-Zwischen Glut und Feuer- [Shiori/Stitch]

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    • -Zwischen Glut und Feuer- [Shiori/Stitch]

      Es war eine stürmische, für den kommenden Winter typische Nacht gewesen. Es regnete stark und es war furchtbar kalt gewesen.
      Der Wind peitschte die schweren Tropfen gegen das Fenster der jungen Frau. Der Regen war verseucht und riss sämtlichen Schmutz aus der Atmosphäre hinunter auf die Erde.
      Der große atomare Krieg war Jahrzehnte hergewesen und doch traute sich niemand aus dem gesicherten Haus des Herren. Viel zu groß war die Gefahr krank zu werden, oder im schlimmsten Falle zu sterben.
      In der Ferne zog ein Gewitter auf und das dumpfe Donnern gab der düsteren Atmosphäre ihres Schlafzimmers einen gruseligen Touch.

      Im Hintergrund, außerhalb der Dienstzimmer konnte man leise gequälte Schreie vernehmen. Ob es sich dabei um eine Frau, oder einen Mann handelte konnte die junge Frau nicht mit Sicherheit sagen.
      Die junge Frau setzte sich auf und rutschte auf ihrem Bett nach vorne, um ihre nackten Füße auf den kalten Boden zu setzen. Aufgestanden ging sie vorsichtig bis zu der Tür und öffnete sie ein Stück. Das qualvolle Geschreie hatte sich nun zu einem gequälten Winseln verwandelt.
      Es war wohl der Herr dieses Hauses der seine Psychospielchen unten im Keller trieb. Oft mussten Kreaturen, die er draußen auffand und mit falschen Versprechungen, wie Schutz und Essen lockte darunter leiden. Besonders auf 'Mutanten', wie man sie nannte, hatte er es abgesehen. Sie waren es nicht wert am Leben gelassen zu werden, so sagte er.
      Shiori, die Frau die nun an der Tür lauschte hatte Glück. Sie war hübsch anzusehen und niemand bemerkte ihre Fähigkeiten. So kam es dass sie bei einem Übergriff mitgenommen wurde, statt ausgelöscht zu werden wie die Magier bei denen sie damals Schutz fand.

      In den Jahren in denen sie nun hier Bedienstete ist hatte sie viel erlebt und weiß dass Marek, der Herr dieses Hauses nichts Gutes im Schilde führt. Im Gegenteil, er ist schuld an vielen Todesopfer.
      Shiori weiß, dass er vor Jahren damals einen Pakt mit einem Hochrangigen Dämon einging. Der ihm Kräfte zur Verfügung stellte und einen mächtigen Stein. Ein Geschenk gegen einen mörderischen Vertrag. Genaueres weiß die junge Frau nicht. Nur, dass dieser Stein die Kraft besäße manche Kräfte zu blockieren. So kam es dass unzählige Magier ausgerottet wurden.
      Da sie sich ziemlich im Hintergrund hielt, kann sie auch nicht mit ziemlicher Gewissheit sagen, welche genauen Kräfte er besitzt und wie gefährlich er für sie sein kann.
      Ihr Ziel war es, ihm diesen Stein zu stehlen und auszuschalten, weshalb sie in der Nacht immer wieder heimlich trainierte. Es erwies sich jedoch immer als schwierig, die Umstände ließen kein großes Trainingsprogramm zu.

      Das Winseln brach ihr das Herz. Doch die Angst vor diesem Mann ließ sie erstarren. Sie befand sich im Zwiespalt. Sollte sie diesem Wesen helfen und ihr Leben riskieren, oder einfach zu Bett gehen und so tun, als wäre nie etwas geschehen?
      Wie könnte sie sich als Tochter Gaias bezeichnen, wenn sie immer wieder dem Elend zusieht?
      Doch die Angst war viel zu groß. Sie war schwach und ihre Kräfte sind nicht im geringsten so gut, wie sie mit 13 Jahren Training hätten sein sollen.
      Immer wieder fragte sie sich, ob ihre Schwestern auch so schwach waren, oder ob sie die Einzige war, die nicht weiterkam.

