Im Angesicht des Abgrunds (Alea & Stardust)

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    • Im Angesicht des Abgrunds (Alea & Stardust)



      Ein angenehmer Tag. Die Sonne scheint und Vögel zwitschern. Dennoch trug die junge Frau wie gewöhnlich einen langärmligen Pullover. Die Blicke von anderen Menschen waren zur Gewohnheit geworden. Anfangs durchaus als störend empfunden, so war es Amber mittlerweile schlichtweg egal. Solange es dabei blieb und sie darüber hinaus in Ruhe ließen. Ein Drücken des Knopfes ließ die Türklingel erschallen. “Dieser verdammte Ton.” fluchte die junge Frau. Es brauchte nicht lange, ehe Emma die Tür öffnete. Es folgte eine Umarmung, welche Amber erwiderte und fragte “Hey oder stör ich?” Das Lächeln auf dem Gesicht ihrer Schwester reichte als Antwort, dennoch sagte sie “Nein natürlich nicht komm rein. Möchtest du einen Kaffee?” Die Braunhaarige nickte und trat ein. Es ging ins Wohnzimmer, welches über eine Theke direkt mit der Küche verbunden war. “Amber ist dir nicht zu warm?” kam es von Emma. Nachdem sie Platz genommen hatte, stützte sich die Jüngere den Kopf und antwortete “Nein mir ist etwas kalt.” Die Ursache des ganzen brauchte nicht erwähnt zu werden, weil es beide wussten. Ebenso auch, dass kalt in ihrem Fall hieß, dass sie stark frierte. Das Thema welches oft zur Sprache kam und immer wieder zu Unstimmigkeiten zwischen den Schwestern führte. Besorgnis trat in Emmas Gesicht. Viel zu lange hatte sie bereits mit angesehen. was die Drogen mit ihrer kleinen Schwester getan hatten. Zwar wusste sie einiges was Amber im Laufe der Jahre an Verbrechen und anderen Optionen getan hatte um sich die Sucht finanzieren, doch lag die Vermutung sehr nah, dass da mehr war welches unerwähnt blieb. Doch hatte es keinen Sinn, ihre Schwester zum Reden zu drängen. Mit zwei Kaffeetassen fand auch die Ältere ihren Platz und stellte Amber eines der Gefäße hin. “Danke.” kam es nur knapp und die Jüngere trank etwas. Beide Hände um die Tasse gelegt, um sich wenigstens ein wenig zu wärmen. “Du hast wieder Schmerzen.” sprach Emma. Es war eine Feststellung, denn auch wenn ihre Schwester es verstecken wollte, so war es für sie offensichtlich zu erkennen. Mit einem Seufzen fuhr Emma fort “Amber ich weiß das du keinen Entzug machen willst. Aber ein Freund von mir kennt sich mit solchen Dingen aus. Wäre es ok, wenn ich ihn anrufe? Ich bitte dich nur, ihn kennenzulernen und mit ihm zu reden.” Da war wieder dieses widerliche Wort. Entzug. Es redeten alle davon, als wäre es ein verdammtes Wunder. “Wozu damit der Typ mich volllabern kann, damit ich mich in eine verschissene Klinik einweisen kann. Weil deine Schwester eine verkackte Versagerin ist, die allein nichts auf die Reihe bekommt? Ich will keinen verdammten Entzug. Ich komme klar ok.” sagte Amber, wobei ihr Tonfall sehr gereizt war. Es war nichts neues, denn solche Reaktionen waren normal bei dem Thema, was Emma bewusst war. Dennoch setzte es ihr zu. Tränen rannen aus ihren Augenwinkeln. “Nein Amber du bist keine Versagerin. Ich verlange auch nicht, dass du sofort irgendwas anfängst. Aber bitte rede nur mit ihm. Ich sehe doch, wie das Zeug dich kaputt macht. Ich kann einfach nicht mehr zusehen, was es mit dir macht. Bitte lerne ihn nur kennen, mehr verlange ich nicht.” sagte die Ältere. Ihre Stimme spiegelte die Trauer und den Schmerz wieder. Ein Umstand der Amber trotz ihrer Gereiztheit nicht kalt lies. Es gab einige Momente der Stille. Die Braunäugige trank etwas Kaffee und äußerte dann “Ok ich rede mit diesem Freund von dir. Aber ich verspreche nicht mehr als das.” Anschließend nahm Amber ihre Handtasche und ging auf den Balkon, um zu rauchen. Sie brauchte es nun einfach um ein wenig runterzukommen, doch auch begann ihr Körper leicht zu zittern.
