The demonking rise again [Michiyo&Caili]

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    • The demonking rise again [Michiyo&Caili]

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      Sonia Heartgold
      Mit einer schnellen Bewegung streifte die Heldin der Menschheit das Blut von ihrem linken Schwert, das sie gerade dazu benutzt hatte einen Dämonen nieder zu strecken, ab. In ihrem Blick war nichts als pure Entschlossenheit zu lesen, als sie diesen von der Leiche abwandt und den Gang entlang blickte, einem großen Tor entgegen, hinter dem sie das erwartete, weshalb sie eigentlich hierher gekommen war: den Dämonenkönig selbst.
      Alleine für diesen Moment hatte Sonia all diese Jahre trainiert, Schweiß, Tränen und Blut vergossen, zahlreiche Abenteuer erlebt und einen Kampf nach dem anderen bestritten, nur um der Menschheit willen, um sie vor der großen Dunkelheit zu retten und – nicht wissend wie naiv dieser Gedanke eigentlich war – glaubte sie, wie alle anderen Menschen auch, dass sie das erreichen würde, indem sie alleine den Dämonenkönig selbst niederstreckte.
      In weiser Voraussicht – man mag es vielleicht auch als Übermut oder lebensmüde bezeichnen – hatte sie ihre Kameraden und Freunde zurück gelassen, sich alleine zum Schloss des Dämonenkönigs aufgemacht, es sich in den Kopf gesetzt, dass sie die einzige war, die ihr Leben riskieren sollte, die ihr Leben riskieren musste, wollte sie doch nie wieder eine ihr geliebte Person verlieren, nie wieder jemanden sterben sehen und diese zurückgebliebene Leere spüren.
      Ausgerechnet jetzt, in dem Moment wo ihre Schritte durch den langen Gang hallten, stur und strickt in Richtung des Tores laufend, ein Schritt nach dem anderen, musste sie an den blonden, schüchternen Jungen aus ihrer Kindheit denken.
      Eigentlich hätte er hier sein müssen, an ihrer Seite, sich gemeinsam dem Feind der Menschheit entgegen stellend, doch im gleichen Moment fragte sie sich, ob sie nicht auch ihn diesem Moment zurückgelassen hätte, in Sicherheit wissend, doch natürlich war dies eine rein hypothetische Frage, denn er war nicht hier.
      Sonia wusste noch immer, nach all diesen Jahren, nicht was aus Amos geworden war. Man munkelte er sei den Monstern zum opfer gefallen, andere glaubten vielleicht hatte er sich einfach im Wald verlaufen und war nie wieder zurückgekehrt. Doch niemand hatte je seine Leiche gefunden, Soniahatte in ihrer Trauer und in ihrem Schmerz, den gefährlichen Wald absuchend, nie seine Leiche gefunden, die Hoffnung schürend, dass er vielleicht irgendwo war, irgendwo da draußen, doch so viele verschiedene Orte sie auf ihren Abenteuern auch bereist hatte, so viele Städte und Dörfer sie gesucht und gar hoffnungsvoll ihren Blick hatte schweifen lassen – wie schwer sollte es schon werden einen Jungen mit einer Maske zu finden? Auffälliger konnte man ja wohl kaum sein, nicht wahr? - hatte sie ihn doch nie finden können.
      Und nun war sie hier, am Ziel ihrer langen Reise, am Ziel ihres gemeinsamen, großen Traumes und die Hoffnung ihn jemals wieder zu sehen schwankte immer mehr, doch hätte sie nie im Leben erwartet, diesem ausgerechnet hier zu begegnen. Und schon gar nicht so.

      Am Tor angekommen, kaum hatte sie dieses erreichte, öffnete es sich, als hätte man sie bereits erwartet. Wahrscheinlich hatte er das auch. Ihr Eindringen war nicht gerade die leise Sorte gewesen und Sonia hatte sich auch keine Mühe gemacht nicht bemerkt zu werden, dass war nicht ihr Stil und wenn sie ehrlich war, war sie auch noch nie gut im Herumschleichen gewesen.
      Die Heldin atmete noch einmal tief ein und aus, sich mental auf einen schweren Kampf einstellend, ihre Hände fester um die Griffe ihrer Schwerter packend, ehe sie eintrat, sich ihrem Gegner entgegen stellend.
      Auf dem ersten Blick kam er ihr bekannt vor, eigenartigerweise, konnte sich jedoch nicht erinnern, dem Dämonenkönig jemals bereits begegnet zu sein. Auf dem zweiten Blick erkannte sie ihn.
      Das blonde Haar, war es schon immer so kurz gewesen? Oder war es gar länger geworden? Sonia erinnerte sich nicht genau, viel zu lange war es her, doch woran sie sich erinnern konnte, war die Maske, wie er Tag ein Tag aus seine rechte Gesichtshälfte verbarg, nicht einmal ihr trotz der enormen Neugierde des Wildfanges, welches sie damals war, erlaubt hatte darunter sehen zu dürfen – schon ironisch wie man bedachte, dass nun auch sie einen Teil ihres rechtes Gesichts unter ihrem Haar verbarg, nicht wahr? - und vor allem erkannte sie seine Züge in dem Gesicht vor ihr, erwachsener, nun da so viele Jahre seit ihrem letzten Treffen vergangen waren und doch glaubte sie den Jungen von damals darin zu sehen, Amos.
      Doch das schrecklichste war, dass er es in seinen Augen sehen konnte. Auch er erkannte sie. Auch er musste wissen, wen er da vor sich hatte.
      „Soll das ein Scherz sein?“, durchbrach die Schwarzhaarige die Stille im Raum, ihren Blick auf ihn gerichtet, während die Verwunderung der Wut wich, „Ist das ein Trick?“
      Sonia glaubte keine einzige Sekunde daran, tatsächlich ihrem echten Kindheitsfreund entgegen zu stehen. Hier sollte der Dämonenkönig auf sie warten, nicht ein Freund aus alten Tagen, was wurde hier gespielt? Eine Illusion? Eine Falle? Konnte es wirklich jemandem mit dem selben Gesicht geben und dann auch noch einen Dämonen?
      Wenn selbst der Rest an dem Mann ihr gegenüber so menschlich wirkte, so erkannte sie doch den unter dem Umhang verborgenen Arm, schwarz wie die Nacht selbst, wie der Himmel dieses in Dunkelheit getauchten Landes. Asmos war ein Mensch gewesen, da war sich Sonia sicher. Er konnte also unmöglich... unmöglich!
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      @Michiyo
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    • Amos Nuitari
      Die Türen weiteten sich um den Weg zum Dämonenkönig zu bahnen. Noch nie zuvor hatte es jemand gewagt in das Reich des Königs einzudringen, geschweige denn die Dreistigkeit zu besitzen, dies im Alleingang bewältigen zu wollen. Dachte die Kriegerin tatsächlich alleine im Reich der Dunkelheit den Sieg einbringen zu können? Sonderlich vorsichtig war sie nicht oder einfach nicht die hellste Kerze, denn so laut wie sie in den Gängen umher trampelte war jede Armee leiser als sie gewesen. Mit offenen Armen beschloss Amos die Heldin zu empfangen, sie direkt in die Höhle des Löwen eindringen zu lassen. Auf den Anblick der Närrin freute sich Amos bereits. Er war nicht kalt-herzig aber nach all den Jahren im Kampf gegen die Menschen einfach von ihrer Rasse abgeneigt. Die einzig gute und schöne Erfahrung, die er mit diesen Wesen gemacht hatte war seine Freundin Sonia doch auch dieses Bild schwand von Tag zu Tag mit jedem weiteren Blutvergießen.

      Als die Schritte sich näherten und sich in der großen leeren Halle ausbreiteten war es Zeit dem Abenteurer Gegenüber zu treten. Von seinem Thron, in dem er zuvor von einer Lehne zur anderen quer drin gelegen hatte, erhob er sich und wandte sich das erste Mal der jungen Frau zu. Vom weiten sah sie nicht besonders aus, machte nicht den Anschein übernatürliche Kräfte zu haben oder eine besondere Waffenauswahl die ihre nennen zu können. Wäre sie nicht mit dem Blut ihrer Gegener gezeichnet und in ihrem Schweiß bedeckt, hätte sie ausgesehen wie eine ganz normale Frau. Amos wusste selbst nicht was er erwartet hatte aber irgendwie hatte er nicht mit einem gewöhnlichen Fräulein gerechnet.

      Je näher er trat desto mehr überkamen ihn die Zweifel. Das Gesicht schien so familiär doch - aber nein konnte es sein?
      Als sie nur noch wenige Schritte voneinander entfernt waren, war er sich seiner Gedanken sicher. Es blieb kein Funken Zweifel mehr und natürlich musste sie es sein. Wer sonst würde auf die Idee kommen dem Dämonenkönig Gegenüber zu treten? Sonia stand da, sichtlich perplex und begann zu schimpfen, zu fragen ob das alles ein Scherz sei und für einen Moment brach es ihm sein Herz. Natürlich glaubte die schwarzhaarige nicht daran, dass Amos ein Dämon war, noch zu allen Übel der König. Ihre Gedankengänge konnte er ihr nicht verübeln - bevor er in die Unterwelt trat war er selbst der Manipulation der Menschen zu Opfer geworden aber trotzdem machte sich Enttäuschung in ihm breit. Wenn er von jemandem gehofft hatte, dass sie über die Vorurteile hinausschaute, dann wäre es in seiner Vorstellung Sonia gewesen. Eine Heldin, die den Kampf zwischen den Rassen beenden würde...doch genau dafür war sie hier. Das war ihr Weg. Der Weg, von dem sie dachte, dass er den Frieden einbringen würde.

      Ihre Fragen und rufe ignorierte Amos, er selbst war überrascht blieb aber ruhig. Er schien keinen Halt zu machen ehe er ihr genau Gegenüber stand, wenige Zentimeter voneinander entfernt. In seinem Ausdruck war keine Regung zu erkennen, lediglich die leuchtend blauen Augen wanderten auf und ab, musterten jeden Zentimeter dieser Frau. Der Blondschopf hatte sie so lange nicht mehr gesehen, dass es sich anfühlte wie eine Ewigkeit, die zwischen ihnen lag aber trotzdem erhaschte er das Bild des kleinen mutigen und froh gesonnenen Kindes vor sich, dass sein Leben so sehr bereichert hatte. Unendlich viele Tage und eben so viele Träume vergingen, in denen der König sich ausmalte, wie es wäre wenn sie sich wieder über den Weg laufen würden, wie sie reagieren würde - ob sie reagieren würde und nun stand sie da, in seinem Reich, gehüllt in Dunkelheit.

      Die Menschen fürchteten sich vor der Unterwelt, erzählten von Schreckensgeschichten und hüteten sich vor der Schwärze, die sich stetig im Himmel ausbreitete aber wer genau hin sah, der könnte die Schönheit dessen erkennen. Es war kein schwarzes Loch oder die Höllentore höchstpersönlich, sondern einfach ein Sternen klarer Himmel, der sich über den ganzen Tag erstreckte, doch dafür musste man offen sein und den Blick dafür weiten um über die Angst vor der Dunkelheit hinaus zuschauen. Genau diesen geweiteten Blick hatte Amos in seinen Jahren erhalten und sah die junge Frau umrandet von den Sternen. Sie war zu einer wunderschönen Dame heran gewachsen, besaß schöne Kurven an den richtigen Stellen, war muskulös und definitiv eine Heldin geworden wie sie es sich gemeinsam immer erträumt hatten. Ob sie von dem Anblick Amos enttäuscht war?

      "Was machst du hier?" Brach seine leichte Stimme endlich die Stille. Er konnte nicht anders, wollte ihr nah sein, ihr am liebsten um den Hals fallen und all die verpassten Jahre wieder aufholen. Ohne zu zögern streckte er den linken Arm aus, die Seite seines Körpers, die nicht die Verbundenheit der Unterwelt darstellte, um sich mit den Fingerspitzen vorsichtig durch das schwarze Haar zu kämpfen. Ein sanftes Streichen, das versuchte soviel dieses bekannten Gesichtes einzufangen, wie nur möglich war. Das bedeutete auch, ihr die Strähnen aus der verdeckten Seite zu streichen. Gegenwehr war zwar zu vernehmen, ließ Amos jedoch nicht anhalten. Er wollte sehen wieso ausgerechnet Sie, die die immer wissen wollte was Amos selbst verbarg nun ihr Gesicht verdeckte. Eine tiefe Narbe, noch immer in sanften Rottönen, statt im verblassten weiß erstreckte sich über ihr Auge und bei dem Anblick verzog sich das Gesicht des Jungen. Nicht vor Ekel oder Abscheu, sondern vor den Schmerzen, die sie erlitten haben muss. "Was ist passiert?" ein leises flüstern kam über seine Lippen, nur ein sanfter Hauch, der die Worte heraus gleiten ließ statt sie fest zu sprechen.

      Weiter musterte er sie und blieb an dem Katana hängen. Es war mit Blut beschmutzt, dem Blut seiner Anhänger, seines Volkes, dass sie an ihrer Klinge mit sich trug. Kurz schloss er die Augen, ballte die mit blauen Fäden durchzogene Hand zur Faust während der Kiefer spannte. Er brannte vor Wut. Warum musste ausgerechnet Sonia sein Feind sein, die Mörderin seiner Rasse? Tief ausatmend richtete er sein Augenmerk wieder auf ihre Seelenspiegel, die linke Hand immer noch in ihrer Mähne vergraben, festigte er den Griff. "Du bist die einzig gute Erinnerung, die ich an die Menschheit habe. Bitte zwing mich nicht, gegen dich anzutreten." Mit diesen Worten schlossen sich die blauen Glaubscher wieder ehe er seine Stirn an die ihre drückte. Ihr Duft umschmeichelte die Nase des Dämons, das Adrenalin gemischt mit ihrem Schweiß versprühten die wahren Noten einer Kriegerin, zu der sie stolz geworden war. Etwas in ihm wirkte so zerbrechlich in diesem Moment, er gab sich ihr völlig hin. All die Hoffnung, die er in den Frieden hatte stand genau vor ihm, mit gezogenen Waffen und Blut betränkten Klamotten. Alles was er sich wünschte schien in so weiter Ferne, raubte ihm jeglichen Ausblick aber vielleicht irrte er sich. "Sonia..." Erneut ein Hauch, von dem man nicht wusste ob er an sie oder sich selbst gerichtet war, wie ein Mantra das Amos dichtete, als würde er sich ihrer in Erinnerung rufen. Eine Tonlage, die die schwarzhaarige vermutlich nicht kannte, sich anders anhören musste als alles was sie jemals von seinen Lippen gehört hatte. Amos war nun ein Mann, ein Dämon und ein König und trotzdem wirkte er in diesem Moment, in ihrer Nähe doch wieder wie das unschuldige kleine Kind, dass er einst mal war.






      A heart's a heavy burden.

