The Shadow Curse [Rowena & Hemera]

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    • The Shadow Curse [Rowena & Hemera]

      Vorstellung

      The Shadow Curse

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      @Hemera & @Rowena


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      Hexford war kein Ort, in dem er sich jemals wiederzufinden gedacht hatte. Arthur war weder ein Hexer noch eines der anderen unzähligen übernatürlichen Wesen. Er war ein stinknormaler Mensch. Abgesehen von seinem Begleiter, der ihn seit seiner Kindheit auf Schritt und Tritt verfolgte. Was sich seither als eine stumme, schattenartige Gestalt getarnt hatte, entpuppte sich mehr und mehr zu einem wandelnden Albtraum. "Dreh um! Dreh um!", säuselte die dunkle Stimme, seitdem er in Hexford angekommen war. Je näher er seinem Ziel kam, desto unheimlicher wurde die Stimme des Schattens.
      Arthur schüttelte lediglich den Kopf und versuchte seine Konzentration auf das Stück Papier zu richten, das die Adresse eines Hexenladens beinhaltete. Das muss es sein. Sein Blick wanderte auf das kleine Geschäft, das sich vor ihm auftürmte. Nach dem Testament seiner Eltern, war der Eigentümer dieses Stübchens der Hexenmeister Alastor. Der Mann, der ihm helfen sollte. Womit? Arthur hatte keinen blassen Schimmer. Natürlich gab es den Schatten, doch seine Eltern konnten unmöglich von ihm gewusst haben. Arthur hatte sein Bestes getan, um seinen Verfolger niemals zu erwähnen. Auch wenn es ihm anfänglich schwer fiel seine Zunge zu hüten. Es hätte ihm ohnehin nichts gebracht von der Kreatur zu sprechen. Einerseits wollte er die Existenz des Wesens mit seinem Schweigen ignorieren, andererseits hätte man einem Kind, das Gespenster sah, nicht für vollgenommen. Man hätte seine Einbildung und die vielen Fernsehsendungen, die er als Junge konsumiert hatte, verantwortlich gemacht.
      Nun nützte es nichts mehr. Seine Eltern waren fort und er sah sich mit einer Situation alleingelassen, die ihm Kopfschmerzen bereitete.
      Er legte seine Hand auf den Türknauf und trat ein. Arthur hoffte noch immer, dass irgendjemanden bei der Bearbeitung des Testaments ein Fehler unterlaufen war. Genau wie er hatten seine Eltern zu ihren Lebzeiten keinen Kontakt mit der magischen Welt. Sie waren normale Leute, wie er. Auch die Stammbäume seiner Familien hatte er durchforstet und keinerlei Verbindungen zu Hexen oder der Gleichen finden können. Womit und weshalb sollte ihm dieser Alastor dementsprechend helfen können?
      Direkt beim Betreten des Geschäfts, trat Arthur ein angenehmer Duft in die Nase. Er identifizierte es als Kräuter verschiedenster Arten. Unsicher sah er sich in dem Geschäft um. Unzählige Regale waren mit Büchern, Kräutern und anderweitigen Objekten und Zutaten geschmückt. Das meiste davon hatte er noch nie in seinem Leben gesehen. Arthur glaubte in eine andere Welt eingetreten zu sein. Leise Musik strömte aus einer ihm unbekannten Quelle in den Geschäftsbereich. Während in den menschlichen Verkaufsläden oftmals popige Musik lief, ertönte in diesem Geschäft ruhige, klassische Musik. Entweder war Alastor wirklich alt oder Hexen hatten ruhige Töne lieber.
      "Entschuldigung? Ist jemand hier?", rief er in das leere Geschäft, während er sich weiter vorwagte. Arthur bemerkte, dass der Schatten es sich bereits in einer dunklen Ecke bequem gemacht hatte. Doch im Gegensatz zu sonst wirkte die Kreatur unruhig. Wohlmöglich mied seine Art solche Orte für gewöhnlich. "Raus! Raus! Hier findest du nichts!", rief der Schatten ihm zu und bläkte die scharfen Zähne. Plötzlich war Arthur mehr als nur fasziniert von dem hölzernen Paket, um dem Schatten keine weitere Aufmerksamkeit zu schenken. "Los! Raus! LOS!" Doch Arthur reagierte noch immer nicht, was dem Wesen ein tiefes Knurren entlockte.
      "Alastor?", hakte Arthur erneut nach. Er wollte die Angelegenheit so schnell wie möglich hinter sich bringen und bestenfalls heute mit den gewünschten Antworten verschwinden.

