The unknown in you (by zeroknowsnothing & Ranboo)

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    • The unknown in you (by zeroknowsnothing & Ranboo)


      Gerade erst hatte ich meine Augen schließen können, als mein Handy zu vibrieren begann. Genervt stöhnend zog das Ladekabel ab und nahm den Anruf entgegen, ohne überhaupt zu lesen wer da klingelte. Irgendwie hatte ich auch schon eine Ahnung wer das war. "Hör mir zu, wenn das nichts wichtiges ist dreh ich dir den Hals um.", murrte ich, wartete ungeduldig darauf, dass der andere zu Sprechen begann. Und wie ich es mir gedacht hatte, einer meiner Kollegen war am Apparat. "Gabe, du musst dringend ins Labor kommen! Es ist jemand gefunden worden der draußen überlebt hat!"
      Sofort stand ich förmlich im Bett, meine Augen weit aufgerissen. Mein Gehirn fing sofort an zu denken, obwohl ich gerade noch todmüde war. "Bring ihn in meine Abteilung, ich bin in 10 Minuten da."
      Somit beendete ich den Anruf und fing hektisch an, mich anzuziehen, einen Schluck Wasser zu trinken, den ich auch noch halb auf meinen Kittel schüttete, mir eine Zigarette in den Mund zu stecken und in mein Auto zu huschen. Hätte ich eine Frau und diese würde gerade gebären hätte ich selbst sie allein gelassen und wär ins Labor gefahren. Denn ein solches Phänomen konnte ein Meilenstein für meine Forschungen werden, auch wenn ich nicht wusste ob ich zu der Person noch durchdringen konnte.
      Ich hatte schon einmal zwei Soldaten von draußen untersucht, welche aber zwei Wochen später an den enormen Verletzungen und ihrem Ausnahmezustand zu Grunde gingen. Diese waren kaum ansprechbar, ihre motorischen Fähigkeiten enorm eingeschränkt und der Herzschlag so schwach, dass sie jeden Moment hätte sterben können.
      Konnte ich mit dem jetzigen Objekt ordentlich arbeiten, wäre ich sicher bald in der Lage einige ungeklärte Fragen zu beantworten.

      Schnell ankommen war nun angesagt, was mich dazu veranlasste das Gaspedal einfach durchzudrücken, ohne Rücksicht auf irgendwelche Straßenregeln. Glücklicherweise war es nachts halb zwei, da war sowieso niemand mehr großartig unterwegs. Vor lauter Aufregung vergaß ich fast meine Zigarette anzuzünden. Gegen das Rauchverbot im Gebäude hatte ich schon oft genug verstoßen, da sollte das jetzt auch keinen Unterschied mehr machen.
      Und tatsächlich war ich 10 Minuten später auch schon an der riesigen Forschungsstation angekommen. Schnell parkte ich nah am Eingang, sprang aus dem Fahrzeug und schloss gar nicht erst ab. Mit schnellen Schritten eilte ich zu meiner Abteilung, wo ich hoffte, das Objekt schon begrüßen zu können.

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    • Ein ungewolltes Knurren entkam meiner Kehle, als ich aufwachte und mich in einer ungewohnten Umgebung wiederfand.
      Was zur Hölle-? Wo zum Teufel war ich denn hier?
      Es sah aus wie ein großer Glaskasten. Auf der anderen Seite des Glases erkannte ich eine Gruppe von Menschen, allesammt gekleidet in weißen Mänteln, die mich durch das Glas hindurch intensiv anstarrten.
      Äußerst unangenehm.
      Als sie mein Erwachen bemerkt hatten, begannen sie wild untereinander zu sprechen und zu gestikulieren.
      Mit provokant zurückgelegten Ohren erwiederte ich den Blick jener, die mich ansahen.
      Das Glas schien einen großteil der Laute von außen abzufangen, dennoch erlaubte mein scharfes Gehör mir, einige Wortfetzen gedämpft aufzuschnappen. Nicht dass mir dies irgendwas gebracht hätte... Viele der Worte waren mir fremd, und selbst über die Bedeutung die Worte, welche ich noch wiederkannte, musste ich zu erst einmal nachdenken.
      Es war mittlerweile fast zwei Jahrzehnte her, dass meine früheres Zuhause zerstört wurde und ich meine neue Heimat in der Außenwelt fand. Entsprechend war es auch schon eine ganze weile her, seit ich mit anderen Menschen interagiert oder ihre Sprache gehört hatte. Und für das Überleben in der Außenwelt war Sprache kein all zu nützliches Attribut, sodass ein Großteil meines Wortschatzes mittlerweile in vergessenheit geraten war.
      Wohl oder übel würde ich dies wohl wieder aufgrischen müssen, wurde mir klar.
      Mit misstrauisch zusammengekniffenen Augen ließ ich meinen Blick durch meine Umgebung schweifen.
      Der Kasten in dem ich mich befand war knapp groß genug, dass ich mich gerade aufstellen und einmal der Länge nach hinlegen konnte.
      Bis auf meine Wenigkeit befand sich nichts weiteres hier drinnen. Wie überaus gastfreundlich.
      Während außerhalb des Glases immer mehr Leute auftauchten, setzte ich mich auf, verschränkte meine Arme und schloss die Augen um zu grübeln.
      Wie war ich hierher gelangt?
      Das letzte woran ich mich erinnern konnte war, dass ich draußen auf der Suche nach neuen Vorräten war.
      Ich war bei meiner Reise über eine weitere von Menschen bevölkerte Sicherheitszone gestoßen.
      Auch wenn ich bereits früh die Hoffnung aufgegeben hatte irgendwann wieder in die Zivilisation aufgenommen zu werden, hielt ich mich oft eine Weile in der Nähe auf.
      Meiste fand ich nämlich nützliche Dinge um die Städte herum.
      Abfälle, aus dem Inneren der Sicherheitszonen lockten kleinere Tiere an, weshalb es sich lohnte Fallen für die Jagt in der Nähe aufzustellen.
      Ab und an war ich auch schon auf die Überreste einiger unglücklichen Seelen gestoßen, die versucht hatten, die Zonen zu verlassen und schon im näheren Umkreis verstarben.
      Nicht selten hatten diese noch Proviant oder brauchbare Kleidung an sich, derer ich mich gerne bediente.
      Es mochte sich vielleicht grotesk anhören, aber ein Toter würde wohl kaum noch verwendung für diese Sachen finden, oder?
      Jedenfalls war dies der Grund, warum ich mich dazu entschlossen hatte mich für eine Weile außerlhalb der Sicherheitszone aufzuhalten.
      Eine Weile ging dies auch gut.
      Ich war aber bei weitem nicht die einzige Kreatur gewesen, die den Vorteil in der leichten Beute außerhalb der Mauern erkannt hatte.
      Im Laufe des Tages (war es überhaupt noch der gleiche Tag? Ohne von außen eindringendes Licht ließ es sich schwer sagen) war ich durch ein blödes Unglück auf ein ganzes Rudel Mutanten gestoßen.
      Vielleicht waren diese einst Hunde oder Wölfe gewesen. Mit sicherheit ließ es sich nicht mehr sagen, so deformiert wie ihre Körper waren. Sie jagten jedoch im Rudel und hatten nicht gerade Stumpfe Zähne und Klauen. Am Gefährlichsten waren jedoch ihre Langen, peitschenden Schwänze, die in einem Giftigen Stachel geendet hatten.
      Und zu meinem Pech war ich an diesem Tag derjenige gewesen, den sie auf ihre Speisekarte setzten wollten.
      Normalerweis ehatte ich kein Problem damit, mich selbst zu verteidigen, aber das aus 9 solcher Ungetümer bestehende Rudel war selbst für mich zu viel gewesen, sodass ich mich während des Kampfes wohl zu sehr verausgabt haben musste.
      Mit 7 der Tiere tot am boden, und den überlebenden beiden die Flucht ergreifend, ging ich zwar als klarer Sieger des Gemetzels hervor, jedoch war mein Zustand alles andere als prickelnd.
      Nicht nur meine körperliche Wandlung, sondern auch das Gift der Stacheln, mit denen die Gegner mich einige Male gestreift hatten, setzte mir zu.
      Ich weiß noch, dass ich nach einem versteck gesucht hatte und zu schlafen und meine Kraft wieder zu erlangen.
      Bevor die Erschöpfung mir die Augen zufallen ließ, und ich in diesem Glaskasten hier erwacht war, erinnerte ich mich noch vage daran, den Eingang eines Alten Kanalisationssystems erreicht zu haben.
