Between Worlds [Marien&Royal]

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    • Between Worlds [Marien&Royal]

      Between Worlds - Vorstellung

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      Tajema Sikulin

      "Auf keinen Fall! Ich kann euch hier doch nicht einfach alleine zurücklassen, Meister."
      "Du wirst keine andere Wahl haben, Tajema." Sie wusste, dass Kotar ein Seufzen unterdrückte. Sie kannte diesen Gesichtsausdruck nur zu gut. "Du weißt genauso gut wie ich, dass der Auftrag zu wichtig ist, um ihn länger aufzuschieben."
      "Dann werde ich Euch einfach tragen, Meister", beharrte Tajema fest. eine Mischung aus Unsicherheit und Verzweiflung in der Stimme.
      "Sei nicht albern, Mädchen!" Sie zuckte beim düsteren und lauten Ton des Älteren zusammen. Kotar wurde so gut wie nie laut mit ihr. Selbst wenn er sie für etwas bestrafte, erhob er nie seine Stimme. Das er dieses mal nicht mehr an sich halten konnte, machte den ernste der Lage also nur noch umso deutlicher. "Mein Bein ist gebrochen... wahrscheinlich sogar zertrümmert. Wie willst du mich in dieser Situation den ganzen Weg bis zum Tor schleppen?"
      Sie presste fest die Zähne zusammen und ließ den Blick auf das angesprochene verletzte Bein wandern, welches man vor einigen Minuten fachmännisch verbunden und geschient hatte. Sie konnte noch immer nicht fassen, dass ein elender Mondoro für die schwere Verletzung verantwortlich sein sollte. Sie hatten sich niemals mit dem mannshohen Raubtier anlegen wollen, doch scheinbar hatten sie auf ihrer Reise unverhofft dessen Revier durchquert. Tajema war sich sicher, dass ihr Meister alleine gut mit den langen Krallen und peitschenden Schwanz der Bestie zurecht gekommen wäre, doch leider hatte er seinen idiotischen Schützling retten müssen. Auch wenn die junge Frau einen Großteil ihres Lebens mit intensivem Kampftraining verbracht haben mochte, dem mit giftigen Speichel gefüllten Maul eines Mondoro hatte sie noch nie entgegen stehen müssen. Ohne Kotar wäre sie sicherlich nicht unverletzt aus dieser Begegnung entkommen. Nein, sie wäre wahrscheinlich sogar gestorben. Doch während ihr Meister seine Schülerin aus der Reichweite der scharfen Krallen gestoßen hatte, wurde ihm die Chance genommen rechtzeitig der eisernen Schwanzspitze des Monsters zu entkommen, welche letztendlich seinen rechten Oberschenkel begleitet von einem entsetzlichen Knack-Geräusch zerschlug. Eine gute Stunde später konnte Tajema noch immer nicht ganz verstehen, wie sie es beide trotz all dem noch lebend aus dem Wald bis hierher in ein angrenzendes Dorf geschafft hatten. Nachdem der Mondoro aus Frust und Hunger zu allem Überfluss auch noch die Reittiere der beiden gerissen hatte, war der jungen Frau nichts anderes übrig geblieben, als ihren Meister in ein nahegelegenes Gasthaus in der Stadt zu schleppen. Zum Glück hatte sie recht schnell einen kompetenten Arzt besorgen können, welcher Kotar noch vor wenigen Minuten strenge Bettruhe verschrieben hatte.
      "Aber-"
      "Kein aber!" Noch immer war der Mann mit dem ergrauenden Haar ungewöhnlich laut und aufbrausend. "Es ist schon schlimm genug, dass dieses Mistvieh unsere Harashi gerissen hat. Selbst wenn ich unverletzt wäre, würde uns die Weiterreise zu Fuß zu viel Zeit kosten."
      "Dann müssen wir uns neue organisieren", hielt Tajema entgegen.
      "Mit welchem Geld? Das, welches du für den Arzt aufopfern musstest? Den Rest wirst du die weitere Reise dringend brauchen. Ganz davon abgesehen, wirst du in dieser Stadt maximal einen alten Reitgaul finden, Harashis werden nur im Königshaus gezüchtet." Kotar strich einzelne graue Locken aus seinem dunklen Gesicht und fühlte sich endlich dazu gezwungen, einmal lange und laut den Atem auszustoßen. "Tajema Sikulin." Er zog ihren Namen ungewöhnlich in die Länge, betonte besonders den Nachnamen, den sie mit ihrer Adoption erhalten hatte. "Deine Aufgabe als baldige Wächterin des magischen Artefaktes ist es, auf eben dieses Acht zu geben und..." Er ließ eine lange Pause. Wartete darauf, dass sie seinen Satz beendete.
      Sie biss die Zähne zusammen und senkte das Haupt. "Nichts darf wichtiger als meine Mission sein, es unbeschadet Tor der Welten zu bringen."
      "Richtig. Und auch ich zähle zu diesem 'Nichts'."
      Aber du bist die einzige Familie, die ich habe. Sie wusste, dass sie bestraft werden könnte, sobald sie diese Worte laut aussprach und schüttelte leise den Kopf. "Aber ich bin noch nicht bereit für diese Aufgabe."
      "Und wie du das bist", hielt Kotar eisern entgegen.
      "Wie kannst du das sagen, nachdem du mich noch vor einer Stunde vor einem Mondoro hast retten müssen?" Noch immer warf sie ungläubig ihren Kopf von links nach rechts.
      "Ganz einfach." Seine Stimme hatte wieder den üblichen ruhigen Bariton angenommen, den sie von ihrem Meister gewohnt war. "Weil du keine andere Wahl hast. Entweder du bist bereit und stellst dich deiner Aufgabe, oder du versagts und besiegelst das Schicksal dieses Königreiches... nein, dieser Welt." Ihr Herz sank in ihre Magengrube. Sie hatte keine Argumente gegen diese Worte und Kotar wusste das. "tajema. Du bist nun die einzige Hoffnung, die uns noch bleibt. Du musst das Artefakt zum Tor bringen und du wirst heute noch abreißen."

