Before Doom gets us [JJK][Marien & Amalia]

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    • Before Doom gets us [JJK][Marien & Amalia]

      Before Doom gets us
      Jujutsu Kaisen



      Alles scheint verloren. Die Jujutsu Sorcerer der Tokyo Jujutsu Akademie mussten im Kampf gegen Flüche der Sonderklasse einige Opfer lassen und ein Ende ist noch lange nicht in Sicht.
      Während seine Schüler um ihr Leben und das ihrer Mitmenschen kämpfen, versucht Gojo Satoru einen Weg zu finden, sich aus dem Gefäß zu befreien, in dem er während des Kampfes versiegelt wurde. Dies brachte Gojo dazu, ans Äußerste zu gehen und eine Neue Technik zu entwickeln, mit der er Raum und Zeit spaltete und sich wenig später mit seinem Kameraden Kento Nanami -welchen er versehentlich mitgezogen hatte- in einer neuen Dimension vorfand.
      Dort trafen die beiden Jujutsu Sorcerer auf die zwei jungen Frauen Kimatsu und Hana. Schnell stellt sich heraus, dass Satoru und Nanami in die Zukunft gereist sind und dass die Zeit in dieser Dimension sehr viel schneller läuft, als in der Welt wo sie herkamen.
      Sicher wäre es aufregend gewesen, sich die Zukunft anzuschauen, jedoch hatten Satoru und Nanami noch einen Auftrag zu erledigen und mussten daher so schnell wie möglich wieder zurück in ihre eigene Welt. Nur gab es da ein Problem.
      Die Technik ist in der Zukunft sehr viel weiter vorangeschritten und die Stromwellen stören Satorus Fluchtechnik, mit welcher er sich und Nanami in die Zukunft befördert hatte. Irritiert von dieser Tatsache, müssen sich die beiden nun überlegen, wie sie stattdessen zurückkommen, doch glücklicherweise sind sie mit dieser Aufgabe nicht alleine. Die beiden Freundinnen Kimatsu und Hana wollen den beiden Fremden dabei helfen, zurück in ihre Welt zu kehren. Nun gut... Kimatsu möchte auf jeden Fall helfen... Hana wird wahrscheinlich überwiegend für ihr großes Idol Gojo Satoru fangirlen...

      Es vergeht immer mehr Zeit und vier Jujutsu Sorcerer wachsen immer mehr zusammen. Gemeinsam lösen sie Aufträge und kämpfen immer mal wieder Seite an Seite gegen die Flüche in der Zukunft. Doch irgendwann ist ein professioneller Umgang nicht mehr möglich. Zu viele Gefühle sind im Spiel und stellen die vier vor eine große Entscheidung, mit der sich ihr ganzes Leben verändern wird.

      Dies ist ein Jujutsu Kaisen RPG zwischen der wunderbaren @Marien und mir @Amalia :3

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      Nichts kann tiefer verletzen als Wortlosigkeit, nichts kann mehr verwirren als Sprachlosigkeit, lieber komme ich im Chaos des gesprochenen Wortes um, als in der schreienden Stille von endlosen Gedanken…

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    • Hana

      "Okay, das letzte Outfit für heute, Leute", rief der Fotograf und ich konnte spüren, wie ein Großteil der Leute erleichtert aufseufzte. Allerdings galt das nicht für mich. Ungeduldig wippte ich auf und nieder, während die Visagistin versuchte, mein Make-Up aufzufrischen. "Ehm... Hana-chan?", fragte sie und lächelte schief, während sie ihre Bewegungen mit dem Pinsel stoppte. "Wäre es vielleicht möglich, dass du dich weniger bewegst? Du möchtest doch nicht wie Pennywise aussehen oder?", fragte sie. "Der von 1990 oder von 2017?", wollte ich wissen. "1990." Ich gab einen erschrockenen Laut von mir und bemühte mich dabei, meinen Atem so lange wie möglich anzuhalten, damit sich mein Oberkörper nicht bewegte. Meine Visagistin schmunzelte nur kurz und schüttelte dabei den Kopf, ehe sie weiter machte. "So. Fertig", lächelte sie und ich stieß automatisch alles an Luft raus, ehe ich sie tief einsaugte. "Sehr viel länger hätte ich auch nicht durchgehalten", meinte ich. "Quatschkopf", schmunzelte sie und gab mir zu deuten, mich wieder auf das Fotografieren zu konzentrieren. Ich musste einen guten Job machen, damit ich hier schnell raus kam. Das auch ausgerechnet heute der Fotograf zu spät kommen musste! Kimatsu und ich wollten uns in weniger als einer halben Stunde treffen, um nach Informationen für einen Fall zu suchen, an dem wir seit längerem arbeiteten und anschließend wollte ich mich noch mit meinem Freund Sota treffen, da wir heute unser einjähriges feierten. Okay, zugegeben, Sota und ich hatten für heute nichts ausgemacht, da er meinte er sei mit seiner Arbeit beschäftigt, aber ich hatte mir vorgenommen, ihn zu überraschen. Wir hatten uns schon seit einigen Tagen nicht mehr gesehen und ich vermisste ihn, weshalb ich ihn so schnell wie möglich wiedersehen wollte und welcher Anlass wäre dazu nicht passender, als eine Überraschung zu unserem ersten Jahrestag?
      Mir wurde ganz warm bei dem Gedanken und Vorfreude keimte in mir auf, weshalb ich mir noch mehr Mühe mit dem Modeln gab.
      "Okay, es ist im Kasten. Gute Arbeit, Leute", meinte schließlich der Fotograf. Er übergab anschließend seinem Assistenten die Kamera und kam auf mich zu. "Hana-chan du warst wie immer umwerfend", lächelte er und gab mir links und rechts einen kleinen Kuss auf die Wange. Ich lächelte glücklich und erwiderte seine kurze Umarmung. "Danke. Das bedeutet mir viel, ausgerechnet von dir so gelobt zu werden", sprach ich, während ich mit ihm gemeinsam in die Garderobe ging, wo ich mich umzog. Unglücklicherweise hatte ich keine Zeit mehr, vor meinem Treffen mit Sota nach Hause zu gehen und mich umzuziehen, da ich Kimatsu eh schon warten ließ, weshalb mir keine andere Wal blieb, als das Kleid fürs Date jetzt schon anzuziehen. Während ich mich umzog, quatschte mich der Fotograf noch ein wenig mit seinen Visionen voll, die er für diese Kampagne hatte und dass man dafür kein besseres Model als mich hätte buchen können. "Vielen Dank, Daisuke. Bitte verzeih mir, aber ich muss leider schon zum nächsten Termin. Meine Assistentin hat diese Woche frei bekommen und ich musste alles selber organisieren, weshalb ich ein wenig spät dran bin. Ich hoffe du kannst es mir verzeihen. Wir sehen uns dann", verabschiedete ich mich von ihm und schmiss mir schnell meinen Mantel über und schnappte mir meine Handtasche, ehe ich mich zum Treffen mit Kimatsu begab.
      Eilig rannte ich durch die Innenstadt Tokyos und gab mir dabei beste Mühe, nicht allzu sehr aufzufallen. Ich hatte extra meinen schwarzen Mantel geschlossen, damit mein weißes Kleid nicht zu sehr hervorstach und am Ende noch dreckig werden würde. Ich hoffte nur, dass ich heute nicht mehr kämpfen müsste. Ich wollte immerhin schön für Sota aussehen und nicht wie Tante Kokoro aus One Piece.

      Etwas abgehetzt und außer Atem traf ich schließlich vor der Schule ein, bei der schon Kimatsu auf mich wartete. "Matsuuuu~", rief ich und warf mich ihr direkt an den Hals. "Es tut mir furchtbar leid! Der Fotograf hatte eineinhalb Stunde Verspätung und ich konnte nicht eher weg", entschuldigte ich mich dafür, dass ich sie eine halbe Stunde hatte warten lassen. "Bist du sehr böse auf mich?", wollte ich von ihr wissen, während ich meinen Welpenblick aufsetzte. "Hier. Nimm das", meinte ich und drückte ihr zur Entschuldigung ein paar Bonbons in die Hand, die ich aus meiner Manteltasche kramte, ehe ich mir selbst einen Lolli in den Mund steckte.
      Ich distanzierte mich wieder ein Stück von ihr, ehe ich zu dem Gebäude hinauf sah. "Whoaa... Das sieht aber schäbig aus. Ähnlich schlimm wie der ehemalige Direktor aus der Kyoto Akademie. Erinnerst du dich? Der Alte mit der E-Gitarre", kommentierte ich. "Ah... Ich schweife schon wieder ab", bemerkte ich und lächelte schief. "Komm, lass uns rein gehen", meinte ich und zog meine beste Freundin hinter mir her. "Am besten wir teilen uns auf. Du fängst unten an und ich oben. Wir treffen uns dann in der Mitte. Wenn was ist, ruf mich an, ja?", lächelte ich, ehe ich mich auch schon auf den Weg nach oben machte.




