Suicide Boy [ Lucy~ & Lavellan ]

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    • Suicide Boy [ Lucy~ & Lavellan ]

      Suicide Boy

      Rollen:
      Ryan Sato - @Lucy~
      Hana Sakamura - @Lavellan

      ✂- - - - Vorstellung - - - -






      Mittlerweile war auch in ihrer Stadt der Hochsommer angebrochen. Die Kirschblüten blühten in voller Pracht und Sommermode wurde in jedem Geschäft ausgestellt.
      Hana selbst liebte den Sommer! Der Luxus einer Klimaanlage in ihrer Wohnung hielt sie auch bei der typischen Brütenhitze des Mittags angenehm kühl und dazu war sie auch sehr gerne draußen unterwegs, was das nicht seltene gute Wetter möglich machte.
      Natürlich zog es auch viele Nachteile mit sich: Morgens zwitscherten die Vögel vielleicht etwas zu laut, die Mücken waren aus ihren Löchern gekrochen und der typische Anflug von Touristen zu dieser Jahreszeit überfüllte die Läden.
      Für die Pinkhaarige gehörte all dies jedoch zum Charm des Sommers; besonders die typischen Hitzegewitter ließen sich Nachts von ihrem Zimmer aus wunderbar beobachten.
      In einer Hand hielt die Studentin ihr Handy, in der anderen einen Eiscafé eines lokalen Starbucks. Der Kaffee dort war ehrlicherweise viel zu überteuert, dafür aber war es einfach zu lecker!
      An dem Strohhalm ziehend war das kühlende Getränk mittlerweile schon so leergesaugt, das nur noch das altbekannte Schlürfen ertönte, wenn man versuchte noch den kleinen Rest zu erwischen, welcher sich so hartnäckig in dem unterem Rand gefangen hatte.
      Die Lippen verziehend hob die Pinkhaarige den Kaffee vor ihr Gesicht um den Plastikbecher kurz zu schwenken... nur um seufzend fest zu stellen, das dieser wohl nun unargumentierbar alle war.
      Bedrückt verzog Hana nur kurz ihr Gesicht, den leeren Becher vorübergehend auf den Fenstersims einer anliegenden Wohnung stellend, ehe sie noch einen flüchtigen Blick auf ihr Handy warf.
      Ihre Mutter hatte ihr geschrieben...
      Nachdem sie von ihrem kleinem Trip in die Innenstadt zurück kam, sollte sie bei einem Mieter wegen der nun schon seit Monaten fehlenden Miete Druck machen... Etwas, was normalerweise ihr älterer Bruder übernahm wenn er zu besuch war, denn dieser hatte eine bedrohliche Präsenz welche ihr fehlte.
      Nun aber, wo ihre Mutter wegen eines Hexenschuss außer Gefecht gesetzt war, lag es wohl oder übel an ihr.
      Die Wohnung befand sich am Ende der dritten Etage.
      Neugierig näherte sich Hana ein wenig seitlich um vielleicht schon von weitem ein Blick durch das Fenster zu erhaschen! Irgendwo war man ja schon neugierig... Leider aber konnte sie schon aus einiger Entfernung erkennen das die Gardienen geschlossen waren.
      Die Pinkhaarige ließ ihren Blick kurz zu der Fensterscheibe wandern, zu der fahlen Spiegelung welches diese von ihr zurückwarf.
      Ob er... überhaupt zuhause war?
      Sich noch vor der Tür die Klamotten richtend, ließ sie ihr Handy in ihrer Jackentasche verschwinden und kramte noch rasch die Papiere heraus, welche man normalerweise per Post schickte: Die typischen Schreiben welche damit drohten, einen Mieter aus der Wohnung zu werfen, wenn er nicht endlich bezahlte.
      Ihre Mutter war dem Jungen welcher hier lebte wohl schon öfter über den Weg gelaufen... 'Ein armer Kauz' meinte sie. Irgendwo aber schien er ihr leid zu tun, weshalb sie immer wieder über die fehlenden Zahlungen hinweg gesehen hatte. Aber langsam wurde es nun leider wirklich Zeit, immer konnte man ja nicht ein Auge zudrücken.
