Like father, like son [Kiimesca&Hemera]

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    • Like father, like son [Kiimesca&Hemera]

      Like father, like son

      Vorstellung





      „Her world was the color of pearls: pale white and pink, and softly glowing.“



      Juliette de Valois

      „Du musst unbedingt mitkommen“, quängelte es am anderen Ende der Leitung „du verpasst sonst was!“ Es war meine Freundin Sophie, die mich wieder zu einem Nachtclub mitschleifen wollte. Seufzend lauschte ich ihren Argumenten, warum es ausgerechnet dieses Mal sooo viel spaßiger werden sollte als sonst. „Du, Soph, ich hab noch ein Kunstprojekt für Studium zu erledigen, ich leg jetzt auf, ja?“, entgegnete ich ihr schließlich, wobei ich darauf achtete meine nicht böse zu klingen. Damit konnte sie nämlich garnicht umgehen. „Nein bitte, du musst mitkommen! Wir gehen zum Apólafsi, die Gelegenheit bietet sich nicht jedes Wochenende!“, jammerte sie wie ein Kleinkind. Erneut kam ein Seufzen über meine Lippen. Dann aber fiel mir ein wem genau dieser Nachtclub gehörte und was es neben Alkohol und zu lauter Musik dort gab. „Was soll ich anziehen?“, fragte ich schließlich nach einer kurzen Pause. Freudenschreie am anderen Ende, erst danach ihre Erklärung das etwas gewagtes sein sollte. Worauf ließ ich mich hier nur ein? mein Kleiderschrank bestand nur aus süßem rosa und unschuldigem weiß, Kleider für einen Nachtclub waren da nicht so vertreten. Aber wollte ich auch nicht noch bevor wir uns beim Club trafen Sophie treffen, um mir etwas von ihr zu leihen. Ich durchforstete die aneinandergereihten Kleiderbügel in der Hoffnung doch etwas passendes für diese Nacht zu finden. Und tatsächlich, was ich ursprünglich für einen Fehlkauf hielt würde heute seinen Moment bekommen! Ein rosanes, kurzes Slipkleid, das genau die Stellen meines Körpers betonte, die es akzentuieren sollte.

      Eine ganze Stunde später hatte ich nicht nur Kleid und passende Schuhe rausgesucht, sondern mich auch etwas mehr geschminkt als es gewöhnlich tun würde. Während ich dem ganzen Look den letzten Schliff verpasste mit Ohrringen und einer Perlenkette, lief über meinen kleinen Lautsprecher französische Musik. Dank meinem Vater hatte ich diese Wurzeln zu Frankreich und zur französischen Sprache, was seit seinem Tod noch mehr an Bedeutung gewann.
      Ein letzter prüfender Blick in den Spiegel, bevor ich die Musik pausierte und Sophie schrieb, dass ich sie in einer halben Stunde vor dem Club treffen würde. Eigentlich war es nah genug um zu laufen, aber gerade in hohen, glitzernden Sandalen wollte ich mir das nicht antun. Besonders musste ich nicht unbedingt allein in einem kurzen Kleidchen um 21:30 Uhr durch die Straßen ziehen. Dementsprechend ging ich mit einer weißen Handtasche bewaffnet von meiner kleinen Apartmentwohnung lediglich die Treppen runter zur Bushaltestelle.

      Die halbe Stunde war anscheinend etwas großzügig geschätzt, denn mit dem Bus war ich deutlich schneller da als erwartet. Ich stieg knapp vor dem Eingang Club aus und es war gerade mal 21:45 Uhr. So „früh“ tummelten sich noch kaum Partywütige vor den Türen des beliebten Nachtclubs. Vielleicht war das meine Gelegenheit noch auf den Besitzer zu treffen, bevor Soph mir am Arm hing und mich zu irgendwelchen kurzweiligen Bekanntschaften überzeugen wollte. Soph ich bin schon da, ich geh rein und hol mir was zu trinken, du findest mich schon. - schrieb ich ihr, bevor ich auf den den beeindruckenden Eingang mit zwei Secruitymännern ausgestattet zu stolzierte.

      Obwohl noch nicht allzu viele Leute sich im inneren des Clubs befanden, lief bereits laute Musik die aus den Lautsprechern dröhnte. Meine Augen brauchten kurz um sich an die ganzen leuchtenden Lichter zu gewöhnen, bevor ich mich überhaupt umschauen konnte. Angeblich sollte es mehrere Tanzflächen mit unterschiedlichen Musikrichtungen geben, zumindest wurde es so online beschrieben. Das hatte ich während der Busfahrt herausgefunden. Jetzt bloß nicht unsicher wirken, sonst würde mich noch irgendjemand anquatschen, dessen Aufmerksamkeit ich nicht wollte. Schon während ich die Bar ansteuerte, merkte ich den ein oder anderen Blick, der mich fixierte. Ich war nicht hier um zu flirten oder eine schnelle Nacht zu verbringen. Niemals hätte ich zu diesem Abend zugestimmt, wenn ich nicht die Möglichkeit hatte auf den Sohn von Hades zu treffen. Es gab zumindest Gerüchte, dass wenn man eine Wette gegen ihn gewann, man einen Wunsch bei ihm frei hatte. Vielleicht würde er mir auch nicht bei meinem Anliegen helfen können, aber ich wollte es zumindest versuchen. Aber etwas brauchte ich etwas um meine Sinne zu beruhigen. Sonst würde ich nicht mein selbstbewusstes Ich ihm gegenüber zeigen können.

      „Ein Aperol Spritz bitte“, bestellte ich an der Bar angekommen und lehnte mich gegen die beleuchtete Theke, auf die ich meine kleine Handtasche abstellte.

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    • Kirian / Alexander Daskalalos

      Wo soll ich bloß anfangen?
      Bei meinem Namen? Meinen Eltern? Nun, mein Vater ist der Gott der Unterwelt. Hades. Übersetzt so etwas wie 'der Unsichtbare'. Das bringt mich direkt zu meinem Namen. Kirian. Im dunkeln geboren. Warum könnt ihr euch sicher denken. Weil meine wunderschöne Mutter griechischer Herkunft eine von Hades' Affären war. Nichts besonderes. Warum sollte ein Gott auch nur eine Frau haben? Jedenfalls war sie nicht so besonders wie Persephone. Wie auch immer.

      Mir war der Name nicht eindrucksvoll genug. Menschen wussten ohnehin nur selten von ihrer Bedeutung. Deshalb nannte ich mich Alexander. Alexander der Große reichte als Beispiel und der Name war auch in der heutigen Zeit noch sehr beliebt. Den Nachnamen meiner Mutter hatte ich schon früh abgelegt. Daskalalos war meine Wahl. 'Meister'. Meister Alexander war doch ein gebürtiger Name für einen Halbgott meines Kalibers.

      Warum ich mich mit langweiligen Menschen und manchen Halbgöttern abgab, anstatt dem ach so großen Hades in der Unterwelt zu helfen? Es war stinklangweilig da unten und kein Arsch interessierte sich noch dafür. Den jungen Menschen stand es nach etwas anderem: Vergnügen. 'Apólafsi'.
      In meinen Nachtclub wurden alle Wünsche erfüllt. Der eine wollte nur entspannt etwas trinken und Musik lauschen. Der andere wollte jemanden abschleppen. Einfach nur tanzen und das Leben genießen. Seinen Frust ertränken. Heiße Männer und Frauen beobachten. Das Apólafsi bot alles. Mehrere Räume mit unterschiedlichen Musikrichtungen. Jeder mit einer Bar. Räume um einem Stripper oder Stripperin Geld zuzustecken. Selbst ein Karaokeraum, aus dem ich mich meist fernhielt. Und natürlich auch die Glückshalle. Poker, Black Jack, Roulette. Was das Herz begehrte. Und wo ich die meisten meiner Wetten abhielt. Immerhin fielen diese auch unter das Glücksspiel. Hier verbrachte ich die meiste Zeit, doch erst, wenn der Laden etwas voller war. Bisher waren dort nur die üblichen Versager, die auf den großen Gewinn hofften. Ich spielte nicht immer fair, das gebe ich zu. Aber es war nichts manipuliert.

      Zu dieser Zeit hielt ich mich in der sogenannten Eingangshalle auf. Der erste Raum, den jeder betrat und von dem aus man in fast alle anderen Bereiche gelangte. Manche durchquerten ihn mehrmals an einem Abend, um zwischen den Räumen zu wechseln. Vor allem jene, die nicht häufig hier waren. Frischfleisch. Und nach diesem hielt ich gern Ausschau.
      Ein hübsches blondes Ding, dass zum ersten Mal hier war. Ich hatte ein hervorragendes Gedächtnis.
      Mein Blick wanderte über ihre Kurven, während ich gemütlich in einem der schwarzen Ledersessel saß und an meinem Gin Tonic nippte. Sie hatte nicht die üppigsten Hüften und auch nicht besonders große Brüste, aber ich maß Schönheit auch nicht an der Größe des Vor- oder Hinterbaus. Es war die Ästethik. Die Symmetrie und Stimmigkeit. Wie alles gemeinsam in einem eindrucksvollen Orchester zusammenspielte. Und wie die Diregentin sie zu leiten wusste. Doch dieses Exemplar schien mir fast ein Rohdiamant zu sein, der noch geschliffen werden musste.