      Verärgert schaubte ich, als ich realisierte, dass jemand mich dort wohl während meines Schlafes gefunden und hierher gebracht hatte.
      Es erübrigte sich nurnoch die Frage des "Warum?"'s.
      In der Zeit, in der ich meine Gedanken schweifen ließ und still für mich nachdachte, beruhigte ich mich allmälich wieder von meinem anfänglichen Schreck, worauf mein Körper reagierte.
      Langsam zogen sich meine Scharfen Klauen und Zähne auf normale, humane Länge zurück und auch meine Haut nahm nach und nach wieder einen helleren Ton an.
      Ich brauchte keinen Spiegel um zu wissen, dass ich nun, bis auf meine weiterhin glühenden Augen und einiger Abzeichnungen auf meiner Haut, beinahe wieder wie ein ganz normaler Mensch aussehen musste.
      Ich versuchte so ruhig wie möglich zu bleiben, damit dies auch so blieb.
      Ich wollte schließlich Antworten, und ich glaubte kaum, dass ich an diese über friedlichen wege gelangen konnte, wenn ich so aussah, als könnte ich einem jeden der hier anwesenden mit leichtigkeit das Genick brechen. Denn das theoretisch konnte ich dies aus. Aber das musste ich meinen Entführern ja nicht unbedingt unter die Nase reiben. Noch nicht.
      Statdessen stand ich nun langsam, mit weiterhin verschränkten Armen von dem Boden meiner Zelle auf und trat näher an das Glas heran, sodass ich ungefähr auf Augenhöhe zu meinen Entführern stand.
      Ich wusste nicht was ihr Ziel war, oder ob sie auf was bestimmtes von meiner Seite hofften, daher sah ich die Menschen einfach nur erwartungsvoll an und wartete auf ihre Reaktion.
    • Als ich die Tür meiner Abteilung erreichte hörte ich auch schon einige Laute von drinnen. Ungeduldig stieß ich nun die Tür auf, woraufhin mich knapp 10 Männer anblickten und auch gleich darauf zur Seite zu treten. Doch ich ignorierte jeden von ihnen, mein Blick lag einzig und allein auf dem Mann im Glaskasten. Völlig fasziniert trat ich an diesen heran, bis ich unmittelbar davor stand. Der Qualm meiner Zigarette, die schlaff in meinem Mund hing, zog nach oben, in die Lüftung. Der Raum war kalt, Gänsehaut breitete sich auf meiner Haut aus, was wohl eine Mischung aus frieren und der unglaublich großen Verzauberung dieses Mannes war.
      "Gabe! Geh da-" kam es sofort von einem der Männer, doch ich hob nur einen Finger, ließ ihn sofort verstummen. Ich hatte hier das Sagen. Niemand hatte mir mitzuteilen wie nah ich an meine Objekte heran trat.
      "Raus. Allesamt." Ich wollte alleine sein, mit so viel Publikum konnte ich nicht arbeiten. Und schon wieder versuchte jemand zu widersprechen. "Gabe, das ist ein gefährliches Monster! Das kann dich in Sekunden umbringen, wir wissen ja nicht einmal zu was es im Stande ist!"
      Ohne etwas zu sagen nahm ich einen letzten Zug, während ich auf den Störenfried zulief. Natürlich wurde dieser mit jedem meiner Schritte kleiner. Angekommen blies ich ihm den Rauch ins Gesicht, drückte die Zigarette in dem Aschenbecher der neben ihm auf dem Tisch stand.
      Plötzlich wurde meine Stimme laut, viele zuckten zusammen. Er inklusive.
      "Das ist ein Mensch der uns vielleicht alle Fragen beantworten kann! Wir stehen am Abgrund der Erde, denkst du ich lasse mir von einem dahergelaufenen Typ sagen wie nah ich gehen kann? Hm?! Denkst du das?!"
      Wütend blickte ich ihn an, dann schaute ich zum Rest der Gruppe. Diese mieden jeglichen Blickkontakt, verließen sofort den Raum. Sekunden später war ich allein.

      Seufzend fasste ich mir an den Kopf, massierte meine Schläfen, während ich mich auf meinen Bürostuhl fallen ließ. Dann blickte ich den Unbekannten an, zündete mir noch eine Zigarette an, musterte ihn.
      Tausend Fragen schossen mir durch den Kopf. Was war er? Wie war er mutiert? Zu was war er im Stande? Was war da draußen los? Wie sieht es aus, welche Flora und Fauna hat sich durchgesetzt und welche musste klein bei geben?
      So viele Fragen, so wenig Antworten. Bis jetzt.
      Doch erst einmal musste ich es langsam angehen. Schauen, ob er stabil war, reden konnte.
      Also stand ich wieder auf, tappte zu ihm und öffnete die automatische Tür. Nun hatten wir keine gläserne Trennwand zwischen uns, was für mich das Aus bedeuten konnte.
      Sofort fing ich an ihn zu mustern. Eigentlich.. sah er aus wie ein normaler Mensch, wenn man seine Augen und die vielen Narben auf seiner Haut nicht beachtete. Ein zugegeben echt hübscher Typ, wenn ich so nachdachte.
      Seine Gelenke waren nicht verschoben, auch hatte er eine recht normale Statur und Größe. Das was er trug war vielleicht ein wenig Dreckig und zerrissen. Und er roch nach etwas, was mich unentspannt werden ließ.
      Chlor, doch nicht das was man vom Schwimmbad kennt, sondern beißendes, unangenehmes Chlor. Ein Phänomen, welches die beiden letzten Objekte ebenfalls aufgewiesen haben. Allerdings, er sah nicht so aus als würde er in nächster Zeit sterben, ich konnte sogar ein paar Muskeln deuten. Konnte vielleicht sein dass da meine Fantasie wieder mit mir durchging, doch er war stattlich gebaut.

      Bevor ich zu sehr an die Materie dachte strich ich mir die einzelnen Haare aus dem Gesicht, sah ihm in die Augen.
      "Verstehst du mich?"

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    • Es dauerte nicht lange, als ein weiterer Mann den Raum betrat.
      Anhand der Art und weise wie die anderen Männer reagierten und ihm sofort Platz machen war sicher, dass er hier wohl das sagen hatte.
      Er trat so nahe an das Glas heran, welches uns trennte, dass ich die tiefen Augenringe, die sein Gesicht zierten erkennen konnte.
      Schweigend folgte ich dem Schauspiel dass sich mir kurz darauf bot. Die Männer schienen untereinander kleine Uneinigkeiten zu haben und ich musste mir Mühe geben dem gedämpften Gespräch zu folgen.
      Das Resultat war, dass alle bis auf der neu hinzugestoßene den Raum verließen.
      Eine unangenehme Stille breitete sich aus.
      Nach einer weile kam er wieder auf mich zu.
      Ich war nicht gerade wenig überracht, als sich plötzlich das Glas beiseite schob.
      Er hatte meine Zelle geöffnet? Wie überaus unerwartet.
      Nun da uns nun nichts mehr voneinander trennte, nahm ich auch den starken Geruch von Rauch war, der an ihm haftete. Zusammen mit etwas anderem, was ich aber nicht zuzuordnen vermochte.
      Seine Augen schienen vor entschlossenheit förmlich zu glänzen, was ein völliger Kontrast zum Rest seines Gesichtes darstellte, welches eingefallen und vor Erschöpfung gezeichnet war. Auch seine Haltung wirkte eher so als würde ihm irgendetwas weh tun.
      Es war ganz offensichtlich, dass er mir physisch in jeglicher Hinsicht unterlegen war, dennoch stand er nun vor mir, völlig schutzlos und ohne Furcht.
      Ich hatte zwar nicht vor ihn anzugreifen, konnte mich aber nicht davon abhalten mich zu wundern, ob er mutig oder einfach nur blöd war.
      Er stellte mir eine Frage, wobei seine Stimme rauh und rauchig klang.
      Meine Augen verengten sich ein wenig während ich seine Worte verabeitete. Nachdem ich die Bedeutung seiner Worte realisiert hatte gab ich ein kurzes nicken von mir. Nach einigen weiteren Sekunden, in denen ich kurz nach dem richtigen Worten suchte, folgte schließlich auch eine Verbale Antwort "Ja." Ich hatte so lange nicht mehr gesprochen, dass mir meine eigene Stimme schon fremd vorkam. Das würde einiges an Gewöhnung verlangen.
