Pet from another world ❦ [Zdrada & Saki]

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    • Pet from another world ❦ [Zdrada & Saki]

      Vorstellung zu "Pet from another world"
      @Zdrada : Aiko Mori
      Saki : Taro Nadoki


      Regen. Wie sehr er Regen doch hasste. Er war nass. Er war kalt. Es war dunkel um ihn herum. Gut, die Dunkelheit störte ihn nicht sonderlich, doch die Nässe war unerträglich. Ein leises Fauchen entwich ihm, bevor er sich unter einen Karton verkroch und sich schüttelte. Wie er es hasste, wenn sein Fell nass war. Sein beiges Fell, welches am Bauch und vor allem an den Pfoten bereits dreckig war. Er war auch schon etliche Zeit unterwegs. Wusste er schon gar nicht mehr, wo er gestartet war, bis er hier landete. Wo war er überhaupt? Er wusste es nicht. Er hatte schon lange keine wirkliche Orientierung mehr gehabt, als er von Stadt zu Stadt lief auf der Suche nach Hilfe. Die er natürlich nicht brauchte, wie er selbst fand. Doch er musste sich leise eingestehen, dass er ohne einen Menschen aufgeschmissen war. Doch niemand beachtete ihn überhaupt, außer ein paar Kinder. Einige, die sogleich zu ihm rannten und streicheln wollten. Aber auch einige, die ihn an Schwanz und Ohren zog und dann weinend davon rannten, wenn er mit seiner Tatze nach ihnen schlug. Sicher hier und da hatte er ihnen einen oder mehrere Kratzer verpasst, doch sie waren selbst schuld gewesen!
      Und nun saß er hier. Im strömenden Regen unter einem weg geworfenen Karton, der langsam gefährlich nachgab, als sich die Tropfen auf der Oberfläche sammelten und die Pappe langsam durchweichten. Langsam schielte der Kater nach oben. Das würde nicht mehr lange gut gehen, doch wo sollte er hin? Die Menschen schenkten ihm nur negative Beachtung. Jagten ihn weg oder traten sogar nach ihm. Etwas, was er sich nicht hätte vorstellen können. War er doch eine hübsche und liebenswerte Katze, die eigentlich von jedem gemocht und verehrt werden sollte! Es war zum Haare raufen, dass er auf sich allein gestellt hier umher irrte.
      Ein leises Niesen entwich ihm, während er den Kopf und die Ohren etwas hängen ließ. Was sollte er nur tun? Sollte er sich in eine Wohnung schleichen? Doch bei dem Wetter waren sicherlich keine Fenster geöffnet, durch welche er sich drücken konnte. Sicherlich würden die Leute auch einen Schreikrampf bekommen, wenn sie auf einmal einen Kater sehen würden. Taro sah sich etwas um, doch waren auf seinem Weg nur Läden, die ihn auf keinen Fall hinein lassen würden. Wurde er allein im letzten schon mit einem Besen davon gejagt. Dabei wollte er sich doch nur das Fell trocknen. Ein widerlicher Haufen, die Menschen. Er spitzte etwas die Ohren, als er ein leises Geräusch hörte, bevor seine goldgelben Augen nach oben wanderten und sich sogleich weiteten. Kaum den Kopf gehoben passierte, was passieren musste. Der Karton gab nach und ein kleiner Wasserfall des gesammelten Regenwassers ergoss sich über den nun beige-grauen Kater.
      Leise miauzte er, schüttelte sie und verkroch sich nun zwischen den Mülltonnen. Wie erbärmlich er wirken musste. Wie ein Straßenkater, der er nicht wahr! Es war einfach zum heulen. Und wenn er hier noch länger bleiben würde, dann würde ihn sicherlich früher oder später der Tod holen. War es viel zu nass, der Wind war kalt und die Dunkelheit hatte er ja noch nie gemocht. Selbst als Kater konnte er sie nicht leiden. Was würde er dafür geben in einem warmen Bett zu schlafen. Ein leises Schnauben entwich ihm, während er sich zwischen den Mülltonnen klein gemacht hatte und den Menschen zusah, wie diese an ihm vorbei liefen. Ohne ihm jegliche Art von Beachtung zu schenken.
    • Seufzend zog Aiko sich ihre Tasche fester um die Schulter und warf noch einmal einen düsteren Blick aus dem Fenster. Natürlich musste es heute Regnen. Zu allem Überfluss hatte sie ihren Regenschirm heute Morgen auch noch daheim liegen gelassen, als sie panisch aus der Tür gestürmt war. Ja. Sie hatte verschlafen… mal wieder.