      Satoru

      Das war schlecht. Das war sehr schlecht. Diese Bastarde hatten es tatsächlich geschafft, mich im Prison Realm zu versigeln, um mich vom Kampfgeschehen zu entfernen. Ich hatte bereits den ein oder anderen Versuch gestartet, dem ganzen zu entfliehen, aber bisher nur erfolglos. Mir blieb ein aller letzter Versuch, den ich noch starten könnte, um mich hier raus zu befreien.
      Ich wusste das unsere Gegner nicht ungefährlich waren, weshalb ich nicht darauf warten wollte, dass mich meine Schüler hier raus befreiten und wir anschließend gemeinsam weiter kämpften. Ich glaubte zwar daran, dass meine Schüler das Zeug dazu hatten, doch je mehr Zeit verstrich, desto mehr Opfer bedeutete das auf unserer Seite und auf der, der Menschen, die wir zu schützen versuchten. Wobei es bei diesem Kampf wohl nur noch mehr um Schadensbegrenzung ging. Es waren schon zu viele gestorben, als das man von "Gewinnen" oder "Sieg" hätte sprechen können.
      "Sie werden schon sehen, was sie davon haben, sich mit mir anzulegen. Dieser Knallbirne werde ich es zeigen, sobald ich hier raus bin", meinte ich ernst. Doch zuerst musste ich mich auf Fluchkraft konzentrieren. Ich konzentrierte mich darauf, einen Großteil meiner Fluchkraft freizusetzen. Ich müsste den gesamten Raum krümmen, um diesem Prison Realm entkommen zu können, was mich deutlich mehr Fluchkraft kosteten würde, als ich für gewöhnlich nutzte. Doch ich war mir sicher, dass es so klappen könnte, mich hiervon zu befreien und unseren Gegner die Schädel abzureißen.
      Ich verschränkte die Hände ineinander und rief laut:" Time curvature." Ein heftiger Wind wehte, welcher voll mit Fluchkraft geladen war und mir ins Gesicht peitschte. Ich ließ mich nicht beirren und gab noch mehr meiner Fluchkraft frei. Viel zu spät bemerkte ich, dass ich es scheinbar dabei übertrieben hatte. Denn Anstatt nicht nur dem Realm Prison zu entfliehen, bemerkte ich, wie mein Körper und Geist an einen ganz anderen Ort teleportiert wurden. Zu meiner Überraschung war ich aber nicht alleine diese kleine Reise angetreten, sondern hatte noch Nanami mit mir mit gezerrt, welcher sich scheinbar als Pingpong Ball hatte missbrauchen lassen. Man sah der scheiße aus. Allzu lange konnte ich jedoch nicht einen Blick auf den schwer verletzten Nanami erhaschen, da er durch meine Time curvature geheilt wurde. Schade. Hätte ich das eher gewusst, hätte ich noch ein paar Bilder von ihm gemacht und meinen Schülern gezeigt. Naja, dann beim nächsten Mal.
      Es wurde grell um uns und meine Fluchkraft nahm Überhand. Das nächste was ich sah, war wie Nanami und ich durch die Luft flogen und direkt durch das Dach eines hohen Gebäudes flogen. Mein Körper blieb von Verletzungen verschont, was zum Einem an meinem Infinity lag, aber wohl auch zum Anderen, dass ich dank Nanami weich landete. Während wir zwei also volle Kanne durch das Dach knallten, fiel ich ganz zufälligerweise auf meinen Kollegen drauf und landete auf seinem Rücken. Ich ergriff die Gunst der Stunde und machte es mir auf ihm bequem, während ich so tat, als würde ich ihn nicht bemerken. "Woow. Das war überraschend weich", sagte ich und winkelte dann ein Knie an, auf welchem ich meine Hand abstützte. "Sieht ganz nach einer Schule aus." Erst jetzt machte ich mir die Mühe, in Nanamis Richtung zu schauen und begegnete dabei seinem sichtlich unzufriedenem Blick. "Oh, Nanami! Du bist ja auch hier! Was machst du denn da? Hast du mich etwa so sehr vermisst?", grinste ich und nahm mein Handy hervor, ehe ich ein paar Bilder von ihm machte. Das würde ab sofort mein neues Hintergrundbild werden. Doch bevor ich dazu kam, merkte ich wie eine Person mit recht viel Fluchkraft auf diesen Raum zu rannte. Ein Sorcerer? Scheinbar.
      Kurz darauf wurde die Tür zu diesem Raum aufgerissen und eine junge Frau mit langen blonden Haaren, gekleidet in einem weißen Kleid und einen schwarzen Mantel, stand vor uns. Ich erkannte, dass sie an ihrer Seite einen Gegenstand in Fluchkraft getaucht hatte. Der Silhouette nach zu Urteilen war es ein Schwert.
      "Whoa. Dein Gojo Satoru Cosplay sieht krass echt aus", bemerkte sie plötzlich, während sie mich und Nanami genauer musterte. "Heh? Cosplay?! Ich bin der einzig und wahre Gojo Satoru!" Ich sah zu meinem Kollegen hinunter und grinste ihn breit an. "Hast du das gehört, Nanami? Ich bin so berühmt, dass ich jetzt schon von irgendwelchen Frauen in alten Gebäuden erkannt werde. Hach. Es ist auch nicht einfach, das Leben als Prominenter. Man muss immer vor Groupies auf der Hut sein", sagte ich und schüttelte dabei gespielt theatralisch den Kopf, ehe ich so gnädig war und mich von meinem Kameraden erhob.
      "Ja klar, wenn du Gojo Satoru bist, bin ich Gakuganji", bemerkte sie trocken. Ich grinste breit. "Also gewisse Ähnlichkeiten weist ihr ja schon auf", scherzte ich. "Wenn du der Echte bist, beweis es mir", meinte sie. "Gerne." Sie überlegte kurz, ehe sie zu der alten Tafel im Zimmer lief und einen verdreckten Schwamm in die Hand nahm. Kurz zögerte sie, dann warf sie ihn mit voller Wucht in meine Richtung. Grinsend erhob ich meine zwei Finger, wodurch ich den Schwamm an meinem Schutzschild abprallen ließ und er stattdessen Nanami erwischte.
      Die junge Frau starrte mich mit Entsetzen an, wobei sie sogar den Lolli in ihrem Mund zu Boden fallen ließ und dieser daraufhin zersplitterte. "AAAAAAAHHHHHH!!" Ein lautes Schreien ihrerseits ertönte und ihre Augen wurden hell und groß, ehe sie auf mich zu lief. "Ich glaubs nicht! Der einzig wahre Gojo Satoru! Darf ich bitte ein Foto machen??", fragte sie ganz hibbelig. Ich grinste breit "Natürlich!", sagte ich und lächelte kurz darauf in die Kamera ihres Smartphones. Die Kleine war mir jetzt schon sympathisch. Das versprach lustig zu werden.
      Nichts kann tiefer verletzen als Wortlosigkeit, nichts kann mehr verwirren als Sprachlosigkeit, lieber komme ich im Chaos des gesprochenen Wortes um, als in der schreienden Stille von endlosen Gedanken…
    • Kimatsu Hashisawa


