The secret of the Dragonsworld (A|K|F|H)

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    • The secret of the Dragonsworld (A|K|F|H)

      The secret of the Dragonsworld
      feat.
      @Atomic | @Karuh | @Feuermaid | @Hera

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      Lasset die Spiele beginnen!
      Spielt klug, seid schnell und behaltet die Nerven.
      Das Drachenfeuer ist gnadenlos!
      „Schreibe kurz – und sie werden es lesen.
      Schreibe klar – und sie werden es verstehen.
      Schreibe bildhaft – und sie werden es im Gedächtnis behalten.“
      – Joseph Pulitzer

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    • Lucan Ashford

      Es war noch früh, die ersten Strahlen der Morgendämmerung hatten gerade begonnen, den Horizont in einem schwachen Orange zu färben, als Lucan an den Rand der Klippen trat. Der Wind, kühl und mit einem Hauch von Salz in der Luft, fuhr durch sein kurzes, schwarzes Haar und zog an seiner dunklen Rüstung, die im schwachen Licht matt schimmerte. Unter ihm erstreckte sich das endlose Meer, ruhig und trügerisch, wie eine gespannte Feder, die darauf wartete, sich zu entladen. Doch Lucan war nicht hier, um die Stille zu genießen oder die Aussicht zu bewundern – solche Dinge bedeuteten ihm längst nichts mehr. Er war hier, um in seine Gedanken zu Ordnen oder, und das passierte manchmal, drifteten seine Gedanken in die Vergangenheit.

      Lucans Gedanken wanderten zurück in die Vergangenheit, in eine Zeit, die er meist tief in seinem Inneren vergraben hielt. Es war die Zeit, als seine Mutter starb, bei der Geburt seiner Schwester. Lucan war damals noch ein Kind, aber er verstand genug, um zu wissen, dass sich sein Leben für immer verändern würde. Der Tod seiner Mutter hinterließ eine Leere, die nichts füllen konnte. Doch anstatt in Trauer zu versinken, stellte sein Vater, ein angesehener General der Drachenreiter, sicher, dass seine Kinder stark genug wurden, um den Herausforderungen des Lebens zu trotzen. Sein Vater war ein harter Mann, bekannt für seine Disziplin und seine Unnachgiebigkeit, sowohl auf dem Schlachtfeld als auch in der Erziehung. Er war es, der Lucan und seine Schwester von klein auf darauf vorbereitete, die Asche ihrer Mutter in Stärke zu verwandeln. Er lehrte sie, dass Schwäche nicht toleriert werden konnte, weder in der Welt der Drachenreiter noch in der Familie Ashford. Jeder Tag war eine Prüfung, jedes Training eine weitere Lektion in Stärke und Selbstbeherrschung. Doch trotz seiner Härte war Lucans Vater auch immer für seine Kinder da. In den stillen Momenten, wenn das Gewicht der Welt auf ihnen lastete, war er der Fels, der ihnen Halt gab. Er vermittelte Lucan und seiner Schwester nicht nur die körperlichen Fähigkeiten, die sie brauchten, um zu überleben, sondern auch die innere Stärke, die sie aufrecht hielt, wenn alles andere um sie herum zerfiel. Er war mehr als ein strenger Lehrer, er war das Vorbild, dem Lucan nacheiferte, der Inbegriff von Pflichtbewusstsein und Ehre. Die Nächte waren oft still und dunkel, erfüllt von den Geschichten, die sein Vater erzählte. Geschichten von Ruhm und Verlust, von den Drachen und den Männern, die sie ritt. Lucan hörte aufmerksam zu, sog jedes Wort in sich auf, und lernte, was es bedeutete, ein Ashford zu sein, ein Drachenreiter. Die Trauer über den Verlust ihrer Mutter schweißte die Familie nur noch enger zusammen. Lucan lernte, seine Gefühle zu verbergen, Härte nach außen zu zeigen, aber tief in seinem Herzen brannte der Schutzinstinkt für seine Familie, besonders für seine Schwester. Die Jahre vergingen, und unter der strengen Führung ihres Vaters wurde aus Lucan ein Mann, der bereit war, die Welt zu erobern. Der Weg war hart, gepflastert mit Herausforderungen und Verlusten, doch es formte ihn zu dem gefürchteten Geschwaderführer, der er heute war. Seine Schwester, die unter denselben strengen Augen aufwuchs, entwickelte sich zu einer genauso entschlossenen Kämpferin. Lucan wusste, dass sie stark war, doch in den stillen Momenten, wenn der Wind die Schatten auf der alten Burgmauer tanzen ließ, fragte er sich manchmal, ob sie den Preis, den das Leben eines Drachenreiters forderte, vollständig verstand. Doch vor zwei Jahren erlebte Lucan erneut einen herben Verlust – den Tod seines Vaters. Der Krieg, der so viele Leben gefordert hatte, verschlang auch das des Generals, der seinem Land und seiner Familie treu gedient hatte. Es war ein weiterer Schlag, den Lucan nur schwer verkraften konnte, doch wie immer verbarg er seine Gefühle tief in seinem Inneren. Sein Vater starb als Held, und Lucan versprach sich selbst, sein Vermächtnis weiterzuführen. Er musste stark sein, nicht nur für sich, sondern auch für seine Schwester. Seitdem lastete die Verantwortung für die Familie Ashford vollständig auf seinen Schultern. Es war ein schweres Erbe, aber Lucan trug es mit der gleichen Entschlossenheit, mit der sein Vater gekämpft hatte.

      Er konnte sie spüren, noch bevor er sie sah. Rheyna – seine unerschütterliche Gefährtin und die Verkörperung all dessen, was er geworden war. Sie bewegte sich in der Dunkelheit unter den Klippen, ihre Präsenz war so vertraut wie sein eigener Herzschlag, und doch war sie auch das, was andere in Panik versetzte. Rheyna war kein gewöhnlicher Drache. Sie war eine der größten und gefürchtetsten ihrer Art, ein Ungetüm von schimmerndem Schwarz, ihre Schuppen so undurchdringlich wie die Finsternis selbst. Sie war die Schattenklinge, die Lucan im Schlachtfeld führte, der Schrecken, der jeden Feind in Furcht erstarren ließ, noch bevor sie überhaupt angegriffen hatten. Lucan wusste, dass sie wusste, wo er war, genauso wie er wusste, dass sie jederzeit zu ihm kommen würde, wenn er es verlangte. Ihre Verbindung war mehr als nur das Band zwischen Reiter und Drache, sie war eine Verschmelzung von Seelen, die ein gemeinsames Ziel teilten. Rheyna und Lucan hatten gemeinsam mehr Schlachten geschlagen, als er zählen konnte. Und jedes Mal, wenn sie in den Kampf zogen, war es, als ob sie ein unaufhaltsamer Sturm wären, eine Kraft der Natur, die nicht gebändigt werden konnte. Die Winde wehten stärker, als sich die ersten Sonnenstrahlen über den Horizont schoben. Doch für Lucan blieb der Tag genauso dunkel wie die Nacht. Das Licht erreichte ihn nicht, denn in seinem Inneren hatte die Dunkelheit schon vor langer Zeit die Oberhand gewonnen. Er war nicht immer so gewesen, aber die Welt, die Kriege und die Verrätereien hatten ihn geformt. Lucan Ashford war nun der, den sie fürchteten, nicht weil er sich durch seine Position auszeichnete, sondern durch das, was er war. Ein Überlebender, ein Kämpfer, ein Mann, der vor nichts zurückschreckte. Ein leises, kaum hörbares Geräusch ließ ihn aufhorchen, und er musste nicht hinsehen, um zu wissen, dass es Rheyna war, die sich nun aus den Schatten löste. Der massive Drache erhob sich aus der Dunkelheit der Klippen wie ein lebendig gewordener Albtraum, ihre riesigen Schwingen breiteten sich aus und verdunkelten das Licht der aufgehenden Sonne. Ihre Augen, kalt und glühend wie flüssiges Quecksilber, fixierten ihn, als sie sich in seiner Nähe niederließ. Sie war ein Wesen, das in den Schatten lebte, doch für Lucan war sie das Licht in der Dunkelheit, das Einzige, was er wirklich verstand und dem er vertraute. Rheyna war kein zahmes Tier, kein einfacher Begleiter. Sie war wild, unberechenbar und tödlich, und genau das machte sie zu seiner perfekten Partnerin.
      Heute würde eine Gruppe von jungen Kadetten und zukünftigen Reitern den gefährlichen Weg antreten, um ihren Drachen zu finden, oder der Drache findet sie, so wie Rheyna ihn fand, oder bei dem Versuch zu sterben. Es war ein Weg, den jeder Reiter einmal gehen musste, doch nur wenige überlebten ihn. Der Gedanke an die bevorstehende Reise der jungen Rekruten ließ Lucans Miene ungerührt, fast kalt. Er hatte diesen Weg selbst beschritten, und nur durch Geschick, Stärke und vielleicht auch etwas Glück hatte er ihn überlebt. Aber das war lange her. Heute war er ein Geschwaderführer, und seine Aufgabe war es, den Fortschritt der neuen Rekruten zu überwachen und festzuhalten, wer es geschafft hatte, seinen Drachen zu finden – und wer auf der Strecke geblieben war. Doch dieses Jahr war es anders. Dieses Jahr war jemand dabei, dessen Schicksal ihm nicht gleichgültig war, seine Schwester. Sie war jung, vielleicht zu jung, aber sie hatte sich unaufhaltsam auf diesen Moment zubewegt. Hinter ihrer lieblichen, fast zerbrechlichen Art verbarg sich eine Entschlossenheit und Stärke, die nur wenige ahnten. Lucan wusste, dass sie keine gewöhnliche Kandidatin war. Sie war eine tödliche Maschine, fähig, mit einer Präzision und Grausamkeit zu kämpfen, die selbst ihn manchmal überraschte. Er war stolz auf sie, auch wenn er es ihr nicht gezeigt hatte. Er musste es nicht. Sie wussten beide, dass ihre Bindung stärker war als Worte. Sie teilten das gleiche Blut, die gleiche Härte, und er wusste, dass sie mehr als fähig war, die Herausforderungen zu meistern, die vor ihr lagen. Doch in ihm loderte auch eine tiefe Sorge, eine, die er nie zugeben würde, nicht einmal vor sich selbst. Lucan und die anderen Reiter, die bereits ihren Drachen gefunden hatten, würden die Truppe aus der Ferne begleiten. Ihre Aufgabe war es, die Gefallenen zu zählen und jene zu markieren, die es geschafft hatten, ihren Drachen zu ergattern. Es war ein notwendiger, aber grausamer Teil des Prozesses, den Lucan ohne zu zögern akzeptierte. Der gewaltige Drache beugte sich zu ihm herab, und Lucan legte eine Hand auf ihren gepanzerten Nacken, spürte die vertraute Kraft und die Spannung in ihren Muskeln. "Sie wird es schaffen, sie ist eine Ashford" schnaupte sie um ihn etwas zu lockern. Er stieg in den Sattel und spürte, wie Rheyna sich bereit machte, sich in die Lüfte zu erheben. Gemeinsam würden sie heute die nächste Generation von Reitern beobachten – und entscheiden, wer das Zeug dazu hatte, einer von ihnen zu werden. Als sie in den Himmel stiegen, sah Lucan die Gruppe der jungen Rekruten, die sich gerade sammelten, um ihre Reise anzutreten. Sie wirkten entschlossen, aber er wusste, dass viele von ihnen die Gefahren, die vor ihnen lagen, unterschätzten. Einige von ihnen würden nie zurückkehren. Doch das war der Preis für die Macht, die ein Drache mit sich brachte. Lucan hatte diesen Preis bezahlt, und er hatte überlebt. Jetzt lag es an ihnen. Während sie über die Landschaft flogen, hielt Lucan einen festen Blick auf die Truppe unter ihnen. Jeder Schritt, den sie taten, war eine Prüfung, jede Entscheidung konnte den Unterschied zwischen Leben und Tod bedeuten. Doch das war der Weg der Reiter, und nur die Stärksten würden ihn überstehen. Und während sie flogen, dachte Lucan an seine Schwester. Er konnte sich vorstellen, wie sie inmitten der anderen Rekruten marschierte, die Ruhe selbst, obwohl sie wusste, was auf sie zukam. Sie würde diesen Tag überstehen, das wusste er. Nicht nur, weil er es hoffte, sondern weil sie es konnte. Sie war eine Ashford, und in ihrem Blut floss die gleiche Unnachgiebigkeit, die auch ihn zu dem gemacht hatte, was er war. Er war zuversichtlich trotz des mulmigen Gefühls. Auch die freien Drachen hatten sich bereit gemacht, lagen auf der lauer, versteckten sich oder gingen ihre Dinge nach.

      „Schreibe kurz – und sie werden es lesen.
      Schreibe klar – und sie werden es verstehen.
      Schreibe bildhaft – und sie werden es im Gedächtnis behalten.“
      – Joseph Pulitzer

    • Lora Ashford

      Die Morgendämmerung brachte eine frostige Stille mit sich, als Lora Ashford auf den schmalen Pfad trat. Die Kälte schlich sich durch die Lücken ihrer Rüstung, doch sie spürte sie nicht. In ihren Gedanken herrschte eine ebenso eisige Ruhe, die sie auf das bevorstehende Ziel fokussierte. Der Tag, an dem sie ihren eigenen Drachen finden würde, war endlich gekommen. Doch bevor sie weiter darüber nachdenken konnte, schweiften ihre Gedanken zurück zu ihrem Bruder Lucan und dem, was er für sie getan hatte. Er war immer der Starke gewesen, der Beschützer, derjenige, der Loras Hand hielt, wenn der Schmerz der Welt zu groß wurde. Doch das alles änderte sich, als ihr Vater vor zwei Jahren im Krieg fiel. Von da an waren sie allein gewesen, nur sie und Lucan, und die Schwere des Erbes ihrer Familie, die sie trugen. Lucan war immer da gewesen, stark, unerschütterlich und, in seiner eigenen wortkargen Art, fürsorglich. Obwohl er seine Zuneigung selten in Worten ausdrückte, waren seine Taten für Lora stets von unschätzbarem Wert gewesen. Eine dieser Taten war die spezielle Rüstung, die er für sie angefertigt hatte. Eine Rüstung, die aus den Schuppen bestand, die Rheyna, sein Schattendrache, verlor, wenn sie ihr Schuppenkleid wechselte. Drachenschuppen waren legendär, bekannt für ihre fast unzerstörbare Stärke und ihre außergewöhnliche Fähigkeit, extremen Temperaturen zu widerstehen. Lucan hatte diese Schuppen vor Monaten gesammelt und daraus eine Rüstung modelliert, die nur für Lora bestimmt war. Sie war kein gewöhnlicher Schutzpanzer, sondern eine Rüstung, die sich wie eine zweite Haut an ihren Körper schmiegte. Die Schuppen waren so kunstvoll miteinander verbunden, dass sie sich mit jeder Bewegung ihres Körpers dehnten und zusammenzogen, ohne ihre Beweglichkeit einzuschränken. Diese Rüstung trug Lora unter ihrer normalen Ausrüstung. Sie brauchte Bewegungsfreiheit, gerade bei einem Kampf. Und je weniger sie trug, umso verheerender waren ihre Angriffe. Lucans handgefertigte Rüstung lag dicht an ihrer Haut an, unsichtbar für die Außenwelt, doch sie wusste, dass sie da war, dass sie sie vor den gefährlichsten Bedrohungen schützen würde und teotzdem würde sie niemals fahrlässig handeln. Die Rüstung war nicht nur ein Geschenk, sondern ein Zeichen der Verbundenheit zwischen den Geschwistern, ein stilles Versprechen, dass Lucan immer über sie wachen würde, egal, wie weit entfernt er war. Lora erinnerte sich daran, wie es sich angefühlt hatte, als sie die Rüstung zum ersten Mal anprobierte. Die Schuppen, die einst zu Rheyna gehört hatten, seine bessere Hälfte, schienen mit einer eigenen Energie zu pulsieren, als würden sie sie umarmen, sie schützen. Sie war Feuerfest und extrem widerstandsfähig. Ein Vorteil, den sie heute brauchen würde, wenn sie sich den gefährlichen Prüfungen stellte, die vor ihr lagen. Heute war der Tag, an dem Lora beweisen musste, dass sie die Bürde, die ihr Vater hinterlassen hatte, tragen konnte. Es war der Tag, an dem sie ihren eigenen Drachen finden würde oder bei dem Versuch scheitern könnte. Sie hatte diesen Moment jahrelang erwartet, hart trainiert, um für diesen Tag bereit zu sein. Doch nun, da er gekommen war, fühlte sie sich, als stünde sie am Rande eines Abgrunds, bereit, in das Unbekannte zu springen.

      Die Anspannung in der Luft war greifbar, als die Rekruten sich auf den Pfad vorbereiteten, der sie entweder zu ihren Drachen oder ins Verderben führen würde. Doch keiner von ihnen war wie sie. Niemand verstand, wie es war, im Schatten von Lucan Ashford zu stehen, dem Mann, der als einer der gefürchtetsten Drachenreiter bekannt war. Lora liebte ihren Bruder, mehr als alles andere in dieser Welt, doch sein Name war auch eine Bürde. Die Erwartungen, die an sie gestellt wurden, waren erdrückend. Die meisten sahen in ihr nicht Lora, sondern nur "die Schwester von Lucan." Sie konnte die Blicke manch anderen spüren, neugierig, skeptisch, und in einigen Fällen sogar feindselig. Doch Lora ließ sich davon nicht beirren. Sie war nicht hier, um ihnen etwas zu beweisen. Dies war ihr Weg, ihre Prüfung, und sie würde ihn auf ihre Weise gehen. Lucan hatte sie nie offen gelobt, doch sie wusste, dass er stolz auf sie war. Es war in den kleinen Dingen, die er tat. Ein Nicken, ein seltenes Lächeln, das nur für sie bestimmt war. Er hatte sie hart trainiert, sie auf das vorbereitet, was kommen würde, und obwohl er nie viel über seine Gefühle sprach, wusste Lora, dass er ihr vertraute. Das war alles, was sie brauchte.

      Bevor Lora den ersten Schritt auf diesen gefährlichen Weg setzen konnte, trat ein Gelehrter vor die Gruppe. Er war ein älterer Mann, mit einem langen, silbernen Bart und tiefen Falten in seinem Gesicht, die von einem Leben zeugten, das der Weisheit und dem Studium gewidmet war. Seine Augen, die die Farbe eines stürmischen Himmels hatten, funkelten mit einer Mischung aus Autorität und Mitgefühl, als er die versammelten Rekruten musterte.
      "Junge Krieger und zukünftige Drachenreiter," begann der Gelehrte mit einer Stimme, die klar und fest über die Gruppe hinwegschallte.
      "Ihr steht heute an der Schwelle eines großen Abenteuers, eines Schicksals, das nur wenigen zuteilwird. Die Reise, die vor euch liegt, ist gefährlich und gnadenlos. Doch sie ist auch eine Prüfung eurer Stärke, eures Mutes und eurer Entschlossenheit." Er machte eine Pause und ließ seine Worte auf die Versammelten wirken. Lora spürte, wie der Wind über das Land strich und eine Gänsehaut über ihre Haut jagte, doch sie hielt den Blick des Gelehrten fest.
      "Ihr seid hier, weil ihr das Potenzial in euch tragt," fuhr der Gelehrte fort. "Doch Potenzial allein wird euch nicht ans Ziel bringen. Es sind euer Geist und euer Herz, die euch durch die dunkelsten Stunden tragen werden. Denkt daran, dass der Weg, den ihr beschreitet, nicht nur eine Suche nach einem Drachen ist, sondern auch eine Suche nach euch selbst. Lasst euch nicht von Furcht oder Zweifeln überwältigen. Glaubt an eure Fähigkeiten und an das, was ihr erreicht habt, um hierher zu gelangen." Der Gelehrte sah sich um und ließ seinen Blick auf Lora ruhen. Sie spürte eine seltsame Wärme in seiner Aufmerksamkeit, eine Art stilles Verständnis, als ob er wusste, welche Bürde auf ihr Lag.
      "Und vergesst nicht," fügte der Gelehrte hinzu, "dass ihr nicht allein seid. Die Bindung, die ihr mit einem Drachen eingeht, ist eine der stärksten, die in dieser Welt existieren. Doch diese Bindung beginnt nicht erst, wenn ihr euren Drachen findet. Sie beginnt mit dem Vertrauen, das ihr in euch selbst habt und in die Entscheidungen, die ihr trefft." Lora atmete tief durch und nickte leicht. Die Worte des Gelehrten trafen einen Nerv in ihr, berührten etwas in ihr, das sie zuvor nur vage gespürt hatte. Es war nicht nur die Rüstung, die Lucan für sie gemacht hatte, die sie schützte, sondern auch der Glaube an sich selbst und die Stärke, die sie in den letzten Jahren kultiviert hatte. Der Gelehrte trat zurück und ließ die Rekruten für einen Moment in stiller Reflexion verharren, bevor er die Hand hob und ihnen bedeutete, den Weg zu betreten.
      "Nun geht," sagte er. "Geht mit Mut, geht mit Entschlossenheit. Und möge das Schicksal euch wohlgesonnen sein." Mit einem letzten, aufmunternden Blick wandte sich Lora um und trat entschlossen den Pfad an. Die Worte des Gelehrten hallten in ihrem Kopf wider, als sie sich auf die bevorstehende Reise vorbereitete. Sie wusste, dass dies ihre Prüfung war, der Moment, in dem sie zeigen musste, wer sie wirklich war. Egal, welche Gefahren auf sie zukommen würden, Lora war bereit, sie zu überwinden. Für sich selbst, für Lucan, und für das Erbe ihrer Familie.
      „Schreibe kurz – und sie werden es lesen.
      Schreibe klar – und sie werden es verstehen.
      Schreibe bildhaft – und sie werden es im Gedächtnis behalten.“
      – Joseph Pulitzer

