Tales of Choupessa [Attari & Michiyo]

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    • Tales of Choupessa [Attari & Michiyo]

      Vorstellung: Tales of Choupessa [Attari & Michiyo]
      @Attari

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      Grundsätze von Choupessa:

      - Alle Stämme bestehen aus Tier-, Fabel- oder Halbwesen
      - Infizierte werden "markierte" genannt, da die Krankheit mit schwarzen Malen auf dem Körper einhergeht bevor die Betroffenen anfangen aus allen Körperöffnungen schwarze Flüssigkeit zu "bluten" und schließlich sterben
      - Einzig bekanntes Heilmittel für den schwarzen Tod ist die Zinnoberblume
      - Es existieren 11 verschiedene Völker in Choupessa: Alcanes, Lurao und Xuferas sind 3 davon
      - Fortpflanzung ist Gender-unabhängig möglich


      Die Morgendämmerung verteilte sich wie ein seichter Nebel über dem Land und hüllte den weiten Blick zum Horizont in einen weißen Schleier. Natürlich war Cillian schon wach, genau wie seine Rudelgeschwister ebenfalls. Wieder stand ein wichtiger Tag an, eine weitere politische Zusammenkunft zwischen seinem Wolfsstamm und der Argenti. In letzter Zeit kam es immer wieder zu Beratungssitzungen wie ihr Vater es nannte. Aber den Grund dafür kannte keiner. Was wollte der Wolfsgott nur mit den Falken anfangen? Welch hinterlistiger Plan steckte dahinter?

      Unberührt von den Vorhaben seines Vaters scherte sich Cill einen Dreck um all die politischen Belangen, die ihr Volk betraf. Cadate würde ihn sowieso nicht in die Entscheidungen einbeziehen und sie letztlich vor vollendete Tatsachen stellen, da konnte er auch gut drauf verzichten mehr Gedanken als nötig an solche Feierlichkeiten zu verschwenden.
      Alle Wölfe waren fleißig am Putzen, leckten sie sich gegenseitig das Fell, knabberten an ihren Zehen während andere ihre Krallen an Bäumen wetzten. Ein kurzer Blick über das grüne, doch felsige Tal der Familie verriet ihm, dass sie noch nicht aufgebrochen waren um nach Beute zu jagen - die Gäste mussten schließlich mit einer beeindruckenden Geste willkommen werden. Einige Weibchen waren schon am Sammeln von Früchten und Pilzen, die bei solchen Veranstaltungen für gewöhnlich nur als Deko dienten, denn ein großes Gnu oder Wildschwein war um einiges stolzer zu präsentieren als die Ernte der Wiesen. Augenverdrehend verachtete er diesen Gedanken, vor allem weil es sich bei den blauen Beeren mit den ungewöhnlichen Zacken um die Liebsten des Prinzen handelten. Sie waren so selten, dass Cill sie häufig zu Beginn der Blütezeit bunkerte und von anderen versteckte doch leider gelang es seinen Angehörigen immer wieder seine Verstecke aufzuspüren.

      Mit beiden Armen in der Luft streckte sich der Wolfbursche, wandte den Kopf nach links und rechts ehe ein noch müder Gähner über seine Lippen wich. Die Kapuze über dem weißen Haar rutschte hin und her bis sie letztlich eines der beiden flauschigen Ohren befreite. Ein kurzes Zucken, ein Knacken im Geäst und schon richtete sich die Aufmerksamkeit des Jungen auf den Jagdtrupp. Sie setzten sich bereits in Bewegung und wenn er sich nicht sputen würde, verlor er den Anschluss. Flott hechtete er hinterher, wünschte sich wie jeden Morgen, dass er ebenfalls auf vier Pfoten laufen würde um genau so schnell zu sein wie seine vollblütigen Geschwister aber als Halbblut blieb es ihm verwehrt. Mühsam und erschöpft gelang es dem Prinz aufzuschließen und gemeinsam machten sie sich auf die Jagt.

      Nach einigen Stunden kehrte der Trupp erfolgreich zurück. Ein wirklich prächtiges Stück Fleisch konnte nun den Falken angeboten werden und mit dem Zusatz, dass es der Thronprinz höchstpersönlich erlegt hatte würde es Cadate ruhig stimmen. "Ich habe gehört die Herrin nimmt mal wieder ihren Bastard mit." flüsterte es aus einer Ecke. "Ja wirklich? Wie kann man mit so jemandem nur stolzieren gehen, diese Falken bleiben mir ein Rätsel." kicherte es aus der anderen. Seufzend stampfte Cillian an den beiden Lästerschwestern vorbei. Kaum zu glauben wie sie sich das Maul zerrissen. Ob die anderen Völker wohl auch so über Cillian und seinen Bruder(?) sprachen? Sie waren auch nur Halbblütler, unrein und keine stolzen Götter wie ihr Vater doch die Herrin der Falken schien zumindest etwas für ihren Nachkommen übrig zu haben. Niemals würde der Wolfsgott seine Kinder in anderen Stämmen zeigen und an Sitzungen teilhaben lassen doch heute war irgendetwas anders.

      Die Falken trafen auf dem Land ein und wurden überschwänglich begrüßt ehe sie in die Höhle der Gottheit geboten wurden, wo Speiß und Trank sie erwartete. Einige Stunden vergingen und eine unbehagliche Stille breitete sich auf den Felsen und Wiesen aus. Jedes Rudelmitglied, dass nicht Teil der Veranstaltung war schien zu lauschen, etwas erhaschen zu wollen um es unter vorgehaltener Hand zu verbreiten. Gerade als die Spannung zu steigen schien kam plötzlich der Handlanger Cadates hervor und stieg den Götterfelsen hinab. Vor dem Prinzen kam der Wolf mit ausgedünntem und vergrautem Haar zum stehen ehe er mit regungslosem Ausdruck zu sprechen begann. "Der Wolfsgott verlangt nach ihnen und ihrem Bruder(?)." Verwirrt suchte der Bursche nach dem Blick seines Vertrauten. Das hatte nichts Gutes zu verheißen.
      A heart's a heavy burden.

    • Der matte Blick der Göttin glitt über den einst unerwünschten Spross, welcher nun ihr einziger Nachfahre war. Er war von eleganter und schlanke Statur, kaum ein Blick mochte leugnen, wessen Kind er war. Mit seinem schwarzen Haar und den funkelnden Augen zwischen den dunklen Strähnen war er das spöttische Abbild seiner Mutter und damit auch der längst vergangenen Geführtin der Göttin.
      Die ungestüme Seele, welche sie sich vor Zeiten als Frau erwählt hatte. Ein Rabauke und Abenteurer, die den Alltag der gelangweilten Göttin zu Lebzeiten versüßt hatte und danach zum einzigen Desaster machte. Denn jenen ungestümen Geist besaß auch ihre Tochter, als sie mit ihrem Liebhaber durchbrannte und der Göttin am bitteren Ende nur ihr Enkel blieb…

      Die Nächte waren kalt und lang, als man Alae die Nachricht des Todes ihrer Tochter überbrachte. Sie Göttin war in Rage geraten, sodass man ihr gar nicht sagen konnte, dass ihr Enkel geblieben war. Der Junge stand im Schatten der Boten, versteckt hinter ihren Schwingen. Seine Hände hielten eine silberne Feder fest in sich. Das Bild der Wütenden bekamen er nicht mit. Nur ihre zornige Stimme drang in seine Ohren und ließ ihn kleiner werden.
      „ Meine Göttin!“, sprach der älteste der Runde. Er zog seine Flügel zurück und präsentierte das Kind. „ Eure Tochter hatte Nachwuchs…!“ er legte eine seiner schweren Hände auf die Schulter des Jungen und schob ihn sachte vor, direkt in den brennenden Blick der Göttin…

      Asriel wandte sich zu seiner Großmutter um und blickte sie aus goldenen Augen heraus an. Sie erkannte den Anflug der Aufregung im Wesen des Spross und ermahnte ihn zu Ruhe und Achtung. Über die Lippen des Jungen flog ein Lachen, ehe er seine Hände auf die weiße Mauer legte und sich darüber lehnte, seinen Blick vom hohen Turme werfend.
      „ Sicher, weise Mutter…“, die spielerische Miene in seiner Stimme amüsierte Alae ein wenig. Auch wenn er die Alte Göttin Mutter nannte, wurde ihr warm ums Herzen. Asriel war in den Augen einiger Götter eine Schande als Wahl für die Übernahme. Doch in den Augen Alaes genau, was die Welt brauchte und das einzige, was sie hatte. Inzwischen sah man ihr die Tage an, die sich schon auf dieser Welt gefristet hatte. Ihr Gefieder war stumpf geworden und verlor nach und nach an Glanz. Sie fürchtete den Tod nicht, allerdings die ungewisse Zukunft ihres Volkes und auch Asriels. Der schwarze Tod gab keinem der Götter auch nur eine Sekunde Ruhe…
      „ Lasst uns aufbrechen, Enkel!“, sprach sie und breitete die Schwingen aus. Asriel nickte nu und folgte ihr hinab in die tiefen.

      Wolfsprinz Caspian kniete neben einem der Ältesten und suchte dessen staubigen Pelz artig nach Zecken ab. „ Die Göttin bringt ihren Spross mit…“, grummelte der Alte unter seinen Händen. Seine Stimme war spöttisch… Sie war es immer, ebenso wie wenn er über Caspian und Cillian sprach. Das Reinblut verabscheutet die Mischlingsbrut seines Gottes, genauso wie jener es auch selbst tat.
      „ Was eine Schande!“, tönte ein anderer mit ein. Er lag etwas ab in der Sonne und ließ jene seinen Bauch streicheln. „ Die Tage der Reinheit sind lange vorbei…“, fügte er an, als er sich herum wälzte und sein Blick den von Caspian traf. Auch er empfand keine Freude über die Söhne des Gottes. Doch die tatkräftigen Dienste des zweiten Prinzen ließen zumindest jenen besser dastehen als seinen Bruder, welcher seinen Unterricht beinen Alten seid Jahren chronisch schwänzte. Die Ältesten waren 4 an der Zahl. Gemeinsam mit Caspian saßen gerade 5 Wesen in dem schattigen Fleck unter der hohen Kiefer, durch deren dichte Nadeln kein Funke Sonne drang. Roman, der Älteste unter ihnen schüttelte den Kopf, sodass sein weißer Pelz ins fliegen kam. „ Wahrt Anstand!“, entgegnete er den bissigen Kommentaren aus seiner Ecke heraus. Der Wolfsprinz blickte zu ihm. Am meisten hatte er von jenem Wolf gelernt. In seinen besten Jahren durfte er an Cadates Seite reisen und die Welt erkunden. Roman wusste viel mehr als sonst ein Wolf, weshalb alle seinem Wort gehorchten. Stille kehrte ein und die anderen Alten blickten hinab auf ihre Pfoten. „ Die Göttin der Argenti ist eine der Ältesten unter den 11… Sie hat lange genug gelebt, um selbst unserem Gott weit voraus zu sein. “ er schnaubte. Er selbst hatte Asriel schon in Aktion erlebt. Zwar war jener damals nicht mehr als ein Bub gewesen, aber durchaus begabt darin die Massen zu faszinieren. Ein gewiefter Rotzlöffel, der wusste sich in de komplizierten Welt der 11 zu bewegen.
      Caspian kam auf Roman zu und setzte sich neben ihm nieder. Ein wenig nervös kratzte er in der Erde, ehe der Alte ihn dazu aufforderte seine Fragen zu stellen. „ Kennt ihr die Göttin der Argenti?“, fragte der Prinz mit großen Augen. Roman lachte munter und nickte. „ Ja! Ich habe sie einst getroffen…“, Nachdenklichkeit schwang in seiner Stimme. „… und auch ihren Enkel…“ Er musste leicht lachen, als er die Faszination in Caspians Augen bemerkte. Der Mischling hatte es wohl wie andere nicht leicht und trotzdem würde nur ein Narr die Söhne Cadates mit dem Spross der Falkengöttin auf ein Tablett setzen.
      Gebannt lauschte der Prinz den Geschichten und Erzählungen von den Feiern, auf denen er selbst nie gewesen war. Erst als man nach Roman rief, er möge dem Banquette beiwohnen, musste der Jüngling allein verbleiben. Auch die anderen Wölfe hatten sich aus dem Schatten erhoben und trotteten dem Boten Cadates nach. Er schickte immer nach den selben Seelen. Niemals aber nach seinen Söhnen.
      Caspain stand unter der Kiefer, noch immer im tiefen Schatten. Eine seichte Briese nahm sein langes Haar auf und ließ es für den Moment tanzen. Der Prinz ergriff ein paar aufmüpfige Strähnen und strich sie zurück, während er seine Nase in die Briese hielt. Ein zäher Geruch von Erde und Blut lag in ihr. Die Jäger mussten erfolgreich gewesen sein… Der Duft mischte sich mit jenen der Kräuter und Pilze, welche man ebenfalls für die Feier gepflückt hatte.
      Caspian nahm seine Sachen auf und bewegte sich über die Lichtung zurück zu den Höhlen. Der Tag würde sicherlich nichts spannendes mehr zu Tage bringen. Allein unter der Kiefer hatte er nichts verloren, der einzige Ort, der bei diesen Temperaturen dem Schatten gleich kam, waren die feuchten Höhlen…

      Als Caspians Blick den Cillians traf, stand er abseits. Die Brüder blickten auf den Boten des Vaters. Caspian war verwirrt, dass man sie beide zu diesem Anlass rief. Im Gegensatz zu Alae zeigte Cadate seine Mischlings Kinder nicht herum. Er empfand auch keinen Stolz für die beiden Jungen. Manch einer fragte überhaupt, warum er die Mutter der beiden damals überhaupt gebettet hatte…
      Cillian schien weniger verwirrt, als davon genervt nun doch Pflichten zu haben. Der Jüngere hob die Stimme.
      „ Sehr wohl!“, sagte er und neigte respektvoll den Kopf. „ Wir werden der Anweisung umgehend folge leisten!“ Caspian nickte Cillian zu, dass sie dem Alten folgen mögen.