      Mein eigenes Vergnügen kam natürlich nicht zu kurz, wobei eine meiner größten Freude mein Reichtum und mein Ruhm waren. Und der Ruin anderer. Wobei man das so nicht ganz sagen konnte. Wer wirklich pleite war, konnte nicht wiederkommen. Und Eintagsfliegen sprachen selten Lob aus. Also gab es immer wieder ein paar glückliche Gewinner. Auch bei meinen Spezialwetten ließ ich hin und wieder bewusst jemanden gewinnen. Andernsfalls sähe es so aus, als wären die Gewinnchancen zu niedrig und das Risiko zu groß.

      Was trieb also diesen Rohdiamanten zu mir? Der Nervenkitzel? Lust auf was neues? Der Frust? Nein, so sah sie nicht aus. Da sie allerdings - zumindest noch - allein war, war sie auch keine Mitgeschleifte. Allerdings roch sie nach Unschuld. Nicht wörtlich. Aber ich hatte ein ganz gutes Gespür für Menschen. Doch auch wenn sie für Menschen unscheinbar wirkte, hatte sie etwas göttliches an sich. Eine Halbgöttin also.

      Nachdem die Analyse aus der Entfernung binnen weniger Minuten abgeschlossen war, erhob ich mich um zielsicher an die Barzu gehen und mich neben sie zu setzen. Mit einem Stuhl Abstand, wie es der Anstand verlangte. Ein unauffälliges Handzeichen sagte dem Barkeeper, dass ihr Drink aufs Haus ging. "Geht aufs Haus", zwinkerte ihr der gutaussehende Kerl - nützlicher Frauenmagnet - zu und wies mit einer knappen Bewegung seines Kopfes auf mich.
      "Herzlich willkommen im Apólafsi", begrüßte ich sie mit meiner klaren und kraftvollen Stimme, sowie einem charmanten Lächeln. Entweder wusste sie noch nicht ganz, wo sie hinwollte oder wartete auf jemanden. Ich tippte auf letzteres. Frauen kamen selten allein. Schon gar nicht Frauen wie sie.
      ~ ♦ ~ Die Freiheit der Phantasie ist keine Flucht in das Unwirkliche; sie ist Kühnheit und Erfindung. ~ ♦ ~
      - Eugene Ionesco

      Dieser Beitrag wurde bereits 1 mal editiert, zuletzt von Kiimesca ()

    • Juliette de Valois

      Ich wollte gerade mein Handy aus meiner Handtasche ziehen, als der Barkeeper mir schon ein gefülltes Glas mit ausladendem Kelch und langem Stiel über die Theke zuschob. Meine Aufmerksamkeit galt noch immer der Aufgabe mein Handy in den Tiefen meiner Tasche aufzuspüren, bis nicht die Information dazu kam, dass mein Aperol aufs Haus gehen würde. Ich war noch keine 5 Minuten hier, hoffentlich versuchte nicht irgendjemand sich an mich ranzumachen. Das konnte ich wirklich nicht gebrauchen. Meine grünen Augen sahen erst zum Barkeeper auf, dann zu dem Mann der zwei Plätze von mir entfernt saß. Schwarze Haarsträhnen fielen ihm über die Stirn und ein dunkler Dreitagebart umrahmte das charmante Lächeln, welches er mir schenkte. „Dankeschön“, entgegnete ich und zog dabei die Mundwinkel leicht an. Ein volles Lächeln war es nicht und böswillig meinte ich es auch nicht, aber ich hatte kein Interesse daran von irgendwelchen Männern angequatscht zu werden. Ich nahm das langhalsige Glas zwischen meine schmalen Finger und deutete es kurz als Geste in die Richtung des Fremden, bevor ich einen Schluck davon nahm. Mit einem leisen Klirren setzte ich es wieder auf der Theke ab. Meine Hand grub erneut nach meinem Handy in der Tasche, welches ich dieses Mal auch erfolgreich vorfand. Auf dem Display prangerten mich mehrere Nachrichten an. WAS? Du kannst doch nicht einfach ohne mich rein D: war die älteste davon. Danach kamen noch zwei, in der Sophie beschrieb wie ihr Bus im Stau stecken blieb, weil es irgendein Unfall gab auf ihrer Strecke. War das was gutes? Damit hatte ich zumindest mehr Zeit den Sohn Hades‘ ausfindig zu machen. Warum kam mir dann ein entrüstetes Seufzen über die Lippen? Vielleicht weil ich generell nicht viel mit anderen Halbgöttern verkehrte und ich sie nicht so leicht bemerkte wie andere Halbgötter es konnten.

      Ich behielt das Handy in der Hand und ließ diese in meinem Schoß ruhen. Meine freie Hand strich entlang des Glases vor mir, während mein Blick zu dem spendablen Mann zwei Plätze entfernt von mir glitt. „Der Club hier gehört doch dem Sohn von Hades oder nicht?“, erkundigte ich mich, obwohl ich die Antwort schon kannte. Wenn er mich schon hier Willkommen hieß, wusste er auch bestimmt wo ich den Mann, bekannt für seine Wettspiele, finden konnte. Irgendwo hier würde er ja wohl sicher sein. Es war natürlich keine Hilfe, das ich keine Ahnung hatte wie er hieß oder wie er aussah. Der Nachteil daran, dass diese Gelegenheit so spontan aufgekommen war. Hätte Soph mich nicht einfach paar Tage früher schon bezüglich heute Abend fragen können?
      Ich warf meine langen blonden Haare über meine freien Schultern zurück und wendete mich nicht nur mit dem Gesicht sondern mit dem ganzen Oberkörper dem Schwarzhaarigen zu. Selbst im Sitzen war er deutlich größer als ich. Mein Blick glitt einmal seinen Körper entlang und musterte ihn bei der Gelegenheit genauer. Seine Kleidung sprach Bände darüber, dass er Geld besaß. Vielleicht war er die rechte Hand von dem Besitzer des Clubs? Oder hatte irgendein lukratives Nebengeschäft, würde mich zumindest nicht wundern, bei jemandem der in einem Club arbeitete.
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    • Kirian / Alexander Daskalalos

      Ich prostete ihr natürlich zu und trank einen Schluck. Meinen Blick konnte ich nicht von ihr lassen. Sie hielt mich wohl für einen einfachen Kerl, der sie anbaggern wollte. Das konnte ich ihr aber auch nicht verübeln, denn ich versteckte nicht, dass sie mir gefiel. Im Gegenteil. Sie war atemberaubend schön. Angefangen beim Glanz ihrer grünen Augen, die durch das blaue Licht der Bar leider nicht richtig zur Geltung kamen. Dann ihre zart geschwungenen Lippen, die in einem den Wunsch hervorriefen sie zu küssen. Ihre helle Haut, die sich bestimmt butterzart anfühlte. Das leicht geschwungene Haar, das ihrem Gesicht den letzten Schliff verpasste. Das Kleid, dass ihre Weiblichkeit betonte. Fast als wäre sie eine erfahrene Dirigentin. Aber nur fast. Denn so wie sie nach ihrem Handy suchte, versprühte sie eine Unsicherheit.
      Oder hatte sie Angst vor mir? Dem Sohn Hades'?

      Als sie mich jedoch ansprach, offenbarte sie mir ihre Ahnungslosigkeit. "Tut er", antwortete ich und stellte mein leeres Glas ab. Noch hatte ich ihr meinen Körper nicht zugewandt, erst als sie es tat, erwiderte ich diese Geste. "Soll ich dich zu ihm führen?" Dieses Angebot sollte bewusst wie ein schlechter Anmachspruch klingen, der sie lediglich mit mir in eine Ecke brachte wo ich sie bedrängen würde. "Ich kann ihn aber auch zu dir bringen", lockerte ich die Situation auch schon wieder.
      Dann wartete ich auf ihre Zustimmung und rückte zu ihr auf, um mich direkt neben sie zu setzen. "Voilà." Ich ließ ihr ein paar Sekunden, um zu verstehen, ehe ich sie musterte und meinen Kopf auf meinem Handrücken abstütze. "Also bist du meinetwegen hier?" Offensichtlich. "Was kann ich denn für dich tun?", fragte ich interessiert und begenete ihr mit einem offenem Blick. Was begehrte ihr liebliches Herz wohl? Geld? Liebeskummer? Hass?
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      - Eugene Ionesco

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    • Juliette de Valois

      Ich spürte die dunklen Augen des Mannes auf mir, wie sie mich ausgiebig musterten. Wie ein Raubtier, das seine Beute aussuchte. Überall wo sein Blick mich erforschte, merkte ich ein elektrisierendes Prickeln auf der Haut. Der Nachteil daran die Tochter einer Göttin zu sein, die für die Liebe und Erotik bekannt war. Ich konnte diesen Teil meiner Herkunft nicht leiden, aber egal wie sehr ich dagegen ankämpfte, kamen immer wieder Fähigkeiten meines Halbgottdaseins an die Oberfläche meines Bewusstseins. Unerfolgreich versuchte ich dieses Gefühl zu ignorieren und nahm noch einen schnellen Schluck meines Aperols. Vielleicht würde etwas Alkohol es ja abdämpfen.