      "NEIN! RAUS! NEIN!"
    • Cecilia Sinclair

      Mit einem lauten Seufzen kippelte Cecilia in dem alten Stuhl, auf dem sie saß, nach hinten. Ihr gelangweilter Blick sah sehnsüchtig über den chaotischen Schreibtisch hinweg aus dem Fenster und beobachtete die vorbeiziehenden Wolken. Sie konnte sich tausend Dinge vorstellen, die sie lieber tat, als in diesem verbrauchten Hexenladen zu arbeiten, der schon lang über seine Zeit hinweg ausgedient hatte. Dennoch fand sie sich jeden Vormittag hier ein und blieb bis die rötlichen Strahlen des Sonnenuntergangs ihr entgegen leuchteten. Dieser Laden war das Vermächtnis ihres Hexenmeisters Alastor. Bis zu seinem Tod hatte er sich um alles hier gekümmert und die blauhaarige Hexe hatte sich währenddessen im Hinterzimmer mit dem Studieren von Zaubern beschäftigt. So war Alastor immer direkt da, falls eine Formel mal nicht so aufging, wie sie es sich vorgestellt hatte. Das war ihr auch viel lieber gewesen, als den Laden selbst schmeißen zu müssen - doch war es sein Wunsch. Cecilia war seine letzte Schülerin gewesen und er hatte sie besonders ins Herz geschlossen. Deswegen hat er ihr all das anvertraut, was ihm besonders heilig und wichtig war. Zum Beispiel die Leitung dieses kleinen Ladens. Oder sich um seine Pflanzen zu kümmern. Bei dem Gedanken entfuhr der jungen Hexe erneut ein Seufzen. Sie war nicht so gewissenhaft wie ihr verstorbener Hexenmeister und da waren noch so viele Anweisungen von ihm, die sie noch nicht erfüllt hatte. Vor allem hatte der alte Mann immer in Rätseln gesprochen, so dass er es Cecilia nicht leichter mit der Erfüllung aller Punkte seiner endlosen Liste machte.

      Eine fragende, unsicher Stimme holte die Hexe aus ihren Gedanken. Helix, ihr treuer Begleiter in Echsengestalt, wanderte neugierig mit schnellen Bewegungen ihren Arm hoch bis hin zu ihrer Schulter. Die magische Kreatur war so groß wie Cecilias Hand und schimmerte dunkel zwischen ihren blauen Haarsträhnen hindurch. Langsam stand sie von dem knarzenden Stuhl im Hinterzimmer auf und streckte sich kurz, ehe sie zu dem Türrahmen lief, der das Zimmer mit dem Verkaufsraum verband. Der blaue Haarschopf lugte neugierig hinter der hölzernen Einfassung der Tür hervor.
      Inmitten des vollen Wirrwarr aus alten Holzregalen, verstaubten Büchern, getrockneten Kräutern und anderem magischen Kram stand ein junger Mann, der hinter seinen Brillengläsern zu Boden sah. „Alastor?“, fragte seine Stimme in den Raum. Cecilia zog verwirrt die Augenbraue hoch. Sie hatte nun schon oft vom Ableben des Hexenmeisters erzählen müssen, aber mittlerweile hatte sich die Nachricht eigentlich in ganz Hexford verbreitet. Die junge Frau richtete sich auf und erschien neben der altertümlichen Verkaufstheke, die auch aus einem Antiquariat Laden stammen könnte. Wahrscheinlich war sie sogar älter, als Alastor selbst geworden war. Ihre zierliche Gestalt stand in einem weißen Oberteil und einem langen schwarzen Rock mit hohem Schlitz, der ihr Schlangentattoo sichtbar darstellte, angelehnt an der Verkaufstheke. Sie räusperte sich leise um die Aufmerksamkeit des Fremden zu bekommen.

