Hands Of Fate [Ranboo & Zdrada]

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    • Hands Of Fate [Ranboo & Zdrada]



      Die karge Landschaft zog wie ein Schleier hinter der Fensterscheibe vorbei.
      Leia konnte ein weiteres Seufzen nicht unterdrücken. Der wievielte Seufzer war das innerhalb der letzten 30 Minuten? 27?
      „Jetzt stell dich mal nicht so an, wenn du weiter dieses Gesicht ziehst werde ich noch ganz depressiv.“ Nörgelte Camille, ihre ältere Schwester vom Fahrersitz aus. Leia warf ihr durch den Rückspiegel einen garstigen Blick zu, den die andere Frau jedoch ignorierte. Sie hatte leicht reden. Sie war schließlich nicht diejenige, die von ihren Eltern praktisch als Schuldenarbeiter verkauft worden ist.
      Aber irgendwo hatte Camille auch ein wenig recht: Trübsal zu blasen verbesserte ihre Situation auch nicht.
      Also schloss Leia ihre Augen und versuchte, ihre letzten Minuten der Freiheit noch zu genießen.
      Sie lehnte ihre Stirn an die kühle Autoscheibe und lauschte den Lauten des Autos und den leise vor sich her summenden Pop-Song, der aus dem Radio ertönte.
      Wie war sie bloß in diese Situation geraten?
      Es fing vor einigen Wochen an, als die ersten Briefe eintrafen, deren Inhalt mit bedrohlichen, roten Buchstaben gezeichnet war, die „Mahnung“ verkündeten. Auch wenn das magielose Mädchen aus so gut wie allem rausgehalten wurde, was die Finanzen der Familie betraf, war ihr schon seit langem bewusst, dass es nicht gut um das Vermögen stand. Die eintreffenden Briefe waren nur die Bestätigung dessen, was sie schon lange wusste.
      Was ihr hingegen neu war, war die Tatsache, dass ihre Eltern bereits seit Jahren kein Geld mehr hatten und sich große Beträge geliehen hatten. Warum zu Abwechslung mal solche Informationen Leia eröffnet worden sind, die sonst nur auf ihr Zimmer geschickt wurde wenn wichtige Familiengespräche aufkommen?
      Ganz einfach: Weil sie diejenige war, welche die Schulden der Familie bei ihrem Geldgeber nun abarbeiten sollte. Ob es ihr passt oder nicht. „So leistet sie endlich auch mal einen Beitrag zu Familie.“ Hatte ihr Vater erklärt.
      Bei der Erinnerung an diese Diskussion stiegen ihr wieder Tränen auf. Sie konnte doch selber nichts dafür, dass man ihr niemals eine Chance gegeben hatte! Verbittert wischte sie sich schnell über die Augen bevor Camille sah, dass sie wieder weinte.
      Auf die gehässigen Kommentare ihrer Schwester konnte sie getrost verzichten. Diese fuhr Leia nur deswegen, weil ihre neue „Arbeitsstelle“ auf dem Weg zu ihrer Modelagentur lag in der Camille als Freizeitmodel tätig war. Und obwohl es genau auf dem Weg lag, hatte Camille sich maßlos darüber aufgeregt, wegen ihrer „Nutzlosen kleinen Schwester“ einen Umweg einlegen zu müssen.
      Empathie wurde bei ihr alles andere als groß geschrieben.
      Als das Auto auf einmal abbremste, rutschte Leia ein Stück nach vorne und schlug schmerzhaft mit der Stirn gegen die Autoscheibe.
      Anstelle eines Schwesterlichen "Alles in Ordnung?" Oder "Hast du dir weg getan?" Ertönte von der Fahrerin nur ein genervtes "Mach mein Auto bloß nicht kaputt!"
      Leia erwiderte nichts darauf und rieb sich stattdessen ihre pochende Stirn. Camille würde sie eindeutig nicht vermissen, so viel stand fest.
      Ein Blick aus dem Fenster verriet ihr, dass sie an ihrer Destination angelangt waren.
