Shared Spaces - [Nao.Dark.Kii]

    Aufgrund einer größeren Serverwartung kann es aktuell zu vereinzelten Fehlern kommen. Meldet diese gerne unter: https://www.anime-rpg-city.de/index.php?board/7-fragen-ideen-und-probleme/

    • Nik mischte sich nicht weiter in das Gespräch ein. Aus dem einem Grund, weil er dazu schlicht und ergreifend kein Rechte hatte und aus dem anderen Grund, weil er die allgemeine Basis des Gesprächs nicht ganz verstand. Er kannte diese Katrin nicht und irgendwie hatte er das Gefühl das er mit seinen letzten Worten etwas nicht gerade positiv beigetragen hatte, nicht unbedingt negativ aber positiv war es auch nicht. Also füllte er sein Glas zum dritten Mal auf und trank einen Schluck.

      „Sag ihr einfach, dass du sie nett findest, dir aber nichts mit ihr vorstellen könntest.“ warf er dann doch nochmal ein. „Von wegen, es liegt nicht an dir sondern an mir, jeder weiß, dass das gelogen ist, aber Frauen fühlen sich besser wenn sie denken der Kerl hat Schuld.“ Nik hatte in der Vergangenheit schon einige Beziehungen beendeten, die meisten davon waren zwar primär rein sexuell, da er in den letzten Jahren mit seiner Ex-Freundin zusammen war, aber Trennungen unterschieden sich in den wenigsten Fällen von einander, vor allem wenn die Beziehungen eher kurzfristig waren. Die Trennung mit Roxana mal außen vor genommen. Roxy war einfach eine sehr verständnisvolle und emotionale Person, obwohl sie sich im Endeffekt von ihm getrennt hatte, hatte viel mehr geweint als er selbst…was nicht schwer war, denn Nik war im allgemein eher weniger emotional, jedenfalls zeigte er es eher weniger.

      „Primär solltest du dir aber sicher sein, dass du wirklich nichts von ihr willst, es gibt Frauen die merken diese kleine Unsicherheit und bohren dann trotzdem immer mal wieder nach, das ist schrecklich. Entweder du bist dir sicher, dass du keine Beziehung mit ihr führen willst oder du glaubst, dass du dir sicher bist. Und du solltest ihr keine Hoffnungen machen. Nicht das du sie wie Luft behandelt sollst, aber du solltest sie nicht anders behandeln als…keine Ahnung Ash zum Beispiel.“ Er hatte einfach irgendeinen Namen gesagt, im Grunde war Ash die einzige Person die Nik ebenfalls kannte, er hätte genau so gut einen anderen Kellner aus dem Restaurant nennen können, er kannte jedoch keinen. Das Ash seit Jahren unerwiderte Gefühle für Ethan hatte war einfach nur ein blöder Zufall.
    • Natürlich würde er es Kathrin deutlich sagen. Aber wenn Ash das extra betonte, schien er das wohl nicht immer eindeutig zutun. Deshalb nickte er verstehend. Ein gutes freundschaftliches Verhältnis. "Okay", antwortete der junge Koch und nickte auch bei Niks Worten. "Hm.." Den Spruch kannte er und er stammte ja nun auch nicht von einem anderen Planeten, aber in Ethans Fall - und vermutlich auch bei vielen anderen - war das doch gar nicht gelogen. Rein hypothetisch war es möglich, dass sich mehrere Personen in ihn verlieben könnten, aber er könnte ja nicht die Gefühle aller erwidern. Egal wie nett sie wären. Demnach lag es ja nun mal wirklich an Ethan und nicht an Kathrin.
      "Ich bin mir sicher", meinte Ethan und sah dann zu Ash als sein Name fiel. "Aber ich behandle niemanden wie Ash..", gab er dann etwas nachdenklich von sich. Ash war eine - ja wahrscheinlich sogar DIE - wichtigste Person in seinem Leben. Immerhin verbrachte er auch mehr Zeit mit ihm, als mit seiner Familie. Wobei er sich da auch nur ungern festlegen würde, wer nun wirklich wichtiger war. Fakt war, dass Kathrin eben nicht so wichtig war wie Ash. "Ein Leben ohne Ash könnte ich mir nicht vorstellen, aber ein Leben ohne Kathrin schon.." Er verschränkte die Arme vor der Brust und dachte nach. "Ich werde sie nicht anders behandeln wie sonst." Eben einfach genau wie alle anderen die nicht Ash, seine Familie oder seine Mitbewohner waren, denn als Mitbewohner würde er sich auch mit Nik deutlich mehr befassen, als mit anderen. Freundschaften und vor allem Beziehungen waren wirklich kompliziert.

