What lies beneath the clouds? (Winterhauch & Attari)

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    • What lies beneath the clouds? (Winterhauch & Attari)

      @Winterhauch @Attari

      Im fahlen Schein einer Lampe, umringt von altem Holz, saßen ein alter Mann und ein Kind auf dessen Schoß. Der Alte streifte seinen Bart, während sein ruhiger Blick dem glimmen der Lampe folgte. Die kleinen Hände des Kindes falteten geschickt ein Blattpapier auf eine solche Weise, dass ein Vogel dabei entstand. Voller Stolz blickte der Kleine auf, als er sein Werk in die Sichtbahn des Alten drängte. Jenen riss das nicht gänzlich weiße Papier aus dem Konzept. Mit einem warmen Lachen lobte er den Jungen für den Vogel. Jener lächelte, während er begann ein Liedchen zu summen und glücklich wippend einen weiteren zu falten.
      „Großvater? Was liegt unter dem Wolkenmeer?“
      Die unschuldige Stimme durchbrach die Stille. Der Alte nahm seine Arme um das Kind.
      „ Weißt du, mein Kleiner, im Inneren von Airth pocht der Kern unserer Welt. Ein gewaltiges Monster. Glühend heiß speit es mit Feuer um sich und fraß das Land von innen auf. Um uns zu schützen, hoben die Götter die Kontinente aus dem Ozean, sodass sie zu schweben begannen… so sagt es jedenfalls die Legende…“, erzählte er dem Kind, welches begeistert und aufmerksam von dem Blatt abgelassen hatte.
      „… Wir leben in Sicherheit hier oben und sollten nicht begehren, was unter den Wolken liegt!“ In seiner Stimme klang ein wenig Trauer mit…

      „ Wirst du wohl endlich zuhören?!“
      Der lauten Stimme folgte der dumpfe Knall der Hand, welche auf der Tischoberfläche aufkam. Han’vë Astriima war auf seinem Stuhl zusammen gezuckt. Seine Schultern blieben alarmiert oben und die Flügel gespannt, als er den Blick von seinen Zetteln nach oben nahm und in die funkelnden Augen seines Lehrmeisters blickte. Jener schüttelte nur seinen Kopf über den frischen Protegé, dessen Aufnahme er in diesem Moment bereute. Entnervt fasste der Mann mit dem langen Haar sich an die Stirn und stieß einen schweren Seufzer von sich.
      Der Erumantur Oro’istya Velwë kannte ein solches Verhalten von Schülern eigentlich nicht! In seinen Augen sollten junge Vilyalië sich daran erfreuen Dinge erlernen zu dürfen und Wissen zu erhalten. Gerade der junge Rámaas aus den Sublona war sicherlich nicht auf seinen Kopf gefallen und dennoch schien er sein Privileg nicht zu verstehen. Han’vë sprengte alle Erwartungen des Boten. Seine Aufmerksamkeit für die Inhalte hielt nie länger als ein paar wenige Minuten an, ehe er schon wieder begann seine Zettel zu falten und kleine Figuren und Tiere aus ihnen zu bauen. Falls er dies nicht tat, krakelte er irgendwelche unerkennbaren Bilder auf das Unterrichtsmaterial…
      Die scheuen Augen des Jungen lagen auf dem Meister, unter dessen strengen Blick sich die schwarzen Pupillen zu fast unerkennbaren Strichen zusammen zogen. Han’vë rührte sich nicht. Seine Hände hatten von dem Blatt und dem Stift abgelassen und sich langsam unter die Tischfläche verzogen, als der Bote näher trat und ihm das Papier vor der Nase weg nahm. „ Ich entsinne mich nicht, dir die Erlaubnis gegeben zu haben, Bilder zu malen!“ , sprach er entschieden und knallte den Zettel wieder auf das Holz, sodass der Schüler ein weiteres Mal zuckte und seinen Blick bang absenkte. Oben auf dem Zettel waren noch die unsauber ausgeführten Schreibübungen zuerkennen, welche langsam in kleine Bilder und Kringel mutierten, je näher man dem Ende des Papiers kam.
      „ Du wirst alles nochmal schreiben!“, erklärte er dann. „ In zwei Stunden will ich deine Arbeit se…“ Seine Augen zuckten. „ Sieh gefälligst auf, wenn man mit dir spricht!“, forderte er den Jüngeren wütend auf. Ein drittes Zucken fuhr durch den schlanken Körper, ehe ein zaghafter Blick sich hob und in die glühenden Augen des Meisters zurückkehrte. „ Besser!“, gab er sich kaum ersichtlich zu frieden. Stille kehrte zwischen den beiden ein, bis der Meister sie ein weiteres Mal durchbrach.
      „ Antworte!“
      „ Jawohl, Lord Oro’istya!“
      Han’vës Stimme war leise. In ihr lag ein leichtes Zittern, welches man wohl seiner Müdigkeit und dem Schock zu schreiben könnte. Der Blick des Boten wurde ein wenig sanfter, als er seine Hand von dem Zettel nahm und einen Schritt zurück nahm. „ Du weißt, was du zu tun hast!“, sagte er mit neutraler Stimme im Gang zur Türe. Er öffnete Jene. Dem leiden knarzen folgte ein ebenso leises metallisches Klirren. Der Schüler senkte seine im Schock erhobenen Flügel wieder ab. Jene faltete er zurück auf den Rücken, während er die vollen Zettel bei Seite schob und den Stift wieder aufnahm. Eine Geräuschkulisse, die den Ohren des Boten gefiel. Mit einem zufriedenen Lächeln ließ er die Tür seiner Kabine zu fallen.

      Die Flure des Vilnavis waren schmal und eng im Unterdeck. Das künstliche Licht zog sich in langen geraden Bahnen zur linke und rechten des Boten durch die Wände und erleuchtete seinen Weg. Ihm gefielen diese Reisen nicht. Eine Menge Komfort hatte er auf den Supralona lassen müssen, schon als er die erste Etappe gen Nubisairë antrat. Das Ziel dieser, Forsúl war ein reudiger Ort. Es tummelten sich Gesindel und Diebe an jeder Ecke, sodass man keinen Fuß vor die Türe setzen konnte. Zumal nahm ein unangenehmer Geruch die Hafenstadt ein. Wie alles tiefer Gelegenes, wog auch die Luft hier eine leichte Note von Schwefel und schweren Metallen in sich. Die häufiger auftretenden Brüche in den Wolken ließen immer mal wieder die giftigen Gase aufsteigen, welche in schmaler Dosis zwar nicht gefährlich, aber für feine Nasen unangenehm war. Forsúl hatte ihm bei keinem Aufenthalt ein angenehmes Bild vermittelt und die längere Wartezeit bei diesem Tripp machte es nicht viel angenehmer. Auch wenn ihm dadurch Han’vë untergekommen war…
      Der junge Rámaas hatte einst in der Werft gearbeitet und allerlei arbeiteten verrichten müssen. Doch in jeder Interaktion der beiden bewies der Junge einen klugen und gewitzten Kopf… Potenzial, welches der Bote hatte fördern wollen. Zumindest mehr als das verwöhnte Kind, welches er vorher unter den Fittichen hatte. Einmal gehört es solle in die Sublona reisen und schon nie wieder gesehen…
      Oro’istya kam auf der Brücke an und warf einen Blick in die Runde von Matrosen, welcher beim Kapitän des Vilnavis endete. Die Frau war erfahren am Steuer, schon mehrfach hatte sie eine solche Reise durchgeführt! Der Blick des Boten glitt hinaus durch die im Halbkreis angeordneten Fenster der Brücke. Davor hatten sich noch gestern feine Wolken aufgetürmt, deren weißer Anblick fast schon lieblich war. Heute waren alles vor den Fenstern tief grau - dreckig von Asche und Schwefel. Das Dimmlicht des Schiffes gab kaum Einsicht in das, was sich dort tummeln mochte.
      „ Was ein widerlicher Anblick!“, kommentierte Oro’istya kalt. Er lehnte sich an eine der Konsolen, während der Kapitän an ihn heran trat. „ Nurúcina wird nie hübscher, egal wie oft man es auch anblickt!“, lachte sie zurück und nahm neben dem Boten Platz. „ Die Wolken hängen heute sehr tief, für gewöhnlich sollten wir jetzt schon Sicht auf das Wasser haben…“ in ihrer Stimme lag ein wenig Sorge. Die tiefen Wolken machten die Reise gefährlicher, als sie es ohnehin schon war. Oro’istya lachte leicht auf. „ Wasser?! Ihr nennt diese Suppe raunten tatsächlich Wasser?!“ Er schüttelte seinen Kopf. Wäre es Wasser, wären die Iskra nicht auf sie angewiesen und er könnte sich die Reise schenken.
      „ Wie kommt Ihr mit dem Burschen voran?“, fragte der Kapitän dann in lockerer Stimmung und riss den Boten aus seinen Gedanken. Die Frage trieb ihm allerdings nur einen genervten Ausdruck ins Gesicht, ehe er sich wieder von der Konsole erhob und ohne ein weiteres Wort der Antwort abzog. „ Sagt Bescheid, sobald wir die Passage erreichen!“, rief er zurück, während er die Brücke wieder verließ.
      Zurück blieb ein leicht schmunzelnder Kapitän und eine Crew, welche es nicht wagte in Anwesenheit des Erumantur zu sprechen. Allein, dass ihr Kapitän solche Fragen stellte, raubte ihnen den Atem.

      Es war spät, als die Wolken sich lichteten und man endlich das braune Meer erblickte. Die unendliche Weite Nurúcinas. Schatten dreckiger Ungeheuer tummelten sich, als das Vilnavis über die Oberfläche glitt und sich der Passage nährte. Eine Ansammlung von Bergen, welche das Meer davon abhielt hinab in den Kern zu sickern und ihr Weg in Tiefen ihrer Welt. Dort unten, wo die Iskra lebten.
      „ Jemand soll dem Boten Bescheid geben! Wir haben unserer Ziel erreicht!“, rief der Kapitän nach hinten.
      Der Bug des Vilnavis hob sich langsam über die ersten Felsen und stieg kontrolliert über das dunkle Gestein, welches sich um die Passage türmte. Ohne Flug gab es kein Entrinnen aus dem Kern und auch keinen Weg hinein… Doch selbst mit war der Eintritt kein einfacher. Stetig stieg heiße Luft aus dem Inneren auf und machte das Manöver nicht leichter!
      Während die Crew angestrengt arbeitete, lief ein Matrose durch die schmalen Gänge zur Kabine des Boten. Nach dem Klopfen trat der junge Mann ein und meldete das Erreichen der Passage. Oro’istya blickte von der Arbeit seines Schülers auf und gab mit einem Nicken zu verstehen, dass er es verstanden hatte. Han’vë hatte ebenfalls seinen Blick auf den Matrosen gerichtet. Seine Augen hatten sich ein Stück geweitet, als er hörte, dass sie ihr Ziel erreicht hatten. Der Junge aus Forsúl konnte noch immer kaum glauben, wohin die Reise ging. Er war durchaus ausgefegt sich in den Kern zu begeben, welchen er nur aus Legenden kannte. Sein Kopf war noch gar nicht auf die Idee gekommen, zu hinterfragen, warum ein Erumantur hinab geschickt wurde…
      „ Geh es dir schon ansehen!“, sagte Oro’istya auffordernd. Han’vë fuhr herum und nickte seinem Lehrmeister dankend zu. Er sprang auf, drängte sich an dem Matrosen. Des Meisters Blick folgte dem Schüler. Dafür konnte er sich also begeistern, aber für das lernen nicht?
      Der junge Rámaas kam auf der Brücke an. Leise schlich er nach vorn und warf seinen erstaunten Blick auf die Spitzen der Berge, welche langsam verschwanden. Sie sanken langsam in die Dunkelheit hinab. Einzig das nun aufgeschaltete Licht ließ sie die Strukturen der Felsen erahnen. Han’vë versuchte sich alles anzugucken. Doch trotzt Erstaunen, stellte er schnell fest, dass der Stein hier genauso aussah, wie unter dem Inseln und Kontinenten… Doch bevor die Ernüchterung über diese Erkenntnis einsetzten konnte, brach die Decke auf. Das Licht traf nicht mehr auf Gestein, sondern verlor sich in der dunklen Ferne. Der Junge klebte förmlich an der Scheibe und versuchte einen guten Blick der Umrisse in der Finsternis zu bekommen.
      Inzwischen hatten auch der Matrose und der Bote die Brücke wieder erreicht. Oro’istya warf einen kurzen Blick auf seinen Protegé, dessen Erstaunen er noch immer nicht verstand, aber durchaus angenehm fand. Zumindest einer freute sich darüber diesen widerlichen Ort zu sehen.
      Eine ganze Weile glitt das Schiff in Stille durch die Finsternis. Die Brücke hatte sie sicher ins Innere gebracht und navigierte nun zwischen den stützenden Flessäulen gen Ziel. Oro’istya war an Han’vë heran getreten und schickte jenen zurück auf die Kabine. Terra'th Iskra wäre nicht vor dem Morgen zu sehen und der Junge bräuchte den Schlaf…

      Über den Wolken graute es zum Morgen - hier unten sagten ihnen nur die Uhren die Zeit an - als das Vilnavis sich dem Landepunkt Terra‘th Iskra nährte. Inzwischen erleuchteten die Lichter der Kernstadt die Umgebung derart, dass man jede Felsstruktur gut erkennen konnte und die Lichter des Schiffes unnötig wurden.
      Es hatte eine routinemäßige Reise werden sollen, wie immer… Niemand hatte mit dem gerechnet, was passieren würde…

      Die roten Alarmleuchten gingen los und ein schriller Ton versetzte alle an Bord in Bereitschaft. Han’vë kannte diese Lichter und Geräusche. Es waren die selben, die auch ertönten, wenn sich das Nubisairë um Forsúl auftat und Gift spuckte. Doch heute wurde er vor einer Attacke gewarnt.
      trotzdem hatte der junge Rámaas seinen Umhang und und die Maske ergriffen und eilte Richtung Deck.

