Eoma [akkubird x yumia]

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    • Er schien neugierig auf ihre Reise zu sein, oder ihm war schlichtweg langweilig, und er suchte nach etwas Unterhaltung, um sich die Zeit zu vertreiben. Serona konnte das schwer einschätzen. Aufgrund der spärlichen Interaktionen mit anderen Menschen in der Vergangenheit war sie nicht besonders gesprächig, und die Kunst des Small Talks war ihr vollkommen fremd. Sie wusste nicht, wie man belanglose Gespräche führte, und noch weniger, wie man auf sie reagierte. Oft fragte sie sich, warum ihr so viele Fragen gestellt wurden oder warum sie gelegentlich seltsame Blicke erntete, wenn sie ehrlich antwortete.
      Kurz sah sie ihn von der Seite an, ehe sie ihren Blick wieder starr nach vorne richtete.
      „Nichts. Ich bleibe nicht im Herbst. Ich reise weiter“, sagte sie knapp.
      Und das war die Wahrheit. Ihr Ziel war der Winter, und danach hoffte sie, irgendwann die Grenze zu Eoma zu erreichen. Wie genau sie diese finden würde oder ob es überhaupt möglich war, stand noch in den Sternen. Doch Serona war fest entschlossen, es zumindest zu versuchen. Jetzt aber galt ihre Konzentration der potenziellen Gefahr, von der der Mann gesprochen hatte. Seine Worte klangen nachvollziehbar. Und sie musste zugeben, dass sie beim Gehen für eine kurze Weile zu unaufmerksam gewesen war. Die subtilen Veränderungen in der Umgebung waren ihr entgangen. Vielleicht hätte sie früher etwas bemerkt, hätte sie nicht so sehr in Gedanken gesteckt.
      Sein Blick, dieses ständige, fast suchende In-die-Augen-Sehen, bereitete ihr weiterhin Unbehagen. Es fühlte sich für sie viel zu persönlich, beinahe übergriffig an. Als würde er sie durchleuchten wollen. Für Serona war das wie ein ungewollter Blick unter die Haut, in Bereiche, die niemand zu sehen bekam. Auch war ihr aufgefallen, dass er häufig ein leichtes Lächeln auf den Lippen trug. Ganz im Gegensatz zu ihr, denn Serona lächelte nicht. Das Höchste, was man je von ihr erwarten konnte, war ein kleines, kaum merkliches Heben der Mundwinkel. Doch das war weit entfernt von echter Heiterkeit. Warum? Weil es für sie nichts zu lächeln gab. Ihr Leben drehte sich ums nackte Überleben – darin lag für sie kein Grund zur Freude. Nichts und niemand hatte es bisher geschafft, ihr ein echtes Lächeln zu entlocken.
      Verstehend nickte sie, als er weitersprach. Vielleicht sollte sie sich das merken. Auch wenn sie es nie offen zugeben würde, konnte man von jemandem wie ihm durchaus etwas lernen. Sie hatte keine Scheu davor, sich neues Wissen anzueignen, im Gegenteil: je mehr sie wusste, desto besser konnte sie überleben.
      Doch ihre Haltung änderte sich schlagartig, als er beiläufig erwähnte, dass er keine Waffen bei sich trug. Sofort wanderte ihr Blick zu ihm, die Augenbrauen zogen sich zusammen, und ein leises, genervtes Seufzen entwich ihr.
      „Du wirst immer wieder mit Menschen zu tun haben, ob du willst oder nicht“, warf sie trocken ein und fixierte ihn scharf. „Und wenn es keine Menschen sind, dann Tiere. Oder Skaarks.“
      Ihre Stimme klang schärfer als beabsichtigt. Vielleicht, weil sie seine Sorglosigkeit irritierte. Nein, es machte sie wütend. Oder zumindest unruhig. Wer ohne Waffen reiste, der war entweder zu vertrauensselig oder zu töricht. Und beides konnte in ihrer Welt tödlich enden.
      „Du brauchst wenigstens etwas, womit du dich verteidigen kannst“, fügte sie hinzu.
      Natürlich ging es sie nichts an, wie er sich ausrüstete. Es war seine Entscheidung. Aber es störte sie, dass sie im Ernstfall für sie beide kämpfen müsste. Sie konnte nicht überall und jederzeit die Verantwortung für andere übernehmen, und vor allem nicht für Menschen, die sich selbst nicht einmal ein Messer zur Verteidigung einsteckten. Sie schnaubte leise, wandte den Blick wieder ab und starrte in die Ferne. Das bedeutete wohl, dass sie im Ernstfall alleine die Kämpfe führen musste. Sie hoffte jedoch das der Vorfall heute eine einmalige Sache war.
      Serona suchte mit ihrem Blick wieder die Karawanne, die etwas erntfernter von uns ihren Weg ging. Solange sie diese im Blick hatte, würden sie den Weg nicht verlieren.
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    • Wincent überlegte einen Moment, als die Frau sagte, sie wolle auch durch Herbst hindurch reisen. Denn dann würde nur noch Winter übrig bleiben. Und es wäre ihm nicht bekannt, dass man freiwillig nach Winter reisen würde, um dort zu bleiben. Also spann er seine Frage weiter: "Jetzt bin ich aber gespannt, was es in Winter gibt, wovon ich nichts weiß." Im Hinterkopf hatte er seine ganz Persönliche Idee, die auch seiner Reise entsprechen würde. Da sie allerdings nicht nach seinen Zielen gefragt hatte, wollte er sie nicht mit seinen wahnwitzigen Ideen verunsichern.