      Letztendlich hatte sie es aufgeben, sich weiter gegen Kotars Worte zu währen. Nicht nur das, sie war sogar seinen Anweisungen gefolgt und verließ nach einer stärkenden Mahlzeit das alte Gasthaus. Sie wusste nicht, wie sie die restliche Reise ohne ihren Meister bewältigen sollte. Auch wenn sie die theoretische Route schon seit Jahren studierte - für den Fall, dass das Tor irgendwann wieder mit den Artefakten vereint werden musste - war es etwas gänzlich anderes den Weg tatsächlich zu bestreiten. Seit man sie vor 12 Jahren einsam in einer heruntergekommenen Gosse aufgegabelt hatte, hatte sie schließlich keinen einzigen Fuß vor die grenzen Anderras gesetzt, die das Zentrum des östlichen Königreiches bildete. Sie wusste natürlich, dass eine ähnliche Wahrheit auch für ihren Meister eintraf und dennoch war es eine gänzlich andere Geschichte diese ihr so fremden Ländereien alleine zu durchwandern. Aber Kotar hatte Recht, ihr blieb keine andere Wahl. Das hier war die Aufgabe, derer sie sich verschworen hatte.
      Vorsichtig legten sich ihre Finger über den Stoff an ihrer Brust, unter welchen sie die scharfen Konturen des magischen Artefaktes ertasten konnte. Sie würde es mit ihrem Leben beschützen und alles dafür geben, es sicher zum Tor der Welten zu bringen. Dafür hatte man sie ausgebildet. Dafür hatte sie fast ihr Leben lang trainiert. Dafür hatte sie die Ehre der Wächtermale erhalten.
      Ihre hand löste sich von dem Artefakt und wanderte unter den kurzen Ärmel ihres Hemdes, strich über den sich darunter befindenden Oberarm. Sie konnte es aus diesem Winkel zwar nicht sehen, aber sie kannte die Musterung aus schwarzer Tinte in ihrer Haut auswendig. Ein Mal das dem Erscheinungsbild des Artefaktes glich und Beweis für ihren Wächterstatus war.
      Das hier war die Rolle, die ihr vorbestimmt war. Eine Rolle, die es zu erfüllen galt.
      Ein letztes Mal wanderte ihr Blick zurück zum Gasthaus, zum Fenster hinter welchem Kotars Raum lag. Dann saugte Tajema einmal tief die Luft ein, richtete sich gerade auf und trat mit erhobenen Haupt ihre Weitereise an.




