Is it you again? [Lyssy&Caili]

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    • Is it you again? [Lyssy&Caili]

      Lucinda McGregory

      Na toll. Da hatte sie sich an ihrem freien Tag zu einem gemütlichen Spaziergang durch den Wald entschieden, und dann begann es mit einem Mal wie aus Eimern zu regnen, obwohl der Himmel gerade noch strahlend blau gewesen war und diese verdammte Wetter App hatte sie auch nicht gewarnt, hatte Lucinda daran gedacht einen Regenschirm mitzunehmen? Natürlich nicht.
      War sie klitschnass und musste sich unter das Dach eins gruseligen, alten Anwesens unterstellen? Yup, eindeutig. Aber zum Glück war sie nicht Thaisen, ihr großer Bruder würde sicherlich lieber weiterhin im Regen stehen, als sich dem vermoderten Stück Gebäude auch nur in zehn Meter Entfernung zu nähern und die Blonde fragte sich, wieso sie von der alten Ruine noch nie etwas gehört hatte. Schien wohl nicht gerade ein Touristenfleck zu sein, was?
      Wie auch immer. Aus Gewohnheit zog die Blondine ihr Handy aus der Hosentasche, aber natürlich war der Empfang hier draußen schlecht und auch sonst warteten keine Nachrichten auf sie, mit denen sie sich ablenken könnte, bis dieser verdammte Regen aufhörte... wenn er denn aufhörte.
      Mit einem genervten Seufzer verstaute sie das Geräte wieder in ihrer Hosentasche, ehe sie sich zu dem Gebäude umdrehte und beschloss ihr Glück drinnen zu versuchen, vielleicht war es dort wenigstens etwas trockener und wärmer als hier draußen und Lucinda bereute es, ihre Jacke nicht mitgenommen zu haben. Die Sonnenstrahlen hatten sie eindeutig hinters Licht gefühlt... und nein, das sollte kein dämlicher Wortwitz sein.
      Die Türen waren nicht verschlossen, oder das Schloss hatte nach all den Jahren seinen Dienst quittiert, so oder so trat die junge Frau in das leerstehende Gebäude und musste sogleich Niesen, als ihre Nase auf den zahlreichen Staub reagierte, aber wenigstens hielten die Wände hier den kühlen Wind und den Regen ab... einigermaßen, wenn sie sich die kleinen Pfützen hier drinnen so ansah.
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      @Lysios
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    • Lucinao Abatangelo
      Eine Ewigkeit wird verstrichen sein, seit Luciano der einsamen Endlosigkeit seines Daseins abgeschworen hat. Versteckt in einem Sarg in den Ruinen seines einstigen Reichtums fristete er Tag um Tag wie ein Gefangener an einer Kette, festgebunden an seinen unsterblichen Leib. So sehr er es auch versuchte, sein Herz, seine Atmung, sein Schmerz - nichts wollte versagen, sein Leiden stoppen und ihn endlich zerfallen lassen, wie es einst für ihn bestimmt gewesen ist. So lange hat er unbeweglich in der dunklen Enge verbracht. Ein Außenstehender mag denken, dass er die vielen Jahrzehnte, wenn nicht Jahrhunderte, friedlich geschlafen hat, in erzwungener Rast. Doch dem war nicht so. Immer wieder flogen seine Augen auf und starrten in das kalte Nichts, das ihm geblieben war. Immer wieder, wenn er drohte es zu vergessen, wurde er schmerzlich daran erinnert, dass er noch am Leben gewesen ist. Dass Luciano noch auf dieser Erde wandelte und sie, seine Geliebte, die schönste Blüte, die er je in einem Garten zu Gesicht bekommen hat, war nicht mehr. Nicht nur, dass er ihr die Ewigkeit versprochen hat, von der sie letzten Endes beraubt wurde. Luciano hat es nicht einmal geschafft sie davor zu bewahren ihr sterbliches Leben zu genießen. Alt und sesshaft zu werden. Der Funke der Jugend stand noch so deutlich in ihren angsterfüllten Augen, als sie hingerichtet wurde. Und ihr einziges Vergehen war, dass sie so unbedacht und zart ihr Herz in seine kalten Hände legen wollte.
      Ächzend fuhr der Mann zusammen sofern es ihm möglich war. Immer, wenn er die Augen auftat und in die Schwärze sah, erkannte er wieder ihr zitronengelbes Haar, geküsst von der Sonne, das in gnadenlosen Flammen stand. Sein Herz zog sich zusammen bei der Erinnerung an ihre Schreie. An seine Unfähigkeit ihr zu helfen und an das Blut, das er dann so schamlos in ihrem Namen vergossen hat. Er war eine Schande.
      Verzweiflung breitete sich ein weiteres Mal in seinem inneren aus und wimmernd ließ er seine Hand in seine farblosen Haare fahren. Wie lange ist er schon nicht mehr im Stand gewesen Tränen zu weinen? Und doch schluchzte sein Herz so bitterlich. War das vielleicht seine Bestrafung? Die Antwort auf die vielen Sünden, die er begangen hat? Wie konnte es nur so weit kommen? Verkrampft und zusammengesunken, hilflos wie ein Kind, fiel er nach langem Trübsal wieder in den Schlaf. Auf dass er vielleicht eines Tages nicht mehr erwachen möge.

      Als seine schweren Augenlider sich das nächste Mal hoben war es, weil ein Mensch sein Territorium betreten hat. Jahrhunderte lang hat er sich selbst gegeißelt und hungern lassen. Lyonel hat sich bemüht niemanden in die Nähe des Anwesens zu lassen, das hat Luciano ihn viele Male sagen hören. Unruhig wälzte er sich herum. Der Durst drohte seinen Brustkorb zu zerdrücken. Seine Reißzähne brannten und so sehr er versuchte sich zu weigern, dagegen zu wehren, sich selbst zu überzeugen er solle doch einfach hier liegen und in seinem Leid endlich vergehen, wurde das Verlangen so stark. So qualvoll. Alles an ihm, jede Faser versah sich nach Blut. Mehr noch als seine Gedanken an ihr hingen, konnte er an nichts mehr denken, als das warme Blut, das sich ihm so unbedacht näherte. Luciano stieß einen qualvollen Schrei aus und trat und schlug mit einer solchen Wucht um sich, dass er achtlos und ohne es zu wollen den Deckel seines selbstauferlegten Verlieses zur Seite schlug. "Nein! Nein... Nein", wimmerte er, seine Hände in seine Schultern bohrend, als er sich aufsetzte. Panisch umklammerte er seinen Leib in der Hoffnung ihn wieder herunter drücken zu können.
      Das Licht brannte. Die Luft fühlte sich kalt und schneidend an, als er sie einatmete und der Hunger. Er hatte solchen Hunger. Der Mensch kam näher, trat unbedacht Schritt für Schritt an ihn heran und besiegelte damit möglicherweise sein Ende. War das Lucianos Schicksal? Zitternd lösten sich seine Hände und fuhren zu dem Holz, das ihn umgab. Sein Körper wurde hochgedrückt so sehr er auch versuchte sich dagegen zu wehren. "Bitte...", flehte er jämmerlich und hielt in seiner Bewegung inne. Die Bilder seiner Geliebten traten ihm in sein Gedächtnis. Er hatte es doch geschworen. Für sie. Nachdem er sein erstes Versprechen schon brechen musste, wie schwach musste er gewesen sein, um sie ein weiteres Mal zu enttäuschen. Um ihre Erinnerung ein weiteres Mal dermaßen zu entehren. Mit aller Kraft - und es kostete ihn alles, was er hatte - griff er wieder nach dem Deckel und ließ sich langsam, regelrecht mechanisch, wieder sinken.
      Seine Muskeln fingen bei der Anstrengung an zu brennen und sein Atem ging schwer, mündete fast in ein Keuchen. So viele Jahre, er musste dem Drang nun widerstehen. Er musste einfach. Sie war es gewesen, die ihm damals mit einer lieblichen Stimme die Wange gestreichelt hat und versichert hat, dass es kein Monster gewesen ist, das vor ihr stand. Und Luciano wollte diese Erinnerung ehren. Wollte nicht zum Monster werden.

      Der Mensch betrat das Anwesen.
      Mit einem Mal wurde der Duft dieser köstlichen Speise unwiderstehlich. Draußen tobten Wind und Regen doch hier hinderte ihn nichts daran diese Delikatesse wahrzunehmen. Das Holz unter seinen Fingern zersprang und der Hunger trieb ihn auf die Beine. Seine Sinne waren geschärft und hatten alle nur ein Ziel. Wie ein Raubtier näherte er sich seiner Beute. Er wandelte in den Schatten, kein Gedanke wagte es noch sich zwischen ihn und sein Mahl zu stellen. Es war eine Frau, es wurde deutlicher je näher er ihr kam. Leben in diesen Wänden war wie eine Ratte in der Falle. Alles würde in Lucianos Händen dahin siechen. Er durchquerte die verstaubten Gänge, die Zeit hatte ihnen den Glanz geraubt, ähnlich wie es mit dem Meister dieses Anwesens geschehen war. Nichts an diesem Ort war noch kultiviert, ein Zuhause. Nur noch das Zeugnis des Ruins in das Luciano sich begeben hat. Sie bewegte sich so ahnungslos, fühlte sich sicher in ihrer Falle. Es war eine Tragödie. Eine von so vielen, die sich auf diesem Boden zugetragen haben.
      Seine Augen verengten sich, als er den Salon betrat und in den Schatten auf ihre nahenden Schritte lauerte. Er würde es schnell tun. Er wird sie nicht leiden lassen. Er wird den toten Leib im Anschluss bestatten. Seine Atmung ging wieder schwerer. Seine Finger krallten sich in einen alten Sessel, der vermodert war, während er darauf gewartet hatte wieder in Gebrauch genommen zu werden und seine Nägel schnitten in den antiken Stoff. Endlich trat sie ein. Luciano stürzte sich auf sein Opfer, riss sie zu Boden und blickte ihr für einen einzigen Augenblick ins Gesicht, bevor er seine Fänge in ihr Fleisch rammen konnte und sofort versteinerte er. Die Kraft verließ ihn sofort und entsetzt riss er sich von dem Menschen los. Terror stand in seinen Augen, eine schlimmere Furcht, als er sie jemals hat in anderen auslösen lassen. "D-Du?", stammelte er und fiel rückwärts zu Boden. Kroch regelrecht von ihr fort. Hunderte von Jahren hat er ihr Gesicht vor sich gesehen und sich selbst damit gepeinigt und nun... stand sie vor ihm? War zurückgekehrt in diese Hallen, durch die sie einst gemeinsam gewandelt sind.
      Ihr Gesicht war noch das selbe geblieben. Es war jung, strahlte das Leben aus. Ihr zitronengelbes Haar, geküsst von der Sonne. Sie war wie ein Engel, der herabgestiegen war. Zurück zu ihm. Um ihn zu bestrafen? Um ihn mehr noch zu peinigen, als er selbst in der Lage gewesen ist. "Was-... wie ist das..." Seine eigene Stimme klang fremd in Lucianos Ohren. Er wechselte mit jedem Wort die Sprache, seine Verwirrung und seine Angst lähmten ihn. Wie konnte das nur möglich sein?