      Der Mann machte es mir gleich und wand sich mir mit seinem ganzen muskulösen Oberkörper zu. Bei seiner Antwort huschte ein bemitleidendes Lächeln über meine Lippen, denn es wirkte ganz so als versuchte der Fremde es wirklich mit einem Anmachspruch in dieser Situation. Aber einen anderen Anhaltspunkt hatte ich nicht um Hades' Sohn zu finden. Also willigte ich seinem Angebot ein. Wenn er ihn auch herbringen konnte, dann sollte er zumindest das für mich machen. Etwas irritiert blickte ich ihm entgegen, als er einfach nur die Distanz zwischen uns verringerte und neben mir auf dem freien Barhocker Platz nahm. Ich legte den Kopf leicht schief, wobei mir die langen blonden Haare wieder nach vorne über die Schulter fielen - Und dann verstand ich erst, was er damit sagen wollte. Oh nein. Ganz großartig. Da hatte ich nun bestimmt einen guten ersten Eindruck hingelegt. Aber am Ende war das wohl egal, solang ich an eine Wette mit ihm kam.
      So wie er zuvor meine Bewegung kopiert hatte, tat ich es ihm nun gleich und stützte neben ihm meinen Kopf auf meiner zierlichen Hand ab. Aufgrund des Größenunterschieds musste ich dabei dennoch ein wenig zu ihm aufschauen. Ob ich seinetwegen hier war? Wie das klang, am liebsten hätte ich in diesem Moment widersprochen, aber er hatte genau ins Schwarze getroffen mit der Annahme. Mit offener Körpersprache erwartete er mein Anliegen zu erfahren. Ich zögerte kurz, bevor sich meine Lippen schließlich teilten "Ich will eine Wette mir dir eingehen." Nun hatte ich es ausgesprochen und damit gab es kein Zurück. Ernst blickte ich dem charmanten Schwarzhaarigen entgegen. Für ihn war das vielleicht ein Spiel, ein Spaß oder Zeitvertreib. Aber mir war das wichtig. Es sollte über meine Zukunft und mein Erfolg nach dem Studium entscheiden. "Wenn ich gewinne will ich, dass du dafür sorgst, das meine Kunst die Aufmerksamkeit bekommt, die sie verdient.", verlangte ich selbstbewusst und behielt ihn dabei streng im Auge. Er sollte nicht irgendein blondes Püppchen in mir sehen, sondern diejenige, die den Sohn Hades' in einer Wette besiegen würde.
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    • Kirian / Alexander Daskalalos

      Ich versuchte sie weiter zu analysieren. Ob sie sich ihrer göttlichen Macht bewusst war. Ob sie ihr gefiel oder nicht. Wenn es ihr bewusst war, genoss sie sie nicht so wie ich meine Macht genoss. Dann wäre sie hier voller Selbstbewusstsein und deutlich mehr sexappeal rein stolziert. Sie würde sich anders verhalten und die Aufmerksamkeit der Männer genießen. Der Barkeeper? Dem war sie egal; er war schwul. Aber er konnte mit Frauen flirten wenn nötig. Nur ich schenkte ihr meine ganze Aufmerksamkeit. Und ein paar bedeutungslose Individuen im Raum, die keine Rolle in diesem Theaterstück bekamen.

      Das sie trotz ihres Missgeschicks ihren Mut behielt, verdiente jedenfalls Anerkennung. Anerkennung war es auch, die sie wollte. Die Aufmerksamkeit, die sie verdient? Manchmal wollten Künstler einfach nicht akzeptieren, dass ihre Kunst bedeutungslos war. Oder der Geschmack der Menschheit einfach nur total beschissen. Wenn ihre Kunst mehr Aufmerksamkeit verdient hätte, würde sie sie schon bekommen. Andererseits wurden viele Künstler erst nach ihrem Tod berühmt. Einem Mann hätte ich nun gesagt, dass er dafür einfach nur sterben müsste. Am besten so theatralisch wie möglich. Aber ich hatte eine Lady vor mir. Einer gewöhnlichen Lady hätte ich diesen Wunsch wohl erfüllt. Sie hätte verbreiten können, dass ich ihr geholfen hatte. Oder würde übermütig und hielt es für ihre eigene Leistung. Doch diese Lady würde ihre Wette bedauerlicherweise verlieren. Dagegen konnte sie rein gar nichts tun. Denn ich wollte es so. Ich wollte, dass sie verliert. "Und was bekomme ich, wenn ich gewinne?" Die Frage stellte ich vielen, aber nicht jedem. Manche versprachen mir quasi ihr letztes Hemd, da ich ihre letzte Hoffnung war. So verzweifelt war die Schönheit aber nicht. Deshalb führte ich das ganze in meine gewünschte Richtung. "Bei den Stripperinnen können wir Verstärkung brauchen", meinte ich und musterte sie erneut. Dafür wäre sie sich bestimmt zu fein. Wobei sie nicht einmal talentiert sein müsste, um die Männer zu betören. "Als Hostess darfst du mehr Kleidung tragen und musst die Gäste nur mit Gesprächen und hübschen Augen zum Trinken animieren. Und zum Spielen. Für dich sollte es doch ein Klacks sein jemandem bei seiner Glückssträhne gut zuzureden, damit er am Ende alles in seinem Übermut wieder verliert." Das sollte für ein zartes Blümchen doch machbar sein. "Also, was sagst du?", fragte ich sie und hatte meinen Kopf inzwischen wieder gehoben. Sie gehörte mir, doch wusste es noch nicht. "In 3 Monaten kannst du eine neue Wette eingehen, falls du verlierst." So klang ihre Niederlage noch etwas weniger tragisch und ihre Träume würden nicht sofort wie Seifenblasen zerplatzen. Allerdings wollte ich ihre Zweifel auf ein Minimum senken, damit sie einwilligte.

      "Man nennt mich Alexander", stellte ich mich vor, wie es die Etikette verlangte, wenn man nach dem Namen seines Gegenüber fragen wollte. Diese Frage bedeutete mir mehr als die vorherigen. Doch ich musste aufpassen. Ich war aufmerksam. Mit Komplimenten konnte ich dieses Geschöpf nicht bezirzen. Nein, im Gegenteil. Ich würde sie von mir wegstoßen. Dessen war ich mir sicher. Sie wollte kein Süßholzgeraspel.
      "Wie ist dein Name?", fragte ich daher. Eine fast schon langweilige Frage, doch in ihrem Fall genau die richtige. Denn sie beschränkte sich auf die Fakten. Diese Frau war nur an einem Geschäft interessiert und nicht an aufgedunsenen Worten.
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      - Eugene Ionesco

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    • Juliette de Valois

      Ich hatte garnicht überlegt, was ich bieten konnte als Wetteinsatz. Meine Gedanken waren hauptsächlich meinem Gewinn gewidmet, aber es war auch nicht wahrscheinlich, dass ich verlieren würde, oder? Nachdenklich sah ich an dem Schwarzhaarigen vorbei, bis ich seinen Vorschlag wahrnahm. Mein Gesicht verdüsterte sich bei dem Gedanken, als Strippern in diesem Club zu arbeiten. Allein die ganzen Blicke, die ich auf mir spüren würde, ließen es mir kalt den Rücken runterlaufen. Das kam absolut nicht in Frage, so verzweifelt war ich nun wirklich nicht. Vor allem wie sah ich denn aus, das ich als Tänzerin an der Stange stehen würde? Mein Blick glitt kurz kritisch an mir selbst hinunter. Nein, so billig zu haben war ich nicht. Diesen Gedanken wollte ich ihm gerade an den Kopf werfen, als er mir eine weitere Option nannte. Ich biss die Zähne zusammen. Selbst der Gedanke als Hostess zu arbeiten war mir unangenehm. Die Aufmerksamkeit der Männer bei mir zu behalten, die ganze Zeit nur auf mein Äußeres reduziert zu werden.. Und dann auch noch immer hier im Club zu sein? Meine Zeit war weitaus wertvoller als hier mit betrunkenen Männern zu flirten. Das würde ich keine fünf Minuten aushalten. Wenn ich verlieren würde, müsste ich das auch noch ganze drei Monate durchstehen. Aber nur wenn. Meine Zähne, die gerade noch aufgrund einer Mischung von Argwohn und Wut gegeneinander gerieben hatten, lösten sich langsam. Ich durfte einfach nicht verlieren, wie schwer konnte das schon sein? „Nagut, ich arbeite drei Monate als Hostess hier, falls ich verlieren sollte“, antwortete ich schließlich zurückhaltend und presste die Lippen aufeinander.