    • Mit rollenden Augen wandte Cillian den Blickkontakt zu seinem Bruder ab. Natürlich wusste Caspian zu gehorchen, auch der ältere Prinz hätte den Wunsch bei hohem Besuch nicht verneinen können doch trotzdem hatte der Wolf die Hoffnung nicht aufgegeben einen Ausweg zu finden. Während er sichtlich abgeneigt die Pfoten auf der Erde schleifte senkte sich der Blick zu Boden. Warum musste ausgerechnet er eine Gottheit sein, der Sohn des nie zufrieden zu stellenden Cadates? Sein jüngerer Bruder wusste sich zu benehmen und gewählt auszudrücken, befolgte die Befehle und der Lehre der Ältesten und trotzdem schien auch er dem Wolfsgott nicht ausreichend zu gefallen. Welch lächerliches Weltbild, Aufgrund von stellenweise fehlendem Fell und der Reinheit des Blutes, seine eigenen Sprösslinge zu verachten. Ein tiefer Atemzug war hinter dem Boten zu hören, unbeschönigt pustete er den Sauerstoff aus seinen Lungen um sich selbst zu beruhigen. Was ihn erwarten würde war ihm unbekannt und alles unbekannte in Verbindung mit Cadate mochte für gewöhnlich nichts Gutes verheißen. Nichtsdestotrotz - ein weiterer tiefer Atemzug. Die Verachtung gegen seinen Vater sollte nicht an die Oberhaupte der Falken gelangen, kaum vorstellbar welche Konsequenz es hätte wenn Cillian nun nicht spuren würde. Der gesenkte Kopf wandte sich gen Himmel, hoch hinauf zum Götterfelsen. Durch die strahlende Sonne und der drückenden Hitze gab es zumindest etwas gutes sich der Höhle zu nähern, sie würde zumindest Abkühlung verschaffen. Einzelne Schweißperlen suchten sich bereits den Weg den Körper hinab und um weitere Ausbrüche zu vermeiden spreizten sich die Lippen des jungen Mannes. Kaum hörbar und nur die Spitze der Zunge ersichtbar begann er sanft zu hecheln. Ein weiterer Vorteil, wenn man kein Reinblut war - man konnte sich der Vorteile beider Linien bedienen, sofern man das Glück hatte mit beiden geboren zu sein aber das spalteten sich die Meinungen bekannter Maßen.

      Schon wenige Meter vor dem dunklen Eingang der Höhle kam den dreien eine seichte Brise entgegen, ein leichter Windhauch, der die langen Haare des Prinzen zittern ließen. Die ersten Schritte in die Höhle bedeuteten sogleich eine angenehme Kühle auf den Pfoten, statt der kochend heißen Steine. Einen Moment lang verzog sich etwas der Gesichtsausdruck Cills, dessen Augen sich erst an die geänderten Lichtverhältnisse gewöhnen mussten, den Bruchteil einer Sekunde aber doch vernehmbar. Die leuchtend roten Seelenspiegel schweiften durch den Raum, scannten jede neue Person und versuchte ihren Rang einzuordnen. Die älteste der Falken mit silbrigen eingefallenen Federn schien gemeinsam mit ihrem Spross die Gastfreundschaft der Wölfe zu empfangen. Keiner dieser Fremden Ausdrücke verrieten auch nur für eine Sekunde, welche Absicht mit dem Ruf der beiden Prinzen verfolgt wurde. Wussten sie es überhaupt? "Eure verehrten Gottheiten, die Prinzen Cillian und Caspian von den Alcanes." Kündigte der treue Bote die beiden ahnungslosen an. Mit einer leichten Bewegung senkte der ältere der beiden den Kopf, eine Geste des Respekts - wandte den Blickkontakt dabei aber nicht von seinem Gegenüber ab. Seine Aufmerksamkeit ruhte auf dem Falken vor ihm, ein schmaler und langer Mann, ein wenig größer als Cill selbst. Das dunkle Haar umschmeichelte das blasse Gesicht wie ein schwarzer Rahmen doch die Faszination war am größten als sich ihre Blicke trafen. Litt der junge Prinz an Wahnvorstellungen oder stand er zu lang in der Sonne? Oder hatte sich so eben die Augenfarbe des Falken geändert?

      Noch nie zuvor hatte der weißhaarige ein anderes Wesen von so nah betrachten können, noch nie zuvor war er einem Falken begegnet. Gehörte es zu seinen Fähigkeiten? Führte der Vogel etwas im Schilde? Angespannt blieb sein Schweif wie festgefroren während die Ohren aufmerksam lauschten. Mit großer Mühe versuchte der Prinz Ruhe zu bewahren und sich seiner Nervosität nicht anmerken zu lassen. "Cillian" brummte es tief aus der Ecke, in der Cadate ruhte und zog die Augenmerk des Burschen auf sich während Zeitgleich einen Schauer seine Wirbel hinunter wanderte. Verwirrt blickte er zu dem Reinblütler, so selten wandte er sich direkt an die Kinder. Was wollte er? Schweigen zog sich durch die Höhleund noch immer stand der Bube auf dem Schlauch. Verzweifelt schielte er zu Caspian, in der Hoffnung den Blicken der Zusammenkunft endlich entweichen zu können. Die grünen Augen, so leuchtend satt wie die Wiesen im sich ankündigenden Frühling, schielten so unauffällig auf das Haupt des älteren und das allein reichte. Dankbar für die Hilfe, verstand er was das Problem des Gottes war. "Natürlich." zum Vater gewandt, wanderten die Finger an seine Kleider. Noch immer verdeckte die Kapuze zur Hälfte den Kopf des Erben. "Verzeiht." Drehte er sich wieder zu den Gästen ehe der Stoff, der ihn bedeckte wich.

      "Ich habe euch rufen lassen um euch der Falkengöttin Alae und ihrem Erben Lord Asriel vorzuführen." Verkündete Cadate und ließ Cillian mit offenem Mund zurück. Hatte er sich verhört? "Der Götterzyklus ist heilig, ein Erbe, dessen Verantwortung ihr euch von Geburt an stellen musstet und nun ist es so weit eure Pflichten der Gezeiten anzutreten. Lord Asriel wird mit dir den Bund der Ehe eingehen um die Kräfte der Stämme zu vereinen und für eine glorreiche Zukunft für Wolf und Falke einzuleiten."

      Perplex und noch am verarbeiten des gesagten begannen die Gedanken des Jungen zu kreisen ehe Cillian zu seinem Bruder schaute. Er hatte dem Gott vieles zugetraut aber Caspian mit einem Falken zu vermählen war ein ganz anderes Kaliber. Bereit den jüngeren zu stützen, ihm halt zu geben, wenn er ihn brauchte sah er zu ihm doch in seinem Gesicht schien sich nicht so viel zu regen. Nein, ganz im Gegenteil langsam beschlich ihn das Gefühl, dass Caspian selbst den Gedanken zu pflegen. "IHR MEINT MICH????" Entsetzt brachen die Worte über die rosigen Lippen hervor. Das konnte nicht sein ernst sein, es ergab keinen Sinn. Caspian war belesener, gefügiger Cillian war der ältere, der Erbe aber ihnen musste allen bewusst sein, dass er keinen Drang hegte das Rudel zu leiten geschweige denn für dessen Erhalt zu sorgen. "Caspian ist der geeignetere Erbe!" Stammelte er nervös hinzu. Wieder wanderte sein Augenmerk auf den Falken, dessen Mann er sich angeblich nennen sollte. Eine hitzige Diskussion bahnte sich an, den Funken im Keim erstickend brachte sich Cadate wieder ein, verhinderte weiteres Gebrabbel seines missratenen Sohnes. "Dies galt nur deiner Kenntnis, nicht deiner Zustimmung. Der Lord wird ein wenig länger unser Gast sein."
      A heart's a heavy burden.

    • Der junge Wolfsprinz lief aufrecht auf seinen Pfoten dem Boten nach. Dabei streifte sein langes Gewand über die Gräser, welche zum Götterfels hin weniger wurden und letztlich gänzlich Erde und kleinen Steinen wichen. Caspian hatte gelernt, dass seine Gestalt beschämend für seinen Vater war, daher versuchte er jene so gut es ging zu verstecken und niemals durchscheinen zu lassen. In diesem Moment vermochte man allerdings seine Ohren in seinem Haar aufzuspüren. Widernatürlich dicht an den Kopf gepresst, versuchte er auch in diesem Moment jene klein zu halten. Sein Bruder unternahm einen anderen Versuch mit seinem Körper. Cillian gefiel die Kraft und Geschwindigkeit, die seine Beine ihm gaben, dafür bedeckte er aber seine Ohren auch stetig mit einer Kapuze.
      Leicht stieß Caspian seinen Bruder an, als jener seinem Unmut Luft ließ und beinahe die Wut des Boten erzürnte. Der Geselle des Wolfsgottes war nicht mit Geduld oder Verständnis für die Jugend gesegnet worden und hatte den Jungen schon einigen Ärger gebracht. Nicht das es Cadate oder Cillian scherte, aber Caspian sorgte sich darum, wann immer ihr Vater einen noch enttäuschteren Blick als sonst über sie gleiten ließ.
      Die Sonne stand hoch über dem Felsen und eine leichte Briese trieb den Duft des Waldes in die Gesichter der Prinzen. Caspian schloss seine Augen und nahm ein Lächeln auf. Es war ein ehrliches Lächeln. Caspian freute sich, dass ihr Vater sie reif und dies zu einem scheinbar wichtigen Anlass! Er sollte gern weiter in den Gedanken schwelgen, was sie erwartete, als ein leises hecheln seine Ohren erreichte.
      „ Was machst du da?!“, fuhr er Cillian kaum hörbar an und schüttelte nur enttäuscht den Kopf über sein respektloses Verhalten gegenüber dem Felsen und seinen Bewohnern.
      Caspian trat vor seinem älteren Bruder in die Höhle ein. Er wahrte den selben Gesichtsausdruck, auch wenn seinen Ballen der kühle Stein besser gefiel, als was er draußen erduldet hatte. Sein Blick schweifte nur wenig umher, über den Boten zu seinem Vater und letztlich den wichtigen Gästen. Alae war, wie Roman sie beschrieben hatte. Ein silberner Falke mit einem durchdringenden Blick. Doch ihr Glanz schien dahin, die Tage sie eingeholt zu haben… Als ihre Blicke sich trafen, nickte Caspian respektvoll in einer kleinen Geste, schließlich kam die Zeit für den Gruß erst noch.
      "Eure verehrten Gottheiten, die Prinzen Cillian und Caspian von den Alcanes.", kündigte der treue Bote die beiden ahnungslosen Prinzen an. Wo sein Bruder nur eine kleine Geste vollzog, traf Caspian zu einem ordentlichen Gruß an, gerichtet an die Göttin der Falken. Erst als er fertig war, realisierte er in Gänze die Gestalt neben Alae. Ein junger Mann, der sich kurz zur Göttin gebeugt hatte und ein paar kurze Worte mit ihr tauschte, die scheinbar amüsant waren. Er war hochgewachsen und einst schwarze Augen färbten sich bräunlich, als sein Blick die der Prinzen traf. Er lächelte leicht, was zumindest Caspian instinktiv erwiderte. Irgendwas hatte er an sich…
      Über die weißen und silbernen Federn, die an seinem Haaransatz und Wangen eins mit der schwarzen Pracht wurden und dem charmanten Gesicht, Caspian konnte seiner Faszination keinen Ausdruck verleihen. Instinktiv hatte Caspian seine Ohren aufgerichtet und den Falken gewidmet.
      "Cillian!“
      Das Grummeln seines Vaters zog ihn aus dem sanften Bann. Doch im Gegensatz zu seinem Bruder wandte Caspian sich nicht zu jenem um, schon hatte er realisiert, was Cadate von seinem Sohn wollte und begann leise Signale an seinen Bruder zu geben. Cillian war den Göttern sei dank nicht schwer von Begriff und verstand die diskreten Blicke zu seiner Kopfbedeckung. Er verhielt sich angemessen und nahm die Kapuze ab, ehe er sich den Gästen wieder zu wandte. Erneut schien der Junge Falke der Göttin etwas amüsantes gesagt zu haben, den ein dunklen trat durch die Augen der Göttin, als er sich wieder aufrichtete.
      Als Cadate zu sprechen begann, kehrte Stille ein und die Gesichter nahmen einen ernsten Ausdruck an. Caspian freute sich über diese offizielle Vorstellung. Doch wie Cadate sprach, ließ Caspian nervös werden. Erbe? Antreten? Selbst ihm brach eine Welt zusammen, als er den Bund der Ehe erwähnte. Sein Blick ging zurück auf Lord Asriel, welcher eingeweiht schien. Jener lächelte ein jüngeren der Prinzen nur freundlich zu und gab mit einem leichten Nicken zu Cillian die Wahrheit preis. Ohne, dass Jener etwas davon bemerkt hatte, traf sich nun die Blicke der Brüder. Cillian mehr verwirrt, als entsetzt über seine eigene Verlobung… er hatte es wohl noch nicht begriffen, was sich gleich ändern sollte. Er brach aus, verließ seine Haltung und forderte nicht zu letzt auf, dass sein Bruder besser geeignet wäre. Caspian wollte ihn gerade beruhigen, als Cadate Eingriff und dessen Söhne Blicke auf Lord Asriel liegen blieben.
      Widerworte waren im Keim erstickt worden…
      Asriel verließ die Seite der Göttin und trat an die Prinzen heran. Es war das erste mal, dass Caspian eine derart melodische Stimme vernahm. „ Ich habe es auch erst gestern erfahren…“, sagte er zu den Prinzen, dem entsetzten der beiden eine Hand hin haltend. „ Wir sollten uns gemeinsam ansehen, was unsere Götter ausgeheckt haben…“
      Caspian blickte von der Hand hinauf die Augen des Falken, welche nun in hellem Gold erstrahlten. Er begann zu nicken und das Lächeln des Lords zu erwidern… erneut gefangen in seinem Blick.