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    • Lucinda McGregory

      Die junge Frau ahnte nichts, merkte nichts davon, dass sie in diesen alten Gemäuern nicht alleine war, als es bereits zu spät war und sie von etwas zu Boden gerissen wurde, doch noch bevor sie diese Tatsache richtig realisieren konnte, war die Last auf ihrem Körper mit einem Mal auch wieder verschwunden und panisch richtete sie sich auf, realisierte nur langsam, dass sie von jemandem oder etwas angegriffen worden war, als sie die geradezu verweifelte Stimme vernahm und aufsah, einen Mann erblickte, in dessen Gesicht sie den blanken Horror sehen konnte, als wäre sie es gewesen, die ihn angegriffen hätte, als anders herum.
      Lucindas Schultern schmerzten, wo der Mann sie gegen den Boden gedrückt hatte und sie wünschte sich sehnlichst sie hätte ihr verdammtes Pfefferspray dabei.
      Notiz an sich: niemals wieder ohne aus dem Haus.
      Langsam und vorsichtig erhob sich die Blonde, ohne jedoch den Fremden aus den Augen zu lassen, als müsste sie Angst haben, dass er sich jeden Moment ein weiteres Mal auf sie stürzte, wenn sie zu ruckartige Bewegungen machen und sie verstand kein einziges Wort von dem, was der Mann von sich gab. War er verrückt? Verwirrt? Was machte er hier überhaupt mitten im Nirgendwo?
      … was hatte er nochmal gesagt? Du? Und für einen Bruchteil der Sekunde hatte sie seinen Blick sehen können, als hätte er sie erkannt, aber für Lucinda war dieser Mann vollkommen fremd und sie war sich absolut sicher, das sie ein solches Gesicht nie im Leben vergessen hätte, dafür sah er einfach viel zu gut aus.
      Aber okay, die viel wichtigere Frage war, ob dieser Mann gefährlich war und ihr was antun wollte, doch während sie sich erhob und diesen betrachtete, kamen Zweifel in ihr auf.
      Er wirkte wie ein kleines Kind, verängstigt und verwirrt, als wüsste er nicht wohin mit diesen Gefühlen oder wie er damit umgehen sollte.
      War sie schuld daran? Wen auch immer er in ihren Zügen zu erkennen geglaubt hatte, musste eine wirklich schreckliche Person sein.
      „Ich glaube du verwechselst mich mit jemanden.“, gab Lucinda mit so fester Stimme, wie ihr in dieser Situation möglich war, von sich und brachte einen umgeworfenen Sessel als Hindernis hinter sie beide, als wollte sie sich dahinter verstecken, nur für den Fall, dass sie befürchten musste wieder angegriffen zu werden.
      Aus dem Augenwinkel warf sie einen Blick auf die Tür, die Distanz schätzend, sich überlegend ob sie schnell genug wäre im Notfall weg zu laufen.
      „... was machst du hier? Hast du dich im Wald verirrt?“, versuchte die Blonde so beruhigend wie nur möglich von sich zu geben, in der Hoffnung den Fremden damit zu beruhigen, zu zeigen, dass sie keine Bedrohung war, denn in seinem Zustand war er ein wie großes Fragezeichen, wie ein Tier, dass man in die Ecke gedrängt hatte und wie Lucinda wusste, griffen wilde Tiere an, wenn sie sich in Gefahr wägten.
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    • Luciano Abatangelo
      Er saß auf dem Boden, zitternd und kraftlos. Hatte der Hunger ihn eben noch übermannt, so ist es nun sein Schock gewesen. Hat der Blutdurst ihn eben noch dazu gezwungen sich zu erheben, war er jetzt unfähig auch nur einen Muskel zu rühren. Luciano ließ sie nicht aus den Augen und sie ihn nicht. Und so verwirrt und durcheinander er auch gewesen ist, er verstand, dass sie ihn nicht erkannte. Ein Funken Rationalität schlich sich in seinen im Chaos versunkenen Verstand, der ihm sagte, dass er sie hat sterben sehen. Nie hat er die Bilder vergessen. Ihre Schreie waren sein einziger stetiger Begleiter in all den Jahren und weinend, trauernd, hat er über ihren Überresten gelegen, bis er sie loslassen musste. Sie konnte nicht überlebt haben. Das ist nicht seine Geliebte gewesen. Und dennoch. Die Ähnlichkeit war so verblüffend. Er traute sich kaum zu blinzeln in der Befürchtung sie würde wieder verschwinden, wenn er auch nur kurz die Augen schloss.
      Die Frau rührte sich und er zuckte heftig zusammen, sprang einen großen Satz weiter nach hinten. Er hatte Angst vor ihr, vor dem was sie gewesen sein könnte und vor sich selbst. Zwar riss der Blutrausch nicht mehr unkontrollierbar an seinem Leib, doch er spürte ihn noch immer. Ebenso wie ihren köstlichen Duft. Luciano selbst hielt sich an einem Tischbein fest. Die Situation schien absurd. Doch dann begann sie zu sprechen. Selbst ihre Stimme war die selbe. Gleich wie viele Jahrhunderte vergehen mögen, diese Stimme würde er immer wiedererkennen. Sie sprach... Englisch? Wenn er sich nicht irrte. Luciano kniff leicht die Augen zusammen und konzentrierte sich, um ihren Dialekt zu verstehen. Er hatte ihn noch nie zuvor gehört. Langsam versuchte er wieder zu sich zu kommen, sich zusammenzureißen, wenn der Schrecken auch sehr tief saß. Er zog sich an dem Tischbein hoch und brachte sofort das alte Möbelstück zwischen sich und die... Fremde. Noch immer traute er sich selbst nicht zu die Kontrolle zu behalten und klammerte sich an alles, was seine Hände zu fassen bekamen. Luciano schwieg eine ganze Weile nachdem sie die Worte an ihn gerichtet hat. Kämpfte und rang mit sich um die richtigen Worte als Antwort. Alles in ihm war so schrecklich durcheinander. Er wollte sie hinausjagen, diese Frau in Sicherheit wissen, die seiner Geliebten doch so ähnlich sah. Und gleichzeitig wollte er sich auf sie stürzen, sie hier behalten, in seinen Händen wissen und versuchen seine schrecklichen Sünden zu verbüßen. Doch dann war er auch noch immer nicht überzeugt, ob sie nicht ein Engel gewesen ist. Oder ein anderes Wesen, einzig hier in dieser Gestalt um ihn zu foltern und in seiner Scham vor dem, was er getan hat, vor dem was er geworden ist, wollte er vor ihr wegrennen, nicht von ihr gesehen werden.
      Luciano schluckte schwer und leckte sich über die trockenen Lippen, bevor er zu einer Antwort ansetzen konnte. "Ich... bin nicht der verirrte." Seine Stimme klang noch immer unsicher, beinahe zittrig. Er fühlte sich auch heißer nach den vielen Jahren, in denen er nicht gesprochen, höchstens mal trauernd gewispert hatte. Instinktiv räusperte er sich. "Du... bist in mein... Anwesen eingedrungen. Warum?" Sein Englisch war linde gesagt eingerostet. So wie wahrscheinliche alle Sprachen, die er im Laufe der Zeit aus einem Zeitvertreib heraus gelernt hat bis auf Italienisch und Französisch. "Hier ist es gefährlich. Ich hätte dich... verletzen können. Du solltest gehen." Weit weg von ihm und diesem Ort. In Sicherheit. Luciano wusste, dass es das Richtige gewesen ist und dennoch schmerzten diese Worte als würde man feine Silbernadeln durch sein Herz stechen. Sein Griff um den Tisch wurde stärker und bevor er das Holz wieder unter seinen Fingern bersten spürte, riss er sich los. "Lebewohl." Damit wirbelte er herum und verließ den Salon durch den zweiten Ausgang in den Gang aus dem er gekommen war. Eilig schritt er durch die modrigen Flure, zielstrebig auf sein Arbeitszimmer zu. Lyonel hatte ihm immer mal wieder Blut gebracht. Er wollte nicht, dass sein Freund dem Hungertod erlag, was Luciano ihm nicht verübeln konnte, so sehr er es auch oft genug gewollt hat. Abgefüllt und abgestanden war es zwar... wenig genießbar. Doch es würde gerade das Überleben dieser Frau garantieren. Wenn er auch sein Fasten brechen musste.
      Geschützt von einer gepflegten Vitrine, die strahlend glänzte in dem Trott des restlichen Anwesens, stand die Weinflasche mit neu umgefüllten Inhalt. In diesem Moment vergaß Luciano gänzlich seine Manieren und scherte sich nicht darum ein Glas zu nehmen. Er nahm die Flasche an sich, zog den Korken heraus und kippte nach einem Augenblick der Überwindung das ekelhafte Gesöff herunter. Und so furchtbar es auch schmecken mochte, Luciano verlor sich regelrecht in dem Gefühl der Fülle. Ein Verhungernder, der endlich eine Speise bekam beschwerte sich nicht und so ließ auch der Vampir keinen Tropfen verschwendet. Noch immer war er gierig. Doch Gier konnte er besser kontrollieren, als Überlebensinstinkt. Etwas, von dem er nicht einmal wusste, dass er ihn noch hatte. Leise aufstöhnend stellte er die leere Flasche beiseite und ließ sich schwer auf das alte Sofa im Raum fallen. Es knarzte unter seinem Gewicht, beinahe als würde das Möbelstück sich beschweren wie er es wagen konnte es noch einmal zu gebrauchen nach so vielen Jahren der Missachtung. Doch selbst wenn es zusammenbrechen würde, Luciano war es gleich. Er beugte sich nach vorne und vergrub das Gesicht in seinen Händen. Noch immer liefen seine Gedanken Amok.
      Er war so schrecklich durcheinander. Wie... Warum... Was...? War das vielleicht ein Streich? Ein jämmerlicher Versuch ihn endgültig in den Wahnsinn zu treiben von dem Ding, das die Kirche "Gott" nannte?

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    • Lucinda McGregory

      Doch es kam kein Angriff, nie. Stattdessen wirkte es gar, als müsste der Fremde Angst vor ihrhaben, als wäre er es, der ein Möbelstück zwischen sie beide bringen musste, um vor ihr in Sicherheit zu sein und Lucinda konnte nur erahnen, woran das lag.
      Die blonde Frau musterte ihn genauer, wunderte sich über die altmodische Kleidung die er am Leib trug, doch deutlich mehr fielen ihr die eingefallenen Augen, die ungesunde Farbe seiner Haut und die trockenen Lippen auf. Gelinde gesagt: so hübsch dieser Mann auch war, hatte er schonbesser Tage gesehen und Lucinda schob es auf Hunger und Durst, wie lange er wohl bereits in diesem verlassenen Anwesen Schutz gesucht hatte?
      „Hm?“, rissen sie die Worte des Fremden aus ihren Gedanken und sie hob zweifelnd, fragend eine Augenbraue, als sie realisierte, dass er das Anwesen als seines bezeichnete.
      Sie ließ einen viel sagenden Blick durch den Raum schweifen, als würden sie ihn fragen wollen, ob er sich absolut sicher war, dass dieses Gemäuer von Ruine wirklich ihm gehörte, ehe sie zu einer Antwort auf seine Frage ansetzte.
      „Ich habe nur Schutz vor dem Regen gesucht.“, gab sie von sich, ohne darauf einzugehen, dass sie hier wohl offenbar eingebrochen war, wenn dieses Gebäude wirklich ihm gehören sollte, doch sie bezweifelte es stark.
      Der Mann mit dem hellen Haar schien nicht aus der Gegend zu kommen, doch den ungewöhnlichen Akzent konnte sie keinem ihr bekannten Ort zuordnen, vielleicht kam er ja aus dem Ausland? So zögerlich wie er sprach und seine Worte wählte, würde es Lucinda nicht wundern, wenn Englisch nicht seine erste Sprache wäre.
      Gefährlich. Er hätte sie verletzten können. Das brauchte er ihr nicht zwei mal zu sagen, sie spürte noch immer den Druck auf ihren Schultern, als hätte der Fremde sein gesamtes Gewicht darauf geworfen, was verwunderlich war, wenn sie bedachte wie dünn er wirkte. Woher hatte er überhaupt die Kraft gehabt sie anzufallen? Wieso hatte sie ihn nicht vorher bemerkt? Und vor allem: warum?
      Doch bevor sie ihm noch mehr Fragen hätte stellen können, verabschiedete er sich von ihr und verschwand, ließ die junge Frau verwundert in dem alten Gemäuer zurück und für einen Moment spielte sie mit dem Gedanken seinem Ratschlag nachzugehen und einfach wieder zu verschwinden, statt sich der Gefahr eines Fremden, der offenbar seine Sinne nicht alle beisammen hatte, doch ließ ihr Beschützerinstinkt dies nicht zu und ihr entfuhr ein Seufzer.
      Ihr war bewusst, wie naiv es war, dass es sicherlich keine gute Idee war einem Fremden ins Innere... seinerRuine zu folgen, doch welche andere Wahl hatte sie schon, wenn sie helfen wollte?
      Lucinda zückte nochmal kurz ihr Handy, war in Begriff die Polizei und einen Krankenwagen zu rufen, die fehlenden Balken machten ihr jedoch deutlich, dass der Empfang fehlte und wer wusste ob der Fremde nicht schon über alle Berge wäre, wenn sie gehen würde?
      Sie tippte auf ungesunde Paranoia, aber da sie keine Psychologin ist, war sie sich da nicht so sicher.

