Das Ritual [Lavellan|Kisaragi]

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    • Das Ritual [Lavellan|Kisaragi]

      Zur Vorstellung:
      Das Ritual [Lavellan|Kisaragi]

      Dies ist ein Rpg zwischen @Lavellan und meiner Wenigkeit @Kisaragi


      Nagisa atmete tief durch, er hatte einfach solche Schmerzen. Es war kaum auszuhalten, welch ein schrecklicher Herzschmerz den er hatte und so war zwischen weinen und sich auf die Seite drehen um sich wenigstens einmal zu bewegen, dass einzige was er gemacht hatte.
      Diese Phase ging nun gut 2 Wochen, seit jenen Tag, an dem sein Freund sich von ihm getrennt hatte. Er brauchte einfach jemanden, der in seiner Nähe war.
      Jemand, um den er sich kümmern konnte. Jemanden, den er liebhaben konnte...
      "Ich...muss die Post holen" hauchte er leise mit zitternder Stimme. Er musste sich irgendwie aufraffen, was nicht sonderlich einfach war. So verzog er leicht sein Gesicht, sein Körper schmerzte ziemlich, da er sich in letzter Zeit nicht wirklich bewegt hatte.
      Seine Muskeln waren einfach solch eine Bewegung nicht gewöhnt gewesen.

      Doch klopfte es in diesem Moment an der Tür, kurz strich er sich durchs Haar. Kurz Seufzte er und war regelrecht zur Tür gehumpelt.
      "Ja doch...ich bin schon unterwegs" meinte er dann auch, es nervte ihn wirklich sehr, dass diese Person öfters klopfte als es nötig gewesen war.
      So blickte er in das Gesicht des bekannten Postboten, welcher schon ziemlich genervt wirkte.
      Mindestens so genervt, wie Nagisa gerade war.
      "Sie sollten Ihr Kaufproblem wirklich langsam in den Griff kriegen. Das geht nicht an, dass Sie 30 Pakete in der Woche bekommen" meinte er dann und drückte ihn grob das Paket in die Hand. So konnte sich Nagisa das Grummeln nicht unterdrücken.
      "Auch einen schönen Morgen..." meinte der junge Mann auch schon. So stellte der stark depressive das Paket aufs Sideboard und atmete tief durch.
      Er musste sich beruhigen, er durfte nicht auf Impuls handeln, dass würde für keinen der Beiden nun gut ausgehen.

      Als der Postbote anfing die Treppe hinunter zu gehen, schloss er die Tür hinter sich.
      Wenn er schon einmal auf den Beinen war, konnte er nun auch zum Briefkasten gehen, welcher wahrscheinlich schon am überlaufen war.
      Vielleicht hätte er sich ein leeres Paket mitnehmen sollen, um nicht alles lose herumzutragen. Doch da war es schon zu spät.

      Seine schlechte Laune war jedoch noch nicht verflogen, er blickte auf den Rücken des Postboten, welcher wenige Treppenstufen vor ihm waren.
      Ein Tritt...oder ein leichter Schubs...und der Kerl würde seine Unfreundlichkeit für immer erledigt haben.
      Das war wirklich ein schöner Gedanke für den jungen Mann und doch durfte er es nicht, dass würde ihn in schreckliche Probleme bringen.
      So sanken seine Hände wieder und so steckte er diese in die Hosentaschen. Leicht verdrehte er die Augen.
      Es war einfach schade, dass man nicht so einfach die Leute aus dem Weg räumen konnte, die man gerade so wollte. Schon sehr traurig.

      Endlich unten angekommen hatte er den Schlüssel aus seiner Hosentasche gefischt gehabt und blickte auf den Schlüsselanhänger, welchen er dann auch mit zitternden Fingern von dem Schlüssel löste und ihn in die bestnächsten Ecke gepfeffert.
      "Fick dich" meinte er zischend, so atmete er tief durch und hatte dann auch schon seinen Briefkasten geöffnet, welcher wirklich schon am überlaufen war.
      So nahm er die Briefe genervt zur Hand und grummelte wieder leise vor sich her.
      "Rechnung....Rechnung...Mahnung...immer das selbe..." murmelte er leise vor sich her.
      In letzter Zeit lief alles in seinem Leben vollkommen aus den Rudern. Doch würde es wahrscheinlich niemals wieder in gerade Bahnen kommen und so hatte er nach kurzer Zeit einen großen Stapel von Briefen in der Hand, welche er erst einmal ablegen musste um den Briefkasten ordentlich zu verschließen.
      Doch wollte er nun langsam wieder nach oben gehen, er war schon lang genug hier unten. Er wollte sich gerade einfach nur in sein Bett verziehen und sich selbst bemitleiden.
      Das war wenigstens etwas, was er gut konnte...und das konnte ihn keiner nehmen...
    • Die geschlossene Haustür hatte sich vor dem Rollstuhlfahrer aufgetürmt wie eine unüberwindbare Hürde.
      Wie oft hatte er in letzter Zeit schon hilflos vor dem Mehrfamilienhaus gestanden?
      Der braune Pony hing ihm schief vor dem Gesicht, was die Sicht auf seine Augen verhinderte. Anstatt es überhaupt zu versuchen die Tür zu öffnen, starrte er durch das dichte braune Haar einfach nur in die fahle Spiegelung in dem Glas an der Seite des Eingangs.
      Wie lange war er schon in diesem grauenhaften Körper gefangen?
      Einige Monate waren es mittlerweile bestimmt, er konnte sich noch genau daran erinnern wie er im Krankenhaus aufgewacht war.
      Die Erde hatte er zuvor selbst noch nie betreten, man konnte sich gar nicht vorstellen wie sehr es ihn ins kalte Wasser geworfen hatte. Diese dreckigen Dämonen... sie hatten gehofft, das dieser Körper nicht lange durchhalten würde, nicht wahr? Das er ihn mit sich in den Tod riss? Wenn er ehrlich war, war sich Orochi mittlerweile gar nicht einmal mehr so sicher, ob es nicht wirklich der einfachere Weg aus dieser Situation war.
      Seine Finger krallten sich regelrecht in die Armlehne seines Rollstuhls, soweit das sich sein Nagelbett weiß färbte.
      Diese verdammten - -