      Tief durchatmend benässte sich Hana noch einmal kurz die Lippen, bevor sie ihre Hand hob, klingelte und die geschlossene Tür einfach nur aufmerksam anstarrte.
    • Ryan Sato

      Diese elende Hitze und dieser elende Sommer nervte Ryan ungemein. Er hasste den Sommer und alles, was das an sich hatte. Die ganzen Menschenmassen, die lachend mit einem Eis in der Hand durch die Gegend schlenderten und in den Läden Geld ausgaben, welches sie eigentlich nicht hatten. Heutzutage wird auch alles mit EC- oder Kreditkarte bezahlt und das große Erwachen kam dann meist am Monatsende oder sogar schon in der Mitte des Monats. "Immerhin haben die den Anschein von Geld", seufzte Ryan und stellte seine Ellenbogen auf seinen Schreibtisch, um seinen Kopf auf seine Hände zu stützen. Er wusste genau, wie weit er mit seiner Miete zurücklag und immer wieder war es ihm furchtbar unangenehm, wenn diese alte Frau oder ihr wirklich bedrohlich aussehender Sohn vor seiner Tür standen. In letzter Zeit kam die alte Frau immer seltener und schickte eher ihren Sohn. "Fuck, was mache ich nur?", ärgerte sich Ryan und stieß seinen Stifteköcher vom Schreibtisch. Die Stifte flogen in die rechte Ecke seines kleinen und dunklen Zimmers. Es war helliger Tag, doch Ryan hatte die Rolläden herunter gezogen oder besser gesagt, gar nicht erst aufgezogen und saß nur im Licht seiner Schreibtischlampe. Sein Computer machte einen schrillen kleinen Laut und eine Nachricht plobbte auf. "Oh!", sagte Ryan leicht verwundert und öffnete seine E-Mail. Immerhin hatte er gerade einen neuen Auftrag erhalten. Ryan sollte eine Bachelor Arbeit korrigieren von einer jungen Medizin-Studentin. "Reiche Göre, kann scheinbar ihre Grammatik nicht selbst korrigieren", hetzte Ryan etwas und lächelte fies. "Naja, aber immerhin wirst du mir meine Miete bezahlen können", fügte er schließlich hinzu und öffnete das Dokument. 50 Seiten ohne Anhang. Der Anhang selbst hatte nochmal 15 Seiten. "Ein Aufsatz über das menschliche Herz", murmelte er, als er die Seiten erstmal oberflächlich durchsuchte. Er seufzte, stand auf und ging erstmal in sein Badezimmer. Der Anblick im Spiegel gefiel ihm wie so oft gar nicht. Er hatte dunkle Augenringe und seine schwarzen Haare hingen stränig in sein Gesicht herab. "Oh Ryan, wohin soll das noch führen?", fragte er sich selbst vor seinem Spiegel. Anschließend wusch er sich das Gesicht mit kaltem Wasser, um sich von seiner Dachgeschosswohnung zu erfrischen und ging zurück in sein Schlaf-, Arbeits- und Wohnzimmer. Der Ventilator pustete nur die bekannte warme Luft erneut umher und verwandelte sie nur in etwas weniger warme Luft. Kein besonders großes Ereignis und eine kühle war hier auch nicht zu erwarten. "Eine Enttäuschung wie das Leben selbst", sagte Ryan zu sich, lächelte ironisch und nahm von seinem Schreibtisch seine Kippen. Er kramte sich mühsam eine heraus, steckte sie sich zwischen eine trockenen Lippen und zündete sie genussvoll an. Er nahm einen großen Zug und atmete den Rauch wieder raus. Ryan ließ sich auf seinen kleinen Sessel fallen und rauchte weiter. Plötzlich klingelte es an der Tür. Ryan sah erschreckt auf. Eigentlich erwartete er heute keinen Besuch. Nein falsch, er bekam nie Besuch, außer es waren schlechte Nachrichten. "Fuck", sagte er leise. Kurz dachte er darüber nach, einfach nicht an die Tür zu gehen. Nach kurzer Überlegung entschied er sich dann doch dagegen, drückte seine noch halbe Zigarette in seinem Aschenbecher aus und stand mühsam aus seinem Sessel auf. Er fühlte sich bereits wie ein alter Mann. Da