    • Valerian Drakemont

      Die kalte Luft schnitt Valerian ins Gesicht, während er auf Phoebes Rücken geschmeidig durch die Lüfte glitt. Der Morgen war klar und kühl, der Himmel spannte sich als endloses Blau über die zerklüfteten Berge, die das Prüfgelände der Rekruten umrahmten. Der Wind peitschte um ihn herum, zerrte an den karmesinfarbenen Schuppen und dem feurigen Federkleid seines Drachen und ließ ihre mächtigen Schwingen erzittern. Das Fliegen mit Phoebe war für ihn wie eine zweite Natur geworden, als wäre ein Teil seiner Seele in der Freiheit der Lüfte auferstanden.
      Heute jedoch waren seine Gedanken anderswo. Unwillkürlich suchte sein Blick die jungen Gestalten weit unten, die sich auf den gefährlichen Weg begeben hatten, um ihre eigenen Drachen zu finden. Es war ein entscheidender Moment, einer, der sie entweder zu Drachenreitern machte oder ihre Reise auf tragische Weise beendete. Der Rotschopf konnte nicht umhin, an seine eigene Zeit als Rekrut zurückzudenken, als er selbst vor gerade mal einem Jahr in ihrer Position gewesen war.
      Noch immer erinnerte er sich lebhaft an den Tag, als er zum ersten Mal den tödlichen Pfad beschritt, auf der Suche nach seinem Drachen. Damals war er noch hitzköpfiger und ungestümer gewesen als heute, -was kaum vorstellbar war sobald man Val einmal kennen gelernt hatte- sein Stolz strotzend vor Übermut und triefender Arroganz. Er hatte sich unbesiegbar gefühlt, überzeugt davon, dass ihm die Welt zu Füßen lag und er sie nur befehlen musste, sich ihm zu unterwerfen.
      Am Tag seiner Prüfung war Valerian einer der Ersten gewesen, die den gefährlichen Pfad betreten hatten. Seine Gedanken waren fixiert auf eine Aufgabe: einen Drachen zu finden und ihn zu zähmen. Für Zweifel hatte er keine Zeit, und Vorsicht war ihm fremd. Die anderen Rekruten waren für ihn nichts weiter als Hindernisse auf dem Weg zu seinem Ziel.
      Sie hatten noch versucht, ihn zu warnen, nicht so voreilig zu sein, doch Valerian hatte ihre Warnungen in den Wind geschlagen. Vorsicht war etwas für Schwächlinge, dachte er damals. Er war schneller, stärker, klüger – warum sollte er also auf sie hören?
      Mit dieser Überzeugung hatte er sich in die wildesten Bereiche des Territoriums gewagt, überzeugt, dass dort die mächtigsten Drachen lauerten – jene, die seiner würdig waren. Sein Herz pochte vor Adrenalin, als er die erste Lichtung erreichte, wo die freien Drachen umherstreiften, und er ging geradewegs auf das größte und wildeste Exemplar zu, das er erblicken konnte.
      Ohne zu zögern, stürzte er sich auf das Biest, bereit, die Verbindung auf die ihm einzig logische Weise zu erzwingen: mit roher Gewalt.
      Doch er hatte die Macht und die Wildheit des Drachens mit den giftgrünen Schuppen gründlich unterschätzt. Noch bevor er reagieren konnte, hatte das Ungetüm mit einer Pranke ausgeholt und auf ihn niederfahren lassen. Seine Klauen schrammten über Valerians Schulterpanzer, rissen tiefe Furchen in das Metall und schleuderten ihn rücklings zu Boden. Der Aufprall raubte ihm den Atem, und für einen schrecklichen Moment glaubte er, dies sei sein Ende. Seine Arroganz hatte ihn geradewegs in den Tod geführt.
      Valerian starrte, wie gelähmt, in das Maul des giftgrünen Drachen, dessen Atem bereits die Hitze eines bevorstehenden Feuersturms verriet. Die scharfen Zähne blitzten gefährlich auf, und Valerian, am Boden liegend und ohne eine Möglichkeit, sich zu verteidigen, erwartete den tödlichen Schlag. Doch im letzten Augenblick, bevor die Flammen ihn erreichten, reagierte er instinktiv. Mit einer verzweifelten Bewegung riss er seinen beschädigten Schulterpanzer vom Körper und schleuderte ihn dem Drachen entgegen.
      Wie ein nutzloses Spielzeug pralle es einfach an den harten Schuppen ab.
      Doch der Drache zögerte, irritiert und geradezu entrüstet von dieser unerwartete Aktion. Dieses kurze Zögern reichte vollkommen. In diesem winzigen Zeitfenster gelang es dem todgeweihten Rekruten, sich zur Seite zu rollen. Er sprang auf die Füße und rannte, so schnell ihn seine Beine trugen, angefeuert von einem Adrenalinschub, wie er ihn noch nie zuvor erlebt hatte. Hinter ihm ließ das Biest ein wütendes Brüllen los, das den Boden erbeben ließ. Die Hitze eines Feuerstrahls zischte dicht an ihm vorbei, sengte seine rechte Seite und hinterließ einen scharfen Schmerz, doch er hielt nicht an. Dies war seine einzige Chance.
      Im Zickzack sprintete er durch das dichte Unterholz, in der Hoffnung, den Drachen abzuhängen. Doch das Biest war hartnäckig, und die Erde bebte unter seinen Schritten. Verzweifelt suchte Valerian nach einem Ausweg, als er plötzlich einen steilen Abhang vor sich sah. Ohne zu zögern sprang er den Hang hinunter, rutschte und purzelte den steinigen Abgrund hinab. Er hoffte, dass die plötzliche Richtungsänderung und das dichte Unterholz den Drachen verwirren oder zumindest das Interesse an der Jagd verlieren lassen würden. Tatsächlich hörte er das Brüllen des Drachen hinter sich allmählich verstummen.
      Doch sein Manöver hatte auch einen Preis: Val schlug hart am Fuß des Abhangs auf und verlor für einen Moment die Orientierung. Als er wieder klaren Verstand fassen konnte, lag er direkt vor den Füßen eines anderen Drachen.
      Na toll.
      Dieser hier war deutlich kleiner als das Biest, vor dem er soebe geflohen war, aber nicht weniger gefährlich. Ihre schimmernden, rotglühenden Schuppen verrieten sie sofort als Feuerdrachen. Und obwohl er sofort sah, dass dieser Drache deutlich kleiner war, wusste er auch, dass das Feuer eines Feuerdrachens unvergleichlich war – tödlich, verzehrend, unausweichlich.
      Er konnte nur da liegen, das Herz schwer, erschöpft von der Flucht und dem Sturz. Vielleicht, so dachte er, würde der Drache ihn ignorieren, wenn er sich einfach tot stellte. Doch etwas Seltsames geschah. Anstatt sofort anzugreifen, musterten die goldenen, zu Schlitzen geformten Augen den Menschen neugierig. Der Drache legte den Kopf schief, fast wie eine Katze, die ein neues Spielzeug untersucht. Sie schnüffelte an ihm, stupste ihn sogar mit ihrem Flügel an, als wolle sie prüfen, ob er noch atmete.
      Valerian hielt den Atem an, nicht sicher, wie er hier reagieren sollte.
      Die Minuten verstrichen, und Valerian konnte das tiefe Raunen ihrer Atemzüge hören, die so gar nicht bedrohlich wirkten. Sie schien eher... neugierig. Anstatt ihn zu verschlingen oder mit einem Feuerstoß zu verbrennen, hob sie ihren Kopf und setzte sich zurück. Ihre Haltung änderte sich, sie schien fast... amüsiert.
      „Na, das passt ja“, murmelte Valerian, unsicher, ob er träumte oder wach war. Doch die schmerzenden Wunden und die versengte Kleidung bestätigten ihm, dass dies keine Einbildung war. Langsam, vorsichtig, streckte er eine Hand aus, und der Drache ließ es zu, dass er ihre Flanke berührte. Ihre Haut fühlte sich warm und lebendig an, die Muskeln darunter kraftvoll, aber nicht bedrohlich.
      Phoebe, wie sich herausstellte, hatte sich aus unerklärlichen Gründen dafür entschieden, diesen übermütigen Idioten, der beinahe als erstes verreckt wäre, als ihren Reiter zu akzeptieren. Ein schräger Drache, passend zu ihrem noch schrägeren Reiter. Doch sie hatte ihn trotz seiner Fehler gewählt, trotz seiner Schwächen. Es war eine Verbindung, die nicht auf Gewalt, sondern auf einem tiefen Verständnis basierte – eine Lektion, die Valerian schmerzhaft und demütigend gelernt hatte. Von diesem Moment an waren ihre beiden Seelen untrennbar miteinander verbunden.

      Valerian riss sich aus der Erinnerung, als Phoebe eine scharfe Kurve flog und ihn ruckartig in die Gegenwart zurückholte. Der Boden unter ihnen war nun mit den Gestalten der Rekruten gesprenkelt, die ihre gefährliche Reise angetreten hatten. Er beobachtete sie mit einem neuen Blick, nicht mehr der hitzköpfige Rekrut, sondern ein erfahrener Drachenreiter, der gelernt hatte, seine Kräfte mit Bedacht einzusetzen, anstatt sie sinnlos zu verschwenden.
      Sein Blick wanderte über die jungen Gesichter, die sich in ihren Ausdrucksweisen unterschieden, aber doch alle das gleiche Ziel vor Augen hatten. Sie lauschten aufmerksam einem älteren Mann, dessen schneeweißes Haar im Wind flatterte.
      Petrarca, einer der Gelehrten der Drachenreiter, sprach mit der Autorität eines Mannes, der diese Rede schon viele Male gehalten hatte. Viele der Gesichter, die ihm zuhörten, würden am Ende des Tages nicht mehr am Leben sein. Doch in Petrarcas Stimme lag keine Trauer, sondern eine kalte, harte Realität, die den Rekruten vor Augen führte, was sie erwartete.
      Und da kam Valerian eine Idee. Ein Lächeln, das selten etwas Gutes bedeutete, huschte über sein Gesicht, und er gab Phoebe einen kleinen Schenkeldruck.
      Der Feuerdrache reagierte sofort, offensichtlich schon längst verstehend, was er vor hatte, ihre mächtigen Flügel zogen sich eng an ihren Körper, während sie sich in einen steilen Sturzflug begab. Der Boden raste auf sie zu, und der Reiter spürte den vertrauten Nervenkitzel, als der Wind um ihn herum heulte.
      Einige Rekruten hatten das Duo mittlerweile bemerkt. Einige hoben ihre Köpfe, ihre Augen weiteten sich in Schreck und Überraschung. Ein paar von ihnen riefen erschrocken auf, als sie den Drachen sahen, der unaufhaltsam auf sie zuschoss.
      Doch er hielt eisern den Kurs. Erst im letzten Moment, als es schien, als würde Phoebe gerdewegs in die Menschenmenge hinein krachen, zog er an den Zügeln und lenkte sie abrupt wieder nach oben.
      Die mächtigen Flügel des Drachen streiften so nah an den Rekruten vorbei, dass der Windstoß sie beinahe drohte, von den Füßen zu fegen.
      Valerian brach in schallendes Gelächter aus, und selbst Phoebe ließ ein tiefes Grollen erklingen, das fast wie ein Kichern klang. Als er sich noch einmal nach untern umsah, traf er auf den strengen Blick von Petrarca, der die Arme verschränkt hatte und den Kopf langsam schüttelte.
      Ohne Zweifel würde ihn heute Abend eine Standpauke erwarten.
      Doch in diesem Moment war ihm das egal. In seinen Augen war diese kleine Vorstellung eine perfekte Art, den neuen Rekruten auf den Zahn zu fühlen. Sie sollten wissen, was auf sie zukam, denn wenn sie sich schon jetzt von einem einfachen Streich einschüchtern ließen, hatten sie in den Reihen der Drachenreiter nichts verloren. Valerian grinste zufrieden und drehte Phoebe eine elegante Schleife in den Himmel, ehe er wieder auf seinen ursprünglichen Kurz zurück kehrte.
      Als Reiter im Zweiten Jahr war er schließlich eingeteilt, einen der Checkpoints zu besetzen, von dem aus er die gefallenen oder erfolgreichen Rekruten dokumentieren sollte.





      Aria Frostwraith
      Am Rande der Gruppe neuer Rekruten, die sich um den Gelehrten Petrarca versammelt hatte, stand Aria. Ihr Herz schlug schnell, und ihre blassen Augen huschten rastlos von einem ihrer neuen Mitstreiter zum nächsten. Sie hatte noch nie so viele Menschen auf einmal gesehen. Ihr Dorf in den Bergen war klein und abgeschieden, und die Vielfalt der Gesichter, die sie hier umgaben, überwältigte sie.
      Daheim hatte sie nie mehr als eine hanvoll Leute auf einmal gesehen, und die waren sich in ihrem groben Aussehen und der Kleidung aus dickem Pelz oft ähnlich. Doch hier? Hier war alles anders.
      Es gab hochgewachsene, schlanke Gestalten, deren Haut von der Sonne dunkel gebrannt war, und andere, deren Haar so blond war, dass es fast weiß wirkte. Einige trugen schwere Rüstungen, die im Sonnenlicht funkelten, während andere in leichten Gewändern gekleidet waren, die ihre Bewegungen geschmeidig und lautlos machten. Die Stimmen um sie herum klangen fremd, viele Akzente und Dialekte, die ihr völlig unbekannt waren. Es war, als wäre sie in eine andere Welt eingetreten, weit entfernt von den Wäldern und Bergen, die sie bisher ihr Zuhause genannt hatte.
      Sie hätte stundenlang einfach nur stehen und die Leute beobachten können. Es war alles so neu, so anders, und doch so aufregend.
      Aria fühlte sich hier wie ein kleines Blatt, das im Wind trieb, verloren in einem Sturm aus Eindrücken und neuen Erfahrungen. Aber trotz der überwältigenden Sinneseindrücke gelang es ihr, nach außen hin einen völlig ruhigen und gefassten Ausdruck zu vermitteln, ihre Augen weiterhin wachsam und neugierig. Es war nicht in ihrer Natur, sich in den Vordergrund zu drängen. Stattdessen beobachtete sie, nahm alles in sich auf und versuchte, einen Sinn aus dem Chaos zu ziehen.
      Ihre Gedanken wurden jedoch jäh unterbrochen, als plötzlich ein Schatten über die Gruppe fiel.
      Ein Raunen ging durch die Menge, und die junge Frau folgte den Blicken der anderen nach oben.
      Dort am Himmel, scharf gegen das helle Blau abgezeichnet, zog eine Gestalt ihre Aufmerksamkeit auf sich. Es war kein Vogel, das war klar. Doch was es war, konnte sie erst fassen, als das Wesen näher kam. Ein Drache. Ein echter, leibhaftiger Drache!
      Sie hatte Geschichten über Drachen gehört, natürlich – wer hatte das nicht? Aber sie hatte noch nie einen in echt gesehen. Sie war im Dorf immer diejenige gewesen, die die abenteuerlichen Märchen verschlungen hatte, die die Alten erzählten. Die Legenden über die Drachenreiter hatten sie fasziniert, und nun, da sie endlich einen echten Drachen sah, konnte sie nicht anders, als vor Bewunderung zu erstarren.
      Der Drache schoss mit einem unfassbaren Tempo auf sie zu. Seine Schuppen leuchteten in einem tiefen Rot, das in der Sonne fast feurig funkelte, und die mächtigen Flügel erzeugten Winde, die die ersten Reihen der Rekruten ins Straucheln brachten. Doch während die meisten um sie herum aufschrien oder sich duckten, stand Aria wie angewurzelt da und ließ den Windstoß des Drachen durch ihr Haar fahren. Ihr Atem stockte, aber nicht vor Angst. Stattdessen erfüllte sie ein überwältigendes Gefühl der Ehrfurcht. Die geflügelte Kreatur war das Schönste, was sie je gesehen hatte.
      Das imposante Geschöpf zog in einer eleganten Kurve wieder nach oben, ihre Flügel schlugen kraftvoll, während sie sich in den Himmel erhob.
      Sie war wie verzaubert, völlig gefangen in dem majestätischen Anblick.
      Ein Lächeln legte sich auf ihre Lippen, als sie den Blick nicht von dem Punkt abwandte, an dem der Drache in den Wolken verschwand. Das tiefe Grollen der Bestie klang noch in ihren Ohren nach, wie ein ferner Donner, der langsam verklang. Wo die anderen Rekruten Schock und Panik zeigten, spürte Aria nur eine tiefe, unverfälschte Bewunderung. Sie hatte schon so viele Geschichten von Drachen gehört, aber nie hatte sie sich vorstellen können, dass sie so lebendig, so mächtig und so... wunderschön waren.
      Sie seufzte laut, als sie den Kopf wieder senkte. Die Welt um sie herum schien plötzlich ein wenig grauer, weniger beeindruckend, nachdem sie diesen flammenden Herald gesehen hatte. Doch ihr Herz schlug schneller, und zum ersten Mal seit ihrer Ankunft hier fühlte sie etwas anderes als Unsicherheit. Sie fühlte eine seltsame Aufregung, einen unstillbaren Drang, mehr über diese Wesen zu erfahren.
      „So einen will ich auch“, murmelte sie leise zu sich selbst, während ihr Blick weiterhin verträumt den Himmel absuchte, in der Hoffnung, den Drachen noch einmal zu sehen.
      Sie wusste nicht, ob sie den heutigen Tag überleben würde, geschweige denn, sich mit einem Drachen zu binden. Aber in diesem Moment machte es keinen Unterschied. Der Anblick des Feuerdrachens hatte etwas in ihr geweckt – eine Sehnsucht, eine Leidenschaft, die weit über die bloße Teilnahme an dieser Prüfung hinausging. Sie wollte mehr als nur ein Teil dieser Welt sein; sie wollte darin aufblühen, sie wollte lernen, sie wollte... fliegen.
      In the midst of chaos
      there is also opportunity
    • Rina Anora:

      Die große Frau hörte dem Gelehrten zu. Sie ist ein Tag vorher angekommen. Zu Fuß, ohne Schuhe, und mit dem was sie besitzt, was nicht viel ist. Die Kleidung die sie trägt, etwas Brot und Wasser zum essen, ein paar Kräuter und dem Segen des Großmeisters und die Unterstützung ihrer Brüder und Schwester aus dem Kloster und dem Dorf. Sie weiß, dass es keine Schande ist bei ersten Mal zu versagen. Sie hat schon so einige Aufgaben und Prüfungen nicht gleich auf Anhieb geschafft. Das ist nicht schlimm, solange sie nicht aufgibt, es immer wieder zu probieren. Sie würde lügen, wenn sie sagt, dass sie nicht nervös wäre. Sie hatte auch mit dem Großmeisters ihres Ordens darüber gesprochen. Sie hatte Angst zu versagen und dass sie nervös sei. Was ist, wenn sie diese Prüfung nicht bestehen sollte? Er hatte sie angesehen und genickt. "Mein Kind. Versage nicht, bist du versagst. Es ist gut, dass du Angst hast und nervös bist. Denke an das, was du gelernt hast. Angst kann einem hindern und hemmen. Sie kann aber auch ein guter Führer sein. Denke immer an die Lehren und sei einfach du selbst. Höre auf deine innere Stimme und auf die vier Elemente. Sie werden dich führen." Er hatte recht. Sie ist heute wie immer sehr früh aufgestanden und hat ihre morgendliche Routine absolviert. Ihren üblichen morgendlichen sportlichen Ablauf mit waschen. Nun stand sie hier und hörte dem gelehrten zu. Als dieser fertig war, schoss auch schon ein Reiter auf seinem Drachen über die Köpfe hinweg. Während einige ihren Kopf einzogen, ballte sie ihre linke Faust, um sich bei bedarf zu verteidigen. Sie sah entschlossen zu dem Drachen, aber als dieser dann verschwand beruhigte sie sich und löste die Faust. Die Kälte verschwand.
      Dann ging es los. Die ersten rannten los, um ihren Drachen zu finden. Selbst fing sie an zu gehen. Sie sah in die Lüfte, als ob sie jemanden zuhören würde. Langsam drehte Rina den Kopf und ging in eine andere Richtung. Weg von den Anderen. Sie folgte dem Ratschlag ihres Großmeisters und ihre Füße führten sie in Richtung der Berge. Rina spürte, wie die ersten Tropfen des Regens auf ihre haut fielen. Es fühlte sich gut und richtig an. Ja sie spürte es. In dieser Richtung liegt ihr Schicksal. Noch einmal atmete sie tief durch. Nein. Sie wird nicht wieder zurück gehen. Sie wird als Reiterin auf dem Rücken ihres Drachens zurück kehren oder als Leiche. Entschlossen machte die Meisterin einen weiteren Schritt. Weiter ging es in Richtung ihres Schicksals. Weiter in Richtung der Berge. Der Weg störte sie nicht. Sie war es gewohnt, barfuß unterwegs zu sein. Der Wind wurde stärker. Der Regen stärker und die Blitze zuckten über die Wolken. Sie blieb stehen und sah nach vorne. Das Wetter war vergessen. Es war, als ob die Zeit stehen geblieben ist. Ein ausgewachsener Sturmdrache. "Wunderschön." meinte sie nur ehrlich und bewundernd.