      Eine ganze Weile voller Selbstzweifel verging und nachdem sie endlich den Mut hatte und die Tür komplett öffnen wollte, hörte sie Schritte. Jemand ging die Treppen von den Kellerräumen hinauf.
      Marek, dachte sie und als der große Schatten um die Ecke bog, öffnete sie die Tür vollständig.
      Mit leisen Schritten ging sie den Flur entlang Richtung Kellerräume. Niemand war mehr zu hören auch das Winseln war verstummt.
      Jetzt wollte sie es wissen und stapfte die steinigen Treppen runter. Der Geruch von Eisen lag in der Luft und setzte sich in ihrer Nase fest.
      Blut, viel Blut.
      Die Tür zu den Räumen war verschlossen. Was hatte sich die junge Frau bloß erhofft, dass man sie offen hielt damit jeder rein und raus konnte wie er wollte?
      Wie wild zog sie an der Tür und drückte dagegen. Zu ihrem Nachteil, jemand stand hinter ihr, den sie nicht kommen hörte und fragte sie zornig, was sie da mache.
      "I.. Ich dachte ihr wärt in Gefahr..", stotterte die junge Frau als sie zu einem Mann aufsah, der sie erbost musterte.
      Der Mann, der um einiges größer war als sie und durchaus das dreifache an Muskelmasse besaß, durchschaute ihr Vorhaben und packte sie an ihren langen weißen Haaren.
      Kurz schwebte sie mit ihren Füße über dem Boden und sie wurde unsanft wieder nach oben gezogen.
      Immer wieder krächzte sie bei dem unangenehmen, schmerzenden Gefühl auf.
      Die Angst vor dem Tod ließ sie etwas tun, was sie in den nächsten Wochen bereuen würde.
      Eine Dornenranke zog sich wie von Zauberhand um ihre Beine und stieß den Mann von sich. Mit ausgestreckten Armen stand sie über dem Mann der zu Boden gerissen wurde. Er blutete an einigen Stellen.
      Geschockt über die Auswirkung ihrer Kraft blieb sie erstarrt stehen. Ganz zum Nachteil, denn der Mann stand auf, packte ihren Arm und nahm den besagten Stein aus seiner Manteltasche.
      So nah war sie diesem Unheilbringer nun gekommen und nun würde sie wohl auch sterben.
      Marek hielt den Stein auf sie gerichtet, doch nichts geschah. Er blieb schwarz und Shiori feuerte die nächste Ranke von sich. Dumm nur dass sie ihn verfehlte und er sie packte.
      Alles wurde schwarz um sie herum und als sie wieder aufwachte, war ihr größter Wunsch zu sterben.

      Drei Monate wurde Shiori gefangen gehalten, gefoltert und darauf getrimmt ihre Fähigkeiten für Marek und seine bösen Ziele einzusetzen.
      Gehorchte sie nicht, wurde sie auf brutalste Weise verletzt, oder andere Unschuldige Wesen wurden getötet.
      Sie war gebrochen und funktionierte für ihn wie eine Marionette.
      Der Regen hatte längst aufgehört und es kam der Tag der Tage. an dem sie mit Marek und einer auserkorenen Truppe auf Erkundungstour gehen musste.
      Da sie nicht auf den Stein reagierte, wusste er dass sie keines der Wesen war die ihm hätten gefährlich werden können, so dachte er.
      Eingesperrt und aus ausgenutzt.
      Mittlerweile wusste Marek wozu Shiori in der Lage war. Wichtig für ihn waren die Gifte die sie herstellen konnte und auch die Fähigkeit Wunden zu heilen.
      Selbst der Dämon konnte ihm nicht genau sagen um welches Wesen es sich bei Shiori handelte.
      Sie sprach in seiner Gegenwart nicht, kein einziges Wort. Sie gehorchte nur. Zu groß war die Angst. Obwohl sie sich selbst dafür hasste.

      Zwei Tage waren sie unterwegs gewesen. Die neuen Sandschiffe waren nicht sonderlich schnell für ihre recht mickrige Größe und aus diesem Grund zog sich die Fahrt zwei Tage und eine Nacht.
      Sandschiffe waren eine neue Erfindung. Man nannte sie so, weil sie in der Lage waren über Wasser und über Sand zu gleiten. Das Innere war vor Strahlungen der Umwelt geschützt und natürlich durften Waffen an Bord nicht fehlen. Es gab einen speziell angefertigten
      Seezielflugkörper, um Feinde von sich fernzuhalten oder kleinere Völker auszulöschen.
      Die Anzahl dieser Militärwaffen war zum Glück aber beschränkt.

      Die damalige Wüstenregion hatte sich in den Jahren verändert. Aus Büchern wusste Shiori dass es hier zu Lande einmal sehr warm und schön gewesen war.
      Dieses Wissen hatte sie mal in einem Buch aufgeschnappt.
      Ägypten, ein beliebtes Touristenziel.
      Doch heute, war es auch hier kalt und trostlos.
      Naturkatastrophen und Kriege hatten auch hier ihr nötigstes getan.

      Das Sandschiff hielt an und Marek sagte mit einem finsteren Grinsen auf den Lippen :"Wir sind da!"

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    • Zacharie de Pouray

      Dumpfer Gebetsgesang und der Geruch von Weihrauch. Zack hob den Kopf; er hatte die Augen geschlossen. Er roch den frischen Wind, der durch ein offenes Fenster zog und öffnete langsam die Augen. Er hatte die Nacht in der großen Bibliothek von New Alexandria verbracht, leider ist er dabei über einem Stapel Bücher eingeschlafen und rieb sich nun die Augenlieder. "Palatin de Pouray", raunte eine alte Stimme. Er drehte sich um und erspähte die Bibliothekarin, die über diesen Flügel des Gebäudes wachte. "Ihr seid doch nicht schon wieder hier eingeschlafen?", raunte sie und verräumte die Bücher, die rund um den Ritter lagen. "Nein, Bibliothekarin. Ich habe bloß zu lange gesucht."
      "Wonach gesucht? Etwa dem Weg zu eurem Schlafgemach?", hob die betagte Dame die grauen Augenbrauen.
      "Nein, nach Antworten", erklärte er ruhig und sah auf das geöffnete Buch auf dem seine Hände lagen. "Die Antworten liegen irgendwo in der Wüste", murmelte er vor sich her und überflog den Text vor ihm. "Ihr solltet lieber etwas frühstücken", wies ihn die Bibliothekarin zurecht und zog das schwere Buch unter Zacks Händen hinweg.