Ryan nur vor die Tür ging, wenn es denn auch unbedingt sein musste, war er auch nicht sonderlich körperlich fit. Quälend und seine Entscheidung schon bereuend, ging er schließlich an die Tür und öffnete diese einen Spalt breit. Er schielte mit einem Auge dazwischen und erkannte eine junge Frau mit pinken langen Haaren. Sie sah aus wie eine typische junge Studentin, die sicherlich sehr beliebt gewesen war. Sie strahlte Ryan an. Es kam ihm fast vor, als würde ein Engel vor seiner Tür stehen. Dumm nur, dass er nicht viel von Engeln hielt. "Oh...", meinte Ryan und öffnete dann die komplette Tür. "Du musst wohl ihre Tochter sein. Hatte dein Bruder heute keine Zeit?", fragte Ryan sehr unbeeindruckt. "Komm rein", befahl er fast schon, ließ die Tür auf und ging zurück in sein Zimmer. "Entschuldige die Dämonenstimmung hier", meinte er fast schon scherzend, lächelte dabei aber nicht. Er öffnete die Rolläden einen kleinen Spalt breit, genug, damit die Sonne etwas herein schien und Licht spendete, aber nicht zu weit, um nicht angestrahlt zu werden. Er ging zu seiner Küchennische und kramte zwei Gläser aus dem Schrank und eine Pepsi aus dem Kühlschrank. "Ich hab auch Wasser da, wenn du willst, aber ich bevorzuge Cola. Eigentlich mag ich keine Pepsi, aber die ist günstiger, als die richtige Cola", meinte Ryan und stellte die Sachen auf den Tisch, ohne auf die Antwort von dem jungen Mädchen zu warten. "Du kommst sicher wegen der Miete, richtig?", fragte er und nahm den bekannten Brief auf ihrer Hand und legte ihn auf seinen Schreibtisch. Er setzte sich an den Tisch zu ihr und schenkte zwei Gläser Pepsi ein. "Sag deiner Mom bitte, dass ich mich beeile. Ich habe gerade einen Auftrag reinbekommen und wenn ich den erledigt habe, kann ich die Miete zahlen. Ich brauche noch Zeit bis Ende der Woche, ginge das klar?", fragte er und sah das Mädchen mit einem leichten Hundeblick an. Dann nahm er sich erneut seine Zigarettenpackung und zündete sich eine zweite an. "Dich stört das doch nicht?", fragte er, wartete aber wieder keine Antwort ab. Er wollte nur höflich zu der Tochter seiner Vermieterin sein. Letztendlich machte er sowieso, was er wollte.
      Wir alle fliegen hier unten...
    • Zu sagen sie sei nicht nervös wäre gelogen gewesen. Scheu war Hana nämlich, jedenfalls was Soziales betraf, wirklich selten! Nun, aber auch dabei kam es immer auf die Situation an... das hier war das beste Beispiel.
      Über den Mieter hatte sie von ihrer Mutter und ihrem Bruder viel gehört, auch wenn 'viel' Ansichtssache war.
      Ihr älterer Bruder regte sich meistens schon vor dem Aufsuchen des Kerls auf, sie sollen ihn doch endlich rausschmeißen... Jedes Mal wenn er sie besuchen kam und das abgenutzte Namensschild noch immer am überfüllten Postkasten klebte, konnte man richtig an seinen Augen sehen, das er drauf und dran war, ihn einfach mit seinen eigenen Händen auf die Straße zu befördern!
      Natürlich nicht ohne ihn dabei auch noch eine Anzeige wegen all der Schulden welche er nun auch bei ihnen angehäuft hatte, aufzudrücken.
      Ihre Mum sah das alles deutlich lockerer, auch wenn sie ihrem Mieter selbst schonmal gedroht hatte.
      Oft hatte sie am Abend überlegt, nicht doch mit einer Portion des warmen Abendessen hochzugehen und sie ihm vor die Tür zu stellen... Das sie ihm leid tat, merkte man schon daran das sie ihn hier weiter leben lies.
      Hana seufzte schwer, ihre Schultern sackten ein wenig nach unten, wobei ein bedröppelter Ausdruck in ihr Gesicht huschte.
      Aber wer er war...? Keine Ahnung!