      Nur eines der vielen Türen war halb geöffnet, so dass es Lucinda nicht schwer fiel den Raum zu finden, in welchem der Mann mit dem hellen Haar sich offensichtlich verschanzt hatte und mit dem Gesicht in den Händen vergraben weckte er nur noch mehr ihr Mitgefühl, dennoch wagte sie es nicht noch näher zu kommen und blieb einfach im Türrahmen stehen, angelehnt und mit vor der Brust verschränkten Armen.
      „Hey...“, machte sie auf sich aufmerksam, so ruhig wie ihr nur möglich war, mit einer Spur von Mitgefühl in der Stimme, „Willst du vielleicht darüber reden? Keine Ahnung, wieso du dich hier verschanzt, aber ich bin nicht hier, um dir etwas zu tun. Du siehst aus, als könntest du einen Aufenthalt im Krankenhaus gebrauchen... ich könnte dich zur Polizei begleiten, wenn du Probleme hast?“, schlug Lucinda vorsichtig vor, ihre Hilfe anbietend.
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    • Luciano Abatangelo
      Sie war so störrisch und dickköpfig. Luciano vernahm jeden Schritt, den die tat, jedes Seufzen, das ihre Lippen verließ. Ihm war überdeutlich ihr Herzschlag bewusst, der regelrecht durch die Hallen zu pulsieren schien. Als sie näher kam und in der Tür seines Arbeitszimmers stehen blieb, hielt Luciano die Luft an, um von ihrem Duft nicht zu sehr betört und in den Bann gezogen zu werden. Langsam nahm er das Gesicht aus seinen Händen und faltete seine Finger zusammen wie in einem Gebet, um seine Klauen ja bei sich zu behalten. Regelrecht unterwürfig wagte er es nicht einmal seinen Blick in ihr Gesicht zu heben, sondern ließ ihn auf dem Boden zu ihren Füßen haften. Erst jetzt schaffte er es ihre Kleidung zu bemerken. Sonderbare Stoffe, sonderbare Schnitte und kurz musste er die Stirn kraus ziehen, als ihm überhaupt bewusst wurde, dass sie eine Hose trug. Wie sonderbar.
      Andererseits gab es auch nichts an dieser Situation, das normal gewesen wäre. Noch immer den Blick nicht vom Boden erhoben hörte er ihr wieder angestrengt zu. Und während ihre Stimme sein Herz gleichzeitig zu umhüllen schien wie der süßeste Honig, musste er sich wirklich immens anstrengen, um ihr zu folgen. "Kranken...", wiederholte er in Gedanken. "Du meinst ein... Hospital?", kam es ungläubig von seinen Lippen. Er schüttelte schnell den Kopf, als ihm ihre aufrichtige Absicht bewusst wurde. Was sie mit der Polizei meinte verstand er nicht, doch schüttelte er auch darüber den Kopf. Die Situation machte ihn nervös. Sein Bein begann zu wippen und ruckartig erhob er sich, um schnell hinter seinen Schreibtisch zu treten. Er brauchte mehr Abstand zu ihr. "Bitte... Bring dich in Sicherheit", flehte er beinahe schon. "Wenn die Kirche erfährt, dass du hier bist, dann werden sie sicherlich erneut die Türen eintreten. Ich... versuche dich zu beschützen. Vor mir und vor ihnen. Ich bin... ein Monster. Meine Existenz ist hier, modernd zwischen diesen in sich zerfallenden Bauten gut aufgehoben."
      So sehr er sie auch darum bat sie wollte nicht verschwinden. Ihre Gestalt blieb weiterhin im Türrahmen lehnen und verzweifelt, beinahe schmerzverzerrt sackte er ein wenig in sich zusammen. "Zwing mich bitte nicht dich hinauszuwerfen." Seine Stimme war so sanft. Entgegen seiner Worte flehte sie regelrecht um ihre Hilfe. Ihre Zuwendung. Dass sie blieb. Doch er musste gegen diesen Drang, gegen seine Sehnsucht ankämpfen. Schwer atmend stützte er sich selbst auf der Tischplatte ab. Seine Schultern zitterten und sein Kopf hing herunter, die Augen auf das Holz fixiert. Ihr Duft. Dieser unwiderstehliche Duft vernebelte ihm seinen Verstand. "Du bist... hier nicht sicher. Wenn du erst in das Gesicht eines Monsters blicken musst, um das zu begreifen... dann lässt du mir keine Wahl." Mit einem Schlag riss er den Kopf hoch und schaute sie aus rot leuchtenden Augen an. Seine Kraft kehrte langsam zu ihm zurück, nun, da er nicht mehr an der Schwelle zum Hungertod stand. Schneller, als sie es hätte realisieren können stand er direkt vor ihr. Ungefragt nahm er ihr Handgelenk und erschauderte bei der Wärme, die Luciano dabei verspürte. Sich mit aller Kraft zusammenreißend zog er sie ins Zimmer und pinnte ihren Arm bestimmend, doch beinahe schon sanft gegen die Wand und ergriff noch ihre zweite Hand. Unter ihren Fingern muss er eisig gewesen sein.
      Und sogleich er sich auch dafür schämte, nutzte er diese Tatsache zusätzlich, um ihr Angst zu machen, um sie fortzutreiben. Er sah ihr in die wunderschönen Augen, während er ihr seine Fänge entblößte. Er wollte brutal sein. Er wollte angsteinflößend sein. Doch als er ihren Arm zu sich zog und ihn an seine Lippen hob, versank er für einen Moment in ihr. In seinen Erinnerungen an sie. Der Griff, der sie umklammert hielt verlor an Kraft und zitternd schloss er die Augen, um seine Stirn an ihr Handgelenk zu lehnen. "Ich... kann es nicht.", nuschelte er mehr zu sich selbst, als zu ihr. "Es tut mir so unendlich leid.", wisperte er zu seiner Erinnerung. Hauchzart berührten seine Lippen ihre Haut und er spürte ihren Puls. Sie roch so köstlich, beinahe war ihm, als könnte er sie auf seiner Zunge schmecken. Sein Plan war es gewesen sie mit seinen Fängen zu schneiden. Nur ein bisschen, ganz oberflächlich und den winzigen Rinnsal von ihrer vollkommenen Haut zu lecken. Doch der Gedanke daran ihr Leid zuzufügen, gleich wie klein es auch gewesen ist, brachte ihn um. Deutlich effektiver als seine Strategie sich auszuhungern. Ruckartig riss er sich von ihr los, stolperte ein paar Schritte nach hinten und sank kraftlos hinab auf die Knie. "Verschwende dein Mitleid nicht an ein Wesen wie mich und geh. Lasse mich hier sterben, ich habe mein Heim als meine letzte Stätte erwählt. Auch wenn ich vielleicht noch nicht gestorben bin, wenn es endlich eingestürzt ist..."
    • Lucinda McGregory

      Okay, vielleicht kein Krankenhaus, ein Aufenthalt in einer Anstalt würde dem Fremden deutlich besser tun. So ein hübscher Kerl und dann... wirklich schade. Lucinda verstand nicht, wieso dieser Fremde Angst vor der Kirche hatte, wieso sollte diese die Türen dieser Ruine einbrechen? Sie hatten nicht dazu jeglichen Gewalttaten zu verüben und hätte Thaisen das gehört, würde er verzweifelt versuchen dem Fremden nahe zu bringen, dass die Kirche eine gute Einrichtung war und nichts, wovor man Angst haben musste. Es gab zwar noch immer einige Teile, die in der Vergangenheit stecken geblieben sind, Probleme, die eine moderne Kirche nicht haben sollte, aber dafür gibt es junge Pfarrer wie ihren Bruder, die sich dafür einsetzen die ein oder andere Regel zu reformieren.
      So oder so, dieser Mann brauchte deutlich Hilfe, glaubte er etwa sie konnte die leise Bitte, dass sie blieb, in seiner Stimme nicht hören, obwohl er davon sprach sie hinauszuwerfen?
      „Du bist nicht-“, wollte Lucinda mit einem Seufzen von sich geben, dass er kein Monster war, hielt sie den Mann mit dem hellen Haar doch noch immer für einen Menschen, doch ehe sie ihren Satz aussprechen konnte, stand der Fremde mit einem Mal vor ihr, mit roten leuchtenden Augen, die nicht in das Gesicht eines Menschen gehörten und bevor sie auch nur einen halben Schritt zurückgehen konnte, fand sie sich an der Wand des Zimmers wieder und zitterte, aufgrund der Kälte, die von den Händen des Fremden ausgingen und ein weiteres Mal fragte sie sich, woher er diese Kraft nahm. Wie konnte er so schnell sein?
      Lucindas Herz begann schneller zu schlagen, ihr wurde schmerzlich bewusst, dass sie in Gefahr war, doch so sehr sie ihre Arme auch anspannte, war sie nicht in der Lage sich aus dem Griff des Mannes zu befreien, als... als die Gefahr so schnell wie sie gekommen war wieder vorbei wa und der Blonde wurde bewusst, dass er ihr hatte nie weh tun wollen. Nie weh tun können.
      Sie hatte seine roten Augen gesehen, die Kälte seiner Hände gespürt, gar direkt in seine Fänge geblickt, so dass ihr Unterbewusstsein ahnte, dass sie es hier nicht mit einem Menschen zu tun hatte, während der rationale Teil ihres Verstandes es nicht glauben wollte, und doch hatte sie keine Angst davor, dass er ihr irgendetwas antun würde.
      Obwohl sein Griff sich genug gelockert hatte, dass sie sich hätte befreien können, tat es Lucinda nicht. Sie musste es auch gar nicht, denn ein weiteres Mal wich er vor ihr, als hätte er Angst vor ihr, doch mittlerweile hatte die Blonde verstand, wovor er wirklich Angst hatte: vor sich selbst.
      Ein Wesen wie ihn... war er denn wirklich kein Mensch? Konnte das sein?
      Lucinda hatte genug Vampirromane in ihrem Leben gelesen, in jungen Jahren Twilight gesehen – so sehr sie sich dafür mittlerweile auch schämte – um eins und eins zusammen zu zählen und doch ergab es keinen Sinn, da diese Wesen reine Fiction sein sollte. Nicht existent. Wie war das also möglich?
      Doch bevor sie sich darüber Gedanken machen konnte, gab es in diesem Moment etwas deutlich wichtigeres: den armen Mann, der offenbar mit seiner eigenen Existenz nicht klar kam und sterben wollte. Schmerzhaft zog sich ihr Herz zusammen aufgrund dieser Worte, welch Schmerzen musste ein Wesen hinter sich haben, um sich gar den Tod selbst zu wünschen?
      „Ich kann nicht. Ich kann niemanden alleine lassen, der so... so sehr leidet. Du brauchst keine Angst davor haben, dass du mir etwas antust. Hättest du es gewollt, hättest du es doch schon längst getan, stimmts? Ich habe keine Angst vor dir. Ich kenne dich zwar nicht, aber ich bin mir sicher, dass du kein Monster bist. Ein Monster würde nicht so... nicht so...“, mitleiderregend aussehen, wollte sie hinzufügen, sparte sich die Worte jedoch, da sie den Leidenden nicht beleidigen wollte und setzte sich in die Hocke vor ihn, langsam, vorsichtig, als hätte sie Angst ihn zu verschrecken, streckte sie die Hand nach ihm aus und legte ihm diese in das weiche Haar, schenkte ihm ein aufmunterndes Lächeln.
      „Siehst du? Meine Hand ist noch dran, ich lebe noch. Du bist kein Monster. Sonst wäre ich jetzt nicht hier und wäre nicht in der Lage dich so gefahrlos zu berühren, nicht wahr? Ich weiß zwar nicht, was du alles erleben musstest, aber ist es nicht noch zu früh für dich zum sterben? Wie wärs, ich lade dich zum Essen ein, danach geht es dir sicher etwas besser, okay?“, lud sie ihn lächelnd ein und nein, sie hatte keinerlei Hintergedanken dabei... okay, vielleicht, aber sie war eben auch nur eine Frau und Single, okay?
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    • Luciano Abatangelo
      Könnte das alles letzten Endes doch tatsächlich ein Streich seines Verstandes gewesen sein? War möglicherweise einfach nichts hiervon real und er lag noch immer in seinem Sarg, sich in der Verzweiflung einen solchen Traum zu spinnen, nachdem er eine Ewigkeit in Schwärze verbracht hat? Sprachen Menschen nicht gelegentlich von schönen Träumen bevor sie starben? Hatte er es gar vielleicht tatsächlich geschafft lange genug zu hungern, dass er nun einer letzten, nahezu abstrusen Halluzination verfiel, bevor er in sich zusammen fallen würde und aufhörte zu existieren? Diese Frau war nicht die seine. Das war ihm schmerzlich bewusst geworden. Und doch in einer grausamen oder glücklichen Fügung des Schicksals schienen die Ereignisse sich zu wiederholen. Es war schwierig sie von der Frau in seinen Erinnerungen zu unterscheiden, als sie sich vor ihn hockte, um ihn zu trösten. Um mit ihrer lieblichen Stimme die selben Worte zu sagen. Er sah sie aus Augen an, als hätte sie ihm ins Gesicht geschlagen, statt sanft sein Haar zu berühren. Und instinktiv nahm er ihren Arm und drückte sie sanft von sich, noch einen Schritt zurück machend.
      "Siehst du auch in das Maul eines Löwen und fängst an ihn zu streicheln, weil er gerade schnurrt?", fragte Luciano sie in dem Versuch harsch zu sein. Nachdenklich sah er sie an, gestattete sich den Moment der Bewunderung. Wie lange hatte er sie schon nicht mehr gesehen? Sie wollte auch noch mit ihm essen gehen? Was wollte sie ihm zubereiten? Luciano entwich ein kurzes Lachen, jedoch war es ein bitteres. "Dein Essen wird mich nicht sättigen.", versuchte er ihr noch einmal zu erklären. "Sie haben euch immer gewarnt vor Kreaturen wie uns. Die Kirche hat gut daran getan euch zu lehren, dass wir scheußliche Monster sind. Kreaturen der Nacht, wir werden krank, von der Sonne, die euch so sehr liebt und euch Kraft gibt. Wir nähren uns von euren Leibern, trinken euer... Blut." Ein Lächeln bildete sich auf seinen Lippen, das mehr Leid zeigte, als er hätte ausdrücken können. "Einem solchen Wesen möchtest du vertrauen? Sein Haar berühren, weil ich dir nichts antun will, doch jederzeit in der Lage wäre es zu tun... Cara mia dein Duft bringt mich um den Verstand. Mein Körper verlangt danach dir entgegen zu stürzen. Stünde ich auf einer Klippe und du würdest mich aus dem Abgrund zu dir rufen, ich könnte nicht zögern, bevor ich in die Leere trete." Eine Hand vor sich auf dem Boden gestützt beugte er sich zu ihr vor. Seine Hand hob sich zu ihrer Wange und er konnte bereits ihre aufsteigen Härchen spüren, als er sich schnell wieder zurück zog.
      Luciano zog sich an seinem Schreibtisch hoch und ging erneut zu der Vitrine. Zwei Flaschen hatte er noch. Er nahm sich die nächste, doch dieses Mal zwangen seine Manieren ihn dazu eines der Gläser zu nehmen. Erschöpft fiel er auf den Sessel hinter seinem Schreibtisch und kippte die rote Flüssigkeit in seinen Becher. Beschämt hielt er ihn hoch, zeigte ihr das hässliche, dunkle Blut. "Bitte verstehe, dass du hier nicht sicher bist. Sympathien gegenüber... unseresgleichen waren euch Menschen immer schon ein Fluch. Und ich habe... zu vielen diesen Fluch gebracht. Ich habe jede Sünde begangen, die man mir auferlegte und nacherzählte." Er führte das Glas an seine Lippen und ruhiger, besänftigter, trank er von der Flüssigkeit und bemühte sich nicht das Gesicht zu verziehen. Keinen Tropfen ließ er übrig und fuhr sich über die Lippen, spürte wie er sich regenerierte. Schneller, als jeder Mensch dazu in der Lage wäre. Luciano sah auf seine Hand und bemerkte, wie eine sachte Farbe wieder zu ihm zurück kehrte. Er fühlte sich erfrischter, die Luft stach nicht mehr in seinen Lungen und das Licht, das durch die Wolkendecke brach, brannte nicht mehr in seinen Augen, sondern seine Sicht wurde mit jeder Minute deutlicher und schärfer.
      "Sag mir nur...", flüsterte er fast, doch laut genug, dass sie es vernehmen musste und er schämte sich für seine Gier. Seine Gier nach ihr, die er nicht unter Kontrolle hatte. Er musste sie haben. Zumindest wissen, dass es sie gab. "Mich... nannte man Luciano. Wie... ist dein Name?"
    • Lucinda McGregory