      Er schüttelte den Kopf und richtete sich auf. "Dafür habe ich keine Zeit.", erklärte er und stürmte aus dem Gebäude. Zack wusste wieder weswegen er dieses Buch die Nacht über so fest an sich gekrallt hatte. Das Buch enthielt eine Passage über eine geheime Pforte in der Wüste, die man mit Hilfe einer Tochter Gaias öffnen könnte. Dies passte zu einem Bericht, den er wenige Wochen vorher von seinen Spähern erhalten hatte. Im Hafen von Alexandria, dem letzten Überbleibsel des ursprünglichen Alexandrias, wurden jede Menge Geräte für eine wissenschaftliche Expedition verladen. Expeditionen in Ägypten sind jedoch nur mit Zustimmung des Rats oder eines oberen Auguren möglich. Doch für dieses Ladeverzeichnis gab es keine Zustimmung. Alleine schon für den Versuch ein Portal der Töchter Gaias zu öffnen würde man keine Genehmigung bekommen.

      Dies war eine Aufgabe, die nur den Töchtern alleine zustand oder maximal Silverangel als Organisation, die sich dem Retten der Erde verschrieben hatte. Zack musste also Antworten finden. Als er die Bibliothek durch die großen Eingangstore verlassen hatte, breitete er seine Metallflügel aus und flog in die Luft. Dank des Buches hatte er einen etwaigen Anhaltspunkt, wo sich das Portal und damit ggf. diese Expedition befand. Er flog eine Weile tief in die Wüste, die heute eher einer Eiswüste glich, ehe er am Horizont etwas erkannte. Es war ein Sandschiff, das über den gefrorenen Wüstensand fuhr! Dann mussten es eher Plünderer als Forscher sein oder aber Mitarbeiter eines Weltkonzerns, denn für so ein Schiff hatten neben Nomaden nur Konzerne Geld. Zack musste sich wohl auf Widerstand vorbereiten.

      Er landete auf dem Sandschiff und stellte sich vor die Expedition aus einigen Männern in Begleitung einer jungen Frau. "Hey ihr da. Was wollt ihr hier? Das ist Land der Palatine von New Alexandria." Zack stellte sich den paar Männern gegenüber. Innerhalb kürzester Zeit stellte er fest, dass diese kaum eine Bedrohung für ihn darstellen. Bis auf den in der Mitte von dem Mann ging spürbar eine Macht aus. Unweit von ihm stand eine junge Frau. "Nennt mir euren Grund, warum ihr hier seid und ich entscheide, ob ihr weiterziehen dürft, Unbekannte", erklärte Zack diplomatisch, denn er wollte es nicht unbedingt auf eine Konfrontation ankommen lassen. Er würde sie sicherlich gelöst bekommen, aber er wollte eigentlich einen konfliktfreien Weg gehen, so wie es ihm auch gelehrt wurde.
    • Ohne zu wissen welche abtrünnige Machenschaften Marek durchzuführen plante, folgte sie ihm als das Sandschiff zum Stehen kam und er sich von seinem Platz erhob.
      Als das 'Okay' seiner nichtsnutzigen Dienerschaft ertönte, packte Marek sie am Handgelenk und zog sie mit nach draußen.
      Schnee und Eis zog sich über den einst sandigen und warmen Boden der damaligen Wüste. Es war ein herrlicher Anblick, wären die vielen Trümmer und Wrackteile an der Küste nicht gewesen, die den einst herrschenden Krieg damals zeichneten.
      Überbleibsel von Waffen und Leichen waren zum Glück von der Kälte und dem Schnee verschlungen gewesen, falls es noch welche gegeben hätte.
      In der Ferne konnte man Silhouetten von großen Häusern erkennen. Erstaunlich, dass diese Region nicht so stark von Nebel verschlungen wurde wie es in Welsch-City der Fall war.
      Shiori hielt Ausschau nach den besagten Pyramiden. Doch befanden sie sich wohl auf einem alten Hafen. Was zu erklären war, mittels des eingefroren, mit Schnee bedeckten Wrack unmittelbar neben ihrem Sandschiff. Mit dem Eis verwachsen. Vielleicht lag Shiori mit ihrer Aussage auch falsch. Abgesehen von den vielen riesigen Schiffen, gab es auch hier viele Militärmaschinen. Fahrzeuge konnte man unter der Schneedecke erkennen und vermutlich auch kleinere Schiffe. So beschrieb es mal ihre Fantasie. Was wirklich unter den Schneedecken lag wusste sie nicht genau. Sie fantasierte nur.
      Das große Gebäude vor Ihnen war kaum noch zu erkennen. Genau wie die vielen kleineren Häuser die noch heute eine Straße zeichneten.
      Abgelenkt von der Aussicht und den vielen Kleinigkeiten, die Shiori zum fantasieren einluden, erschrak sie als ein dumpfes Geräusch hinter ihnen ertönte. Etwas schweres landete auf dem Sandschiff und als sich alle zu der Geräuschskullise umdrehten, war niemand mehr zu sehen.
      Vor ihnen ertönte nun eine ernste Männerstimme und alle Blicke landeten auf dem Mann in seiner Rüstung aus Metall, unmittelbar vor ihnen. Er besaß Flügel aus Stahl, was Shiori ziemlich interessant fand. Er sah aus wie ein Engel. Nun, ein Engel aus Metall. Vermutlich eine Art Kämpfer um Feinde die sein Land betreteten aus seinem Land zu vertreiben.
      Das Land der Palatine, erwähnte er und auch dass sie sich in New Alexandria befanden.
      Noch nie habe Shiori von diesem Land, geschweige denn, von Palatine etwas gehört.
      Seine Stimme klang ernst und doch lag etwas ruhiges darin. War er alleine? - fragte sie sich und wusste dass er keineswegs böse Absichten gehabt hatte. Vielleicht hatte er, wie sie einst, auch seine Liebsten die er beschützen wollte und war auch genau wie sie es war, gegen diesen herrschenden Krieg.
      Bei seiner Frage, welche Absichten ihre Ankunft habe, lachte Marek.
      "Wir schauen uns nur ein wenig um. Genießen einen kleinen Urlaub. Auch wir haben schwere Zeiten hinter uns."
      An seiner gehässigen Stimme erkannte Shiori dass er log. Welchen Grund ihre Anreise wirklich hatte, wusste sie nicht, aber ganz sicher war dieser kein Urlaub.
      Mit großen, weit aufgerissenen Augen sah sie zu dem 'Engel' um ihm das Zeichen zu geben, dass dies ganz sicher nicht die Wahrheit war.
      "Wie schaut's aus, dürfen wir passieren?", fragte Marek lachend und legte seine Arme fast flehend in die Luft.
      Als Marek seine Arme hob, zuckte Shiori und legte schützend ihren Arm vor ihr Gesicht. Ein Tick, entstanden durch die letzten Wochen aus Qualen und Angst.
      "Die Kleine ist schon ganz verstört!" Bei seinen Worten drückte er die junge Frau gegen seinen Oberkörper, was ihr sichtlich nicht gefiel.