      Sie hatte sich immer ausgemalt um wie vieles schöner ihr Leben sein würde, wenn sie endlich ihre eigene Wohnung beziehen und sich aus dem immerwährenden Rosenkrieg ihrer Eltern raushalten würde. Das erste Eigenheim. Sie hatte es sich so romantisierend ausgemalt… was sie nicht bedacht hatte waren die heftigen Mietpreise in Kyoto, die ihr mit ihrem Budget lediglich eine kleine Studentenwohnung mit dünnen Wänden und lauten Nachbarn bescherten.
      Laute Nachbarn die sie gestern Abend erneut mit einer bunten Lärmkulisse aus lauter Musik, Geschrei und… gewissen Aktivitäten, wachgehalten hatten. Am liebsten wäre sie rübergegangen, hätte an die Wohnungstür geklopft und die Störenfriede darum gebeten, des Nachts doch bitte einen Gang runter zu schalten.
      Doch sie kam immer nur bis zu ihrer eigenen Tür, bevor sie wieder kehrtmachte und zurück ins Bett ging. Sie konnte sich einfach nicht überwinden ihre Nachbarn anzusprechen. Sie redete sich dann immer ein, dass es bestimmt nur eine einmalige Sache war und es nächste Nacht bestimmt ruhiger werden würde. Dasselbe redete sie sich nun schon seit zwei Wochen jede Nacht ein.
      Seufzend schüttelte sie den Kopf. Naja, es könnte bestimmt schlimmer sein, versuchte sie sich optimistisch zuzureden. Immerhin hatte sie eine Wohnung und warmes Essen. Tagsüber verbrachte sie Ohnehin nicht viel Zeit in der Wohnung. Wenn sie nicht in der Uni war, verkroch sie sich meistens in der Bibliothek und lernte, oder war draußen unterwegs. Kyoto war wirklich wunderschön und egal wie oft Aiko die umliegenden Tempel und Pärke bereits besucht hatte, konnte sie sich gar nicht genug daran sattsehen und liebte es, lange Spaziergänge durch diese Gegenden zu machen.
      Diese würden bei dem Wetter jedoch ausfallen. Sogar die Bibliothek hatte heute geschlossen. Es blieb Aiko also nichts Anderes möglich, als nach der Vorlesung direkt von der Uni nach Hause zu gehen.
      An der Türschwelle des Großen Gebäudes angekommen warf das junge Mädchen noch einen letzten hoffnungsvollen Blick in den Himmel, als würde sich das Wetter so umentscheiden und zu strahlendem Sonnenschein wechseln, bevor sie sich schließlich zusammen riss und mit iher Tasche als provisorischen Regenschutz über dem Kopf nach draußen Schritt.
      Es dauerte nicht lange, bis der Regen sie durchnässte und sowohl ihre Haare als auch ihre Kleidung an ihrem Körper kleben ließ.
      Nur noch ein kleines Stück! Spornte sie sich an, als sie nur noch einen Block entfernt war und konnte im Gedanken schon das wohlige, heiße Wasser ihrer Dusche auf sich spüren.

      Ihre Gedanken wurden von einem seltsamen Geräusch zu ihrer rechten unterbrochen. Überrascht schaute Aiko in die kleine Nebengasse, aus welcher der Laut kam. An den Wänden der Gasse reihten sich Mülltonnen auf, neben welchen verschiedenen Kartons und Müllsäcke achtlos hingeworfen wurde. Es sah wie einer dieser Gassen aus, in denen man jeden Moment ausgeraubt werden konnte, schauderte es Aiko. Schnell wollte sie sich wieder abwenden und endlich die letzten Meter bis zu ihrer Wohnung hinter sich bringen, als ihr Blick auf ein zerzaustes Fellbündel zwischen den Mülltonnen fiel. So versteckt und zusammengekauert wie die Katze dasaß, hatte das Mädchen sie doch beinahe übersehen.
      Unsicher warf sie einen Blick über ihre Schultern, als würden die Besitze des armen Tieres sich jeden Augenblick aus dem nichts heraus materialisieren. Natürlich geschah nichts und die anderen Leute gingen achtlos ihrem eigenen Treiben nach. Unsicher ging Aiko einen Schritt auf das Tier zu. Sie konnte es doch nicht einfach so hier draußen lassen, bei diesem Wetter! Als sie sah, wie das kleine Tier vor Kälte zitterte, brachte das ihr Herz endgültig zum Schmelzen und sie fasste einen Entschluss.