    • Sonia Heartgold

      Die Heldin wusste nicht, wieso, aber sie ließ es zu, dass der Mann, der dem jungen Amos von damals wie aus dem Gesicht geschnitten hätte sein können und von dem sie doch glauben musste, dass er der Dämonenkönig selbst war, ihr nahe trat, zu nahe für einen Feind und ihr Körper spannte sich sichtlich an, aus Furcht ihre Ängste könnten sich bewahrheiten, dass es nichts weiter als eine grausame Illusion war, die man ihr hier zeigte, eine Falle, damit sie ihren Kampfeswillen verlor oder man sie gar hinterrücks angreifen konnte, ohne, dass sie es ahnte, doch es gab eine Angst, die noch viel schlimmer war als das.
      Dass sie hier tatsächlich Amos entgegen stand – wie auch immer es dazu kommen konnte, dass er nun ein Dämon und gar ihr König war – und dieser sie tot sehen wollte. Sonia wusste, dass sie das nicht verkraften könnte. Sie wusste nicht einmal, ob sie in der Lage sein würde gegen ihren ehemaligen Kindheitsfreund zu kämpfen, doch wie es schon, würde das vielleicht gar nicht nötig werden.
      Die Abenteurerin zuckte überrascht zusammen, als sie seine Stimme vernahm, so vertraut und doch so fremd, war sie doch nach all den Jahren tiefer geworden, erwachsener, machte ihr deutlich, dass sie hier einem Mann entgegen stand und nicht dem kleinen Jungen von damals und die Tatsache ihn hören zu können, machte das ganze so echt, so real, durchbrach den Gedanken, dass es sich hierbei nur um eine Illusion, um ein Trugbild oder gar einen Tagtraum handeln könnte.
      Oder träumte sie gar? War noch gar nicht aufgewacht, hatte den anstrengenden Weg in die Höhle des Löwen gar noch vor sich? Aber nein. Das Pochen in ihrem rechten Auge, wo einst ein Auge war, erinnerte sie daran, dass es kein Traum war. Es schmerzte nie in ihren Träumen. Dies hier war die Realität, eine schreckliche Realität, wenn sie daran dachte, dass der schüchterne blonde Junge von damals sich nun als ihren Feind entpuppt hatte.
      „Ich...“, was sollte sie darauf antworten? Brauchte es überhaupt eine Antwort? Sie war sich sicher, dass auch er wusste, warum er eigentlich hier war, ihr Anblick alleine müsste als Antwort genügen, oder hatte er die Träume aus Kindertagen etwa vergessen? Wie sie sich geschworen hatten gemeinsam das Dorf zu verlassen, zu Abenteurern, zu Helden zu werden?
      Sie hatte sich nach dem schrecklichen Verlust vorgenommen diesen gemeinsamen Traum für sie beide in Erfüllung gehen zu lassen... und nun wurde ihr schmerzlich bewusst, dass Amos sich diesen Traum nie hätte erfüllen können.
      Er konnte den Dämonenkönig nicht töten. Nicht, wenn er selber es war. Auch wenn sie noch Hoffnung hatte, hoffte dass das alles nur ein schrecklicher Scherz war, doch mit jeder Sekunde die verging, mit seiner Hand in ihrem Haar, der Sorge in seinen Augen, als er die ihm fremde Narbe erblickte, schwand diese Hoffnung, schallte sie eine Idiotin, ließ die Tatsache, dass sie ihn hier, im Thronsaal, gar auf dem Thron sitzend, keine andere Schlussfolgerung zu.
      Auch diese Frage wusste Sonia nicht, wie und ob sie sie beantworten sollte. Hätte er sie unter anderen Bedingungen gefragt, hätte sie ihm ohne zu zögern mitgeteilt, dass es ein Dämon war, der ihr ihr rechtes Auge geraubt hatte. Doch nun, wo er selber sich als Dämonenkönig selbst entpuppt hatte, wusste die Schwarzhaarige nicht so recht, wie er diese Aussage aufnehmen würde, wie er darauf reagieren würde, vor allem nachdem ihr die Wut in seinen Zügen nicht entging, dem Blut an ihrer Waffe geschuldet und für einen Moment schämte sie sich gar dafür, ballte dann jedoch ihre Faust fester um die Waffe und ein schrecklicher Gedanke kam ihr in den Sinn.
      Ob auch er Menschen getötet hatte?
      So viele Gefühle kämpften im Inneren der jungen Frau um die Oberhand, die Freunde darüber Amos endlich wieder zu sehen, den Wunsch ihre Hand auf die seine zu legen, zu sehen wie viel größer sie geworden war, ihn zu betrachten und fest zu stellen wie erwachsen er nach all dieser Zeit geworden war – wo oft hatte sie sich ausgemalt, wie er wohl aussehen würde, wenn sie ihn wieder fingen könnte? Doch niemals hätte sie erwartet, dass der schmächtige Junge von damals gar zu einem Krieger werden würde. Ihrem erfahrenen Auge entging nicht, wie viele Muskeln er in dieser Zeit antrainiert haben musste – die Angst darüber, was es für sie zu bedeuten hatte, dass er hier als Dämonenkönig vor ihr stand, als Feind, Sorgen und Zweifel, der Wunsch zu erfahren wieso er verschwunden war, was passiert war, wie... das aus ihm werden konnte und doch brachte sie kein einziges Wort über ihre Lippen, traute sich nicht, aus Angst die Illusion doch dadurch brechen zu können, gar einsehen zu müssen, dass er vielleicht gar nicht mehr der Junge von damals war, doch dieser Gedanken verflüchtigte sich schnell, als sie endlich mit sich selbst kämpfend vom Boden aufblickte und es wagte den strahlend blauen Augen seines Gegenübers zu begegnen – hatten sie schon immer so geleuchtet? - und die Worte hörte, die sie sich in diesem Moment mehr gewünscht hätte als alles andere.
      Er war es, Amos, ohne jeglichen Zweifel und er wollte nicht gegen sie kämpfen. Und sie wollte das auch nicht. Und doch, hatten sie wirklich diese Wahl? Wo sich doch Dämonenkönig und Heldin waren? Für einen Moment schlicht sich ein gefährlicher Gedanke in ihren Kopf, als sie so da standen, Stirn an Stirn gelehnt, in trauter Zweisamkeit. Er war ihr so unglaublich nahe, es wäre ein leichtes gewesen ihm eines ihrer Schwerter durch die Brust zu jagen, ein leichtes ihn so hier und jetzt zu töten, denn, ob ihr Gegenüber überhaupt an diese Möglichkeit dachte und bereit war es nicht dazu kommen zu lassen oder ihr in diesem Moment vollkommen ausgeliefert war, Sonia glaubte gar an zweiteres.
      Doch so gleich erschreckte sie sich vor sich selbst, erschreckte sich vor diesem schrecklichen Gedanken, der sie sogleich dazu brachte ihre Waffen einfach fallen zu lassen und stumm liefen die Tränen über ihre gesundes Auge. Sonia wollte nicht gegen Amos kämpfen. Sonia wollte ihn nicht töten, sie wollte ihn nicht tot sehen!
      Ohne eine weitere Sekunde lang zu zögern legte sie einfach ihre Arme um den nun großgewachsenen Mann, vergrub ihr Gesicht in seiner Schulter, wollte so viel Nähe von ihm spüren wie möglich, den so fremden und doch so bekannten Geruch einnehmen, welcher sogleich ein Gefühl von Geborgenheit, von Angekommen in ihr auslöste.
      „Amos... du bist es wirklich, nicht wahr?“, gab sie gar flehend von sich.
      Selbst wenn es eine Falle gewesen wäre, wäre es ihr egal. Sie hatte solange nach ihm gesucht, sie hatte ihn nun endlich gefunden und doch, wieso hatte es dazu kommen müssen? Wo waren sie falsch abgebogen? Wann hatten sich ihre Wege nur getrennt?

      Die Abenteurerin erinnerte sich, als wäre es erst gestern gewesen, an die Kindheitserinnerungen, welche sie wie einen kostbaren Schatz in ihrem Herzen trug, sich immer wieder daran erinnernd, immer wieder davon träumend, in der Hoffnung sie mögen nie vollständig verblassen, sie möge sie nie wirklich vergessen und vor allem wollte sie ihn nicht vergesen.
      Amos, den schüchternen, schmächtigen blonden Jungen. Sie konnte es vor ihrem inneren Auge sehen, wie sie mit schnellen Schritten, vollkommen außer atmen, den Hügel hinauf eilte, das blonde Haar bereits von weitem erkennend, wie die Maske den kleinen Jungen sogleich verriet, keinen Zweifel an seiner Identität möglich machte, ehe sie endlich ankam und dem auf sie wartenden Jungen sogleich in seine Arme fiel, als hätte sie sich den ganzen Tag über nur darauf gefreut ihn zu sehen. Wahrscheinlich hatte sie das auch, denn so gerne das junge Mädchen ihre Mutter auch gerne in den Wald begleitet, voller Energie im Haushalt half oder mit leuchtenden Augen ihren Vater bei seiner Arbeit beobachtete, ihn immer wieder fragend, wann er denn ein echtes Schwert schmieden würde, so war die Zeit, in welcher sie mit Amos hatte spielen können, doch ihre liebste Zeit des Tages gewesen.
      „Was machen wir heute?! Gehen wir in den Wald, Monster jagen?! Wollen wir uns Stöcke suchen und unsere Schwertkunst trainieren?! Oh, oh! Oder sollen wir die alte Magrit fragen, ob sie uns noch mehr Geschichten erzählen kann?!“, ließ die junge Sonia ihren Freund gar nicht erst zu Wort kommen, suchte voller Enthusiasmus nach einem gemeinsamen Zeitvertreib und starrte den Jungen mit strahlenden Augen an, darauf wartend, dass er sich für eine seiner Ideen entscheiden oder etwas eigenes vorschlagen würde.
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    • Schon von weitem waren die Schritte des jungen Mädchens zu vernehmen. Amos erkannte seine beste Freundin sofort an ihrem Schritt, dem zügigen Gang der klackenden Sohlen auf dem gepflasterten Weg, ein freudiger Hüpfer hier und da sprach immer Bände und ließ den Blonden wissen, dass Sonia sich näherte, ohne in ihre Richtung schauen zu müssen. Trotzdem tat er es, wandte sich zu ihr, begrüßte die schwarzhaarige mit einem sanften und vorsichtigen Lächeln, dass sich eigentlich über beide Ohren freuen wollte. Noch immer konnte der kleine Bursche sein Glück nicht fassen. Er hatte eine Freundin gefunden, jemanden, der gerne Zeit mit ihm verbrachte und ihn weder hänselte noch verurteilte für seine Maske.

      Wie ein Wirbelwind stürzte die kleine Heldin in sein Leben, stellte es vollkommen auf den Kopf aber zum positiven. "Erst die Stöcke! Die richtige Wahl der Waffe ist für einen Helden das A und O!" Begann er in einem gespielt förmlichen Ton ehe er aus einem Busch neben sich bereits zwei vorbereitete Äste herauszog. "My Lady." Kniete er auf ein Bein nieder, reichte ihr mit gesenktem Kopf und ausgestreckten Armen ihr ehrenwürdiges Zweigen-Katana und wurde dabei ganz rosig auf den Wangen, zu schüchtern ihr eines Blickes zu würdigen. Erst nachdem das leichte Gewicht auf den zarten Händen des Kleinkindes verschwand und sich Sonia ihrer Wahl bewusst wurde, erhob er sich wieder, verlegen kichernd und fuhr fort. "Möge die Kraft der Helden Sie auf Ihrem Wege begleiten bis wir uns auf dem Schlachtfeld wiedersehen." Mit einem sanften Nicken deutete Amos den Weg zum Wald, die übliche Reihenfolge - Waffen, Kämpfen, Geschichten - so wie immer. Schnelle Beine, Kleine Schritte, die unruhig und aufgeregt in das nächste Abenteuer rasten, die Kronen der hohen Bäume stets im Blick - das Ziel vor Augen machten sie sich auf. Obwohl er kleiner war, ihm einige Zentimeter zu Sonia fehlten und er bei weitem nicht den Mut und die Gelassenheit ausstrahlte versuchte er jedes Mal voran zu gehen. Als erster den gefährlichen Wald zu betreten und seine Freundin geschützt hinter sich zu lassen aber wirklich gelingen sollte es ihm nie. Er zu feige, Sonia zu wissbegierig und mutig zu gleich, tauschten sie nach wenigen Metern sofort die Stellungen. Die schwarze Schönheit allen voran, begleitet von der blonden Rückendeckung. Stunden lang trainierten sie ihre Schwertkünste, klopften mit ihren Klingen die kleinen Zweige und Blätter von den Baumstämmen stets im Wetteifer, wer den stärkeren Ast bezwang. Lachend, rennend und tobend tollten sie umher wie unbeschwerte Kinder, die keinerlei Sorge und Verantwortung kannten aber davon Träumten die Welt auf Händen zu tragen. Manchmal an guten Tagen, an denen die Sonne schien, die Dunkelheit auf sich warten ließ blieben sie dort bis nicht jemand nach ihnen rufte, sie zwang eine Pause einzulegen und sich stattdessen Geschichten anzuhören. Die alte Magrit wusste immer wo sie die beiden Kindsköpfe auffinden würde, waren sie mal wieder zu spät zur Erzählstunde gekommen. Mit Tassen heißer Brühe die fleißigen Helden ernährend schickte sie die beiden vor die wärmenden Flammen des Feuers bevor die weisen Geschichten der Vorfahren, Helden und Krieger unter freiem Himmel aufgetischt wurden. Die Mäuse ganz gespannt an ihrem Ohr hingen und mit funkelnden Augen sowie geöffneten Mündern über jede noch so kleine Erfahrung staunten. Tag ein Tag aus, fröhlich und immer mit neuen Erlebnissen bestückt bis irgendwann kein Stock mehr in dem besagten Busch war, kein Schwert vorbereitet, kein ehrenwerter Unterwürfiger das Holz reichte und zu Knie fiel, der Tag an dem kein Amos da war, der Tag an dem kein Amos widerkehren würde. Die dunklen Male sich statt auf dem Gesicht auf dem Körper auszubreiten begannen, sein Schicksal ihn rief und nicht länger auf sich warten ließ.

      Ohne ein Wort des Abschieds, ohne selbst zu wissen, dass es ihre letzte Begegnung war, verschwand der blonde Jungspund in eine andere Welt.

      Das leise Wimmern, das Flehen in der Stimmlage der jungen Frau riss den Dämonenkönig aus seiner Trance. Behutsam löste er sich von ihrer Stirn, glitt nur wenige Zentimeter von ihr um einen erneuten Blick auf sie zu erhaschen, die Hand noch immer an ihrer Wange. Eine sanfte Bewegung zog ihre Schleife auf der Haut der jungen Dame, erlöste sie von ihrem Meer aus Tränen und wischte sie mit dem Daumen hinfort, begleitet mit einem ebenso sanften Lächeln. Der Mundwinkel, der sich wenige Zentimeter erhob, für eine Falte auf dem sonst so glatten Gesicht zog als wollte er sie aufmuntern. Noch nie zuvor hatte Amos seine Freundin weinen sehen, klar vor physischem Schmerz nachdem sie hingefallen war und sich das Knie blutig schlug aber selbst da meist tapfer die Zähne zusammenbiss, doch so wie in diesem Moment, zerbrechlich, verzweifelt aus der Emotion heraus war eine neue Seite an ihr, die ihm zuvor noch nicht Teil wurde.

      Einen Schritt zurück gesetzt löste sich der Mann gänzlich von der Kriegerin und neigte sich zu ihren Füßen. Die zuvor gefallene Klinge hinterließ neben dem Geklirre die Bluttropfen seiner Anhänger auf dem polierten Fliesenboden, sprenkelte diesen in roten Punkten. Seufzend griff er danach, streckte sich aus um das Katana sich anzueignen. Aufgerichtet ein gutes Stück größer als Sonia senkte er seinen Blick zu ihr, schaute auf sie herab während er die Finger um den Schwertgriff legte. Für einen Moment herrschte Stille als hätte eine Sequenz in seinen Gedanken ausgesetzt, seinen Kopf leer gefegt, der Ausdruck völlig regungslos auf den Gesichtszügen ehe der Dämon sich in Bewegung setzte. Den Schritt auf sie zu machend, fiel er nach vorne aus sowie die Arme nach oben gingen, fand er sich in einer bekannten Position wieder. Ein Knie auf dem kalten Boden, auf den Fingern die eiserne Klinge, die er ihr entgegen streckte. "My Lady." Hauchte es über seine rosigen Lippen, so leise als wäre es eine weit entfernte Melodie, begleitet von einem Blick, den sie nicht kannte. Keine Anzeichen der Verlegenheit, kein Anflug von Röte auf den Wangen und keine Furcht vor Blickkontakt. Ganz im Gegenteil, Amos sah Sonia direkt an, bot ihr ihre Waffe an mit einem verspielten Lächeln, das gar frech wirken mochte, eine Braue, die in die Höhe wanderte und die blauen Seelenspiegel, die auf ihrem Auge ruhten als könnten sie direkt in ihr inneres eindringen.
      A heart's a heavy burden.