      Es war schon schlimm genug, dass seine Aussage, bezüglich der Waffen und Menschen, eine so heftige Reaktion bei ihr auslösten. Erst ärgerte er sich etwas über ihre Worte. Doch wahrscheinlich war sie so überzeugt von ihren eigenen Erfahrungen, dass sie nicht offen für seine sein konnte. Daher beruhigte er sich schnell wieder und gab sich Mühe seinen leichten Gesichtsausdruck beizubehalten.
      "Puh. Das klingt ja, als würdest du mir gar nichts zutrauen." Antwortete er betroffen, setzte aber gleich nach:
      "Kann auch nichts dafür, dass bei der letzten Jagt meine Ausrüstung kaputt ging und man mich um meinen Anteil betrogen hat." Entschuldigend hob er kurz die Hände in die Luft und spähte in Richtung der Karawane.

      Dass er seinen Bogen an einem menschlichen Schädel zerbrochen und sein Messer in eines anderen Mannes Schulter davon getragen wurde, wollte er an der Stelle nicht betonen. Seine Waffenkünste waren gut zum Jagen und schlachten, doch um einen Menschen effective zu töten fehlte ihm eindeutig die nötige Erfahrung und vielleicht auch der Mut."Und so ein Messer hilft dir auch nur bedingt gegen ein mutiertes Tier. Der Vogel hätte dich vermutlich deutlich stärker erwischt, wenn ich nicht seine Angriffe eingesteckt hätte. Ich bin ein guter Kämpfer und kann einiges ab." Beendete er seine kleine Rede. Und auch wenn die Emotion etwas in ihm hoch kam, gab er sich Mühe ruhig zu bleiben.

