seabound. (Earinor & Akira)

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    • seabound. (Earinor & Akira)


      "We've traveled the seas, we've ridden the stars,
      We've seen everything from Saturn to Mars,
      As much as it seems like you own my heart,
      It's astronomy, we're two worlds apart."


      Tiefschwarz wie die Nacht stiehlt einem das Meer die Seele; verliert man sich darin, so scheint es kein Entrinnen mehr zugeben. Durch Sagen und Mythen, die man an seine Kinder weitergibt, wird klar, dass die jämmerlichen Erzählungen alter Seemänner kaum einen Funken Wahrheit beinhalten. Sirenen nennen sie sich, die hungrigen Singvögel, die ihre Flügel einst gegen Kiemen und Flossen eingetauscht haben um die unendlichen Weiten eines furchteinflößenden, tiefen Gewässers ihre Heimat zu nennen - wunderhübsch sollen sie sein, wie gefallene Engel, mit güldenem Haar das ihre jugendlichen Gesichter einrahmt und die Seele sollen sie einem stehlen, um ihre gierigen Lippen mit dem Blut und dem Fleisch der Sterblichen zu benetzen, die noch grün hinter den Ohren sind und den alten, gebrechlichen Greisen keinerlei Aufmerksamkeit schenken. Verlorene Fischer berichten von ihnen, von ihren formlosen Gesichtszügen im Mondlicht, umgeben von schwarzem Abyss, während sie vor sich hin schippern und den Verstand verlieren. Ihr Kuss, so süß wie die Erlösung selbst, und so schmerzhaft wie sonst nichts auf dieser Welt.

      Durch ungünstige Zufälle sieht sich eine junge Sirene mit vollendeten Tatsachen konfrontiert: Seine Heimat liegt beinahe in Schutt und Asche und seine Eltern werden von seinen Angreifern verschleppt. Um dem gleichen Schicksal zu entkommen, und eventuellen Problematiken zu entkommen, fasst der den Entschluss, nach Hilfe zu suchen, koste es, was es wolle. Leichter gesagt als getan - denn in Wahrheit gibt es kaum jemandem in seinem Meeresreich, der ihm wirklich helfen kann. Erschöpft und vollkommen ausgelaugt, aber noch nicht dazu bereit, sein Unterfangen aufzugeben, findet er sich alleine auf dem offenen Meer wieder, gefährlich nah an der Oberfläche, und entscheidet sich, auszuruhen. Nichtsdestotrotz scheint er dabei ein angelegtes Schiff übersehen zu haben - und geht einer Piratenbande ins Netz, die ihren Augen anfangs nicht trauen wollen - Meerjungfrauen und Sirenen gibt es sonst nur in Kindermärchen, aber anscheinend ist ihnen soeben ein waschechtes Exemplar direkt in ihr Netz geschwommen. Ob er wohl eine nette Summe am Schwarzmarkt einbringt?

      @Earinor
      Looking back, it maybe is like the toy carts you rode when you were a kid. But those toy carts could never go beyond the walls of the lawn. We want to follow the rugged concrete road beyond the wall. As we've grown, we've decided to leave behind the toy cart.
    • Als Rains Vater das schwere Gitter ihres eigenen Kerkers aus der porösen Verankerung riss, ertönte ein furchtbar lautes Geräusch, das sich über den gesamten Meeresboden erstreckte und davon getragen wurde. Nur einen Moment packte er seinen Sohn an der Hand und drückte ihn aus der schmalen Öffnung. "Nein! Was ist mit euch?", widersprach Rain, er wehrte sich gegen die Hände seines Vaters und stemmte sich gegen die steinerne Wand links und rechts der Öffnung. Wie ironisch es doch war, dass sie in ihrem eigenen Verließ eingesperrt waren, das sie schon so lange nicht mehr gebraucht hatten. Dementsprechend porös war es und dementsprechend mitgenommen waren die Eisenstangen, weil das Salz im Wasser sie langsam zersetzt hatte. Trotzdem war die Öffnung gerade einmal groß genug für Rain, nicht aber für seinen Vater, oder Rains Stiefvater der sich nun auch daran machte Rain überreden zu wollen. Zuvor hatte er sich nur entschuldigt, beteuert wie Leid ihm alles tat und Rain verstand nicht wieso. Wie dem auch sei, er wollte nicht fliehen, nicht alleine. Wohin sollte er überhaupt gehen? "Bring dich in Sicherheit. Wir kommen schon klar.", erklärte er mit sanfter Stimme. "Dann mache ich euch die Tür auf!", erklärte Rain. Er musste nur irgendwie an den Wachen vorbei und- "Nein!", donnerte die Stimme seines Vaters - so laut hatte er ihn noch nie erlebt. Rain zuckte zusammen und gab endlich nach. Er drückte seinen Oberkörper durch die Öffnung, die selbst für ihn eng war. Kurz darauf hörten sie, wie sich das Wasser bewegte und die sanften Wellen teilten ihnen mit, dass jemand auf die Zelle zukam. "Schnell!", mahnte Rains Stiefvater flüsternd, während der König sich vor der Tür aufbaute um Rain Zeit zu verschaffen. Der junge Prinz zitterte und versuchte sich durch das Loch zu zwängen. Die scharfen Kanten des herausgerissenen Gitters rissen an seiner Haut und die empfindliche Flosse. Die rote Flüssigkeit die aus der Wunde sickerte, verteilte sich im Wasser. "Was ist da drin los?!", rief einer der Sirenen von der anderen Seite der Tür. Er sperrte sie auf, doch Rains Vater hielt die Tür zu. "Geh schon!", wisperte sein Stiefvater und nachdem Rain es endlich nach draußen geschafft hatte, drehte er sich noch einmal um. "Dann hole ich eben Hilfe!", flüsterte er. Sein Stiefvater nickte, aber Rain konnte ihm ansehen, dass er diesbezüglich keine Hoffnung hegte. Wie auch? Rain kannte niemanden außerhalb Thenas, wer würde ihnen schon helfen? Und wieso?

      Rain hatte keine Zeit jetzt darüber nachzudenken, sein Vater war verletzt worden, als sie festgenommen wurden. Er hatte sich erbittert gewehrt, aber Thenas hatte keine Armee und die Sirenen kamen in der Überzahl. Neben den neuen Schnitten von jetzt gerade, war auch Rain nicht bei bester Verfassung, aber es ging ihm gut genug, um noch zu schwimmen. Er riss seinen Blick von seinen Vätern los und suchte sich schon bald einen Weg durch Seegras und Algen, der tief am dunklen Meeresboden entlang führte. Die Sirenen lebten nicht so tief im Meeresboden, das war wohl Rains einziger Vorteil, denn seine Augen waren an die düsteren Lichtverhältnisse gewöhnt und doch merkte er den Aufruhr in der Stadt schon bald, als man gemerkt hatte, dass der Prinz entkommen war. Rain wollte nicht daran denken, was seinen Vätern widerfahren würde und sperrte die Gedanken aus seinem Kopf. Schon bald wurde ihm die Wunde an seiner Flosse jedoch zum Verhängnis. Unweigerlich zog er eine blutige Spur und einige Sirenen schienen meister darin Blut aufzuspüren. "Da! Da ist er!", rief einer und als Rain merkte, dass er entdeckt wurde, schwamm er so schnell er konnte los. Er kannte eine Felsspalte in der Nähe, er hoffte sich dort verstecken zu können, an einem Ort an dem es noch dunkler und enger war. Seine Verfolger waren ihm dicht auf den Fersen. Ein Speer zischte an ihm vorbei und riss das Fleisch an seiner Seite auseinander. Rain biss die Zähne zusammen und rettete sich gerade so in die enge Felsspalte. Für einen Moment hatte er geglaubt er passte nicht mehr hindurch. Er folgte der Spalte, wusste wo sie endete, wusste aber auch, dass die Sirenen ihr vermutlich einfach etwas weiter oben folgten. Das Blut verriet ihn. Er wollte weinen, aber dafür hatte er keine Zeit, stattdessen suchte er sich einen Platz an dem er sich für eine Weile ausruhen konnte.

      Rain hatte nichts um seine Wunden zu versorgen, aber das Glück schien ihm hold zu sein, denn nach einer Weile hörte er ein dumpfes Grollen. Donner - über Wasser herrschte ein Gewitter. Die See dort oben war unruhig, das Blut, das aus seiner Wunde tropfte würde ihn alle Richtungen gesogen werden und hören würde man ihn auch nicht können. Noch dazu war es den Sirenen hoffentlich zu gefährlich sich dort oben aufzuhalten. Wie oft hatten die Älteren Rain und seine Freunde ermahnt bei Gewitter ja nicht zu weit nach oben zu schwimmen. Wie viele toter Fische gab es die man an der Oberfläche einsammeln konnte, weil der Schwarm von einem Blitz getroffen wurde? Zu viele, aber es war Rains einzige Chance. Er suchte sich einen Ausgang und als er glaubte niemanden in der Nähe zu bemerkten, schwamm er so schnell er konnte zur Oberfläche. Er wurde bemerkt, aber er war zuversichtlich sie abschütteln zu können, doch selbst für ihn war es schwer nicht vom Wasser in alle möglichen Richtungen gerissen zu werden und selbst für ihn war es schwer nicht die Orientierung zu verlieren. Er schwamm und schwamm, einfach immer weiter und weiter, bis er selbst das Gewitter hinter sich ließ. Die Sonne ging auf und kämpfte sich bis an die Spitze des Himmels. Rain hatte den Himmel schon einmal gesehen, aber nicht häufig. Jetzt gerade konnte er aber nur daran denken immer weiter zu schwimmen, selbst ohne Ziel. Er konnte sich kaum noch wach halten, seine Flosse hatte schon lange aufgehört zu schmerzen, er hatte gar kein Gefühl mehr darin. Seine Augen konnte er ebenfalls nicht offen halten und so kam es, dass er das große Schiff direkt vor sich übersah, sowie das Netz, das von Deck ausgeworfen wurde.