      Love is something entirely without any logic but an important part of human nature. The wish that the one you care for is happy. Something someone willingly take sacrifices for to ensure it even if it results in their own pain.
    • Raphael hatte heute seinen freien Tag und verbrachte den damit, auszuschlafen und gemütlich zu frühstücken. Dafür backte er sich zwei Brötchen auf, schnitt sich noch Tomaten, Gurken und Salat zurecht, um die Brote damit zu belegen, so wie auch Wurst und Käse. Dazu gab es einen warmen Kaffee, während er nebenbei in der Zeitung etwas blätterte. Nachrichten und er hatten eine komische Beziehung. Der Pfleger wollte zwar gut informiert sein, doch auch nicht zu viel von den negativen Ereignissen lesen, damit ihn das nicht zu sehr frustriert und herunterzieht. Daher wurden die Nachrichten immer nur häppchenweise konsumiert.
      Sein Frühstück beendet, räumte er alles auf, machte noch schnell den Abwasch und schnappte sich dann ein Buch über Kräuterheilkunde. Momentan will er sein Wissen erweitern, wie er prophylaktisch Heilkräuter nutzen konnte. Konnte man daraus nicht nur Tee machen, sondern manche in den Salat schneiden oder auch andere Gerichte damit verfeinern.
      Vertieft in den Seiten, klingelte plötzlich sein Handy. Es war eine Textnachricht von seiner engen Freundin Emma, die er gleich durchlas und danach direkt sein Buch weglegte. Sie hatten schon oft über ihre jüngere Schwester Amber gesprochen. Sie ist drogenabhängig, leugnet es aber. Für ein paar Jahre hatte er in einer Entzugsklinik gearbeitet und kennt sich daher mit dem Thema recht gut aus. Immer wenn Emma über ihre Schwester spricht, hört er ihren Schmerz in der Stimme heraus, wie diese Situation sie belastet und wie hilflos sie sich fühlt, dass sie Amber nicht helfen kann, aber diese auch erst gar nicht zulässt. "Wenn sie mit den Drogen aufhören will, muss das von ihr kommen. Ich habe die Erfahrung gemacht, dass, je mehr man diese Personen drängt, sich diese noch mehr zurückziehen und erneut in den Konsum flüchten." hatte er mal erklärt, dass es nicht so einfach ist, jemanden zu einem Entzug zu überreden. Und weil sie ihm leidtat, bot er Emma seine Hilfe an, indem er einfach mal mit ihrer Schwester sprach.
      Und heute schien es so weit zu sein, denn in der Nachricht stand, dass Amber gerade bei ihr zu Hause ist und eingewilligt hat, mit ihm zu reden. Daher zögerte Raphael nicht, antwortete seiner Freundin direkt, ließ quasi alles stehen und machte sie so schnell wie möglich auf den Weg. Turnschuhe und Jacke waren schnell angezogen, so wie Schlüssel und Portemonnaie genschappt und damit lief er zu seinem dunkelblauen Kleinwagen. Es war ein gebrauchter Toyota, da er sich so einfach nicht einen Neuwagen leisten konnte. Doch das Auto kam seiner Pflicht nach und brachte ihn zuverlässig von A nach B. Er brauchte nur zehn Minuten zu Emma, wo er an der Straße parkte und sich auf den Weg zu ihrer Wohnung machte. Hätte er etwas mitbringen sollen? Ach, dafür war es ohnehin zu spät, und irgendwie würde das doch komisch kommen. So blieb er vor der Haustür stehen und klingelte kurz.
      "Vergessen ist wie eine Wunde. Es mag zwar verheilen, aber dabei wird es eine Narbe hinterlassen."
      Monkey D. Ruffy


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    • Das Amber eingewilligt hatte, mit Raphael zu sprechen, erleichterte Emma etwas. Es war der größte Fortschritt bisher. Es hatte seit jeher nur vollkommene Ablehnung gegeben, wann immer auch nur davon gesprochen wurde, ein Ende mit den Drogen zu finden. Es war ihr bewusst, dass ein Gespräch allein keine Garantie geben würde, eher noch, dass die Chancen schlecht standen. Doch zumindest gab es dabei eine Chance. Noch mit Tränen in den Augen schrieb Emma eine Nachricht an Raphael und erklärte kurz die Situation. Es brauchte kaum zwei Minuten, ehe schon eine Antwort kam. Die Zusage, dass er sogleich käme, brachte Hoffnung in ihr auf. Nun wischte sich Emma ihre Tränen weg und setzte neuen Kaffee auf.

