For All Eternity [SunWukongIV & Codren]

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    • For All Eternity [SunWukongIV & Codren]

      Wenn man länger auf der Erde weilte, als die Natur vorgesehen hatte, bekam man einen Einblick in das gewährt, was die Natur eigentlich ausmachte. War es der ewig währende Kreislauf der Organismen, das fortlaufende Hin und Her, ein Geben und Nehmen, ein Leben und Sterben, bis außenstehende Einflüsse den Kreislauf aufbrachen? Oder war es die unangetastete Freiheit, die Ordnung im Chaos und die Wildheit, die damit einherging? Waren es die Gesetze der Physik und Biologie, die die Welt an sich banden? War es die Selbstständigkeit, mit der die Natur sich regelte? Was waren die absoluten Grundbausteine der Natur?
      Für Ray war es die Vergänglichkeit.
      Sie hatte in ihrem einzigen, langen Leben schon so viele Leben geführt, dass sie diese eine Sache mit absoluter Gewissheit sagen hätte können: Vergänglichkeit war, was die Natur für sich ausmachte. Alles musste vergehen, nichts konnte der Ewigkeit überlassen werden, die Natur schrieb vor, dass alle Organismen in ihr eines Tages starben um neue Organismen zu zeugen und bestehende zu nähren. So war der Kreislauf der Dinge, es war die Ordnung im Chaos, es war der Grund, weshalb die Natur sich eigenständig aufrecht erhalten konnte. Vergänglichkeit. Nicht einmal die Sonne konnte sich diesem ungeschriebenen Gesetz widersetzen.
      Und doch stand sie dort, mit ihren tausend Jahren Leben - sie hatte irgendwann aufgehört ihre tatsächlichen Jahre zu zählen - und bewies, durch ihre bloße Existenz, dass Vergänglichkeit nicht Teil des ewigen Kreislaufs sein konnte. Tausend verschiedene Leben später und sie gelangte zu dem Ergebnis, dass ihr Weltbild, so wie es war, doch nicht richtig sein konnte.
      Sie stand an der Straße, die durch die trostlose Steppe von Island führte, ein holpriger Pfad mit keinerlei Aussicht auf irgendwas anderes als ewiger Steinboden und giftgrünes Unkraut. Hinter ihr lag der graue See Hólmavatn, eine Beleidigung an alle seine Artgenossen mit seiner Monotonie und dem immerzu flachen Ufer. Ray glaubte kaum, dass er die Bezeichnung "See" verdient hatte.
      Das Auto knirschte hinter ihr über den Kies, als es wieder anfuhr, und riss sie vollständig aus ihren Gedanken heraus. Sie hatte wieder einfach nur dagestanden und in die Luft gestarrt - in letzter Zeit passierte ihr das häufiger.
      "Ray?"
      Eine Stimme neben ihr ließ sie zusammenfahren und herumwirbeln. Die blonde Frau neben ihr starrte mit großen Augen zu ihr auf.



      "Ah! Bei sämtlichen Göttern, wo kommst du denn her?!"
      "... Aus dem Auto?"
      Ray blinzelte.
      "... Ich glaub', ich hatte einen Aussetzer."
      "Einen? Du hast seit fünf Minuten nur noch gestarrt."
      Fünf Minuten? Stand sie nicht schon seit einer Woche an diesem Straßenrand und sah sich die Steppe an?
      Sie schüttelte den Kopf und fischte einen Joint aus ihrer Hosentasche. Sylvia - so hieß die Frau, stimmt - sagte dazu nichts, aber sie konnte förmlich hören, wie sie die Nase rümpfte. Sollte sie doch, Ray steckte sich den Joint trotzdem an.
      "Haben wir alles?"
      Sie drehte sich nach ihrem Gepäck um: Zwei Wanderrucksäcke, ein Koffer, eine Sporttasche, eine Handtasche. In der Sporttasche waren Rays Sachen, in einem der Rucksäcke war ihre Verpflegung und den ganzen Rest hatte Sylvia mitgebracht. Die jungen Leute heutzutage hatten einfach keine Ahnung, welche Sachen wichtig waren und welche nicht.
      "Schön, auf geht's.
      Sie fing an sich mit den Taschen zu beladen und Sylvia schulterte ebenso einen Rucksack.
      "Hey, was machst du denn da - gib mir das. Willst du etwa den ganzen Weg den Rucksack tragen mit diesen dünnen Ärmchen? Deine Handtasche kannst du nehmen."
      "Aber ich kann doch -"
      "Ah - psst - hörst du das? Hörst du?"
      Sie hielt einen Finger in die Luft und tat so, als würde sie lauschen. Sylvia runzelte die Stirn.
      "Das ist das Geräusch von all den Menschen, die deine Meinung hören wollen. Ziemlich laut, was?"
      Irgendwo flog ein Vogelschwarm vorbei. Sylvia verzog das Gesicht.
      "Ich kann aber durchaus -"
      "Nein kannst du nicht."
      "Aber ich hab -"
      "Nein."
      "Aber -"
      "."
      "Ray!"
      "Ja?"
      Sie schulterte einen Rucksack auf dem Rücken, einen vorne, hängte sich die Sporttasche um beide und packte schließlich auch den Koffer. Sie unterdrückte ein Ächzen, sah aber, dass Sylvia sich trotzdem beschweren wollte - da stellte sie den Koffer kurzzeitig wieder ab.
      "Okay, hör zu: Ich brauch' das. Es ist vielleicht dein erstes Rodeo und du bist sicherlich ganz aufgeregt, deine ganzen anderen Artgenossen kennenzulernen, aber meine letzte Versammlung ist schon… ach, keine Ahnung… vielleicht einen Monat her? Es war jedenfalls eine lange Zeit und ich muss einfach sehen, wer von ihnen noch lebt und wer gestorben ist. Ich kenne dort einen Haufen Leute und manche von denen sind echte Hundefresser und manche würde ich echt betrauern, wenn sie mittlerweile tot wären. Das ist einfach… nervenzerreißend. Ich muss mich abreagieren, bevor wir ankommen. Alles klar?"
      Sie blies den Rauch ihres Joints aus ihrer Nase, hievte den Koffer wieder nach oben und stiefelte dann los, geradewegs in die Steppe hinein. Sylvia starrte ihr für einen Moment nach und folgte ihr dann.
      "... Was soll denn Hundefresser für eine Beleidigung sein?"
      "Dafür bist du einfach zu jung."

      Eine Stunde lang marschierten sie durch die Prärie, ehe aus der Ferne Musik ertönte und auch die ersten Gestalten auftauchten. Musik. Die Unsterblichen wurden einfach immer jünger.
      Zehn Minuten später erreichten sie den Versammlungsort, einer Ansammlung von hunderten Zelten, Wohnmobilen, aufgestellten Hütten und primitiven Dächern, die sich aneinander reihten und über die Ebene verteilten. Aus irgendeiner Ecke dröhnte die Musik, tausende Gestalten lungerten und wuselten herum und Ray konnte schon größere Zelte ausmachen, in denen zweifellos Alkohol ausgeschenkt wurde. Die ganze Veranstaltung glich einem einzigen, verdammten Camping Trip.
      Sie warf einen Blick über die Zelte hinweg und verschaffte sich einen vagen Überblick über die Lage, während ihr Blick bereits die ersten Leute streifte. Sie kannte sie alle, aber sie hatte keine Ahnung, ob sie es sich nur einbildete oder tatsächlich mal mit ihnen zu tun gehabt hatte. In jedem Fall war es ihr reichlich unangenehm, so viele Augenpaare auf sich zu spüren.
      "Bleib bei mir, sonst gehst du mir noch verloren. Wir werden da hinten unser Zelt aufstellen und dann gehen wir zu einem dieser großen Zelte, die werden sicherlich eine Sitzgelegenheit haben."


      @SunWukongIV
    • Zelte, das aufbauen eines solchen war für Sushan wie Atmen, wie Reiten, etwas so simples das er es in jedem Zustand vollbrachte, an jedem Ort und zu jeder Zeit, doch trotzdem hatte es eine Weile gedauert bis seine kleine einfache Unterkunft nun stand. Er hasste diesen Ort, wofür er stand und was er bedeutete aber er mochte ihn auch, die Gesichter die er hier warnahm waren alt, Felsen in einem sonst sehr schnellen und unsteten Fluss der Zeit, doch auch die Unsterblichen veränderten sich, manche fanden ein Ende, neue kamen hinzu, ein Wechsel der dafür sorgte das sich vieles Veränderte. Einst war er einer der Jungen gewesen, nun eher das Gegenteil. In dieser so verrückten ungleichen Versammlung trafen Zeitalter und Zivilisationen aufeinander die sonst nie in Berührung gekommen wären und dementsprechend chaotisch zeigte sich alles vor ihm auf.
      Eines der beiden Pferde, welches vor seinem Zelt graste, schaubte auf, nur leise, nicht aufgewühlt oder erschreckt, doch es riss ihn aus seinen Gedanken und er befestigte die letzte Leine. Er ging zu den Tieren hinüber, einem dunklen Hengst und einer braunen Stute, welchen er beiden zuredete als er begann ihr Fell zu striegeln. Es war eine Sprache die niemand mehr sprach, manche Anwesende vielleicht ausgenommen aber er hatte den Überblick über solche Dinge schon vor langer langer Zeit verloren und man wudnerte sich manchmal welche Dinge ein Unsterblicher vergessen konnte.

