Zwischen Sternenstaub und Herzschlag [Maskenraich & Nimue]

    • Zwischen Sternenstaub und Herzschlag [Maskenraich & Nimue]



      Romantische Fantasy | Drama | Mystery

      Storyline:

      In einer Welt, in der Sternschnuppen magische Kräfte verleihen, begegnen sich zwei Fremde in einer schicksalhaften Nacht. Einer von ihnen trägt ein Geheimnis: Er oder sie ist durch einen Wunsch an einen fremden Ort gebunden und hat nur eine begrenzte Zeit, bevor die Magie ihren Preis fordert. Während sie gemeinsam herausfinden, warum ihre Wege vom Schicksal verknüpft wurden, entsteht zwischen ihnen eine zarte, aber intensive Liebe.
      Doch als die Wahrheit ans Licht kommt, müssen sie entscheiden:
      Folgen sie ihrem Herzen – oder akzeptieren sie das Opfer, das nötig ist, um ihre Welt zu retten?

      Die Charaktere:
      @Maskenraich = Amelia Elara Winterlicht
      @Nimue = Zacharias Noxveil

      [Vorstellung]

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    • Die Nacht war klarer, als sie es hätte sein sollen. Ich stand am Rand der alten Steinbrücke und ließ meinen Blick über den dunklen Fluss gleiten, der träge unter mir vorbeizog. Das Wasser spiegelte den Himmel wie ein zerbrochener Spiegel – tausend kleine Sterne, die auf seiner Oberfläche zitterten, sobald der Wind darüber strich. //Seltsam ruhig//, dachte ich.
      Meine Finger glitten über das kühle Geländer, während ich tief einatmete. Die Luft roch nach feuchter Erde, nach Nachtblumen… und nach diesem kaum greifbaren Hauch von Magie, den man nur spürte, wenn man lange genug allein unter freiem Himmel gestanden hatte.
      Ich hätte längst zurück sein sollen.
      Die Lichter der Stadt lagen nicht weit entfernt hinter mir. Wenn ich mich umgedreht hätte, könnte ich die warmen Fenster sehen, das flackernde Gelb der Laternen, vielleicht sogar noch vereinzelte Stimmen, die durch die Gassen hallten. Ein vertrautes, sicheres Leben wartete dort.
      Und doch war ich hier. Etwas hatte mich nach draußen gezogen. Ein leiser, hartnäckiger Gedanke, der mir den ganzen Abend im Hinterkopf gelegen hatte. Als würde mich die Nacht selbst rufen.
      Ich schloss kurz die Augen und legte den Kopf in den Nacken. Der Wind strich kühl über mein Gesicht und verfing sich in meinen Haaren. Für einen Moment ließ ich einfach nur die Stille auf mich wirken.
      Es war eine dieser seltenen Nächte, in denen die Welt größer wirkte als sonst. Als würde sich hinter jedem Schatten ein Geheimnis verbergen und als könnte ein einziger Augenblick alles verändern.
      ''Nur noch eine Weile…“, murmelte ich leise zu mir selbst. Meine Stimme klang beinahe fremd in der stillen Dunkelheit.
      Ich wollte mich gerade wieder auf den Weg machen, als etwas meine Aufmerksamkeit zurück zum Himmel zog. Ein flüchtiges Aufblitzen – zuerst so schwach, dass ich dachte, ich hätte es mir eingebildet.
      Dann wurde das Licht heller.
      Eine Sternschnuppe durchschnitt den Nachthimmel und zog eine leuchtende Spur hinter sich her. Für einen Herzschlag schien sie stillzustehen, als würde sie die Zeit selbst anhalten, bevor sie langsam verblasste.
      Unwillkürlich hielt ich den Atem an. Nicht, weil Sternschnuppen selten waren. Sondern weil sich in diesem Moment etwas verändert hatte.