      Ob sie einen Löwen streicheln würde? Natürlich würde sie das tun! Solange er ihr nichts tun wollte, verstand sich, wieso auch nicht? So niedlich wie diese Tiere waren?
      Aber es war offensichtlich, dass Lucinda in den Augen des Fremden das falsche gesagt, das falsche Getan hatte und sie seufzte fast schon genervt. Warum konnte er sich nicht einfach von ihr helfen lassen? War es wirklich so viel besser in Selbstmitleid zu versinken und sie von sich zu stoßen, wenn er doch so dringend nach Hilfe schrie? Sie konnte es in seinen Augen sehen, in seiner schmerzvollen Stimme hören, so sehr der Klang ihr auch gefiel, er wollte leben. Er wollte von dem Schmerz befreit werden. Und gleichzeitig glaubte er, dass es ihm nicht möglich war, er es vielleicht schlicht und einfach nicht verdient hatte.
      „Natürlich würde ich.“, gab Lucinda ohne jegliches zögern letztendlich von sich, als wäre es vollkommen selbstverständlich. Wieso sollte sie Angst davon haben, dass das Tier ihr etwas tat, wenn es doch offensichtlich ihre Nähe genoss? Sie war nicht die Art von Frau die sich von Angst lähmen lässt oder sich viel zu viele Gedanken darüber macht, was schief gehen könnte. Sie hätte es niemals in ihrem Leben so weit geschafft, wenn sie sich immer nur dem Aber was ist wenn nicht...? ergeben hätte.
      „Ein anderer Mensch könnte mir genauso gut jederzeit etwas antun, ein großer Hund könnte mich jederzeit anfallen und töten, heck, ich könnte jederzeit von einem Auto überfahren oder von einem umgefallenen Baum erwischt werden! Wenn ich mich von allem fern halten würde, dass in der Lage wäre mir weh zu tun, dann würde ich keinen Schritt aus meiner Wohnung machen.“, seufzte Lucinda, offensichtlich nicht mit der Logik des Mannes einverstanden.
      Ihr Duft?!, machte die junge Frau große Augen und fühlte sich dann doch etwas verlegen, ehe ihr bewusst wurde, dass er damit wohl den Duft ihres Blutes meinte... hielt sich der Kerl wirklich für einen Vampiren? Und so einen hatte sie gerade zu einem Date eingeladen? Okay, nein, er wollte ihm nur etwas gutes tun! Trotzdem, eine Anstalt würde ihm sicherlich besser tun.
      Zumindest dachte sie das, bis sie Zeuge davon wurde, wie er tatsächlich Blut zu sich nahm und alleine der Geruch, der sich in dem Zimmer verbreitet, machte deutlich, dass es sich hierbei nicht um einfachen Wein handelte.
      Natürlich hätte er genauso gut ein Verrückter sein können, der so weit ging echtes Blut zu trinken – wo hatte er das überhaupt her? - aber die Tatsache, dass er mit jedem Schluck besser auszusehen schien, gesünder und Lucinda hatte wohl keine andere Wahl, als der Realität – und sie konnte kaum glauben, dass das die Realität war – ins Auge zu blicken und zu akzeptieren, das vor ihr ein echter Vampir saß. Einer der sterben wollte. Und gerade erst wurde ihr bewusst, dass er kurz davor gewesen war sie zu töten. Okay, vielleicht ging sie doch etwas zu naiv an diese Sache ran.
      „Lucinda. Lucinda McGregory.“, stellte sie sich instinktiv vor, als sie nach ihrem Namen gefragt wurde und empfand es als verblüffend, wie ähnlich sein Name dem ihren war.
      „Okay, du meinst also, du bist ein Vampir... irgendwie erklärt das, wieso du so gut aussiehst.“, ließ sich die Blonde trotz dieser Tatsache nicht beirren und machte es sich auf einem der Sitzgelegenheiten bequem, „Du hast also zahlreiche Menschen getötet, Jungfrauen verführt und geschändet, dich am Blut unschuldiger gelabt... und bereust es jetzt?“, zählte sie auf, was sie unter den Sünden, die erwähnte und wohl begangen hatte, verstand, „Wie lange ist das her? Wie alt bist? Wird es nicht langsam Zeit deine Vergangenheit hinter dir zu lassen und nach vorne zu sehen?“
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    • Luciano Abatangelo
      Er saß da und lauschte einfach ihrer Stimme. Auch wenn er nichts von dem verstand, was sie da sagte. Wie konnte sie so bedenkenlos behaupten einem Löwen zu vertrauen? Einer Bestie, von der sie niemals wissen konnte, ob sie das Geschöpf vor sich fressen wollte oder nicht. Doch Luciano hinterfragte es nicht. Auf eine sonderbare Art schien es zu ihr zu passen und zum ersten Mal seit wer weiß wie vielen Gezeiten breitete sich ein Gefühl der Vertrautheit und Wärme in ihm aus. Allerdings verstand er auch schlicht und ergreifend die Worte die sie wählte nicht. Von welchem Heck sprach sie? Von Schiffen? Besaß sie in diesem Leben eine Reederei? Und was war ein Auto? So wie sie davon sprach etwas durchaus Gefährliches. Unter Umständen? Doch wie konnte sie all diese sterblichen, gewöhnlichen Dinge mit etwas wie ihm vergleichen? Ein Wesen, beraubt von allem, was die Christen als gut ansahen. Ohne eine unsterbliche Seele, die sie ihrem Gott in die Hände geben konnten mit der Fähigkeit einen jeden anderen Menschen in die selbe Verdammnis zu reißen, in die selbe Hölle hinab zu ziehen. Fürchtete sie sich denn gar nicht vor dem Teufel. Beinahe ein wenig ungläubig sah Luciano sie an, als sie so unbekümmert von den Gefahren ihres täglichen Lebens sprach.
      Er stützte das Gesicht in die Hand und beobachtete jede ihrer Gesten. Ihre Leichtigkeit gefiel ihm. Wenn er sie auch für leichtsinnig hielt. Und beinahe erstaunlich, dass sie bisher unter keinen dieser Gefahren, die sie beschrieb gelitten hat. Beinahe konnte er sich vorstellen, wie sie versucht einen tollwütigen Hund, der an einem Pfahl festgebunden ist, zu umarmen. Doch diesen Gedanken behielt er lieber für sich. Schließlich verriet die Schönheit ihm ihren Namen und auch ihm stand das Erstaunen kurz im Gesicht. Lucinda? Was für ein... bezaubernder Name. Und obendrein auch noch die weibliche Variante seines eigenen. Lucianos Herz machte einen Sprung, ein Gefühl, das ihm so unvertraut geworden war, dass er sich den Drang verkniff zusammen zu zucken. Es war beinahe so als wäre sie in sein Leben zurück gekommen. Ihr Name klang in seinen Ohren beinahe wie ein "für Luciano" und für einen Augenblick fühlte er sich wahnsinnig bei diesem Gedankengang. Er musste sich schnell wieder zusammenreißen. Er wehrte sich nicht mehr gegen ihre Anwesenheit, wurde verführt von ihr sie zu genießen, ihren Duft nun in sich aufzunehmen, auf dass er sich eine lange Zeit wird an ihn erinnern können. Doch sie musste dennoch früher oder später sein Anwesen verlassen und ihr normales Leben weiterführen.
      Schließlich ergriff sie erneut das Wort und langsam lehnte Luciano sich zurück. Alles an ihren Worten schien in ihm Unbehagen auszulösen und er schluckte schwer. "Ich weiß nicht, was ein Vampir ist", gestand er. "Für uns wurden über die Jahrhunderte hinweg viele Namen benutzt. Wenn es das ist, als was du meine... Spezies kennengelernt hast, dann möchte ich nicht widersprechen." Wenn er auch gedanklich über ihr überdeutliches Kompliment an ihn stolperte. Instinktiv sah er an sich herunter und empfand sich selbst als ausgesprochen schäbig, wie er nach den vielen Jahren des unruhigen Schlafes vor einer Dame saß. Ihre nächsten Worte jedoch, ihre Assoziationen, die sie mit einem Vampir hatte, trafen einen entsetzlichen Nerv und benommen wand er den Blick von ihr ab. Das Gesicht vergrub er wieder in die Hand und schaute eine Weile in die Leere, ehe er langsam nickte. "Ganz recht...", flüsterte er. "Ich habe viele Menschen getötet." Beinahe als spräche er in Unglauben schüttelte er langsam den Kopf. "Zahlreiche unschuldigen. Manchmal in vollem Bewusstsein meiner Sinne... und manchmal nicht. Ich habe schreckliches vollbracht Cara mia." Bruchstückartig erinnerte er sich an manche seiner Opfer. Wobei die Jungfrau, die er auf dem Gewissen hatte, von der sie sprach wohl eindeutig sie selbst gewesen ist. "Ist es nicht unfair? Die Vergangenheit hinter sich zu lassen? Zufrieden ein gottloses Leben zu führen und das Andenken derer zu vergessen, die durch meine Hand gestorben sind?" Luciano lehnte sich erneut zurück. Nichts an ihm wirkte mehr kränklich oder schwach. Nichts mehr fahl oder eingefallen. Sein Haar begann wieder zu glänzen, seine Haut war blütenrein und seine Züge definiert und schön. Stück für Stück gewann zumindest er seinen Glanz zurück, wenn er nun auch selbst in diesen Gemäuern wirkte wie ein Eindringling.
      Er dachte lange über ihre Frage nach und musterte sie dabei gelegentlich. "Welches Jahr schreiben wir? Ich habe mich zum Sterben niedergelassen am zehnten September 1827. Wie alt ich zu dem Zeitpunkt allerdings gewesen bin kann ich dir gar nicht mehr genau verraten. Mit der Zeit... verschwimmen die Erinnerung und nur noch... die bedeutendsten Daten bleiben hängen. Ich habe ein... sehr langes Dasein gefristet, bevor ich unter... einem sehr schweren Verlust, den ich zu verantworten habe zusammengebrochen bin. Die Schuld hat es mir verboten... ihr Opfer dermaßen mit Füßen zu treten. Ich wollte... niemanden mehr für mich sterben sehen."
    • Lucinda McGregory