      „Hey Kleines.“ Flüsterte sanft und ging langsam in die Hocke, sodass sie der Katze nun genau gegenübersaß. „Keine Angst, ich tu dir nichts.“ Fuhr sie mit beruhigender Stimme fort, als könnte das Tier so verstehen, dass sie keine bösen Absichten hatte und streckte langsam ihre Hand aus.

      Ein plötzliches, lautes Donnergrollen ließ sie erschrocken zusammenfahren. Na toll, jetzt wurde aus dem Regen noch ein richtiges Gewitter. „Ich wette bei dem Wetter wären wir beide jetzt lieber drinnen im warmen, was?“ scherzte sie. So langsam wie sie konnte, um dem Tier keine Angst einzujagen, versuchte sie danach zu greifen um es hochzuheben und hoffte, dass die Katze nicht nach ihr schnappen würde.
      Wenn ihre Mutter sie so sehen würde, würde sie Aiko zweifelsohne eine mehrstündige Lektüre über die Gefahren von Tollwut halten.
    • Er erwischte sich dabei, wie er ein wenig zu träumen begann, während er den Menschen zusah, wie diese an der Gasse vorbei liefen. Beginnend von seinem alten Zuhause zu träumen. Sein warmes Bett, in welchem er meist bis zur Mittagsstunde geschlafen hatte oder einfach nur darin lag, weil auf ihn nichts gewartet hatte. Irgendwann doch aufstehen und sich etwas leckeres zu Essen machend oder gar etwas kommen zu lassen, weil man selbst keine Lust hatte einen Finger zu rühren. Die Stille, die herrschte und die er so gern gehabt hatte. Nur er alleine. Keine Menschen in der Umgebung, die ihm eines besseren belehren wollten oder gar Vorschriften von sich gaben. Wie er es immer gehasst hatte bevormundet zu werden. Konnte er schon immer gut auf sich alleine aufpassen. Er hatte nie jemanden gebraucht, der sich um ihn kümmerte! Und nun? Nun musste man sich ihn nur einmal ansehen. Ein Kater, der die menschlichen Sprache nicht einmal beherrschte. Der nur durch sein Miauen kommunizieren konnte und niemand ihn verstand. Außer vielleicht andere Katzen, von denen er allerdings nichts wollte und sich eher fern hielt. Und das alles nur dank ihr! Dieser alten Schachtel, die seine Worte nicht ertragen konnte.
      Taro legte die Ohren an, seine Augen zu Schlitzen verengt, als er an die Seniorin dachte, welche vor einigen Wochen seinen Weg kreuzte. Ein vorlautes altes Weib, das Recht behalten wollte. War sie viel zu sehr darauf besessen in der alten Zeit zu leben, die niemand mehr brauchte! Und nun war er hier. Als Kater in einer versifften Gasse zwischen stinkenden Mülltonnen. Ihn würde es nicht einmal wundern, wenn gleich aus der nächsten eine Ratte springen würde. Allein bei diesem Gedanken stellte sich sein gesamtes Fell auf, bevor er den Kopf etwas hängen ließ.
      Doch die langsam näher kommenden Schritte ließen ihn doch etwas die Ohren spitzen. Langsam hob er den Blick, die Ohren angelegt und den Menschen ansehend, welcher nun vor ihm hockte. Trauen wollte er ihr nicht. Wer wusste, ob sie genauso eine miese Person war wie die alte Schachtel. Vielleicht war es sogar die Alte, welche sich nun über ihn lustig machen wollte! Ein leises Fauchen entwich ihm bei diesem Gedanken ihr noch einmal zu begegnen, ehe jedoch auch Taro sichtlich zusammen zuckte, als der laute Donner das leise Prasseln des Regens durchbrach. Die Augen hatte er zusammen gekniffen, hatte sich noch etwas weiter zwischen die Tonnen eingekauert. Er wollte hier einfach nur weg und ins Warme! Er wollte hier nicht draußen sein und von einem Blitz gegrillt werden. Das wäre einer der schlimmsten Tode, der ihm in den Sinn kamen. Neben denen, von einem Hund zerfetzt zu werden oder zu ertrinken. Vielleicht sogar irgendwo mit dem Kopf stecken zu bleiben und zu ersticken. Er schüttelte sich. Daran wollte er gar nicht denken.