      Mein Blick schweifte für einen Augenblick zwischen dem Fremden vor mir, und der Tür, durch welche die anderen Menschen den Raum verlassen hatten, hin und her.
      Jetzt wo ich wusste wo der Ausgang war und ich nicht mehr von dem Glas umgeben war hielt mich eigentlich nichts mehr davon ab, abzuhauen.
      Nichts, bis auf der schlanke Kerl vor mir und die Neugierde darüber, was er von mir wollte.
      Der logische Teil meine Gehirns riet mir, die Flucht zu ergreifen, schlussendlich siegte jedoch meine Neugierde.
      Und so lockerte ich meine angespannte Haltung ein wenig, wie um ihm zu symbolisieren, dass von mir keine Gefahr ausging.
      Hoffentlich würde ich das nicht bereuen.
    • Bis jetzt hatte man noch keine weitere Emotion außer Erschöpfung aus meinem Gesicht heraus lesen können.
      Bis zu dem Moment, als er mir antwortete.
      Dieses kleine Wort machte etwas mit mir ließ meine Augen größer werden. Meine Augenwinkel zuckten, ich musste mich zusammenreißen nicht zu lächeln oder vor Freude zu hopsen. Der Fakt, dass er mich verstand und sich einigermaßen artikulieren konnte stimmte mich ungemein fröhlich. Doch das bedeutete, dass auch andere ihn verstehen konnten.
      Sobald ich mir das ins Gedächtnis rief musste ich schlucken, mein Gesichtsausdruck änderte sich ins negative.
      Kurz blickte ich mich um, versicherte mich, dass niemand vor der Tür und im Gang war, ehe ich näher an den Mann heran trat und mich zu seinem Ohr lehnte.
      "Tu mir einen Gefallen, ja? Wenn jemand anderes mit dir spricht, tu so als würdest du ihn nicht verstehen und als könntest du nicht reden, okay?", wisperte ich. Ich wollte der einzige sein, der Zugang zu seinen Fähigkeiten hatte. Allen anderen Forschern und Wissenschaftlern traute ich nicht. Denn jeder konnte böse sein.

      Unverzüglich danach nahm ich wieder Abstand zu ihm, als wäre nichts gewesen, rollte den Stuhl vor den Kasten und nahm auf diesem Platz. "Erzähl mir von dir. Oder versuch es. Wie heißt du? Und wie lange bist du schon da draußen?"
      Interessiert beugte ich mich vor, stützte meine Ellbogen auf meinen Knien ab, was wohl spätestens in 5 Minuten weh tun würde.
      Während ich auf eine Antwort wartete ertappte ich mich doch tatsächlich, wie seine Augen mich komplett in den Bann zogen. Sie leuchteten in einem rötlichen Schimmer, was ihm fast schon ein gefährliches Aussehen verlieh. Doch merkwürdigerweise schreckte es mich nicht ab, im Gegenteil. Ich konnte mich kaum von seinem intensiven Blicken lösen, musste mich zwingen, auch mal irgendwo anders hinzuschauen.
      Es war wie eine Verzauberung, die volle Wirkung bei mir erzielte. Mittlerweile nahm ich den Chlorgeruch kaum mehr wahr, alles was meine Aufmerksamkeit erregte war sein Auftreten und diese faszinierenden Augen. Das ganze ging sogar so weit, dass mir ein angenehmer Schauer über den Rücken lief und die Gänsehaut sich verstärkte.
      Noch nie hatte mich etwas so sehr im Griff wie er. Wahrscheinlich merkte er es nicht einmal. Wenn er wollte, konnte er sich jeglichen Vorteil daraus ziehen, was gefährlich für mich und alle anderen werden konnte.
    • Irritiert beobachtete ich den Wechsel der Emotionen die über sein Gesicht huschten, als ich ihm meine Antwort gab.
      Konnte er sich etwa nicht entscheiden ob meine Antwort etwas gutes oder schlechtes war?
      Meine Irritation stieg als er sich mit einem Male nahe an mein Ohr bewegte und mir eine schon beinahe kryptische Anweisung gab.
      Diesmal musste ich mich noch mehr auf seine Worte konzentriern als ohnehin schon, denn der Rauch der Zigarette, die immernoch zwischen seinen Lippen klemmte stach mir in die Nase als er sich zu mir lehnte und in die Rauchwolke mit einschloss, die ihn umgab.
      Durch diese plötzliche und unerwartete Nähe des anderen wurde ich so sehr überrascht, dass mein Körper bereits geringfügig reagierte.
      Es war äußerlich noch nicht viel zu sehen, doch ich spürte, wie meine Zähne und Klauen erneut ein wenig an schärfe gewannen.
      Als er dann endlich wieder zurück wich und sich setzte nutzte ich den Moment einige tiefe Atemzüge zu nehmen ohne den Rauch der Zigarette einzuatmen um mich wieder herunter zu regulieren.
      Er konnte ja nicht wissen, dass ich selber wenig Kontrolle darüber besaß, wie mein Körper sich wandelte und wollte verhindern, dass er den Eindruck gewann, dass ich versuchte ihn durch mein Auftreten einzuschüchtern.
      Weshalb auch immer lag mir etwas daran, keinen schlechten Eindruck bei ihm zu hinterlassen. Wie außerordentlich untypisch für mich selbst, wie mir auffiel.
      So öffnete ich meinen Mund erst wieder um zu antworten, als ich mich soweit reguliert hatte, bis ich mir sicher war, dass meine Reißzähne wieder eingefahren waren.
      "Darryl." Beantwortete ich die Frage nach meinem Namen kurz und bündig. Nach so langer Zeit meinen eigenen eigenen Namen mal wieder zu hören fühlte sich... komisch an.
      Als wäre er nichts weiter als ein Überbleibsel einer längst vergangenen Zeit.
      "Wie lange, weiß ich nicht." Ich formulierte die Worte langsam und versuchte mich wieder an den Klang meiner eigenen Stimme zu gewöhnen. Verdammte fühlte sich das ungewohnt an. Ein wenig kam ich mir vor wie ein Kleinkind, welches gerade erst das Sprechen lernte.
      Ich rang für einen Moment nach Worten um zu beschreiben wo ich herkam.
      "Lebe draußen seit unser Bunker zerstört ist." Allein diesen Satz zu formulieren fühlte sich schon an wie einen Roman wieder zu geben.
      Wie unangenehm. Aber nach und nach kamen mir die Worte wieder vertraut vor, sodass viele der Begriffe mir wieder schneller in den Sinn kamen.
      "Wer bist du? Wo bin ich?" Stellte nun ich meine Fragen, bevor der andere die Chance hatte mir weitere Fragen zu stellen.
      Ich wollte ja schließlich auch Antworten haben, nicht nur er. Da war es doch bloß fair, abwechselnd Fragen zu stellen.
      Während des Gespräches lagen meine Augen permanent auf ihn und musterten jedes Detail.
      Sein zerzaustes Haar, seine fahle Haut, der ungleichmäßig wachsende Bart, seine schmale Statur... als wir uns zuvor am Kasten gegenüberstanden hatten, war er von der Höhe her nur knapp einen halben Kopf kleiner als ich, aber von der reinen Masse her, wirkte er so als würde er kaum die Hälfte von mir selbst wiegen.
      Gab es innerhalb der Sicherheitszonen etwa nicht genug zu essen? Schoss es mir durch den Kopf. Die anderen Menschen die er aus dem Raum geschickt hatte, wirkten jedoch nicht annähernd so dürr wie er.
    • Zwar tat er sich schwer beim Sprechen, doch ich verstand was er sagte. Anhand dessen kam ich zum Entschluss, wie lange er schon dort draußen gewesen sein musste. Entweder das oder er war dauerhaft allein, jedenfalls ohne menschliche Interaktion. Denn so so einfach konnte man sich seiner Stimme nicht entwöhnen.
      Er glich ein wenig diesen Kindern, die von Tieren aufgezogen worden waren und ihr bisheriges Leben in der Wildnis verbracht hatten. Nur das er kein Mogli war, sondern jemand der sich in einem Gebiet voll mit gefährlichen Seuchen und Viren aufgehalten hatte. Vielleicht hatte er Krankheiten, die mir nicht bekannt waren und nicht bekannt sein konnten. Vielleicht hatte ihn ein Parasit befallen, welcher schlau genug war mein Vertrauen zu gewinnen.
      Vielleicht hatte ich den Tod zu mir geholt.