      Nun gab es kein zurück mehr.
      Der Gedanke, einfach aus dem Auto zu springen, weg zu rennen und irgendwo ihren Namen ändern zu lassen, um undercover zu leben, mogelte sich kurz in ihr Gehirn ein Doch genauso schnell wie dieser Gedanke kam, wurde er auch wieder verdrängt.
      Nein, ohne Magie würde sie nicht weit kommen. Zumal sie ja nicht einmal wusste, wo sie ihren Namen überhaupt ändern könnte und wie so etwas ging.
      "Na, wird's bald? Ich habe nicht den ganzen Tag Zeit.” drängte Camille. Was für ein rührender Abschied.
      Entschlossen schnappte Leia sich also ihre kleine Reisetasche, welche die wenigen Dinge, die Leia ihr Eigen nennen konnte, beinhaltete und schwang die Autotür auf.
      “Also… ich mache mich dann jetzt los.” versuchte das junge Mädchen eine kleine Verabschiedung zu initiieren.
      “Ja, ja, man sieht sich.” war das einzige, was sie zu hören bekam. Autsch. Gekränkt tras sie aus dem Auto. “Auf wiedersehen.”
      Kaum hatte sie die Autotür wieder hinter sich geschlossen, rste das Fahrzeug auch schon davon. Was für eine rührende Schwesterliebe.
      Unsicher wandte Leia sich dem Imposant auftürmenden Gebäude hinter sich zu und schluckte eingeschüchtert.
      Es gigantisch zu nennen War eine maßlose untertreibung.
      Mehrere Stockwerke ragte es hinauf, wie viele genau konnte sie nicht genau zählen. Eine große, leuchtende Neonschrift prangte Stolz über dem einladend aussehenden Eingang des Casinos. Ironisch, wenn man bedachte, dass Leia am liebsten überhaupt nicht hier sein wollte.
      Sie musste sich erst einige Minuten sammeln und tief durchatmen, bevor sie sich traute durch den Eingang zu treten. Sie fand sich in Eingangsbreich wieder, welche direkt an eine Art Hotellobby erinnerte.
      "Wie kann ich ihnen weiter helfen?" Auch wenn die Stimme freundlich klang, zuckte Leia erschrocken zusammen. Sie hatte die Dame am Empfang völlig übersehen.
      "Ähm, also, ich-ich soll ab heute hier arbeiten?" Stammelte sie verlegen und musterte die ältere Frau. Sie wirkte vielleicht anfang 40 und ihr dunkles Haar wurde von mehreren silber-grauen Streifen geziert. Doch irgendetwas an ihrer Art ließ sie mit ihren ergrauten Haaren elegant aussehen.
      Wer auch immer sie war - Sie alterte mit Würde.
      "Ah, sie müssen Madame Moreau- Lamothe sein, korrekt? Monsieur Nevadas erwartet sie bereits." Leia nickte höflich und sah zu, wie die Frau etwas auf ihrem Computer eintippte, bevor sie einen braunen Umschlag hervor holte und ihre überreichte.
      Neugierig lugte das Mädchen hinein. Ein bereits angefertigtes Namensschild und eine Karte.
      "Willkommen im Team. Ich bin Dasha. Wenn du irgendwelche Fragen hast, kannst du dich gerne an mich wenden.” Ihre neue Kollegin lächelte sie freundlich an und fuhr sogleich schon fort “Mit der Schlüsselkarte kommst du in alle Betriebsräume hinein und kannst den Personalaufzug benutzen.” Dascha deutete auf einen Aufzug am anderen Ende des Raumes. “Im obersten Stockwerk findest du das Büro des Chefs. Er sollte dich bereits erwarten.” Verlegen über so viele Informationen auf einmal nickte Leia langsam.
      “O-okay. Gut. Dann will ich ihn nicht länger warten lassen.” nervös tappte sie zum betreffenden Aufzug, welcher sich auch direkt öffnete, als sie die Schlüsselkarte aus dem braunen Umschlag vor das kleine Lesegerät daneben an der Wand hielt.