      Eine Bewegung im Treppenhaus ließ ihn aus seiner düsteren Starre herausbrechen, fast schon erschrocken fuhr sein Oberkörper in die Höhe.
      Endlich schimmerten die blassgrünen Augen des Jungen durch das braune Haar, welches zuvor wie ein Vorhang den Großteil seiner Emotionen versteckt gehalten hatte.
      Ein Postbote!
      Bestimmt könnte dieser ihm helfen...
      Zu beginn war der eigentliche Dämon einfach nur weltfremd gewesen, doch verübeln konnte man es ihm natürlich nicht, immerhin war er zuvor auch noch nicht auf dieser Ebene gewesen! Er hatte nur immer viel von ihr gehört und wenn er ehrlich war, hatte er sie sich ganz anders vorgestellt... Nicht so hell und vor allem nicht so dröhnend laut.
      Doch das er durch seine Situation auch nicht die Welt der Menschen und anderer Wesen genießen konnte, war wohl offensichtlich.
      Mittlerweile hatte er sich einigermaßen zurechtgefunden, was blieb ihm denn auch anderes übrig als das beste aus dem zu machen, was ihm noch übrig geblieben war? Das einzige was ihn immerhin noch Antrieb, war der Wunsch nach Rache und die weiterbrennende Illusion, das die Welten eines Tages zurück in die Hände seines Gottes fiel.

      Die schwere Tür, an welcher er schon gescheitert war, schwang auf und sofort erhob der Rollstuhlfahrer seine Stimme, "Entschuldigen Sie, könnten Sie mir sie bitte aufhalten...?"
      Bevor Orochi jedoch überhaupt dazu kam, die Räder zu ergreifen, war dieser schon eiskalt an ihm vorbei gelaufen.
      Der eigentliche Dämon blinzelte nur einige male verarbeitend, ehe er dem Mann einen zunächst verwirrten Blick über die Schulter zurückwarf, welcher jedoch genauso schnell vernichtend wurde.
      Dieser Kerl starrte einfach nur auf einige Karten und einen Batzen Briefe, welche er wahrscheinlich nun an die Nachbarhäuser verteilen musste. So vertieft und angepisst wie dieser dreinblickte, hatte er ihn nicht einmal bemerkt.
      "Bastard...", sein hässliches Gesicht würde er sich merken...
      Ein schweres Seufzen konnte er sich dann jedoch wirklich nicht mehr verkneifen, wenn er gerade schon auf der Erde festhing, sollte er sich wirklich daran setzen, zumindest eine bessere Hülle zu finden. Er konnte von Glück sprechen, das die Bischöfe der Unterwelt ihre Arbeit ziemlich luschig gemacht hatten und ihn mit gerade einmal genug Kraft verbannt hatten, das seine innere Reserven diesen Körper am Leben gehalten hatten, Wenn alles gut verlief, könnte er sich mit der Zeit langsam hocharbeiten, und dann...!

      Bevor Orochi dazu kam, im Inneren vor sich hinzufluchen und auf seinem täglich hochkommenden Frust herumzukauen, bewegte sich etwas weiteres aus seinem Augenwinkel.
      Diesmal blickte er nicht so hoffnungsvoll auf wie zuvor, nein, eher bitter. Das Problem war es für ihn ja nicht einmal die kleine Steigung zur Tür heraufzukommen, immerhin sollte das Gebäude eigentlich 'Rollstuhlzugänglich' sein, es war einfach das diese Tür unsagbar schwer aufzudrücken war... Und da machte sein Körper manchmal einfach nicht mit, besonders da er sich bei dem Versuch diese aufzudrücken eher zurück schob und da bekam er schon Bammel das er rückwärts die drei Stufen herunter knallte, welche für das 'gewöhnliche Volk' zum Haus führte.
      "Hey...", versuchte der Brünette nun mit deutlich weniger Elan auf sich aufmerksam zu machen, selbst seine Hand hob er nur noch halbherzig um durch das leicht dreckige Glas auf sich aufmerksam zu machen, seine Stimme würde man eh nicht durch die Tür hören.
      Stattdessen deutete er einfach nonverbal auf die geschlossene Haustür um auf das Aufmerksam zu machen, was er wollte.
      Man hatte ihm eine Betreuung zur Seite gestellt, aber diese Hündin tauchte manchmal einfach nicht auf... War es da seine eigene Schuld, das er versucht hatte alleine einzukaufen??
      Diese verdammten Körper waren einfach so zerbrechlich...
    • Er blinzelte kurz, als er doch noch etwas anderes in seinem Briefkasten erblickte. Etwas, was nicht so formuler war und somit war er doch recht neugierig gewesen. Vielleicht ein Brief von seiner Familie oder einer alten Liebschaft? Oder vielleicht wurde ihm ja endlich etwas vererbt! Aber das wäre nur zu schön um wahr zu sein, dass würde seine Schulden schon ein wenig tilgen. Er wüsste jedoch nicht, von welchem Teil der Familie noch etwas kommen könnte. Aber vielleicht war es auch nur die Pfadfindermädchen, die sich für das Geld der letzten Kekse bedankten. War ja auch nicht das erste Mal.