      "Sie ist zu spät... Mal wieder." Vielleicht war es unfair, diese Worte bereits zu murmeln, kaum dass die Anzeige meiner digitalen Armanduhr von 17:00 auf 17:01 Uhr sprang, allerdings war es mittlerweile zu einer unangenehmen Gewohnheit geworden auf Hana warten zu müssen. So langsam fragte ich mich, ob dieses quirlige Mädchen mich mit Absicht warten ließen, eben weil sie wusste, wie sehr ich Unpünktlichkeit hasste... Und zugleich fiel es mir jedes Mal unglaublich schwer, ihr wirklich böse zu sein, nachdem sie mich immer wieder mit diesen schimmernden und großen grünen Augen anfunkelte und um Vergebung bettelte... Vielleicht war ich doch einfach etwas zu weichherzig. Zugleich bezweifelte ich allerdings, noch großartig etwas an Hana ändern zu können, egal wie streng ich auch mit ihr umgehen mochte. Und wenn ich ehrlich war, wollte ich sie eigentlich auch gar nicht verändern, war es doch genau dieser überschängliche und zum Teil sorglos naive Charakter, der sie so leibenswert und schön in meinen Augen machte. Mein Job als ihre Mentorin sollte es einfach nur sein, sie stets auf den richtigen Pfad zu führen, während ich im Stillen auf sie Acht gab und auf das Bestehen ihres hübschen Lächelns hoffte. Auch wenn ich ihr leider nicht bei all den Problemen in ihrem Leben helfen konnte...
      Da es mittlerweile zur Normalität für mich geworden war, auf die junge Jujutsuistin zu warten, beschloss ich meine Zeit zumindest einigermaßen vernünftig zu nutzen. Langsam glitt mein Blick zum heutigen "Zielobjekt" empor. Nach den tragischen Geschehnissen vor knapp 50 Jahren hatte sich Tokyos Stadtbild reichlich verändert, weswegen solche verlassenen Schulen wie diese hier lange keine Seltenheit mehr waren. Und doch strömte die abgeblätterte Fassade dieses Gebäudes eine besonders düstere Aura aus, welche offenkundig dafür gesorgt haben musste, dass einige leichtsinnige Kinder das Betreten der alten Highschool als eine geniale Mutprobe verpackten, mit unschönen Folgen. Innerhalb der letzten zwei Wochen waren bereits fünf Jugendliche wie vom Erdboden verschluckt worden und jeder einzelne von ihnen sollte zuletzt sein Vorhaben verkündet haben, hier übernachten zu wollen. "Und jetzt hat die zunehmende Furcht vor dieser 'Geisterschule' sicher dafür gesorgt, dass der ansässige Fluchgeist an Kraft gewonnen hat", überlegte ich laut, während ich bereits routinemäßig damit begann, dass alte Gemäur zu umrunden und die Gegend abzuzischern. Es könnte Probleme geben, sollte sich ein Passant in der Nähe aufhalten und im schlimmsten Fall sogar bei entstehenden Kämpfen Schaden nehmen, doch zum Glück schien sich hier bei Tag kaum jemand herzutrauen. Noch dazu schien die gesamte Straße schon seit Jahren keine Anwohner mehr gesehen zu haben. Für mich ein vertrautes Bild, obwohl es laut den älteren Generationen früher kaum genug Platz für die unendlich vielen Anwohner in Tokyo gegeben haben sollte. Heute verfiel stattdessen ein Haus nach dem anderen, nachdem es Jahrzehnte lang kein Bewohner mehr betreten hatten. So waren auch solche "Gruselhäuser" bereits zu einem gewohnten Anblick geworden, der nicht selten den einen oder anderen Fluchgeist zu Folge hatte. Doch in den letzten zwei Monaten hatte das Verschwinden von zahlreichen Kindern eindeutig an Überhand gewonnen. Egal wie viele Lost-Places Tokyo auch zu bieten hatte und egal wie viele entsprechende Fluchgeister sich hier auch herumtreiben mochten, das Verschwinden so vieler Menschen war alles andere als normal. Noch bevor ich den entsprechenden Auftrag von der Jujutsu-Vereinigung erhielt, hatte ich daher begonnen Nachforschungen zu diesem Thema zu betreiben und später nur allzu gern Hanas Hilfe angenommen, mich bei der Untersuchung der Fälle zu unterstützen. Ihre seltene Fluchtechnik war wahrlich eine Bereicherung in den diversen Kämpfen gegen die Fluchgeister, außerdem beobachtete ich sie gerne dabei, wie sie stärker wurde... Weniger gerne jedoch, wartete ich auf sie.
      "Heute knackt sie wohl auch wieder die dreißg-Minuten-Marke", kommentierte ich etwas angesäuert, als ich nach Beendigung meiner Kontrollrunde erneut meine Armbanduhr unter Augenschien nahm. "Vielleicht sollte ich sie doch lieber einfach anrufen... Ich hoffe nur, dass sie unsere Verabredung hier nicht wieder komplett vergessen hat, weil sie zu sehr mit ihrem ersten Jahrestag beschäftigt ist." Tatsächlich könnte ich es bis zu einem gewissen Grad sogar verstehen, sollte eben die ihr Grund sein. Ich konnte mich kaum daran erinnern, dass es vor diesem Sota einen Kerl gegeben hatte, mit dem die gute Hana eine langanhaltende Beziehung hatte führen können. Vor allem bei ihrem begagneten Talent elendige Arschlöcher anzuziehen, die er in erschreckender Regelmäßigkeit das Herz brachen. Wenn ich ehrlich war, mochte ich diesen Schleimbolzen Sota eigentlich überhaupt nicht leiden, doch solange Hana an seiner seite glücklich war, würde ich mich nicht unnötig einmischen. Zur Not könnte ich diesen Job hier auch gut alleine erledigen.
      Doch gerade als ich Hanas amüsiert in die Kamera grinsendes Gesicht unter meinen Kontakten auswählen wollte, machte eine aufgedreht rufende Stimme mein Vorhaben unnötig. "Matsuuuu~" Kaum hob sich mein Blick zum Ursprung der Lärmquelle, sprang sie mir auch schon wortwörtlich um den Hals. Natürlich verhinderte ihr aufgeregtes Plappermaul, dass ich selbst irgendeinen Satz zustande bringen konnte, während sie mir eine ihrer üblichen Entschuldigungen - Süßkram - in die Hände drückte.
      Eine zeit lang betrachtete ich die Bonbons in Frabenfrohen Verpackungen in meinen Händen nur schweigend, dann hob sich mein Blick zu ihrem heiteren Gesicht, welches durch den frischen Loli zwischen ihren Lippen direkt noch kindischer wirkte als sonst schon. Und wieder war es mir unmöglich, tatsächlich wütend auf sie zu sein, stattdessen durchquerte ein langgezogenes Seufzen meine Kehle. "In Ordung. Aber das nächste Mal rufst du gefälligst an oder schreibst zumindest eine Nahcricht, wenn du zu spät kommst. Immerhin mache ich mir auch Sorgen, da sonst irgendwas passiert sein könnte", mahnte ich letztendlich noch mit erhobenen Finger, bevor ich die Entschuldigungs-bonbons in eine meiner Hosentaschen schob.
      Bei ihrem Kommentar zum Aussehen der alten Schule vor uns, huschte sogar ein flüchtiges Lächeln über meine Lippen, während ich leicht nickte. "Natürlich erinnere ich mich. Ich kann bis heute nicht verstehen, wie jemand mit solch einem verkniffenen Gemüt so alt hat werden können", fügte ich mit einem kurzen Schulterzucken hinzu. "Aber auch er ist einst einer der stärksten Sorcerer seiner Zeit gewesen, du solltest ihn also nicht zu schlecht reden." Wahrscheinlich würde sie absolut nicht auf mich hören, aber das war eigentlich auch egal, solange wir den Blick für das Wesentliche nicht verloren. "Aufteilen klingt gut", bestätigte ich ihren Plan mit einem Nicken. "Doch sollte es Probleme geben, komm sofort zu mir oder ruf mich schnellstmöglich zu dir. Ich kann zwar keine sonderlich starke Aura spüren, aber egal welcher Fluch hier drinnen steckt, er hat schon mehrere Opfer gewordert. Wir sollten mit entsprechender Vorsicht daran gehen." Mit diesen letzten Anweisungen richtete ich meine Aufmerksamkeit in Gänze auf den Schulkomplex vor unseren Augen und schob furchtlos die breite Tür des Haupteinganges auf. "Los gehts."