      „Wer auch immer dich hergeschickt hat, Alastor ist schon vor einem Monat verstorben“, erklärte die blauhaarige Hexe diplomatisch, doch auch jetzt noch tat es ihr weh diese Worte aussprechen zu müssen. Sein Tod hatte tiefere Spuren hinterlassen, als irgendjemand von außen hätte annehmen können. Ehrlicherweise hatte Cecilia seitdem nichts mehr mit der magischen Welt zu tun gehabt, außer täglich in diesem Laden festzuhängen. Sie wusste das Alastor immer allen helfen wollte, weswegen viele diesen Ort überhaupt aufsuchten, doch Cecilia war nicht so.
      „Also was auch immer du von ihm wolltest, musst du wohl woanders finden“, informierte sie ihn mit einem unbeteiligten Schulterzucken, während ihre schmale Hand über die von der Zeit gezeichneten Holztheke wanderte.
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    • Das hasserfüllte Zischen des Schattens deutete daraufhin, dass jemand den Raum betreten hatte. Arthur ließ seinen Blick zu der jungen Frau schweifen, nachdem sie ein Räuspern von sich gegeben hatte, um seine Aufmerksamkeit zu erlangen. Sie musste in diesem Stübchen arbeiten und daher Alastor kennen.
      Noch ehe er den Mund öffnen und nach dem Hexenmeister fragen konnte, verkündete sie ihm eine schlechte Botschaft. Alastor war verstorben? Er ließ die Schultern hängen. Natürlich war Arthur nicht sonderlich heiß darauf gewesen sich in all diesen magischen Kram zu vertiefen, von dem er ohnehin keinen blassen Schimmer hatte. Seinen Eltern schien es allerdings wichtig gewesen zu sein, dass er den Hexer aufsuchte. So wichtig, dass sie es in ihrem Testament hinterließen. "Das tut mir aufrichtig Leid", sprach er sein Beileid aus. Er kannte weder Alastor noch diese Frau, doch jemanden zu verlieren war nie einfach.
      "Ich weiß nicht, ob mir ein anderer Hexenmeister helfen kann. Meine Eltern gaben explizit Alastor in ihrem Testament an", teilte er der Blauhaarigen verzweifelt mit und schob sich verzweifelt eine Hand durch seinen Schopf. Anhand ihrer Körperhaltung erkannte er, dass sie wenig Interesse daran hatte ihm zu helfen. Ihr war es lieber, wenn er so schnell wie möglich verschwand.
      Der Schatten schien dies ebenfalls bemerkt zu haben. Ein höhnisches Lachen entsprang seiner Kehle und er wippte auf und ab. Ähnlich einem Kind, das gerade seine Lieblingssüßigkeit versprochen bekam. "Niemand außer mir kann dir helfen. Komm zu mir", flüsterte der Schatten verführerisch, als könne er jeden von Arthurs Wünschen erfüllen. Doch Arthur war ein Meister des Ignorierens. Was immer ihm dieser Schatten versprach, es konnte nichts Gutes verheißen. "Sie will dir nicht helfen, nein? Zerstör den Ort!" Erneut lachte die Kreatur, wobei dessen Stimme immer dunkler wurde. Arthur hatte das Gefühl, dass sein Innerstes zu vibrieren begann.
      "Es tut mir wirklich Leid, dich damit belästigen zu müssen. Aber könntest du einen Blick auf das Testament werfen und mir sagen weswegen ich Hilfe brauche? Meine Eltern haben deutlich niedergeschrieben, dass ich Alastors Hilfe unbedingt vor meinem 25. Geburtstag in Anspruch nehmen soll." Sonst würde etwas Unheilvolles passieren. Und mit seinem Geburtstag kurz vor der Tür war es wichtiger denn je.
      Arthur kramte die Kopie des Abschnittes, welcher Alastor umfasste, aus seinem Rucksack und hielt diese der jungen Hexe hingegen. Er war ein hartnäckiger Mann. "Es reicht auch, wenn du mir eine andere Hexe empfehlen kannst, die mir helfen kann. Auch wenn meine Eltern unbedingt Alastors Hilfe wollten. Leider kenne ich mich nicht mit der magischen Welt aus. Gerade bist du meine Einzige Chance etwas herauszufinden."
      Erst jetzt entdeckte er das kleine echsenartige Wesen, das es sich auf der Schulter der Frau bequem gemacht hatte. Zwischen ihren Haaren versteckt, fiel es kaum auf. Wenn er sich nicht täuschte, musste es sich bei diesem Tier um ein Familiar handeln. Es war einer der wenigen Begriffe der magischen Welt, die er aufgeschnappt hatte. Größtenteils weil Schulkameraden aus seiner Kindheit immer ein solches Wesen als Haustier und Kuschelpartner haben wollten.
    • Cecilia Sinclair