      Doch er merkte in diesem Moment nicht, was sich auf der anderen Seite vor sich ging, denn er war soeben vollkommen in seinen wirren Gedanken verloren.
      Langsam öffnete er den Brief und ließ seine Augen über das schweifen, leise seufzte der Grünhaarige und verdrehte die Augen. Er wusste, dass es nie etwas Gutes ist.
      Folgendes war auf den rauen Papier in seinen Händen zu lesen:

      Lieber Nagisa,
      wahrscheinlich hast du nicht vor, dich bei uns zu melden. Jedoch wollen wir, dass du Aufgrund des Gesundheitszustand deines Vaters, vorbei kommst.
      Es steht nicht gut um ihn und wir wollen uns endlich wieder mit dir versöhnen. Schließlich soll er nicht in den Himmel kommen, ohne das er sich mit dir vertragen hat.
      Mach es nicht für mich, sondern für deinen Vater und dein Gewissen.
      Bitte erfüll mir diese eine Bitte und verabschiede dich wenigstens von ihm, bevor es zu spät ist. Wenn du uns schon so abgeschrieben hast, dann kannst du uns wenigstens diesen einen Wunsch erfüllen können.

      Wir warten auf dich, deine liebende Mutter.

      Daumen und Zeigefinger gingen über den Nasenrücken und er schloss die Augen einen Moment. Diese alte Schlampe. Damit wollen sie ihn doch nur verarschen.
      Wenn der alte Sack stirbt, ist es ihm so etwas von scheiß egal und nur weil er das Erbe, welches er vor ein paar Jahren von seiner Großmutter bekommen hatte, nicht mit ihnen geteilt hatte, waren sie regelrecht ausgetickt.
      Er konnte nichts dafür, wenn die Beiden nur einen ollen Pflichtanteil bekommen hatten. Als Enkel hatte er nun einmal einen besonderen Status bei seiner Granny gehabt.
      Bis heute war das Erbe noch nicht aufgebraucht, dennoch hatte er Schulden. Einfach weil er es nicht schafft, die ganze Scheiße zu überweisen.
      Ihm fehlten die Nerven und die Motivation für so etwas einfach. Immer einzelne Nummern eingeben und dann auch noch das Sicherheitspasswort...den Tan und und und...
      Da konnte er seine Zeit deutlich angenehmer nutzen.

      Als er den Brief zerknüllte und in eine der Ecken des Treppenhauses warf, da merkte er, dass jemand vor der Haustür wartete und versuchte die Aufmerksamkeit von ihm zu erhaschen. Schnell hatte er den Briefkasten nun ordentlich geschlossen gehabt und den Schlüssel in seine Tasche rutschen lassen. Die Post hatte er erst einmal auf eines der Pakete gelegt, die einfach für die Nachbarn unten abgestellt wurden.
      "Oh! Tut mir Leid!" meinte er, als er dann auch schon die Tür geöffnete hatte. Dabei achtete er auch kurz auf den Stapel seiner Briefe achtete. Denn Durchzug konnte er jetzt erst recht nicht gebrauchen.
      "Ich habe Sie gar nicht gesehen gehabt. Hoffe Sie haben nicht zu lange hier draußen gewartet. Es ist schließlich verdammt kalt" automatisch hatte er ein schlechtes Gewissen gehabt, denn er hätte aufmerksamer sein können!

      "Ich habe Sie hier noch nie gesehen. Zumindest kann ich mich gar nicht dran erinnern. Aktuell ist mal wieder der Fahrstuhl kaputt. Heute Morgen kaputt gegangen. Leider.
      In welchem Stock wohnen Sie? Oder sind sie zu besuch?" fing er dann auch schon an. Sein schlechtes Gewissen war direkt anzumerken, denn dann redete er sich in Kopf und Kragen.
      Aber einen Rollstuhlfahrer hätte er sicherlich bemerkt gehabt, also war er wohl ein Besucher.
      Langsam ging er ein paar Schritte zur Seite um den Anderen dann auch hineinzulassen. Dieses Haus war vieles, aber eindeutig nicht für jemanden in einem Rollstuhl gemacht.
      Die Heizungen fielen oft aus, der Fahrstuhl war dauernd kaputt. Die Leisten von den Treppenstufen lösen sich langsam. Die Tür unten war viel zu schwer, dauernd standen Fahrräder, Kinderwagen und ähnliches im Treppenhaus. Die Treppen klebten aus irgendeinem Grund immer, egal wie oft man sie putzte, die Mieter ließen überall Schuhe vor ihren Apartments stehen. An sich war dieses Haus die Hölle auf Erden.
      Letztens erst war ihm sein Fenster aus der Verankerung gesprungen. Er konnte es gerade noch so festhalten, sonst säße er bestimmt nun mit sehr vielen tiefen Schnittwunden im Krankenhaus. Einer dieser Gründe warum er nun die Miete gekürzt hatte.

