Mystery Protectors ( Taru & Arktos )

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    • Mystery Protectors ( Taru & Arktos )

      Mystery Protectors


      17.08.2022 - Japan Präfektur Toyama
      Stadt Toyama


      Die Welt des Unerklärlichen.
      Übernatürliche und mysteriöse Dinge, die im Alltag fast gar nicht auffallen würden, denn sie sind bereits ein Teil von diesem. Eine edle Porzelantasse, die sich von selber mit Tee füllt, wenn man sie ausgetrunken hat, eine handelsübliche gestreifte Kravatte, die jeden erdrosselt, der sie anlegt, ein viktorianischer Sessel, der jeden der darin Platz nimmt, in wenigen Momenten altern und versterben lässt, ... ja genau, all jene seltsamen Dinge, die Niemand zu erklären vermag. Genau um diese Dinge muss sich jemand kümmern, der die Menschen davor bewahrt, mit diesen in Kontakt zu treten.
      Eine Organisation, die mysteriöse Agenten - die Mystery Protectors ( kurz: MP`s bzw. Protectoren) - ausbildet und unterhält, ist weltweit vertreten, um nach diesen Dingen zu suchen, diese zu sichern oder notfalls auch unschädlich zu machen, indem sie zerstört werden.
      So auch in Japan.
      In der Präfektur Toyama in der gleichnamigen Stadt Toyama, gibt es einen Standort der MP Organisation. Verwaltet wird der Standort in der Regel nur durch einen erfahrenen MP. In Toyama ist die Protectorin Isa Nakada zuständig, welche seit etwa vier Jahren in der Organisation tätig ist. Ihre Aufgabe ist simpel. Auf passende Anfragen, oder bei Selbstentdeckungen, wird sie tätig. Sie sucht den Ort des Geschehens auf, und versucht das Problem zu lösen, in dem sie das besagte Objekt sicher stellt, dessen Funktion einstellt und ggf. sofern nötig dieses zerstört. Zu Forschungszwecken sollte die letzte Wahl der Zerstörung nach Möglichkeit vermieden werden.
      Das Honorar ist groß, sofern es sich um einen Auftrag handelt. 25 Prozent behält der MP, der Rest geht an die Organisation, um diese zu finanzieren. Sichergestellte Objekte werden in der Regel Vorort aufbewahrt, oder ggf. sofern nötig abgeholt und an einen für dessen Sicherungsverwahrung geeigneten Ort gebracht.
      Doch der heutige Tag brachte eine Überraschung für die Protectorin mit, denn ihr wurde eine Assistentin zugeteilt, die nicht nur Erfahrung sammeln soll, sondern auch wegen einer ungewöhnlich hohe MO Aktivität erforderlich wäre.



      Isa Nakada

      Ihr Morgen begann wie jeder Morgen. Mürrisch. Alleine schon, weil der Weg ins Badezimmer keine gute Laune versprech, denn sie hatte für die Dusche kein warmes Wasser. Sie durfte immer kalt duch. IMMER! Und sie hatte schon dreimal Arbeiter von den Waaserwerken hier, und Klempner, um das Problem zu lösen. Es sei alles Inordnung. Es kommt bloß kein warmes Wasser aus der Brause. Isa fürchtete, das der Grund dieses alte Haus sei. Aber ausgenommen von Dusche und Bad, gab es warmes Wasser. Und so begann ihre morgentliche Kaltwasserdusche mit einem Aufschrei, und endete dann frisch angezogen in der Küche, wo ihr zweites Problem lauerte. Der Teeschrank.
      Seufzend stand sie vor ihm und öffnete die Tür. Erneut fand sie eine Box vor, die vom Teeschrank erstellt wurde, und eine geheimnisvolle Teemischung enthielt, auf die Isa sich schon freuen durfte. Natürlich hatte sie auch selbst gekauftes im Schrank. Es gab aber eben diese eine kleine Angelegenheit, die man täglich bei Anwesendheit auch nutzen sollte, um daraus keine Katastrophe werden zu lassen.
      Der Wasserkocher blubberte und stellte sich ab, und Isa nahm ihre Tasse, füllte das mysteriöse Teepulver ein und goss auf. Sie schnupperte. "Hmmm, riecht nicht übel. Könnte heute sogar schmecken."
      Während der Tee kurz zog und sein Aroma im Wasser verteilte, war auch schon ihr Toast fertig - halb verbrannt. Eines mit Butter, das andere mit Marmelade bestrichen, knabberte sie beide weg, und stöberte in einer Zeitung. Nichts auffälliges.
      Dann griff sie beiläufig zur Teetasse und nahm einen Schluck. Sie verzog das Gesicht. "Wüüühhrr..., was zum Geier ist denn DAS?", nörgelte sie und ging zurück zum Schrank. Inzwischen dürfte er die Box beschriftet haben.
      "Fenchel -Karibische Mango - Ziegenkäse. ZIEGENKÄSE? Haaaahhhh... was Besseres ist dir heute wohl nicht eingefallen, was? Blöder Schrank."
      Sie knallte die Tür zu und trank die tägliche Pflichttasse auf, würgte und kippte ein Glass Mineralwasser nach. Immerhin hatte sie dann diesel Teil des Tages erledigt, und könnte zu ihren üblichen Aufgaben übergehen.

      Nach dem Frühstück ging sie erstmal in den PC Raum. Sie schaltet die alte Kiste ein. Der hatte sogar noch einen dicken Monitor. Er scharrte und knatterte, piepte und surrte, und irgendwann tauchte dann der Desktop auf. Sie prüfte zunächst ihre Mailbox. Es gab eine Nachricht von der MPO, welche Isa sofort öffnete.

      Guten Tag, Frau Nakada
      Wir möchten ihnen heute mitteilen, das die Untersuchungen der letzten Auftragslage, eine erhöhre MO Aktivität festgestellt hat. Daher sehen wir uns gezwungen, dieser Bedrohung mit härteren Maßnahmen entgegenzuwirken. Sie erhalten in Kürze Besuch von einer Protectorin namens Ria Hoshi. Sie wurde vor kurzem ausgebildet und hat ihr Studium abgeschlossen als anerkannte Protectorin. Sie ist noch unerfahren im Außeneinsatz. Wir hoffen das sie ihr einiges beibringen und sie unterstützen können. Mit anderen Worten: Sie wird ihnen assistieren. Das ist eine Anodrnung der folge zu leisten ist! Dise Anordnung gilt temporär erstmal für ein Jahr. Wir gehen davon aus, keine Probleme zu erwarten.
      Die MPO


      "WAS? Eine Assistentin? Heute? Was soll denn der Scheiss? Und wieso ich? Damit hab ich ja überhaupt nicht gerechnet. Wieso bekomme ich so ne unerfahrene Plage an den Hals gebunden? Das darf ja wohl nicht wahr sein!", keifte Isa los, sprang wütend auf, stieß sich dabei das Knie am PC Tisch, hielt sich das Bein an den Bauch gepresst, während sie auf dem anderen Bein vor Schmerz im Kreis hüpfte und fluchend jammerte.
      Mürrisch murmelnd marschierte sie durch das Haus und fluchte. Das brachte ihre ganze Tagesplanung durcheinander. Und es gab nicht mal Zeit für eine Vorbereitung. Wann die wohl eintreffen würde?
      "Hmmpf, ich werde mich beschweren. Ich werde mehr Geld verlangen müssen. Ich bin doch keine Aufpasserin für Frischlinge. Jedenfalls nicht ohne Gegenwert."
      Hoffentlich kommt die nicht zu früh. Isa wollte wenigstens noch ein wenig Vorbereitungszeit haben. Und Flyer musste sie auch noch drucken.
      Sie fegte die Hütte einmal grob durch. Zumindestens die Flure und die Küche. Das hatte schon ein Wollmäuse Nest ausgehoben. Das müsste erstmal reichen.
      Isa rechnete nur mit einem Arbeitsbesuch, nicht, das die hier noch einziehen würde. Und so wartete sie, und druckte erstmal 50 Flyer aus, um sie später in der Stadt zu verteilen.
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    • Ria hatte gehofft, ihr erster offizieller Einsatz als Protectorin würde etwas… glamouröser beginnen. Etwas mit Hochglanzfluren, automatischen Türen, vielleicht einem freundlichen Empfangskomitee. Stattdessen begann er mit einer E-Mail um 5:43 Uhr morgens, einem müden Blick in den Spiegel und dem leisen Zischen ihrer Kaffeemaschine.