      Langsam öffnete er die Augen wieder, als er ein leises Geräusch hörte, das von dem Menschen ausging. Erneut hob er den Blick, die Augen nun recht groß, als er ihre Hände nah an seinem Körper bemerkte, welche nach ihm griffen. Was hatte sie jetzt vor? Die Ohren legte der Kater an, war bereits mit seinen Pfoten auszuschlagen und ihr Kratzer zu verpassen, wo er nur konnte, wenn sie ihm auch nur etwas antun wollte. Als sie ihn jedoch nur hoch hob blinzelte er ein wenig, während sich seine Ohren etwas aufstellten und er den Kopf leicht zur Seite neigte. Von ihr ging nichts böses aus. Selbst ihr Blick war sanft und... warm. Ob sie ihn mit nehmen würde? Oder vielleicht doch weg bringen, wo er gänzlich im Regen saß? Ein leises Miauen entwich ihm, während er sie ansah.
    • Bei dem Fauchen der Katze, dachte Aiko für einen Moment darüber nach, ob es wirklich schlau war, was sie hier tat und nicht lieber umdrehen sollte.
      Aber andererseits… Konnte sie es dem kleinen Tier verübeln sich zu fürchten, wenn ein Riese plötzlich vor ihm stand und versuchte danach zu greifen? Nein, wären ihre Rollen vertauscht, wäre sie wahrscheinlich ebenso panisch.
      So blieb das Mädchen hartnäckig im Regen sitzen und versuchte weiterhin vorsichtig nach dem Tier zu greifen. Irgendwann änderte sich dessen Körpersprache. Hatte es verstanden, dass Aiko helfen wollte?
      Vorsichtig schlossen sich schließlich ihre Hände um das nasse Fellkäul und sie hob das Tier hoch in ihre Arme. Die Katze – Nein, Korrektur: Der Kater war leichter als sie gedacht hatte und wirkte in ihren Armen winzig.
      „Dann wollen wir mal schnell ins Warme.“ Sagte sie sanft und ein warmes Lächeln umspielte ihre Lippen. Auch wenn der Weg bis zu ihrer Wohnung kaum noch fünf Minuten dauerte, legte sie ihren Schal wie eine Decke über den Kater, damit dieser zumindest ein wenig vor der nassen Kälte geschützt war, während sie die Gasse verließ und zielsicher auf das Große Wohngebäude zusteuerte.
      Als sie endlich vor der Tür stand und mit ihrer freien Hand versuchte ihren Schlüssel aus der Jackentasche zu fischen, öffnete sich die Tür zu ihrer benachbarten Wohnung.
      Als hätte der Tag nicht schon genug Tücken gehabt, musste sie jetzt auch noch ihrem nervtötenden Nachbarn begegnen. Ein älterer Mann, der unangenehm nach Nikotin und Kaffee roch, welcher ihr einen schnellen, achtlosen blick zuwarf. Seine Augen blieben jedoch kurz an dem Bündel in ihrem Arm hängen, bevor er mit gleichgültigem Ton sagte „Tiere sind hier nicht erlaubt.“
      Aiko öffnete den Mund um etwas über nächtliche Ruhestörung zu sagen, brachte jedoch keinen Ton heraus. Ihr Gegenüber wartete aber auch nicht auf eine Antwort und ging einfach an ihr vorbei um seinen eigenen Geschäften nachzugehen.
      Als er außer Hörweite war, flüsterte sie mehr zu sich selbst als irgendjemand anderem nur noch ein genervtes „Fass dir lieber an die eigene Nase“ bevor sie endlich ihren Schlüssel zu fassen bekam und die Tür vor sich öffnete.
      Als sie durch die Haustür trat, stieß sie einen erleichterten Seufzer aus und ließ sich von der erlösenden Wärme ihrer Wohnung einlullen.
      Bevor sie jedoch endlich dem Ruf ihrer heiß ersehnten, warmen dusche nachkommen konnte, gab es wichtigere Dinge zu erledigen.
      Aus ihrem Schrank schnappte sie sich ein frisches Handtuch und breitete dieses Aus, bevor sie den nassen Kater aus ihren Armen. Vorsichtig darauf niedersinken ließ.
      Das triefende Fell hinterließ sofort nasse Spuren überall und als das junge Mädchen die dreckigen Pfoten musterte, schoss ihr die Frage durch den Kopf, wie lange er schon draußen gesessen haben musste.
