Schatten über der vergessenen Stadt (Nightking&Shio)

    • Schatten über der vergessenen Stadt (Nightking&Shio)

      Scarlett

      Der Raum roch nach altem Papier, Staub und Lampenöl. Die hohen Fenster der Universität lassen nur gedämpftes Licht in den Raum hinein. Ich ließ meinen Blick durch die Runde schweifen. Neben mir waren noch ein paar wenige Experten hier, die tatsächlich Interesse an der Sache zeigten. Manche von ihnen wirkten eher als wären sie nur aus reiner Neugierde hier. Ich lehnte mit meinem Rücken an der Wand neben der Tür, meine Arme vor der Brust verschränkt. Wir wurden alle zusammen getrommelt und sollten uns in dem Raum versammeln. Mr. Edward Thalen, ein selbsternannter Abenteuer und Rektor dieser Uni, rückte seine Brille auf der Nase zurecht und blickte in die Runde. "Es freut mich das sie so zahlreich erschienen sind." Er trat ein paar Schritte zu einer weißen Tafel und zog das Leinentuch von ihr Weg. Darunter kamen neben einer großen Karte, alte Fragmente zum Vorschein. Mehrere Stellen waren markiert, sei es mit Kreide oder Tinte. "Sie können sich vielleicht denken warum ich sie gerade hier her geordert hatte. Aber ich habe das hier erst kürzlich in meinen Akten gefunden und bin der Sache nie nachgegangen." Er hob seinen Blick auf uns. "Daher suche ich ein Team welches sich der Aufgabe stellt diese vergessene Stadt zu finden und mutig genug ist den Gefahren im Regenwald zu trotzen."
      Einige traten einen Schritt zurück. Ich verdrehte die Augen und trat entschlossen nach vorne. "Ich bin dabei Mr. Thalen." "Oh das freut mich sehr Ms. Anderson." Nun kamen doch noch ein paar Leute dazu, anscheinend brauchten sie erst jemanden der den ersten Schritt wagte. Was für Weicheier
      Das konnte ja Heiter werden, die ersten werden bei der kleinsten Gefahr schon das Weite suchen. Warum gab mir Mr. Thalen nicht alleine diese Aufgabe? Ich würde alleine doch viel besser zurecht kommen, als mit dem Haufen hier. Mein Blick ging durch die Runde und blieb an einem Mann hängen, dessen Körper so aussah als hätten ihn die Jahre über mächtig zugesetzt. Super
      Es war schlussendlich ein gemischter Haufen geworden, aber Mr. Thalen war sichtlich begeistert, wie viel Anklang seine Expedition fand. Er gab uns allen ein paar Ausdrucke von der Karte und den Fragmenten mit und sprach davon das wir Ende der Woche loslegen werden. Es war also noch genug Zeit ein paar Informationen zu dieser Stadt zu sammeln und alles für die Reise vorzubereiten.
      Nachdem wir fertig waren ging ich aus dem Raum heraus und raus aus der Uni. Ich zündete mir eine Zigarette an und blies den Rauch in die Luft hinaus. Ich war bereit für dieses Abenteuer.

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    • Mike Banning saß in seinem Büro, das mehr nach Papierstapeln als nach einem Arbeitsplatz aussah. Die Vorlesungsunterlagen vor ihm waren halb sortiert, halb nur grob durchgesehen Markierungen am Rand, Notizen in hastiger Schrift, dazwischen Seiten, die er offensichtlich schon mehrfach überarbeitet hatte. Eigentlich hätte er noch Zeit gehabt. Eigentlich.
      Doch der Brief von Thalen lag immer noch offen auf dem Tisch, als würde er ihn jedes Mal daran erinnern, warum er sich überhaupt hatte überreden lassen, zu dieser Besprechung zu gehen.
      Mit einem leisen Seufzen klappte Mike die Unterlagen zusammen, schob sie in eine Mappe und machte sich auf den Weg. Der Raum war bereits gefüllt, als er ankam.
      Die Gespräche verstummten kurz, als er eintrat, nahmen dann aber wieder dieses nervöse Murmeln an, das sich durch jede Gruppe zog, die nicht genau wusste, worauf sie sich eingelassen hatte.
      Mike sagte nichts. Kein großes Auftreten, keine Vorstellung. Er nickte nur knapp und setzte sich an den Rand der Runde – bewusst abseits, mit etwas Abstand zu den anderen Stühlen.
      Von hier aus konnte er alles beobachten, ohne selbst im Mittelpunkt zu stehen.
      Thalen sprach bereits, erklärte Karten, Fragmente, eine vergessene Stadt im Regenwald. Einige reagierten begeistert, andere skeptisch, wieder andere offensichtlich nur halb anwesend.
      Mike lehnte sich leicht zurück, die Arme locker verschränkt, und ließ die Informationen auf sich wirken. Interessant war nicht das Was. Sondern das Wie.
      Zu viele Lücken. Zu viele Quellen, die nicht zusammenpassen wollten. Und trotzdem: ein Muster. Sein Blick glitt kurz durch den Raum und blieb für einen Moment bei der Frau hängen, die sich vorhin sofort gemeldet hatte. Entschlossen, direkt, ohne Zögern. Der Typ Mensch, der Probleme entweder löst oder sie noch größer macht. Mike notierte sich mental beides.
      Als Thalen schließlich die Gruppe entließ und die ersten sich bereits über Ausrüstung und Abreise unterhielten, blieb Mike noch sitzen. Nicht aus Interesse an Smalltalk.Sondern weil er wartete.
      Auf das, was normalerweise nach solchen Einladungen kam die eigentlichen Details, die man nicht in der großen Runde aussprach. Und er hatte das Gefühl, dass diese Expedition genau solche Details noch reichlich bereithielt.
      Der Campus hatte sich inzwischen geleert, nur vereinzelt hallten noch Schritte zwischen den alten Gebäuden wider. Das Licht der späten Nachmittagssonne lag schräg über den Steinwegen und ließ den Ort für einen Moment fast friedlich wirken etwas, das so gar nicht zu dem passte, worüber sie vorhin gesprochen hatten. Mike bemerkte sie erst, als er den Weg entlangging Scarlett Anderson, etwas abseits unter einem Baum, eine Zigarette zwischen den Fingern. Der Rauch zog träge in die warme Luft, während sie den Blick über den Platz schweifen ließ, als würde sie bereits gedanklich irgendwo ganz anders sein.

      Anderson“, grüßte Mike ruhig, als er näher trat und blieb neben ihr stehen, ließ den Blick kurz über den Campus wandern, bevor er anfing.

      Die Expedition.Thalen ist überzeugt davon, dass das Ganze nur eine Frage von Organisation ist.“ fuhr Mike fort, seine Stimme sachlich, fast nüchtern.

      Karte, Fragmente, ein bisschen Planung und dann marschieren wir da rein.“ Er schüttelte leicht den Kopf.

      Das ist kein Forschungsprojekt auf sicherem Gelände. Das ist Regenwald. Tiefes, unerschlossenes Gebiet. Wenn die alten Aufzeichnungen auch nur halbwegs stimmen, dann reden wir nicht von ein bisschen Orientierungslosigkeit. Dann reden wir von Isolation.“er sah kurz zu ihr rüber, um ihre Reaktion einzuschätzen, dann wieder nach vorne.

      Thalen wirkt… zu zuversichtlich. Fast schon blauäugig. Als hätte er die Risiken zwar gelesen, aber nie wirklich verstanden.“ sagte er und holte sich ebenfalls eine Schachtel Zigaretten aus der Seitentasche seiner Jacke er rauchte More 120s. Er nahm sich eine raus und bot auch Scarlett eine an.

      Ich habe schon Expeditionen gesehen, die an genau dieser Art von Selbstsicherheit gescheitert sind. Nicht am Dschungel. Sondern an der Annahme, dass er berechenbar ist.“fuhr etwas leiser fort und zündete sich die Zigarette an und lehnte sich gegen dem Baum

      Ich weiß nicht, ob du das genauso siehst?“ sagte er schließlich, sein Blick wieder auf Scarlett gerichtet.

      Aber wenn wir da wirklich hingehen, sollten wir zumindest ehrlich sein, womit wir es zu tun haben.“
    • Scarlett

      Ich lehnte ganz entspannt an dem Baum und war gedanklich schon dabei diese Expedition zu planen, bis ein Schatten vor mir auftauchte. Ich kramte in meinen Erinnerungen nach seinen Namen. Als er mich schließlich grüßte und sich neben mich stellte, fiel mir der Groschen. "Banning, was verschafft mir die Ehre?" Ich wusste das viele unserer Kollegen ihn mieden. Doch ich hatte in der Vergangenheit nicht viel Kontakt mit ihm gehabt. Also musste ich mir selbst ein Urteil über ihn bilden. "So war er doch schon immer", antworte ich auf seine Frage und drückte meine Zigarette aus. "Er war schon immer so blau äugig, ich kenne ihn nicht anders. Er hat keine Ahnung was er da los getreten hat." Thalen mag zwar viel Wissen zu besitzen, aber sah nie über den Tellerrand hinaus und da lag das Problem. Mein Blick ging fast beiläufig zu Banning und ich nahm dankend eine nächste Zigarette entgegen. "Glauben sie mir über die Hälfte in den Raum, hat absolut keine Ahnung worauf sie sich da eingelassen haben. Für mich ist es zwar auch die erste richtige Expedition, aber ich geh an die Sache ganz anders heran, als der Rest." Sie denken es wäre ein Spaziergang, eine kleine Reise um ein paar Ruinen zu entdecken, doch ich wusste das es nicht so ist.
      Ich zündete mir die Zigarette von Banning an, bevor ich weiter sprach. "Ich glaube ihnen und sehe es genau wie sie. Also was schlagen sie vor wie wir an die Sache am Besten heran gehen sollten?" Ich war gespannt was er zu berichten hatte und legte großen Wert auf seine Meinung und Erfahrung. Sein Ruf eilte ihm schließlich voraus, trotz den negativen Gerüchten, die hier in der Uni über ihn verbreitet wurden. Vielleicht war er doch nicht so ´verrückt´, wie alle immer sagten.
    • Banning ließ sich nicht sofort zu einer Antwort drängen. Stattdessen zog er die Luft tief ein, als würde er den Zigarettenrauch und deine Worte gleichermaßen abwägen. Sein Blick blieb kurz am Boden hängen, bevor er sich dir zuwandte.