      Dann seufzte er laut und stützte seinen Kopf auf beide Hände. Manchmal war Ethan doch ziemlich hilflos und ratlos, was vor allem Ash und Vicky von ihm kannten. Dann konnte es gut sein, dass er vor sich hinstarrte und versuchte, die Sache zu entschlüsseln. In diesem Fall fragte er sich unter anderem, wie er verhindern könnte, dass jemand auf ihn stand.
      Er mochte es nicht, wenn andere seinetwegen verletzt wären - auch wenn er auf manche etwas empathielos wirken konnte. Und so eine Abfuhr war ja irgendwie nie angenehm. Deshalb war er froh, wenn sich niemand für ihn auf diese Weise interessierte. Wobei er auch Probleme hatte Freundschaften zu schließen, wie er feststellen musste. Irgendwann gingen sie doch zu Bruch, bis auf die mit Ash.
      "Warum muss das so kompliziert sein?", fragte er und sah kurz zu Nik. Er hatte ja auch schon mindestens eine Beziehung hinter sich und die von Ash konnte man kaum zählen, wobei Ethan noch jeden einzelnen Namen nennen könnte, wenn er müsste. Dann sah er zu Ash und richtete sich wieder auf. "Das geht aber nicht nur mir so, oder?" Auch für Menschen, die sich dafür interessierten, war es kompliziert, oder?
      ~ ♦ ~ Die Freiheit der Phantasie ist keine Flucht in das Unwirkliche; sie ist Kühnheit und Erfindung. ~ ♦ ~
      - Eugene Ionesco
    • Ah… man konnte noch so sehr akzeptiert haben, für immer und ewig in der Friendzone zu sitzen, und trotzdem stachen manche Bemerkungen ein wenig. Ash ließ es sich nicht anmerken, schließlich war er diese kleinen Aussagen gewohnt. Nik konnte ja auch nichts von den Gefühlen wissen, die er seit Jahren unterdrücjte, und er sollte es auch definitiv nie erfahren, zumindest nicht solange sie in dieser verzwickten Mitbewohner-pre-dating Phase steckten.
      Umso schlimmer war es, dass Ethan immer unwissend Pflaster auf Ashs Wunden klebte. Er behandelte niemanden wie ihn? Ash sollte sich nicht so über diese Tatsache freuen, wie er es tat. Aber letztendlich war es wohl irgendwie logisch, dass man einen lebenslangen besten Freund nicht wie irgendwelche Kollegen behandelte.
      Ash schluckte, als Ethan meinte, er könnte sich kein Leben ohne ihn vorstellen, und unterdrückte, das genauso zurückzugeben, solange Nik mit ihnen im Raum stand. „Du musst sie auch nicht anders als sonst behandeln, ist ja nicht so, als hättest du unbemerkt mit ihr geflirtet. Sie hat sich das höchstens eingeredet“, meinte Ash. Selbst wenn Ethan sich manchmal unglücklich ausdrückte, musste man ihn einfach nur wörtlich nehmen um Missverständnisse zu vermeiden. Es brachte nichts, bei ihm zwischen den Zeilen zu lesen.
      „Ich glaube, jedem geht es irgendwie so“, murmelte Ash dann. Verdammt, warum führten sie dieses Gespräch gerade jetzt? Er wollte Ethan bestenfalls helfen, ohne sich selbst in ein unglaublich schlechtes Licht vor Nik zu stellen. „Oder hat es auf dich so gewirkt, als hätte ich in den letzten Jahren gewusst, was ich tue?“ Er schmunzelte.
      ✦ . ⁺   . ✦ .  ⁺   . ✦⁺   . ✦ .  ⁺   . ✦⁺   . ✦ .  ⁺   . ✦
    • Nik fühlte sich fehl am Platz. Ihm schien das Gespräch zwischen den beiden jungen Männern viel zu intim als das er als Außenstehende Person dabei sein durfte. Er hatte sich hier in etwas eingemischte was ihn nichts anging und nun war er irgendwie, auf eine seltsame Art und Weise involviert. Es war zu spät als das er einfach gehen könnte ohne das es komisch wirkte. Als das es so wirkte als würde er flüchten wollen. Möglicherweise war es Glück oder Zufall das sein Handy in diesem Moment klingelte.

      Es war spät. Normalerweise rief ihn keiner so spät an, normalerweise bekam er im allgemeinen relativ selten Anrufe, außer von einer ganz bestimmten Person. „Da muss ist ran gehen…tut mir leid.“ entschuldigte er sich eher nebensächlich bei seinen Mitbewohnern, er war sowieso kein sonderlich wichtiger Teil in ihrem Gespräch gewesen. Während er durch die Tür ging, nahm er das Telefonat schon an und antwortet mit einem knappen „ja sas.“

      Auf der einen Seite war er froh aus der seltsamen Situation in der Küche fliehen zu können, auf der andere Seite wusste er, dass wenn seine Mutter ihn um so eine Uhrzeit anrief, war irgendwas nicht in Ordnung. Es war nicht so, dass sie selten Telefonierten - was sie zwar taten aber das war gerade eher eine Nebensächlichkeit - aber seine Mutter rief ihn vor allem nicht so spät an. Beim Frühstück, wenn er mitten im Training war, oder bei der Arbeit wenn er unter irgendeinem Auto, Öl verschmiert lag, das kam durchaus häufiger vor, aber nicht um solch eine Uhrzeit, außer sie schwelgte schon wieder in Gedanken und brauchte jemanden der sie aus ihrem selbst gebauten schwarzen Loch zog. Genau so war es dieses Mal auch. Sie hatte alte Fotoalben durchgeblättert, immer und immer wieder. Hatte sich Fotos aus seiner Kindheit angeschaut, Fotos von ihren Urlauben in Griechenland, Fotos von seiner Einschulung und dann kamen die Erinnerungen wie ein Schlag. Erinnerungen als sie noch zu dritt waren. Erinnerungen vor dem Unfall, welcher diesen Titel kaum verdient hatte. Erinnerungen an warme Sommernächte an griechischen Stränden mit Sand unter den Füßen und warmen Wind der einem durchs Haar zog. Er erinnerte sich an jeden dieser Tage und versuchte jeden dieser Tage so weit wie möglich in die hinterste Ecke seines Verstandes zu schieben, aber ihr half es darüber zu reden, also redete er mit ihr darüber. Sie hatten beide an diesem Tag was verloren, seine Mutter vielleicht noch mehr als er selbst.