      Der Qualm füllte die Lungen der jungen Frau. Es war seltsam beruhigend schon seit der ersten Zigarette damals mit 14 Jahren. Als ihre Mutter es erfahren hatte, wurde es laut. Amber würde ihre Gesundheit damit zerstören. Wenn man dagegen sah, wie sie sich seit damals entwickelt hatte, so waren Zigaretten wohl das Kleinste der Übel. Mit der Hand an die Stirn gelegt, entkam ein Seufzen ihren Lippen. “Hoffentlich hält mir der Typ keine Moralpredigt oder so nen religiöses Gesülze.” sprach sie an sich selbst gerichtet. Doch egal wie man es wendete, Amber hatte zugesagt. Lust oder gar Interesse daran hatte sie keine. Hingegen aber war Emma ihr nicht egal. Ihre Schwester in Tränen zu sehen, war schmerzhaft. Trösten war keine ihrer Stärken oder sie war vielleicht auch gar nicht dazu fähig. Die Ursache am Schmerz von Emma war die Braunäugige selbst, somit war sie es vielleicht der Älteren sogar schuldig, dieses Gespräch zu führen. Doch solche Gedanken wäre ihr nie in den Sinn gekommen. Weitere Züge nahm Amber.

      Nach ungefähr 10 MInuten erschall die Klingel und Emma ging zur Haustür. “Danke Raphael du kannst dir nicht vorstellen, wie froh ich bin, dass du kommen konntest. Komm bitte rein.” sprach die Frau und führte ihren guten Freund ins Wohnzimmer. Sie bereitete eine Tasse Kaffee vor und stellte sie ihm hin. Erschöpft setzte sich Emma und sagte “Bitte nimm es nicht persönlich wenn Amber abweisend oder schwierig ist. Bei dem Thema ist sie immer sehr schnell gereizt und kann sehr schwierig sein.”

      Auf dem Balkon selbst war die Klingel nur leise zu hören. Der Moment war also gekommen. Doch hetzte sich Amber nicht. Sie rauchte noch die Zigarette fertig und ging dann zurück ins Haus. Im Wohnzimmer sagte die Braunhaarige erst nichts und setzte sich. Das Zittern war nach wie vor vorhanden, doch war es für sie selbst schon lange nichts Ungewöhnliches mehr, weshalb die Braunäugige es ignorierte. DIe Kälte aber war etwas anderes. Sie umfasste ihre Arme mit den Händen. “Du bist also dieser Freund mit dem ich sprechen soll. Dann fang an.” sprach sie, wobei ihr Tonfall recht emotionslos war, aber dennoch eine Spur von Anspannung enthielt.
      Love is something entirely without any logic but an important part of human nature. The wish that the one you care for is happy. Something someone willingly take sacrifices for to ensure it even if it results in their own pain.
    • Als die Türe sich öffnete, stand seine gute Freundin Emma vor ihm und bat den Schwarzhaarigen gleich ins Innere. "Hey, lass dich erst einmal umarmen." grüßte er die junge Frau und schenkte ihr eine herzliche Umarmung, ehe sie sich um die Getränke kümmern konnte. Raphael sah der älteren Schwester an, dass sie emotional, aber auch körperlich etwas erschöpft war. Da würde ihr der Kaffee bestimmt guttun. "Dank." schenkte er ihr ein aufmunterndes Lächeln, als sie ihm auch eine Tasse hinstellte. "Mach dir keinen Kopf. Ich werde schon klarkommen." gab Raphael beruhigend, aber auch munter von sich. Mit schwierigen Charakteren hatte er schon oft zu tun gehabt, da würde Amber ihn nicht aus der Bahn werfen.
      Als hätten sie die Jüngere beschworen, stand sie plötzlich bei ihnen im Wohnzimmer. Sie sah nicht wirklich gesund aus. Für eine 24-jährige, hatte sie zu tiefe und dunkle Augenringe und auch ihr Körper sah eher mager aus und besaß einen kränklichen Teint.