      „Betreff: Zuweisung neuer Einsatzort, Toyama Präfektur.
      Partnerin und Führung: Protectorin Isa Nakada.
      Dauer: vorläufig 1 Jahr.
      Status: sofortiger Einsatz.“

      Sie starrte auf den Bildschirm, während sich ihr Kaffee in der Tasse mit Milch verfärbte. Toyama...Nicht Tokio....Nicht Osaka, sondern Toyama. Sie seufzte leise. Ihre Mutter hatte noch am Vorabend gesagt: "Mach uns stolz, Ria und iss was Richtiges zum Frühstück.“ Ihre Antwort darauf war ein Toast mit Honig und eine Thermotasche voller noch warmer Vanille-Milch-Kekse „Feldrationen“, wie sie es nannte. Sie zog ihre MPO-Uniform an, makellos gebügelt, akkurat wie im Handbuch, band ihr Haar zu einem ordentlichen Zopf und überprüfte ihre Ausrüstung: Seraph-9, sauber geölt. Psi-Sensor, voll geladen. Datenbrille, synchronisiert. Thermotasche, doppelt gesichert. Perfekt. Ordnung war für Ria kein Zwang, sondern eine Art Zauberformel gegen Chaos und gegen Nervosität. Draußen glitzerte die Stadt Taito im Morgengrauen. Die Straßen waren noch still, nur vereinzelt surrten Lieferdrohnen über die Dächer. Ria schwang sich auf ihre Astra-Veil, die wie immer leicht vibrierte, sobald sie ihre Hände auf den Griff legte. Das Motorrad reagierte auf ihren Puls und heute war der eindeutig schneller als sonst. „Guten Morgen, Astra. Zielort: Toyama City.“ Das Motorrad antwortete mit einem dumpfen, melodischen Brummen, fast wie eine Zustimmung, Dann hob es ab. Die Luft über den japanischen Alpen war klar, der Himmel stahlblau. Unter ihr zogen Wälder, Flüsse und kleine Städte vorbei, während das Display ihrer Brille leuchtete: Reisezeit: 2 Stunden 14 Minuten.
      Psi-Stabilität: 94 %.Synchronisationswert... optimal. Ria lehnte sich leicht zurück. Der Fahrtwind strich über ihr Gesicht, kühl und angenehm. Sie mochte diesen Moment zwischen zwei Orten, zwischen den Erwartungen der anderen und der eigenen Unsicherheit. Seit ihrem Abschluss an der MPO-Akademie war alles so schnell gegangen. Die Prüfungen, der Eid, die Überreichung des Abzeichens. Und jetzt... Ein Jahr in der Provinz, unter der Aufsicht einer Frau, deren Akte mit den Worten begann... „Eigenwillig, unkonventionell, aber äußerst effektiv.“ Sie hatte den Bericht dreimal gelesen und immer wieder denselben Satz gedacht.... „Das klingt nach jemandem, der keine Assistentin haben will.“ Trotzdem spürte sie ein leichtes Kribbeln der Vorfreude. Sie hatte sich dafür entschieden, Protectorin zu werden, weil sie die Welt der Unerklärlichen verstehen wollte. Weil sie Antworten suchte auf all die Dinge, die sich jeder Logik entzogen.



      Zwei Stunden später senkte sich die Astra-Veil über den Rand der Stadt Toyama. Die Straßen waren schmal, gesäumt von niedrigen Holzhäusern und alten Bäumen. Es war ruhig hier, zu ruhig, verglichen mit Tokio. Die Koordinaten führten sie in eine kleine Seitenstraße. Am Ende derselben stand ein Haus, ja fast schon einer Villa gleichermaßen mit viktorianischen Flair und auf dessen Briefkasten in krakeliger Schrift stand: „Isa Nakada – MPO Protectorin... Ria hielt an, stieg ab und betrachtete das Gebäude. Es sah… freundlich und interessant aus. Etwas altmodisch, ja, aber warm. Aus dem Schornstein stieg Rauch auf und aus einem der Fenster hörte man undeutliches Poltern und eine Stimme, die sehr deutlich „ZIEGENKÄSE?!“ rief. Ria blinzelte irritiert. Das konnte nur sie sein. Sie überprüfte noch einmal ihre Tasche, zupfte den Kragen zurecht, atmete tief durch und klopfte an die Tür und stand dort mit einer Tasche in der Hand.

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    • Isa

      Irgendein Geräusch ertönte im Gebäude. Isa horchte auf, wartete einen Moment, schüttelte den Kopf und murmelte etwas. Sie hatte sich wohl geirrt. Vermutlich lag es am Stress heute Morgen. Diese Idioten von der MPO. Glauben alles mit ihren Untergebenenmachen zu können, um dafür noch Beifall zu ernten. Kanonenfutter, das waren die Protectoren. Wird nen Hund von seinem Napf gefressen, darf ein Protector sich mit dem Napf rumärgern. Nach Möglichkeit bitte zwecks Untersuchung eindämmen und abholfertig verpacken. Aber gerne doch. Hat auch nur ein Fuß gekostet. Aber keine Sorge, sie bekommen jetzt eine Assistentin. Null Felderfahrung inklusive. Taadaaa!
      Wieder ein Geräusch. Verdammt, es klopfte. "Ahhhrr, ich könnte ausrasten. Wer klopft denn hier um diese Zeit? Ein Kunde....?"
      Wieso klingelt der eigentlich nicht? Dieses Haus war doch voll modern ausgestattet. Bestimmt nen alter Opa oder sowas.
      Isa huschte die Treppe hinunter und stiefelte zur Tür. Sie atmete kurz durch ... freundlichkeit ist für Kunden irgendwie auch wichtig.
      Sie öffnete die Tür zur Hälfte und erblickte eine Frau in Uniform. Von wegen Opa. Das war ne Oma, die zu viel göttliches Ambrosia bekommen hatte, und ihr zweites Leben einforderte. Trotz güldenem Haar aber offenbar immer noch stocksteif. Sicher eine Kundin, die mit irgendeinem MO oder sowas zu tun hat. Oder, das war doch nicht etwa ...?
      Isa räusperte sich. "G...guten Morgen. Wie kann ich ihnen helfen?", fragte sie ind blickte etwas skeptisch, fragend.
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    • Ria lächelte, oder zumindest war das wohl ihre Version davon. Ihre Mundwinkel hoben sich exakt um zwei Millimeter, fast schon technisch präzise, aber freundlich. "Guten Morgen, Protector Isa Nakada“, begann sie mit einer höflichen, überraschend weichen Stimme. "Bitte entschuldigen Sie die frühe Störung. Ich bin Ria Hoshi, frisch aus der MPO-Akademie entlassen und noch Anfängerin, was aber nichts heißen soll. Es ist mir eine große Freude, ab heute Ihre Assistentin zu sein.“ Ria fuhr fort, immer noch mit diesem sanften aber präzisen Lächeln. "Mir wurde zugeteilt, Sie ein Jahr lang in allen operativen und administrativen Aufgaben zu unterstützen. Außerdem soll ich während dieser Zeit hier wohnen, um jederzeit einsatzbereit zu sein.“ Sie neigte höflich den Kopf. "Ich hoffe, dass wir gut zusammenarbeiten können. Ich freue mich sehr darauf, von Ihrer Felderfahrung zu lernen.“ Ria hielt dabei ihren kleinen, sorgfältig gepackten Koffer an die Seite, als würde sie zur Übernachtung bei einer Tante erscheinen, nur eben sehr korrekt. „Falls es Ihnen recht ist,“ fügte sie sanft hinzu, "würde ich gerne eintreten, und… vielleicht später meine Unterkunft beziehen. Ich verspreche, mich so leise wie möglich einzuleben.“ Ria lächelte noch immer, freundlich, höflich, und völlig ahnungslos. "Vielen Dank, dass Sie mir diese Chance geben“, sagte Ria aufrichtig. "Ich möchte mich nützlich machen.“ Das meinte sie ernst und vor allem ehrlich, egal wie seltsam Miss Nakada auch sein mochte und ihre Skepsis kaum verbergen konnte. "Es muss alles etwas wie eine Art...Überall wirken und dafür entschuldige ich mich aufrichtig bei ihnen, ich hoffe das wir gut miteinander auskommen werden, ich habe vieles über sie gelesen und gehört - sie sind schon sowas wie eine Legende" lächelte sie kurz und verneigte sich höflich.
    • Isa