      „Hm? Wie würdest du deine Spezies denn dann bezeichnen? Gibt es eigentlich mehr von euch oder bist du sowas wie der letzte Vampir?“, war ihr die Neugierde deutlich anzuhören, während sie die Beine übereinander legte und den Kopf mit ihrer Hand stütze, den Ellenbogen an die Lehne des Sessels gelehnt. Eine entspanntere Haltung hätte sie wohl kaum einnehmen können.
      „Wirst du das denn jemals können? Ihr Andenken vergessen?“, stellte Lucinda eine rhetorische Frage, dessen Antwort sie bereits als Nein vermutete. Er bereute all die Tote, deutlich, ob diese nun absichtlich vollbracht wurden oder nicht und obwohl vor ihr eindeutig ein Mörder saß, der dem eindeutig bewusst war, war Mitleid alles, was sie ihm entgegen bringen konnte und wenn es nach ihr ginge, dann würde sie ihm für seine Taten verzeihen.
      Jemand der es so sehr bereute wie Luciano, würde es ja wohl kein weiteres Mal tun... oder? Oder war ihre Ansicht Vampiren gegenüber zu naiv?
      Keine Ahnung, das war das erste Mal, dass sie einem außerhalb eines Buches begegnete und wenn andere Vampire von Blutspenden und Tierblut leben konnten, ohne Menschen töten zu müssen, wieso sollte das nicht für den echten Vampir gelten, der ihr gerade Gegenüber saß?
      „Weißt du, was ich unfair finde? Dass du hier in dieser... verzeih meine Ausdrucksweise, aber in dieser heruntergekommenen Bruchbude kann doch keine anständig leben!“, machte sie eine ausschweifende Geste, auf die vermoderten Möbelstücke, die sich bereits von der Wand lösende oder von der Natur zurückeroberte Tapete und den zahlreichen Staub alleine in diesem Raum weisend, ganz zu schweigen von den Spinnweben in der Ecke.
      „Dass du hier schon seit über verdammte 100 Jahre feststecken musst, für irgendwelche Tote, die es dir sicherlich nicht einmal danken würden, selbst wenn sie es wüssten. Auch dein Tod wird niemanden wieder zurück bringen, nicht wahr? Wenn du mich fragst, trittst du ihr Opfer bereits mit Füßen. Indem du sterben willst, obwohl diese Person das sicher nicht gewollt hat, obwohl diese Person sich sicherlich nicht geopfert hat, damit du hier versauern kannst. Also wenn ich es wäre und von den Toten wieder auferstehen würde, würde ich dich erst mal kräftig durchschütteln, damit du wieder zu Sinnen kommst. Die Kirche, vor der du so große Angst zu haben scheinst, existiert nicht mehr, zumindest nicht in dem Ausmaß, in dem du es wahrscheinlich kennst und auch Wesen wie du existieren nur noch in Sagen, Legenden und Geschichten. Wieso das ewige Leben nicht genießen, dass dir geschenkt wurde? Vorausgesetzt du tötest natürlich niemanden mehr.“
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    • Luciano Abatangelo
      Der letzte Vampir? Was für eine absurde Frage. Luciano entwich ein aufrichtig erheitertes Lachen, das er von sich selbst schon so lange Zeit nicht mehr gehört hat. Belustigt schüttelte er den Kopf. "Als ich von einem Vampir, wie du sie nennst angegriffen und verwandelt wurde, hatten wir noch keinen Namen für diese... Gattung. Und über die Jahrhunderte wurden es dann Untote, Blutende, Teufel, Dämonen, Unheilige, Monster. Ab und an wurde es dann etwas romantischer mit Formulierungen wie Geschöpfe oder Liebhaber der Nacht." Luciano winkte ab. "Doch romantisch ist daran nun wirklich nichts..." Missbilligend schüttelte er den Kopf, ehe er zurück zu dem Gespräch fand. "Wir sind viele. Zumindest nicht wenige. Es reicht für eine eigene kleine Gesellschaft. Oder besser gesagt hat es immer gereicht. Es würde mich jedoch wundern, wenn dieser Umstand sich geändert hätte. Ich fürchte wir werden niemals in die Situation kommen gänzlich auszusterben. Dafür... ist es zu anstrengend uns zum... sterben zu bewegen." Lucinda hatte ein Talent dafür Dinge auszusprechen, die einige wunde Punkte trafen.
      Perplex sah er die Blondine auf dem Sofa an, wie sie über ihn und seine Opfer urteilte. Ruhig ließ er sie aussprechen. Wie sie ihn als dumm bezeichnete, seine Qualen und Gefühle mit Füßen trat, ihm die Ratschläge eines unbefleckten, unschuldigen Kindes gab. Es machte Sinn, dass für sie das schlimmste, was er tun konnte, nicht zu leben gewesen ist, während man eine Existenz hatte, die nicht sterben konnte. Das konnten nur die Gedanken einer sterblichen sein. Eines Menschen, der sicherlich geliebte Angehörige hat sterben sehen und mit dem Gedanken eines Zieles in den Tag startet. Eine durchschnittliche Lebenserwartung von 80 Jahren möchte schließlich gefüllt sein mit Glück, Erfolg, einer Familie und einem Zuhause. Sie musste diese Liste an Errungenschaften durchgehen und durchstreichen, was sie geschafft hat. Immerhin blieb ihr nur begrenze Zeit für all diese Dinge. Doch Luciano hatte keine Liste. Nichts was er erreichen musste. Oder besser gesagt nichts, was er nicht erreichen konnte. Auch seinen Reichtum für dieses Anwesen damals hat er einzig mit ein wenig Geduld erlangt. Er konnte alles sehen, musste keinen Restriktionen folgen, die Welt kannte keine Grenzen, die er nicht überschreiten konnte, mit genug Geduld in seiner Hand. Ruhig ließ er seine Augen durch die Überreste seines Anwesens gleiten. Es stimmte, der Schimmel sammelte sich unter den Tapeten, die Dielen gaben nach oder wölbten sich unter den vielen Wasserschäden bereits nach oben.
      Das Dach hatte Löcher, die Fenster waren stellenweise eingeschlagen. Seine Möbel verschimmelten. An vielen Stellen wuchs sogar die Flora des Waldes in seine Wände hinein. Es war überdeutlich, dass dieses Gemäuer seinen Dienst verrichtet hatte und bereit gewesen ist von der Natur verschluckt zu werden und für einen plötzlichen, unerwarteten Moment, wurde er tatsächlich sentimental. Luciano wendete sich an sein Bücherregal in seinem Rücken. Doch es stand komplett leer. Nicht ein Exemplar seiner wertvollen Sammlung war zu sehen. Hatte Lyonel sie alle mitgenommen? Nun, besser als sie vermodern zu lassen, wie er selbst es ganz offensichtlich getan hätte.
      Als sie ausgesprochen hatte, fasste Luciano seinen Gast wieder genau in den Blick. Fing sie mit den Augen ein, ohne von ihr abzulassen. "Bitte sprich nicht davon, dass sie sich geopfert hätte. Sie wurde sinnlos und brutal hingerichtet, in der Nacht aus ihrem Bett gezerrt und auf dem Scheiterhaufen verbrannt. Ihr Tod war so sinnlos wie der der Dorfbewohner, die ihr das angetan haben." Für einen Moment wurde seine Stimme schneidend und streng. Die Naivität schmerzte beinahe. Das Geschenk des ewigen Lebens! Luciano kann sich nicht daran erinnern etwas geschenkt bekommen zu haben. Nur wie er von einem leidenden Mann auf der Straße angefallen wurde und im nächsten Moment nicht mehr er selbst gewesen ist. Er seufzte. "Vorausgesetzt ich töte niemanden mehr. Cara mia, hätte ich dir nicht ins Gesicht gesehen, hätte ich dich vor nicht einmal einer Stunde getötet. Es ehrt mich, dass du mich in die Welt da draußen locken möchtest." Sein Blick glitt zum Fenster und er erhob sich, um besser hinaus in den Regen sehen zu können. "Aber ich kann wirklich nicht einschätzen welches Risiko ich darstelle und wie stark ich meine Selbstbeherrschung unter Kontrolle haben werde, sollte ich noch einmal mit wirklichem Hunger konfrontiert sein in Mitten einer Menschenmenge."
      Aber welche Ironie. Vor anscheinend mehr als Hundert Jahren, hat Luciano die Türen geöffnet und sie wollte eintreten, um hier an seiner Seite zu existieren. Abseits der Menschen und der Kirche. Und nun saß sie hier und versuchte ihn mit sich zu den Menschen zu nehmen. So absurd das gewesen ist, der weiß-haarige konnte nicht anders, als zu lächeln bei diesem Gedanken. Was für ein interessantes Wesen. "Du wolltest mit mir essen gehen, korrekt?", hakte er schließlich nach. "Menschliche Speisen sind köstlich, jedoch sättigen sie nicht. Wenn du sagst ich soll hinaus gehen ohne zu töten, hast du eine bessere Idee wie ich nicht verhungern soll?"
    • Lucinda McGregory

