Asylum - Verlier nicht den Verstand [Lucy~&Asphyxia]

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    • Asylum - Verlier nicht den Verstand [Lucy~&Asphyxia]

      Asylum - Verlier nicht den Verstand Zur Vorstellung

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      Ein jeder von uns hat bereits einmal von schaurigen Märchen und Legenden gehört, die bestimmte Ortschaften und Gebäude umfassten. Geschichten über Geister und anderweitige übernatürliche Wesen bilden dabei nur die Spitze des Eisbergs. Vielmehr fürchten wir uns vor den Erzählungen, dessen Bösewicht kein angsteinflößendes Monster, sondern ein normaler Mensch ist.
      Das „Higgings-Institut für geistig-erkrankte Individuen“ ist ein solcher Ort. Viele dunkle Gerüchte und Geschichten ranken sich um jene Einrichtung, doch keine von ihnen entpuppt sich bisher als wahr.
      Isaac, ein junger Mann, der sein ganzes Leben noch vor sich hat, soll eines Besseren belehrt werden. Schon bald wird er die schaurigen Geheimnisse hinter der glücklichen und sorglosen Fassade aufdecken. Wird Sara, eine junge Krankenschwester, ihm bei seiner Flucht aus der Einrichtung helfen können oder ihn vielleicht näher an sein Verderben rücken?
      Und dann gibt es noch Florence, die sich viel zu sehr mit ihrem Patienten Kiyoshi beschäftigt.

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      Isaac

      Nun war bereits ein Tag vergangen, seitdem man ihn zu Unrecht in dieses schreckliche Loch gesteckt hatte. Mit jeder Minute, die verstrich, und die er damit verbrachte, die kahle Steinwand anzustarren, glaubte er, dass sich die Wände zusammenzogen und den Raum kleiner werden ließen. Ab und an hatte er sogar den Verdacht geschöpft, dass sich dunkle Kreaturen in den Schatten versteckten. Für den jungen Journalisten nichts Außergewöhnliches. Isaac lebte von den Legenden und Märchen, denen man sich von den Wesen der Nacht berichtete. In seinen Augen war nichts davon ein Mythos oder ein Schauermärchen. Isaac betrachtete jenes als Realität.
      So war es kein Wunder, dass er Bewegungen in seinem Blickwinkel wahrnahm. Ein Ort, wie dieser es war, zog solche Lebensformen magisch an. Wo Kummer und Leid herrschte, waren Geister und Dämonen nicht weit. Sie ernährten sich von den dunklen Gedanken der Menschen, die hier lebten.
      Ein Seufzen entfuhr ihm und er ließ den Kopf gegen die steinerne Wand lehnen, während sein Blick weiterhin auf die dunkle Decke über sich starrte. Wenn er sich konzentrierte, glaubte er sogar Stimmen vernehmen zu können. Was sie ihm wohl mitteilen wollten? Isaac konnte nur Vermutungen aufstellen, doch egal zu welchem Entschluss er gekommen war, die Antwort stellte ihn unzufrieden. Möglicherweise waren es Geister, die mit ihm in Kontakt treten wollten. Oder doch eher Dämonen, die ihn um seine Seele bringen wollten? Je mehr er sich den Kopf darüber zerbrach, desto aufgeregter wurde er. Ach, hätte er nur Papier und Stift, um seine Erfahrungen niederzuschreiben! Seine Artikel würden sich weltweit verkaufen! Möglicherweise könnte er den Ungläubigen die Wahrheit näher bringen. Er wäre nicht mehr Isaac der Freak. Jedermann würde akzeptieren müssen, dass er all die Zeit recht behalten hatte!
      Seine Gedanken fanden ein abruptes Ende, als die Tür zu seiner Zelle aufsprang und eine junge Dame sich zwischen den riesigen Pflegern vorbeidrängelte. Sie studierte ihn neugierig. Isaac fühlte sich wie ein Tier im Zoo. Es musste faszinierend sein, einen Mörder aus der Nähe betrachten zu können. Selbst, wenn dieser angebliche Kriminelle unschuldig war.
      „Mister Smith, sehr erfreut. Mein Name ist …“, sie brach ab, als würde sie ihre Worte sorgfältig in ihren Gedanken wählen wollen. „..Doktor Payton. Ich werde sie gemeinsam mit Schwester Yakumi beaufsichtigen und ihre medizinischen .. Untersuchungen durchführen.“ Diese Worte hinterließen einen bitteren Nachgeschmack in Isaacs Mund.
      „Wie ich Ihren Kollegen bereits versucht habe klarzumachen, habe ich nichts mit diesen Fällen zu tun!“, entgegnete er scharf. Für einen kurzen Moment konnte er in ihrer ruhigen Fassade einen Anflug von Unsicherheit ausmachen, doch dieser war direkt wieder verschwunden. Sie erwiderte nichts. Die Blonde starrte ihn lediglich für einige weitere Augenblicke an. „Ich werde Schwester Yakumi mit Ihren Medikamenten zu Ihnen schicken“, waren ihre letzten Worte, ehe sie sich zur Tür begann und diese hinter ihr ins Schloss fiel.
      Irgendetwas stank in dieser Einrichtung gewaltig bis zum Himmel.