      Also doch. Es war die angekündigte Assistentin. Und steif wie ein Stock. Höflich immerhin. Man merkt, das sie wohl einen besonderen Ausbilder hatte, oder an einer besonderen Akademie war, wo man wohl so sprach. Isa war nie so förmlich gewesen.
      "Ähhh....ja, das hatte man mir bereits mitgeteilt. Diese verdammten ...", knurrte sie hinterher und ballte eine Faust, faste sich dann aber wieder, räusperte sich. Ria fuhr fort und bat um Einlass. "Natürlich, Haus Nakada stets zu Diensten. Tritt ein."
      Isa spähte kurz forschend draußen umher, knallte dann die Tür zu und begab sich zu Ria, die sich schon im Eingangsbereich umsah.
      "Chance? Ich hatte ja eh keine Wahl. Das war wieder eine Kurzschlussentscheidung der MPO! Außerdem sollen wohl höhere MO Aktivitäten daran Schuld sein. Ich hatte zugegeben in letzter Zeit auch etwas mehr Arbeit als gewöhnlich.", erklärte Isa.
      Sie führte Ria erstmal zur Mitte, wo ein Sofa stand, und bot ihr an, Platz zu nehmen. Man sah Türen die wohl zum Hinterhof führten. Ein Kamin, in dem Feuer brannte, und etwas Wärme spendete, und gemütliche Atmosphäre. Wobei es im August in Toyama ohnehin heiß und schwül war. Auch heute hatte der Wetterbericht wieder um die 30 Grad vorhergesagt. Noch war es nur warm. Doch bis zum Mittag, wenn die Sonne am höchsten stand, dürfte es nur im Schatten angenehm sein.
      Isa sah zu ihrem Koffer. "Hmm, ist das dein ganzes Gepäck? Dann hast du vermutlich im Wohnheim der Akademie gelebt. Da braucht man ja nichts. Du kannst den Koffer erstmal hier abstellen, und später bringe ich dich zum Gästezimmer. Das wird dann erstmal deine Unterkunft. Aber ich muss dich warnen. Der Raum steht schon ne Weile leer. Du wirst ihn wohl erst putzen müssen."
      Selbstverständlich würde Ria den Raum reinigen. Als wenn Isa das machen würde, oder Lust dazu hätte. Innerlich grinste sie schelmisch.
      Ria sprach nochmal den kurzfristigen Befehl der MPO an, aber Isa winkte ab. Von denen kommt eh nur Mist. Oder die verlangen Unmögliches. Hauptsache sie verdient hier noch genug, um das Haus zu finanzieren, und den ganzen anderen Kram. Die MPO gibt auch nicht alles umsonst her. Gut nur, das Isa selbst ein Labor hatte, um Kosten zu sparen.
      Dann sprach Ria noch etwas über Isa selbst an. Diese hob eine Augenbraue. "Über mich gehört und gelesen? HAHAHA, das klingt komisch. Was gäbe es wohl über mich schon zu berichten? Ich sitze seit zwei Jahren in diesem Haus und erfülle nur meine Pflichten als Protectorin. Es könnten höchstens meine Erfolge sein, die löblich ausgesprochen wurden, hihihi. Oder vielleicht noch dinge aus der Akademiezeit."
      Sie war oft genug beim Direktor der Akademie gewesen, um sich einen Tadel abzuholen. Regeln waren manchmal etwas missverständlich. Immerhin hatte sie die Übungen gemeistert und die Studiumsarbeiten, um zu erfahren, was es mit der MPO auf sich hatte. Damals war sie zuerst geschockt gewesen, aber auch neugierig und begeistert. Sie durfte sogar mal ein echtes MO studieren. Das brach dann aus und verursachte ein riesewn Chaos und vier Schwerverletzte und ein abgebranntes Gebäude, weil Isa es abfackeln wollte, und alles traf, was kein MO gewesen war. Irgendwie hatte sie es dann terminiert, obwohl es zurück in die Eindämmung zu Forschungszwecken gebracht werden sollte. Die Erklärung, warum es dazu kam, konnte Isa nicht geben. Außer das sie wohl einen Fehler eingestehen musste. Aber das wird Ria sicher nicht erfahren haben. Nur die Glanzvollen Dinge. Hoffte sie.
      "Jedenfalls meinten die, ich wäre für diesen Standort bestens geeignet."
      Die Uhr am Kamin machte ein Ding Geräusch und Isa spähte zu ihr. "9 Uhr. Hm, ich habe noch Arbeit vor mir. Du kannst mir helfen. Wir werden Flyer verteilen. Das wird uns etwa bis Mittag beschäftigen. Danach zeige ich dir das Haus und dein Zimmer. Warte kurz, ich hole die Flyer."
      Isa huschte nach oben und holte einen Stapel frisch gedruckte Spezialflyer, auf dem Kontaktdaten zu ihr standen, sowohl eine Telefonnummer als auch die Adresse vom Haus.
      Wenn jemand also ein seltsames Problem hatte, konnte er den Flyer erkennen und lesen. Sofern einer in der Nähe war. Sie waren immer etwas auffällig im Blick. Wer keine Probleme mit MOs usw. hatte, der sah diese Flyer nicht. Daher konnte Isa auch wild in der Gegend die Teile an die Wand kleben. Nur die Natur regelte, wie lange sie hielten. Daher ging sie regelmäßig neue aufhängen.
      Fünf Minuten später verließen sie das Haus, und marschierten die Straße entlang. Isa hatte Ria auch eine Tasche gegeben. Gerecht aufgeteilt. Isa 20 und Ria 30 Stück. Isa trug immerhin noch die Verantwortung. Außerdem brauchte Ria ja Erfahrung.
      "Toyama ist gar nicht so übel. Hier am Rande in der Wohngegend wird es etwas stiller. Aber ansonsten ist Toyama eine handelsübliche Stadt voller Leute und Verkehr. Einige Läden, die ich aufsuche, befinden sich in der Nähe. Manches benötige ich aber auch aus der Innenstand. Du kannst dich auch jederzeit selbst umsehen."