      "Du bist also dieser Freund, mit dem ich sprechen soll. Dann fang an." Diese Worte verrieten Raphael schon sehr viel. Amber gehörte wohl eher nicht zu den Geduldigsten und sie schien auch nicht sehr viel von dem ganzen Unterfangen zu halten. Will es wohl einfach schnell hinter sich bringen. Sie sieht keinen Mehrwert oder was das alles bringen soll. So in etwa, vermutete er, ihre Gedanken. Doch der Schwarzhaarige ließ sich nichts anmerken, sondern stellte sich als Erstes mal vor. "Hallo Amber, nicht wahr? Mein Name ist Raphael. Aber willst du dich nicht zu uns setzen? Deine Schwester hat gerade Kaffee gemacht." lud er sie mit einem sanften Lächeln ein, sich zu ihnen zu gesellen. Dabei stellte er die Tasse, die eigentlich für ihn gedacht war, auf dem Sofatisch ab, und das direkt vor dem freien Platz von einem bequemen Sessel.
      "Und weiß jetzt nicht, womit ich anfangen soll, also stelle ich mich dir einfach mal etwas vor." kratzte er sich leicht verlegen am Hinterkopf. Jetzt kam er sich doch etwas wie in der Schule vor, wo man anfing, von sich etwas zu erzählen, damit man das Eis brechen konnte.
      "Wie gesagt heiße ich Raphael, Raphael Jacoby. Ich bin 30 Jahre alt und habe zwei jüngere Geschwister. Ich gehe gerne klettern, bouldern, um genau zu sein." fing er an aufzuzählen und beobachtete dabei Amber ganz genau. An ihrer Körperhaltung würde er ablesen können, ob sie dem kleinen Plausch offen gegenüberstand, oder auch das von vornherein ablehnte.
      "Hast du auch ein Hobby?" fragte er sie dann vorsichtig, und versuchte damit, sie etwas in das Gespräch einzubringen.
      "Vergessen ist wie eine Wunde. Es mag zwar verheilen, aber dabei wird es eine Narbe hinterlassen."
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    • Die Umarmung ihres besten Freundes erwiderte Emma sofort. Es war eine große Erleichterung, dass er da war. Es brachte die Hoffnung, dass er vielleicht in der Lage war zu Amber durchzudringen. Zwar war ihr bewusst, dass Raphael bereits mit anderen Suchtkranken zu tun hatte, doch schmälerte es nicht die Bedenken. “Ich zweifle nicht daran, dass du klarkommst. Eher Sorgen wegen meiner Schwester. Offen gesagt weiß ich nicht mal wann es das letzte Mal war, dass ich keine Sorgen hatte, wenn es um sie geht.” sagte Emma und lächelte, dennoch erreichte es ihre Augen nicht. Der Gesichtsausdruck hätte weder sie selbst noch den Schwarzhaarigen täuschen können.
      Amber war sich noch nicht sicher, wie sie den Mann einschätzen sollte. Ein Freund von Emma, aber abgesehen davon Unsicherheit. Es würde sich wohl noch ein Bild ergeben wie bei einer Zeichnung. Ein Seufzen erklang von ihr, wobei es unsicher war, ob es ein Ausdruck von Frustration, Genervtheit oder vielleicht etwas anderes war. “Ja bin ich.” entgegnete die Braunhaarige knapp und nahm auf dem Sessel Platz. Ihre Arme verblieben um sich selbst gegriffen. Es war ihr schlichtweg egal, ob es ablehnend wirkte. Es half ein wenig gegen diese verdammte Kälte. Sie blickte kurz zu dem Kaffee, aber zeigte in Bezug darauf keine weitere Reaktion. Emma stand unterdessen auf und bereitete eine weitere Tasse Kaffee zu. Dann stellte er sich vor. “Warum haben immer alles gleich das Bedürfnis andere mit ihrer Lebensgeschichte zutexten?” fragte sich die junge Frau in Gedanken. Es wirkte wie eine dieser beknackten Selbsthilfegruppen, zu denen sie im Knast gezwungen wurde. Jedes Mal dort sitzen und sich das Leid anderer anzuhören und dann auch noch sich selbst mitzuteilen. Als ob darüber zu sprechen eine Art Wundermittel wäre, welches das Leid einfach verschwinden lies. Ihrer Schwester zuliebe aber hörte die Braunäugige zu. Ihre rechte Hand legte sie vor ihren Mund, wobei die Finger locker geschlossen waren. Unter normalen Umständen wäre lange die Flucht ergriffen worden, doch dies war keine Option in dieser Situation. Während zugehört wurde, wanderte ein Teil des Mittelfingers zwischen ihre Zähne und Amber biss drauf. Schmerz entstand und es fühlte sich beruhigend an, optisch aber gab es keine auffällige Veränderung. Bei seiner Frage schwieg Amber zuerst ein paar Momente. Dann legte sie ihre Hand auf ihr Bein. Mit einem sarkastischen Tonfall sprach die Braunhaarige “Natürlich Alkohol trinken, mir Heroin spritzen und meine Beine breit machen, um mir meine Hobbys zu finanzieren.” Aus der Küche hörte man Emma empört rufen “Amber” Ein genervtes Seufzen kam von der Jüngeren und in normalem Ton sprach sie “War doch nur ein Scherz.” Es war ihrer Schwester klar anzuhören, dass die Aussage sie verletzt hatte. “Sorry. An Hobbys gibt es nicht wirklich was. Ich habe früher gezeichnet, aber dafür habe ich die Motivation vor Jahren verloren.” Ohne groß darüber nachzudenken, nahm die Braunäugige die Tasse und trank Kaffee. Ihr Blick ruhte danach auf der heißen Flüssigkeit.