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    • Der Schlund
      Umliegende Felswüste vor der Kernstadt

      Bedrohliche Stille lag über kargen Felsen und dunklem Gestein, dessen Struktur und Erhebungen nur durch das fahle Licht der Kernstadt zu erkennen waren. Wer den Anblick nicht gewohnt war, dem spielten die tanzenden Schatten erzeugt von flackernden Lichtern und der Gesteinsoberfläche gerne Streiche. Es heißt in alten Geschichten, dass allein der schiere Anblick in die bodenlose Finsternis im Schlund der Ozeane, der Zaram Venenúm, Fremde in den Wahsinn trieb. Wie das Maul einer hungrigen Bestie öffnete sich die Dunkelheit und verschluckte gierig jeden Funken Licht. Hier in der Dunkelheit verbargen sich vor nicht kundigen Augen verhüllte Gestalten in Nischen und Aushöhlungen im Fels. Und warteten. Sie warteten seit Stunden in der lähmenden Hitze des Gesteins, erwärmt durch den unaufhörlich brennenden Erdkern.
      "Wie lange sollen wir noch warten? Sicher das heute noch ein Botenschiff eintreift?", maulte die unangenehm, schrille Stimme einer Frau mittleren Alters. Das fast rabenschwarze Haar hatte sie zu einem strengen Zopf nach hinten gebunden und sie schwitzte unter dem lederartigen Kleidung, deren dunkle Farben perfekt an die Felswände angepasst waren.
      "Hör auf zu nörgeln, Kayla, oder ich verfrachte dich persönlich in den nächstbesten Lavastrom.", knurrte es drohend aus einer anderen finsteren Ecke. Baruk, seines Zeichens Waffenschmied der Iskar, zog das schwarze Tuch aus dünnem, luftdurchlässigem Stoff höher über seine Nase. Auch ihm war heiß und das dreckige, blonde Haar klebte ihm in der Stirn. Ohne die Eroberung eines Botenschiffes gab es keinen Weg hinaus aus diesem brennenden Höllenschlung und er war es satt die Drecksarbeit für die hohen Herren, die Wächter und den geflügelten Bastarden über dem Wolkenmeer zu machen. Das hier war vielleicht ihre einzige Chance seit Monaten.
      "Ich habe die Pläne genau studiert. Es muss heute sein." Brummte er und hob anschließen alarmiert die Hand. Etwas näherte sie, er spürte es an der Veränderung des Luftzuges. In der aufkommenden Stille blidete er sich beinahe ein den chorartigen Gesang der Thain'aur aus den tiefen von Terra'th Iskra zu hören. Der Gesang jagte ihm jedes Mal einen Schauer über den Rücken, ebenso wie die Wächter selbst, die man kaum zu Gesicht bekam. Sie wirkten, fremdartig und unnahbar. Nicht greifbar für jemanden, der kaum über eine magische Begabung verfügte.
      Ein Lichkegel erregte die Aufmerksamkeit der versteckten Iskar. Endlich!
      "Macht die Seile und Anker bereit...", wurde die Botschaft durch die Reihen weitergegeben. Im fast grellen Licht des Schiffes blitzte zwischen den Felsen der metallische Schimmer von Stahl auf. Und dann ging alles ganz schnell.
      Baruk, Kayla und ihre Gefährten, die auf lebensgefährlicher Höhe in die Felswände gekrallt standen, schleuderten schwere Metallhaken in die Hülle des Botenschiffes, als sich jenes zwischen zwei Felswänden entlang schob.
      "Lasst niemanden am Leben. Wir müssen uns beeilen, bevor jemand merkt, dass sich der Bote verspätet...Los!", bellte Baruk seinen Mitstreitern zu. Ein Anker bohrte sich in den Bauch des Schiffes und riss eine tiefe Furche hinein. Baruk grinste. Nichts war so hart und kraftvoll wie der Stahl der Iskra. Die Angreifer lösten die Haken aus den ledernen Geschieren, die um ihre Oberkörper geschlungen hatten und sie an der Felswand festgehalten hatten. Sie allesamt waren hervorragende Kletterer. Hände und Knie um die gespannten Seile geschlungen, klemmte sie der blonde Iskra ein Messer zwischen die Zähne und hangelte sich an Deck des Schiffes.
      "Für Terra'th Iskra! Für die Freiheit!," brüllte er und die anderen stimmten in den Ruf mit ein. Blitzschnell, aber mit einer Wucht roher Gewalt, stieß Baruk das erste Besatzungsmitglied, das ihm entgegen kam zurück. Im dämmrigen Licht der Kernstadt schimmerte sein Messer unheilvoll auf, ehe es wie ein heißes Messer durch die Butter, die Kehle des Mannes durchtrennte. Heißes Blut tropfte hinab und ließ das Deck unter ihren Füßen rutschig zurück.
      Verbissen setzte er seinen Weg fort, Kayla dich hinter ihm. Wenn das hier schief ging, war das ihr Todesurteil. Der ehrwürdige König in seinem einsamen Turm würde sie allesamt direkt in den Weltenkern werfen.

      Terra'th Iskra
      Anlegestelle der Botenschiffe

      Ungeduldig blickte ein hochgewachsener Mann über die schwach beleuchtete Anlegestelle. Das Botenschiff war bereits seit ein paar Minuten überfällig und wenn eins gewiss war, dann das sich der Bote nie verspätete. Und gerade in so dringlicher Angelegenheit war jede Sekunde kostbar. Die zugeführten Wasserrationen schienen in den letzen Woche reduziert worden zu sein, dass bereits Unruhe unter den Iskar in der Kernstadt und den umliegenden Felswüsten ausbrach. Hierath schloss seufzend die Augen und ließ sich vom Klang des Chors beruhigen. Für ihn klangen die vereinten Stimmen der Wächter tröstlich und beständlich. So lange die Stimmen durch die Finsternis hallten, summend und im Einklang, war das Leben gesichert. Eine Zukunft war greifbar und möglich. Auch wenn die Hüter des Weltenkerns dafür das Recht auf ein eigenes Leben und Familie aufgaben. Für jeden von ihnen war es das Opfer wehrt und es galt als Ehre in den Kreis der Thain'aur aufgenommen zu werden. Auch für die Familien der Kinder die erwählt wurden, gab es keine höhere Ehre. Sie hatten für den Rest ihres Lebens ausgesorgt.
      "Sie verspäten sich.", brummte Hierath und öffnete die Augen. "Der Bote verspätet sich nie. Bringt Nachricht zum Mina'th Reigis. Ich befürchte wir werden bald Unterstützung brauchen." Ein dunkle Vorahnung hatte den Iskar gergriffen und auch er, irrte sich nur selten. Seit Monaten schon kochte die Unzufriedenheit unter der Bevölkerung von Terra'th Iskra. Junge und idealistische Frauen und Männer, denen ihr jetziges Leben nicht mehr genug war. Sie wollten mehr. Ein Gedanke, den er durchaus nochvollzog, aber es war ihre Pflicht und Aufgabe alles zu tun, um die Weltkern im Gleichgewicht zu halten. Jede Generation brachte neue Anwärter hervor, die das Leben sicherten. Für diese Aufgabe nahmen die Iskar auch die Dunkelheit, das Feuer und die kargen Felsen seit Jahrhunderten in Kauf. Seit den Zeiten der ersten Worte und Schriften. Sie lebten einfach, durchflutet von uralter Magie ohne den Luxus den die Technik der Kontinentbewohner mit sich brachte.
      Ungeduldig trommelte Hierath mit den Fingern auf seinen Arm.
      “We all change, when you think about it.
      We’re all different people all through our lives.
      And that’s OK, that’s good, you gotta keep moving,
      so long as you remember all the people that you used to be.”
    • An Bord des Vilnavis
      Botenschiff der Supralona

      Der Kernstadt Licht ließ sich in der Ferne erkennen. Ihr dimmer Schein ließ in der Dunkelheit Gestalten erahnen. Tanzten sie doch über die Felsen und machten jeden nicht gewappneten Kopf wahnsinnig… Die Crew des Vilnavis kannte die Lichtspiele auf dem Gestein und war um ihrer nicht mehr erstaunt. Nur neuer Matrose fürchtete sich noch, jagten ihm die Schauergeschichten seiner Kindheit noch immer nach. In jener Stille erklang ein gleichmäßiges Summen. Kaum hörbar für ungeschulte Ohren, aber aufgegriffen von des Schiffes Technik und eingespielt in die Brücke. Der Gesang der Wächter des Kerns. Ein dauerhaftes Ritual, welches die Vilyalië nicht verstanden, aber ohne jenes sie vermutlich nicht mehr wären!
      „ Für Terra'th Iskra! Für die Freiheit!“
      Oro’istya Velwë fand sich an Deck wieder.
      Das Vilnavis schaukelte, ergriffen aus verschiedenen Richtungen, gehalten von mächtigen Ankern, welche im Fels eingelassen schienen und keine Regung erlaubten. Der Antrieb kämpfte gegen den Zug der stählernen Ketten an, während sich die Hacken in die Flanken des Schiffes bohrten und tiefe Löcher hinein rissen. Iskra ließen sich von den Steinsäulen auf das Deck ab, gehüllt in leichte Rüstung und ausgestattet mit mächtigen Waffen, traf Metall auf Metall und auf Fleisch.
      Ein brennender Geruch stieg in die Nase des Boten ein…
      Klingen schlugen gegeneinander und durchdrangen Fleisch und Knochen.
      Schreie drangen in die Ohren des Boten… Todesschreie!
      Sein Blick huschte im Bruchteil einer Sekunde umher. Die in Blutlachen ertrunkenen Körper der Crewmitglieder und die noch immer dem Angriff standhaltenden Seelen. Sein Blut kochte auf. Im entgegen kamen die Iskra, welche soeben noch die Leben Anderer raubten. Ihre Waffen waren nicht mehr als primitive Schwerter und Lanzen und dennoch geführt von geschickter Hand waren sie tödlich. Oro’istya zückte die eigenen Waffen. Nicht mehr als eiserne Stäbe, verbunden durch ein schmales Kabel. Die Iskra wirkten weder erstaunt noch eingeschüchtert von des Boten Kunst. Erst als jener das leichte Metall gegeneinander schlug und helle Blitze durch die Lüfte zuckten, gefolgt von einem schnellen Zug an des einen Mannes Gesicht vorbei, erkannten sie die wahre Natur jener Waffe. Obwohl die Vilyalië nicht mit der Schmiedkunst der Iskra mithalten konnten, wusste sie sich anders zu helfen und mindestens genauso mächtige Waffen zu erschaffen. Des Boten Blitze raubten ein weiteres Leben, als er herum fuhr und sich den offensichtlichen Anführern stellte…
      Der Alarm war verklungen, so wie die meisten Schreie. Die Maschinen Unterdeck surrten im Einklang mit dem leisen Gesang, dessen Klang sich in Han’vë Astriimas Ohren gebrannt hatte. Er stand keuchend über dem Körper eines Iskra. Die Arbeit hier hatte jemand anderes erledigt. Die unheilvolle Seele war lediglich vor dem Rámaas verendet… Seine Flügel hatte er schützend vor sich gehalten. Nun nahm er jene zurück und huschte unter dem Vordach auf das Hauptdeck, von welchem noch gerade das knistern der vilyaliëschen Waffen ertönt war.
      Auf dem Deck stand der Bote, gemeinsam mit ein paar anderen den übrigen Iskra gegenüber. Des jungen Rámaas Atem wurde schwerer. In beiden Händen hielt er ebenso wie der Bote die eisernen Blitzstäbe. Jene hatte er von einem Toten genommen und gegen die eigenen Messer eingetauscht. Definitiv eine bessere Wahl!
      Han’vë atmete tief aus, ehe er hervor schnellte und an der Iskra, die ihm am nächsten stand in den den Rücken fiel. Die Frau mit dem rabenschwarzen Haar japste auf, als sie die eisernen Stäbe am Hals hatte und ein Gewicht sich von ihr in die Höhe katapultierte. Die Blicke gingen auf des Rámaas Flügel. Unter dem dunklen Umhang entfaltet und rasch die magische Haut spannend.
      „ Verdammt!“
      Die Iskra schienen um ihr Schicksal zu wissen. Entkam er, wäre es vorbei.
      „ Flieg schon!“, rief Oro’istya dem Jungen zu. Wie der Bote seine Worte warf, warf einer der Iskra sein Schwert nach ihm. Doch der Erfolg dieses Wurfes blieb im Ungewissen…



      Terra'th Iskra
      Anlegestelle der Botenschiffe

      In der Ferne blitzte ein Licht auf. Der Schatten einer geflügelten Kreatur zog sich über den steinernen Boden der Anlegestelle. Han’vës Blick wurde für einen Moment schwarz…
      Er bemerkte einen frischen Wind im Haar, glaubte durch die Sublona zu gleiten, obwohl er gen Boden fiel. Von der Schwerkraft angezogen, kam er unsanft auf den Steinen auf. Hier hätte eigentlich das Schiff landen sollen, sicher und unkompliziert.
      Des Rámaas Flanke war offen. Das Schwert, welches seine Flügel hatte treffen sollen, hatte sich in die Seite des Jungen gebohrt. Helles Blut tropfte, während er sich erhob und mit verschwommener Sicht versuchte Hilfe auszumachen…

    • An Bord des Vilnavis
      Botenschiff der Supralona

      Der Blick voller Zorn richtete sich auf den Boten der Vilyalië, der mit einer eigenartigen Waffe in seine Richtung zeigte. Um die stabartige Konstruktion zuckten unheilvolle Blitze, die gerde einen seiner Mitstreiter nieder gestreckt hatte. Was für ein technisches Wahnsinnswerk war das? Baruk ging aus Reflex einen Schritt zurück, um aus der Reichweite der tödlichen Waffe zu konmen. Allerdings waren die Iskar nicht auf den Fernkampf spezialisiert und nur wenige von ihnen waren ausgebildete Krieger. Es gab keine Monster unter den vergifteten Meeren, nur einige merkwürdige Kreaturen, die das Volk der Iskra über die Zeit domestiziert hatte. Sichererlich waren darunter auch tierische Jäger, die perfekt an das Leben in der kargen Felsenlandschaft angepasst waren. Und doch lebten überwiegend friedliche Geschöpfe in den Tiefen.
      Alarmiert blickte Baruk zu der Frau mit den rabenschwarzen Haaren. Der Anblick der Schwingen war eine Seltenheit hier in der Finsternis. Und dennoch hatte Baruk keine Zeit das Kunstwerk aus Knochen zu begutachten.
      "Sag mir, dass du ihn erwischt hast, Kayla!", knurrte er aufgebracht und versuchte in dem glimmernden Licht der Kernstadt und dem Lichtkegel des Botenschiffes eine Bewegung auszumachen. Aber selbst dem geübten Auge des Iskar blieb zwischen den flackernden Schatten das Schicksal des Geflügelten verborgen. Sie durften keine Zeit verlieren, denn sie brauchten dieses Schiff. Die Löcher, die ihre Anker gerissen hatten, würden sich mit dem Iskrastahl wunderbar reparieren lassen. Dafür waren sie vorbereitet.
      Dennoch, die Befestigungen würden nicht ewig halten. Das Schiff durfte sich auf keinen Fall los reißen. Unter dem Zug der Motoren ächzten die schweren Stahlketten, der Druck zerrte an den Gliedern und den Verankerungen in der Felswand. Baruk wurde hektisch und das machte ihn unvorsichtig.
      Wutschnaubend preschte er nach vorne auf den Boten und die Besatzungsmitglieder zu. Kayla und die anderen Iskra folgten seinem Beispiel. Jetzt hieß es alles oder nichts. Mit klirrenden Klingen stürzten sich die Angreifer auf ihre auserwählten Opfer.