      "Falls Sie noch Unterstützung brauchen, sagen Sie es mir ruhig" bat er ihm an, als dieser in das Treppenhaus kam und Nagisa nun die Tür schließen konnte. So hatte er dann auch seine Briefe wieder hochgenommen, weil die meisten Leute eh seine Hilfe nicht annehmen wollten. Auch wenn er nun einmal so gern half...
      Er verstand es einfach nicht, warum Menschen so auf ihn reagierten. Mehr als Helfen wollte er eigentlich gar nicht.
      Aber gut, dass sollte auch nicht sein Problem sein. Wer nicht will, der hat nun einmal schon. Aufzwingen wollte er sich diesmal nicht. Oder er versuchte sich krampfhaft dagegen zu wehren, nicht wieder aufdringlich zu werden...
      Wenn es doch nur so einfach wäre, wie es sich anhörte..grausig.
    • So wie sein Tag mittlerweile verlaufen war, hätte es ihn nicht gewundert, wenn der Junge auf der anderen Tür ihn nicht gesehen und einfach wieder die Treppe hochgegangen wäre.
      Der kühle Wind kroch ihm durch den Kragen seines Oberteils hindurch und fraß an seiner kälteempfindlichen Haut wie ein Haufen von Insekten. So wie dieser, in manchen Ohren bestimmt Romantisch, durch die verbliebenen Blätter der Bäume rauschte, fühlte es sich für den Rollstuhlfahrer so an als würde dieser ihn verspotten.
      Seine Fingerspitzen waren bereits rot geworden, zwar hasste er den Winter, doch die daraufhin zugehenden Herbsttage waren genauso schlimm.
      Man könnte erwarten das er nach all der Zeit, welche er bisher hier unter den Menschen und anderen Wesen verbracht hätte, mittlerweile akklimatisiert war, aber da hatte man sich geschnitten.
      Im Herzen war der nun Brünette eben durch und durch ein Kaltblütig! Diese gleichwarmen Körper würden daran nichts ändern... Vielleicht war es sogar eine Art von Placeboeffekt, so wie sich seine Gelenke versteiften.
      Missmutig zog er seinen Kopf mehr zwischen seine Schultern, immerhin würden die Lebensmittel nicht schlecht werden, so wie das Wetter heute über ihn herzog.

      Alles schien jedoch nicht verloren, als der Jüngere hinter dem milchigen Glas doch auf ihn aufmerksam geworden war!
      Nochmal hätte er wahrscheinlich nicht noch einmal jemanden gefragt, da wäre sein Stolz doch zu groß für gewesen! Lieber hätte er die Nacht draußen verbracht und im Innerem nur darauf gehofft, das jemand kommen würde welcher den nötigen Respekt besaß, ihm damit zu helfen.
      Als sich die Tür öffnete, schenkte er ihm sogleich ein dankbares Lächeln, welches alle seine nachtragenden Gedanken nichtexistent erschienen ließ.
      "Alles gut, danke!", entgegnete er auf die ersten, indirekt grüßenden Worte, sich mit etwas Schwung über den Türrahmen am Boden schiebend um zumindest ins Treppenhaus zu kommen. Im Inneren war es nicht viel kälter als draußen.
      Neben all dem Müll, schienen einige der Fenster undicht zu sein, was den eisigen Wind sogar durch den Flur ziehen ließ wie ein erbärmlicher Windkanal.
      Was ein Scheiß...
      Auf Smalltalk hatte er keine wirkliche Lust gehabt, weshalb es bei einem simplen Lächeln geblieben war, zumindest vorerst... Denn dieses wurde ihm schneller aus dem Gesicht gewischt als es gekommen war, als die Nachricht an seine Ohren traf, das der Fahrstuhl kaputt gegangen sei.
      Heute Morgen war er doch noch heruntergefahren!!
      Es brauchte eine ordentliche Menge an Selbstkontrolle, das der eigentliche Dämon sein Gesicht nicht zu einer Grimasse verzog.
      Den Rollstuhl ausrollen lassend, fand er sich nun wohl vor dem nächsten Problem... Ob er seine Hilfe anrufen sollte?
      Aber... es war eine so beängstigende Frau, eigentlich kam es ihm ja normalerweise gelegen wenn sie mal nicht auftauchte.
      Am ehesten konnte man sie wohl als Oger bezeichnen... Zwar besaß sie ein wirklich weiches Herz, doch nach außen hin war sie gute 190cm und wog genauso viel! Doch es war kein weiches Fett, welches auf untrainierter Muskulatur lag, sondern pure Muskelmasse.
      Natürlich kam es ihrem Job bestimmt gelegen, wenn sie ihre Klienten aufheben konnte wie eine Rebe Trauben! Doch ihm machte es irgendwie... Angst.
      Er fühlte sich unbehaglich zerbrechlich in ihrer Nähe.
      Als wäre sie nur eine falsche Bewegung davon entfernt, ihm noch den Rest seines Rückens zu brechen.

      "Ah, ich... wohne im 2.Stock, Wohnung 8", Antwortete Orochi kurz gehalten, seine Lippen stark genug aufeinander pressend das sie schon ganz schmal wirkten.
      Dem Bunthaarigen schenkte der Ältere daraufhin nur einen flüchtigen Seitenblick.
      Was ein komisch aussehender Kauz...
      "Ich glaube auch nicht das ich Sie hier schonmal gesehen habe", bestätigte er Nagisas Vermutung mit einem schiefen Lächeln, "Aber ich verlasse meine Wohnung auch sehr selten... Ich habe normalerweise Leute, welche für mich einkaufen und abgesehen von Arztterminen und aufgezwungene Spaziergänge sieht man mich eigentlich eher selten außerhalb meiner vier Wände", und damit traf er dann auch schon auf sein nächstes Problem.
      Laut einatmend hörte man schon das der Gelähmte etwas sagen wollte, das ihm dann doch im Hals stecken blieb, "Uh..."
      Es war zum Haare ausreißen...
      Seine innere Anspannung sah man seiner versteiften Finger an, welche sich so fest um die Räder geschlossen hatten, als handelte es sich um den Hals ihres Vermieters, "Hat... schon jemand jemanden wegen angerufen? Wegen dem Fahrstuhl, meine ich...?"
    • Kurz blickte der junge Mann zu dem Rollstuhl und dann wieder zu dem Fahrstuhl, dass würde sicherlich ein ziemlicher Akt für den Anderen werden nach oben zu kommen. Oder er musste auf den Techniker warten und hier unten Däumchen drehen. Doch wann dieser tolle Techniker kommen würde, stand in den Sternen.
      Mit hoher Wahrscheinlichkeit ist es wieder der selbe Typ, der den Fahrstuhl schon einmal repariert hatte und man hatte ja nun gesehen, wie lange der Fahrstuhl gehalten hatte. Vielleicht 5 Tage?