      Doch ich brauchte Antworten, musste wissen was genau da draußen vor sich ging. Also schob ich alle schlechten Gedanken bei Seite und konzentrierte mich auf das Wesentliche.

      Natürlich hatte ich die Veränderungen an seinen Zähnen und seinen Händen bemerkt, doch ich empfand es als Fair, ihm seine Fragen erst zu beantworten. Immerhin hatte er ja ein gutes Recht darauf.
      Also lehnte ich mich an die Lehne des Stuhls, drückte die Zigarette an einem anderen Aschenbecher aus, die hier überall verstreut standen. Anscheinend mochte er den Geruch von brennendem Tabak nicht, denn er hatte nicht geatmet, als ich näher bei ihm war.
      "Ich bin Gabe. Und du bist in einem Forschungslabor. Ich brauche dich um zu verstehen was da draußen vor sich geht, verstehst du?" Meine Stimme war leise und ich redete langsam, ich wollte sichergehen dass er alles verstand was ich ihm da erzählte.
      Kurz huschte mein Blick zur Uhr an der Wand, es war bereits halb 3. Schlaf würde ich wohl heute nicht mehr bekommen. Denn Darryl konnte ich nicht einfach alleine lassen. Ihn mit zu mir nach Hause zu nehmen war auch keine Option. Da hieß es nur durchhalten, und wenn es nötig war hier auf einer der Liegen einen Powernap zu machen.
      Nicht gerade angenehm, doch alles für die Wissenschaft.

      Gerade wollte ich weiter Reden, da grummelte mein Bauch. Und das nicht gerade leise. Peinlich berührt schaute ich zur Seite und spannte meinen Bauch an, um das Gefühl von Hunger schneller enden zu lassen. Ich gestand es mir ungerne ein, doch in der letzten Zeit hatte ich mich wohl etwas zu sehr gehen lassen und meine Bedürfnisse vernachlässigt. Kein Wunder dass die Waage wie so oft 5 Kilo weniger anzeigte, wenn ich mich denn Mal darauf traute. Und jetzt war wieder keine Änderung in Sicht.
      Jetzt war ich so nah an einer Antwort, dass ich mich gar nicht voranstellen wollte und es auch nicht konnte.
      Als endlich wieder Ruhe einkehrte stand ich auf, streckte meinen Rücken durch, was ich dank Schmerzen gleich wieder ließ.
      "Hast du Hunger?", fragte ich, schaute ihn an.
    • Erleichtert atmete ich ein wenig durch als der Mann, welcher sich nun als Gabe vorgestellt hatte die Zigarette aus drückte und die letzten beißenden Rauchschwaden langsam in der Luft versiegten.
      Auf einer Seite war ich ihm dankbar, dass er sein Sprechtempo anpasste, was es mir deutlich leichter machte ihm zu folgen, aber andererseits fühlte ich mich so noch mehr wie ein Kleinkind als ohnehin schon.
      Bei dem Wort Forschungseinrichtung wurde ich direkt hellhörig. Ohne Zweifel war ich hier das Forschungsobjekt, was er mir auch mit seinen nächsten Worten bestätigte.
      Misstrauisch hob ich eine Augenbraue.
      Mir war durchaus bewusst, dass ich alles andere als der Norm entsprach.
      Die meisten Menschen die mit der Außenwelt in Kontakt gerieten überlebten generell nicht lange. Entweder sie wurden von Mutierten zerfleischt oder lebten lange genug um selber zu mutieren und ihre menschlichkeit zu verlieren.
      Ich war zwar im laufe der Zeit ebenfalls mutiert, war aber noch völlig ich selbst.
      Irgendwo war also offensichtlich, dass ich von interesse für solche Forscher war.
      Dennoch ahnte ich, dass eventuell mehr auf mich zukommen könnte als nur freundliche Gespräche mit Gabe.
      "Ich verstehe." Gab ich zurück und wählte meine nächsten Worte sorgsam aus. "Ich werde helfen. Aber..." fieberhaft suchte ich nach den richtigen Worten. "Nicht einsperren." Wie um meiner Forderung nachdruck zu verleihen deutete ich auf die Öffnung des Glaskastens, welche Gabe bereits geöffnet hatte.
      Ich war zwar durchaus interessiert dabei, Gabe bei seiner Forschung zu unterstützen, nicht zuletzt deshalb, weil auch ich mich nach Antworten sehnte. Aber nochmal eingesperrt werden wollte ich unter keinen Umständen. Mir hatte es schon gereicht vorhin in diesem Glastaksten zu erwachen.
      Bei dem Gedanken künftig in diesem winzigen Ding zu leben sträubte sich mir jedes Haar.
      Meine Gedanken scheiften ab, als Gabes Magen knurrte.
      Als hätte das Geräusch meinen eigenen Körper wieder daran erinnert, dass auch er mal wieder was essen könnte, begann auch mein Magen sich zu melden.
      Na super.
      Die frage nach meinem Hunger bejahte ich mit einem nicken. Ja, was zu essen klang jetzt wirklich gut.
      Bei der Gelegenheit erinnerte ich mich vage an eine Redewendung die ich früher schon einige Male gehört hatte.
      Wie ging diese noch gleich? Angestrengt legte sich meine Stirn in Falten.
      "So Hungrig, ich könnte dich fressen." Moment. Das klang nicht ganz richtig. "Nein. Ein Pferd. Ich könnte ein Pferd fressen." Korrigierte ich mich schnell bevor er noch dachte, dass ich womöglich zu Knaibalismus neigen könnte.
      Klasse. So viel zum Thema einen guten Eindruck zu hinterlassen. Verlegen wandte ich mein Gesicht zur Seite.
    • Nach seiner Reaktion auf meine Frage erhob ich mich, lief vor zu der anderen Tür, die sich mit im Raum befand. Er wollte also nicht eingesperrt werden.
      Verständlich.
      Zwar war ich kein Mutierter, doch ich wusste wie es war eingesperrt zu sein. "Nein, keine Sorge. Hier sperrt dich niemand ein. Und solange du unter meiner Beaufsichtigung bist wird dir auch niemand zu Nahe kommen."
      Kurz bevor ich die Tür öffnete schaute ich noch einmal zu ihm, nickte dann in die Richtung der Türe. "Komm. Du brauchst keine Angst haben, Darryl." Wenn er denn so etwas wie Angst verspürte. Jahre dort draußen mussten ihn abgehärtet haben, resistent gegen alles Negative.
      Ich wartete bis er mir folgte und betrat dann den Raum hinter der Tür. Eine kleine Küche, es passten gerade so eine Küchenzeile und ein winziger Tisch mit zwei Stühlen hinein. "Setz dich." Schon fing ich an Kaffee zu kochen und machte die Kühlschranktür auf, in Welchem sich allerlei Lebensmittel befanden. Doch das meiste war nicht angerührt, da ich immer kaufte und nie aß. Stattdessen trank ich Kaffee und rauchte, was mir früher oder später den Tod bringen würde.
      Kurz überlegte ich was ich Darryl anbieten konnte, bis ich mich für den Topf mit Suppe entschied, den mir eine Kollegin aus einer anderen Abteilung zu meinem Geburtstag vor 2 Tagen gebracht hatte. Der Topf war schwer, es war eine Last diesen auf den Herd zu heben, was man mir auch ansah.
      "Essen ist gleich fertig, muss nur noch aufgewärmt werden."
      In der Zwischenzeit war auch der Kaffee fertig geworden, von welchem ich mir gleich eine Tasse in den Rachen kippte. Schwarz, ohne Zucker. Süß war nichts für mich, schon von dem kleinsten bisschen Zucker bekam ich Zahnschmerzen und Übelkeit. Eine Macke, welche mir früher als Kind oft zur Last gefallen war.
      Still schweigend wartete ich darauf, dass die Suppe eine angenehme Temperatur erreichte, bevor ich etwas davon auf einen Teller schöpfte und meinem Gegenüber diesen mit einem Löffel vorzusetzen. Ich selbst nahm mir eine Banane und setzte mich zu ihm.
      "Ist Huhn drinnen."
      Meiner Stimmlage konnte man entnehmen dass ich nicht besonders begeistert von dem genannten Huhn war. Man konnte es mir nicht verübeln, immerhin konnte man seit einigen Jahren kein richtiges Fleisch kaufen.
      Viren von draußen hatten Nutztiere befallen, welche bei oraler Zufuhr sofort mit dem Tod einhergingen. Neben Hühnern hatte es Kühe, Ziegen, Pferde, Fische und sogar Frösche befallen. Seitdem wurden Fleischalternativen und Ersatzprodukte in der Industrie hergestellt und Milliarden in diesem Geschäft gemacht.