      Rain öffnete schlagartig die Augen, als er das raue Seil auf seiner Haut fühlte. Schnell war es auch überall anders. Panik übermannte ihn und der Versuch sich zu befreien, machte alles nur schlimmer. Im ersten Moment glaubte er von den Sirenen gefangen worden zu sein. Seine große Flosse verhedderte sich in dem dicken Netz, das sich nun völlig um ihn schloss, als er mitsamt ein paar kleiner Fische nach oben gezogen wurde. Erst jetzt erkannte Rain ein Schiff, das er bisher nur aus Erzählungen und alten Steintafeln kannte. Sirenen hatten keine Schiffe und doch war er nicht sicher, ob seine Situation sehr viel besser war. Zum ersten Mal in seinem Leben verließ sein gesamter Körper das vertraute Wasser und wurde an die warme und trockene Luft gezogen. Mit einem Mal fühlte sich alles schwerer an, es fühlte sich an als würde sein gesamter Körper zurück zur See gezogen werden. Die Lungen, die er sowie die Sirenen besaßen, wussten nicht was zu tun war, als wäre er gerade erst geboren worden. Er hatte sie noch nie verwendet, schnappte nach Wasser, statt nach Luft und krallte sich in das Netz um sich irgendwie davon zu befreien und zurück ins Meer springen zu können.

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    • Trautes Heim, Glück allein wäre wohl eine gute Bezeichnung für den Ort gewesen, den er wirklich sein Zuhause nennen konnte - das hier war ein Schiff, von oben bis unten geflickt und in die Jahre gekommen, und seine Freunde waren diejenigen, die ihn weitgehend auf Trab hielten. Nayantai wollte sich selbst und seinen müden Augen nicht glauben, wenn sie aufgrund des kalten, manchmal unausstehlichen Wetters in Seenot gerieten und in irgendeiner Bucht anlegen mussten, um sich vor den biestigen Wogen des Meeres zu retten. Fünf Jahre lang nannte er die raue See schon sein eigen und eben so lang war es her, dass er sich zum letzten Mal wahrhaft unwohl gefühlt hatte - während sich seine Freunde, oder Kameraden, lieber unter Deck zurückzogen, wurde ihm klar, wie einfach es doch war, ebendas nicht zu tun und den Sturm in vollsten Zügen zu genießen - die salzige Luft und die Wellen, die beinahe in sein Sicht geschleudert wurden. Über ihm bebte der Donner und die Blitze zeichneten den wolkigen Himmel als ihr Reich, aber auch davor hatte Nayantai noch nie wirklich Angst gehabt, obwohl sein Vater ihm abermals riet, sich Schutz zu suchen und dem Wasser fernzubleiben; seine Mutter hingegen war lediglich entsetzt, wenn er sich trotz des schlechten Wetters in Orifiels Bucht aufhielt und sich dann, aller seiner Kleidung entbehrt, in das Wasser warf. Mehr als eine Wasserratte war er wohl sein gesamtes Leben schon nicht gewesen, und viel weniger als das wollte er auch gar nicht sein.

      Der gestrige Abend war ein Reinfall gewesen - sie waren auf dem offenen Meer und das Schiff hinter einige Steinformationen zu manövrieren war, in Shurens Worten, alles andere als leicht, wenn der von sich selbst überzeugte Kapitän beinahe freiwillig über Board sprang, nur, um von seinem weniger abenteuerlustigen Kumpanen dazu angehalten zu werden, das Ruder zu übernehmen. Allgemein war die Nacht unruhig, und doch hatten sie es geschafft, das Meiste davon mit haufenweise Alkohol und schlechtem Humor zu überstehen - etwas, wovon zumindest zwei von ihnen nicht sonderlich angetan waren, als sie ein kleines bisschen Ruhe in den leeren Gefilden dieser überdimensionalen Nussschale gesucht hatten. Früh morgens hatten sie sich alle miteinander aus ihren Kabinen gezwängt und zumindest die Netze ausgeworfen, während Andere von ihnen lieber einen Blick auf das winzige Inselchen werfen wollten, an dem sie spätnachts, während des Gewitters, noch angelegt hatten - Nayantai war derjenige, der mit Muhan zurückblieb und Shuren war vielleicht vor fünf Minuten aufgewacht, ehe Khasar und Tei sich auch schon in den kühlen Morgenwind verabschiedet hatten. "Du stinkst nach Alkohol.", bemerkte Muhan, der sich selbst gerade einen Schluck Sonstiges aus seinem Flachmann zu Gemüte führte. Nayantai war derjenige, der mit den Augen rollte, während er an dem ausgeworfenem Netz zurrte - wie viele Fische hatten sie gefangen, verdammt nochmal. "Blödsinn, außerdem trinkst du von dem Ding, als wär's Wasser.", keifte er zurück und griff stattdessen nach einer Kurbel, um das Netz einzuholen und ihre Beute zu betrachten. Je höher das Netz kam, desto schwerer wurde es, es anzuheben, aber nach wirklich vielen Fischen sah es allemal nicht aus - dafür ... "Ach du heilige Scheiße, hast du dir 'ne Truhe geangelt?", rief Muhan aus, der seine Patscher auch schon auf der Kurbel hatte. Der Inhalt ihres Netzes war jedoch keine Truhe, sondern ein ziemlich großer ... Fisch? Nein, das war nicht ganz richtig. Nayantai war sich nicht sicher, was es genau war, aber Muhan war derjenige, der sich gerade mit seinem Alkohol anspuckte. "Ich glaub, ich hab' gestern zu viel gesoffen ..." "Nur du?", warf er ihm vor und schüttelte den Kopf. Nein, das Vieh war noch immer da und es starrte sie an - seine Finger hatten sich im Netz festgekrallt und Nayantai starrte zurück, als sie das Netz auf Deck herunterließen. "Ähm, was machen wir damit?" "Womit?" "Mit dem Vieh?" "Verkaufen, für Geld?" Zumindest war das Nayantais Devise. "Das Ding versteht uns sicher. Glaubst du, wir können ...?" "Nein Muhan, wir können ihn nicht abfüllen. Aber du kannst die Anderen holen.", warf er seinem Weggefährten entnervt vor, bevor er ein Messer in die Hand nahm und zumindest den einsamen Knoten aufschnitt, der das Netz oben zusammenhielt - die riesige Schwanzflosse und die abertausenden, glänzenden Schuppen hatten sich wohl darin verfangen, und während Nayantai all das inspizierte, fielen ihm die Wunden auf. Komisch. Sirenen fraßen doch Menschen, was hatten diese Bestien schon zu fürchten? "Jetzt verkrampf dich doch nicht so, ich helf dir schon!"
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    • Das Netz wurde immer höher gezogen während Rain daran riss, als könnte er es mit seinen Händen auseinander reißen. Die Seile waren viel zu dick dafür. Rains Körper fühlte sich immer noch schwer und träge an, aber gleichzeitig fiel ihm anderes viel einfacher als im Wasser. Das Atmen aber nicht. Während seine menschlichen Lungen langsam anfingen zu arbeiten, schnappte er mit seinen Kiemen immer noch nach Wasser das auf einmal fehlte. Er war nicht am Ersticken, aber angenehm war es auch nicht, wohl eher so als wäre er immer noch dabei so schnell wie möglich zu schwimmen, obwohl ihm die Kraft dazu schon lange fehlte. Er setzte seine Zähne an das Netz, versuchte es zu bearbeiten, damit er es aufreißen konnte, aber er stoppte, als er mitsamt Netz über die Reiling gehoben wurde und ihm zwei Menschen entgegenblickten. Er hatte noch nie Menschen gesehen, wieso auch? Thenas hielt sich absichtlich von Menschen und Sirenen versteckt, sie hatten sich einen Platz fernab jeglicher Zivilisation gesucht. Seine Augen wurden weit als er die Gestalten betrachtete und er hörte für einen kurzen Moment auf zu versuchen sich zu befreien, als wäre er in einer Schockstarre.