      Rufe in fremden Sprachen und das Geräusch von Stahl der auf Stahl traf riss ihn aus seinem Fokus auf die Tiere, er hatte bestimmt über eine Stunde mit der Pferdepflege verbracht, doch nun lies er die Bürste sinken und entschied sich dem Geräusch zu folgen. Vorbei an allen Arten von Behausungen, von aufwendig zu schnell, ging er dem Geräusch folgend durch das Lager bis er an einem mit kleinen Steinen gelegtem Kreis ankam der umringt war lautstarken Unsterblichen. Zwei Personen, die Sushan auf dem ersten Blick unbekannt waren duellierten sich in der Mitte des Kreises, ein aufeinandertreffen zweier Meister wie man Sie nur hier zu finden mochte und jeder der etwas vom Kampf verstand würde davon in seinen Bann gezogen.
      Sushan schaute nur einige Augenblicke lang zu, dann ging er weiter, lies seinen Blick umherschweifen auf der Suche nach neuen wie alten Gesichtern. Geräusche von verschiedenen Instrumenten und Sprachen, Gerüche von den verschiedensten Speisen und Getränken, all dies vermischte sich zu einer Menge, welche nur diese Versammlung vervollständigen konnte. In einiger Entfernung konnte er große Zelte sehen die einige aufgestellt hatten zum gemeinsamen Trinken, es war besorgniserregend wie viel Alkohol bei diesen Versammlungen floss wenn er einmal darüber nachdachte, doch der Rausch war eine der wenigen Freuden die sich über die Menscheitsgeschichte hinweg nicht wirklich verändert hatte.
      "Salam Aleikum, Sushan!", eine Stimme drang von rechts an sein Ohr und ein junger, viel zu energisch wirkender Man begrüßte ihn. Für einen Moment starrten Sie sich an bis Sushan langsam wieder einfiel wer diese Person war, welche ihn so direkt angesprochen hatte, "Wa aleikum salam Ahmad."
      "Wie ist es dir ergangen, so viel hat sich in der Welt getan nicht wahr?", Ahmads energetische Miene war ermüdend wie Sushan fand aber was erwartete man von jemandem der gerade einmal die zweihundert Jahre geknackt hatte.
      "Zuviel, ich habe nicht groß darauf geachtet, mir reicht meine kleine Welt.", seufzte Sushan als Antwort.
      "Wir müssen unbedingt bei einem Tee oder Kaffee über so vieles reden."
      "Später vielleicht."
      "Natürlich! Keine Sorge ich finde dich!"
      Damit war Ahmad bereits wieder auf dem Weg und jemand anderen anzusprechen und Sushan genoß die kurze Stille, nicht das er etwas gegen Gesellschaft oder Konversation hatte, er mochte diese doch manche Leute waren einfach anstrengend und jetzt erinnerte er sich ziemlich klar das er Ahmad zu diesen zählte.
      Weiter ging sein Weg durch das große Lager, ohne genau zu wissen wonach er eigentlich suchte, waren es wirklich alte Freunde, interessante neue Gesichter oder einfach die Kleinigkeiten, die Relikte welche anderswo in Museen gelandet wären und hier noch immer die Alltagsgegenstände waren wie einst. Das einzige was Sushan wusste war das er es schon finden würde, so oder so, Zeit hatten er und alle hier ja wahrlich genug.
      "Nur die Toten haben das Ende des Krieges gesehen!" - Plato


    • Sie quetschten ihr Zelt in die Reihen hinein, dicht neben einer aufgespannten Wäscheleine und einem alten Waschzuber, neben einem Zelt das aus Tierhäuten bestand und dessen Besitzer in einen Bärenpelz gekleidet war. Ray kannte ihn.
      "Turk!"
      Der Bärenmann sah unter dem geöffneten Maul seiner Kapuze hervor und grinste sie an. Seine modernen Jeans passten überhaupt nicht zu dem Rest.
      "Camilia! Du siehst ja… anders aus. Hast ein paar Pfund zugenommen."
      "Soll das eine Beleidigung sein?"
      "Unsinn!"
      Er schlug die flache Hand auf seine Wampe, die bei der engen Jeans besonders hervorstach. Seine Brust war so behaart, dass man ihn auch einfach unter dem Spitznamen "Bär" kannte.
      "Das ist ein ernst gemeintes Kompliment."
      "Na, danke."
      "Für dich doch gerne."
      "Übertreib's nicht, Turk."
      Er grinste noch breiter und zwinkerte ihr zu. Ray wandte sich ab, fühlte sich aber zumindest etwas besser. Solange der Bär noch lebte, konnte sich die Welt weiterdrehen.
      Sie rammte die letzten Haken in den Boden, band alles miteinander fest und zog die Plane schließlich drüber. Dann verstaute sie ihre Wertsachen und zog weiter in Richtung Festzelt. Sylvia holte zu ihr auf.
      "Wer war das?"
      "Der Bär."
      "Was macht er?"
      "Was denkst du denn?"
      "Jagen?"
      "Über 500 Jahre."
      "Rottet er damit nicht die Bären aus?"
      Ray runzelte die Stirn.
      "Darüber hab ich noch gar nicht nachgedacht."
      "Solltest du mal."
      "Wäre aber nicht das erste Tier, das ausstirbt."
      Da verzog Sylvia das Gesicht und Ray wusste, dass sie ins Schwarze getroffen hatte.

      Sie begegneten auf ihrem Weg mehr Leuten, die Ray kannten und sie mehr oder weniger euphorisch begrüßten. Über manche freute sie sich selbst, anderen nickte sie nur zu, wieder anderen erwiderte sie, welche Geste sie ihr auch immer entgegen brachten. Sie begegnete einer alten Seefahrer-Freundin, die vor ihr salutierte, sie begegnete einem alten Soldaten, der ihr unter Gelächter seine Treue gegenüber irgendeinem König schwor und sie begegnete einer Ureinwohnerin, deren Begrüßung sie zwar nicht verstand, die sie aber mit morituri te salutant erwiderte, was die Frau zum Kichern brachte. Allgemein herrschte eine ausgelassene Stimmung.
      Aber natürlich war das nur die Spitze des Eisbergs, ein Teil des großen Ganzen, das in seiner Gesamtheit nicht so frohlockend war. Ray sah auch Leute, denen sie nicht begegnen wollte und die auch ihr aus dem Weg gingen: Kultbesessene, Fanatiker, Verräter, ehemalige Freunde - und sie sah natürlich die Geistlosen.
      Sylvia zupfte an ihrem Ärmel und deutete sprachlos auf eine Frau, die einsam inmitten der Zelte stand, den Kopf in den Nacken gelegt hatte, dessen Mund offenstand und die sich selbst auf die Brust sabberte. Sie trug ein zerissenes Kleid und starrte einfach nur in den Himmel hinauf, gänzlich reglos. Alle paar Sekunden holte sie pfeifend Luft, als habe sie selbst vergessen zu atmen.
      "Was ist mit ihr?"
      "Sie ist verrückt, durchgeknallt. Hat zu lange gelebt. Irgendwann schmort einem das Hirn weg, wenn man nicht aufpasst, das geht vielen so."
      "Passiert das auch mit dir? Hast du deshalb manchmal diese Aussetzer?"
      Das war dann doch eine Frage zu viel. Ray kniff die Augen zusammen und beschleunigte ihren Schritt.
      "Komm weg von ihr, ich will sie nicht mehr ansehen."
      Vor allem wollte sie es nicht, weil sie die Frau noch in ihrem gesunden Zustand gekannt hatte.

      Sie betraten das Festzelt und wurden mit einer ungeheuerlichen Auswahl an Getränken bombardiert. Über verschiedene Nationalgetränke, Geschmacksrichtungen und traditionelle Gemische, gab es auch noch epochenbasierte Varianten. Das Bier aus der Klassik war wohl kaum zu vergleichen mit dem deutschen Bier aus der Moderne, entsprechend gewaltig musste die Vorbereitung gewesen sein, um sowas überhaupt anbieten zu können.
      Ray ließ sich Wein einschenken, aus Verpflichtungsgefühl gegenüber ihrer Herkunft, und Sylvia probierte einen Krug Met. Allerdings verzog sie gleich das Gesicht und durfte sich im Anschluss von Ray auslachen lassen.
      Sie suchten sich einen freien Tisch, fanden einen kleinen und quetschen sich zusammen daran, ehe Sylvia mit ihrem Met kämpfte und Ray den Blick auf die Menge richtete. Sie war noch nicht gänzlich zufrieden mit den Begegnungen, die sich ihr ergeben hatten; ein paar Individuen fehlten noch auf der geistigen Liste, die sie vollständig abhaken wollte.
    • Weiter ging die Wanderung, Sushan immer auf der Suche nach etwas das er erst noch finden musste um zu wissen was es war. Mehrfach machte er halt, betrachtete jemanden oder grüßte knapp und ohne großes Taram, andererorts ging er schneller um nicht mit den Unsterblichen reden zu müssen. Was auch immer die Leute für Unsterblichkeit auswählte hatte nicht immer einen guten Riecher und so mancher Unsterblicher war mehr Monster als Mensch. Für manche mochte dies im Auge des Betrachters liegen doch gerade die letzten tausend Jahre hatten einige der Schlimmsten hervorgebracht. Gäbe es nicht die Unsterblichkeit so würde es sicherlich dutzende oder mehr Tode zu jedem dieser Treffen geben, nicht das es nicht auch bei ihnen Mittel und Wege gab aber daran wollte er nicht denken.
      "Sain uu Sushan!", ein eher kleiner Mann mit leicht rundem Gesicht, gemütlicher Pelzkleidung, zu Zöpfen gepflochtenen Haaren und einem leichten Bart näherte sich und verbeugte sich leicht vor Sushan. Diesmal erkannte der Unsterbliche seinen Gegenüber sofort, "Batu es ist lange her."
      "Zu lange mein Freund doch wenn der Ruf kommt folgen wir nicht wahr?"
      Sushan nickte nur zustimmend, "Wie macht sich die Stute, die ich dir geschenkt habe?"
      "Oh ausgezeichnet Sie hat mir lange Jahre gute Dienste geleistet und viele Generationen wundervoller Pferde eingebracht.", Bantu lächelte als er davon erzählte, "Meine Herde zu dieser Zeit ist ein wundervoller Anblick, Sie durch die Steppe reiten zu sehen hätte selbst Temujin mit Neid erfüllt."
      "Der Mann hatte Geschmack was Pferde angeht das gebe ich zu.", merkte Sushan an, er hatte bis heute gemischte Gefühle was Genghis Khan anging aber jemand wie Batu der mit ihm geritten und Bruderschaft geschworen hatte stand hier natürlich parteiischer dar. Für eine Weile sprachen die beiden über das was Sie verband, die Pferde, beinahe wie stolze Väter, die von ihren Kindern schwärmten, dann verabschiedete sich Sushan mit dem Versprechen sich zu einem späteren Zeitpunkt nochmal zu treffen.