      "Im zweiten Stock...oh, dass ist wirklich etwas hinderlich" meinte er und blickte dann auch auf die Treppenstufen. "Ich bin Nagisa und wohne im siebten Stock. Verlasse aber aktuell auch nicht sonderlich oft die Wohnung. Wollte jetzt auch nur kurz runter um meine Post mal abzuholen" erklärte er, wahrscheinlich interessierte es den Anderen nicht sonderlich, aber er wollte versuchen ihn etwas von der blöden Situation abzulenken.
      Auch wenn das Problem weiterhin bestehen würde und so schnell nicht verschwinden würde. Leider.
      Was sollte er nun am besten tun?
      Sich verabschieden und einfach in die Wohnung gehen, dabei das ganze hier vergessen? Oder nicht doch vielleicht Hilfe anbieten? Auch wenn es wohl wirklich verdammt anstrengend werden, aber wenn er den jungen Mann mit Rollstuhl rückwärts hochziehen würde? Dann würde es funktionieren.
      Aber ob der Andere ihm so viel vertrauen würde, war bedenklich.

      Auf die Frage, die ihm gestellt wurde, nickte er leicht.
      "Ja, es wurde eben wohl angerufen. Zumindest habe ich eben jemandem im Treppenhaus telefonieren gehört, welcher gesagt hatte, dass sofort der Fahrstuhl wieder zu funktionieren hat, sonst wird er die Miete erneut kürzen" meinte er seufzend.
      "Also...nicht vor allzu langer Zeit."
      Kurz ging er zum Fahrstuhl und drückte auf der Taste nach oben. Diese Blinkte weder auf, noch hörte man, dass sich der Fahrstuhl irgendwie in Bewegung setzte.
      "Nun ja...ein Versuch war es zumindest wert" murmelte er leise und strich sich über den Nacken. Kurz überlegte er. Bis in den ersten Stock sind es 18 Stufen...in den zweiten sind es noch einmal 18 Stufen. Also insgesamt 36 Stufen, die hinaufführen.
      "Der dicke Shun aus Stockwerk 4 wird sich freuen, wenn er von der Arbeit kommt.." murmelte er leise.
      Doch war er wieder zu dem Treppengeländer gegangen.
      "Soll ich Ihnen hochhelfen? Sie mit dem Rollstuhl würde ich gerade noch so hinaufgezogen bekommen, wenn wir im ersten Stock eine kleine Pause machen" bat er nun doch an.
      Er würde sonst nur schnell seine Post nach oben bringen und sich dann an die Arbeit machen. Aber wenn er eigentlich Helfer hat, die ihm unter die Arme greifen, warum rief er diese nicht an.
      "Oder können Sie nicht ihre Unterstützung anrufen, dass sie kurz vorbei kommt?" er wollte sich nicht zu sehr einmischen. Aber hier unten im Treppenhaus ist es nicht sonderlich warm. Wenn man hier eine längere Zeit sitzen würde, dann würde man sicherlich sich eine Erkältung zuziehen und das musste nicht unbedingt sein.
      Entweder würde der Andere die Hilfe annehmen oder er würde nun doch über seinen Schatten springen und ausnahmsweise mal nicht so aufopfernd sein.
    • "... Hinderlich", wiederholte Orochi die Worte mit einem frustriertes schnaufen, "... Das kannst du laut sagen."
      Der junge Rollstuhlfahrer beobachtete den Bunthaarigen nur einen Moment dabei, wie er es hilflos noch einmal versuchte den Fahrstuhl zu rufen, doch was hatten sie erwartet?
      Das er jetzt magisch wieder funktionieren würde?
      Gott, er würde nie wieder versuchen irgendwas alleine zu machen, bis sich sein Plan nicht geregelt hatte... Ein normales Leben vorzutäuschen war unsagbar anstrengend... Nein, mittlerweile lebte er es ja, hier gab es nichts vorzutäuschen! Als ob er einfach aufstehen und weggehen könnte...
      Der Brünette griff sich gereizt an den Nasenrücken und rieb sich diesen für einen Moment mit dem Knöchel seines Zeigefingers und seinem Daumen.
      So ein Mist...!!
      Die ganze Situation war nun natürlich nicht die beste, doch das Verhalten des anderen ließ ihn immer mal wieder zu ihm herüber linsen. Ob es nun seine Wortwahl war oder ob es ihn wirklich belustigte konnte man recht schwer deuten, doch ihm entkam ein amüsiertes Schmunzeln.
      Er wusste genau von wem er redete... Persönlich getroffen hatte er ihn noch nie, doch er hatte vor einiger Zeit einen dem Fenster gesehen und einen Blick auf ihn erhaschen können.
      Wie lange war das her gewesen? Eine Woche? Vielleicht zwei?
      Ein übergewichtiger, schwitziger und typisch asiatischer Mann. Sein Alter war schwer einzuschätzen, wenn er raten müsste, wäre es vielleicht Anfang 30? Viel älter würde er aber mit Sicherheit auch nicht werden, der Kerl kam jeden Tag mit einer McDonalds Tüte in der Hand von der Arbeit heim. Immerhin hatte er einen Job gefunden, wahrscheinlich als Firmenarbeiter wo er auch nur am Schreibtisch saß... Doch andere gammelten nur zuhause, daher sollte man ihm dafür auch etwas Anerkennung schenken.
      Die Vorstellung wie er sich jedoch die ganzen Treppen hochkämpfte, nur um nach allen paar Stufen eine Pause einlegen zu müssen und sich den Schweiß mit der Krawatte von der Stirn zu streichen... Da überkam ihn schon ein Anflug von Schadenfreude.