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      Amber setzte sich ihen, blieb dabei aber auf Abstand, was ganz normal war, bei solch einer Begegnung. Raphael erkannte sofort, dass sie nicht ihre Arme aus Ablehnung verschränkte, sondern dass ihr kalt war. Mit ihren Händen versuchte sie, ihren Oberarmen Wärme zu schenken. Sie war sehr dünn, zu dünn, daher ist es kein Wunder, dass sie friert.
      Amber hörte ihm zu, blickte dabei nicht so genervt wie andere durch die Gegend. Dennoch sah er ihr an, dass sie am liebsten gehen würde. Auch das kannte er von vielen suchtkranken Patienten, die noch im Glauben sind, ihr Leben irgendwie noch unter Kontrolle zu haben.
      Auf seine Frage hin, antwortete sie sehr zynisch, worauf Emma empört nach ihrer Schwester rief. "Schon gut." winkte Raphael das ab und ging erst gar nicht auf diese Antwort ein, da sie nur provozieren sollte.
      "Das ist doch ein Hobby. Vielleicht findest du ja irgendwann die Motivation dazu wieder." meinte er dann zu Amber, als sie vom Zeichnen sprach. Bevor Emma mit dem Kaffee wieder bei ihnen war, stand Raphael kurz auf und schnappte sich die Decke, die auf dem Sofa lag. Mit dieser ging er zu Amber und stellte sich hinter sie und legte den Stoff sanft um ihre Schultern.
      "Der Kaffee wird dich auch etwas wärmen." ermutigte er sie, auch davon einen weiteren Schluck zu nehmen. Dann setzte sich Raphael auch wieder hin.
      Er dachte kurz nach, wie er weiter fortfahren sollte, und fasste recht schnell einen Entschluss.
      "Amber, ich will gleich ehrlich mit dir sein. Ich bin weder ein Psychologe noch ein Psychiater. Ich bin Krankenpfleger und habe schon viel in meinem Leben gesehen." fing er dann an zu erzählen. "Ich bin auf Wunsch deiner Schwester hier, was du bestimmt weißt. Ich beabsichtige nicht, dich zu diagnostizieren, noch dich zu irgendetwas zu überreden." meinte er ruhig weiter und sah der jungen Frau dabei ernst in die Augen. "Was ich dir aber anbieten kann, ist, dass du einfach mit mir reden kannst. Du kannst mir Fragen stellen, wenn du willst, auch medizinische, was du eben wissen willst. Oder einfach dich bei mir auskotzen oder was weiß ich, über das Wetter reden." sprach Raphael weiter. "Du sollst nur wissen, dass du gehört wirst und ich dich immer ernst nehmen werde, egal bei welchem Thema." versprach er ihr auch direkt.
      Als er das losgeworden war, atmete er einmal kurz durch. Amber sollte das Gefühl haben, dass sie die Kontrolle über diese Situation hat. Er rechnete auch sehr stark damit, dass sie das zunächst ablehnen würde. Er musste als Erstes ihr Vertrauen gewinnen. Doch das konnte er ihr natürlich nicht aufzwingen. Er würde warten müssen, bis sie auf ihn zukam. Ein Glück ist Raphael sehr geduldig.
      "Vergessen ist wie eine Wunde. Es mag zwar verheilen, aber dabei wird es eine Narbe hinterlassen."
      Monkey D. Ruffy


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