      Die junge Frau verschränkte die zierlichen Arme vor der Brust, während sie zusah wie der Fremde in dem kleinen Hexenladen langsam in sich zusammen sank. Die breiten Schultern hingen entmutigt nach unten und fast hatte Cecilia gedacht, damit hätte sich das Ganze erledigt. Doch der grauhaarige, junge Mann ließ nicht so leicht locker, wie die Hexe es sich erhofft hatte. Ein leises Seufzen entfloh ihren vollen Lippen und ungeduldig tippte sie mit einem Finger auf ihrem Oberarm. „Meine Eltern gaben explizit Alastor in ihrem Testament an.“, erklärte er nachdrücklich, wobei Verzweiflung in seiner Stimme mitschwang. Für einen kurzen Augenblick runzelte sich die Stirn der jungen Frau unter den kurzen blauen Strähnen, die ihr ins Gesicht hingen. Es war als klingelte da etwas ganz entfernt in ihrem Hinterkopf, doch verdrängte der Wunsch einfach in Ruhe gelassen zu werden diesen Eindruck. Wie eine steinerne Maske zog sich der Ausdruck von Gleichgültigkeit über ihr Gesicht. Aber auch das schreckt den Fremden nicht davon ab, es zumindest zu versuchen ihre Hilfe zu bekommen. Sie biss genervt die Zähne zusammen und beobachtete wie der junge Mann ein Stück Papier aus seinem Rucksack zog.

      Die blauhaarige Hexe überlegte, wie sie ihn schnell loswerden konnte. Er kannte sich nicht in dieser Welt aus, also konnte sie ihn auch einfach irgendwohin schicken. Er wusste ja anscheinend nicht mal wofür er überhaupt Alastors Hilfe brauchte. Nachdenklich betrachtete sie das Schriftstück vor ihrer Nase, welches er ihr unnachgiebig hinhielt. Ihre unterschiedlich farbigen Augen wanderten über die aufgedruckten Buchstaben hinweg und schon wieder hatte sie das Gefühl, das etwas lang Verdrängtes in ihren Gedanken zur Oberfläche kam. Sie versuchte diesen aufkommenden Eindruck zu unterdrücken, doch es half nichts. Im Kopf des blauen Haarschopfs ertönte die alte, raue Stimme des Hexenmeisters Alastor. „Cecilia, du musst mir versprechen, dass du meine Arbeit fortführst“, hallte es in ihrem Kopf wieder. Sie spürte, wie die gleiche Verwirrung und Trauer von vor einem Monat in ihr hochkochte. „Ich kann niemandem diese Aufgabe anvertrauen, außer dir. Nur du und deine Magie können so einen Fluch aufheben.“
      Knirschend rieben ihre Zähne aufeinander und die Muskeln an ihrem Kiefer standen angespannt hervor. Ihre Hand, die von einer weißlichen Narbe gekennzeichnet war, griff nach dem Papier. Noch einmal las sie sich das Testament durch, doch die Buchstaben verschwammen in einem einzigen Chaos. Helix, der als Cecilias Begleiter eng an sie gebunden war und ihre Emotionen auch blind wahrnehmen könnte, kletterte mit den kleinen schwarzen Beinen flink ihren schmalen Arm hinunter. „Es ist was Alastor dir aufgetragen hat“, kam es von der eidechsenartigen Kreatur in einer viel dunkleren Stimme, als man von so einem kleinen Wesen erwarten würde. Ihr Blick wanderte von dem Schriftstück zu Helix, der aufgeregt auf ihrer Hand saß. Cecilias Stirn legte sich in Falten und ihre Augen schmälerten sich. Ihre Lippen lagen aufeinander gepresst und sie strahlte eine grimmige, gleichzeitig aber auch aufgewühlte, Aura aus. Langsam und unstet ließ sie ihre Hände auf die hölzerne Verkaufstheke sinken. Tief atmete sie ein und aus, bevor sie zu dem Grauhaarigen aufsah. „Nagut.“, kam es nur knapp von ihr, während sie an ihm mit verschränkten Armen vorbei schritt und das Schild an der Tür mit dem Schriftzug Geöffnet umdrehte.