      Nach dem Gespräch saß er immer noch auf seinem Bett, das Handy neben ihm auf der Matratze, den Blick starr auf die Wand ihm gegenüber gerichtet. Ihr schien es besser zu gehen, das war die Hauptsache.
    • Kathrin soll sich eingeredet haben, dass er mit ihr geflirtet hätte? Ihm war mittlerweile durch Ash und Sam bewusst, dass andere seine Worte manchmal anders auffassten, als er sie meinte, aber er wusste noch immer nicht, wie er das vermeiden konnte. Dabei war Ethan recht einfach gestrickt und sagte gerade raus, was er sagen wollte. Deshalb fiel es ihm auch schwer bei anderen zwischen den Zeilen zu lesen.
      So bemerkte er nicht annähernd, dass Nik sich hier gerade nicht wohl fühlen könnte und sah ihm kurz nach, als er ging. Nach der kleinen Unterbrechung sah er wieder zu Ash, um das Gespräch fortzuführen. Ob es für ihn so aussah, als hätte er gewusst, was er tat? Wie sollte Ethan das beantworten? "Es passte bisher einfach nicht, würde ich sagen", meinte er und zuckte mit den Schultern. "In einer Beziehung geht es schließlich darum, dass beide mit den Macken des anderen langfristig leben können. So akzeptiert zu werden, wie man ist und sich nicht verstellen zu müssen, um den anderen zu gefallen", sagte er nachdenklich. "Du überstürzt es manchmal nur etwas", fügte er mit einem Lächeln hinzu. "Aber so bist du. Mal voller Energie und mal eben nicht. Impulsiv, aber dafür auch leidenschaftlich." Ganz anders als Ethan und doch funktionierten Gespräche wie diese und das Zusammenleben zwischen ihnen. "Deswegen ist es nicht schlimm, wenn es scheitert. Du wächst doch daran und lernst daraus. Auch schlechte Dinge haben irgendwo immer etwas Gutes. So wie bei meinen Eltern. Du weißt ja, wie oft Dad sagt, dass er die Beziehung mit Mum nicht bereut, weil er dadurch jetzt uns hat."
      ~ ♦ ~ Die Freiheit der Phantasie ist keine Flucht in das Unwirkliche; sie ist Kühnheit und Erfindung. ~ ♦ ~
      - Eugene Ionesco
    • Manchmal konnte Ethan so… einfühlsam sein, dass es fast weh tat. Vor allem, wenn er recht hatte. Langfristig mit jemandes Macken leben können, was? Die einzige Person, die Ash so langfristig in seinem Leben gehabt hatte, war neben seiner Familie Ethan. Und der schien bei seinen eigenen Worten garnicht daran zu denken. Aber selbst wenn… Manchmal war man besser füreinander geeignet, wenn man nur befreundet war. Und Ash hatte sich, so schwer es Momente wie diese auch machten, schon lange damit abgefunden. Ganz nebenbei bemerkt war außerdem sein nächstes Date im anderen Raum.
      Am liebsten wollte er Ethan sagen, dass er sich dafür schämen sollte, ihn so anzulächeln, während ihn nicht nur ansah, sondern quasi in seine Seele hinein sah. Aber das wäre ungerechtfertigt. "Ich weiß. Das beweist ja wohl auch genug, dass ich keine Ahnung habe, was ich tue. Ob ich es nun bereue oder nicht ist egal", wiederholte er und seufzte. "Aber du hast es wohl durchschaut. Da frage ich mich, warum du Beziehungen trotzdem so kompliziert findest", meinte er. Jetzt wo Nik – vermutlich – außer Hörweite war, konnte er etwas komfortabler sprechen. Auch wenn er sich auf tiefgründige Gespräche nicht allzu oft einließ, hatte er grundsätzlich kein Problem mit ihnen. Er sprach Ethan trotzdem nicht wirklich auf sein Liebesleben an, weil er ihn nicht unter Druck setzen wollte oder so etwas, aber gerade schien es irgendwie unvermeidbar.
      "Hast du nie bei jemandem das Gefühl gehabt, das ist die Person? Deren Macken du ewig ertragen könntest und so" Ash grinste.
      ✦ . ⁺   . ✦ .  ⁺   . ✦⁺   . ✦ .  ⁺   . ✦⁺   . ✦ .  ⁺   . ✦
    • Wie Ash es in Zukunft besser machen könnte, konnte er ihm leider auch nicht sagen. Ob er sich mal diesbezüglich schlau machen sollte? Beziehungsratgeber und ähnliches lesen. Das wäre wohl etwas zu anmaßend, oder? "Weil viele Menschen nicht frei sagen können, was sie wollen und Dinge verstehen, die nie gesagt wurden. Das führt gerade anfangs oft zu Missverständnissen, die nicht jede Beziehung übersteht", meinte er und betrachtete Ash nachdenklich, als er ihn fragte, ob er noch nie so ein Gefühl hatte. "Ich glaube nicht.. Aber deine Macken könnte ich vermutlich ewig ertragen", antwortete er mit einem kleinen Schmunzeln. Ash war sein bester Freund und würde es auch für immer bleiben. Warum sollte sich daran etwas ändern? "Aber ich hatte noch nie 'Schmetterlinge im Bauch' oder je das Verlangen mich jemandem körperlich anzunähern", sagte er und seufzte leise. "Vicky sagt, dass das nach Asexualität klingt. Das ergibt Sinn. Ich finde es nicht schlimm, aber manchmal, wenn ich ältere Paare sehe, frage ich mich, wie das wohl ist. Der Gedanke, irgendwann allein zu wohnen, gefällt mir irgendwie nicht. Aber mir ist durchaus bewusst, dass ich nicht ewig mit dir zusammen wohnen kann, wenn du irgendwann diese Person gefunden hast."
      ~ ♦ ~ Die Freiheit der Phantasie ist keine Flucht in das Unwirkliche; sie ist Kühnheit und Erfindung. ~ ♦ ~
      - Eugene Ionesco
    • Ash lächelte leicht. Ja, er könnte Ethans Macken auch für immer ertragen, wobei es weniger ein ertragen war als eine… Faszination dafür, wie unterschiedlich sie beide manchmal waren. Es war nicht immer ganz einfach, aber grundsätzlich empfand Ash es nie als negativ. Im Gegenteil, er brauchte Ethan meist wie einen Gegenpol zu seiner impulsiven, gedankenverlorenen Art, damit er zurück auf den Boden kam. Ein bisschen Stabilisierung. So wie jetzt.
      „Ist es auch nicht“, antwortete Ash schulterzuckend und drehte das Wasserglas in seiner Hand, als Ethan meinte, er persönlich fände es nicht schlimm, asexuell zu sein. Es machte ja nun wirklich keinen Unterschied, ob Ethan ein Wort dafür hatte, wie er war, oder nicht. Ash hatte ihn längst genau so akzeptiert, wie er war. Außerdem war es irgendwie praktisch, dass sie nicht beide dauernd Beziehungsprobleme hatten. „Ich bin sicher, es gibt genug alte Leute, die schon ewig verheiratet sind und kein krasses Sexleben haben, oder je hatten. Wenn sie so lange zusammen sind, dann eher, weil sie gut miteinander auskommen. Das ist das einzig wichtige“, schmunzelte er. „Nur, weil man nicht mit jemandem schlafen will, heißt es ja wohl nicht, dass man die Person nicht liebt. Es ist vielleicht eine andere Art jemanden zu lieben. Freundschaftlich, oder einfach irgendwas dazwischen. Wenn es die richtige Person ist, ist es egal, wie man es nennt“
      Er war sich selbst nicht ganz sicher, wo diese Weisheiten gerade herkamen, weder bei sich selbst, noch bei Ethan. Aber da er es sonst versuchte zu vermeiden, zu tiefgründig nachzudenken, damit er sich nicht in eine Gedankenspirale reinritt oder plötzlich traurig wurde, staute sich das wohl irgendwie an. Und dann kam doch noch was Sinnvolles aus seinem Mund.
      „Und du findest… sicher irgendwann jemanden, mit dem du dein Leben so verbringen willst. Bis dahin bleiben wir halt eine WG, ich hab damit kein Problem. Mein zukünftiger Partner hoffentlich auch nicht“ Er lächelte und schluckte. Es war nicht leicht, sowas auszusprechen, auch nach all den Jahren nicht, aber er konnte nicht so egoistisch sein und Ethan keine glückliche Zukunft mit jemandem wünschen, nur weil er selbst an ihm klammerte. Und irgendwie hoffte er sehr, dass Nick nichts hiervon gehört hatte, sonst würde ihr erstes Date alles andere als unkompliziert verlaufen.
      „Oh, und wenn nicht, dann müssen wir halt zwangsläufig für immer zusammen wohnen, ich lasse dich schon nicht allein. Vielleicht kannst du ja auch mit in mein Familiengrab“, lachte er. Dabei war es nur halb so witzig, wenn er bedachte, dass sie stattdessen auch ganz einfach zusammen sein und heiraten konnten, was ein Familiengrab ziemlich berechtigte. Aber Asexualität hatte mit romantischer Liebe recht wenig zu tun. Und Ash widerstrebte es, sich für immer mit einer einseitigen Liebe abzufinden. Er brauchte jemanden, der seine Gefühle erwidern konnte.
      ✦ . ⁺   . ✦ .  ⁺   . ✦⁺   . ✦ .  ⁺   . ✦⁺   . ✦ .  ⁺   . ✦
    • Auch wenn Ethan diese Art der Ermutigung aktuell nicht brauchte, war es schön, dass Ash ihm gut zusprach. Vielleicht träfe er irgendwann jemanden, mit dem er sein Leben auf anderer Ebene führen könnte. Wobei Ash noch mehr dazu sagte. Es gab unzählige Arten jemanden zu lieben. "Ja", stimmte Ethan ihm deshalb zu und nickte leicht. Manchmal sagte Ash richtig tiefgründige Sachen, doch Ethan überraschte das kaum. Ash war im Gegensatz zu Ethan ein sehr emotionaler Mensch, aber das schloss ein rationales Denkvermögen ja nicht aus.
      Wenn der Koch sich allerdings deshalb schlecht gefühlt hätte, würde er es jetzt wohl nicht mehr tun. "Du musst dich meinetwegen nicht einschränken", sagte Ethan und legte seine Hand auf Ash's Schulter. "Ich hoffe natürlich, dass dein Partner nichts gegen mich haben wird, aber wenn es dich glücklich macht, bin ich es auch." Ja, Ethan wollte nicht gern allein sein, aber er wollte Ash deshalb auch nicht auf irgendeine Weise ausbremsen. Das wäre nicht fair.