      "Ich denke, das wird dann noch ne ganze Weile dauern...", seufzte der Brünette nach einer kurzen Pause hervor, in welcher er die Situation auf sich wirken gelassen hatte.
      Was konnte er auch anderes tun, als nun einfach die Augen erschöpft zu schließen und Däumchen zu drehen?
      Angeblich gab es weiter oben einen Sportler, vielleicht könnte dieser ihn ja wie eine Prinzessin hochheben und einfach in seine Wohnung tragen?
      ...Tch, über seine Leiche.
      "Heraufgezogen?", die Augenbraue des früheren Dämons schoss in die Höhe, kurz daraufhin folgten auch ergebend seine Hände, "Ha...! N-Nein, also... Es ist nicht so das ich dir damit nicht vertrauen würde, doch ich glaube da würde ich nur Kopfüber die Treppe runterfliegen... Ich habe wenig Lust mir meinen Rücken nochmal zu brechen!", scherzte er selbstironisch.
      Obwohl... er selbst konnte sich ja schlecht selbst die Treppe hinauf rollen.
      Man sah es dem Rollstuhlfahrer an, das er den Vorschlag kurz in Erwägung zog, doch genauso schnell sah er auch schon das Leben vor seinem Inneren Auge an ihm vorbeiziehen!
      "Ja, du hast recht... ich sollte bei der Betreuung anrufen...", das er ihn schon gleich duzte weil teils automatisch geschehen, der Junge sah jünger aus als er, daher sah er nicht unbedingt einen Grund ihn zu siezen... Dazu waren sie Nachbarn.

      Sein Handy herauskramend, scrollte er durch die ganzen eingespeicherten Nummern auf dem Display.
      Die Erinnerungen des 'Vorbesitzers' schwirrten ihm noch immer im Kopf herum... gleichzeitig konnte er vielen Namen absolut niemanden zuordnen.
      Während er den Kontakt auswählte und sich das Handy schon ans Handy legte, schenkte er seinem vermeidlichen Nachbarn noch ein schiefes Lächeln, "Aber danke für den Vorschlag... Mein Name ist außerdem Setsuko, freut mich!"
      Immerhin ertönte ein Freizeichen, doch als keiner in den ersten paar Signalen abnahm, hatte der Brünette schon wieder ein Loch in die Luft gestarrt.
      War niemand da, oder was?
      Sollte er ihr am besten eine WhatsApp schicken?
      Musste er jetzt echt hier unten im Hausflur stehen bleiben?
      Sein Lächeln wurde ein wenig verkrampfter, es war diese Art von Ausdruck die einem sagte 'Keine Sorge, sie nimmt jede Sekunde ab', nur das dabei die Sekunden immer länger wurden, sodass es peinlich wurde.
      Langsam löste der Ältere dann doch das sein Handy von seinem Ohr, um einen Moment bedröppelt auf den Bildschirm herunter zu sehen, "Uh... ich versuchs gleich nochmal... Normalerweise habe ich kein Problem sie zu erreichen."
      Von wegen, 'leicht zu erreichen', diese Mistkerle machten doch eh immer was sie wollten...
      "Und uh... was machst du so? Arbeitest du?", seine Augen wanderten über seinen Schmalen Körper, wenn ja dann könnte er sich ihn irgendwie nur in einem Hot Topic vorstellen...
    • Ja, es war wirklich verdammt hinderlich und es war sicherlich sehr nervig für den jungen Mann in dem Rollstuhl. So allein auf sich mit einer solchen Einschränkung zu leben...er konnte es sich nicht einmal vorstellen.
      So blickte er kurz zu dem Fahrstuhl, es war zumindest ein Versuch wert gewesen. Auch wenn es ein lächerlicher Versuch war. Aber sich hier nun die Beine in den Bauch zu stehen, war auch keine angenehme Option. Hier unten war es nun einmal verdammt kalt.
      Langsam wandte er seinen Blick wieder zu dem Brünetten, welcher sichtlich genervt war von der aktuellen Situation. Er selbst würde hier wahrscheinlich herumbrüllen, bis einer der Nachbarn zu viel hätte und ihn mit hinaufnahm.
      Da war es verblüffend, dass er so ruhig blieb. Das faszinierte ihn schon ein wenig.
      Doch war er froh, dass er den Anderen wenigstens einen kurzen Augenblick aus den Gedanken über diese misslinge Lage herausholen konnte. Das freute ihn wirklich.