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      Kento Nanami


      Müde... Einfach nur so unendlich müde. Ich brauchte Urlaub... Nein, noch viel besser: wie wäre es denn mit einem verfrühten Ruhestand? Malaysia sollte recht entspannt sein. Ein kleines Häuschen direkt am Strand von Kuantan... Keine stressigen Verpflichtungen mehr, keine Kämpfe mehr. An so einem entspannten Ort traf man wahrscheinlich nicht einmal auf einen einzigen ätzenden Fluchgeist... Keine Schmerzen mehr... und kein Kummer.
      Nein, ich kann nicht... Fushiguro. Was hat dieser verrückte Schwarzhaarige mit dem Burschen gemacht? Maki und Naobito... Ich muss ihnen gegen diesen elenden Vulkanschädel helfen.
      Auch wenn ich es eigentlich eilig haben musste, fühlten sich meine Füße mit jedem einzelnen Schritt schwerer an. Nachdem ich Vulkankopfs Flammen direkt frontal gegen das Gesicht gesendet bekommen hatte, war meine Sicht nur noch zur Hälfte vorhanden. Mein kompletter linker Oberkörper war nur noch ein Herd brennenden Schmerzes, der zum Teil solch enorme Ausmaße annahm, dass mir selbst das Fassen klarer Gedanken zunehmend unmöglich wurde. Sobald das hier überstanden ist, werde ich sofort Urlaub beantragen. Mir egal, was die anderen dazu sagen.
      Als würden sie mich für meine törischten Gedanken bestrafen wollen, blickte ich nur einen Wimpernschlag später den entsetllten Gesichtern dutzender transformierter Menschen entgegen. Wie viele arme Seelen waren Mahitos elenden Fingern eigentlich noch zum Opfer gefallen? Langsam bezweifelte ich sogar, dass noch ein einziger normaler Mensch durch diese Anlage hier wandelte.
      Tatsächlich hatte ich selbst keine Ahnung, wie es mir trotz all meiner Verletzungen gelang, mich noch zu bewegen, geschweige denn gegen diese bemittleidenswerten Kreaturen zu kämpfen. Selbst meine Schmerzen schienen dabei in seltsame Ferne zu rücken, während mein Körper sich wie von selbst zu bewegen schien. Mein Geist trug an diesem Kampf allerdings quasi keinen Anteil mehr, ich war nicht mehr dazu in der Lage groß nachzudenken oder die Lage im Blick zu behalten. Ich achtete schon lange nicht mehr auf meine Umgebung und ließ meine Klinge einzig und allein auf die Gegner direkt vor meiner Nase niedersaußen. Ein Fehler, den ich schnell einzusehen lernte. "Ich wusste nicht, dass du hier bist..."
      Mahitos verabscheuungswürdiges Grinsen hing direkt vor meinem noch intaktem Auge und doch war mir seine hässliche Visage im Moment ziemlich egal. Genauso wie seine Hand auf meinem kaum noch lebendigen Körper. Dieses Leben fand ein früheres Ende, als erwartet. Aber... ich bereue nichts. Ich hatte stehts so gelebt, wie ich es mir wünschte, so wie ich mir ein gutes Leben vorstellte. Natürlich hatte ich lange nicht alles erreicht, was ich mir vorgenommen hatte - das Haus in Malaysia wäre definitiv ganz nett gewesen - aber ich hatte zumindest meine Aufgabe erfüllt. Nicht wahr, Haibara?
      Alles folgende schien in Zeitlupe vorrüber zuziehen. Das seltsam deutliche Abbild meines lange verstorbenen alten Klassenkameraden, der mich abzuholen schien. Der verstörte und schockierte Ausdruck des jungen Itadori. Die letzten Worte aus meinem eigenen Mund... "Du packst das von hier an schon."
      Vielleicht sollte ich Mahito irgendwie sogar dankbar sein, nachdem er es kurz und vor allem schmerzlos machte. Ich spürte nur am Rande, wie sich mein Körper in seine Einzelteile zerlegte und mein Bewusstsein in die Dunkelheit riss. Doch... Während ich mich darauf einstellte im Nichts zu verschwinden und nie wieder einen einzigen Gedanken hegen zu können, wurde ich erneut in Schmerzen gehüllt. Wie bitte? Schmerzen?! Ich war tod! Dieser Mist mit den Schmerzen hätte doch endlich ein Ende nehmen sollen, oder etwa nicht?! Musste man ihm verdammten jenseits etwa auch Schmerzen leiden?!
      Zur Überprüfung der unerwarteten Lage, riss ich ruckartig die Augen auf und... Halt! Die "Augen aufreißen"?! Welche Augen? Ich war doch...! Mahito hatte doch...! Und dennoch gelang es mir. Da waren tatsächlich zwei schwere Augenlider, die ich heben konnte. Verschwommenes Licht traf auf meine gepeinigten Netzhäute und ließ mich für einen Moment zusammenzucken. Der Schmerz ließ nach, meine Glieder fühlten sich zunehmend lebendig an und die Fragen in meinem Schädel türmten sich parrallel zu einem unüberwindbaren Berg zusammen, bis: "Gojo! Was zur Hölle hast du angestellt?!" Wow, selbst meine Stimme funktionierte besser als erwartet. Wobei alleine das Grinsen dieses Augenmasken-Fanatikers war Grund genug anzunehmen, dass einzig und alleine er für die momentane Situation verantwortlich war. Welch anderer Freak auf dieser Welt sollte auch sonst in der Lage sein mich noch während meines Todes in einen Übelkeits erregenden Strudel zu reißen und mich nebenbei mal fix wieder zusammenzuflicken. Dabei hatte ich doch gerade erfolgreich und "cool" mit meinem Leben abgeschlossen. Aber selbst das konnte einem dieser überdimensionierte Nervenzwerg natürlich nicht erlauben.
      Ich wollte ihm noch einige Beschwerden mehr entgegenbrummeln, verschluckte meine Kommentare aber schnell wieder, als uns der wilde Strudel plötzlich freigab und den Fängen der Schwerkraft überreichte. "Was zum-!?" Die Landschaft die sich unter uns präsentierte gehörte ganz bestimmt nicht zur Gegend um Shibuya. Das hier erinnerte mich eher an ein einsames Wohnviertel am Rande Tokyos. Viele Gedanken konnte ich mir über unseren aktuellen Standort allerdings icht machen, als meine frisch verheilte Haut mit einem halb zerfallenen Hausdach Bekanntschaft machte und sich direkt wieder in neue Wunden hüllte. Und als wäre das noch nicht frustrierend genug, landete ich keine Skunde später unsanft auf alten hellgrauen Lenolium-Boden bevor mich mein "geliebter" Senpai als gemütliche Sitzgelegenheit missbrauchte. Ich würde mein frisch nachgewachsenen Haare darauf verwetten, dass er diese Punktlandung natürlich geplant hatte. Ich verzichtete allerdings darauf, ihm deswegen direkt den Hals umzudrehen - auch in dem Wissen, dass ich leider chancenlos war - und begutachtete von meiner unerfreulich niedrigen Position aus, die Umgebung. Gojo hatte recht, dass hier war eine Schule. Eine ehemalige zumindest. Zerfallene Stühle an der Wand, teilweise eingeschlagene Fenster, durch welche die wärmende Abendsonne strahlte, zudem eine Dicke Staubschicht auf dem Boden, die nicht allein von unserer Punktlandung stammen konnte... Hier wurden schon seit Jahrzehnten keine Schüler mehr unterrichtet.
      Ich verkniff mir jegliche Kommentare, die ich dem nervigen Silberschopf entgegenwerfen könnte und ignorierte den Blitzhagel von der Seite, als er mal wieder seine geliebten Erinnerungsfotos schoss. Stattdessen konzentrierte ich mich auf die Fluchkraft, welche sich ungebremst in unsere Richting aufmachte. Ein Sorcerer? Meine Hand zuckte verzweifelt, als sie an meiner Hüfte ins Leere griff. Wo ist meine Klinge. Ich musste sie fallengelassen haben... natürlich. Mahito hatte schließlich nicht einmal Finger übrig gelassen, die den Griff hätten halten können. Zum Glück schien ich meine Waffe aber nicht einmal von nöten zu sein.
      Zuerst fingen strahlend grüne Augen meinen Blick ein und erinnerten mich an die leuchtenden Farben eines blühenden Waldes in der Morgensonne. Da passte es gut, dass ihr langes Haar wie warme Sonnenstrahlen um ihr schmales Gesicht wirbelte, bevor volle Lippen eine hohe und begeisterte Stimme offenbaren.
      Sofort schien ihre Schönheit etwas zu verblassen... Dieser elende Mistkerl - der eigentlich versiegelt sein sollte! - und ich landeten irgendwo im Nirgendwo und der erste Mensch der uns begegnete ... sorgte dafür dass mich ein verstaubter Tafelschwamm traf. Und natürlich entpuppte sich der kleine Flummi eines Mädchens in der nächsten Sekunde auch noch als Gojos größter Fan der Neuzeit... Ich beschloss diesem Kerl nicht dafür zu danken, mich zurück unter die Lebenden gebracht zu haben.
      "Meinst du nicht, dass es im Moment wichtigere Dinge zu erledigen gibt, als elende Selfies zu schießen", knurrte ich von der Seite und begann damit, die Umgebung etwas genauer zu begutachten. Ein Blick aus dem Fenster genügte dabei allerdings schon, um zu realisieren, dass das Schulhaus hier nicht das einzige verlassene Gebäude war. Lebte in dieser Straße überhaupt noch jemand? "Wir müssen herausfinden, wie wir hier gelandet sind und wo wir uns überhaupt befinden. Hey, Kleine, wer-" Doch ich kam erneut nicht dazu, meinen Satz zu beenden.
      "Hana! Geht es dir gut?!"

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      Kimatsu Hashisawa


      "Das sollte der lezte gewesen sein", meinte ich ruhig und betrachtete den langsam zu Staub zerfallenden Fluchgeist vor meinen Füßen. Dann konzntrierte ich mich noch einmal genauer auf die dutzenden kleinen Ameisen, Spinnen und Fliegen, die ich durch die unteren drei Schulstockwerke hatte wandern lassen, um sie nach eventuell verborgenen Feinden zu kontrollieren. Aber es schien sich nach wie vor nichts zu regen. "Sehr gut." Ein zwei beiläufige Handbewegungen genügten, um den Großteil des an mir festhängenden Staubes zu lösen, bevor ich mich daran machte, das Treppenhaus des Gebäudes aufzusuchen. Bisher hatte ich noch nichts von Hana gehört, was ein potenziell gutes Zeichen war, aber da es hier unten nichts mehr zu erledigen gab, konnte ich auch gut und gerne zu ihr gehen.
      Gerade als ich den Absatz zum zweiten Stockwerk erreichte stellte mir allerdings ein unerwarteter Schrei sämtliche Nackenhaare auf. Das war doch: "Hana!" War ich soeben noch gemütlich die Treppen hinaufgejoggt, nahm ich nun mit jedem Schritt beziehungsweise Sprung drei Stufen auf einmal, sendete neue Fliegen aus, um den Aufenthaltsort der hübschen Blondine so schnell es ging ausfindig zu machen und hastete so schnell es ging durch die weiten Schulflure. Bitte, lass es ihr gut gehen!
      Dann, endlich! Ich konnte ihre Fluchenergie wahrnemen, nur wenige Meter entfernt in einem der zahlreichen vereinsamten Klassenzimmer und bei ihr... Kurz spürte ich, wie sich meine Beine vor Schock verkrampften, bevor meine Füße mich schneller denn je vorantrugen. Zwei Jujutsu Sorcerer, deren Präzens mir gänzlich unbekannt war und doch wusste ich eines ganz genau: Sie waren verdammt stark. Schneller! Schneller!
      Ich donnerte beinahe gegen die Hauswand, als ich ungebremst um die Ecke bog, dann endlich erreichte ich das angepeilte Zimmer, zückte beide Dolche an meiner Hüfte und ließ bereits gebündelte Fluchkraft in die Klingen strömen. "Hana! Geht es dir gut?!" Ich machte mich auf alles gefasst: Blitzschnelle Angriffe, erschreckende Fluchtechnicken und im schlimmsten Fall sogar auf eine verletzte Hana. Doch mit einem hatte ich nicht gerechnet: Mit einer begeistert kichernden 21-jährigen, die sich soeben überglücklich an die Schulter eines Riesen mit unnatürlich weißen Haaren - sogar heller als meine eigenen - und schwarzer Augenbinde lehnte, während beide wie blöde in eine vor ihnen schwebende Handykamera grinsten. "Was zum-?!" Ich wusste das mein Mund offen stand und es war mir egal. Die gesamte Szenerie vor meinen Augen war viel zu absurd, als mein gesicht wahren zu wollen. "Was soll das hier? Wer sind die beiden?" Das fragte ich zwar, doch unterschwellig glaubte ich zumindest einen von beiden irgendwie "erkennen" zu können. Aber... Das konnte nicht sein, richtig? Aber er sah nun einmal genauso wie auf all den unzähligen Bildern aus, die Hana in ihrer Freizeit stundenlang anhimmeln konnte... Aber wie...? "Was ist hier passiert?" Mein Blick richtete sich zuerst zum demolierten Dach über unseren Köpfen, während ich mir überlegte, welche Kräfte hatten wirken müssen, um dort durchzufallen, dann erst blickte ich erneut in die ungewohnte Runde und verlangte stumm nach Antworten. So schnell wie möglich.