      Dass Sie das so offen sagen, überrascht mich nicht.“Seine Stimme war ruhig, fast sachlich.


      „Aber es ist selten.“ Er trat einen halben Schritt näher an den Baum, lehnte sich ebenfalls dagegen, ohne sich direkt anzusehen.

      Die meisten dort drinnen teilen sich in zwei Gruppen. Die einen glauben an eine romantische Entdeckungstour ein bisschen Staub, ein paar alte Inschriften, ein Erfolg für die Fakultät. Die anderen…“ Er machte eine kurze Pause. „…wissen, dass sie keine Ahnung haben, was sie wecken könnten, und verdrängen es aktiv.“ Er zog an seiner Zigarette und ließ den Rauch langsam entweichen.

      Thalen gehört eindeutig zur ersten Sorte. Gefährlich nicht wegen Böswilligkeit sondern wegen Blindheit und die Gier nach Ruhm.“Dann sah er dich zum ersten Mal direkt an.

      Mein Vorschlag ist simpel, aber unbequem: Wir planen nicht für das, was wir finden wollen. Wir planen für das, was dort sein könnte. Und wir gehen davon aus, dass jede Annahme falsch ist, bis sie bewiesen ist.“ Er tippte mit zwei Fingern gegen seine Schläfe.

      Drei Dinge sind entscheidend: Erstens keine Alleingänge. Zweitens jede Struktur, jede Inschrift wird dokumentiert, bevor sie interpretiert wird. Drittens…“ Sein Blick wurde etwas härter.„…wir akzeptieren von Anfang an, dass wir nicht die Kontrolle haben, sobald wir tiefer gehen.“ Ein kurzer Windstoß bewegte die Blätter über euch.

      Und jetzt die Frage an Sie“, sagte er schließlich.„Sind Sie bereit, in ein Gebiet zu gehen, in dem Wissen nicht mehr automatisch Sicherheit bedeutet?“ Mike hob kurz die Hand, als würde er den Gedanken schon im Entstehen sortieren.

      Ich schlage Folgendes vor.“ Seine Stimme blieb ruhig, aber jetzt deutlich bestimmter.

      In zwei Stunden kommen Sie in mein Büro. Nicht, um weiter zu diskutieren sondern um sich ein Beispiel anzusehen, das die Miskatonic Universität offiziell lieber vergessen würde.“ sagte er und zog kurz an seiner Zigarette, ließ den Rauch zur Seite entweichen und fuhr fort,

      Ich zeige Ihnen eine Expeditionsakte. Eine, die schiefgegangen ist. Nicht im Sinne von ‚ungünstiger Verlauf‘, sondern im Sinne von ‚wir haben Dinge entdeckt, die wir nicht hätten berühren sollen‘.“ Sein Blick blieb an dir hängen, prüfend.

      Der Grund ist einfach: Ich will, dass Sie verstehen, dass jede Annahme über Kontrolle oder Sicherheit bei solchen Unternehmungen eine Illusion ist.“meinte er und deutete leicht mit der Zigarette in Richtung Gebäude.

      Wenn Sie danach immer noch glauben, dass das hier eine gewöhnliche Expedition wird dann haben Sie wenigstens eine informierte Entscheidung getroffen.“ Ein kurzer Moment Stille.

      Also: Ich sehe Sie dann in zwei Stunden in meinen Büro.“ Er ließ die Zigarette zwischen den Fingern langsam zu Ende glimmen, bis nur noch ein kleines, oranges Aufflackern übrig war. Dann drückte er sie mit einer ruhigen, routinierten Bewegung am Baumstamm aus.Für einen Moment blieb er noch stehen, als würde er prüfen, ob noch etwas gesagt werden müsste doch dann schüttelte er minimal den Kopf, mehr für sich selbst.
      Ohne weitere Worte drehte er sich um und setzte sich in Bewegung. Seine Schritte waren weder hastig noch zögerlich, sondern zielgerichtet jemand, der genau weiß, wohin er geht, auch wenn er nicht darüber spricht.
      Zwischen den Bäumen und den Wegen des Campus verschwand er allmählich in Richtung des Fakultätsgebäudes, dessen helle Steinfassade bereits zwischen den Ästen aufragte. Dort, irgendwo hinter diesen Mauern, wartete sein Büro und vermutlich auch die Akte, von der er gesprochen hatte.
    • Scarlett

      Er hatte mit allem Recht was er über Thalen sagte. "Gut kombiniert, Banning. Er wird einer der Ersten sein, der nicht mehr aus dem Regenwald zurück kommt. Dafür lege ich meine Hand sogar ins Feuer." Als sein Blick in meine Richtung ging hielt ich ihn stand und nahm einen tiefen Zug von meiner Zigarette. Ich lauschte seinen Worten und prägte mir alles haargenau ein. Er hatte also einen Plan? Es konnte ja nicht so schwer sein diese drei Punkte einzuhalten. Es war sogar echt eine kluge Herangehensweise von ihm.
      Ich stieß mich von dem Baumstamm ab. "Na schön. Dann zeigen sie es mir. Und denken sie ja nicht ich würde einen Rückzieher machen. Nur weil ich eine Frau bin heißt es nicht das ich schwach bin. Glauben sie mir ich habe in meinem Leben genug erfahren und das hier wird zwar ne große Sache, aber selbst dieser werde ich mich stellen." Es gab nicht viele die so mutig und tapfer waren wie ich. "Also in zwei Stunden ja? Dann bis später." Ich sah ihm nach wie er in Richtung Campus verschwand. Ich schüttelte leicht lächelnd meinen Kopf, bevor ich den Rest der Zigarette zu Ende rauchte und sie ausdrückte. Banning war schon ein bemerkenswerter Mann, aber er wusste anscheinend was zu tun war. Ich musste Vertrauen in einen Mann legen, der keinen guten Ruf auf der Uni hatte. "Enttäuschen sie mich nicht, Banning", sprach ich vor mich hin. Ich lief ebenfalls in Richtung Campus davon um ein weiteres Seminar abzuhalten.

      Die zwei Stunden vergingen wie im Fluge und ich machte mich auf den Weg zu seinem Büro. Die Tür war nur leicht angelehnt, als hätte er schon lange auf mich gewartet. Ohne anzuklopfen ging in hinein und schloss die Tür hinter mir. "Da bin ich. Also was wollten sie mir zeigen?"

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    • Bannings Büro lag auf dem oberen Campus der Miskatonic-Universität, in einem der ältesten Fakultätsgebäude, dessen dunkle Flure selbst am Tage nur spärlich vom Licht durchdrungen wurden. Hier waren Anthropologen, Archäologen und Historiker untergebracht doch Bannings Räume wirkten, als gehörten sie in keine dieser Disziplinen, sondern vielmehr in eine vergessene, namenlose Kategorie.
      Sein Büro war ein bedrückendes Sammelsurium aus uralten Büchern mit rissigen Lederrücken, deren Seiten bei der leisesten Berührung trocken raschelten, als würden sie sich widersetzen, gelesen zu werden. Vergilbte Karten hingen schief an den Wänden, ihre Linien führten zu Orten, die auf keiner modernen Weltkarte mehr existierten oder vielleicht nie existiert hatten. Zwischen verstaubten Instrumenten, deren Zweck nicht mehr zu erkennen war, standen seltsam geformte Statuetten aus Stein und Metall. Einige wirkten nur grob behauen, andere jedoch erschreckend detailliert zu detailliert, als hätten sie etwas dargestellt, das kein menschliches Auge je wirklich gesehen haben sollte.
      Ein schwacher Geruch von Moder und etwas Unbestimmbarem lag in der Luft, süßlich und zugleich abstoßend. Oft meinte man, im Halbdunkel Bewegungen wahrzunehmen, als würden die Schatten selbst ein Eigenleben führen. Und wer lange genug in diesem Raum verweilte, konnte sich des Gefühls nicht erwehren, dass die leeren Augen der Statuen nicht einfach nur ins Leere blickten sondern warteten.
      Die Tür war nur angelehnt gerade weit genug, als hätte jemand sie absichtlich nicht ganz geschlossen. Es wirkte weniger nach Nachlässigkeit als vielmehr nach einer Einladung… oder einem stillen Versprechen. Für einen kurzen Moment zögerte ich, dann trat ich ein, ohne anzuklopfen, und ließ die Tür hinter mir ins Schloss gleiten.