      Nach dem Schreiben war es ein Junge in ihrem Alter, den Namen aber hatte sie noch nie gehört.
      Nicht das sie jemanden verurteilen würde... aber irgendwo machte es einen nervös! Besonders wenn es sich um eine so mysteriöse Person handelte!
      Es war eben diese Aufregung welche sich die Zeit, welche Ryan zur Tür brauchte, wie eine Ewigkeit anfühlen lies.
      Den Drang wieder nach ihrem Handy zu greifen unterdrückend, verlagerte Hana ihr Gewicht auf ihr linkes Bein um sich in der Fensterfront der Wohnung noch einmal holprig die Haare und die Klamotten zu richten.
      Ein Glück das sie immer recht wenig Makeup trug, ansonsten sähe sie nach dem Tag draußen bestimmt aus wie ein verflossener Kuchen--.
      Die Tür öffnete sich dann für sie doch auf einmal so ruckartig das die Pinkhaarige stocksteif zurückschoss, nur um in der ersten Sekunde starr dazustehen wie ein Zinnsoldat.
      "Hi!", grinste sie, fürs erste Treffen aufgrund ihrer Aufregung vielleicht etwas zu strahlend, heraus und ergriff hinter ihrem Rücken ihr eigenes Handgelenk.
      Das erste was sie gesehen hatte war einfach nur ein übermüdetes Auge welches sie aus der Dunkelheit des Zimmers dahinter angestarrt hatte... beinahe wirklich wie bei einem Horrorfilm. Hana bekam das frösteln... als sich die Tür dann jedoch etwas weiter öffnete und sich die Person zeigte, welche zu diesem starren gehörte, folgte ein Anflug von Erleichterung!
      Der Dunkelhaarige war kein gruseliger Schlägertyp! Oder wirkte wie ein komischer Perverser! Hm... Vielleicht etwas müde?
      Ein typischer Student also!
      Ihr Grinsen wurde lockerer, verlor jedoch nicht an Helligkeit, "Ja genau, ich bin--", wollte sie gerade beginnen, dann aber wurde sie unterbrochen.
      Ryan für eine Sekunde verdattert nachblinzelnd, folgte sie dann doch der 'Einladung' doch herein zu kommen... Nicht aber ohne vorher auf dem Gang vor der Wohnung einmal nach links und rechts zu blicken.
      Einfach reinkommen zu dürfen hatte sie nämlich nun wirklich nicht erwartet.
      Dem Dunkelhaarigen in die Wohnung folgend, überkam sie als aller erstes ihre typische Neugier. Die Kleinigkeiten der Einrichtung, aber auch der Ordnung, aufnehmend, ließ sie sich auf den ihr gedeuteten Platz plumpsen.
      Immer wieder öffnete sich ihr Mund, denn eigentlich hatte sie sich die ganze Sache schon im Kopf zurecht gelegt gehabt, aber... das Reden schien ihr abgenommen zu werden.
      So schloss Hana ihre Lippem tonlos wie ein Fisch, Ryan einfach nur mit den Augen folgend.
      Der Geschmack von Kaffee lag noch immer auf ihren Lippen als sie auf die eingeschenkte Pepsi niederblickte... ah es wäre unhöflich jetzt abzulehnen, oder...?
      Zögerlich umfasste sie das Glas mit beiden Händen, dabei flüchtig zu der überfüllten Spühle sehend.
      "Uh...", begann die Pinkhaarige kurz, für einen Moment hatte sie den Faden verloren.
      Der Geruch des Rauchs stach in ihrer Nase, woraufhin sie sich bei einem unbeholfenem Einatmen räuspern musste.
      "A-Ah, ja genau!", rasch noch streifte sie sich die dünne Sommerjacke von ihren schmalen Schultern um sie über dem Stuhlrücken zu legen, ehe sie ihre Hände gelassen ineinander faltete und sich Ryan, leicht auf der Tischfläche gelehnt, entgegen bewegte.
      "Uhm... du kannst mich gerne Hana nennen und wie du weißt bin ich wegen der Miete hier...!", mit ihrem Kinn deutete sie leichtfüßig auf das Schreiben auf seinem Schreibtisch, ehe sie sich zur Seite lehnte um kurz in ihrer Tasche zu wühlen.