      Ich hielt ihm meine zierliche Hand hin, um sowohl die unheilvolle Wette zu besiegeln, als auch um mich dem Sohn Hades’ offiziell vorzustellen. „Juliette“, meinte ich mit einem knappen Lächeln. Zumindest höflich konnte ich sein, solange ich nicht das hatte was ich wollte. Worauf hatte ich mich nur hier eingelassen? Nicht mal welches Spiel wir spielen würden, um den Gewinner der Wette zu ermitteln, wusste ich. Ich musterte Alexander, meine grünen Augen geprägt von Misstrauen. Er würde doch sicher nicht eine Wette sabotieren oder? So viel Anstand zeigte er zumindest seit dem er wusste weswegen ich hergekommen und nicht an einem Flirt interessiert war.
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    • Juliette...

      Manch einer bekam seinen Namen aufgrund gegebener Umstände oder Wünschen. Wie aber würde man einem Namen gerecht werden, der nicht für die Vergangenheit oder Gegenwart stand? Vielleicht war es nur ein schöner Klang, den man irgendwo aufgeschnappt hatte. Im Kindergarten. In der Schule. Auf der Arbeit. Der Wunsch, selbst diesen Namen bekommen zu haben.
      Oder die Suche nach einem beliebten oder einzigartigen Namen.
      Was auch immer die Namensgeber für Beweggründe hatten, so fand ich, dass Namen einem durchaus Macht verleihen konnten. Oder diese raubten.

      Juliette..

      Ob sich ihre Eltern bewusst waren, welches Schicksal sie ihren Sproß damit auferlegt hatten?
      Ob sie sich selbst dessen bewusst war? Der Macht ihres Namen?
      Im Wandel der Zeit nahm die Bedeutung von Namen zunehmend ab. Dabei gab es noch immer - mal mehr, mal weniger - bei den Haaren herbeigezogene Geschichten über Namen, die doch etwas Wahrheit lehrten. Wie etwa ein Film über Exorzismus und Dämonen. Welche Macht man über den Dämonen hatte, wenn man seinen Namen kannte. Das man ihn mit diesem Wissen versklaven könnte.

      Inwiefern dies wohl auf die wunderschöne Halbgöttin zutraf?

      Juliette..
      Ein Name - ein Leben - das dem Jupiter gewidmet wird.
      Welch Entzückung mir dieser Name entlockte.
      Der Jupiter gilt als Planet des Wachstums, des Optimismus und des Glücks. Erfolg und Reichtum.
      Dieser Name sollte der zierlichen Blume das nötige Vertrauen in sich selbst geben. Es wäre ein Kinderspiel ihren Wunsch zu erfüllen. Doch diese Eigenschaften konnte ich ebenso gut für mich nutzen. Doch meine Entscheidung war schon längst gefallen und veredelte sich lediglich durch die Kenntnis ihres Namens.
      Sie war eine Frau, wie ein Gemälde. Wie ein Edelstein, den ich um jeden Preis besitzen wollte. Doch ich wollte Vollkommenheit.
      Ich wollte keine Persephone, die ihren Verehrer verabscheute und in ihrem Unglück versank. Die langsam im Schatten verdorrte.
      Ich wollte eine Juliette, die im Licht erstrahlte und meine Großartigkeit verehrte.
      Ich wollte Vollkommenheit und ich wusste, wie ich diese bekam. Denn ich war meinem Vater weit überlegen.

      Nun denn.
      Juliette wird also die nächsten 3 Monate an meiner Seite arbeiten. Vielleicht gefiel es ihr am Ende ja sogar, wenn sie bemerkte, welche Macht sie hatte! Und wie reich sie mich machen würde. Sehr reich.
      "Was für ein wundervoller Name", sagte ich, was dieses Mal keine Schmeichelei war. Ich wollte sie nicht anbaggern, obwohl ich nicht abstreiten konnte, dass ich es nicht getan hätte, hätte sie nicht nach einer Wette gefragt. Ich war beim besten Willen kein Heiliger. Nicht im Geringsten. Frauen lagen mir zu Füßen und bald auch Juliette.

      Nachdem ich ihre Hand geschüttelt hatte, erhob ich mich.
      "Also, Juliette. Welches Spiel willst du spielen? Hältst du dich für einen Glückspilz oder doch eher für eine gute Strategin?" Ich ließ ihr die Wahl, wie jedem auch. Das wog sie mehr in Sicherheit. Egal ob es ein Kartenspiel, das Glücksrad, Dart, Billard oder etwas anderes war. Was ich wollte, würde geschehen. Es war meine Großzügigkeit, die Sieger hervorbrachte.
      Jedenfalls deutete ich mit einer Geste an, dass sie mir folgen sollte. Im Herzstück meines Clubs würde sie ihr Schicksal erfahren.
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      - Eugene Ionesco
    • Juliette de Valois

      Ich mochte meinen Namen nicht unbedingt. Es war nicht so, dass ich ihn besonders schrecklich fand, aber es war dieses romantische, kitschige, was irgendwie an meine Mutter erinnerte. Klassisch mit dem Gedanken an Romeo und Juliet. Dementsprechend konnte ich es nicht verhindern, meine Augen zu rollen, als er meinte der Name wäre wundervoll. Als würde Alexander etwas tieferes in meiner Namengebung sehen wie ich. Vielleicht war es auch einfach ein leeres Kompliment, sowas würde ich dem Schwarzhaarigen durchaus zutrauen - obwohl wir uns gerade einmal einen Augenblick kannten.

      Sein Handdruck war deutlich kräftiger als meiner. Generell wirkte der Sohn Hades‘ sehr selbstsicher auf mich, mit seiner klangvollen Stimme und wie er sich durch den Raum trug. Natürlich konnte das eindrücklich sein, aber gerade konnte ich mich nicht kleiner machen als ich war. Ich brauchte jedes Stück an Selbstbewusstsein um egal in welchem Spiel gegen ihn zu gewinnen. Mein Handy ließ ich in meine Handtasche tauchen und mit dieser in der Hand stand ich allmählich von meinem Barhocker auf. Würde ich ein Glückspilz sein bei meinem Spiel meiner Wahl? Zumindest würde ich nicht mit meinem strategischen Können beweisen. Aber es war das erste Spiel, welches mir in den Kopf kam. „Wir spielen Poker“, erklärte ich zuversichtlich und folgte Alexander dabei. Selbst mit meinen hohen Schuhen, war ich immer noch einen Kopf kleiner als der muskulöse Schwarzhaarige. Während ich ihm durch den Club folgte, sah ich mich ausgiebig um. Hier würde ich arbeiten müssen, wenn ich verlor? Ich konnte mir garnicht ausmalen, wie das sein würde. Allein diese Umgebung war schon nicht meins. Vor allem gemeinsam mit der lauten Musik, die auf den Tanzflächen dröhnte, an denen wir vorbei liefen. Wie konnte man sich hier dauerhaft wohl fühlen? Nachdenklich betrachtete ich den Mann vor mir, der mich zielsicher führte.

      Im Herzen des Clubs angekommen eröffnete sich mir eine Spielehalle, wie man sie eher aus dem Casino, als aus einem Nachtclub kannte. Von außen sah das Gebäude zwar groß aus, aber ich hätte niemals erahnen können, dass es eine ganze Glückshalle hier gab. Wobei, jetzt wo ich drüber nachdachte, ergab es wohl im Zusammenhang mit Alexander und seinen Wetten wohl Sinn. Ich ließ ihn vorausgehen zu einem der Pokertische. „Du wirst keine andere Wahl haben, als gegen mich zu verlieren“, entgegnete ich ihm ernst und sah ihn mit meinen grünen durchdringenden Augen an.
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    • Kirian / Alexander Daskalalos

      Poker? Meinetwegen.
      Ich öffnete die Pforten in meine Welt und ließ es einen Moment auf sie wirken, ehe ich sie zu einem Pokertisch führte. Dort zog ich ihr den Stuhl zurecht, wie es sich für einen Gentleman gehörte.
      Ihre Aussage amüsierte mich, doch ich behielt meine Ruhe. Keine andere Wahl also, ja? Wirklich herzallerliebst. Ihre Selbstsicherheit gefiel mir jedoch. Die könnte noch nützlich werden.