    • Den goldenen Augen gebannt zuschauend wandte Cillian den Blick zwischen seinem Bruder und dem Falken hin und her. Was war es nur an diesem Mann, diesem Wesen, dass einen so in den Bann ziehen konnte? Die wechselnde Farbe der Seelenspiegel waren durchaus beeindruckend, zogen alle Aufmerksamkeit auf sich, man wollte dies Antlitz erhaschen und den eigenen Blick nicht mehr von ihm abwenden. Gruselig! War das alles was hinter dem befiederten Burschen steckte, die Fähigkeit seinem Gegenüber hübsche Augen zu machen. Seine eigenen genervt rollend, entriss sich der ältere Wolfsprinz der Darbietung, heilfroh darüber, dass Caspian scheinbar das Interesse Asriels weckte und er sich nicht diesem annehmen musste. Mit verschränkten Armen und hörbar schwerem Atem zog er von Dannen. Sein Vater hatte kein Interesse daran nach der Meinung seines Erben zu fragen, geschweige denn um Erlaubnis zu bitten. Ihn einfach verkauft, für seine eigenen Zwecke dem Feind zum Fraß geworden, mehr war er ihm nicht wert.

      Den Götterfels hinter sich lassend brach erneut die Hitze über den Jungen ein ohne, dass er hätte sagen können ob die feurigen Temperaturen der Sonne geschuldet oder doch der inneren Wut entbrannten. Kaum außer Hörweite machte der weißhaarige auf seinem Absatz kehrt. Gerade als man dachte, er würde zurück gehen, um Cadate an die Gurgel zu gehen blieb er bei den Moosfarbenen Glubschern Caspians hängen. "Wie kann er es wagen!" Tobte der zweijährige Wolf, raste auf einer Stelle auf und ab, von links nach rechts und scherte sich keinen Funken dafür, dass der Gast ihnen gefolgt war. "Erzählt uns ein Leben lang, wir seien unwürdig, halbe Götter, die nicht seines Erbes gleich kommen und jetzt?! Verkauft er uns für die politischen Zwecke!" Wort für Wort steigerte er sich in seiner Rage, brüllte beinahe das Ende des Satzes und wusste nicht wohin mit seinem entsetzen. Obwohl er es war, der heiraten sollte betrachtete Cill es nach wie vor als einen Angriff auf sie beide, so war es besser zu ertragen, zu wissen man war nicht allein in der Situation. "Und du? Stehst da einfach wie eine brave Marionette, nickst und grinst, freundlich und ruhig als hätte man dir nicht gerade eine Zukunft befohlen, dich deines freien Willens beraubt. Du kennst mich doch gar nicht und stimmst zu, dich meinen Gatten zu nennen? Nur ein Wahnsinniger würde sich dem bereit erklären!" Nicht länger den Falken ignoriert, steuerte seine ungebannte Empörung in dessen Richtung. Wieso schien denn keiner irgendwie auf die Beschlüsse der Götter zu reagieren oder sie gar zu hinterfragen. Wer waren sie, dass sie über anderer Wesen Leben bestimmten, man ihren Worten folgen musste als sei es Gesetz, wieso nur? Sein Feuerroter Blick klebte an Asriel, den silbernen Federn, dem schwarzen Haar, dass diesem bei der seichten Brise leicht ins Gesicht fiel und die Augen noch mehr zum leuchten brachten als seien sie nur zu diesem Zweck an seinem Kopf befestigt.

      Der Prinz war erbost, zu jung für die Ehe, zu aufgebracht um zu verstehen. Die Hände zu Fäusten geballt stand er da, endlich alle Worte losgeworden, die für Chaos in seinen Gedanken sorgten, auf das nur eine unheimliche Stille folgte. Was blieb noch auszusprechen oder zu denken, ihm fehlte jeglicher Einfall als wären seine Synapsen der Funktion beraubt. Leer und erschöpft von der ständigen Enttäuschung nicht gut genug zu sein, nicht das Leben leben zu dürfen, wie es einem gefiel.

      "Ich verstehe nicht woher der plötzliche Sinneswandel. Cadate ist jung, noch lange vor dem Ende seiner Herrschaft. Wieso leitet er solche Schritte in die Wege?" Ruhiger, mit einem Hauch von Zweifel in der Stimme blickte er zum Horizont während sich die Sonne in seinem Gesicht abzeichnete. Es musste einen Grund geben oder handelte es sich lediglich um eine Laune der Natur?"
      A heart's a heavy burden.

    • Wolfsprinz Caspian wirkte beschämt, als sein Bruder die abweisende Haltung gegenüber Lord Asriel einnahm und begann mit seinem Atem seinem Unmut Ausdruck zu verleihen. Es war nicht zu übersehen, auch Romans Augen mussten die Missachtung der Etikette mit anblicken. Doch waren dem alten Wolf mit dem silbernen Pelz die Pfoten gebunden. Vor Cadate dessen eigenen Sohn zurecht zu weisen, überstieg seine Befugnisse um Längen. Er betrachtete nun auch den zahmen Schüler und Lord Asriel, welcher seine Miene keinen Deut bei der Bekundung verzog. Er war erstaunt darüber, wie sehr sich Asriel zu benehmen wusste, obwohl die Verlobung auch für ihn angeblich eine Überraschung war. Wahrlich ein angemessener Nachfolger für Alae…
      Roman nickte anerkennend. Sein Gesicht behielt wohlwollende Züge, bis Cillian sich die Blöße gab und unaufgefordert die Veranstaltung verließ. Auch Caspian blickte seinem Bruder nach… Nun umso mehr beschämt von dessen kalten Verhalten und den leisen Wunsch äußernd, dass Lord Asriel wohlwollender wäre, als ihr Vater. Sein Blick wanderte zu Alae. Die Göttin missbilligte das Verhalten des zukünftigen ihres Enkels sehr mit ihren kühlen Augen. Sie warf ihren Blick auf Cadate und schüttelte den Kopf leicht. Sie blickte letztlich zu Asriel, welcher sich mit einem Nicken dem stummen Befehl annahm. Er wandte sich zu dem beschämten Prinzen und bat ihn die Augen aller zu verlassen.
      „ Sicher doch, Lord Asriel!“, sagte Caspian in hastiger Miene. Er blickte zu seinem Vater auf, dessen einzige Erwartung enttäuscht worden war. Die beiden Mischlinge verließen den Platz und traten in die Tunnel des Götterfelsen ein. Caspian sprang schon fast in die Kühle hinein, hinaus aus der Höhle des Vaters… Weg von all diesen Blicken…
      Asriel lief wesentlich bestimmter. Sein Blick lag auf dem jungen Prinzen, welcher nun wirklich nichts für die schlechte Erziehung seines Verlobten konnte, doch sie sich zu Herzen zu nehmen schien. Der Falke tart an den Prinzen heran und gab ihm ein warmes Lächeln. „ Beruhigt euch…“, sprach er. „ Euer Bruder muss schockiert sein…“
      Caspian nickte leicht. Ihm glänzte der Schweiß auf der Stirn und auch um die Nase war er leicht blass geworden. Er wollte antworten und Lächeln, doch der laute Ruf Cillians änderte dies.
      "Wie kann er es wagen!"
      Auch Asriel blickte herum und seine Augen trafen auf den wütenden Wolf. Doch jener ignorierte den Falken gänzlich und begann seine Rage an den Bruder zu richten. Caspian hatte seine Ohren an den Kopf gepresst und die Pupillen zusammen gezogen. Unter seinem Gewand bewegte sich der Schweif zwischen die Beine und seine leise Stimme kam über die Lippen, doch kam nicht gegen Cillian an.
      „ Hör auf… nicht hier…“
      Caspian stieß die Luft aus, während sein Bruder nun den Lord an ging, welcher sich noch immer unberührt darüber zeigte. Der Blick des Wolfs lag auf dem Falken, welcher nur seinen Kopf schüttelte und nicht antwortete
      Es blieb still, bis Cillian die Stimme erhob und alles hinterfragte. Asriel beobachtete seinen Verlobten stumm und nachdenklich… „ Cill…?“, die Stimme Caspians war leise und kam von direkt neben ihm. Er zuckte zusammen, sodass seine Federn sich aufstellten und ein Blick hinab offenbarte den zweiten Prinzen, welcher sich die Hand vor das Gesicht gehoben hatte. Caspian atmete schwer und warf einen suchenden Blick in die Gegend, ganz so als…
      „ Cillian?!“, er war lauter geworden und tat einen taumelnden Schritt auf seinen Bruder zu. Der Falke blickte dessen Bruder nun mit Sorge und einer leichten Verwirrung im Auge an. Jene waren wieder braun geworden, noch immer klar und weit…
      Sein Blick wanderte herum. Ein paar Wölfe waren ihre Augen auf sie, gafften die drei an! Asriel blickte zurück zu Cillian. „ Kennt ihr einen ruhigen Ort?“, fragte er umgehend.

    • Aus seiner Rage kaum zu befreien musste sich der Prinz sichtlich anstrengen seinem Bruder gedanklich zu folgen. Erst als der Lord ertönte und sich nach einem ruhigeren Ort erkundigte, begann Cillian zu nicken. Er machte kein Geheimnis aus seinen Gefühlen oder seiner Vertretungen Gegenüber des Regimes doch sein Bruder und viele andere waren nicht so rücksichtslos und naiv zu Gange. Ohne ein weiteres Wort zu verlieren leitete er den Weg, lief auf seinen beharrten Wolfsstelzen voraus in Richtung des Waldes. Das Versteck in dem er häufig seine Beeren verbarg war nur wenige hundert Meter entfernt und würde ihnen trotzdem etwas Privatsphäre verschaffen.

      An den Baumkronen des Stammes vorbei, in die Wildnis die Geräusche der Natur begrüßend blieb der Prinz schon bald an einer Lichtung stehen. Ein großer Baum erstreckte sich in Mitten der Wiese und bot mit den starken Wurzeln einige Kuhlen um Futter zu verbuddeln. Der perfekte Platz um wichtiges zu verstecken. "Kommt." Schaute Cill über seine Schulter um zu sehen ob die beiden Anhänger ihm noch folgten und da sie dies taten, hopste er weiter hinfort bis sie den Stamm erreichten. Mit einem kräftigen Satz sprang er auf den nächsten Ast, der einige Meter über ihm in der Luft ragte ehe er wieder zum nächsten hechtete. Wenn sie wirklich ungestört sein wollten, sollten sie so hoch wie möglich klettern.