      „Du musst bestimmt hungrig sein?“ stellte sie fest und öffnete ihren Kühlschrank prüfend. Ein trauriger Anblick begegnete ihr. Wirklich viel, was ich für eine Katze eignete hatte sie leider nicht. Selbst für einen Menschen war es nicht gerade viel.
      Ihre Entscheidung fiel auf einen halben Karton Milch, den sie hinaus nahm.
      Prüfend schraubte sie den Deckel auf und roch daran. Sie war noch gut. Perfekt.
      Aus dem Schrank nahm sie eine Schüssel und ein Glas.
      Ersteres stellte sie neben den Kater und füllte diese mit Milch. „Ich weiß, es ist nichts Luxuriöses, aber im Moment das beste was ich anbieten kann.“ Entschuldigte sie sich und goss sich ebenfalls ein Glas ein.
    • Kurz zuckte eines der Ohren des Katers, als sie sprach. Seinen Kopf hatte er etwas zur Seite geneigt und sein Blick weiterhin auf sie gerichtet, nachdem sie sich langsam erhob. Ins Warme? Konnte es denn wirklich sein, dass ein Mensch von tausenden wirklich Mitleid mit ihm hatte? Ganz wollte er dem ganzen noch nicht trauen und doch ließ er sich erst einmal mitnehmen. Was hatte er schon zu verlieren? Entweder würde er weiterhin in der Nässe verbleiben und vielleicht sogar die Nacht über erfrieren oder er hatte zumindest für ein paar Stunden einen warmen Platz, bis sie ihn wieder los werden wollte. So oder so, die Nacht würde er überleben. Als sie ihm jedoch in ein Stück Stoff auf den Körper legte kam der junge Kater nicht hinweg kurz zusammen zu zucken. Sein Blick wanderte auf den Schal, weiter wieder zu dem Gesicht der Dunkelhaarigen, während er die Ohren etwas angelegt hatte. Sie hätte ihn lieber für sich benutzen sollen. Sie wurde selbst ja ganz nass.
      All zu lange dauerte es nicht, als er das Gebäude sah und die junge Frau die Treppen nach oben zu ihrer Tür wanderte. Hier wohnte sie also. Und sie nahm ihn wirklich mit zu sich. Das war wirklich das letzte, was er gedacht hatte und doch war er ein wenig froh darüber. Das leise Klirren der Schlüssel ließen ihn aufhören, zu ihrer Tasche sehen und den Kopf erneut zur Seite drehen, bevor die Nachbartür geöffnet wurde und der Kater sogleich den Kopf heftig schütteln musste. Seine Pfote legte er sogleich über seine Nase, sah mit seinen gelben Augen zu dem Nachbar, welcher wohl alles andere als ein wohlgesonnener Geselle war. Und soetwas wie Hygiene kannte dieser Kerl wohl ebenso wenig wie Manieren, als Taro die rauchigen Worte hörte. Tiere waren hier nicht erlaubt? Wahrscheinlich war seine Wohnung bereits eine ganze Epidemie an Ungeziefer eingezogen, bei dem Geruch, welcher aus der Wohnung kam. Und nicht noch aus dieser. Ein leises Fauchen mit leisem Brummen im Unterton folgte von dem beigen Kater, während er dem Mann hinterher sah. Was für ein schmieriger und ekelhafter Kerl. Am liebsten hätte er diesem sogleich das Gesicht zerkratzt. Wobei er dann höchst wahrscheinlich sonst wie viele Infektionen davon getragen hätte.
      Taro hob seinen Blick zu dem jungen Menschen, auf dessen Arm er war, als er die leise Stimme hörte. Mädchen, das hättest du ihm direkt ins Gesicht sagen müssen. Wobei, so zierlich wie sie war, wer weiß was der Kerl ihr angetan hätte. Und da hätten auch Taro's Krallen nicht viel ausrichten können. So legte er die Ohren wieder etwas an, musterte weiterhin das Gesicht der jungen Frau, als diese die Wohnung betrat und sogleich begann herum zu kramen. Sich selbst wenig später auf einem Handtuch widergefunden sah er kurz auf dieses, setzte sich und beobachtete das Mädchen wieder. Nett schien sie ja wirklich zu sein, das konnte der Kater nicht leugnen. Und allein schon, dass sie aus dem recht leeren Kühlschrank ihre Milch mit ihm teilte bewies ihm seine Vermutung. Ein kurzes Miauen entwich ihm, wollte er sich doch nur bedanken. Doch dann fiel ihm wieder ein, dass sie ihn ja gar nicht verstand. Leise schnaubte er, die Augen halb geöffnet. Manchmal war es wirklich frustrierend nicht kommunizieren zu können. Doch darüber machte er sich später Gedanken. Kurz roch er an der ihm hingestellten Milch, mauzte noch einmal und sah zu der jungen Frau auf, bevor er aus der Schüssel trank. Und Gott tat es gut etwas anderes als Regenwasser zu trinken. Auch wenn es nichts festes zu essen war, war es alle mal besser als der weggeworfene Müll, von welchem sich Taro die letzte Zeit ernähren musste. Und wer wusste ob der überhaupt noch gut gewesen war.