      Während ich die Karten geschickt mischte, sah ich in ihre entzückenden Augen, die in dem helleren Licht hier viel schöner funkelten. Dann reichte ich ihr den Stapel, damit sie ihn selbst noch einmal mischen konnte, falls sie an meiner Ehrlichkeit zweifelte. Der Zweifel war berechtigt, doch das Mischen hatte nichts damit zutun. Ich würde gewinnen. So oder so.

      Zuerst ließ ich ihr allerdings auch ein paar kleine Erfolgsmomente. Das gehörte alles dazu, damit sie mehr Vertrauen bekam. Sie war jedoch immer nur ein wenig in Führung. Bis sie ganz langsam immer wieder verlor. So, dass es nicht auffiel. Dann ließ ich ihr wieder einen größeren Sieg.
      Das Spiel zog sich hin, auch wenn ich in 3 Runden hätte gewinnen können. Letztendlich aber hatte sie verloren, auch wenn es manchmal sehr gut für sie aussah.

      In der nordischen Mythologie hätte man mich für den Sohn Loki's halten können. Doch mein Vater bewies auch gelegentlich seine Heimtücke.

      Ich sagte noch nichts und ließ sie ihre Niederlage verdauen. Man konnte mir zwar durchaus eine ordentliche Portion Hochmut nachsagen, aber ich war nicht (immer) großkotzig. Deshalb kam kein dämlicher Spruch oder ein falsches Bedauern über meine Lippen.
      "Ich würde deine Kunst dennoch gerne sehen, wenn das für dich in Ordnung ist", sagte ich ehrlich, denn ich interessierte mich auch für Kunst. Vor allem aber interessierte mich ihre Kunst. Oft verriet ein Kunstwerk mehr über den Künstler, als man in einem Gespräch jemals erfahren würde.

      Die Karten legte ich beiseite und inzwischen waren die Räume auch ein wenig voller geworden. Ein Kerl jubelte in der Ecke, während die Umstehenden ihm applaudierten. Er hatte irgendwas gewonnen. An seiner Seite stand eine hübsche Asiatin, die am eifrigsten klatschte, aber nicht zu eifrig, um ihre Eleganz zu bewahren. Sie reichte ihm einen Drink und stieß mit ihm an.
      Das würde in den nächsten 3 Monaten auch Juliette's Aufgabe sein, die ich ihr morgen ausführlich beschreiben würde. Sie dürfte kostenlos trinken - selbstverständlich - doch damit sie bei Verstand blieb, würde sie vor Arbeitsbeginn einen kleinen "Zaubertrank" bekommen, der verhinderte, dass sie in Trunkenheit gerriet. Es konnte sein, dass sie den Abend mit nur einem Kerl verbrachte, aber vielleicht auch mit Dreien. Je nachdem, wie lange ein Gast blieb.
      Sie musste aber nichts befürchten, denn Grabschen war tabu. Eine Hand an der Hüfte war okay. Aufdringliches Verhalten würde ich nicht dulden, außer es geht von ihr aus. Einige Damen genossen ihren Job hier nämlich sehr wohl.
      Ich würde ihr schon den richtigen Gast zuteilen, denn Menschen konnte ich viel zu leicht durchschauen. Diejenigen, die etwas mehr "Beistand" brauchten, würden sie nicht bekommen.

      Das alles und noch viel mehr würde ich ihr morgen erläutern. Jetzt aber wollte sie vermutlich auf ihre Begleitung warten. Ob sie den Abend wohl noch genießen könnte? "Die Drinks für dich und deine Freundin gehen heute auf mich. Ich hoffe du genießt den Abend dennoch." Das hoffte ich wirklich, denn niemad sollte im Apòlafsi Trübsal blasen.
      ~ ♦ ~ Die Freiheit der Phantasie ist keine Flucht in das Unwirkliche; sie ist Kühnheit und Erfindung. ~ ♦ ~
      - Eugene Ionesco
    • Juliette de Valois

      Ich wollte nicht glauben was gerade passiert war. Während unseres Pokerspiel hatte ich anfangs noch die Überhand, aber mit zunehmenden Runden verlor ich langsam immer öfter, bis ich schließlich endgültig aufgeben musste. Hatte ich gerade wirklich verloren? Entsetzt starrte ich auf die Oberfläche des Pokertischs. Das konnte doch nicht sein. Nur allmählich setzte die Realisation ein, was diese Niederlage überhaupt bedeutete. Die nächsten drei Monate sollte ich hier arbeiten? Und dazu noch als Hostess?

      Bestürzt blickte ich zu Alexander auf. „Ich kann das nicht, das geht nicht“, meinte ich und versuchte dabei die Fassung zu bewahren. Wie konnte er gerade so unbetroffen über meine Kunst reden, wenn er mir so nonchalant gerade meine eine Chance genommen hatte. Natürlich, nach den drei Monaten würde ich noch eine bekommen, aber auch nur wenn ich diese überhaupt durchstehen würde. „Ich kann nicht als Hostess arbeiten“, stolperten mir die Worte über die vollen Lippen „als Barkeeperin oder so, ja, aber nicht das.“ War ich eine schlechte Verliererin? Ja. Hätte ich mir vielleicht vorher mehr Gedanken darum machen sollen, was passiert wenn ich verlieren würde? Wahrscheinlich. Aber in meinem Kopf hatte es garnicht die Möglichkeit gegeben, dass ich eine Niederlage kassieren würde. Starr saß ich an unserem Pokertisch, der mir gerade jegliche Zukunftsperspektive gestohlen hatte. Wie würde gerade ich damit zurecht kommen als eine Hostess zu arbeiten? So sehr in meinem eigenen Mitleid gefangen, bekam ich garnicht mit wie voll es mittlerweile in der Spielhalle geworden war. Mein Körper fühlte sich schwer wie Blei an, je tiefer die Realisation über das eben Geschehene sank. Unwillkürlich schüttelte ich den Kopf und sah streng zu dem Schwarzhaarigen auf. „Ich mach das nicht“, meinte ich trotzig und meine Lippen verzogen sich zu einem schmalen Schmollmund. Er würde mich ja wohl kaum dazu zwingen können oder?
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    • Kirian / Alexander Daskalalos

      Deal ist Deal. Diese Antwort erwartet man doch von mir, nicht wahr? Nun, das ist auch nicht ganz falsch, doch ich war kein Monster, auch wenn es manchmal den Anschein hatte. Natürlich war ich nur auf meinen eigenen Vorteil aus und ihr Rückzieher nagte stark an meinem Geduldsfaden. Tja, hätte sie sich das mal vorher überlegt. Doch auch das kam nicht über meine Lippen.
      Barkeeperin? Wusste sie überhaupt, was für eine Kunst das war? Es war nicht einfach nur das Füllen von Gläsern. Richtig positioniert würde sie aber wohl auch dort viel Geld für mich machen wollen.

      Doch sie hatte Glück.

      Je mehr Leute hereinkamen und sie begafften, desto mehr Zorn stieg in mir auf. War es wirklich Zorn? Egal. Ich wollte aber nicht, dass sie jeder begrabschen würde und dachte bereits ohnehin darüber nach, was für Gäste ich ihr überhaupt anvertrauen würde. Oder viel mehr welchen Gästen ich sie anvertrauen würde. Der Wunsch, sie einfach in den Keller zu sperren und für mich allein zu haben, war ziemlich präsent. Aber mal ehrlich.. Was hatte ich von einem Kunstwerk im Keller? Ich wollte mit ihr prahlen. Beneidet werden.