      Nach einem kurzen Moment blieb Isa stehen. "Dieses Motorrad da, ist das etwas deins? Es sieht verdächtig aus ...", meinte sie, und begutachtete das Gefährt. Verdächtig normal mit verdächtigen abnormalitäten. "Ist das etwa ein MO?"
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    • Ria setzte ihren Koffer leise ab, als Isa ihr den Eintritt gewährt hatte. Ihr Blick wanderte durch den Eingangsbereich des Hauses, und ein kaum merkliches, aber ehrliches Lächeln erschien auf ihren Lippen. "Danke Protectorin Nakada“, sagte sie höflich und mit dieser charakteristischen, ruhigen Stimme, die bei manchen wie Steifheit wirkte aber bei ihr jedoch schlicht angeborene Disziplin war. Sie folgte Isa zum Sofa und setzte sich gerade darauf ab, die Hände gefaltet auf dem Schoss. Dass Isa die Tür so energisch zugeschlagen hatte, nahm sie mit einem unauffälligen Blinzeln zur Kenntnis. Als Isa über die MPO schimpfte und ihren Faustballer kurz kontrollieren musste, neigte Ria leicht den Kopf. "Ich hatte verstanden, dass die MPO momentan unter enormem Druck steht“, antwortete sie. "Die steigende Aktivität höherer Manifestationsobjekte führt zu impulsiven Entscheidungen…" Sie sah sich um – Kamin, Sommerhitze, ein Raum, der trotz allem gemütlich wirkte und wirkte für einen Moment menschlicher, weniger akademisch. "Es ist… ein schönes Haus“, bemerkte sie vorsichtig. "Lebendig. Ich glaube, ich werde mich gut einleben.“ Beim Thema Koffer nickte sie. "Ja, ich lebte im Wohnheim. Persönliche Gegenstände waren… nicht ratsam. Die Standardausrüstung war ausreichend.“ Dass sie das Gästezimmer selbst putzen sollte, ließ sie nicht einmal blinzeln. "Selbstverständlich. Die Pflege des eigenen Raums lehrt Verantwortung, das wird kein Problem sein, wirklich.“ In Wahrheit löste es ein kleines, verborgenes Seufzen in ihr aus – aber sichtbar war es nicht. Als Isa über ihre Akte scherzte, hob Ria den Kopf etwas an, eine Mischung aus Respekt und Diplomatie. "Man hat mir von Ihren Einsätzen berichtet“, erklärte sie offen. "Vor allem von Ihrer Effektivität und Ihrer Bereitschaft, auch unter schwierigen Bedingungen einzugreifen. Ihre Abschlussprüfungen waren… außergewöhnlich.“ Sie sprach nicht aus, was sie noch gelesen hatte – den Vorfall mit dem ausgebrochenen MO, die Brandkatastrophe, vier Verletzte. Ria hielt das absichtlich zurück. Das gehörte zur Vergangenheit, und sie wollte Isa nicht provozieren. "Dass man Sie für diesen Standort ausgewählt hat, galt in der Akademie als nachvollziehbar. Man erwähnte Ihren pragmatischen Ansatz.“ Ihre Stimme klang nicht ironisch. Eher bewundernd und still und kontrolliert. Als die Uhr schlug und Isa Flyer verteilen wollte, erhob sich Ria ohne zu zögern. "Natürlich. Ich begleite Sie.“ Sie nahm die Tasche mit den dreißig Flyern anstandslos. "Eine sinnvolle Aufgabe. Die Sichtbarkeit unserer Präsenz ist wirklich wichtig.“ Draußen lief sie neben Isa her, aufmerksam und ruhig, während sie jede Bewegung, jede Beobachtung der Umgebung registrierte. "Die Stadt wirkt freundlich“, kommentierte sie. "Wenig hektisch als gedacht. Es ist angenehm.“ Doch dann blieb Isa abrupt beim Motorrad stehen. Ria hielt inne. Langsam wandten sich ihre Augen dem Fahrzeug zu und ein winziger, fast unsichtbarer Funken von Unsicherheit flackerte in ihrem Blick. Sie öffnete den Mund, schloss ihn wieder, fasste sich dann und antwortete. …Ja. Es gehört mir.“ Kurz folgte eine kleine Pause. "Und ja. Es ist ein MO.“ Ria trat einen halben Schritt näher an das Gefährt, eine Maschine, die auf den ersten Blick ganz normal wirkte, aber bei genauerem Hinsehen leichte, kaum erklärbare Asymmetrien zeigte, als würde das Material selbst atmen, wenn man zu lange hinsah. "MO-343-A. Astra Veil, Klassifiziert als Vermittlungsobjekt, harmlose Kategorie aber voller Power. Keine eigene Aggressionsmotivation.“ Ihre Stimme bekam diesen Tonfall eines Akademieberichts. "Ich wurde damit ausgebildet, als ich es mal bei einem Einsatz gefunden habe. Es ist… an mich gebunden. Ohne meinen direkten Befehl ist es passiv.“ Dann sah sie Isa direkt an – zum ersten Mal mit einer Spur echter Emotion. "Ich dachte, es wäre sinnvoll, es mitzubringen. Für den Standort. Und für Ihre Arbeit.“ Ein Hauch von Sorge schlich sich in ihre Stirnfalten. "Ich kann es selbstverständlich auch… in die MPO-Lagerstelle transferieren lassen, falls Sie die Präsenz eines MO an Ihrem Haus nicht wünschen?" erfragte sie sich und blickte Isa in die hübschen Augen. Eine zierliche Statur, ansehnlich in Rias Augen, aber sie selbst würde niemals auch nur Ansatzweise daran denken ihre neuen Vorgesetzte das direkt ins Gesicht zu sagen - auch wenn dieser das sicherlich gefallen würde. Somit machte sie sich an ihre erste Aufgabe um die Flyer in der Stadt sauber und ordentlich aufzuhängen.
    • Isa

