Crimson Retribution [chocki x Runa]

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    • Crimson Retribution [chocki x Runa]

      Vorstellung:
      Crimson Retribution [chocki x Runa]

      @chocki

      Als ihre Mutter sie weinend angerufen hatte und meinte, sie müsse ganz schnell nach Hause kommen, hatte Sheryl nicht das schlimmste erwartet. Trotzdem brach sie ihr Auslandsjahr ab und flog zurück nach Japan. Kaum hatte sie ihr Elternhaus betreten, fiel ihre Mutter ihr auch schon weinend um den Hals. So aufgelöst hatte sie sie noch nie erlebt. Ihr Vater trat in den Flur. In seiner Arbeitsuniform. Ihre Mutter weinte und ihr Vater in Polizeiuniform. Ein ungutes Gefühl machte sich in der blondhaarigen breit. ,,Wo ist Mamoru", fragte sie direkt nach ihrem älteren Bruder. ,,Oh Schätzchen, er ist", fing ihre Mutter weinend an. Und innerhalb der nächsten 10 Minuten sank Sheryl auf die Knie während stumm Tränen über ihre Wangen liefen. Ihr Bruder war ertrunken im See im Stadtpark gefunden worden.

      Ein paar Tage später war die Beerdigung. Es kamen viele Verwandten und Schulkameraden. Sheryl saß ziemlich weit abseits da sie es nicht verkraftete. Das glaubten zumindest die anderen. Doch in ihren Händen hielt sie ein Kleines braunes Buch während mit einem schwarzen Schleier, der Wunsch ihrer Mutter, auf dem Kopf dem Pfarrer bei der Trauerrede zuhörte. Bei Beerdigungen die Frauen schwarze Schleier tragen zu lassen war eine seltsame Tradition der Familie Vineyard, der Familie ihrer Mutter. Das Buch in Sheryls Händen war kein normales Buch. Es war das Tagebuch ihres Bruders. Sie kannte die Ursache für seinen Tod. Mobbing. Sie blickte kurz zu den Schulkameraden die gekommen waren und fragte sich, ob seine Mobber auch gekommen waren um sich innerlich lustig zu machen. Was für abartige Menschen.
    • Der Friedhof lag still unter dem grauen Himmel. Ein feiner Nieselregen zog durch die Luft, machte den Boden weich, ließ die Grabsteine dunkler wirken. Yukiya schob die Hände in die Taschen seiner schwarzen Jacke und ging mit ruhigen, gemessenen Schritten über den Kiesweg. Hinter ihm folgten die anderen.
      Reo lief leicht versetzt neben ihm, sein Blick huschte unruhig umher, als würde er jeden Moment erwarten, dass jemand ihnen eine Falle stellte. Sora hingegen zeigte keine Regung – ausdruckslos, fast gelangweilt, ließ er seinen Blick über die Menge der Trauergäste schweifen. Takumi starrte mit verhaltener Arroganz auf die Zeremonie, als würde er sich darüber amüsieren, dass so viele Menschen weinten. Mio verschränkte die Arme, seine Miene verriet nichts, aber Yukiya kannte ihn lange genug, um die Anspannung in seinen Schultern zu sehen. Und dann war da noch Haru.

      „Ob sie den Sarg aufmachen, um zu gucken, ob er schwimmen gelernt hat?“ murmelte Haru mit einem schiefen Grinsen.

      Es war ein billiger Versuch, die angespannte Stimmung zu brechen – doch niemand lachte. Niemand reagierte überhaupt. Der Anführer blieb stehen, ließ seinen Blick schweifen. Vorne, direkt bei dem geschlossenen Sarg, standen die Eltern des Toten, die Mutter in Tränen aufgelöst, der Vater steif in seiner Polizeiuniform. Und etwas weiter abseits, fast so, als würde sie nicht dazugehören, saß eine junge Frau mit schwarzem Schleier. Yukiya sah sie nur aus dem Augenwinkel, aber etwas daran ließ ihn aufmerken.
      "Wer ist das?" murmelte Reo neben ihm. Sora war es, der antwortete. "Seine Schwester." Yukiya betrachtete sie genauer. Ihre Haltung war steif, kontrolliert – keine offen zur Schau gestellte Trauer. Aber es war nicht das, was ihm auffiel. Es waren ihre Hände. Sie hielt ein Buch. Ein unangenehmes Gefühl regte sich in seiner Brust, schwer einzuordnen. "Scheiß drauf", murmelte Takumi und steckte die Hände in die Taschen. "Die heult sich irgendwann aus und dann ist gut." Yukiya schwieg.

      Die Trauerrede ging weiter, doch er hörte nur mit halbem Ohr zu. Stattdessen beobachtete er sie – diese Schwester, diese Fremde, die nicht weinte, sondern beobachtete. Und in diesem Moment wusste er nicht, ob er sich das nur einbildete – oder ob sie tatsächlich ihn ansah.
      "Control can sometimes be an illusion, but sometimes, you need an illusion to gain control."

    • Niemals würde sie das vergeben, was diese Menschen ihrem Bruder angetan hatten. Und ein Plan stand schon bereit. Dafür müsste sie nur ihr altes Ich hinter sich lassen. Bald wäre sie nicht mehr Sheryl Sasaki sondern Sherry Vineyard. Die Beerdigung ging eine ganze Weile weiter bis sie fertig war. Ihre Eltern verkrafteten es nicht deswegen zogen sie es unnötig in die Länge.