      Ein weiterer kurzer Spaziergang führte ihn nocheinmal durch die Zeltsiedlung, diesmal etwas ruhiger aber auch eiliger im Schritte. Wieder gab es Begrüßungen aller Art im Vorübergehen, freudige wie auch misstrauische Blicke die erwiedert oder ignoriert wurden und die üblichen Geräusche, eine Symphonie aus hunderten Sprachen, Musikstilen und allem was so Lärm machen konnte.
      So mancher Anblick war aber auch ein unglücklicher, all jene deren Geist von der Unsterblichkeit zerfressen war, erschreckender noch das einige der Opfer jünger waren als Sushan selbst, er zählte sich nicht zu den Glücklichen aber er definitv war einer, wenn er hier stand und noch immer bei Verstand war, zumindest hoffte er es denn wer wusste schon was die Verrückten glaubten, wie Sie die Welt sahen.
      "Zeit für etwas zu trinken.", sagte er zu sich selbst und trat den Weg zu einem der großen Zelte an.

      Der Weg zum großen Zelt war nicht mehr weit und wenngleich Sushan keien Ahnung hatte wessen Idee solch ein Ort gewesen war so musste er den Unbekannten in Gedanken doch seinen Dank aussprechen. Zielstrebig besorgte er sich einen Krug mit Ayrag, wobei er einen weiten Bogen um die starken Getränke machte, von denen einige der Anwesenden geradezu obszöne Mengen zu sich nahmen. Vorsichtig nahm er einen Schlug, wischte sich das milchige weiß aus dem Bart und sah sich um, wieder bekannte und unbekannte Gesichter, solche die er mochte oder verabscheute, viele junge, wenige Alte, wie es sich doch immer wieder wiederholte.
      Er ging eine Reihe weiter ab und entdeckte an einer Seite einen kleinen Tisch, die Blondine mit Rehaugen kannte er nicht, aus welcher Ecke der Welt Sie auch immer kommen mochte, es war nicht die seine, ihre Tischpartnerin jedoch war etwas anderes, Ray nannte Sie sich mittlerweile und Sie war eine der Älteren, bereits Teil der Gemeinschaft als er das erste Mal hierher fand.
      "Es ist lange her seit wir das letzte mal hier waren, wieder hat sich so vieles verändert.", sprach er als Begrüßung in Richtung von Ray und nahm einen Schluck aus seinem Krug.
      "Nur die Toten haben das Ende des Krieges gesehen!" - Plato


    • Sie saßen keine halbe Stunde dort, als eine äußerst vertraute Gestalt sich aus der Menge löste und im gemächlichen Schritt auf sie zugeschlendert kam. Ray hätte die zotteligen Haare unter Millionen von Menschen herauspicken können, sie stachen für sie genauso hervor wie die Sonne durch den Bruch einer Wolkenwand. Sie prostete ihm noch zu, bevor er an ihrem Tisch angekommen war.
      "Su, salam aleikum! Quem fors dierum cumque dabit, lucro adpone! Der Tag, an dem du hier nicht auftauchst, wird mein letzter sein - deswegen lass es uns genießen, solange es hält."
      Sie grinste und Sylvia starrte sie für einen Moment fasziniert an; sie hatte sich immer noch nicht gänzlich daran gewöhnt, wenn Ray in ihrer Muttersprache redete.
      Ray musterte Sushan einmal von oben bis unten. Sie glaubte, ihn kräftiger in Erinnerung zu haben, aber an der natürlichen Ruhe, die er ausstrahlte, hatte sich nichts verändert, ebenso wenig wie an seinem lebendigen Blick, mit dem er die beiden Frauen betrachtete. Über die Jahre hatten die beiden sich auch mal in die Haare gekriegt, das war wohl verständlich bei über tausend Jahren Bekanntschaft, aber letzten Endes war Ray jedes Mal erleichtert, ihn auf den Versammlungen zu entdecken.
      "Lang ist's her, in der Tat. Aber es ist gut zu sehen, dass du immer noch der Alte bist. Die Welt verändert sich heutzutage viel zu schnell."
      Sie lehnte sich zurück und bot ihm einen Platz an, dann kramte sie einen weiteren Joint hervor und bot ihn ihm an. Erst, als sie selbst einen Zug genommen hatte, richtete sich wieder auf.
      "Ah, entschuldige, ich bin wahnsinnig vergesslich in letzter Zeit. Sylvia, das ist meine bessere Hälfte Sushan und Su, das ist... einfach nur Sylvia."
      Die blondhaarige lächelte ihm unsicher zu. Es war ihr deutlich anzusehen, dass sie von Sushans bloßer Anwesenheit eingeschüchtert war und Ray konnte es ihr nicht verdenken; Su wirkte von allen Unsterblichen am meisten wie ein äußerst erfahrener, äußerst weltgewandter Unsterblicher. Er schaffte das, woran die jungen scheiterten, nämlich wie man weise erschien, ohne dabei mit seinem Wissen zu prahlen.
      "Und ich bin übrigens Ray, aber das habe ich dir vielleicht auch schon gesagt. Wie gesagt, ziemlich vergesslich."
      Sie rollte mit den Augen, zog an ihrem Joint und entspannte sich merklich. Dann grinste sie.
      "Drei Mal darfst du raten, wie alt die kleine Sylvia hier ist."
      Sylvia warf ihr einen ärgerlichen Blick zu.
      "Was? Ist doch kein Geheimnis."
      Sie grinste breiter und löste es schließlich auf, indem sie sich verschwörerisch über den Tisch zu Sushan vorbeugte.
      "139 ist sie. 139! Sie ist fast noch ein Kind!"
      "Stimmt doch gar nicht", beschwerte sich Sylvia, aber Ray ignorierte sie.
      "Hab' sie bei ihrer ersten Existenzkrise erwischt. Die Pulsadern hatte sie sich aufgeschnitten, einmal quer und einmal längs. Hat wohl beides nicht funktioniert, was?"
      Sie grinste noch immer, aber Sylvia erbleichte, als wäre sie auf frischer Tat ertappt, und wandte den Blick ab. Ray blies genüsslich den Rauch durch ihre Nase.
      "Ach komm schon, ist doch nicht so schlimm. Da mussten wir alle mal durch. Nach der Faustregel musst du durch zehn Existenzkrisen gehen, bevor du in den Ruhestand eintreten kannst. Ist es nicht so, Su? Hast du nicht", sie machte eine schwammige Geste mit ihrer Hand, "eine Lebensweisheit, die du unserer kleinen Sylvia beibringen könntest?"
    • Sushan setzte ein leichtes, subtiles Lächeln auf als Ray in begrüßte, die alte Lady hatte weit mehr Energie als die meisten hier und bis heute war er sich nicht sicher wie Sie es machte, es hieß ja immer man seie nur so alt wie man sich fühle aber für beinahe zweitausend Jahre sich zwanzig zu fühlen musste man auch erst einmal schaffen, "Ich fürchte ich bin dazu verdammt für immer über diese Welt zu reiten daher werden wir noch sehr lange aufeinander hocken."
      Er nahm den Joint entgegen und tat einen tiefen Zug, manche Dinge änderten sich nicht oder waren zumindest so alt das selbst er Sie als alt empfand, Ganja war eines von ihnen, eine der Sachen die schon seine Eltern und Großeltern sowie Generationen vor ihnen gekannt und genoßen hatten.
      "Willkommen Sylvia.", begrüßte Sushan die rehäugige Blondine knapp und setzte sich dann. Auf Rays Frage antwortete er ersteinmal nicht sondern lies die kindliche Kabbelei zwischen den beiden vorübergehen, die von einer Frage ihres Alters herrührte, verdammt lange war es her das ihn jemand sowas gefragt hatte, andererseits umgabg er sich auch nur mit sehr wenigen Menschen und bevorzugt denen die nicht zu neugierig waren, weshalb er grundsätzlich selten etwas gefragt wurde. natürlich dauerte es nur einen Moment bis Ray das Gespräch zurück in seine Richtung lenkte.
      "Bei meiner ersten Krise kniete ich zehn Tage lang ohne Wasser und Essen vor einer Statue des großen Bhudda, bis ich durch die Erschöpfung dachte Sie spricht zu mir ...", er nahm einen tiefen Zug und bließ den Rauch gegen die Decke des Zeltes, wo er sich langsam auflöste, "... das hielt aber letztendlich nicht lange an, die zweite war nicht wirklich interessant aber bei der Dritten ritt ich mit Attila gegen die Römer, nicht aus Eigeninteresse oder nomadischer Bruderscahft sondern weil ich die Welt einfach nur ein wenig brennen sehen wollte."
      Er lehnte sich ein wenig zurück und richtete seine Augen zielgenau auf Sylvia, "Wir leben alle lang genug um tausende Fehler zu machen und die Hälfte der Leute hier haben unter irgendeinem Tyrannen, Monster oder sonstigem gedient und gefeiert, manche sogar unter mehreren. Die Welt vergisst die Fehler irgendwann man sollte Sie also nicht zu eng sehen."
      Ein weiterer tiefer Zug folgte und wieder bließ er warmen süßlichen Rauch gen Himmel dann sah er fragend zu Ray hinüber, welche eben noch so schadenfreudig Sylvia ihre Fehler aufgezählt hatte, zumindest fast.
      "Nur die Toten haben das Ende des Krieges gesehen!" - Plato