      Isa seufzte. Ria kommt direkt von der Akademie, bekam ein MO zur Verwendung anvertraut, und nutzte es ohne weitere Gedanken daran zu verschwenden, als wäre es ein gewöhnliches Gerät.
      "Das ist nicht gerade vorsichtig. Ich meine, ich besitze auch ein MO, einen alten Wagen. Aber der ist unauffällig, und kann theoretisch von jedem einfach bedient werden. Dein Astra hier ist ein Blickfang."
      Sie umrundete das Gefährt und überlegte. "Gut, wir stecken es später in die Garage wenn wir zurück kommen. Da fällt es nicht so auf. Du wirst mich über das Gerät aber noch aufklären. Und wenn nötig, werden wir es verwenden. Ansonsten doch bitte mehr Diskretion an den Tag legen."
      Sagt die Richtige.
      Das Thema wurde erstmal beiseite geschoben. Die Flyer lagen im Fokus. Diese mussten in dem Stadtgebiet weitläufig verteilt werden. Normalerweise lernte man das ja schon im Studium, das es besonderes Papier für Spezial-Flyer gab, die niemandem auffielen, außer man wäre eingeweiht oder hatte irgendwie Kontakt zu MOs oder Phänomenen und deren Energien. Dann konnte man diese erkennen, und sich direkt an die entsprechende Standortverwaltung, in dem Fall Isa Nakada, wenden, oder die MPO kontaktieren über eine angegebene Nummer.
      Die zweite Variante ist über die eingeweihnte Polizeibehörde. Meldet dort jemand etwas seltsames, so wird sich die Polizei das ansehen, und ggf. einen Protector bestellen und darüber informieren.
      Isa fragte Ria auch, ob sie schon mal mit einer Psi-Energieladung Patrone auf eine Zielperson geschossen hat? Wenn jetzt nämlich ein Kunde käme, ist es in großer Wahrscheinlichkeit nötig, diesem nach erfolgreicher Arbeit das Gedächnis etwas umzubauen. Vorallem bei Zeugen, die keiner braucht. Das bedeutet: Waffe ziehen - auf den Kopf zielen - abdrücken. Und dann noch eine Suggestion ausführen. Das Geld für den Einsatz hätte man gespendet, man spreche nicht über das Geschehene, oder vergisst es alsbald.
      Isa würde das eh bei Ria testen müssen, ob sie dazu in der Lage wäre. Der nächste Kunde wird ihrer sein. Zumindestens wenns um den Abschluss des Auftrages ging.
      Nachdem sie ein paar Stunden durch diesen Teil Toyamas liefen, und überall, an auffälligen, aber auch unauffälligen Stellen, Flyer angeklebt hatten, knurrte Isas Magen eine Arbeitspause ein. Da die Tragetaschen nun leer waren, konnten sie auf dem Rückweg noch ein paar Besorgungen machen. Isa selbst war nicht sonderlich begabt im Kochen, und nutzte gern Fertigprodukte, oder etwas, was einfach umzusetzen war. Sie würden die Tage noch einen größeren Markt anlaufen. Bis dahin konnte auch Ria noch ne Liste fertigen, für Dinge, die sie benötigte.
      Wieder zuhause meinte Isa, das sie erstmal was essen, dann das Motorrad verstauen und nen Rundgang machen.
      Als sie in der Küche waren, und Isa den Teeschrank betrachtete, kam ihr eine Idee. Sie grinste breit.
      "Dieses Haus hier ist ein wenig seltsam. Es ist ja auch ein Standort der MPO, aber darauf kommt es ja eh nicht an. Aber, hier gibt es schon ein paar seltsame Dinge. Ich werde einen Tee kochen."
      Sie öffnete den Teeschrank, und fand erneut eine Box vor. Einmal pro Stunde wechselte die Mischung. Aber nur einmal täglich war es nötig, davon zu kosten, um es nicht schlimmer werden zu lassen. Da Isa auch andere normale Sorten darin aufbewahrte, verzichtete sie auf den Teeschranktee und machte für sich einen Kirschtee. Für Ria hingegen gab es eine mysteriöse Mischung zum verkosten.
      Schon der Tee selber roch seltsam. Sie zuckte mit den Schultern und gab einen Löffel voll in das heiße Wasser, und stellte die beiden Tassen auf den Tisch.
      Zucker und Honig gab es auch.
      Nach ein paar Minuten nippte Isa zufrieden an ihrem süßen Kirschtee und beäugte neugierig Ria, die an ihrem Tee roch. Isa hatte inzwischen die Box geprüft. Aufschrift: Grüner Tee - Sanddorn - Leberwurst.
      Mit Letzterem konnte Isa nicht viel anfangen, aber es schien diesen seltsamen Duft zu verursachen.
      Während Ria schnupperte und einen ersten Schluck probierte, fing Isa an zu erklären, das der Teeschrank ein MO wäre. Und leider musste man täglich Tee aus einer darin auftauchenden Box verwenden. Der Inhalt wird erst später beschrieben, wenn man diesen fertig aufgebrüht hätte. Trinkzwang inklusive. Sonst würde es nur schlimmer werden.
      Isa wollte dann aber noch wissen, wo Ria genau her kam, und wie sie zur MPO kam.
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    • Ria stellte ihre Tasse vorsichtig ab. Der erste Schluck war… nun ja. Eigenartig war eine höfliche Beschreibung. Der Tee hatte eine Mischung aus grasiger Frische, säuerlicher Sanddornnote – und dann kam ein merkwürdig würziger, fast fleischiger Unterton, der ihr den Magen fast umdrehen ließ. „Ich… komme aus Taito, Meine Eltern haben dort ein Gasthaus betrieben, nichts Großes, aber jede Woche kamen Leute aus der Umgebung vorbei. Ich war schon immer die Jüngste, die jeder losgeschickt hat, zum Beispiel Besorgungen, Botengänge, sowas. Und irgendwann…“ Sie machte eine vorsichtige Geste mit der Tasse, als müsste sie den Satz mit beiden Händen stabilisieren. „…habe ich angefangen, Dinge zu sehen, die keiner sehen sollte.“ Ria nahm noch einen kleinen Schluck, verzieh das Gesicht kaum merklich und fuhr fort. „Erst dachte ich, ich wäre krank. Oder verrückt. Bei uns redet man nicht gerne über Phänomene, und die Polizei hätte mich ausgelacht und ich war mit 14 live bei einem MO Ausbruch dabei, aber dann eines Tages unter den Gästen war irgendwann jemand, der… anders reagiert hat. Ich konnte nicht sagen warum, aber er wusste sofort, was ich meinte. Er war ein Protector. Nur auf Durchreise.“ Sie lächelte bei der Erinnerung, ein kleines, leises Lächeln. „Er hat mit meinen Eltern gesprochen. Hat ihnen erklärt, dass ich nicht gefährlich bin, nur sensibel für Psi-Energie. Und dass ich… geeignet wäre. Vielleicht sogar wertvoll. Wenige Wochen später stand ein Kontaktzettel auf meinem Kopfkissen. MPO-Einweisungstermin. Ich glaube, meine Eltern wollten mich schützen, aber sie wussten auch, dass sie mir damit ein Leben in Angst ersparen würden und ich landete später in der Akademie der MO und trat meine Schule und Ausbildung an.“ Ria zog die Schultern leicht hoch, unsicher, wie viel sie erzählen sollte. „In der Akademie war es zuerst schwer. Alle anderen schienen schon zu wissen, was sie taten. Ich hatte nur… Instinkt. Aber ich habe mich reingehängt. Und ich wollte helfen. Das war immer mein Ziel. Menschen schützen, bevor sie überhaupt wissen müssen, dass Gefahr da ist.“ Sie deutete mit der Tasse auf Isa. „Das MO, das ich gefunden und dann bekommen habe… ich glaube, die Ausbilder haben mir vertraut. Vielleicht zu sehr, wenn ich dir zuhöre.“ Ein schuldbewusstes Schmunzeln. „Ich werde vorsichtiger sein. Wirklich.“ Dann verschloss sie kurz den Blick, fast so, als müsse sie etwas eingestehen, das ihr schwerfiel. „Und… was das mit den Psi-Patronen angeht… Nein. Ich habe es noch nie in echt gemacht. Nur Übungsszenarien. Und da ist es schon schwer, jemanden ins Gesicht zu zielen, auch wenn es nur eine Attrappe ist. Aber…“ Sie sah Isa fest an. „…ich will lernen, was nötig ist. Wenn ich jemanden schützen kann, wenn ich dafür sorge, dass ein Zeuge nicht leidet oder dass ein Auftrag sauber abgeschlossen wird, dann mache ich es. Ich will keine Last für dich sein.“ Ria nahm einen größeren Schluck Tee und verzog diesmal ganz minimal das Gesicht, bevor sie tapfer nickte. „…Ich werde mich daran gewöhnen. Hoffentlich und ich bin wirklich gespannt den Wagen mal zu sehen Miss Nakada"