      Dieser Beitrag wurde bereits 4 mal editiert, zuletzt von Marien ()

    • Hana Yamamoto

      Als ich heute morgen aufwachte, mein Frühstück einnahm und und anschließend zu meiner Arbeit fuhr, hatte ich nicht damit gerechnet, dass der heutige Abend eine solche Wendung nehmen würde und wenn ich ehrlich war, war das immer noch zu cool, um wahr zu sein. Ich meine: Ich stand hier vor dem Gojo Satoru! Er war schon immer eines meiner größten Vorbilder gewesen und ich hatte mir immer gewünscht, eines Tages so stark wie er zu sein. Im Leben nicht hätte ich damit gerechnet, dass ich 50 Jahre nach dem Vorfall in Shibuya besagtem Sorcerer gegenüberstehen würde. Heute musste wohl mein Glückstag sein!
      "Hana! Geht es dir gut?!" Ich zuckte leicht zusammen, als ich die aufgeregte Stimme meiner besten Freundin vernahm. Ich war so auf die Fotos konzentriert, dass ich ihr Kommen gar nicht gespürt hatte. Doch jetzt wo sie vor mir stand, durchflutete eine Welle der Freude meinen Körper und ich lief zu der schönen Weißhaarigen hinüber, um diesen Moment mit ihr teilen zu können. Ich steckte mein Handy in meine Manteltasche und schnappte hibbelig den Oberarm von Kimatsu, während ich mit leuchtenden Augen zu ihr hinauf sah. "Matsu! Dass da ist Gojo Satoru!", erklärte ich ihr, während ich auf und ab wippte, um meine Aufregung ein wenig unter Kontrolle zu kriegen. "Kaum zu fassen, dass er nach 50 Jahren einfach so wieder auftaucht und dann haben auch noch ausgerechnet wir das Glück, auf ihn zu treffen!" Mein Blick wanderte von der jungen schönen Frau direkt wieder zu dem Maskierten. Überrascht musste ich feststellen, dass das Grinsen, welches er noch vor wenigen Sekunden in die Kamera gezeigt hatte, verschwunden war und sich ein nachdenklicher Blick auf seinem Gesicht breit machte. Er schien über etwas nachzudenken und ich fragte mich unweigerlich, ob ich vielleicht etwas falsches gesagt hatte. "50 Jahre also, sagst du", murmelte er in seine Hand, deren Finger sich an sein Kinn gelegt hatten. Kurz blieb es still, dann drehte er sich zu seinem Begleiter und tauschte einige aussagende Blicke mit ihm aus. Etwas verwundert beobachtete ich die beiden, ehe Gojo wieder eine lässige Position annahm und sein übliches Grinsen aufsetzte. "Heute ist euer Glückstag! Denn ihr dürft den Großartigen Gojo Satoru begegnen. Achja und meinem Kollege Nanami Kento", sagte er, wobei er den letzten Satz mit deutlich weniger Euphorie aussprach.
      "Huh... Nanami Kento?", fragte ich ungläubig, ehe ich fragende Blicke mit Kimatsu austauschte. "Wieso ist er dabei...? Müsste er nicht eigentlich tot sein?" Meine Stimme war nur ein leises Flüstern, damit die beiden uns nicht hören konnten. Waren wir vielleicht zwei Betrügern in die Arme gelaufen? Möglich wäre es, wobei Gojo seine Fähigkeiten bereits unter Beweis gestellt hatte.
      "Ah. Ich habs! Ihr seit zwei Rachegeister!", sprach ich den erstbesten Gedanken aus, der mir in den Sinn kam. "Aber Rachegeister haben keine Materie", grinste Gojo und deutete dabei auf den kleinen staubigen Abdruck auf der Wange seines Kollegen, welche nur wenige Minuten zuvor den Tafelschwamm abbekommen hatte. "Ah. Stimmt", entgegnete ich und versuchte erneut nach einer möglichen Lösung zu suchen. Allerdings wollte mir nicht so wirklich was einfallen. Stattdessen hatte ich immer mehr Fragen in meinem Kopf, auf die ich keine Antworten hatte. Zumindest keine, die plausibel klangen.
      "Hey, sollen wir die beiden vielleicht zu Shoko bringen?", fragte ich Matsu und sah dabei fragend zu ihr hinauf. "Shoko?", kam von Gojo. Er grinste und schien kurz nachzudenken. "Das klingt nach einer guten Idee! Ich bin gespannt, wie sie jetzt als Alte Frau aussieht." "Alte Frau? Shoko sieht immer noch recht jung aus. Sie hat einen Weg gefunden, ihre Fluchkraft so einzusetzen, dass sie nicht altert", erklärte ich lächelnd. "Sie ist soo cool!", schwärmte ich. "Kein Wunder, dass sie damals den Direktorenposten bekommen hat." "Direktorin?", fragte Gojo und ich nickte. "Ja, sie ist schon seit geraumer Zeit die Direktorin an der Tokyo Akademie für Jujutsu Sorcerer. Sag bloß, das wusstest du nicht?", fragte ich ihn verdutzt, doch er grinste wieder. "So kennt man sie", meinte er anschließend. Mich verwunderte es ehrlich gesagt ein wenig, dass Gojo von alldem nichts mitbekommen hatte. Es hieß damals, dass er einfach verschwunden sei und das niemand wüsste, wohin. Ich hatte immer gedacht, dass er trotz allem die Menschen hier im Auge behielt und über alles Bescheid wusste. Mit einer Fähigkeit wie seiner, musste er sich nicht einmal großartig anstrengen, an irgendwelche Informationen heranzukommen, warum also wusste er nicht davon, dass seine ehemalige Klassenkameradin an der Akademie Direktorin wurde? Was ging hier nur vor sich?
      "Wie heißt ihr beiden eigentlich?", wollte Gojo schließlich von uns wissen. Ich lächelte erneut. "Mein Name ist Yamamoto Hana, aber ihr könnt mich einfach Hana nennen. Ich bin eine Jujutsuistin mit dem Semi-Grad 2 und das-" Ich deutete auf Kimatsu. "-ist meine beste Freundin Hashiwa Kimatsu. Sie hat es sogar bis auf Grad 1 geschafft und ist Lehrerin an der Akademie in Tokyo", erklärte ich lächelnd, ehe ich mit funkelnden Augen zu Matsu hinauf sah. Ich war immer wieder aufs Neue begeistert, wie weit sie es geschafft hatte. Sie war so stark und sah dabei noch so cool aus! Ich hatte wirklich großes Glück gehabt, sie auf der Akademie zu treffen und sogar von ihr unterrichtet zu werden. Die anderen Lehrer hatten zwar auch was drauf, aber Matsu war halt einfach die Beste. Die anderen konnten ihr nicht im Ansatz das Wasser reichen!


      Gojo Satoru

      Ich hatten die Fluchkraft der anderen Person schon wahrgenommen, als Nanami und ich hier gelandet waren. Darum wunderte es mich auch nicht, dass die dazu gehörige Person ins Zimmer hinein stürmte, nachdem sie offenbar den lauten Schrei der Kleinen gehört hatte. Sie war schnell und hatte in kürzester Zeit den Raum erreicht, zudem sie die Tür aufriss und sich offenbar schon Kampfbereit machte. Doch bevor es dazu überhaupt kommen konnte, beendete die Blondine das Fotografieren und lief fröhlich zu ihrer Kollegin, der sie alles erzählte. Das gab mir die Möglichkeit, die junge Frau ausgiebiger zu mustern. Sie hatte silberweiße lange Haare, die mich an Sterne erinnerten und hellbraune Augen, die von dichten schwarzen Wimpern umrahmt wurden und aktuell den Anschein eines aufgeschreckten Rehs machten. Ihre Fluchkraft übertraf die der Blondhaarigen und schien nicht so richtig zu diesem schmalen Körper passen zu wollen.
      Länger konnte ich mir allerdings keine Gedanken über das Erscheinungsbild der jungen Frau machen, da die Blondine bereits weitersprach und etwas von sich gab, dass meine Aufmerksamkeit weckte. "50 Jahre also, sagst du", murmelte ich in meine Hand. So war das also. Ich hatte mir so etwas ähnliches schon gedacht, dennoch war ich mir nun sicher. Die Straßen um das Gebäude herum, in dem wir uns befanden sahen zu verändert aus, als dass wir im hier und jetzt gewesen wären. Darum vermutete ich bereits, dass Nanami und ich uns in einer anderen Zeit befanden, doch nun wusste ich auch, wie weit wir "gereist" waren. 50 Jahre. Das war nicht gerade wenig, aber ich machte mir keine Sorge, dass wir nicht wieder zurückfinden würden. Wenn hier die Zeit anders verging, als in unserer Dimension, konnten wir daraus einen großen Vorteil schöpfen und müssten uns auch nicht mit der Heimkehr beeilen. Ich würde für ein Comeback sorgen können, dass den Vulkan-Heini und seine Möchtegern Fluchgeister Partner mit einem lauten Knall ins Jenseits schicken würde. Doch vorerst sollte ich mich auf das konzentrieren, was sich vor meinen Augen abspielte. Ich konnte auch später noch, einen geeigneten Plan austüfteln. Vorerst würde ich mich auf die Informationsbeschaffung in dieser Dimension konzentrieren.