    • "Siehst du?"
      Ray sah zu Sylvia und nickte in Sushans Richtung.
      "Jeder kommt mal in den Genuss einer Krise. Die kommt automatisch, wenn das Gehirn auf dem Weg ist, die Ausmaße seiner Existenz zu begreifen."
      Sylvia musterte Sushan mit ihrem beinahe kindlichen Interesse, dann schlug sie die Augen nieder. Ray rauchte und legte ihren Blick auch auf ihren Freund.
      "Wobei ich dir nicht verziehen habe, mit Attila zu reiten. Ich finde, du hättest dir einen anderen Austragungsort für deine Krise suchen können, das war schon fast eine persönliche Beleidigung."
      Aber sie grinste schließlich und wechselte das Thema.
      "Siehst du, Syl? Heutzutage interessiert das sowieso keinen mehr. Da musst du einfach mal durch. Bei meiner ersten Krise hab' ich das Orakel aufgesucht, das war vielleicht eine unhöfliche Frau."
      "Aber ich habe mir keinen Fehler zu Schulden kommen lassen… glaube ich", erwiderte sie kleinlaut und setzte noch viel kleinlauter hinzu: "Ich habe meine Geschwister beerdigt."
      Ray musste sich für einen Moment an die Bedeutung des Wortes erinnern, ehe sie nickte.
      "Ach, du meinst Verwandte aus der gleichen Blutlinie. Das geht auch vorüber, irgendwann wirst du den Überblick verloren haben. Ich habe keine Ahnung, ob meine Blutlinie überhaupt noch existiert."
      Da schaffte es Sylvia, wie auch immer sie das machte, noch ein Stück bleicher zu werden, schob sich schließlich auf ihrem Stuhl vom Tisch weg, stand steif auf und ging in Richtung der Bar davon, ohne sich nochmal zu ihnen umzudrehen.
      Ray sah ihr verwundert nach.
      "Syl?"
      Aber sie entfernte sich zielstrebig und so seufzte Ray.
      "Wenn du mich fragst, gibt es schon genug Unsterbliche, um neue zu zeugen. Wir brauchen nicht jedes Jahrhundert so ein Drama wie Sylvia."
      Sie rauchte zu Ende, schnippte den Stummel achtlos beiseite und musterte Sushan ein weiteres Mal. Etwas an seiner Ruhe störte sie. Er wirkte so… klar.
      "Sag mir, Su, wie geht's dir? Ich meine…" Sie warf einen kurzen Blick zum Nachbarstisch und beugte sich zu Sushan vor. Dann tippte sie sich gegen die Schläfe.
      "Wie geht's dir… da oben?"
    • "Ich hätte Rom niedergebrannt und dabei gelächelt aber soweit sind wir nie gekommen und das Feuer haben am Ende andere gelegt, ironischerweise genau die, die euch damals gegen Attila geholfen hatten, ich bereue einige Details nicht das Ganze.", merkte Sushan an, Geschichten wie diese gab es zu dutzenden in ihren Reihen, besonders die Kreuzzüge hatten so manches Treffen spannend gemacht aber Attila war um die 1.500 Jahre her, niemand hier hielt so lange ernsthafte Grolle am Leben.
      Währenddessen schien Ray weiter zu erzuählen, von ihren eigenen Erlebnissen, Sylvia von ihrem und letztlich kam man auf das Thema der Familie zu sprechen. hatte er selbst noch Familie, Nachkommen? Seine erste Familie hatte letztendlich irgendeine Krankheit erwischt und danach war sicherlich kein Mönch gewesen, es war also nicht auszuschließen das Nachfahren seiner selbst oder seiner Geschwister immernoch auf der Erde wandelten aber wenn dem so war, dann hatte er das Interesse daran verloren. Die Familie sterben zu sehen hatte ihm beim ersten Mal so nachhaltig geprägt das er keinen zweiten Versuch gestartet hatte. Die Unsterblichkeit war nicht erblich, das hatte so manches Pärchen in ihren Reihen feststellen müssen, er hielt es daher für klüger seinen Geist frei von diesen belastungen zu halten.
      Als Sylvia davon marschierte, Kreidebleich, wie eine Geistergestalt nahm er einen letzten Zug des Joints und lies den Stummel auf den Boden fallen, Rays Worte rangen an sein Ohr und er musste seufzen, "Es gibt doch jedes Jahrhundert mehrere Dutzend von ihrer Sorte, es stört dich bloß deshalb weil du dich entschieden hast Sie unter deine Fittiche zu nehmen, wir leben ewig aber Sterben können wir dennoch, wer weiß wen wir dieses mal nicht mehr sehen werden."
      Dann kam ihre Frage, die Frage vor deer sich jeder hier fürchtete, weil die Antwort so unterschiedlich ausfallen konnte, weil die falsche Antwort einen Weg in eine traurige Spirale darstellte in der niemand seine Kameraden sehen wollte, die Frage nach dem Geist, seiner Verfassung und dem Weg von eben diesem.
      "Ich bin noch da aber ich beginne das Interesse an der Welt zu verlieren, meine Heiamt wird von Männern regiert die den Worten eines Propheten folgen der erst vierhundert Jahre oder so nach mir geboren wurde.", er nahm einen tiefen Schluck der fermentierten Stutenmilch aus seinem Krug, bevor er diesen wieder absetzte, "Trotzdem sehe ich die Dinge noch so klar wie vor tausend Jahren, der Regen fühlt sich so an, die Vögel klingen genauso. Ich glaube ich bin immernoch voll da, doch wer weiß schon wie sich die sehen die es nicht mehr sind."
      Er seufzte ein weiteres Mal, trank einen weiteren tiefen Schluck, "Ich habe einige auf dem Weg gesehen von denen ich nie gedacht hätte dass es sie Treffen wird und nun sind Sie doch hier, verloren im eigenen Geist."
      "Nur die Toten haben das Ende des Krieges gesehen!" - Plato


    • Ray nickte langsam, hob das Weinglas an die Lippen, versuchte in den Genuss des Geschmacks zu kommen. Sie hatte Wein schon immer gemocht, die indirekte Verbindung zu ihrer Heimat, die ungewollte Metapher, die er über ihr Leben darstellte. Nur mit dem Alter wurde er genießbar und richtig alten Wein gab es nicht mehr, nachdem es stets irgendeine gierige Persönlichkeit gab, die das Siegel brach, unter dem er reifen konnte. Ray fragte sich in letzter Zeit, ob es Wein geben konnte, der zu lange gegärt hatte.
      Sushan beantwortete ihre Frage wahrheitsgetreu, es war eine Frage, die sie ihm jedes Mal stellte und deren Antwort sie sich in einem kleinen Kasten in ihrem Gehirn abspeicherte. Wenn sie die Ergebnisse miteinander verglich, erhielt sie ein Schema, das ihrem eigenen glich: Alles war gut, man lebte halt so dahin, manchmal ging es einem besser und manchmal schlechter. Sushan fühlte sich der Welt entfremdet, sowas sollte schonmal vorkommen, das konnte sie ihm kaum vorwerfen. Sie würde sich an seiner Stelle genauso fühlen. Für Su konnte sie immernoch Mitleid in den kalten Ecken ihres Herzens aufbringen.
      "Das ist gut für dich. Das ist wirklich gut."
      Dieses eine Mal aber, wich sein Schema von ihrem ab. Sie dachte an Meriah, die sie gesehen hatte, die sabbernde Meriah, kaum mehr für etwas anderes gut als Instinkten zu folgen. Wie hatte es bei ihr angefangen, etwa auch mit kleinen Aussetzern? Mit Vergesslichkeit? Emotionslosigkeit?
      Sie drehte das Weinglas zwischen den Fingern.
      "Ich glaube", fing sie an und überspielte dann ihre aufkommende Nervosität, wahrhaftige Nervosität, mit einem Blick in das Zelt hinein und einem Schluck von ihrem Glas. Es war wohl das einzige Thema, das in ihr noch sterbliche Gefühle hervorrufen konnte.
      "Ich glaube mit mir geht es abwärts, Su. Ein Jahrhundert noch, vielleicht auch zwei, und ich werde als gedankenloses Nervenbündel enden, genauso wie Meriah und die anderen, wie die ganzen Gestalten, die sich hier irgendwo tummeln und ins Leere starren. Vielleicht spielt mir mein Gehirn auch nur Streiche. Aber woher soll ich unterscheiden kennen?"
      Sie richtete ihren Blick zurück auf Sushan und wünschte sich, dass sie alleine gewesen wären, um so ein Geständnis zu machen.
      "Ich habe Aussetzer, so als ob sich mein Gehirn von der Welt abkapseln würde. Dann denke ich nur und sobald ich es mich versehe, sind vier Tage vergangen und ich sitze immer noch im gleichen Stuhl, unbeweglich, und stinke nach Schweiß und Pisse. Sylvia hat mich schon zwei Mal aus so einem Delirium geholt, beide Male durch puren Zufall. Ich habe so schon ganze Wochen an mir vorbeiziehen zu lassen. Es passiert auch im Stehen und wenn ich wieder aufwache, sind mir die Beinmuskeln gerissen und ich liege auf dem Boden. Das ist kein Leben das ich mit… 1.000 Jahren führen will."
      Sie trank erneut, wünschte sich, dass sie etwas stärkeres hätte, war dankbar darum, es aussprechen zu können und dass es sich gerade um Sushan handelte. Die Vertrautheit des Umgangs mit ihm hatte eine heilende Wirkung.
      "Ich vergesse auch vieles, kann Zeiten nicht auseinanderhalten. Wenn du mich fragst, habe ich zur gleichen Zeit an der Seeschlacht von Gravelines teilgenommen und bin gegen die Perser in den Krieg gezogen. Es verwischt sich einfach alles in meinem Kopf. Ich weiß nicht mehr… ich weiß nicht, wie lange das noch hält."
      Sie verzog das Gesicht.