      Denn wenn man die Augen schloss und die Zustände vergaß, schmeckte es fast wie echtes Fleisch, was natürlich Vegetariern und Veganern sehr mundete.
      Ich hielt nichts von dieser grotesken Art Fleisch herzustellen. Schon seit Anfang des Konzepts nicht. Ich vermutete sogar, dass in diesem Chemiecocktail Suchtstoffe mit eingearbeitet waren. Niemand wusste, was genau dort mit rein verarbeitet war. Deshalb hatte ich die Suppe bis jetzt noch nicht angerührt. Doch meine Gründe musste ich ja Darryl nicht verraten.
      Die Banane schälte ich und biss ab, deutete dann auf den kleinen Obstkorb.
      "Da sind auch Äpfel und Birnen drin, wenn du magst."
    • Beruhigt nickte ich, als Gabe mir zusicherte, dass ich nicht mehr eingesperrt werden würde.
      Gut, denn eine Nacht in diesem kleinen Kasten verbringen zu müssen hätte mich vermutlich an den Rand des Wahnsinns getrieben.
      Auf seine Einladung hin folgte ich ihm in die Küche wo alles... äußerst merkwürdug roch.
      Hier drinnen sollte es was essbares geben?
      Wenig überzeugt folgte ich jedem seiner Bewegungen und stellte mich hinter ihm, um über seine Schulter hinweg neugierig zu beobachten was er machte, wntgegen seiner Anweisung, mich zu setzen.
      Als er begann den Kaffe aufzubrühen, erkannte ich augenblicklich den Geruch wieder. Es war der Geruch der neben dem Rauch ebenfalls intensiv an Gabe haftete, und den ich zuvor nicht zuordnen konnte.
      Interessiert beäugte ich die braune Flüssigkeit. Wirklich schmackhaft roch es nicht. Im Gegenteil, bei dem seltsamen Geruch musste ich ein wenig die Nase rümpfen.
      Dennoch tranken Menschen davon. Schmeckte ihnen sowas etwa? Seltsame Leute.
      Meine Aufmerksamkeit richtete sich auf den Kühlschrank den Gabe soeben geöffnet hatte und einen Schwer aussehenden Behälter heraus holte.
      Ich setzte an um ihm beim tragen zu helfen, doch er schien es bereits ohne meine Hilfe gelöst zu haben.
      Als Gabe erklärte, dass das Behältnis Huhn beinhaltete, hellte sich meine Miene auf.
      Ja, an Huhn konnte ich mich erinnern.
      Als Kind hatte ich es Mal gegessen. Damals, als ich noch mit den anderen Menschen in der Sicherheitszone gelebt hatte.
      Ich erinnerte mich noch daran, dass ich den Geschmack geliebt hatte.
      Nachdem ich begonnen hatte draußen zu leben, ernährte ich mich von so gut wie allem was das Unglück hatte mir in die Quere zu kommen.
      Viele der gefederten Wesen, die vor ihrer Mutation wohl Vögel gewesen waren, besaßen einen ähnlichen Geschmack. Nur leider waren sie unfassbar schwer zu Jagen wenn sie in die Luft fliehen konnten. Bei den Gelegenheiten in denen es mir jedoch gelungen war sie dennoch einzufangen, waren sie so ziemlich eine der besten Nahrungsquellen die ich draußen finden konnte.
      Bei dem Gedanken nun wieder Huhn essen zu können ohne es vorher mühevoll jagen zu müssen, sammelte sich bereits Speichel in meinem Mund.
      Hungrig führ ich mit der Zunge über meine Lippen und musterte den Teller vor mir auf dem Tisch.
      Daneben lag ein Löffel. Du liebe Güte wie lange hatte ich so einen schon nicht mehr verwendet? Nach meiner Mutation hatte ich noch eine weile versucht mit Besteck zu Essen, um irgendwo noch zivil zu bleiben. Dies hatte sich aber ziemlich schnell als ziemlich ineffizient erwiesen, weshalb ich es auch zügig wieder sein gelassen habe.
      Nach gewohnter manier steckte ich also anstelle des Löffels einen Finger in die heiße Suppe und führte diesen zu meinem Mund, um das Gericht zu probieren.
      Was auch immer das für ein Geschmack sein sollte, es schmeckte eindeutig NICHT so wie er Huhn in erinnerung hatte.
      Jede Mutierte Lebensform die er außerhalb der Mauern erlegt hatte schmeckte besser als... was auch immer das hier war.
      Ich konne die Grimasse die ich durch den Geschmach ziehen musste nicht verstecken.
      "Sowas esst ihr?" Fragte ich nur, während ich den Teller ein kleines Stück von mir weg schob.
      Ich verstand, warum Gabe selber sie nicht aß und musterte statdessen das lange Obststück welches Gabe vor mir aß. Selbst aus dieser Entfernung roch es schon wesentlich appetitlicher als die Suppe es tat.
      Ich folgte also seinem Angebot und bediente mich an dem Obstkorb, auf den er mich verwiesen hatte.
      Von den zur Auswahl stehenden Obstsorten, wirkte eine runde grüne Birne besonders schmackhaft auf mich. Sogleich schnappte ich mir diese und schnupperte kurz daran. Wesentlich besser!
      Genüsslich biss ich in das Saftige Fallobst hinein und merkte, wie der saft mir das Kinn hinunter lief.
      Für den Moment war ich aber einfach zu hungrig um mir große Gedanken um mein Erscheinungsbild oder meine Manieren zu machen. Nach der Birne mussten noch zwei Äpfel und eine Birne durch mich das Zeitliche segnen, bevor ich halbwegs satt genug war um mich wieder an Gabe zu wenden.
      "Was ist das?" Fragte ich neugierig und deutete auf die braune Brühe in seiner Tasse, dessen Geruch mich zuvor bereits agitiert hatte.
    • Tatsächlich dachte ich dass er die Suppe essen würde, doch wurde eines Besseren belehrt. Jedoch überraschte es mich nicht. Das, was ich von dem Geschmack noch in Erinnerung hatte trieb mir ein wenig Würgereiz in den Hals. Auf seine Fragen hin seufzte ich nur und schüttelte den Kopf. Vielleicht war es ja doch nicht schlecht ihm die Wahrheit zu erzählen, besonders jetzt, da er es genau so sehr verabscheute.
      "Leider ja. Aber ich nicht. Denn Fleisch, so wie du es vielleicht noch kennst gibt es nicht mehr. Die ganzen Tiere sind krank geworden und konnten nicht mehr gegessen werden, also wird das ganze jetzt künstlich hergestellt. Wie das schmeckt hast du ja bereits gekostet.", erklärte ich kurz und knapp. Ein Weilchen schaute ich ihm noch beim Essen zu, amüsierte mich ein wenig, wie der Saft der Birne auf dem Tisch tropfte, ehe ich ihm ein Stück Zewa reichte und sein Kinn dann kurzerhand selbst abwischte. "Scheinst wohl lange nichts mehr richtig gegessen zu haben, hm?"
      Die Suppe schüttete ich zurück in den Topf, das ganze würde wohl später im Klo landen, da es sowieso niemand aß. Als er mich Fragte was Kaffee war setzte ich mich wieder zu ihm. "Das ist Kaffee, das trinkt man wenn man müde ist. Willst du mal Probieren? Ist ganz bitter, wird dir vermutlich nicht schmecken.", gab ich als Antwort und neigte die Tasse etwas zu ihm. Da er den Geruch davon schon nicht mochte würde ihn der Geschmack wohl weniger überzeugen. Kaffee war, vor allem schwarz, erst recht nichts für seine verkümmerten Geschmacksknospen, wohl möglich würde er sich sogar davon übergeben. Allen voran mit der Suppe im Magen.
    • Aufmerksam hörte ich Gabe zu als er über das künstliche Fleisch erzählte.
      Wie überhault jemand dieses freiwillig aß wunderte mich. Aber wenn es sonst nichts anderes gab, überwog irgendwann die Verzweiflung... und nur vom Obst, so lecker es auch war, wurde wohl niemand dauerhaft satt.
      War das das einzige was Gabe aß? Kein Fleisch, sondern nur dieses Obst und Kaffee?
      Ich musterte ihn nachdenklich. Erklärte das vielleicht, warum er so dürr war?