      Rain verstand ihre Sprache nicht und ganz allgemein empfand er alles als sehr laut hier oben. Er war schon einmal an der Oberfläche gewesen, aber um ihn herum war absolut gar nichts gewesen, jetzt jedoch hörte er die lauten Stimmen der Menschen, das klappern ihrer Schritte und das Geklimper von menschlichen Gegenständen im Inneren ihres Schiffes. Er hörte wie das Wasser gegen das hölzerne Gefährt stieß und am lautesten war es, als das Netz samt ihm auf den Boden krachte. Rain zuckte zusammen als er auf dem Boden aufschlug und die Schwerkraft Blut aus seiner Wunde drückte, dass sich nicht überall verteilte, sondern einfach nur zur See zurück wollte. Auch seine Haare klebten an seinem Gesicht und seinem Körper und das Netz stürzte über ihm zusammen. Einer der beiden lief davon, während der andere mit einem Messer aus Rain zu kam. Rain wusste was das war, aber sie hatten nicht viele davon. Ihren Fisch aßen sie mit den Händen und bauten wie die Menschen mussten sie auch nicht errichten. Er zerrte wieder an dem Netz, während er immer noch versuchte heraus zu finden wie man die Luft atmete. Sobald der Knoten oben durchschnitten war, versuchte Rain in Richtung der Reiling zu kriechen. Er konnte sich kaum bewegen. Mit seiner Flosse fand er keinen Halt und die Luft verhielt sich so anders als das Wasser, das Rain gewohnt war. Sein gesamter Körper schmerzte und er war immer noch in dem Netz verheddert. Trotzdem versuchte er nach der Reiling zu greifen, damit er sich hochziehen und irgendwie wieder ins Wasser werfen konnte.
    • Muhan war davongerannt, so wie Nayantai es ihm auftrug, und dieser sprunghafte Hase war auch schon wieder auf dem Weg, sich davonzuschleichen - dass er dabei erbärmlich gegen den hölzernen Boden aufschlug und jedes noch so leichte Strampeln ein Echo hinterließ, stimmte ihn nicht gerade freudig. Auf diesem Schiff war es, wenn überhaupt, extrem laut und Nayantai wurde bewusst, wie sehr die Möwen über ihnen krächzten und mit welcher Wucht die Brandung gegen den Bug schlug, als er das Gezappele der Fischschuppen gegen hohles Holz vernahm. Wenn das Shuren nicht aufwecken würde, dann wusste er nicht, was es sein würde, das die Diva aus seinem Schönheitsschlaf puhlte. "Ganz ruhig.", versuchte er dem kleinen Wasserspeier mit hochgehobenen Armen zu vermitteln als er sich ihm näherte - seine Flosse war vermutlich nicht gerade der beste Angriffspunkt und Nayantai glaubte, dass er, trotz des Blutes, das sich unter diesem Ding sammelte, einen saftigen Schlag abbekommen würde, wenn die Sirene ... der Sirenerich? Erst ausholte. Was auch immer dieses fischige Püppchen war, so glaubte er, fünf Jahre harte und einigermaßen ehrliche Arbeit wurden heute damit belohnt, dass ihm ein derartiger Schatz in die Hände fiel. Ohne großartig zu zögern kniete er sich über das jämmerlich kriechende Fischlein und schnappte nach seinem Handgelenk, um es näher an sich heran und weiter weg von der Reling zu ziehen, die es anzusteuern schien.

      "Beruhig dich ... warte, kriegst du überhaupt Luft?", bemerkte er schließlich verwirrt und sah sich um - irgendwo in ihrer Nähe fand er einen Eimer, der mit abgestandenem Salzwasser gefüllt war, und der früher oder später als Trinkwasser fungieren sollte. Ohne großartig weiter zu überlegen packte er ihn und, bevor er sich selbst ganz sicher war, nahm griff er nach einem Bündel blonder Haare und drückte den Kopf in das Wasser, das in dem Eimer stand - foltern wollte er hier keinen, aber er tauchte den Kopf so weit es ging hinein und ließ erst kurz darauf wieder los, obwohl er den Eimer weiterhin hielt und auf eine Reaktion des Fischtypen wartete, der offensichtlich noch blutete. Nayantai nahm ihm seine Wasserquelle wieder ab, ließ den Eimer jedoch dort stehen, wo er war und starrte das Fischchen wieder an. "Deine Wunde ... soll sich das wer ansehen?", harkte er nach und deutete auf seine eigene Seite, dann auf die des Flüchtenden, dessen Schwanz noch immer in ihrem teuren Netz verheddert war. Es aufzuschneiden wäre die beste Lösung, aber das vergaß er für den Moment, als er zumindest versuchte, das verstörte Wesen etwas weiter weg von der Reling zu bekommen und die Knoten im Netz zu lösen. Was für ein Fang! In Orifiel hätte er höchstens davon träumen können, auf so etwas zu stoßen, geschweige denn, es an Bord zu holen. "Gibt es mehr von euch? Willst du mir nicht zufällig ein paar deiner Freunde vorstellen?"
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    • Der Mensch der auf ihn zukam, derselbe der auch den Knoten durchschnitten hatte, hob seine Arme bedrohlich in die Luft. Auch wenn das Messer so weiter von Rain entfernt war, er fühlte sich nicht gerade sicher. Rain hatte keinen Grund misstrauisch zu sein, aber wenn sie nur mit ihm reden wollten, wieso ließen sie ihn dann nicht einfach zurück ins Meer? Er hatte ihnen nichts getan und er hatte auch nicht vor sie zu fressen. Die himmelblau und weiß schimmernden Schuppen waren Zeuge davon, dass Rain noch niemals Menschenblut verzehrt hatte, so wie es seine Artgenossen taten, diejenigen die auch seine Feinde waren, aber das wussten diese Menschen vielleicht nicht. Rain rutschte auf den hölzernen Brettern fort von dem Mann der immer näher kam. Seine Flosse fühlte sich schwer an, einerseits aufgrund der Verletzungen und der Erschöpfung, andererseits weil das schwere Netz immer noch darauf lag. Rain spürte eine starke Hand um sein dünnes Handgelenk und ihm entwich ein seltsamer Ton. Die Reiling rückte in weitere Ferne als er davon gezogen wurde und die Worte, die ihm an den Kopf geworfen wurden, verstand er kein bisschen. Genauso wie die paar Fische, die mit ihm an Land gezogen wurden, zappelte er immer noch.

      Der Mann der plötzlich so nahe war roch seltsam, allgemein war Rain überfordert von all den neuen Gerüchen die hier auf ihn einschlugen, genauso wie der Lärm und die Schwere, aber gleichzeitig auch die Leichtigkeit der Luft. Während er kaum einen Widerstand fühlte wenn er seinen Arm bewegte, hatte er andererseits scheinbar keine Chance sich in irgendeine vertikale Richtung zu bewegen. Etwas hölzernes kratzte auf einmal über den Boden, kurz darauf fühlte Rain ein Ziehen an seinen Haaren. Die Hand des Mannes drückte ihn in einen Eimer. Das Wasser füllte Rains Kiemen und er konnte endlich vernünftig Atmen, während sich der Zugang zu seiner Lunge ganz automatisch schloss. Kurz atmete er durch, auch die Hand entfernte sich, aber kurz darauf wurde Rain wieder an die Luft gerissen und hustete. Wieder wurden ihm unverständliche Worte an den Kopf geworfen, von denen er nicht einmal wusste, wie er sie imitieren sollte. Seine Artgenossen konnten das, Rain wusste so viel, aber nicht wie es funktionierte. Niemals hätte ein Aquarianer auf einen Menschen treffen sollen. Der Mann deutete auf seine Seite, dann auf Rains die immer noch blutete. Er legte schnell seine Hand auf die Wunde und funkelte den Mann an. Er hatte Angst, aber zeigen wollte er das nicht. Die Reiling entfernte sich noch mehr als der Mann an ihm zerrte und als er näher kam, um irgendetwas mit dem Netz zu machen, verließ Rains Kehle ein Geräusch, das am Ehesten an ein Fauchen erinnerte. Er rutschte weiter weg, stieß aber nur an eine hölzerne Wand die zum Oberdeck führte. Die Erschöpfung in seinen Gliedern wurde deutlicher und langsam gewöhnte er sich an das Atmen an der Luft. Er keuchte noch, aber das Zappeln wurde weniger, einfach nur weil ihn seine Kraft verließ und weil er wohl einsah, dass er nicht so einfach entkommen konnte.
    • Das Ding sollte hierbleiben, verdammt! Wenn ihm der hier auch noch durch die Lappen ging, dann müssten sie sich etwas anderes einfallen lassen - nur von Fisch lebte es sich schlecht, zumal man sie in diversen Häfen gar nicht mehr anlegen ließ. Nur, weil sie allesamt Piraten waren, hieß das zwar noch nicht, dass sie missfallene Biester waren, die sich alles unter den Nagel rissen, das dingfest gemacht wurde, aber diebische Elstern konnten sie allesamt sein. Selbst, wenn er diesem Vieh nur ein paar Schuppen ausriss oder ihn nach Meeresschmuck befragte, so wusste er - in der Güte seines Leichtsinns - dass er zumindest jene an irgendeinen dummen Händler verticken konnte. "Stopp, stopp.", befahl er dem Fischlein in einem eher griesgrämigen Ton und kniete sich zu ihm hin, um das Malheur zu beseitigen, in das er geraten war. Wie dämlich war das alles denn? Wenn er ihn losschnitt, dann zappelte das Fischlein sicher über die Reling und machte sich auf und davon, so weit, dass sie ihn auch nicht erwischen würden, wenn ihr Schiff mehrere Knoten auf dem Buckel hatte. Wie schnell der wohl war? Sonderlich gesprächig war er, obgleich seines einigermaßen menschlichen Aussehens und seiner fehlenden Singstimme, anscheinend nicht - und dabei glaubte er fast, von diesem Stück Gold bezirzt zu werden, damit er ihm doch ungeschoren entkommen konnte. Nayantai schien das Energiebündel allerdings falsch eingeschätzt zu haben.