      Wincent konzentrierte sich nun wieder mehr auf die Umgebung. Es war ihm etwas unangenehm, dass sie den Fehler in seiner Logik sofort erkannt und angesprochen hatte. Das Bild eines Pazifisten zu vermitteln war meist klüger, als den starken Krieger zu mimen.
    • Serona warf dem Mann einen Seitenblick zu, als er das Thema Winter ansprach. „Das wüsste ich auch nicht.“ Sie wusste genau, was er mit dieser Bemerkung beabsichtigte und worauf er hinauswollte. Er hatte in der Vergangenheit immer wieder nachgefragt. Sie verstand seinen Drang nach Antworten nicht.
      „Ich bleibe nicht in Winter. Ich reise weiter.“
      Auch wenn sie es nicht aussprach, lag der Name Eoma unausgesprochen zwischen ihnen. Doch sie wollte ihn nicht direkt nennen, denn sie kannte die Reaktionen, die er bei den meisten hervorrief: Empörung, Belustigung, Unverständnis oder Ungläubigkeit. Immer war es eine dieser Reaktionen gewesen, wie sie aus Erfahrung wusste. Serona war nicht in der Stimmung, ihre Lebensgeschichte auszubreiten, nur damit er ihre Entscheidung nachvollziehen konnte. Es ging ihn schlichtweg nichts an, und ihre Wahl stand fest.
      Sein eigenes Reiseziel interessierte sie nicht. Wozu auch? Sie hatte nicht vor, mit ihm zu reisen. Sie war es gewohnt, allein unterwegs zu sein.
      Als er meinte, sie würde ihm nichts zutrauen, sah sie ihn weiterhin entgeistert an. Weshalb sollte sie ihm auch etwas zutrauen, wenn er bislang nichts getan hatte, um ihre Meinung zu ändern? Immerhin gab er ihr diesmal eine Erklärung, mit der sie sich arrangieren konnte. Dennoch hätte er mit seiner Abreise warten können, bis er über passende Waffen verfügte. Verständnissuchend schüttelte sie den Kopf. Es brachte nichts, mit ihm darüber zu diskutieren. Ihre Wege würden sich trennen, und er müsste selbst sehen, wie er überlebte.
      Serona seufzte bei seinen nächsten Worten. „Und im Normalfall wäre ich das Risiko nicht eingegangen“, entgegnete sie. „Besser etwas als gar nichts.“ Mit einem Messer standen ihre Chancen deutlich besser als ohne. Sie hatte bereits gesehen, dass er einiges einstecken konnte. Da fragte sie sich, ob das auch für seinen Kopf galt. Würde dieser einem Biss eines mutierten Tieres standhalten? Das war nichts, was sie persönlich herausfinden wollte.
      „Fragt sich nur, wie viel“, schnaubte sie. Sie bemerkte, dass sie schon wieder mehr gesagt hatte, als ihr lieb war, Redseligkeit war nicht ihre Art. Dennoch hatte sie kein Verständnis für seine Unachtsamkeit. Er lief neben ihr her und schob die Verantwortung indirekt auf sie. Die zusätzliche Last und die erhöhte Gefahr durch ihn verärgerten sie weit mehr, als sie zugeben wollte und eigentlich das, was sie nervte.
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    • Wincent kam etwas in Straucheln, als seine Begleitung ihm erzählte, sie wolle auch nicht in Winter bleiben. Denn das wiederum würde bedeuten, dass sie etwas nach Winter erreichen wollte, genau wie er. Wie absurd unwahrscheinlich war es jemanden zu treffen, der genau die gleichen Pläne hatte wie man selbst? Auch wenn er ihr bereits zu beginn seiner Prophezeit hatte, dass sie sich in Eoma wieder treffen würden, hatte er nicht wirklich damit gerechnet. "Tja. Dann hatte ich wohl doch recht." Antwortete er mit einem zufriedenen Grinsen.

      Da sie ihm aktuell das Gefühl gab eher eine Last, als eine Hilfe zu sein, war sich Wincent sicher, dass sie nach Sommer getrennte Wege gehen würden. Bis dahin würde er sich an ihre Abmachung halten. "Achso." Antwortete er nun knapp. Denn es kam ihm gerade so vor, als wollte sie ihm unterstellen der Anstifter für eine völlig überflüssige Jagt gewesen zu sein.
      Auch ihre Zweifel an seinen Fähigkeiten hatten nun einen Punkt erreicht, an dem er keine Lust mehr hatte weiter darauf einzugehen. Sollte sie denken was sie wollte. Er war nicht hier um sie zu überzeugen, sondern um weiter zu kommen.
      Hätte Wincent nicht diesen einen Funken Sympathie an ihr gefunden, dann hätte er sich die Mühe gespart überhaupt mit ihr einen scheiß Vogel zu jagen.