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      Florence

      Sie hatte sich von ihrer Aufregung und Unsicherheit überwältigen lassen. Frustriert schlug sie sich die Hände ins Gesicht, nachdem sie sich in ihrem kleinen Büro, das vorher eine Abstellkammer war, zurückgezogen hatte. Vorher hatte sie Sara noch die Informationen über ihren neusten Patienten Isaac Smith zukommen lassen und sie mit den nötigen Medikamenten ausgestattet.
      Florence hatte gehofft, dass sie professionell bleiben würde. Doch sie hatte sich von seinem wehleidigen Blicken einlullen lassen. Für einen kurzen Moment hatte sie wirklich geglaubt, dass sie einen unschuldigen Mann eingesperrt hatten. Florence wusste, dass sie sich nicht von ihrer Naivität leiten lassen durfte.
      Um sich abzulenken, las sie weitere Patientenakten, um sich mit ihrer Klientel weiter vertraut zu machen. Nachdem viele Ärzte das Institut verlassen hatten, blieb ihren Vorgesetzten nichts übrig, als sie vorerst in die Position einer Ärztin zu drücken. „Nur bis wir jemanden für den Posten finden, der nicht direkt nach zwei Tagen wegen angeblichen Geistern verschwindet“, hatte man ihr versichert. Sie bezweifelte, dass die Suche ein jähes Ende finden würde. Die Gerüchte, die diesen Ort umgaben, wurden von Tag zu Tag schlimmer. Geister, Dämonen und dunkle Rituale. Die Menschen wurden immer kreativer. Wenn es in dieser Einrichtung übernatürliche Wesen ihr Unwesen treiben würden, so hätte sie dies bereits bemerkt. Abgesehen von knarrenden Türen und flackernden Lichtern, dessen Zustand eine logische Erklärung hervorbringt, gab es nichts Gruseliges.
      Und trotzdem rannten die Ärzte nach wenigen Tagen davon. Florence konnte es sich nicht erklären. Lag es an der Umgebung? Zugegebener Maßen war ein medizinisches Institut abgelegen von der Zivilisation ein schauriger Gedanke und die ein oder andere Räumlichkeit hätte einen neuen Anstrich mit Sicherheit verdient, doch waren es keine Indikatoren auf paranormale Aktivitäten.
      Flos Aufmerksamkeit richtete sich auf eine bestimmte Akte. Nervosität machte sich in ihr breit. Kiyoshi Nakamura. Sie kannte ihn nicht persönlich, doch die Geschichten, die man sich erzählte, erschütterten sie bis ins Mark. Warum hatte sie ihn zugeteilt bekommen? Das musste ein Fehler der Verwaltung gewesen sein! Immerhin hatte sie nicht die nötigen Fachkenntnisse, um sich mit einem Patienten seines Kalibers auseinanderzusetzen. Selbst Smith war bereits zu viel für sie gewesen. Und dieser hatte nichts getan, außer seine Unschuld zu beteuern.
      Ein unangenehmes Gefühl machte sich in ihr breit. Die Verwaltung und die Oberärzte hatten alle Hände voll zu tun. Bis sie mit ihrer Bitte zu ihnen durchgedrungen war, könnten Wochen vergangen sein. Zudem war Mr. Higgings außer Haus. Wohl möglich hatte sie keine andere Wahl, als ihn vorerst zu betreuen. Vielleicht war er nicht so schlimm, wie alle Ärzte behaupteten. Trotzdem konnte sie die Worte nicht vergessen, die ihr Higgings einst gesagt hatte. „Wenn es einen Menschen gibt, der sich Gottes Segen entzogen und keine Chance auf eine Erlösung finden wird, dann ist er es.“
      Aber der mächtige Herr würde niemals jemanden aufgeben. Jedes Lebewesen hatte die Chance, seinen Platz im Himmel zu finden und Vergebung zu erfahren.
      Eifrig stand sie auf und begab sich in den Hochsicherheitstrakt. Sie müsste sich selbst ein Bild von ihrem neuen Patienten machen müssen.