      Delia Mondsilber:

      "Musst du wirklich schon los?" Die Schamanin nickte. "Leider. Die neuen Rekruten machen sich heute auf den Weg um einen Drachen für sich zu finden." Sie wussten beide, was das bedeutet. Einige werden es schaffen einen Drachen zu bekommen, einige werden ohne Drachen zurück kommen und andere? Sie werden sterben. Und einige werden so verletzt, dass sie nicht wieder zurück kehren um ihre zweite Chance wahr zu nehmen. Aber es gibt auch welche, die keinen Drachen finden, es nicht neu versuchen wollen, aber trotzdem den reitern dienen wollen. Wie sieht Lucan das ganze? Sie wollte eh mit ihm reden. Auch wegen seiner Schwester. Sie wird seine Schwester nicht als etwas besonderes behandeln, nur weil sie die Schwester vom Geschwaderführer ist. Klar sie folgt seinen Befehlen, aber sie sagt ihm auch offen und ehrlich, was sie denkt. Der eine oder andere hatte mal behauptet, dass sie gegen ihn rebellieren würde. Doch dem ist nicht so. Sie schätzt ihn sehr und wird immer an seiner Seite stehen, aber nicht blind seinen Befehlen folgen. Ja sie äußert Kritik wenn es angebracht ist und zum richtigen Zeitpunkt, aber sie wird sich niemals gegen ihn stellen. Weder im Geheimen noch im offenen. Wenn sie von jemanden in der Hinsicht gefragt wird, dann wird sie diese Person melden. Sie beugte sich zu ihrer Frau und gab ihr einen sanften Kuss. "Wir müssen los, Liebling. Tut mir leid." Ihre Frau lächelte. "Es braucht dir nicht leid tun. Du liebst deinen Job über alles....Ich meine euch beide. Könnt ihr die Lieferung an Tränken bitte mit nehmen? Und passt bitte auf euch auf." Delia lächelte ihr zu und folgte Karana nach draußen. Ihr Drache hat sich erst von ihrer Frau große, und vor allem viele, Knuddeleinheiten abgeholt. Karana ist ein kleiner Kuscheldrache, aber man sollte sie nicht unterschätzen. Sie ist eine Beschützerin und kämpft sehr hart. Delia saß auf und knuddelte den Hals ihres Drachens. "na komm, du kleiner Kuscheldrache. Die Pflicht ruft." - "Ich bin kein kleiner Kuscheldrache." Delia lachte und Karana fiel in den alten Witz ein. "Wir wissen es beide. Du bist ein großer Kuscheldrache." Lachend hoben sie beide ab. In den Klauen hielt Karana eine große Wagenladung von Tränken und Elixiere für Drachenreiter.
      Es dauerte nicht lange und sie beide kamen bei der feste an. Langsam stellten sie die Wagenladung ab. "Guten Morgen. Mit schönen Grüßen von meiner Frau. Sagt bitte bescheid, wenn was fehlen sollte und ob wir noch Vorräte brauchen." Sie stieg ab und sah sich um. Das Lazarett war vorbereitet und die Positionen besetzt. Sie sah nach oben und entdeckte Lucan. Delia steig wieder auf und mit kräftigen Schlägen hob sie ab. Sie machte keinen hehl daraus, dass sie zu Lucan wollte. Warum sollte sie sich auch verstecken, wenn sie nur reden wollte. "Guten Morgen." grüßte sie beide und sah hinunter auf die Rekruten. Auch die Aktion von Valeria sah sie und seufzte etwas. "Da hat sich jemand gerade freiwillig gemeldet die Tränke meiner Frau zu sortieren." Die Schamanin sah rüber zu Lucan. "Deine Schwester wird es schaffen. Aber ich habe eine Frage an dich." Dass sie ihn so formlos ansprach war das Zeichen, dass sie mit dem Menschen Lucan reden wollte und nicht mit dem Geschwaderführer Ashford. "Deine Schwester wird eine Zeitlang auch bei mir zur Ausbildung sein. Ich werde sie nicht anders behandeln, nur weil sie deine Schwester ist. Geht das für dich in Ordnung? Ich will nicht, dass einige denken, dass sie besonders behandelt wird, nur weil sie deine kleine Schwester ist."



      Die Familie Takamachi

      Niedlich *Q* Niedlich *Q* Niedlich *Q*

    • Harlow Brix

      Zielsicher bahnte er sich einen Weg durch die dichte Vegetation, seine Schritte schwer unter dem eigenen Ego. Das Gemisch von Erde, nassem Sand und kleinen Kieseln knirschte bei jedem Schritt unter den klobigen Hartlederstiefeln. Ein angenehmes Kribbeln durchströmte Harlow, staute sich in den Gliedmaßen und sorgte dafür, dass sich die Härchen in seinem Nacken aufrichteten - der Nervenkitzel der Jagd. Ob der offensichtlichen Ironie dieser Realisation zuckten seine Mundwinkel in der Andeutung eines Grinsens. Ihm - und allen anderen Kadetten - war klar, wer in diesem Szenario die wahren Spitzenprädatoren waren. Und wenn er nicht aufpasste, würde er im Bruchteil einer Sekunde vom Jäger zum Gejagten werden. Vielleicht war es auch eben dieser Umstand, der die Prüfung für Harlow so spannend machte; bisher kannte er Monster nur aus den eigenen vier Wänden, doch wenn alles glatt lief, würde er schon bald einem echten Ungetüm gegenüber stehen und es sich zu eigen machen - im wahrsten Sinne des Wortes. Der junge Rookie wusste um das unerschütterliche Band, das die meisten Reiter mit ihren Drachen teilten. Wie zwei Teile derselben Seele, so hatte sein Vater es damals formuliert.

      Allmählich lichtete sich das Unterholz und ließ in einiger Entfernung den Eingang zu einer Lichtung erahnen. Harlows Herzschlag nahm Fahrt auf, doch er widerstand dem Impuls sein Tempo zu erhöhen. Würde er jetzt bemerkt, bedeutete das mit hoher Wahrscheinlichkeit seinen Tod und zwar ganz ohne den geflügelten Sensenmann je richtig zu Gesicht zu bekommen. Also hielt er sich zurück, setzte jeden Schritt mit Bedacht, bis er endlich zwischen den Bäumen hervor treten konnte. Die absinkende Sonne kroch warm durch die Kronen der umstehenden Bäume und warf ein schwarz-gold geflecktes Muster auf die Lichtung. Zu seiner rechten sprudelte eine kleine Quelle aus dem Boden hervor, wuchs breiter und bildete einen schmalen Fluss, dessen Lauf sich schließlich im Dickicht verlor. Es war ein wahrlich idyllisches Bild, fast schon morbide im Anbetracht dessen, was ihn hierher verschlagen hatte. Was jedoch fehlte - und das war ausschlaggebend - war ein Drache. Die Waldblöße lag ruhig, vor allem aber leer vor ihm.
      Irritiert drehte sich der angehende Reiter einige Male um die eigene Achse. Wie konnte das sein? Er hatte die Spuren schließlich bis hier her verfolgt und war sich sicher gewesen, hier fündig zu werden. Erneut suchte sein entschlossener Blick die Umgebung ab, doch es half nichts - er war allein. Ein enttäuschtes "Agh, fuck." entfleuchte ihm, während er in einer geschlagenen Geste die Arme in die Luft warf. Dann schlurfte er in Richtung des kleinen Flusses, an dessen Ufer er sich in die weiche Erde kniete, mit den Händen eine Kuhle formte und damit das eisige Wasser aufschöpfte. Bevor er weiter zog, wollte Harlow sich zumindest etwas erfrischen.

      Plötzlich erstarrte er. Heißer Atem strich ihm über Nacken und Rücken und brachte den eindringlichen Geruch von altem Fleisch mit sich. Gänsehaut breitete sich auf seinem Körper aus. Harlows eigener Atem stockte. Ein weiterer solcher Hauch hüllte ihn ein, diesmal begleitet von einem tiefen, gutturalen Knurren, das ihm bis ins Mark fuhr und sich anfühlte, als würden seine Knochen vibrieren. Ganz langsam - Zentimeter für Zentimeter, versuchte der dunkelhaarige Kadett sich aufzurichten und herum zu drehen. Was - oder eher wer - ihm gegenüber stand, als es ihm schließlich gelang, überrumpelte Harlow. Natürlich war ihm klar gewesen, dass es sich um einen Drachen handeln musste, doch dieser hier war ganz anders als das, was er sich immer ausgemalt hatte.
      Er stand nur wenige Meter entfernt, schlank aber von enormer Größe. Seine Schuppen glänzten in der Farbe puren Goldes und wirkten, als würden sie die letzten Strahlen der Sonne aufsaugen, nur um sie dann in doppelter Intensität wieder zu geben - ein Sonnendrache, wie aus dem Lehrbuch. Den Kopf, aus dem neben zwei langen, gebogenen Hörnern auch unzählige spitze Zacken wuchsen, hatte er auf Harlows Augenhöhe abgesenkt, sodass sein goldener Blick sich direkt in den seinen bohren konnte.

      Schlagartig fühlte er sich nackt, wie auf dem Präsentierteller - als könnte das goldene Biest ihm direkt in die Seele starren und einfach von deren ungefilterter Essenz kosten. Unter tieffrequentem Brummen schob sich der massive Kopf des Drachen näher und näher heran, die Augen fest fixiert auf Harlow. Nervös begann der sich zu winden und nach einem Ausweg zu suchen, ohne Erfolg. Denn unterdess hatte der Drache seinen Schwanz halbmondförmig in den Weg des Kadetten gelegt und ihm so den Weg abgeschnitten. "Du bist verdammt schlau, das muss ich dir lassen.", murmelte er mit aufrichtiger Bewunderung in der Stimme. Nicht nur hatte er ihn mühelos an seinen eigenen Fähigkeiten bei der Fährtensuche zweifeln lassen und ihn glaubens gemacht, er sei allein und sicher, sondern hatte ihn nun auch noch innerhalb kürzester Zeit so eingekesselt, dass Harlow seiner Gnade völlig ausgeliefert war. Natürlich hatte Harlow die ein oder andere Waffe in petto, doch stünden die keine Chance gegen die Widerstandskraft der Drachenschuppen und würden ihm lediglich noch einen weiteren Grund geben ihn bedenkenlos zu verschlingen.

      Als hätten ihn seine Worte irritiert, stoppte der Drache aufeinmal, nur noch wenige Zentimeter von Harlows Gesicht entfernt und runzelte abwägend die Stirn. Dann hellte sich seine Miene plötzlich auf und statt ihm mit einem Zusammenschlagen der Kiefer den Gar aus zu machen, drückte er seine raue, warme Schnauze mit Nachdruck gegen die in Rüstung gehüllte Brust vor ihm. Wohltuende Wärme durchströmte Harlow in diesem Moment, machte die Sorgen dieser Prüfung bedeutungslos und die körperlichen Strapazen wie weggeblasen. Er hatte es geschafft, das wurde ihm nun bewusst; hatte diesen Tag nicht nur überlebt, sondern auch sein Sein mit dem eines Drachen verbinden können. Von nun an, da war er sich sicher, würde es nur noch bergauf gehen!





      Der Tag war noch jung, die Sonne gerade erst dabei sich am Firmament hinauf zu ziehen. Die kühle Morgenluft trug den Geruch von Tau und den Klang nervöser Vorfreude. Von seinem Platz auf der Anhöhe aus - ein ganzes Stück entfernt - hatte Harlow einen guten Blick auf die Menschentraube, die sich unter ihm gebildet hatte. Die meisten von ihnen waren jung, kaum älter als er selbst damals gewesen war, als er diese Reise angetreten war. Sie lag nun einige Jahre zurück, doch es kam ihm vor, als sei seitdem eine halbe Ewigkeit vergangen. Die unzähligen Stunden und Tage auf dem Rücken seines geschuppten Partners, auf Schlachtfelden und ganz besonders das Gewicht der eigenen Verantwortung hatte ihn schnell erwachsen werden lassen.
      Er verspürte eine Mischung aus Neid und Mitgefühl für die neuen Kadetten, denn gerade befanden sie sich am Anfang eines Weges, der sie entweder zu großer Stärker führen oder einem schrecklichen Tod verdammen würde. Noch waren ihre Augen voll Hoffnung, die Häupter hoch erhoben und ihre Herzen erfüllt von Geschichten der großen Drachenreiter vor ihnen. Doch bald würden sie aus erster Hand erfahren, dass Legenden selten die ganze Wahrheit offenbarten.

      Eine Hand ruhte sanft am Hals seines Drachen, der sich neben ihm niedergelassen hatte und - wie er - die neuen Rookies begutachtete. Die glatten Schuppen waren warm an seiner Haut und Harlow spürte, wie Elyx' innere Ruhe sich auf ihn übertrug. Er konnte ohnehin nicht genau benennen, wieso er so aufgeregt war, schließlich konnten er und die übrigen Drachenreiter sich entspannt zurück lehnen und das Spektakel aus sicherer Entfernung begutachten. Lag es an der jungen Frau, die sich auf sein Geheiß hin dafür entschieden hatte, diesen Weg einzuschlagen? Die bereits an der letzten Prüfung teilgenommen hatte und nur knapp mit dem Leben und dafür ohne Drachen davon gekommen war? Letztendlich war es ihre eigene Entscheidung gewesen, doch Harlow kam, nun, da er sie unter den anderen ausgemacht hatte, nicht umhin sich für sie verantwortlich zu fühlen und am liebsten hätte er sein Vergangenheits-Ich geohrfeigt. Hatte er sich nicht schon oft genug die Finger am eigenen Übermut verbrannt?
      Dennoch, in diesem Moment, in dem sie vor ihm gestanden hatte - schmuddelig und abgekämpft, in einem Allgemeinzustand, der offensichtlich machte, dass sie in einem rauen Umfeld aufgewachsen sein musste - da hatte es sich wie das einzig richtige angefühlt zumindest zu versuchen sie zu einem Leben als Drachenreiterin zu überreden. Der erfahrene Offizier hatte ihr Potenzial sofort erkannt. Die Umstände, in denen sie sich tagtäglich durchzuschlagen schien waren hässlich und nicht weit entfernt von Lebensfeindlich. Und doch hatte sie es irgendwie geschafft sich eine unbändige Entschlossenheit anzueignen, die weit über bloßen Überlebenswillen hinaus ging. Vor allem aber hatte Harlow Ansätze davon spüren können, wie es in ihrem Inneren aussah - ein Kontrast so stark, dass er kaum eine andere Wahl gehabt hatte als ihr einen Weg aus ihrer Situation anzubieten. Offensichtlich hatte sie diese erneut ergriffen. Er betete nur, dass er sich nicht getäuscht und sie damit in ihr Verderben geführt hatte.

      "Geht es wieder um diese Frau?" Elyx' kehlige Stimme hallte in Harlows Geist wieder. "Glaubst du sie ist diesmal bereit?" - "Niemand ist wirklich bereit.", antwortete er, während er einen besonders jungen Anwärter ins Auge fasste, der erfolglos versuchte seine Nervosität zu verbergen. "Aber sie weiß jetzt, was auf sie zu kommt und wird zurecht kommen, so wie ich - wie wir. Das hoffe ich jedenfalls." Der goldene Sonnendrache brummte wohlwollend und kleine Wolken entwischten seinen Nüstern und stiegen in der morgendlichen Frische auf. Elyx wusste, dass sein Reiter recht hatte. Es gab nunmal keinen einfachen Weg Drachenreiter zu werden. Es gab nur den Weg durch Gefahr, Schmerz und Tod, bis man auf der anderen Seite als etwas Neues hervor ging - als jemand der in der Lage war, die Lüfte zu beherrschen und seine Feinde in Angst und Schrecken zu versetzen.
      Als hätte er seine Gedanken hören können, stieß in diesem Moment Valerian auf seiner feurigen Drachendame vom Himmel hinab auf die Gruppe Kadetten zu. Erst knapp über ihnen, fing er sich ab und stob wieder nach oben, zurück in den Himmel. Harlow schmunzelte. Es war keine besonders feingeistige Geste, doch der Rothaarige war noch jung und voller Tatendrang - ein Drachenreiter im zweiten Jahr, der sich seine Hörner erst noch abstoßen musste. Solange er es sich nicht zur Aufgabe machte, die Rookies zu terrorisieren, sollte er sich ruhig einen Scherz erlauben. Er selbst war schließlich auch mal jung und tollkühn gewesen und Elyx und er hatten so manchen Unsinn getrieben.

      Der dunkelhaarige ließ seinen Blick noch einen Moment länger auf der nun ziemlich gesplitteten Gruppe ruhen. Dann wandte er sich ab, bereit auf dem Rücken seines Drachen zu den anderen Aufsehern zu stoßen. Bald würde es losgehen, doch zuvor wollte er noch sicher gehen, dass es keine neuen oder abweichenden Aufträge seitens seiner Staffelführerin oder seines Geschwaderführers für ihn gab. In einer flüssigen Bewegung, schwang er sich also auf Elyx' Rücken, der sich kraftvoll vom Boden abdrückte und in einem Lichtblitz, der durch das reflektierte Licht auf seinen Schuppen entstand, in die Luft erhob. Ab jetzt waren die Kadetten auf sich allein gestellt und in der ersten Zeit würde sich ihre Anzahl erfahrungsgemäß fast stündlich reduzieren.

      "Dreck an den Schuh'n und Freiheit im Haar -
      Dir eil'n Gerüchte voraus, Flüche dir nach."

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    • Chanakra "Chana" Tineshra

      Wind stob durch die Senke, in der die sich die Gruppe angehender Drachenreiter gesammelt hatte, das Herz voller Unruhe und den Kopf voller Fragen. Chana war deutlich früher aufgestanden, als die meisten anderen - Gewohnheit schätzte sie; ein Erbe der Straße, wo es galt immer mit mindestens einem Auge wachsam zu bleiben. Tiefschlaf war nichts für sie. Die junge Anwärterin hatte sich ihr Leben lang allein durchschlagen müssen - wortwörtlich, Gewalt war oft die effektivste und einfachste Lösung gewesen. Argwöhnisch musterte sie die übrigen Kadetten. Ob sie den Überlebenskampf kannten, der sie gestählt hatte?

      Chana hatte gedacht die Laufbahn ihres Lebens wäre besiegelt gewesen - nur ein weiterer Schatten in den dreckigen Gassen, ein Dorn im Auge derer, die es besser getroffen hatte, als sie selbst. Bis zu jenem schicksalshaften Tag, der sie nun hierher verschlagen hatte. Der Tag, an dem sie - angeheuert für ihre kompromisslose Art - auf einen Offizier der Drachenreiter getroffen war. Wenige Male zuvor hatte Chana bereits Bekanntschaft mit solchen wie ihm gemacht und jedes Mal versucht den fiesen Stich des Neids in ihrer Brust zu ignorieren. Es musste großartig sein, so viel Macht zu besitzen, gefürchtet und bewundert zu werden und jeden Gegner im Bruchteil einer Sekunde in ein Häufchen Asche verwandeln zu können.
      Dieser Offizier allerdings war anders gewesen, als die die sie bisher gesehen hatte. Der dunkelhaarige Reiter mit dem vernarbten Gesicht war ihr ruhig und wohlwollend begegnet, hatte versucht sich mit ihr zu unterhalten und ihr anschließend nahe gelegt, sie möge über eine Karriere als Drachenreiterin nachdenken. Er sah in ihr scheinbar mehr als das verkorkste Straßenkind - ein Potenzial, das größer war als alles, was die Straße ihr hätte bieten können.

      Seine Stimme war es, die der hochgewachsenen Kämpferin durch den Kopf widerhallte, als der alte Gelehrte vor die Versammelten trat. Sein Gesicht war zerfurcht wie altes Pergament und in seinen Worten lag das Gewicht der Geschichte. Er sprach von Schicksal und Gefahren, Entschlossenheit und Mut und von Potenzial. Doch das allein würde nicht ausreichen, um diese Reise zu überstehen, das hatte Chana letztes Mal schmerzlich am eigenen Leib erfahren müssen. Schon einmal hatte sie nämlich hier gestanden. Schon einmal hatte sie der Rede des Alten gelauscht. Schon einmal war sie gemeinsam mit den anderen losgezogen um sich einen Drachen Untertan zu machen. Doch sie war gescheitert. Irgendwie hatte sie es geschafft lebendig zurück zu kehren, dafür hatte keiner der Drachen sich an sie binden wollen. Diesmal aber würde es anders werden, das schwor sie - sich und dem dem Reiter, der sie rekrutiert hatte. Die Gefahren der Prüfung scherten sie nicht; entweder sie würde sich diesmal behaupten und auf dem Rücken eines Drachen wieder kehren, oder sie würde den Tod mit offenen Armen empfangen. Auf keinen Fall würde sie aber wieder dahin zurück gehen, wo sie her kam, das war keine Alternative.

      Während die Worte des Gelehrten über den Platz hallten, spürte Chana plötzlich eine Veränderung in der Luft. Ein Schatten fiel über die Kadetten und noch bevor sie den Kopf heben konnten, stürzte etwas Großes, etwas Gewaltiges vom Himmel hinab. Ein Drachenreiter schoss genau auf sie zu. Um sie herum zuckten einige zusammen, manche schrien erschrocken auf und wieder andere warfen sich sogar zu Boden. Sie selbst aber blieb stehen. Ihr Körper spannte sich an, eine mittlerweile automatische Reaktion, wenn Gefahr in Verzug war, aber sie rührte sich nicht vom Fleck, sondern blickte dem anrauschenden Ungetüm stoisch entgegen. In letzter Sekunde zog der Drachenreiter seinen feurigen Untersatz hoch. Die riesigen Schwingen des Drachen rissen Staub und Kiesel mit sich, die wie ein Hagelsturm auf die Kadetten herab prasselten. Chana konnte sein überlegenes Grinsen sehen, als er wieder hinauf in den Himmel schoss, das Lachen eines Siegers auf den Lippen. Er wusste genau, dass er Eindruck gemacht hatte, doch er wusste sicher auch, dass dies nur ein Vorgeschmack auf das war, was vor ihnen lag. Der Drache, sein Drache, war ein wahrhaft mächtiges Wesen - das perfekte Sinnbild für die Macht, die sie erwarten könnte - oder für das Ende, das einen großen Teil von ihnen erwartete.