      Ihr Blick glitt aus dem kleinen Fenster der Ladentür. Wie sollte sie das denn bewerkstelligen? Wenn Alastor es schon nicht geschafft hatte diesen generationsübergreifenden Fluch aufzulösen, wie sollte sie es dann hinbekommen? Vor allem hatte sie schon seit einem Monat nicht mehr Magie angewandt und noch viel länger her ist es, dass sie zuletzt für jemand anderen als sich selbst gezaubert hat. Sie konnte die Konsequenzen ihrer chaotischen Magie hinnehmen, aber was wenn sie ihm schaden würde? Bei dem Gedanken drehte sie sich zu dem Fremden, den sie an der Verkaufstheke stehen gelassen hatte.
      „Ich werd versuchen dir zu helfen“, deklarierte sie, wobei eine gewisse Unsicherheit in ihrer hellen Stimme hervorstach. Mit unsteten Schritten lief sie auf ihn zu. Wieder biss die blauhaarige Hexe die Zähne zusammen, bevor sie dem Fremden ihre zierliche Hand entgegenhielt - wobei Helix dort sitzen blieb. „Ich war Alastors Schülerin“, stellte sie sich ihm vor, „mein Name ist Cecilia.“ Die schwarze, schimmernde Echse sprang aufgeregt auf ihrer Hand herum, weswegen ihre Augen zu dem Wesen runter glitten, bevor sie mit einem Seufzen hinzufügte: „Und das ist Helix.“
      ☀︎ Live by the sun
      Love by the moon ☽︎
    • Erleichterung durchströmte Arthurs Körper, nachdem sie sich dazu breitschlagen ließ ihm zu helfen. Er fühlte sich zwar schuldig sie in diese Lage gezogen zu haben, obwohl sie sichtlich genervt davon war, doch blieb ihm schlichtweg keine andere Möglichkeit. Er musste herausfinden, was es mit dem Testament seiner Eltern auf sich hatte. Selbst wenn es sich als nichts weiter als ein Irrtum herausstellte.
      "Freut mich", entgegnete er und nahm ihre Hand, wobei ihm das kleine Wesen, das es sich auf dieser bequem gemacht hatte, nicht entgangen war. "Mein Name ist Arthur. Und hallo Helix." Er lächelte dem Familiar kurz zu und richtete seinen Blick anschließend wieder auf die junge Hexe, ehe er die Hand dieser erneut losließ.
      "Wie du bestimmt schon bemerkt hast, habe ich keine Ahnung von dieser magischen Welt." Verlegen kratzte er sich am Hinterkopf. Hoffentlich würde sein Unwissen gegenüber der Sache keine Schwierigkeiten für ihn oder sie bedeuten. "Das Testament ist meine einzige Verbindung zu der ganzen Sache. Meine Eltern sind ... waren ganz normale Menschen. Ich habe sämtliche Stammbäume und Kontakte durchforstet, aber nichts gefunden, was auf einen Hexer, Hexe oder Sonstiges hindeutet. Ich bin also völlig ratlos."
      Von seinem schattenhaften Kumpel wollte er ihr noch nicht erzählen. Weder wollte er sie vergraulen oder dem Schatten die Gewissheit geben, dass er ihn beachtete. Ihn zuzugeben würde bedeuten ihn sich einzugestehen. Arthur wollte dies vermeiden. Und wer wusste es schon? Vielleicht hatte er doch nur eine rege Fantasie und der Schatten war doch nur eine Einbildung.
      Als würde die Kreatur seine Gedankengänge hören können, begann er erneut zu lachen und von einem Schatten zum nächsten zu huschen. Beinahe wie ein Kind, das unbedingt die Aufmerksamkeit eines Erwachsenen erhaschen wollte.
      "Und es tut mir wirklich Leid dich in die ganze Angelegenheit hineinzuziehen. Hoffen wir einfach, dass es alles ein riesiger Irrtum ist." Ein verlegenes Lächeln schlich auf seine Lippen, ehe er den Blick von ihr abwand. Arthur war nicht besonders gut im Umgang mit anderen Personen. Er zog es vor allein zu sein. Besonders nach dem Tod seiner Eltern hatte er sich zunehmend zurückgezogen. Seine kleine Wohnung hatte er nur noch für die Arbeit verlassen. Besorgungen waren dank der etlichen Lieferdienste der heutigen Zeit kein Problem gewesen. Er hatte sich bequem jegliche Lebensmittel und andere Produkte des Alltags zusenden lassen.
    • Cecilia Sinclair