      Da bin ich. Also – was wollten Sie mir zeigen?“, sagte Anderson, wobei ihre Stimme fester klang, als sie sich fühlte.
      Banning saß hinter seinem überladenen Schreibtisch und hob langsam den Blick. Für einen Augenblick wirkte es, als hätte er sie schon lange beobachtet nicht erst seit sie den Raum betreten hatte. Dann huschte ein dünnes, schwer zu deutendes Lächeln über sein Gesicht.

      Ah, Miss Anderson. Wie schön, dass Sie gekommen sind.“ Er machte eine vage Geste um sich herum, als wolle er das Chaos entschuldigen, das sein Büro verschlang: aufgetürmte Bücher, lose Blätter, seltsame Artefakte, die im schwachen Licht kaum zu erkennen waren.
      Verzeihen Sie die Unordnung… und den Geruch“ fuhr er fort und verzog leicht das Gesicht, als nehme er ihn selbst erst jetzt wahr.
      Die Belüftungsanlage ist… nun ja, beinahe so alt wie dieses Gebäude selbst. Und der Dekan“ seine Stimme bekam einen kaum merklichen, spitzen Unterton „hat bislang kein Budget für eine notwendige Sanierung freigeben können.“ Ein leises, kaum hörbares Knacken ging durch die Wände, als würde das alte Gemäuer auf diese Worte reagieren. Für einen Moment schien die Luft schwerer zu werden. Banning lehnte sich zurück, seine Finger ruhten ineinander verschränkt auf dem Tisch.
      Doch ich verspreche Ihnen… was ich Ihnen zeigen möchte, wird diese kleinen Unannehmlichkeiten mehr als aufwiegen.“ Sein Blick blieb auf ihr haften ruhig, durchdringend… und einen Tick zu erwartungsvoll. Banning erhob sich langsam und trat zu den hohen, schmalen Fenstern. Mit einem Ruck öffnete er sie, und kalte, fahle Luft strömte in den Raum. Für einen Moment schien sie den modrigen Geruch zu vertreiben doch darunter lag noch etwas anderes, Hartnäckigeres, das sich nicht so leicht verdrängen ließ.

      Bitte“, sagte er und deutete auf einen der Stühle vor seinem Schreibtisch. „Setzen Sie sich. Bedienen Sie sich am Tee, wenn Sie möchten.“

      Die Porzellankanne auf dem kleinen Beistelltisch war noch warm, doch der Duft des Tees wirkte seltsam schwach, fast überdeckt von der schweren Luft des Raumes. Während Anderson Platz nahm, verschwand Banning kurz aus ihrem Blickfeld und kehrte wenig später mit einer sperrigen, abgenutzten Holzkiste zurück. Er stellte sie mit einem dumpfen Geräusch auf den Tisch, sodass einige lose Blätter ringsum erzitterten.

      Auf dem Deckel war, in verblasster Schrift, zu lesen: Expedition Antarktis – Professor Dyer – 1930
      Für einen Moment ruhte Bannings Hand auf dem Holz, als zögere er. Dann öffnete er die Kiste. Im Inneren lagen sorgfältig und doch hastig wirkend verstaut: vergilbte Karten, Schwarzweißfotografien von zerklüfteten Eislandschaften, detaillierte Skizzen fremdartiger Strukturen… und mehrere in Leder gebundene Tagebücher. Manche Seiten waren gewellt, als hätten sie Feuchtigkeit oder etwas Schlimmeres gesehen.

      Die Aufzeichnungen von Professor Dyer, Leiter der Geologie“, sagte Banning leise, fast ehrfürchtig.

      Sowie die Notizen seines Assistenten Danforth. Fragmente aus den Berichten von Dr. Lake, Biologie… und technische Aufzeichnungen von Professor Pabodie, dem leitenden Ingenieur.“ Er nahm eines der Tagebücher heraus das Leder spröde, die Ecken abgestoßen und reichte es Anderson. Seine Finger verweilten einen Moment zu lange darauf, bevor er es losließ.

      Bevor Sie lesen… sollten Sie den Kontext kennen.“ Er trat einen Schritt zurück, als brauche er Abstand zu dem, was er gleich aussprach.

      Die Expedition stieß tief im antarktischen Eis auf Überreste einer Stadt. Älter als jede bekannte Zivilisation. Nicht erbaut von Menschen.“ Seine Stimme wurde leiser.

      Die Strukturen… widersprachen jeder bekannten Geometrie. Winkel, die nicht existieren sollten. Proportionen, die das Auge nicht halten kann.“ Ein kaum merkliches Zittern ging durch seine Hand, doch er sprach weiter:

      Doch die Stadt war nicht verlassen.“ Ein Windstoß ließ das Fenster hinter ihnen klappern.

      Etwas lebte dort. Etwas, das… vielleicht nie wirklich gestorben ist.“ Bannings Blick wanderte zu den Fotografien in der Kiste einige davon halb verdeckt, als hätte man gezögert, sie offen zu zeigen.

      Die Männer wurden angegriffen. Nicht alle kehrten zurück. Und die, die es taten…“
      Er machte eine kurze Pause.„…brachten mehr mit als nur ihre Berichte.“

      Seine Augen trafen Andersons.„Sie brachten die Erkenntnis mit, dass wir nicht die ersten waren. Und ganz sicher nicht die letzten.“ Das Tagebuch in ihren Händen fühlte sich plötzlich schwerer an, als es sein sollte.
    • Scarlett

      Mein Blick suchte augenblicklich den Mann hinter dem überladenen Schreibtisch. Was ein Saustall
      Hier beherrschte das Chaos, das Chaos und man musste aufpassen wo hin man tritt, ohne das man etwas umwirft. Ich schlängelte mich durch die ganzen Sachen hindurch und blieb am Schreibtisch stehen. "Wow." Ich sah mich im Raum um. "Sehr eindrucksvolles Büro was sie da haben." Ich wollte ihn natürlich nicht beleidigen oder wütend machen, deshalb schenkte ich ihn mein schönstes Lächeln. Er forderte mich auf mich zu setzen und ich ließ mich auf einen dieser Holzstühle fallen. Dankend nahm ich das Teeangebot an und goss mir eine Tasse ein. Ein Bein schlug ich über das andere und wartete darauf bis er wieder zurück kam. Meine Augen wanderten durch den Raum. Man konnte sehen das er schon viel in seinem Leben erlebt hatte, auch wenn vieles davon wohl eher für den Müll gedacht war, als es hier auszustellen. Doch das war nur meine Einschätzung. Vielleicht haben die Sachen ja einen emotionalen Wert für ihn und er kann sich schlecht davon trennen? Egal was es ist, es ging mich rein gar nichts an.
      Kurze Zeit später kam er wieder zurück und stellte diese große Kiste vor mir auf den Schreibtisch. Ich ließ meinen Blick neugierig darüber gleiten und hörte seinen Worten aufmerksam zu. Er überreichte mir leicht zögernd dieses Tagebuch, welches schon bessere Zeiten gesehen hat. Aber Angesicht der Tatsache, das es schon ein paar Jahre auf den Buckel hatte, war es noch relativ intakt. "Sie meinen das es dort Leben gibt, aber niemand wusste so richtig was es ist?" Ein Lachen drang aus meinem Mund. "Für mich klingt es so als wären da Drogen im Spiel gewesen und sie haben sich das alles nur eingebildet." Doch das Tagebuch in meiner Hand sollte mich vom Gegenteil überzeugen.
      Ich schlug es auf und blätterte vorsichtig durch die vergilbten Seiten. Manche Teile waren unleserlich, manche von ihnen nicht. "Das ist unglaublich." Dort stand geschrieben das man in Gesteinsproben Abdrücke von Lebewesen fand, die nicht zu der damaligen Zeit gepasst haben. Außerdem schrieb Prof. Dyer das eine Gruppe, angeführt von Prof. Lake sich aufgemacht hat um mehr darüber zu erfahren, aber diese nicht wieder zurückgekehrt sind. Dyer führte selber die zweite Gruppe an um den Tod der anderen festzustellen. Kaum noch leserlich versuchte ich die Zeilen weiter zu lesen und ich blieb bei etwas hängen womit ich nicht viel anfangen konnte.
      "Was meint Prof. Dyer mit Alte Rasse?"

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    • Banning beobachtete Scarlett, während sie das Tagebuch durchblätterte. Ihre Augen bewegten sich aufmerksam über die vergilbten Seiten, doch er fragte sich, wie viel sie wirklich verstand oder verstehen wollte. Sie wirkte ruhig. Zu ruhig. Ein schwaches Lächeln lag noch auf ihren Lippen, ein Überbleibsel ihres Spottes von vorhin. Er kannte diese Reaktion. Unglaube war einfacher. Bequemer.

      Sie meinen, das sei alles Einbildung.“ sagte er schließlich. Scarlett sah auf, noch immer mit diesem leichten, beinahe herausfordernden Ausdruck.

      Es klingt zumindest so das muss ich zugeben.“ Mike erwiderte nichts sofort. Stattdessen musterte er sie einen Moment länger, als es höflich gewesen wäre. Dann lehnte er sich leicht zurück.