      Ein seltsames Ziehen breitete sich in meiner Brust aus, warm und gleichzeitig beunruhigend, als hätte jemand eine unsichtbare Saite in meinem Inneren angeschlagen. Ich presste meine Hand leicht gegen mein Herz, als könnte ich dieses Gefühl damit beruhigen.
      //Was…?// dachte ich mir und langsam öffnete ich wieder die Augen und ließ meinen Blick über die Umgebung gleiten.
      Die Bäume am Flussufer rauschten leise im Wind. Das Wasser bewegte sich gleichmäßig unter der Brücke. Alles sah genauso aus wie zuvor.
      Und doch war da etwas.
      Ein kaum greifbares Gefühl, das sich wie ein Schatten über meine Gedanken legte. Als hätte sich die Nacht selbst verändert, ohne dass ich sagen konnte, warum.
      Ich richtete mich langsam auf. Mein Blick wanderte über den Weg hinter mir, über die dunklen Silhouetten der Bäume und die schwachen Umrisse der Straße. Mein Herz schlug plötzlich ein wenig schneller. Es war keine Angst. Eher eine merkwürdige Gewissheit. Die Art von Gefühl, die man hat, kurz bevor sich etwas Entscheidendes ereignet.
      Der Wind frischte leicht auf und ließ die Blätter der alten Weide neben der Brücke rascheln. Für einen kurzen Moment glaubte ich, zwischen den Schatten eine Bewegung zu erkennen. Ich hielt inne. Dann drehte ich mich langsam um. Und in diesem Augenblick wurde mir klar, dass ich nicht mehr allein war.
    • Das Kratzen meiner Feder war das einzige Geräusch, das den Takt in der modrigen Stille unserer Zuflucht vorgab. Ich saß tief gebeugt über vergilbtem Pergament, während das schwächliche Flackern einer einsamen Kerze meine Handbewegungen als tanzende Schatten an die Wände warf. Hier, inmitten von zerfallenen Säulen und Karten, die längst vergessene Sterne zeigten, war ich der Herrscher über ein Reich aus Staub und uralten Rätseln. Die filigranen Linien der Berechnungen begannen vor meinem Blick zu verschwimmen. Immer wieder formten sie sich zu unmöglichen Geometrien, während ich versuchte, die widerspenstige Sternenenergie in eine einheitliche Formel zu zwingen. Es war mein verzweifelter Kampf gegen die Zeit, um Gwen endlich aus dem gläsernen Kerker ihrer Existenz zu befreien.
      "Zach...", erklang ihre Stimme, zunächst noch zart und vorsichtig als wollte sie mich nicht verschrecken. Sie kam aus der offenen Taschenuhr, die neben meinen Aufzeichnungen lag. Ihre Erscheinung im Deckel zitterte wie eine Spiegelung im Wasser. "Leg die Feder weg. Du verlierst dich in diesem Tunnel... du weißt schon gar nicht mehr, welchen Koeffizienten du gerade berechnest. Willst du wirklich riskieren, dass uns wieder alles um die Ohren fliegt? Dass sich das Schicksal von Asterion wiederholt?" Mitlerweile klang sie deutlich ungehaltener als vorher. Dabei machte ich Alles doch nur ihretwegen! "Ich kann nicht. Ich bin kurz davor, Gwendolyn", murmelte ich, mit rauer Stimme. Meine Finger waren von Tinte geschwärzt und zitterten so heftig, dass die Feder kleine Kleckse auf dem Papier hinterließ. "Wenn ich die Resonanzfrequenz der Chronos-Sphäre um nur 0,004 % verschiebe, bricht das Siegel." Meine kleine Schwester seufzte mit übertriebener Betonung. "Oder du verbrennst dich von innen, bevor die Tinte getrocknet ist", unterbrach sie mich mit einer Bestimmtheit, die mich kurz innehalten ließ. "Mach eine Pause. Bitte."