      Marek merkte dass der Silverangel, wie er sie aus Erzählungen kannte, sie niemals passieren lassen würde und trat einige Schritte vor. "Lass uns vorbei, oder du wirst es bereuen!"
      Und so kippte die gespielte Harmonie.
      Mit einem Zeichen seiner Hand, feuerten zwei seiner Leute mit Pistolen auf den Fremden.
      Natürlich geschah nichts, jede Kugel landete auf dem Boden ohne einen Schaden zu verursachen. Was seiner Rüstung zu verdanken war. Mareks Grinsen wurde breiter und nun kamen auch zwei seiner Magier und feuerten mit Feuerbällen auf den Engel.
      "Nicht!", schrie die Frau und versuchte einen der Magier, die Marek gehorchten daran zu hindern ihn zu verletzen. Sie riss seinen Arm fort und der Magier zielte auf den Boden.
      "Hört auf!", befahl sie Marek. Doch mit nur einer Bewegung seiner Hand verstummte die Frau. Ein goldener Ring an seinem Zeigefinger begann zu leuchten und so auch eine Kette die die Frau um ihren Hals trug.
      "Lass uns einfach durch und wir werden dich nicht töten!"

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    • Zacharie de Pouray

      Zach hob die Augenbraue als ihm der scheinheilige Mann verkaufen wollte, er sei hier nur zum Urlaub. Die junge Frau an seiner Seite sah Zack mit skeptischem Blick an und er deutete es als ein Zeichen, dass seine Vorahnung stimmte. Irgendetwas war hier nicht richtig. Was waren das wohl für Typen? Wofür das Schiff und die notdürftig vertauten Forschungsobjekte zu seiner Rechten und Linken. Ehe der Palatin sich weitere Gedanken darüber machen konnte, sah er auf die Frau, die von dem Mann vor ihm an den Oberkörper gedrückt wurde. Es wurde immer absurder, dachte sich der Silverangel und griff die Scheide seines Schwerts fest. Wer wusste was demnächst passiert.

      Als hätte der Palatin es gespürt, schoßen kurz darauf Pistolenkugeln und ein Feuerball auf ihn ein. Er wehrte sie mit seinen mechanischen Flügen aus Paladium ab, indem er diese um sich legte wie einen Kokon. Blitzschnell öffnete er sie wieder, stieg in die Luft und stürmte herunter, riß 2 Zauberer mit sich, flog mit ihnen wieder hoch in die Luft und warf sie dann ins Weite der Wüste. Als erneut zum Sinkflug ansetzte schossen 2 Männer mit Pistolen auf ihnen. Zügig wich der Ritter den Schüssen aus und landete mit einem Flügelschlag auf dem Deck des Sandschiffes, sodass es die beiden Männer vom fahrenden Sandschiff pustete. Zack klopfte sich etwas Dreck von den Schultern, ehe er auf den älteren Kauz zuging, der mit seinem golden auffunkelnden Ring, die Frau neben sich scheinbar unter Kontrolle hielt. "Ergib dich, oder es ergeht dir wie deinen nutzlosen Lakaien", raunte Zack sichtlich genervt.