      Terra'th Iskra
      Anlegestelle der Botenschiffe

      Während der Kampf auf Leben und Tod auf dem Botenschiff tobte, entstand an der Anlegestelle in Terra'th Iskra ein ganz anderes Chaos. Ein ungewöhnlicher Schatten tanzte in den glimmernden Lichtern der Stadt, als etwas, nein, jemand aus der Finsternis hinab stürzte. Der dumpfe Aufprall ließ die Anwesenden auseinander springen, als erwarteten sie einen Angriff. Klingen wurden sirrend gezogen, um sich zu verteidigen.
      "Wartet!", Hierath hatte sich in Bewegung gesetzt und wischte sich das ergraute Haar aus dem Gesicht, dass er in einem unordentlichen Knoten im Nacken zusammen gebunden hatte. "Geht bei Seite! Macht schon!", bellte er.
      Die Iskra stoben auseinander und gaben den Blick auf die schmächtige Gestalt eines jungen Mannes frei, der offensichtlich schwer verwundet war. Verwirrt kniete sich Hierath zu dem Fremden und entdeckte mit Entsetzen die tiefe Wunde in dessen Seite. Geistesgegenwärtig presste er eine der großen, rauen Hände auf die blutende, klaffende Wunde. Der Blick des Verletzen wirkte unfokussiert, als klammerte er sich mit aller Macht an sein Bewusstsein.
      "Wach bleiben, Kleiner...", murmelte Hierath. Wo blieb die verdammte Verstärkung? Mittlerweile war er sich ziemlich sicher, dass es auf dem Weg zur Anlegestelle einen Überfall gegen hatte.
      Ein Raunen ging durch die Ansammlung, als sich Schritte über den in den Fels gehauenen Steg näherte. Von bewaffneten Iskar begleitet, trat eine hochgewachsene Gestalt in einemn tiefroten Gewand, verziert mit feinen Goldfäden. Bis über die Schultern fiel rötliches Haar, das im Licht der Fackeln und dem Beleuchtung der Kernstadt in allen möglichen Facetten von Rot schimmerte. Das Gesicht wieß scharf geschnittene Züge auf, die fast edel wirkten und es fast unmöglich machten sein Alter zu bestimmten.
      Mit glühenden Augen, der Funken gedimmt durch einen simplen Illusionszauber, blickte Kehled auf die Szenerie, die sich ihm bot. Das Gesicht zeigte erst keinerlei Regung, ehe die Züge ein wenig weicher wurden. Mit dem raschelnden Stoff des bodentiefen Gewandes ließ er sich elegant auf die Knie neben dem Fremden nieder und drehte mit einer behutsamen Geste das Gesicht in seine Richtung. Das glühende Mal, ähnlich einer strahlenden Sonne, pulsierte auf seiner Stirn. Ebenso wie die Linien an seinen Augen. Er nickte beiläufig Hierath zu, der nun beide Hände auf die blutende Wunde presste.
      "Hör auf meine Stimme...", sprach Kehled, Thain'aur, Wächter des Weltenkerns, mit rauer und melodischer Stimme. "Du bist hier in Sicherheit. Was ist passiert?" Dabei beugte er sich ein wenig vor, damit der Verletzte die Stimme nicht angestrengt erheben musste. Die Hand am Gesicht des geflügelten Unbekannten, war seltsam warm, als würde eine Glut unter seiner Haut brennen.
      "Er braucht einen Heiler...", brummte Hierath und hielt den Blick gesenkt, als würde er es nicht wagen dem Wächter in die Augen zusehen. Eher aus Respekt, als aus Furcht. Kehled nickte verstehend. Aber sie mussten wissen was passiert war. Der Fremde stammte offensichtlich von dem Botenschiff, das vermisst wurde.
      “We all change, when you think about it.
      We’re all different people all through our lives.
      And that’s OK, that’s good, you gotta keep moving,
      so long as you remember all the people that you used to be.”
    • An Bord des Vilnavis
      Botenschiff der Supralona

      Das Spiel der Schwingen der Rámaas war zu beneiden. Obwohl sie die weniger entwickelte Unterart der Vilyalië sein sollten, so trugen sie dennoch Eleganz in ihrem dritten Paar Extremitäten. Han’vës Flügel spannten sich. Das schwarze Metall um die Knochen blitzte im Licht auf, als sich die Haut zwischen den Fingern bildetet und ihn in die Lüfte zog. Die Flügel der Rámaas hatten vielerlei Gestalt und Form, doch eine die der seines Schülers ähnelte, war dem Boten bis heute noch nicht untergekommen. Es hatte ihn zu Anfang tatsächlich gewundert, ob jene überhaupt funktionstüchtig waren…
      "Sag mir, dass du ihn erwischt hast, Kayla!"
      Der Anführer der kleinen Angriffstruppe schien wütend, während er versuchte Han’vës Silhouette auszumachen. Doch kein Auge vermochte ihn mehr zu sehen. Die übrigen Vilyalië konnte nur hoffen, das der Rámaas dem Schwert entkommen war und gen Stadt flog. Der Bote bat die Götter in jenem Moment um nichts anderes. Die Iskra waren nicht dumm gewesen. Die mussten gewusst haben, dass an Bord nur wenige Rámaas sein mussten und das es diese zu erst zu töten galt!
      Immerhin zeigte Han’vës potenzielles Entkommen die Gefahr dieser evolutionären Fehlbildung auf!
      Das Schiff rumpelte laut, gefolgt von einem knarzen. Ein Ruck versetzte alle in Schock, während mit einem Klirren die erste Kette des Felsens sich löste. Oro’istya blickte auf, gefasst zückte er seine Waffen.
      „ Han’vë wird es schaffen!“, sprach er sich in Gedanken zu, ehe er sich auf Jene stürzte, welche sein Protegé als Absprungrampe genutzt hatte. Sie kam ihm direkt entgegen, schneller noch als ihr Anführer und erwartete die Ladung der Blitzstangen. Der Bote stieß jene nach vorn, während er einen eleganten Sprung über sie vollzog. Er war nicht naiv genug zu glauben, er hätte im direkten Kampf eine Chance. Wie Vögel, waren die Vilyalië dank ihrer Evolution wesentlich leichter als die Iskra im Kern. Ihre Körper nicht für diese Temperaturen und Luft gemacht… Ganz gleich wie taktisch sie also kämpfen mochten, lange würden sie dies ohne Hilfe nicht durchstehen!
      Unter dem hellen Blitz fiel Kayla gen Boden und schrie sich windend unter dem folgenden Angriff eines der Matrosen. Oro’istya hatte keine Zeit dies zu betrachten. Er widmete sich mit seinem nächsten Angriff dem Anführer der Iskra. Flink an jenem vorbei, jedoch ohne einen guten Treffer zu landen. Die Stäbe streiften den Mann lediglich an der Flanke.



      Terra'th Iskra
      Anlegestelle der Botenschiffe

      Chaos machte sich breit, in welchem Han’vë einen Kampf mit der Dunkelheit startete. Sein Blick wurde immer wieder dunkel. Nachdem Aufprall fehlte ihm die Kraft und trotz des Mytrium, welches seine Knochen umgab, fühlte er das jene gebrochen waren. Er hatte sich wieder erheben wollen. Die dürren Schwingen breiteten sich über den Boden aus. Die Haut wuchs ein Stück weiter und in Gedanken ob er jene in letzter Kraft an, sich erneut erhebend und Hilfe beschaffend. Doch der Rámaas blieb am Boden. Gebunden durch die Schwerkraft auf den kalten Stein, welcher sein Blut fraß. Wie ein Monster lechzte jeder Kiesel danach, ihn seines Lebens beraubend.
      Er vernahm eine Stimme. Doch kein Wort drang in seinen Geist ein. Er fühlte eine Berührung, deren Natur er nicht einzuordnen wusste. Doch ebenso wie seine Schwingen, wollten auch seine Hände sich nicht rühren. Der Griff um die eisernen Blitzstangen löste sich, sodass die Waffe des Vilyalië zu Boden fiel. Ein klirren drang durch seine Ohren.
      Die Blicke der Iskra lagen auf der Szene in ihrer Mitte. Des Verwundeten Schwingen schienen sich langsam aufzulösen, je mehr sein Bewusstsein dieser Welt entwich. Plötzlich erhoben sich die ersten Blicke, ein Raunen folgte der Gestalt, welche durch die Menge trat.
      Eine Hand legte sich an das Kind des Rámaas, welcher keine Kontrolle mehr über seinen Körper hatte. Die schützende Maske des Jungen fiel zu Boden und offenbarte einen Blick auf dessen verzerrtes Gesicht. Ihm standen die Tränen in den trüben Augen. Seine Pupillen waren derart geweitet, dass sie fast eins wurden mit der dunklen Lederhaut des Auges. Der Druck auf seine Wunde wurde stärker, während er die ersten klaren Worte vernahm.
      „ Angriff … geworden. … Bote in… Ge…-fahr…“, flüsterte er leise, während ein Gefühl seltsamer Wärme durch Han’vë glitt. Es war nicht unangenehm, es beruhigte ihn… Als wollte es ihm die Angst vor dem Tode nehmen. Langsam schlossen sich seine trüben Augen mit dem Gedanken, dass er seinen Job erfüllt hatte.

    • An Bord des Vilnavis
      Botenschiff der Supralona

      Unter grellen Blitzen und erbärmlichem Wimmern krümmte Kayla, eine der stärksten Frauen der Baruk je begegnet war, vor seinen Füßen auf dem Deck des Botenschiffes zusammen. Der elektrische Schlag hatte sie zwar nicht getötet, würde sie aber wohl oder übel für einige Zeit außer Gefecht setzen. Aber er hatte keine Zeit an die Seite seiner Mitstreiterin zu eilen, denn der Vilyalië stürmte bereits auf ihn zu. Die Iskra mochten nicht so flink und grazil sein, wie das Volk über den Wolken, dafür punkteten mit ihrer Stärke und Zähigkeit. Ein brennender, krampfartiger Schmerz zuckte durch seine Hüfte bis zu den Rippen und es hätte ihn von den Füßen reißen müssen, wäre er nicht darauf vorbereitet gewesen. Er hatte den Vilyalië in voller Erwartung des Schmerzen an sich herankommen lasssen, nur um sich auf dem Absatz zu drehen und die tödlichen Messer auf seinen Rücken niedergehen zu lassen.
      Was Baruk nicht einkalkuliert hatte, war der gewaltige Ruck, der durch das fliegende Schiff ging und fast alle kämpfenden Männer und Frauen von ihren Füßen riss. Als eine weitere Kette aus ihrer Verankerung im Feld brach, geriert Baruk ins Straucheln und konnte sich nur notdürftig an der Rehling festhalten. Unter ihm lag nichts als finstere Schwärze, nur in wenige Nischen leuchteten und glommen die wenigen kargen Pflanzen, die diese Welt hervorbrachte. Steingewächse in bunten Farben, die durch ihre eigene kraft heraus Licht absonderten.
      "Die Ketten reißen!", schrie ein Iskra am Heck des Botenschiffes und Baruk warf nun mit deutlichem Schock in den Augen den Kopf zurück. Das durfte nicht sein! Wutentbrannt wirbelte der Krieger herum und schubste sogar einen der Eigenen bei Seite.
      "Wenn wir versagen, gehen wir alle unter...", knurrte er fest entschlossen und schritt zielstrebig auf den Boten zu. In jenem Augenblick erklang ein unheivolles Grollen von den Gesteinswänden wieder. Unter Ächzen und Stöhnen zersprangen die stählernen Seile unter dem Zug von Fels und Botenschiff. Dieses Mal fiel auch Baruk zu Boden, als das fliegendes Schiff in bedenkliches Trudel geriert. Sie würde abstürtzen. Schlingernd und instabil ruckte das Botenschiff in seinem Flug nach vorn Richtung Terra'th Iskra.