      Draußen vor den zerbrochenen Fenstern begann der Silberwald zu toben. Es war kein Wind, der dort heulte, sondern das aufgebrachte Gezeter jener magischen Bewohner, die ich in meinem Exil mehr schlecht als recht duldete. Ein aufgeregtes Pilzmännchen war durch den Spalt unter der Tür gehuscht und kletterte nun mit einer Geschwindigkeit an meinem Stiefelschaft empor, die gar nicht zu seinem plumpen Körper passte. "Sie atmet unser Licht! Sie stiehlt den Tau!", quiekte es und trommelte mit seinen winzigen, erdigen Fäusten gegen das Leder meines Stiefels, als wollte es mich gewaltsam aus meinem Stuhl treiben.
      Hinter ihm, im Schatten des Fensterbretts, keifte ein Kobold: "Ein Menschlein! Ein nacktes, lautes, störendes Ding! Wirf es weg, Gelehrter! Wirf es in den Fluss, bevor es Wurzeln schlägt!" Seine gelben Augen starrten hasserfüllt in Richtung der alten Brücke, die man von hier aus nur erahnen konnte. Und dann waren da die Feen. Ihr hohes, fast schmerzhaftes Flüstern drang wie spize Nadelstiche in meinen Verstand. "Sie leuchtet... sie trägt ein Echo, das nicht ihr gehört... vertreib sie, Wächter, oder wir löschen ihr Licht mit dem unseren!" Mein Kopf dröhnte. Das Wispern des Waldes war heute Nacht zu einem Brüllen geworden. Wenn diese Kreaturen etwas wollten konnte sie leider sehr aufdringlich sein!
      Die Geister waren außer sich, weil dieses Mädchen die unsichtbare Grenze überschritten hatte, genau den filigranen Punkt, an dem die Realität verschwamm wurde und die Magie des Silberwaldes zu atmen begann. Gwen horchte auf und versuchte noch einmal, meine Aufmerksamkeit zu bekommen. "Zacharias... hörst du sie nicht? Das ist so noch nie passiert. Sie ist wie ein verlorener Stern, der seinen Platz am Himmel sucht. Vielleicht ist sie die Antwort, nach der du-" Ich schlug mit der Faust auf die Arbeitsplatte meines Tisches. "Genug!", zischte ich. Ich hielt es nicht mehr aus. Weder die Hoffnung meiner Schwester noch den hysterischen Lärm der Waldbewohner. Mit einer harten, fast schon gewaltsamen Bewegung klappte ich die Taschenuhr zu. Ein metallisches Klack ließ alles zunächst mit einen Schlag verstummen. Das blaue Leuchten verschwand augenblicklich, und für einen Augenblick herrschte in meinem Kopf eine gespenstische Stille, die nur vom hämischen Kichern des Kobolds unterbrochen wurde. Eigentlich wollte ich ihr das nicht antun aber Gwens Hoffnung war schmerzhafter als der Zorn des Waldes.
      Ich gab dem Drängen der Geister endlich nach. Ich schüttelte das Pilzmännchen unsanft von meinem Bein, warf mir den dunklen Umhang über die Schultern und trat hinaus in die kühle, raunende Nacht. Ich würde dieses Problem jetzt selbst in die Hand nehmen.
      Doch als ich am Rand der Brücke im Schatten der alten Weide stehen blieb, erstarrte ich.
      Die Menschenfrau stand auf der Brücke, das Mondlicht fing sich in ihrem Haar, und für einen Moment schien die Welt um sie herum den Atem anzuhalten. Sie wirkte nicht wie ein Eindringling. Sie wirkte wie ein fehlendes Puzzleteil. Die Art, wie sie den Kopf neigte, als verstünde sie das Rauschen der Blätter das eigentliche, tiefe Lied des Waldes, ließ meinen analytischen Verstand einen Herzschlag lang völlig aussetzen. //Was bist du?//, dachte ich. In mir rang mein Zorn mit aufgeregter Faszination. Ich kannte jede Sternenkonstellation, jede mathematische Formel, aber dieses Mädchen... wie die Umwelt auf sie reagierte und wie sie da stand... sie passte in keine der Muster. Sie war eine Anomalie. Ein wunderschöner, lebendiger Fehler im Gefüge, der dort auf der Brücke stand und den Atem des Waldes lauschte.