      Lake hat eines von ihnen seziert.“ Er sah genau, wann seine Worte bei ihr ankamen. Das Lächeln verschwand nicht ganz aber es verlor an Sicherheit.

      Aufgeschnitten“ präzisierte Banning ruhig. Scarlett schwieg nun. Ihr Blick glitt zurück auf das Tagebuch, doch diesmal verweilte er nicht lange auf den Seiten. Etwas in ihr hatte sich verschoben, das konnte er deutlich erkennen. Gut, dachte er. Sie beginnt zu begreifen.

      Seine Aufzeichnungen sind… ausführlich...“, fuhr er fort.
      .....Zu ausführlich für Fantasie.“ Er bemerkte, wie sie unbewusst ihr Bein anders übereinanderschlug. Eine kleine Bewegung, doch sie verriet mehr als jedes Wort. Banning verschränkte die Hände vor sich.

      Nichts daran entsprach einer bekannten Lebensform. Keine klare Anatomie. Keine Ordnung, wie wir sie erwarten würden.“ Er machte eine kurze Pause. „Und dennoch… war es funktional.“Scarlett hob langsam den Blick. Skepsis lag noch darin, aber sie war brüchig geworden.

      Als wäre es nie für unsere Welt gedacht gewesen“,sagte er leise. Er beobachtete genau, wie sie diese Worte aufnahm. Wie sie versuchte, sie einzuordnen und scheiterte. Ein kaum hörbares Knacken ging durch den Raum. Scarlett zuckte nicht, doch ihre Finger hatten sich unmerklich um den Rand des Tagebuchs gespannt. Banning bemerkte es.

      Lake beschrieb Reaktionen“, fügte er hinzu. Jetzt sah sie ihn direkt an.

      Auf alles“, antwortete er. „Licht. Temperatur. Berührung.“ Er ließ die Worte einen Moment wirken, bevor er weitersprach. Er beugte sich ein wenig vor, ohne den Blick von ihr zu lösen.

      Lake hat den Bericht nicht beendet.“ Für einen Moment überlegte Banning, wie viel er sagen sollte. Wie weit er sie führen wollte und ob es überhaupt noch eine Rolle spielte. Dann entschied er sich.
      Mike ließ sich einen Moment Zeit, als würde er seine eigenen Worte neu ordnen.

      Die Sektion wurde nicht beendet“, sagte er schließlich ruhig. „Nicht weil Lake fertig war sondern, weil etwas dazwischenkam.“
      Er verschränkte die Hände.
      "Dyer hat später von einem arktischen Sturm gesprochen. Und er hatte recht der Sturm war real.“ Eine kurze Pause.

      Er hat das Camp getroffen. Heftig genug, um alles zu verwüsten.“ Sein Blick blieb ruhig.

      Aber er war nicht die Ursache.“ Das leise Knacken kam wieder. Diesmal reagierte Mike mit einem kaum sichtbaren Innehalten, bevor er weitersprach.
      Lake hielt die Körper für tot. Für konserviert.“Ein langsames Kopfschütteln.
      Sie waren es nicht.“
      Stille.
      Sie haben geschlafen.“ Er ließ die Worte wirken, ohne sie zu betonen.

      Die Sektion die Schnitte, das Licht, die Wärme irgendetwas davon hat gereicht.“ Seine Finger spannten sich kurz an.

      Es hat sie geweckt.“ Ein weiteres Geräusch, kaum lauter als ein Atemzug.

      Lake hat den Bericht nicht beendet, weil ihm die Zeit fehlte“, fuhr Mike fort. „Sondern weil sie erwacht sind.“Die Stille danach war dichter als zuvor.

      Und was dann geschah…“ Er hielt kurz inne. „Das war kein Sturm.“ Sein Blick glitt über den Raum, streifte die Schatten, ohne sich festzuhalten.

      Ein Sturm zerstört wahllos. Reißt, zerstreut, begräbt.“Ein leises Ausatmen.

      Das Camp war nicht wahllos zerstört.“ Er neigte den Kopf minimal.

      Es gab Struktur. Eingriffe. Spuren von etwas, das wusste, was es tat......Der Sturm kam danach. Oder genau im richtigen Moment.“ Seine Stimme blieb ruhig, fast sachlich.

      Er hat Geräusche verschluckt. Spuren verwischt. Aus etwas Unbegreiflichem… ein Unglück gemacht.“ Ein kurzer Moment verging.

      Aber was das Camp ausgelöscht hat… war da bereits wach.“Sein Blick hob sich langsam.

      Und der Sturm hat es nicht gebracht.“ Noch ein leises Geräusch.

      Er hat es nur verborgen.“ Mike beugte sich vor und zog eine schmale, abgegriffene Kiste zu sich heran. Der Deckel gab mit einem trockenen Knacken nach. Für einen Moment verharrte er, dann griff er hinein und holte einen dünnen, vergilbten Ordner hervor.

      Dyer war nicht allein, als er das Camp erreichte“, sagte er ruhig. „Ein kleines Team. Sie wollten dokumentieren, was übrig war.“ Er legte den Ordner auf den Tisch. Der Karton wirkte weich an den Kanten, als wäre er zu oft geöffnet worden.

      Er hat Fotos gemacht.“ Langsam schlug Mike ihn auf. Schwarz-weiße Aufnahmen, sauber eingelegt, jede für sich ein eingefrorener Moment.

      Zerstörte Zelte. Ausrüstung.“ Seine Finger glitten über den Rand einer Aufnahme, ohne sie ganz zu berühren. „Und die Opfer.“ Er schob den Ordner ein Stück über den Tisch. Er lehnte sich zurück, griff nach seiner Tasse und nahm einen ruhigen Schluck Tee, als wäre das Gesagte von keiner besonderen Bedeutung.

      Das hier…“ Ein kurzes Nicken in Richtung der Fotos.„Das ist etwas anderes gewesen als ein Sturm.“ erklärte er und seine Hand glitt zu einer abgegriffenen Zigarettenschachtel.More 120s. Er zog eine einzelne heraus, führte sie an die Lippen und zündete sie mit einer routinierten Bewegung an. Die Flamme flackerte kurz, dann verschwand sie. Ein erster, langsamer Zug. Der Rauch stieg träge auf.

      Dyer hat versucht, es als Sturm darzustellen“, sagte Mike schließlich. „Oder zumindest als Folge davon.“ Er ließ den Rauch einen Moment in der Luft stehen.
      Aber die Bilder… widersprechen ihm.“ Ein leises Knacken ging durch den Raum, fast überdeckt vom leisen Knistern der Zigarette. Mike sagte nichts mehr dazu.
    • Scarlett

      Mir stockte für einen kurzen Moment der Atem. Es war wirklich interessant zu hören, was damals passiert ist. Und Bannig sprach davon, als wäre er selbst dabei gewesen. Er klang sehr überzeugend und ich kaufte ihm jedes einzelne Wort ab. Doch ich fragte mich warum er mir gerade das zeigen wollte. Wir fliegen ja schließlich in den Regenwald und nicht in die Antarktis. Das Tagebuch in meinen Händen, hatte nun eine ganz andere Bedeutung und ich klappte es vorsichtig zu und legte es wieder auf den Tisch. "Warum erzählen sie mir all das? Haben sie etwa Angst, das uns sowas auch auf unser Expedition passieren könnte?" Ich beugte mich ein Stück nach vorne und sah ihn direkt an. Ein kleines Schmunzeln zupfte an meinen Lippen. "Oder ist das nur einer ihrer Schauergeschichten um mich einzuschüchtern?" Dieser Mann war mir ein Rätsel und für viele hier auf dem College ein Schandfleck.
      "Darf ich?" Ohne auf eine Antwort zu warten griff ich ebenfalls nach seiner Zigarettenschachtel und fischte mir mit meinen Finger eine Zigarette heraus und zündete sie an. Ich lehnte mich wieder auf dem Stuhl zurück und musterte ihn. "Banning worauf wollen sie hinaus? Und seien sie unbesorgt, mich haut so schnell nichts aus den Latschen. Ich bin der Sache gewachsen und werde, ganz egal was uns dort erwartet, nicht von ihrer Seite weichen." Ich zog an der Zigarette und blies den Rauch in den Raum. Es war ein kleines Versprechen was ich ihm indirekt gab. Mein Name soll in aller Munde sein und man soll sich später an mich erinnern, als die, die die Expedition erfolgreich abgeschlossen hat.
      "Banning erzählen sie mir ein wenig über sich. Wir verbringen schließlich ganz viel Zeit miteinander, da wäre es schön wenn man sein Gegenüber besser kennenlernt. Oder meinen sie nicht?" Meine Neugierde siegte wieder über meinen Verstand. Doch dieser Mann hatte mein Interesse geweckt. Ich tippte die Asche mit meinem Finger in den kleinen Aschenbecher und blickte den Mann vor mir wieder an.

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    • Banning verzog keine Miene, als sie sich einfach an seiner Schachtel bediente. Nur dieses kaum merkliche Heben eines Mundwinkels verriet, dass ihn ihre Dreistigkeit eher amüsierte als störte. Der Rauch seiner eigenen Zigarette kringelte träge zur Decke empor, während draußen irgendwo im Korridor Stimmen verklangen und eine Tür zuschlug. Für einen Moment wirkte das kleine Büro wie vollkommen abgeschnitten vom Rest des Colleges. Er musterte sielange, beinahe prüfend.