    • Der Tag, an dem Amos verschwunden war, gehörte zu den schwärzesten Tag in Sonias Leben. Nicht, weil die Farbe des Himmels dem tatsächlich entsprochen hätte, doch es hätte genauso ein von der Dunkelheit eingenommener Tag sein können.
      Die Enttäuschung, als das sonst so fröhliche Mädchen hatte feststellen müssen, dass der blonde Junge nicht am täglichen Treffpunkt auf sie gewartet hatte, dass stundenlange warten, hin und wieder aus langweile einen kleinen Stein in ferne werfend, den Busch durchsuchend, tag ein tag aus, bis keine Steine zum werfen mehr da waren und der Busch wirkte, als hätte eine wilde Katze darin herum gewütet.
      Immerhin wieder erkundigte sich das Schwarzhaarige Mädchen mit flehendem Blick bei der alten Magrit, ob sie den Jungen nicht gesehen hätte, doch auch sie verneinte. Niemand hatte ihn gesehen, niemand schien etwas von dem verschwinden des Jungen zu wissen, und das schlimmste: niemand außer ihr schien nach ihm suchen zu wollen. Egal wie sehr sie die Erwachsenen anflehte, egal wie sehr sie bettelte und selbst als sie den Tränen nahe war, wollte ihr keiner helfen.
      „Der Junge ist gruselig... wieso sollten wir nach dem Suchen wollen?“
      „Keine Sorge Sonia, du wirst schon noch andere Freunde finden.“
      „Vielleicht hat der Bengel sich ja tief im Wald verlaufen? Ah, da bringen mich keine zehn Pferde rein! Was wenn Monster auftauchen?!“, schienen alle Erwachsenen Feiglinge zu sein, keiner war bereit einem jungen Mädchen auf der Suche nach ihrem besten Freund zu helfen, selbst ihre Eltern versuchten ihr das ganze auszureden, obwohl sie deutlich freundlicher mit der ganzen Angelegenheit umgingen, hatten sie doch selber nie etwas gegen den Jungen gehabt, mit dem sich ihre gemeinsame Tochter Tag ein Tag aus zum spielen traf.
      Zugegeben, anfangs waren auch sie skeptisch gewesen und hatten sich Sorgen gemacht, doch wie hätten sie es ihrer Tochter verbieten können, wenn sie jeden Tag mit einem solch strahlenden Lächeln wieder nach Hause kam und von dem gemeinsamen Tag erzählte? Irgendwann hatte ihre Mutter gar angefangen dem jungen Mädchen ein weiteres Törtchen mitzugeben, wenn sie welche gebacken hatte, für den Jungen, damit sie es sich teilen konnten.
      Doch auch sie konnten ihr nicht helfen und so hatte die junge Sonia nach drei Tagen des vergeblichen Wartens beschlossen persönlich nach ihrem Freund zu suchen. Sie war eine zukünftige Abenteurerin, eine Heldin, was konnte der Wald ihr schon?!
      Aus einer Mischung aus Trotz, Trauer und Wut war sie aus dem Haus gestürmt, hatte den Wald betreten, verzweifelt den Namen des Jungen gerufen, immer und immer wieder, bis ihre Stimme gar versagte, bis sie die Tränen nicht mehr zurück halten konnte und bis sie es war, die sich im dunklen Wald verlaufen hatte und gefunden werden musste.
      Die hell erleuchtete Lampe weckte das verausgabte, ermüdete Mädchen, als der Suchtrupp sie fand und an der Hand ihres Vaters, sich müde die verheulten Augen reibend, fiel es ihr wie Schuppen von den Augen: sie hatten gar nicht erst nach ihm suchen wollen. All diese Ausreden, was hatten sie letztendlich gebracht, wenn sie sich doch dazu aufbringen konnten nach ihr zu suchen, doch nicht nach Amos?
      Ein weiteres Mal brach die junge Sonia in Tränen aus, mussten zurück ins Dorf getragen werden und es wäre nicht der letzte Tag, an dem sie um ihren geliebten Freund weinen würde, doch es war der erste Tag, an dem sie hatte einsehen müssen, dass er fort wahr.
      Und so ungern sie das glauben wollte, dass er nie wieder zurück kehren könnte.

      Und doch war er hier. Direkt vor ihr, im Schloss des Dämonenkönigs, als Dämonenkönig selbst.
      In einer ihr nur zu bekannten Geste kniete er vor ihr, ihr blonder Ritter, ihr Kindheitsfreund aus früheren, besseren Tagen, ihr Amos und doch wirkte er so ganz anders als der schüchterne Junge von damals. Hatte er früher nie gewagt ihr in dieser Position auch nur ins Gesicht zu sehen, blickten seine strahlend blauen Augen nun fast schon herausfordernd in die Ihren, strahlten ein Selbstbewusstsein und eine Selbstsicherheit aus, die sie nicht von diesem kannte und doch missfiel es ihr nicht. Sonia fragte sich, wie aus dem kleinen Jungen von damals ein so großer Mann hatte werden können, welche Erfahrungen er hatte durchmachen müssen, was ihm zu dem gemacht hatte, was er nun war, und vor allem, wieso er damals einfach verschwunden war, wieso er sie zurückgelassen hatte und wie er hatte zu einem Dämonen, gar zum Dämonenkönig selbst werden können, doch stattdessen legte sich ein amüsiertes Lächeln auf die Lippen der nun jungen Frau, während sie mit den Worten „My Knight“, welche das junge, viel zu aufgeregt nach dem Schwert greifenden Mädchen nie über ihre Lippen gebracht hatte, ihr Katana in Empfang nahm, wie es so unglaublich viele Male in ihrer Kindheit getan hatten und es gab nicht den geringsten Zweifel, dass sich vor ihr Amos befand, keine Illusion, kein Trugbild, die eiserne Realität und obwohl sie wusste, dass sie sich noch mit dem Gedanken, was das für sie zu bedeuten hatte, auseinandersetzten werden musste, so wollte sie das in diesem Moment nicht.
      Die starke, mutige Heldin, welche Tag ein Tag aus den Schutz und die Sicherheit anderer über ihr eigenes Wohlbefinden, ihre eigenen Gefühle gestellt hatte, trug in ihrem Herzen den einfachen, leisen Wunsch all die verlorenen Jahre mit dem blonden Jungen nachzuholen, als Freunde, wie sie es damals getan hatten und dafür stellte sie das Schicksal der gesamten Welt, ihre Aufgabe als Heldin und den Sieg über die Dunkelheit hinten an.
      Sie ließ das Katana in ihrer Scheide verschwinden, ehe sie sich auf den Boden kniete um auch das zweite Katana aufzuheben und zu verstauen, war es doch deutlich, dass es weder heute noch an einem anderen Tag zu einem Kampf kommen würde – zumindest hoffte sie das sehr – ehe sie in der Hocke blieb und den noch immer knienden Mann mit schief gelegtem Kopf an ihrer Hand gelehnt betrachtete. Das Gefühlschaos, das sie noch gerade zu stummen Tränen gebracht hatte, war wie fortgefegt, alleine der Wunsch nach der Zweisamkeit war geblieben und so nahm sie sich endlich die Zeit zu sehen, was aus Amos geworden war.
      „... du bist größer geworden.“, durchbrach sie letztendlich die Stille, ihr war schon vorher aufgefallen, dass er nun ein ganzes Stück großer als sie war und Sonia war sich nicht so sicher, was sie davon halten sollte, war er doch immerzu ein kleines Stückchen kleiner als sie gewesen.
      Er war wie ein kleiner Bruder für sie, auf den sie immerzu aufgepasst hatte, auch wenn sie wusste das er älter war als sie, umso ungewohnter war es für sie, dass er nun größer geworden war.
      „Amos... was ist passiert? Wieso bist du... verschwunden? Und wie kommt es dass... du der Dämonenkönig geworden bist? Brauchst du... brauchst du meine Hilfe?“, sprach die Heldin letztendlich den Elefanten im Raum an, glaubend, dass sie womöglich hier war um ihn vor jemanden oder etwas zu retten. Was auch immer passiert war, es wird doch wohl eine Möglichkeit geben ihn wieder normal, zu einem Menschen zu machen, nicht wahr?
      Sie würden gemeinsam zurück zu den Menschen gehen können, wieder Seite an Seite leben, wie in alten Zeiten, nicht wissend, wie falsch sie es verstand, wie naiv ihre Gedankengänge waren.
      Sonia streckte ihre Hand nach ihm aus, sehnte sich danach den blonden Mann zu berühren, als müsste sie Angst haben, er könnte doch noch verschwinden, wenn sie es nicht tat, als müsste sie all die Male, wo sie das nicht hatte machen können, nachholen und fuhr ihm durchs Haar.
      Ein glückliches Lächeln bildete sich aus ihren Zügen. Sie hatte es vermisst. Sie hatte ihn vermisst.
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    • Die Wärme ihrer Hand auf seinem Gesicht zu spüren als wäre sie nie fort gewesen, fühlte sich so vertraut und gut an und schuf Zeit gleich eine ganz neue Erfahrung für den jungen Mann. Ewigkeiten hatte ihn niemand mehr so berührt, ihm Nähe geschenkt oder sich seiner näher angenommen, zu groß war der Respekt vor dem doch so bodenständigen Dämonenkönig und denen dem der Respekt fehlte gierte es eher nach einer anderen Art der Berührung.

      Die ersten klaren Worte Sonia's spielten ihm ein Lächeln auf die Lippen, denn natürlich war er größer geworden. Es war nicht zu übersehen, dass er nun die kleinere schwarzhaarige mit einem Kopf überragte. Welch offensichtliche aber dennoch liebenswürdige Feststellung. Niedlich wie sie versuchte die richtigen Worte zu finden bis sie sich traute die Worte zu formulieren, die Sätze, die ihr auf der Zunge brannten. So verwirrt und vorsichtig fragend, nach den Formulierungen suchend kannte er sie nicht, hatte sie in Kindertagen immer einen Mut an den Tag gelegt, als könne ihr nichts und niemand etwas anhaben. Keine Frage zu doof, kein Wort zu viel oder zu forsch.

      Gerade den Mund einen Spalt weit geöffnet um ihr die Antworten auf all ihre Fragen zu liefern, entwich ihm nur ein warmer Hauch. Wo sollte er anfangen? Wie ihr die Gesichte seines Schicksal näher bringen, ihr die Augen öffnen und auf seine Seite ziehen? Wie nur sollte es ihm gelingen Jahre der Missverständnis und der Manipulation gerade zu biegen ohne in ihr das Gefühl zu erwecken von dem Dämonenkönig selbst manipuliert zu werden? Hatte sie noch genug Vertrauen in ihn um all seinen Erzählungen glauben zu schenken? Noch bevor Amos seiner Sinne eine Lösung anfordern konnte gewannen entfernte Schritte seine Aufmerksamkeit. "Wir sind nicht allein." Murmelte es aus ihm heraus, den Blick zu den Toren gewandt in der Hoffnung er würde die Schritte erkennen doch dem war nicht so - kein gutes Zeichen. Sich aufrichtend und das Augenmerk noch immer starr auf die Tür, begann diese sich auf eben magische weise, wie sie sich geöffnet hatte, wieder zu schließen. "Na na na. Wie unfreundlich. Empfängt der große, herzliche König so etwa seine Untergebenen Gäste? Hieß es nicht er sei so nahbar und barmherzig?" Hallte die tiefe Stimme eines Dämons mit weiterem Gevolk im Schlepptau dem Thronsaal entgegen und ließ die Türe in ihrer Bewegung inne halten, ehe sie zu zittern begann, sich nicht entscheiden könnend in welche Richtung sie schlagen sollte.

      "Dharai." Erkannte der Blonde seinen Feind und brummte dessen Namen zwischen zusammengepressten Zähnen und angespanntem Kiefer. Wie konnte er es wagen den Palast zu betreten nach all den Geschichten, die die beiden teilten. Ohne zu zögern positionierte sich Amos vor der dunkelhaarigen Frau, leitete sie mit einer intuitiven Handbewegung hinter sich und bemerkte dabei nicht einmal, dass es sein gezeichneter Arm war, der die Bewegung ausführte. Sonia geschützt in Sicherheit wissend machte der Blondschopf einen Schritt auf den Eindringling und dessen Untertanen zu, wollte so viel Abstand zwischen den seinen und dem Menschenkind wissen, denn bisher wurde jede Begegnung mit dem dunkelhaarigen Dämonen ungemütlich.

      "Es sprach sich rum, dass es Eindringlinge im Palast gäbe." Mit einer ausladenden Gäste breitete der Mann seine Arme aus, schaute links und rechts über seine Schultern um in die Gesichter seiner Anhänger zu schauen. "Da dachte ich mir, wir sollten eingeladen sein." Grinste er schließlich heimtückisch und wandte den Blick wieder dem Blonden zu. "Die einzigen Eindringlinge seid ihr." "Na nun, das sehen deine toten Wachen da draußen aber anders. So gerne wir deren Ableben auf unser Konto verrechnen würden, so würden wir den Triumph eines anderen den unseren nennen." Sofort spannte sich der Körper des Königs an, die Hände erneut zu Fäusten geballt. Am liebsten hätte er sich um seine eigene Achse gekehrt, sich um 180 Grad gewendet um Sonia einen schimpfenden Blick zuzuwerfen aber er tat es nicht. Ihr in der Situation Aufmerksamkeit zu schenken, würde nur Dharais Interesse wecken. "Verlasst mein Reich, du weißt welche Konsequenzen es hat, wenn ihr die inneren Kreise unbefugt betretet." Eine Warnung, um genau zu sein die letzte Warnung bevor sich Amos seinem Gegner stellen würde. Schon in Position, kampfbereit breitete sich der Schatten unter seinen Füßen aus, auf der Suche nach seinem Opfer doch kurz bevor die stärkste Waffe Amos Dharai erreichte löste sich dieser in Luft auf, nur um hinter dem Blonden zu erscheinen. Sofort erhaschte er einen Blick auf die vom Kämpfe gezeichnete Kriegerin, welcher ihm sofort ein schelmisches Lächeln auf die Lippen zauberte.

      In Windes Eile lenkte der König seinen Schatten um, platzierte diesen auf Sonia um sie näher an sich heran zu ziehen, weg von dem Feind. Sie waren in der Unterzahl und die Frau, die einen besonderen Platz in deinem Herzen hatte zu zerbrechlich um es mit so vielen Dämonen gleichzeitig aufnehmen zu können oder schätzte er die Heldin falsch ein? Sich zu irren konnte fatal enden, das wiedervereinte Glück verfrüht zerbrechen und so blieb ihm keine andere Wahl. Mit einem Ruck entlarvte Amos seinen gezeichneten Arm, hell blaue Venen durchzogen diesen, der selbst der pechschwarzen Nacht ähnelte. Die Finger, die eher den Klauen eines Raubtiers glichen, holten weit aus, diesmal an die Anhänger gewandt verschaffte Amos sich einen Weg durch die Menge hindurch und ergriff das erste Mal in seiner Regentschaft die Flucht, statt sich seinem Kampf zu stellen.

      Hinaus in die Dunkelheit, hielt er für keine Sekunde an, ließ sein Königreich hinter sich und wusste, dass er seinen Thron nach so vielen Jahren nun doch an Dharai verloren hatte. Alles worum er gekämpft hatte musste nun, wenn auch nur Zeit-weise, kampflos hergegeben werden. Auch wenn der Schmerz, nein die Wut in ihm brannte so bereute Amos es nicht, sich für die Sicherheit seiner Freundin entschieden zu haben und gemeinsam mit ihr an seiner Seite an einen alten Rückzugsort zurück zu kehren.
      A heart's a heavy burden.

    • Auch der Heldin waren die sich nahenden Schritte zu Ohren gekommen, noch bevor Amos diese Worte von sich gab und zeitgleich mit ihm erhob sie sich wieder vom Boden, legte eine Hand auf das Heft einer ihrer Waffen, bereit die sich annähernden Personen zu bekämpfen, wenn es sein musste, unsicher, wie sie es noch nie zuvor bei dem Gedanken vor einem Kampf gegen einen Dämonen gehabt hatte, was jedoch nicht aus dem Grund der Fall war, weil sie Angst davor hätte zu verlieren oder ihr Leben geben zu müssen, nein, mit dieser Möglichkeit hatte sie sich bereits abgefunden, nachdem sie das Schloss betreten hatte, noch bevor sie hatte feststellen müssen, dass der blonde Junge aus ihrer Kindheit es war, der hier auf sie warten würde, sondern der Tatsache geschuldet, dass nun, wo sie fast schon ohne Zweifel sagen konnte, dass Amos ein Dämon war – wie auch immer es dazu gekommen war – sie sich nicht mehr sicher war, ob es eine gute Idee war ihre Klinge so gedankenlos gegenüber seinem eigenen zu ziehen.
      Was Sonia in diesem Moment mehr Angst machte, als zu sterben, war es Amos ein weiteres Mal zu verlieren, auf eine Art und Weise, die sich wieder rückgängig machen könnte, indem sie gar seine Freunde niederstreckte, aber schon früh wurde der Schwarzhaarigen deutlich, dass diese Gruppe an Dämonen offensichtlich nicht seine Freunde waren und selbst er, als Dämonenkönig, sie als Gefahr wahrnahm.
      Oder war das alleine ihre Schuld? Ihr entging nicht, dass der Blonde sie offensichtlich zu beschützen versuchte, auch wenn sie glaubte, dass es dafür keinen Grund gab. Wenn es zu einem Kampf kommen sollte, würde sie Amos selbstverständlich zur Seite stehen, sie war nicht zur Heldin geworden, um sich stattdessen beschützen zu lassen, dennoch überließ sie ihm diese Situation, der Unwissenheit geschuldet.
      Der fremde Dämon bezeichnete Amos als ihren König, auch wenn der Respekt in seiner Stimme missen ließ und Sonia sich daher fragen musste, ob es eine sarkastische Aussage war oder tatsächlich der Wahrheit entsprach, würde es sie doch nicht überraschen, wenn der Blonde den Dämonenkönig nur spielte, ein Lockvogel war, und der wahre Feind noch immer hier irgendwo auf sie wartete.