      ,,Sheryl bist du dir auch sicher?", fragte ihre Mutter nun zum dritten Mal. Es waren ein paar Tage seit der Beerdigung vergangen und Sheryl zog gerade aus. Für ihre Pläne brauchte sie eine eigene Wohnung. Ihre Eltern durften es nicht erfahren. Anders als bei der Beerdigung schien nun die Sonne. Es schien wie ein schlechter Scherz. ,,Ja Mutter, ich brauche den Platz für mich allein ", sagte sie. Ein letztes Mal umarmte sie ihre Eltern ehe sie zu ihrer besten Freundin ins Auto stieg da diese sie zu ihrer neuen Wohnung fahren würde. Und ab morgen würde sie auf Mamorus alte Schule gehen. Bestimmt gab es schon Gerüchte über die neue Schülerin welche aus Amerika kam. Sie hatte extra darauf bedacht sich dann anzumelden wo noch viele Schüler da waren.
    • Der erste Schultag nach der Beerdigung fühlte sich für die meisten an wie ein normaler Montagmorgen. Der Geruch von billigem Kantinenkaffee, das Geräusch quietschender Turnschuhe auf Linoleum, das dumpfe Brummen halberwachter Schüler. Für Yukiya und seine Clique war es nicht anders. Sie standen wie immer auf dem Balkon im dritten Stock, direkt über dem Eingang – der perfekte Ort, um zu sehen, wer kam und wer ging. Eine Art selbst ernannter Aussichtspunkt.

      "Schon gehört? Die neue Schülerin soll heute kommen", warf Mio beiläufig ein und nippte an seiner Dose Eiskaffee. "Oh ja", grinste Haru. "Frisch aus Amerika. Ich wette, sie ist ein verwöhntes Gör mit Daddy-Komplex. Oder…" Er beugte sich leicht zu Takumi. "…vielleicht sucht sie ja einen starken, einfühlsamen Mann, der ihr zeigt, wie das hier läuft."

      "Du meinst jemanden, der ihr in der ersten Woche den Spind mit stinkender Milch füllt?" warf Reo spöttisch ein. Sora sagte wie immer nichts. Er stützte sich an die Balustrade, rauchte und beobachtete den Schulhof mit halbgeschlossenen Augen. Yukiya lehnte ruhig an der Wand. Die Worte der anderen perlten an ihm ab, wie sie es immer taten. Er hatte nichts zu beweisen. Musste niemandem etwas sagen. Nicht mehr. Dann blieb Harus Grinsen plötzlich stehen. "Da. Da ist sie." Alle drehten sich in die gleiche Richtung. Ein Mädchen näherte sich dem Tor. Blond. Fremd. Selbstbewusst. Nicht aufdringlich, aber präsent – so wie jemand, der genau weiß, dass alle Augen auf ihn gerichtet sind, und es trotzdem ignoriert. "Scheiße. Ich hätte nicht gedacht, dass sie so aussieht", murmelte Mio. Takumi schnaubte. "Die sieht nicht aus wie eine Austauschschülerin. Die sieht aus wie eine, die weiß, wie man Leute dazu bringt, zu reden."

      "Oder zu trinken", warf Haru ein und grinste schief. "Wasser. Im See. So wie ihr Bruder. Vielleicht ist’s ja Familientradition – die Jungs ertrinken, die Mädchen tauchen auf und spielen Dramaqueen." Reo pfiff leise durch die Zähne. "Haru… das war sogar für deine Verhältnisse eiskalt." Mio verzog das Gesicht, lachte aber leise. "Manchmal frag ich mich echt, ob du nachts schlafwandelst und Grabreden schreibst." Yukiya sagte nichts. Er hatte sich ebenfalls von der Wand gelöst und trat einen Schritt vor. Seine Augen folgten ihr.
      Sie ging nicht wie jemand, der neu war. Kein Zögern in ihren Bewegungen. Keine Unsicherheit. Sie trug die Uniform korrekt, aber nicht wie die anderen – bei ihr sah sie aus wie eine Verkleidung. Eine Rolle. Er runzelte die Stirn. "Irgendwas an ihr ist… komisch", murmelte er mehr zu sich selbst als zu den anderen. "Vielleicht erkennt sie ja, was für eine verlorene Nummer diese Schule ist", sagte Reo. "Dann ist sie schneller wieder weg, als sie "Sayonara" sagen kann." Aber Yukiya hörte kaum noch zu. Er hatte sie noch nie gesehen. Und doch… irgendetwas war da. Ein flüchtiges Echo. Ein Schatten im Hinterkopf. Als sie durch das Schultor trat, hob sie kurz den Kopf – nicht direkt zu ihnen, aber in ihre Richtung. Ihre Augen unter dem Pony glitzerten kurz im Licht. Und für einen Moment, nur einen winzigen, stillen Moment, war da ein Blick. Kein Lächeln. Keine Angst. Keine Überraschung. Nur ein Hauch von … Abscheu? Yukiya zog die Stirn leicht zusammen.


      Irgendetwas an ihr stimmte nicht. Und er war sich sicher – sie würde keine gewöhnliche Schülerin sein.
      "Control can sometimes be an illusion, but sometimes, you need an illusion to gain control."