      Das hell klingende Lachen verwunderte die junge Frau, hatte sie weder damit gerechnet noch geahnt, dass jemand, der so tief in Selbstmitleid versank, auf diese Art und Weise lachen konnte, doch es gefiel Lucinda und zauberte ihr sogleich ein Lächeln aufs Gesicht. Es war ein schöner Klang und sie wünschte sich, diesen öfter hören zu können. Doch dafür musste sie den armen Mann... Entschuldigung, Vampiren aus dieser verdammter Bruchbude raus bringen.
      Also gab es mehr von ihnen. Und keiner wusste davon. Was der Blonden unglaublich eigenartig vor kam, wenn man bedachte, dass Luciano es so darstellte, als müssten sie töten um zu überleben, aber das wäre doch irgendjemandem sicherlich schon längst aufgefallen, nicht wahr? Wen ungewöhnlich viele Tote, ausgeblutete Leichen, auftauchen würden, zumindest in diesen Zeiten, wo jeder eigenartige Fund es direkt ins Internet schaffte. Oder verschwieg die Regierung ihre Existenz einfach? Wow, mit einem Mal könnte sie sogar an Aliens glauben, was für ein eigenartiger Tag heute war.
      Daran war also nichts romantisch... was? Da wären tausende von Twillight Fans wohl anderer Meinung, aber diese Tatsache verschweig sie lieber, gönnte sich nur ein amüsiertes Lächeln, während sie weiterhin seinen Worten lauschte und merkte, wie sehr ihr seine Stimme gefiel. Ein Glück war er kein Verrückter, aber ob es wirklich so viel besser war, dass er ein Vampir war?
      Lucinda beäugte Luciano von oben bis unten, während er sprach, und fand, dass die Antwort ja war. Die Frage war nur wie man einen Jahrhunderte alten Vampiren dazu bekam mit einem auf ein Date zu gehen.
      Nun, wäre es so einfach einen Vampiren zu töten, dann wäre dieser hier sicherlich schon längst nicht mehr am Leben und irgendwie war sie ein Stückchen dankbar dafür. Einen so hübschen Mann von nahem sah man nur einmal im Leben.
      „Achso? Das... tut mir Leid.“, gab die Blonde verwundert von sich, als sie dafür gescholten wurde den Tod der Person, seinen Verlust, als Opfer zu bezeichnen, aber hatte er das nicht gerade selber getan? Sie musste es falsch verstanden haben, dennoch, wer würde so etwas tun? Aus welchem Grund?
      „... weißt du, wieso man sie... verbrannt hat? Wenn es dir zu schmerzhaft ist darüber zu reden, musst du mir natürlich nichts davon sagen. Aber manchmal... macht es das leichter.“, schlug Lucinda dem Vampir vor ihr die gesamte Geschichte zu erzählen, wenn er denn wollte.
      Cara mia. Da war es schon wieder. Wann hatte Luciano begonnen sie so zu bezeichnen? Sie kannte gerade einmal genug italienisch, um die Sprache zu erkennen, musste aber zugeben, dass sie keine Ahnung hatte, was es bedeutete, oder warum er sie so ansprach, vor allem wenn er jetzt ihren Namen kannte, aber ihr gefiel der Klang dieser Worte.
      Wenn nur die folgenden Worte nicht so düster wären, wäre es fast schon perfekt.
      „Eine bessere Idee... ich hab mir noch nie zuvor Gedanken darüber gemacht wie man an Blut kommen könnte.“, lehnte sie sich in ihrem Sessel zurück, in Gedanken versunken mit dem Blick auf das löchrige Dach gerichtet, „Woher hast du denn... das da?“, erkundigte sie sich etwas zögerlich, in Erwartung, dass er einen Menschen getötet und ihm oder ihr das Blut abgezapft hatte, was sie sich beim besten Willen lieber nicht vorstellen wollte.
      „Funktioniert denn auch Tierblut? Sicherlich wird ein Schlachthof genug davon haben, ein Krankenhaus oder eine Blutspendeneinrichtung zu bestehlen ist zwar nicht unbedingt die feine Art... gibt es denn keine friedlichen Vampire, bei denen du dich erkundigen kannst, wie sie an ihr Blut kommen? Irgendeinen Weg wird es ja wohl geben, sonst würde man jedes Kind vor euch warnen. Aber wenn das alles nicht hilft...“, begann Lucinda ein weiteres Mal zu grübeln, offenbar im Versuch eine Entscheidung zu treffen, die ihr nicht unbedingt leicht fiel.
      „... brauchst du viel davon? Blut, meine ich. Tut es... tut es weh gebissen zu werden? Stirbt man immer davon? Wenn nicht... könnte ich sogar mein eigenes Blut in den Ring werfen.“
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    • Luciano Abatangelo
      Was für eine absurder Scherz des Schicksals. Die Frau seiner Träume, auf allen Ebenen, die ihm so schrecklich entrissen wurde, sah mit großen Augen von dem Sofa aus zu ihm herauf und fragte ihn schüchtern nach den Bedingungen ihres Ablebens. Innerlich schüttelte er den Kopf. Nein er sollte aufhören sie beide als eine Person zu betrachten. Lucinda war... anders. Und möglicherweise ist es ja eine Form der Wiedergeburt gewesen. Zum ersten Mal seit langer Zeit - wenn nicht vielleicht jemals -, überlegte er sich, ob seine Geliebte Geschwister gehabt hat. Oder Cousins und Cousinen. Vielleicht war Lucinda auch einfach eine Nachfahrin von ihr und das Schicksal erlaubte sich wirklich einen Streich mit Lucianos Verstand, in dem sie ihr aus dem Gesicht geschnitten wurde. Oder sie war tatsächlich "aus dem Grabe entstiegen, um ihn von seinem Trott zu erlösen", wie seine charmante Besucherin ist so vortrefflich beschrieben hatte. "Sie", setzte er schließlich doch an, nachdem er eine Weile mit sich selbst gehadert hat. "Sie hat mich geliebt." Er atmete tief aus, den Blick noch immer aus dem Fenster gerichtet. "Und ich sie. Das hat der Kirche gereicht, um sie als Sünderin zu verbrennen. Sie war ein Opfer. Das meinige und damit das der Kirche. Doch sie hat sich nicht aufgeopfert. Es diente keinerlei höherem Sinn. Es war einfach nur... ein wütender Mob gläubiger Christen, die versucht haben das Monster und seine Braut aus ihrem Dorf zu jagen."
      Es ist eine Geschichte, deren Dramatik in ihrer Nichtigkeit fußt. Nichts für einen Roman oder eine Novelle. Nichts, woraus man auch nur einen Hauch Romantik herausziehen könnte. Lediglich das sinnlose Schlachten unschuldiger, wie es immer schon verübt wurde und immer verübt wird. Damit beendete er die Thematik und drehte sich geradewegs symbolisch vom Fenster herum und trat an seine Flasche, die noch immer auf dem Tisch stand und umfasste ihren Hals. Sie genauer betrachtend. "Ich habe einen Freund. Ich habe mitbekommen, dass er ab und an hier vorbei gekommen ist. Er hat sie mir gebracht, wahrscheinlich in der Hoffnung ich würde eines Tages doch wieder einfach aufstehen und... hungrig sein." Nachdenklich schwenkte er die Flasche und ließ die Flüssigkeit darin kreisen. "Ihn zu fragen wie er sich zurecht findet in dieser... Welt? Zeit? Situation", entschied er, "wird sicherlich keine schlechte Idee sein. Wie ich Lyonel kenne wird er einen Weg gefunden haben an Blut heranzukommen, ohne zu töten." Damit stellte er das Gefäß wieder ab. "Wie das schmeckt war es auf alle Fälle schon nicht mehr frisch, als er es abgefüllt hatte", nuschelte er etwas in sich hinein und lehnte sich gegen das morsche Holz, bevor er wieder zu Lucinda herüber sah und den Kopf schüttelte.
      "Tierblut macht uns krank. Wir können es nicht gut verarbeiten und es schmeckt abscheulich. Das haben wir drei tatsächlich ein Mal ausprobiert als Lyonel neu verwandelt gewesen ist. Als... kleines Experiment so zu sagen. Die Ergebnisse waren einstimmig negativ." Was Lucinda jedoch mit Blutspendeeinrichtung im Krankenhaus meinte, war ihm erneut schleierhaft. Wie sehr hatte die Welt sich verändert? Schnitten sich Menschen neuerdings im Hospital in den Arm oder ins Bein und ließen ihr Blut auffangen? Zu welchem Zweck? Er wollte gerade nachhaken, als Lucinda etwas vorschlug, das ihn sofort auf der Stelle innehalten ließ und er wirbelte zu ihr herum. "Du bietest mir dein Blut an?" Das... er... Er war offensichtlich ein wenig sprachlos. Sein Mund öffnete und schloss sch wieder und Luciano räusperte sich. "Das ist ein..." Er zog die Augenbrauen zusammen und seine Mundwinkel kräuselten sich nach oben und er konnte sich ein kurzes Lachen nicht verkneifen, ehe er sich noch einmal räusperte. "Ein ungewöhnliches Angebot. Aber ich weiß es sehr zu schätzen... Vielleicht, würde es wirklich nicht schaden ein wenig hier heraus zu kommen und... sich anzusehen was in über Hundert Jahren passiert ist. Wenn mein guter Freund eine Lösung für das... Problem hat, umso besser." Er trat vor Lucinda und hielt ihr die Hand hin, um die ihre zu ergreifen. "Darf ich?", fragte er und schnappte sich sanft ihre Finger und beugte sich tief herunter um ihr einen Kuss auf ihre helle Haut zu hauchen. "Wenn du gestattest, wäre es mir eine Ehre, wenn du meine Fremdenführerin werden würdest."
    • Lucinda McGregory