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    • Schweigend lauschte Sushan Rays Worten, die von einer freundliche Kenntnisnahme recht schnell zu einem düsteren Geständnis wurde. Er hatte sich über diese Dinge nie viel Gedanken gemacht, vielleicht aus Verdrängung heraus, vielleicht aber auch weil er es noch nie geglaubt hatte, das Sorgen über ein Problem das man nicht ändern könne sinnlos waren. Damit jedoch so konfrontiert zu werden war etwas unerwartetes und neues, etwas das er gerne um weitere tausend Jahre verschoben hätte. Doch wer weiß ob man noch tausend Jahre hatte, egal wie viel Zeit einem gegeben war, es war doch niemals genug wie es schien.
      Sushan trank einen weiteren tiefen Schluck um sich nur eine Sekunde vor dem Moment verstecken zu können, doch ihm war klar, dass das keine dauerhafte Lösung war, "Vielleicht ist es ja nichts, wir alle vergessen mal und nach einer Weile verwischen die Jahrhunderte nunmal. Es ist nicht so das wir alle jeden Moment der Jahrhunderte perfekt wiedergeben können, vielleicht ist es einfach nur vorpbergehend, eine schwache Phase sozusagen."
      Er war kein guter Redner, daher glaubte er sich selbst seine Worte nicht wirklich aber was sollte er sonst machen, Schweigen mochte Gold sein aber in diesem Fall war es wohl einfach Katzengold. natürlich könnte er Recht haben aber es gab keine Möglichkeit dies zu testen.
      "Selbst wenn es so sein sollte, wer weiß wie es ausschlägt, nicht alle enden gleich, vielleicht hast du Glück und es ist nur mild bei dir, nicht jeder teilt Meriahs Schicksal.", natürlich sprach er die andere Seite dieser Wahrheit nciht aus, manche wurden katatonsich und Apathisch but andere wurden Kalt, Brutal, mehr Bestie als Mensch und so sehr man sich vor der Geistlosigkeit auch fürchten mochte, die Rückkehr zur Bestie war sicherlich noch schlimmer. Einen Freund starr und verloren zu sehen war eine Sache, einen Freund aus Selbstschutz heraus töten zu müssen eine deutlich andere.
      "Wir wissen nichts und in einem Jahrhundert kann viel passieren, vielleicht machst du dir zuviele Sorgen, vielleicht brauchst du auch einfach Abwechslung oder ein neues Umfeld, raus aus der Stadt und dem was aus der Welt geworden ist für eine Weile ... denk an den Alten, er ist seit Jahrtausenden an diesem Ort, fernab jeglicher Zivilisation und er ist noch klar.", natürlich konnte man über die Klarheit des Alten streiten aber er war zumindest nicht katatonsich und Sushan wusste nicht was er Ray sonst noch sagen sollte, er war immer besser mit Pferden als mit Menschen gewesen.
      "Nur die Toten haben das Ende des Krieges gesehen!" - Plato


    • Rays Worte wurden zunächst mit Schweigen empfangen, während Sushan einen Schluck trank und sie selbst ihren Blick wieder ins Zeltinnere wandte. Beim Eingang kam gerade der Bär hereinspaziert, erblickte wohl ein bekanntes Gesicht, machte eine obszöne Geste und stieß ein brüllendes Lachen aus. Ray beobachtete ihn, ohne an seiner Euphorie teilzunehmen, ehe sie sich wieder Sushan zuwandte. Es war ihm anzusehen, dass er das Thema gerne gemieden hätte, so wie sie selbst sich davor zu drücken versuchte, aber die Realität bewies, dass einen die Zeit doch immer schneller einholte, als man ihr ausweichen konnte.
      Sie wusste nicht, was sie sich von Sushan erhofft hatte, ob es nur reines Verständnis war oder sogar eine Lösung, aber seine Worte hinterließen keinen bleibenden Eindruck in ihrem Gehirn, zogen einfach hinein, wurden erfasst und dann wieder freigelassen, nichts womit sie hätte arbeiten können. Sie starrte für einen Moment auf ihren Wein hinab.
      "Vielleicht hast du recht. Vielleicht mache ich mir nur zu viele Gedanken. Ich sollte es mal mit dieser Einsamkeit probieren, die du immer so predigst, hm?"
      Allerdings glaubte sie selbst nicht daran. Das war der Preis, der einen erwartete, wenn man die Natur gegen sich selbst wandte, wenn man den Kreislauf brach, indem man nicht daraus ausscheidete. Auch den Alten würde es eines Tages treffen, davon war sie überzeugt, auch seine Anhänger würden es treffen, wenn sie nur lange genug lebten und Sushan würde es auch treffen. Es musste einfach, so waren die Gesetze der Natur, sie nahm sich ein unendliches Menschenleben und gab dafür ihren Verstand her. Sie konnte sich nicht die Unendlichkeit nehmen und nichts hergeben.
      "Wirst du mich umbringen, wenn es soweit ist?", fragte sie ihn schließlich, nachdem sie beide für einen Moment geschwiegen hatten. "Wirst du mein Herz verbrennen, wenn es eines Tages soweit ist? Damit ich nicht herumstehe und mich vollsabbere? Oder schlimmeres tue?"
    • Es gab einen erneuten Moment der Stille, wenngleich die Feiergeräusche im Zelt nicht abgenommen hatten, wirkte es doch ruhig und Sushan war sich klar das er nicht gesagt hätte was Ray sich erhofft hatte oder aber was er gerne hätte sagen können, hätte er nur gewusst welche Worte es genau gewesen wären. Erneut seufzte er, wurde aber übertönt von Gelächter an einem Nebentisch, es war eine surreale und unwirkliche Situation aber was an ihren Existenzen war es nicht.
      "Mir hat die EInsamkeit bisher immer geholfen, ich führe immernoch mein Leben, nicht dass das die jeweilige Zeit von mir erwartet.", merkte er an, auch wenn er nicht wirklich glauben konnte das Sie ihren Gedankengang ernst gemeint hatte und nach einem Moment des gemeinsamen Schweigens kam die Frage, welche er hätte erwarten sollen, doch Sie überraschte ihn so kalt wie ein Pfeil in den Rücken.
      Sie töten? Er hatte bereits getötet, viele Male aus den unterschiedlichsten Gründen, doch so eien Tat würde nicht das gleiche sein, so lächerlich es auch klang so war es doch unendlich schwieriger den Tod aus Gnade, denn aus Hass, Wilkür oder sogar Vergnügen herbei zu führen. Ein Leben das man länger kannte als die meisten Länder existierten würde dies nur noch schwieriger machen, doch er verstand ihren Gedanken, niemand wollte so leben, nicht wenn es die Ewigkeit bedeutete und wenn würde Sie sonst fragen? Die kleine Sylvia? Sushan bezweifelte das die junge Frau jemals auch nur einem Huhn den Hals umgedreht hatte und Sie würde sicherlich keinen Gnadenstoß führen können, nicht so wie Sie in den wenigen Augenblicken ihres Treffens reagiert hatte.
      Für einen kurzen Moment schloss Sushant beide Augen und versetzte sich zurück in die eine Erinnerung seiner Jugend die er so klar sehen konnte als wäre sie erst gestern gewesen, eine weite ergrünte Steppe, für Meilen nichts als endlose Weite und er mittendrin auf dem Rücken seines Pferdes, es war kein besonderer Tag gewesen aber einer der ihn geprägt hatte, weil er einfach und glücklich gewesen war. Was hätte der junge Nomade von damals auf diese Bitte geantwortet? Hätte er akzeptiert, Ausflüchte gesucht oder wäre er davon geritten und hätte sich nie umgedreht? Sushan ballte die Fäuste so intensiv das seine Knöchel weißlich wurden, hielt sich aber davon ab auf den Tisch einzuschlagen und legte stattdessen beide Hände wieder ruhig auf das Holz, er war nicht mehr der Junge von damals, nicht mehr der Mann von vor tausend oder von vor fünfhundert Jahren, so sehr er die Vorstellung hasste, auch er hatte sich verändert, jeder hier hatte das und wenn Rays Veränderung diese Bitte bedeutete wäre er ein schlechter Freund gewesen abzulehnen, er hatte zu wenige Freunde um sich den Verlust eines solchen zu leisten aber wenn es schon einer weniger werden musste dann mit Würde.
      "Ich werde es machen wenn du es wirklich willst aber lass es nicht zu bald sein, wenn du die kleine schon unter deine Fittiche nimmst dann schuldest du ihr wenigstens das eine oder andere Jahrhundert an Lektionen.", antwortete er. Kurz ver suchte er ein lächeln zustande zu bringen, doch seine Mundwinkel rührten sich nicht und so wurde daraus nichts als ein eidnringlicher Blick als hoffte er dem Unausweichlichen einen Befehl zu erteilen.
      "Nur die Toten haben das Ende des Krieges gesehen!" - Plato