      Kurz zögernd blickte der weißhaarige hinab. Der jüngere Prinz war nicht ganz so sportlich und wenn er eine helfende Hand benötigte, würde Cillian ihm diese reichen. Bei dem Lord sah es nicht anders aus, auch wenn er ihn nicht kannte so würde er ihm ebenfalls entgegen kommen doch da dieser um einiges Kräftiger aussah als sein jüngerer Stammesvertreter, ging er nicht davon aus ihm unter die Arme greifen zu müssen. Sprung für Sprung, Satz für Satz gewann der Jungspund an Metern und beschloss beinahe an der Spitze angekommen nun doch seinen Verfolgern zu helfen. Caspian, der schon zu klagen begann, ob die Höhe nicht schon ausreichend war, wurde als erster hinauf gezogen. Als dieser sicher auf dem Ast geparkt wurde reichte Cillian dem Lord die Hand um ihm Halt zu bieten. Erst in dem Moment kam es dem Wolf in den Sinn das offensichtliche zu erfragen. "Ihr fliegt nicht?" Kam ungefiltert über deine Lippen, ganz und gar nicht despektierlich gemeint, sondern eher neugierig legten sich auch die Ohren, die noch immer nicht verdeckt waren, aufgeregt auf die Lauer. Es wäre ja kein Beinbruch nicht über diese Fähigkeit zu verfügen, schließlich lief Cillian selbst ebenfalls auf zwei statt auf vier Pfoten und war somit um einiges langsamer als seine reinblütigen Freunde.

      Oben angelangt genoss er für einen Moment die Aussicht. Das lange Haar wehte im Wind und mit geschlossenen Augen nahm er einen tiefen Atemzug ein. Das Klettern bereitete ihm einen großen Spaß, da man dabei die schönsten Ausblicke genießen konnte und ein Gefühl von Freiheit sich in einem breit machte. Niemand, der einem folgte oder ständig seine Augen auf ihn gerichtet hatte. Einfach ein Moment ungestört zu sein, eins mit der Natur und all ihren schönen Eindrücken. Erst jetzt wandte er seine Aufmerksamkeit wieder zu den beiden, denn diesmal war er nicht allein. "Ihr wolltet einen ruhigen Ort, da habt ihr ihn." Nickten die roten Augen in die immer wechselnden Farben des gefiederten Mannes. Was wollte er ihnen mitteilen?
      A heart's a heavy burden.

    • Wolfsprinz Caspian folgte seinem Bruder mit unsicherem Schritt. Sein Gewand schliff durch das aufkommende Gras und während Cillians Schritte schneller wurden, versuchte der Jüngere mit ihm schritt zu halten. Es fiel ihm sichtlich schwerer, je weiter sie kamen. Das Schlusslicht bildete Lord Asriel, aufmerksam seine Augen auf die Wölfe gerichtet, die begannen wieder ihrem eigenen Geschäft nachzugehen. Die Wiese wandelte sich in Büsche, die zwischen den Bäumen das Unterholz bildeten und raschelten, als die beiden Wölfe und der Falke Jene streiften.
      Caspian ahnte, wo ihr Bruder sie hinführte. Der Ältere glaubte dieser Platz war sein Geheimnis, doch noch als sie Kinder waren, verbrachten sie einiges an gemeinsamer Zeit hier im Gestrüpp und in den Ästen… Doch sie zogen weiter an der Gabelung, wo sie eigentlich hätte vom Wege ab gemusst. Der Wald lichtete sich vor ihnen. Die Bäume öffneten sich und gaben den Blick auf eine große Wiese frei. Hier blühten noch ein paar Blumen, verschont von den kalten Händen der Wölfe, die jene als Dekoration gesammelt hatten. Caspian bewunderte den hohen Baum, der die Lichtung einnahm und fast gänzlich in Schatten tauchte.
      „ Kommt!“, forderte sein Bruder die beiden auf, die für einen Moment inne hielten und das Spiel des Waldes bewunderten. Die zarten Federn des Lords tanzten in der sanften Briese. Sein Blick traf den Caspians, welcher entschuldigend lächelte und sich wieder in Bewegung setzte. Cillian setzte auf eine große Wurzel und von dieser in das Geäst des Baumes hinauf. Der jüngere Wolf schluckte schweren Herzens. Er kletterte selbst hinauf, nahm tief Luft und überwand die erste Hürde hinauf. Hinter ihm zischte es leise. Auch Lord Asriel war in das Geäst gesprungen und hatte als ersten Landepunkt einen anderen Ast als die Wölfe gewählt.
      Cillian blickte nach seinem nächsten Satz zu Caspian hinab, welcher sich langsam die Äste hinauf zog. Und obwohl es Asriel nicht an Kraft fehlte, tat er sich sichtlich schwer damit die Äste zu erklimmen, ganz als sei die gar nicht seine natürliche Fortbewegungsart.
      „ Warte Cillian!“, rief Caspian im das Rauschen der Blätter hinauf. Er keuchte schwer und verlor fast den Halt an seinem Ast. Als er seine Sicherheit wieder hatte, blickte er hinab. „ Sind wir nicht schon hoch genug?“ ihm war es sichtlich zu wider in diesen Baum zu klettern! Es machte keinen Sinn für ihn, dass Wölfe kletterten! Cillian kam ihm entgegen, was Caspian letztlich die letzten Meter schaffen ließ. Als der Bruder oben war, reichte er auch dem Lord die Hand. Jener nahm sie tatsächlich an und ließ sich den letzten Ast hinauf helfen. Die Frage, warum er nicht flog, ließ ihn erst fragend drein blicken und letztlich auf seinen Rücken, wo die Schwingen fehlten, die man von seinem Volk kannte.
      „ Das wäre euch gegenüber nicht fair…“, antwortete er allerdings nur.
      Lord Asriel ließ sich neben Caspian nieder, der einen Ast fest im Griff hielt. Er rammte seine Krallen in die Rinde des Baumes und wagte nur zaghafte Blick über die Landschaft. Der Lord neben ihm hingegen genoss die Aussicht ein wenig. Obwohl er sicherlich anderes gewöhnt war.
      Der Gedanke später wieder hinab klettern zu müssen graulte Caspian schon jetzt! Sein Atem ging noch immer schwer und der Schweiß stand auf seiner Stirn. Er hätte den Boden bevorzugt!
      Asriel lachte schwach und nickte nur. Das war nicht, was er im Sinn gehabt hatte. Eigentlich hatte er ihn für den anderen Prinzen gewollt.
      „ Euer Bruder scheint diese Ruhe nicht zu schätzen…“, er deutete auf den zitternden Prinzen und lächelte schief. Caspian hörte den beiden gar nicht zu. Asriel wippte leicht mit seinen beklauten Füßen und warf seinen Blick wieder in die Ferne. „ Diese ehe ist euch sehr zu wieder, Prinz Cillian, nicht wahr?“, fragte er. Seine Augen wurden wieder heller.

    • Ein verwirrter Blick glitt zu seinem ängstlichen Bruder hinüber. Dass dieser mit der Höhe zu kämpfen hatte tangierte ihn Recht wenig, da Caspian in seinen Augen häufig zu ängstlich war. "Er hat zu oft mit der Furcht zu kämpfen." Gab er ruhig und gelassen von sich und sprang ohne sich festzuhalten auf den Ast an den der jüngere sich kläglich klammerte. "Du fällst nicht." Beugte er sich zu ihm hinunter, ergriff dabei das Kinn des jungen Mannes um es mit dem Zeigefinger in die Ferne zu drehen, raus zum Horizont. "Sieh hin, wunderschön findest du nicht?" Ermutigte er Caspian seinen grünen Blick auf die Aussicht fallen zu lassen und sich von den Ängsten in seinem Kopf zu lösen. Sich aufrichtend stemmte er die Hände schließlich in seine Seiten ebenfalls wieder der Natur zugewandt. "Diese Lichtung erinnert mich immer zu an dich und deine Moosgrünen Augen. So hell und strahlend wie die Wiesen unter uns."

      Die weiteren Worte des Falken vernahm er ohne den Blick wieder auf diesen zu richten. "Nehmt es mir nicht übel aber ich würde vermutlich jegliche Vorschläge aus den Kreisen meines Vaters verurteilen. Zudem..." Nun wandte er sich doch dem Lord zu, sprang dafür rückwärts auf seinen ursprünglichen Ast zurück und lehnte gegen den Stamm. Von oben nach unten musterte Cill den Mann vor sich. "Seid ihr mir fremd noch dazu ein Lord eines anderen Stammes. Politische Bündnisse erwecken nicht wirklich mein Interesse. Es ist nur ein weiterer Versuch Cadates uns seine Überlegenheit aufzuzwingen. Ich habe nicht vor das Erbe des Stammes anzutreten, das ist nun wirklich kein Geheimnis. Caspian sollte euer zukünftiger sein, nicht ich. Er war schon immer der klügere, gewillt der Verantwortung Folge zu leisten - ein wahrer Prinz eben. Ihn auf seinen Körper zu reduzieren und ihm deswegen den Thron abzusprechen ist einfach nur hirnrissig." Mit verschränkten armen vor der Brust drehte der Kopf sich nachdenklich zur Seite, erneut den Horizont suchend als würden die Antworten seiner Fragen, seine Freiheit irgendwo da draußen liegen und auf ihn warten. Die Ungerechtigkeit, die sein Bruder aufgrund der fehlenden körperlichen Überlegenheit erlebte war alles andere als Fair. Caspian wollte gehorchen, ein braver Anhänger der Götter, der derer Respekt erwies ganz anders als Cillian, der nicht weit genug flüchten konnte vor all dem.

      "Ich will da draußen sein und tatsächlich etwas tun. Nicht nur auf wichtigen Treffen mein Gesicht blicken lassen, mich mit Blumen und Feinkost begnügen und über die Köpfe ander hinweg Gesetze aussprechen. Das ist nicht meine Welt. Ihr etwa?" Etwas vorwurfsvoll stellte er die selbe Frage zurück. Das Bild eines Adligen war in den roten Augen des Prinzen vielleicht verfälscht, stellte nur eine Seite des Messers schneide da, doch es entsprach seiner Wahrheit, dem womit er aufgewachsen war. "Ich verstehe nur nicht wieso jetzt woher rührt der Sinneswandel. Wieso will er uns so plötzlich vermählen. Hinterfragt ihr diesen Zug den gar nicht?" Cillian konnte es noch immer nicht fassen, all das ergab für ihn keinen Sinn. Es musste einen Grund geben, verschwieg ihm der Falke etwas? Wusste er mehr als die beiden Wölfe oder waren sie selbst die jenigen, die etwas übersahen?
      A heart's a heavy burden.

    • Der herbe Duft der Rinde lag in Caspians Nase. Er gab ihm Sicherheit, solange jener stark war, ging er noch an diesem Ast, sicher in einer Höhe, in die kein Wolf gehörte! Auf seinem Schweif saß der junge Wolfsprinz gerade, doch trotz des Gewichtes war jener ängstlich unter seiner Robe zwischen den pelzigen Beinen eingeklemmt. Seine Ohren drückte noch immer fest an den Kopf. Doch nicht aus Scham davor, dass jemand ihn als Halbblut schimpfte, sondern auch aus Angst. Alles an ihm schrie, wie ungern er auf diesem Baum war…
      Lord Asriel betrachtete die Brüder und fragte sich, ob sie tatsächlich so miteinander umgehen sollten. Cillian sprang zu dem Jüngeren und zwang jenen dazu sein Gesicht von der Rinde zu nehmen und auf den Horizont zu richten. Er ermutigte ihn mit leichter Gewalt dazu etwas zu genießen, dass der andere vermutlich gar nicht sehen wollte. Die Pupillen des Wolfs zogen sich zusammen und er schüttelte in dem Griff seinen Kopf leicht. „ Nein!“, japste er leise und wollte sich wieder an den Ast drücken. Er bekam seinen Willen auch, als Cillian sich wieder aufrichtete und darüber sprach, wie sehr ihn diese Lichtung an seinen Bruder erinnerte. Caspian hob nun doch seinen Blick und sah hinab. Tatsächlich war die Wiese ebenso grün wie die Augen des Wolfes. Kräftig und satt…
      Lord Asriel betrachtete den Jüngeren der Prinzen noch etwas, ehe er den Älteren an sah. Obwohl er von kleiner Statur war, bemerkte man, dass er durchaus kräftig gebaut war und dem Falken in gewissen Disziplinen vermutlich überlegen war. Sein Haar war lang und durch den Wind ungezähmt, dazwischen erkannte man die gräulichem Ohren. Aufrecht und stolz. So sprach er auch, als er die Frage beantwortete. Während Caspian versuchte seinem Vater zu gefallen, boykottierte Cillian alles, was jener ihm vor die Füße warf. Cadate war wirklich nicht gesegnet mit seinen Söhnen… Aber war Alae es gewesen? Ihre Tochter war auch ein Freigeist gewesen, doch der Mutter immer treu, bis sie den Vater Asriels getroffen hatte und auf einmal etwas anderes wichtig war, als die nächste Göttin zu werden. Alae hatte ihrem Enkel einst erklärt, dass sie die Tochter nie gehasst hatte. Ihre Handlungen sie aber verletzt hatten, weil sie ihrer Mutter nicht vertraut hatte…
      Als Cillian von seinem Bruder sprach blickte der Falke zu dem jungen Wolf, der noch immer mutig gen Horizont blickte. Der Ältere wusste es also? Asriel zog seinen Augenbraue interessiert hoch, sodass seine Augen funkelten. „ Ihr wisst also, dass euer Bruder niemals der nächste Gott wird…“, fragte er, hoffend das Cillian den Grund wusste. Caspian hörte die beiden nicht. Das Rauschen war zu stark in den feinen Ohren des Wolfes.
      Als er sprach wie ein neugieriges Kind, dass die Welt noch nicht kannte, musste Asriel lachen. „ Ich kenne die Welt…“, entgegnete er amüsiert. „… Es gibt tatsächlich vieles zu sehen. Die Welt ist voller Abenteuer und interessanter Begegnungen!“ er bestätigte den jungen Wolf. Auch Asriel selbst hatte die Welt erkunden wollen. Zwar hatte er es nie nach freier Schnauze gemacht, sondern immer unter Alaes Fittichen, aber er hatte wohl mehr gesehen, als Cadates Sprösslinge.
      Als Cillian den Zug der beiden Götter hinterfragte, zuckte er nur mit den Schultern. „ Ich weiß es nicht…“, antwortete er ehrlich und seufzte leise.
      „ Ihr scheint mir zu Misstrauen, Prinz Cillian…“, stellte er dann fest. „… meine weise Mutter hat mich nicht in die Pläne Cadates eingeweiht. Ich weiß nur so viel, dass es sein Wunsch war uns jetzt zu vermählen…“ Alae hatte warten wollen. Sie wollte, dass Cadates Kinder älter waren und auch Asriel mehr Erfahrung hatte. Doch das Drängen des Wolfsgottes hatte sie letztlich weich werden lassen.