      „Das... tut mir Leid.“, fand die Blonde keine anderen Worte, die ihr Mitgefühl Ausdruck verleihen könnten, aufgrund des Unglücks, dass ihm und seiner Liebe zu Teil geworden war. Mit einem Mal konnte sie verstehen, dass er sich selber als Monster sah, wenn es alle anderen um ihn herum auch getan hatten, so sehr, dass sie sich an einer Menschenfrau vergriffen haben, seiner Geliebten, weil sie ihn nicht hatten töten können. Weil sie nicht einverstanden mit dieser Liebe gewesen waren, obwohl sie sicherlich niemand nach ihrer Meinung gefragt hatte.
      War er dann überhaupt bereit sich auf jemanden neues einzulassen, oder gar ein zwangloses Date? Verdammt, wie ging man mit jemandem um, dessen Ex wegen ihm, weil er ein Vampir war, auf dem Scheiterhaufen verbrannt wurde und der deswegen über hundert Jahre versucht hat zu schlafen und währenddessen zu sterben? Lucinda war fest davon überzeugt, dass selbst das Internet ihr keine Antwort darauf bieten konnte.
      Ein Freund also. Ein weiterer Vampir, der hier irgendwo in der Nähe lebte oder gar einen weiten Weg auf sich nahm, um Luciano ein paar Flaschen Blut zu bringen. Ob er auch so verdammt gut aussah? War das eine Eigenschaft von Vampiren oder war der Mann vor ihm in dieser Hinsicht etwas besonderes?
      Okay, Tierblut machte sie also krank, das konnte Lucinda schon mal von der Liste streichen, was es nicht unbedingt einfacher machte. Moment, drei? Wow, es wurden wirklich immer mehr Vampire.
      Da war die Blonde wohl auf ein großes Geheimnis gestoßen, einfach so, weil sie sich von dem Regen in diese alten Gemäuer hatte treiben lassen, an einem freien Tag.
      Glück? Unglück? Ein Blick in Lucianos Gesicht versicherte ihr, dass es Glück sein musste. Sonst wäre sie doch schon längst tot, nicht wahr?
      Die blonde Schönheit konnte sich das breite Grinsen nicht verkneifen, als sich die Meinung des Vampiren so schnell änderte, kaum hatte sie ihr Angebot beendet. Es war einfach viel zu offensichtlich, dass ihm die Aussicht auf ihr Blut gefiel, auch wenn er versuchte es hinter den Worten, seinen guten Freund nach einer Lösung zu fragen, zu verstecken versuchte, Lucinda konnte er damit nicht täuschen. Vielleicht konnte sie gar den ein oder anderen Kuss dafür ergattern, nein, Scham war nichts, was Lucinda kannte.
      „Welch Gentleman.“, lächelte die Blonde, als sich Luciano hinunter beugte um ihr einen Kuss auf den Handrücken zu hauchen und sie musste zugeben, dass ihr das Gefühl seiner Lippen auf ihrer Haut gefiel. Vielleicht etwas zu gut, dafür dass sie sich gerade erst kennen gelernt hatten, aber was sollte sie machen? Gutaussehende Kerle hatten eben eine solche Wirkung auf sie.
      Und leider – oder zu ihrem Glück – war der Vampir vor ihr schlicht und einfach ihr Typ.
      „Es wäre mir eine ehre einen hübschen Kerl wie dich herum zu führen. Und jetzt komm, du hast lange genug in dieser Bruchbude ausgeharrt, gehen wir.“, schnappte sie sich einfach die Hand des Mannes, jene, welche er gerade noch in der seinen gehalten hatte, um ihn aus dem Gemäuer zu ziehen, bevor er es sich noch anders überlegen konnte und die schlechte Lauen aufgrund des plötzlichen Regens war wie weggeblasen, doch sobald sie durch die Tür gegangen waren, wurde ihr sogleich bewusst, dass dieser noch gar nicht aufgehört hatte.
      Er war deutlich milder geworden, aber noch fielen die Tropfen stetig.
      „... finden wir in deinem alten Zuhause ein paar Regenschirme?“, erkundigte sie sich hoffnungsvoll bei Luciano, ihr war nicht dabei nass zu werden... oder noch nässer als sie eh schon war.
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    • Luciano Abatangelo
      Er wusste wirklich nicht recht mit ihren offenen Worten umzugehen. Sie erwähnte zum wiederholten Mal ihre Vorliebe, für sein Aussehen. War er in ihren Augen so außergewöhnlich schön? Selbst verständlich freute es ihn. Eitelkeit ist nie eine seiner überwiegenden Eigenschaften gewesen, doch die ganze Situation beflügelte ihn noch immer und fühlte sich an wie ein Traum. Lucinda stolperte in sein Anwesen, sah ihn mit den selben Augen an, die seine Geliebte ihm eins geschenkt hatte und ersuchte ihn leidenschaftlich darum mit ihr alles zurückzulassen, was ihn einst belastet hat. Und dann machte sie auch noch deutlich, dass sie nicht nur keinen Schrecken vor ihm hatte, sondern er ihr im Gegenteil sogar zu gefallen schien. Genug, dass sie ihm willentlich ihr Blut anbot. Was für eine sonderbare Frau.
      Kaum waren sie sich einig zog sie ihn auch schon hinter sich her, nur um wieder vor dem Regenschauer anzuhalten. Interessiert betrachtete Luciano ihre Reaktionen und ein Lächeln zog an seinen Lippen. So stur und dickköpfig sie sich auch jetzt schon präsentiert hat, er empfand sie als herzallerliebst. Ihre Frage jedoch ließ ihn zweifelnd drein schauen.
      "Zu meiner Schande muss ich zugeben, dass ich selbst kaum im Klaren darüber bin was sich noch in meinem Besitz befindet und was nicht. Ich scheine mehr als einmal ausgeplündert worden zu sein und hoffentlich war es nur von Lyonel. Im Allgemeinen..." Er sah an sich herunter und raufte sich die Haare. "Ich bin mir bewusst, dass ich gerade nicht den schönsten Anblick darstelle." Seine Kleidung war alt, deutlich mitgenommen und auch wenn es ihm nicht an Schönheit mangelte, man sah Luciano an, dass er gerne ein Bad genommen hätte um sich rein zu waschen vom Staub der letzten Jahrhunderte. "Bitte gib mir einen Moment, lass mich eine Lösung finden." Damit ließ er sie für den Moment allein und verschwand auch sogleich in den Schatten. In seinem alten Ankleidezimmer fand er kaum etwas von Nutzen. Allerdings entdeckte er noch eine alte Ledertasche. Es gab kaum etwas, das er von seinem Anwesen hätte mitnehmen können. Doch er nahm sich die restlichen Rationen Blut noch mit, die Lyonel ihm hinterlassen hatte und schnappte sich einen Herbstmantel, den er noch finden konnte.
      Damit tauchte er wieder hinter Lucinda auf und legte ihr einfach seine Jacke um, ehe er sie auf seine Arme hob wie eine Braut. "Lass mich sehen, ob es dunkel genug ist...", murmelte er und schoss sich selbst mit ihr zusammen durch die Schatten mehrere Meter in die Ferne und blieb schließlich stehen. Er nickte. "Ich bringe uns schnell in den Wald zurück, dort wird es trockener sein." In nur wenigen Minuten waren sie durch die Schatten gereist. Luciano hielt die blonde Schönheit gut und fest in seinen Armen. Die frische Luft und der Wind in seinen Haaren, seine Braut in den Armen. Wenn das ein Traum gewesen ist, so wollte er dankend nicht mehr daraus erwachen. Doch nein, ermahnte er sich erneut. Lucinda war nicht seine Braut. Er musste sich wirklich daran gewöhnen die beiden zu differenzieren. So brachte Luciano die junge Frau zunächst durch den Wald. Die Wanderwege waren leer, doch er spürte und hörte in welcher Richtung er die Zivilisation zu erwarten hatte und brachte sie so erfolgreich ans Ende des Waldes, wo er sie wieder herunter ließ. Seine Augen fuhren über die unbekannte Landschaft. Er erwartete, dass alles neu und fremd gewesen ist. Doch als seine Augen auf gigantisch hohe Gebäude fielen, gepflasterte Straßen und große... Maschinen, die auf ihnen... fuhren? Er war regelrecht vor den Kopf gestoßen. Er nuschelte einen italienischen Fluch. "Das... ich... Das ist...? Welches Jahr schreiben wir, sagtest du noch gleich?", hakte er noch einmal zweifelnd nach.
      Hatte er sie eben noch getragen, musste sie ihn nun mitziehen. Luciano konnte nirgends hinsehen, ohne etwas fremdartiges und angsteinflösendes zu entdecken. Alles war schnell und noch nie hatte er solche Menschenmengen gesehen. Wie viele sind das gewesen? Hatte man ganze Kontinente in eine Stadt verpfercht.
      Luciano klammerte sich ein wenig an seine Tasche und seine Begleiterin. Beinahe wie eine Katze mied er alles, was ihn hätte berühren können. Die Reizüberflutung, die Gerüche, die Geräusche waren überwältigend. Erschöpft ließ er sich auf den Boden fallen, als sie es endlich zu Lucindas Wohnung geschafft hatten. Es war ein geräumiges, ebenes Quartier in einem der gigantischen Gebäude. Auch hier war alles fremd, roch ungewohnt und machte ihm linde gesagt auch ein bisschen Angst, doch es war alle mal besser als da draußen. "Lucinda, wie schnell hat die Welt denn angefangen sich zu drehen? Beschleunigen diese ganzen... Dinger die Geschwindigkeit? Und wann ist es so schrecklich laut geworden? Ich... entschuldige... bitte verzeih mir aber ich... habe offensichtlich deutlich mehr verpasst, als ich es hätte ahnen können... Aus dieser... Welt bist du? Ich befürchte du wirst mir... einiges erklären müssen..."
    • Lucinda McGregory

      Überrascht stellte die junge Frau fest, dass ihr der Boden unter den Füßen fehlte, als sie sich der Brust des Vampirs entgegen sah. Aus Instinkt legte sie ihm die Hände um den Hals, um nicht herunter zu fallen, dennoch gefiel es ihr von ihm getragen zu werden und sie schmiegte sich geradezu an seine Brust, auch wenn der Geruch nach Staub oder Moder nicht gerade angenehm war, aber was konnte man schon von jemandem erwarten, der seit über 100 Jahren in dieser Bruchbude schlief? Lucinda konnte es kaum erwarten Luciano nach einer frischen Dusche und in anständiger Kleidung zu sehen, wenn sie ihn jetzt schon so unwiderstehlich fand, würde sie sich dann überhaupt noch zurückhalten können, mit einem frisch geduschten Vampir in ihrer eigenen Wohnung?