      Anstatt einfühlsamer Worte oder etwas Liebe war es aggressives Fauchen und eine glitschige Flosse, die ihm schließlich doch entkam. Er schüttelte den Kopf, als er das knarzende Holz hörte und das Echo, das der leere Hohlkopf des Katzenfisches hinterließ, als er wohl oder übel mit voller Wucht dagegen prallte. Nayantai wanderte ihm nach und griff wieder nach dem Netz, nicht nach seinem fischigen Hinterteil, und zog eine Grimasse. "Ich will dir helfen.", er deutete auf das Netz, damit der sprachlich unbegabte Fisch es schließlich auch verstand, bevor er wieder an dem Netz herumfuchtelte. Während er damit tüftelte, streckte er seine Zunge heraus und kletzelte an den Knoten, die sich schwerer lösen ließen, als sonst noch etwas. Dass sie beiden etwas Ruhe hatten, war ihm gerade recht, auch, wenn er sich nicht so sicher war, was er mit dem Meerwesen machen sollte. "Was macht ihr denn hier schon wieder für einen Lärm?", fragte eine leicht gereizte Stimme, die eine Tür aufschob und von unterhalb des Decks kam - seine Haare waren zerzaust, seine Kleidung saß schief und die tiefen Augenringe bedeuteten wohl, das er die letzte Nacht kein Auge zugetan hatte und vermutlich seinen Schreibtisch als Unterlage missbrauchen dürfte. "Shuren, hilf' mir mal.", murrte Nayantai leicht, als die dünne Gestalt über seine Schulter lunzte und Rain ebenfalls anstarrte. Ein eiskalter Schauer jagte durch seinen ganzen Körper, als er an dem fremden Mann herabsah und bemerkte, dass ihm die Beine fehlten und er stattdessen halb Fisch, halb Mann war und schlimmer blutete, als eine ... nein, das musste er nun auch wieder nicht herausposaunen. "Was ist das!?", schrie er auf. Nayantai rollte mit den Augen. "Du weißt, was das ist." "Eine Sirene? Wieso misshandelst du das arme Ding so?" Shuren deutete auf die Wunde und setzte sich auf eben der Seite neben Rain. "Ich will ihm nur helfen! Der war doch in unserem Netz!", grummelte er, beinahe schon verärgert. "Mit Aggressionen wird das nichts, der versteht dich doch nicht! Er sieht zwar aus wie ein Mensch, ist aber bei weitem keiner.", argumentierte er und sah sich die Wunde aus gewisser Entfernung an. Das müsste geflickt werden, aber Shuren hatte keinerlei Ahnung wie - und er brauchte sowieso Nähzeug dazu. "Kannst du ihn ... nach unten bringen?", fragte er gleich danach. Nayantai sah verwirrt zu Shuren, aber schnappte danach auch gleich nach dem Fremden und warf sich ihn über die Schulter. Shuren seufzte, und deutete dann zur Tür - Nayantai folgte ihm, sah aber nochmals zum Fischlein. "Wir.", er deute auf sich und Shuren. "Helfen. Dir." Dann deutete er auf Rain, bevor er sich auf dem Weg nach unten machte.
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    • Der Mann wurde ungehaltener, aber Rain wusste schließlich nicht was er von ihm wollte. Er wusste zwar auch nicht, was er tun sollte, oder wohin er schwimmen sollte, aber hier bleiben konnte er nicht. Diese Menschen würden ihm nicht helfen und sie konnten es auch nicht, Rain musste andere seiner Art finden, doch wusste er nicht einmal, ob es welche gab, die nicht zu den Sirenen gehörten. Rain hatte niemanden mehr und er konnte keinem vertrauen. Von menschen wusste er nur, dass sie ihm vermutlich nicht freundlich gestimmt waren, wenn sie dachten er wäre eine Sirene und wollte sie fressen. Jetzt da er aber ein wenig inne hielt wurde zumindest klar, dass dieser Mann gerade versuchte ihn von diesem verdammten Netz zu befreien. Rains Körper fühlte sich träge an und der Blutverlust machten die Sache nicht einfacher. Vielleicht half es, dass er an Land war. Er hatte gehört, dass es in ganz schwierigen Fällen besser war einem Aquarianer einen Platz an Land zu suchen, nachdem die Wunde vom Meer ausgewaschen wurde, aber im Moment fühlte er sich einfach nur miserabel, zumal er immer noch nur schwer Luft bekam.

      Rain versuchte sich wach zu halten, das gelang ihm auch, als plötzlich eine weitere Gestalt an Bord kam. Rain zuckte zusammen und rutschte noch einmal ein wenig davon, um dem Fremden zu entgehen, der plötzlich aufschrie wie eine der Möwen. Dieser Mann war kleiner und schmächtiger als der Andere, er sah Rain ein bisschen ähnlicher, wenngleich er zwei Beine statt einer Flosse hatte. Erneut deutete jemand auf Rains Wunde und er drückte seine Hand stärker dagegen, um sie zu verstecken und das Blut in seinem Körper zu halten, aber auch seine Flosse blutete und mehrere oberflächliche Kratzer säumten seinen Körper. Die beiden schienen zu streiten und Rain hob abwehrend seine zweite Hand als wollte er ihnen sagen, dass er ihnen nichts Böses wollte, sondern nur zurück ins Meer musste. Das Netz war mittlerweile gelöst, aber das bedeutete nicht, dass Rain nun frei war, nein ganz und gar nicht. Stattdessen stand der große Mann auf und zog ihn ebenfalls nach oben, um Rain über seine Schulter zu werfen. Ein gurgelndes Geräusch verließ seine Kehle als seine Wunde auf die Schulter des Mannes traf. Das Blut rann nun langsam an dessen Rücken hinunter. Er hätte ihn beißen können, hätte diesem Mann vermutlich die Kehle raus reißen können, aber Rain wollte das nicht, er wollte keine Menschen verletzen. Er zappelte auch nicht, hatte er doch eingesehen, dass er keine Chance hatte und sich nur selbst verletzen würde. Der große Mann folgte dem kleineren und verschleppte Rain ins Innere des Schiffes, wo er das Meer weniger riechen und hören konnte. Es gefiel Rain nicht, aber letztendlich wurde er wieder herunter gelassen und auf den Rücken gelegt. Jetzt gab es wahrlich keine Möglichkeit mehr zu entkommen.
    • Shuren war mit Abstand der Vernünftigste von ihnen allen und interessierte sich, neben der Raubzüge, eigentlich nicht für viel mehr als sein eigenes Wohlergehen und die Erkenntnis über diverse Märchen, die es zu ergründen galt - aber Nayantai zollte ihm damit nicht genug Respekt, war er doch immerhin gute zwei Jahre jünger als er und schien trotzdem noch am Schlauesten von ihnen allen zu sein, neben Khasar, der wohl oder übel zu den Älteren in ihrer Misch-Masch-Gruppe gehörte. Das namenlose Tier verschleppte er in die unteren Gefilde des Decks, nicht etwa in das Zimmer des verschlafenen, aber verrückten Genies, sondern in einen ganz anderen Teil ihrer Behausung - dem Krankentrakt. Zuerst wollte er das Blondchen auf eines der Betten legen, aber mehr als einweichen würde er es wohl nicht, und die Stoffe wären ihnen nur im Weg, weswegen er ihn auf den Boden legte und den Platzmangel damit kompensierte, dass er Shuren aus dem Licht ging, der sich gerade die Hände wusch und nach Nadel und Faden suchte, die er ebenfalls vorsorglich säuberte. "Willst du mir etwa dabei zusehen, wie ich eine Sirene zusammenflicke?", hinterfragte der Kleinere mit hochgezogener Augenbraue und seufzte dann. Eigentlich war Nayantai nur im Weg, wie es schien, und dennoch hatte Nayantai Angst, dass etwas passieren könnte, ließ er die beiden miteinander allein. Was auch immer das großartig sein sollte, der winzige Griesgram würde es ihm wohl nicht verzeihen.