      Der ältere Mann lachte laut. "Tzzz. Als ob das alles war!" Ehe sich Zack versah spürte er einen starken Griff um seinen Hals, der ihn hochob. Er zappelte und rang nach Luft, da der Griff ihm mehr und mehr die Luft aus seinem Hals nahm. "Am liebsten würde ich dir die Flügel abruofen, Engelchen, aber für so einen Folterspaß habe ich keine Zeit. Ich habe hier wichtige Dinge zu erledigen", erklärte der Alte. Erst jetzt erkannte Zack was ihn packte. Es war ... ein Unmensch. Ein riesiger Mensch mit Händen so groß wie sein Kopf und einem Körper wie Gott vor lauter Muskeln kaum zu erkennen. Zack bemühte sich aus dem Klammergriff um seinen Hals vergebens. "Entsorge ihn! Und beende endlich dieses Jammerpsiel!", wies der Alte den Hühnen an.

      Zack schaffte es in jenem Moment de Griff um seinen hals etwas zu lockern, griff sein Schwert und zog es einmal hinterrücks von unten nach oben durch. Mit diesem schnellen Schnitt tötete er den Hühnen, der zugleich den Griff löste und nach hinten taumelnd umfiel. Zack streckte den Hals und hustete kurz, ehe er die Hände zusammen faltete und leise etwas sprach. Der alte Mann drehte sich mit der Frau im Schlepptau um und lachte amüsiert. "Als ob du mit deinen mickrigen Zaubersprüchen mir etwas antun könntest!" Zack blendete die hohlen Worte des Mannes aus. Er zauberte gar nicht, sondern meditierte. Nach all dem Tumult musste er seine Kräfte kanalisieren und für den finalen Zug bereit sein. Der ältere wartete kurz als von zack aber nichts kam, drehte er ihm den Rücken lachend zu und wollte sich gerade an der Frau zu schaffen machen. "Also, Kleines, nun zeige ich dir wie man einen Palatin köpft", erklärte der Alte. "Zuerst musst du ..." mit einem Mal verstummte der Mann und schrie im nächsten Moment auf. Zack hatte ihm mit seinem scharfen Schwert die Hand abgeschnitten und hielt diese in der Hand. Er nahm den Ring ab und begutachtete ihn. Dann schnappte er sich die junge Frau und zog sie mit sich von dem schreienden Mann weg.

      "Wer die Hand gegen einen Palatin von New Alexandria erhebt, verliert diese. Merk dir das, Zauberer", raunte Zack wütend und wischte sich das Blut, das er bei dieser Aktion abbekommen hatte aus dem Gesicht. Er sah zu seiner Seite und spürte an seinem Handgelenk das Zittern der jungen Frau. "Wir können ihn hier rechtmäßig in der Eiswüste aussetzen, wenn du das willst", erklärte er ihr ruhig und sah zu dem immer noch schreienden Mann. "Oder ich beende seinen Schmerz jetzt auf der Stelle. Du entscheidest", erklärte er der Hellhaarigen und sah in ihren großen Augen, die leicht tränig aussahen. Vor Freude oder Angst, das konnte der Palatin nicht ablesen.
    • Shiori hätte sicher nicht zugegeben, dass sie Spaß daran gehabt hatte, dass Mareks Untertanen wie Streichhölzer durch die Luft katapultiert und einer nach dem Anderen ausradiert wurde. Aber sie konnte nicht leugnen, dass der Anblick durchaus befriedigend gewesen war.
      Endlich bekam Marek das was er verdient hatte, auch wenn es nur seine mickrige Verteidigung gewesen war die gerade den Geist aufgab und nun freie Bahn auf ihn selbst machte.

      Hätte sie gekonnt hätte sie sicherlich gelächelt und ihn bejubelt. Dem Engel natürlich.
      Doch unterschätzte die junge Frau Marek.
      Er setzte seine böse Macht frei und der Boden unter ihr begann zu vibrieren.
      Er löste den Zauber von ihr und Shiori wusste was nun geschehen wird.
      Eine Kreatur der Unterwelt stürzte sich nun auf ihren Engel und all die Hoffnung verflog.
      Er packte ihre Hoffnung am Hals und schnell verlor der Engel seine Farbe.
      Immer wieder versuchte sie Marek zu stoppen. Vergebens.
      "Hör endlich auf! Nein!", schrie sie Marek an und hämmerte mit ihren Fäusten gegen seine Brust.
      Tränen liefen ihre Wangen runter. Wieder war Marek dabei ein Leben auszulöschen. Sie hatte es satt, denn sie konnte es nicht verhindern.

      Sein dreckiges Grinsen verursachte in ihr eine große Wut. Diese entstandene Wut verschwand plötzlich wieder als der Gepeinigte sich befreite und den Hühnen mit seinem Schwert vernichtete. Ihm fiel das atmen sichtlich schwer und sie gab sich die Schuld daran. Sie konnte ihm nicht helfen.
      Das dreckige Grinsen von Marek wurde immer dämonischer und so nahm er die junge Frau, kehrte dem Engel den Rücken und wollte ihr zeigen wie man Wesen wie ihn töten konnte. Palatin, so nannte man wohl diese Gattung.
      "Nun tu' endlich was.. Beweg dich. Rette dich", flüsterte sie flehend.
      Ihr Blick lag auf dem furchterregenden Gesichtsausdruck von Marek, der plötzlich seine Augen weit aufriss. Ein Windhauch wehte ihr ein paar Strähnen in ihr blasses Gesicht und warme Tropfen legten sich auf ihre kalte Haut.
      Für eine kurze Zeit, die sich wie eine Ewigkeit für sie anfühlte, blieb die Zeit stehen. Ehe beide erkannten was gerade geschah und sich Panik in beider Gesichter festbrannte.
      Mareks Hand wurde abgetrennt.
      Ein furchtbarer Schrei ertönte und Shiori hörte für einen Moment auf zu atmen. Zu tief saß der Schock.