      Dieser Beitrag wurde bereits 1 mal editiert, zuletzt von Nimue ()

    • Neu

      Die Bewegung in den Schatten war kein Zufall. Ich hatte sie schon gespürt, bevor sie sich umdrehte.
      Nicht mit den Augen, die hatten sich längst daran gewöhnt, Dinge zu sehen, die andere übersahen – sondern mit etwas Tieferem. Etwas, das zwischen den Gleichungen lag, die ich so verzweifelt zu ordnen versuchte. Ein Bruch in der Struktur. Eine Verschiebung, so fein, dass sie jeder Formel entglitt. Und doch stand sie jetzt dort. Real.
      Mein Blick löste sich nur widerwillig von ihr, glitt für einen Moment über die Umgebung – über die Weide, den Fluss, die Schatten zwischen den Bäumen. Der Wald war nicht mehr nur unruhig. Er… hielt inne. Als hätte er den Atem angehalten.
      Das allein hätte mir Warnung genug sein sollen.
      ''Du…'' Meine Stimme klang rauer, als ich beabsichtigt hatte, als hätte ich sie zu lange nicht benutzt. Ich trat einen Schritt aus dem Schatten, gerade weit genug, dass das Mondlicht den Rand meines Gesichts streifte, aber nicht genug, um mich vollständig preiszugeben.
      Ich musterte sie jetzt offen. Zu ruhig. Zu gefasst. Kein panisches Zurückweichen. Kein Zögern. Falsch.
      Ein leises, kaum hörbares Schnauben entwich mir, mehr Gedanke als echtes Geräusch. ''Du bist nicht hier vorbeigekommen'', stellte ich fest, die Worte nüchtern, fast kühl. Es war keine Frage. Meine Finger zuckten unwillkürlich, als würden sie noch immer eine Feder halten, als suchten sie nach einer Formel, die sich nicht greifen ließ. Doch da war keine. Nichts an ihr ließ sich berechnen.
      Ein weiterer Schritt. Das Holz der Brücke gab unter meinem Gewicht nach.
      ''Der Wald hasst Eindringlinge.'' Mein Blick huschte kurz zu den dunklen Baumlinien, wo das Wispern lauerte, auch wenn es sich im Moment zurückhielt. ''Und heute Nacht… hasst er dich besonders.'' Wieder zurück zu ihr. Länger diesmal. Genauer.
      Als würde ich versuchen, sie auseinanderzunehmen, Schicht für Schicht, bis nur noch etwas übrig blieb, das Sinn ergab. Tat es aber nicht.
      Ein feines Ziehen breitete sich hinter meiner Stirn aus – dieses vertraute Pochen, wenn etwas nicht in die Ordnung passte, die ich mir aufgebaut hatte. ''Also entweder bist du lebensmüde…'' Ein kurzer Halt. Meine Augen verengten sich leicht. ''…oder du weißt etwas, das ich nicht weiß.''
      Stille legte sich zwischen uns, dünn wie Glas. Dann, leiser, fast mehr zu mir selbst als zu ihr: ''Beides gefällt mir nicht.'' Doch ich wich nicht zurück.
      Meine Hand glitt instinktiv zum Umhang. Nicht, weil ich kämpfen wollte, sondern weil ich mich vorbereiten musste auf alles, was diese Begegnung auslösen konnte. Der Wind trug ein leises Flüstern mit sich, als wollte der Wald selbst mir etwas zuflüstern. Doch ich konnte es nicht deuten – nur spüren, dass jede Bewegung, jedes Atemholen von ihr eine Reaktion auslöste, die jenseits meiner Berechnungen lag.
      Für einen Moment wünschte ich mir, ich könnte die Zeit anhalten. Nur um zu verstehen. Um zu begreifen, ob sie Gefahr war… oder die Antwort auf etwas, das ich seit Jahren vergeblich suchte. Und während ich dort stand, auf der alten Brücke, umschloss mich eine Mischung aus Faszination und Wut. Weil sie sich meinem Verstand entzog. Und weil ich zugleich wusste: Diese Nacht würde alles verändern, ob ich es wollte oder nicht.