    • Ray beobachtete, wie Sushan seine Augen schloss und für einen Moment mit seiner Fassung zu ringen schien. Sie konnte förmlich beobachten, wie sich die Spannung durch seine Glieder ausbreitete, eine unterschwellige Bewegung in seinen Armmuskeln, die in seinen Händen ihr unausweichliches Ende fanden. Es war merkwürdig einen Mann seines Alters zu sehen, der in einem Augenblick wie diesem von seinen Gefühlen dominiert wurde, als hätte er nicht 1.000 Jahre oder mehr Zeit gehabt, diesen Rest sterblichen Etwas in sich einzusperren, wie alle es irgendwann taten, damit man nur eine Chance darauf hatte, letzten Endes nicht den Verstand zu verlieren. Ray fand es ironisch, dass gerade sie jetzt darüber nachdachte, als würde ihre Emotionslosigkeit ihr auch nur im Geringsten helfen.
      Schließlich gewann Sushan seinen inneren Kampf, entspannte sich und kehrte in die Realität zurück. Er schien noch gänzlich nicht überzeugt von ihrer Bitte, aber welche Möglichkeiten hatte er auch? In gewisser Weise lautete die Frage nicht, ob er sie umbringen würde, sondern ob er sich selbst dazu durchringen konnte. Anscheinend war er gewillt, es zu versuchen.
      "Sicher. Ein Jahrhundert halte ich schon noch durch."
      Und als ob es abgesprochen wäre, tauchte Sylvia in diesem Moment wieder aus der Menge auf, in Begleitung eines aufgedreht wirkenden Mannes, der alles und jeden in seiner Umgebung mit seiner puren Energie aufzuladen schien. Die beiden traten an den Tisch und Sylvia lächelte kaum merklich; sie war nicht mehr ganz so bleich wie vorhin.
      "Ray, das ist Ahmad, er hat gesagt, er würde mir ein paar Ecken zeigen."
      Ahmad grinste und zwinkerte Sushan zu, die beiden schienen sich wohl zu kennen.
      "Hallo Ahmad."
      Sie würdige ihm genau einen Blick. Bis auf Sylvia kannte sie kaum junge Unsterbliche und seiner aufgedrehten Art würde sie sich in jedem Fall fernhalten.
      "Zeig' ihr nicht die gewalttätigen Ecken, sie hat noch kaum Leichen gesehen."
      Ahmad versprach ihr äußerst aufgeregt, dass er natürlich nichts der gleichen vorhatte, zog Sylvia - die kicherte - mit sich und die beiden schoben sich wieder in die Menge hinein. Ray sah ihnen nach, schnaubte und trank von ihrem Wein.
      "Wieso erzählt sie mir sowas? Bin ich etwa ihr Babysitter? Sie weiß wo unser Zelt steht, soll sie doch machen, was sie will."
      Sie schüttelte den Kopf und stellte den Wein wieder ab.
      "Lassen wir diese Themen, das ist genug Trübsal für heute. Lust auf einen Übungskampf? Ich wette, irgendjemand in diesem Lager hat wieder Schwerter dabei."
    • Ein Jahrhundert? Immerhin genug Zeit um sich seelisch darauf vorzubereiten, das war das einzige was Sushan für einen Moment durch den Kopf schoss aber nun hatte er etwas versprochen und sein Wort hatte er in der Regel immer gehalten, irgendwann war es das einzige was man noch hatte und unter Unsterblichen waren Versprechen die wertvollste Währung, Sie hielten sich nämlich eine ganze Weile.
      "Ray, das ist Ahmad, er hat gesagt, er würde mir ein paar Ecken zeigen.", es war nicht Sylvias Stimme sondern der Name den Sie nannte, der ihn aufhorchen lief, er kannte nur einen Ahmad unter den Unsterblichen und der nervte ihn schon eine ganze verdammte Weile. Natürlich begrüßte ihn Ahmad auch direkt noch einmal und Rays stichelndes Grinsen verfinsterte für einen Moment seine Miene aber er fand wieder seine innere Ruhe als die beiden sich verabschiedeten um sich umzusehen, dem bhudda sei dank.
      "Sie sieht dich als eine Mentorin an außerdem ist Sie jetzt mit diesem fünfhundert Jahre altem Kind unterwegs, alles ist faszinierend, außergewöhnlich, neu und interessant.", er sippte einen letzten Schluck aus seinem Krug und stellte das leere Gefäß dann beiseite, "Vor 50 jahren oder so hat er mich aufgespürt und besucht weil er dachte ich bräuchte Gesellschaft und es gäbe ja soviel zu erzählen."
      Sushan hatte keinen Schimmer was Ahmad an ihm fand und er wagte sich nicht zu fragen, denn das würde unweigerlich ein längeres gespräch mit ihm zur Folge haben und Verstecken half ja augenschienlich auch nicht, hatte ihn Ahmad doch gefunden obwohl er keine Adresse hatte. Vielleicht würde er nicht verrückt werden sondern einfach auf ewig mit dem Mann gequält sein. Rays Vorschlag klang nach etwas Abwechslung die besser war als weiter über Ahmad nachzudenken.
      "Es wundert mich bis heute das du keines dabei hast.", merkte Sushan an und stand auf, er war einer derjenigen der Schwerter mit sich führte, "Ich bin seit ich zehn Jahre alt bin nicht mehr ohne eine Klinge gereist, schwer zu ändernde Eigenschaft."
      Allein im Festzelt konnte er ein Sammelsorium aus Waffen erkennen, manche Repliken, manche meisterlich gepflegte Originale, ein bunter Mischmasch aus Schwertern, Äxten, Dolchen, Hämmern und exotischeren Dingen die er nicht benennen konnte.
      "Nur die Toten haben das Ende des Krieges gesehen!" - Plato


    • "Du kennst ihn?", fragte Ray überrascht, die nicht damit gerechnet hätte, dass gerade Sushan jemand außerhalb ihres Altersbereichs kannte. Sie hatte ihn immer völlig losgelöst von der Zivilisation betrachtet, da stieß man nichtmal auf viele Sterbliche, geschweige denn junge Unsterbliche. Aber das Zusammentreffen war wohl genauso unbeabsichtigt gewesen wie Ray mit Sylvia.
      "Er scheint mir ausgesprochen nervig zu sein."
      Aber wenigstens hatte Sylvia nun jemanden, den sie an Rays Statt belästigen konnte. Mentorin - Ray würde sich hüten, für jemanden eine Mentorin zu sein, ganz zu schweigen von der unschuldigen Sylvia. Da würde sie fast die Rolle als Babysitterin bevorzugen.
      Sie standen beide auf und während sie sich in die Menge eingliederten, um zum Ausgang zu gelangen, lachte Ray auf Sushans Bemerkung auf. Sie konnte gar nicht anders, es war das Gesamtbild seiner offenen Verwirrung mit seiner manchmal auftretenden Losgelöstheit mit der Realität, die sie gänzlich unvorbereitet traf. Sie grinste und legte ihm einen Arm um die Schulter, was sich ziemlich einfach bewerkstelligen ließ, nachdem sie beide nicht nur gleich alt, sondern auch noch fast gleich groß waren.
      "Oh, Su. Ich bin hergeflogen, wie soll ich da durch die Kontrolle kommen?"
      Sie drückte ihn einen Moment und ließ ihn dann, immer noch grinsend, wieder los.