      Nach einigen Sekunden hatte sie einen Karoblock und eine eigene Kopie des Dokuments hervorgeholt. Beides schob sie über den Tisch in die Richtung des Rauchers, "Wenn du sagst du kannst dann zahlen... meinst du damit, das du auch einige der Schulden aufholen kannst?"
      Den rausgekramten Ballpoint Pen, die Art mit welcher man wundervoll schreiben und zeichnen konnte - nicht jedoch ohne es dann aus Versehen direkt wieder mit dem Handbellen zu verwischen -, deutete sie auf einige Zahlen auf dem Papier, "Hier, du hinkst mittlerweile ja schon einige Monate hinterher..."
      Erneut wurde sie still, ehe sie doch an der Pepsi nippte um etwas Zeit zu schinden.
      Wie... machte man sowas denn am besten...?
      Tief Luft holend harkte sie ihre Fußgelenke ineinander, woraufhin sie sich dezent im sitzen reckte um ihren Blick erneut flüchtend in der Wohnung herum wandern zu lassen. Ordentlich war der Dunkelhaarige wohl auch nicht wirklich... ob es aufdringlich wirken würde, wenn sie anbot zu beim aufräumen zu helfen? Ah, den bösen Blick ihres Bruders konnte sie dann jedoch schon bis hier hin fühlen.
      "Du uhm... bist dann selbstständig, richtig?", driftete Hana dann doch rasch auf ein anderes Thema ab. Es fühlte sich einfach falsch an, direkt zu drohen eine Kündigungsfrist festzusetzen, falls das Geld nicht bald überwiesen wurde...
      Pepsi auf den Kaffee zu trinken war eine schlechte Idee gewesen.
    • Ryan Sato

      Ryan zog genüsslich und routiniert an seiner Zigarette und bließ den Rauch rücksichtsvoll in eine andere Richtung aus, damit dieser nicht zu seinem Besuch hinwehte. Er betrachtete die junge Frau, während sie sprach. 'Sie sieht so strahlend aus', dachte er sich. Sie wirkte fast wie die Sonne selbst. Fröhlich, motiviert, gut erzogen und intelligent. Wie sie sprach beeindruckte Ryan, sodass sich ein kleines, aber dennoch schwaches Lächeln auf seine Lippen legte. Als sie mit ihrer Ansage fertig war, drückte Ryan die Zigarette im Aschenbecher aus und fuhr sich mit der rechten Hand ins Gesicht. "Uff..", stieß er erstmal kurz aus. Dass er solange mit der Miete hinterher hing, war ihm tatsächlich gar nicht so klar gewesen. Wenn das so weiter ging, würde die Vermieterin bald die Geduld verlieren und Ryan würde auf der Straße sitzen. Nein, soweit durfte es nicht kommen. Ihm wurde aber klar, dass er die Rechnungen bezahlen müsste. 'Danach nehme ich mir das Leben', dachte er sich. Ja, er war rücksichtsvoll genug, um daran zu denken, die Vermieterin für ihre Freundlichkeit nicht dumm dastehen zu lassen. 'Sie müsste auch meine Wohnung räumen, was auch Geld kosten wird', dachte er. Also war das nun sein neues Ziel: Er wollte so viel arbeiten, dass er alles bezahlen konnte und sogar noch etwas übrig haben würde, damit die Vermieterin und die strahlende Schönheit hier nicht auf den Kosten sitzen bleiben würden. "Ich danke dir Hana", sagte Ryan freundlich und puhlte sich die nächste Zigarette aus der Packung. "Verzeih mir, ein Laster, welches ich wohl nicht unter Kontrolle habe", sagte er leicht scherzend. 