      Wir unterhielten uns noch kurz und die Blonde, welche sich als Hana vorstellte, erzählte uns von Shoko und dass sie Direktorin an der Schule wurde und einen Weg gefunden hatte, ihren Körper nicht altern zu lassen. Außerdem stellte sie uns noch ihre Kollegin vor, welche nicht unbedingt entspannter als vorher schien, aber dafür schon mal etwas ruhiger. Sie schien das heitere Gemüt ihrer Freundin nicht zu teilen und wirkte auf mich eher wie eine "Aufpasserin". Scheinbar jemand, mit viel Pflichtbewusstsein. Wie langweilig. Noch so jemand wie Nanami.
      "Dann lasst uns mal zu Shoko gehen. Ich bin gespannt, wie sie auf uns reagieren wird", grinste ich und sah dabei von Nanami zu den beiden Frauen. Hana schnappte sich direkt den Oberarm der silberhaarigen und zog sie ungeduldig mit sich mit. Auch ich setzte mich in Gang und folgte den beiden Frauen. Ich konnte mir zwar das meiste bereits zusammenreimen, aber es wäre sicher nicht schlecht, noch mal auf Nummer sicher zu gehen und vielleicht die ein oder andere Information einzuholen. Wenn das hier wirklich die Zukunft war, wollte ich wissen, wie der Vorfall in Shibuya ausgegangen war, direkt nachdem ich versiegelt wurde. Eins konnte ich aber schon mal mit Sicherheit sagen: Es war absolut richtig gewesen, hierher zu kommen. Hätte meine Fluchtechnik Nanami nicht mitgezogen und ihn während unserer kleinen Reise geheilt, wäre er vermutlich nicht mehr am Leben gewesen, wenn ich zurückgekommen wäre. So hätte ein weiterer äußerst fähiger Jujutsu Sorcerer sein Ende gefunden. Auch wenn ich ihm das so wohl niemals sagen würde. Aber was solls, Nanami hatte sich noch nie viel aus Lob oder dergleichen gemacht. Er wollte einfach seine Sachen erledigen und seine Ruhe haben. Ein recht trostloses Leben, wenn man mich fragte. Aber mir sollte es egal sein. Er war fähig und ich wusste, dass ich mich auf ihn verlassen konnte, wenn ich ihm Aufgaben anvertraute, solch eine Stütze wollte ich in der Zukunft nicht verlieren. Nicht schon wieder.
      Wir folgten Kimatsu und Hana durch die Straßen Tokyos und erneut konnte ich feststellen, wie viel sich hier verändert hatte. Gleichzeitig war es aber auch erleichtern, dass die Fluchgeister offenbar noch nicht die Oberhand gewonnen hatten und noch immer die Menschen regierten. Auch die riesigen Werbetafeln und der Lärm, welcher durch die Menschen verursacht wurden, waren ähnlich zu dem, wie ich es aus unserer Zeit kannte. Manche Dinge würden sich wohl niemals ändern.
      Ich nahm die verschiedensten Gerüche wahr, Essen, Abgase, Parfüm und vieles mehr. Obwohl ein Großteil der Straßen und Häuser nun ganz anders aussah, schien sich an der Mentalität der Menschen nicht viel geändert zu haben. Sie wirkten immer noch alle wie ein und dieselben kleinen Fische, in ihrem kleinen Teich. Ich wusste nicht, ob das ein gutes oder schlechtes Zeichen war, aber ich entschied mich dafür, es einfach zu ignorieren und nicht zu bewerten. Ich würde ohnehin nichts machen können, sollte es mich stören. Je weniger wir in die Zukunft eingriffen, desto besser. Nanami und ich sollten uns fürs Erste vermutlich auch besser bedeckt halten.
      "Ah. Übrigens. Wollt ihr beiden ein paar Bonbons haben?", fragte Hana lächelnd und drehte sich dann zu Nanami und mir um, während sie in ihrer Manteltasche kramte und uns ein paar der Süßigkeiten hinhielt. "Da sage ich nicht nein", grinste ich und nahm mir einen Großteil der Bonbons, welche ich direkt probierte. "Lecker. Du hast einen guten Geschmack, Hana", meinte ich, während wir weiter durch die Straßen Tokyos liefen, um unser Ziel zu erreichen.
      Nichts kann tiefer verletzen als Wortlosigkeit, nichts kann mehr verwirren als Sprachlosigkeit, lieber komme ich im Chaos des gesprochenen Wortes um, als in der schreienden Stille von endlosen Gedanken…
    • Kento Nanami


      Der Neuankömmling stellte sich schnell als Freundin der aufgedrehten Blondine heraus und wurde direkt vom energiegeladenen Flummi in den Raum gezogen. Es kostete mich reichlich wenig Beobachtungskraft, um zu realisieren, dass die aufgeregte junge Frau sich seltsam wenig Gedanken um die momentane Situation machte. Alleine der Umstand, dass sie Gojo quasi direkt begeistert um den Hals gefallen war, obwohl sie ihn noch nie zuvor im Leben begegnet war, war für diese Theorie beweis genug. Außerdem... Vor fünzig Jahren verschwunden? Soll das etwa heißen...? Wo hat uns dieser Maskenfreak hier nur hin gebracht?!
      Ich bemühte mich darum, dass aufgeregte Treiben im Raum so gut es ging zu ignorieren, kommentierte nicht einmal Gojos dämliche Vorstellungsrunde, bei der er mir offenkundig wenig Bedeutung zumessen wollte. Zugleich war ich mir sicher, dass er sich bereits seine eigenen Gedanken zu dieser Lage gemacht haben musste. Hatte er die Ursache schon durchschaut?
      Sollten wir wirklich fünzig Jahre durch die Zeit gereist sein? Ich bin mir sicher, dass das nicht zu seinem üblichen Fähigkeitskatalog zählt... Was hat er also angestellt? Und warum hat er mich damit reingezogen?
      Zudem schien ich in dieser Welt eigentlich... tod zu sein. Natürlich war ich das. Mahito hatte immerhin kaum etwas von mir übrig gelassen, wenn ich mich recht erinnerte. Fest stand also, dass mir dieser wenig liebenswerde Quatschkopf das Leben gerettet hatte und mein Anstand verlangte es von mir ihm dafür... zu danken. Irgendwann zumindest... Ich unterdrückte ein Seufzen, während ich mir vorstellte, wie aufdringlich er in den nächsten Tagen wohl werden würde. Er würde dieses Thema sicherlich für Wochen immer weider aufleben lassen. Irgendwie fiel es mir zunehmend schwer, meine momentane Lage als eine glückliche anzusehen...
      Erst als ein mir ebenfalls bekannter Name fiel, erhob ich endlich wieder den Kopf, welchen ich zuvor nachdenklich in Daumen und Zeigefinger hatte sinken lassen. Shoko... Damit konnte nur Ieiri Shoko gemeint sein. Zumindest sie lebte also noch in dieser Welt und war zudem auch noch die neue Direktorin der Jujutsu High? Immerhin konnte mich der Umstand trösten, dass die auf Umgekehrte Fluchtechnik spezielisierte Sorcerin im Gegenzug zu ihrem ehemaligen Klassenkameraden an meiner Seite durchaus über Vernunft besaß. Mich würde es nicht einmal wundern, sollte sie unsere Lage innerhlab weniger Minuten vollkommen durchanalysiert haben. Vielleicht äußerte sie ja auch den Willen, Gojo aus Interesse sezieren zu wollen, was meine Laune zumindest ein wenig heben könnte.
      [i]Zudem muss ich sie dringend fragen, was alles passiert ist. Mahito und die anderen Fluchgeister... Wie ist es Itadori und den restlichen Sorcerern ergangen? Sind sie heil dort raus gekommen? Wie können wir zurück? Mein Blick hob sich zum heiter auf und abwippenden Hinterkopf meines "Entführers". Egal welche übermächtige Technik er da wieder ausgepackt haben mochte, ich hoffte ihm wahr bekannt, wie er sie nutzen musste. Könnte er uns zurück in unsere Zeit bringen?
      Auch wenn meine Gedanken unaufhörlich um diese dutzenden Fragen kreisten, ließ ich mir das fortlaufende Gespräch im Raum nicht entgehen. Yamamoto Hana und Hashisawa Kimatsu. Ich kannte keinen dieser beiden Namen, was natürlich nicht weiter verwunderlich war, immerhin war die ältere der beiden maximal Mitte zwanzig. Eventuell hatten noch nicht einmal ihre Eltern in der Zeit, aus der wir stammten, gelebt. Doch auch ihre Nachnamen konnte ich mit keinem der mir bekannten Jujutsuisten-Cläne verbinden, weswegen ich vermutete, dass keine der jungen Frauen aus eben solch einem stammte. Wobei das eigentlich gerade nicht mein Hauptanliegen sein sollte.
      "Meinst du nicht, dass du das hier alles etwas zu locker siehst, selbst für deinen Geschmack?", murmelte ich schließlich zu Gojo, als wir uns endlich in Bewegung setzten. "Und solltest du mir nicht auch endlich genau erklären, was du dieses Mal angestellt hast?"
      Tatsächlich bezweifelte ich, dass er mir eine direkte Antwort geben würde. Wahrscheinlich sollte es auch reichen, wenn er sich vor Ieiri erklärte und dennoch konnte ich nicht begreifen, wie er all das hier so locker hinnehmen konnte. Schließlich hatte man ihn in Shibuya allen ernstes erfolgreich versiegeln können. Den Gojo Satoru! Versiegelt! Das bedeutete, wer auch immer hinter diesem Plan steckte, musste verdammt mächtig und ausgefuchst sein. Und eben diesem Gegner sollten sich jetzt Itadori, Fushiguro, Kugisaki und Co stellen? Während dieser sorgenlose Süßkramsuchti gemütlich einem wilden blonden Flummi-Mädchen und ihrer offenkundigen Aufpasserin hinterspazierte. Ich betrachtete die wenigen bunten Bonbons in meiner linken Hand, die er mir "gütiger" Weise überlassen hatte. Nicht dass es mich sonderlich störte, immerhin würde ich wahrscheinlich keines davon essen, aber diese Yamamoto schien bereits jetzt zu wissen, wie sie den hochgewachsenen Zuckerjunkie auf ihre Seite ziehen konnte. Auch wenn ich bezweifelte, dass sie uns die Bonbons speziell mit diesem Ziel angeboten hatte. Tatsächlich schien sie einfach nur unglaulich offenherzig und freundlich zu sein, vor allem wenn man bedachte, dass sie heute das erste Mal auf uns getroffen war. Wie konnte sie uns überhaupt so schnell vertrauen?
      Etwas nachdenklich hob ich mein Augenmerk zu den locker hin und her wirbelnden Harren der jungen Frau. Jede einzelne Strähne schien im Licht der Sonne wie Gold zu glänzen, während ihre Smaragdaugen mit eben diesem Glanz um die Wette strahlen wollten, jedes mal wenn sie sich einmal kurz grinsend zu uns umdrehte, als währen wir die heutige Hauptattraktion auf einem Lifekonzert. Nun... Auch wenn sie uns bisher einen pontenziell nervigen Charakter präsentiert hatte, der Gojo-Standards erreichen könnte, schien sie zumindest um ein deutliches unschuldiger zu sein. Hoffentlich würde ihre offenkundige Naivität ihr nicht irgendwann einmal das Bein stellen... Um eben das zu verhindern, schien die junge Jujutsu-Lehrerin an ihrer Seite allerdings recht kompetent zu sein. Immer wieder konnte ich beobachten, wie sie ihren quirligen Schützling mit milder Sorge in den Augen begutachtete, bevor sie uns einen etwas forschenden Blick zuwarf. Sie war längst nicht so "zutraulisch" wie die Jüngere und schien konstant unser Verhalten zu kontrollieren. Sie vertraute uns nicht, was defintiv das vernünftigere Verhalten war.
      "Und da wären wir auch schon!"
      Kaum hatte ich mich etwas mehr auf unsere beiden Stadtführerinnen konzentriert, riss mich die heitere Stimme der Blondine aus meinen Gedanken. Es hat sich kaum verändert... Während die bisher passierten Straßen Tokyos seltsam leer für meinen Geschmack gewirkt hatten, erkannte ich den großen Schulkomplex vor uns auf dem ersten Blick wieder. Jedes der altertümlichen japanischen Schulhäuser stand noch immer unbeschädigt an Ort und Stelle. Die weiten und von Grünflächen umrahmten Steinpfade umzogen das ganze Gelände, während mehrere strahlend rote Toriis den Eingang zum Hauptgebäude markierten. Es fühlte sich an, als würde ich nach vielen Jahren das erste Mal wieder nach Hause kommen. Zurück an die Jujutsu High.