      "Du hast kaum was gegessen.. schmeckt es dir nicht?", fragte er etwas besorgt und sah zu dem Teller, den Ash schon vor einer Weile von sich geschoben hatte. "Soll ich dir was anderes machen? Oder hast du mehr Platz gelassen, damit du gleich zwei Desserts verdrücken kannst?" Es war selten, aber Ethan grinste dabei, da er ja genau wusste, was für eine Naschkatze Ash war. Böse war er jedenfalls nicht, denn auch wenn er sich immer große Mühe gab, wusste er das er nicht immer jeden Geschmack treffen konnte.
      ~ ♦ ~ Die Freiheit der Phantasie ist keine Flucht in das Unwirkliche; sie ist Kühnheit und Erfindung. ~ ♦ ~
      - Eugene Ionesco
    • Er hätte ihr vielleicht sagen müssen, dass es ihm nicht gut tat über seinen Vater zu reden…hätte er, tat er jedoch nicht. Er hörte ihr aufmerksam zu, nickte an den richtigen Stellen, auch wenn sie es nicht sehen konnte und versuchte ihr zu helfen. Das er sich mit der Hilfe immer weiter in die Spirale auch dunklen Gedanken zog, wusste sie nicht. Jeder ging anders mit seiner Trauer um. Seine Mutter sprach mit Leuten darüber, mit ihm, mit ihren Freundinnen aus der Hinterbliebene Gruppe für verstorbene Kriegsveteranen, mit ihrer kleinen Kochgruppe mit der sie sich alle zwei Wochen traf, gelegentlich sogar mit ihrem eigenen Therapeuten, welcher Nik hin und wieder über den Zustand seiner Mutter am laufenden hielt, damit er zu ihr fahren konnte, falls es wieder schlimmer wurde.
      Nik jedoch, Nik redete nicht darüber. Er redete nicht über die Flashbacks die er selbst nach fünf Jahren immer noch bekam, er redete nicht über die Albträume, über den Phantomsschmerz den er regelmäßig spürte, über die Schuldgefühle, über die Gedanken die ihn dazu brachten sein Leben komplett in Frage zu stellen. Manchmal dachte er, dass es vielleicht besser gewesen wäre, wenn er an der Stelle seines Vaters wäre. Seine Mutter wäre sicher auch traurig gewesen, aber sie hätte seinem Vater gehabt, der sie trösten könnte, er wiederum war abgehauen. Hatte die Stadt verlassen und seine Mutter alleine gelassen, weil er das Haus und die Straße und die Leute nicht mehr ausgehalten hatte. Er hatte die bemitleidenden Blicke nicht mehr ausgehalten. Die Beileidsbekundungen. Die Extrabehandlungen, weil er nicht mehr laufen konnte. Er hatte all das nicht mehr ertragen können.