    • Noch immer mit verschränkten Armen vor der Brust schaute Cillian zu seinem jüngeren Bruder, und musterte ihn. Sie ähnelten sich so sehr, waren eindeutig aus einem Gesicht geschnitten auch wenn die Züge Caspian's um einiges weicher waren als die Kanten des älteren, war ihnen ihre Verwandtschaft anzusehen. Die Augenfarben der beiden der größte Kontrast zu ihren hellen Hauttönen entsprach dem auffälligsten Gegensatz der beiden abgesehen von ihren Charakterzügen. Genau wie Rot und Grün, Feuer und Erde konnten sie sich im selben Rudel nicht unterschiedlicher entwickelt haben, als es nun der Fall war. In Gedanken versunken, den Ausdruck leicht betrübt wandte er sich endlich von ihm ab wobei ihm ein leises seufzen entwich und die Hände zu seinen Seiten sanken. "Es ist nicht gern gesehen, wenn der älteste sein Erbe an den jüngeren abtreten mag - eine Respektlosigkeit, die Cadate nicht dulden würde. Zudem verfügt Caspian über den nötigen Grips eines herrschenden Gottes aber nicht über die Stärke und Durchsetzungskraft. Er wäre eben...der perfekte Berater, die rechte Hand, das Hirn das hinter den Entscheidungen des Gottes aber selbst nicht im Rampenlicht steht." Die Traue in der Stimmlage war kaum überhörbar. Nicht nur für sich selbst, sondern auch für seinen Bruder hätte sich Cillian es gewünscht. Caspian war steht's bemüht, eifrig seinem Vater zu gefallen und der Rolle des Gottesabkömmling zu entsprechen aus ihm wäre ein guter Gott geworden, da war er sich sicher doch so zerbrechlich wie er war wäre es seinen Feinden ein leichtes ihn vom Thron zu reißen geschweige denn vom Ansehen und Respekt der anderen Götter. Selbst Cill galt in dem Mindset seines Vaters als niederträchtige Ameise und dass obwohl er so ziemlich jede körperliche Auseinandersetzung im Rudel gewann - der einzige Grund warum er trotzt seiner vorlauten und impulsiven Art einen Funken Respekt seiner Stammesvertreter erntete.

      "Ich will kein Thronerbe sein und Cadate will Caspian nicht auf seinem Thron. Den Göttern nochmal mich will er genauso wenig als Nachfolgen. Ich bin seiner Meinung nach lediglich das kleinere Übel wobei ich mir selbst da nicht sicher wäre, wenn Caspian wenige Momente vor mir geboren wäre. Wer will schon einen Thron, den er nicht verdient und nur aus der Pflicht heraus überlassen bekommt?" Ohne darüber nachzudenken, mit wem er diese Worte teilte, ließ Cillian diesen freien Lauf. Hörte der jüngste überhaupt zu und konnte der Lord im folgen oder sprach er nur wieder Mal unsinnig vor sich hin?

      Als seine pelzigen Ohren die Worte des Falken erklingen hörten, wurde der angehende Thronerbe hellhörig. Er war da draußen, hatte die Welt gesehen und teilte dies mit als wäre es keinerlei Besonderheit. Aufgeregt begann der Schweif des Prinzen zu wedeln machte nun einen Satz auf den Ast von Asriel um sich diesem bis auf wenige Zentimeter zu nähern. Der Duft des Vogels schoss ihm sofort entgegen, ein angenehm sanfter Geruch, der für weniger geschulte Nasen als die eines Wolfes vermutlich kaum wahrzunehmen war. Die roten Augen weit aufgerissen, mit einem Funkeln versehen blickte er in die Seelenspiegel des Lords in der Hoffnung alles erlebte und gesehene teilen zu können. Einen Moment lang mit ihm die Gedankenwelt tauschen zu können um einen Eindruck in dessen Leben zu erhaschen, was es zu bedeuten hatte zu reisen und nicht im Schatten zu stehen doch natürlich war dies dem Wolf nicht möglich. So ungezogen wie er sich dem Erben Alaes näherte wartete Cill nur darauf, dass der gehorsame Prinz, der verträumt auf den Horizont fokussiert war, ihn zurecht weisen würde, gar Protest von Asriel würde ihn nicht überraschen aber den größeren so nah zu betrachten, ihn mit beinahe allen Sinnen aufzunehmen ließ den weißhaarigen in dieser Position verharren. "Ihr habt faszinierende Augen." Kam so leise über die Lippen des Wolfes, dass es der Falke gerade so hören konnte ehe sich ein freches Lächeln auf die Mundwinkel Cillians schlich. "Verratet ihr mir das Geheimnis hinter den wechselnden Farben?" Noch immer sehr leise gesprochen wobei viel Volumen bei ihrer geringen Distanz überflüssig gewesen wäre.

      "Ihr sollt dem Lord unser Land zeigen und nicht auf Bäumen klettern." Fauchte eine weibliche Stimme unter ihren Füßen hervor. Kaum unter dem Gestrüpp wahrnehmbar kam das gräuliche Fell von Riva zum Vorschein. Eine der wenigen Wölfe, die Cillian tatsächlich als Freund bezeichnen würde. Sie klang genervt aber in ihrer Melodie war ebenfalls ein Hauch von Freude zu vernehmen. Die Wölfin schien amüsiert von dem Anblick zu sein, vermutlich weil der ältere Prinz seinen eigenen Kopf durchsetzte und sogar Caspian auf den prächtigen Stamm des Baumes hoch gejagt hatte. Kopfschüttelnd öffnete sie erneut das Maul. "Verzeiht die Störung aber ich muss dringend mit euch sprechen Cillian - unter vier Ohren." Wieder wanderte ihr Augenmerk auf die Begleiter. Der höfliche Umgang, die Art wie sie zum Erben sprach war anders als gewöhnlich, um einiges formeller als Cill es von Riva gewohnt war. Lag es an der Anwesenheit der beiden anderen oder gab es Grund zur Sorge?

      Ein letztes Mal blickte der Prinz in das Antlitz Asriels. "Entschuldigt bitte." weiterhin erfreut lächelnd bis er schließlich der Wölfin unter sich Aufmerksamkeit schenkte und mit einem großen Satz von ganz oben hinunter sprang. Auf allen Vieren gelandet, hätte man nicht vermutet, dass der Wolf nur zwei Pfoten hatte, so elegant er den Boden berührte doch weiter sich von der Eiche zu entfernen hatte er nicht vor all zu unhöflich wollte er dann doch nicht sein. "Was gibt's?" Richtete er sich auf zwei Beinen auf und streckte sich ein wenig. "Hier ist nicht der angemessene Ort." Begann sie zu flüstern. Unverständlich diskutierten die beiden hin und her. Er darüber, dass er nicht gehen wollte während Riva betonte es sei eine private Angelegenheit.

      "Ich kenne den Grund für den Sinneswandel!" Erhob die temperamentvolle Dame schließlich ihre Stimme und blickte sofort beschämt zu Boden. Schlimm genug, dass sie vor dem Prinzen laut wurde aber auch noch Zuschauer dabei gehabt zu haben war das höchste Maß. "Verzeiht." Murmelte sie verlegen doch Cillian schenkte dem Vorfall keinerlei Aufmerksamkeit und erkundigte sich lieber mit ernster Miene nach dem Hintergrund ihrer Worte. Dass sie nun die Aufmerksamkeit aller anwesenden hatte war ihr mehr als bewusst, unangenehm sogar, wollte Riva doch nur ihren Freund warnen, dessen Vermählung sie nicht einfach tatenlos dulden wollte. "Spuck es aus!" Brummte er ihr entgegen und verlangte sogleich eine Antwort, die er widerwillig bekam. "Unter einer Tatze voll Wölfen geht das Gerücht herum, dass Cadate markiert sei." ein leiser Hauch der die Worte nicht fest auszusprechen wagte aber trotzdem einen wichtigen Hinweis ergänzte. "Der Ursprung des Gerüchts kommt aus dem inneren Kreis." Wenn an diesen Worten etwas wahres steckte ergäbe so vieles plötzlich einen Sinn...
      A heart's a heavy burden.