      Triumph? Die toten Wachen? Bedeutete das, wer auch immer diese Leute waren, dass sie ihnen direkt einen Weg in das Schloss gebahnt hatte, das sie selber ihres gleichen getötet hätten, um bis hierher zu kommen? Die Schwarzhaarige überraschte es nicht einmal besonders, sie hielt nicht besonders viel von Dämonen, nicht nach dem was sie alles mit diesen Wesen erlebt hatte, wieso sollte es sie dann überraschen, dass sie nicht nur Menschen, sondern auch sich gegenseitig töteten?
      Nein, was ihre Aufmerksamkeit deutlich mehr auf sich zog waren die zusammengeballten Fäuste Amos, als sie von den Toten berichteten. Sonia konnte sein Gesicht nicht sehen, in seinem Rücken stehend, doch den zitternden Schultern nach zu deuten, wie angespannt seine Muskeln waren, schien er gegen die Wut oder die Trauer über die Toten ankämpfen zu müssen und mit einem Mal bereute sie es doch tatsächlich für den Bruchteil einer Sekunde das Leben dieser Fremden genommen zu haben.
      Was, wenn sie Amos Freunde gewesen waren? Wenn sie gar genau wie er einmal Menschen gewesen waren? Doch so schnell, wie diese Gedanken und Gefühl aufkamen, schlug die Schwarzhaarige diese auch nieder. Auf dem Schlachtfeld war keine Zeit für solche Dinge, das wusste sie nur zu gut. Nicht in einem Moment wie diesem, wo sie jeden Moment dazu bereit sein musste ihre Katana zu schwingen und ein weiteres Mal zu töten.
      Mein Reich. Dann war es doch sein Königreich, dann war doch Amos der König der Dämonen? Sonia wusste nicht recht, welche Hoffnungen sie getragen hatte, dass er vielleicht gar dazu gezwungen wurde sich als solcher auszugeben, aber der Blonde sprach diese Wort mit solcher Selbstsicherheit aus, dass sie instinktiv wusste, dass es der Wahrheit entsprach.

      Aus ihren Gedanken gezogen machte die Heldin einen Schritt zurück, als der fremde Mann mit einem Mal vor ihr auftauchte und sie zog bereits ihr Katana, als ihre Narbe zu pochen begann und sie das Gesicht vor sich erkannte. Er war es. Der Dämon der ihr einst in ihrer Übermut das Auge geraubt hatte. Doch bevor sie ihre Waffe hatte vollständig ziehen können, bevor sie sich hätte in einen Kampf stürzen können, den dunkelhaarigen Dämonen mit einem Blick von tiefem Hass betrachtend, wurde sie von einer unbekannten Macht aus dem Weg gezogen, den Schatten erkennend, den sie sogleich als Amos erkannte und sie hatte keinerlei Zeit sich der Verwirrung hinzugeben, als alles sehr schnell verlief und sie sich in der gemeinsamen Flucht mit dem Dämonenkönig wiederfand.
      Sonia drehte sich halb um, während sie mitgezogen wurde, in Begriff jeden Angreifer mit einem schnellen Zauber von ihnen abzubringen, doch zu ihrer Verwunderung schien den beiden niemand zu folgen. Wofür auch immer diese Dämonen hierher gekommen zu sein schienen, sie hatten ihr Ziel wohl erreicht.

      Die Abenteurerin folgte dem blonden Dämon in einen geheimen Gang, der sich hinter ihnen sogleich wieder schloss und so kaum genug Licht übrig ließ, um die Hand vor den Augen zu sehen, doch in einer größeren Kammer – es hätte gar eine Höhle sein können – ankommen blieb Amos letztendlich stehen, wog sich sicherlich in Sicherheit und ein weiterer Blick nach hinten verriet der Schwarzhaarigen, dass, selbst wenn man sich doch noch dazu entschieden hatte die beiden zu verfolgen, ihnen niemand auf den Fersen war.
      „Wieso haben wir nicht gekämpft?“, verlangte Sonia sogleich von ihrem Kindheitsfreund zu wissen. Wenn er doch der ach so mächtige Dämonenkönig war, wieso war er dann stattdessen geflohen? Noch dazu war sie an seiner Seite gewesen, sie zweifelte keine Sekunde daran, dass sie gemeinsam mit Leichtigkeit den Sieg hätten davon tragen können, oder sprach da gar wieder der Übermut der jungen Frau?
      „Wer ist dieser Mann?“
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    • Ein lauter Zischlaut entwich dem Blonden bei der Frage, die sich in seinen Gehörgang verirrt hatte. Kopfschüttelnd und ungläubig lächelnd wandte er sich der kleineren zu, legte sogleich seine Robe vor ihr ab um mit den blau leuchtenden Venen die Dunkelheit zu erhellen. Die Kleidung vor ihre Füße fallen lassend, war sein Blick voller Entsetzen und die Wut, die er zuvor so gekonnt unterdrücken konnte, schien sich nicht länger bändigen zu lassen. "Was tust du hier verflucht nochmal Sonia! Du brichst in meinen Palast ein, verletzt - nein Dharai zu Folge tötest meine Anhänger und will mir nun vorwerfen, dass ich dich lieber in Sicherheit wissen wollte als dein Todesurteil zu unterzeichnen?!" Hallte seine deutlich aufgebrachte Stimme durch den Raum, dessen Ende man nicht mit bloßem Auge erhaschen könnte. Frustriert wandte er sich von Sonia ab, schließlich war ihm bewusst, dass es nichts brachte nun die Freundin anzufahren. Sie hatte Recht - er hätte nicht fliehen dürfen, sein Königreich nicht kampflos aufgeben sollen. "Verdammt." Brummte es verzweifelt aus ihm heraus während er zu Boden glitt und seine Ellenbogen auf den Knien stützte.

      Die Kälte des Bodens unter ihm war deutlich zu spüren, half ihm aber zugleich etwas an Ruhe zu gewinnen statt überhitzt auf und ab zu fegen. "Dharai und seine Anhänger." Fand er schließlich die Antwort auf Sonia's zweite Frage. "Mein Erzfeind wenn man so möchte. Ein geborener Dämon, nicht berufen wie ich es bin, hält sich selbst für den rechtmäßigen König. Er war ein guter Lehrling des vorherigen Dämonenkönigs, hat sich all seine Tricks abgeschaut und ist nun auf der Jagd nach dem was ihm angeblich zusteht." Den Kopf in den Nacken gelegt starrte Amos an die Decke, dann zu Sonia. Mit dem blauen Arm streckte er sich nach seinem Umhang, breite diesen neben sich aus für den Fall, dass sie sich ebenfalls setzen wollte. "Entschuldige meinen Ausbruch..." Gab er kleinlaut bekannt und wandte den Blick gerade aus als würde er in die Vergangenheit schauen können. "Wir bekämpfen uns schon seit dem ich denken kann. Immer wieder ein und der selbe Kampf um den Thron. Um einen Thron, den ich gar nicht möchte aber...wenn ich gehe wird die Unterwelt genau zu dem was alle Menschen von ihr halten. Dämonen wie Dharai kommen am die macht, werden die guten von uns auslöschen und ihr Schrecken über alle Kreaturen dieser Erde ausbreiten. Ich hatte keine andere Wahl als zu bleiben, schließlich hatte ich doch versprochen ein Held zu werden..." Flüchtig trafen sich ihre Blicke, den Amos sofort wieder unterbrach. So von sich und seiner Geschichte zu erzählen war ihm unangenehm, wusste er doch nicht was Sonia von ihm halten würde. Ob sie ihn genau so sah wie die anderen Menschen, als ein Monster. Dass er sich ihr entblößt zeigte, einfach den Arm, der sie eventuell abschrecken würde präsentierte war ihm nicht wirklich bewusst. In dieser Welt - seiner Welt, war es normal, dass er so aussah. Sein Schicksal deutlich auf seinem Körper gezeichnet, den Ursprung und die Zukunft besiegelt. Halb Mensch halb Dämon.

      "Er ist unglaublich stark, der stärkste Dämon, der sich mir jemals in den Weg gestellt hat. Immer wieder stehen wir kurz davor einander zu töten doch noch nie konnte es einer von uns gänzlich zuende bringen." Seufzend ließ der Mann den Kopf etwas hängen. Wie sollte er das nur wieder gerade biegen, seinen Palast zurück erobern, das Vertrauen seiner Untergebenen, die er einfach zurückgelassen hatte ohne zu prüfen ob es Überlebende gab. Irgendwie musste er zurück, das Geschehene Rückgängig machen aber zu welchem Preis? Wäre er wieder in der Situation hätte er genau so gehandelt. Sonia in Sicherheit gebracht statt sich Hals über Kopf in den Tot zu stürzen. "Ich bin mir meines Schicksals bewusst, Dämonen wie Dharai geben nicht nach bis einer als Sieger hervor geht. Sie sind der Grund warum Menschen unsere Rasse fürchten, der Grund für all die schrecklichen Dinge, die passiert sind. Aber wir sind nicht alle so. Ich muss zurück..." Von seinen Beinen getragen erhob er sich, zielstrebig und aufrechten Ganges bereit dich seinem Gegner zu stellen auch wenn er nun unterlegen war. "Folge dem Pfad weiter nach Norden, er wird dich an einen sicheren Ort führen. Sobald ich mein Königreich erobert habe, kehre ich zu dir zurück." Ein letztes Mal blickte Amos zu seiner Freundin ehe er ihr den Rücken kehrte und in der Dunkelheit verschwinden wollte. Alleine seinem Erzfeind entgegen, unvorbereitet, unbedacht und naiv, getrieben von Frustration und Wut der Auseinandersetzung entgegen.

      A heart's a heavy burden.

      Dieser Beitrag wurde bereits 1 mal editiert, zuletzt von Michiyo ()

    • Was sie hier machte? Was sie hier machte?!
      Amos sollte es doch von allen am besten wissen! Sie war gekommen um den gemeinsamen Kindheitstraum von damals zu erfüllen, offizielle durch den Sieg über den Dämonenkönig zur Heldin zu werden, wie sie es sich gemeinsam in ihrer kindlichen Naivität ausgemalt hatte, eigentlich müsste Amos nun an ihrer Seite stehen, nicht auf der des Feindes, nicht auf der der Dämonen und obwohl sie frustriert die Hände zur Faust ballte, ihre Wut der seinen entsprechen wollte, brachte sie diesen einfachen, kleinen Satz nicht hervor. Wagte es nicht sich von sich zu geben, dass sie hier war, um den Dämonenkönig zu töten. Eigentlich. Wenn er nicht der Dämonenkönig selbst gewesen wäre.
      „So schwach bin ich nicht, Amos. Ich bin kein Kind mehr, wir sind keine Kinder mehr, glaubst du wirklich ich hätte es soweit geschafft, hierher durch das Reich der Dämonen, den Feinden der Menschheit selbst, zum Schloss des Dämonenkönigs zu kommen, wenn ich nicht stark genug gewesen wäre um an deiner Seite zu kämpfen?! Ich habe keine Ahnung, was hier vor sich geht, keine Ahnung, wieso du auf einmal den Post des Dämonenkönigs bekleidest, aber eins weiß ich ganz genau: ich bin nicht schwach, Amos. Ich bin nicht mehr das übermütige Kind von damals“, begann ihre Narbe aufgrund dieser Worte wieder zu schmerzen, als würde es sie an ihre Fehler erinnern wollen, „ich weiß, dass ich stark genug bin mich gar dir entgegen zu stellen.“
      Sonia sprach es zwar nicht direkt aus, aber so war es wohl nur zu deutlich, weshalb sie eigentlich hierher gekommen war, dass sie eigentlich auf zwei verschiedenen Seiten stand und doch biss sie sich frustriert die Zähne zusammen, da sie das alles gar nicht wollte.
      Ein Laut der Verzweiflung entfuhr dem ehemaligen Kindheitsfreund und die Schwarzhaarige zögerte einen Moment zu lange, ihn zu trösten, als sie auch eine Antwort auf ihre zweite Frage erhielt. Diesmal klang Amos deutlich entspannter, weshalb auch sie sich Mühe gab ihre eigene Wut abflauen zu lassen. Nicht er war es, dem sie gegenüber wütend sein sollte.
      Obwohl es sie immens frustrierte, für wie schwach Amos sie hielt. Sie war nicht den weiten weg gekommen, hatte nicht all diese langen Jahre trainiert und ein Abenteuer nach dem anderen überstanden, nur um von ihm nun als zu schwach für den Kampf angesehen zu werden.
      Doch schon gleich stellte sich eine weitere Frage. „Berufen?“, wusste Sonia nicht recht, was sie von dem Wort halten sollte. Was sollte das bedeuten, wozu war er berufen worden? Ein Dämon zu sein? Oder der Dämonenkönig selbst?

      „... schon gut.“, murmelte die Heldin, die Entschuldigung ohne zu zögern akzeptierend, um sich sogleich neben den Dämonenkönig zu setzen und ihre Hand auf die seine zu legen, im Versuch ihm etwas Trost zu spenden, während sie Stück für Stück erfuhr, weshalb er überhaupt in diesem Moment Trost bedarf, weshalb er so verzweifelt geklungen hatte und es immernoch tat.
      Ein Held? Horchte die Abenteurerin auf, einen Beweis erhaschend, dass auch er sich an das kindliche Versprechen gehalten hatte eines Tages zu Helden zu werden, wenn auch auf seine ganz eigene Art und Weise, mit seinem ganz eigenen Kampf, den Sonia erst recht so richtig zu verstehen begann und sie hätte sich selbst dafür Ohrfeigen können, dass sie nun Schuld an seiner Niederlage war. Dass er den Thron für diesen Moment alleine ihr zuliebe aufgegeben hatte, dass sie diesem Dharai ungewollt direkt einen Weg zum Thronsaal gebaut hatte.
      Und was wäre wohl geschehen, wenn sie sich doch dazu eingelassen hätte Amos zu bekämpfen? Ihr Sieg wäre bedeutungslos gewesen, wartete doch nur der nächste Dämonenkönig darauf den Thron zu besteigen und härter und schrecklicher zu herrschen, als es ihr blonder Freund wohl all die Jahre über getan hatte. Dabei hätte der Sieg der Menschen mit dem Tod des Dämonenkönigs einhergehen sollen. Wie naiv dieser Gedanke war. Wie hatte sie nie auf die Idee kommen können, dass ein Thron von einem anderen Dämonen besetzt hätte werden können?