      Ich atmete tief durch, während ich sie weiterhin ansah, ohne bisher ein Wort gesagt zu haben. "Gut," sagte ich und erhob mich. Als wäre es eine Selbstverständlichkeit, dass sie mir folgte - war es auch - ging ich zu der Bar rüber. Dort schenkte mir die vollbusige Schwarzhaarige mit den roten Lippen einen Whisky ein, ohne das ich danach fragen musste. Sie beäugte die Neue. Emilia war freiwillig hier und so wie sie ihren Vorbau präsentierte, genoss sie auch die Aufmerksamkeit der Männer. Eine Frau an der Bar in den Hallen des (Un-)glücks war eine clevere Wahl. Worauf ich allerdings hinaus wollte: "Emilia, bringst du Juliette bitte bei, wie man gescheite Drinks macht?" Damit offenbarte ich auch der blonden Schönheit, dass ich ihr Flehen erhört hatte und mich geschlagen gab. Aber sie sollte nicht an irgendeine Bar, sondern genau an diese. Die Bar, die ich die meiste Zeit des Abends im Auge behalten konnte. Damit ich sie im Auge behalten konnte. Oder viel mehr auf sie aufpassen konnte. Sie wäre mir ganz nah und das war ein guter Kompromiss. Tatsächlich gefiel mir diese Idee besser als die der Hostess, doch das würde ich ganz sicher nicht zugeben.
      "Sicher, Alex", antwortete sie mir, während ich einen Schluck nahm und wir beide Juliette betrachteten. Emilia war ganz entsprechend ihres Namens eine meiner eifrigsten Mitarbeiterinnen und schon seit 4 Jahren hier. Sie war eine wunderschöne Amazone, die eine besondere Stärke ausstrahlte. Kein Wunder also, dass sie eine der wenigen Halbgötter in meiner Belegschaft war. Die Tochter Ares'.
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      - Eugene Ionesco
    • Juliette de Valois

      Unsicher wartete ich, was der Schwarzhaarige antworten würde. Jede Sekunde, die ich im stillen Schweigen aushalten musste, machte meine Ungeduld umso schlimmer. Nach einer gefühlten Ewigkeit, erhob er sich und lief er einfach zu der Bar voraus. Geplagt von Sorge, ob er meinen Wetteinsatz anpassen würde, nahm ich schnell meine kleine Tasche in die Hand und folgte ihm eilig. Wie erbärmlich von mir, noch nie war ich gezwungen einem Mann wie ein Haustier zu folgen und nun tat ich das freiwillig. Aber wenn ich dafür hoffentlich nicht als Hostess arbeiten musste? An der Bar angekommen war ich mir nicht so sicher, ob es dort so viel besser sein würde.

      Abschätzig betrachte ich die Schwarzhaarige an der Bar. Offensichtlich erpicht darauf die Aufmerksamkeit Männer zu erregen, war sie knapp begleitet und betonte die vollen Lippen in ihrem Gesicht. Mein Blick glitt von ihr zu dem Schwarzhaarigen, neben welchem ich an der Bar stand. Hatte ich da gerade richtig gehört? Ich würde tatsächlich einfach Drinks zubereiten dürfen, anstatt Männern gefallen zu wollen? Meine grünen Augen weiteten sich in Unglaube. „Ich.. Danke“, brachte ich nur über die Lippen und umklammerte meine Handtasche fester. Am liebsten hätte ich Alexander als Zeichen meiner Dankbarkeit umarmt, aber so weit würde ich mich nicht vor ihm erniedrigen. Ich hatte ja schon um die Änderung des Wetteinsatzs flehen müssen, geschweige denn meine Niederlage im Poker gegen ihn, das war genug Demütigung für einen Abend. Dementsprechend schenkte ich dem Sohn Hades‘ lediglich ein ehrliches Lächeln. Wohl das erste, seit ich diesen Nachtclub betreten hatte.

      „Arbeite ich dann hier an dieser Bar?“, fragte ich nach und betrachtete abermals die Frau hinter der Bar namens Emilia. Ihr machte es wohl Spaß hier, würde ich an ihrer Seite arbeiten? Hier war es mir zumindest deutlich lieber als bei einer der Tanzflächen, wo ich die ganze Nacht laute, dröhnende Musik ertragen musste. Meine Aufmerksamkeit glitt durch die Spielhalle. Drei Monate als Barkeeperin wirkten plötzlich deutlich einfacher durchzuhalten, als diese drei Monate als Hostess zu verbringen.
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    • Kirian / Alexander Daskalalos

      Ihre ehrliche Dankbarkeit ließ meine Kooperation wie ein Akt der Großzügigkeit aussehen, was mir sehr gelegen kam. Bisher war sie doch recht leicht zu durchschauen und in den nächsten Monaten könnte ich umso mehr über sie lernen. Sie studieren und jede Einzelheit von ihr wahrnehmen. Oft waren sich die Menschen nicht einmal bewusst, was sie mit wortlosen Reaktionen alles von sich erzählten. Ich hingegen überließ nichts dem Zufall. Der eine mochte mich für arrogant halten, doch manch einer erkannte, dass ich mir lediglich meiner Stärke bewusst war. Welchen Eindruck hatte wohl mein neues Juwel?

      Sie unterbrach meinen Gedankengang aber schon mit der Nachfrage, ob sie an dieser Bar arbeiten würde. Aber natürlich, was für eine überflüssige Frage. "Ja. Sobald die Hütte voll ist, hat Emilia alle Hände voll zutun. Etwas Unterstützung wäre gut. Dann müssen die Gäste nicht so lange warten." Im Gegensatz zu den anderen Räumen war das hier nur zum Teil Selbstbedienung. Meine Damen fungierten auch als Kellerin, doch beschränkten sie sich dabei auf ihren Gast und so kann es doch manchmal sehr voll an der Bar werden, wenn alle auf einmal etwas zu trinken wollen. Emilia blieb dabei kaum Zeit sich auch noch um die Männer zu kümmern und Gespräche mit ihnen zu führen. Außerdem wusste ich, dass sie Juliette in den Schatten drängen wird und sich ins Rampenlicht stellt, sodass niemand meinem Schatz zu nahe käme.
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      - Eugene Ionesco
    • Juliette de Valois

      Die Spielhalle war mittlerweile wirklich voll - ich war etwas verwundert, dass so viele Leute anscheinend hier für Glücksspiele herkamen. Arme Seelen. Ich mochte es zwar auch einfach frei Geld auszugeben, aber da konnte man ja sein Geld genauso gut einfach verbrennen oder aus dem Fenster werfen. Ich zuckte mit meinen schmalen Schultern und schüttelte diesen Gedanken ab. Im schlimmsten Fall würden mir zukünftige Gäste noch ansehen können, dass ich sie bemitleidete. Mit meiner Handtasche in der Hand lief ich um die Bar herum und befand mich nun neben der schwarzhaarigen Barkeeperin. Ich fand einen kleinen Platz unter der Theke für meine Sachen und stützt dann die schmalen Hände auf der Bar auf. „Nagut, dann fang ich gleich an. Damit sind es nach heute nur noch 2 Monate und 29 Tage.“, erklärte ich und blickte dabei Alexander in die Augen. Sicherlich würde er sich dran amüsieren mir zuzusehen, wie ich hier Drinks mischen lernen musste. Aber bevor er es sich anders überlegte und mich doch als Hostess einsetzte, würde ich mir Mühe geben eine gute Barkeeperin zu sein.

      Ich sah zu Emilia neben mir, sie war eigentlich hübsch, aber konnte ich Frauen nicht leiden, die sich nur für die Aufmerksamkeit der Männer kleideten. Und solche Meinungen zu verstecken, war wohl nicht meine Stärke. „Ich muss mich aber nicht so kleiden oder?“, platzte es mir heraus, woraufhin ich erschrocken die Hand vor den Mund nahm. „Also“, versuchte ich stotternd mich aus der Situation zu retten, „also.. du weißt wie ich das meine? Ich mein das ja nicht böse..“ Mein Blick glitt hilfesuchend zu dem Schwarzhaarigen mir gegenüber. „So freizügig mein ich eben“, stammelte ich peinlich berührt, im Versuch das etwas weniger abwertend zu beschreiben. Aus dem Augenwinkel sah ich zu der Barkeeperin neben mir und versuchte zu erkennen, ob sie mir wütend war. Schließlich musste ich drei Monate mit ihr zusammen arbeiten, da war es wohl besser, sie nicht als Feindin zu haben.
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    • Kirian / Alexander Daskalalos

      Als sie hinter die Bar ging, beobachtete ich sie, was ich nicht verbarg. Sie sollte ruhig sehen, wie meine Augen an ihr hafteten. Bei ihrer Aussage schmunzelte ich ein wenig und erwiderte ihren Blick. "Keine Einwände." Wenn sie die Sache so schnell hinter sich bringen wollte, würde ich dem sicher nicht im Weg stehen.
      Dann musterte ich ihren Blick auf Emilia. Ob sie etwas gegen hübsche Frauen hatte? Wobei sie das, was ich an Emilia als ihre wahre Schönheit bezeichnet würden, nichts mit ihren weiblichen Kurven zutun hatte, wohl nicht glauben würde. Es waren ihre Augen, dunkle Augen, die etwas an sich hatten, um jeden Mann wie einen kleinen Wurm vor sich betrachten zu können. Die Kraft, über den Dingen zu stehen, die ihre Kleidung allerdings betonte. Sie war eine der wenigen Frauen, die keinen Rock trugen, wobei ihre knappe Hose auch nicht viel verbarg. Sie betonte ihren Hintern und das kurze Top rutschte auch so weit hoch, dass man einen Hauch ihrer Unterwäsche - der auch nur aus einem Hauch von Stoff bestand - sehen konnte. Heute also weiß.
      Erneut trank ich einen Schluck, ehe Juliette eine Aussage entglitt, die eine Zicke nun zum Fauchen bringen würde. Emilia zog allerdings nur eine Augenbraue hoch und amüsierte sich darüber, wie sie sich rauszureden versuchte. "Nichts für ungut, aber da gibt's nicht viel, auf das die Männer glotzen könnten", erwiderte sie mit einem offensichtlichen Blick auf Juliette's Brüste. Allerdings wollte sie damit keinen Streit anfangen, sondern die Situation auf ihre Weise entschärfen. Ob ihr das damit jedoch gelang, lag an Juliette's Auffassung.