      Abwägend ließ sie den Blick über die anderen schweifen. Einigen stand die Angst ins Gesicht geschrieben, aber auch Neugier, Entschlossenheit und Bewunderung waren dort zu finden. Jeder von ihnen strebte nach diesem Moment, in dem man es entweder schaffte über sich hinaus zu wachsen oder für immer in den Schatten verschwand. Chana fühlte wie ihr Herzschlag sich allmählich beruhigte, ihr Atem wieder gleichmäßiger wurde und wie der eigene Ehrgeiz in ihr aufloderte. Nichts wollte sie mehr, als allen zu beweisen, was in ihr steckte. Ganz besonders nach der Blamage bei ihrem ersten Versuch. Egal, was bad vor ihnen lag - sie würde nicht aufgeben. Sie würde bis zum bitteren Ende kämpfen und diesmal würde sie triumphieren.

      "Dreck an den Schuh'n und Freiheit im Haar -
      Dir eil'n Gerüchte voraus, Flüche dir nach."
    • Lucan Ashford

      Lucan beobachtete Valerians Manöver aus der Ferne, die Augen verengt und der Kiefer angespannt. Während Valerian sich amüsierte und die Rekruten mit seinem waghalsigen Stunt in Schrecken versetzte, blieb Lucans Miene hart und unbewegt. Innerlich kochte jedoch seine Wut. Diese Art von Leichtsinn war genau das, was er in den Reihen der Drachenreiter nicht dulden konnte. Die Kadetten standen ohnehin schon unter enormem Druck, und Valerians überheblicher Streich würde nur dazu führen, dass sie sich noch unsicherer fühlten, eine Gefahr, die sich keiner von ihnen leisten konnte. Doch Lucan reagierte nicht sofort. Er war nicht jemand, der seine Disziplin durch einen plötzlichen Ausbruch gefährdete. Stattdessen schwieg er, seine Gedanken ruhig und klar. Er würde Valerian später zur Seite nehmen, wenn der Tag vorüber war und die Rekruten sich in ihre Quartiere zurückgezogen hatten. Ein Gespräch unter vier Augen würde ausreichen, um ihm klarzumachen, wie fehl am Platz seine Aktion gewesen war. In den Reihen der Drachenreiter gab es keinen Platz für solche Unbesonnenheit, und Lucan würde sicherstellen, dass Valerian das verstand. Es gab eine Zeit für Herausforderungen und eine Zeit für Lehren, aber was Valerian heute gezeigt hatte, war nichts weiter als ein gefährlicher Spieltrieb, der den Ernst der Lage ignorierte. Lucan konnte solche Unachtsamkeit nicht tolerieren, nicht bei sich selbst, und schon gar nicht bei anderen. "Soll ich seinen Drachen belehren" Rheynas Körper vibrierte vor Motivation in einen Angriff über zu gehen, doch Lucan streichte nur über ihre matten schwarzen Schuppen. Sie wusste, er würde es nicht dulden. Als er sah, wie Valerian wieder in den Himmel aufstieg, drehte Lucan Rheyna ab und ließ die Sache vorerst ruhen. Er würde warten, bis die Zeit gekommen war, aber er versprach sich selbst, dass Valerian den Tag mit einem besseren Verständnis für die Verantwortung verlassen würde, die mit dem Titel eines Drachenreiters einherging.

      Lucan bemerkte Delia Mondsilber und ihren Drachen, als sie sich näherten, und drehte sich leicht, um sie zu begrüßen. Rheyna blieb ruhig neben ihm, doch ihre Augen folgten aufmerksam jeder Bewegung des anderen Drachen. Anderen Drachen zu vertrauen viel ihr schon immer schwer. Delia war eine angesehene Staffelführerin und eine Frau, deren Rat und Urteil Lucan schätzte. Ihre direkte Art war ihm vertraut, und er wusste, dass das folgende Gespräch wichtig sein würde. „Guten Morgen, Delia“, erwiderte Lucan ruhig und nickte ihr zu. Er folgte ihrem Blick auf die Rekruten unter ihnen. Delias Kommentar über die Tränke ihrer Frau entlockte ihm fast ein Schmunzeln, doch seine Miene blieb ernst. Als Delia das Thema auf seine Schwester brachte, richtete Lucan seine volle Aufmerksamkeit auf sie. Er wusste, dass Delia ihn nicht als Geschwaderführer, sondern als Bruder ansprach, eine Seltenheit, die er respektierte. „Delia“, begann er mit einem Tonfall, der Respekt und Vertrauen gleichermaßen vermittelte, „ich habe volles Vertrauen in deine Fähigkeiten und deinen Urteilsvermögen. Wenn meine Schwester unter deiner Anleitung steht, dann erwarte ich nichts anderes als die gleiche Strenge und Unnachgiebigkeit, die du jedem anderen entgegenbringst. Sie ist eine Ashford, und sie muss sich ihren Platz genauso verdienen wie alle anderen.“ Er hielt einen Moment inne, sah hinunter auf die Rekruten und dann wieder zu Delia. „Ich habe keine Zweifel daran, dass sie es schaffen wird. Aber ich erwarte, dass sie für jede ihrer Taten und Entscheidungen zur Rechenschaft gezogen wird, so wie es für jeden von uns gilt. Nur so wird sie die Stärke entwickeln, die sie braucht.“ Lucan wusste, dass Delia diese Worte nicht brauchte, um zu wissen, dass er sie unterstützte, doch er sprach sie trotzdem aus. Für ihn war es wichtig, dass Delia und alle anderen wussten, dass seine Schwester keine Sonderbehandlung erwarten konnte, nicht von ihm und nicht von jemandem in der Staffel. Es war eine harte Realität, aber eine, die er selbst durchlebt hatte, und er war überzeugt, dass seine Schwester genauso stark daraus hervorgehen würde. „Ich danke dir, Delia“, fügte er schließlich hinzu, „für deine Offenheit. Ich weiß, dass sie bei dir in guten Händen ist.“

      Lucan sah, wie sich die 35 Kadetten nun auf ihren Weg machten, jeder von ihnen entschlossen, ihren eigenen Drachen zu finden oder bei dem Versuch zu sterben. Es dauerte nicht lange, bis er die ersten Verluste notieren musste. Schon nach kurzer Zeit hatte er fünf Namen auf seiner Liste, die den harten Prüfungen nicht standgehalten hatten. Mit einem steinernen Gesichtsausdruck sah er einige der Überlebenden mit ihren neu gefundenen Drachen zur Akademie zurückkehren. Doch seine Schwester war nicht unter ihnen. Mit einem mulmigen Gefühl in der Brust ließ Lucan seinen Blick weiter über das Gelände schweifen. Rheyna hob plötzlich den Kopf und witterte Lora in der Ferne. Ihre Augen, die scharf und aufmerksamer waren als die eines Menschen, fixierten einen Punkt in der zu einem steilen Wand. Lucan folgte ihrem Blick und entdeckte Lora, seine Schwester, die gerade dabei war, einen steilen Berg zu erklimmen. Unter ihr erstreckte sich der weite Ozean, dessen Wellen unbarmherzig gegen die Klippen schlugen. Lucan spürte, wie sich sein Magen verkrampfte. Er war zu weit entfernt, um genau zu erkennen, was Lora vorhatte, doch Rheyna verriet ihm mit einem tiefen Brummen, dass sie einen Wolkendrachen im Visier hatte. Diese Kreaturen waren bekannt für ihre List und Geschwindigkeit, sie aus dem Hinterhalt zu erwischen war riskant, selbst für erfahrene Drachenreiter. Plötzlich sah Lucan, wie Lora einen Fehlgriff machte. Es war ein Moment, kaum länger als ein Wimpernschlag, doch die Konsequenzen waren fatal. Sie verlor den Halt und stürzte in die Tiefe. Lucan fühlte, wie ein scharfer Schmerz seinen Brustkorb durchzog, als ob jemand ein Messer in sein Herz gerammt hätte. Er wusste, dass er nicht eingreifen durfte, es war ein Teil des Prozesses, eine Lektion, die jeder Drachenreiter lernen musste. Doch das machte es nicht weniger schmerzhaft. Rheyna brüllte aus vollem Hals, ein lautes, markerschütterndes Geräusch, das über das Wasser und die Klippen hallte. Rheyna spürte die unsagbare Trauer und schmerz in Lucan, der konnte nur zusehen, wie Lora ins Meer stürzte, ihre kleine Gestalt verschwand in den unruhigen Wellen. Das Wasser verschlang sie, und in diesem Moment fühlte sich die Welt für Lucan schwerer und dunkler an als je zuvor.

      Die Minuten vergingen, doch für Lucan schien die Zeit stillzustehen...



      Lora Ashford

      Als Lora den roten Drachen am Horizont entdeckte, wie er in einem steilen Sturzflug auf die Kadetten zuraste, erkannte sie sofort, was vor sich ging. Das leuchtende Rot des Drachen war unverkennbar – Valerian Drakemont und seine Phoebe. Ein Hauch von Unbehagen mischte sich in ihre Entschlossenheit, doch Lora ließ sich nichts anmerken. Sie kannte Valerian gut genug -nicht persönlich jedoch machte sich Lora über sämtliche Leute schlau mit denen sie zutun haben wird- , um zu wissen, dass er für solche dramatischen Auftritte berüchtigt war.
      Während die anderen Kadetten um sie herum in Panik verfielen, als sie den Drachen auf sich zukommen sahen, blieb Lora ruhig. Ihre Augen verengten sich leicht, als sie den Sturzflug beobachtete. Sie wusste, dass Valerian darauf aus war, die neuen Rekruten zu testen, ihre Reaktionen zu prüfen. Als Valerian und Phoebe schließlich knapp über die Köpfe der Kadetten hinwegschossen, fühlte Lora den heftigen Windstoß, der von den mächtigen Schwingen des Drachen erzeugt wurde. Einige der jüngeren Kadetten wurden fast von den Füßen gerissen, während sie versuchten, ihre Balance zu halten. Lora konnte das panische Murmeln um sich herum hören, doch sie ließ sich nicht beirren. Stattdessen drehte sie sich langsam um, um Valerian und Phoebe nachzusehen, wie sie sich wieder in den Himmel erhoben. Lora hob den Kopf und blickte zu Lucan, der in einiger Entfernung auf Rheyna ritt. Sie fragte sich, wie er auf Valerians Aktion reagieren würde. Obwohl sie Lucan gut genug kannte, um zu wissen, dass er selten seine Gefühle zeigte, konnte sie sich gut vorstellen, was Valerian bevor stand.

      Lora kletterte vorsichtig die steile Bergmauern hinauf, der sich hoch über dem tobenden Ozean erhob. Der Wind wehte stark und zerrte an ihrer Kleidung, doch sie ließ sich nicht beirren. Jeder Schritt, den sie tat, war bedacht, jeder Griff mit festem Willen gewählt. Die schroffe Oberfläche des Berges war rutschig, aber Lora war entschlossen. Sie wusste, dass sie nicht mehr weit war. Der Wolkendrache, den sie im Auge hatte, war eine seltene und majestätische Kreatur. Sie hatte ihn im Nebel verschwinden sehen, hoch oben auf einem Felsvorsprung, fast unsichtbar gegen den grauen Himmel. Sein schimmerndes, perlmuttfarbenes Schuppenkleid war im diffusen Licht kaum zu erkennen, doch Lora hatte die Augen eines Jägers. Sie wusste, dass dies der Drache war, den sie zähmen musste. Ein Drache, der die Wolken selbst beherrschte, war eine unbeständige Wahl, aber Lora war bereit, das Risiko einzugehen. Als sie sich dem Gipfel näherte, wurde ihr klar, wie gefährlich diese Mission war. Unter ihr dehnte sich das endlose Meer aus, und ein Fehltritt könnte ihr das Leben kosten. Doch die Angst hielt sie nicht auf. Sie hatte keine andere Wahl, als weiterzugehen. Dies war ihre einzige Chance, und sie würde sie nicht ungenutzt verstreichen lassen. Sie erreichte die Felskante, ihre Finger blutig von den scharfen Kanten der Felsen. Sie konnte das Dröhnen des Meeres unter sich hören, das wie ein lautes Echo in ihren Ohren hallte. Und dann sah sie ihn, den Wolkendrachen, der sich in einer Höhle versteckte, die nur ein paar Meter vor ihr lag. Sein großer Kopf ruhte auf seinen mächtigen Vorderpfoten, die Augen geschlossen, als würde er schlafen. Lora wusste, dass dies nur ein Schein war. Der Drache war wachsam und bereit, jeden Eindringling zu vertreiben. Sie holte tief Luft und machte einen weiteren Schritt nach oben, doch in diesem Moment rutschte ihr Fuß auf einem feuchten Felsbrocken aus. Für einen schrecklichen Moment verlor sie das Gleichgewicht und spürte, wie sie ins Leere trat. Ihre Hände griffen panisch nach Halt, aber es war zu spät. Der Fels, der ihr als Halt diente, gab nach, und mit einem erschrockenen Schrei stürzte sie in die Tiefe.

      Der Fall dauerte nur einen Augenblick, doch für Lora fühlte es sich an wie eine Ewigkeit. Sie konnte das kühle Wasser des Ozeans bereits unter sich sehen, als sie plötzlich von einer starken Strömung erfasst wurde. Das Wasser um sie herum verdunkelte sich, und sie spürte, wie der Druck auf ihre Brust stieg, als sie tiefer und tiefer ins Meer hinabgezogen wurde. Dann, als sie bereits dachte, dies sei das Ende, sah sie ihn. Ein blau-lilaner Drache, schlank und geschmeidig, mit einer Schwanzflosse, und seine Flügel die in der Strömung tanzten, schwamm direkt auf sie zu. Sein Körper bewegte sich mühelos durch das Wasser, als wäre er ein Teil davon. Lora spürte, wie ihre Angst langsam in Ehrfurcht überging. Sie streckte die Hand aus, und der Drache, dessen Augen jetzt auf sie gerichtet waren, schien ihren Ruf zu spüren. Mit einem einzigen, kraftvollen Schlag seiner Flossen schoss er auf sie zu, sie packte ihn an seinen Schuppen, und er zog sie aus der Dunkelheit der Tiefe empor. Der Drache brach durch die Wasseroberfläche, und das kühle Nass wich plötzlich der frischen Abendluft. Lora spürte, wie der Wind an ihr zerrte, doch sie hielt sich fest, spürte die raue Wärme der Schuppen unter ihren Händen, während der Drache mit ihr in die Lüfte stieg. Der Himmel um sie herum war ein Wirbel aus Farben, das Meer unter ihnen toste und schäumte, doch all das nahm Lora kaum wahr. Alles, was zählte, war das mächtige Wesen, das sie gerettet hatte. Der Drache drehte sich geschickt in der Luft, sein schlanker, muskulöser Körper glitt durch den Wind wie ein Pfeil. Lora spürte eine tiefe Verbindung, eine unausgesprochene Bindung, die sie beide vereinte. Als sie schließlich den sicheren Felsen erreichten und der Drache sanft landete, wusste Lora, dass sie ihre Prüfung bestanden hatte. Sie bemühte sich bei Bewusstsein zu bleiben so extrem geschwächt war ihr Körper.

      Lucan Ashford

      Lucan konnte es nicht länger ertragen, nur tatenlos zuzusehen. Er schwang sich in den Sattel von Rheyna, deren gewaltige Schwingen sich bereits ungeduldig ausbreiteten. Mit einem kräftigen Ruck an den Zügeln gab er ihr das Zeichen, und sie stieß sich mit einem mächtigen Sprung vom Boden ab. Die Luft unter ihnen zitterte, als sie in atemberaubender Geschwindigkeit aufstiegen.Der Wind peitschte Lucan ins Gesicht, doch der Schmerz in seiner Brust war weitaus schlimmer. Während sie über die Klippen hinwegschossen, konnte er den Punkt am Meer, an dem Lora gestürzt war, nicht aus den Augen lassen. Rheyna setzte mit einer sanften Landung auf einem nahegelegenen Plateau auf. Er verharrte auf dem Fleck mehrere Minuten und da war ihm klar, er hatte sie verloren. Lucan war gerade dabei, den Namen seiner Schwester auf die Liste zu schreiben, eine letzte, herzzerreißende Pflicht, die er nie hätte erfüllen wollen. Seine Hand zitterte, und der Schmerz in seiner Brust wurde unerträglich, als er den Stift auf das Pergament niedersetzte. Doch in diesem Moment peitschte das Meer plötzlich auf, als ob eine gewaltige Kraft es durchbrach. Lucan fuhr herum, und sein Herz setzte für einen Schlag aus. Aus den tosenden Wellen schoss Lora empor, auf dem Rücken eines atemberaubenden, blau-lilanen Wasserdrachens. Der Drache, obwohl deutlich kleiner als Rheyna, strahlte eine beeindruckende Stärke und Eleganz aus. Sein schlanker, muskulöser Körper glitt mühelos durch die Luft, während die Schuppen in der Sonne glänzten, als wären sie aus purem Saphir und Amethyst geformt. Seine mächtigen Flügel durchbrachen das Wasser, und Tropfen funkelten wie Edelsteine in der Luft. Lucan konnte es kaum glauben. Lora hatte es nicht nur überlebt, sie hatte einen Drachen gefunden. Einen beeindruckenden, stolzen Gefährten, der in jeder Bewegung seine Kraft und Wildheit zeigte. Der Schmerz in Lucans Brust wich einer Welle der Erleichterung und des Stolzes. Rheyna, die neben ihm stand, brüllte triumphierend, als sie die Rückkehr von Lucans Schwester und ihrem neuen Drachenbegleiter sah. Lora steuerte ihren Drachen und die beiden landeten auf dem Plateau, wo sich Lucan mit Rheynabefand. Er konnte den entschlossenen Ausdruck in ihren Augen sehen, als sie von dem majestätischen Wesen herabsprang. Lucan trat vor, seine Erleichterung war fast greifbar, und er konnte nicht verhindern, dass ein Lächeln über sein Gesicht huschte. „Verdammt Lora! Du hast es geschafft“, sagte er mit rauer Stimme, die von Stolz und Erleichterung gleichermaßen erfüllt war. „Und was für einen Drachen du gefunden hast.“ "Eher er mich" entgegnete sie erschöpft. Die beiden Drachen musterten einander, Rheyna mit ihrer imposanten Größe und dem durchdringenden Blick, und Loras Drache, kleiner, aber nicht weniger beeindruckend, voller Kraft und Agilität.
      Seine Schwester hatte nicht nur ihren Drachen gefunden, sondern auch ihren Platz unter den Drachenreitern eingenommen. Und trotz des schmerzlichen Moments, die er durchlebt hatte, konnte er nicht stolzer auf sie sein. "Auf mit dir zum Reiterquadranten" schmunzelte er und sah ihr hinterher.
      „Schreibe kurz – und sie werden es lesen.
      Schreibe klar – und sie werden es verstehen.
      Schreibe bildhaft – und sie werden es im Gedächtnis behalten.“
      – Joseph Pulitzer