      Sonia glaubte ihm aufs Wort, dass dieser Dämon stark war. Sie hatte es am eigenen Leib erfahren müssen, als sie ihre Reise als Abenteurerin gerade einmal begonnen hatte, sich übermütig einem Gegner gegenüber gestellt, von dem sie wusste, dass sie keine Chance gehabt hätte ihn zu besiegen, und doch hatte sie es tun müssen, es versuchen müssen, um auch nur wenige Menschenleben zu retten und sie konnte nur Mutmaßen, aus welchen Gründen sie an jenem Tag nicht gestorben war.
      Und nun hatte sie ausgerechnet genau diesem Dämon in die Karten gespielt.
      Die Schwarzhaarige hatte gar nicht bemerkt, wie sie begonnen hatte sich gegen den blonden Dämon zu lehnen, bis dieser sich erhob und ihr eröffnete, dass er zurück musste. Und der Art und Weise wie er es sagte, wie er sich gab entsprechend, offensichtlich alleine.
      Doch Sonia würde das nicht zulassen. Mit wütendem Blick, zusammengezogenen Augenbrauen, griff sie nach dem Arm des Dämonenkönigs, nach jenem, der seine Zugehörigkeit zu den Dämonen deutlich machte und doch zeigte sie keinerlei Abscheu aufgrund dieser Berührung, ängstigte sich nicht den in schwarz getauchten und von leuchtenden Venen umgebenen Arm zu berühren.
      „Ich komme mit.“, sprach sie in einem Ton aus, der keinerlei Widerrede erlaubte, auch wenn ihr bewusst war, dass dieser kommen würde.
      „Du glaubst doch wohl nicht etwa wirklich, dass ich dich alleine wieder zurück gehen lasse, nicht wahr? Auch ich bin eine Heldin geworden, wenn sich diesem Dämonen entgegen zu stellen bedeutet die Welt ein Stückchen besser zu machen, sie wenn auch nur ein bisschen zu retten, dann kannst du mich nicht davon abbringen dir zu folgen. Abgesehen davon habe ich auch eine Rechnung mit Dharai offen und vor allem... will ich an deiner Seite kämpfen. Er ist nicht allein, also solltest du es auch nicht sein.
      Wenn der Kampf mit ihm alleine ständig in knappen Tod geendet hat, so wirst du diesen nicht überleben. Also komm ich mit. Und wag es gar nicht erst zu widersprechen. Es liegt bei dir, ob du mich freiwillig mitgehen lässt oder ob ich dir heimlich folgen muss.“
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    • "Wenn mich das Zeitige segnent, war ich nur ein weiterer gescheiterter König, einer von vielen. Wenn wir beide sterben, dann gibt es nichts und niemanden mehr, der sich ihm in den Weg stellen wird." Gemeinsam dem Feind entgegen zu treten kam für den Blonden nicht in Frage. Er hätte Sonia doch gerade erst wieder gefunden, vor wenigen Momenten erfahren, dass sie lebte, wohl auf war und ihrer beider Kindheitstraum in Erfüllung gebracht hatte. Sie war eine Kriegerin wie sie im Buche stand, eine wahre Helden aber eben jene im Kampf zu sehen, vor allem gegen Dharai war Amos zu riskant. Zu viel stand auf dem Spiel. Guten Gewissens hätte der Dämon nicht seinem Rivalen gegenübertreten können.

      Zögernd blickte er auf die zarte Hand, die sich um seinen blauen Arm legte ehe er sich wieder ihrem Gesicht widmete. Eine so kleine Geste, die dem jungen Mann die Welt bedeutete. Sie war es, noch immer das kleine Mädchen, zwar um einige Zentimeter gewachsen und an Rundungen gewonnen aber genau die furchtlose junge Dame, die sich nicht vor ihm sträubte, keine Angst vor seinen seltsamen Marotten hatte und ihn dafür nicht verurteilte. Die einzige Frau, der einzige Mensch auf Erden, den er je getroffen hatte, der ihn akzeptierte für das was er wirklich war. Bei dem Gedanken schlich sich ein sanftes Lächeln auf die Lippen des größeren. Wie sollte er diesen Menschen, das Glück, dass sie ihm bereitete nur aufs Spiel setzen?

      Die beiden waren unvorbereitet Dharai hinter seinen Anhängern gestärkt auf den Angriff wartete. Es wäre ihr sicherer Tod, sich Hals über Kopf und vollkommen unüberlegt in das Abenteuer zu stürzen, ganz zu schweigen von Sonia's Erschöpfung von ihrer ersten Ankunft. Schwer atmend musste es sich der König eingestehen, dass nun nicht der richtige Zeitpunkt war andernfalls wäre ihre Flucht vollkommen sinnlos gewesen, sein Versuch die schwarzhaarige zu schützen dahin. "Wir schaffen das nicht allein, nicht so. Unvorbereitet und erschöpft, nicht ein einziges Mal miteinander gekämpft. Ich weiß nicht einmal welche Fertigkeiten du besitzt..." Den Blick in die Dunkelheit gerichtet als könne er das Ende des Tunnels sehen wählte er behutsam die nächsten Worte. Schmerzerfüllt und gekränkt zugleich musste Amos sich von seinem Palast verabschieden - vorübergehend so schwor er sich, nur eine Frage der Zeit an dem er seinen rechtmäßigen Platz wieder einnehmen würde oder bei dem Versuch sein Leben zu lassen. "Folge mir. Ich weiß wo wir finden was wir brauchen." Wies Amos den Weg mit einem leichten nicken in die Dunkelheit bevor er sich gemeinsam mit seiner Begleiterin in Bewegung setzte.

      Der Gang war schmal und dunkel, lediglich die leuchtenden Venen des Halbdämons erhellten den Pfad auf dem sie sich befanden. Es dauerte eine Weile, bis die tiefe Schwärze um sie herum sich aufzulösen begann und Platz für einen sternenreichen Himmel bat. Alles um sie herum war in den verschiedensten Blau und Grautönen gehüllt, das Schwarz immer noch der tiefste Kontrast dieser Welt doch die funkelnden Sterne machten die immer währende Nacht zu einem wahren Spektakel. Noch immer verlor Amos sich in dem Anblick des Himmels, streckte sich in vergangenen Tagen nur zu häufig aus in dem Versuch nach den verglühten Planeten zu greifen doch diesmal war es anders. Es war ruhig, zu ruhig für den Geschmack des Herrschers, vermutlich nur ein Streich seiner Sinne, übervorsichtig nach dem Verlust den er erlitten hatte und nun nicht nur für sich selbst sorgte, dennoch blieb er wachsam. Mit festem Schritt marschierte er auf sein Ziel zu, an graugetauchten Bäumen und verblassten Wiesen vorbei bis sie endlich eine unauffällige und in die Jahre gekommene Hütte erreichten.

      Das Haus sah brach aus, als hätte schon einige Jahre niemand mehr darin gewohnt. Die dunklen Pflanzen ragten bereits an die Traufe des Daches und gaben dem Bauwerk dem Charme wie aus einem Grusel-Märchen. Hinter der Tür würde ihn eine alte Freundin erwarten, die ihn nur zu häufig an die alte Magrit erinnert hatte. Hier wurden die beiden Geflohenen zumindest ein Dach über den Kopf haben und einen Plan schmieden können bevor ihr Gegner sie erwarten würde. Ein neues Abenteuer nach all den Jahren sollte es ihr erstes sein.
      A heart's a heavy burden.

    • Natürlich gab es die. Selbst nach ihrem Tod würden sich andere Helden erheben, Kinder wie sie und er es waren, die davon geträumt hatten zu Abenteurern, zu Helden zu werden, zu helfen, etwas zu verändern, die Menschheit zu retten. Aber das war sicherlich nicht, was Amos in diesem Moment hören wollte und sie konnte sowohl den Zweifel, als auch die Frustration und den damit verbundenen Kampf in seinen Augen sehen, während er nach einer Entscheidung suchte und sie letztendlich getroffen hatte.
      Der Blonde hatte nicht Unrecht, sie war müde von den zahlreichen Kämpfen, die sie auf den weiten Weg hierher hatte hinter sich bringen müssen und doch hätte sie sich auch in dieser Verfassung gegen den Dämonenkönig gestellt, auch wenn es ihr schon vorher als unglaublich unfair erschienen war.
      Wie auch immer. Amos hatte Recht. Sie konnte nicht sagen, ob sie im Kampf ein gutes Team abgebildet hätten, wahrscheinlich hätten sie sich aus Sorge den jeweils anderen ein weiteres Mal, schon so früh zu verlieren ständig zu einander umgesehen, statt sich auf den Kampf zu konzentrieren und das hätte für sie beide tödlich enden können... auch wenn es sie ebenfalls frustrierte nicht beenden zu können, wofür sie hergekommen war, klang ein Rückzug in Sonias Ohren nach einer gar nicht so schlechten Idee.

      Die Schwarzhaarige nickte, hielt sich an dem blau leuchtenden Handgelenk des Mannes vor ihr fest, um in der Dunkelheit des Ganges nicht verloren zu gehen und doch bildete sich ein Lächeln auf ihren Lippen, auch wenn sie wusste, was der blonde in diesem Moment aufgab.
      Er war hier. Amos. Der Freund aus Kindheitstagen, nach dem sie all die Jahre über gesucht hatte. Und er lebte. Was machte es da schon, dass er ein Dämon war? Oder der Dämonenkönig selbst? Niemals würde er ihr etwas tun, hätte er es gewollt, würden sie sicherlich nicht hier gemeinsam durch die Dunkelheit wandern, sondern in einem Kampf auf leben und Tod aufeinander einschlagen.
      Und sie konnte es kaum erwarten den Mann, der er geworden war, kennen zu lernen. Ob sie wieder Freunde werden könnten? Oder es schlicht noch immer waren?

      Die Sterne des Himmels wirkten gar leuchtender als zuvor, was wahrscheinlich an der tiefen Dunkelheit lag, welche sie durchquert hatten und doch wirkte der Himmel mit einem Mal um einiges schöner, während sie gemeinsam mit Amos unter diesem wandelte und sie erreichten ein altes Gebäude, welches Sonia als verlassen bezeichnet hätte, doch im Inneren wartete eine ältere Dämonin auf die beiden.
      Im ersten Moment legte die Heldin ihre Hand auf ihr Schwert, als wäre sie in Begriff die Fremde anzugreifen, doch da diese keine Anstalten machte ihr etwas zu tun, obwohl sie ein Mensch war, Sonia nur einen zunächst misstrauischen und fragenden Blick zuwarf – es machte es sicherlich nicht besser, dass sie sogleich zu einem ihrer Schwerter hatte greifen wollen – welches sich jedoch sogleich in ein warmes, gar verständnisvolles Lächeln wandelte, welches die Schwarzhaarige dazu veranlasste an die alte Magrit aus ihrem Dorf zu denken und mit einem Mal fragte sie sich, wie es ihr ging und ob die alte Frau überhaupt noch lebte.

      „Was verschafft mir die Ehre Junge? Du bist doch wohl nicht hoffentlich mit einem hübschen Mädchen vor deinen königlichen Pflichten geflohen?“, neckte die alte Dämonin den amtierenden Dämonenkönig, sprach gar, als würden sie sich für eine lange Zeit kennen und Sonia fragte sich, woher.
      „Mein Name ist Xenra, ich hätte nie erwartet noch einmal einen Menschen in meinem hübschen Heim zu beherbergen, wie wärs mit einem Platz am Feuer und etwas zu essen?“, stellte sich die alte Frau mit einem Lächeln Sonia vor, welche noch immer das Handgelenk ihres Kindheitsfreundes umschlungen hatte, da sie sich hier unwohl fühlte, mitten in einem Heim des Feindes... wer konnte es ihr verübeln, wenn sie über ein Jahrzehnt gegen Dämonen und Monstern gekämpft hatte, statt sich von ihnen verköstigen zu lassen?
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    • Die Unsicherheit der jungen Heldin wie der sich festigende Griff um sein Handgelenk entging dem Blonden nicht. Sichtlich angespannt zuckte sie bei den Worten der alten Freundin, wich gar zur Waffe und schien den Schock, die tiefen Narben der Assoziationen mit der Dämonenwelt in sich zu tragen doch dachte Sonia wirklich er wurde ihr das antun? Sie an einen unsicheren Ort geleiten und ihr einen Feind vorsetzten? Ganz und gar nicht - das würde der Thronherr nicht über sich kommen lassen. Im Gegenteil die Dame, die ihnen die Gastfreundschaft erwies und sogleich ein Getränk anbot war ihre einzige Zuflucht, der einzige Dämon, dem Amos zu hundert Prozent traute, so sehr schätzte, dass er es für gut befund Sonia dort zu zeigen. "Entschuldige bitte den unangekündigten Besuch. Ich hoffe wir stören nicht." wich er charmant dem mit Witz gewählten Spruch zu dessen Pflichten aus, wenn sie nur gewusst hätte wie Recht sie mit ihrer Aussage behalten sollte, wäre sie vermutlich außer sich vor Empörung. Denn auch Xenra war der Name Dharai bekannt und alles andere als Fremd, war er mit der bekannteste Rebell der Nation. Schon immer heiß auf den Thron und die Menschen verachtend schürte er lange den Hass und den Aufstand gegen die Rassen fern der Unterwelt. Viele der Dämonen wollten doch einfach nur in Frieden weilen - Leben und Leben lassen doch auch hier gab es schwarze Schafe, bei denen die Propaganda des Erzfeindes nur zu gerne Früchte trug. Xenra war keine von ihnen, zählte stattdessen zu den Anhängern des blonden Halbdämons, der es sich zur Aufgabe gemacht hatte die Welten wieder zu vereinen aber was genau wollte Amos ausgerechnet jetzt bei der Dame?

      In der Unterwelt gestrandet, kurz nach seiner ersten Ankunft war Sie es, die den kleinen in Tränen gehüllten Jungen aufnahm, ihm ein Dach über dem Kopf schenkte bevor man ihn in die heiligen Hallen berufen hatte. Neben der Güte, die sie ausstrahlte und der ersten positiven Assoziation, die Amos mit einem Dämonen geschlossen hatte, so unterrichtete sie ihn auch und förderte ihn in seinen Stärken. Zugegeben, einige Jahre war das ganze nun her und die sportlichen Zuge der Frau wichen den weichen der Zeiten gezeichneten Falten aber ihr Herz sowie ihr Haus verbargen noch immer das Potential einer Kriegerin, bereit für den Kampf und bereit für die Revolution, die diese Welt so sehnsüchtig erwartete. Denn er war endlich da, der erste König der die Wiedervereinigung verkörperte. Halb Mensch, halb Dämon Amos Nuitari der Dämonenkönig, der nun seinen Thron verloren hatte...

      "Ich danke dir herzlich für deine Gastfreundschaft angesicht meines Überraschungsgastes. Ich hätte nicht gedacht, dass dieser Tag jemals kommen würde aber wenn ich vorstellen darf...Das ist Sonia Heartgold." Sprach er mit leicht melodischer Stimme und versuchte sich das Schmunzeln zu verkneifen während er die dunkelhaarige nun vor sich schob um sie zu präsentieren, seine Hände dabei schützend auf ihren Schultern geparkt. Natürlich hatte die Dämonin den Namen bereits einmal gehört, all die Geschichten des Jungen und seiner besten Freundin waren ihr bekannt, hatte sie Amos ständig von ihr reden hören doch auch das war schon einige Zeit her. Erinnerte sie sich daran? So schön wie das längst überfällige Wiedersehen war so musste der König doch irgendwann auf den Punkt ihres Besuchs kommen und so weihte er die beiden Frauen in seinen Schlachtplan ein.
      Die beiden Abenteurer würden gute Vorbereitung brauchen und gemeinsam trainieren müssen, einen Hinterhalt planen um Dharai seinen Heimvorteil zu nehmen und vor allem eine Kampf-Routine mit der sie in der Lage wären den Feind zu bezwingen, all das in kürzester Zeit.

      Die tapfere Heldin hatte ihren Kampf hinter sich, den ersten Pfad ihrer Reise beschritten und doch stand sie nun erneut am Anfang ihres Weges. Eine Erholung hatte sie sich mehr als verdient und obwohl der Halbdämon Xenra diese Fakten lieber ersparte sah auch sie wohl der Frau ihre Erschöpfung an. Nach einem warmen Getränk und kleiner Mahlzeit am Feuer leitete sie den beiden den Weg in das Obergeschoss des Hauses. Es war klein und herbergte nicht viel Platz für endlose Zimmer aber genug um ein eigenes Reich für den jungen Amos errichtet zu haben, in dem die beiden nun rasten konnten. Das Bett klein und eng, gerade Groß genug um einen der beiden zu wärmen brauchte es keine Sekunde, bis Amos beschloss Sonia dies zu überlassen. Ein kleiner Schreibtisch stand daneben noch immer mit kleinen Heften und Zeichnungen geziert als wären sie beim Betreten des Raumes durch die Zeit gereist. Einige Kissen auf dem Boden bildeten die Matratze für den ausgewachsenen, direkt neben seiner besten Freundin nur einige Zentimeter unter ihr legte er sich zu Bett. Nie hatte er sich zu erträumen vermagt, diesen Moment einmal erleben zu dürfen und doch war es soweit. Sie verbrachten die Nacht zusammen, eine Übernachtungsparty wie in ihrer Kindheit nur, dass sie jetzt nicht mehr die unschuldigen Kinder waren.
      "Tut mir leid, dass ich dich ohne Vorwarnung hier rein gesteckt hab aber Xenra ist wirklich ein Engel gib ihr nur ein wenig Zeit, du wirst schon sehen." Flüsterte er leise in das Holz des Bettgestells auf das sein Gesicht gerichtet war während er auf der Seite lag. Der Raum vom Sternenhimmel beleuchtet, faszinierte es Amos immer wieder wie hell die dunkle Unterwelt sein konnte wenn sich das Auge erst daran gewöhnt hatte.
      A heart's a heavy burden.