    • Zur Mittagsstunde tauchte die Sonne das Land der Argenti stets in ein goldenes Licht. Die Nistplätze der Vögel fanden sich unter einem wolkenlosen Himmel, durch welchen die ungestümen Kücken tobten, die gerade die Macht ihrer Federn kennenlernten. Es war vor nicht allzu langer Zeit gewesen, als Lord Asriel neben seiner weisen Mutter stand. Ihr Blick lag auf den wohl behüteten Ländereien, als sie ihrem Enkel die frohe Kunde brachte.
      „ Cadate bat um deine Hand, für seinen ältesten Sohn und Nachfolger…“, sprach sie in ruhiger Miene. Sie wandte sich dabei nicht um. Sie musste es auch nicht umzu wissen, dass Asriel diese Nachricht ein wenig überraschte. „ … Ich habe entschieden, dass die Zeit reif ist, dass ihr beide den Bund der Ehe schließt.“ Dem Falkenprinz war schon vor Ewigkeiten zu Ohren gekommen, dass seine Großmutter Pläne schmiedete. Doch die Alte Göttin war für gewöhnlich bedacht und stellte ihren Enkel nur selten vor vollendete Tatsachen. Meist hörte sie seine Gedanken zu ihren Entscheidungen an, unterwies ihn darin ebenfalls ein guter Gott zu werden…
      Sein Blick wanderte in die Ferne. Hinaus über die Baumkronen des Waldes bis hin zu den Bergen am Horizont. Neben sich ertönte noch immer der schwer gehende Atem des jüngeren Prinzen. Auf dem jüngeren der Wölfe hatte Asriel für sorglich ein Ohr gerichtet. Die Prinzen sahen sich ähnlicher, als man vielleicht erwarten würde. Beide besaßen dass erstaunliche weiße Haar, welches dem Pelz ihres Vaters ähnelte. Definitiv seine Kinder, dachte Asriel leise.
      Cillian seufzte leise und begann seine nächste Tirade darüber, dass Caspian den Thron bekommen sollte. Doch in den Worten des Bruders lag Wahrheit. Caspian war nicht so stark und dominant, wie der Wolfgott es sein müsste… da tat es auch nichts zur Sache, dass er intelligent und diplomatisch war. Ihm würde im Ernstfall keiner Gehör schenken.
      Cillian klang traurig über diese Tatsache. Es würde ihn wohl noch trauriger machen, zu wissen das auch Caspian keine Wahl hatte. Vielleicht träumte der ältere tief in seinem Herzen davon einmal gemeinsam mit seinem Bruder über die Wölfe zu herrschen. Doch auch der jüngere der Prinzen wäre bald jemandes versprochener Gemahl und die Brüder würden sich lange Zeit nicht sehen.
      Asriel musste schmunzeln, als der den Blick des jüngeren Bruders bemerkte. Jener blickte zu den beiden herüber. Wissend und abgeklärt. Der junge Wolfsprinz schluckte schwer. Ihm war bewusst, dass er seine Heimat eines Tages hinter sich lassen würde. Irgendeines zukünftigen Gottes Gemahl würde er sein, doch im Gegensatz zu Cillian hatte er kein Recht auf seine Heimat.
      Der nachdenkliche Lord zuckte zurück, als der Prinz nach seinen nebenher gesagten Worten plötzlich vor ihm stand. Der Junge war flink auf seinen Beinen, wie ein Falke am Himmel es war. Schon stand er auf dem Ast und blickte in die nun dunkler werdenden Augen Asriels. Sein Schweif peitschte aufgeregt hin und her, während seine interessierten Augen nur so vor Faszination glommen. Doch etwas überfallen, lehnte Asriel sich ein Stück zurück und zwang sich ein leichtes Lächeln auf. Caspians räuspern ertönte hinter den beiden Vermählten. Der junge Prinz funkelte seinen Bruder an und schüttelte den Kopf über dessen ungezogenes Verhalten gegenüber dem hohen Gast. Allein jenen auf den Baum zu zwingen war schon zu viel gewesen, doch nun so aufdringlich zu werden?!
      Asriels Blick blieb unverändert, als Cillian ihm ein Kompliment machte und sich ein Grinsen erlaubte. Ihm kam kein Wort über die Lippen , während er die Augenbrauen zusammen zog und um Abstand bitten wollte. Doch diese höfliche Geste wurde von einer lauten Stimme unterbrochen. Ein lautes Fauchen drang durch die Äste zu ihnen rauf. Bald schon entdeckte Asriel die graue Wölfin, die die Prinzen schon vor ihm an ihrer Stimme identifiziert hatten. Als sie um eine Audienz bei dem Älteren der Brüder bat, trafen sich die Blicke des Lords und des Prinzen für einen Moment. Ein durchaus empörter kam vom ersteren aus. Doch Asriel beließ es bei der stummen Missbilligung. Auch das Lächeln des Prinzen und dessen Entschuldigung akzeptierte er nicht. Sein Blick glitt dem Prinzen nah , während er hinab setzte. Ihm lag nichts daran sich mit Cillian zu streiten. Dem Prinzen missfiel die Position in welcher sie sich befanden ohnehin schon…
      Unter den Ästen, im Schatten des hohen Baumes war es unruhig. Der Falke horchte, wie die beiden sich über etwas stritten, doch genau verstehen konnte er es nicht. Sein Blick glitt zu Caspian, welcher ebenfalls hinab sah. Asriel räusperte sich. „ Wir sollten ebenfalls hinab!“, sagte er. Dieser Baum war wahrlich kein Platz für den jüngeren Prinzen. Jener nickte. „ Entschuldigt bitte meinen Bruder, ich bin sicher er wird seine Taten über denken…“ Der Falke sah den jüngeren Prinzen an und nickte nur. Er erhob sich unterdessen von dem Ast, streckte die Arme gen Süden und Norden ab und schloss seine Augen. Caspian blieb der Atem fern, als er beobachten durfte, wie die blasse Haut sich auf tat und silbernen Federn wich. Im fahlen Schein der Sonne zog Asriel seine Schwingen wieder an sich heran und blickte Caspian an. Seine Augen waren nun gänzlich in ein warmes Gold getaucht. Die silbernen Schwingen schmiegten sich an den schlanken Körper. Beim Anblick des hohen Besuches in dieser Gestalt wurde dem Prinzen warm ums Herz. Asriel lächelte leicht, ehe er seine Stimme erhob. „ Kommt…“, sagte er und streckte Caspian seine Schwinge zu. „ … Ihr müsst nicht wieder hinab klettern!“
      Noch immer vom Anblick eingenommen, zögerte Caspian. Von seinem Ast ablassend, streckte er die Klauen nach dem Gefieder aus. Ehe er es sich versah, hatte Asriel sie beide in die Lüfte befördert. Der Prinz hielt sich fest am Körper des Lords, welcher in Schwindel erregende Höhen vorstieß. Man musste nur den Flug betrachten und erkennen, dass Asriel Vergnügen darin fand. Schnell allerdings stabilisierte er sich, sodass des Wolfsprinz zartes Herz nicht noch mehr in Schock versetzt wurde. Asriel zog eine Runde, ehe er langsam auf die Lichtung steuerte und sanft im Gras landete. Die Wölfin und sein zukünftiger Gemahl mussten es sehen können.
      „ Wir sind unten…!“, sprach er zu Caspian, der sich noch immer fest hielt. Der Prinz öffnete zögerlich seine Augen. Er hing auf dem Rücken des Lords, seine Hinterbeine offenbart um dessen Hüfte geschlungen und den Kopf in dessen Nacken vergraben. Vorsichtig rutschte er hinab auf das Gras. Er richtete schnell seine Kleidung und nahm Abstand zum Verlobten des Bruders.
      „ Danke…“, sagte er und neigte respektvoll ein Kopf. Asriel hatte einen Flügel angehoben und damit sein amüsiertes Lachen verdeckt. Caspian besaß alle mal nicht die Ausstrahlung eines Gottes. Aber dennoch war er freundlich und durchaus interessant…

    • Die Worte der Wolfsdame klingelten in den pelzigen Ohren des Prinzen, der mit einem Mal ganz still wurde. Das Rascheln der Blätter über ihn erweckte stattdessen seine Aufmerksamkeit und geistesabwesend beobachtete er die beiden adligen Halbwesen bei ihrem Flug bis sie schließlich elegant zu Boden kamen. Naja...zumindest der Lord schien eine grazile Landung hinzulegen, Caspian hingehen zitterte an den Pfoten, die ängstlich die Erde unter sich suchten und abtasteten. Schön zu sehen wie gut die beiden sich scheinbar verstanden, ein paar wie füreinander geschaffen - wieso konnte Caspian nicht sein Auserwählter sein, wenn sie sich ohne hin ähnlicher waren? Ohne eine Reaktion zu zeigen blieben seine Seelenspiegel weiterhin an den beiden kleben, lediglich Riva zeigte ein angemessenes Benehmen und verneigte sich vor den beiden. Ihr Augenmerk ruhte auf dem Falken, der seine Federn vors Gesicht hielt und sichtlich amüsiert war. Auch wenn sie sich beugte um ihren Respekt zu erweisen, so zeigten ihre Züge doch ihr Misstrauen dem Lord Gegenüber. Die Wölfin wusste schon immer, dass dieser Tag kommen würde, Cillian als auch Caspian versprochen werden sollten aber so früh hatte wohl keiner damit gerechnet. Sie wollte nicht wahr haben, dass ihre Zeit mit dem rebellischen und amüsanten Prinzen nun ein Ende nehmen sollte vor allem weil er immer einen besonderen Platz in ihrem Herzen hatte.

      Seufzend zeigte Cillian die erste Regung seit er die Neuigkeiten erfahren hatte. Ein dummes Gerücht, dessen Nachgang es gar nicht wert war aber wenn nun doch etwas wahres dran war...
      So viele Indizien sprachen dafür, ließen Zweifel in dem jungen Nachkömmling aufkommen, denn wenn dem so war musste gehandelt werden. Dann gab es vielleicht eine Lösung für all ihre Probleme. Cillian müsste das Erbe nicht antreten und Lord Asriel müsste den Wolf nicht zum Gatten nehmen, wenn dies die Ansichten Cadates waren. "Pack deine Sachen Bruder - Wir gehen auf Reisen!" Gab er motiviert bekannt ohne die Quellen der Aussage zu prüfen. Das war die Chance, die er sich lange herbei gesehnt hatte und er würde keine Sekunde zögern sie zu nutzen, selbst wenn es hieße den Lord im Schlepptau zu haben. "Mo-moomentchen Mal! Du kannst doch nicht einfach...was...Was ist das bitte für eine Reaktion?" Fauchte es aus dem gräulichen Vierbeiner. Was hatte der Halbgott denn nun schon wieder für eine Schnapsidee? Grinsend bekam sie die Antwort des Prinzen direkt ins Gesicht gehaucht. Die Euphorie war ihm anzusehen als ihm das einzig kleine Wort über die Lippen glitt. "Lurao." Mit geweiteten Augen funkelte er Riva entgegen, die sofort verstand wieso er die Stadt ansprach. Sie lang am äußersten Rand von Choupessa, bildete die Grenze zum angrenzenden Meer und dessen Bewohnern und sollte laut einer alten Legende der einzige Ort sein der die Zinnoberblume beherbergte. "Das kann nicht dein Ernst sein. Es ist eine uralte Legende! Kein Lebewesen hat die Blume jemals gesichtet." "Falsch, kein Lebewesen, dass ihr kennt." "Du hast vollkommen den Verstand verloren, das ist euer Todesurteil. Ihr wart noch nie außerhalb der Landesgrenzen der Alcanes unterwegs und nun direkt auf das verwunschene Land zuzusteuern... Ich...Ihr wisst doch nicht Mal ob es wahr ist!" Versuchte sie verzweifelt den Burschen zu Vernunft zu bringen doch dieser ließ sich nur schwer von seiner Meinung abbringen. "Zu erfahren ob es sich tatsächlich nur um ein Gerücht handelt wird ein einfaches sein herauszufinden." Lächelnd wandte er sich seinem Bruder und dem Falken zu ehe er seinen Oberkörper zur Verneigung senkte und auf dem Absatz kehrt machte. "Wohin gehst du!?" Panik machte sich in der Stimmlage der Frau breit, die nur noch mit weit aufgerissen Augen dem wahnsinnig gewordenen Prinzen hinterher sah. Ohne sich umzudrehen hob dieser einen Arm in die Luft während er stolz zurück marschierte. "Ich frage Cadate ob es wahr ist." Nun blickte er doch für einen Moment über seine Schulter, ein breites Grinsen zierte seine Mundwinkel und ein Funkeln in den Augen war zu vernehmen. Ihm war bewusst, dass er vermutlich seinen Kopf bei der Aktion verlieren würde aber das war ihm wie immer egal. Was hatte er schon zu verlieren - Den Thron, den er nicht wollte? "Cill!! Prinz Caspian ich flehe Sie an bringen Sie ihren Bruder zu Vernunft!" Fiel sie auf ihre Vorderpfoten dem Prinzen direkt vor dessen Pfoten in der Hoffnung den Erben irgendwie stoppen zu können.
      A heart's a heavy burden.

    • Die klauen Asriels streiften sanft über das Gras, ehe sich jene mit dem vollen Gewicht in sie betteten. Die zuvor gebreiteten Flügel zogen in schlichter Manie zurück an den Körper heran und versteckte hinter dem silbernen Gefieder seinen windigen Körper. Prinz Caspian löste nun langsam seinen Griff und ließ sich hinab gleiten auf das Grün. Gleich seinen Augen erstrahlte es in gänzlicher Pracht des späten Sommers. Satt und kräftig, ein Gaumenschmauß für alle, die diese Nahrung dem Fleisch vorzogen. Asriel amüsierte sich über die noch immer zaghafte Art des jüngeren Prinzen. Der Lord wollte gar nicht abstreiten, dass jene gut zu dem Wolf passte. Die Art wie er sich ohne aufzufallen durch die Menge zu bewegen wusste und falls trotzdem ein Blick ihn traf er immer demütig gegenüber jenem erschien.
      Asriel trat hinter Caspian an dessen Bruder und die Wölfin mit dem grauen Pelz heran. Jene erntete trotz ihres nun angemessenen Verhaltens einen abfälligen Blick des Falken. Ihm missfiel es, dass jemand ihm die kostbaren ersten Stunden mit seiner zukünftigen Gemahl zerstört hatte und das offensichtlich sogar mit Absicht. Sie misstrauten einander offensichtlich, was Asriel nur umso mehr amüsierte. Erneut verdeckte er das Lächeln mit seiner Schwinge und ließ nur seinen goldenen Augen sprechen. Nun im schattigen Platz unter den weiten Ästen des Baumes wirkten sie weniger imposant, als wenn die Sonne sich ihrer direkt annahm.
      Eine laue Briese griff Pelz und Haar. Sodass Asriel seine schwarzen Strähnen vor den Augen tanzten. Im wechselnden Licht schimmerte das Silber zwischen ihnen stärker. Er blickte von der Wölfin auf zu seinem Verlobten, der so eben seinen Willen auf Reisen zu gehen verkündete und auch seinen Bruder mit hinein zu ziehen gedachte. Der Lord senkte seine Schwinge ab und würdigte nun keinen mehr eines Blickes, bis auf Cillian. Erst als die Wölfin sich ungefragt zu Wort meldete, zuckte Asriel empört. Doch er verbleib still und betrachtete das Spiel der Wölfe. Wie sie einander Informationen in dieselbigen ihren gaben und … erneut erhob die Wölfin ihre laute Stimme.
      „ Das kann nicht dein Ernst sein. Es ist eine uralte Legende! Kein Lebewesen hat die Blume jemals gesichtet!“, fauchte sie aus. Je mehr Worte über ihre Lippen kamen, desto unsympathischer wurde sie dem Falken. Ihm war gleich, wie die beiden miteinander um gingen, wenn sie unter sich waren, aber dieses Verhalten vor einem anderen Dritten?!
      Und so schnell wie Cillian sie abgewimmelt hatte, verneigte er sich auch schon vor Lord Asriel und seinem Bruder und machte Kehrt in Richtung des Wolfslagers. Von stolz und mit ergriffen, gab er kund seinen Vater zu konfrontieren. Allein aus dem, was er gehört hatte, konnte Asriel nicht mehr als eine wirre Geschichte zu spinnen.. Lurao… Blume… Legende…
      Die Zinnoberblume, welche in den Ländern um Lurao wachsen sollte. Fern von allem, was Argenti und Alcanes kannten. Nicht einmal Asriel hatte Fuß auf die Böden dieses Landes gesetzt…
      Auch Caspian hatte es geschafft sich einen Reim auf alles zu machen. Doch ihm stand noch der Flug im Schwindel erregender Höhe in Mark und Bein, weshalb er sich nicht in die respektlose Diskussion einmischte. Viel mehr versuchte er jener zu folgen und auch die Gedanken seines Bruder zu verstehen. Eine Selbstmord Mission, nur um den Thron nicht zu bekommen?!
      Der Wolfsprinz zuckte zurück, als Riva ihm vor die Pfoten fiel und ihn anflehte seinen Bruder von Dummheiten abzuhalten. Doch bevor Capsian reagieren konnte, zwischen in seinem Augenwinkel die silbernen Federn an ihm vorbei. Lord Asriel war ihm zuvor gekommen und hatte Cillian den Weg abgeschnitten.
      „ Haltet Inne!“, sagte er und warf einen Blick auf Caspian und Riva zurück, nur um den Prinzen eindringlicher anzusehen. „ Ihr wollt euch ohne Plan an euren Vater wagen?“ Asriel schüttelte seinen Kopf nur leicht hin und her. „ Dass werde ich nicht dulden!“