      Ein Bruchteil einer Sekunde verging wohl und sie fand sich in den Armen ihres Retters wieder. Ihr Engel aus Stahl.
      Er sprach ganz ruhig mit ihr, doch verstand sie kein einziges Wort. Seine Lippen bewegten sich, doch verstand sie nur Rauschen. Sie zitterte am ganzen Körper, nicht wegen der Kälte, es war Angst gewesen.
      Langsam realisierte sie was er von ihr wollte.
      Sie blickte zu Marek der noch immer lautstark schreite. sein Blut spritzte aus den Arterien und tauchte den Schnee großflächig in eine dunkelrote Farbe.
      Sie musste nun entscheiden was mit ihrem Peiniger geschah.
      Monate hatte er sie und andere Wesen gequält, sie ausgenutzt und verletzt, auf bruralste Weise.
      Er hätte den Tod verdient. Kein Anderer mehr als er. Aber sie wäre nicht besser als er gewesen, wenn sie sich hinter einem Fremden versteckte der ihn für sie tötete.
      In ihrem Kopf spielten sich sämtliche Bilder ab, wie er sie immer wieder verletzte und immer wieder benutzte um anderen Leid zu zufügen. Ihr Hass auf ihn wurde immer größer und so veränderte sich ihr Gesichtsausdruck. Ihr ängstlicher Blick wurde nun finster und mit scharfen Blicken wechselte sie ihre immer wieder von ihrem Retter zu Marek. Selbst das Zittern verschwand.

      Da Marek den magischen Ring nicht mehr trug, da diese Hand von seinem Körper getrennt wurde, hatte er auch keinen gültigen Vertrag mehr mit dem Dämon. Er war nun schwach und hatte keine Macht mehr über sie.

      "Töte ihn!" Ihre Stimme hatte nun einen rauen und Hass erfüllten Unterton.
      "Er hat es verdient!" Mit diesen Worten drangen kräftige Dornenranken aus dem Boden direkt unter Mareks Füßen und fesselten ihn. Erst die Beine, dann seinen halben Rumpf.
      Endlich war sie frei und konnte ihre Kräfte nach ihrem Willen benutzen. So viel Wut hatte sich in ihr gestaut und am liebsten hätte sie Ihn selbst getötet.
      Aber das hätte sie nicht geschafft, nicht jetzt.
      Die Dornen bohrten sich immer tiefer in sein Fleisch und als er entgültig verstummte, brach die junge Frau zusammen.
      Er hatte ihr das Leben gerettet.
      "Danke.."

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    • Zacharie de Pouray

      Erst war Zack noch um die junge, zitternde Frau besorgt. Sie schenkte seinen Worten kein Gehör und sah ihn verloren an. Erst nach einigen Augenblicken verfinsterte sich die Miene der Frau und sie sah den Ritter ernst an. Er sollte den Älteren, der augenscheinlich ein Nekromant war, töten. Ohne seinen beschworenen Ring war er machtlos, es wäre wohl bloß eine Frage der Zeit bis er starb. Doch die Gesetze der Palatine waren recht klar, wer aufbegehrte gegen die Ordnungshüter der ägyptischen Eiswüsten musste sterben. In diesen brutalen Zeiten konnte sich eine Organisation wie die Palatine von New Alexandria keine Nachsicht erlauben oder gar den Luxus langer Gerichtsverfahren.

      Zacks Gedanken lösten sich im Nu auf, als er den Boden vibrieren spürte und aus dem Nichts Dornenranken den Magier umgaben und ihn fesselten. Stockstarr blieb er stehen und griff nach seinem Schwert. "Was für ein Zauber ist das?", sprach er zu sich selbst, ehe er die Quelle neben sich spürte. Die junge Frau neben ihm beschwor die Ranken, die sich nun tiefer in das Fleisch des Nekromanten bohrten und diesen noch lauter schreien ließen. Immer mehr Rot färbte den Boden des Sandschiffes und den umliegenden Schnee. Verwundert sah Zack die Frau an, der Magier verstummte. Er schluckte kurz. "Ihr ... ihr seid ... auch eine Zauberin?", hakte er verwirrt nach. Er fuhr sich durch die Haare und sammelte seine Gedanken nach diesem Schock. "Ich habe seit der schrecklichen Säuberung keine Zauberer mehr gesehen ... ich kann euch jedoch versichern, dass ihr bei uns sicher seid." Er spürte das die Frau noch immer zitterte. "Setzt euch", meinte er und deutete auf eine Kiste. "Ich will euch Zeit geben, um das alles zu verarbeiten, gleichwohl habe ich auch viele Fragen."