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    • Valerian Drakemont
      Der Boden wackelte unter Phoebes mächtigen Flügeln, als der Drache mit einer geschmeidigen Bewegung die Landung vollzog. Der Blick des Rotschopfs strahlte noch vor Genugtuung, während er den Schauplatz der Rekrutierungsprüfung überblickte. Seine Augen funkelten vor Vergnügen, als er sich an den Gesichtsausdrücken der Rekruten erinnerte, die gerade noch in Panik geraten waren.
      Valerian stieg vom Rücken seines feurigen Drachens ab und hatte mit einem Satz wieder festen Boden unter den Füßen, der von den Spuren der anderen Drachenreiter und dem Staub der klopfenden Füße geprägt war.
      "Guten Morgen, alle zusammen!", rief er mit einem breiten Grinsen, als er sich einer Gruppe anderer Reiter näherte, die bereits ihre Positionen bezogen hatten.
      Ein jüngerer Reiter seines Jahrgangs, der gerade ebenfalls von seinem Drachen abstieg, schüttelte den Kopf und konnte ein schallendes Lachen nicht unterdrücken. "Verdammt Valerian. Die haben sich fast in die Hose gemacht! Musste das sein?"
      "Es war nur ein kleiner Weckruf, damit sie wissen, was auf sie zukommt. Besser, sie lernen es jetzt, als wenn sie im Ernstfall völlig unvorbereitet sind." erwiderte er unbeirrt und zuckte mit den Schultern.
      Er schritt durch den Bereich des Checkpoints, dessen Zeltlager gut organisiert war. Die bunten Fahnen der Akademie flatterten im Wind, und die verschiedenen Tische und Stände waren bereit, die neuesten Überlebenden zu empfangen und zu dokumentieren bevor es für sie weiter zur Versorgung ging.
      Der Reiter beobachtete, wie die Gesundheitschecks und die ersten Berichte von einigen der ersten erfolgreichen Rekruten eingereicht wurden. Die Ausdrücke der Gesichter waren eine Mischung aus Erleichterung, Erschöpfung und gelegentlich noch ungebrochenem Optimismus.
      "Wie sieht es bis jetzt aus", fragte Valerian, als er vor einem Tisch stehen blieb, an dem ein älterer Reiter aus dem dritten Jahrgang in die Papiere vertieft war. "Noch viele Überlebende, oder haben wir schon die erste Gruppe verabschieden müssen?"
      "Einige von beiden", antwortete der Reiter mit einem Seufzer. "Die ersten Berichte sind gemischt. Die meisten aus der ersten Gruppe haben sich wacker geschlagen, aber es gibt auch einige, die ihre Lektion auf schmerzhafte Weise gelernt haben."
      Valerian nickte verständnisvoll und wandte sich wieder dem Himmel zu, wo sich immer wieder vereinzelte Rekruten mit ihren neuen Drachen näherten. Er konnte schon den Schwung der zweiten Gruppe Rekruten in der Ferne erkennen, und sein Blick glitt über diese, während er den Auftritt der neuen Drachenreiter verfolgte.
      "Ach, der frische Duft des Chaos", murmelte der Rotschopf und ließ seinen Blick weiter über das Lager schweifen. Hinüber zur eingetroffenen Lieferung benötigter Tränke und Elixiere, die soeben aus Staffelführerin Mondsilbers Wagen geräumt wurden.
      Sein Blick traf den der besagten Staffelführerin, und -Oh- Er kannte diesen Blick.
      "Ich verschwinde dann schnell mal wieder." bemerkte er, ehe ihm noch Arbeit aufgehalst wurde. Ohne Zweifel kam sein Kunststückchen nicht bei allen gut an. Was soll’s. Er hatte seinen Spaß, Phoebe hatte ihren Spaß und ein paar der Rekruten hatten vielleicht auch ihren Spaß - oder zumindest redete er es sich ein.
      Zum Glück schien die Werte Mondsilber soeben in ein Gespräch mit Geschwaderführer Ashford vertieft zu sein, sodass er vorerst nicht zu befürchten hatte, von seiner Staffelführerin in zusätzliche Arbeit verstrickt zu werden, und nahm sich daher einen kurzen Moment Zeit, um die Liste der Kadetten durchzugehen.
      Einige Namen waren bereits gestrichen, andere, die auf der Liste standen, würden noch ihre Reise fortsetzen. Jeder Eintrag war ein Echo des Risikos und der Hoffnung, das mit jeder Prüfung verbunden war.
      Aber an einem der Namen blieb sein Blick hängen.
      ‘Chanakra Tineshra’ Der Name kam ihm doch irgendwoher bekannt vor...?
      War sie nicht im letzten Jahr bereits angetreten, als auch er sich der Prüfung unterzogen hatte? Er hatte kein Gesicht mehr vor Augen, aber sie war einer der Namen auf der Liste jener gewesen, die zwar Überlebt hatten, sich jedoch keinen Drachen aneignen konnten.
      Sie versuchte es in diesem Jahr also erneut? Mutig. Nicht alle, die beim ersten Mal mit ihrem Leben davon gekommen waren und sie gesehen hatten, was alles in dieser Prüfung schiefgehen konnte, wagten es sich ein zweites Mal hierher.
      Seine Gedanken wurden jäh unterbrochen, als er ein lautes, markerschütterndes Brüllen vernahm, das selbst durch das geschäftige Summen des Lagers drang.
      Es war Rheynas Brüllen, ein Klang, der sich in Valerians Ohren wie ein drohendes Unheil an hörte, aber gleichzeitig auch eine kraftvolle Erschütterung durch die Luft sandte. Der junge Reiter hob den Kopf und versuchte, die Bedeutung dieses Schreies zu entschlüsseln.
      Ein Angriff? Nein, danach klang es nicht, es klang irgendwie… verzweifelt? War es das?
      Er eilte zurück zu Phoebe, welche sich wie viele der anderen Drachen bereits aufmerksam aufgerichtet hatte und einen Blick in den Himmel warf. Dort, direkt über der Wasseroberfläche des tosenden Meeres, wo der Wind das gleißende Licht der Sonne einfing und reflektierte, entdeckte er einen Drachen, der sich elegant und stolz durch die Lüfte bewegte, und auf seiner Schulter, die erschöpfte und triefend nasse Gestalt einer Rekrutin.
      Ihr Drache landete auf einem sicheren Felsen, und zu seiner Überraschung landete wenige Sekunden Später, auch schon die mächtige Gestalt von Geschwaderführer Ashfords Schattendrachen Rheyna, dessen Schrei soeben das halbe Camp alarmiert hatte, neben ihr.
      Die Puzzleteile fügten sich mit einem Mal zusammen. Das musste wohl die kleine Schwester des Geschwaderführers sein! schoss es Val durch den Kopf. Er hatte am Rande bereits mitbekommen, dass sie wohl dieses Jahr ebenfalls als Rekrutin an der Prüfung teilnehmen würde.
      Und allem Anschein nach hatte sie es wohl tatsächlich geschafft, sich einen Drachen anzueignen. Aber eigentlich war es auch nicht anders von einer Ashford zu erwarten...





      Aria Frostwraith
      Die junge Frau zog die Kapuze ihres Umhangs enger um das Gesicht, als sie sich von der Gruppe entfernte. Ihre Schritte waren vorsichtig, aber zielstrebig, als sie sich durch das unwegsame Gelände bewegte. Die Erfahrungen aus ihrem Dorf, das Leben in den Bergen, hatten sie gelehrt, wie man sich lautlos bewegt und seine Präsenz selbst im offenen Gelände gut verbirgt. Ihre Augen, scharf wie die eines Raubtiers, suchten unermüdlich nach Anzeichen von Drachen. Der Drache, den sie vorhin gesehen hatte, hatte ihre ohnehin schon unbändige Entschlossenheit nur noch weiter genährt.
      "Ich werde einen von euch finden", murmelte Aria leise, fast wie ein Mantra, das sie sich selbst einflüsterte. "Und dann werde ich beweisen, dass ich es wert bin."
      Sie näherte sich einem schattigen Bereich am Fuß des Berges, wo sie sich hinter einer großen Felswand versteckte, um die Umgebung zu beobachten. Ihre Sinne waren geschärft, und sie ließ keinen noch so kleinen Hinweis auf die Anwesenheit von Drachen unbemerkt. Die sanfte Brise trug den vertrauten Duft von feuchtem Laub und Erde mit sich – Gerüche, die sie geschickt zu ihrem Vorteil nutzte. Mit ein paar Handgriffen veränderte sie ihren eigenen Duft mithilfe von Kräutern, die sie immer bei sich trug. Diese Kräuter maskierten ihren menschlichen Geruch und halfen ihr, sich im Gelände quasi unsichtbar zu machen.
      Ob so mächtige Kreaturen auch auf diesen simplen Trick hereinfallen würden, mit denen sie sich daheim vor Raubkatzen und Wölfen versteckt hielt? Nun, es gab nur eine Möglichkeit, dies herauszufinden.
      Geschickt kletterte sie auf einen der hohen Bäume und beobachtete aus dem Geäst heraus eine Gruppe von grünen Drachen, die sich in der Ferne auf einer ausgedehnten Wiese tummelten. Die riesigen Kreaturen schienen friedlich und in ihre eigene Welt vertieft, doch Aria konnte keine wirkliche Verbindung zu ihnen spüren. Irgendetwas sagte ihr, dass diese Drachen nicht die waren, nach denen sie suchte. Sie mussten weiter gehen.
      "Also noch nicht hier", seufzte sie und kletterte wieder hinunter. Ihr Blick wanderte hinauf zum Berg, der sich vor ihr erhob. Von dort oben her würde sie vermutlich eine bessere Sicht haben.
      Der Weg war steil und anspruchsvoll, zumindest für die meisten normalen Menschen.
      Für sie, die es selber gewohnt war wie eine Bergziege über steiles Geländer zu wandern, war es jedoch geradezu ein Kinderspiel.
      Ihre Finger griffen geschickt nach den Felsen, als sie den Berg erklomm. Ihre Bewegungen waren präzise und leise, jeder Schritt kalkuliert, um den minimalen Geräuschpegel aufrechtzuerhalten. Die Luft wurde kühler, je höher sie kam, und ein dichter Nebel begann, sich um sie zu legen.
      Einerseits verschleierte dieser zwar ihre Bewegungen noch zusätzlich, doch gleichzeitig raubte er ihr auch die Sicht.
      Die Zeit verging, als Aria sich durch das unübersichtliche Terrain bewegte, in der Hoffnung, dass der kalte Nebel sich irgendwann genug lichten würde, dass sie wieder eine gute Übersicht über das Gelände erhielt. Ihr Instinkt, ihre Fähigkeiten und ihre Geduld waren aktuell ihre besten und einzigen Verbündeten.
      Und dann, plötzlich, als der Nebel sich tatsächlich ein wenig lichtete, sah sie es – eine einzelne, schneeweiße Drachenfigur, majestätisch und einzigartig, die sich vor ihr am Gipfel empor streckte.
      Dieser Drache hatte die Anmut und die Ausstrahlung, die Aria gesucht hatte. Mit einem tiefen Atemzug machte sie sich bereit, den entscheidenden Schritt zu wagen.
      "Das ist er", flüsterte sie mit laut pochendem Herzen Und machte sich bereit, die kurze Distanz, die zwischen ihr und diesem Drachen lagen zu überwinden. "Das muss er sein!"
      Doch nur wenige Meter von ihrem Ziel entfernt, blieb sie regungslos im Schatten der überhängenden Felsen stehen, ihre Atmung war schwer und ihre Gedanken wirbelten durcheinander.
      Die Drachen, die über das ganze Land bekannt waren, waren legendäre Wesen, dessen Macht und Anmut in den Geschichten, die sie von Kindheit an gehört hatte, nur ansatzweise beschrieben wurden. Doch jetzt, da sie in der Nähe einer solchen Kreaturen war, fiel ihr wie ein schwerer Schleier die Erkenntnis zu: Sie hatte keine Ahnung, wie sie eine Bindung mit einem solchen Geschöpf eingehen sollte.
      Ihre ganze Strategie, die sie in ihrem Kopf ausgeklügelt hatte, schien plötzlich bedeutungslos und leer.
      Sollte sie sich ihm einfach nähern und… sich vorstellen?
      Hätte sie vielleicht etwas als Tribut mitnehmen sollen, was sie ihm darbieten musste?
      Bevor sie sich weiter in ihren verzweifelten Gedanken verlieren konnte, spürte sie ein Prickeln auf ihrer Haut.
      Sie wurde bemerkt.
      Ohne Zeit, um noch einen weiteren Gedanken zu verschwenden, rollte sie sich zur Seite, als der Drache mit einem ohrenbetäubenden Brüllen aus dem Nebel hervor brach. Seine eisigen Schuppen schimmerten im durch den Nebel gebrochenem Licht wie lebendig gewordene Edelsteine, und seine Augen glühten vor unbeschreiblichen Emotionen.
      Der Drache stürzte sich auf sie, seine riesigen Flügel schlugen mächtig und sorgten für einen Sturm aus Staub und Schutt. Aria wich seinen gewaltigen Klauen nur knapp aus und spürte, wie der kalte Atem des Ungeheuers ihre Haut streifte.
      Moment, kalter Atem? Hatten Drachen nicht normalerweise einen Feueratem?
      Ein Blick nach hinten verriet ihr, dass der Boden an der Stelle, an der sie vor weniger als einer Sekunde noch gestanden hatte, von Eiskristallen zerpflügt wurde.
      Eis? Etwa ein Eisdrache? So Etwas gab es auch?
      Weniger denken, mehr ausweichen! Der nächste Angriff des Drachen ließ nicht auf sich warten.
      Ihre Beine waren schwer und ihre Arme zuckten nervös, als sie die nächste Welle des Angriffs vorherzusagen versuchte.
      Ein weiteres Brüllen ließ den Boden erbeben, als der Drache seine Zähne nach ihr schnappen ließ. Instinktiv sprang Aria zur Seite, aber der Drache war schneller, seine Klauen schnitten durch die Luft.
      Ihr Herz raste, als ein wahnwitziger Impuls ihr aufstieg. Sie hatte sowieso keinen weiteren Plan, also konnte sie diesem Impuls auch einfach nachgehen.
      In einem verzweifelten Rutsch und einem letzten, kühnen Sprung landete sie auf dem Rücken des Drachen, ihre Finger krallten sich in die harten Schuppen, die wie gebrochenes Eis glänzten und sich unter ihrer Warmen Haut auch genauso anfühlten.
      Die riesige Echse brüllte auf, als wäre er von einer plötzlichen Pein übermannt worden, und schwang sich ohne zu zögern in die Luft. Aria wurde fast vom Rücken gerissen, als die geflügelte Bestie die Luft durchschnitt und halsbrecherische Manöver durchführte. Sie klammerte sich an den massiven Körper, während der Drache wild durch die Luft kreiste, sich rollte und sich wütend wand. Der Wind heulte in ihren Ohren, und der Boden schien zu verschwinden, während der Drache schraubte und taumelte, als wollte er sie in den Abgrund stürzen.
      Doch das Mädchen hielt fest, ihre Entschlossenheit und ihr Überlebenswille war wie ein unerschütterlicher Anker. Ihre Finger waren schmerzhaft in die Schuppen vergraben, und ihre Muskeln brannten von der Anstrengung.
      Irgendwann, als sie schon befürchtete, vor Erschöpfung jeden Moment ohnmächtig zu werden, kehrte der Drache schließlich ebenso erschöpft und sichtlich entnervt wieder auf den Boden zurück. Beide waren sie am Ende ihrer Kräfte und atmeten schwer im Einklang.
      Die bedrohliche Miene des Drachen hatte sich etwas entspannt, und in seinen glühenden Augen konnte Aria etwas erkennen, das fast wie Anerkennung wirkte.
      In seiner Brust schwoll ein leises Brummen an, das fast wie ein zustimmendes Murmeln klang.
      Der Drache, dessen Wut sie erst so beängstigt hatte, schien nun von ihrer Hartnäckigkeit beeindruckt. Als hätte sie seine auferlegte Prüfung bestanden.
      Schwankend und erschöpft kletterte das Mädchen von seinem Rücken, als sie realisierte, dass der Sturm vorbei war.
      In diesem Moment wurde es mit einem Mal klar. Sie… hatte es geschafft? Sie hatte eine Bindung zu einem Drachen?!
      Euphorie und Erleichterung übermannten sie und von all den überwältigenden Emotionen wurde ihr kurz noch schwindliger als ohnehin schon, sodass sie sich kurz an der Flanke des Riesen festhalten musste, um nicht umzukippen.
      Wow. Sie hatte es tatsächlich geschafft!
      In the midst of chaos
      there is also opportunity
    • Rina Adora:

      Dieser Drache. Er war wunderschön. Es war, als ob der Drache ein teil ihrer Seele war. Sie hat die sieben Prüfungen ihres Ordens gemeistert. Sie ist die aktuell jüngste Meisterin ihres Ordens und doch merkt sie jetzt den Grund, warum sie es abgelehnt hat, eine der vier Großmeister zu werden. Sie ist begeistert von diesem Drachen. Als ob sie sich verliebt hatte. Ihr fehlt die Weisheit des Alters. Das hat sie dem Führer ihres Ordens auch gesagt. Er war erstaunt, dass sie so viel Weitsicht hatte. Und nun ist sie hier. Sie muss den Drachen kennen lernen. Sie sah den weg und grinste. Klar könnte sie umdrehen und gehen. Doch das wäre der einfache Weg. Sie hat etwas gebraucht, aber der schwierige Weg hat ihr immer wieder besser gefallen. Der Lohn war höher und sie konnte Stolz auf sich sein. "na dann los." Der Weg wird sehr beschwerlich sein, weil der Drache auf einem Vorsprung gelandet ist, wo man nicht so einfach hinkommt. Doch das war ihr egal. Sie wird es schaffen. Sie zog ihre Kopfbedeckung fester und beschloss auf Magie zu verzichten. Wenn sie den Respekt dieses Geschöpfes haben will, dann muss sie beweisen, dass sie sich nicht vor einer Herausforderung scheut. Und wenn sie dazu dem Drachen ein paar Zähne ausschlagen muss. Sie wird es machen.
      Der Schweiß rannte ihr über dem Gesicht. Der Weg war anstrengender als gedacht, doch sie wird nicht aufgeben. Sie ist in die Täler gegangen und musste dann den Berg hoch klettern. Der Wind peitschte durch ihr Gesicht. Der Regen durchnässte sie. Doch sie gab nicht auf, als sie den Vorsprung erreichte. Und sah in das belustigte Gesicht des Drachens. "Du hast es endlich geschafft, kleiner Mensch. Du bist der erste, der es schafft. Bevor du fragst. Der wind weht in meine Richtung und ich habe gerochen, dass du hergekommen bist. Was willst du von mir?" Rina sah den Drachen an. Er war einfach nur schön. Sie sah den Sturmdrachen an. respektvoll verbeugte sie sich vor dem Drachen. "Mein Name ist RIna Adora vom Orden der gelben Rose. Ich habe mich den Drachenreitern angeschlossen." Erneut schnaubte der Drache belustigt. "Und du willst mich als Drachen haben? Du bist lustig. Pass auf, dass ich dich nicht fresse." Rina lächelte. "Dann wirst du ein paar Zähne verlieren. So einfach bin ich nicht zu fressen." Der Drache stürmte vor und blieb kurz vor ihr stehen. "Du hast keine Angst. ich hätte dich eben fressen können. Warum?" Rina lächelte. "Der Tod ist der natürliche Lauf der Dinge. Wenn ich auf der Suche nach dir sterbe, dann ist es ein Schicksal, den ich annehmen kann. Aber wie gesagt. So einfach bin ich nicht zu töten." Sie hob ihre in Flammen gehüllte rechte Faust. Diese war an seinem Hals. "Du hast Mumm, kleines. Mein Name ist Tariija. Behalte diese Einstellung." Der Drache streckte sich. "Steig auf. es wird zeit, dass ich mein Exil verlasse und meinen Platz in der Welt wieder einnehme." Rina lachte und stieg auf. "Das wirst du. ich glaube an dich." Tariija hob mit kräftigen Schlägen ihrer Schwingen in die Lüfte. durchbrach die Wolken. Rina nickte ihr zu. Sie vertraute ihr. Sie spürte die Blitze an ihren Flügeln, als Tariija die Flügel anlegte und gen Boden fiel. Sie genoss es. Die Blitze taten ihr nichts. Als ob diese ein teil ihres Körpers waren. Tariija bremste ab und flog langsam eine Wende und blieb kurz vor dem Drachen des Geschwaderführers stehen. Sie starrten sich gegenseitig an, bis Tariija den Kopf etwas neigte. Sie akzeptierte Rheyna, den Schattendrachen, als die stärkere. zumindest im Moment. Rina sah die beiden Personen an. "Geschwaderführer. Staffelführerin.." meinte sie kurz als Entschuldigung. Langsam gleiteten sie zu Boden.

      Delia Mondsilber:

      Sie hörte Lucan zu und nickte. "gut. danke für die Rückendeckung und noch eins. Wenn sie die Survivalübung macht. Dann wie alle anderen ohne Rüstung. Sie sollen lernen sich auf ihre Fähigkeiten zu verlassen." Sie hatte mitbekommen, was Lucan über Valerian dachte. Und sie musste lachen. Ihre Füße waren im Schneidersitz, als sie auf ihrem Drachen saß. Karana hatte Rheyna eh schon lange als die Stärkere anerkannt. Aber auch, weil ihr Drache so wie sie war. Sie hat keine Lust auf unnötige Revierkämpfe. Und da war es einfacher, wenn sie offiziell den Schattendrachen als die stärkere akzeptierte. Dann hatten sie beide ihre Ruhe. "Warte bis morgen früh zum normalen Kampftraining. Als Geschwaderführer ist es dein Recht jederzeit das Training zu übernehmen." meinte sie grinsend. "vorher wird er aber noch ein paar....organisatorische Tätigkeiten erledigen." meinte sie grinsend und wollte sich wieder zurück ziehen, als sich plötzlich Karana etwas anspannte und kurz darauf eine Kadettin auf einem Sturmdrachen vor ihn beiden hielt. Sie spürte die Aggressivität bei den anderen beiden Drachen, doch die Situation schien sich zu beruhigen. Die Reiterin verabschiedete sich respektvoll und sie verschwanden. "Also. ich werde mich auch mal an die Arbeit machen, Lucan." Sie nickte ihm zu und streichelte kurz den Hals von ihrem Drachen. Langsam flogen sie weg. Langsam und ruhig. Sie will gleich im Lazarett vorbei schauen und dort helfen, aber erst musste sie ihren Offizier finden. Harlow Brix. Er ist ein guter Offizier. Ja er hat Fehler gemacht. Aber wer hat die nicht gemacht? Sie hat auch sehr viele Fehler gemacht. Aber der Mensch wächst daran oder geht zu Grunde. Harlow wird sich wieder fangen und sich eines Tages von dem Fehler erholen. Er wird noch Zeit brauchen um zu heilen. Und die wird sie ihm geben. Da ist er. "Harlow. Schön dich zu treffen. Du erinnerst dich an den Reiter mit seiner unsinnigen Aktion vorhin? Da ist eine neue Wagenladung von meiner Frau. Er soll sie einsortieren und eine aktuelle Inventur machen." Sie sah hatte Harlow erst mit einem kleinen hinterhältigen grinsen angesehen, doch ihr Blick ist ernster geworden. "Wie geht es dir?"



      Die Familie Takamachi

      Niedlich *Q* Niedlich *Q* Niedlich *Q*

    • Chanakra "Chana" Tineshra

      Chana stand am Fuße eines steilen Berges und sah zu, wie die übrigen Kadetten sich in unterschiedliche Richtungen verteilten, die meisten allein, manche in kleineren Gruppen. Vielleicht malten sie sich dadurch bessere Überlebenschancen aus. Sie aber wusste, dass dem nicht so war. Viel eher waren sie dadurch im Nachteil, würden schneller bemerkt werden und ihr Leben verlieren, als ihnen lieb war. Wenn sie großes Glück hatten, würde einer von ihnen heil und auf dem Rücken eines Drachen aus der ganzen Sache heraus kommen. Sie spürte das vertraute Ziehen in ihrer Brust - eine Mischung aus Entschlossenheit und nagendem Zweifel. Das letzte Mal war sie gescheitert, kläglich. Und dieses Gefühl des Versagens brannte tief in ihr, machte sie rasend und trieb sie an.