      Seines Erachtens nach angemessen vorbereitet legte Shuren Nadel und Faden beiseite, eher er sich eine Schüssel schnappte, die er Nayantai gab - er sollte diese mit Wasser befüllen, hatte er doch die längeren Beine, und während er das tat, schnappte Shuren sich eine Vielzahl an sauberen Tüchern und kniete sich neben dem Fremden auf den Boden. "Du verstehst mich nicht, also machen wir es kurz.", er schielte zu dem Blondchen. "Ich.", Shuren deutete auf sich selbst. "Tuch.", dann auf das Tuch, das er gerade in der Hand hielt. "Wunde." Schließlich also auf Rains Wunde, die er hielt, als würde sein Leben davon abhängen. Unangenehm war es sicher, wenn man ihn wie einen Fisch aus dem weiten Meer angelte und noch schlimmer war es wohl, wenn er bedachte, dass ihm zwar die Welt offenstand, seine eigenen Theorien jedoch weitgehend unausgeprobt waren und er wenig Praxis besaß, wenn es darum ging, glitschige Sirenen zusammenzuflicken. Nayantai kam mit der Schüssel Wasser wieder, etwas, das Shuren gleich als nächste Methode nutzte, um die Barriere zu brechen, die sich anscheinend zwischen ihnen aufgebaut hatte. So menschlich, wie dieser Fisch aussah, so tierisch verhielt er sich auch. "Shuren.", er deutete auf sich selbst. "Nayantai.", dabei zeigte er auf den groß gebauten Mann, der verwirrt zu ihnen beiden starrte und nach einem Tuch griff. "Du?", fragte er, als er auf Rain zeigte. Nayantai hingegen setzte sich vor Rain und griff nach dessen Flosse, um sich die Schrammen anzusehen und sie sorgfältig abzutropfen.
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    • All die Gegenstände an denen Rain vorbei getragen wurde waren ihm unbekannt. Er wusste vielleicht höchstens aus Erzählungen oder Abbildungen auf alten, versunkenen Ruinen was dieses, oder jenes war, aber weder die Aquarianer, noch die Sirenen lebten an Land und keiner von ihnen brauchte all diese Dinge, noch waren sie am Meeresboden zu gebrauchen. Tische gab es nicht, Betten ebenso wenig. Stoff sog sich nur voll, auch wenn er mitunter dazu gebraucht werden konnte Wunden zu verbinden, aber diese Menschen hat so viel davon, überall. Das Holz hier unten war trocken, nicht abgerundet von der See und seltsam. Schon bald wurde er auf eben jenes gelegt und sah sich verwirrt um. Etwas weiter weg gab es wohl Wasser, in das der Dünnere seine Hände tauchte, dann zog er ein paar Laden aus einem Tisch und kramte darin herum. So viele Dinge schienen sie zu haben, brauchten sie das alles? Rain sah zu wie der Mann Nadel und Faden beiseite legte. Rain kannte diese Dinge, auch wenn die Aquarianer keine Möglichkeit hatten sehr viel davon selbst herzustellen. Nadeln machten sie aus Fischgräten und Fäden zogen sie aus Tüchern die bis zu ihnen geschwemmt wurden. So verhielt es sich mit vielen Dingen. Die Sirenen hatten Land, auch wenn es nur eine verlassende Insel, oder ein Haufen Steine war, sie konnten Feuer entzünden und Waffen schmieden. Aquarianer hatten nur, was sie fanden, oder was sie aus Stein schlagen konnten. Dass sie so abgekapselt lebten, hatte ihr Leben nicht einfacher gemacht. Dennoch waren sie keineswegs primitiv. Es gab andere Wege als Bücher um Kunst, Kultur und Geschichte zu dokumentieren und auch sie kultivierten Meerespflanzen und hielten Fische, um das Jagen obsolet zu machen.

      Der große Mann wurde aus dem Weg geschickt, während der Kleinere sich neben Rain setzte. Der Blonde wich ein wenig zurück, aber er wusste, dass er sowieso nirgends hin konnte. Die seltsamen Laute verstand er nicht, auch wenn er deren Bedeutung ergründen konnte. Er wollte ihm wohl sagen wie die Dinge hießen auf die er deutete. War sein name also Ich? Erneut wurde auf seine Wunde gedeutet. Wollten sie ihm damit helfen? Rain nahm langsam seine Hand von der blutenden Stelle, damit er Mann sich das ansehen konnte, wenn er wollte. Als der große Mann zurück kam, funkelte Rain ihn etwas wütend an, bewegte sich aber vorerst nicht zu viel. Er sah wieder zu dem anderen. Shuren? Nayantai? Waren das also ihre Namen? Vielleicht hatte er ihn vorhin falsch verstanden. Nun zeigte er auf Rain. Wollte er seinen Namen wissen? Der Aquarianer wusste nicht, wie man jene Körperteile benutzte die den Menschen so ähnlich waren. Auch wenn sie die Stimmbänder in ihrer aquaren Gestallt ebenfalls benutzten, sie regten sie nicht mit Luft an und so war es Rain im Moment nicht möglich zu antworten. Er öffnete seinen Mund, aber kein einziger Ton kam heraus. Wären sie unter Wasser gewesen, so hätte er ihnen eine Menge erzählen können, auch wenn sie vermutlich nichts davon verstanden. Als er dann einen Zug an seiner Flosse spürte, holte er damit doch aus, wenn auch mehr aus Reflex, weil er sich erschreckt hatte. Er legte auch die hand zurück auf die blutende Wunde.
    • Gerade eben hatte er noch aus Vorsicht gehandelt und jetzt war Nayantai derjenige, der keine dumpfen Geräusche gegen ein Stück Holz vernahm, sondern derjenige, der eine fischige Flosse mitten in sein Gesicht bekam und sich damit abmühen musste, das Klatschen und die damit verbundenen Schmerzen zu verarbeiten. Beinahe empört jaulte er auf, während Shuren ihn beherzt auslachte - das hatte er wohl davon, wenn er so grob mit dieser sinnlichen Meereskreatur umging, der Shuren gerade noch helfen wollte. Nayantai wischte sich das ekelhafte Fischwasser mit seinem Ärmel, der sich wohl auch mit salzigem Blut angesogen hatte, aus seinem Gesicht und zog eine Grimasse - das würde vielleicht einen blauen Fleck geben, immerhin brannte es und die Haut in seinem Gesicht fühlte sich augenblicklich unangenehm warm an, aber er wollte ihm doch nur helfen. Entnervt zeigte er Rain das Tuch und deutete dann auf seine verletzte Flosse, und auf die wenigen Tropfen Blut, die er mit dem Tuch aufgesogen hatte - mehr als helfen wollte er diesem Trottel doch nicht! Wenn das so weiter ging, dann nahm er wohl lieber zehntausend verschollene Schatzkisten, als dass er sich weiter von einem einfachen Fisch misshandeln ließ. "Du kleiner M-" "Nayantai. Du machst ihm Angst.", seufzte Shuren und ließ seine Schultern sinken. Was sollte er auch tun? Darauf warten, dass die Sirene ihn anfiel und biss? Das hatte er doch vorhin auch nicht getan.

      "Raus mit dir.", entschied sich Shuren knapp und während Nayantai beleidigt schmollte, verzog er sich gleich darauf wieder an Deck, um nach dem Rest der wilden Meute Ausschau zu halten, damit sie nicht auch noch in das Zimmer stürmten, das Shuren gerade mit dem Fremden belegte. Für den Moment überlegte er nicht lang und nahm noch eines der Tücher, tunkte es in das frische Wasser ein und presste es spärlich aus, bevor er auf die Suche nach Kiemen ging, nur, um dem Fremden das Tuch zu offerieren, damit er selbst Hand anlegen konnte. Dann präsentierte er ihm abermals sein trockenes Tuch und deutete auf die Hand, die nun auf seiner Wunde lag, in der Hoffnung, dass die Stille und die Abwesenheit dieses dickköpfigen Esels ihn doch noch zum Umdenken bewegte, damit Shuren sich über ihn hermachen konnte und zumindest das Größte seiner Probleme aus der Welt schaffte. Im Wasser war es vermutlich angenehmer zu leben, zumal die Auswirkung der Schwerkraft und die veränderten Gewichtsverhältnisse sicher nicht lustig für einen Körper waren, der offensichtlich erschöpft war. Womöglich reichte es auch, ihn nett zu behandeln, um mehr über ihn zu erfahren und sobald er das hatte, was er wissen wollte, wäre er auch all seiner Probleme Herr. "Hast du Durst?", fragte er obgleich des geöffneten Mundes der Sirene und griff nach seinem eigenen Becher, in dem kalter Tee von gestern war - schlecht war er deswegen trotzdem nicht, weswegen er ihm jenen anbot.
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    • Der Mann dem er soeben eine gesalzene Ohrfeige verpasst hatte sah wütend aus, aber Rain wollte sich weder entschuldigen, noch vor Angst zurück weichen. Er empfand es als besser ein wenig Stärke zu zeigen, zumindest gegenüber dieses Menschen. Er fühlte sich trotzdem ein wenig schlecht, weil er ihm wohl weh getan hatte, auch wenn es bestimmt nicht schlimm war. Manche Aquarianer hatten scharfe Flossen, beinahe wie klingen, nicht so Rain, seine waren weich und an den Enden hauchdünn. Im Wasser flatterten sie und brachen das Licht der Sonne, wenn denn welches bis zu ihnen herunter schien, jetzt sahen sie eher aus wie ein nasses Tuch. Der andere unterbrach seinen Kameraden und schickte ihn wohl fort, denn der Große grummelte und verschwand kurz darauf. Das hieß dann wohl, dass sie keine Angst hatten, dass Rain sie fressen würde, was er auch nicht vor hatte. Er war nur müde, verängstigt und überfordert mit der gesamten Situation. Er wusste nicht wo er war und er wusste nicht wie er seiner Familie helfen sollte. Selbst wenn diese Menschen ihm helfen wollten, Rain musste Hilfe finden und das konnte er wohl kaum, wenn er sich gar nicht erst unterhalten konnte.