    • Die Heldin zuckte überrascht zusammen und konnte die alte Dämonin nur anstarren, welche diese mit einem breiten Grinsen ihre schwarze Haarmähne verwuschelte, als wäre sie ein Kind. Vielleicht war sie das auch in den Augen der Dämonin, Sonia konnte unmöglich feststellen, wie alt sie war.
      Nur, dass sie den Körperbau einer Kriegerin hatte. Und sicherlich älter war, als jeder Mensch, dem sie jemals begegnet war.
      „Ich wäre überrascht, wenn sie jemand anderes gewesen wäre. Welchen Menschen solltest du mir denn sonst hierher schleppen?! Freut mich dich kennen zu lernen, kleine Sonia! Ich habe so viele Geschichten über dich gehört, dass ich nicht anders kann mir zu denken, zu was für einer hübschen jungen Frau du geworden bist.“, nickte Xenra mit vor der Brust verschränkten Arme, ehe sie wieder einen Blick auf die Schwerter an Sonias Hüfte richtete.
      „Und eine Kriegerin bist du auch noch. Ich bin mir sicher wir werden uns gut verstehen!“, grinste die Dämonin, als Amos das kleine Gespräch – oder wohl eher den Monolog der alten Dämonin, denn die Abenteurerin war so überrascht von den Dingen, die die Fremde sagte, dass sie nicht recht wusste, was sie sagen sollte und das passierte der Schwarzhaarigen nun wirklich nicht oft – unterbrach und zum Punkt seines Besuches kam.
      „Verstehe... Dharai hat wieder zugeschlagen? Dieses miese-“, konnte sich Xenra gerade noch mit einem Blick zu Sonia, als dürfte sie in ihrer Nähe nicht Fluchen, davon abhalten ein paar unschöne Worte von sich zu geben.
      „Ihr seid sicher müde. Ich braucht dringend etwas zu essen und etwas Schlaf. Die Einzelheiten können wir morgen klären.“, gab Xenra bestimmend von sich, als würde sie keine Widerrede zu lassen, doch Sonia hatte gar nicht vor ihr zu widersprechen. Etwas zu essen klang wunderbar.
      Genau wie eine Mütze Schlaf.

      Sonia beugte sich über die Hefte auf dem kleinen Tisch und während sie die zahlreichen ungeschickten Zeichnungen eines Kindes betrachtete, die ihr mehr über die Kindheit ihres Freundes in diesen vier Wänden berichtete, schlich sich ein kleines Lächeln auf die Lippen, während sie sich vorstellte, wie er hier seine Zeit verbracht haben musste, der kleine Junge, den sie damals verzweifelt gesucht hatte, wie er hier saß, spielend und lernend.
      Gerne hätte sie widersprochen, sich dagegen ausgesprochen das Bett, das eigentlich seines wahr, in Beschlag zu nehmen, doch sie konnte in seinen Augen sehen, dass er in dieser Angelegenheit mindestens genauso stur gewesen wäre wie sie und wenn die Abenteurerin ehrlich war, war sie zu müde, um sich in diesem Moment mit Amos zu streiten.
      Ganz abgesehen davon, dass sie sich heute bereits genug gestritten hatten. Sie wollte nicht schon wieder mit ihm diskutieren, sie hatte das Gefühl als ob sie kaum etwas anderes getan hatten, seitdem sie sich nun endlich nach so vielen Jahren, viel zu vielen, wieder begegnet waren.
      Also machte sie es sich in dem Bett gemütlich, während es sich der Dämonenkönig auf der Matratze bequem machte – ein wirklich amüsanter Gedanke, wenn sie so darüber nachdachte – und sie streckte ihre Hand nach seinem strahlend blonden Haar aus, um es in vertrauter Zweisamkeit zu berühren.
      „Hmhm.... du brauchst dich nicht dafür zu entschuldigen. Zugegeben, eine kleine Vorwarnung wäre durchaus nett gewesen.“, lächelte sie amüsiert, „Aber du hättest mich sicher nicht hierher gebracht, wenn du hättest befürchten müssen, dass sie mir etwas tut, nicht wahr? Zumindest hätte das der Amos, den ich kannte, gemacht... aber wer bist du heute? Was hat dich zu dem gemacht, der du heute bist, Amos? Ich bin noch nicht müde... erzählst du mir die Geschichte, wie du zum Dämonenkönig geworden bist?“, bat Sonia, wahrlich neugierig, im Verlangen nach Antworten.
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    • Ein leichtes Schmunzeln schlich sich auf die Lippen des Dämons, der die Neugierde in der Stimmlage seiner Freundin wahrnahm. Obwohl sie ihre Müdigkeit abstritt war Amos das schwere Lid der schwarzhaarigen nicht entgangen, kein Wunder bei der Reise, die sie hinter sich haben musste. All die Eindrücke, der immer dunkle Himmel an den sich ihr Auge gewöhnen musste - er wusste selbst noch welche eine Umstellung es für ihn gewesen war als er das erste Mal in der Unterwelt ankam um seinen Posten einzunehmen - waren sicher kräftezehrend; von den Kämpfen ganz zu schweigen. Ihr Auge brannte sicherlich vor lauter Anstrengung der neuen Lichtverhältnissen geschuldet. Immer auf der Hut, einen Blick über die Schulter zu werfen, allein in der Fremde unterwegs zu sein; er kannte es nur zu gut.
      Mit einem hörbaren Seufzer verabschiedete er sich von dem Karussell in dem sich seine Gedanken verirrt hatten. Sonia war hier, an seiner Seite und allen voran in Sicherheit es gab keinen Grund für seine Sorge aber trotzdem nagte es an ihm. An seine eigene Ankunft zurück erinnert könnte er nicht anders als ihren Gemütszustand nachzuempfinden. Die warmen zarten Finger der jungen Frau vergruben sich schweigend in den blonden Strähnen, warteten auf eine Antwort und nach einem weiteren tiefen Atemzug wandte sich der Dämonenkönig auf dem Rücken der Zimmerdecke zu. "Wo soll ich bloß anfangen?" Kam es so leise über die Stimmbänder, dass es schon einem heiseren Flüstern glich.

      Es war ein gewöhnlicher Morgen, der mit der aufgehenden Sonne und dem kreischenden Hahn begrüßt wurde. Amos war schon früh auf den Beinen, wie an jedem Tagesanbruch um seiner Mutter beim herrichten der wichtigsten Mahlzeit des Tages zu helfen. Viel gab es nicht und sonderlich groß war die Auswahl genau so wenig, gehörte der zierliche Knirps mit seiner Mutter zur untersten Armutsgrenze seines Dorfes. Reich und gut ernährt waren dort nur die wenigsten Familien, allen voran die gefeierten Soldaten und Krieger, die gut für ihr Leben sorgen konnten. Alleinstehende Frauen, wie seine Mutter es waren konnten von Glück sprechen, wenn sie ihr eigenes Maul stopfen konnten aber mit einem Kind gestaltete sich der Alltag schwieriger. Alla, von der Amos sein helles Haar geerbt hatte, war eine selbstlose Frau und Mutter. Sorgte zu seinem Glück immer gut für ihn und hungert ehe sie ihren Jungen nichts nahrhaftes bieten konnte. Eine noch schmalere Gestalt mit eingefallener Haut und dunklen Augenringen, die das Laib Brot auf den Tisch stellte und zwei gesprungene Teller auf den hölzernen Küchentisch stellte während ihr Sohn um sie her hüpfte um nach sauberem Besteck zu suchen. Herrlich wie an Kindern solche Umstände vorbei gehen und trotzdem glücklich aufwachsen. Es bedeutete der jungen Frau die Welt ihren Spross so glücklich und unbeschwert zu sehen, da war es jede Mühe und verzichtete Mahlzeit wert. "Auf welche Abenteuer begibt sich mein kleiner Prinz denn heute?" Fragte sie mit so viel Euphorie wie ihr müder und unterernährter Körper aufbringen konnte. "Sonia und ich gehen Dämonen jagen!" Klapperten Messer und Gabel, die von dem Jungen auf den Tisch gehauen wurden als könnte er damit einen seiner Feinde wie eine winzige Fliege zerquetschen. Ein sanftes Kichern kam dem entgegen, ein flüchtiger Moment des Glücks bevor die Mutter verstummte und entsetzt zu ihrem Spross sah. "Stimmt was nicht? Ma...Mama was ist denn?" Es war jener Moment, jener Ausdruck in ihren hoffnungslosen Augen, der sich in das Gedächtnis des Jungen einbrannte. Wie sie langsam auf ihn zuging, die Hand nach der seinen ausstreckte, die die Gabel fest umschlungen hatte.

      So früh am Morgen in ihrer kleinen Hütte vergaß Amos absichtlich seine Maske nicht direkt nach dem Aufstehen anzulegen. Er wusste, dass Alla streng dagegen war die selbstgenähte Gesichtsbedeckung liegen zu lassen, zu groß war die Sorge jemand könne einen Blick durchs Fenster werfen oder ein ungebetener Gast hereinspazieren doch es war nunmal die einzige Zeit des Tages, die der junge unbeschwert und frei herum laufen konnte ohne dieses schwarze Ding.

      Die Ozean blauen Augen strahlten ihr entgegen bis Sorgenfalten sich auf das kindliche Gesicht legten und auf den rechten Zügen aufgrund der dunklen Verfärbung der Haut kaum erkennbar waren. Es war jene Farbe, der gleiche blaue Schimmer der Venen, die sie nun zwischen ihren Händen auf den Fingern Amos erkannte. Es breitete sich aus... All die Hoffnung, die sie Jahre lang mit sich trug im nu verflogen. "Abe.aber..." ein panisches Kichern unterbrach ihr Entsetzen. "Wie kann das sein? Dein dein Auge es wurde besser, hat sich schon lange nicht mehr vergrößert...wieso? Wieso!" Heller und aufgeregter zitterte ihre Stimme verzweifelt auf der Suche nach Antworten. Sie wusste nicht was es zu bedeuten hatte. War es gefährlich, wenn es sich weiter ausbreitete? Tat es weh? Auch wenn Amos es immer abstritt so war die besorgte Mutter sich nie sicher ob er es nicht vielleicht tat um sie zu besänftigen. Wie sollte ihr kleiner Junge überleben? Selbst wenn die Male nichts böses verheißen würden, so hatte er ihm Dorf keine Chance. Die Kinder, nein selbst die Erwachsenen hielten ihn bereits seit geraumer Zeit für sonderbar. Alle Augen waren auf ihn gerichtet, auf das Kind mit der Maske, ein Geheimnis das sich dahinter verbarg. Ihn gänzlich in Stoff zu verhüllen würde kaum gehen der Bengel sträubte sich ja bereits gegen die Maske. Ein Blick reichte, eine Sekunde der Unachtsamkeit und es wäre das Todesurteil für ihn gewesen. Die Dorfbewohner vor der Tür, mit Mistgabeln und Fakeln beladen noch bevor die Krieger ihren Weg zum Hause hätten bahnen können. Vom sonderbaren zum Dämon geoutet wenn auch nur ein erfahrener die blaue Haut zu Gesicht bekam.

      Übersät mit Tränen schlug die Blondine beide Hände ins Gesicht. Die Verzweiflung fraß sie innerlich auf. Diesen Tag hatte sie gefürchtet, die Entscheidung vermeiden und so lange wie möglich hinauszögern wollen doch es blieb ihr nichts anderes übrig als viel früher als gedacht sich damit auseinandersetzen zu müssen was mit Amos geschah.

      "An dem Morgen, an dem ich nicht zum Spielen erschien hatte meine Mutter festgestellt, dass meine Male sich ausbreiteten. Entgegen ihrer Erwartungen war es mein Arm der begann sich dunkel zu färben." Ausgestreckt hielt er diesen in die Luft als versuche er etwas an der Decke zu greifen. Im Vergleich zu damals war nun sein ganzer Arm im Zeichen der Unterwelt getränkt, statt nur die Fingerspitzen des kleinen Kindes. "Es ist alles ein verschwommener Klumpen in meinem Gedächtnis. Ich weiß noch wie sie bitterlich geweint hat. Den ganzen Weg über hörte sie nicht auf zu Schluchzen und zog mich hinter ihr her. Ich hatte viel zu viel Angst um zu fragen wohin wir so plötzlich aufbrachen. Eine halbe Ewigkeit gingen wir in den Wald hinein, viel tiefer als du und ich uns je getraut hatten. Meine Mutter allein dort hineingehen zu sehen grenzte an Absurdität, dass es mir vorkam wie in einem weit entfernten Traum...bis alles um mich herum dunkel wurde und ich das Tageslicht nie wieder sah." Das Herz in seiner Brust schlug aufgeregt auf seinem Platz, pumpte so laut, dass es Amos im schnellen Takt im Ohr klingelte. Die Erinnerung an jenen Tag hatte er schon lange verdrängt und mit ihm all den Schmerz. Von jetzt auf gleich wurde ihm der Boden unter den Füßen gerissen, sein Leben wie er es kannte beendet. "Xenra öffnete mir die Tür und nahm mich auf. Frag mich nicht ob es Zufall war oder die beiden sich kannten, ich habe es nie erfahren. Xenra schweigt darüber und meine Mutter... Ich sah sie damals genau wie dich am Tag zuvor das letzte Mal, hab seither kein Lebenszeichen von ihr erhalten und ich...ich hab mich nicht getraut die Wahrheit herauszufinden, nach ihr zu sehen, mich zu erkundigen ob sie den weiten Weg alleine geschafft hatte, einem Dämon zum Opfer fiel oder im Dorf dem Hungertod erlitt. Ich sei der rechtmäßige König, Thronerbe und habe meine Verbindung zur Menschenwelt abzukapseln zumindest - bis der richtige Moment gekommen ist - was auch immer Xenra damit meinen mag." Langsam senkte sich der in der Luft gehaltene Arm wieder. "Ich bin nichts der gleichen, nicht mehr als ein armseliger Feigling! Ich habe sie im Stich gelassen; dich im Stich gelassen. Tag ein Tag aus trainiert um all dem ein Ende zu bereiten, den Frieden zu bringen in der Hoffnung euch eines Tages mit Stolz wieder in die Augen schauen zu können statt mich dafür zu schämen nicht einmal versucht zu haben mich im Dorf zu zeigen aber...ohne Thron, nicht Mal in der Lage es mit Dharai aufnehmen zu können bin ich nicht annähernd der Held geworden, den ich dir versprochen habe. Also wenn du mich fragst wer ich - Amos heute ist...dann ist das die Antwort. Ich bin nur der Schatten meiner selbst." Nach all den Jahren des Trainings und die Entwicklung die er wie auch sein Körper hinter sich hatten war es das erste Mal, dass die anfängliche Unsicherheit des Kindes in ihm wieder zum Vorschein kamen. Zuvor hatte er es nie zugelassen all diese Gefühle zu fühlen und die Gedanken zu denken. Sich selbst zu kritisieren, sich verantwortlich zu machen für all die Fehler und an allem zu zweifeln doch wieso. Ausgerechnet dann als er Sonia trifft, ihr der er gefallen wollte, sie mit Stolz erfüllen und beeindrucken wollte. Wieso nur..?
      A heart's a heavy burden.

      Dieser Beitrag wurde bereits 3 mal editiert, zuletzt von Michiyo ()

    • Sonia Heartgold

      Die Heldin ließ von den Haaren des Dämonenkönigs ab, um ihn bei der Erzählung seiner Geschichte nicht zu stören, vergrub den Arm unter dem Kissen, um es sich ein bisschen gemütlicher zu machen und lauschte Amos Stimme, die sie so gar nicht kannte, das kindliche war in den Jahren aus ihr gewichen und doch gefiel ihr seine Stimme und sie wirkte noch immer so... vertraut. Als wären sie nicht über ein Jahrzehnt voneinander getrennt gewesen.
      Sonia konzentrierte sich auf seine Worte, wollte nichts von dem verpassen, was er zu erzählen hat, während sie irgendwann das Auge schloss, um sich vollständig auf seine Stimme zu konzentrieren und erst jetzt, als sie sich vollständig zu entspannen begann, wurde ihr bewusst, wie angespannt sie die ganze Zeit über war und die Müdigkeit drohte sie zu übermannen, doch sie blieb wach.