      Terra'th Iskra
      Anlegestelle der Botenschiffe

      Kehled, der Thain'aur, erblickte die Tränen in den Augen des Verwundeten und fing eine von ihnen mit den Fingerspitzen auf. Wasser in jeglicher Form war im Reich unter der Erde, zwischen kargem Fels und glühender Lava unendlich kostbar für die Iskar. Es selten, dass jemand aus dem Volk der Iskar ohne triftigen Grund Tränen vergoß. Wer weinte litt große Trauer oder unfassbare Schmerzen. Geflüsterte Worte erfüllten seine Ohren und Kehled lehnte sich noch ein wenig weiter hinab, wobei sein Blick die faszinierende Struktur der Schwingen streifte. Knöchern, aber von einer ihm fremden Legierung überzogen. Offensichtlich waren die Knochen beim Sturz gebrochen, doch sie verloren mit jeder verstreichenden Sekunde mehr an Substand, als würden sie sich in der stickigen Luft der Höhlen auflösen. Das Gesicht unter seiner Hand war zu heiß, aber die Vilyalië waren in der Regel nicht für das Leben und den Aufenthalt in dieser Umgebung gemacht. Die Iskar selbst schwitzten nur unter großer Anstrengung und ihre oberste Hautschicht erwies sich als zäher und dicker, als Schutz gegen die Hitze.
      Angriff … geworden. … Bote in… Ge…-fahr…
      Kehled horchte auf und saß mit einem alarmierten Flackern in den glühenden Augen Hierath an. Der alte Haudegen war ein erfahrener Stratege und Kämpfer. Beiden Männern schien der gleiche Gedanke zu kommen, als ein Name synchron über ihre Lippen kam.
      "Baruk...", murmelte der Thain'aur und blickte in Richtung der schwarzen Finsternis, in der sich der Aufstieg zum Schlund befand. "Hierath, lasst unseren Gast von einem eurer Männer in die Hallen unser Heilundigen bringen. Die Wunde muss versorgt werden und er braucht Wasser." Ohne Zögern winkte der ergraute Iskra einen seiner Schüler heran und sowhl Hierath als auch Kehled machten langsam Platz. Bevor der Wächter des Weltenkerns sich erhob, legte er die Hand in einer tröstlichen Geste auf die Stirn des jungen Mannes mit den wundersam ungewöhnlichen Augen.
      "Schlaf. Niemand wird dir etwas tun. Ich verspreche es.", so kühl seine Stimme gegenüber Hierath gewesen war, umso mitfühlender klang sie an den Verletzten gerichtet. Danach erhob er sich, während ein Krieger der Iskra den geschwächten und nun bewusstlosen Körper vom Boden hob und davon trug.
      Kehled und Hierath trat an die Ausläufer des Stegs, als ein Grollen die Luft erfüllte. Ein Luftzug fegte über über sie hinweg und brachte Staub und kleine Steinchen mit sich. Etwas bewegte sich in der Dunkelheit und noch bevor sie die flackernden Lichtkegel des Botenschiffes erblickten, begann der Boden unter ihren Füßen zu vibrieren. Hierath zog verwirrt eine Augenbraue hoch, nur um im selben Augenblick herum zu wirbeln.
      "Alle zurück! SOFORT!", donnerte er über den Steg und in jener Sekunde tauchte das Botenschiff aus der Dunkelheit auf. Es musste hart auf dem felsigen Untergrund aufgekommen sein, des es schlitterte und trudelte verloren und außer Kontrolle über den Boden direkt auf den Anleger zu. Bei der Geschwindigkeit würde es...Kehled riss die Augen auf und setzte sich zeitgleich mit Hierath in Bewegung. Sie schafften es gerade noch rechtzeitig vom Steg zu eilen, als das Botenschiff mit einem gewaltigen Aufprall mit den felsigen Anlegestelle kollidierte.
      “We all change, when you think about it.
      We’re all different people all through our lives.
      And that’s OK, that’s good, you gotta keep moving,
      so long as you remember all the people that you used to be.”
    • An Bord des Vilnavis
      Botenschiff der Supralona

      Der Boden unter den Füßen der kämpfenden ruckelte und mit Klirren lösten sich weitere Ketten, welche das Schiff bis zu diesem Punkt noch an Ort und Stelle gehalten hatten. Der Bote wurde wie auch sein Gegner an die Reling geschleudert. Hatte nicht schon der Kampf ihn einen Blick in den Tod gegeben, täte dies sicherlich der endlose Abgrund, welcher selbst das flackernde Licht des Vilnavis verschluckte. Oro’istya Velwë hielt sich fest, etwas anderes blieb nicht mehr.
      Niemand hielt das Schiff, senkte den Schub der überheizten Antriebe und leitete ein Manöver der Landung ein. Ein Absturz blieb unausweichlich. Alle Augen richteten sich gen Terra‘th Iskra, während die letzte Kette unter dem Zug des mächtigen Schiffes ächzte.
      Der harte Stahl der Unterweltkette sprang und gab mit einem Mal die gesamte Energie des Antriebs frei. Ein letzter Ruck zog alle, die sich wieder erhoben hatten, von ihren Füßen. Zugwinde pfiffen über das Deck und d Lichter der Stadt wuchsen rasant in den Augen der zum Tode geweihten.
      „ Fest halten!“, rief des Kapitäns Stimme über Deck. Der Bote vermochte den Ursprung dieser nicht auszumachen. Die Scheiben der Brücke waren zerstört worden, sicherlich hatten sich die Klingen der Iskra auch unter Ihnen ausgetobt, die ihren Absturz in den dunklen Fels hätten verhindern können.
      Terra'th Iskra wuchs rasend schnell. Die Lichter wurden eins miteinander und der Kulisse von rumpelnden Geräuschen. Das Schiff erbrach Metallteile, Ketten der Iskra und Stücke von Bug und Flanke, wo die Anker sich hinein gebohrt hatten.
      Oro’istya schloss seine Augen. Frieden damit finden würde er niemals. Auf einer Mission in Nurúcina zu verenden…



      Terra'th Iskra
      Anlegestelle der Botenschiffe

      Han’vë Astriima lag da, die Hände zweier Iskra auf dem Körper des jungen Vilyalië. Ihn hätte der Anblick des einen sicherlich mehr erstaunt. Wie er mit seinen glühenden Mahlen auf ihn herab blickte. Doch des Rámaas Blick war längst erschwarzt. Nicht einmal verschwommene Umrisse in hell und dunkel vermochte er noch zu vernehmen, als seine schweren Lieder sich langsam senkten.
      Han’vës Atem ging flacher. Jeder Zug rasselte leise in seiner Kehle, welche mit jedem Einsaugen der Schwefelhaltigen Luft enger wurde…
      Einige der umstehenden Iskra erblickten zum ersten Mal die Schwingen eines Rámaas. Ob sie ihren Kindern ach Märchen über die Welt dort oben erzählten? Wie frei das gesegnete Volk durch den Himmel tollte, spielend mit Wind und Wolken, und sie niemals Not erlitten? Die letzte Haut zwischen den verbogenen Knochen löste sich auf und die dürren Finger sanken klappernd auf den Stein ab.
      Han’vë bekam nicht mit, dass diese Menschen schon einen de ihren in Verdacht hatten. Oder, dass man befahl seine Wunden versorgen zu lassen…
      Er fand sich in der Schwärze wieder. Er fühlte keine Schmerzen, lediglich die beruhigende Wärme, die ihn in den Schlaf geleitet hatte. Vor seinen Augen stand sein Großvater, so wie er den Alten Vilyalië in Erinnerung behalten hatte. Ein warmes Lächeln kräuselte sich unter dem weißen Bart. Dem Jungen stiegen die Tränen in die Augen, während er auf den alten Mann zu eilte und jenem in die Arme fiel…
      "Alle zurück! SOFORT!"
      Unruhe machte sich breit auf dem Steg. Schlingernd und mit lauten krachen, kündigt sich das Vilnavis an. Seine Lichter flackerten nicht mehr, denn der erste Aufprall hatte jene erloschen. An Deck hielten sich nun weniger Hände an jeder Möglichkeit fest. Manch bedauerliche Seele war mit einem Teil der Reling in die Tiefe gestürzt…
      Es ruckelte ein letztes Mal, als das Schiff endgültig mit dem Gestein eins wurde. Der Antrieb jaulte auf, ehe e sich mit einem Rums as dem Dienst verabschiedete. Oro’istya Velwë hing noch immer an der Reling. Der Bote öffnete seine von Staub umnebelten Augen, als das Vilnavis endlich Ruhe gab. Vorsichtig löste er sich von der Reling, die sein Leben gerettet hatte, nur um jener wieder zu begegnen, die e zu Boden gestreckt hatte. Kayla hatte sich erhoben, in ihrer Hand ein Schwert und den Boten direkt ins Ziel genommen. Ihr Hieb traf war nicht, doch seine Wucht und die lose Reling gaben nach. In der staubigen Masse fielen der Vilyalië und die Iskra auf den durchbrochenen Steg und begannen einen neuen Kampf, welcher dank der eisernen Blitzstäbe auch für andere gut zu sehen sein musste!

    • Terra'th Iskra
      Anlegestelle der Botenschiffe

      Kehled Azaghâl & Co.

      Eine undurchlässige Wolke aus Staub verhüllte für einige ungewisse Sekunden den freien Blick auf die wohl zerstörte Anlegestelle für die Botenschiffe. Durch den Umstand, dass unter Tage kaum ein Lüftchen wehte, warteten Kehled und die umstehen Iskra unegduldig darauf, dass sich der Staub gen Boden legte und die Sicht auf den Trümmerhaufen freigab, der wohl einst ein Bodenschiff gewesen war. Die Zeit tickte zäh dahin und endlich erkannte der Wächter hektische Bewegungen im staubigen Nebel. Blitze erleuchteten obskur die Anlegestelle und erzeugten ein seltsames Schattenspiel von Staub und Licht. Je mehr die Sicht aufklarte, umso deutlicher wurde es, dass der Kampf wohl noch nicht beendet war. Die rebellischen Iskra hatten trotz der Bruchlandung noch genug Energie, um erneut auf die Besatzung des Schiffes loszugehen. Kehled erkannte unter ihnen ein paar bekannte Gesichter. Kayla, eine Steinmetzin, die mit der Kraft ihrer Arme so manchen Soldaten in die Flucht geschlagen hatte. Sie wirkte deutlich mitgenommen, hatte aber noch ausreichend Kampfeslust in den Knochen. Zwischen den Kämpfenden entdeckte er auch den viel gesuchten Baruk. Der Iskra mit den dreckigen und jetzt noch vom Staub stumpfen blonden Haarschopf, hielt die typischen gebogenen Messer der Iskra in der Hand, die sich durch ihre Form perfekt dazu eigeneten sich aus dem Schatten heraus um die Kehle eines Feindes zu legen. Eine verpöhnte, hinterhältige Klinge, der nicht viel Ehre nachgesagt wurde.
      Hierath blickte den Wächter mit deutlicher Verwirrung an. Warum zögerte Kehled noch?
      Seufzend trat der Thain'aur einen Schritt auf die wirre und chaotische Ansammlung von Kämpfenden zu. Gebieterisch hob er eine Hand, mit der Handfläche nach vorn gerichtet und ließ zu, dass die Illusion von seinen Augen abfiel. Das flammende Leuchten seiner Augen schien strahlender und intensiver zu werden, die Iris schlitzförmig, um sich vor dem körpereigenen Licht zu schützen. Gewöhnlich war die Iris der Iskra groß und weit, um das spährliche Licht einzufangen. Glühende Linien erschienen auf seiner Handfläche, als würde heiße Lava durch seine Adern fließen. Die Luft um Kehled flirrte vor Hitze und wie von einer unsichtbaren Glut ergriffen, begannen die Klingen der Rebellen heiß zu glühen. Eine sengende Hitze floss durch das Metall bis in die Schwert- und Messergriffe. Erschrocken keuchten die bewaffneten Iskra auf und ließen vor Schmerz ihre Waffen fallen, was sie ohne Verteidung zurückließ. Sie sahen sich nun hilflos den elektrischen Stäben der Vilyalië gegenüber. Metallisches Scheppern erfüllte die Luft, als die glühenden Waffen auf dem steinernen Boden aufkamen.
      "Genug!," sprach Kehled gebieterisch und blickte mit flammenden Augen und Insignien in seinem Gesicht in die überraschten Gesichter. Es war nicht oft, dass ein Wächter den Gebrauch des Funkens offen zeigte. Die Magie war gefährlich und nur schwer zu kontrollieren. Ein Fehler und Kehlend würde alle um sich herum in einen flammenden Tod reißen.
      Hierath und seine Männer setzen sich rasch in Bewegung um die rebellischen Mitglieder ihres Volkes auf die Knie zu zwingen. Knurrend wehrte sich Baruk gegen die schweren Eisenfesseln, die nun um seine Handgelenke und auf dem Rücken fixiert wurden.
      "Du!", grollte er und sah ohne Furcht dem heranschreitenden Wächter entgegen, während Kayla neben ihm über ihre verbrannten Handfläche wimmerte.
      "Verräter! Sklave der Oberen...", schimpfte Baruk mit rauer Stimme, der Buchstabe 'R' ein schweres Rollen auf seiner Zunge. Hierath verpasste ihm einen mahnenden Stoß zwischen die Schulterblätter.
      "Bruder...", sprach der Thain'aur mit tiefer, ruhiger Stimme. Es war schwer auszumachen ob er enttäuscht oder wütend war. Seine Mimik verriet nicht über seinen Gemütszustand.
      "Ich habe keinen Bruder mehr, du elender Bastard.", knurrte Baruk und spuckte respektlos vor Kehled auf den Boden. Angesprochener schüttelte bedauernd den Kopf und nickte Hierath zu, der den stummen Befehl aufnahm und mit einem gebellten Befehl die rebellischen Männer und Frauen über den Steg abführen ließ. Sie würden sich zu späteren Zeit für ihre Taten verantworten müssen.
      Unter einem tiefen Atemzug straffte der Wächter seine Haltung und wandte sich flankiert von zwei Kriegern, den Vilyalië zu. Mit kundigen Augen erfasste sein Blick, das Glühen wieder zu einem sanften Licht verglommen, an Oro’istya Velwë. Anhand der Kleidung und Aufmachung war er leicht als der führende Bote zu erkennen.
      "Ihr müsst Oro’istya Velwë sein.", setzte Kehled an und neigte leicht das Haupt, eine Geste der Begrüßung und des Respekts. Sein Volk war sehr traditionell und legte viel wert auf derlei Gesten. "Für Eure Ankunft haben wir uns bessere Umstände gewünscht. Die Verantwortlichen werde ihre Strafe erhalten, das versichere ich Euch bei meinem Eid als Thain'aur. Mein aufrichtiges Beileid für Eure Verluste. Wenn es Euer Wunsch ist werden wir Späher aussenden, um Überlebende oder bedauerlicherweise die Körper zu bergen, damit diese ihren Familien gebracht werden können. Wir werden Euch mit allen Mitteln bei der Instandsetzung Eures Schiffes behilflicht sein. Die besten Schmiede von Terra'th Iskra werden euch zur Verfügung gestellt." Und das Wort ein Thain'aur wurde nur selten gebrochen, auch der König in seinem einsamen Turm war zumeist daran gebunden. Das Volk achtete und respektierte die Wächter des Weltenkerns.
      "Vielleicht wird es Euch beruhigen, dass Euer junge Freund den Weg hier her geschafft hat. Er ist verletzt, aber wir wollten ihn gerade zu unseren Heilkundigen bringen. Werdet ihr uns begleitet oder bleibt ihr bei Eurem Schiff um den Schaden zu begutachten."
      Der Thain'aur war kein Freund von diplomatischen Gesprächen und auch wenn er der Erhalung ihrer Welt diente, zuckte ein Hauch Trotz durch sein Herz, symbolisch vor Oro’istya Velwë im Staub zu kriechen. Mit einer ausschweifenden Geste deutete er in Richtung der Skra, die den Verwundeten trugen.
      “We all change, when you think about it.
      We’re all different people all through our lives.
      And that’s OK, that’s good, you gotta keep moving,
      so long as you remember all the people that you used to be.”
    • Terra'th Iskra
      Anlegestelle der Botenschiffe