      Auf seine Frage hin, dass er lange nichts mehr gegessen hatte, legte er seinen Kopf etwas schief. "Gegessen habe ich. Ich brauche aber viel. Verbrauche viel Energie." Versuchte ich in knappen Sätzen zu erklären. Auch wenn das sprechen mir mittlerweile leichter fiel als zu beginn, stolperte ich immernoch über einige Worte und musste für andere noch lange überlegen.
      So wusste ich zum Beispiel nicht, wie ich anders erklären konnte, dass ich einfach viel mehr essen brauchte um meinen rasanten Metbolismus, der es mir erlaubte meine Erscheinung zu verändern, aufrecht zu erhalten. Aus Erfahrung wusste ich, dass sich zu wenig essen bei mir schnell Körperlich auswirkte.
      Als Gabe mir den Effekt des Kaffees erklärte, konnte ich nun auch begreifen warum dieser trotz seines grässlichen Geruches dennoch getrunken wurde.
      Die Effizienz überwog hier also das Aroma.
      Trotz der Warnung des anderen Mannes darüber, dass mir das Getränk vermutlich nicht schmecken würde, war ich neugierig und nahm den Becher, den er mir entgegen hielt entgegen.
      Ich roch noch einmal kurz daran, bevor ich einen kleinen Schluck nahm.
      Bitter war untertrieben. Kaum war der Kaffee mit meinen Geschmacksknospen in berührung gekommen, verzog ich das Geischt bereits angewiedert.
      Die Suppe war wiederlich, ja, aber das hier? DAS erschlug meine Geschmacksknospen förmlich
      Meine Reaktion fiel so stark aus, dass ich instinktiv und unbeabsichtigt meine dunklen Klauen ausfuhren.
      Das Resultat: Der Becher in meiner Hand zerbarst.
      Perplex sah ich von dem traurigen, in Kaffeeresten getränkten Scherbenhaufen in meinen Händen zu Gabe und wieder auf die Scherben zurück.
      "Das war ein versehen." Entschuldigte ich mich schnell und wischte den Kaffee von meinen Händen. Im mutierten Zustand war meine Haut um einiges Robuster als in meiner Menschlichen Erscheinung, weshalb die Scherben mir zum Glück keine Wunden bescherten. Obwohl diese mich vernutlich nicht zj sehr gestört hätten. Mit meinem Metabolismus waren kleine Schnittwunden innerhalb weniger Stundne wieder völlig regeneriert.
      Dennoch ärgerte ich mich sehr über die versehentliche Beschädigung von Gabes Eigentum. Hoffentlich hing er nicht zu sehr an dieser Tasse?
      Ich versuchte mich nicht all zu sehr über dieses kleine Missgeschick zu ärgern, da ich wusste, dass meine Frustration nur dazu führen würde, dass mein Körper sich noch weiter wandeln würde als er es ohnehin bereits tat.
      Zwischen meinen Haaren spürte ich bereits wieder ein paar kleiner Hörner hervor lugen, welche ebenso rabenschwarz wie mein Haar waren und daher -so hoffte ich- nicht all zu sehr auffielen.
    • Ich schaffte es nicht mehr ihn vom Trinken abzuhalten. Ich wollte schon seufzten und meinen dass ich es ja gesagt hatte, doch es passierte etwas, was mich völlig verblüfft und mit weit geöffneten Augen da sitzen ließ. Wie in Zeitlupe konnte ich beobachten, wie seine Hände schwärzer wurden, ihre Form änderte. Auch die kleinen Hörner auf seiner Stirn ergriffen meine Aufmerksamkeit. Die Tasse zerbrach, was mich zum Entschluss brachte dass er so sehr viel Kraft ohne besondere Anstrengung haben musste.
      Kurz schaute ich zu den Scherben, die mitsamt dem Kaffee auf dem Boden landeten, dann wieder zu ihm. Die Schwärze zog ein wenig seine Arme herauf, auch seine Augen begonnen minimal zu leuchten. War das seine Mutation? Auch hatte er keine Schnittwunden an der Hand, was bei anderen Menschen üblich gewesen wäre.
      Ich brauchte kurz einen Moment um zu realisieren und ihm zu antworten. "O-oh, kein Problem. Die Tasse war sowieso schon alt.", versuchte ich ihn zu beruhigen. Denn ich hatte eine Vermutung, was seine Mutationen auslösen konnte. Also stand ich auf und reichte ihm ein Stück Zewa, nahm mir dann selbst die Kehrschaufel und beseitigte das, was auf den Boden gefallen war. Alles landete im Müll und die Schaufel an ihrem alten Platz, bevor ich mich vor den sitzenden Darryl stellte und seine Haare anhob, nur um über die Hörner zu fahren.
      Ich wartete gar nicht erst auf eine Reaktion von ihm, berührte ihn einfach. Meine Hände waren zwar kalt, doch ich musste mir in diesem Moment einfach sicher sein, dass er da wirklich Hörner hatte und wie sich diese anfühlten.
      Es war ein wenig wie der Stoßzahn eines Elefanten, nur noch robuster. Und nicht so rau.
      "Wow, das.. das ist unglaublich..", murmelte ich zu mir selbst, blickte dann in sein Gesicht. "Darryl, das ist unglaublich!" Er wusste das wahrscheinlich selbst, doch ich war einfach zu fasziniert von ihm.
      Jetzt durfte das nur niemand anderes sehen, sonst würden sie den Armen Jungen in eine Glaszelle stecken und unmenschliches an ihm ausprobieren. Vor allem die Pharmavertreter wurden bei so etwas hellhörig. Sie würden es als Krankheit abstempeln. Immerhin, mit Angst ließ es sich besser Manipulieren. Und Darryl würde das sicher nicht gefallen. Vielleicht würde er Dinge tun, die Gefährlich für andere sein konnten. Denn immerhin hatte ich nur eine grobe Vermutung, durch was er so einen Zustand erreichte.
    • Ich hatte mit vielen Reaktionen Gerechnet.
      Angst zum Beispiel. Beim Anblick meiner spontanen Mutation.
      Oder vielleicht auch Wut, weil ich nicht nur seine Warnung ignoriert, sondern auch sein Eigentum zerstört hatte.
      Womit ich aber nicht gerechnet hatte, war seine aufrichtige Faszination, nachdem er meine Sauerei beseitigt hatte.
      Ich war zu perplex darüber, als er plötzlich meine Haare anhob um die Hörner zu untersuchen, dass ich einfach erstarrte und ihn gewähren ließ.
      Die Kälte seiner Hände jagte mir einen kurzen Schauer über den Rücken. Auch wenn sie vielleicht nicht danach aussahen, waren meine Hörner durchaus empfindlich.
      Ähnlich wie die Wärmesensoren einer Schlange, konnte ich mit diesen feine Temperaturunterschiede erkennen.
      Wie genau das biologisch funktionierte? Keinen Plan. Ich hatte nur eines Tages bemerkt, dass es mir im Dunklen leichter fiel, die Position warmblütiger Wesen zu erfassen, ohne diese optisch sehen zu müssen.
      Daher brachte die plötzliche Kälte, die Gabes Hände ausstrahlten, meinen Kopf für einen Moment zu drehen.
      Anstatt mich herunter zu regulieren, wurde ich innerlich nurnoch aufgewühlt, was mein Körper auch genauso wiederspiegelte.
      Schnell griff ich nach Gabes Händen und umklammerte sie. Da ich aber nicht genau einschätzen konnte, wie viel Stärker ich im vergleich zu ihm war, und ihn nicht verletzten wollte, bemühte ich mich, darum, seine Hände möglichst sanft zu umfassen.
      Das Bild der zerbrochenen Kaffeetasse war mir noch schmerzhaft präsent vor Augen. Seine Hände sollten nicht das nächste sein, was ich zerbrach.
      "O-Okay. Lass mich kurz durchatmen." Meine Stimme, die mir zuvor ohnehin schon fremd vorkam, besaß zu meiner eigenen überraschung nurn einen komplett anderen Unterton. Wie das Knurren eines wilden Tieres, das sich zwischen meine Stimmbänder gemogelt hatte.
      Ich musste mich echt wieder beruhigen. Langsam hatte die Schwärze meiner Haut beinahe meinen Ganzen Körper überzogen und mein Schweif war ebenfalls bereits sichtbar.
      Zudem war ich mir ziemlich sicher, dass ich, wenn ich nun von dem Stuhl aufstehen würde, mindestens einen weiteren Kopf größer als er sein musste, als ohnehin schon.