      Sie konnte es vor ihrem inneren Auge sehen, den fröhlichen, aufgeweckten Amos von damals, wie er seiner Mutter beim decken des Tisches half, wie diese dann in Tränen ausbrach, auch wenn sie noch immer nicht wusste, was genau sich unter der schwarzen Maske des Dämonenkönigs verbarg. Doch wenn es seinem Arm ähnelte, dann konnte sie es sich vorstellen.
      Wieso er das schwarze Stück Stoff wohl noch immer trug? Hätte er hier, unter den Dämonen, sein Gesicht nicht zur Schau stellen können, wie er es mit seinem Arm zu tun pflegte? Was brauchte ihn dazu sich auch noch heute hinter einer Maske zu verstecken?
      So war das also. Sonia hatte sich, ohne es zu wissen, schon damals mit dem zukünftigen Dämonenkönig angefreundet. Er ist nicht zuerst zu einem Dämonen geworden, er war schon damals einer, ein Umstand der die Schwarzhaarige mehr verwunderte als alles andere.
      Auch jetzt entsprach er nicht dem Bild, dass sie all die Jahre über von den Dämonen hatte. Wie konnte ein Wesen, das als das pure Böse bezeichnet wurde, davon träumen zu einem Helden zu werden und die Menschen zu retten, das Böse selber aus der Welt zu tilgen? Hatte Sonia all diese Zeit über die Welt falsch verstanden? Waren die Dämonen etwa nicht das, wofür sie sie immer gehalten hatte? Aber wie konnte sie sich dann all die Krankheiten, die Pest, die Toten erklären, die eindeutig auf die Seite der Dämonen zu verbuchen waren, das Blut dass sie selber an ihren Händen hatte kleben sehen? Doch auch an ihren Händen klebte Blut, das Blut von Dämonen und Monstern... sie war eindeutig zu müde für solche philosophischen Gedanken.
      Sie musste sich auf das wesentliche konzentrieren, auf das hier und jetzt... auf Amos, der drohte über sich selbst zu zweifeln.
      „Du bist kein Feigling.“, kam es ohne jeglichen Zweifel über ihre Lippen und die Abenteurerin streckte ihre Hand nach der seinen aus, um sie in ihre zu nehmen und sie tröstend zu drücken.
      „Du warst ein Kind, du hast nicht verstanden, was vor sich ging. Du wurdest aus deiner eigenen Welt gerissen, in eine neue, die du kaum verstehst... ich nehme es dir nicht übel, dass du das Dorf nie besucht hast. Ich... ich bin mir sicher, du weißt, dass die anderen nicht gerade freundlich reagiert hätten...“ und wie Sonia reagiert hätte, wenn sie Amos als einen Dämonen gesehen hätte, wusste sie auch nicht. Damals, jung und unerfahren, oder wäre er ihr womöglich gar nicht erst begegnet, hätte sie ihre Reise als Abenteurerin bereits begonnen? Es brachte nichts über das wenn zu reden. Das hier und jetzt war das wirklich wichtige.
      „Du hast den Thron nur um meiner Willen aufgegeben, Amos. Du bist kein Feigling, nur, weil du dir Sorgen um mich gemacht hast. Und nur, weil du ihn verloren hast, bedeutet das ja nicht, dass du ihn dir nicht zurück holen kannst, nicht wahr? Und ich helfe dir dabei. Wir könnten wieder ein Team sein, wie damals. Du brauchst nicht alles alleine zu schultern. Ich habe Freunde, die uns helfen könnten. Auch wenn mich die Menschen ihre Heldin nennen, so hab auch ich nicht alles alleine tragen müssen. Und das musst du auch nicht. König hin oder her... wie lange hast du es geschafft Dharai vom Thron fern zu halten? Alleine? Und dann komm ich daher und... mache alles kaputt. Wenn ich nicht aufgetaucht wäre... tut mir Leid.“, seufzte Sonia, in der Gewissheit, es wäre ganz anders verlaufen, wenn sie ihm nicht im Weg gestanden hätte.
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    • Die lieb gemeinten Widerworte wank Amos kopfschüttelnd ab, ließ damit seine Blonden Strähnen hin und her wackeln ehe sein Kopf wieder still auf der Matratze ruhte. Er wusste, dass dafür keine Garantie war. Nichts gab ihnen Auskunft darüber was geschehen wäre, wenn Sonia nicht aufgetaucht wäre. Noch viel schlimmer war diese Vorstellung, noch immer in der Ungewissheit, noch immer die Frage ob sie sich jemals Wiedersehen würden... So war es besser, sie bei sich zu wissen und endlich den endlosen Fragen und Szenarien in seinem Kopf Antwort zu schenken. Sonia war zu einer Heldin herangewachsen, so wie er es sich vorgestellt hatte. Das lange dunkle Haar, dass in seiner Vorstellung definitiv kürzer war aber eines war gleich. Auch wenn um einiges tiefer und weniger heldenhaft wie es in ihrer kindlichen Vorstellung war, so zeichnete der Beweis für ihren Mut, ihre Stärke und ihren Kampfgeist ihr Gesicht. Unübersehbar zierte die Berufung Sonia's für immer die eine Gesichtshälfte egal wie sehr sie versuchte es hinter ihrem Scheitel zu verbergen. Wofür auch? Mit Stolz sollte sie voran gehen, allen zeigen, dass sie lebte und vor Kraft strotzte trotz jeder Hürde die ihr auf ihrer Reise begegnet war.

      "Du bist nicht Schuld." Erklang wieder leise seine tiefe Stimme, die weich versuchte die Frage nach dem Was-wäre-wenn zu beenden. "Dharai und ich... kämpfen seit dem wir denken können gegeneinander. Jedes Mal um eine Haaresbreite am Ende vorbei. Wer weiß ob es diesmal nicht der letzte Kampf gewesen und wie er ausgegangen wäre. Vielleicht hast du mir am Ende noch das Leben gerettet." Grinste er verspielt zu ihr hinauf und meinte die Worte trotzdem ernst. Es überstieg das Wissen der beiden in die jeweiligen Szenarien zu blicken, zu hinterfragen was und ob es die richtige Entscheidung war. Nun war es ohnehin zu spät und bereuen tat Amos es für das Wohl seiner treuesten Freundin niemals. Er wusste, dass er sich sein rechtmäßiges Königreich und seinen Thron wieder zurück erobern würde und wenn es das letzte war was er tat, denn was hätte seine Existenz für einen Sinn gehabt, wenn er den menschenfressenden Dämonen die Herrschaft überließ? Amos war bereit für diesen Kampf doch mit der Unterstützung hatte die schwarzhaarige nicht unrecht.

      Kurz kicherte er über die Lächerlichkeit über leichtfertig getroffenen Aussage. "Deine Freunde? Mir helfen? Den Thron der Unterwelt einem Dämonen zu entreißen um ihn dann einem anderen Dämonen zu übergeben? Da musst du aber interessante Freunde haben." Schmunzelte er und ließ jegliche Hoffnung in die Menschen erneut schwinden. Die gutmütigen wenigen, die er kannte, konnte er leider an einer Hand abzählen. Beeindruckend, dass er da trotzdem den Schutz der Spezies verfolgte statt sie wie Dharai und seine Anhänger auslöschen zu wollen. Welch starke Front sie doch gemeinsam bilden würden...

      "Wir haben einen geheimen Gang, der vom Palast in ein Refugium führt. Für genau solche Angriffe sind wir dort geschützt. Wenn wir Glück haben konnten sich die meisten meiner Männer und Frauen dort hin verziehen als du den Alarm ausgelöst hattest. Sind dir viele auf deinem Weg zu mir begegnet?" Fragte er vorsichtig ohne wirklich die Wahrheit darauf erfahren zu wollen. Noch immer tat er sich schwer mit dem Gedanken, dass ausgerechnet der beste Mensch, dem er je begegnet war für das Ableben seiner Freunde verantwortlich sein würde. Das dunkle Blut an ihrer Klinge blitzte in die Ozean blauen Augen des Königs, wie es von ihrem Schwert auf den Boden tropfte und seufzend verdrängte er wieder die Erinnerung.
      "Lass uns morgen dahin aufbrechen, schauen wie viele wir sind. Xenra wird ihre Kontakte ebenfalls alarmiert haben. Gemeinsam werden wir eine Lösung finden... Und wenn du wirklich darauf bestehst..." Entwich ihm zum Ende erneut ein schwerer Atem. Die Worte fiehlen ihm sichtlich schwer. "Werden wir deine Freunde in der Menschenwelt aufsuchen." Das Herz in seiner Brust begann vor Aufregung schneller zu schlagen. Nur für sie war er bereit sich seiner Angst zu stellen und endlich wieder einen Fuß dort hin zu setzten, wo er gefühlte Ewigkeiten nicht mehr war...
      A heart's a heavy burden.

    • Er hatte recht. Sonia hatte keine Sekunde daran gedacht, wie sie ihre Freunde von dem Vorhaben, einen Dämonen vom Thron zu stürzen, nur um diesen an einen anderen, gar dem rechtmäßigen Dämonenkönig – war Amos denn das? Der rechtmäßige Dämonenkönig? Aber es musste doch noch einen vor ihm gegeben haben? Und davor? Wie leichtsinnig und naiv sie gewesen war zu glauben, dass all ihre Probleme, die Probleme und Sorgen der Menschen ein Ende gefunden hätten, wenn sie nur den einen Dämonenkönig von seinem Thron hätte stürzen können – weiterzugeben, überzeugen könnte.
      Würden sie mitmachen? Oder verkünden, dass sie den Verstand verloren hatte? Sonia wollte daran glauben, dass die drei sie und ihren Kindheitsfreund dabei unterstützen würden, immerhin wussten sie von Amos, sie war kaum müde geworden Geschichten über ihn zu erzählen, vor allem bei einem gemütlichen Abend in einem Gasthaus, beim Feuer, mit einem Becher Bier zu viel... aber reichte das, um Amos nicht gleich als Feind abzustempeln?
      Immerhin hatte auch sie nicht sofort ihre Waffen fallen lassen und ihm vertraut, auch wenn es mehr daran gelegen hatte, dass sie es einfach nicht hatte glauben können. Dass sie nicht naiv genug war ausgerechnet in den Tiefen des Dämonenschlosses ihren verschollenen Kindheitsfreund zu begegnen.
      „Sie sind durchaus interessant. Ich bin mir sicher, du könntest sie mögen.“, lächelte Sonia bei dem Gedanken an die Drei, die sie seit Jahren auf ihren Abenteuern begleiteten und sie sicherlich auch bis hierher begleitet hätten, wenn sie nicht so egoistisch gewesen wäre zu glauben, dass nur sie alleine ihr Leben aufs Spiel setzen musste, in diesem letzten Kampf, der sicherlich kein leichter geworden wäre, wenn es denn zu einem Kampf gekommen wäre.
      Und es fiel ihr auf, dass ihr das tatsächlich wichtig war. Sie wollte, dass ihre Freunde sich mit ihrem besten Freund aus Kindertagen verstand.

      Die Abenteurerin schluckte. Der Gedanke kam ihr nicht zum ersten Mal, aber offensichtlich musste auch Amos klar sein, dass sie in ihrer Rolle als Heldin vielleicht gar den ein oder anderen Freund des Dämonenkönigs getötet hatte, als ob es nicht reichen würde, dass das Blut seines Volkes an ihren Schwertern klebte, doch wie viel Blut klebte wohl an seinen Händen?
      Nein, sie wollte das gar nicht erst wissen.
      „... fünf. Fünf Dämonen und Monster haben sich mir in den Weg gestellt.“, gab die Schwarzhaarige zögernd von sich, keinen Zweifel daran lassend, dass sie sie getötet hatte.
      „Ich weiß nicht... ob es so eine gute Idee wäre, wenn ich mit komme.“, gab Sonia nach kurzem überlegen von sich, „Sie werden wohl kaum froh darüber sein, dass eine Mörderin ein Fuß in das Refugium setzt. Außerdem... jemand dort wird die Toten sicher gekannt haben...“, murmelte sie den letzten Satz leise, beschämt, wissend dass man sie nicht willkommen heißen würde.
      Und sie wollte es Amos nicht schwerer machen, als es wahrscheinlich schon war.
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    • Angespannt zog der Blondschopf die Luft durch seine Nasenlöcher in die Lungenflügel. Der Gedanke an den Tod seiner Freunde schmerzte ihn, auch wenn sie um ihr Risiko in den Diensten des Königs wussten. Am liebsten hätte er mehr Fragen gestellt. Wie sahen sie aus? Waren es Frauen oder Männer, vielleicht sogar noch junge Rekruten in ihrer Ausbildung? Wer war durch Sonia und ihr Schwert gefallen aber die nachfragen brachten nichts. Sie waren fort und hinter ihnen würde nur ein schwarzer Staub zurück bleiben, keine leibliche Hülle, wie die Menschen sie kannten. Kein Überbleibsel, den es zu verabschieden galt, nichts als Leere, die die verlorenen hinterließen. Amos schluckte schwer, denn spätestens im Refugium würde er der Realität entgegentreten müssen und feststellen wer fehlte. "Meine Untertanen wissen um ihr Risiko und auch um die Unwissenheit der Menschen. Die besten Freunde wirst du dir im ersten Moment garantiert nicht machen, das will ich nicht schön reden oder dich gar belügen aber an meiner Seite bist du sicher. Einige werden dir sicherlich mit Zorn entgegen blicken, andere wieder mit Aufgeschlossenheit." Während er über sein Gevolk sprach, stellte er sich die jeweiligen Gesichter und ihre Reaktionen vor. Chavah, eine der jüngeren in seinen Diensten würde mit großer Sicherheit über den Anblick eines Menschen staunen und sich Sonia freudig annehmen. Jukka hingegen war anderen generell eher skeptisch gesonnen, Menschen erst Recht. Er würde der schwarzhaarigen vermutlich eine schwere Zeit machen aber keiner von ihnen würde es wagen den Befehl des Königs zu verweigern.

      "Versuch ein wenig zu schlafen. Du wirst die Kraft brauchen, wir beide! Morgen früh brechen wir auf. Zu erst zu deinen Freunden. Sie in meine Welt zu holen dürfte einfacher sein als dich den anderen vorzustellen." Gab er müde bekannt und fuhr mit seinen Fingern an den Zwischenraum seiner beiden Augen, direkt über dem Nasenrücken. Das kleine Stück Haut kniff er sanft zusammen, um die Spannung seines Kopfes zu lösen. Wie konnte das alles bloß so schief laufen? Hätte er in irgendeiner Situation anders handeln sollen? Seinem Land treuer sein sollen als dem menschlichen Freund, den er in Sonia gefunden hatte? Verzieh er ihr das Blut seiner Gleichgesinnten zu voreilig? Kopfschüttelnd verabschiedete er sich von jeglichen Zweifeln. Wenn Sonia ihn hätte toten wollen, hätte sie schon längst seinen Kopf. "Schlaf gut..." Murmelte er sanft, ehe auch seine Lider sich senkten und Ruhe suchten.

      Am nächsten Morgen wäre die Bettseite Amos bereits leer, wenn Sonia das Sternenlicht des Tages begrüßen würde. Es war kein großer Unterschied zwischen Tag und Nacht, insbesondere nicht für ungeschulte Augen aber das Strahlen des Tages war ein satteres Blau als in den Abendstunden, wo die Töne in ein Schwarz hinüber gingen. Der Dämon genoss die wenigen Stunden des bläulichen Schimmers, weil darin die weißen Sterne wie der Schaum von Wellen im tiefen Meer wirkten. Er wütete bereits mit Xenra in der Stube und ließ sich einen Lagebericht erteilen. Wie von ihm vermutet, hatte die Dämonin sämtliche Ritter ins Refugium berufen. Sein Plan schien demnach bereits in der Umsetzung zu sein. Zufrieden nickte er und wandte sich der Treppe zu, auf der Sonia herunter geschritten kam. "Guten Morgen." Grüßte er sie mit einem Schmunzeln auf den Lippen. Ihr Haar schien noch ungezähmt, eventuell den fehlenden Spiegeln geschuldet und auch ihr Blick schien wenig erholt oder war es einfach die Sorge, die ihr ins Gesicht geschrieben stand?