    • Isa hörte aufmerksam zu und freute sich über ihren wohlschmeckenden Tee, während sie innerlich lachte, wenn Ria den speziellen Tee genießen durfte. Und es wäre sicher hilfreich, Ria in Form von Übungszwecken täglich dieser Folter auszusetzen. Dann würde sie sicher bald von alleine verschwinden, und sie hätte wieder ihre gemütliche Ruhe hier im Haus. Es frustete sie immer noch, das die MPO hier einfach so ohne große Vorankündigungszeit jemanden im Haus einquartierte. Leider kam auch eine Unterbringung in einer andere Mietwohnung nicht wirklich in Frage. Zu gefährlich. Sollte Ria da was geplant haben, müsste Isa ihr das ausreden. So ein Dreck.
      Isa seufzte. "Ja, die MPO ist nicht zu unterschätzen. Sie macht keinen Halt bei möglichem neuen potenziellem Personal. Meine Perspektive als Waise war leider auch nicht hoch. Beitrit für Unterstützung. So bekam ich diese Bude hier und die Ausbildung. Viel mehr gibts über micht auch nicht zu erzählen. Kurz und knapp."
      Sie stand auf und räumte die Tassen in die Spüle. Abwasch konnte warten. Dann wabdte sie sich wieder Ria zu. "So, zeit dir kurz das Haus zu zeigen. Du kannst dich später auch noch in Ruhe umsehen. Wenn wir nach oben gehen, nimm deine Sachen mit."
      Die lagen ja immer noch im Empfangsbereich. Ein gemütliches Wohnzimmer, wo man direkt mit Kunden über ihre Anliegen sprechen konnte.
      Zunächst zeigte Isa Ria den Zugang zu einem kleinen Weinkellerabteil. Dieser war nur von der Küche aus erreichbar. Tatsächlich lagen ein paar Alte Fässer im Keller, und eine handvoll verstaubte Flaschen im Regal.
      "Da ist nicht viel drin. Bis auf ein Fass sind alle leer. Was die Flaschen betrifft, keine Ahnung, Hab davon noch nicht gekostet. Ist auch schon ein paar Monate her, seit ich hier unten war.", meinte sie, und zog den Finger über den Tisch. Staub. Hier wäre wohl mal wieder putzen angesagt. Das würde sie Ria aufdrücken. Auch das Zerlegen der Fässer. Das Holz könnte man im Kamin verbrennen. Das Metall zum Schrotthändler.
      Sie gingen zurück in die Küche. Das Esszimmer war gegenüber auf der anderen Seite des Hauses. Bevor sie nach oben gingen, ging es erstmal in den Keller.
      Neben Waschkellerbereich hatte Isa hier ihre Labore, zwecks Munitionsherstellung und Untersuchung von MOs. Schlicht aber funktionell. Es lagerte auch alles Mögliche hier. Verschiedene Kartons mit irgendwelchen Mineralien und kleinen Glasflaschen usw., mit ebenso buntem Inhalt. Was auch immer das alles war.
      Isa meinte, das Rai das noch früh genug erfahren würde.
      Über einen geheimen Durchgang in der Außenwand zur linken Hausseite versteckte sich ein Schießstand. Dieser lag unter einem Teil des Gartens.
      "Hier stört es niemanden, wenn du deine Schussfähigkeiten aufbessern willst. Die Munition stelle ich selbst her. Ich zeig dir wie das geht. Dann kannst du frei nach Lust und Laune üben. Fülle aber die verbrauchten Patronen regelmäßig wieder auf."
      Dann zeigte sie noch, wie man die Zielscheiben bewegte. Es gab mehrere Schussreihen, wie man es aus Filmen kannte. Und an Seilen wurden die Ziele vor und zurückgeholt. Über Klemmen konnte man sie austauschen. Seitlich lagen ein paar Kartons mit Zielen. Und Müll. Kaputte Zielscheiben.
      "Ähehehe, vielleicht müsste ich mal wieder aufräumen." Sie würde es Ria aufdrücken.
      Zurück durch den Keller gingen sie zur anderen Seite. Dort war ebenfalls eine Geheimtür. Dahinter fanden sie eine Garage. Aber sie war leer. "Enigma steht draußen. Hast ihn vermutlich eh übersehen, hehe. Enigma ist der Name meines Wagens. Und hier hinter der Garage ist das Lager für die MOs. Zur Zeit liegen da nur ein paar Sachen. Und die Zellen sind auch leer."
      Ja, manche Dinge sperrte man lieber sicher weg.
      Dann ging es endlich nach oben. Ein gemütliches Hauptwohnzimmer erwartete beide. Hier würden sie sich wohl auch häufig aufhalten.
      "Mein Zimmer ist dort. Dann gibt es hier noch einen Computerraum, wo ich auch Flyer drucke, und den Kontakt zu den Idioten pflege."
      Damit war die MPO gemeint. Ein paar gemütliche Ecken gab es hier dann auch noch mit Blick nach draußen. Außer Bücher lesen oder mal dem Regen zu lauschen hatte Isa hier noch nicht viel gemacht. Spiele spielen im Alleingang machen auch kaum Sinn. Tatsächlich lagen aber ein paar Kartons in einem Regal. Verstaubt bis zur unkenntlichkeit. "Hier ... müsste ich auch mal wieder putzen." Wofür hat man Ria? SIE wird es tun!
      Auf in den zweiten Stock.
      "Hier sind Haupt und Nebenbaezimmer. Nutze bitte die Tioletten im Nebenbad. Das ist gesünder. Hatte ich das schon erwähnt? Zum Duschen und Baden gibt es nur kaltes Wasser. Niemand weiß warum. Es ist zum kotzen. Schrei also nicht so laut! Oder wasche dich am Waschbecken. Da gibts warmes Wasser. WARUM ... AUCH ... IMMER!", knurrte sie zum Schluss und ballte die Fäuste.
      Es gab eine weitere Ecke ... voller Kartons und Müll. Zerknülltes Papier, Verpackungen, irgendwas und Dreck gemischt mit Staub.
      "Ähm, das kann ich erklären. Aber ich erspare es mir. Wir räumen später auf." Ria kann das Zeug rausschleppen. Als Übung .... selbstverständlich.
      "Ich habe hier noch ein drittes Zimmer. Es ist etwas kleiner. Entscheide selbst, wo du einziehen willst. Dein Zimmer ist im zweiten Stock, wie meines. Wir gehen zum Schluss hin. Hier gehts noch zum Dachboden. Dort gibts auch ne kleine Aussichtspallform an einer Seite. Da geh ich aber selten hin. Ich glaub, seit dem Einzug war ich nicht mehr da oben. Hmmmm.... müsste das Zeug mal prüfen." Später.
      Zurück im ersten Stock erreichten sie Rias Zimmer. Außer sie wollte weiter oben residieren.
      Isa öffnete die Tür. Es war duster, da alle Vorhänge zu waren. Spinnenweben, Staub und Wollmäuse belebten das Zimmer. Ansonsten war es möbilisiert. Und es gab einen Kamin. Ein große Bett und einen großen Spiegel.
      Das Licht ging mit einem Flackern an. Isa betrat den Raum und Ria folgte. "Gut, das Licht geht. Wie gesagt, du wirst hier sauber machen müssen. Der Raum war ungenutzt. Isa klatschte mit der Hand auf die Bettdecke und eine Staubwolke hüllte beide ein. Husten und Geröchel zwangen Isa dazu, einen Vorhang zu öffnen - eine weitere Wolke kam dazu - und mit letzten Sauerstoffreserven öffnete sie ein Fenster, um die Lungen wieder durch zu pusten.
      "Öhööö Öhöö.... viel Erfolgt damit ... öhööö..."
      Endlich legte sich der Staub größtenteils. Die Luft glitzerte im Schnein der Sonne mit unzähligen Staubfussel, als Isa wieder das Licht ausschaltete. Die Sonne erhellte den Raum genug.
      "Hast du noch irgendwelche Fragen?"
      Das Innere des Hauses war durch. Später könnte sich Ria auch noch im Garten umschauen.
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    • Ria hatte den Rundgang schweigend, aber keineswegs teilnahmslos verfolgt. Jede Tür, jeder Geruch, jede Staubschicht hatte etwas über Isa verraten, über ihren Lebensstil, ihre Prioritäten, ihren chaotischen Pragmatismus. Je länger sie durch dieses Haus geführt wurde, desto deutlicher wurde ihr: Isa mochte zwar unorganisiert wirken, aber alles hier hatte einen Zweck. Einen Hintergrund. Eine Geschichte. Und vermutlich auch eine Menge unausgesprochener Regeln.