'Mach ich gerade Witze?', fragte er sich in Gedanken. Er zündete seine Zigarette an, stieß den Rauch aus und nickte. "Ja, ich werde alles geben", meinte Ryan. "Versprochen. Bis Ende der Woche kommt erstmal die aktuelle Miete, anschließend werde ich in den weiteren Tagen alles andere überweisen. Es ist mir so unangenehm", meinte Ryan. "Seit dem Tod meiner Mom komm ich auf keinen grünen Zweig. Ich bin froh, dass ich die Rechnungen vom Krankenhaus nun endlich komplett abgezahlt habe", erklärte er sich und sah einen besorgten Blick von Hana. "Nein nein", sagte er und wedelte mit seinen Händen. "Entschuldige bitte, das sollte kein Mitleids Ding werden", meinte er schließlich und ärgerte sich, davon erzählt zu haben. Ryan nahm das Glas Pepsi und trank einen Schluck. "Coca Cola mag ich echt lieber, als diese Brühe hier", lächelte er. Er lächelte. Schon wieder... Jetzt fiel Ryan erst auf, dass sie sich ihre Jacke ausgezogen hatte und ihre... 'Ryan!', tadelte er sich selbst, wurde leicht rot und lenkte seinen Blick auf sein Glas Pepsi. Hana fragte Ryan, ob er selbstständig sei. "Nun... eigentlich studiere ich Psychologie an der Uni. Nebenbei korrigiere ich Aufsätze und Hausarbeiten, um alles bezahlen zu können", meinte er. "aber wie du siehst, läuft es nicht ganz so gut dahingehend", scherzte er. "Ne Zeit lang habe ich im Einkaufszentrum gearbeitet, dass war noch bevor meine Mom gestorben war. Aber naja, sie haben mich rausgeschmissen, weil sie mich zu gruselig fanden", erzählte er ihr. "Also ich könnt auch gut als Serienkiller durchgehen", kicherte er und zog an seiner Zigarette. "Was machst du denn Hana? Nunja, zumindest, wenn du nicht gerade die Vermieter deine Mom aufsuchst", fragte er sie. Ryan hatte schon lange kein gutes Gespräch mehr. Er fühlte, dass sie ihm irgendwie gut tat.
      Wir alle fliegen hier unten...
    • Ryans Reaktion abwartend spielte das pinkhaarige Mädchen geduldig mit dem Stift in ihrer Hand. Immer wieder wanderte ihr Blick hinunter auf die dargelegten Zahlen.
      Es war wirklich eine ordentliche Summe... Irgendwo erfüllte sie es mit einem Anflug von Dankbarkeit selbst keine Miete bezahlen zu müssen. Gleichzeitig jedoch verursachte es ihr irgendwie Magenschmerzen.
      Das sich Leute mit solchen Problemen konfrontiert sahen war ihr wohl bewusst, aber das es so häufig vorkam das sie selbst einmal privat damit in Kontakt kam...
      Hanas Blick wurde trauriger als der Dunkelhaarige zu erzählen begann. Die Augenbrauen leicht angezogen antwortete sie mit einer gut gemeinten Stille.
      Zu sagen das es kein Mitleidsding sein sollte brachte nun auch nicht mehr viel, besonders nachdem sie einen Teil seines Story gehört hatte.
      Warum musste er die Schulden denn alleine abbezahlen...? War sein Vater auch verstorben...?
      Die Lippen aneinander pressend wanderten ihre grünen Augen langsam auf das Dokument herab. Rasch huschten diese über die Angaben, bis sie sein Alter fand.
      Das alles schon mit 22... Sich vorzustellen, das all dies auch ihr in einem Jahr passieren könnte, ließ eine Gänsehaut über ihre Haut wandern, es würde sie endlos überfordern.
      "Mhm...", antwortete das Mädchen, noch immer halb in Gedanken.
      Konnte sie ihm... vielleicht irgendwie helfen?
      Natürlich konnte sie mit ihrer Mum sprechen, doch das wäre auf lange Sicht kein Ausweg.
      Eine Antwort darauf, was sie derzeit machte, blieb lange genug aus das es auffällig wurde. Dann jedoch, vielleicht etwas zu plötzlich, sprang Hana in ihrem Platz hoch und wandte sich ruckartig Ryan entgegen.
      Hastig kramte sie ihr Handy aus ihrer Tasche, an der Seite baumelte ein niedlicher Anhänger mit einem Muffin im Chibi-Style und einem kleinem silbernem Herzchen, welche man aus manchen Automaten in der Innenstadt gewinnen konnte.
      "Hier!", rasch öffnete sie ihr Handy mit einem viel zu schnellem Mustercode, um dem Raucher etwas zu aufgeregt ein vorhin geschossenes Foto ins Gesicht zu halten.