      Ich war so sehr in meine sorgsamen Gedanken vertieft, dass ich garnicht so recht realisierte, dass ich Gabes Hände immernoch mit meinen umschlossen hielt.
    • Seine Hände waren groß. Verdammt groß. Er hatte so ja schon größere als ich gehabt, doch nun waren diese um Einiges gewachsen. Er konnte meine Arme einfach so umgreifen. Und auch war da irgendetwas in seiner Stimme, was mir Gänsehaut verpasste. Ein Knurren, tiefes Grollen. Dazu kam die Schwärze, die seinen Körper übernommen hatte.
      Ich hatte keine Angst, allerdings wollte ich auch nichts tun, was ihn verärgerte. Zwar versuchte er anscheinend mich nicht zu verletzen, trotzdem war sein Griff relativ fest. Und da er gewachsen war hatte ich nun direkten Augenkontakt mit ihm. Würde er stehen müsste ich wahrscheinlich meinen Kopf in den Nacken legen, um in sein Gesicht sehen zu können. Deshalb hatten wir auch nur wenig Abstand zueinander.
      Körperkontakt ließ mich innerlich kleiner werden, weshalb ich ein wenig errötete und schlucken musste. Er sah zwar aus wie er aussah, doch war immer noch ein Mann und mir sehr nah. "Darryl, würdest du.. also..", brachte ich hervor, bewegte meine Hände ein wenig. Von alleine konnte ich mich wohl kaum befreien dafür hielt er meine Arme mit einem engen Griff fest.
      Er schien gerade auch in Gedanken zu sein, was ihn wohl beschäftigte? Vielleicht dachte er, ich sei doch sauer, wegen der Tasse. Oder was ich zu dieser Form seines Aussehens sagen oder denken würde.
      Er hatte mich noch nicht losgelassen, da hörte ich plötzlich wie die Tür zum Labor geöffnet wurde. Zum Glück war die der Küche verschlossen, sonst hätte man sehen können, was sich darin befand. "Gabe?", hörte man eine tiefe, männliche Stimme rufen. "Gabe, wo ist er?"
      Fuck. Das war Jake. Er wusste genau dass ich ihn nicht hier haben wollte, dennoch widersetzte er sich meinen Regeln. Kurz blickte ich zu Darryl, dann zur Tür. "Komme gleich!"
      Man sah mir an, dass ich besorgt aussah. Auch wenn ich versuchte es zu verstecken, das war gerade der unpassendste Zeitpunkt Jake hier zu haben. Würde er herausfinden wie Darryl aussah, war es vorbei mit meinen Forschungen. Er würde mir entzogen werden, wohin wollte ich mir erst gar nicht ausmalen.
    • Verdammt. Wäre ich nicht so in meine Gedanken versunken gewesen, hätte ich die Schritte, die sich dem Labor genähert hatten beriets früher wahrgenommen. Stattdessen rief mich die fremde, weniger sympathische Stimme wieder in die Realität zurück, wo ich immer noch Gabes Hände in meinen Hielt. Schnell ließ ich diese Los, sodass er sich wieder frei bewegen konnte.
      Seine Reaktion ließ darauf schließen, dass die unerwartete Anwesenheit des Fremden alles andere als gut war. Das bestätigte auch der plötzliche Geruch nach Adrenalin, den der Forscher nun verströmte.
      Schon beinahe Instinktiv legte ich meine Ohren an und ein kaum wahrnehmbares, tiefes grollen entkam meiner Kehle.
      Meine Intuitive Seite wollte dafür sorgen, dass der Störenfried verschwand. Ihn einfach aus dem weg räumen.
      Doch meine logisch denkende Seite hielt mich zum Glück davon ab. Damit würde ich Gabe vermutlich keinen Gefallen tun. Eher im Gegenteil.
      Also entschied ich mich für die vermutlich klügere Alternative: Bedeckt bleiben.
      Ich hatte nicht vor herauszufinden, ob Gabes überraschend positive Reaktion auf mein Äußeres ein Einzelfall oder aber die Norm war.
      Leise stand ich auf und bewegte mich hinter die Tür, sodass man mich, wenn man die Tür in den raum öffnete nicht direkt erblickten konnte.
      Jedoch vergaß ich dabei, dass ich in der Zwischenzeit etwas größer war als zuvor. Ich war so gewohnt, unter freien Himmel zu leben, dass ich das Konzept der Decke für einen Moment völlig vergaß. Dieser Moment reichte aus, um in meiner flüchtigen Unachtsamkeit mit meinem Horn über die Deckenplatte zu kratzen, bevor ich daran dachte, meinen Kopf etwas zu senken.
      Hoffentlich hatte man dieses Geräusch von außerhalb nicht all zu sehr wahrgenommen...?
    • Nun hörte man Schritte auf uns zu kommen. Jetzt musste ich schnell handeln, denn Darryl sah nicht so aus, als wenn er sich in der nächsten Minute wieder in seine alte Form zurückkehren würde. "Bleib leise, egal was er tut.", flüsterte ich zu ihm. "Egal was er macht."
      Ich wusste genau, was Jake vor hatte. Und es gefiel mir nicht.
      Also betrat ich das Labor, hatte mir vorher noch einen Lappen genommen, mit dem ich meine Hand abwischte. "Was willst du? Ich sagte doch ich will allein sein, Jake. Ich muss arbeiten.", murrte ich, kam auf ihn zu. Sein Blick gefiel mir gar nicht. Es war eine Mischung aus Spott und etwas Gefährlichem, weshalb ich auf Abstand blieb.
      Nun wurde ich gefragt was ich denn in der Küche wollte, was mich verwirrt zurück ließ. Gerade wollte ich antworten, da fing er an zu grinsen. Oh nein. " Wolltest wohl das Gefühl von früher wieder haben, hm?", kam es grinsend von ihm, während er sich über die Lippen leckte. Er machte bedrohliche Schritte auf mich zu, was mich feige zurückweichen ließ.
      Ich hasste Jake. Denn er hatte mich vor einem halben Jahr immer wieder belästigt, bis er dann einen Schritt weiter ging. Zwar versuchte ich es zu vergessen, doch er provozierte immer weiter. Ich konnte ihn anzeigen, doch im Moment hatte ich einfach keine Zeit und Kraft, mich damit auseinanderzusetzen. Noch dazu kam, dass ich ihm körperlich unterlegen war. Jake war muskulös , trainiert. Ich dagegen war ein Witz.
      "Hör auf, verdammt noch mal. Ich hab gesagt ich muss arbeiten! Was verstehst du daran nicht?!" Wütend blickte ich ihn an. Er schaute nur dumm grinsend zurück. "So wild mag ich dich, Stevens~"
      Angewidert ballte ich meine Faust, musste mich zurückhalten nicht auf ihn loszugehen. Ich wusste ja wie das ausging. Er auch, zu meinem Nachteil. Also atmete ich durch, versuchte mich zu beruhigen. "Was willst du?", keifte ich, verschränkte die Arme vor der Brust. "Ach, eigentlich nur mal nach dem Objekt sehen. Mehr eigentlich nicht."
      Wichser. Ich wusste genau, dass er nicht wegen Darryl hier war. Wahrscheinlich hatte er gedacht ich wäre alleine da, bis ihm der Glaskasten aufgefallen war.
      "Niemand sieht ihn, ich arbeite alleine. Für dich mache ich keine verschissene Ausnahme."
      Zu meinem Glück drehte er relativ schnell um und verließ den Raum, nachdem sein Handy klingelte. Ich konnte auch seine Fußschritte hören, die sich immer weiter weg bewegten. Kurz darauf sank ich zu Boden, sein Besuch hatte meinem Selbstwertgefühl erheblich geschadet. Denn er rief mir wieder die schlimmen Bilder in den Kopf, erinnerte mich an einen Tiefpunkt meines Lebens. Würde ich weinen, hätte ich es spätestens jetzt getan.
    • Gabes Anweisung klang schon so danach, als würde mit sicherheit etwas ungutes geschehen.
      Anstatt wiederspruch zu leisten, nickte ich auf seine Anweisung nur schweigend.
      Ich war mir ohnehin unsicher, wie gut ich mich jezt noch artikulieren konnte, so weit wie ich mittlerweile wieder mutiert war. Bei nur halb so starker wandlung hatte ich zuvor schon eine Knurrende Stimme gehabt. Wollte ich wirklich jetzt herausfinden wie ich nun klang, mit dieser anderen Person im nebenraum?
      Ich beschloss dieses Feldexperiment auf ein anderes Mal zu verschieben und konzentrierte mich auf das geschehen im Nebenraum.