    • Ein hübscher Fremder

      Vergiss nicht... du musst das Tor unbedingt erreichen... wir zählen auf dich! Alles hängt nun von dir ab! Erreiche das Tor! Das Tor... das Tor... das Tor..., wiederholte eine Stimme in seinem Kopf immer und immer wieder, von der er noch nicht einmal wusste, wem sie gehörte, doch sie kam ihm bekannt vor und schien auch nicht seine eigene zu sein. Zumindest glaubte er das.
      Doch während die Stimme langsam leiser wurde, bis sie gänzlich erlosch und nur noch diesen einen Gedanken in seinem Kopf hinterließ: er musste das Tor erreichen. Welches Tor? Keine Ahnung, verdammt nochmal, sein Kopf dröhnte als wäre er aus zehn Meter Höhe gefallen!
      Vielleicht war er das auch, denn als er endlich die Augen öffnete fand er sich auf dem Boden zwischen Büschen und Gestrüpp wieder und es tat ihm alles weh.
      Ächzend erhob sich der Fremde mit dem ungewöhnlichen Haar langsam und begann Äste und Blätter von seiner Kleidung streichen und aus seinem Haar zu sammeln. Zumindest schien er nicht verletzt zu sein.
      Irgendwie... war es hier viel zu hell. Zu grün. Schlicht und einfach zu viel und er spürte, wie seine Kopfschmerzen nur noch schlimmer wurden.
      Er wusste nicht, wo er war. Oder werer war. Ein einziger Gedanke war in seinem Geist zurück geblieben. Ein Tor... er musste irgendein Tor... mh?
      Der Fremde spitzte die Ohren, vernahm sich nähernde Schritte und versteckte sich instinktiv hinter dem nächstgelegenen Baum.
      Er war nicht unweit eines Reiseweges aufgewacht, auch wenn er das noch nicht wusste und beobachtete wie eine Frau mit silbernem Haar sich näherte.
      Ein Windstoß erfüllte den Wald, ließ die Blätter rascheln, wehte dem jungen Mann das Haar ins Gesicht... und hob einen Ärmel der jungen Frau, so dass der Weißhaarige einen Blick auf das schwarze Tattoo werfen konnte, das sich unter dem Stoff verbarg.
      Es war so schnell wieder weg, dass er sich nicht sicher war, ob er es sich nicht eingebildet hatte, doch lange genug, dass es etwas in seinem leeren Geist ansprach und obwohl eine kleine Stimme in ihm sagte, dass er nichts überstürzen und sich versteckt halten sollte, hatte er doch keine anderen Anhaltspunkte.
      Also kletterte er kurzerhand aus dem Gebüsch um der fremden Frau den Weg zu versperren und wirkte dabei mindestens so verloren, wie er sich fühlte.
      „Hey... das da auf deinem Arm... ich kenne das irgendwo her. Weißt du vielleicht etwas über ein Tor?“, sagte er einfach das erste, was ihm in den Sinn kam, da er nicht besonders viel hatte, mit dem er hätte arbeiten können, während er auf ihren Oberarm wies.
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    • Tajema Sikulin