      Aber der dicke Mann war schon immer sehr freundlich gewesen, nur wenn es um sein Gewicht ging, oder über Bewegung wurde er ein wenig...ausfallend.
      Da war es kein Wunder, dass er seinen schweren Körper nicht die Treppenstufen hinauf quälen wollte. Aber allgemein waren die Leute hier doch recht faul, was das Treppensteigen anging. Hinunter ging er auch immer nur mit der Treppe. Doch hinauf...da nahm er dann auch lieber den Fahrstuhl.
      "Es wird so etwas von eine Weile dauern", wiederholte er kurz und seufzte. Eigentlich hätte er schon längst nach oben gehen können, aber irgendetwas ließ ihn hier unten verharren.
      Ein schlechtes Gewissen, an etwas, woran er keinerlei Schuld hatte?
      Oder wollte er sich einfach wieder um jemanden kümmern? Einfach mit jemanden reden, nach so langer Zeit?

      "Ja...es ist verständlich, dass du mir nicht traust. Schließlich bin ich auch nicht sonderlich der Stärkste. In letzter Zeit habe ich auch gar kein Sport mehr gemacht", gestand er ihm dann auch. Das würde vielleicht nach hinten losgehen, oder es konnte auch klappen.
      Wer nicht wagt, der nicht gewinnt.
      "Gut, dann hoffe ich, dass bald jemand kommt und du nicht allzu lange hier unten in der Kälte sitzt. Soll ich vielleicht etwas holen? Eine Decke? Ich weiß ja nicht, wann jemand kommt um dich aus den eisigen Klauen dieses Monsters zu retten" meinte er leicht schmunzelnd und strich sich sein Haar zurück.
      Setsuko also, diesen Namen hatte er unten schon gelesen, aber nie sich Gedanken gemacht, wer dieser jemand war.
      Doch merkte er recht schnell, dass wohl keiner ranging, also würde es sich wohl noch weiterhin in ziehen. Wie ein Kaugummi. Nervig.
      "Vielleicht ist der Person etwas passiert? Ist ja mittlerweile nicht verwunderlich plötzlich erstochen oder erschossen zu werden." murmelte er dann auch schon.
      Es wird vielleicht aber auch nur einen ganz simplen Grund, wie ein Fest oder gerade anders unterwegs. Aber vielleicht wurde auch einfach nur das Handy verlegt.
      "Uhm....", stieß er aus und leicht wandte er seinen Blick ab, konnte er dem Anderen denn so einfach sagen, dass er Arbeitslos war?
      "Nun, ich war bis vor kurzem Kellner gewesen, doch wurde ich leider gekündigt. Dadurch das mein Freund mich verlassen hatte, war ich nicht mehr zur Arbeit gegangen..." murmelte er leise. Man konnte merken, dass es ihm etwas unangenehm war.
      "Und nun...seither habe ich noch nichts neues gefunden.", gestand er ihm.
      Eigentlich hatte es dem Anderen auch nichts anzugehen, schließlich hatte er auch nicht gefragt, warum er im Rollstuhl saß. Aber diese Frage wollte er auch eindeutig nicht stellen. Dies gehörte sich nun einmal nicht und er wollte es sich mit dem Anderen nun nicht verscherzen.

      "Also mein Angebot steht noch, zumindest dir eine Decke oder eine Jacke zu bringen. Und einen Tee", bat er ihm ein weiteres mal an.
      Denn mehr konnte er nun einmal auch nicht tun. Und hier wollte er auch nicht länger stehen bleiben ohne etwas zu tun.
      So holte er sich nur noch eine Erkältung.
    • Mit einem amüsierten Schmunzeln auf seinen Lippen sah er dem Jüngeren nur halb interessiert dabei zu, wie er sich regelrecht um Hals und Kragen redete.
      Hatte er ihn damit kalt erwischt..? Böse hatte er es ja eigentlich nicht gemeint... Menschen waren wirklich sensibel.
      "Hm... Keine Sorge, du hättest dich nicht erklären müssen.", antwortete der Rollstuhlfahrer nach einer ganzen Weile, es folgte ein sanftes Schütteln seines Kopfs.
      Entwarnung gebend, hatte er gleich hinzufügen wollen das er ihm auch nicht seine Frage nach seiner Arbeit beantworten brauchte, immerhin hatte er nur aus reinem Smalltalk heraus gefragt, doch dafür war es dann auch schon zu spät.
      So beschämt wie er danach aus der Wäsche guckte, fühlte er sich beinahe etwas schlecht.
      "Tut mir leid, das war unsensibel von mir...", der Brünette sah einmal kurz an ihm auf und ab, lehnte sich dann jedoch mit einem seufzen weiter zurück und starrte einen Moment an die Decke, "Ich arbeite auch nicht! ... uh... offensichtlich, oder? Aber ich hab schon überlegt, mir irgendeinen Bürojob anzulegen... Eine große Auswahl habe ich ja nicht unbedingt"
      Nun lächelte auch er beschämt, wobei er sich leicht ertappt an der Schläfe kratzte.
      Dabei sollte ihm sowas eigentlich gar nicht peinlich sein... Und das wars ihm in Wahrheit auch nicht.
      Schein war eben das A und O.

      Der Vorschlag zu Tee und einer Decke zauberte ein Lächeln auf seine Lippen, was er jedoch genauso schnell mit einem Schütteln seines Kopfes verneinte, "Keine Sorge... ich habe eigentlich nicht vor es mir hier unten im Hausflur gemütlich zu machen... Würde doch irgendwo erbärmlich aussehen, oder?"
      Man sollte sich das mal vorstellen... Ein Querschnitzgelähmter in einem vorgestellten, eiskalten, dreckigen Hausflur eines größtenteils heruntergekommenen Mehrfamilienhauses, zwischen den Mülltüten der Mitbewohner, welche zu faul gewesen waren sie nach draußen zu tragen.
      Und da würde er sitzen, mit einer Decke, einer Wärmflasche und einem Tee! Vielleicht sogar noch einem iPad auf welchem er Serien schauen konnte?
      Das wäre doch wirklich bemitleidenswert...