      Während das Menschenkind noch in den Federn gehangen hatte, bereiteten die beiden Dämonen alles für ihren Aufbruch vor. Auch wenn es ihr Wunsch war, so verzichtete er auf ihre Begleitung. Natürlich war sie eine begabte Kämpferin und auch wenn die Knochen etwas in die Jahre gekommen waren, so war Xenra noch immer von hohem nutzen und strategisch den meisten Gegnern überlegen, doch er brauchte sie im Refugium. "Bist du dir sicher?" Flüsterte sie ein letztes Mal misstrauisch in die Richtung der Frau blickend. Ihr galt die Sorge nicht, eher den Freunden, die sie ihm vorstellen wollte. Nickend senkte er ihr ein Lächeln, um sie zu besänftigen. "Nehmt einen Verbündeten mit. Drei gegen einen und ob die junge Frau bereit wäre ihre Waffe gegen ihre Freunde zu richten..." Gab sie doch besorgt von sich, wollte es nicht dulden, dass Amos allein als Dämon den Weg zu den Menschen wagen wollte. "Je mehr Dämonen wir sind, desto schwieriger wird es in der Masse unter zu tauchen." "Chavah wird nicht auffallen!" Xenra hatte Recht, oft genug war sie als Insiderin in die Menschenwelt gegangen. Ihre Fähigkeit das Abbild einer Person zu sein war durchaus von Vorteil. "Fein." Musste sich der König geschlagen geben. Gemeinsam machten sich die beiden Helden auf den Weg in die Menschenwelt, Chavah würde an der Grenze dazustoßen.
      A heart's a heavy burden.

    • Sonia machte sich keine Sorgen um ihre eigene Sicherheit, sie hatte keine Sekunde mit diesem Gedanken gespielt, erwischte sich gar bei dem Gedanke, dass sie sich sicherlich sehr gut selbst verteidigen könnte, wenn sie angegriffen werden sollte oder es zu Kämpfen kommen sollte, als Amos erwähnte, dass sie an seiner Seite sicher wäre, doch im selben Moment schüttelte sie kaum merklich den Kopf, sich selber daran erinnernd, dass sie selbst im Notfall ihre Schwerter lieber in der Scheide ruhen lassen sollte.
      Was sie in dieser Situation am wenigsten gebrauchen könnten, wären weitere Kämpfe, verletzte oder gar Tote und wenn sie sich dazu verleiten würde im Beisein des Blondschopfs jemanden seines Volkes zu töten... die Schwarzhaarige bezweifelte stark, dass er ihr das dann noch verzeihen würde.
      Dass sie sich keine Freunde machen würde, da war sie sich sicher. Wenn die Menschen sie als Heldin sahen, was war sie wohl in den Augen der Dämonen? Nichts weiter als eine Mörderin?
      Mit diesen Gedanken schloss die müde Heldin ihre Augen, nickte auf den Vorschlag des Dämonenkönigs hin, nur mit halbem Ohr zuhörend, da sie merkte wie schwer ihre Lider mit einem mal waren und kaum hatte er ihr einen guten Schlaf gewünscht, war die Abenteurerin bereits in einen tiefen Schlaf versunken, erledigt und erschöpft von den zahlreichen Kämpfen, die sie am heutigen Tag hatte hinter sich bringen müssen, von der Angst und der Euphorie sich ihrem Endgegner stellen zu müssen, dass ihre Reise endlich ein Ende nehmen würde bis hin zur schieren Freude und Verwirrung, ihren Kindheitsfreund an dessen Stelle gefunden zu haben, kurzum: es war heute viel passiert.

      Als die Schwarzhaarige das erste Mal ihre Augen öffnete, glaubte sie gar einfach mitten in der Nacht erwacht zu sein und schloss wieder ihre Augen, nach dem Schlaf suchend, der sich nicht mehr einholen lassen wollte, ehe er einfiel, dass sie sich im Land der Dämonen befand, das die Sonne niemals zu Gesicht bekommt und ruckartig setze sie sich auf, nach ihren Schwertern greifend, welche immerzu neben ihr Lagen, für jegliche Notfälle gewappnet, doch dann fiel ihr ein, dass sie, obwohl sie sich im Land der Dämonen befand, in Sicherheit war.
      Das nächste, was ihr auffiel, war die Tatsache, dass Amos nicht mehr da war und für einen Moment fragte sie sich, ob sie sich nicht geirrt und er sie verraten hatte, gar Freunde oder Krieger holte, um die Heldin der Menschen endgültig aus dem Weg zu schaffen, doch dann schüttelte sie den Kopf, aufgrund dieser lächerlichen Idee.
      Wenn er sie hätte Tod sehen wollen, hätte er Sonia einfach im Schlaf töten können. Es zumindest versuchen können.
      Letztendlich erhob sich die Abenteurerin aus dem Bett, in dem ihr Kindheitsfreund in Kindertagen geschlafen haben musste, legte ihre Schwerter wieder an und schritt mit einem großen Gähnen die Treppen hinab.
      Vielleicht lag es daran, dass sie es nicht gewohnt war ohne Sonnenschein aufzuwachen, noch immer nicht, vielleicht hatte sie auch einfach nicht lange genug geschlafen, so oder so war sie noch etwas müde, als der Blondschopf ihr einen guten Morgen wünschte und diese Worte alleine zauberten ihr schon ein Lächeln aufs Gesicht.
      Wann hatten sie sich das letzte Mal einen guten Morgen wünschen können? Fast fühlte es sich schon an, als wären sie nie getrennt worden. Fast.
      „Morgen.“, nickte sie ihm entgegen und wünschte auch der älteren Dämonin einen guten Morgen, ehe ihr bewusst wurde, dass sich die beiden bereits auf ihre Reise vorbereitet hatten, während sie noch geschlafen hatte und sie hob fragend eine Augenbraue in die Richtung der Dämonin, als ihr ein misstrauischer Blick entgegen geworfen wurde. Hatte sie etwas falsche gesagt oder getan? Oder hatte sie schlicht und einfach etwas verpasst?

      „Wer ist Chavah?“, wollte Sonia sogleich wissen, nachdem die beiden die Hütte verlassen hatten, um sich wieder auf den Weg in das Land der Menschen zu machen, um ihre Freunde aufzugabeln und sie hoffentlich dazu überreden zu können ihnen zu helfen. Nun... irgendetwas würde ihr schon einfallen, bis sie an der Grenze ankommen würden.
      Glücklicherweise – wenn man es denn so nennen konnte – hatte sie die drei an einer kleinen Stadt an der Grenze zurück gelassen, hatte sich mitten in der Nacht heraus geschlichen und sie hoffte doch sehr, dass sie ihr nicht gefolgt waren... oder besser gesagt, dass Kaleidos und Mirin Ryad davon hatten überzeugen können, ihr nicht zu folgen und auf sie zu warten, wie sie in dem kleinen Zettel, den sie zurückgelassen hatte, gebeten hatte.
      Sie wusste, dass das viel verlangt war, aber Sonia hatte auf dieser Reise schon genug Freunde und Bekannte verloren, sie konnte nicht auch noch die Leben jener aufs Spiel setzen, die sie bei all ihren Abenteuern begleitet und sie nicht nur das ein oder andere Mal gerettet hatten... die Schwarzhaarige wusste nicht ob sie hier und jetzt noch stehen würde, wenn Ryad sie nicht so schnell wie nur möglich zu einem Heiler gebracht hatte, nachdemDharaiihr das Auge genommen hatte.
      Es hatte zwar nicht gereicht, um ihr Auge zu retten, dennoch... das hätte sie dem Dieb damals nicht zugetraut, musste sie mit einem Schmunzeln feststellen.
      Wieso sie ausgerechnet jetzt dazu bereit war die Leben ihrer Freunde aufs Spiel zu setzen um eben jenen Dämonen mit Amos von seinem Thron zu stürzen?
      Sie konnten jede Hilfe gebrauchen. Und sie war der festen Überzeugung, dass sie nicht zulassen würde, dass sie starben.
      Sonia wusste, dass auch das wieder nur ein egoistischer Wunsch von ihr war, aber sie wollte es nicht bereuen nicht alle ihre Möglichkeiten ausgeschöpft zu haben um ihren Kindheitsfreund zu helfen. Irgendwie lächerlich, wenn man darüber nachdachte, nicht wahr?
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    • Die Neugierde der Schwarzhaarigen ließ verständlicherweise nicht lange auf sich warten und natürlich stellte sie Fragen zu Chavahs Person. Sie war eine außergewöhnliche kleine Dämonin, die Xenra ihm vorgestellt hatte. Vorerst hielt Amos nicht viel von der Idee nun auf die Empfehlungen von alten Bekannten einzugehen, kannte er den Mann, dessen Nichte Chavah war, nicht und vertraute gutgläubig auf die Einschätzung seiner engsten Vertrauten in der Unterwelt. Nur ihr zur Liebe ließ er sich auf ein Kennenlernen ein, schließlich hätte dahinter genauso gut ein Hinterhalt stecken können. Wie versprochen entpuppte sie sich als brauchbaren Zuwachs seiner Truppe. Einen Dämonen, der seinen Körper wandeln und noch dazu das Abbild eines Menschen erzeugen konnte, sah man nicht alle Tage! Durch ihre offene und fröhliche Art fand die weißhaarige schnell Anschluss und bewies sich als die richtige Entscheidung, ein Teil der königlichen Garde geworden zu sein. Wo sollte Amos da bloß anfangen? "Du wirst sie mögen." Gab er leicht schmunzelnd bekannt. Es gab keine Worte, die diese quirlige Person umschreiben konnten und so ließ der Blondschopf seine älteste Freundin in Ungewissheit, bis sie sich selbst ein Bild von der Dämonin machen konnte.

      Um die Grenze zu erreichen, mussten die beiden einige Meter, gar Kilometer hinter sich lassen, dahin wo der Himmel aufklarte und den düsteren Tag Stück für Stück hinter sich lassen würde. Genauer genommen würde ihre Reise sie durch den Ort führen, an dem alles begann. Ihre Freundschaft, ihre Abenteuer und auch ihre Trennung - alles fand ihre Anfänge in dem verwunschenen Wald, in dem der Krieg zwischen den Welten ausgetragen wurde. Für einen flüchtigen Moment sah Amos zu Boden, als der dunkle Sand unter ihren Füßen dem Rasen wich. Kraus und vertrocknet sah dieser vor den Ländereien der Unterwelt aus und wurde erst weiter im Land der Menschen zum satten, nährreichen Grün. "Die Grenze ist nicht mehr weit." Sprach er laut seine Gedanken aus, während sein Kiefer spannte. Seine Handflächen waren leicht benässt und auch das Klopfen in seiner Brust schien einen schnelleren Takt zu schlagen. War er…etwa aufgeregt? Ein tiefer Atemzug sollte den steigenden Puls beruhigen - vergeblich. Wieso war es ihm bloß so wichtig, wie das Treffen verlaufen würde? Vor einem Kampf scheute sich der Dämonenkönig selten und auch Sonia war eine ausgezeichnete Kriegerin, die vermutlich für jede Auseinandersetzung gewappnet war, aber so weit sollte es nicht kommen. Im Gegenteil, Amos wollte um jeden Preis von der Heldentruppe gemocht werden. Hätte man dem kleinen Jungen einige Jahre zuvor verraten, dass er die Heldentruppe antreffen würde, so wäre er vor Freude auf und ab gesprungen und hätte vermutlich bis zum besagten Tag kein Auge mehr geschlossen. Leider war die Situation eine andere, als er sie sich jemals erträumt hätte. Es war nicht nur eine Heldentruppe, es war die von Sonia, die seiner besten Freundin, die nach all den Jahren endlich an seiner Seite war und Amos…Nun ja, er war der vom Thron gestürzte Dämonenkönig, der diesen mit ihrer Hilfe zurück erobern wollte. Verzweifelt entwich dem Blonden ein Seufzen. Diese Situation war wie aus dem Drehbuch, surreal und einfach nur bizarr zugleich. Wie zur Hölle hatte sein Leben solch eine seltsame Wendung nehmen können? Abgesehen davon, dass die Zukunft der Unterwelt, wenn nicht sogar des gesamten Planeten auf dem Spiel stand, schien der Drang ihnen unbedingt zu gefallen, nicht von dem Mann abzulassen. Die Zweifel und Unsicherheit, die er vor so vielen Jahren hat hinter sich lassen können, schien ihn ein wenig einzuholen. "Aaaamoooooooleeein." Quietschte ein Piepston aus den Baumkronen über ihnen, ehe eine zarte Frau von dort herunter gesprungen kam und geradewegs auf dem Dämonenkönig landete. "WIR HATTEN DOCH BEREITS DARÜBER GESPROCHEN, DASS DU MICH NICHT IMMER SO ÜBERFALLEN SOLLST!" Brüllte er hysterisch, als er so unter der Dämonin mit gräulichen Teint lag. Ohne große Bemühungen hob er die junge Dame von seinem Schoß, erhob sich mit ihr und setzte sie auf ihre Beine. "Ein junges Mädchen wie du sollte sich nicht so auf Männer werfen. Hat dir das immer noch keiner beigebracht?" Beklagte Amos sich und begann sich die Klamotten vom Dreck abzuklopfen. "Aber aber Amolein." Hob die kleine Frau den Finger wie eine Lehrerin, die ihren Schüler korrigierte. "Ich bin doch viel älter als du." Fügte sie zwinkernd hinzu und stupste dabei dem Mann mit dem Zeigefinger auf die Nasenspitze. "Solltest du deinen König nicht mit etwas mehr Respekt behandeln?" Die blauen Augen des Mischlings verzogen sich zu kleinen Schlitzen, doch eine Antwort bekam er nicht. "Oh nein, wie unfreundlich von mir. Mein Name lautet Chavah und du bist?" Lächelte sie der Menschenfrau zu und streckte sogleich die Hand entgegen.

      "Sie ignoriert mich einfach…Das macht sie immer, wenn man ihr etwas sagt, was sie nicht hören will." Brummte es von der Seite, eine kleine Wolke des Zorns brach über den König ein, der sich über das Verhalten der Dämonin ärgerte. "Unerhört, keine Manieren…" nuschelte ein Wort nach dem anderen über seine Lippen. "Entschuldige Amolein aber bei deinem Gebrabbel kann ich kaum hören, was die hübsche Frau zu sagen hat." Ermahnte Chavah den Blonden, der nur ungläubig mit geöffnetem Mund, verdutzt zwischen den beiden Frauen hin und her sah. So waren die beiden nunmal. Obwohl sie sich nicht allzu lange kannten, waren sie wie Geschwister ständig am Zanken.

      "Verstehe…" flüsterte Chavah und tippte mit einem Finger mehrmals auf die Lippen, als würde sie nachdenken. Natürlich hatten die beiden Krieger die Dämonin über alles eingeweiht und ihre Pläne erläutert. "Dann wäre es wohl besser, wenn ich eine menschliche Form annehme, um deiner Truppe entgegenzutreten oder was meinst du, Sonia?" Erwartungsvoll blickten die dunklen Augen in das blasse Gesicht der Frau. "Ich wette du bist ganz eifersüchtig auf meine Fähigkeit. Wäre schon praktisch, wenn du deine Gestalt einfach mit einem Fingerschnippen ändern könntest." Kicherte sie und ahnte die Geste nach, worauf sich ihre Gestalt zu einem Menschen wandelte. Das grau wich dem beige-rosa, ihr Haar wechselte von weiß zu einer Mischung mit schwarz und die Seelenspiegel hellten auf.

      Scherzhaft, wie Chavah ihre Erscheinung wechselte, sah sie über den Fakt, dass Sonia einige Dämonen auf dem Gewissen hatte, hinweg. Sie war nie eine nachtragende Person und außerdem trugen sie alle ihre Päckchen. Kaum einer der Anhänger hatte kein Blut an seinen Händen, schließlich gelang es nur selten, einen Feind von den friedlichen Absichten der Dämonen zu überzeugen und zum Selbstschutz hieß es dann häufig fressen oder gefressen werden.

      Die Sorge über das Treffen stand der Dunkelhaarigen ins Gesicht geschrieben und trotz ihres sonnigen Gemüts wurde Chavah plötzlich ganz leise. "Sei einfach ehrlich. Zeig ihnen, dass man dir vertrauen kann und steh zu deinen Taten." Wieder ein sanftes Lächeln des Mädchens, das sie dem Menschen schenkte. "Du bist jetzt eine von uns. Das ist alles, was zählt!" Einen Arm um die Schulter von Sonia werfend, drückte Chavah die junge Frau an sich, in eine seitliche Umarmung. So optimistisch wie die Dämonin war Amos nicht. Besorgt wandte er seinen Anblick gen Horizont, der die Farbe wechselte. Sie waren endlich über die Grenze geschritten.
      A heart's a heavy burden.