      Die entschlossene Wiederkehrerin hatte diesmal eine neue Strategie gewählt. Wie sie dem aufgeregten Gewisper der anderen entnommen hatte, gab es hohen Besuch unter ihnen - die Schwester des Geschwaderführers Ashford, dem man vieles nachsagte, aber keine Schwäche. Chana war sich sicher, wenn er nur ein halb so erfahrener und tödlicher Drachenreiter war, wie es hieß, konnte seine Schwester nur davon profitiert haben. Und deshalb folgte sie dieser in einigem Abstand. Sicher wusste sie deutlich mehr, als Chana und die anderen, weniger prominenten Kadetten, das wollte sie sich zu Nutze machen.
      Lora - so hieß sie wohl - erklomm die schroffe Felswand mit erstaunlicher Geschwindigkeit. Sie erreichte einen schmalen Vorsprung hoch oben am Berg, den Blick zielgerichtet auf etwas, das nicht weit entfernt sein konnte. Doch dann verlor die Schwarzhaarige plötzlich den Halt, rang noch einen Moment mit ihrem Gleichgewicht, stürzte dann aber doch in die Tiefe. Der panische Schrei, der dabei ihrer Kehle entwich, offenbarte, was sie zuvor ins Auge gefasst hatte. Der silbrig glänzende Leib eines Wolkendrachen erhob sich mit kraftvollen Flügelschlägen in die Luft und verschwand sogleich in den Nebelschwaden, die die Bergwipfel um schmiegten.

      Einen Moment lang, war Chana wie erstarrt und blickte an die Stelle, an der Lora in den tosenden Wogen des Meeres verschwunden war. Es war nicht der erste Tod, den sie bei einer der Prüfungen miterlebt hatte. Schon bei der letzten hatten viele Kadetten ihr leben gelassen und heute würde es nicht anders aussehen. Chana spürte keine Betroffenheit gegenüber der von den Wellen verschluckten Ashford. Sie hoffte lediglich, dass ihr ein ähnliches Schicksal erspart bleiben würde.
      Der Weg, den sie gewählt hatte war verdammt gefährlich. Das war der tätowierten Anwärterin zwar bereits bewusst gewesen, der sekundenschnelle Tod ihrer Mitkadettin aber, machte das nochmal ganz unmissverständlich klar und mahnte zur Vorsicht. Etwas bedachter, aber nicht weniger entschlossen kletterte sie weiter die Steilwand hinauf. Zum Umkehren war sie schon zu weit gekommen und irgendwie.. wäre das ja auch wie eine kleine Niederlage. Sie fürchtete den Tod nicht, also würde seine unmittelbare Anwesenheit sie auch nicht abschrecken.

      Noch einige Höhenmeter musste sie sich an den Felsen nach oben ziehen, bis sie selbst einen stabilen Felsvorsprung erreichte, der stark
      genug war ihr Gewicht zuverlässig zu tragen. Ihre Arme brannten wie Feuer, als sie sich das letzte Stück nach ob kämpfte. Eigentlich wollte sie hier innehalten, wenigstens für ein paar Minuten. Doch daraus wurde nun nichts mehr, denn ihr gegenüber, nur einige Meter entfernt saß hocherhobenen Hauptes ein graumelierter Drache, der sie bereits bemerkt hatte. Seine gewaltige Gestalt zeichnete sich kontrastreich gegen den hellen Himmel ab und seine intelligenten Augen fixierten sie mit fast unerträglicher Intensität.

      Chana wappnete sich für einen Angriff, aber er rührte sich nicht, sondern sah sie weiterhin unverwandt an, als wäre er nichts weiter als eine Statue. Na gut, dachte sie. Dann mach ich eben den Anfang. Ihre Hände ballten sich zu Fäusten und sie spürte das alte, vertraute Feuer in sich lodern. Die Erwartung des Bevorstehenden Kampfes sandte kleine, prickelnde Wellen über ihren Körper. Dieses Gefühl war ihr so vertraut, dass alles fast schon automatisch ablief. In ihrer Brust sammelte sich die Wut der letzten Jahre; aus ihrer Kindheit, ihrem Leben auf der Straße und nicht zuletzt aus ihrer letzten Prüfung. Die Schmach über ihr damaliges Versagen machte sie willens alles zu tun, was nötig war um diesmal zu bestehen. Selbst wenn das hieß, sich aktiv mit einem Wesen anzulegen, dass nicht nur deutlich stärker, sondern auch intelligenter war als sie selbst. Gewalt war die einzige Strategie, die sie kannte.

      "Komm schon!", schrie sie dem grauen Ungetüm aus voller Kehle entgegen. Der Sturmdrache jedoch verharrte ungerührt und unbeeindruckt. Nur sein regelmäßiger Atem verriet, dass er tatsächlich lebendig war. Frustriert bleckte sie die Zähne und stieß ihren Atem scharf daraus hervor. Wieso um alles in der Welt griff er nicht an? Der letzte Drache, dem Chana begegnet war, hatte sie beinahe skalpiert, warum konnte sie diesem hier nicht mal eine Reaktion entlocken? In einem letzten trotzigen Versuch, schritt sie unter wilden Flüchen auf ihr geflügeltes Gegenüber zu, hob dabei einen dicken Stein vom Boden auf und schleuderte ihn ihm entgegen. Mit einem dumpfen Geräusch prallte der von seinem dicken Schuppenpanzer ab. Es machte nicht den Anschein, als hätte er den Aufprall überhaupt bemerkt. Damit erreichte Chanas Ärger ihren Höhepunkt. Für Außenstehende musste es wirken, als seien sie beide im Körper des jeweils anderen Gefangen. "Verdammt!" Mit diesem Aufschrei, verebbte ihr Jähzorn schließlich. Irgendwie hatte es dieser Drache tatsächlich geschafft sie mit seiner Ruhe innehalten zu lassen und ihren Furor für den Moment verpuffen zu lassen.

      Nun stand sie da, entwaffnet ohne das Feuer des Zorns. Sie ließ die Hände sinken und atmete tief durch, ihre Gedanken wurden so klar, wie sie es lange nicht mehr gewesen waren. Endlich begriff sie, dass nicht jeder Kampf mit Gewalt gewonnen werden konnte - nicht, dass sie es nicht weiter versuchen würde. Chana spürte wie der Sturm in ihrem Inneren sich legte und wie sie es schaffte, wenn auch widerwillig, sich zu öffnen. Und dann, in dieser stillen Übereinkunft, kam plötzlich Leben in die schiefergraue Gestalt vor ihr. Anerkennend neigte der Drache seinen schlanken Kopf und gab ein tiefes Gurren von sich, das noch in Chanas Knochen spürbar war. Das war kein Zeichen der Unterwerfung, so wie die junge Kämpferin sich das vorgestellt hatte, aber es würde genügen. Er hatte sie geprüft und diesmal hatte sie bestanden. Mit einem weiteren tiefen Atemzug trat Chana nun auf den Drachen zu. Als sie seine raue, warme Haut berührten, lösten sich winzige kleine Blitze davon und kitzelten ihr in den Fingerspitzen.

      Als sie, nun auf dem Rücken ihres neuen Partners, endlich in die Lüfte stiegen, erkannte sie weiter unten - dort wo sie Lora hatte in die Tiefe stürzen sehen - vier Gestalten. Zwei Menschen und zwei Drachen. Schnell wurde ihr klar, dass es sich tatsächlich um die Schwester des Geschwaderführers handelte. Sie musste es irgendwie geschafft haben, dem reißenden Wasser zu entkommen und zeitgleich einen Drachen an sich zu binden. In einem weniger euphorischen Moment hätte Chana womöglich abschätzig die Augen verdreht. Gerade aber, fühlte sie sich leicht und lebendig. Sie gönnte der anderen ihren Sieg über den Tod.
      Mit einem lauten Triumphschrei, der von der eindrucksvollen Stimme ihres Drachen untermauert wurde, nahmen sie an Tempo und Höhe auf. Und heute triumphierte die engstirnige Chana nicht nur für sich, sondern auch für Lora und die anderen Kadetten, die erfolgreich gewesen waren. Und damit machten sie sich auf zum Rest der Gruppe.



      Harlow Brix

      Weil sowohl Geschwaderführer Ashford, als auch Staffelführerin Mondsilber vertieft in ein Gespräch miteinander waren, als er zu ihnen stieß, drehte er auf Elyx' Rücken ab und stieg noch etwas weiter auf. So hatte er einen guten Überblick über das Geschehen. Gebannt beobachtete er die Kadetten unter ihm. Die, die fielen. Die, die sich durchbissen. Die, die den Ernst der Lage erst jetzt begriffen und umkehrten. Besonderes Augenmerk aber hielt er auf einer langhaarigen, dunklen Silhouette, die sich an die Fersen einer anderen etwas zierlicheren geheftet hatte. Letztere erkannte er als Lora Ashford - die Schwester seines geschätzten Vorgesetzten wieder. Die andere, so erkannte er jetzt, war Chanakra Tineshra - die junge Frau, die er damals hatte überzeugen können sich von der Straße los zu sagen und ihr Glück hier, unter den Drachenreitern zu versuchen. Sein Puls stieg. Letztes Mal war sie gerade so mit dem Leben davon gekommen, er hoffte inständig, sie würde diesmal erfolgreich sein, damit nicht ein weiterer Tod auf sein Konto ging.

      Als würde er seine Anspannung spüren, grollte Elyx unter ihm. Harlow spürte die Vibration in allen Gliedern. "So nervös warst du nicht mal am Tag deiner eignen Prüfung.", hörte er die Stimme des Sonnendrachen witzelnd in seinem Kopf. Der dunkelhaarige Offizier lachte bitter und warf einen scharfen Blick nach unten, von wo aus er bereits aus warmen, goldenen Augen angelinst wurde. "Wieso hätte ich auch nervös sein sollen - wegen dir etwa?" - "Vielleicht hätte ich dich doch fressen sollen." Elyx' lehnte sich in einer Andeutung seinen Reiter abwerfen zu wollen ruckartig zur Seite. Harlow lachte. "Ich versichere dir, ich bin vollkommen unbekömmlich."

      Als er Staffelführerin Mondsilber unter sich auftauchen sah und erkannte, dass sie und ihr Drache Kurs auf ihn hielten, ebbte die lockere Stimmung abrupt ab. Harlow nahm eine vorbildlich gerade Haltung in seinem Sattel ein und neigte höflich den Kopf um sie zu begrüßen. "Staffelführerin Mondsilber, guten Morgen." Auch aus Elyx Kehle drang ein gurrender Laut der Begrüßung. "Valerian Drakemont, ja - ist mir nicht entgangen.", antwortete er dann, von der vorherigen Belustigung über den jugendlichen Leichtsinn des Juniors war nun nichts mehr zu sehen. "Ich kümmere mich darum."
      Es gab schlimmere Strafen, als Inventur und Sortiererei, aber irgendetwas sagte ihm, dass es damit noch nicht getan sein würde. Die Darbietung des Jüngeren war schließlich niemandem entgangen. Höchstwahrscheinlich auch Lucan Ashford nicht, der das sicher nicht unkommentiert dabei belassen würde. Aber sei es drum - scheinbar musste Valerian sich erst noch seine Hörner abstoßen; eine faire Strafe wäre dem sicher zuträglich.

      Delias zweite Frage brachte den erfahrenen Reiter etwas aus dem Konzept. Er kannte inzwischen ihre ehrlich fürsorgliche Art und wusste diese zu schätzen, doch sie machte es ihm manchmal schwer Harlow, den ersten Offizier von Harlow, dem Menschen zu trennen. "Mir geht's gut, danke. Ich fühle lediglich mit unseren neuen Kadetten.", sagte er schließlich und lächelte leicht, bevor sein Blick unauffällig über die Prüfungsstätte glitt. Während des Gespräches hatte er Chana aus den Augen verloren und konnte sie auch jetzt nicht wieder finden. Aber er hätte ohnehin nichts weiter für sie tun können, als stumm und unbemerkt über ihr zu wachen. Ob sie diesmal siegreich aus ihrer Prüfung zurückkehren würde, würde er später erfahren; jetzt hatten er und Elyx erstmal eine Aufgabe, der sie sich bald widmen würde

      "Dreck an den Schuh'n und Freiheit im Haar -
      Dir eil'n Gerüchte voraus, Flüche dir nach."

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    • Lucan Ashford

      Lucan beobachtete, wie die Kadetten mit ihren gewonnenen neuen Drachen nach und nach zur flogen. Ein innerlicher stolz, sowohl auf seine Schwester als auch den anderen Kadetten machte in sich breit aber er schickte ein Stoßgebet für die gefallenen. Das mindeste was er für die verlorenen Seelen machen konnte. Sein Blick wanderte noch einmal hinunter den Klippen entlang. Wie die Wellen gegen die Steinmauern peitschten. "Sie ist dem Tod entkommen" murmelte er und ist immer noch verblüfft. Er schwang sich mit Hilfe von Rheyna auf ihren Rücken und rief seine Leute zu, dass sie sich auf den Rückweg begeben sollen. Der Leiter der Akademie wird wie jedes Jahr ein paar Worte für die neuen Reiter aufbringen. Der andere Teil baute die Zelte ab, was mit kleiner Magie recht schnell von statten ginge

      Auf dem Rückweg zur Akademie herrschte eine konzentrierte Ruhe. Die Kadetten, die ihre Drachen gefunden hatten, ritten stolz und manche recht unbeholfen, während die anderen still ihrer Gedanken nachgingen. Rheyna begab sich leichtfüßig in die Lüfte. Als Lucan seinen Blick fest auf Valerian gerichtet hatte, verstand Rheyna sofort. Ohne ein Wort zu sagen, hatte Rheyna, sein imposanter Schatten-Drache, an Schwung aufgenommen. Lucan würde Valerian nicht vor allen zurechtweisen – das war nicht seine Art. Dennoch war die Situation klar, Valerians unnötige Show mit Phoebe, dem Feuerdrachen, hatte die Geduld des Kommandanten überstrapaziert. Als die Gruppe der Akademie näherkam, lenkte Lucan Rheyna geschickt ein Stück abseits des Weges und somit Phoebe wegdrängte, genug, um eine private Unterredung mit Valerian zu ermöglichen. Ohne eine große Szene zu machen, bedeutete Lucan Valerian, ihm zu folgen. Die Kadetten, die die Szene beobachteten, schenkten dem Moment keine größere Aufmerksamkeit. Es war ein ruhiger, fast unscheinbarer Wechsel. Ein paar Meter abseits des Weges brachte Lucan Rheyna zum Halten und wartete geduldig, bis Valerian mit Phoebe neben ihm landete. Die mächtigen Schwingen des Feuerdrachens schlugen einmal kräftig, bevor diese sich ruhig auf den Boden niederließ. Kaum hatte Phoebe den Boden berührt, als Rheyna, ohne Vorwarnung, ihre gewaltigen Flügel ausbreitete und ein tiefes, grollendes Knurren ausstieß. Die Luft schien für einen Moment zu erzittern. Phoebe, die normalerweise unerschütterlich war, zog ihren Kopf ein wenig zurück und ließ einen unterwürfigen Laut hören. Die dominante Präsenz Rheynas ließ keinen Zweifel daran, wer hier das Sagen hatte. Der Druck der von Rheyna ausging, ließ sein Lächeln rasch verblassen. Lucan drehte sich ihm zu, seine Augen kalt und durchdringend. „Was denkst du, was du da getan hast, Valerian?“ Seine Stimme war ruhig, aber mit einem gefährlichen Unterton, der kaum unterdrückte Wut verriet. „Hast du überhaupt verstanden, in welcher Situation wir uns befinden? Dies ist kein Ort für kindische Spielchen. Wer weiß, vielleicht wären dann heute nicht so viele gestorben.“
      Es war nicht so, dass er Valerians Art nicht lustig fand, in der Akademie hatte er so manchmal ihm ein schmunzeln heraufbeschworen und er kannte seine beschwichtige Art, doch das ging deutlich zu weit.
      Valerian öffnete den Mund, um etwas zu sagen, doch Lucan ließ ihn nicht zu Wort kommen. „Du hast deine Autorität missbraucht und die Rekruten in Gefahr gebracht. Das ist inakzeptabel.“ Rheyna, als würde sie die Worte ihres Reiters verstärken, drehte sich so, dass sie direkt vor Phoebe stand. Die Luft um sie herum schien sich augenblicklich zu verdunkeln, als sich bedrohliche Schatten über den Boden ausbreiteten und den etwas kleineren Feuerdrachen wie ein Mantel der Finsternis umgaben. Rheynas Flügel zuckten leicht, und aus ihrem Maul quoll schwarzer Rauch, der in unregelmäßigen, tiefen Schwaden aufstieg. Die messerscharfen Zähne des riesigen schwarzen Drachen gaben den Rauch frei, und jedes Mal, wenn sie die Zähne minimal auseinanderzog, klang es, als würde sich ein Sturm anbahnen. Rheynas goldschwarze Augen nagelten Phoebe fest. Die Dominanz des schwarzen Drachen, schien fast einen körperlich zu erdrücken. Rheyna ließ nun einen leisen, unheilvollen Knurrton hören, während der Rauch aus ihren Nüstern wirbelte und Phoebe beinahe in einer Wolke aus Schatten und Feuer umhüllte. Sie jedoch nicht berührte. Sonst würden sie nicht nur erblinden, sondern ihre Verbindung von Valerian und Phoebe außer Gefecht setzen. Lucan war nicht fertig. „Du denkst, das ist alles ein Spiel?“ Seine Stimme war jetzt lauter, und sein Blick schien Valerian zu durchbohren. „Du hast dich nicht nur selbst in Gefahr gebracht, sondern das gesamte Geschwader in Misskredit gezogen. Ich werde nicht zulassen, dass ein weiterer Vorfall dieser Art passiert. Verstehst du das? Du wirst diese Lektion nicht so schnell vergessen.“ Lucan lehnte sich leicht vor, seine Präsenz noch bedrohlicher. „Für den Rest der Woche wirst du unter meiner Aufsicht jeden Trainingslauf der Rekruten begleiten. Du wirst sehen, was es bedeutet, Verantwortung zu tragen, und du wirst persönlich sicherstellen, dass nichts Vergleichbares je wieder vorkommt.“ Lucan gab Rheyna einen sanften Druck seiner Oberschenkel und der schwarze Rauch zog sich schlagartig zurück und Rheyna lockerte sich, behielt aber Phoebe im Auge. Der Feuerdrache brauchte nicht mehr Drohung erfahren. Drachen untereinander erahnen die Fähigkeit eines anderen Drachen.
      „Haben wir uns verstanden?“ fragte Lucan, diesmal mit einer eisigen Ruhe, die fast schlimmer war als seine vorherige Wut.
      „Du bist ein Drachenreiter, Valerian. Benimm dich wie einer.“


      Lora Ashford

      Lora spürte den sanften Rhythmus ihres Wasserdrachen unter sich, der elegant durch die Luft glitt. Sie fühlte sich stark und in perfekter Harmonie mit ihrem neuen Gefährten. In der Ferne war die majestätische Silhouette der Akademie bereits zu erkennen, als plötzlich eine spürbare Spannung in der Luft lag. Sie beobachtete hinter sich, wie der schwarze Drache ihres Bruders Valerian abdrängte und ihr Gesicht verzog sich zu einer Grimasse. Es tat ihr leid, wie knallhart ihr Bruder sein kann aber widmete sich ihrem Drachen wieder.
      "Alles in Ordnung? Wieso fühlst du dich so bedrückt" fragte ihr Drache. Ein Lächeln begann sich auf ihre Lippen auszubreiten. Seine innere Stimme gab ihr sofort eine wohliges Gefühl und sie drückte sich näher an ihn hinunter. "Alles gut, wie heißt du eigentlich?" fragte sie und er kicherte dabei vibrierte sein Körper. "Nyxios" antwortete dieser und Loras Lächeln wurde breiter. "Das ist eins schöner Name für einen Wasserdrachen" stellte sie fest.