      Sie verließen das Zelt und schlugen den Weg zu Sushans Zelt ein, damit er seine Waffe holen konnte. Auf dem Weg begegneten sie mehr bekannten Gesichtern, denen mehr Grüße und Sprüche folgten, manche freundlicher ausgedrückt, andere eher weniger. Sie sahen auch einige Berühmtheiten, selbst unter den Unsterblichen: Der Sklave war hier, ein hochgewachsener, schlanker Mann mit dunkler Haut, dessen Gesicht permanent finster dreinblickte. Sein Name war mit seinen 1.000 Jahren leicht herzuleiten, allerdings hatte er sich keinen guten Ruf gemacht, nachdem er es sich zur Lebensaufgabe gemacht hatte, sich für Jahrhunderte seiner eigenen Unterdrückung und Tortur an alles und jedem rächen zu wollen. Sein Gefolge war gewalttätig, brutal und leicht zu provozieren, wodurch die meisten ihm weit aus dem Weg gingen. Als Ray und Sushan an ihm vorüber gingen, warf er beiden einen solch stechenden Blick zu, dass Ray für einen Moment überlegte, ihm anzubieten seine Augen zu entfernen, damit sie ihn nicht mit ihrem offensichtlich unliebsamen Anblick belästigen mussten. Aber nachdem er selbst für sie eine Nummer zu groß war, beließ sie es bei einem garstigen Blick ihrerseits, ehe sie weiterzogen. Der Sklave war bekannt dafür, besonders gegen Alte vorzugehen.
      Sie begegneten außerdem dem Anführer der Unsterblichen Kinder, einem scheinlichst 11-jährigen Jungen mit blonden Haaren und blauen Augen, der sich allerdings aufplusterte, als wollte er sich drei Mal so groß machen. Natürlich war er nicht 11 sondern irgendwas über 700, wodurch er auch Ray und Sushan schon kannte.
      "Der Prophet und die Walküre!", rief er ihnen entgegen, schlenderte auf sie zu und grinste sie mit seinem kindlichen Gesicht an.
      "Mein Tag ist auch erst dann gut, wenn ich euch zwei zusammen sehe. Wie läuft die Einsamkeit, Prophet? Hast du schon irgendeine Erleuchtung bekommen?"
      Er grinste ganz besonders Sushan an, machte aber keinerlei anstalten sich für einen Plausch in ihren Weg zu stellen, also gingen sie einfach weiter. Ray schnaubte kurz darauf.
      "Ich hasse den Spitznamen. Ich war genau 40 Mal in Norwegen und dafür über 400 Mal in Rom. Kann ich nicht den Spitznamen… Gladiatorin oder sowas bekommen?"
      Sie brummte missmutig und warf dann einen Seitenblick auf Sushan.
      "Aber Prophet passt zu dir."
    • "Du machst dir keine Vorstellung, noch dazu ist er viel zu klug als gut für ihn ist.", merkte Sushan auf Rays Aussage bezüglich Ahmad an und schüttelte den Kopf als Sie hinaus gingen, zu der Sache mit dem Flugzeug sagte er aber nichts. Zum einen erschien es ihm Schleierhaft wieso man ein Schwert nicht in einem Flugzeug mitnehmen konnte und zum anderen hatte er auch nur einmal eines aus der Nähe gesehen, welches allerdings abgestürzt und in Flammen war. An dem Tag hatte er beschlossen das er sich mit den Dingern nicht zu beschäftigen brauchte und nachdem ihm vor gar nicht allzu langer Zeit mal jemand gesagt hatte das irgendjemand zum Mond geflogen war hatte er einfach nur ungläubig den Kopf geschüttelt, manche Orte waren einfach nichts für Menschen, wieso wollte man da unbedingt hin? Natürlich sprach er nichts davon aus, es war ja seine Entscheidung und er bezweifelte das er irgendjemand umstimmen konnte, abgesehen davon das er es auch gar nicht wollte.

      Der Weg zu seinem Zelt führte Sie an den üblichen Dingen vorbei, Begrüßungen und finstere Blicke, bereits nach so kurzer Zeit zurück an diesem Ort war es wieder zur Gewohnheit geworden, seltsam wie schnell manche DInge sich normalisierten. Den Sklaven würdigte er nichtmal eines Blickes, den Mann mochte er nicht und dieser mochte ihn noch weniger, es machte keinen Sinn noch Öl ins Feuer zu gießen so war es gut das Sie ohne Konflikt an ihm vorbei kamen, dann allerdings tauchte dieser unheimliche Junge auf. Sushan hatte keine Ahnung wie es passieren konnte das die Unsterblichkeit einen im Kinderalter gefangen hielt doch der Gedanke erschauderte ihn jedesmal ein wenig und er versuchte möglichst wenig diese Gedankenrichtugnen weiter zu führen.
      Die beinahe patzige Bemerkung des Burschen quittierte er mit einem stechenden Blick bis Sie aneinander vorüber gegangen waren. Als Ray dann aufschnaubte und ihren Gedanken über die Spitznamen freien Lauf lies schüttelte er nur den Kopf, "Ich habe nie eine Prophezeiung ausgesprochen, nie gepredigt warum sollte ausgerechnet ich ein Prophet sein?"
      Sushan verdrehte die Augen, "Außerdem weiß ich mit Sicherheit was die kleine Rotznase vor fünfhundert Jahren so getrieben hat und die Spitznamen die sich daraus ergeben will er sicherlich nicht für das nächste Jahrhundert herumtragen."

      Nach einigen Minuten des Wanderns vorbei an Zelten, Hütten und was die Anwesenden sonst nocht so an Behausungen mitgebracht oder errichtet hatten, erreichten Sie endlich sein kleines Zelt neben dem immernoch brav angebunden die beiden Pferde grasten, welche jedoch aufblickten als ihr Besitzer zurückkehrte und ihn mit einem Schnauben begrüßten. Sushan wühlte nur kurz in seinem Zelt herum und zog dann einen Säbel hervor, keine traditionelle Waffe seiner Herkunft aber er war nicht so verbohrt das er nicht auf etwas besseres umstieg wenn es sich bewährt hatte, zumindest in manchen Fällen. Kurz zog er die Klinge ein Stück aus ihrer Scheide, sodass sich das Sonnenlicht im Stahl schmiedete.
      "Verrückt wie sich die Zeiten ändern, kommt mir wie gestern vor das soetwas überall zu sehen war und heute hat sich alles geändert, Selbst Krieg ist nicht mehr so wie früher obwohl ich immer dachte er ändert sich niemals.", er schob die Klinge zurück und legte Sie dann an seinem Gürtel an, bevor er wieder zu Ray blickte.
      "Nur die Toten haben das Ende des Krieges gesehen!" - Plato


    • "Du siehst so aus, als könntest du alles wissen - auch die Dinge, die gar nicht möglich zu wissen sind."
      Ray grinste Sushan an und zwinkerte.
      "Außerdem laufen alle Propheten mit so wirren Haaren rum wie du."
      Sie erreichten Sushans Zelt, das er ein Stück abseits aufgebaut hatte und mit seiner Friedlichkeit Ray fast davon überzeugte, dass ihr eigener Platz unzureichend war. Die Ruhe kam ihr plötzlich gar nicht mal so abwegig vor, vielleicht würde sie ihr eigenes Zelt noch umziehen.
      Sie ließ sich von den Pferden ablenken, die Sushan wie jedes Mal mitgebracht hatte, hielt respektvollem Abstand zu seinem dunklen Hengst und trat an die Stute heran, die sie aus kugelrunden Augen beobachtete.
      "Na, du dummes Ding?"
      Sie klopfte ihr auf den Hals und erhielt als Antwort ein weiteres Schnauben.
      "Du und deine Pferde seid echt unzertrennlich, was?"
      Sie wandte sich wieder ab und beobachtete, wie Sushan seinen Säbel hervorholte, der noch immer so hell strahlte wie eine neuwertige Waffe. Er musste eine gute Quelle Waffenöl haben.
      "Kriege waren noch gut, bevor das Schwarzpulver entdeckt wurde, danach haben sie sich nur noch für die See geeignet."
      Sie schüttelte den Kopf.
      "Heutzutage stehen die Armeen meilenweit auseinander und schießen sich ab, damals war es besser. Da musste man noch Rüstungen tragen und seinem Feind in die Augen sehen, wenn man ihn umbringen wollte. Das ist einfach was anderes."
      In Momenten wie diesen beneidete sie Sushans Zugehörigkeit zu seiner Vergangenheit, die er die ganze Zeit schon mit sich herumtrug. Er konnte sich einfach überall niederlassen, ohne sich jemals fremd fühlen zu müssen. Ray hatte selbst kaum mehr Relikte aus ihrer früheren Zeit, nichtmal ihren Namen hatte sie beibehalten - vielleicht war das der Grund, weshalb sie immerzu ruhelos nach weiteren Herausforderungen suchte, nach weiteren Konflikten, denen sie sich stellen konnte. Vielleicht sollte sie auch mal zu ihren Wurzeln zurückkehren.
      "Hast du denn keine traditionelle Waffe mehr? Das hätte ich dir eher zugetraut."
      Sie musterte ihn, ehe sie sich wieder auf den Weg machten, um einen geeigneten Übungsplatz zu suchen.
      "Wir könnten auch von Pferderücken aus kämpfen, wenn du eh schon zwei dabei hast. Aber dann wirst du ganz sicher gewinnen."
    • "Meine Pferde haben mich hergebracht, zumindest die beiden dort, die anderen sind in der Heimat.", erklärte Sushan und sah zu den Tieren auf. Natürlich hatte Ray recht aber da die Pferde auch sein einziges Transportmittel waren, hatte er zumindest immer die Ausrede der Nützlichkeit, auch wenn diese ihm vermutlich niemand mehr wirklich abkaufte, dazu war er dann doch zu berechenbar für jemanden der ihn seit Jahrhunderten kannte.
      "Vielleicht waren wir einfach dem Krieg zu lange fern und haben vergessen wie es ist, vielleicht ist es immernoch genauso und wir sind einfach blinde alte Unsterbliche die Unsinn reden.", seufzte er und ging näher auf Ray zu, "Die Schwerter meiner Leute waren gut aber diese sind einfach besser in der Form, warum sollte ich an irgendeiner sinnlosen Tradition festhalten, zumal heutzutage sowieso kein Schmied mehr zugegen ist der es richtig machen würde."
      Gemeinsam gingen Sie wieder los auf der Suche nach einem Ort an dem Sie in Ruhe üben konnten, nicht das es an Platz mangelte aber es war eben nicht jedes Fleckchen gleich und natürlich wollte man auch nicht umgeben von den falschen Zelten die Klingen kreuzen, da wäre Ärger vorprogrammiert gewesen.
      "Die Stute ist nicht kampftrainiert, da hättest du keinen Spaß mit, ein gutes Tier mit guter Blutlinie aber für die Schlacht taugt Sie nichts, vermutlich würde Sie dich abwerfen sobald das erste Mal das geräusch von Stahl auf Stahl erklingt.", er blickte sich um ob er einen geeigneten Ort entdeckte, vielleicht sogar einen wo bereits andere trainierten, doch bisher konnte er nichts geeignetes entdecken, "Außerdem hast du noch keine Waffe also müssen wir eine Auftreiben es sei denn du hast vor Ahmad und Sylvia zu suchen um dir eine von ihnen zu leihen."
      Sushans letzter Kommentar war offensichtlich eine Art Witz gewesen aber aufgrund seiner eher ruhigen Natur, klang es eher wie ein schlechter Vorschlag, auch wenn er sich sicher war das Ray nach all der Zeit seinen Humor verstand oder zumindest nicht mehr durch ihn verwirrt wurde. Er hatte Sie immer als gelehriger gesehen, als jemand der sich besser an die sich wandelnden Zeiten gewöhnen konnte, zumindest besser als er selbst der es vorzog das die Dinge gleich blieben, nicht dass das je so gewesen wäre, aber Sushan wusste das die einzige Person die er recht erfolgreich belügen konnte er selbst war.