      Der Kleinere betrachtete Rain, nun da sie allein war und reichte ihm ein feuchtes Tuch. Rain fiel es schon ein wenig leichter zu atmen, aber die Luft war ungewohnt und seine Lungen nicht daran gewohnt arbeiten zu müssen. Hätten sie plötzlich aufgehört zu arbeiten, hätte es Rain nicht gefunden und so nahm er das nasse Tuch entgegen und drückte es hinter sein Ohr, auch wenn das nicht lange helfen würde. Dann folgte er der hand die erneut auf die Wunde zeigte. Langsam entfernte er seine Hand wieder davon. Die Bretter des Schiffsbodens waren bereits rot gefärbt und die Tatsache, dass er die ganze Nacht geschwommen war, ohne sich darum zu kümmern, machten es seinem Körper nicht einfacher. Er verstand nicht was der Mann sagte, bekam aber kurz darauf einen Becher in die Hand gedrückt, ein Gegenstand, den es in Rains Welt nicht gab. Wozu auch? Die Flüssigkeit hielt sich ja auch nicht darin. Rain führte das Gefäß zu seiner Nase und roch daran. Der Duft war beinahe ein bisschen zu intensiv, immerhin breitete sich hier alles viel besser aus als unter Wasser. Er zuckte und hielt das Gefäß wieder ein wenig entfernt. Ob das Medizin war? Zu Hause gab es eher wenig Medizin die flüssig war, noch dazu konnte er nicht recht sagen, ob die Medizin der Menschen ihm überhaupt helfen würde, aber er wollte mal nicht so sein und trank was auch immer das war in einem Zug aus. Er hustete ein wenig, das Zeug war bitter und ganz allgemein war es ein ungewohnter Geschmack.
    • Sein Vertrauen hatte Shuren zumindest für den Moment geschöpft, weswegen er erleichtert aufatmete - nichts war schlimmer, als einen unwilligen Patienten zu behandeln und nichts gefährlicher, als sich auf einen fremden, unwilligen Patienten einzulassen, der mit seiner schweren Flosse Nayantai verärgerte. Für den Moment überlegte er jedoch, war er allemal im Glauben, dass die Sirene vielleicht stumm war, oder sich nicht wohl genug fühlte um ihm eine Antwort zu geben - oder zu wenig nährendes Wasser in seinem Umfeld wusste, als dass er jemandem wie Shuren die Antwort geben wollte. Für den Moment wusste er auch gar nicht so recht, wieso Nayantai ihn nicht einfach zurück in den Wellengang geworfen hatte, sondern darauf beharrte, ihn zu behalten und damit nichts Gutes zu tun. Witzig war der Spaßvogel allemal und Shuren selbst wollte keinenfalls wissen, was genau ihn erwartete. Langsam schien er doch die Erlaubnis zu bekommen, etwas zu tun, weswegen er schon beinahe freudig aufsah und den Namenlosen anlächelte. Wie hieß dieser Fisch nun wirklich? Womöglich konnte er schreiben, oder ähnliches tun, aber gerade jetzt waren ihre Möglichkeiten wohl limitierter als sonst, weswegen Shuren sich knapp dazu entschied, nicht weiter darauf herumzureiten, sondern sorgfältig die freigegebene Wunde abzutupfen und nur für einen geringen Moment darüber nachdenken zu müssen, wie ihm das Kräuterwasser wohl schmeckte, das er soeben aufgetischt bekam.

      Eine Weile dauerte es, bis sich das Tuch mit den blutigen Salzwasserlösung vollsog und währenddessen schob Shuren den leergetrunkenen Becher auch schon in die nächstbeste Ecke, um dem Fisch - oder der Sirene - oder was auch immer dieser halbstarke Flossenbesitzer sein wollte, ein Stück Stoff in den Mund zu drücken, bevor er Nadel und Faden nahm, um die einigermaßen saubere Wunde wieder zu flicken, bevor er noch mehr Blut verlor, das er offensichtlich gebrauchen konnte. Shuren gab es nicht gerne zu, wenn etwas außerhalb seiner Expertise lag, aber selbst die nicht schuppigen Teile der Sirenenhaut waren, zumindest stellenweise, ziemlich schleimig und so, als hätten Algen sie jahrelang benetzt - sie war dennoch weich, aber das tat nichts damit zur Sache, dass er die Nadel mehrmals ansetzen musste, nachdem er den Faden einfädelte, bevor er einen ersten, anständigen Stich hinbekam und dann damit weitermachte. "Tut mir leid, das wird wehtun.", schluckte er nach dem ersten Stich herunter. Ab jetzt fokussierte er sich allerdings lieber auf seine Wunde, nicht auf des Fremden Antwort darauf. Hier würde Niemand jemandem etwas antun, und selbst wenn, dann würde Shuren sich ohnehin zu helfen wissen - der namenlose Fisch hingegen würde wohl oder übel um sein Leben kämpfen müssen, wenn er Shuren wirklich an den goldenen Kragen wollte, den er viel lieber für sich selbst behielt. Beruhigend war das hier nicht gerade, vor allem wenn seine Finger keinen Halt fanden, aber dafür war er ohnehin umso vorsichtiger ...
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    • Als Rain die Hand entfernte lächelte der Fremde ihn an und kam ein wenig näher. Von Größe konnte Rain eigentlich gar nicht sprechen, während ihre Arme und ihr Torso in etwa gleich lang schienen, so war seine Flosse definitiv länger als die zwei Beine des Menschen. Ihre Körpergröße war wohl kaum zu vergleichen und Rain fragte sich, warum ihn das eigentlich interessierte. So oder so war dieser Mensch weitaus weniger grob und er knurrte ihn auch nicht an. Er wollte ihm vertrauen, für den Moment zumindest und Rain konnte eine helfende Hand gebrauchen, die ihn wieder zusammen flickte. Er selbst hatte damit keine Erfahrung. Er hatte sich vielleicht Mal beim Spielen verletzt, oder weil er tollpatschig war und irgendwo hängen geblieben ist, aber eine Wunde wie diese war neu. Er war auch noch nie so weit außerhalb seiner Heimat gewesen, hatte noch nie Menschen getroffen und war noch nie völlig an Land gegangen. Die Aquarianer lebten schon so lange versteckt am Meeresboden, er war gar nicht sicher, ob alle menschlichen Teile an ihm funktionierten, oder ob sie sich vielleicht zurück gebildet hatten und er nur verkümmerte Lungenflügel sein eigen nannte. Für den Moment ging es mit dem Atmen jedoch.

      Das trockene Tuch war kratzig und unangenehm und während Rain vom Meer durchgeweicht war, so bildete seine Haut ebenfalls eine schützende Substanz, vielleicht um ihn vor dem Austrocknen zu schützen. Er wusste nicht wie das alles funktionierte, aber die Finger des Menschen fühlten sich zwar auch nass an, aber anders. Er zuckte immer wieder zusammen, aber er ließ den Mann machen. Die Wunde war vom Salzwasser sicher gründlich gereinigt worden und Wasser selbst wäre wohl nicht schädlich für Rain, aufhören zu bluten musste er allerdings trotzdem, wollte er überleben. Der Mann schob ein Stück Stoff in seine Richtung und stopfte diesen in Rains Mund. Auch der war trocken und seltsam. Rain erfuhr bald wozu das nötig war. Die spitzen, versteckten Zähne bohrten sich in das Tuch während er versuchte still zu halten. Es tat weh, aber was der Mensch da tat schien logisch. Rain wehrte sich nicht, aber er wusste nicht recht, wie man durch die Nase atmete. Er unterdrückte ein Zappeln bis er es heraus gefunden hatte. Die Prozedur schien endlos lange zu dauern und Rain wurde von seiner Erschöpfung und vermutlich vom Blutverlust übermannt. Sein Brustkorb hob und senkte sich langsam, aber stetig, so als ob sein Körper endlich tun konnte, wozu er designed war, ohne, dass der sture Aquarianer dagegen ankämpfte. Das Tuch fiel aus seinem Mund und die Zähne waren wieder versteckt. Sein Körper verlangte Schlaf, egal in welcher Situation Rain sich gerade befand und nachdem er sich auch nur ein klein wenig entspannt hatte, weil er diesem Menschen vertrauen wollte, war es auch schon zu spät gewesen.
    • Geschafft war noch lange nichts, aber Shuren machte sich zumindest die Mühe, das Richtige zu tun und der Sirene dabei zu helfen, ihren Wunden nicht zum Opfer zu fallen. Dass er sich gerade über ein Wesen aus einem Kinderbuch hermachte und ihm dabei half, zu überleben, schien eine noch krummere Idee zu sein, als die Tatsache, dass das hier gerade wirklich passierte und kein desillusionierter Traum war, an den sie sich allesamt nicht wirklich erinnern würden, weil er irgendwann nicht mehr relevant wäre. Ewig dauerte es, bis er einen ordentlichen Halt an der Seite des Fischchens hatte und noch länger, bis alles ordentlich geflickt war - die Flosse wollte er sich auch noch ansehen, doch ehe er versuchen konnte, seinem leicht gereiztem Patienten ebendas mitzuteilen, schien er auch schon eingeschlafen zu sein, oder zumindest vor lauter Schmerzen nicht mehr wach sein zu wollen. Unsanft zupfte Shuren das Stück Stoff aus seinem Gesicht und drückte sein Ohr gegen dessen Brust, in der Hoffnung, einen Herzschlag oder ähnliches vernehmen zu können - und tatsächlich tat er das aus. Er setzte sich wieder auf und ließ seinen Blick wandern, ehe ihm auffiel, dass sich der Brustkorb des Blonden einigermaßen rhythmisch hob und dann wieder absank, was zumindest ein gutes Zeichen zu sein schien. Erleichtert war er allemal.