      Hana wirkte genauso energisch als auch entschlossen als sie das Handy auf den Tisch gleiten ließ um eine von Ryans Händen mit ihren beiden zu umfassen und aufgeregt zu halten.
      Der Bildschirm zeigte ein Bild von einem Mitarbeitergesuch eines Cafés in der Innenstadt. Es war eine Neueröffnung und man war noch immer auf der Suche nach Servicekräften.
      "Bewerben wir uns zusammen!", intensiv starrte sie in seine müden Augen, ehe sie nur noch einmal untermalend energisch nickte.
      "Ich suche derzeit auch nach einem Minijob! Es wird dir einfacher fallen wenn du nicht alleine bist! Außerdem kennt meine Mum den Besitzer, ich bin mir sicher das sie dich nicht einfach feuern würden wenn ich erzähle das du ein Freund von mir bist!", immer wieder blinkten Nachrichten von Gruppenchats und anderer Social Media über dem Bild in ihrer Galerie auf, viele davon Kommentare zu ihrem wahrscheinlichsten neuen Foto auf Instagram.
      "Ich nehme dich einfach mit zum Friseur! Und wir besorgen dir neue Klamotten...!", Hana schnaubte richtig, so entschlossen schien sie schon bei der ganzen Sache zu sein, "Du musst einfach nur etwas netter gucken!"
      Mittlerweile hatte sie seine Hand vielleicht etwas zu lange gehalten, dann aber schlossen sich ihre Augen mit einem hellen Grinsen, "Was denkst du?"
      Es war doch eine super Idee!
    • Ryan Sato

      Es herrschte eine ganze Zeit lang ein ziemlich unangenehmes Schweigen und Ryan hielt sie etwas für unhöflich, da sie ihm offenbar nicht zugehört hatte, jedenfalls antwortete sie einfach nicht. Ryan folgte mit seinen Blick nun ihre hastigen Bewegungen. Hana zückte ein Handy hervor mit kitschigen Anhängern, die Ryan etwas zum schmunzeln brachten. Er hasste solchen Kitsch, aber an ihr wirkte es mehr als nur niedlich. Es stand ihr hervorragend. Allgemein war sie eine wunderschöne junge Frau, wie Ryan nun feststellte. Die beiden Anhänger ließen darauf schließen, dass sie diese aus einem Automat gezogen oder gewonnen hatte. Ob es ein Geschenk für sie war? Vielleicht von ihrem Freund? Ryan wurde leicht trüblich, als er darüber nachdachte. Natürlich hatte sie einen Freund. Sie schien klug zu sein, wunderhübsch und noch dazu ziemlich humorvoll und optimistisch. Ja, definitiv war sie vergeben gewesen. Und... über was dachte Ryan da überhaupt nach? Für ihn stand ohnehin fest, dass er sich früher oder später das Leben nehmen würde. Also... warum über Hana nachdenken. Es würde sie nur traurig stimmen und das wollte Ryan an Hana niemals sehen müssen. Sie ließ das Handy über den Tisch gleiten und nahm seine Hände in ihre, umklammerte sie fast sogar. Auf dem hellen Display erkannte Ryan ein Mitarbeiter-Gesuch. Hana war so voller elan. Sie sah dem traurigen Mann intensiv in die Augen, sodass er sich dadurch fast nackt fühlte. "Bewerben wir uns zusammen!", feuerte sie ihm ins Gesicht. Ryans Augen wurden etwas größer. Mit ihr zusammen zu arbeiten... Er spürte die Berührung von Hana nun noch intensiver. Für einen kleinen Moment stellte er es sich vor. Er könnte seine Schulden vollständig bezahlen und würde die letzte Zeit, die ihm noch bliebe, mit ihr verbringen. Ja, es würde ihm wirklich einfacher fallen, wenn er mit ihr arbeiten könnte. Und dann sprach sie davon: "...wenn ich erzähle das du ein Freund von mir bist!". Ein Freund? Er müsste lächeln, das konnte er sich nun nicht mehr verkneifen. Auf dem Display ihres Handys ploppten ständig Nachrichten auf, einige davon aus Instagram. Sie war also verrückt nach Social Media? Ryans Herz fing an zu pochen und gerade wollte er zustimmen, da sprach sie weiter.

