was sie an ihrem Tonfall heraus hören konnte. Hatte ihr werter Vater mal wieder nach ihr suchen lassen? Der Unterricht mit Frau Carley? Dieser Unsinn mit Handelspreisen, Buchführungen und Preisberechnungen. Davon bekam sie immer nur Kopfschmerzen, und ihre Finger pochten immer nach dem Unterricht, wenn Fräulein Carley bei einem Fehler gern ihren Zeigestock zum Tadel nutze. Flora betrachtete es eher als Schmerztraining für den Kampf.
      Flora säufste. "Haaaach, die ist mir total egal. Ich werde nicht zum Unterricht gehen. Ich habe besseres vor." Sie hielt eine weitere Scheibe Brot hoch. "Und mein Mittagessen genieße ich heute in der freien Natur. Vater kann seine Suppe alleine auslöffeln. Frau Carley kann ihm ja Gesellschaft leisten, hihi."
      Herzhaft biss sie ab. Mit kauenden Bewegungen quetschte sie die nächsten Worte hervor. "Und würdest du bitte aufhören, dich wie mein Vater anzuhören? Du verscheuchst die Bienen."
      Zudem hielt sie ihr noch ein Stück von dem Brot hin. Mit Codren teilte Flora gern. Sie war ja auch schon gut ein halbes Leben bei den Goldfields, und seit dem Tage an dem sie hier wohnte, an Floras Seite. Zuerst als Freundin, wobei sie Sprache und Umgang zu lernen pflegte, später dann auch in der Waffenkunst, um dann als Leibwächterin auf Flora aufzupassen.
      Und das war dann auch der Punkt, an dem Flora anfing auf sich selbst aufzupassen. Eine feine Dame, die sich in einen Dreschflegel verwandelte. Ein äußerst unangenehmer Gedanke in den Augen ihres Vaters. Er machte sich große Sorgen um das Ansehen der Goldfields, und um die Zukunft des Hauses. Und dann besorgte er die strenge Lehrerin Mr. Carley, die selbst gern ihr Zeigeschwert schwang, wenn Flora sich verrechnet hatte.
      "Setz dich, und iss. Dein Pferd braucht eh mal ne Pause."
    • Codren unterdrückte ein verhaltenes Seufzen, mit dem sie ihre Misgunst ausdrückte und spähte weiterhin für einen Moment auf Flora hinab. Sie war schon wieder an dem einen Punkt der Zwiespalt angekommen, der ihren Alltag bestimmte. Von den Befehlen Goldfields konnte sie sich nicht abwenden, aber Flora wollte sie nicht enttäuschen. Es war genauso wie beim Abendessen: Am Tisch der Familie konnte sie nicht sitzen, aber in der Küche wollte sie nicht essen. Ein ewiges hin und her.
      "Du hast dich heute besonders gut versteckt. Ich habe zwei Stunden nach dir gesucht und dich dann in einem Waldstück gefunden, okay?" Sie lächelte gutmütig, sah dann aber gleich wieder ernst drein. "Das heißt wir gehen in einer halben Stunde." Das war wohl das einzig vernünftige, was sie in diesem Moment vorschlagen konnte. Flora würde das hoffentlich einsehen.
      Sie nahm sich das Stück Brot und setzte sich dann selber inmitten die Blumen, mitsamt ihrer Uniform, die sie überall hin anhatte. Nach einem herzhaften Bissen, der ihr Frühstück darstellte, wandte sie sich zu Flora.
      "Warum machst du es deinem alten Herrn so schwierig? Gibt es denn keine Lösung, mit der ihr beide einverstanden seid?" Dieses Gespräch führten sie oft, denn Codren erlebte fast nichts anderes als den unendlichen Streit zwischen den beiden. Sie verstand beide Seiten, konnte Flora die Ansichten ihres Vaters darstellen und ihrem Vater die Ansichten Floras, aber beide wollten sich unter keinen Umständen völlig auf den anderen einlassen. Wenn in Regierungen so etwas geschah, war die naheliegendste Lösung, dem anderen den Kopf abzutrennen, damit schnell jemand passenderes angeschafft werden konnte. Das ging unter Familien natürlich nicht, aber Codren hatte es noch immer nicht aufgegeben. Sie hackte ständig wieder nach und brütete sogar abends darüber, wenn sie ins Bett ging. Es war das einzige, womit sie ihren Kopf derzeit beschäftigen konnte, und wenn das Ziel dabei nur darin bestand Flora und ihren Vater glücklich zu machen, war ihr das nur recht.