    • "Fürchtet ihr etwa, an meiner Stelle Caspian als Gemahl zu Erben?" erlaubte sich der Thronerbe den Spaß und lächelte aufrichtig dem Falken entgegen, seine roten Augen trafen dabei die seine in gold getauchten, die in der Sonne funkelten wie etwas, dass er noch nie erblickt hatte. Kurz räusperte sich ehe das freche Schmunzeln auf den Lippen wich und Cillian sich erneut dem Lord zuwandte. "Ich habe keinen Attentat auf ihn vor oder plane mich mit ihm zu duellieren, meine Absichten sind aufrichtig und ehrlich. Wir alle verdienen Antworten. Sofern mein Vater auf dem Sterbebett liegt haben wir als seine Söhne ein Recht darauf es zu erfahren vor allem wenn es die Chance gibt sein Leben zu retten." Jegliche Grimassen verließen die Züge des Wolfes, der drauf und dran war seinen Vater um Klarheit zu bitten oder eher gesagt darauf zu bestehen. Auch wenn er den Wolfsgott verabscheute für all den Schmerz und die Selbstzweifel, die dieser in seinem als auch in dem Kopf Caspian's verankert hatte, so war er noch nicht bereit ihn sterben zu lassen - nicht so. Wie naiv die Vorstellung war, er hatte immer gedacht, dass dein Vater ehrevoll abtreten würde aber an einer Krankheit zu sterben, bei der die betroffenen zu feige waren nach der Erlösung zu suchen kam für den zarten Burschen nicht in Frage. Das würde er zu verhindern wissen.

      "Ich bitte euch freundlichst aus dem Weg zu treten." Kam fest und bewusst über seine Lippen während sein Schweif Stock steif blieb und alles worauf er sich konzentrierte dieses schimmernde Gold war. "Ich weiß euch lieber an meiner Seite als in meinem Weg." Fügte er leise hinzu als würde er sein Gegenüber darum bitten ihn nicht zu einem Kampf zu zwingen, denn auch wenn Cillian es nicht für möglich hielt, so hatte sich bisher keiner sich ihm direkt in den Weg gestellt, wenn dieser nicht auf eine Konfrontation aus war. Das Herz in der Brust des Prinzen begann wie wild auf und ab zu toben, hecktisch das Blut in seinen Adern zu befördern und trotz seiner Nervosität blieb sein Blick wie auch seine Ohren auf Asriel gerichtet. Die Größe des langen Stammesvertreter der Argenti war so nah wie sie sich standen nicht ohne und so stolz und kräftig wie der Falke vor ihm stand schien er durchaus in der Lage zu sein einen bedrohlichen Eindruck zu hinterlassen. Das Cillian zu dem älteren hinauf sehen müsste, weil ihm einige Zentimeter zu diesem fehlten machten dieses unwohle Gefühl in seiner Brust nicht besser. Man könnte dem Halbgott nachsagen was einem beliebte, dass er vorlaut sei und ungehorsam aber eines war gewiss, an Intelligenz fehlte es ihm nicht. Er wäre ein Narr es sich mit dem Enkel Alaes zu verscherzen. "Lord Asriel bitte ich brauche Antworten." Wechselte der Klang seiner Stimme die Farbe in ein sanfteren und ruhigeren Ton und auch die angespannte Haltung lockerte sich ein wenig. War es das erste Mal, dass er seinen Namen aussprach? Ihm stand der falsche Gegenüber - nicht der Lord war sein Feind, nicht ihm sein Hass geschürt. Er war nur ein verwirrter Welpe, dessen Alltag noch vor dem dritten Lebensjahr komplett auf den Kopf gestellt werden sollte, ihm den Boden unter den Füßen reißend. Cillian war nicht bereit, weder dazu ein Gott zu sein, zu regieren noch zu heiraten und dann ausgerechnet einen Fremden älteren Mann. Asriel mochte vielleicht anders empfinden, das Anliegen seiner Großmutter stolz und ohne zu hinterfragen nachkommen, hatte seine Erlebnisse und Gesichten gesammelt und wäre bereit für die Ehe, die Pflichten und all dem was folgte, wenn sie gemeinsam den Thron besteigen würden aber der Wolfsjunge war es nicht.
      A heart's a heavy burden.

    • Lord Asriels Blick blieb kühl auf dem Wolfprinzen liegen. Seine goldenen Augen funkelten ungewöhnlich im Licht der sich langsam senkenden Sonne. Sein schwarzes Haar tanzte mit dem Wind und dem Rauschen der Blätter über dem Kopfe Caspians. Er japste leise. Noch immer flankiert von Riva stand er da im Gras. Seine Brust schmerzte, während er immer wieder die Augen zusammen kniff, um die scharfe Sicht auf den Thronerben und den Falken nicht zu verlieren. Jene standen sich noch immer gegenüber…
      Die Worte des Bruders schmerzten Caspians Herz. Ihm fiel es nicht ein zu erwarten, dass er jemals den Thron an Stelle vom Älteren erhalten würde. Und der Spaß in der Stimme seines Bruders, während er seinen Verlobten danach fragte, bildete nur einen weiteren Widerhaken am Dolch dieser Worte.
      Der Lord der Falken blieb unberührt dadurch. Er zeigte keine besondere Regung in seinem Gesicht, nur einen kühlen Ausdruck der Souveränität. Als Cillian sich das Lächeln von den Lippen nahm, erhob er endlich die Stimme.
      „ Es ist gleich, ob wir die Kinder der Götter sind! Wir haben kein Recht ihre Entscheidungen und ihren Willen zu hinterfragen oder ihre Absichten vor ihrem Volk zu entblößen!“, seine strenge Stimme überwog die Geräusche des Windes in den Ohren des jungen Prinzen. Asriel respektierte die Götter und verstand besser, dass ihr Wille nicht anzuzweifeln war… „ Welches Chaos wollt ihr über meine weise Mutter und Cadate bringen, wenn die Gerüchte der Wahrheit entsprechen?“ Der Falke schüttelte seinen Kopf. „ Ich werde nicht zu lassen, dass Ihr diesen Fehler begeht!“
      Caspian schielte zu Riva hinab. Die Wölfin mit dem grauen Pelz blickte selbst angespannt auf die Situation auf der Lichtung, in die keiner der beiden wagte einzugreifen…
      Asriel blieb standhaft gegenüber dem Prinzen. „ Euer Weg endet hier…“, entgegnete er jenem.
      Caspians Blick wurde dunkler. Ein dicker Nebel legte sich wie zur morgendlichen Stunde darüber. Er blinzelte.
      „ … Zinnoberblume…“, flüsterte er leise in das Rauschen um sich hinein.
      Eine Legende längst vergangener Tage. Sie spricht von einem wundersamen Heilmittel für allerlei leiden, dass sich selbst dem der markierten Seelen annehmen könnte. Die rote Blume soll wachsen an einem unwirklichen Ort, den kein Auge jemals erblickt hat und jeder, der sie sucht, soll seiner Verdammnis niemals mehr entkommen. Roman hatte ihm schon einmal davon erzählt. Ein altes Märchen, dass man kranken Kindern erzählte… Es soll ein Wesen geben, dass Bescheid weiß, wo man die Blume zu suchen hat. Doch dieses Geheimnis würde es niemals heraus rücken… ganz gleich was man auch zu tun versucht…
      Caspian horchte dem Stimmwechsel des Bruders. Zwar war jener Vorlaut aber nicht dumm genug einen Kampf mit Lord Asriel zu wagen. Nicht nur, dass er noch nie einen Falken bekämpft hatte, auch die Tatsache, dass er ein Gottes Spross war und über unbekannte Kräfte wie die beiden selbst verfügte, sollte man nicht außer acht lassen.
      „ Ihr werdet keine Antworten bekommen!“, entgegnete er mit Härte in der Stimme. „ Wenn die Götter es gewollt hätten, wüssten wir die Gründe!“ Asriel schüttelte seinen Kopf. Er trat an den jüngeren heran und flankierte ihn mit einem seiner Flügel. „ Sie werden euch nicht antworten…“, sagte er leiser in das Ohr des Prinzen. Er sprach aus Erfahrung. Alae hatte ihm auch niemals geantwortet. Sie sprach nur das, was Asriel hatte wissen sollen. Sie sprach nicht über seine Mutter oder seinen Vater, erwartete aber, dass Asriel ihr erzählte… Sie sprach nicht über das, was sie plante, erwartete aber vertrauen…
      Die silbernen Federn des Lord schwanden. Er verzog dabei ein wenig das Gesicht, als sie jene von den Armen lösten und während sie gen Boden fielen zu Staub wurden, welchen der Wind davon trug. Caspian schüttelte sich. Es roch verbrannt, als hätte jemand versehentlich ein Stück Fleisch in das Feuer geworfen und nicht darauf geachtet. Langsam bewegte der Prinz sich in die Richtung der beiden und trat an den Älteren heran. An dessen Rücken ließ er sich fallen und schloss seine Augen. „ Mach das nicht…“, wisperte er. „… Cadate wird nicht antworten… Das weißt du…“ , er atmete schwer aus. „ Wir wissen es beide…“

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    • Entsetzt und fassungslos schüttelte der junge Prinz seine Mähne im Wind. Die Worte, die der Falke so stolz und fest von sich gab erschütterten alle Hoffnung des Wolfsjungen. War er wirklich wie sie, nur einer von vielen, eine Marionette der Götter? Die geballten Fäuste waren nur der geringste Spiegel seiner Wut, denn die Enttäuschung stand ihm quasi ins Gesicht geschrieben. "Gerade weil wir die Kinder der Götter sind haben wir es zu hinterfragen! Wir sind es, die den Thron erstreben sollen. Wir sind es, die die Zukunft von Choupessa formen, wenn wir nicht die Entscheidungen unserer Vorfahren in Frage stellen wofür sollen wir dann überhaupt ein Erbe antreten?" Hallte nun seine eigenen Töne tief in den Ohren seiner Zuhörer. Riva, die deutlich überrascht von dessen Worte war, senkte dabei sogar die Ohren als hätte man sie bei irgendwas ertappt. Ja, Cillian war sehr jung und ungezogen, zeigte selten dem Götterfelsen seinen tiefsten Respekt aber er hatte das Herz am rechten Fleck und setzte sich für seine Ansichten ein, war bereit durch Feuer zu laufen wenn es nötig war um seinen Standpunkt klar zu machen. Er wollte eine bessere Welt, eine heile Welt und das würde auch bedeuten, die Kranken zu heilen und die Verbannten wieder einzugliedern. Vieles lief seiner Meinung nach schief in diesem Land, angeleitet vom Hochmut und der Arroganz der Götter, die ihre Macht nicht rechtmäßig einzusetzen wussten. Auch wenn nicht alle so waren, so hatten sie doch eines gemeinsam - sie taten nichts. Es geschah nichts. Jung und Alt, göttlich und sterblich, keiner war sicher vor dem schwarzen Tod. Einer nach dem anderen verschwand, wurde zum Sterben in das verseuchte Land geschickt wo man ohne Beistand einsam und allein dem Ende entgegen trat. Selbst einige seiner Freunde mussten diesen Weg gehen und nun schien sein Vater diesem Schicksal ebenfalls entgegen zu stehen. Wie viele Tode würde die Krankheit noch fordern bis jemand zur Tat schreiten würde? Ein infizierter Gott wäre endlich Mal der Scheidepunkt, den das Land so dringend notwendig hatte doch dafür müsste jemand den Prinzen erhören.