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      Kimatsu Hashiwara

      Gojo Satoru... Also doch. Aber... Wie sollte das möglich sein? Ich hatte bereits aufgehört Hanas wildem Geplauder großartig viel Gehör zu schenken und inspizierte stattdessen die beiden Männer vor uns. Egal wie ich es drehte und wendete, die Energie die vom Weißhaarigen ausging war eindeutig zu eindrucksvoll um von einem gut gemachten Double zu stammen... Er war der Echte! Sollte er etwa...?
      Wenn Gojo vor fünzig Jahren eigentlich verschwunden und sein Kollege Nanami gestoren ist, sie aber nun beide vollkommen gesund hier vor uns stehen... Ich wusste ja, dass Gojo Satoru über unfassbare Fähigkeiten verfügt haben soll, aber etwas von Zeitreisen glaube ich nicht in seinem Profil gelesen zu haben... Er muss es vor fünzig Jahren zum ersten Mal verwendet haben... Aber warum gerade hier? Warum nur die beiden?
      In meine eigenen Gedanken vertieft, machte ich mir nicht wirklich die Mühe dem Gespräch zwischen Hana und diesem Wahrscheinlich-Gojo zu folgen. Einzig und allein als ich meinen eigenen Namen fallen hörte, machte ich mir die Mühe zumindest einmal grüßend zu nicken, bevor ich mich wieder meinen eigenen Überlegungen widmete.
      Es könnte erklären, warum er damals vollkommen vom Erdboden verschwunden war... und dieser Nanami sollte auch keine wirkliche Lieche zurückgelassen haben, richtig? Letzterer schien ähnlich wie ich in Gedanken versunken zu sein, also konnte ich ihm abkaufen, dass für ihn diese Sutation mindestens genauso verwirrend war, wie für mich. Beim Weißhaarigen allerdings... Diese elende Maske über seinen Augen, machte es mir unmöglich ihn einzuschätzen und sein viel zu breites Grinsen weckte in mir einzig und allein steigendes Misstrauen. Hatte er das hier vielleicht doch geplant? War er denn wirklich der echte Gojo Satoru? Hana schien von diesem Umstand zumindest vollkommen überzeugt zu sein, aber diesem Mädchen könnte man mit genug Überzeugungskraft auch eine Erdnuss als einen verpackten Edelstein verkaufen.

      Ich werde sie genauer im Auge behalten müssen... Zumindest Ieiri-sans Urteil sollte man trauen können. Sollte sie die beiden als diejenigen erkennen, als die sie sich ausgeben, sollte ich dem vertrauen können. Doch sollte dem wirklich so sein... Wie sollen wir mit solch einer Situation umgehen? Schließlich können wir den damals stärksten Jujutsu Sorcerer schlecht unbehelligt durch die Stadt wandern lassen.
      Während ich meinen Schädel unter Hochbetrieb einsetzte, war mir tatsächlich entgangen, dass wir bereits durch halb Tokyo marchiert waren und schließlich erfolgreich vor den Toren der Jujutsu High standen. Ich sollte Hana wohl dafür danken, dass sie mich wie üblich am Arm durch die Gegend gezogen hatte. Ansonsten hätte meine Stirn eventuell mit der ein oder anderen Straßenlaterne Bekanntschaft geschlossen.
      Mittlerweile war kaum noch etwas von den zuvor noch rot-orangenen Strahlen der untergehenden Sonne zu sehen, nachdem sie sich im hochaufragenden Horizont dutzender Wolkenkratzer verbarg. Nichtsdestotrotz wurde das Schulgelände angenehm durch zahlreiche Laternen erleuchtet und auch im Hauptgebäude brannte noch helles Licht. Es würde mich nicht wundern, sollte die verantwortungsvolle Ieiri-san selbst zu dieser Zeit noch über dutzenden Dekumenten und Unterlagen zu ihren Schülern und deren Missionen hängen. Die Vorstellung entlockte mir tatsächlich ein flüchtiges Schmunzeln. Ich würde sicherlich nicht leugen, dass die jung gebliebene Schuldirektorin ein wertvolles Idol in meinen Augen war, umso gespannter war ich, wie sie mit dieser Situation hier umgehen würde. "Lasst uns das hier erledigen", meinte ich ruhig und übertrat die Schwälle zum Schulgelände, bevor ich unsere beiden Mitbringsel genau dabei beobachtete, als sie uns folgten. Keiner von ihnen wurde von der immer präsenten Barriere erkannt und abgestoßen... Waren sie also tatsächlich die echten? Ich wollte noch immer keine schlussendliche Entscheidung treffen und gab ihnen einfach nur mit einem Nicken zu bedeuten, dass sie mir folgen sollten. Aufgrund des chronischen Schülermangels und den ebenso dünn angesildeten Lehrern, begegneten wir auf unserem Weg zum Direktorium keinem einzigen Sorcerer. Dank der Barriere musste man schließlich auch keine Wachposten abstellen. Ensprechend schnell erreichten wir unser Ziel.