    • Er war schon eine ganze Weile unterwegs, denn auch wenn er den Weg kannte, lag eben doch eine ganz schön große Sreche zwischen ihrem Wald und den Anwesen zu denen er sich in folge der gescheitrten Verhandlungen aufmachen sollte. Seine Königin hatte mit einem eindeutig besseren Ergebnis gerechnet, doch schlussendlich hatten sich alle Anwesenden nur noch mehr zerstritten und waren dann nach und nach ohne eine Lösung zu finden abgereits. Alle hatten sich dadurch eine Verbesserung der BEziehungen mit den Menchen erhofft, doch ganz augenscheinlich hatten sie alle damit falsch gelegen. Sie waren nicht mehr so unkompliziert wie man einst gedacht hatte, aber Maßnahmen mussten trotzdem getroffen werden. Seine Ausbildung hatte schon vor etlichen Monden begonnen. Nicht etwa weil man mit diesem Ergebnis grechnet hatte, sondern weil von Anfang an klar gewesen war, dass sich ihre Wünsche nicht nur mit einem Aufeinandertreffen verwirklichen konnten. Also sollte er jetzt das Bindeglied darstellen. Mit dem einzigen Unterchied, dass er sich erst einmal vermutlich nur bei den Brerandts und den Goldfields blicken lassen konnte, die nicht all zu schlecht auf ihre Königin zu sprechen waren. Bei allen anderen Häusern vermutete man, dass man einen Gesandten der Königin sofort einsperren, wenn nicht sogar noch etwas viel schlimmeres mit ihm tun würde und da er doch irgendwie an seinem Leben hing und gewiss nichts noch schlimmer machen wollte, musste das eben einfach erst einmal ausreichen. Sie würden sich langsam vortasten und hoffentlich so auf Gehör stoßen.
      Seine erste Wahl war auf die Goldfields gefallen, da ihr Anwesen nicht allzu weit entfernt vom Wald lag. Es war zwar noch immer ein zweitägiger Fußmarsch, doch ein Hirsch oder Wolf als Reittier und Begleiter wären viel zu auffällig gewesen und hätten sicher nur für unnötigen Aufruhr gesorgt. Die Menschen mochten ihre wilden Tiere schließlich am allerliebsten tot und als Stück Fleisch auf dem Teller. Etwas das für Elfen gewiss niemals in Frage kam, doch er hatte sich bereits mehr als nur an die Essgewohnheiten der Menschen gewöhnt. Sie mochten unterschiedlich sein doch sie kannten es eben nicht anders. Auch wenn er es sich schrecklich vorstellte nicht die Stimme der Natur vernehmen zu können. Sie gab ihm ein wenig Sicherheit, auch wenn sie außerhalb des Waldes um einiges leiser und zaghafter war. Das hatte er bereits bei seinem ersten Schritt zwischen den Bäumen hervor bemerkt und villeicht lag gerade dort das Problem. Oder aber die Menschen nahmen sich einfach nicht die Zeit. So hektisch und chaotisch wie es hier zuging, wäre auch dies eine mögliche Erklärung weswegen die Natur immer wieder auf taube Ohren schieß, denn in den zwei Dörfern, die er bis jetzt bereits durchquert hatte, war bereits alles in heller Aufregung. Vermutlich lag es an der bevorstehenden Ernte oder aber Menschen in einer Gemeinschaft verhielten sich immer wie Ameisen in einem Ameisen haufen. Das war eine der wenigen Sachen, die er noch nicht genau sagen konte, schließlich war es sein allererstes Aufeinandertreffen mit Menschen, doch er war bereit zu lernen und wissbegierig genug neue Dinge in Erfahrung zu bringen. Es würde ihm später nur weiterhelfen, wenn er sich mit ihnen vertraut gemacht hatte, weshalb er auch jede Gelegenheit dazu nutze sich ihnen anzunähern, sie zu beobachten oder in ein Gespräch zu verwickeln. Zum Glück waren sie hier am Rand der Wälder einigermaßen an den Anblick eines Elfs gewöhnt, sonst hätte seine Ankunft jedes Mal sicher für eine ganze Menge Aufmerksamkeit gesorgt.