      Sie reden mit erstaunlich viel Überzeugung für jemanden,der noch nie einen Fuß in einen echten Urwald gesetzt hat“ sagte er schließlich ruhig. Seine Stimme war tief und rau.

      Aber vielleicht ist genau das der Grund, warum man Sie ausgewählt hat.“ Er lehnte sich zurück und verschränkte die Arme vor der Brust. Das Licht der Schreibtischlampe warf harte Schatten über sein Gesicht und ließ ihn älter wirken, als ervermutlich war.

      Und nein“ fuhr er fort „Ich wollte Ihnen keineAngst machen. Angst ist sogar etwas Gutes. Angst hält Menschen wach. Vorsichtige Menschen überleben länger.“ Sein Blick glitt kurz zu dem Tagebuch auf dem Tisch.

      Die Leute aus dieser Expedition damals… die meistenstarben nicht wegen der Kälte. Sie starben, weil sie irgendwannglaubten, die Natur verstanden zu haben.“ Ein leises Knackenertönte, als er die Asche seiner Zigarette abstreifte.

      Der Regenwald ist nicht weniger grausam als die Antarktis,Miss…“ Er ließ den Satz offen, als wolle er sie absichtlich daran erinnern, wie selten er ihren Namen benutzte.

      Er versteckt seine Gefahren nur besser.“ Dann schwieger einen Augenblick. Ihre Frage nach ihm schien ihn tatsächlich überrascht zu haben. Das Schmunzeln auf ihren Lippen beobachtete eraufmerksam, fast misstrauisch, als wäre er solche Offenheit nichtgewohnt.

      Über mich gibt es nicht viel zu erzählen.“ Natürlich glaubte sie ihm das keine Sekunde. Ein kehliges Lachen entwich ihm,leise und trocken.

      Gut. Vielleicht doch.“ Er stand langsam auf, ging zum Fenster und schob den Vorhang ein Stück beiseite. Draußen peitschte der Regen gegen die Scheiben.

      Ich war nicht immer Dozent vor meiner Zeit hier an der Miskatonic Universität. Ich habe zwar hier studiert, bin aber nach meinen Studium zur US Armee gegangen war bei den Rangers.“ Seine Silhouette zeichnete sich dunkel gegen das graue Licht ab.

      Früher habe ich Expeditionen geleitet....zuletzt in Südamerika. Afrika..vorher Afrika oder im Nahen Osten...Arabien.Orte, an denen Menschen verschwinden konnten, ohne dass jemand Fragenstellte.“ Er drehte sich halb zu ihr um.

      Und ich habe Leute verloren. An etwas was denen was in denAufzeichnungen sehr nahe kommt aber genau wie die Antarktis Expedition wurde alles unter den Teppich gekehrt und man hatte eine Fadenscheinige Erklärung und was man angeblich gesehen hatte wurde dann Posttraumatische Stresssyndrom abgetan “ Zum ersten Mal lag etwas Echtes in seiner Stimme. Keine Ironie. Keine Überheblichkeit.

      Deshalb interessiert es mich wenig, ob jemand mutig ist.“Sein Blick traf ihren direkt. „Mich interessiert, ob jemand stand hält, wenn es schlimm wird.“ Der Rauch zwischen ihnen wurde dichter. Dann trat er wieder zum Schreibtisch, stützte beide Hände auf der Tischkante ab und beugte sich leicht zu ihr herunter.

      Sie wollen, dass man sich später an Ihren Namen erinnert?“Ein schwaches, beinahe gefährliches Lächeln erschien auf seinem Gesicht.

      Dann lernen Sie zuerst, lebend zurückzukommen.“

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    • Scarlett

      Dieser Mann war gebrochen, das konnte ich deutlich in seinem Blick sehen, als er mir von seiner Vergangenheit erzählte. Aber dennoch war ich nun noch mehr interessiert an ihm, als ich eigentlich wollte. Er würde uns dadurch bringen, darüber war ich mir nun sicher und ich werde ihn nicht enttäuschen. "Verstehe." Ich zog nochmals an der Zigarette und sah ihn an. "Danke das sie so offen zu mir waren Banning. ich schulde ihnen wohl auch einen Teil von meiner Geschichte." Ich richtete mich auf dem Stuhl auf. "Ich bin eine Waise und weiß nicht wer meine leiblichen Eltern sind. Ich wurde adoptiert und bin froh in diese Familie gekommen zu sein. Sie können sich gar nicht vorstellen wie schlimm es manche Kinder aus dem Heim getroffen hatte." Sofort gingen meine Gedanken zu den beiden Zwillingen, Anthony und Beth. Mit ihnen hatte ich bis vor Jahren noch stetigen Briefkontakt, aber der wurde durch ihre Pflegeeltern unterbunden.. Ich hoffe nur das sie aus diesem Irrenhaus eines Tages fliehen können. "Wie dem auch sei. In der Familie Anderson lehrte man mir das Überleben. Mein Pflegevater ist auch ein Abenteurer. Zwar nicht in dem Ausmaß wie sie es sind, aber ich konnte durch ihn schon einiges an Erfahrung sammeln." Ich drückte die Zigarette aus und erhob mich von dem Stuhl. "Also Banning seien sie unbesorgt. Ich weiche nicht von ihrer Seite und auch nicht wenn es brenzlig wird." Ich schenkte ihn ein kleines Lächeln und nickte knapp. "Danke für ihr Vertrauen mit all dem." Mein Blick glitt nochmals über die Kiste. "Ich werde dann mal packen gehen. Wir sehen uns dann." Ich ließ das Büro hinter mir und atmete draußen auf dem Campus einmal tief durch. Es wird eine Herausforderung für mich sein, aber wer nicht wagt, der nicht gewinnt.
      Entschlossen machte ich mich auf dem Weg nach Hause.
      In meiner kleinen Wohnung angekommen suchte ich mir meinen großen Wanderrucksack heraus und packte ihn mit all den Sachen die mir mein Pflegevater hier gelassen hatte. Er wusste das ich eines Tages losziehen würde und wollte nicht das ich unvorbereitet bin. Nachdem ich den Rucksack soweit gepackt hatte, ging ich los um noch ein paar kleine Snacks zu organisieren. Irgendwas was viele Proteine beinhaltet und satt macht. ich glaube das der Laden am Ende kaum noch Riegel übrig hatte, aber das war mir egal. Mit meinen Proviant ging ich zurück nach Hause und verstaute alles in den Rucksack. Er wog mittlerweile genug, aber noch so das ich ihn problemlos auf den Rücken tragen konnte. Nach einer Dusche fühlte ich mich mehr als bereit diese Expedition anzugehen.
    • Banning blieb noch einen Moment in seinem Büro sitzen, nachdem sie gegangen war.
      Die Tür war längst ins Schloss gefallen, doch die Stille hatte sich gehalten, als wäre sie geblieben. Sein Blick lag noch immer auf der Kiste auf dem Schreibtisch. Nichts daran wirkte auf den ersten Blick besonders und genau das machte sie gefährlich.
      Er kannte solche Objekte. Dinge, die harmlos aussahen, bis jemand anfing, Fragen zu stellen.
      Sie hatte recht gehabt. Er war gebrochen. Nur hatte er gelernt, dass Brüche nicht verschwinden, wenn man sie ignorierte. Man lernte lediglich, sie nicht mehr zu zeigen.
      Ihr Gesicht tauchte in seiner Erinnerung auf. Wach. Unbequem aufmerksam. Keine der üblichen Reaktionen, die er von Studenten oder Begleitern gewohnt war. Kein naives Vertrauen, aber auch kein Misstrauen, das ihn sofort in eine Schublade gesteckt hätte. Etwas dazwischen. Etwas, das gefährlich werden konnte. Sie hatte gesagt, sie werde nicht von seiner Seite weichen.
      Banning atmete langsam aus und lehnte sich im Stuhl zurück.