      Magie… Sie Unterschied die Vilyalië von den Iskra. Die Thain‘aur schienen allerdings die einzigen zu sein, die ihrer mächtig waren. Und so wie schon die Boten vor Oro’istya Velwë dieses Volk einschätzen, waren die meisten, die diese Macht trugen, nicht dumm genug sie gegen den Himmel zu verwenden…!
      Das Volk unter der Erde war immerhin von ihnen abhängig. Was die Erumantur nutzten, um du Kontinente und Sublona zu beherrschen, lag wie eine Schlinge um den Hals de Iskra. Ulobaiule, ein unbezahlbares System in der Kontrolle der höchsten des Himmels und unerreichbar für die Kakerlaken der Erde.
      Der Bote war gefangen im Spiel der Magie, welches seine Feinde entwaffnete. als er ein Blitz durch die Iskra schickte. Eine praktische Fähigkeit, die keine Technik reproduzieren könnte. Er blickte zu Frieden über die sich krümmenden Iskra, deren Niederlage nun endgültig schien.
      Der Staub tanzte im Licht, eins mit den Blitzen der eisernen Stäbe in den Händen des Boten. Sie hatten die letzte große Ladung durch die Iskra geschickt, die der Idee verschrieben war den Boten des Himmels zu vernichten. Die Schwarzhaarige kauerte nun auf den Boden, einen jämmerlichen Blick auf die verbrannten Flächen ihrer Hand gerichtet. Die pure Verzweiflung war ihrem Gesicht zu entnehmen… Die Schande, die sie für ihr scheitern empfinden musste, als sie in die Richtung ihres Anführers blickte.
      „Genug!“, erklang die Stimme des Rothaarigen in den Bodenlangen Roben daraufhin, welcher auf den Boten und seine Gegnerin zu kam. Doch seine Aufmerksamkeit schien dem Iskra-Anführer zu gelten.
      Oro’istya lachte nur abfällig und hielt Kayla eine seiner Stangen an die Kehle. „ Ihr seid Narren, wenn ihr glaubt, dass dort oben auch nur einer eure widerlichen Visagen sehen will!“, raunte er ihr mit einem hämischen Grinsen zu, ehe er sie endgültig zu Boden schlug.
      Des Boten Augen verengten sich streng, während er die Dramatik der Iskra mit ansehen musste. Einer von ihnen nannte den Feind Bruder. In, was Oro’istya als ehrliche Erschütterung betiteln würde, blickten zahlreiche Augen den Versager an. Die Iskra waren stumm, während der Rothaarige mit der verräterischen Seele sprach. Während die Thain‘aur begannen die ersten abzuführen, widmete man sich endlich dem Boten zu. Seine markante weiße Kleidung war durch den Kampf und den Aufprall dreckig und zerschlissen. Sein Umhang in Blut getränkt und die Maske mit tiefen Kerben versehen.
      „ Viscount Velwë für Euch!“, korrigierter der Vilyalië seinen gegenüber umgehend. Er betonte seinen Titel besonders kalt, damit sie gar nicht erst in die Bredouille einer Freundschaft kamen. Er wolle mit diesen Schaben keine persönliche Beziehung pflegen!
      „ Euer Eid bedeutet uns nichts!“, sprach er missbilligend. „ Wir haben einen Vertrag, der unsere sichere An- und Abreise beinhaltet. Diese wurde heute nicht gewährleistet und der Vertrag damit nicht eingehalten! Das soll Folgen haben…!“ mit einer einfachen Bewegung verstaute er seine Waffen und verschränkte die Arme vor seiner Brust. „ Es ist da mindeste meine Leute zu suchen und auch die Teile des Vilnavis zu bergen!“ Ein Schmied könnte dieses Schiff nicht reparieren, nicht ohne die Anweisung eines Ingenieurs, der wusste wie. Während er überlegte, sprach der Iskra die Ankunft Han’vës hier an. Die Art und Weise, wie der Rote glaubte, dass Oro’istya um seinen Schützling besorgt war, amüsierte diesen ein wenig. Der Rámaas war also von dem Schwert getroffen worden und dennoch her geflogen…
      Doch Oro’istya schüttelte nur seinen Kopf. „ Kapitän, begutachtet das Schiff! Heute Abend erwarte ich eure Einschätzung!“, rief er in Richtung der mitgenommene Dame. Sie nahm den Befehl entgegen und begann alle, die nicht zu schwer verwundet waren, damit zu beauftragen das Vilnavis zu begutachten.
      Der Blick des Boten folgte der Geste des Mannes. Han’vës schlaffer Körper lag in den Armen eines der Iskra, welcher sich scheinbar große Gedanken darum gemacht hatte, wie er den geflügelten zu tragen hatte. “ Ihr solltet einen Schmied mit schicken, der sein filigranes Handwerk beherrscht!“, sprach er zurück an den Roten. Die Flügel des Schülers wären verloren, kümmerte sich keiner darum.
      „ Und ich werde euch begleiten, unserer Schiff ist in guten Händen!“, er verwies auf seinen Kapitän.

    • Terra'th Iskra
      Anlegestelle der Botenschiffe

      Kehled Azaghâl & Co.

      Die völlig überflüssige Geste der Grausamkeit, war Kehled nicht entgangen. Bereits besiegte Feinde, die am Boden lagen, noch einen erniedrigenden letzten Schlag zu verpassen, sprach gegen jeder Ehre, die die Iskra im Leib trugen. Auch wenn die rebellischen Kämpfer im Augenblick nicht gerade eine Zierde ihres Volkes darstellten. Aber das Abkommen zu schützen, nahm der Wächter notgedrungen diese Niederträchtigkeit in Kauf. Der Bote wirkte wenig besänfigt von seinen Worten und um mit sich selbst ehrlich zu sein, hatte Kehled auch nicht viel von der Seite der Vilyalië erwartet. Jedes einzelne Mal versprüten die Boten aus der Welt über dem Wolkenmeer eine beißende Überheblichkeit, die ihres Gleichen suchte. Für die Vilyalië war das Volks unter den Ozeanen nicht mehr als Ungeziefer. Unzivilisierte Kreaturen, die keinerlei Respekt verdienten. Und die Iskra nahmen es für die wenigen Tage hin, die sie in der Präsenz der Boten aushalten musste. Ein Funken Verständnis für Baruk und seine Gefolgsleute nährte den Zweifel in seiner Brust. Aber der Thain'aur hatte einen Eid geleistet und den galt es zu erfüllen. Und so sehr die Vilyalië auch spöttisch auf sein Volk herabblickten, versagten sie ihnen das lebensspendende Wasser, wäre das auch der Untergang der übrigen Welt. Sollten die Wächter jemals die Kontrolle über den Weltenkern verlieren, drohte eine Klimakatastrophe sondergleichen. Die Meere würden verdampften und so den Kreislauf des Wasser nachhaltig unterbrechen. Die Vilyalië würden ebenso elendig verdursten wie sie alle.
      Die Unhöflichkeit von Viscount Velwë hinterließ einen säuerlichen Geschmack in seiner Kehle. Der Thain'aur war einen solchen Umgang nicht gewohnt, wo ihm sonst ehrfürchtiger Respekt entgegen gebracht wurde. Auch das Wirken seiner Magie hatte wenig Eindruck hinterlassen, da die Bewohner der schwebenden Kontinente ihre Kunst als rückständig und minderwertig ansahen.
      "Viscount Velwë , natürlich.", korrigierte sich Kehled und bedeutete Hierath mit einer beschwichtigenden Bewegung ruhig zu bleiben. "Ich bedauere diesen schlimmen Zwischenfall, aber bitte bedenkt bei Euren Anschuldigungen, dass es unsere Magie ist, die Euch ermöglicht in Wohlstand zu leben und Euch eure Stellung sichert." Er spürte förmlich, wie der erfahrene Krieger in seinem Rücken seinen Unmut über die Anstandslosigkeit des Boten versprüte. Für heute hatte es genug böses Blut zwischen den Völker gegeben.
      "Hierath, schick deine Späher in die Steinwüste und such nach Überlebenden. Bringt sie ohne Umwege nach Terra'th Iskra. Und sichert die Wrackteile. Die Männer des Viscount werden sicherlich wissen, was davon noch zu retten ist." Widerstrebend setzte sich Hierath, nach einer tiefen Verbeugung vor dem Wächter, inh Bewegung. Ihm folgten bewaffnete Iskra in die Dunkelheit. In ihren Händen befanden sich gläserne Laternen, in denen wundersame Pflanzen mit dicken, fleischigen Blättern blühten. Die Gewächse verströmten ein sanftes aber klares Licht, dass ihnen als Ersatz für Fackeln diente. Eine ganze Weile waren die wandernden Lichter noch zu sehen, ehe sie von der Dunkelheit verschluckt wurden. Tageslicht war nur selten gegeben, wenn es durch die wenig schmalen Spalten von der Oberfläche herreinschien.
      Es lag wenig Mitgefühl in den kalten Augen des Boten, der nun den Bewusstlosen begutachtete. Kehled ließ seinen Blick über die gebrochenen Flügel wandern und erkannte das Problem, dass der Viscount ansprach. Wie bei allen gebrochenen Knochen, würden auch diese falsch verwachsen, wenn sie nicht richtig behandelt wurden.
      "Wenn Ihr mir folgen mögt.", sprach Kehled nun milde und die ungewöhnliche Gruppe verließ den Steg in Richtung der Kernstadt.
      Die Stadt war ringförmig angeordnet. Am äußeren Rand waren Wohnquartiere direkt in die Felswand geschlagen worden und füllten den Stein bis in schwindelerregende Höhen. Treppen waren direkt in den Stein gemeiselt worden und teils durch Leitern und Stege verbunden. Weiter unten, um den großen Platz versammelte sich eine Art Markt, an dem Händler ihre Waren anboten. Exotische Pflanzen aus den tiefen der Höhlen, Essen und Getränke wurden angeprießen. Schmiede prahlten mit ihrer Handwerkskunst, von denen sich eine Frau mit rapselkurzen, braunen Haaren ihrem Tross anschloss. Sie würde sich um die gerbochenen Flügel kümmern, nachdem man ihr die Notlage erklärt hatte.
      Mitten aus dem kreisrunden Platz erhob sich ein Turm aus dunklem Gestein dessen Spitze in die Felsdecke verlief und dort versank. Es wirkte bald so, als würde der Turm - Mina'th Reigis - die gigantische Höhle vor dem Einsturz bewahren. Der Turm des regierenden Königs, an dessen Fuß sich die Tore der Akademie der Wächter und die Hallen der Heiler befanden.
      Kehled führte den Boten und den Iskra, der immer noch mit den Schwingen zu kämpfen hatte durch eines der gewaltigen Tore, dahinter varbarg sich eine Halle in der hauptsächlich weibliche Iskra in fließenden, bläulich schimmernden Roben umher eilten. Beim Anblick des Verletzten kam sofort eine ältere Heilerin auf die Gruppe zu.
      "Ach du liebe Güte...", rief sie aus und bedeutete den Vilyalië auf eines der Betten zu legen. Die Schmiedin breitet vorsichtig die Schwingen in eine gestreckte Position links und rechts des schmächtigen Körper aus.
      "So etwas habe ich noch nie gesehen...", murmelte sie. Die Dame war für ihre filigrane Arbeit bekannt, aber das hier war Neuland.
      Kehled stand am Ende des Bettes und blickte mit ausdrucksloser Miene auf den verletzten Jungen. Und Junge, war die richtige Bezeichnung. Nun im hellen Licht der Halle erkannte er die feinen Gesichtszüge und den zierlichen Körperbau. Er sah jung aus, gerade erst erwachsen.
      "Viscount Velwë," setzte er mit bemühter Ruhe und Gleichgültigkeit an. "Wärt ihr so umsichtig unsere Schmiedin anzuleiten? Während der Rest sich um die Wunde in der Seite Eures jungen Begleiters kümmert?" Heilerinnen waren mit Schalen kostbaren, kalten Wassers herbeigeilt, um die Wunde von Blut und Staub zu befreien, damit keine Infektion sich ausbreitete. "Sagt, was ihr benötigt und ich werde mich darum kümmern."
      “We all change, when you think about it.
      We’re all different people all through our lives.
      And that’s OK, that’s good, you gotta keep moving,
      so long as you remember all the people that you used to be.”
    • Terra'th Iskra
      Halle der Heilkundigen