      Die nächste Stunde verbrachte der Schwarzhaarige schweigend. Dass sie keine einfache Person war, dass hatte er schon in der Ruinenstadt bemerkt. Und dass er selbst nicht einfach war, das hatte sie wahrscheinlich an gleicher Stelle bemerkt. Und trotzdem hatten sie sich hier draußen verbündet. Womöglich auch nur, weil sie sich einen bis an die Zähne bewaffneten Macho erhofft hatte. Wincent hingegen sah den Vorteil in der Gesellschaft, dem abwechselnden Wachen, der einfacheren Jagt. Sie wusste nichts über ihn. Nichts von seinen Fallen und seinem Geschick mit Materialien und der Technik. Doch anstatt sich weiter darüber zu ärgern, konzentrierte er sich lieber auf die Spuren der Tiere. Mittlerweile hatte er auch wieder ein paar frische Losungen gefunden, was es unnötig machte erneut den Pfad zu ändern.

      Dafür entdeckte er ein paar Kräuter und auch Pflanzen, von denen er wusste, dass sie ein bisschen süßlich schmeckten. Die Stengel waren gut geeignet, um darauf herum zu kauen. Der Saft der Pflanze regte den Speichelfluss an und das Kauen hielt einen etwas bei der Sache. So pflückte er seine Entdeckungen und brach die Stängel der einen Pflanze in kleine Stücke, die bequem in den Mund passten. Einen davon bot er auch der Rothaarigen Kritikerin an. Dieses Mal ohne viele Worte zu verwenden, denn er schon sich das Pflanzenteil provokativ auffordern in den Mund, um ihr zu zeigen dass es nicht giftig war.
    • Der Rest der Zeit verging in Stille. Für einen kurzen Moment kam Serona der Gedanke, dass sie vielleicht etwas gesagt hatte, das ihm missfallen konnte. Doch da sie sich mit solchen Überlegungen selten lange aufhielt, schob sie den Gedanken beiseite. Sie hatte nichts Falsches gesagt, sondern lediglich ihre Meinung geäußert. War es nicht Direktheit und Wahrheit, die am meisten zählten? Deshalb tat sie das Schweigen letztlich auch damit ab, dass er wohl einfach kein Thema mehr hatte, über das er sprechen wollte.
      Im Grunde kam es ihr sogar gelegen. So hatte sie endlich etwas Ruhe.
      Sie musste sich eingestehen, dass ihr Fokus nachließ und sie nicht mehr jede Kleinigkeit im Blick behielt. Dies gestattete sie sich bewusst, denn ständig auf alles zu achten, zerrte an den Nerven und an der eigenen Konzentration. Die Stille zwischen ihnen tat ihr gut, sie konnte den gleichmäßigen Rhythmus ihrer Schritte spüren und ihr Atem wurde ruhiger.
      Serona schenkte dem Mann keine besondere Aufmerksamkeit, sodass sie zunächst gar nicht bemerkte, dass er etwas tat. Erst als sie im Augenwinkel wahrnahm, dass er ihr etwas hinhielt, wandte sie den Blick zu ihm. Mit leicht zusammengezogenen Augenbrauen nahm sie es entgegen und musterte den kleinen Gegenstand. Er machte ihr mit einer knappen Geste klar, dass es essbar war.
      Sie hatte im Moment keinen Hunger und wollte auch kein Hungergefühl heraufbeschwören, also steckte sie es nicht in den Mund, sondern behielt es für später. Das kleine Stück lag kühl in ihrer Hand, sein Gewicht fast unbedeutend, und doch trug es einen seltsamen Hauch von Bedeutung in sich.
      Vielleicht wollte er ihr damit zeigen, dass er trotz ihrer Wortwechsel zuvor nicht verärgert war. Vielleicht war es auch einfach ein beiläufiges Angebot, ohne Hintergedanken. Sie konnte es nicht genau sagen und fragte nicht nach. Sie richtete ihren Blick wieder nach vorne und setzte ihren Weg fort, ihr Blick kurz auf der Karawanne gerichtet. Ihr Blick glitt dann nach oben, es sollte bereits nachmittags sein. Sie müssten noch wenige Stunden weiterlaufen, dann müssten sie für die Nacht aufschlagen. Wie letztes Mal war es schlauer sich in der Nähe der Karawanne aufzuhalten, sodass sie den Aufbruch von ihnen nicht verpasste. Ob sie beide sich den Schlaf aufteilten, wusste sie nicht, doch das wird später sicherlich zu einem Thema, wenn sie weiterhin miteinander reisten. Wer wusste wie lange es dauern wird, bis sie an der Grenze zu Sommer gelangen.
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    • Die restliche Zeit, bis zum Abend, verging ohne großartige Vorkommnis. Lediglich die andauernde Stille, die zwar einen gewissen Charm hatte, lastete etwas auf den Schultern des Wanderers.
      Allmählich senkte sich die Sonne und hüllte die Kronen der umliegenden Bäume in einen leicht Orangen Schimmer. Die Wärme des Tages begann allmählich an Kraft zu verlieren und die Karawane verlangsamte allmählich ihre Geschwindigkeit.
      An einem Vorbereiteten Zwischenpunkt, befestigt auf einer Eben, begannen die Karren der Karawane sich zu formieren.