      Selbst nachdem sie die kleine Stadt ein paar Meilen hinter sich gelassen hatte, waren Tajemas Gedanken noch von unzähligen Sorgen gefüllt. Auch wenn sie die Route zum Tor theoretisch intensiv studiert und auswendig gelernt hatte und mithilfe diverser Karten genau herausfinden konnte, wo sie sich befand, fürchtete sie, früher oder später den Weg zu verlieren. Schließlich war die Welt außerhalb der Hauptstadt gänzlich fremd in den Augen der jungen Frau und ähnlich verhielt sich das auch mit Interaktionen mit anderen Menschen. Sie würde im Zuge ihrer Reise immer wieder neuen Proviant kaufen müssen. Während sie sich weniger Sorgen um die Bezahlung dieser machte - das Königshaus hatte Kotar und sie schließlich ausreichend mit Gold und Silber ausgestattet - waren ihre bisherigen Gesprächspartner beinahe ausschließlich Menschen des Königshofs und ihr Meister gewesen. Was wenn sie sich auffällig verhielt, weil sie sich ungewöhnlich verhielt? Was jemand herausfand, was sie da eigentlich transportierte?
      Nun, theoretisch dürfte niemand etwas mit dem magischen Artefakt um ihren Hals anfangen können, schließlich war dessen Existenz eines der am besten gehüteten Geheimnisse des ganzen Königreiches. Dennoch durfte Tajema niemals nachsichtig werden und es in die falschen Hände gelangen lassen. Gleichsam dürfte auch niemand erfahren, was ihre wahre Bestimmung war.
      Von all diesen Sorgen und der drückenden Verantwortung geplagt, die sie sich normalerweise mit Kotar teilen konnte, stapfte sie schnellen Schrittes einen Reisepfad entlang. Nachdem ihre Harashi getötet worden waren, musste sie dafür zumindest ein hohes Schritttempo ansetzen. Zum Glück hatte ihr Meister auch ihre Ausdauer in den vergangenen Jahren hart trainiert.
      Ein plötzliches Geräusch vom Wegesrand ließ umgehend ihre Hand zu ihrem Degen huschen. Bevor sie die Klinge jedoch hervorzog, musterte sie lieber den Ursprung der unerwarteten Störung. Umgehend strahlten ihr Augen entgegen, die den Schmuckstücken ähnelten, die die Königen stets um ihren Hals trug. Auch das lange wellige Haar, welches sich in geschmeidig um das Gesicht des Neuankömmlings legten, erinnerte beinahe an einen Diamententeppisch und schien das Licht der wärmenden Nachmittagssonne zu reflektieren. Es kostete sie mehrere Sekunden, ihren Blick von diesen beiden strahlenden Merkmalen abzuwenden und das restliche Äußere des jungen Mannes zu betrachten. Auch wenn seine Kleidung an sich nicht wirklich heruntergekommen wirken mochte, machte diverses Astwerk und vereinzelte Flecken auf dem sonst so weißen Hemd beinahe den Eindruck, als wäre er von den Kronen eines hoch gewachsenen Baumes gestürzt. Ob das vielleicht auch den seltsam wirren Blick in seinen sonst so strahlenden Augen erklären könnte? Hatte er vielleicht auch einfach in den Büschen geschlafen? Sollte er ein Reisender sein? Allerdings konnte sie nicht einmal eine Reisetasche oder ähnliches an ihm erkennen, aber vielleicht wartete eben diese noch irgendwo im Gebüsch. Aus eben diesem kam er nun mehr und mehr hervor und machte es der jungen Frau einfacher ihn genauer zu mustern. Er mochte etwa so alt sein wie sie, überragte sie aber um einige Zentimeter, weswegen Tajema den Kopf sogar etwas in den Nacken legen musste, als der Fremde schließlich genau vor ihr Halt machte. Jetzt endlich erkannte sie auch die zahlreichen Sommersprossen, die besonders den Bereich um Nase und Wangenknochen bevölkerten und einen seltsam faszinierenden Kontrast zu den darüber liegenden glänzenden Augen bildeten.
      Endlich erhob er auch seine Stimme und der Ton in eben dieser passte erstaunlich gut zu seinem zerzausten Auftreten. "Das Tor", sie folgte seinem Fingerzeig zu ihrem Oberarm. Eben dieser war aktuell wieder unter ihrem Ärmel verborgen, musste aber zuvor durch einen Windstoß entblößt worden sein. "Du kennst also dieses Symbol?" Vorsichtig strich sie den Ärmel wieder nach oben und präsentierte ihre Wächtertattoo, während ihre freie Hand noch immer am Griff ihres Degens verweilte. "Warum willst du etwas darüber wissen? Und wer bist du überhaupt." Sie versuchte ihr Misstrauen in ihrer Stimme nicht einmal zu verbergen. Jeder der außer ihr, Kotar und dem Königshaus dieses Symbol mit dem Tor verbinden konnte war immerhin eine potenzielle Gefahr.