      Oro’istya Velwë schien glücklich über die Korrektur des Thain’aur. Doch sein Wohlwollen verschwand, als dieser sich anmaßte den Bote darauf hinzuweisen, dass sie es waren, die den Kern stabilisierten. Jener schnaubte empört über die Widerworte. „ Eure Magie ist mir gleich, wie ich es schon sagte!“, entgegnete er entspannt. „ Wir haben einen Vertrag, welcher von Eurer Seite nicht erfüllt wurde! Und nun wollt ihr mir mein Recht darüber erzürnt zu sein, absprechen?“ der Bote blickte den Thain’aur herausfordernd an.
      „ Aber was sollte ich auch anderes von Nurúcina erwarten…!“, sagte Oro’istya, während er das Thema abschloss.
      Dem Befehl des Roten folgsam, machten sich ein paar der Iskra auf. Der Bote glaubte nicht, dass sie viele Lebende oder brauchbare Teile finden würden. Ihm ging es eigentlich auch nicht darum seine Leute zu retten, sondern darum seinen Kodex zu wahren und nichts was aus Ammundus kam, hier unten zurück zu lassen! Zwar zweifelte an der Intelligenz der Menschen hier unten und das sie wüssten etwas mit den Gaben des Himmels anzufangen, aber man sollte kein Risiko in dieser ohnehin schon fragilen Beziehung eingehen!
      "Wenn Ihr mir folgen mögt."
      Der Vilyalië und das Gefolge um den Roten machten sich auf. Der Steg lag außerhalb der Stadt, einzig ein kleines in den Fels gehauenes Gebäude geleitete seine einsame Existenz. Vermutlich als Unterschlupf für die hier arbeitetenden gedacht. Generell arbeiteten die Iskra viel mit dem, was die Welt hier unten ihnen gab. Ihre Stadt fühlte sich fast schon natürlich an, so als wäre es niemals anders gewesen. Gebäude wurden sanft eins mit ihrer Umgebung und selbst jene, die einzeln standen, wirkten wie einzelne kleine Berge. Die Städte der Vilyalië waren ganz anders. Unzählige Gebäude türmten sich um Maschinen und Industrie herum. Die Supralona und Sublona waren teils einzelne fliegende Städte für sich.
      Oro’istyas Blick wanderte über das Geschehen und treiben der Stadt. Die Iskra tauschten Pflanzen und andere Dinge, die die Höhlen ihnen gaben - Metalle und Gesteine. In jenem Tummeln griff der Rote eine Schmiedin auf, welche umringt von feinsten Schmuck und allerlei Dingen mit filigranen Verzierungen umgeben war. Er schilderte ihr kurz, was passiert war, nur damit sie einen flüchtigen Blick auf Han’vë warf. Ihr Weg führte sie letztlich weiter zum Zentrum der Metropole, wo ein hoher erleuchteter Turm sich in die hohe Decke erstreckte. Die höchste Struktur der Stadt, hier residierte der König der Iskra.
      Sie erreichten letztlich eine große Halle, in welcher zahlreiche blaue Gewänder durcheinander huschten. Sie beachteten zu meist die Neuankömmlinge nicht und folgten ihren Aufgaben. Oro’istya folgte einigen von ihnen mit seinem Blick, bis eine alte Iskra an sie heran trat. Sie nahm sich sogleich des Verletzten Vilyalië an, in dem man ihn auf eines der Betten legte.
      Wie die Hände der Heilerin sich langsam um die Schwingen des Rámaas legten, zeigte ihre Unwissenheit über das weitere Paar Extremitäten des jungen Schülers. Mit Sicherheit war er ihr erster Patient dieser Spezies.
      Was man den Rámaas der Supralona in früher Kindheit entfernte, nutzten selbige in den unteren Inseln als Absprungbrett ins Ungewisse. Oro’istya waren schon viele Geflügelte untergekommen, die mit einem klugen Köpfen ihren natürlich gegebenen extra Arme ein wenig nachhalfen. Auf dem Rücken seines Schützlings offenbarte sich ein solches Bild, als die Alte Dame in dem blauen Gewand seinen Umhang und die Kleidung entfernte und den Rücken freilegte. Ihre Augen blickten ebenso entsetzt, wie auch fasziniert auf die Arbeit der Gossen Forsúls. Die Leute, die sich in dieser Umgebung Inventori nannten, besaßen nicht die Ressourcen, die ein solcher in den Supralona finden würde. Sie mussten simpel und effizient denken. Die feinen Brüche in den Fingern, zwischen denen sich aktuell keine Haut spannte, legten einen Blick auf den Aufbau der Schwingen dar. Unter dem dunklen Metall konnte man die helleren Knochen erkennen.
      Behutsam breitete die Heilerin die Flügel des Rámaas aus und offenbarte das gesamte Ausmaß seiner Verletzungen. Der Heilerin zur Hilfe eilte der Thain‘aur so gleich mit seinem Wort, sichtlich bemüht ruhig zu klingen.
      Oro’istya belächelte dies nur und beugte sich über Han’vë. Es war das erste Mal, dass er selbst das ganze Ausmaß betrachtete. Doch viele Dinge kamen ihm bekannt vor, nicht zu letzt dank seiner eigenen Profession.
      Die Biomechanik war den Vilyalië kein unbekanntes Feld. Sie waren immerhin fähig gänzlich fehlende Gliedmaßen zu ersetzen. Was man hier sah, war eine beliebte Form der Hybridisierung. Was schon existierte, machte man durch wohl gesetzte Technik besser…
      „ Es wäre ein Frevel, es wie ein Schwert zu behandeln…“, sagte er, während er seine Finger auf eine dunkle Platte legte, welche eins mit dem Schulterblatt des Jungen zu sein schien. Der Bote übte einen leichten Druck aus, woraufhin Han’vë ein leises japsen entfloh und die Schwinge sich regte. „ … Alles Metall ist mit seinen Nerven verbunden. Wie eine Rüstung, nur fühlend!“ er blickte in die Augen der Schmiedin und kurz zu dem Roten, ehe er erneut Druck ausübte und der gerade ausgestreckte Flügel sich ein Stück zusammen zog. Es musste klar sein, dass man mehr als nur die Schmiedekunst verstehen musste, um sich dieser Verletzung anzunehmen. Das Gesicht seines Schülers verzog sich ein wenig vor Schmerzen. Jener Ausdruck löste sich, als der Bote seine Hand zurück zog.
      „ Bei dem Metall handelt es sich vermutlich um Mytrium. Das wird es hier unten nicht geben…“, begann er zu erklären, während er selbst ein wenig genauer die Konstruktion betrachtete. Oro’istya strich mit einer behutsamen Bewegung über die Wirbelsäule des Jungen, was ihm einen Schauder durch den Körper jagte. Han’vë schwitzte und schien Fieber zu haben, während sein Körper mit den Schmerzen kämpfte. Die Finger des Boten legten sich um den dicksten Knochen, welcher direkt aus dem Rücken kam. Das gebrochenen Mytrium und der Knochen waren hier gut zu sehen. Zwischen beiden spannten sich Muskeln und eine dünne, leicht gräuliche Haut.
      „ Ihr solltet damit beginnen alles Metall zu entfernen…“

    • Terra'th Iskra
      Halle der Heilkundigen

      Kehled Azaghâl & Co.

      Sowohl die heilkundigen Frauen der Iskra, als auch die begabte Schmiedin, lauschten den Worten des Vilyalië. Die Mechanik erschien äußerst kompliziert und war mit Nichts zu vergleichen, was die Frauen je gesehen hatten. Fragend wurden Blicke ausgetauscht, während sich bereits eine junge Heilerin in fließend, blauem Gewand auf einem Hocker an der Seite des Jünglings nieder gelassen hatte. Sorgsam wusch sie die tiefe Wunde aus, das Wasser in der Schale schnell voll Schmutz und Blut. Eine Verschwendung kostbarer Flüssigkeit, aber jeder einzelne der Frauen würde eher den Tod durch Verdursten erleiden, als jemandem die Hilfe zu verweigern.
      Ein kurzer Augenblick verging, ehe die Schmiedin nickte und sich zusammen mit der ergrauten Heilerin an die Arbeit machte. Selbstverständlich unter den wachsamen Augen und der Anleitung des Viscount. Die Goldschmiedin förderte aus ihren unzähligen Taschen kleine Instrumente und Werkzeuge hervor, die für filigrane Arbeiten gefertigt waren. Unter kundigen Augen wurden sämtliche Instrumente sorgsam abgekocht, um keine Verunreinigungen zu riskieren. Der Körper des Vilyalië war ohne geschwächt genug.
      Kehled betrachtete jeder Regung und lauschte den Erklärungen mit einer gewissen Neugierde. Die Aneignung von Wissen war niemals eine Verschwendung von Zeit und noch rief in die Pflicht nicht in die Akademie zurück. So war der Thain'aur eigenes dafür abgestellt worden, um die erwarteten Gäste gebührend zu begrüßen. Das hatte Baruk zielsicher verhindert und mehr Schaden angerichtet, als seinem älteren Bruder wohl bewusst war.
      Die Schwingen zuckten, ebenso wie der schmächtige Körper unter Schmerzen und Kehled's Augen schmälerten sich nachdenklich.
      "Eine wahrlich beeindruckende Arbeit.", gestand der Thain'aur, auch wenn er damit sicherlich den Spott des Viscount erneut auf sich zog, aber diese Mal war er darauf vorbereitet und würde sich nicht überumpeln lassen. Kehled musste die Neutralität waren. Die Wächter mischten sich nicht in die politischen Belange an, so lange es nicht ausdrücklich verlangt wurde.
      Die Insignien auf seiner Stirn pulsierten Leicht unter den rötlichen Strähnen, die ihm nun langsam ins Gesicht fielen.
      "Die Prozedur wird sehr schmerzhaft.", gab die alte Heilkundige zu bedenken. Mit behutsamen Fingerspitzen tastete sie die gerissene Metallhülle ab, um einen Blick auf die feinen Risse am Knochen zu werfen. "Wir müssen das lebende Gewebe vom Knochen trennen. Der Körper des Jungen ist schwach und er hat viel Blut verloren. Ich weiß nicht ob er der Belastung der Schmerzen stand hält. Uns bleibt keine Zeit einen entsprechenden Betäubungssud aufzusetzen." Das Gebräu brauchte Stunden um zu ziehen und wurde nur bei Bedarf zubereitet, denn auch hier musste sparsam mit dem Wasser gehaushaltet werden.
      "Dabei kann ich vielleicht Abilfe schaffen," unterbrach Kehled das Gespräch. Ehrfürchtig blickten die Frauen auf, es war selten die Magie eines Thain'aur mit eigenen Augen zu sehen und die Neugierde in ihren Blicken sprach Bände. Mit einem milden, schmalen Lächeln verließ Kehled seine wachende Position am Fuß des Bettes um an das Kopfende zu treten. Es hatte beinahe etwas Anmutiges, wie sich der Wächer langsam auf die Knie neben das schmale Bett niederließ.
      "Wenn ihr erlaubt...", sprach er fragend die Worte in Richtung des Viscount und berührte mit seiner wartenden Hand erst den Kopf des verletzen Jungen, als sein Vorgesetzter ein zustimmendes Nicken zeigte. Kehled seinerseits gab den Frauen das Signal, dass sie beginnen konnten. Den ersten Schmerz würde er nicht nehmen können, aber danach würde es besser werden.
      Das Symbol auf seiner Stirn begann intensiver zu glühen, als er sanft den Kopf des Verletzen auf die Seite und in seine Richtung drehte. Die warme Hand legte sich auf die heiße Stirn und unter die verschwitzten Strähnen seines Haares, die seinen Handrücken kitzelten. Der Zauber der Illusion war ein kleiner Trick. Kehled konnte ihm die Schmerzen nicht nehmen, aber er konnte sie mildern und seinen Geist auf andere Dinge lenken. Die Schmieden setzte eine filigrane Klinge unter dem Metall an und begann vorsichtig die erste Platte zu lösen.
      Es schmerzt, ich weiß. Die meldodische Stimme des Thain'nur erklang direkt in das Unterbewusstsein des jungen Mannes. Konzentrier dich auf meine Stimme. Wie ist dein Name? Versuch nicht zu sprechen. Es reicht wenn du die Worte denkst. Ich werde dich hören.
      Für Außenstehende blieb die Miene des Thain'aur völlig regungslos, nur die glühende Insignie auf seiner Stirn flackerte unter einem regelmäßigen und beständigen Puls. Mit jedem Atemzug der seine Lungen füllte, griff der Illusionszauber nach dem Unterbewusstsein des Jungen und bildete einen schützenden Kokon, der den schlimmsten Schmerz zu einem dumpfen Pochen verkommen ließ. Zumindest so lange sich der Patient nicht wehrte.
      “We all change, when you think about it.
      We’re all different people all through our lives.
      And that’s OK, that’s good, you gotta keep moving,
      so long as you remember all the people that you used to be.”
    • Terra'th Iskra
      Halle der Heilkundigen