      Wincent überflog einmal das umliegende Gelände mit den Augen, um besser abschätzen zu können, wie die Nacht am besten zu gestalten war. Von der Karawane waren sie ein gutes Stück weg. Bis zur vollständigen Nacht würde es wohl noch eine Weile dauern.
      Trotzdem blieb nicht unendlich viel Zeit, um ein Lager vorzubereiten.
      In der Umgebung gab es ein paar kleine Baumgruppen, die sich anboten mit etwas Unterholz umlegt zu werden, um zumindest den Wind etwas abzuhalten. Der Boden war dicht mit Grad bewachsen und sehr fest. Dies prüfte der Schwarzhaarige, indem er mit einem Stock an verschiedenen Stellen in den Untergrund bohrte. Ein Erdloch, für ein Feuer würde also viel zu lange dauern. Zumindest ohne passendes Werkzeug. Schließlich blickte er die Frau an und deutete auf eine, ihm passend erscheinende, Formation aus drei dicht aneinander stehenden Bäumen. "Wenn wir die beiden Flanken mit etwas Unterholz und Ästen auslegen, sind wir etwas vor dem Wind geschützt." Erklärte er ihr seine Gedanken, wartete aber nicht darauf, dass sie ihm zustimmte. Stattdessen zog er demonstrativ ein paar umliegende, dicke Stöcke, an die besagten Stellen und verkeilte diese so, dass man das Grundgerüst einigermaßen erkennen konnte. Die nun noch freien Stellen mussten nun nur noch mit anderen Ästen und Zweigen verschlossen werden.

      Anschließend betrachtete der junge Mann die Gabeln der Bäume, zwischen denen man problemlos ein Seil hätte spannen können, um ein Fell an Dach anzubringen. Leider war passendes Material nicht verfügbar.
      Daher entschloss er sich seinen Rucksack zu entknüpfen. Diesen hatte er so mit den Riemen verzurrt, dass im oberen Teil wie ein Rucksack funktionierte. Der Großteil der unteren Hälfte war schlicht aufgerollt. Dies bot die Möglichkeit auf Materialien wie Holz oder Metall quer aufzunehmen. Oder aber man löste die Riemen und entfaltete den ganzen Rucksack, um ein flächiges Stück Leder zu erhalten, welches gerade groß genug war um darauf zu liegen. Zu zweit würde es wohl ausreichen, um darauf zu sitzen ohne von der aufsteigenden Feuchtigkeit durchnässt zu werden.