      Als Isa endlich stopfte, hustete und ihr augenscheinlich den halben Inhalt des Zimmers in die Lunge gejagt hatte, blieb Ria kurz im Türrahmen stehen. Die Staubwolke hing noch in der Luft. Es kribbelte im Hals. Doch sie behielt ihre Fassung.

      Sie trat ein, zog die Tasche ein Stück höher auf die Schulter und ließ ihren Blick durch den Raum schweifen.

      „Fragen?“ wiederholte sie leise, und ihre Stimme klang dabei nüchtern, beinahe sachlich. „Ein paar. Vielleicht.“

      Sie ging ein paar Schritte durchs Zimmer, die Hände hinter dem Rücken verschränkt, und musterte den Kamin, den Spiegel, das Bett, den Boden. Nochmal Staub. Viel Staub.

      „Erstens“, begann sie und schob mit der Fußspitze eine Wollmaus zur Seite, „gibt es hier irgendwo einen funktionierenden Staubsauger? Oder soll ich mich komplett auf Besen, Lappen und meinen guten Willen verlassen? Letzterer ist begrenzt.“

      Ein feiner Hauch von Ironie lag in der Stimme, kaum wahrnehmbar, aber vorhanden.

      „Zweitens…“ Ria blieb vor dem Fenster stehen und zog den Vorhang ganz auf. Licht flutete den Raum noch stärker, und wieder schwebte eine neue Staubwolke auf. Ria verzog minimal das Gesicht, räusperte sich elegant, im Vergleich zu Isas röchelndem Überlebenskampf. „…wie viel von diesem ‚Aufräumen‘ ist eigentlich ernst gemeint? Ich frage nur, weil du jedes Mal so ein vielsagendes Lächeln aufsetzt, wenn das Thema fällt.“

      Die Frage war neutral formuliert, aber ihre Augen verrieten, dass sie Isa genau beobachtete. Dass sie durchaus verstanden hatte, wie gern Isa ungeliebte Aufgaben delegierte.

      „Drittens… das mit dem kalten Wasser.“ Sie wandte sich Isa wieder zu. „Ich hoffe, das ist kein Test. Oder ein Ritual. Oder ein seltsamer ‚Willkommen bei der MPO‘-Moment. Wenn ich mir hier nicht täglich die Seele aus dem Leib schreien soll, würde ich gern wissen, ob man den Warmwasserfehler irgendwann beheben kann. Oder ob das Haus schon seit Jahrzehnten darauf besteht, uns zu bestrafen.“

      Ein Luftholen und dann ein kurzer Blick in den Spiegel, der am Rand blind geworden war. Ria strich sich ein paar Staubpartikel von der Schulter.

      „Und viertens…“ Sie nahm wieder einen Schritt Abstand und stellte die Tasche ab. „Ich nehme das Zimmer. Auch wenn es aussieht, als wären hier erst gestern die Vorbesitzer gestorben. Aber es ist groß, hat ein Fenster, ein Bett und… einen Kamin. Er könnte nützlich werden.“

      Sie blickte Isa an. Ein sachlicher Ausdruck, doch nicht feindselig.

      „Ich räume auf. Keine Sorge.“ Dann folgte ein minimaler, trockener Nachsatz. „Wahrscheinlich überlebe ich es.“

      Sie legte die Hände in die Hüften und holte einmal tief Luft, diesmal ohne Husterei.

      „Also… gibt es sonst noch etwas, das ich wissen sollte, bevor ich mein neues Leben zwischen Munitionslabor, Geheimtüren und Kaltwasserfolter antrete?“