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    • Ein hübscher Fremder

      „Ja.“, nickte der Fremde sofort und seine Augen begannen zu leuchten, wie ein Kind, dass einen Schatz entdeckt hatte. Nun, vielleicht mag es kein Schatz sein, aber es war ein Anhaltspunkt zu dem, was er begann als seine Bestimmung zu sehen. Warum sonst sollte es das einzige sein, an das er sich erinnerte? Etwas, das sogar wichtiger als sein eigener Name war?
      „Ich... versteh das nicht falsch, ich weiß, dass das jetzt komisch klingt.“, fühlte er sich genauso verloren, wie er klang, „Aber ich weiß nicht mehr, wer ich bin. Ich kann mich weder an meinen Namen, meine Rolle.... oder sonst irgendetwas das mit mir zu tun hat, erinnern. Ich weiß nur eins: das Tor. Ich muss unbedingt dahin und etwas sagt mir, dass diese Bilder auf deinen Armen etwas mit dem Tor zu tun haben. Also... weißt du, wo es ist? Oder was das Tor überhaupt ist? Wenn ich versuche mich an mehr zu erinnern....“, zog er die Augenbrauen zusammen, als er ein weiteres Mal versuchte sich an irgendetwas zu erinnern, doch stattdessen wurden seine Kopfschmerzen nur noch schlimmer, so schlimm, dass er wankte und einen Schritt zurück gehen musste, bevor er seinen Versuch lieber aufgab, bevor er nur noch mehr kaputt machte.
      Immerhin musste irgendetwas kaputt sein, wenn er sich nicht mehr erinnern konnte, nicht wahr?
      „... aber alles, was ich bekomme, sind diese höllischen Kopfschmerzen und keine Antworten. Also... kannst du mir Antworten geben?“, streckte er hilfesuchend eine Hand aus, als könne sie ihm diese Antworten einfach überreichen.
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    • Tajema Sikulin

      Es war seltsam. Sie wusste, dass sie dem Fremden mit höchsten Misstrauen begegnen sollte und dennoch fühlten sich all seine Reaktionen so unglaublich... unschuldig und ehrlich an. Dennoch tönte Kotars Stimme streng in ihren Gedanken wieder: "Du bist eine angehende Wächterin, Tajema. Jeder, der jemanden wie uns aus heiterem Himmel nähert ist eine potenzielle Gefahr." Ihre Finger am Griff des Degens versteiften sich. Über ein Jahrzehnt lang hatte sie gelernt stets Abstand zu anderen Menschen zu wahren und eben diesen keinen Grund zu geben, sie näher kennen lernen zu wollen. Außerdem herrschte vor allem im Königshaus ein ungeschriebenes Gesetzt, dass man sich den Wächtern nicht grundlos nähern oder mit ihnen reden durfte. Entsprechend neu und befremdlich war also die aktuelle Situation, besonders da der junge Mann ihr nun auch noch weismachen wollte, sich an nichts erinnern zu können.
      "Und das soll ich dir glauben?", fragte sie ruhig, während ihre Gedanken wilde Kreise durch ihren Schädel zogen. Ja, sie wusste, dass sie misstrauisch und abweisend bleiben sollte, aber... Seine Worte klangen nicht wie eine Lüge. Er klang ehrlich verzweifelt und spätestens als deutliche Schmerzen seine geschmeidigen Gesichtszüge verformten spürte Tajema wie sich eine Mischung aus Mitleid und Sorge in ihr breit machte. "Geht es dir gut?" Die Strenge aus ihrer Stimme war geschwunden, während sie beinahe schon aus Reflex nach der ausgestreckten Hand griff. "Bist du vielleicht gestürzt? Hast du dir den Kopf angeschlagen?" Ihre Augen suchten das schimmernde Haupt des Fremden ab. Sie konnte weder Blut noch irgendwelche Verletzungen erkennen, zumindest nicht auf den ersten Blick. Für ein zuverlässiges Urteil, müsste sie einen genaueren Blick riskieren. "Vielleicht ist es besser, wenn du dich erst einmal beruhigst und hinsetzt." Nicht nur hatten sich ihre Finger von ihrer Waffe gelöst, sie nutzte die freigewordene Hand nun auch, um den jungen Mann an der Schulter an den Wegesrand zu lotsen und bedeutete ihm, sich an einen der zahlreichen Bäume dort zu lehnen.
      "Es tut mir leid... ich weiß nicht, ob ich dir helfen kann", murmelte sie schließlich ruhig. "Das ist eine recht... sensible Sache." Vielleicht mochte sie naiv sein, diesem Mann und seinem potenziellen Schauspiel zu vertrauen. Vielleicht belog er sie auch einfach nur geschickt, vielleicht wollte er Informationen von ihr erhaschen und sie hintergehen. Sie wusste, dass es vernünftiger wäre ihn aus eben diesen Gründen hier einfach zurückzulassen, aber gleichzeitig wusste sie auch, dass sie das früher oder später bereuen würde. Solange sie ihm keine Geheimnisse anvertraute war doch alles in Ordnung, oder? Sie wollte ihm doch nur ein wenig helfen. "Du meinst also, dass du dich an nichts, nicht einmal deinen Namen erinnern kannst? Aber über das Tor weißt du bescheid?"
    • Ein hübscher Fremder