      Die Schüssel fast geleert putzte er sich mit der Pfote über das Gesicht, um die Milchreste von seinem Maul zu bekommen, bevor er wieder die junge Frau ansah. Kurz überlegte er, sah sich in dem kleinen Apartment um und sprang schließlich mit einem Satz auf die Arbeitsplatte. Erneut mauzte er, bevor er sich nach etwas umsah. Er sprang von der Arbeitsplatte wieder herunter, sprang auf den Tisch, auf den Stuhl, lief ins Schlafzimmer, bevor er frustriert seufzte. Mit irgendetwas musste er doch etwas anfangen können.
    • Als der kleine Kater sie anmauzte, konnte Aiko nicht anders, als ein wenig zu lächeln. Es hörte sich ja fast schon so an, als würde er sich für die Milch bedanken wollen. "Gerne doch." schmunzelte sie scherzhaft zur Antwort, bevor sie dem Tier dabei zusah, wie es gierig die kleine Schale leer trank. Wie lange er wohl schon auf der Straße lebte und keine richtige Nahrung mehr hatte? Hatte er irgendwo einen Besitzer der ihn vermisste, oder wurde er einfach draußen ausgesetzt?
      Bei dem Gedanken zog sich ihr Herz zusammen. Das junge Mädchen hatte nie verstehen können, wie einige Menschen so herzlos sein konnten, ihre Haustiere einfach auszusetzen.
      Aber was auch immer die Geschichte dieses Keinen Katers gewesen sein mochte: Aiko würde von nun an sicher stellen, dass es ihm an nichts fehlen würde. Seit sie ein Kind war, wünschte sie sich schon immer ein Haustier. Vielleicht war heute ja endlich der Tag, an dem ihr Wunsch in Erfüllug ging!
      Aiko wusste aber selber, dass sie diese Verantwortung nicht auf die leichte Schulter nehmen sollte. So ein Haustier bedeutete auch viel Arbeit. Arbeit, die sie beriet war auf sich zu nehmen.
      "Morgen gehe ich einkaufen und besorge dir richtiges essen." versprach sie und kramte ein wenig in ihrer Tasche herum, in der sie alle ihre Sachen für die Uni aufbewahrte, bis sie fündig wurde und einen Stift und einen Schreibblock, auf denen sie während der Vorlesungen ihre Notizen schrieb, hervor zog.
      Durch den Regen war ihre Tasche ebenfalls so sehr durchnässt worden, dass die Ecken des Blocks nun nass waren und sich wellten. Ihre Notizen waren aber zum glück noch lesbar. Aiko hatte wenig Lust, alle Infos zum Konfidenzintervall nochmal selbst heraussuchen zu müssen.
      Sie schlug die Aktuelle Seite um und begann auf dem nun Leeren Blatt eine kleine Einkaufsliste zu schreiben.
      "Milch. Katzenfutter. Katzenklo. Katzenstreu. Kratzmöbilar." nachdenklich tippte sie mit dem stumpfen Ende des Stiftes an ihre Lippe und beobachtete den Kater, welcher soeben durch die Wohnung lief und sich umzusehen schien. Er erkundete wohl die Neue Umgebung.
      Aiko blickte zwischen ihrem neuen, pelzigen Mitbewohner und der improvisierten Einkaufsliste hin und her und überlegte, was noch fehlte. Vielleicht ein Halsband?
      Aber bevor es dazu kam, fehlte zu erst einmal das offensichtlichste, wie ihr schlagartig klar wurde. "Wir brauchen ja noch einen Namen für dich." bedachte sie laut und spitzte Nachdenklich ihre Lippen.
      "Hmm, Haru? Tora? Kiniro?" ging sie einige Namen, die ihr durch den Kopf schossen durch und hoffte, dass eventuell irgendein Name auf den sie kam eine Rektion des Katers hervor rief.