      Schlechtes Versprechen“, murmelte er. Er wusste nicht, ob sie sich selbst überschätzte oder ob sie einfach noch nicht verstanden hatte, worauf sie sich eingelassen hatte. Beides führte am Ende zum gleichen Ergebnis.
      Er stand auf, trat ans Fenster seines Büros und sah über den Campus. Alles wirkte normal. Zu normal. Studierende gingen ihren Wegen nach, lachten, diskutierten, lebten in einer Welt, die noch nicht angefangen hatte, sich zu verschieben.
      Aber Banning wusste, dass solche Gleichgewichte nie stabil blieben. Sein Blick wanderte zurück zur Kiste. Die Geschichte darin war nicht abgeschlossen. Und Geschichten wie diese blieben selten bei dem, der sie gefunden hatte. Er griff nach seinem Mantel. Nicht aus Zweifel an ihr.
      Sondern weil er wusste, dass Vertrauen in diesem Moment keine Rolle spielte. Geschwindigkeit schon. Als er das Gebäude verließ, veränderte sich die Atmosphäre kaum merklich. Kein sichtbarer Bruch, kein dramatischer Moment eher ein leises Kippen, das nur jemand bemerkte, der gelernt hatte, auf solche Dinge zu achten. Sie war bereits unterwegs nach Hause.
      Und während Banning die Straße entlangging, wurde ihm klar, dass sie beide denselben Fehler gemacht hatten:
      Banning hatte sein kleines Haus auf dem Campus erreicht, lange nachdem die letzten Geräusche des Tages verblasst waren. Er war direkt ins Badezimmer gegangen, hatte geduscht, ohne wirklich wahrzunehmen, wie das Wasser über seine Schultern lief, und sich danach in bequeme Kleidung gezogen, die mehr Gewohnheit als Entscheidung war.
      Im Arbeitszimmer herrschte eine vertraute Ordnung, die fast wie ein Schutzwall wirkte. Bücher standen in dichten Reihen, dazwischen lagen Fotografien und kleine Skulpturen aus unterschiedlichen Ländern, Erinnerungsstücke eines Lebens, das mehr unterwegs als zuhause stattgefunden hatte. Auf dem Tisch stand eine Kanne Tee, daneben ein schlichtes, karges Abendessen, das er kaum angerührt hatte.
      Banning saß da, als würde er versuchen, sich inmitten all dieser Dinge selbst wieder zusammenzusetzen.
      Sein Blick blieb an einem der Fotos hängen. Eine Gruppe vor einer Expedition junge Gesichter, entschlossen, voller Selbstverständlichkeit. Damals hatten sie geglaubt, vorbereitet zu sein. Dass Wissen, Planung und Erfahrung ausreichen würden.
      Er hob das Foto langsam an.
      Einige der Gesichter darauf lebten nicht mehr.
      Das Bild fühlte sich schwerer an, als Papier sein sollte.
      Die Erinnerung kam nicht plötzlich. Sie war nie wirklich weg gewesen. Sie wartete nur auf Stille. Und genau diese Stille hatte er sich gerade geschaffen.
      Der Tag der Expedition stieg in ihm auf nicht als klare Abfolge, sondern als Bruchstücke: Stimmen, die im Funk verschwanden. Entscheidungen, die zu spät kamen. Wege, die sich als falsch herausstellten, obwohl sie auf der Karte richtig ausgesehen hatten. Und dieses unausweichliche Gefühl, dass die Welt an einem Punkt aufgehört hatte, berechenbar zu sein.
      Bannings Finger verkrampften sich leicht um den Rahmen des Fotos.
      Er hatte überlebt.
      Das war nie ein Triumph gewesen. Eher eine offene Frage, die niemand mehr gestellt hatte.
      Ein leiser Druck legte sich in seine Brust, vertraut und gefährlich gleichzeitig. Er stellte das Foto langsam zurück auf den Tisch, als könnte er damit die Erinnerung kontrollieren. Doch das half nie.

      Nicht nochmal“, murmelte er in den Raum hinein, kaum hörbar. Er wusste nicht, ob er damit sich selbst meinte oder die Situation, in die er sich erneut begeben hatte.
      Die Kiste. Die Frau. Die Geschichte, die sich wieder zu bewegen begann.
      Banning schloss kurz die Augen. Als er sie wieder öffnete, war die Panik nicht verschwunden aber sie war eingesperrt. Vorübergehend.
      Er atmete tief durch, griff nach der Teetasse und stellte sie wieder ab, bevor er einen Schluck nahm.
      Sein Blick glitt erneut über die Skulpturen, die Bücher, die Fotos.
      Diesmal würde er früher reagieren. Diesmal würde er die Kontrolle behalten. Zumindest sagte er sich das.
      In den folgenden Tagen begann sich die Expedition mit einer beinahe nüchternen Effizienz vorzubereiten.
      Auf dem Campus herrschte eine ungewöhnliche Mischung aus akademischem Alltag und logistischer Anspannung. Kisten wurden verladen, Listen abgeglichen, Ausrüstung geprüft und wieder neu sortiert. Was sonst in Hörsälen und Laboren diskutiert wurde, hatte sich nun in praktische Entscheidungen verwandelt: Gewicht, Haltbarkeit, Transportwege.
      Die Finanzierung durch die Miskatonic University sowie die Derby-Pickman Stiftung hatte alles überhaupt erst möglich gemacht. Ohne diese Mittel wäre das Projekt längst in der Phase der theoretischen Planung stecken geblieben.
      Banning bewegte sich durch die Vorbereitungen mit kontrollierter Ruhe. Er sprach wenig, beobachtete viel. Jede Kiste, die versiegelt wurde, jede Unterschrift auf einem Dokument, fühlte sich für ihn weniger wie Organisation und mehr wie das Schließen eines Kreises an.
      Am Tag der Abreise versammelte sich das Team auf dem Campusplatz. Ein Bus stand bereit, Motor im Leerlauf, die Türen offen wie ein stilles Versprechen auf Bewegung.
      Das Licht des Morgens war klar, fast zu klar für einen Abschied.
      Banning blieb einen Moment abseits stehen, den Blick über die Gruppe schweifend. Einige Gesichter waren angespannt, andere versuchten, eine Art professioneller Gelassenheit aufrechtzuerhalten. Niemand sprach unnötig laut. Es war die Art von Stille, die nicht aus Ruhe entstand, sondern aus Erwartung.
      Als sie einstiegen, setzte sich der Bus langsam in Bewegung und verließ den Campus.
      Das Ziel war der Flughafen in Boston. Von dort aus sollte die Reise weitergehen über Kontinente hinweg, hinein in Regionen, die auf Karten klar wirkten und in der Realität doch jede Klarheit verloren.
      Banning saß am Fensterplatz und sah hinaus, während die Stadt an ihnen vorbeizog.
      Je weiter sie sich entfernten, desto mehr fühlte es sich an, als würde etwas Unsichtbares hinter ihnen zurückbleiben nicht verloren, sondern aktiviert.
      Und irgendwo tief in ihm war dieses leise, unangenehme Wissen:
      Dass der eigentliche Teil der Reise nicht im Regenwald beginnen würde, sondern genau jetzt.
    • Scarlett

      Die Zeit verging wie im Fluge und der Tag der Reise in den Amazonas stand bevor. Ich ging zum Campus, wo wir uns alle treffen sollten.
      Ein paar Leute waren schon vor Ort und ich konnte ein wenig abseits von uns stehend, Banning ausmachen. Ich überlegte für einen Augenblick ob ich ihn ansprechen sollte, ließ es aber. Der Bus wurde beladen und wir stiegen alle ein, als wir vollzählig waren.
      Am Flughafen in Boston gaben wir unser Gepäck auf und es dauerte nicht mehr lange und wir stiegen in das Flugzeug ein, was nur für uns reserviert wurde. Es war eine kleine Maschine und ich sahs relativ weit vorne im Flugzeug. Ich verstaute mein Gepäck oben in der Ablage und lauschte nur nebenbei den Worten der Ansage. Die Stewardess machte währenddessen ihre Einweisung wenn ein Notfall passieren sollte. Ich habe das alles schon tausendmal gesehen und gehört. Für mich war es also nichts Neues, dennoch für viele von uns sicherlich wichtig zu wissen. Ich lehnte meinen Kopf an die Lehne und sah hinaus, als das Flugzeug in den Himmel flog. Alles wirkte gerade so ruhig und friedlich. Man konnte noch nichts davon spüren, das wir uns eigentlich auf eine gefährliche Expedition begaben. Die ganze Gruppe war entspannt und ruhten sich aus. Der Flug dauerte über 10 Stunden und ich gönnte mir auch noch ein wenig Schlaf, bis wir so langsam im Landeanflug auf den Flughafen von Manaus waren. Ich richtete mich auf und blickte aus dem Fenster. Unter uns erstreckte sich der Amazonas in seiner vollen Pracht. Allmählich keimte doch die Aufregung in mir auf, denn bald würden wir einen Fuß dort hinein setzen.
      Die Landung war ein wenig holprig und als ich ausstieg schlug sofort die schwüle Luft von Brasilien in mein Gesicht. Wir gingen anschließend gemeinsam durch den Check UP und versammelten uns alle vor dem Flughafen. Dort warteten schon einige Ranger mit ihren Wagen um uns in Richtung des Amazonas zu fahren. Nach einer kleinen Einweisung, stiegen wir ein und fuhren die Straße entlang zu unserem Startpunkt der Expedition. An einer geeigneten Stelle ließen die Ranger uns heraus und wünschten uns noch etwas Glück. Tief atmete ich durch, sattelte meinen Rucksack und drehte mich zu den Anderen um. Nun gab es kein Zurück mehr. Viele von ihnen schienen jedoch noch mehr Angst zu haben, als so schon, denn jetzt waren wir auf uns alleine gestellt. Mein Blick fiel zu Banning und ich ging auf ihn zu. "Da wären wir. Haben sie einen Plan wie wir vorgehen sollten?" Es wäre die bessere Entscheidung ihm das Zepter zu übergeben, denn der Mann wies mehr Erfahrung in solchen Dingen auf, als alle hier anwesenden. Ein paar von ihnen murmelten vor sich hin und waren sich unsicher ob sie ihm wirklich vertrauen konnten. Mein Blick wurde ernster und strenger und ich wandte mich zu dem Rest der Gruppe. "Mir ist es scheißegal ob ihr ein Fan von Banning seit oder nicht. Dennoch wäre es klug wenn er die Expedition anführt, denn er ist dazu fähig, das weiß ich. Und außerdem sollten wir als Gruppe zusammen bleiben. Niemand von uns weiß was uns dort drinnen erwartet und ich habe keine Lust irgendjemanden gleich am Anfang aus der Patsche zu helfen, nur weil derjenige seinen Willen durchsetzen wollte. Habt ihr mich verstanden?" Sofort herrschte Stille. Auf einige wirkte ich sicherlich ein wenig einschüchternd mit meiner Art und Weise, aber genau so sollte es auch sein. Ich wollte sie nicht in Watte packen, ihnen sollte von Anfang an klar gemacht werden worauf sie sich hier eingelassen haben. Niemand würde jetzt einfach so von hier wegkommen. Die Ranger waren schon längst weg und die nächste Stadt war meilenweit von hier entfernt. "Gut dann wäre das nun geklärt." Ich drehte mich wieder zu Banning um und schenkte ihn ein kleines stolzes Lächeln. "Wollen wir losziehen?"
    • Mike