      Es war nicht so, dass es mit der Zeit nicht besser geworden wäre, es war besser geworden. Er hatte sich mit der Hilfe eines alten Kameraden zusammen gerissen, war regelmäßig zur Therapie gegangen, hatte langsam Fortschritte bei der Physiotherapie gemacht, aber die Gedanken waren nie endgültig verschwunden, er hatte sie nur in eine kleine Schachtel gesperrt und diese in die hinterste Ecke seines Verstanden verfrachtet. Es war nicht so, dass er nicht wieder Spaß am Leben hatte, den hatte er. Er tat Dinge die er liebte, genoss die Gegenwart von Menschen die ihm gut taten und kam mittlerweile selbst mit den mitleidenden Blicken zurecht, die er jedesmal bekam, wenn eine Person rausfand was in seiner Vergangenheit passiert war, aber da gab es eben diese eine kleine Sache die ihn immer und immer weder zurück warf, jedes mal wenn er daran dachte. Da gab es diese warmen Sommernächte in Griechenland, Mitternachtsbaden am Strand, weil weder er noch sein Vater schlafen konnten und das die einzig logische Konsequenz war. Eiskalter Frappé, Sonnenuntergänge und gekühlter Ouzo. Er mochte die Erinnerungen auch wenn sie ihm nicht gut taten. Es war wie dieser eine bitter-süße Schmerz, den man nicht mögen sollte, man aber nicht anders konnte.

      Er seufzte leise, fuhr sich mit den Händen erst durch das Gesicht und dann durch die Haar, bevor er sich aufrappelte und sich Sportsachen anzog. Er musste den Kopf freibekommen. Eigentlich hatte er seinen Sport für heute schon abgehakt. Er wusste, dass er so vor seinen eigentlichen Problemen nur davon lief, aber er konnte jetzt hier auch nicht einfach hier so sitzen bleiben. Er wusste nicht ob seine Mitbewohner immer noch in der Küche standen und redeten, er schaute aber auch nicht nach, ließ die Wohnungstür einfach nur leise in Schloss fallen und atmete draußen die kühle Nachtluft tief ein. Jeder ging anders mit seinen Problemen um, und auch wenn Nik wusste, dass er nicht vor ihnen weglaufen sollte, tat er genau das - wortwörtlich.

      Nik wusste nicht wie lange er unterwegs gewesen war, er hatte erst auf die Uhr geschaut als seine Muskulatur bereits brannten, erst dann machte er sich wieder auf den Weg zurück in die Wohnung. Ob die anderen noch wach waren? Selbst wenn, ihm war nicht danach zu reden.
    • "Das tue ich nicht", sagte Ash sofort und wich Ethans Blick aus. "Du bist genauso wichtig für mich. Wer dich nicht mag, hat keine guten Karten bei mir" Und das meinte er auch so. Als Freund würde Ethan ihm immer ebenso wichtig sein, wie jeder andere Mensch, den er liebte. Er würde seine Freunde und Familie nicht für eine Beziehung im Stich lassen. Wenn jemand in seinem Leben nicht verstand, dass er in seinem Herzen Platz für mehr als eine Person hatte, brauchte er diesen jemand nicht darin. Ob er nun zu dramatischen Maßnahmen greifen musste, wie für immer bei seinem besten Freund zu wohnen, damit der nicht depressiv wurde, sei mal dahingestellt, aber auch das würde er abwägen. Wenn er dadurch seinen Partner nicht einschränkte? Wieso nicht. Vielleicht hatte der ja auch Lust auf eine Wohngemeinschaft, dann machte niemand Verluste. Wie Nik zum Beispiel. Was genau den in eine WG getrieben hatte, verstand Ash zwar immernoch nicht so ganz, aber…