      So legte Wincent all seine Habseligkeiten in der Nähe der Baumgruppe ab und platzierte sein Lederstück in deren Mitte. Anschließend begann er die fehlenden Äste für den Windschild zu sammeln.
    • Serona war ihm schweigend gefolgt, hatte aber die Umgebung mit ebenso wachsamen Blicken gemustert. Das tiefe Gold der untergehenden Sonne malte lange Schatten über den Boden, und für einen Augenblick blieb ihr Blick an den feinen Linien hängen, die der Wind durch das hohe Gras zog. Erst als Wincent begann, seine Idee wortlos in die Tat umzusetzen, trat sie näher an die Baumgruppe.
      „Du hast dir das schon gut überlegt,“ murmelte sie und strich mit der Hand über die Rinde des mittleren Baumes. Ihre Stimme klang beinahe anerkennend, auch wenn sie zugleich prüfte, ob der Mann vielleicht noch auf eine andere Meinung wartete. Da er jedoch unbeirrt arbeitete, ging sie ein paar Schritte ins Unterholz und brach einige trockene Zweige, die sich leicht in das Grundgerüst schieben ließen.
      Während sie die Äste an ihren Platz drückte, wandte sie den Kopf zu ihm. „Wenn wir gleich ein Feuer entzünden, sollten wir unsergegen den Wind setzen. Aber…“ Sie hielt kurz inne und deutete mit dem Kinn auf den Platz, den er mit seinem Lederstück vorbereitet hatte. „Wenn du nicht willst, dass dein Fell gleich voller Funkenlöcher ist, sollten wir das Feuer etwas abseits machen.“ Sie sollten das Feuer nicht allzu lange am Leben erhalten, um nicht unerwünschte Aufmersamkeit auf sich zu ziehen, jedoch sollte eine angenehme Glut in die Nacht hinein ausreichend sein. Serona nahm schlichtweg an, dass die Temperaturen nicht allzu sehr fallen werden. Die Temperaturen im Frühling waren meist mild, mit handvolle Ausnahmen.
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    • Wincent ließ seine Arbeit für ein paar Sekunden ruhen, als die Worte der Frau seine Gedanken unterbrachen. Geduldig hörte er zu und folgte ihren Gesten, bis sein Blick abschließend auf ihrer Stirn landete. "Ja, wahrscheinlich hast du Recht." Stimmte er zu, als er ihre Argumente ein paar Mal innerlich wiederholt hatte. Sein Leder war noch gut in Schuss, es wäre schon praktisch, wenn es noch ein paar Wochen aushalten würde.
      So machte sich der Schwarzhaarige daran noch ein paar zusätzliche Äste fürs Feuer zu suchen. Die kleinen, trockenen, schichtete er direkt auf, den Rest lagerte er in der Nähe. Seiner Meinung nach müsste es reichen, um zumindest das Fleisch durch zu garen. Und da es bereits immer dunkler wurde, entschloss er sich auch gleich seinen Feuerstarter heraus zu holen.

      Ein kleines Hilfsmittel, welches er sich einmal aus Schrott zusammen gebastelt hatte. Das Rohr war oben und unten verschlossen und beinhaltete auf der einen Seite feine Fasern. Auf der anderen Seite war eine ölige Flüssigkeit, die Wincent aus den Innereien eines mutierten Wildschweins gesammelt hatte. Der Mann kniete sich auf ein Knie hinunter und zückte den passenden Feuerstein, den er bereits so abgeschliffen hatte, dass durch das Schlage mit dem Metallrohr leicht funken zu erzeugen waren.

      Er öffnete den einen Verschluss des Rohres und schüttelte etwas der staubigen Fasern in eine kleine Kuhle. Anschließend sammelte er die kleinsten Äste zusammen und träufelte ein paar Tropfen der Flüssigkeit auf diese. Anschließend schlug er ein paar Funken in die Fasern und blies sanft in das so entstandene Glutnest, auf dass er im Nachgang die kleinen Zweige platzierte. Zuerst schien es, als würden die Äste die sanfte Glut unter sich erdrücken, doch als Wincent etwas stärker hinein blies, züngelte eine leicht grünliche, wenn auch unangenehm riechende, Flamme auf.