      Sie verschwendeten das Wasser, welches Ulobaiule ihnen gab für den jungen Rámaas. Zumindest der Kodex der Heiler schien in beiden Welten der selbe zu sein. Auch kein Kundiger der Vilyalië würde einem Verletzten die helfende Hand verweigern. Des Boten Blick folgte den wohl gesetzten Bewegungen der Frau, welche die gaffende Wunde in der Flanke Han’vë Astriimas freilegte. Das Schwert musste in seinem Flug tief eingedrungen sein. So wie der Schlitz saß, könnte Han’vë sich noch geistesgegenwärtig gewendet haben, damit das eiserne Geschoss nicht seinen Flügel durchtrennte. Doch ob sein Fleisch eine so viel bessere Wahl war?
      Das die Iskra von der Handwerkskunst der Vilyalië beeindruckt waren, überraschte den Boten nur wenig. Diese groben Köpfe verstanden immerhin nichts von der Feinheit der Natur und der daraus adaptierten Technik, welche das Volk über den Wolken vorantrieb.
      „ Nichts…“ , kommentierte Oro’istya Velwë kühl. „ Ammundus hat so vieles mehr zu bieten…!“ er nahm seine Hände von den Flügeln seines Schülers und wischte Jene über seiner Kleidung ab. Läge es in seiner Macht, hätte er vielleicht verlangt die Schwingen zu entfernen. So wäre es sicherlich auch für die Zukunft des Rámaas besser. Aber ihm lag es fern sich in diesem Belangen über den Willen seines Schützlings hinaus zu setzten. Die Entfernung der Schwingen könnte traumatisierend sein, ebenso wie der Verlust eines Beines oder Armes. Es gab Berichte von einigen Rámaas, die den Verstand verloren, nachdem man sie dieser Prozedur im fortgeschrittenen Alter unterzog.
      Als die Alte die Schmerzen der Prozedur ansprach, nickte Oro’istya wissend darüber. Ihre Finger glitten über die Risse im Mytrium und ihr Blick galt den darunter liegenden Knochen. Der Bkte überlegte, ob es sich lohnte zum Schiff zu eilen und die dortige Ausrüstung zu holen, als sich der Thain’aur zu Wort meldete und erneut seine Hilfe anbot. Unter achtungsvollen Blicken bewegte er sich zum Kopfe des Bettes. Der Thain’aur wirkte wesentlich gewählter als die anderen Iskra, fast als wollte er die Vilyalië in ihrer grazilen Art imitieren. Zumindest auf den ersten Blick.
      Er bat Oro’istya um Erlaubnis seinen frischen Schützling zu berühren, welche jener mit einem Nicken erteilte. Der Bote stand lediglich da und betrachtete, was geschah…
      Die Gestalt des Großvaters löste sich in Wasser auf und ließ Han’vë Astriima allein in der Dunkelheit zurück. Die einstige Wärme wich der Angst treibenden Kälte, während die Lichter von der Ferne aus erloschen.
      Der ängstliche Junge fuhr herum, als er eine fremde Stimme vernahm. Sie sprach, von Schmerzen…
      Ein Schauder jagte durch Han’vës Körper, als die ersten Platten sich von seinen Knochen lösten. Es schien, als würde er schreien, doch kam kein Ton über seine Lippen.
      Der Junge in der Finsternis schüttelte seinen Kopf. „ Verschwinde!“, jammerte er, während er die wiederkehrenden Worte versuchte aus seinem Kopf zu streichen. Er fasste sich an die Ohren und krümmte sich. „ Lass mich in Ruhe!“
      Mit einem Mal nahm Han’vë die Schwingen hoch, wobei sich wie in einem Reflex die Haut zwischen den Fingern spannte und alle umliegenden von ihrer Arbeit abhielt. Oro’istya zuckte zurück, bei dem plötzlich entwickelten Kraftschub des Schülers, welcher sich unter den Griffen der Kundigen wand und jeder Hand zu entrinnen versuchte. Neues Blut drang aus der Wunde, als er die Beine gen Rumpf zog und seinen Kopf dem Thain’aur entzog.

    • Terra'th Iskra
      Halle der Heilkundigen

      Kehled Azaghâl & Co.

      Mit einer derart starken Gegenwehr hatte der Thain'aur nicht im Traum gerechnet. Obwohl das schwächende Fieber und der hohe Blutverlust den Körper auslaugten, war der Verstand des Verwundeten noch hellwach. Eine undurchdringliche Abwehr einer felsigen Mauer gleich erhob sich um das Unterbewusstsein des Jungen und warf den Iskra auf mentaler Ebene zurück. Von Außen betrachtete, zuckten lediglich die Augenwinkel des Rothaarigen verwirrt und das Glühen seiner Insignien pulsierte unruhiger und ohne zu erkennenden Takt.
      Tröstende Worte und ein behutsames Vorgehen schienen Kehled an dieser Stelle nicht weiter zubringen. Um ihn herum nahm er trotz geschlossener Augen den Tumult war. Der geschwächte Körper wehrte sich mit Leibeskräften gegen die unzähligen Hände, die ihm eigentlich nichts Böses wollten. Aber woher sollte der junge Vilyalië da wissen? Die befremdliche Stimme in seinem Kopf war ebenfalls nicht förderlich. Daran hätte der Thain'aur denken sollen. Kehled stieß einen langgezogenen Seufzer aus und ließ zu, dass sich der Junge seiner Hand entzog.
      Eine Illusion und seine Hilfe würde nur anklang finden, wenn der Betroffene sich darauf einließ und in diesem Fall sah es nicht aus, als würde Vilyalië kurzfristig seine Meinung ändern.
      Ich verschwinde. Ruhig und vom Tumult unbeeinflusst erklang seine Stimme ein letzten Mal. Es wirkte beschwichtigend und zwingen konnte der Iskra ihn nicht. Aber du bist verletzt und viele gute Seelen sind hier, um dir zu helfen. Lass sie ihre Arbeit machen. Lass sie helfen.
      Kehled schlug die Augen auf und blickte auf das Ausmaß des Chaos, dass sein Versuch zu helfen scheinbar angerichtet hatte.
      "Sein Verstand ist zu stark.", selbst der erfahrene Thain'aur wirkte von der Tatsache überrascht. Und auch die Frauen um das Bett herum wirkten durch die Tatsache beunruhigt. "Sein Unterbewusstsein hat mich ausgesperrt. Es liegt nicht in der Natur unserer Magie Zwang auszuzüben. Bedauerlicherweise kann ich nichts weiter tun. Wir können nur hoffen, dass die Bewusstlosigkeit lang genug anhält, um ihm den meisten Schmerz zu ersparen."
      Mit einem undefinierbaren Blick erhob sich Kehled aus seiner knieenden Position und blickte auf den Verwundeten, der sich so klein wie möglich machte. Er hoffte, dass sich die Lage beruhigte, jetzt wo er seine Magier zurück gezogen hatte.
      Die Frauen nickten sich zu und nahmen ihre Tätigkeiten wieder auf, so gut es ging, während der junge Vilyalië noch immer zu wehren schien. Mit Anstrenung und einiger Mühe lösten die heilkundigen Frauen und die Goldschmieden Platte um Platte von der metallischen Hülle der Schwingen. Mehr Iskra waren hinzu gekommen, um die Schwingen zu halten.
      Kehlend trat zurück nur um sich neben den Viscount aufzustellen.
      "Wenn ihr mir die Frage erlaubt, Viscount Velwë. Wer ist der Junge?", Der Thain'aur hielt diese ganze Zeit über den Blick nach vorn auf das Bett gerichtet. "Ein sehr starker Geist für ein so junges Alter. Ist er Euer Schützling?"
      “We all change, when you think about it.
      We’re all different people all through our lives.
      And that’s OK, that’s good, you gotta keep moving,
      so long as you remember all the people that you used to be.”
    • Terra'th Iskra
      Halle der Heilkundigen

      „ Lügen!“, fuhr Han’vë in die Schwärze. „ Lass mich einfach in Ruhe!“ er wimmerte unter Tränen in das unendliche Nichts. Wo er eben noch seinen Großvater hatte halten können, fand er nichts wieder, außer eine fremde Stimme und den Gedanken an die Geschehnisse vor dem Verlust seiner Sicht. Der stechende Schmerz an seiner Flanke, das hellen Klirren von Metall auf Stein und das Wissen, dass seine Schwingen sich nicht mehr erheben würde.
      Der Thain’aur kam zurück zu ihnen und musste anblicken, wie der Patient alle Arbeit zu Nichte gemacht hatte. Der Vilyalië lag zusammen gerollt auf dem Bett, die Wunde und schwingen den helfenden Händen entzogen. Oro’istya Velwë war selbst ein wenig erstaunt, wie viel Kraft noch in dem kleinen Körper steckte.
      "Sein Verstand ist zu stark."
      Der Rote wirkte überrascht und ebenso nachdenklich über diese Tatsache. Auch wenn der Bote seine Worte noch nicht verstand, konnte er an den Reaktionen der anderen Iskra ablesen, dass dies ungewöhnlich sein musste. Als der Thain’aur seine Überraschung mit Worten ausschmückte, kamen Oro’istya mehr Fragen, als Antworten auf.
      Er hatte Han’vës Schmerz in seinem Unterbewusstsein bekämpfen wollen?!
      Es hörte sich lächerlich an. Egal wie oft der Bote auch darüber nachdachte, die Magie erschien ihm wenig logisch und relativ nutzlos war sie scheinbar auch. Hypnose konnte man erlernen, daraus brauchte niemand einen großen Hehl machen…
      Der Thain’aur trat neben den Boten an und folgte dessen Blick auf den jungen Schützling.
      „ Wir haben medizinische Ausrüstung an Bord des Vilnavis, darunter sicherlich auch Schmerz hemmende Mittel… Wirksamer, als Eure Magie!“, das letzter Wort, welches über Oro’istyas Lippen kam, war besonders gehässig. „ Schickt jemanden hin, hier wird handfeste Hilfe benötigt!“
      Plötzlich stellte er eine Frage, die Oro’istyas Blick zu dem Iskra gleiten ließ. „ Eine arme Seele, geschaffen durch die Straßen Forsúls…“, entgegnete er mit einem leicht abfälligen Lachen über die Herkunft des Rámaas. Es wunderte den Boten nicht, dass Han’vë mit einem starken Kopf zu glänzen wusste. Er war ihm sofort als nicht sonderlich zutraulich aufgefallen und das hatte sich bis heute nicht geändert.
      „ Im der Tat! Allerdings ist es noch nicht lange her, dass ich mich seiner angenommen habe…“
      Langsam kamen auch die letzten Platten Mytrium von den Knochen des Jungen ab, sodass sich die Gesamtheit der Schwingen im beigen Ton zeigte. Vereinzelt waren Schrauben noch in den Knochen, wie auch an den Schultern. Oro’istya hatte ermahnt jene zu entfernen, da dies die direkten Verbindungen zu den Nerven des Jungen waren.
      Inzwischen war Han’vë wieder ruhig. Sein Atem ging ihm sacht von der Brust, auch wenn jener noch immer leise rasselte. Er musste viel von der unsauberen Luft am Steg abbekommen haben…
      „ Habt ihr schon viele Vilyalië mit Eurer Magie berühren dürfen? Oder ist es unter den Iskra normal im Kopfe anderer herum zu wandern?“

    • Terra'th Iskra
      Halle der Heilkundigen

      Kehled Azaghâl & Co.

      Ein empörtes Gemurmel erhob sich unter den Heilundigen, als Oro’istya Velwë ohne jeglichen Respekt seinen Wort an den Wächter des Weltenkerns richtete. Ein Außenstehender, der ohne Achtung gegenüber fremder Kultur war, zog den Unmut aller Umstehenden auf sich. Noch fühlte sich der Vilyalië als unantastbar, aber der Viscount vergaß, dass er im Augenblick einen Rückweg an die Oberfläche besaß. Sicherlich würde es Tage oder Wochen dauern, dass völlig zerstörte Botenschiff wieder flugbereit zu machen und er dieser Zeit war er auf den Wohlwollen der Iskra angewiesen.
      Kehled entsandte einen Botenjungen in Richtung der Anlegestelle, der wohl bald mit Hilfe und den benötigten Utensilien zurückkehren würde. Bis dahin hieß es auf das Beste zu hoffen.
      Ohne den Mann neben sich auch nur eines Blickes zu würdigen, lauschte den Thain'aur den hässlichen Worten und fragte sich zu unzähligsten Mal, wie ein Mann wie dieser jemals zu Wohlstand und einer respektablen Position gekommen war. Für den Fall, dass er allen Wesen in seiner Umgebung mit derselben Missachtung gegenüber trat, wunderte es den Iskra sehr, dass noch keiner seiner Besatzmitglieder den Boten über Bord befördert hatte.
      "Zugegeben...Es ist das erste Mal, dass ich versucht habe eine Verbindung zu einem Vilyalië herzustellen. Das Volk der Iskra wächst mit der Fähigkeit diese Art von Verbundenheit zu erfahren auf. Wir betrachten es nicht als ein widerrechtliches Eindringen. Ich sehe nur das, was mein Gegenüber gewillt ist mir zu zeigen. Wir 'wandern' nicht herum oder graben in Erinnerungen. Es ist eine Art der Kommunikation. Nicht mehr nicht weniger. Wir können die Wahrnehmung beeinflussen, aber nur, wenn der andere es wünscht und sich einlässt."
      Kehlend senkte den Blick auf die knöchernden Schwingen, nun frei von ihrer metallischen Ummantelung. Die grazilen Knochenverbindungen waren auf ihre eigene Art von einer ungewöhnlichen Schönheit und er verstand nicht, warum Oro’istya Velwë nichts als Verachtung und Gerringschätzung für ein Meisterwerk der Natur übrig hatte.
      "Bei allem gebührenden Respekt, Viscount Velwë." Das erste Mal seit Kehled dem Boten gegenüber gestanden hatte, wirkte die Tonlage seiner melodischen, rauen Stimme nicht mehr im Gleichgewicht. Der beinahe neutrale Klang veränderte sich, bis kühle Silben über seine Lippen kamen. "Ihr solltet Eure Wortwahl in diesen Hallen noch einmal überdenken. Der Vertrag hat die Iskra nicht dazu verpflichtet Respektlosigkeit und abfällige Worte hinzunehmen. Die Unterschiede unserer Völker mögen offensichtlich sein und es ist ein offenes Geheimnis, dass die Vilyalië uns belächeln. Ihr mögt uns für wilde Tiere halten, Viscount Velwë, dann vergesst bei all Eurem Scharfsinn nicht, dass ein wildes Tier Zähne und Klauen besitzt."
      Während Kehled sprach, hatte die ergraute Heilerin die Wunde in der Seite des Jungen geschlossen und sorgsam mit einer Tinktur beträufelt, um eine Entzündung einzudämmen oder gar ganz zu verhindern. Die Naht war sauber und zeigte von herausragender Handwerkskunst.
      "Ob Ihr es sehen wollt oder nicht, unsere Völker sind aufeinander angewiesen. Und auf den Frieden, den der Vertrag uns bringt. Baruk und seine Anhänger sind die Ersten und wir sollten beten, dass sie die Letzten bleiben."
      “We all change, when you think about it.
      We’re all different people all through our lives.
      And that’s OK, that’s good, you gotta keep moving,
      so long as you remember all the people that you used to be.”
    • Terra'th Iskra
      Halle der Heilkundigen