      Wo war Nik eigentlich?
      Ethan holte Ash gedanklich zurück zum Tisch. "Oh, ich… Nein, ich esse das noch. Ich hatte nur keine Lust, heute noch zu ersticken" Einmal in der Essen in der Luftröhre zu haben, konnte dezent den Appetit hemmen. Er zog den Teller mit der Pasta wieder zu sich. "Den Nachtisch schaffe ich auch noch, keine Sorge" Für Süßes hatte er einen zweiten Magen.
      "Ist Nik noch im Flur?", fragte Ash nun doch und lehnte sich etwas zur Seite um nachzusehen. "Ich hab nichts gehört. Ist er ins Bett? Wir haben ihn vertrieben", schmunzelte er.
      ✦ . ⁺   . ✦ .  ⁺   . ✦⁺   . ✦ .  ⁺   . ✦⁺   . ✦ .  ⁺   . ✦
    • Natürlich würde er den Nachtisch noch schaffen, daran hatte Ethan keinen Zweifel und lachte leise. Wenn Ethan lachte, dann immer ziemlich dezent. Als würden seine Manieren ihn daran hindern, zu laut zu sein. Doch Ethan bekam nur sehr sehr selten einen Lachanfall, der ihn übermannte. Sein Lachen war meist nur von kurzer Dauer und sanft, fast wie ein Hintergrundgeräusch. Wie oft hatte er Ash schon gesagt, dass es sowas wie einen Dessertmagen nicht gab, aber das hatte er schon vor Jahren aufgegeben.
      Was Nik anging, hatte Ethan keine Ahnung. "Wieso sollten wir ihn vertrieben haben? Er musste doch nur ans Telefon gehen und kam nur, um was zu trinken, oder?" Nik hatte nie die Absicht sich an dem Gespräch zu beteiligen, was für Ethan okay war. Er hätte nichts dagegen gehabt, wenn er es getan hätte, aber er hatte in dem Gespräch auch keine Hauptrolle. Vielleicht musste er sich noch eingewöhnen oder er war eben so. Ethan selbst mischte sich auch nicht in andere Gespräche ein.
      Jedenfalls war es für Ethan nicht ungewöhnlich, wenn Nik nach dem Telefonat einfach im Zimmer blieb, wo er vorher auch war. "Geh nicht zu spät ins Bett. Und iss nicht zu viel vorm Schlafen. Du kannst es auch morgen noch essen", sagte er und klopfte ihm sanft auf die Schulter, ehe er in seinem Zimmer verschwand, um heute früher schlafen zu gehen.
      ~ ♦ ~ Die Freiheit der Phantasie ist keine Flucht in das Unwirkliche; sie ist Kühnheit und Erfindung. ~ ♦ ~
      - Eugene Ionesco
    • Er wusste nicht wie spät es war, als er die Wohnungstür von außen aufdrückte. Es war ruhig in der Wohnung also waren die anderen beiden wahrscheinlich schon auf ihre Zimmer gegangen. Das war ihm recht, Nik hatte gerade sowieso keine Kraft mit irgendwem zu reden. Er wollte jetzt einfach nur noch duschen und dann versuchen zu schlafen. Morgen müsste er wieder zur Arbeit und durch seine spontane Sportsession hatte er so oder so schon einiges an wertvollen Schlafstunden verloren, aber immerhin ging es ihm nun ein wenig besser. Er war auf jeden fall wieder Herr seiner Gedanken.

      Schnell schnappte er sich aus seinem Zimmer frische Klamotten und verzog sich dann in das kleine Badezimmer.
      Das Wasser rieselte heiß auf seinen Körper nieder. Genau das brauchte er jetzt. In dem Raum war es komplett still, bis auf das Wasser und seinen eigenen Atem hatte er alles was sonst noch irgendwelche Geräusche machen könnte ausgeblendet. Er genoss die Ruhe, vor allem nach dem Gedankenchaos war sie wie ein Segen.

      Als er wieder auf sein Zimmer ging, schaute er nicht auf die Uhr. Er wollte nicht wissen wie viel - oder wenig - Stunden ihm noch zum schlafen blieben. Als würde er sein Handy anstöpseln, schloss er seine Beinprothese an den Strom an und legte sich dann ins Bett.
    • Ja… warum sollten sie ihn vertrieben haben… Ethan wusste nur nicht, dass zwischen ihnen nach gerade Mal zwei gemeinsamen Tagen schon ein Date anstand und sie eben vor ihm verdammt viel über Beziehungen gequatscht hatten. Ash wäre es an seiner Stelle durchaus etwas unangenehm gewesen, wenn man nebenher noch Ewas zu verheimlichen hatte. Gut fühlte sich das gerade jedenfalls auch für Ash nicht an. Trotzdem, er hatte einen Anruf bekommen und hatte sich wohl einfach zurückgezogen, weil er mit dem Gespräch nichts zu tun hatte. Das machte Sinn. Hoffentlich hatte er gegen Ende auch nicht – absichtlich oder unabsichtlich – gelauscht.
      Ash schloss mit dem Thema ab und verschwand ebenso wie Ethan in seinem Zimmer. Schlafen konnte er so früh allerdings nicht, darum suchte er sich auf seinem Laptop noch eine Serie aus, von der er sich berieseln lassen konnte. Denn für Uniarbeiten war es trotzdem schon so spät, wenn es nach ihm ging.