      Als sie ankamen, reihten sie sich ein und Lora stellte fest, dass Nyxios noch ein junger Drache war von seiner Größe.
      "Nur weil ich etwas kleiner bin, heißt es nicht, dass wir nicht kraftvoll sind" lachte er. Moment, lachte er sie aus?
      "Noch so unwissend" er sah seitlich zu ihr. "Über Wasserdrachen gibt es ja auch nicht all zu viel zu lesen" schnaubte sie empört.
      Obwohl die Sonne schon untergegangen war, spürte sie einen großen Schatten über sich gleiten gefolgt von dem Feuerdrachen. Keine Kampfspuren stellte sie bei dem Feuerdrachen fest und war faszieniert, wie klar ihre Sicht war und wie weit ihr Blick ging. "Sehe ich mit deinen Augen?" fragte sie obwohl sie es schon wusste. Die Lichter die aus loderndem Feuer bestand gingen an und die alle Blicke wanderten hinauf zum Leiter. Die altehrwürdigen Mauern der Akademie ragten stolz in den Himmel, während die Drachen mit ihren neuen Reitern am Platz standen. Lucan stand mit verschränkten Armen neben Rheyna, die majestätisch und wachsam auf das Geschehen blickte. Der Akademieleiter, ein älterer Mann mit scharfem Blick und tiefer, resonanter Stimme, trat vor die versammelten Kadetten. Seine Präsenz füllte den Platz, und alle Gespräche verstummten augenblicklich. Neben ihm stand sein eigener Drache, ein gewaltiges Wesen mit grünen Schuppen, dieser sieht jedoch schon sehr alt aus. „Kadetten!“ begann der Leiter, seine Stimme schneidend und doch mit einer autoritären Ruhe. „Ihr seid heute hierher gekommen, um die nächsten Schritte auf eurem Weg zu wahren Drachenreitern zu gehen. Was ihr bis jetzt gelernt habt, war nur der Anfang. Ab jetzt werdet ihr lernen, was es wirklich bedeutet, Verantwortung zu tragen – für euren Drachen, für eure Kameraden und für euch selbst.“ Er machte eine kurze Pause, während sein Blick durch die Reihen glitt, jeden Einzelnen eindringlich musternd. „Ihr werdet kämpfen, ihr werdet leiden, und einige von euch werden scheitern sogar sterben. Doch diejenigen, die stark genug sind, die diszipliniert genug sind, werden wahre Drachenreiter werden. Aber das erfordert mehr als Mut. Es erfordert Verständnis, Entschlossenheit und die Fähigkeit, im Angesicht der größten Gefahr ruhig zu bleiben.“ Ein Raunen ging durch die Menge, die Anspannung unter den Kadetten war spürbar. Lora hatte diesen Moment erwartet, und auch Nyxios wirkte fokussiert, als ob er genau wüsste, was von ihm verlangt würde. „Ab heute werdet ihr in zwei Quadranten aufgeteilt,“ fuhr der Akademieleiter fort und seine Stimme nahm einen offiziellen Ton an. „Der erste Quadrant wird sich auf die Ausbildung in den Bergen konzentrieren. Dort werdet ihr lernen, in unwegsamem Gelände zu überleben und zu kämpfen. Der zweite Quadrant wird über die Küsten wachen, um die nahenden Stürme zu meistern und die Unruhe des Meeres zu zähmen. Jeder Quadrant hat seine eigenen Herausforderungen, doch beide dienen einem größeren Zweck: euch darauf vorzubereiten, euer Leben für die Verteidigung unseres Reiches zu riskieren. Mister Ashford sowie die ihm unterstellt sind, wird mit ihnen morgen alles durchgehen und nun wünsche ich ihnen ein herzliches Willkommen in unserer Akademie."
      Alle neuen Rekruten jubelten auf und klatschten. Lora fasste sich schmerzhaft an ihre linke Brust-Schulter höhe. Sie zog ihr Oberteil zur Seite und ein Brandmal des Quadranten der Küste, das umringt wurde von ihrem blau-lilanem Drachen zierte ihre Haut. Sie war also logischerweise im Küstenquadranten.
      „Schreibe kurz – und sie werden es lesen.
      Schreibe klar – und sie werden es verstehen.
      Schreibe bildhaft – und sie werden es im Gedächtnis behalten.“
      – Joseph Pulitzer

    • Valerian Drakemont

      Noch bevor der übermütige Drachenreiter vollständig von Phoebe abgesessen war, spürte er bereits Lucans eisige Präsenz über ihm schweben wie eine drohende Wolke. Er wusste, dass er eine Standpauke bekommen würde – er hatte sich schließlich keinen Freund gemacht mit seinem kleinen Stunt.
      Okay, zugegeben- vielleicht hätte er die Standpauke auch verdient, aber ein Satz traf ihn wie ein Schlag in die Magengrube.
      "Wer weiß, vielleicht wären dann heute nicht so viele gestorben."
      Der Satz hallte in seinem Kopf wider, während Lucan weiter sprach, doch Valerian hörte kaum noch zu. Der Kommentar traf ihn direkt ins Mark. Tote? Wegen ihm? Er hätte jemanden in Gefahr gebracht? Die Wut stieg in ihm auf, heiß und unerbittlich, wie das Feuer von Phoebe, das tief in ihrem Inneren brodelte.
      Er wollte widersprechen, wollte erklären, dass niemand in ernsthafter Gefahr gewesen war. Ja, sein Streich war vielleicht nicht unbedingt sehr erwachsen gewesen, aber die Rekruten mussten verstehen, mit welcher Macht sie es zu tun hatten.
      Wie viele von ihnen waren diese Prüfung angetreten, ohne vorher jemals einen echten Drachen gesehen zu haben? Hätten sie nicht gewusst, wie gefährlich ein Drache wirklich war, hätten sie die Prüfung vielleicht sogar mit einem falschen Gefühl von Sicherheit angetreten – und dann? Dann wären sie wirklich gestorben.
      Der Rothaarige biss die Zähne zusammen, als Lucan weiterredete, ihn mit Vorwürfen überschüttete, die ihn immer weiter in den Boden drückten. Er wusste, dass er nichts sagen konnte, das den Befehlshaber umstimmen würde. Lucan ließ ihm nicht einmal den Raum für eine Erwiderung. Die ständige Dominanz Rheynas, die bedrohliche Aura des gewaltigen Drachen, verstärkte nur Lucans Worte. Valerian konnte den Druck in seiner Brust spüren, als ob Rheyna selbst mit ihrem Gewicht auf ihm lastete.
      Er ließ Lucans Vorwürfe über sich ergehen, obwohl sein ganzer Körper angespannt war vor Wut.
      Wie konnte Lucan es wagen, ihm den Tod der Rekruten anzulasten? Die Listen hatte er selbst gesehen. Es gab keine höhere Zahl von Toten als in den Vorjahren. Es war eine gefährliche Prüfung, das wusste jeder. Einige würden es nicht schaffen – so war es immer gewesen.
      Aber zu behaupten, dass er dafür verantwortlich war? Das war eine Lüge. Eine ungerechte Anschuldigung, die ihm in der Brust brannte.
      Es gab vieles was man ihm vorwerfen konnte, das stimmte. Und die meisten Vorwürfe nahm er auch konstruktiv an ohne sie abzustreiten. Aber nicht die Schuldzuweisung über Tote die er nicht zu verantworten hatte.
      Er nahm den Rest von Lucans Tadel still hin, die Kälte in dessen Stimme, die Schwere der Verantwortung, die ihm auferlegt wurde. Für den Rest der Woche würde er unter Lucans Aufsicht stehen, jede Trainingsrunde begleiten. Es war eine Strafe, die er akzeptierte, ja vielleicht auch verdiente, das sah er ein, aber seine Gedanken kreisten nur um diesen einen Satz. "Vielleicht wären dann heute nicht so viele gestorben."
      Lucan war fertig. Rheyna ließ Phoebe schließlich in Ruhe, und die Luft um sie herum entspannte sich ein wenig, als der Schattendrache sich abwandte und Lucan ihm folgte. Valerian atmete tief durch, versuchte die Wut hinunterzuschlucken, die in ihm tobte.
      Phoebe, die die ganze Zeit über ruhig geblieben war, schnaubte leise, und in Valerians Geist formte sich eine sanfte, telepathische Verbindung. "Er hat nicht mit allem recht, du weißt das, oder?" Phoebes Gedanken waren beruhigend, wie eine warme Umarmung nach einem harten Tag.
      Valerian nickte kaum merklich, seine Hände um die Zügel immer noch angespannt. "Es war vielleicht unüberlegt und alles andere als professionell, ja… aber ich wollte sie warnen. Sie glauben, sie wissen, was Drachen sind, aber sie wissen nichts. Ich wusste damals auch nichts, bevor du mich gefunden hast. Es hätte mich fast das Leben gekostet. Ich wollte, dass sie es verstehen, bevor es zu spät ist." Seine Gedanken klangen bitter, doch Phoebe blieb ruhig, ihre Präsenz wie ein Anker in dem Sturm seiner Gefühle.
      "Lucan… er sieht nur die Gefahr. Er ist…" Phoebes Gedanken schwebten kurz, als sie nach den richtigen Worten suchte. "...besorgt. Er will nur, dass alle sicher sind."
      Valerian seufzte. "Ich weiß." Er schüttelte den Kopf und richtete seinen Blick auf den Horizont, wo die anderen Drachenreiter bereits in die Ferne schwebten. Er würde seine Strafe hinnehmen. Es gab nichts, was er dagegen tun konnte. Doch Lucans Worte hatten sich tief in sein Herz gebohrt, und die Wut darüber würde ihn noch lange begleiten.
      "Es wird sich klären." Phoebes Zuversicht war beruhigend, und Valerian spürte, wie ein Teil seines Zorns langsam verebbte. Doch ganz verschwinden würde er nicht.
      "Und jetzt hör auf so nachtragend zu sein!"






      Aria Frostwraith

      Die junge Rekrutin atmete schwer, als sie sich vom Rücken des riesigen Eisdrachen herabließ. Ihr Körper zitterte vor Erschöpfung, und der pochende Schmerz in ihren Fingern und Muskeln ermahnte sie, wie nahe sie daran gewesen war, den Kampf zu verlieren. Doch als sie sich endlich auf den Boden setzte, spürte sie nicht nur den harten Felsen unter ihren Knien, sondern auch eine seltsame Präsenz in ihrem Kopf.
      "Nicht schlecht für einen Menschen," ertönte eine tiefe, leicht amüsierte Stimme in ihrem Geist.
      Aria zuckte heftig zusammen, als hätte der Drache tatsächlich laut gesprochen, obwohl sie sicher war, dass sein Maul geschlossen war. Ihr Herz raste, als sie hastig um sich blickte. "Was…? Wer…?" Ihre Gedanken wirbelten durcheinander. Dann erkannte sie, dass die Stimme direkt in ihrem Kopf sprach – als wäre sie ein Teil von ihr.
      "Ich bin es", sagte der Drache erneut, diesmal mit einem leisen, brummenden Lachen. "Ich nehme an, das ist deine erste Erfahrung mit der telepathischen Verbindung. Keine Sorge, es wird bald zur Gewohnheit."
      "Telepathische Verbindung?" Aria brauchte einen Moment, um das zu verarbeiten. Sie hatte Geschichten über die Drachenreiter gehört, über ihre unglaubliche Verbindung zu ihren Drachen. Doch jetzt, da sie es selbst erlebte, war es schwer zu glauben. "Du kannst… in meinem Kopf sprechen?"
      "Zwischen einem Drachen und seinem Reiter besteht ein Band," erklärte er nüchtern, als wäre es das Selbstverständlichste der Welt. "Unsere Gedanken sind miteinander verbunden. Du kannst mich hören, und ich dich. Es gibt keine Geheimnisse zwischen uns."
      Aria schluckte schwer, ihre Gedanken rasten immer noch. "Also… sind wir jetzt… gebunden?" Sie sah den mächtigen Drachen vor sich, seine eisigen Schuppen glitzerten im fahlen Licht, und die Kälte, die von ihm ausging, war spürbar, auch wenn sie ihn nicht mehr berührte.
      "Ja," sagte der Drache, seine Stimme war ruhig und beinahe beruhigend. "Ich habe dich gewählt, und du hast mich akzeptiert. Von nun an sind wir eins."
      Eine seltsame Mischung aus Stolz und Ehrfurcht durchflutete Aria. Sie hatte es geschafft. Sie hatte eine Bindung zu einem Drachen aufgebaut. Doch bevor sie weiter darüber nachdenken konnte, unterbrach der Drache sie erneut. "Mein Name ist Fen’ryx. Ich bin ein Eisdrache, wie du sicher schon bemerkt hast."
      "Fen’ryx," wiederholte Aria leise, als wollte sie den Namen auskosten. "Ich bin Aria."
      "Das weiß ich." Fen’ryx klang beinahe belustigt. "Und jetzt sollten wir uns auf den Weg machen. Die Akademie wartet."
      Aria nickte, auch wenn sie sich immer noch etwas überrumpelt fühlte. "Wie… fliege ich mit dir?"
      "Setz dich einfach wieder auf meinen Rücken. Halte dich fest. Der Rest… wird sich ergeben."
      Unsicher kletterte sie erneut auf Fen’ryx' Rücken und spürte die kühle Glätte seiner Schuppen unter ihren Händen. Als sie saß, streckte der Drache seine gewaltigen Flügel aus und erhob sich in die Luft. Der Wind peitschte ihr entgegen, und für einen Moment fühlte sie sich wie ein Blatt im Sturm. Doch als Fen’ryx stabiler wurde, begann Aria, den Flug zu genießen. Es war ein völlig anderes Gefühl als wenige Minuten zuvor, als sie um ihr Leben bangen musste.
      "Du bist gut darin, dich anzupassen," bemerkte Fen’ryx. "Wenigstens etwas."
      "Hey! Ich bin doch nicht ganz so schlecht," konterte Aria, doch sie konnte das Lächeln in ihrer Stimme nicht verbergen.
      "Als Eisdrache bin ich in kalten und unwirtlichen Umgebungen am stärksten," fuhr Fen’ryx fort, als er mühelos durch die Wolken glitt. "Kälte ist meine Verbündete, und meine Fähigkeiten sind darauf ausgerichtet, Eis und Schnee zu manipulieren."
      "Das habe ich gemerkt," murmelte Aria, erinnerte sich an den Boden, der unter ihr von Eiskristallen überzogen gewesen war und ihr um ein Haar den Garaus gemacht hätte.
      Der Flug zur Akademie dauerte nicht lange. Schon bald tauchte die imposante Silhouette der Akademie vor ihnen auf, majestätisch gegen den orangefarbenen Himmel des Sonnenuntergangs. Andere Drachen und ihre Reiter versammelten sich bereits auf dem großen Platz. Fen’ryx landete mit einem eleganten Schwung, seine riesigen Flügel streckten sich, bevor er sie zusammenfaltete.
      Aria beobachtete die anderen Rekruten, die ebenfalls gelandet waren. Viele schienen erleichtert, erschöpft, aber auch stolz. Einige Drachen sahen beeindruckend groß und kräftig aus, andere eher schlank und wendig. Allesamt mit einem anderen farbenfrohem Schuppenkleid, und einige wenige besaßen sogar Federn, so wie der Feuerdrache, den sie zu beginn der Prüfung am Himmel gesehen hatten.
      Urgh, Feuerdrachen.” Erklang es in ihrem Kopf.
      “Du magst keine Feuerdrachen?” Fragte sie überrascht.
      Es ist nichts persönliches… eher eine elementare Inkompatibilität.” erläuterte Fen'ryx näher. Bei näherer Überlegung machte es auch irgendwo Sinn, dass Feuer und Eis eine eher gegensätzliche Kombination darstellen.
      Als der Akademieleiter seine Rede begann, richtete Aria ihre volle Aufmerksamkeit auf ihn. Seine Worte hallten auf dem Platz wider, und sie spürte die Anspannung der anderen Rekruten. Der Gedanke an den bevorstehenden Kampf und die Gefahr brachte ihre Nerven zum Vibrieren.
      "Die Quadranten..." flüsterte Aria, als der Akademieleiter die Aufteilung verkündete. Ihr Herz klopfte schneller. Sie hoffte insgeheim, dass sie in den Bergquadranten eingeteilt werden würde. Die Berge waren ihr Zuhause, sie kannte das Terrain besser als jeder andere Ort. Dort würde sie sich sicher fühlen.
      Doch dann spürte sie plötzlich ein brennendes Ziehen an ihrer Schulter. "Aah!" Sie zuckte zusammen und griff reflexartig dorthin. Unter ihrer Kleidung fühlte sie die erhitzte Haut, als ein seltsames Zeichen sich in ihr Fleisch brannte. Sie sah um sich und bemerkte, dass viele andere Rekruten ähnliche Schmerzen verspürten und ihre Malen untersuchten.
      Mit zitternden Fingern zog Aria ihr Oberteil zur Seite und entdeckte das Zeichen des Küstenquadranten. Ihr Herz sackte in die Tiefe. "Nicht die Küste…" murmelte sie enttäuscht. Sie hatte gehofft, in den Bergen zu bleiben, wo sie sich auskannte. Das raue Meer und die stürmischen Küsten waren das genaue Gegenteil dessen, was sie sich gewünscht hatte.
      "Es wäre doch langweilig gewesen, wenn du mit Heimvorteil gespielt hättest," erklang Fen’ryx' Stimme sanft in ihrem Kopf. "Nur in unbekannten Gewässern wirst du wachsen. Die Herausforderung wird dich stärker machen."
      Aria atmete tief durch und versuchte, ihre Enttäuschung beiseitezuschieben. Vielleicht hatte Fen’ryx recht. "Du hast ja leicht reden," murmelte sie gedanklich zurück, doch ein Hauch von Dankbarkeit lag in ihren Worten.
      In the midst of chaos
      there is also opportunity
    • Rina Anora:

      Die Meisterin strich über den Hals des Sturmdrachens. Nein sie besitzt Tarija nicht. Sie sind eine Einheit. Gleichberechtigt. Niemand besitzt den jeweils anderen. Das war auch gut so. Denn als Einheit werden sie besser agieren können. Rina weiß, dass sie einiges von dem Drachen lernen kann. Und Tarija weiß auch, dass sie etwas von Rina lernen kann. Eine Symbiose zwischen ihn beiden. Ihre Meister hätten es Transendenz bezeichnet. Sie selbst hat kein Wort dafür. Sie stand neben einer jungen Frau mit schwarzen Haaren und einem Frostdrachen an ihrer Seite. Rina hörte die Worte des Leiters und spürte dann, wie sich ein Mal auf ihre Haut brannte. Damit war sie nun endgültig ein Mitglied der Drachenreiter. Aber sie ist auch eine Meisterin ihres Ordens. Sie sah zu der frau mit dem Frostdrachen. Sie hat das gleiche Symbol für den Küstenquadranten. Also sind sie Kameraden. Sie sah Aria an. "Dann sind wir in der gleichen Einheit. Rina Adora. ich freue mich euch kennen zu lernen." sprach sie höflich und respektvoll. Dann sie, wie eine Frau mit einem kleinen grünen Drache auf der Schulter sich neben den Leiter stellte. Sie schien zu warten bis der Leiter fertig war. Da wird noch was kommen. Das wusste sie. Sie spürte es förmlich. Die Ausbildung hat schon begonnen und obwohl sie einen Drachen hat, so fehlt ihr jegliches Wissen. Sie hatte den Blick von Aria gesehen. "Seht es als Prüfung an. Eine Prüfung um stärker zu werden. Mein Großmeister hat immer wieder gesagt, dass uns nicht die Dinge weiter voranbringen, die wir schon können und einfach für uns sind. Es sind die schweren Prüfungen, die wir meistern werden." meinte sie ehrlich. Das Problem bei der Ausbildung im Kloster war, dass sie keine sozialen Interaktionen gelernt hat. Das hatte schon für einige Probleme geführt.

      Delia Mondsilber:

      Delia sah Harlow an. Ja er wird noch Zeit brauchen. Der Mensch Harlow ist ein wichtiger teil vom Ersten Offizier Harlow. Sie vertraute ihm und seiner Arbeit. Die Erfahrung, die er damals gemacht hat, hat sein Leben verändert. Jeder geht damit ganz anders um. Sowas verändert Menschen. Auch sie hat ihre Erfahrungen gemacht und auch sie stand davor alles hinzuwerfen. Aber sie hat sich gesagt, dass sie daraus lernen kann. Sie kann daraus lernen eine bessere Reiterin zu werden. Und sie hat gelernt. Sonst wäre sie nicht hier. Sie hat gelernt und zugehört. Viele Stunden der Zwiegespräche mit der Natur. Viele Gespräche mit ihrer Frau und ihrem Drachen. Aber sie hat auch mit Lucan bei einer Partie Schach gesprochen. "Hör zu. Wir arbeiten schon sehr lange zusammen. Es ist an der zeit, dass du mich Delia nennst, Harlow. Nein. Die Befehlskette und die Hierachie wird nicht unterbrochen. Wenn ich dir einen Rat geben darf. Lerne aus den Erfahrungen, die du gemacht hast. Wir wissen nicht, was die Zukunft bringt, aber ich glaube an dich, dass du ein guter Anführer sein wirst." Freundlich legte sie eine Hand auf seine Schulter. "Und meine Frau lädt dich zum essen ein, wenn wir wieder zusammen Dienstfrei haben. Dich und dein Drachen." meinte sie grinsend. "Und denke nicht daran abzulehnen." mit diesen Worten verabschiedete sie sich. Sie vertraute Harlow, dass er sich darum kümmert, dass Valerian die Tränke alleine einsortiert und die Inventur macht. Sie vertraute Harlow. Karana lag wie ein kleiner Drache auf ihren Schultern, als sie sich neben den Leiter stellte und geduldig wartete. Sie war gekleidet, als ob sie nicht dazu gehören würde, aber das war ihr egal. Sie hat sich das Recht erworben sich so zu kleiden, wie sie will. Wenn sie tragen kann, was sie will, dann kann sie am besten Arbeiten. Als der Leiter fertig war und sie das Wort eröffnen konnte trat sie vor. Sollen die Frischlinge denken, dass sie nur einen kleinen Drachen als Partner hat. Das war ihr egal. "ich bin Staffelführerin Mondsilber. Einige wenige dürfen mich mit Vornamen anreden. Aber dieses recht muss man sich bei mir verdienen. Mehr müsst ihr im Moment auch nicht wissen. Was ihr aber wissen müsst ist, ihr werdet demnächst eine kleine Übung unter meiner Leitung absolvieren werdet. Bis dahin lernt die Festung und das leben hier kennen. Beginnt mit eurem Training. Lernt euren Drachen besser kennen. Wir brauchen euch mit voller Leistung."



      Die Familie Takamachi

      Niedlich *Q* Niedlich *Q* Niedlich *Q*

    • Chanakra "Chana" Tineshra

      Wie sie feststellen musste, war es gar nicht so einfach sich auf dem Rücken des grauen Schuppentieres unter ihr zu halten. Zwar saß Chana in einer praktischen Kuhle direkt hinter den breiten Schultern und spannte die trainierten Oberschenkel kräftig an, rutschte aber dennoch bei jeder Beschleunigung und jeder Kurve beinahe herunter. Hin und wieder sah sie den Drachen zu sich schielen und wenn sie es nicht besser gewusst hatte, hätte sie schwören können einen genugtuenden Glanz in den riesigen, hellgrauen Augen zu erkennen.