      Unten klingelte es bereits an der Tür ...
    • Isa verfolgte Rias Bewegungen durch das Zimmer. Es war ja auch alles neu für sie. Sie stellte dann die erste Frage. Für Isa klang es fast so, als würde Ria vermuten, sie lebte hinterm Wald. Aber das stimmte so nicht ganz. Es war einer in der Nähe. Bewaldetes bergiges Gebiet. Immernin waren sie südlich in der Stadt am Rande. "Tzz, natürlich gibt es hier einen Staubsauger. Und er funktioniert auch noch. Auch wenn die Saugkraft stark nachgelassen hat ( Beutelstaubsauger - nie gewechselt und entleert .... ). Dieses moderne Zeug ist wohl auch nicht mehr das Wahre. Alles weitere obliegt dir selbst, was dir lieber ist."
      Der Raum erhellte sich weiter, da Ria einen weiteren Vorhang beiseite schob. Dann auch noch eine vorwurfsvolle Frage. Als wenn sie hier nicht aufräumen würde.
      "Natürlich ist das ernst gemeint. Sonst würde sich der Unrat doich längst bis unter die Decke stapeln. Ich wohne schon eine Weile hier. Aber, ich gebe zu, in letzter Zeit gab es andere Prioritäten. Und zu Zweit sollte das schnell erledigt sein.", grinste Isa.
      Dann kam auch schon das Thema Dusche. Isa ließ die Arme nach vorn sinken und seufzte. "Wenn ich es nur selber wüsste, was da los ist, gäbe es das Problem ja nicht. Zum Baden gehe ich immer ins Badehaus, drei Straßen weiter. Es gab bereits Versuche, das Problem zu beheben. Es ist alles Inordnung. Nur das kein warmes Wasser aus der Dursche kommt. Überall sonst schon. Dieses Haus ist bestimmt schuld. Die Handwerker haben sogar schon die Rohre ausgetauscht. Die alten waren eh ganz verkalkt gewesen. Das Wasser sprudelt nur so aus der Brause. Aber es bleibt verdammtnochmal kalt!"
      Isa stampfte mit einem Fuß auf den Boden, was etwas Staub aufwirbelte und sie niesen ließ.
      Ria entschied sich dann aber, das Zimmer zu nehmen. Und es auf Vordermann zu bringen. Zumindestens hier müsste Isa keine Hand anlegen. Aber ganz zufrieden war Isa auch nicht. Ria hörte negative Dinge zum Haus, sah den Unrat und die Staubwüste. Aber das bewegte sie nicht dazu, aufzugeben. Also würde sie wohl tatsächlich mindestens ein Jahr hier bleiben. Außer zwischendurch würde ihr der Kragen platzen. Noch ist ja nicht aller Tage Abend.
      Isa überlegte kurz, auf die letzte Frage. "Hmmmmmm...., ich denke erstmal nicht. Teeschrank, Dusche, dein Motorrad in die Garage, ... ich denke erstmal gibt es keine weiteren wichtigen Dinge. Außer jemand kommt, und klingelt. Dann ist es entweder der Postbote, oder ein Kunde.", sagte Isa lächelnd und hob dabei den Finger.
      Es klingelte an der Tür.
      "Wenn man vom Teufel spricht. Ich erwarte keine Post. Du?"
      Ria auch nicht. Daher blieb nur die zweite Option. Allgemein bekam Isa keinen Besuch. Selten, das sich mal ein Nachbar her wagte.
      Sie gingen runter.
      "Begib dich zum Empfang. Warte dort.", meinte Isa. Damit war das Wohnzimmer hier im Erdgeschoss gemeint. Isa selbst begab sich zur Tür und öffnete diese.
      "Guten Tag, was kann ich für sie tun?", grüßte sie möglichst neutral. Man konnte ja nie wissen.
      Vor ihr stand ein bärtiger Herr mittleren Alters, der kurz seinen Schnauzer hin und her bewegte, und etwas gestresst wirkte.
      "G-guten Tag, äh, Frau Nakada, richtig? Ich ähh... ich komme wegen dem hier. Das ist doch die Adresse?"
      Er hielt einen abgerissenen Flyer in der Hand und zeigte ihn Isa.
      "Selbstverständlich. Kommen Sie doch rein, und erklären sie mir bitte unverzüglich ihr Anliegen."
      Isa führte ihn zur Lobby und stellte kurz Ria als ihre Assistentin vor, bot dem Mann dann einen Platz an. Ria sollte das erstmal still verfolgen.
      Der Mann erklärte kurz, das er sowas noch nie gesehen hätte. Etwas seltsames, etwas schreckliches. Er sprach von einer Vase, die er vor einigen Wochen geerbt hatte. Er fand sie im Haus seiner Eltern, als es geräumt wurde, für den Verkauf, da er es selbst nicht haben wollte. Diese Vase lag verpackt in einer mit Ketten umschlossenden Holzkiste. Da es keinen Schlüssel gab, grach er diese auf, und fand die Vase. Allerdings war diese verschlossen. Und der Deckel saß fest. Ein paar Tage stand sie auf einer Komode, aber eigentlich wollte er sie lieber verkaufen. Da sie gut gesichert war, vermutete er einen hohen Wert, und wollte die Vase nochmals auf Schäden prüfen. Der Deckel aber saß bombenfest. Daher nahm er sie mit in den Keller und versuchte den Deckel mit Werkzeug zu lösen. Mit etwas Geduld schaffte er es dann und schraubte diesen ab. Er war mit irgendwas verklebt worden. Doch als er den Deckel abgenommen hatte, gescha etwas abnormales. Rauch stieg auf. Und es hörte nicht auf. Und dann plötzlich Feuer. Es gab ein Rumpeln. Und heiße Flüssigkeit spritzte hervor. Er holte Wasser und kippte es hinein, aber es verdampfte sofort und dann wurde er mit glühender Asche bombardiert. Und mit Stichflammen. Jetzt fürchtete er, das ihm sein Haus abbrennen würde.
      Ihm war der Flyer aufgefallen, der vorn an einer Laterne hing. Isa meinte, dass das daran lag, weil er mit einem MO in Kontakt kam, und daher diese Flyer erkennen konnte. Und sie lobte ihn, sich direkt an sie gewendet zu haben. Sie würde sich um das Problem kümmern. Allerdings wäre das nicht ganz billig. Je nach Aufwand beginnt das Honorar bei 100.000 Yen. Außerdem müsste sie noch die Lohntabelle anpassen, da unter momentanen Umständen zwei Protectoren an den Aufträgen beteiligt sind. Also müsste er 200.000 Yen ( etwa 1100 Euro ) minimal zahlen, um das Problem zu lösen. Und es gäbe sonst niemanden, der es könnte.
      Der Mann kam ins schwitzen, aber er sagte zu. Auch wenn es noch teurer werden würde, war es besser, als wenn ihm dir Hütte abbrennt.
      "Sie können uns folgen. Halten sie aber Abstand. Ria? Wir haben Arbeit vor uns. Wir nehmen den Wagen. Eindämmungsmaterial ist im Kofferraum. Hast du deine Waffe und genug Munition dabei?"
      Sieließ Ria den Mann vor die Tür bringen, stürmte nach oben in ihr Zimmer und zog schnell ihre Dienstuniform an, und schnallte sich den Waffengurt um.
      Kurz darauf rannten sie zur Straße, wo Enigma stand.
      Der schicke, schwarze Oldi gehörte also Isa. Und er war ein MO. Gerade groß genug, das vier Leute bequem Platz fanden. ( wäre die Rückbank nicht auch etwas zugemüllt mit irgendwelchen Sachen )
      Ria starrte das natürlich auffällig an, und Isa bemerkte es. "Ähh.... das wollte ich später entsorgen. Ich sagte doch, ich räume auf!"
      Beide saßen jetzt im Wagen, und Isa drehte den Schlüssel um.
      Enigma schüttelte sich kurz und brummte dann auf. Der Motor klang alt, aber es fühlte sich kraftvoll an. Hinten verteilte sich bereits eine finstere Rußwolke aus dem Auspuff, die sich langsam emporsteigend verflüchtigte. Es roch nach Abgasen und verbranntem Öl.
      "Bist du bereit? Dann los! Njeheee..."
      Gang eingelegt - Fuß durchgedrückt aufs Gaspedal. Die Reifen quietschten, der Motor heulte auf, und beide wurden mit Kraft in die Sitze gepresst, als Enigma beschleunigte. Isa fuhr so ruppig, das man keine Schlaglochpiste benötigte. In wenigen Momenten war sie schon über die innere Ortsgeschwindigkeit hinaus und bretterte mit quietschenden Reifen um die Kurve. Dann geradeaus auf die Kreuzung zu. Keine Anstallten zu halten - einfach durch. Wie durch ein Wunder schafften es alle noch rechtzeitig auszuweichen, und auch Isa gab eine kurze Lenkung, um einem Laster auszuweichen. "WEG DA! ICH MUSS DURCH!", brüllte sie und hupte. Hinter ihr auch gehupe, Flüche und Fäuste, die aus Fenstern wedelten.
      "Wir brauchen etwas 10 Minuten bis zum Ziel. In der Gegend war ich schon.", erklärte Isa, während sie die nächste Kreuzung passierten.
      Das Dröhnen des Motors, als wäre die Drehzahl zu hoch, oder der Auspuff kaputt, begleitete das gelegentliche Poltern und Knallen, was widerum Rußwolken hinterließ. Und Jedesmal gab es einen kurzen Beschleunigungsruck, als würde der Wagen versuchen, seine Zylinder zu sortieren und den Motor beisammenzuhalten. Das Tacho zeigte stolze 85 km/h an. Und dann kamen weitere Fahrzeuge. Jetzt musste Isa sogar auch mal überholen und die Leute wegdrängeln.
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