      Gerade als Banning antworten wollte, trat ein Mann aus der Nähe eines der Rangerfahrzeuge hervor, den bisher kaum jemand beachtet hatte. Er war mittelgroß, von der Sonne gebräunt und wirkte deutlich älter als die meisten von uns. Sein dunkles Haar war bereits von einzelnen grauen Strähnen durchzogen und sein Gesicht erzählte von vielen Jahren, die er unter der brennenden Sonne und im dichten Regenwald verbracht hatte. Über seiner Schulter hing ein abgenutztes Gewehr, während an seinem Gürtel mehrere Werkzeuge befestigt waren. Banning nickte ihm kurz zu.

      Bevor wir losgehen, solltet ihr Miguel kennenlernen.“ Die Aufmerksamkeit der Gruppe richtete sich sofort auf den Mann.

      Miguel begleitet uns als Wegführer. Ich kenne ihn seit Jahren. Bei mehreren Expeditionen hat er mich bereits durch den Amazonas geführt.“ Miguel verschränkte die Arme vor der Brust und musterte die Gruppe schweigend. Sein Blick blieb kurz auf jedem Einzelnen liegen, als würde er einschätzen, wer den Strapazen gewachsen war und wer nicht.

      Freut mich, euch kennenzulernen“, sagte er schließlich mit leichtem brasilianischem Akzent.

      Der Amazonas ist wunderschön, aber er verzeiht keine Fehler. Wenn ich euch etwas sage, dann hört zu. Das kann euch das Leben retten.“ Einige Studenten wechselten nervöse Blicke. Miguel schien das zu bemerken und schmunzelte leicht.

      Keine Sorge. Solange ihr bei der Gruppe bleibt und nicht versucht, den Helden zu spielen, kommen wir hoffentlich alle wieder gesund nach Hause.“ Ein leises Murmeln ging durch die Reihen. Banning trat neben ihn.

      Miguel kennt die Gegend besser als jeder andere. Seine Anweisungen haben das gleiche Gewicht wie meine. Wenn er sagt, wir gehen nach links, dann gehen wir nach links. Wenn er sagt, wir bleiben stehen, dann bleibt jeder stehen. Haben wir uns verstanden?“ Zustimmendes Nicken folgte. Miguel griff nach seiner Machete, trat an die Spitze der Gruppe und deutete auf eine schmale Öffnung zwischen den dicht stehenden Bäumen.

      Dann los. Der Dschungel wartet nicht auf uns. Wir sollten keine Zeit verschwenden“, sagte er mit seiner rauen Stimme.

      Wir haben noch ein paar Stunden Tageslicht. Unser erstes Ziel sollte ein Lagerplatz in der Nähe eines Nebenflusses sein. Wasser ist wichtig, aber wir schlagen unser Camp nicht direkt am Ufer auf. Dort kommen nachts die Tiere trinken.“ Mit diesen Worten setzte er sich in Bewegung und führte uns hinein in das grüne, undurchdringliche Meer des Amazonas. Banning erwiderte mein Lächeln nur mit einem knappen Nicken. Sein Blick wanderte über die Gruppe, die sich inzwischen etwas beruhigt hatte. Auch wenn einige noch immer skeptisch wirkten, widersprach niemand mehr. Einige der Studenten wechselten nervöse Blicke. Banning ignorierte es.

      Bleibt dicht zusammen. Niemand entfernt sich allein von der Gruppe. Wenn ihr etwas Seltsames hört, meldet es. Wenn ihr etwas Seltsames seht, meldet es ebenfalls. Und vor allem: Fasst nichts an, von dem ihr nicht hundertprozentig wisst, was es ist.“ Damit setzte er sich in Bewegung. Die ersten Meter waren noch einfach. Ein schmaler Pfad führte durch den Randbereich des Regenwaldes. Doch schon nach kurzer Zeit verschlang uns die Vegetation förmlich. Gewaltige Baumstämme ragten wie Säulen in die Höhe. Lianen hingen von den Ästen herab und bildeten natürliche Vorhänge. Die Luft war schwer und feucht. Bereits nach wenigen Minuten klebte mein Shirt unangenehm an der Haut. Das Summen von Insekten erfüllte die Umgebung. Über unseren Köpfen schrien Vögel, die ich noch nie zuvor gehört hatte.

      Verdammt“, murmelte einer der Studenten hinter mir. „Das ist ja wie eine Wand.“ Er hatte recht. Der Dschungel wirkte lebendig. Als würde er uns beobachten.
      Banning achtete aufmerksam auf die Umgebung. Der Mann bewegte sich erstaunlich sicher zwischen den Bäumen hindurch. Man merkte sofort, dass dies nicht seine erste Expedition war. Nach etwa einer Stunde machten wir eine kurze Pause. Einige ließen ihre Rucksäcke erschöpft auf den Boden fallen. Plötzlich erklang rechts von uns ein lautes Rascheln.
      Sofort war jede Unterhaltung verstummt. Mehrere Köpfe fuhren herum. Eine Studentin keuchte erschrocken auf. Banning hob sofort die Hand.

      Still.“ Niemand bewegte sich. Das Rascheln wurde lauter.Dann knackte irgendwo ein Ast. Mein Puls beschleunigte sich. Langsam griff ich nach dem Messer an meinem Gürtel, ohne den Blick von den Büschen abzuwenden. Sekunden verstrichen. Dann schoss etwas Dunkles aus dem Unterholz hervor. Einige schrien auf. Doch genauso schnell, wie es erschienen war, verschwand das Tier wieder zwischen den Bäumen. Für einen Moment herrschte absolute Stille.

      Ein Pekari“, sagte Banning schließlich ruhig. „Eine Art Wildschwein.“ Er ließ den Blick über die Gruppe schweifen.

      Und wenn euch das schon erschreckt, dann solltet ihr euch besser zusammenreißen. Wir sind noch nicht einmal richtig im Amazonas angekommen.“ Niemand lachte. Denn tief im Inneren wusste jeder von uns, dass er recht hatte. Und während wir unseren Marsch fortsetzten, konnte ich das unangenehme Gefühl nicht abschütteln, dass uns zwischen den Schatten der riesigen Bäume noch etwas anderes beobachtete. Etwas, das kein Pekari war.
    • Neu

      Scarlett

      Dieser Miguel schien sehr erfahren zu sein und einige der Studenten atmeten hörbar erleichtert aus, als sie hörten das er uns begleiten würde. Hoffentlich hielt er Wort und ließ uns nicht mitten im Amazonas alleine. Es fiel mir schwer mich auf fremde Menschen einzulassen. Bei Banning war das was anderes, er hatte das gewisse Etwas. Ich schulterte meinen Rucksack und folgte den anderen in den Regenwald hinein. Die Luftfeuchtigkeit hier war anders und sofort klebten meine losen Strähnchen, meiner Haare an meinem Gesicht. Mein Blick war stets auf alles um mich herum gerichtet. Ich blickte auch immer wieder zu Boden um zu sehen wohin ich meinen Fuß setzte.
      Man wusste schließlich nicht auf was man hier stoßen würde.
      Nach einer Stunde Fußmarsch, schien eine kleine Pause genau das richtige zu sein. Ich stellte meinen Rucksack vorsichtig auf den Boden ab, holte mir eine Wasserflasche heraus und trank einen großen Schluck davon. Einige Studenten unterhielten sich, doch ein lautes Rascheln riss alle aus ihren Gesprächen. Ich hielt ebenfalls in meiner Bewegung inne und scannte die Umgebung, genau wie Banning und Miguel es taten. Ich sah wie Banning zu seinem Messer griff und schluckte unwillkürlich. Doch es war Gott sei dank nur ein harmloses "Wildschwein". Erleichterung machte sich in den Gesichtern der Stunden breit, aber die Warnung war eindeutig. Das hier war kein Ferienausflug mit der Schulklasse, nein es war eine sehr ernst zunehmende Expedition. Ich räumte meine Wasserflasche wieder weg und verschloss den Rucksack. Mit einem amüsierten Grinsen ging ich zu Banning. "Machen sie ihnen keine Angst, sonst stehen wir am Ende noch alleine hier. Dennoch bin ich verwundert warum noch niemand die Flucht ergriffen hat. Vermutlich würden sie jetzt schon nicht mehr hier herausfinden." Ich verschränkte meine Arme vor der Brust und ließ meinen Blick über die Studenten schweifen. Alles Amateure. Das konnte wirklich noch interessant werden. Die einzigen Menschen die Ahnung haben was zu tun ist, stehen gerade nebeneinander. Ich löste den Blick von der Truppe und sah Miguel an. "Wie lange machen sie das Ganze schon und warum sind sie so scharf darauf uns bei dieser Expedition zu helfen?" Ich war skeptisch und vielleicht ein wenig vorlaut, aber ich musste mein Gegenüber ebenfalls kennenlernen.
    • Neu

      Miguel musterte sie einen Moment lang schweigend. Zwischen den Studenten, die sich langsam wieder beruhigten, wirkte ihre direkte Art beinahe erfrischend. Dann erschien ein leichtes Schmunzeln auf seinem wettergegerbten Gesicht.