      Den halben Tag war er schon ohne eine weitere Begegnung unterwegs gewesen und so langsam machte sich die Mittagszeit bemerkbar. Nicht nur die Sonne stand nun am höchsten, auch sein Magen machte sich so langsam bemerkbar, doch rasten wollte er auch noch nicht. Der Weg war fast geschafft auch wenn es sicher trotzdem noch drei, vier Stunden waren bis er weit genug in das Landesinnere vorgedrungen war um das Anwesen überhaupt zu erblicken. Er sollte also wohl wirklich erst einmal zu Mittagessen, schließlich wollte er weder die Beeren, noch das Stück Brot, das ihm eine der Frauen aus dem letzten Dorf überreicht hatte, verkommen lassen, also sah er sich nach einem guten Platz zum Sitzen um, den er schließlich auf einer kleinen Blumewiese ausfindig machte. Dort standen in einiger Entfernung zwei grasende Pferde, die sich sicher genauso wie er über ein wenig Gesellschaft freuten. Er schlug diesen neuen Weg ein und bemerkte dabei die zwei Menschen im Gras erst gar nicht. Er war viel zu fixiert auf die beiden Tiere vor ihm, denen er begrüßend seine Hand entgegen streckte nur um sie dann zu streicheln. Es legte sich ein zufriedener Ausdruck auf sein Gesicht, denn auch wenn Menschen interessant waren, waren ihre Tiere ihm noch immer ein wenig lieber. Auch wenn er von denen meisten von ihnen ebenso nur gehört hatte. Das Prinzip war das selbe wie mit allen Waldtieren. Er wollte ihnen nichts böses und das merkten sie. Sie waren schließlich auch mit der Natur im Einklang so schwach ihre Stimme hier auch war und schon allein diese Begegnung machte sen heutigen Tag zum schönsten bisher. Pferde waren noch einmal etwas ganzs anderes als die wenigen Hofhunde, die er in den Dörfern gesehen hatte. So kraftvoll und elegant. Er konnte einfach nur staunen und sich über diese Begegnung freuen.
      "Aurora, what is love known by?" - "When it hurts to say goodbye."

      Child of Light - Igniculus & Aurora
    • Codren hatte sich gerade noch Flora's Leiden angehört, da sah sie aus dem Augenwinkeln eine Bewegung - und war mit einem Mal auf höchster Alarmbereitschaft.
      "Wer bist du", forderte sie zu wissen, noch bevor sie aufsprang und ihr Schwert in einer kunstvoll eleganten Bewegung hervorzog. Nun zahlten sich die vielen morgendlichen Trainingsstunden aus, denn mit dieser ersten Bewegung sah sie mehr wie vollwertige Soldatin vor dem Elfen aus, als auszubildende Leibwächterin. So konnte sie selbst die Tatsache kaschieren, dass sie sich mit dem Parieren noch immer schwer tat. Bei Gelegenheit sollte sie ihrem Lehrer vielleicht doch noch dafür danken.
      "Wo kommst du her?", fragte sie gleich weiter, kaum hatte der Elf ihr eine Antwort gegeben. Ihr Blick huschte derweil in höchster Aufmerksamkeit über die Wälder hinter ihm hinweg, als rechnete sie gleich mit einer ganzen Armada an Elfen. Bisher war sie mit Elfen wenig in Kontakt gekommen. Sie wusste, dass sie die Händlerwege überwachten und in den Wäldern lebten, aber bis auf den Anblick von weiter Ferne, war ihr weiterer Umgang mit ihnen erspart geblieben. Nun da aber einer vor ihr stand und sie ihn nicht einschätzen konnte, gepaart mit ihrer Unfähigkeit zu parieren, war ihr doch etwas unwohl zumute.
    • Flora richtete sich langsam auf, saß für einen Moment, und blickte zu der Person hinüber, die von Codren entdeckt und bedroht wurde. Ganz die Leibwächterin, sah sie wohl immer einen Bösewicht in anderen, die sich Flora näherten. Sie seufzte. "Codren, das Schwert kannst du wegstecken. Das ist nur ein Elf aus den Elfenwäldern. Und mit denen haben wir einen Pakt. Sie schützen uns sogar."
      Sie richtete sich auf und klopfte ein paar Grashalme und Blütenblätter von ihrer Kleidung.
      Natürlich hatte Codren schon korrekt gehandelt. Flora selbst blickte zu den Pferden, die beim Elfen standen. Ihr Schwert hing seitlich am Sattel. Sie hätte also nur ihre Magie zur Verfügung. Aber es sah nicht so aus, als wollte der Bursche kämpfen.
      "Ich bin Flora Goldfield, die Tochter des Grafen, dem dieses Stück Land gehört. Seit gegrüßt, werter Herr Elf. Und erklärt eure Absichten."
      Sollte er gar ein Söldner oder ein Bandit sein, auch wenn Flora noch nie davon gehört hatte, das ein Elf freiwillig diesem Abschaum diente, würde Codren ihn schon lange genug beschäftigen, bis sie an ihr Schwert gelangen konnte.