      Um das Feuer nicht zu groß werden zu lassen, platzierte er zuerst ein paar mittlere Hölzer und verstauten dann sein Werkzeug wieder bei den anderen Dingen, die er neben seinem Leder liegen hatte, da sein Rucksack nun mehr oder weniger die Sitzunterlage war. Während der ganzen Prozedur hatte sich Wincent nicht weiter um die Frau gekümmert. Erst jetzt betrachtete er den Fortschritt am Nachtlager und begann dabei mitzuhelfen die letzten Lücken zu schließen.
    • Serona hatte die Arme locker über den Knien verschränkt und beobachtete den Mannstill, während er sich an seinem Feuerstarter zu schaffen machte. Seine Bewegungen wirkten geübt, präzise, fast schon mechanisch und doch war es für sie etwas vollkommen Neues. Sie selbst hatte ihre Feuer stets auf die traditionelle Weise entzündet: mit trockenem Gras, harzigen Zweigen und viel Geduld. Dass er ein eigens konstruiertes Werkzeug bei sich trug, das Öl und Fasern kombinierte, faszinierte sie. Ihr Blick blieb aufmerksam auf den Funken, die aus dem Metall sprühten, und auf die grünliche Flamme, die schließlich emporzüngelte. Ein ungewohnter Geruch lag in der Luft, unangenehm, aber gleichzeitig ein eindeutiges Zeichen für Effizienz.
      Sie sagte nichts, ihre Miene blieb neutral, doch innerlich merkte sie sich jedes Detail. Solches Wissen konnte nützlich sein, vor allem, wenn ihre altbewährte Methode einmal versagen sollte. Ein Teil von ihr wollte ihn fragen, wie genau er das Konstrukt angefertigt hatte, doch sie entschied sich dagegen. Manchmal lernte man mehr, wenn man nur hinsah und schwieg.
      Als der Mann sein Werkzeug wieder verstaute und sich dem Nachtlager widmete, wandte auch Serona sich ihren eigenen Angelegenheiten zu. Mit ruhigen Handgriffen überprüfte sie ihr Gepäck, zog ein paar nützliche Dinge hervor und legte sie so ab, dass sie in greifbarer Nähe blieben, aber nicht sofort ins Auge fielen. Vorsicht war ihr zweiter Instinkt und ein wenig Distanz zu allem, was ihr nicht gehörte, bewahrte sie vor ungewollter Abhängigkeit.
      Da es noch nicht vollständig dunkel war, entschloss sie sich, die Zeit zu nutzen. Ohne ein Wort schulterte sie einige kleine Hilfsmittel und begann, einfache Fallen vorzubereiten, aus Ästen, Steinen und Sehnen, die sie bei sich trug. Sie baute keine großen Konstrukte, sondern kleine, unscheinbare Schlingen, die vielleicht das ein oder andere Kaninchen oder ein ähnliches Tier einbringen konnten, wenn sie Glück hatte.
      Die Fallen platzierte sie bedacht: einige in der Nähe, andere weiter entfernt, und vor allem in der entgegengesetzten Richtung zur Karawane. Sie wusste, dass dort weniger Menschen unterwegs sein würden und die Chance auf ein Tier größer war. Jeder Knoten saß fest, jeder Zweig war sorgfältig platziert. Es war eine stille Arbeit, die Konzentration verlangte, und sie fand in dieser Routine eine gewisse Ruhe.
      Als sie zurückkehrte, war das Lager bereits von einem warmen Schein erfüllt. Wincent hatte das Feuer unter Kontrolle gebracht, und die Dunkelheit kroch nun spürbar näher. Lautlos setzte sich Serona wieder auf ihren Platz, ihre Bewegungen so unauffällig wie zuvor. Ein kurzer Blick streifte den Mann, dann ließ sie sich nieder und ließ die Glut in der Mitte wirken, als sei nichts geschehen. Sie würde morgen früh genug mitbekommen, ob ihre kleine Fallen Beute gefangen haben oder nicht. Aufgrund ihrer Beute an jenem Tag, musste sie sich für eine Weile nicht um die Essensration Gedanken machen.
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    • Wincent war gerade noch mit dem Feuer beschäftigt, als eine kaum merkliche Bewegung kurz seine Aufmerksamkeit auf sich zog. Es war die Frau, die sich fast schon lautlos durchs Lager bewegte. Anscheinend hatte sie die Zeit genutzt und schien einen eigenen Plan zu verfolgen.

      Neugierig beobachtete der Schwarzhaarige die Materialien, mit denen sie aus dem Lager ging. Wenn ihn seine Augen nicht völlig in die Irre führten, dann schien es, als würde die Frau Fallen aufstellen. Wincent schmunzelte unweigerlich, denn eigentlich war er es immer, der die Fallen stellte.
      Doch er wollte sich nicht beschweren und auch nicht nicht Qualität ihrer Fallen in Frage stellen. Vielleicht konnte er morgen früh einen Blick darauf werfen. Nicht um zu urteilen, sondern um zu begutachten.