      Sie stellen viele Fragen für jemanden, der mir offensichtlich noch nicht ganz vertraut.“Er verschränkte die Arme vor der Brust und ließ den Blick kurz über die Gruppe schweifen. Einige Studenten versuchten angestrengt, so zu tun, als würden sie nicht zuhören.

      Ich bin seit fast zwanzig Jahren im Amazonas unterwegs. Angefangen habe ich als einfacher Führer für Forscher und Fotografen. Später kamen Expeditionen dazu, Rettungseinsätze, Kartierungen und alles, was Menschen sonst noch dazu bewegt, sich freiwillig in einen der gefährlichsten Orte der Welt zu begeben.“ Er deutete mit dem Kinn in die umliegende Vegetation.

      Der Wald verändert sich ständig. Wege verschwinden über Nacht, Flüsse ändern ihren Verlauf und manchmal verschwinden Menschen. Wer glaubt, er könne den Amazonas beherrschen, hat bereits verloren.“ Seine Stimme blieb ruhig, doch die Ernsthaftigkeit darin war unüberhörbar.

      „Und was Ihre zweite Frage angeht ...“Er hob eine Augenbraue.

      „Ich helfe nicht aus reiner Nächstenliebe. Die Universität bezahlt gut. Außerdem interessiert mich, wonach Professor Banning sucht.“ Miguel warf Banning einen kurzen Seitenblick zu.

      Die meisten Wissenschaftler kommen wegen Pflanzen, Tieren oder irgendwelcher Gesteinsproben hierher. Ihr Professor dagegen wirkt wie jemand, der bereits eine Spur verfolgt.“ Für einen Moment herrschte Schweigen.

      Und Menschen mit einer Spur bringen meistens interessante Geschichten mit sich.“ Banning verzog kaum merklich den Mundwinkel, sagte jedoch nichts dazu. Miguel griff nach seiner Feldflasche und nahm einen Schluck.

      Aber falls Sie sich fragen, ob ich Sie mitten im Amazonas zurücklassen werde: Nein.“ Sein Blick ruhte nun direkt auf ihr.

      „Solange niemand etwas außerordentlich Dummes tut, bringe ich jeden, der mit mir loszieht, auch wieder nach Hause.“ Ein plötzliches Kreischen hoch oben in den Baumkronen durchschnitt die Stille. Mehrere Studenten zuckten zusammen.
      Miguel hingegen reagierte nicht einmal.

      Pause ist vorbei“,
      sagte er trocken. „Und wenn wir Glück haben, begegnen wir heute nur Wildschweinen.“
      Mit diesen Worten schulterte er seinen Rucksack und setzte sich wieder in Bewegung, tiefer hinein in den endlos wirkenden Regenwald.
      Miguel schwieg einen Augenblick, als würde er überlegen, wie viel er erzählen wollte. Sein Blick glitt kurz zu Banning, der einige Meter entfernt mit einer Karte beschäftigt war.

      Es gibt noch einen weiteren Grund“,sagte er schließlich ruhiger als zuvor. Er rieb sich nachdenklich über den Nacken und ließ den Blick in den dichten Regenwald schweifen.

      Vor zwölf Jahren war ich Teil einer Expedition weit im Westen des Amazonas. Wir waren jung, überheblich und überzeugt davon, alles unter Kontrolle zu haben.“Ein trockenes Lachen verließ seine Lippen.


      „Natürlich hatten wir nichts unter Kontrolle.“ Seine Miene wurde ernster.

      Ein Sturm hat uns überrascht. Ein Teil unseres Lagers wurde zerstört und ich wurde von den anderen getrennt. Drei Tage war ich allein unterwegs. Verletzt, ohne ausreichend Wasser und mit einer üblen Wunde am Bein.“ Er deutete auf sein rechtes Bein.

      Ich hätte dort draußen sterben sollen.“ Nun sah er direkt zu Banning.

      Dann ist er aufgetaucht.“ Für einen Moment lag etwas wie Respekt in seiner Stimme.

      Damals kannte ich ihn kaum. Er hätte einfach weitergehen können. Stattdessen hat er mich versorgt, mich durch den Dschungel geschleppt und dafür gesorgt, dass ich lebend zu meinem Team zurückkomme.“ Miguel schüttelte langsam den Kopf.

      Die meisten Menschen reden davon, was sie in einer solchen Situation tun würden. Banning hat es tatsächlich getan.“ Als sie zu Banning hinübersah, bemerkte sie, dass dieser zwar zugehört hatte, sich aber offensichtlich nicht wohl dabei fühlte, im Mittelpunkt der Geschichte zu stehen.

      Es war nichts Besonderes“, murmelte er. Miguel schnaubte belustigt.

      Natürlich war es das.“ Er wandte sich wieder ihr zu.

      Also ja, die Bezahlung ist gut. Die Expedition ist interessant. Aber die Wahrheit ist, dass ich ihm einen Gefallen schulde. Einen großen sogar.“ Seine Augen verengten sich leicht.

      Und ich bin nicht der Typ Mensch, der solche Schulden vergisst.“ Banning schüttelte nur den Kopf und schulterte seinen Rucksack.

      Wenn ihr beide fertig seid, können wir weiter?“ Miguel grinste.

      Sehen Sie?“Er nickte in Bannings Richtung.

      „Nicht einmal ein bisschen bescheiden kann er sein.“ Dann hob er seinen Rucksack auf und folgte Banning, während ein amüsiertes Lächeln auf seinen Lippen lag.
      Die Dunkelheit hatte den Regenwald vollständig verschluckt. Nur das Lagerfeuer spendete noch Licht und ließ die Schatten der umliegenden Bäume über den Boden tanzen. Das Zirpen der Insekten, das ferne Kreischen unbekannter Tiere und das stetige Rascheln der Blätter bildeten eine beinahe unheimliche Geräuschkulisse. So setzten sie ihren Weg fort bis zum Einbruch der Nacht und man beschloss erst Morgen weiter zu gehen. So errichtete man ein Lager. Die Studenten hatten sich nach dem anstrengenden Marsch in kleinen Gruppen um das Feuer verteilt. Einige wirkten noch voller Energie, andere kämpften bereits gegen die Erschöpfung an. Scarlett saß etwas abseits, als sich Schritte näherten. Banning trat an sie heran und hielt ihr eine dampfende Tasse entgegen.

      Tee.“ Nachdem sie die Tasse entgegengenommen hatte, ließ er sich in ihrer Nähe nieder und blickte für einen Moment schweigend in die Flammen.

      Der Amazonas hat die Angewohnheit, Menschen falsche Sicherheit vorzugaukeln.“ Seine Stimme war ruhig, beinahe nachdenklich.

      Tagsüber sieht man die Schönheit. Nachts erinnert er einen daran, dass man hier nur zu Gast ist.“ Ein knackendes Geräusch erklang irgendwo zwischen den Bäumen. Banning hob automatisch den Kopf und lauschte. Erst nach einigen Sekunden wandte er seine Aufmerksamkeit wieder dem Feuer zu.

      Die meisten Expeditionen scheitern nicht an wilden Tieren oder irgendwelchen Legenden.“ Er verschränkte die Hände vor sich.

      Sie scheitern an Selbstüberschätzung. Jemand glaubt, die Regeln würden für ihn nicht gelten. Jemand wird unvorsichtig.“
      Sein Blick glitt kurz über das Lager.

      Deshalb werde ich die Studenten vermutlich die nächsten Wochen regelmäßig nerven.“ Ein schwaches Schmunzeln erschien auf seinen Lippen.

      Zu ihrem eigenen Wohl natürlich.“ Für einen Moment herrschte Schweigen. Das Feuer knackte leise, während Funken in die Dunkelheit aufstiegen.

      Sie wirken erstaunlich gelassen.“ Banning lehnte sich etwas zurück.

      Die meisten Menschen sind an ihrem ersten Abend hier nervös. Manche bereuen ihre Entscheidung sogar bereits.“ Er betrachtete die tanzenden Flammen.

      Aber Sie beobachten lieber. Das ist mir schon heute aufgefallen.“ Ein weiterer Moment der Stille verstrich.

      Das ist keine schlechte Eigenschaft. Im Gegenteil.“ Seine Stimme wurde etwas ernster.

      Menschen, die aufmerksam sind, bemerken oft Dinge, die anderen entgehen.“ Er schwieg kurz, bevor sein Blick erneut in die Dunkelheit wanderte.

      Und im Amazonas können genau solche Kleinigkeiten den Unterschied machen.“ Das Feuer spiegelte sich in seinen Augen wider, während die Geräusche des nächtlichen Regenwaldes unaufhörlich weiterklangen und die Expeditionsteilnehmer langsam auf ihre erste Nacht im Herzen des Dschungels vorbereiteten.
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