      Aufmerksam betrachtete sie den Grauhaarigen vor sich, der einen ganzen Kopf über die zierliche Hexe hinweg ragte. Nach Cecilias Zusage, ihm zu helfen, verlor sein muskulöser Körper etwas an Anspannung und wirkte deutlich entspannter. Im Gegensatz dazu zog die junge Hexe ihre schmalen Schultern zurück und sammelte bereits ihre Konzentration - die würde sie auch brauchen, um überhaupt auf irgendwelche Anhaltspunkte zu kommen. Sie nickte kurz, als sich der Fremde ihr als Arthur vorstellte. Helix kletterte wieder den zierlichen Arm der jungen Frau hinauf zu ihrer Schulter und sah Arthur aus leeren, blau leuchtenden Augenhöhlen heraus an. Die beiden als Team hörten ihm aufmerksam zu, als er erzählte wie seine Familie keinerlei Verbindung zur magischen Welt hatten. Cecilia verschränkte nachdenklich die Arme vor der Brust und ihr Blick ruhte schweigend auf ihm. Immerhin wusste sie nun, dass mit keiner Hexe im Stammbaum der Fluch von jemandem außerhalb der Familie gekommen sein muss.
      Bei seiner Entschuldigung zog sie lediglich die Schultern hoch, doch dann legte die junge Hexe ihren Kopf schief. Die blauen, langen Haare fielen ihr nach vorne vor die Brust und nachdenklich schmälerten sich ihre mandelförmigen Augen. Hatte ihm niemand vom Fluch erzählt? Er wusste also wirklich nicht mehr als das, was im Testament stand? Ein leises Seufzen kam ihr über die Lippen. Warum hatten alle ihr die Aufgabe überlassen, ihm diese schreckliche Neuigkeit zu übermitteln? „Es brauch dir nicht leid tun“, erklärte sie nachdenklich - in Gedanken war die blauhaarige Hexe dabei, wie sie ihm die Situation verständlich machen sollte. Cecilia lief an ihm vorbei und deutete ihm ihr ins Hinterzimmer des Ladens, aus dem sie erschienen war, zu folgen.

      Neben dem vollgestellten Schreibtisch befand sich in dem kleinen Zimmer zwei Sessel und ein alter Beistelltisch. Die Wände waren ausnahmslos von deckenhohen Bücherregalen verdeckt, die bis zum Rand vollgestellt waren mit den unterschiedlichsten Büchern. Die meisten hatten ihre beste Zeit bereits gesehen und andere waren schon mit einer dicken Staubschicht bedeckt. Die Blauhaarige deutete ihm sich zu setzen, während sie sich vor eins der vielen Bücherregale stellte und die Hände in die Hüfte stemmte. Ihre Augen wanderten von einem Buchrücken zu dem anderen. „Niemand hat dir erzählt was mit dir ist?“, erkundigte sich Cecilia, doch konnte sie sich diese Frage auch selbst beantworten. Helix sah abwechselnd zu dem grauhaarigen Mann und der jungen Hexe. Er wusste, dass sie sich unbehaglich dabei fühlte, ihn über alles aufklären zu müssen. Seufzend stützte sie eine Hand am Bücherregal ab und widmete Arthur ihre Aufmerksamkeit. „Ich wusste das du hierher kommen würdest, Alastor hat mir aufgetragen dir zu helfen“, fing sie an zu erklären, „deswegen braucht es dir auch wirklich nicht leid tun.“ Sie schenkte dem jungen Mann ein schmales Lächeln gezeichnet mit Anteilnahme an dieser Situation.
      Sie rang sichtlich nach Worten, um ihr Wissen über seinen Fluch mit ihm zu teilen. „Deine Eltern hatten Alastor aufgesucht, um einen Fluch zu brechen“, formulierte sie vorsichtig und biss sich kurz auf die volle Unterlippe, „Es ist ein generationsübergreifender Fluch.“ Ihre Augen sahen ausweichend zu den Büchern im Regal neben ihr. Cecilia fing an mit ihren Finger über die einzelnen Buchrücken entlang zu fahren und wirbelte dabei ein wenig Staub auf. „Wie lange haben wir bis zu deinem 25. Geburtstag?“, fragte sie gezwungen, obwohl sie die Antwort lieber nicht hören wollen würde. Es würde bestimmen wie viel Zeit sie hatte, um zu beenden, was Alastor angefangen hatte.
      ☀︎ Live by the sun
      Love by the moon ☽︎