      Vorerst war das Feuer seine Aufgabe. Und als dieses groß genug war spießte er sein Fleisch auf ein paar Äste und positionierte es unweit der Glut, die er dafür auf dem brennenden Haufen heraus gezogen hatte. Auf diese Art konnte eine kleine Flamme brennen und immer etwas Glut nach produzieren ohne einen unnötig hohen Feuerschein zu erzeugen.
      Denn auch wenn die Nacht gerade erst angebrochen war, hatte Wincent nicht vor mehr Aufmerksamkeit als nötig zu erzeugen.

      Als die Frau nach einiger Zeit zurück kehrte, prüfte der junge Mann kurz das Fleisch, indem er es drehte und mit dem Finger eindrückte.
      Der Saft, der dabei an selbigem Finger hinab lief, leckte er bedenkenlos mit der Zunge ab.
      Es blieb eine Weile ruhig, als sie sich gesetzt hatte. "Wo hast du gelernt Fallen zu stellen?" Fragte Wincent, den Blick auf die Glut gerichtet und mit gesenkter Stimme. Mittlerweile wusste er, dass die Frau seine Fragen nicht brauchte, doch es interessierte ihn einfach. Seine Passion war es Dinge zu konstruieren und zu verstehen. Und es wäre dumm keine Fragen zu stellen.

      Das Feuer zischte leicht, als der Saft des gegrillten Geflügelfleisches auf die heiße Glut tropfte. Der Geruch von gegrilltem lag in der Luft und die drückende Dunkelheit legte sich um das kleine Lager, an dem die Beiden saßen.
    • Es dauerte nicht lange, bis der Mann neben ihr wieder das Schweigen brach. Die Worte kamen ruhig, nicht aufdringlich, beinahe beiläufig und doch rissen sie sie für einen Moment aus den eigenen Gedanken. Seit einer ganzen Weile schon hatten sie beide geschwiegen, während nur das leise Knistern des Feuers den Platz zwischen ihnen füllte. Normalerweise hätte sie seine Stimme in dieser Stille vielleicht als störend empfunden, doch diesmal nicht. Das Schweigen zuvor hatte etwas... Ausgleichendes gehabt.
      Sie ließ sich Zeit mit der Antwort, blickte in die Glut und beobachtete, wie sich kleine Funken lösten, in die Dunkelheit tanzten und erloschen. Erst dann hob sie leicht den Kopf.
      „Von anderen“, sagte sie schließlich. „Ich habe es mir abgeschaut.“
      Ihre Stimme war ruhig, ungekünstelt, ohne Scham. Vielleicht würde mancher die Nase rümpfen, wenn er zugab, seine Fähigkeiten bloß durch Beobachtung erworben zu haben. Serona sah das anders. Wissen war Wissen, gleichgültig, woher es kam. Solange es half zu überleben, zählte nur das Ergebnis.
      „Und natürlich durch Fehler und Übung“, fügte sie nach einer kurzen Pause hinzu und schob mit einem dünnen Ast ein Stück glühende Kohle beiseite. Ein leichtes Zischen erklang, als ein Tropfen Fett in die Glut fiel.
      Der Geruch von gebratenem Fleisch mischte sich mit der feuchten Nachtluft, und eine Weile sprach keiner von beiden. Sie sah zum Mann hinüber, der das Fleisch mit ruhigen, geübten Bewegungen drehte, als wäre das hier eine vertraute Routine. Irgendetwas in dieser Gelassenheit ließ sie den Kopf leicht schräg legen, eine winzige, unbewusste Geste des Interesses, die sie selbst kaum bemerkte.
      „Beigebracht bekommen oder selbst entwickelt?“ fragte sie dann, ohne ihn direkt anzusehen. Ihre Worte klangen beiläufig, doch sie verbargen mehr Neugier, als sie zugeben wollte.
      Sie griff nach dem zweiten Spieß, den er beiseitegelegt hatte, und hielt ihn über die Glut. Ein schwacher Windstoß trug den Duft zwischen ihnen hindurch, während die Nacht ringsum dichter wurde. Ihre Augen glitten kurz zu ihm hinüber, fingen das flackernde Licht des Feuers ein. Dann richtete sie den Blick wieder auf die Glut, als hätte sie gar nichts gesagt.
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