      Gegen seinen Vater kam er nie an. Das Gevolk gehorchte nur Cadate während Cillian von nichts und niemandem ernst genommen wurde. Der Prinz hatte es sich zum Teil selbst zuzuschreiben, dass wusste er aber immer nur auf Ablehnung zu stoßen machte was mit einem. Nie schenkte ihm jemand seine ungeteilte Aufmerksamkeit, hielt ihn nicht für ein kleines vorlautes Kind, dass noch grün hinter den Ohren war erst Recht nicht als er das erste Mal von der Zinnoberblume sprach. Doch sie war da draußen und selbst wenn sie nur ein Gerücht war, ein altes Ammenmärchen, das man sich zum Trost erzählte so starb die Hoffnung doch immer zuletzt. Wieso sollte man sich kampflos geschlagen geben, wenn die Chance zum Greifen nahe war?

      Cillian wollte nicht länger tatenlos bleiben, brav den Befehlen folgen und alles abnicken, was die Stammesoberhäupte beschlossen. Es war genug und wenn er sich dabei ein blaues Auge abholen würde oder ihm gar sein Fell von der Haut gerissen werden würde, so würde er zumindest für seine Vertretungen einstehen statt ohnmächtig zu bleiben - davon würde ihn auch nicht der Falke abhalten egal wie sehr es ihm gegen den Strich ging. "Es war von Anfang an ein Fehler die Krankheit zu behandeln als könne man sie einfach abschieben. Aus den Augen aus dem Sinn - netter Gedanke aber so funktioniert das nicht. Keiner hat den Mut dem ganzen auf den Grund zu gehen und wirklich Mal nach einer Lösung zu suchen. Für einen flüchtigen Moment habe ich Euch für mehr gehalten als den Schatten ihrer Großmutter aber da habe ich mich wohl leider getäuscht...Also wenn ihr keinen besseren Plan habt, werde ich nun gehen." Gab er mit ernstem Ausdruck bekannt, wusste sogleich Caspian's Empörung zu ernten doch für den Thronerben war der Spaß vorbei. Keiner verstand mit der Situation umzugehen und wenn ein großer Knall nötig war um von Cadate die Wahrheit zu erfahren würde Cillian sich freiwillig in die Front ziehen.

      "Macht euch keine Sorgen um mich, wenn der edle Vater meinen Kopf wollte, wäre er schon längst von meinem Körper." Lächelnd erklangen die melodischen Worte aus dem Munde des Halbbluts während sich dieser den beiden hinter sich zuwandte und verabschiedend eine Hand in die Lüfte hob.
      A heart's a heavy burden.

    • Der Duft brannte sich in die feine Nase des Wolfsprinzen, ebenso wie der Anblick des edlen Lords in seine Augen. Er stand eingetaucht in den feinen Staub, der noch immer silberig im Schein der Sonne tanzte. Vom Winde getragen nahm er auch den älteren Wolfsprinzen ein.
      Asche und Staub über das Haupt der Halbblüter. Schande der Reinheit unserer Götter…
      Wie die Alten Wölfe sich ihr Maul über Lord Asriel zerrissen hatten, drang in seine Gedanken ein. Das Gräultat der Tochter Alaes war etwas selten Gesehenes. Ein Gottesspross paarte sich in zweiter Generation mit einem unwürdigen und brachte Nachwuchs ans Licht dieser Welt. Ein jedes Mal erschütterte es die Reinen im Volke und ihre unfragliche Absolutheit in dieser Gesellschaft. Doch Mischlingskinder waren die einzige Option die nächste Generation von Göttern zu sichern. Kinder wie Cillian und Caspian selbst. Das ihre nächste Generation möglichst rein sein sollte, sicherten arrangierte Ehen wie die seines Bruders.
      Jene startete auf keiner guten Pfote. Die Wut des Bruders war nicht zu übersehen. Wie sich die feinen Haare in seinem Nacken aufstellten und seine Hände zu Fäusten wurden. Caspian wusste es… Doch obwohl er seinem Bruder grundsätzlich zu stimmte, fehlte ihm der Mut die Schritte neben jenen zu wagen. Cillian hielt recht. Ihre Schultern wären es, die diese Welt zu tragen hatten. Ihre Entscheidungen würden bald die Zukunft formen. Ihre Taten den Weg in jene ebnen.
      Der jüngere der Prinzen verblieb Tatenlos im Abseits stehen. Wie sein gesamtes Leben hielten seine Lippen ihn zurück. Kein Ton drang darüber hinweg… seine Klauen drangen tiefer in den Stoff seines Gewandes ein und sein Blick verengte sich, fest haltend an Lord Asriel und seinem Bruder.
      Wäre dies ihre Zukunft? Die Krankheit würde mehr Leben fordern, ihre Lieben in das dunkle Land zwingen.
      Was bedeutete dich macht der Götter dem Volk noch, wenn auch sie vom Tode nicht verschont blieben?
      Die Blicke des Lords und des Prinzen trafen sich, als jener über die Schulter des Bruders blickte, der sich gerade zum Abschied umgewandt hatte… Die Worte seines Bruders verschwammen mit dem Wind. Das letzte was er vernahm war dessen Hand in der Luft. Eine Silhouette, die verschwamm…
      „ Ihr seid wahrlich noch nicht reif für die Verantwortung!“, erklang es von Lord Asriel. Seine Hand umfasste jene erhobene des Prinzen und zwang sie hinab. „ Euer Bestreben Cadate zu entblößen wird an diesem Arrangement nichts verändern!“ Er schüttelte seinen Kopf und fasste sich an die Stirn. Er sah zu Caspian, welcher blass den Blick erwiderte, den man ihm kurz zu warf. Lord Asriel ließ vom Arm seines Verlobten ab. Im Bruchteil weniger Sekunden wurden seine schwarzen Augen golden. „ Es gibt einen anderen Weg antworten zu bekommen!“

    • Ein sanfter Hauch glitt über die Kapuze des Wolfsjungen und ehe Cillian sich diesem zuwenden konnte, traf bereits die warme Handfläche des Lords auf seinen winkenden Arm. Erschrocken und angespannt wandte er umher, die Augen zu kleinen Schlitzen geformt, die sofort das Paar seines Gegenübers suchten. Wollte er ihn doch mit Gewalt aufhalten? Ein Angriff aus dem Hinterhalt? Wie konnte er auch so naiv gewesen sein dem Fremden seinen Rücken zu kehren; ihn vertrauen zu schenken ohne ihn zu kennen. Der weishaarige folgte den friedlichen Bewegungen des älteren um etwas widerwillig den Arm zu senken und stellte schließlich fest, dass dessen Absichten keine bösen waren. Zumindest noch nicht.

      Mit festen Blick erwiderte er den des Halbbluts vor ihm auch wenn der silbrige Staub noch immer in der Luft schwebte und in der Nase des Wolfes kitzelte. Die scharfen Worte des Falken hallten in den verdeckten Ohren. Cillian beabsichtigte nicht die Entblößung seines Vaters oder wäre das mit dem fordern von Antworten gleich zu setzen? Sprachen die beiden weiterhin aneinander vorbei? Auch wenn es dem Zwilling nicht gefiel so sah er ein, dass Wahres hinter Asriels Einwänden steckte. Der Bund, der zwischen den beiden Halbgötter geschlossen werden sollte, war nicht so leicht zu zerbrechen wie dem jungen Burschen lieb war; doch die Hoffnung starb zuletzt. Asriel selbst war es, der einen Einfall hatte und mit goldenen Augen ankündigte.

      Da war es wieder, dieses Funkeln in den Augen, der Wechsel der Pigmente der den Wolf bereits auf der prächtigen Baumkrone bezaubert hatte. Cillians Schweif schlug aufgeregt zu den Seiten aus statt noch länger angespannt in Position zu verharren, während sich der goldene Zauber seines Verlobten in dem Schwarz seiner geweiteten Pupillen spiegelte.
      "Ich bin ganz Ohr." Trat der kleinere einen Schritt näher ohne den Blickkontakt anzuwenden, hypnotisiert von dem Glanz der sich ihm darbot. Seine Stimme war ein leises flüstern als wäre er kurz davor ein Geheimnis zu lüften. So abgeneigt und erschüttert er über die Ankunft des Lords war so könnte Cillian nicht bestreiten, dass dieser Anblick wahrhaftig wunderschön und einzigartig war. Noch nie zuvor hatte er so etwas gesehen, wobei man auch dem Prinzen nachsagte, dass seine Seelenspiegel die Farbe änderten sobald er seine göttlichen Kräfte einsetzte; war es das was da geschah? Setzte Asriel seine Fähigkeiten ein? So viele Fragen kreisten in dem Kopf des jungen Mannes und trotzdem verlieh ihm der Anblick des Goldes eine Ruhe, die ihn alles um ihn herum vergessen ließ.
      A heart's a heavy burden.

    • Die Silberfalken waren nicht nur am Himmel ein flinkes Volk. Auch in kurzen und prägnanten Bewegungen wussten sie mit Schnelligkeit und Stärke zu glänzen. Lord Ariel demonstrierte dies den Betrachtern der Szene nun ohne seine stolze Haltung zu verlieren. Caspian ebenfalls, obwohl er im Abseits stand, zuckte leicht. Der vom plötzlichen Angriff überraschte Cillian blickte seinen gegenüber mit Munterkeit für eine Auseinandersetzung an - nicht was der Falke angedacht hatte, aber was sollte er diese natürliche Reaktion des Wolfes verteufeln?
      Cillian folgte den bestimmten doch wohl gemeinten Bewegungen des Falken. Asriel lächelte leicht über den Gehorsam seines Verlobten. Während ihrer ersten Begegnung war ihm seine kindliche und aufmüpfige Art durchaus missfallen. Es stand einem zukünftigen Gott nicht zu sich derart ungewandt vor seinem Volk zu zeigen. Doch in den letzten Minuten hatte der Wolfsprinz einen Sinn für Gerechtigkeit und Führergeist aufgezeigt. Rohe Qualitäten, die niemals den richtigen Schliff erhalten hatten, damit sie glänzen könnten.
      Standhaft wusste der Wolf auch zu sein. Er blickte ungeschoren von Angst und Einschüchterung in die flammenden Augen des Falken.
      Jener überrascht, hatte der jüngere Prinz doch des Öfteren den Blick von seinen überzeugenden Augen genommen.
      Wissende mieden den scheinbar allwissenden Blick der Falkengöttin Alae stets. Sie wussten um die Macht ihrer goldenen Augen und schlossen daraus auch auf die Kräfte, die der Spross geerbt hatte: Das Auge der Überzeugung.
      Durch das verdünnte göttliche Blut in den Adern Lord Asriels waren seine Augen weniger gewaltig als die der weisen Mutter. Ihm war es nicht möglich seinen Willen anderen Halbgöttern aufzuzwingen... Doch auf die meisten hatten sie trotzdem eine faszinierende und fesselnde Wirkung, die für den Wolfsprinzen genügte!
      Wie eine Fessel legte sich das Gold um seinen Geist. Ein Zauber bei dem Asriel sich nicht sicher war, ob die Prinzen ihn verstanden.
      "Ich bin ganz Ohr."
      „ Wir sollten meine weise Mutter fragen...“, Asriel beugte sich ein Stück vor an das verdeckte Ohr des Jungen. „ ... Sie wird mit uns reden!“ Er nahm Abstand und blickte Cillian wieder ein. Seine Augen intensiver als sonst.
      Asriel wusste das auch Alae nicht über die Gründe mit ihnen reden würde, sonst hätte sie ihnen diese schon lange genannt. Die alte Göttin hatte ihm nur die Hochzeit eröffnet und die Beschleunigung der Pläne nicht begründet. Der Lord wusste, dass sie ohne Zauber nicht sprechen würde. Er wusste um die verbotene Kunst den Verstand eines Gottes zu benebeln. Gemeinsam mit seinen Augen reichte es Alae Antworten zu entlocken. Der Wolfsgott wäre ein schwierigeres Ziel. Asriel fehlte die Information über Cadate, um ihn durch den Nebel hinweg zu Antworten zu leiten und Cillian besaß in seinen Augen nicht die nötige Intrigität dies durchzuführen.
      „ Es gibt einen Zauber...“, er Umriss in wenigen Worten seinen Plan. „ ... Anders wird es nicht gehen...“