      Der Bote empfand keinen gesonderte Hochachtung für die Wesen, die sich hier in der Dunkelheit tummelten. Es kümmerte ihn nicht, ob es dabei Iskra oder anderes Gesindel auf vier Füßen war. Die traurigen Blicke hier unten könnten doch nur vom klaren Licht der Sonne träumen. Denn selbst jenes Licht, welches durch die Öffnungen drang, was schmutzig und fahl.
      Mitleid sollte man haben… eigentlich. Doch den Vilyalië fehlte dies gänzlich. Sie hatten nicht mehr übrig für die Welt hier unten, als es nötig war ihre Sicherheit oben zu gewährleisten.
      Oro’istya Velwës Ohren spitzten sich, als der Thain’aur seine Frage beantwortete. Er beschrieb, wie die Iskra mit dieser Natürlichkeit der magischen Verbindungen aufwuchsen und es hier unten kein ungewolltes eindringen gab. Angeblich sahen sie nur das, was sie sehen sollten… Das er nicht selbst darauf kam? Die Vilyalië wuchsen als Freigeister auf, was sie im Kopfe hatten, war das einzige, was man ihnen niemals nehmen könnte.
      „ Für mein Volk ist der Kopf das höchste Gut… grenzenlose Ideen und Erfindertum. Jemanden darin herumwühlen zu lassen liegt sicherlich jedem gesunden Verstand fern…“, er lächelte dem Thain’aur geringschätzend zu, ehe er zu Han’vë deutete. „ … zu viel Vertrauen kann Leben kosten. Ich bin sicher, dass ist eine Weisheit, die auch Euch nicht fremd ist!“
      Einmal mehr blickte auch der Rote über die Schwingen des Verletzten. Gänzlich freigelegt, erkannte man unter der durchsichtigen Haut jener Sehnen, feine Muskeln und Blutgefäße, die sich an, in und um die Knochen schmiegten. An einigen der feinen Brüche, drangen feine Rinnsale des hellen Blutes aus. Der Bote gab den Heilerinnen den Rat die Knochen in dieser Form zu belassen. Sie gleich wieder in das Metall einzubetten erforderte Wissen, dass keiner hier besaß. Oder zumindest keiner, der es gerade anwenden könnte. Oro’istya selbst war zwar bewandert in der Biomechanik, aber… Er drückte seine Hände bei dem Gedanken zusammen und sein Blick wurde ein wenig enger.
      Der Thain’aur wandte sich wieder an ihn und meinte in einer schwingenden Rede sein Urteil über sein Volk korrigieren zu müssen. Der wörtliche Angriff kam dem Boten nicht sonderlich gelegen…
      „ Sicher, aber auch Tiere verdursten ohne Wasser…“, er grinste leicht. „… egal wie scharf ihre Krallen und Zähne sind!“, fügte er an. Oro’istya würde nicht bestreiten, dass sie auf die Iskra angewiesen waren, zumindest in diesem Moment noch…!
      „ Richtig, Ihr solltet beten, dieser Aufstand ist der letzte seiner…“ Mit einem Mal flog die Türe in ihrem Rücken auf. Zwei Iskra und ein junger Matrose des Vilnavis standen in jener. Letzter von ihnen blickte den Boten an, welcher seine Rede abrupt beenden musste. „ Viscount! Wir haben ein Problem…“, rief er außer Atem. Oro’istya zog eine Augenbraue hoch, halb das respektlose Verhalten missbilligend und halb aus Neugierde, was diesen Matrosen dazu trieb sich derart aufzuführen.

    • Terra'th Iskra
      Halle der Heilkundigen

      Entgegen seines sonst eher entspannten Gemüts, wollte Kehled dem respektlosen Boten bereits ins Wort fahren, als die Tore der Heiler mit einem gewaltigen Ächzen geöffnet wurden. Das kleine Aufgebot an Mitgliedern der Iskra und der Vilyalië zogen mit einem Schlag sämtliche Aufmerksamkeit auf sich. Kurz war der Thain'aur über die Unterbrechnung äußerst dankbar. Er hatte sich mit seinen Belehrungen dem Viscount gegenüber schon viel zu weit aus dem Fenster gelehnt. Die Wächter zeigte sich politisch neutral und widmeten sich ganz ihrer Lebensaufgabe. Trotz ihres Ansehens stand es ihnen nicht zu sich in Verhandlungen und die politschen Belange zwischen Iskra und Vilyalië einzumischen. Ihre Kräfte und Gaben hatten sie allein zur Stabilisierung des Weltenkerns einzusetzen.
      Fragend blickte der Thain'aur seinen Landsleuten entgegen und wusste nicht recht, ob ihn das plötzliche Durcheinander beunruhigen sollte. Hoffentlich waren nicht noch mehr Schwierigkeiten aufgetaucht, die das eh gespannte Verhätnis zum Viscount noch unnötigt belasteten. Der Mann war schon so unerträglich genug, ohne ihm noch weitere Gründe zu liefern, sich wie ein eingebildeter Gockel aufzuführen.
      Kehled trat zurück und richtete seine Aufmerksamkeit auf das geschäftigen Tun der Heilkundigen, die unter äußerster Vorsicht die gebrochenen Knochen der Schwingen in die richtige Position brachten, um diese sorgsam zu schienen. Fliegen würde der Vilyalië wohl eine Weile nicht. Es wäre auch ratsam innerhalb der Gebäude zu bleiben, um eine weitere Belastung durch die schwefelhaltige Luft zu verhindern. Die Iskra waren an die für anderen fast lebensfeindliche Bedingungen gewohnt. Ihre Lungen reinigten die Luft selbstständig ohne technische Hilfsmittel. Als die ergraute Heilerin bemerkte, wie er dem rasselnden Atem lauschte, legte ihm die erfahrene Frau eine Hand auf den Arm.
      "Ein paar Stunden in sauberer Luft und das Atmen wird ihm wieder leichter fallen. Seine Lungen benötigen länger, um die giftigen Substanzen wieder aus dem Körper zu filtern."
      Die Hand auf seinem Arm hätte ihn beinahe zusammen zucken lassen. Es kam nicht oft vor, dass jemand es wagte einen Thain'aur zu berühren. Lange Zeit hatte sich hartnäckig das Gerücht gehalten, dass man sich verbrannte ob des lodernen Funkens in ihren Körpern. Die Älteste unter den Heilerinnen hatte geholfen unzählige von ihnen auf die Welt zu bringen. Da konnte man ihr diesen behutsamen Übergriff durchaus verzeihen.
      Kehled blickte zu den steinernen Decke der Halle, hinter der sich ein ausgeklügeltes System aus röhrenartigen Tunneln befand, bepflanzt mit spezieller Faune, die allein dafür sorgten das am Ende saubere Luft in die Gebäude strömte. Ohne diese Fähigkeit der Filterung wäre nicht eine Pflanze hier unten lebensfähig. Aber Terra'th Iskra und seine umgebenen, steinigen Wüsten waren zu kahl und weit, um von dem spärlichen Pflanzenwuchs gänzlich gereinigt zu werden. Obwohl ihm die verseuchte Luft nicht behinderte, war es immer wieder eine Wohltat klaren Sauerstoff zu atmen. Es machte den Kopf wunderbar leicht und klar.
      “We all change, when you think about it.
      We’re all different people all through our lives.
      And that’s OK, that’s good, you gotta keep moving,
      so long as you remember all the people that you used to be.”
    • Terra'th Iskra
      Halle der Heilkundigen

      Der Matrose sah mitgenommen aus. Vom Kampf und von den Einsehen der Schäden am Vilnavis. Ein solcher hatte ihn auch hergeführt, etwas anderes konnte es nicht sein. Als sich die Lungen des Rámaava langsam wieder mit Luft gefüllt hatten, begann er zu sprechen: „ Viscount Velwë, Schaden am Hauptgenerator des Vilnavis, haben dazugeführt, dass er ausgefallen ist!“
      Es brauchte nur diesen einen Satz, um sämtliche Emotionen der Neugierde und Wut aus Oro’istyas Gesicht schwinden zu lassen. Seine Augen weiteten sich, während eine Anspannung durch seinen Körper glitt, die selbst einigen umliegenden Iskra ins Mark ging. Auch wenn die Iskra diese Tragweite nicht begreifen konnten, zeigte Oro’istyas Verhaltensweise ihnen sehr wohl die Größe des Schadens auf. Für einen Moment waren alle der Stille verfallen, der Bote hob seine Hand und raufte sich durch das lange Haar. Nervös spielte der Matrose mit seinen Fingern hinter dem Rücken, während er auf wörtliche Reaktion seines Vorgesetzten wartete. Jenes Blick fuhr über seinen Schützling, während seine Gedanken kreisten und den gesamten Schaden zu kalkulieren begannen.
      „ Gänzlich ausgefallen??“
      Der Matrose nickte. „ Ja, Viscount Velwë!“, seine Stimme wurde kleiner. „ Gänzlich ausgefallen…“
      Er blickte den Boten an, welcher stumm blieb. „ Der Aufprall der Bruchlandung hat die Maschinerie überheizt und Ustiosirea ist ausgelaufen…“, erklärte er, um die Stille zwischen ihnen zu füllen. Die Iskra wirkten noch immer beunruhigt, wenn auch nun lockerer.
      Der Bote schüttelte nur noch seinen Kopf, ehe er den Blick wieder mit Gefasstheit darin erhob. „ Geh zurück und versucht den dauerhaften Schaden zu minimieren!“, befahl er dem Matrosen kühl, ehe er herumfuhr und sein Blick weide auf Han’vë lag. Für einen Moment betrachtete Oro’istya seinen Schützling einfach nur. Dessen rasselnder Atem, die knöchernen Schwingen, welche in ihre Form zurück gebogen worden waren. Er horchte ebenfalls den Worten der Heilerin. Sie erklärte dem Roten, dass die Atmung des Jungen sich normalisieren würde, gäbe man ihm ein bisschen Zeit.
      Die Alte aus der Runde blickte zu erst zurück auf den Boten, noch bevor jener sein Wort erhob und die Nachricht Weite gab.
      „ Der Hauptgenerator des Vilnavis ist während des Absturzes ausgefallen, damit auch sämtliche Funktionen des Schiffes!“, sprach er mit ruhiger und gewählter Stimme. Bevor jemand fragte, warum dies derartig fatal war, erklärte er es möglichst simpel. „ Damit sind auch die Kommunikation nach Ammundus ausgefallen…“, er atmete tief aus. „ …Unserer Schiff gilt als versenkt!“
      Sein Blick wurde ernster. Normal sendete jedes Schiff ein dauerhaftes Signal, welches den Überwachungssystemen über dem Nubisairë vermittelte, dass alle Systeme funktionierten und das Schiff noch am fliegen war. Normal wurde auch ein Standort übertragen, aber dies war durch das Gestein und dem Nubisairë nicht möglich. Daher setzte man umso mehr auf dieses Signal als Überlebenszeichen der Delegation.

    • Terra'th Iskra
      Halle der Heilkundigen

      Kehled Azaghâl & Co.

      Das Gespräch bekam wieder Kehleds volle Aufmerksamkeit, als das Besatzungsmitglied des Botenschiffes seine Nachricht sichtlich nervös und mit bleichem Gesicht überbrachte. Tatsächlich blickte auch der Thain'aur mit wenig Begeisterung den Neuigkeiten entgegen. Das gesamte Ausmaß der Katastrophe eröffente sich ihm aber er in dem Augenblick, als der Viscount zu seiner vernichtenden Erklärung ansetzte. Das bedeutete, das die Vilyalië in Terra'th Iskra festsaßen mit keiner verbliebenen Möglichkeit zur Kommunikation und der einzige Weg gen Himmel führte durch den aus der Tiefe unerreichbaren Schlund. Nur die besten Kletterer der Iskra hatten sich jemals in diese schwindelerregenden Höhen gewagt. Da die Versuche aber zumeist in tödlichen Abstürtzen endeten oder die mutigen Iskra in der Finsternis der Felsenwände verloren gingen, hatte man jeden Versuch den Schlund zu erklimmen bei Strafe verboten. Seit Jahrzehnten hatte niemand mehr einen Aufstieg gewagt.
      Die Botschaft war mehr als nur belastend und würde für die Schuldigen schwere Konsequenzen nach sich ziehen. Vor allem für die Anführer Baruk und Kayla, die ihre Mitstreiter dazu abgewiegelt hatten. Sein Bruder mochte zwar vom rechten Weg abgekommen sein, aber er war noch immer Familie. Vermutlich würde sich schon in den nächsten Stunden vor dem König in seinem Turm verantworten müssen. Und die Lage sprach eindeutig gegen die rebellischen Iskra, die im festen Glauben zum Wohle ihres Volkes gehandelt zu haben, den waghalsigen Angriff auf das Botenschiff angeführt hatten.
      "Das sind bedauerlicherweise sehr schlechte Nachrichten.", erhob Kehled erneut die Stimme. "Für Morgenfrüh ist bereits eine Audienz im Turm des Königs angesetzt. Bis dahin stelle ich Euch gerne unsere besten Schmiede zur Verfügung. Ihr habt keine andere Wahl, als unsere Hilfe anzunehmen. Wenn das Botenschiff nicht fliegt, solltet ihr Euch schon einmal mit den Dunkelheit der Höhlen anfreunden. Und glaubt mir, wenn ich euch versichere, dass es auch in unserem Interesse ist, Euren Aufenthalts so angenehm aber auch so kurz wie möglich zu halten."
      Das Lächeln auf den Lippen des Thain'aur erreichte nicht die glühenden Augen in ihren Höhlen.
      "Eure Besatzung ist müde und teils schwer verletzt. Jeder ist eigeladen in diesen Hallen Hilfe zu bekommen. Wir werden Euch und Eurer Mannschaft Quartiere zur Verfügung stellen, wenn ihr das wünscht, Viscount Velwë."
      “We all change, when you think about it.
      We’re all different people all through our lives.
      And that’s OK, that’s good, you gotta keep moving,
      so long as you remember all the people that you used to be.”