      Irgendwann, als er schon fast dabei war, den Laptop zur Seite zu legen und schlafen zu gehen, hörte Ash den Schlüssel in der Wohnungstüre. Er war kurz etwas überrascht, weil er nicht gedacht hatte, dass Nik draußen gewesen war, und irgendwie juckte es ihn jetzt in den Füßen, zu ihm zu gehen und nach dem Telefonat zu fragen, aber… Das konnte er bestimmt morgen Früh auch noch machen. Sofern Nik noch da war, wenn Ash aufstand um sich für die Uni fertig zu machen. Schlimmstenfalls sahen sie sich bei dem Date… Und Ash wurde schon etwas nervös, wenn er daran dachte.
      ✦ . ⁺   . ✦ .  ⁺   . ✦⁺   . ✦ .  ⁺   . ✦⁺   . ✦ .  ⁺   . ✦
    • Obwohl Ethan Abends immer noch gern las und lernte, ging er tatsächlich direkt ins Bett, um zu schlafen. Was daran lag, dass er für morgen früh diverse Pläne hatte. Montags würde Ash nicht lang schlafen und sicher würde auch Nik recht früh aufstehen.

      Heute war Ethan zwar genau so früh wach wie sonst, aber da sie noch reichlich zu Essen im Gefrierfach hatten, kochte er heute nicht vor. Auch sein Vater hatte noch reichlich zuhause. Stattdessen wollte Ethan die Zeit nutzen, um seine häuslichen Pflichten zu erledigen. Sofern es ihm möglich war und nicht zu viel Lärm erzeugte. So fing er mit dem Staubwischen in den Gemeinschaftsräumen an, nachdem er vorher das gemeinsame Bad mit Ash gereinigt hatte, da er ausreichend Zeit hatte, bis Ash es benutzte. Mit dem Staubsaugen müsste er wohl leider warten, bis die anderen wach waren.
      ~ ♦ ~ Die Freiheit der Phantasie ist keine Flucht in das Unwirkliche; sie ist Kühnheit und Erfindung. ~ ♦ ~
      - Eugene Ionesco
    • Er hatte viel zu wenig geschlafen, das merkte er nicht nur daran, dass er unwahrscheinlich müde war, als er seine Augen auf machte, sondern auch an dem Fakt dass er verschlafen hatte. Eigentlich war sein Morgen gar nicht so schlimm gewesen, jedenfalls die ersten drei Minuten des besagten Morgens, so lange bis sein Blick auf sein Handy fiel und er die Uhrzeit ablas. Nik hatte nicht nur seine morgendliche Joggingrunde verschlafen - für die er sich extra nochmal einen Wecker gestellt hatte - sondern auch den Moment an dem er eigentlich Fahren musste. Wenn man es genau nahm, hätte er in zehn Minuten bei der Werkstatt sein müssen und das schaffe er nichtmal wenn er sich jetzt sofort ins Auto setzte. Vielleicht vergas er wegen den Stress, welcher sich prompt in seinem Verstand breit machte, dass er vielleicht nicht einfach so, hektisch wie er in dem Moment eben war, aufstehen sollte, den als ob eine höhere Macht ihn ärgern wollte, verlor er das Gleichgewicht, welches durch sein Handicap eh schon schwer war zu halten. Leise fluchte Nik auf Griechisch auf. Da hatte er es einmal eilig und dann passierte natürlich genau sowas, typisch.

      Zehn Minuten später hechtete er schon fast aus seinem Schlafzimmer. Er brauchte ganze drei Versuche damit die Prothese richtig saß und er nicht das Gefühl hatte, sie würde ihm bei den nächsten Schritten einfach abfallen. Glücklicherweise hatte er am Vorabend geduscht, somit konnte er sich das im Grunde sparen, immerhin hatte er seine erste Sporteinheit so oder so verpennt. Vielleicht hätte er sich neben den Socken auf Schuhe anziehen sollen, denn so schlitterte er über den Paketboden mehr als er wirklich rannte. Die ganze Situation hätte auch aus einem Cartoon kommen können und sah wahrscheinlich für Außenstehende unwahrscheinlich komisch aus.
      Wo hatte er dann jetzt seine Autoschlüssel hingeworfen und darum passierte sowas immer gerade dann wenn man es eilig hatte?
    • Ash wachte am nächsten Morgen früh auf, akzeptierte sein Schicksal und begrüßte Ethan in der Küche, wo er sich zum Frühstück einen Muffin von gestern Abend aus dem Kühlschrank schnappte. Dann startete er die Kaffeemaschine und setzte sich an die Kücheninsel.
      "Gut geschlafen? Wirst du heute mit Katrin reden?", fragte er bevor er in den Muffin biss. Gut, vielleicht war das kein Thema für so früh Morgens, aber es interessierte Ash. Ehrlich gesagt ließ es ihn wiedermal nicht so richtig los. Das Gespräch gestern Abend hatte sich in seinem Kopf festgesetzt, weil Ethan so viele Dinge gesagt hatte, die ihm den Kopf verdrehten. Er war frustriert über sich selbst, weil das Nik gegenüber einfach nicht fair war.