      Zunächst starrte der Fremde sie an, als hätte er es gar nicht erst in Erwägung gezogen, dass sie ihm nicht glauben würde. Das hatte er auch nicht. Er hatte keine Sekunde darüber nachgedacht, wie seine plötzliche Erscheinung und seine Geschichte des Gedächtnisverlusts für andere klingen mag und auch er musste feststellen, dass es nicht gerade glaubwürdig klang.
      Wie etwas, das sich andere ausdachten, um an Informationen oder ähnliches zu gelangen.
      Gerade überlegte er noch, wie er ihr Vertrauen gewinnen konnte – immerhin war sie die einzige Spur zu diesem Tor die er hatte – als er auch schon ihre Hand auf seiner Schulter spürte und sich ohne Widerworte an den Wegesrand lotsen ließ.
      „Ich... ich weiß es nicht. Ich fühle mich, als wäre ich aus höchster Höhe gefallen... oder als hätte mich etwas herumgeschleudert... oder...“, zog er ein unzufriedenes Gesicht, als er nicht so recht beschreiben konnte, wie er sich fühlte. Er hatte keine Verletzungen, zumindest soweit er es beurteilen konnte, dennoch war ihm ein bisschen Übel. Und alles tat ein bisschen weh, als hätte er sich vor kurzem verausgabt.
      „... ich weiß es nicht.“, seufzte er letztendlich, „Ich blute nicht, es ist nichts gebrochen und dennoch fühle ich mich nicht gerade gut. Erschöpft... vielleicht?“, war es mehr eine Frage, als eine Feststellung, als wüsste diese Fremde besser über seinen Zustand Bescheid als er selbst und lehnte den Kopf gegen die freie Hand.
      Dabei war das gerade nun wirklich nicht das wichtigste. Das Tor. An mehr konnte er sich sowieso nicht erinnern.
      „... genau. Ich weiß nur, dass ich unbedingt zu diesem Tor muss. Ich habe eine Stimme gehört, als ich aufgewacht bin... nein, womöglich habe ich mich einfach an eine Stimme erinnert. Eine Stimme, die mir sagt, dass ich unbedingt zu diesem Tor muss... ich weiß nicht, wieso oder warum, aber... irgendetwas sagt mir, dass es mir wieder einfallen wird, sobald ich es weiß, also... kannst du mir bitte sagen, wo ich dieses Tor finden kann?“, flehte er geradezu und griff instinktiv nach ihrer Hand, hielt sich fest, als ginge es um sein Leben. Oder vielleicht auch um etwas viel wichtigeres.
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    • Tajema Sikulin