      Auch ohne sehen zu können was passierte, bekam ich einiges mit. Vor Gabes Anspannung.
      Die beiden schienen eine gemeinsame vergangenheit zu haben. Eine Vergangenheit die Gabe nur wenig Freude bereitete, wie unschwer an seiner Stimme zu erkennen war.
      Je mehr das Gespräch fortschritt, desto mehr stellte sich jedes Haar meines Körpers auf.
      Wut brodelte in meiner Brust auf. Darüber was dort hinter dieser Tür vor sich ging.
      Eigentlich sollte es mich wenig stören, wie andere Menschen miteinander umgingen. Ich war stets ein Einzelgänger, nur darauf fokussiert mich selbst am leben zu erhalten. Das war zimindest bis ich Gabe begegnet war.
      Er hatte keine Angst vor mir. Im gegenteil; er war fasziniert. Und auch wenn ein Teil von mir ganz genau wusste, dass dies vermutlich das rein objektive Interesse eines Forschers an einem Interessanten Forschungsobjekt war, war ein anderer Teil von mir durch diese Art der Aufmerksamkeit seltsam geschmeichelt. Dieser Teil sah Gabe jemanden an, den ich nicht leiden sehen wollte. So wie in diesem Augenblick.
      Ein seltsamer Instinkt regte sich in mir, der mich dazu drängen wollte, sofort in den Raum zu stürzen, mich schützend vor Gabe aufzubauen und diesem Jake auf nicht wenig groteske Art und Weise mit bloßer Hand/Klaue die Aorta heraus zu reißen
      Doch ich hielt mich an seine klare Anweisung. Auch wenn es schon beinahe schmerzhaft war nur zuhören zu können ohne handeln zu dürfen.
      Dieser Jake, sollte sich davor in Acht nehmen irgendwann mit mir alleine in einem Raum zu sein, denn ich hatte mir sowohl seine Stimme als auch seinen Geruch scharf eingeprägt.
      Nach einer qualvollen Ewigkeit, hörte ich endlich wie der Störenfried den Raum wieder verließ. Ich wartete noch einige Sekunden, bis seine Schritte in der Ferne verklungen waren, bevor ich mich wieder wagte mich zu regen.
      Meine angestaute Wut hatte nicht wirklich dazu beigetragen, dass ich mich beruhigte.
      Eher im Gegenteil.
      Ich sah noch weniger nach einem Menschen aus als zuvor. Im aus der Tür zu gelangen musste ich mich schon ordentlich ducken.
      Gabes Anblick war... erschütternd.
      Er saß zu boden gesunken und zusammengekauert.
      Auch wenn er zuvor schon kleiner und schmächtiger war als ich, wirkte er nie so.... verletztlich wie jetzt.
      Kurze Unsicherheit überkam mich. Was tat man in so einer Situation?
      Ich war so entsozialisiert von meinen Jahren in der Wildnis, dass ich wirklich keinen Plan hatte, was man in so einer Situation tat.
      Statdessen überlegte ich fieberhaft, was ich in so einer Situation tun würde.
      Die Ursache meiner Probleme jagen und niesermetzeln kam in diesem Fall nicht infrage. Zumindest noch nicht.
      Zurückziehen und wieder kraft tanken? Ja, das klang docv nach etwas umsetzbaren.
      Hastig sah ich mich um.
      In einer Ecke des Labors befanden sich einige Liegen, von denen eine dem anschein nach in der vergangenheit bereits als Schlafstätte genutzt worden ist.
      Kurz entschlossen griff ich mir alle Decken die ich erblicken konnte und stapfte mit diesem Bündel an Stoffen im Arm zurück zu Gabe.
      Diese ließ ich über ihn Fallen, sodass er in eine Art Decken-Nest gehüllt war.
      Ich selber setzte mich, in richtung der Tür, neben besagtes Nest.
      Nahe genug, dass meine Aufragende Statur wie eine Art Schutzwall zwischen ihm in d der Tür stand, aber dennoch mit ein wenig Abstand.
      "Besser?" Fragte ich in der hoffnung, so die ruinierte Stimmung wieder anheben zu können, wobei meine Stimme mehr nach einem rauhen Krazen, als nach einer menschlichen Sprache klang.
    • Träge blickte ich Darryl an, welcher sich zu einer der Liegen bewegte, auf der ich schon des Öfteren die ein oder andere Nacht verbracht hatte. Er holte Decken, was wollte er denn damit?
      Einige Momente später hatte ich meine Antwort. Anscheinend war das seine Art, sein Versuch mich aufmuntern zu wollen. Und es war ja ganz lieb gemeint, doch an meiner Gefühlslage änderte es leider rein gar nichts. Dennoch wollte ich wenigstens so tun, als könnte er mir helfen, um nicht noch ihn runterzuziehen. Also schloss ich die Augen, nickte. Er sollte meinen gebrochenen Blick nicht sehen. Es reichte schon, dass er das gerade mit anhören musste. Denn es war mir unendlich peinlich mit meinen Problemen nicht allein fertig zu werden. Jeder um mich herum konnte das, selbst Darryl hatte aus seiner Situation das beste gemacht und sich, trotz Mutationen und Ausnahmezuständen, durchgebissen. Ich hingegen konnte mit nichts abschließen.
      Doch ungerne wollte ich mich selbst bemitleiden. Bis jetzt hatte es jedes Mal geklappt, meine Sorgen und Ängste einfach vor mir herzuschieben, wieso sollte es nicht auch jetzt funktionieren?
      "Mir geht es schon besser, danke.", gab ich als Antwort, versuchte einigermaßen authentisch zu klingen, was mir sogar einigermaßen gelang.
      "Mach dir keinen Kopf um das gerade eben. Wir hatten nur eine kleine Auseinandersetzung."
      Einige Momente saß ich noch da, vermied Augenkontakt. Irgendwann hatte ich mich normalisiert und blickte ihn wieder mit meinen normalen, müden Augen an. Gerne hätte ich schon mit meinen Forschungen angefangen, doch meine Konzentration schwand immer mehr. Ich hatte mich wohl am Tag zuvor zu sehr verausgabt, ein wenig Schlaf wäre wirklich nötig, um entsprechend arbeiten zu können. Doch ich konnte ihn weder allein hier lassen, noch einfach so einschlafen. Wer wusste, was da passieren konnte.
      Während ich fiberhaft nach einer Lösung suchte, kam mir eine Idee. Und diese hörte sich unsicher an. Doch ich musste es riskieren. Für ihn sowie für mich. Einen Versuch war es wert.
      Also richtete ich meine volle Aufmerksamkeit wieder auf ihn.
      "Sag mal, weist du wie lange es dauert, bis du wieder deine Menschliche Form erhältst?"
    • Neu

      Ich nickte, als Gabe meinte, dass es ihm nun besser ging, obwohl ich dies anzweifelte.
      Er wirkte weiterhin vor Müdigkeit und Erschöpfung gezeichnet.
      Nachdenklich legte ich meinen Kopf schief, als er mich nach der Dauer meiner Rückwandlung fragte. Wie sollte ich das beantworten? Ein wirkliches Verständnis von Zeit hatte ich nicht. Ich orientiere mich stets an dem Stand der Sonne. Aber das war in diesem Moment wohl kaum hilfreich. Also verschränkte ich die Arme und schloss die Augen während ich angestrengt nachdachte, wie ich seine Frage am besten beantworten sollte.
      "Wenn ich ruhig bleibe... vielleicht 900 Herzschläge?" Sagte ich schließlich und klang dabei eher fragend als wirklich von meiner Aussage überzeugt.
      immerhin hatte ich mich in der Zweischenzeit von dem kleinen, durch Jakes Anwesenheit verursachten Wurausbruch erholt, sodass meine Stimme nun wieder ein Stück weit menschlicher klang als zuvor.
      Während ich darauf wartete, dass meine körperliche Rückwandlung einsetzte, betrachtete ich meine eigene, klauenbesetzte Hand.
      Das leben in der Außenwelt wurde definiert durch das Gesetz des Stärkeren. Zurückhaltung war entsprechend nichts, worin ich sehr geübt war, wie mir der Zwischenfall mit der Kafeetasse nir deutlich vor augen führte.
      Ich erinnerte mich daran wie klein Gabes Hände zuvor in meinen aussahen und wie zerbrechlich er im vergleicht zu mir war. Ich musste wirklich aufpassen, dass ich ihn nicht irgendwann versehentlich verletzte...