      "Aber... wenn du mir hiermit vielleicht helfen könntest?", wenn der Junge schon etwas für ihn tun wollte, wieso nicht?
      Wie hieß er denn nochmal... Nagisa, richtig?
      Setsuko setzte sich ein wenig auf, sich dabei mit seinen Armen hochstemmend, und drehte sich mit dem Oberkörper nach hinten um zu den Griffen seines Rollstuhls. Dort baumelten noch immer seine Einkaufstüten, der Grund weshalb er sich überhaupt erst in dieses Dilemma gebracht hatte.
      "Hast du einen Kühlschrank? Meinst du, du könntest sie für mich kalt stellen? Obwohl sie hier unten bestimmt nicht schlecht werden...", scherzelte mit einem Anflug von Schmerz ins einer Stimme.
      Die weiße Plastiktüte legte er auf seinem Schoß ab, ehe er sich erneut an seine Räder griff um ein wenig auf den Bunthaarigen zuzurollen und ihm von unten noch einen fragenden Blick zuzuwerfen, "Ich denke, das ich vielleicht noch etwas draußen rumfahre... Ich glaube frische Luft wird mir besser tun, als hier unten rumzustehen und die Spinnen in den Winkeln zu zählen. Ich denke du hast bestimmt auch noch zu tun, zu sehr möchte ich dich auch nicht aufhalten... Ich würde dann meine Lebensmittel abholen. Ist das okay für dich?"
    • "Ach, ich habe nichts zu verschweigen", leicht kratzte er sich mit dem Zeigefinger über die Wange und lächelte leicht schief. Er war nun einmal so erzogen, dass er direkt antwortete, wenn man ihn etwas fragte. Darauf hatte seine Mutter immer wert gelegt und genau das tat er nun auch weiterhin.
      Doch schüttelte er schnell den Kopf und hob die Hände nun leicht. Er wollte dem Anderen nun wirklich kein schlechtes Gewissen machen. Oh man, dass ging ja nach hinten los.

      "Nein, alles gut. Du hättest es nicht wissen können. Aber so spielt nun einmal das Leben und wenn er nicht bei mir bleiben wollte, dann ist es halt so. Ich finde eh jemand besseren, ich muss nur nach diesen jemanden suchen", leicht lachte er.
      Es war leichter gesagt, als getan. Aber aktuell wollte er daran auch keinen weiteren Gedanken verschwenden.
      "Nun, ein Bürojob ist sicherlich ein wenig langweilig. Ich persönlich könnte es nicht. Aber es gibt sicherlich auch andere tolle Berufe. Schließlich stehen in manchen Berufen wirklich jedem die Türen offen. Solange es nicht wie hier in dem Wohnkomplex ist..." meinte er seufzend, dabei verdrehte er die Augen.
      Er fragte sich, ob in ein paar Jahren das Gebäude überhaupt noch stehen würde. So runtergekommen es mittlerweile war. Vielleicht sollte er auch irgendwann umziehen. Auch wenn ihm dieses verdammte Gebäude ein wenig ans Herz gewachsen war.
      Es war wie ein nerviger, kleiner Bruder. Haben möchte man den nicht, aber man hat ihn doch irgendwie lieb gewonnen.
      Leicht kratzte er sich an den Hinterkopf und lächelte leicht schief.
      "Stimmt, ist bestimmt ein seltsamer Anblick. Aber vielleicht hast du Glück und deine Unterstützung ruft bald zurück" meinte er dann auch schon. Zu hoffen war es.

      Ihm den Spiegel vorsetzen wollte er in diesem Moment nicht, aber da war er wohl wieder ins Fettnäpfchen getreten. Am besten wäre es, wenn er einfach komplett den Mund halten würde.
      Doch fiel sein Blick dann auch schon auf die Tüte, diese hatte er gar nicht bemerkt gehabt und somit sah er etwas skeptisch zu dieser, doch nickte er dann leicht.
      "Nun, solange es keine abgetrennten Gliedmaßen sind, werde ich es machen" meinte er schmunzelnd. Es war ein ziemlich schlechter Scherz gewesen, aber er wollte kurz von dem vorherigen Thema etwas ablenken.
      "Sicher habe ich einen Kühlschrank und du kannst die Sachen dann jederzeit abholen" meinte er und nickte, so nahm er dann auch schon die Tüte an.

      Kurz war er noch einmal zu der Tür gegangen und hatte diese geöffnet gehabt. Dabei hatte er auch den kleinen Holzklotz unter die Tür geschoben, damit diese nicht sofort wieder Zuviel. Kälter konnte es im Haus sowieso nicht mehr werden und aus diesem Grund hatten dann die Nachbarn einfach ihre Klappe zu halten.
      "Falls sich keiner melden sollte in ein paar Stunden, dann kannst du mich ruhig per Freisprechanlage rufen. Dann kann ich vielleicht gucken, ob ich nicht doch noch irgendwie helfen kann" bat er an und war dann auch schon die ersten Treppenstufen hinauf gegangen.
      Doch stoppte er dann und blickte den Anderen an.
      "Glaub ein Flaschenzug wäre echt langsam besser, als dieser verdammte Fahrstuhl. Der bringt nichts als ärger" meinte er leicht schmunzelnd. Das Ding nervte schließlich mittlerweile jedem im Haus.
      Nicht eine Woche verging, ohne dass das Ding nicht kaputt ging...