      An deinem Sitzfleisch musst du noch arbeiten.“, ertönte dann eine Stimme – inihrem Kopf! Chana wusste um die die telepathischen Fähigkeiten der Drachen, nichtsdestotrotz zuckte sie unwillkürlich zusammen. „Und scheinbar auch an deiner Resilienz.“ Die hochgewachsene Kämpferin zog empört die Luft ein. „Ich bin total resilient, du einfältige Ech-“ Plötzlich kippte die Welt blitzschnell zur Seite, den Bruchteil einer Sekunde stand sie Kopf und Chana spürte wie ihr Körper sich von dem des Drachen lösten. Panisch versuchte sie Halt an den schiefergrauen Schuppen zu finden, doch da saß sie auch schon wieder aufrecht. Scheinbar hatte sich das Tier gerade noch rechtzeitig wieder in aufrechte Position gebracht. Was sollte das? Beinahe wäre sie in den sicheren Tod gestürzt. Und das nachdem ihre Prüfung bereits bestanden hatte. „Vorsicht, Mädchen. Sonst wird die einfältige Echse dich schneller wieder los, als dir lieb ist.“
      Angekommen. Zumindest für den Moment. Missmutig starrte sie gerade aus. „Mein Name ist übrigens Faenphaele, du darfst mich Faen nennen – nicht, dass du gefragt hättest.“ Täuschte Chana sich, oder hörte sie da einen Anflug von Kränkung in der rauchigen Sturmdrachenstimme?

      Sie hatte keine Zeit genauer darüber nachzudenken. Als eins der letzten Teams erreichten sie den weiträumigen Vorplatz der Akademie. Es war wirklich ein beeindruckender Anblick, so viele unterschiedliche Drachen auf einem Fleck. Sie und ihre neue.. Gefährtin fanden einen leeren Fleck inmitten all der anderen Kadetten.
      Mehr schlecht als recht, rutschte Chana nach der Landung von Faens Rücken und landete ungelenk und hart auf ihren eigenen beiden Beinen. Die zitterten vor Anstrengung, aber sie riss sich zusammen und schaffte es, das Beben ihrer Muskeln zu unterdrücken.
      Ringsherum entzündeten sich die feurigen Lichter und warfen ein warmes Licht auf die Umstehenden. Vor ihnen machte sich nun ein älterer Mann, begleitet von einem riesigen, grünen Drachen vor sie - Der Leiter der Akademie. Ohne Probleme durchschnitt seine Stimme die kühle Abendluft. Er sprach von Verständnis, Entschlossenheit und Gefahren, dem Tod. Nichts neues. Sie alle kannten das Risiko. Zumindest sollten sie das, wenn sie sich für dieses Leben bereit erklärten.
      Dann aber wurde es interessant. Er verkündete, dass man sie – die neuen Reiter – auf zwei Quadranten verteilen würde.

      Fast zeitgleich krümmten sich die aufgereihten Kadetten, sie selbst inklusive, als ein brennender Schmerz auf ihrer Haut entfachte. Bei Chana lokalisierte sich das heiße Ziehen auf ihrer linken Schulter. Dort zeichnete sich nun das Brandmal des Bergquadranten ab und ein darum gewundener, dunkler Drache, dessen Gestalt sich bis auf ihren Oberkörper erstreckte. Der Bergquadrant also – Überleben und Kampf, genau nach ihrem Geschmack. Sie spürte den Faens kühlen Blick auf sich, fast als wolle sie sagen „Freu dich nicht zu früh.“.



      Harlow Brix

      Er hatte sich schon fast zum Gehen gewandt, als die resolute Staffelführerin erneut das Wort an ihn richtete. Er schmunzelte ob ihrer direkten Art. Es war nicht das erste Mal, dass Sie ihn darum bat Sie beim Vornamen zu nennen, doch Harlow hatte es bisher nicht so recht geschafft sich damit anzufreunden. Natürlich hatte sie recht, sie kannten sich schon eine gefühlte Ewigkeit und sie war eine der wenigen, die um die Tragik in seinem Lebenslauf wussten – und ihm dennoch fair und respektvoll gegenüber trat. Das verband sie auf eine spezielle Art und Weise und das wusste der erste Offizier zu schätzen.
      Trotzdem fror er einen Moment lang ein, als Mondsilber ihm, in dem Versuch ihm Mut zu machen, eine gute Prognose für ein Dasein als Anführer aussprach. Glücklicherweise wechselte sie aber sofort wieder das Thema und lud Elyx und ihn zum Abendessen ein. Er kam nicht einmal dazu die Hände in höflicher Ablehnung zu heben, sie hatte ihn schon durchschaut und mit einem wissenden „Denk nicht mal daran.“ entwaffnet. Das Schmunzeln auf Harlows Zügen wurde breiter, als er sich ergab. „Natürlich nicht, Staffelfü- ähem.. Delia, ich würde nicht im Traum daran denken abzulehnen.“ Und damit neigte er leicht den Kopf, und drehte dann ab, um sich auf die Suche nach dem heutigen Tu-nicht-gut zu machen.

      Er fand Valerian am Boden, noch auf dem Rücken seines Drachen sitzend und mit einem schrecklich niedergeschlagenen Gesichtsausdruck. Offensichtlich waren Harlow und Elyx nicht die ersten Vorboten, der Konsequenzen seines Handelns. Er hatte Mitleid mit dem jungen, vor Elan strotzenden Reiter, aber er wusste selbst am Besten, dass Valerian seine Lektion lernen musste.

      „Ich will nicht noch mehr Salz in die Wunde streuen,“, rief er dem Rotschopf und seiner feurigen Begleitung zu, als sie näher kamen. „aber Staffelführerin Mondsilber hat mich gebeten, dafür Sorge zu tragen, dass du dich um Inventur und Verräumung der neuen Ladung kümmerst.“Als kleinen Ausgleich für deinen Leichtsinn., hätte er beinahe noch angehangen. Doch Valerian machte im Moment nicht den Eindruck, als könnte er einen weiteren Seitenhieb gebrauchen. Wer auch immer ihm zuvor gekommen war, schien ihm ordentlich ins Gewissen geredet zu haben. Und Harlow konnte sich nur zu gut vorstellen, um wen es sich dabei gehandelt hatte. „Unser Geschwaderführer ist ziemlich direkt, was?“

      "Dreck an den Schuh'n und Freiheit im Haar -
      Dir eil'n Gerüchte voraus, Flüche dir nach."

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    • Valerian Drakemont
      Der Rotschopf hob den Kopf, als Harlows Stimme ihn erreichte, und richtete sich langsam auf. Phoebe schnaubte leicht, die feinen, goldenen Flammenzungen, die an ihren Nüstern tanzten, spiegelten die Spannung ihres Reiters wider. Der feurige Drache war sensibel für seine Emotionen, und im Moment brodelte es in Valerian wie die Magmakammer eines Vulkans.
      Er strich eine seiner glühenden Haarsträhnen zurück und musterte Harlow mit verschränkten Armen. Die Worte des Offiziers drangen zu ihm durch, doch er hielt inne, bevor er antwortete. Einen Moment lang sah es so aus, als würde er einfach nichts sagen. Doch in seinem Inneren tobte ein Sturm. Lucans Vorwürfe hallten noch immer in seinem Kopf wider, und er hatte das Gefühl, jede Bewegung, jede Bemerkung könnte ihn endgültig in Flammen aufgehen lassen.
      Er atmete einmal tief durch.
      „Inventur, hm?“ Seine Stimme war ruhig, fast beiläufig, doch wer Valerian kannte, spürte die Schärfe, die darunter lauerte. Seine goldgrünen Augen, die fast so hell leuchteten wie Phoebes Flammen, richteten sich direkt auf Harlow. „Warum nicht? Immerhin habe ich gerade ohnehin nichts zu tun.“
      Er ließ die Arme sinken und wandte sich abrupt von Harlow ab, um Phoebes Flügel zu prüfen. Seine Berührungen waren mechanisch, fast distanziert, während er die goldenen Federn durchfuhr. Phoebe wandte leicht den Kopf, und ihre bernsteinfarbenen Augen fixierten ihn, bevor ein leises Brummen aus ihrer Brust drang – ein Geräusch, das nur er wirklich verstand. ‘Beruhige dich
      Aber seine Wut war noch zu frisch. Andererseits jedoch… war es auch nicht fair gegenüber Harlow, diese an ihm auszulassen, obwohl er gerade offensichtlich versuchte, die Wogen zu glätten.
      „Direkt?“ wiederholte er schließlich und lachte trocken, ohne Harlow dabei anzusehen. Seine Augen waren auf den Horizont gerichtet, wo Lucan und Rheyna längst verschwunden waren. „Das ist eine interessante Umschreibung. Ich würde es eher 'vernichtend' nennen.“ Dabei klang er schon beinahe amüsiert.
      Nach einem Moment, in dem nur das entfernte Rascheln von Flügeln zu hören war, drehte er sich zu seinem Offizier zurück, sichtlich entspannter als zuvor. „Ich kümmere mich sofort um die Verräumung. Staffelführerin Mondsilber soll wissen, dass ich mir meiner Fehler bewusst bin.“ Seine Stimme enthielt noch einen hauch Sarkasmus, doch er hielt sich zurück, seine Frustration nicht an den anderen raus zu lassen. ‘Reiß dich zusammen, Valerian.’ Der Befehl in seinem eigenen Kopf klang eindringlicher als Lucans Drohungen.
      Damit drehte er sich ab, strich Phoebe sanft über den Hals, und setzte sich entschlossen in Bewegung. Jeder Schritt, den er machte, ließ das Gras unter seinen Stiefeln wie verbrannt aussehen, als würde seine Hitze selbst den Boden beeinflussen.
      Sein Drache folgte ihm, ihre massiven Schritte in perfektem Einklang mit seinem entschlossenen Gang. Valerian war nicht gebrochen. Aber die Risse in seiner Fassade waren deutlich, wie der Schatten, den Phoebe und er über den Kies warfen.



      Aria Frostwraith

      Aria betrachtete die Frau, die sich als Rina Adora vorgestellt hatte. Die Worte, die Rina gewählt hatte, sollten offensichtlich Trost spenden, doch sie trafen Aria wie ein kalter Windstoß. Prüfungen, Schwierigkeiten, die sie überwinden musste – das war etwas, das sie zur Genüge kannte. Ihr Leben in den eisigen Bergen hatte ihr wenig geschenkt und alles abverlangt. Doch trotz ihrer harten Schale fühlte sie einen Funken Dankbarkeit für den Versuch, sie aufzumuntern.
      "Es ist... eine interessante Perspektive," sagte Aria schließlich, ihre Stimme ruhig, aber leicht distanziert. Sie blickte Rina direkt an, ihre dunklen Augen funkelten wie schwarzes Glas im Dämmerlicht. "Vielleicht habt Ihr recht. Prüfungen formen uns." Sie streckte ihre Hand aus. "Aria Frostwraith. Es scheint, wir werden einander öfter sehen."
      Die beiden Frauen tauschten einen kurzen Händedruck aus. Aria bemerkte die Stärke in Rinas Griff, eine Ruhe, die von jahrelanger Disziplin zeugte. Sie respektierte das, auch wenn sie sich innerlich fragte, wie viele Prüfungen diese Frau wohl schon gemeistert hatte, um zu dieser Gelassenheit zu gelangen.
      Nach der Ansprache der Staffelführerin löste sich Aria von der Menge, ihre Schritte leise und bedacht, während sie den Hauptplatz der Akademie überquerte, dem Befehl der Staffelführerin folgend, das Gelände zu erkunden.
      Das Echo von Stimmen und das Rauschen der Drachenflügel hallten in der Luft wider, als sie zu dem Quartier geführt wurde, das sie nun ihr Zuhause nennen würde. Die Wände aus grob behauenen Steinen wirkten einschüchternd und kalt, doch Aria fühlte sich seltsam vertraut mit der schlichten Härte der Umgebung.
      Das Zimmer war klein, fast karg, mit einem schmalen Bett, einem einfachen Schreibtisch und einem einzigen Regal. An der Wand hing ein Haken für Ausrüstung, und ein kleiner Schrank stand in der Ecke. Es war nicht viel, doch Aria störte das nicht. Sie hatte ohnehin kaum etwas mitgebracht. Ihre Dolche legte sie sorgfältig auf den Schreibtisch, bevor sie ihren kleinen Beutel auf das Regal stellte. Er enthielt nur das Nötigste – ein paar Ersatzkleidungsstücke, ein handgeschriebenes Notizbuch und einen unscheinbaren Anhänger, ein Geschenk ihrer Mutter.
      Nachdem sie die wenigen Habseligkeiten verstaut hatte, ließ sie sich auf das Bett sinken. Die Matratze war hart, aber das störte sie nicht. Es war immer noch ein Luxus im Vergleich zu den Nächten, die sie auf rauem Fels oder gefrorenem Boden verbracht hatte. Doch trotz der körperlichen Erschöpfung konnte sie sich nicht ganz entspannen. Ihr Blick wanderte zur Tür, ihre Gedanken schweiften zu Fen’ryx. Der Flug mit ihm, das Gefühl der Schwerelosigkeit über den Wolken – es war etwas, das sie kaum erwarten konnte, erneut zu erleben.
      Kaum hatte dieser Gedanke Gestalt angenommen, erklang auch schon Fen’ryx’ Stimme in ihrem Geist, ruhig und klar wie ein winterlicher Morgen.
      "Geduld, kleine Jägerin. In den nächsten Tagen wirst du mehr Zeit in der Luft verbringen, als dir lieb ist. Nutze den festen Boden jetzt, um dich auszuruhen."
      Aria hob überrascht eine Augenbraue und schnaubte leise, doch sie konnte ein Lächeln nicht unterdrücken. "Du machst es dir einfach. Fliegen ist schließlich keine Anstrengung für dich."
      "Wahr. Doch du wirst die Wärme dieses Bettes vermissen, wenn wir unterwegs sind."
      Ein leises Lachen entkam ihr. Sie schüttelte den Kopf und ließ sich zurückfallen, die Hände hinter ihrem Kopf verschränkt. Fen’ryx’ pragmatische Logik war schwer zu widerlegen, auch wenn sie ein wenig ärgerlich darüber war, wie mühelos er ihre Gedanken lesen konnte.
      "Fein, ich bleibe. Aber du schuldest mir einen langen Flug, sobald wir die nächste Gelegenheit haben," murmelte sie, obwohl sie wusste, dass er es hörte.
      "Abgemacht. Doch jetzt ruhe dich aus. Morgen beginnt dein wahres Training."
      Aria atmete tief durch und schloss die Augen. Trotz der neuen Umgebung und der bevorstehenden Herausforderungen fühlte sie sich zum ersten Mal seit Langem nicht allein. Fen’ryx’ Präsenz in ihrem Geist war wie ein leises, beruhigendes Flüstern, das sie an die Kraft erinnerte, die in ihnen beiden schlummerte. Morgen würde ein neuer Tag beginnen, voller Prüfungen und Ungewissheiten. Aber diesmal würde sie sie nicht allein bewältigen.
      In the midst of chaos
      there is also opportunity
    • Harlow Brix

      Vernichtend - ja, da hatte der junge Reiter nicht ganz unrecht. Ihr Geschwaderführer war in der Tat aller andere als rücksichtsvoll oder nachsichtig. Seine Intentionen waren immer klar abgesteckt und seine Taten deutlich. Lucan Ashford machte keine halben Sachen. Und vermutlich war es genau das, was ihn zu einem so guten Anführer machte und zu einer tödlichen Waffe auf dem Schlachtfeld. Im Gefecht konnte ein leichtsinniger Fehler, ein Funke Selbstüberschätzung den Tod bedeuten. Harsche Worte und ein angekratztes Ego waren eine faire Konsequenz, wenn man bedachte, dass die Alternative eventuell der Verlust eines Lebens war.
      Darüber hinaus konnten sie alle froh sein, dass Ashford sich so gut im Griff hatte, auch wenn ihn das oft kalt und unbeteiligt wirken ließ, unnahbar. Harlow hatte unter mehr als einem der vorherigen Geschwaderführer gedient und feststellen müssen, dass nicht jeder die ihm erteilte Macht zugunsten seiner Leute nutzte. Harte Strafen, öffentliche Demütigungen und dergleichen waren keine Seltenheit gewesen. Ashford dagegen verhielt sich ihnen gegenüber streng, aber human. Und das wusste Harlow zu schätzen.

      Auf Valerians bittere Bemerkung hin, lächelte er nur wissend und blieb ansonsten still. Er konnte die innere Unruhe seines Gegenübers spüren. Es fühlte sich an, als würde seine Wut Wellen schlagen, die an der Schwelle zu Harlows Bewusstsein brachen wie die aufgewühlte See an einem Felsen. Der erfahrene Offizier spürte ein kribbeln in dem magischen Fluss, der ihn und Elyx miteinander verband. Wenn er wöllte, könnte er in Valerians Gefühlwelt eingreifen und seine emotionale Aufgebrachtheit etwas abschwächen. Doch er entschied sich dagegen. Es gab einen schmalen Grad zwischen Hilfestellung und Missbrauch seiner Fähigkeiten. Außerdem schien sich der Kadett mit Hilfe seines Drachen langsam zu fangen. Ein Eingreifen war also nicht von Nöten.

      "Ich werde es ihr ausrichten.", sagte Harlow zustimmend, während er den Bewegungen der beiden mit seinem Blick folgte. Erst als sie aus seinem Blickfeld verschwunden waren, wendete er seinen Blick ab und rutschte selbst von Elyx' Rücken. 'Komm', sagte er über ihre gedankliche Verbindung. 'Sehen wir uns unsere neuen Reiter an.' Sein Herzschlag beschleunigte sich. Er war weder während der Prüfung an sich, noch während der Willkommensansprache der erfolgreichen Kadetten dabei gewesen. Er wusste also noch nicht, wie viele es geschafft hatten und wer es geschafft hatte. Die ganze Zeit hatte er seine Anspannung verdrängen können. Jetzt aber kroch sie ihm langsam zurück in die Glieder. 'Sie hat es geschafft. Und nun entspann dich gefälligst, du machst mich ganz nervös.' Elyx Stimme hallte durch seinen Kopf und Harlow konnte praktisch spüren, wie er die Augen rollte. Er atmete hörbar aus und spürte augenblicklich wie der Knoten in seinem Magen sich löste. Erleichterung durchflutete ihn. 'Den Göttern sei Dank.' Dann setzten sie sich in Bewegung, machten sich auf in Richtung des Akademievorplatzes.


      Chanakra "Chana" Tineshra

      Chana blickte gespannt um sich, ein aufgekratztes Lächeln auf ihren Lippen. So viel war an dem heutigen Tag passiert. So viel, dass sie es kaum verarbeiten konnte. Das alles fühlte sich so unwirklich an, unmöglich. Und doch war es wahr. Sie war nun eine Drachenreiterin und würde schon bald ihre Ausbildung beginnen. Euphorie durchströmte ihren Körper, kribbelte in jeder Muskelfaser und sorgte für Energie, die sie am liebsten in wilden Sprüngen heraus gelassen hätte. Aber sie beherrschte sich. Nicht zuletzt, weil sie die enorme Präsenz ihres Drachen an ihrer Seite spürte. Schon jetzt fragte sie sich, ob sie wirklich zueinander passten. Faen war ganz anders als sie. Nichts schien sie aus der Ruhe bringen zu können, sie wirkte ebenso unbeweglich wie der Berg, auf dem sie aufeinander getroffen waren. Chana hingegen war impulsiv und aufbrausend, nicht gerade ein Ebenbild von Gelassenheit. Sie hätten unterschiedlicher nicht sein können.

      'Stell meine Entscheidung nicht in Frage, Mädchen.', dröhnte die Verwarnung durch Chanas Kopf und riss sie unsanft aus ihren Gedanken. Verdammt. Ob sie sich jemals daran gewöhnen würde, ihre Gedanken nicht mehr für sich selbst zu haben? "Ich bin schon lange kein Mädchen mehr!", gab sie aufmüpfig zurück, dämpfte dabei aber ihre Stimme, damit die anderen Kadetten die Diskussion zwischen ihr und ihrem Drachen nicht mitbekamen. 'Und ob. Ihr alle hier seid noch Kinder. Schlüpflinge im Vergleich zu uns.' Faen hatte den Kopf etwas herab sinken lassen, um mit ihr auf einer Augenhöhe zu sein und sah sie durchdringend an. Kleine Dampfschwaden stiegen aus ihren Nüstern.
      Die hochgewachsene Kämpferin rollte mit den Augen, erwiderte aber nichts mehr. Noch waren sie sich zu fremd, um sicher sein zu können, dass es sich die schiefergraue Drachendame nicht doch noch einmal anders überlegte und sie in Flammen aufgehen ließ, wie ein Stück Feuerholz.

      Nachdem der offizielle Teil nun vorbei war und die Staffelführerin, die eben noch ihre Ansprache gehalten hatte, den Platz verließ, begannen langsam auch ihre neuen Mitkadetten sich in Bewegung zu setzen und in unterschiedliche Richtungen davon zu strömen. Weil sie nicht nur verloren herum stehen wollte, suchte sie mit dem Blick nach Kadetten, die ebenfalls das Mal des Bergquadranten trugen und heftete sich unauffällig an ihre Fersen. Faen schwang sich unterdes zurück in die Luft und war bald schon aus ihrem Sichtfeld verschwunden. Unter all den Drachen, die es ihr gerade gleich taten und deren bunt durcheinander schimmernden Körper, war es ohnehin schwer ein bestimmtes Tier auszumachen.
      Trotz der Distanz, die sich zwischen ihnen aufbaute, konnte Chana ihre Verbindung zueinander deutlich spüren. Noch war sie schwach, wie ein dünnes Band aus Magie, dass sich zwischen ihnen spannte, doch mit der Zeit würde es wachsen und sie stärker machen. Zumindest war es das, was man ihr erzählt hatte und worauf sie inständig hoffte. Sie musste stärker werden, sie würde stärker werden.

      "Dreck an den Schuh'n und Freiheit im Haar -
      Dir eil'n Gerüchte voraus, Flüche dir nach."