      Noch nahm er sich die Zeit, die Sirene zu verarzten, doch anstatt ihn hier liegen lassen zu wollen, lugte er wieder aus der Tür heraus und rief nach Nayantai, der offensichtlich nicht viel Freude daran gehabt hatte, alleine dort oben die Zeit zu verbringen. Wenn der Fremde an Land atmen konnte, und eventuell auch gar kein Wasser benötigte, dann reichte es wohl fürs Erste, ihn in das Bett im Krankenzimmer zu legen, was auch bedeutete, dass sie wohl fürs Erste ein neues Crewmitglied hatten, mit dem sie früher oder später in See stechen würden. Momentan reichte die Ruhe wohl, die ihnen gegönnt wurde und bevor sich die restlichen Dielen des Bodens auch noch mit Blut und Salzwasser vollsogen, wischten sie das Meiste davon auf und wickelten die Sirene in die Decke ein, damit er einigermaßen ruhige Träume sein eigen nennen durfte. An Deck begaben sie sich erst danach, und ihren Anker holten sie auch früher als gedacht an Board, nur, um schließlich wegzuschippern - die Aufruhr war dennoch groß, und während Nayantai den Wellengang zu begrüßen schien, war der Rest der Mannschaft nicht all zu überzeugt von ihren neuen Plänen, die den Fremden durchaus involvierten. Shuren war es, der alle halben Stunden ein Auge auf Rain warf und Nayantai derjenige, der das Steuer auch oft gerne Anderen zuschob, die sich im Rest ihres Suffs noch immer als verzaubert ansahen, und die magische Kreatur nicht als real akzeptieren wollten. Blieb nur zu hoffen, dass er wirklich nicht austrocknete …
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    • Rain träumte zuerst gar nichts. Er war zu müde und erschöpft um irgendetwas zustande zu bringen. Er brauchte Schlaf. Nachts wurden sie angegriffen, man hatte sie gejagt und gefangen genommen und anschließend in einen kerker geworfen. Es dauerte einige unruhige Stunden, bis Rains Vater das Gitter aus der Wand gerissen bekam und die danach folgende kurze Verschnaufpause am Grunde des Meeres hatte kaum gereicht und auch mit dem Blutverlust nicht geholfen. Danach schwamm er weiter und weiter bis die Sonne wieder aufgegangen war und beinahe schon ihren Zenit erreicht hatte. Es war kein Wunder, dass er in einen tiefen Schlaf fiel und den Rest der kleinen Nadelstiche gar nicht mehr mitbekam. Ebenso wenig merkte er wie er in ein Bett gelegt und in ein großes Tuch gewickelt wurde. Mit der Flosse passte er kaum in das Krankenbett, aber auch das merkte er nicht. Erst später folgten wirre Träume über seine Familie und das was passiert war. Er träumte auch von Menschen die sonderliche Laute von sich gaben und mit all ihren Gegenständen herum tanzten. Sein Schlaf wurde ein wenig unruhiger, bis er doch endlich seine Augen wieder aufriss.

      Im ersten Moment war er nicht sicher wo er war. Er musste sich erst in Erinnerung rufen was passiert war und wie er auf dieses Schiff gekommen war. Im nächsten moment merkte er, dass er durstig war, sehr sogar. Er blickte außerdem an sich hinab und schob das Tuch beiseite, um seine Wunde zu betrachten, die feinsäuberlich genäht wurde. Nun war sie mit einem weiteren Tuch und einem verband bedeckt, der sich um seinen Bauch wickelte. Als er jedoch die Wunde an seiner Flosse inspizieren wollte, hätte er los geschrien, wenn er dazu in der Lage gewesen wäre. Stattdessen war es ein stummer Schrei, als er bemerkte, dass die Flosse zwei Beinen gewichen war. Natürlich wusste er, dass seine Artgenossen von jeher dazu in der Lage waren auch an Land zu leben und unter den Menschen kaum aufzufallen und dennoch hatte er seine Gestalt nie gewechselt. Statt einer Schwanzflosse, hatte er nun zwei Beine, die sich individuell bewegen ließen. Es war ein komisches Gefühl und er konnte diese neuen Gliedmaßen auch gar nicht steuern. Er wollte wieder ins Wasser, er wollte wieder er selbst sein und so zog er sich aus dem Bett. Die Beine waren dabei so nutzlos wie die Flosse es an land war. Er landete auf dem Boden und riss noch ein paar Gegenstände mit sich die nicht am Schiff befestigt waren. Es machte einen furchtbaren Lärm, er ihn zusammen zucken ließ. Er legte die Hände über seine Ohren bis das Scheppern vorbei war.
    • Auf hoher See bemerkte man die kleinen Laute eher selten, vor allem wenn die hungrigen Wellen an dem Bug des Bootes bis über die Reling schwappen wollten, aber gerade jetzt, wo das Meer noch einigermaßen still und der Wellengang nicht sonderlich hoch war, fiel bei der neugierigen und angespannten Laune allen von ihnen viel zu viel auf. Muhan hörte jaulende Hunde, die definitiv nirgendwo waren, und Nayantai schob es auf den vermehrten Alkoholkonsum der letzten Tage und Wochen, während Tei diejenige war, die sich noch einmal schlafen gelegt hatte und Khasar ihre Ausbeute auf der Insel inspizierte, indem er irgendwelche Artenbücher von Shuren auseinandernahm und versuchte, von einem Tintenköpfling und einem Schwarzkeimling zu unterscheiden - besonders einladend hörten sich beide Pilzarten trotzdem nicht an. Beinahe verriss Nayantai das Steuer, als er das Scheppern im Inneren des Schiffes hörte und Shuren, der sich gerade noch neben Khasar hockte, schaute auch verwirrt auf, machte aber keinerlei Anstalten, sich zu bewegen. Wäre ihr kleines Fischbündel wirklich aus dem Bett gefallen, dann konnte Shuren es ohnehin nicht hochnehmen - ungefragt übernahm Muhan das Ruder also, auch, wenn Shuren derjenige war, der über seine Schulter lunzen musste, um einen einigermaßen richtigen Kurs zu garantieren, der sie nicht auf Grund laufen ließ, weil sie vor lauter Trunkenheit ihres neuen, temporären Kapitäns auf eine Felswand zusteuerten.