      Nach einigen Minuten des Laufens erreichten Sie eine offene Stelle wo sich bereits zwei ihm auf den ersten Blick unbekannte Frauen duellierten und ein schlanker Mann mit aufwendig zurückgewachsten Haaren und freiem Oberkörper Wurfübungen mit verschiedensten Messern machte, die er allesamt in einen knorrigen alten Baum beförderte. Vermutlich war er schon eine Weile damit beschäftigt, denn die Rinde war an der Stelle wo die Klingen eingedrungen waren, beinahe völlig entfernt und selbst ohne einen genauen Blick zählte Sushan beinahe zwei Dutzend Einstichstellen.
      "Hier vielleicht?", er deutete auf den Ort, wo es noch reihclich freie ebene Erde gab, die Sie hätten nutzen können.
      "Nur die Toten haben das Ende des Krieges gesehen!" - Plato


    • Sie ließen Sushans Zelt auf der Suche nach einem geeigneten Übungsplatz bald wieder hinter sich und schlängelten sich zwischen den Zeltreihen hindurch. Mehr als ein Mal wurde ihr Weg von provisorischen Bauten unterbrochen, übergroßen Zelten oder schlichtweg Leuten, die sich zu wenig um andere kümmerten um Platz zu machen oder die beiden alten Unsterblichen unbedingt grüßen wollten. Wenn man die 1.000-Jahre-Grenze überschritt, gab es wohl kaum jemanden über der 500-Jahres-Grenze, mit dem man nicht schon einmal zu tun gehabt hatte. Und trotz der vielen jungen Unsterblichen, gab es auch noch genügend ältere.
      Es machte es lästig, sich nicht vollständig auf die Unterhaltung konzentrieren zu können und Ray verteilte mehrere garstige Blicke, während sie den ein oder anderen durch die bloße Widerstandskraft ihres Oberkörpers aus dem Weg zwang. Es hinderte sie allerdings nichts daran, sich dennoch entspannt mit Sushan zu unterhalten.
      "Gibt es heute überhaupt noch Kriegstiere? Ich habe ja nichts gegen Panzer einzuwenden, aber nichts ist so beweglich wie ein kräftiges, geschultes Pferd."
      Sie wandte ihm einen knappen Seitenblick zu.
      "Ach. Ha-ha. Wird es in der Ewigkeit auch mal ein Jahrhundert geben, in dem du lustig bist?"
      Aber sie grinste, während sie das sagte, und verzichtete darauf, ihn weiter darüber aufzuziehen.
      Sie fanden eine freie Fläche, die bereits von anderen trainierenden okkupiert wurde und damit dem ganzen Bereich bereits die Autorität eines Übungsplatzes verlieh. Es war jedes Mal ein schönes Gefühl die Geräusche eines Kampfes zu hören, das Kreischen des Stahls aufeinander, das angestrengte Ächzen, das Stampfen der Stiefel im Boden. Diese Geräuschkulisse zusammengewürfelt und verfielfacht, zeugten die allüblichen Geräusche einer Schlacht, in der es sich für Ray bisher am meisten zu Leben gelohnt hatte. Sie vermisste es, sie hätte sich belügen müssen, wenn es nicht so wäre, und so war ihr der Anblick der beiden Frauen sehr angenehm. Wenn sie doch nur wieder einen Krieg wie damals führen könnte.
      "Sicher. Hier ist es gut."
      Sie näherte sich dem Mann mit den Messern, schilderte ihr Begehren, deutete auf Sushan. Der Mann hielt in seinen Übungen nicht inne, nickte allerdings, zuckte mit den Schultern und leitete sie weiter. Fünf Minuten hatte sie ein Langschwert aus dem 12. Jahrhundert in der Hand, nicht im Geringsten ein Jahrhundert, mit dem sie sich sonderlich identifizieren konnte, aber so einen Luxus konnte man bei einer Ewigkeit auch nicht ständig genießen. Sie wog die Waffe in der Hand, drehte sie ein bisschen und begutachtete die Klinge. Sie hatte seit der letzten Versammlung schon kein Schwert mehr in der Hand gehalten, mal sehen, wie es dieses Mal ausgehen würde. Vielleicht fing sie mit ihrer Vergesslichkeit ja auch an, Dinge zu verlernen.
      Sie stellte sich auf einer Seite auf, während Sushan ihr gegenüber Stellung bezog. Das Klirren der beiden Frauen gab ihnen eine vertraute Umgebung. Solche Trainingsplätze suchten sowieso nur die älteren auf, die auch einen Bezug zum Waffenkampf hatten - die jungen waren ja heutzutage alle mit Schusswaffen auf die Welt gekommen.
      "Ich schlage vor, dass ein Stich zwischen die erste und zweite Rippe den Sieg darstellt. Wir wollen es doch nicht zu langweilig halten."
      Sie drehte die Waffe erneut, richtete sich dann aus und stürmte in einem Frontalangriff auf Sushan zu, als stünde sie an der Front einer Legion, die den Angriff einleitete. Es lag ihr quasi im Blut sich dem Feind in höchster Disziplin zu stellen. Nicht umsonst war sie vom einen Krieg in den nächsten gefallen, nur um den Dienst gegenüber ihrer Würdenträger ausführen zu können.
    • Es dauerte nur kurze Zeit bis Ray bewaffnet vor ihm stand, ein Langschwert in den Händen, wie Sushan es aus der Zeit der Kreuzzüge kannte. Es war lange her, dass ihm jemand mit einem echten Schwert gegenüber stand, nicht das er nicht immer wieder trainiert hatte und durchaus auch die Klinge genutzt hatte, doch jemandem mit einem Schwert gegenüber zu stehen war etwas anderes. Überhaupt jemandem mit einer ernsthaften Waffe gegenüber zu stehen war wie eine Vision der Vergangenheit, von Klingen die er mit Persern, Römern, Indern, Chinesen und so vielen mehr gekreuzt hatte.
      "Erste und zweite Rippe, in Ordnung.", für einen Moment musste er überlegen wo genau dies eigentlich war, er verstand sich auf das Kämpfen, Anatomie war allerdings nicht sein Fachgebiet und anderes als Ray hatte er nie allzuviel Zeit auf akademischere Richtungen gegeben. Er würde sich wohl einfach einlassen müssen und ausprobieren, es würde schon schief gehen, letztlich war es ja nur ein Trainingskampf und es ging um nichts außer den Vertreib von Zeit.
      Einen einzelnen Augenblick lang standen Sie da, sahen sich schweigend an, nur beschallt von dem Klirren des Stahls im Hintergrund. Für diesen einen Moment fühlte es sich an wie früher, wie die Tage der Vergangenheit die besser, nein nicht besser, vertrauter waren. Der Moment jedoch war keiner der für die Ewigkeit gedacht war, denn jeder Kampf musste beginnen und dieser tat es prompt.
      Ray stürmte auf ihn zu, die Klinge in einem Winkel der über Jahrhunderte perfektioniert worden war auf ihn gerichtet. In diesem einen Moment konnte er pure Willenskraft und ungefilterten Siegeswillen in ihren Augen erkennen und er fragte sich wie viele Jahrzehnte an Zurückhaltung und Friedfertigkeit sich in einem solchen Angriff angehäuft hatten. Vielleicht war es das Geheimnis zu ihrer Genesung, die Abkehr von der Ruhe der Zivilisation, vielleicht war es der pure Frieden der Ray langsam in die Apathie und Wahnsinn trieb, nicht das Alter oder irgendeine esoterische Gesetzgebung, die vermutlich eh nur der Alte verstand.
      Sushan konnte den Stahl in der heißen afrikanischen Sonne glänzen sehen als er sich auf ihn zubewegte und er machte einen kurzen Schritt beiseite und zog den Säbel nach oben. Das Geräusch von Stahl auf Stahl erklang zwischen ihnen als er die zum Stich bereite Waffe von sich parierte.
      "Für eine Tochter Roms hast du die Wildheit der Barbaren die ihr einst zivilisieren wolltet liebe Ray.", kommentierte Sushan ihren ersten Angriff, "Ich erkenne nun warum dich das Kind Walküre nannte."
      Natürlich war Sushan nicht zum Reden auf diesen Platz getreten, aber selbst seine ruhige natur war nicht vor spitzfindigen Kommentaren gefeit. Er nutzte den Schwund des Parierens und wirbelte herum, einen drehenden seitwärts Hieb auf der Höhe von Rays Schulter vollführend. Das leise Geräusch des Stahls der durch die Luft summte machte ihn beinahe euphorisch und lies ihn sich leicht fühlen.
      "Nur die Toten haben das Ende des Krieges gesehen!" - Plato