      Bevor aber überhaupt etwas aus den Fugen geraten konnte, griff ich vorsichtshalber ein. "Emilia ist eher eine Raubkatze, während du ein flauschiges Kaninchen bist. Wenn du deinen Blick hebst, kannst du es sehen", meinte ich und deutete mit meiner Hand eine Bewegung nach oben an, was auf ihre Augen lenken sollte. "Sie ist wie eine Amazone, der kein Mann würdig ist. Du hingegen bist eher.. ein ungeschliffener Diamant. Auf die Männer wirkst du wie ein unschuldiges Ding. In diesem Bereich gibt es aber weniger von den Kerlen, die sich auf ein kleines Mädchen stürzen wollen." An Emilia's Blick konnte ich erkennen, dass sie genau wusste, worauf ich hinaus wollte, es aber nicht unbedingt etwas war, was eine Frau hören wollte. Auf den ersten Blick mochte das wohl so erscheinen, doch da ich nicht das Gefühl hatte, als wolle sie irgendwen beeindrucken, bezeichnete ich sie nicht als die zarte Blume, die man unter eine Glasglocke steckte, um sie zu behüten. Allerdings wusste ich, dass eine Frau oft sehr kompliziert gestrickt sein konnte. Auf der einen Seite wollten sie keine Komplimente, aber auf der anderen Seite dann doch. Sie würde aber vielleicht noch lernen, was wirklich hinter meinen Worten steckte. Ich wollte nicht, dass sie sich in einem Bereich aufhielt, in dem sie wie Beute aussah. Hier würden viele sie wohl eher als langweilig bezeichnen. Weil die wenigsten den Blick eines Kunstkritikers hatten. Oder nur einen schlechten Geschmack. Wobei beide Frauen natürlich ihre Reize hatten.
      "Emilia ist mehr der Typ Frau, der einen Waffenschein für ihren Körper braucht. Du bist wie die Perle im Inneren einer Muschel, die verborgen bleibt, solange man sie nicht aufbricht."
      "Du wirst dich noch an sein Geschwafel gewöhnen", winkte Emilia ab, woraufhin ich mich erhob, den beiden Damen noch einmal zuprostete und dann meine Runden durch den Raum drehte. Bei Emilia war sie gut aufgehoben. Nicht nur, weil sie an der Bar sicherer war. Sondern weil ich mich auf sie verlassen konnte. Sollte jemand den beiden dumm kommen, brauchte sie jedenfalls kein Sicherheitspersonal um damit klarzukommen. Sie war die Wächterin meiner kostbaren Perle.
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      - Eugene Ionesco

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    • Juliette de Valois

      Mein Blick folgte Emilias, als sie meine Aussage konterte. Ich konnte garnicht vermeiden, dass mir eine gewisse Hitze in den Wangen aufstieg. Ich fasste mir schambehaftet an die Wangen, doch bevor ich überhaupt die Aussage von der Barkeeperin verarbeiten konnte, legte Alexander auch noch nach. Kritisierte man hier wirklich nicht nur meine mangelnde Oberweite, sondern auch, dass ich anscheinend wie ein sanftes Schmusekätzchen wirkte? Ich starrte dem Schwarzhaarigen irritiert und mit geweiteten Augen entgegen. Sollten diese Worte Komplimente oder Beleidigungen sein? Sollte ich gerade wütend oder geschmeichelt sein?

      Bevor ich mir überhaupt eine Reaktion aussuchen oder gar einen Konter ausdenken konnte, prostete der hochgewachsene Mann uns beiden zu und lief los. „Hat er mich gerade indirekt beleidigt?“, fragte ich verwirrt und sah zu Emilia, die sich ihr Lachen nicht verkneifen konnte. Sichtlich amüsiert über meine Ratlosigkeit meinte sie: „Du wirst schon lernen, was er mit seinen ganzen Vergleichen sagen will.“ Damit ließ sie mich im Dunkeln über seine eigentlichen Absichten, die ihr offensichtlich klarer als mir waren. Ich seufzte hörbar aus. Hoffentlich würde ich das tatsächlich lernen.
      „Ist er denn ansonsten ein guter Chef?“, fragte ich neugierig nach, wobei ich mir unsicher war, wie ich mit Emilia reden sollte. War sie für die nächsten drei Monate eher eine Kollegin oder eine Art Aufpasserin? Würde sie ihm mitteilen wenn ich Fehler machte? „Also ich arbeite gerne hier“, antwortete die Schwarzhaarige nonchalant und zuckte dabei mit den Schultern. Ich sah aus der Distanz zu wie Alexander eine Runde durch den Raum ging. Er hatte Emilia als Raubkatze beschrieben, aber so wie er durch den Raum tigerte wirkte er eher wie das Raubtier hier. War ich in dem ganzen wirklich ein sanftmütiges Kaninchen? Eine Person würde da sicher zustimmen.. Oh Gott Soph. Panisch holte ich mein Handy aus der Handtasche. Sie hatte ich in dem ganzen ja total vergessen.

      Unzählige Nachrichten und verpasste Anrufe von ihr prangerten auf meinem Display. Ich schrieb ihr sofort wo ich im Club war und keine Minute später sah ich den lebensmunteren, braunen Haarschopf durch die Tür spazieren. So verletzt und entrüstet, wie sie sich in den Nachrichten gegeben hatte, sah sie nicht aus. Sophies blaue Augen durchsuchten den Raum nach mir, weswegen ich ihr mit einer kleinen Handbewegung zuwinkte. Sie hatte mich sofort wahrgenommen, wie als hätte sie ein Radar nur dafür Leute aufzuspüren. Die kleine 1,60 große Brünette kam mit hüpfenden Schritten auf uns zu, wobei ihr die gewellten braunen Haaren, die ihr gerade so bis zum Kinn reichten, fröhlich bei jeder Bewegung mit sprangen. „Was machst du denn bitte hinter der Bar?“, fragte sie sofort bei mir angekommen und legte dabei den Kopf schief. Wie sollte ich die Situation denn erklären? „Eh.. Ich hab ab heute einen Job hier..?“, meinte ich nur unsicher und betrachte das Bündel an Energie vor mir, welches es sich gerade auf einem Barhocker bequem machte. Sie fing an zu kichern „Wieso das denn, dein Vater bezahl-“ ich unterbrach sie noch mitten im Satz mit einer Handbewegung, die ihr deutete leise zu sein. Ich sah zu Emilia auf, die uns beide mit hochgezogener Augenbraue musterte. „Achso, Soph, das ist Emilia, Emilia das ist Sophie“, erklärte ich knapp und sah zwischen den beiden Frauen hin und her.

      „Freut mich Emilia!“, meinte Soph fröhlich, als ob sie gerade eine neue beste Freundin gewonnen hatte. Aber so war sie nun mal. Ihr Blick ging unverfroren direkt zu dem tiefen Ausschnitt der Schwarzhaarigen und an ihrem Körper entlang. „Du siehst ja Bombe aus, wenn ich deine Figur hätte würde ich ja nur noch solche Outfits tragen!“, kommentierte Soph mit einem ausgiebigen Lachen, in das Emilia einstimmte. „Deine Freundin ist ja nicht ansatzweise so verklemmt wie du“, kam es von der Barkeeperin, die mir gegen den Arm stupste. Na toll. Nun hatte ich zwei von denen um mich. Sophies Augen fingen plötzlich an zu funkeln und langsam öffnete sie den Mund: „Warte du bist jetzt Barkeeperin? Dann kannst du mir ja endlich mal einen Sex on the Beach machen und ich muss die nicht immer für dich machen!“ Ich rollte die Augen und stemmte die Hand in die Hüfte. Es war nicht so das Soph immer die Cocktails machte. Naja. Also sie machte sie immer dann wenn wir eben nicht aus waren, sondern bei mir oder ihr. Ich konnte ja nichtmal sagen was alles in einen Sex on the Beach gehörte. Emilia sah mich erwartungsvoll an und grinste breit: „Na los, deine erste Kundin möchte einen Sex on the Beach.“