      Zack sah sich um. "Nun, du kannst mich Zack nennen. Wie du siehst ist es hier draußen meine Aufgabe für ... Ordnung zu sorgen; das was ein Silverangel eben so tut. In erster Linie wehre ich Grabräuber und Konzerner ab, die sich Zutritt zu den alten heiligen Hallen verschaffen wollen. Die Pyramiden, Kirchen, Klöster, Synagogen und Moscheen der alten Zivilisation. Die Palatine von New Alexandria schützen diese Stätten - so weit es geht." Der Ritter setzte sich auf eine Kiste gegenüber der jungen Frau, stellte sein großes Schwert auf den Boden und legte beide Arme darauf. Seine weiten Flügel hatten sich mittlerweile zusammengezogen und an seinen Rücken gelegt.

      Er schweig eine Zeit, ehe sich die Frau gefunden hatte, dann sah er sie ernst an. "Wie bist du in diese Lage gekommen? Es scheint nicht so, als ob du dich nicht verteidigen könntest." Er lachte schwach. "Zumindest habt ihr eure Rache bekommen", seufzte er leise und wischte sich die letzten Blutspritzer aus dem Gesicht. Die Sonne kam heraus und deckte das Deck des Schiffs in ein angenehmes Orange und spendete seltene Wärme für die beiden. In der Ferne hörte man den Wind noch immer heulen.
    • Noch immer konnte die junge Frau seine Lippen bewegen sehen, doch verstand kein einziges Wort. So schien es.
      In Wirklichkeit verstand sie jedes einzelne Wort. Jede Frage.
      Aber es lag wohl daran, dass sie nicht auf seine Fragen antworten wollte und aus diesem Grund verstummte.
      Sie war keine Magierin gewesen, nicht wirklich. Aber sie wusste, dass sie niemandem sagen durfte wer oder was sie wirklich war. Zu viel hing davon ab und zu groß war die Gefahr, dass das restliche Leben dieses Planeten in Gefahr schwebte und ihr Versagen würde für alle den Tod bedeutet.
      Für jedes Lebewesen.

      Ihr Engel und Retter in der Not kam ihrer Bitte nach und tötete Marek. Er bekam endlich seine Strafe, für all die Toten und all die Opfer die er auf dem Gewissen hatte.
      Sie war frei, endlich frei.

      Erleichtert setzte sie sich auf die Kiste auf die er zeigte und atmete erleichtert aus. All die Sorgen pustete sie kräftig von sich.
      "Shiori. Shiori heiße ich und ich bin Magierin aus Welsch-City. Fernöstlich von hier. Das Land des Nebels, falls es dir etwas sagt." Ihre Stimme klang sanft und kaum noch konnte man die Angst in ihrer Stimme hören.

      Sie riskierte einen flüchtigen Blick nachdem er sich zu ihr setzte und musterte ihren Retter genau. Zack, so stellte er sich vor, beschützte nur sein Land. Ihn umgab keine böse Aurora, doch etwas anderes konnte sie neben seiner Stärke wahrnehmen, Trauer? Etwas stimmte Shiori traurig als sie ihm in die Augen sah.
      Wahrscheinlich lag dieses Gefühl aber auch nur an den Erlebnissen der letzten Wochen und blockierten ihren Geist. Vielleicht litt er darunter dass er töten musste. Shiori seufzte.
      "Er war kein guter Mensch Zack. Ihr habt das Richtige getan, vertraut mir."
      Nach einem Moment der Stille fuhr sie fort :"Er hat uns Magier benutzt um vielen Leid in die Stadt zu bringen. Er hat so viele getötet. Er war längst kein Mensch mehr. Ich beherrsche eine besondere Magie und aus diesem Grund hat er mich gezwungen mitzugehen."
      Mehr sagte sie nicht.

      Shiori sprang plötzlich auf. Etwas kitzelte sie sanft und als sie sah woher diese warme Berührung kam, freute sie sich.
      Jubelnd sprang sie durch den Schnee und stapfte zur Küste.
      "Siehst du das? Das ist.. Das ist die Sonne!"
      Sie schrie so laut und begann plötzlich zu lachen.
      In Welsch-City war es immer dunkel und im Sandschiff musste sie immer unter Deck bleiben. Zum ersten Mal sah sie quasie die Sonne und sie war wunderschön.
      "Sie ist so.. So wunderschön!"
      Die junge Frau in ihrem alten, braunen Mantel sah zu Zack. Tränen liefen über ihre Wange und glitzerten als die orangenen Strahlen ihre warmen Tropfen trafen.
      Ihr helles Haar schimmerte orange und selbst ihre Haare schienen zu glitzern.
      All die Sorgen waren einen Moment vergessen.

      Erst als sich der Geruch von Eisen in ihre Nase brannte, stockte sie und hielt inne.
      Ein altbekannter Geruch.
      All die Erinnerungen sprudelten durch ihren Kopf und das eben noch fröhliche Gesicht verschwand und erstarrte.

      Sie war frei und doch fühlte es sich nicht nach Freiheit an.
      Ihre kalten Finger legten sich auf die Kette, die sie einst steuerte. Nichts geschah, sie war frei.
      Mit einem kräftigen Zug riss sie die Kette von ihrem Hals und starrte wieder zur Sonne.
      Es war kein Traum.