      Sie trat ein, drückte die oberste Taste und warf Dasha einen letzten Blick zu, welche ihr aufmunternd zunickte, bevor sich die Türen SChlossen und der Aufzug mit einem Summen zum Leben erwachte.
      Während er hochfuhr, nutzte sie die kurze Wartezeit, um ihrer zuvor aufgekommenen Frage nach der Zahl der Stockwerke auf den Grund zu gehen.
      Überrascht riss sie die Augen auf, als sie neben dem Knopf für das höchste Stockwerk eine große 45 ablas. 45 Stockwerke?! Das war… ein bisschen weniger als die Hälfte der Stockwerke im Empire State Building, aber dennoch eine beeindruckende Nummer.
      Irgendwann kam der Aufzug zum halten und die Türen öffneten sich.
      Leia trat heraus und sah sich um. Sie schien in einem Eingangsbereich mit einer kleinen Garderobe zu sein. Neben dem Aufzug erstreckte sich eine Fensterwand, die einen Atemberaubenden Ausblick auf die Stadt gab. Das Mädchen konnte nicht anders als sich einige Sekunden Zeit zu nehmen, diese Aussicht auf sich wirken zu lassen. Es war wirklich atemberaubend!
      Vielleicht würde die Arbeit ja garnicht mal so schlecht sein, wenn sie jeden Tag diese Aussicht genießen konnte?
      Apropos Arbeit. Unsicher musterte sie die einzige Tür des Raumes, welche wohl sehr eindeutig zum Büro ihres neuen Vorgesetzten führte.
      Vor dem Raum stand ein breiter Schreibtisch mit Computer, vor dem jedoch keiner saß, und angesichts des darauf herrschenden Chaos wohl lange auch niemand mehr daran gearbeitet hatte.
      Sie ging an dem Tisch vorbei, geradewegs auf die Tür zu und atmete noch einmal tief durch, bevor sie all ihren Mut sammelte, um an der Tür zu klopfen.
      Auf Wiedersehen Freiheit, es war nett dich gekannt zu haben!
    • Alex starrte aus dem Fenster seines großen Büros auf die entfernte Skyline der Stadt, die sich vor ihm erstreckte. In der Hand hielt er ein Whiskey glas, in dem einige halb zerschmolzene Eiswürfel in einer verdächtigen, goldenen Flüssigkeit, fröhlich vor sich hin schwammen.

      Es war erst 9 Uhr morgens. Na und? Er war sein eigener Boss und machte seine eigenen Regeln. Er war niemandem Rechenschaft schuldig.
      Alexis war an genau dem Punkt angelangt, auf den er sein Leben Lang hingearbeitet hatte.
      Er besas macht, er besaß Reichtum und am aller wichtigsten: niemand konnte ihm vorschreiben was er zu tun hatte und ihn herumkommandieren.
      Die absolute Freiheit! Wenn diese bloß nicht so einsam wäre, dachte er zerknirscht und verstärkte seinen Griff um das Glas, das bereits verdächtig zu knirschen begann.
      Egal. Wem kümmerte es, ob er alleine war oder nicht. Er hatte alles was er sonst wollte erreicht.
      Es klopfte an der Tür.
      "Herrein." Bellte er streng, ohne seinen Blick von der Aussicht zu lösen.
      "Sie müssen die neue sein?" Fragte er ohne sich umzudrehen.
      "Leslie, richtig?" Er war schon imme grauenhaft darin, sich namen zu merken und hoffte, dass er diesen richtig in erinnerung hatte.
      Während er auf Antwort wartete drehte er sich langsam zu ihr um, um seine neue Angestellte zu betrachten.
      Sie war unscheinbar gekleidet, sah aber eigentlich ganz hübsch aus.
      Damit hatte er neben dem Ausblick aus dem Fenster eine weitere nette Aussicht während der Arbeit zu genießen, dachte Alexis sich amüsiert im Stillen .