      Von Friseur, neuen Klamotten und einem Lächeln?! Ryan wurde schlagartig wütend. Wie konnte sie es wagen, sich das einfach so rauszunehmen. Sie kannte Ryan doch eigentlich gar nicht. Sein Lächeln verzog sich. "Aber wir sind keine Freunde", meinte er schließlich monoton und starrte wieder auf das Handy. Die ganzen Gruppennachrichten, diese ganzen Kommentare und Herzchen auf Instagram und diese elende Menschheit. Das alles widerte ihn an. Ryan entriss seine Hände aus die von Hana und stand auf. Der Raum wirkte plötzlich noch dunkler und trüber, als zuvor. "Ich bin kein Projekt, Hana. Kein Spielzeug, dass du einfach mal aufhübschen musst, klar?", meinte er und sah sie mit wütendem Blick an. "Was denkst du denn, wer du bist, mh?", schnauzte er weiter. Ryans Herz klopfte und pochte erneut, aber diesmal nicht, weil er Hana so toll fand, sondern weil sie ihn anekelte. Sie war auch nicht anders als alle anderen auch auf dieser gottverschissenen und oberflächlichen Welt. Ihn so dermaßen verändern wollen? Ryan bemerkte, wie die Wut, die in ihn wuchs zur Trauer wurde und er hatte das Bedürfnis zu weinen. "Du solltest gehen, Hana", meinte er, packte das Mädchen an ihren Schultern, nahm mit einer Hand das Handy, welches noch auf dem Tisch lag und drückte es ihr in die Hände. "Geh einfach. Ich werde bezahlen, versprochen", erklärte er mit einer etwas sanfteren Stimme. Er schob das Mädchen zur Tür raus und verschloss sie hinter sich. Als sie endlich draußen war, schnaufte er kruz durch, rieb sich mit den Händen über sein Gesicht weiter in seine längeren schwarzen Haare. Im Flur neben der Tür war ein kleiner Spiegel aufgehongen, welcher jedoch mit einem Tuch verdeckt war. Ryan riss das Tuch hinunter und sah sich in seine eigenen müden und traurigen Augen. Allmählich, ohne das Gesicht zu verziehen, flossen Tränen daraus. Eigentlich war Ryan nicht hässlich. Er war nur trauriog, verdammt traurig und es ärgerte ihn immer noch so sehr, dass sie ihn verändern wollte. "Bitch", schnaufte er leise und ging zurück auf den Sessel, um sich erneut eine Zigarette aus der Packung zu holen. Er zündete sie an und sah auf den leeren Platz, wo Hana gesessen hatte. Ihre Jacke hing noch dort. Scheiße. Ob sie wiederkommen würde? Oder sollte er sie ihr bringen? Oder vielleicht einfach an den Knauf seiner Tür hängen, falls sie zurückkäme. "Verdammte scheiße", fluchte Ryan. Er wischte sich die nassen Stellen vom Gesicht, schnappte sich die Jacke, seinen Schlüssel und verließ das Haus. Die Sonne blendete ihn richtig. Sie war viel zu hell für seine an die Dunkelheit gewöhnten Augen. Er fühlte sich fast wie ein Vampir. Hastig lief er die Treppen hinunter und sah Hana. "Hey! warte, Hana", rief Ryan und lief etwas schneller. "Deine Jacke", meinte er schnaufend. Er war es nicht gewohnt so schnell zu laufen. "Hör mal...", meinte er und wusste eigentlich nicht, was er noch sagen sollte. Eigentlich wollte er ihr doch nur die Jacke mitbringen. "Ich würde verstehen, wenn du keine Lust mehr hast, aber... ich würde gerne mit dir zusammen dort arbeiten", sagte er und sein Herz fing wieder an wie wild zu schlagen. Er hatte damit gerechnet, dass sie nun völlig ausflippt und sauer auf ihn ist. "Ich möchte aber so bleiben, wie ich bin. Ich möchte mich nicht für andere Menschen verstellen oder mich optisch ändern", erklärte er sich. "So auszurasten war nicht richtig von mir, ich hoffe du kannst mir verzeihen", sagte er, faltete die Hände und senkte den Kopf.
      Wir alle fliegen hier unten...