      Ratlos sah ich mich zwischen all den Flaschen Alkohol, Likören und Säften um. Die beiden Frauen neben mir fingen an laut loszulachen bei dem Anblick meiner Hilflosigkeit. „Zuerst nimmst du dir einen Shaker und machst Eis mit Vodka rein“, erklärte mir dann barmherzigerweise Emilia. Ich tat wie mir gesagt wurde, wobei ich Schwierigkeiten hatte die richtigen Maße einzuhalten, die sie mir dazu nannte. Soph stützte den Kopf auf beide Ellenbogen, sah mir gespannt beim Arbeiten zu und fragte die eigentliche Barkeeperin: „Als nächstes Pfirsichlikör, oder?“ Die schwarzhaarige Frau nickte und musterte mich mit ihren dunklen Augen dabei, wie ich auch die darauffolgenden Zutaten dazugab. Das Endresultat gab ich in ein langes Cocktailglas, dass ich auf Anweisung hin mit einer Orangenscheibe und einen Strohhalm bestückte. Ich reichte Sophie ihren Sex on the Beach, die fröhlich einen Schluck davon nahm und mir mit einem Daumen hoch zu verstehen gab, dass mein erster Drink anscheinend zu schmecken schien. Ihre kurzen Beine baumelten frei vom Barhocker runter, während sie Emilia und mir dabei zusah, wie wir allmählich die Bestellungen abarbeiteten. Dabei hatte ich eher das Gefühl, dass ich der erfahrenen Barkeeperin mehr Arbeit machte, als ich ihr eigentlich abnahm. Dieser Eindruck bestätigte sich, nachdem ich mit einem Tablett bewaffnet die Spielhalle durchstreifen durfte, um leer Gläser einzusammeln und neue Getränkwünsche aufzunehmen.
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    • Kirian / Alexander Daskalalos

      Natürlich fiel mir die Freundin meiner neuesten Eroberung auf. Ganz anderes Kaliber. Es sah auch so aus, als würden die Drei da drüben gut zurecht kommen. Emilia konnte ein Sturkopf sein, aber Frauen gegenüber war sie meist wie eine große Schwester. Da ich mir also um Juliette keine Sorgen machen musste, kümmerte ich mich wie gewohnt um die Gäste. Das bedeutete, dass ich bekannte Gesichter begrüßte und mich mit ihnen unterhielt. Dem einem oder anderen einen Drink spendierte, die die Dame an seiner Seite von der Bar abholte.

      Dann trat Sebastian herein. Ein großer starker Kerl. Jedenfalls in seinen Augen. Hatte ein wenig was von Herkules. Man konnte wohl sagen, dass wir so etwas wie Freunde waren. Jedenfalls kam er oft her und unterhielt sich dabei viel mit mir. Auf das ein oder andere Spiel ließ er sich auch ein. Er war ebenfalls ein Halbgott, der sich ausgerechnet jetzt wieder blicken ließ.
      Mit offenen Armen kam er auf mich zu und grinste breit. "Alex! Läuft bei dir, wie ich sehe."
      "Brauchst du wieder Geld?", fragte ich und hielt ihm mein halbvolles Glas hin, welches er in einem Zug leerte.
      Er schnalzte etwas mit der Zunge und sein Gesichtsausdruck sagte, dass ich richtig lag. Ich hatte genug Geld und diesem Kerl leider mal etwas schuldig, weshalb ich ihn öfter mal bei einem Spiel gewinnen ließ.

      Wir unterhielten uns eine ganze Weile, wobei mir sein Blick in Richtung Bar nicht gefiel. Sebastian war auf jeden Fall einer der Typen, die ich nicht in ihrer Nähe haben wollte. Er wollte immer die kleinsten, zierlichsten Mädchen an seiner Seite haben. Auf Juliette würde er fliegen. Als sie sich dann noch ein Tablett schnappte und ihre sichere Festung an Emilia's Seite verließ, funkelte ich ihn finster an.
      "Gehört sie dir?", fragte er mit einem Bedauern in der Stimme.
      "Ja", knurrte ich und wunderte mich selbst etwas darunter, wie zornig ich reagierte. Besitzergreifend.
      "Schade.." Sein Blick auf ihren Hintern ließ das Blut in mir ein wenig kochen, weshalb ich zu ihr ging. Ich nahm ihr das Tablett aus der Hand und drückte es einem anderen Mädchen in die Hand.
      "Hast du deine Meinung doch wieder geändert?", fragte ich und schob sie in Richtung Bar. Dabei warf ich Emilia einen scharfen Blick zu. Egal, was sie darüber dachte, ihr sollte nun klar sein, dass ich Juliette nicht hier draußen wollte. Leider hatte ich meine Augen nicht immer überall und ich wollte nicht, dass ihr jemand zu nahe kam.
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      - Eugene Ionesco
    • Juliette de Valois

      Ich war keine fünf Meter von der Bar entfernt, da stolzierte Alexander mit bedrohlicher Miene plötzlich auf mich zu. Etwas überrascht machte ich Halt in meiner Bewegung und sah zu dem Patz, von dem aus er zu mir gekommen war. Dort saß ein großer Mann, dessen Kleidung nicht verstecken konnte, dass sich darunter einige Muskeln versteckten. Als er meinen Blick bemerkte, fing er an breit zu grinsen. Mir lief es kalt den Rücken runter, während mich der Sohn Hades‘ wieder zur Bar zurück eskortierte. „Was meinst du? Emilia hat mir aufgetragen leere Gläser einzusammeln“, protestierte ich und verschränkte meine Arme vor der Brust. Der Blick der schwarzhaarigen Barkeeperin ging zwischen ihrem Chef und mir hin und her. „Ich wusste ja nicht, dass sie wie ein Haustier hier Sitz machen muss“, meinte Emilia abgeklärt und drückte einer schmalen Frau zwei Drinks in die Hand.

      Natürlich konnte sich Soph nicht aus der Sache raushalten, weswegen sie Emilia beipflichtete: „Dazu ist Jules echt keine talentierte Barkeeperin.“ Mit aufgerissenen Augen sah ich zu ihr, bevor sich mein Blick verdüsterte. Sie hob nur unschuldig ihre Hände in die Höhe, als ob sie mich gerade nicht vor meinem neuen Chef schlecht geredet hätte. Aber recht hatten die beiden energievollen Frauen schon. Hinter der Bar war ich derzeit keine große Hilfe, zumindest nicht bis ich einige Rezepte an Drinks drauf hatte, und dazu war ich ja kein Hund, denn er an die Theke ketten konnte. Was sollte dieser Aufstand von ihm überhaupt?
      Mit verschränkten Armen sah ich wieder zu Alexander. „Soll ich jetzt meine Arbeit machen oder nicht?“, fragte ich und zog dabei eine Augenbraue hoch. Vielleicht klang meine Frage etwas schnippischer als ich wollte, aber ich hatte nur Emilia da helfen wollen, wo ich auch tatsächlich hilfreich sein würde. Wer hätte denn wissen können, dass Drinks zubereiten doch so kompliziert war? Bei Soph sah es schließlich auch immer so einfach aus.
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    • Kirian / Alexander Daskalalos

      War sie denn wirklich so unnütz? Bei den Göttern. Das Schleifen dieses Diamanten stellte sich offenbar als größere Herausforderung heraus, als ich angenommen hatte. Sie hätte nur ein bisschen mit den Wimpern klimpern - Nein. Sebastian wäre bestimmt täglich vorbeigekommen, um Juliette an seine Seite zu bekommen. An der Bar war sie wirklich besser aufgehoben.
      Mein Blick ging erneut zu Emilia und dann wieder zu Juliette. "Gut." Ich musste mir einen Kommentar verkneifen, der sie reizen könnte. Dann musste ich eben zu anderen Mitteln greifen. Wo war denn mein kleiner Wachhund abgeblieben? Als meine Augen den Mann, der nur ein gewöhnlicher, aber dafür sehr zuverlässiger Mensch war, fanden, ging ich zu ihm rüber. Es gab reichlich Personal, dass hier Ausschau hielt. Ihm vertraute ich deshalb an, ein Auge auf Juliette zu haben. Dafür bot ich ihm sogar mehr Geld, was die Ernsthaftigkeit meiner Bitte betonte.
      Sie war wie eine filigrane Skulptur aus dünnem Glas, dass bei dem kleinsten Stupser zerbrechen könnte. So umschrieb ich jedenfalls das Bedürfnis, dass ihr niemand zu nahe kommen sollte.

      Ich kehrte dann mit zwei frischen Drinks in der Hand zum Muskelprotz zurück. Wir setzten uns an einen der Spieltische, wo ich dafür sorgen würde, dass er heute mit einem Gewinn hier rauskäme. Natürlich nicht, ohne die anderen zu unterhalten und meine Taschen ebenfalls zu füllen. "Eine Wette?", fragte Sebastian und meinte damit ganz offensichtlich Juliette. "Ja." Mehr gab es dazu nicht zu sagen. Heute war ich aber wirklich nicht ich selbst und vergewisserte mich immer wieder, ob alles in Ordnung war. Zum Glück waren die Kerle nicht hier um eine Frau abzuschleppen.
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