      „Das Jahr 2022, du hast ganz schön lange geschlafen. Zwei Weltkriege verpasst, die Erfindung des Automobils, des Computers... keine Sorge, du wirst dich schon früher oder später daran gewöhnen.“, lächelte die blonde Frau entschuldigend, als ihr bewusst wurde, wie ihre Worte ihn nur zusätzlich überforderten und schnappte sich schon fast schon sanft seine Hand, um ihn durch das Chaos der Neuzeit in ihre eigene, kleine Wohnung zu führen.
      Ihre Wohnung bestand aus einem großen Wohnzimmer, mit einem Sofa in der Mitte und einem Fernseher davor, während sich an den Wänden ein Bücherregal an das andere quetschte und doch hier und da ein Stapel sein Dasein auf dem Boden fristen musste, weil einfach nicht genug Platz vorhanden war. Die Regale waren in weiß gehalten, die Bücher nach Farben und Reihen sortiert, ihre eigene kleine Sammlung, auf die Lucinda besonders stolz war.
      Dann gab es noch ein Bad, eine Küche und ihr Schlafzimmer, mehr brauchte sie nicht.
      Wie hätte sie damit rechnen können irgendwann auf einen schnuckeligen Vampiren zu treffen und ihn mit zu sich nach Hause zu nehmen? Wobei sie nichts dagegen hätte ihr Bett mit ihm zu teilen.
      „Hmmm.... ich wüsste nicht, dass die Welt angefangen hätte sich schneller zu drehen? Seit der Entdeckung von Technik hat sich die Welt ganz schön schnell entwickelt, aber keine Sorge, ich bringen dir alles Stück für Stück bei. Auch wenn du wirklich niedlich aussiehst, wenn du so überfordert bist.“, lächelte Lucinda, welche sich neben Luciano in die Hocke gesetzt hatte und mit der Hand an der Wange den Vampiren mit schief gelegtem Kopf betrachtete.
      Okay, also zuerst brauchte er dringend eine Dusche und neue Klamotten. Sie könnte auch eine Dusche gebrauchen, auch wenn ihre Sachen mittlerweile einigermaßen trocken waren, sehnte sie sich nach einer warmen Dusche und neuer Kleidung. Aber zuerst...
      „Komm mit, ich zeig dir, wie die Dusche funktioniert, dann kannst du dich frisch machen... oder wäre dir ein Bad lieber?“, erkundigte sie sich bei dem Weißhaarigen Mann und half ihm dabei vom Boden aufzustehen, hielt weiterhin seine Hand, um ihn in das Bad zu führen, und machte keinen Hehl daraus, wie sie ihn von Kopf bis Fuß betrachtete, im Versuch seine Maße zu erraten.
      Um die Ecke war ein Laden, wo sie ihm ein paar Hosen und T-Shirts besorgen können würde, so oder so würden sie irgendwann gemeinsam shoppen gehen müssen, sicherlich ein besseres erstes Date mit einem Vampiren als zu essen.
      „Ich besorge dir was zum anziehen, mach es dir ruhig gemütlich, wenn du fertig bist, bevor ich wieder da bin.“, ließ sie ihn wissen, dass sie kurz weg sein würde, nachdem sie ihm geduldig gezeigt hatte, wie das fließende Wasser funktionierte und ihm noch ein paar Handtücher hingelegt damit, damit er nicht nackt herum laufen musste, bis sie mit der neuen Kleidung zurück wäre... nicht, dass sie da groß etwas dagegen hätte, aber etwas Anstand war ihr dann doch geblieben.
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    • Luciano Abatangelo
      Dem armen Vampir wurde schwindelig, als er versuchte die Jahreszahl zu begreifen. Er hat vom 19. bis zum 21. Jahrhundert hinein geschlafen. Er ahnte, dass es lange gewesen sein musste. Doch... so lang? Lucinda hatte sich empört dazu geäußert, dass es über 100 Jahre waren aber in Wahrheit waren es ja so gut wie zwei! Er konnte nicht verstecken, dass er sich eingeschüchtert fühlte von allem, was ihm dermaßen fremd gewesen ist. Der Boden hatte wunderschöne, strahlend helle Dielen und generell erkannte er hervorragende Verarbeitung an den Leisten. In der Stube, wie ihm schien, stapelten sich die Bücher bis zur Decke. Er konnte nicht im geringsten den Wert dieser ganzen Dinge einschätzen doch würde er es versuchen, würde er auf schwindelerregende Summen kommen. War Lucinda in diesem Leben eine Dame der gehobenen Gesellschaft? Gab es sowas wie eine gehobene Gesellschaft noch? Oder waren einfach alle Menschen vermögend? Ihm drehte sich der Kopf und er ließ sich ins Badezimmer führen. Fasziniert folgte er ihrer Instruktion bezüglich der... Dusche. "Du... kannst es heiß und kalt stellen? Was?". Er kannte das Prinzip von Heizboilern. Das ist noch recht frisch gewesen, als er sich zur Ruhe gelegt hat, doch die Mechanik dahinter war ihm gewiss vertraut. Gab es hier in dem Haus irgendwo einen Heizboiler? Und ein separates Wassergefäß mit kaltem Wasser? Nein, das würde so nicht funktionieren, wenn man nicht nur die Regulation zwischen heiß und kalt, sondern sogar mild und lau hatte.
      "Ich... würde gerne... duschen?", versuchte er sich an dem neuen Wort und sah ihr dabei unsicher in die Augen, ob er es richtig verwendete. Doch Lucinda bestätigte ihm seinen unbeholfenen Versuch und erklärte ihm noch die flüssige Seife und die andere flüssige Seife für seine Haare, bevor sie ihn alleine ließ. Interessiert blickte er sich um, wobei seine Augen auf dem Badezimmerspiegel hängen blieben. Seine Reflexion erwiderte den Blick und er ächzte regelrecht auf, als er sich erkannte. Was zum...? Neugierig trat er an das Material heran und versuchte zu erahnen woraus es gewesen ist. Damals hatte Lyonel ihm berichtet, dass sie an einer neuen Herstellungsmethode für Spiegel arbeiten und sie nicht mehr aus Metallen und Silber hergestellt werden sollen. Sein guter Freund hatte damals noch die Theorie aufgestellt, dass sie sich endlich werden wieder im Spiegel betrachten können. Doch war das so lange her gewesen für Luciano, dass er selbst den Wunsch nicht wirklich verstand. Er war wirklich das Ebenbild einer Leiche. Nun, da er seine Kleidung in dem spiegelnden Glas...? erkannte. Selbst er verstand wie alt er damit ausgesehen haben muss. Kopfschüttelnd entkleidete er sich und legte seine Kleidung feinsäuberlich zusammen, bevor er sich zögerlich der Dusche näherte.
      Es war ein... Abenteuer. Luciano war unempfindlich auf Temperaturen und testete daher jede einzelne aus. Angefangen bei der kältesten und der heißesten und dann lernte er die Nuancen kennen. Das interessante gewesen ist, dass er in einer kleinen Wanne mit Abfluss stand. Wo auch immer das Wasser abfloss, er musste sich keine Sorgen darum machen, dass es überquellen könnte. Als er die Flasche mit der flüssigen Seife für den Körper zögerlich in die Hand nahm und verwundert das Material der Verpackung betrachtete (es bog sich nämlich leicht unter seinem Griff), verzog er entsetzt die Nase, als er sie öffnete. Um Himmelswillen! Wieso roch das so... intensiv? Das war ja schrecklicher als die Franzosen zur Renaissancezeit. Luciano schüttelte sich und hielt den Atem an, während er sich die letzten zwei Jahrhunderte vom Leib wusch. Wobei er sich wirklich bemühte nicht zu viel davon zu nehmen. Hoffnungsvoll nahm er sich anschließend die flüssige Seife für das Haar und öffnete vorsichtig den Deckel. Aber zu seiner Erleichterung roch es nur nach frischem Honig und er konnte sich getrost seine Haare waschen. Im Anschluss nahm er sich die sehr bunten Handtücher und war sogleich entsetzt darüber wie weich sie gewesen sind. Unglaublich...
      Unbeholfen wickelte er seine Hüfte in eines der Tücher und nahm seine Kleidung mit sich in die Stube. Seine Sachen wirkten so schäbig und schmutzig für die strahlenden Polster des Sofas. Deswegen legte er sein verbliebenes Hab auf den Boden zusammen mit der alten Ledertasche. Er ließ seinen Blick schweifen. Wirklich, er fühlte sich als wäre er in einer fremden Welt gelandet. Doch immerhin war ihm eine Sache hier vertraut. Neugierig trat er an ihre vielen Bücher heran. Sie musste doch wohlhabend sein bei einer solchen Sammlung... Interessiert zog er eins heraus und erkannte sogleich, dass Farbtotografien anscheinend bereits erfunden wurden. Beinahe hätte er den Einband vor Schreck fallen gelassen, als er es betrachtete. Luciano legte die Stirn in Falten. Aber wie bemerkenswert. Das ganze Buch schien aus... Papier? Und recht dünnes noch dazu, wenn er das beurteilen konnte. Es brauchte keinen Ledereinband. Er schlug es auf und besah sich den Druck. Er war regelrecht sanft. Wie auch immer heutzutage gedruckt wurde, er war sich sicher, dass nicht mehr gestanzt wurde, so wie das aussah. Hatte man den Buchdruck so revolutioniert um Bücher zugänglicher zu machen für jede gesellschaftliche Schicht? Das wäre bemerkenswert und etwas, was Luciano überaus begeistern würde. Er drehte das Buch herum und erkannte dass eine Zusammenfassung des Inhaltes wie es schien auf der Rückseite vermerkt gewesen ist. Das war brillant. So angsteinflößend, laut und schrill diese Welt auf ihn auch zunächst gewirkt hat, er war leidenschaftlicher Befürworter der Dusche und der neuen Buchdruck-Kultur. Luciano stellte das Buch wieder zurück und fing an sich Stichprobenartig durch das Regal zu arbeiten und immer mal wieder ein Buch heraus zu nehmen und die Synopsis zu lesen. Tragischerweise verstand er nur wenig. Viele der Worte waren ihm noch fremd und er konnte sich nichts darunter vorstellen. Jedoch war er überzeugt davon, dass diese Wissensquelle ihm dabei helfen kann die neue Moderne zu verstehen.

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    • Lucinda McGregory

      Nach vielleicht einer halben Stunde – vielleicht war es auch mehr gewesen, so genau hatte Lucinda kein Auge auf die Zeit geworfen – kehrte die junge Frau mit einer Tüte in der einen und den Regenschirm in der anderen Hand wieder zurück in ihrer Wohnung und blieb erst einmal wie gebannt stehen, als sie den halbnackten Luciano in ihrer Wohnung erblickte, wie er sich die Bücher ansah.
      Sie gab sich gar keine Mühe zu verstecken, wie sie seine nackte Haut anstarrte, die fast zweihundert Jahre an Schlaf hatten ihm offenbar nicht geschadet, vor allem nachdem er durch das Blut seines Freundes wieder zu Kräften gekommen war und fast – aber auch nur fast – wünschte sie sich sie könnte eine Blutdiät machen. Vampire mussten wahrscheinlich nie auf ihre Figur achten oder aufpassen nicht zu viel Schokolade in sich rein zu stopfen, nicht wahr? Beneidenswert.
      Für einen Moment zögerte Lucinda, wollte sich selbst nicht von diesem Anblick berauben, es war schon schwer genug den hübschen Kerl nicht gleich anzufallen – schon eigenartig, sie war sich sicher, dass Luciano deutlich mehr in Gefahr war als sie, obwohl er der Vampir war – aber letztendlich gewann doch ihr gesunder Menschenverstand und nach einem Seufzen hielt sie dem Vampir die Tüte mit den Kleidungsstücken entgegen.
      Okay Lucinda, reiß dich zusammen, zuerst ein Date und dann kannst du den hübschen Kerl verspeisen. Du bist doch nicht die Art von Frau, die seine Lage dermaßen ausnutzen würde... oder? Nein, nein, nein, auf gar keinen Fall! Was soll ihr Vater und ihr Bruder nur von ihr denken?!
      Wobei, die wären sicherlich nicht gerade überrascht darüber. Dennoch musste sie sich doch wenigstens Mühe geben ein guter Mensch zu sein!
      „Liest du gerne?“, gab sie sich daher Mühe sich mit einem Gespräch abzulenken, während ihr Blick jedoch weiterhin auf Lucianos Brust, statt auf sein Gesicht gerichtet war. So viel musste ja wohl erlaubt sein!
      „Was soll ich mit deinen Klamotten machen? Soll ich sie waschen? Oder gleich weg werfen?“, bemerkte sie letztendlich seine alte Kleidung auf dem Boden, glaubte zwar nicht, dass er sie noch mal tragen können würde – Lucinda war sich nicht mal sicher, ob sie einen Waschgang überleben würden – aber vielleicht war sie dem Vampiren ja wichtig?
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    • Luciano Abatangelo
      Dass seine Gastgeberin wieder da gewesen ist bemerkte der Vampir, zu seinem eigenen Überraschen erst, als sie direkt vor der Tür ihres Quartieres stand und verwundert blickte er kurz von seinem Buch auf. Nach Möglichkeit hatte er versucht die laute Welt um sich herum ein wenig auszubenden aber anscheinend bedeutete das auch, dass er gewisserweise angreifbarer gewesen ist. Oder lag das nur daran, dass er es noch nicht gewöhnt gewesen ist? Es interessierte ihn wirklich wie Lucianos Freunde mit der Neuzeit umgingen. Lucinda trat ein, doch der junge Mann hing noch einen Moment an seinen Gedanken. Es war faszinierend wie schnell sie ihn aus seiner Schale heraus gelockt hatte. Eben noch hat er in seinem Sarg gelegen und war der Überzeugung er wollte sterben und auf einmal tauschte Lucinda auf und zeigte ihm wahrlich eine Welt, die er noch nicht kannte. Von der er nicht im Ansatz verstand wie sie funktionierte, es allerdings in der Tat sein Interesse weckte. Zumal es sich gut anfühlte dem ganzen allein schön für sie eine Chance zu geben. Wenn es ihr Wunsch gewesen ist ihn hier zu haben, so wollte er sich dem nicht entsagen.
      Sie trat an ihn heran und Luciano klappte das Buch zu, das er gerade bestaunt hatte. "Ah, Cara mia, bitte verzeih, dass ich ungefragt angefangen habe deine Bücher zu studieren. Du hast eine bemerkenswerte Sammlung." Auf ihre Frage hin nickte er, den Blick noch immer auf die vielen Buchrücken gerichtet. "Wenn man... sehr viel Zeit hat dann gibt es bald wenig, was man noch nicht getan hat. Ich habe eine große Leidenschaft im Lernen entdeckt. Die Welt um dich herum hat ebenfalls gelernt, die Menschheit hat neue Dinge erfahren. Das war spannend. Selbst für mich neu." Und jetzt war fernab allem, was er wissen oder verstehen könnte. Wobei Luciano zugeben musste, dass es auch einen gewissen Reiz mit sich brachte dermaßen im Rückstand zu sein. Es wäre interessant zu beobachten wie lange es dauern würde sich in dieser Welt einzufinden. Er wendete sich der Blondine zu und folgte geradewegs ihrem Blick auf seinen nackten Oberkörper. Er lächelte entschuldigend. "Verzeih mir bitte mein schamloses Auftreten. Ich... wollte meine alte Kleidung wirklich nicht noch einmal überziehen. Das erschien mir wie eine Verschwendung der... D-Dusche?" Er war immer noch unbeholfen die neuen Worte in tatsächliche Sätze einzubringen und verlegen räusperte er sich, ehe er auf die... Tasche(?) schaute, die sie in der Hand hielt. Beutel? Es war steif und glänzend. "Was...?", setzte er zu der Frage an, ließ es dann aber fallen.
      Zögerlich nahm er sie ihr ab und schaute hinein. Fremde Stoffe schauten ihm entgegen und er sah auf Lucinda. Sehr ähnlich ihrer Stoffe, wenn er sich nicht irrte. "Hm?", machte er, als sie ihn auf seine alte Kleidung ansprach. Wieder sah Luciano in die Tragetasche. Er zögerte ein wenig endgültig seine Vertrautheit einzutauschen gegen diese neuen Dinge. Doch schließlich nickte er. "Bitte, wenn es keine Umstände macht, das alte Hemd wird ohnehin bald zerfallen wie mir scheint, ebenso wie die Hose, sie waren mir lange genug dienlich." Damit holte er heraus, was sie ihm mitgebracht hat. Die Hose schien er noch zu begreifen. Wenn er auch verwundert über den Schnitt und den Stoff gewesen ist. Doch die augenscheinliche Oberbekleidung wie ihm schien verwirrte ihn doch sehr. "Ich... mh... Verzeih aber..." Er holte etwas heraus, das er nicht im geringsten identifizieren konnte. Es war nicht lang wie die Hose aber auch deutlich kürzer als die Oberbekleidung aus sehr weichem Stoff. Trug man... das vielleicht auf dem Kopf? "Ich weiß nicht wie... das hier alles getragen wird. Könntest du mich erleuchten?"