      Sie wusste, dass sie nicht so empfinden sollte, doch umso länger sie den jungen Mann beobachtete, desto mehr Mitleid machte sich in ihrer Magengrube breit. Kotar hatte ihr ein Leben lang eingetrichtert, stets misstrauisch und vorsichtig zu sein, aber der Mann vor ihr... Irgendetwas sagte ihr, dass er nicht log. Außerdem hatte er sofort ihr Tattoo erkannt. Ein Symbol, dass normalerweise nur Angehörigen des Königshofes, Wächtern oder den vier Waisen ein Begriff sein sollte. Was wenn er...? Sie musterte ihn genauer. Trotz seines zerzausten Erscheinungsbildes erschienen seine Gesichtszüge als unbeschreiblich schön, beinahe elegant. Sie war sich sicher, solch ein Gesicht niemals vergessen zu können, entsprechend konnte sie ihm noch nie zuvor begegnet sein. Er war also nicht Teil von Anderras Königshofs, aber vielleicht ... "Ein Begleiter der vier Waisen...?", murmelte sie leise, löste ihre Hände von ihm und platzierte nachdenklich Daumen und Zeigerfinger an ihrem Kinn. Zwar mochten keine eindeutigen Verletzungen an seinem Körper ersichtlich sein, aber sie wusste, dass auch stumpfe Verletzungen deutliche Schäden im Kopf hinterlassen konnten. Doch wenn er wirklich Teil beziehungsweise Begleiter der Waisen sein sollte, warum war er dann alleine hier. Sie erinnerte sich an seine Worte: Ich fühle mich, als wäre ich aus höchster Höhe gefallen. Was, wenn er und seine Kameraden ähnlich wie Kotar und Tajema auf ein mächtiges Monster gestoßen waren. Was wenn eben dieses den jungen Mann unverhofft in weite Entfernung geschleudert hatte...? Sie schüttelte leicht den Kopf. Nein, dann müsste er definitiv sichtliche Verletzungen aufweisen und auch seine Kleidung wäre sicher nicht mehr intakt. Was wenn seine Kameraden vor dem Monster flüchten mussten? Vielleicht hatten sie angenommen, dass der Weißhaarige nach einem heftigen Schlag gegen den Kopf nicht mehr am Leben war und hatten ihn daher zurückgelassen. Sollte das aber heißen, dass die Waisen auch diesen Weg hier passierten? Tatsächlich war es Wächtern wie Kotar und ihr nicht erlaubt, nähere Fragen zu den Waisen zu stellen. Weder wusste die junge Frau, wo der Hauptsitzt dieser zu finden war, noch wie sie aussahen. Sie wusste einzig und allein, dass sie am Ende ihrer Mission das Artefakt in die Hände der Waisen legen musste.
      "Ich kann dir nicht sagen, wo das Tor zu finden ist." Es waren einige Sekunden, wenn nicht gar Minuten vergangen, bevor die junge Frau endlich wieder ihre Stimme erhob. "Es ist mir nicht gestattet, dieses Geheimnis gegenüber Fremden zu offenbaren." Strenge und Entschlossenheit steckte in ihrer Stimme, während sie ihr Gegenüber mit erhobenen Hauptes musterte. "Aber, ich kann dir anbieten mich ein Stück weit zu begleiten." Sollte sie richtig liegen und er war Teil oder Diener der Waisen, könnte die Reise allein sein Gedächtnis anspornen. Mit etwas Glück trafen sie sogar auf jemanden, der den jungen Mann wiedererkannte. "Aber ich muss dich vorwarnen. Ich habe weder die Mittel noch die Zeit viel Rücksicht auf dich zu nehmen. Leider habe ich mein Reittier verloren und muss daher darauf beharren möglichst zügig zu laufen. Meinst du, du kannst mithalten?" Sie merkte, wie ihre Stimme Stück für Stück an Strenge verlor. Sie meinte jedes ihrer Worte ernst und dennoch machte sich milde Sorge um den jungen Mann in ihr breit, dessen aktueller Zustand alles andere als ideal erschien. "Für die ersten paar Meilen kann ich dir noch meine Schulter als Stütze anbieten, aber du solltest schnell dein Gleichgewischt wiederfinden, wenn du mithalten willst."