      Nayantai nahm die Beine in die Hand und eilte die erste Treppe hinunter und sprang beinahe gänzlich über die Zweite, bevor er sich im Krankenzimmer wiederfand - ohne jegliches Feingefühl riss er die Tür auf. Die Misere stach ihm sofort ins Auge und die scheppernden Laute waren von einigen Utensilien ausgegangen, die entweder der Wellengang durch die Gegend geschleudert hatte, oder das unfischige Fischlein, das dort am Boden kauerte und den Lärm wohl vergebens aussperren wollte. "Was stellst du nur an?", stieß er empört aus. Hinter ihm fiel die Tür zu, und während er die Misere auf dem Boden aus einem näheren Winkel mustern durfte, nur, weil er damit anfing, wieder aufzuräumen und zumindest einige Dinge an ihrer vorhergesehenen Platz zu bringen. "Was zum ... wo ist deine Flosse!? Und war- ... du brauchst eine Hose.", er schnaubte und sah keine andere Option, außer das Fischlein erneut zu packen, zurück auf sein Bett zu setzen und ihm seinen schweren, vermutlich staubigen Mantel um die Schultern zu ziehen, damit er zumindest irgendwie bedeckt war. Nayantai suchte nach einer Ausflucht in dem hübschen Gesicht der Sirene, die ihn allemal verzaubern könnte. "Was stellst du auch an? Kannst du mit den Beinen überhaupt gehen?", fragte Nayantai als Nächstes, ehe er sie anpackte und hochhob - sonderlich schwer schienen sie ja nicht zu sein, aber vermutlich irrte er sich da auch nur, immerhin hatte die Flosse doch wehgetan - und er hatte genug rote Striemen davon im Gesicht.
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    • Rain hörte das Getrampel das die Stufen hinunter kam. Schwere Beine trafen auf Holz, das ein wenig knarrte als es unter den Schritten nachgab. Das war definitiv nicht der Mensch der Rain geholfen hatte, sondern dieser andere, große. Kurz darauf riss er die Tür auf und Rain zuckte zusammen. Er schimpfte mit Rain wie es schien, wollte wohl, dass er ein guter Gefangener war und Rain rutschte auf dem Boden ein wenig weg von ihm. Gefesselt war er nicht und die Tür schien auch nicht verschlossen gewesen zu sein, aber Rain konnte sich ja ohnehin nicht bewegen. Könnte er nur diese Beine bewegen so wie diese Menschen, dann hätte er vielleicht davon laufen können, aber das konnte er nicht. Die Tür fiel scheppernd ins Schloss und Rain suchte nach einem anderen Fluchtweg, aber da war keiner. Anstatt Rian zu packen, oder eventuell zu schlagen, griff der Mann stattdessen nach ein paar Gegenständen, um sie zurück an ihren Platz zu stellen. Der Aquarianer zitterte leicht. Hier draußen fühlt sich alles seltsam an und dieser Kerl machte ihm Angst. Er hatte das gefühl, früher oder später würde er ihn doch noch in Ketten legen.

      Als er einen weiteren Blick auf Rain warf, der beide Beine angezogen hatte und einen Arm schützend vor sich hielt, fiel ihm wohl ebenso auf, dass Rain sich verändert hatte. Er brüllte irgendwas, schnaubte unzufrieden und packte Rain erneut. Er hatte keine Flosse mehr, mit der er ihn hätte Ohrfeigen können, das wollte er aber auch gar nicht, stattdessen ließ er ihn machen und fand sich zurück auf dem Bett, das so komisch weich war. Aquarianer hatten keine Betten, sie würden ja nur davon treiben. Das hier war seltsam und ständig auf etwas Hartem sitzen, stehen oder liegen zu müssen war ungewohnt und unangenehm. Der Mann zog seine schwere Kleidung aus und legte sie über Rain, der erst jetzt bemerkte, dass Menschen ganz andere Körper hatten. Er sah an sich hinab, bemerkte erst jetzt wo dieser Mann seine Augen gehabt hatte und zog den Mantel um sich, um sich darin zu verstecken. Er roch nach so vielen Dingen die Rain gar nicht benennen konnte. Er blickte auf - wieso starrte dieser Mensch ihn so an? Rain wandte seinen Blick wieder ab, ließ aber erneut einen stummen Schrei los, als seine neuen Beine gegriffen wurden. Die Haut war so blass wie die seines ganzen Körpers, so dünn als könnte man fast hindurch sehen. Schwach sahen die Beine allerdings nicht aus, behielten sie doch die Kraft die in Rains Flosse steckte wie es schien, aber allgemein war er schlank, nicht so wie dieser Mensch. Dieser hob Rains Beine an, die allerdings einfach wieder nach unten fielen. Rain wollte seine Hand weg schlagen, wagte es aber nicht. Stattdessen wartete er kurz ab und als nichts passierte sah er sich um. Er fand den Becher von vorhin und deutete auf diesen. Er brauchte Wasser und hoffte er verstand.
    • Mit Shuren hatte er keinerlei Probleme wie es schien, aber der griesgrämige Kapitän missfiel ihm nicht nur, nein, er schien ihn im wahrsten Sinne des Wortes nicht ausstehen zu können. Dumm war es immerhin, dass er ihn nicht leiden konnte, aber auf der anderen Seite musste er wohl auch akzeptieren, dass er derjenige war, der die Sirene herausgefischt hatte und sich dazu entschied, ihn gleich zu verkaufen, um reich zu werden und die Thematik für sich abzuschließen. Mehr wollte er auch nicht, aber verbluten lassen konnte er ihn ebenfalls nicht - es würde zu nichts Gutem führen, wenn er den Zorn des Meeres auf sich zog, weil er ein kleines, hungriges Fischlein verhungern oder aber eher verbluten ließ, nur, damit seine eigene Geldgier irgendwie gestillt war. Womit hatte er das alles nur verdient? An dem Kragen wollte er diesem Witzbold doch gar nicht, und dennoch wurde er angesehen, als wäre er die Sirene oder ein widerlicher Bastard, der sich an dem kleinen Mann vergreifen wollte. Erbärmlich war es doch, von einer Meereskreatur so eingeschätzt zu werden! Und verdient hatte er das alles bei weitem nicht! Nayantai schüttelte den Kopf und sah dem stimmlosen Wesen zu, das es nicht einmal geschafft hatte, einen verständlichen Laut zu produzieren - Shuren meinte vorhin, dass er vielleicht stumm sei, aber das wollte er nicht glauben. Was für eine Sirene wäre er dann schon?

      Die Beinchen ließ er wieder los, dann streckte er sich und sah dem beschämten Wesen belustigt dabei zu, wie es sich wand, um ihm keinerlei Einblick mehr zu gewähren. Niedlich. Vor ihm davonzurennen oder offen und ehrlich mit ihm, durch seine Stimme, zu kommunizieren schienen also keine Optionen zu sein, aber Nayantai wollte nun einmal nicht so sein und hoffte darauf, dass sich all das legte und er früher oder später seine Ruhe davor hatte. "Hm, wie wär's, wenn ich dich Guppy nenn'?", schlug er vor, ohne Rücksicht darauf zu nehmen, dass der sogenannte Guppy eigentlich keinerlei Qualitäten, geschweige denn die Stimme und das Verständnis seiner Sprache hatte, um wirklich zu protestieren. Dumm war es doch allemal. Sein Blick fiel, von den versteckten nicht-Flossen, auf den Becher zurück und er schielte den Blonden unverwandt an, bevor er versuchte, zu verstehen, was in seinem kleinen Kopf vor sich ging - Nayantai ergriff den Becher und füllte ihn mit Wasser aus einer der Schüsseln auf, die Guppy vorhin nicht umgestoßen hatte und überreichte ihm das teure Gut. Ob er Salzwasser ohne Probleme trinken konnte? Nayantai wusste das zwar nicht so recht, aber er würde es früher oder später wohl herausfinden, wenn es dazu käme. "Hast du Hunger?", fragte er nach und versuchte, es seinem Gefangenen zu erklären - oder zumindest wollte er das, bis sein eigener Bauch grummelte und er dann auf Rains zeigte. War das bequem? Er konnte bestimmt eines seiner Hemden haben.
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    • Der Mensch schien immer noch unzufrieden, aber Angst vor Rain schien keiner von ihnen zu haben. Gut so, seine Art hatte noch nie einen Menschen verletzt, geschweige denn gesehen, auch wenn die roten Striemen auf dem Gesicht des Mannes eine andere Geschichte erzählten. Rain sah sich die Misere vielleicht etwas zu lange an. Tat es ihm Leid? Vielleicht, aber er wusste immer noch nicht, ob diese Menschen ihm gut oder böse gesinnt waren. Zurück ins Meer warfen sie ihn jedenfalls nicht, obwohl er dort hingehörte, aber vielleicht sollte er damit auch warten, bis diese Wunde ein wenig mehr verheilt war, die er an seiner Seite trug. Solche Verletzungen heilten besser, wenn sie nicht ständig nass waren, zumindest hatte Rain das so gehört. Seine Art war wohl auch nicht dazu bestimmt auf alle Zeiten unter Wasser zu bleiben, auch wenn er es bisher nicht anders gekannt hatte. Die Welt hier oben war beängstigend und einschränkend, aber auf der anderen Seite hatten diese Menschen wohl auch mehr Möglichkeiten. Die Luft verfraß Dinge nicht so schnell wie das Meer und Feuer gab es unter Wasser auch nicht.

      Rain blickte den Fremden an. Er verstand zwar nicht was er sagte, aber er hatte das Gefühl, dass er gerade beleidigt wurde und dementsprechend zog er auch eine Schnute, reckte die Nase in die Luft und wandte sich beleidigt ab. Zumindest so lange, bis er den Becher mit Wasser gefüllt bekam und danach griff. Er kostete, das Wasser schmeckte komisch, gar nicht salzig. Nach kurzem Zögern trank Rain allerdings trotzdem alles aus und streckte den Becher noch einmal aus - er wollte mehr. Stattdessen wurde er allerdings mit einem Grummeln begrüßt und Rain zog sich ein wenig zurück, weiter auf das Bett. Misstrauisch betrachtete er den Fremden, der ihn irgendetwas fragte und dann auf seinen Bauch zeigte. Wollte er wissen ob Rain hungrig war? Er hatte sicher seit über einem tag nichts mehr gegessen, je nachdem wie spät es gerade war, aber hier unten konnte er das nicht genau sagen. Er zögerte kurz, dann nickte er ein paar Mal.