    • Zacharie de Pouray

      In der Stimme der jungen Frau, die sich Zack als Shiori vorstellte, schwang viel mit Trauer, Schmerz aber auch etwas Wut. Der Ritter nickte kurz und sah zu Boden. "Es ist eine grausame Welt geworden", kommentierte er ihre Ausführungen und hob den Kopf. Ehe er jedoch noch ein paar aufmunternde Worte für die Blonde finden konnte, sprang diese fröhlich auf und sah in die Sonne. Zack schaute verwirrt drein, ehe er anfing zu lächeln. "Ja sie ist traumhaft schön, oder?", nickte der Palatin zustimmend und starrte in die Sonne. "Wir sind hier relativ nah am Äquator, das könnte erklären, wieso du die Sonne in Welsch City nie zu Gesicht bekamst. Leider ist dieses Ereignis täglich nur von kurzer Dauer." Zack verstummte als die Sonne allmählich hinter dunkelgrauen Wolken wieder verschwand.

      "Es ist hier nicht ganz so schlimm wie im Land des Nebels. Der Krieg hat Ägypten, wenn man die Chroniken liest, bereits früher zerstört. Zum Glück kann man heute sagen, so wurde das Land nach Überschwemmungen und Bürgerkriegen um die letzten Nahrungsrationen immerhin nicht mit Atomraketen dem Erdboden gleich gemacht." Er seufzte leise und sah über die Eiswüste. "Früher verlief hier wohl der Nil, ich kenne ihn selbst nur aus Erzählungen. Als ich geboren wurde, gab es den Fluss schon längst nicht mehr", murmelte der Ritter und ließ den Blick über die Eiswüste schweifen. Ein eisiger Wind zog auf, als ob die Wüste weinte.

      Shioris ausgetragenen Kleidungsstücke wehten in dem Wind und der Ritter musterte sie genau. "Wir sollten dir etwas Vernünftiges zum Anziehen besorgen", erklärte er und ging einige Meter über das Deck des Sandschiffs, ehe er eine Luke vorfand. Sie führte in den Lagerraum unterhalb des Schiffs. Er kletterte hinunter und wühlte sich durch die Tonnage, ehe er etwas fand. "Perfekt", meinte er und kam bepackt mit Jacken und Hosen wieder hinauf aufs Deck. "Deine Peiniger mochten brutal gewesen sein, aber sie haben an das Wichtigste zum Überleben in der Wüste gedacht", meinte Zack und breitete die Kleidung vor Shiori aus: eine dicke Winterjacke, eine Hose sowie einige Oberteile und dickere Stiefel. "Das sieht alles sehr wertig aus. Womit hat dieser Nekromant das alles finanziert?" Zack ließ seinen Blick über das Schiff gleiten. Es wirkte alles sehr professionell. Ob es an Bord ein Logbuch des Magiers gab? Das könnte Licht ins Dunkel bringen.

      Erst jetzt realisierte er die fehlende Kette am Hals der Frau. "Du hast sie endlich abgenommen; du bist nun frei", stellte Zack mit ruhiger Stimme fest und sah in seine Hand. Er hatte den Ring des Nekromanten aufgehoben. "Diesen Ring werde ich mitnehmen. Die Auguren in New Alexandria werden darüber beratschlagen, was sie mit ihm machen. Ich spüre aber, dass eine starke und dunkle Magie von ihm ausgeht." Zack schloss die Hand, in der sich der Ring befand und sah Shiori wieder an. Die Sonne hatte ihr sichtlich gut getan und sie sah gleich viel gesünder aus als vorhin. Aber vielleicht lag es auch nur daran, dass sie diesen Peinigern entkommen war und nun endlich frei war.

      "Wenn du dich angezogen hast, sollten wir aufbrechen. Wir können hier nicht allzu lange verweilen. Die Eiswüsten sind gefährlich. Insbesondere, wenn die Sonne den Boden erwärmt hat, lockt sie die Aasen an." Zack spähte über das Schiff in die Ferne. Die Ruhe der Eiswüste trügte oft. Man nannte die Eiswüsten auch oft Meere der Stille, das stimmte - bis zu dem Zeitpunkt wenn die Aasen auftauchen. Zack hatte schon öfter mit ihnen Bekanntschaft gemacht. Seinen Körper zierten zwar einige Narben, aber die große, tiefe auf der Brust verdankte er einer Aase. Er verfinsterte seinen Blick und griff um sein Schwert. Bis heute bereitete ihm dieser Gedanke immer wieder Albträume. Als er Shioris Blicke auf sich spürte schüttelte er den Kopf. "Alles gut, ist nicht, dass erste Mal, dass ich Aasen begegne. Das sind riesige Würmer, die unter dem Eis umherschlingen und es auf solche Sandbote, Tiere oder kleine Karawanen abgesehen haben. Sie werden von der Bewegung auf der Eisoberfläche angelockt. Und wenn die Sonne den Boden anwärmt, folgen sie der Wärme bis an die Oberfläche. Erst wackelt der Boden und dann brechen sie aus dem Eis. Sie haben ein riesiges Maul mit dutzenden spitzen Fangzähnen."