      Apropos Nik. Ash betrachtete das Spektakel von der Küche aus. Wie Nik immer wieder an ihnen im Flur vorbei flitzte, von Raum zu Raum, ohne dass er richtig bemerkte, dass sie da waren. Ash schmunzelte. "Morgen", rief er raus. "Alles okay? Gehört Stress zur Morgenroutine? Sport?", fragte er neckend. Er selbst war überaus entspannt. Er mochte Tage, an denen er zur Uni ging sehr. Er sah Sam wieder, die in letzter Zeit deutlich zu beschäftigt mit ihrer Freundin war, und sie konnten zusammen den ganzen Tag über die jeweils nächste Mahlzeit fantasieren. Da bekam man von langweiligen Vorlesungen kaum mehr was mit. Außerdem hatte er gestern noch alle Hausaufgaben fertig bekommen, darum fühlte er sich ziemlich produktiv. Ein Grund, wieso er sich immer bemühte, seiner eigenen Routine zu folgen, und alles zu erledigen, was er sich für die Woche vornahm.
      Nik schien gerade etwas chaotischer dran zu sein. Aber von Stress bekam man Falten.
      ✦ . ⁺   . ✦ .  ⁺   . ✦⁺   . ✦ .  ⁺   . ✦⁺   . ✦ .  ⁺   . ✦
    • Gerade hatte er beschlossen, schon mal zu frühstücken, als Ash in die Küche kam. Das Ash zum Frühstück einen Muffin aß, gefiel ihm als Semi-Ernährungsexperte zwar nicht so, aber das war eben Ash. Wenigstens war es ein Muffin, den er zuhause gebacken hatte und der somit auch weniger Zucker enthielt und aus Dinkelvollkornmehl bestand. Den Unterschied merkte kaum jemand, aber Ethan hatte dadurch ein besseres Gewissen und geschmacklich kamen sie bisher bei jedem gut an.
      "Ja. Werd ich. Und du?", antwortete Ethan kompakt wie immer auf beide Fragen und gab sie direkt zurück. Als er auch die Aufregung im Flur bemerkte, sah er kurz rüber, aber viel sehen konnte er nicht. Dennoch war es offensichtlich, dass es Nik sein musste. Und auch, dass er wohl gestresst war und unter Zeitdruck stand. Hatte er verschlafen? Etwa weil es sein erster Arbeitstag in dieser Wohnung war? Vielleicht hatte er vergessen seinen Wecker einzustellen, falls er dafür nicht sein Handy benutzte. Ethan hatte früher so einen richtigen Wecker, bis mal kurzzeitig der Strom in der Nacht weg gewesen sein musste und sein Wecker sich resettet hatte. Seitdem nutzte er dann doch lieber sein Handy dafür.
      ~ ♦ ~ Die Freiheit der Phantasie ist keine Flucht in das Unwirkliche; sie ist Kühnheit und Erfindung. ~ ♦ ~
      - Eugene Ionesco
    • Als Nik Ash‘s Stimme aus der Küche hörte, hätte er in seiner Eile fast die Tür mitgenommen. Dem griechischen Fluchen zufolge, hatte er das sogar teilweise getan, jedenfalls zeugte der kurze Schmerz, welcher von seinem Fuß durch seinen Körper schoss davon.
      Seine Haare sahen aus als wäre ein Wind durch sie gefegt, was bei der Hektik, mit welcher er durch die kleine Wohnung sauste, wohl kein Wunder war.
      „Mhm.“ bestätigte er summend. „Ich werde morgens erst richtig wach, wenn ich wirklich im Stress bin.“ kam es sarkastisch von ihm, ehe er zum ersten Mal an diesem Morgen seinen Kopf durch die Küchentür steckte. „Habt ihr…“ er unterbrach sich selbst als sein Blick auf seine Autoschlüssel fiel, welche - warum auch immer - auf dem Esstisch lagen. „Hat sich erledigt.“ murmelte er leise, primär ein wenig von sich selbst enttäuscht, dass ihm diese Idee nicht schon viel früher eingefallen war, er hatte jedoch keine Zeit sich über seine eigene Dummheit aufzuregen. „Bis später, ich muss los.“ rief er noch in den Flur, ehe die Wohnungstür ins Schloss fiel.

      Erst am Auto fiel dem Griechen auf, dass er weder eine Jacke noch vernünftiges Schuhwerk trug. Das war definitiv nicht sein Morgen. Wenige Minuten später stand er ein zweites mal an seinem Auto, dieses Mal mit seinen Boots an den Füßen und einer Lederjacke, welche er auf die Rückbank warf. Jetzt war er auf jeden fall offiziell zu spät - nicht dass er das nicht vorher auch schon war, aber in wenigen Sekunden fing seine Schicht offiziell an und selbst wenn er bis dato noch optimistisch gewesen wäre, jetzt war er es nicht mehr.

      Als ob die ganze Stadt gerade wissen würde, dass Nik spät dran war, erwischte er keine einzige grüne Ampel, stand vor jeder Kreuzung lächerlich lange ehe sich der Morgenverkehr langsam löste und zu allem übel schien jeder Mensch vor ihm absolut entspannt zu sein. Fast zwanzig Minuten zu spät kam er endlich an der Werkstatt an. Seine Laune war nun definitiv so weit im Keller, dass ihm nicht mal der Geruch von frisch gebührten Kaffee aufmuntern konnte. Glücklicherweise sagte sein Chef kein Wort zu seiner Verspätung, hielt ihm einfach nur ein, in Frischhaltefolie, eingepacktes Brötchen und eine Tasse schwarzen Kaffee hin und lächelte ihn sanft an. Er mochte seinen Chef. Er sah aus wie ein alter Griesgram, war aber in Wahrheit ein extrem geduldiger und herzensguter Mensch. Er hatte Nik Wochenlang in der Werkstatt schlafen lassen, als Roxana und er Schluss gemacht hatten, ließ ihn die Werkstatt umsonst für seine privaten Projekte benutzten und brachte regelmäßig Frühstück für alle mit.