      Shoko Ieiri


      Warum nochmal hatte ich diesen Job angenommen... Ach ja, weil ich blöde Kuh beschlossen habe das "Erbe" meiner beiden dämlichen Schulkameraden zu übernehmen... Hätte man mir aber nicht vorher mitteilen können, dass der Papierkram bei diesem "Erbe" einfach kein Ende finden wollte?! Nachdem ich zum sicherlich zehnten Mal heutigen Atem angestrengt den Atem ausstieß, ließ ich meine schmerzende Stirn gegen die absolut nicht bequemen Unterlagen auf meinem viel zu kleinen Schreibtisch sinken. Wir hatten doch gerade mal ein dutzend Schüler hier! Wie konnten die nur so viel Arbeit produzieren! Dabei waren die Fluchgeistaktivitäten in den letzten fünfzig Jahren sogar erheblich zurückgegangen... wie hatte Yaga-sensei diese Arbeitswut nur durchhalten können? Vor allem zu der Zeit, in der Gojo und Geto seine Schüler waren...
      "Ich bin müde...", grummelte ich zunehmend unzufrieden, während ich den gefühlt hundersten Missionsbericht aus einem Stapel dutzender weiterer dieser Sorte zog. "Und wie soll ich diese Sauklaue eigentlich lesen...?"
      Es war eine vollkommen unverkennbare und mir erschreckend vertraute Fluchkraft, die schleißlich meine hart erarbeitete Konzentration wieder zerplatzen ließ. "Das ist nicht möglich..." Mein Bürostuhl knallte laut gegen die Wnd in meinem Rücken, kaum dass ich mich sprunghaft aus ihm erhoben hatte. Ich schenkte dem entstehenden Lärm keine Aufmerksamkeit, sondern fixierte stattdessen die breite Tür zu diesem Bürozimmer. Lange musste ich auch nicht warten, als sie auch schon mit lautem Trarar aufgeschoben wurde und dahinter: "Shokooooo!~"
      Mir gelang es nicht einmal einen prüfenden Blick auf die restlichen Besucher zu richten, als mir eine gewohnt heitere Hana auch schon um den Hals fiel. Ich hatte mittlerweile gelernt, mich rechtzeitig auf ihren Ansturm gefasst zu machen und lehnte mich geschickt gegen ihr auf mich treffendes Gewicht. "Schön auch dich zu sehen, Hana", begrüßte ich die kleine Springmaus mit einem milden Lächeln, bevor ich meinen Kopf auch schon über ihren schimmernd goldenen Haarschopf hob. "Das glaube ich nicht..." Da Kimatsu praktisch immer zusammen mit Hana anzutreffen war, schenkte ich ihr keine große Aufmerksamkeit, viel zu sehr hafteten meine ungläubig aufgerissenen Augen an den mir nur zu bekannten Gesichtern der beiden ebenfalls eintretetenden Männer. "Seid ihr es wirklich... Nanami? Gojo?" Wie konnte das sein? Sie waren doch vor fünfzig Jahren... Halt. Gojo war vor fünzig Jahren verschwunden! Spurlos! Als hätte er sich in eine andere Welt... teleportiert... oder auch in eine andere Zeit. Mein Starren wurde intensiver. "Wie konnte das passieren?"

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    • Hana Yamamoto

      Wir kamen schon sehr bald an der Akademie an und begleiteten unsere VIP-Gäste in den Innenraum, der Schule. Vermutlich kannten sie sich selbst recht gut hier aus, da sich seit damals nicht wirklich was verändert hatte. Die Ausstattung war lediglich etwas moderner und funktionaler, als die davor, aber der Grundriss zum Beispiel war immer noch ein und der selbe. Ich hatte gehört, dass es vor allem dem letzten Direktor wichtig gewesen sei, die alte Traditionen zu bewahren und nicht allzu viel zu verändern.
      Schon bald kamen wir an Shokos Büro an und ohne vorher anzuklopfen, riss ich die Tür auf und lief auf eine bereits, hinter ihrem Schreibtisch stehende, Frau zu. "Shokooooo!~", rief ich und schlang meine Arme um ihre schlanke Taille, ehe ich mit funkelnden Augen zu ihr hinauf sah. "Guck mal, wen wir bei unserer Mission aufgegabelt haben!", meinte ich ganz aufgeregt. Ich lächelte glücklich, bei ihrer sanften Begrüßung und schmuste mich gleich noch mehr an sie heran. Ich hatte sie so vermisst! Es war wirklich schade, dass mir sowohl mein Job, als auch meine Tante nicht die Gelegenheit gab, häufiger vorbei zu schauen -wobei letzteres eigentlich recht egal war, da ich meistens eh das ignorierte, was sie mir sagte.
      Shoko schien recht fassungslos, als sie unsere beiden Gäste musterte. Verübeln konnte man es ihr nicht. Sie hatte damals ihre gesamte Schulzeit mit Gojo verbracht und auch später, pflegte sie aufgrund ihrer Arbeit noch Kontakt zu ihm. Das gleiche galt auch für Nanami, wobei die beiden nicht in der selben Stufe waren. Ich wollte mir gar nicht ausmalen, wie sie sich nun fühlen musste, nachdem ihr lang verschollener Kamerad mit einem mal vor ihr stand und zu dem noch den für tot erklärten Nanami bei sich hatte. Irgendwie tat sie mir leid. Ich merkte, wie sich ein kleiner Klos in meinem Hals bildete, der dazu führte, dass ich sie noch ein wenig fester an mich drückte. Ich wollte sie unter allen Umständen irgendwie ein wenig aufheitern, auch wenn das vermutlich gerade nicht der passende Zeitpunkt dafür war. Wir müssten diese Atmosphäre fürs erste Aussitzen und vor allem dringend ein klärendes Gespräch führen. Diese ganze Situation war so abstrakt, dass einem davon noch ganz schwindelig wurde.
      Ich bemerkte, dass Shoko mir irgendwann ihre Hand sanft auf den Kopf legte und mich leicht tätschelte. Das schien für mich das Zeichen zu sein, dass sie ihren ersten Schock überwunden hatte und ich sie nun los lassen konnte, was ich dann auch tat.
      "Ich freue mich auch, dich wiederzusehen. Hast dich kein Stück verändert, wobei unser letztes Aufeinandertreffen genau genommen noch gar nicht so lange her ist", grinste Gojo. "Möchtest du uns denn nicht erst mal etwas zu trinken anbieten oder wenigstens eine Sitzgelegenheit? Das könnte eine Weile dauern", meinte er. "Ah... Ich werde ein paar Getränke und Snacks vorbereiten. Du hast heute sicher noch nicht allzu viel zu dir genommen", meinte ich und sah dabei zu Shoko hinauf. Sie rieb sich mit den Fingern über ihren schmalen Nasenrücken und strahlte mit einem mal eine richtige Mordlust. "Du hast vielleicht Nerven", meinte sie an Gojo gerichtet. Dann seufzte sie und sah wieder lächelnd zu mir hinab. "Das wäre sehr lieb von dir." "Gut, ich bin gleich wieder da", sagte ich und verließ dann gut gelaunt das Büro von Shoko, Ich ging schnurstracks in die Küche, einen Weg den ich nach wie vor sehr gut kannte. Wie oft war ich heimlich Nachts aufgestanden und hatte mir irgendwelche Snacks reingepfiffen? Immer wieder hatte ich Ärger bekommen, da wir in unseren Zimmern bleiben sollten und nicht in der Akademie herumspuken. Aber ich konnte nun mal nicht mit leerem Magen schlafen, außerdem war die Verlockung zu groß, wenn man am Tag noch Pudding gekauft hatte und diesen nicht ganz aufessen konnte. Häufig war es Kimatsu gewesen, die mich dabei erwischte und immer wieder ein Auge zudrückte, damit ich keinen Ärger von den anderen Lehrern bekam. Sie hatte im Gegensatz zu dem Rest deutlich mehr Verständnis für einen leeren Magen. "Hahh... Meine Matsu hatte schon immer von allen das größte Herz", schwärmte ich gedankenverloren.
      Ich kam in der Küche an und legte zuerst meinen schwarzen Mantel und meine Handtasche ab, welche bis eben noch quer über meine Schulter hing. Anschließend setzte ich heißes Wasser auf und holte schon mal fünf Tassen hervor. Ich stellte die bunten Gefäße säuberlich auf ein Tablett und holte anschließend zwei kleine Flaschen, kaltes Wasser aus dem Kühlschrank hervor. Ich goss das Wasser in eine große durchsichtige Glaskanne und stellte diese zu den Tassen auf das Tablett, bevor ich mich daran machte, ein paar Plätzchen auf einem Teller anzurichten. Anschließend nahm ich ein paar Bonbons aus einem großen gläsernen Behälter und gab diese in eine kleine durchsichtige Schale. Kurz schaute ich die Bonbons im Behälter an und nahm mir dann eine großzügige Hand davon heraus. Doch anstatt diese ebenso in die kleine Glasschale zu geben, stopfte ich sie mir entspannt in meine Manteltasche. "Wird schon keiner merken." Anschließend stellte ich den Bonbonbehälter zurück in den Schrank und kramte stattdessen nach einer Teedose. Nachdem ich von der Akademie gegangen war und zurück zu meiner Tante zog, hatte ich Shoko, die Lehrer und die Schüler hier häufiger mit Lebensmitteln versorgt -überwiegend Tee und Süßkram natürlich. Ich brachte gerne an meinen freien Tagen etwas davon vorbei und unterhielt mich mit Shoko und Kimatsu in ihren Pausen über deren Arbeit. Auf diese Weise war ich immer auf dem neuesten Stand, bezüglich Fluchgeister und Jujutsu Sorcerern und ich konnte zudem meine freie Zeit genießen und von meinem Hauptjob eine Auszeit nehmen.
      Ich nahm die Teeblätter und gab sie in ein feines Sieb, welches ich in die dazugehörige Teekanne aus Glas hing. Anschließend gab ich das heiße Wasser vom Wasserkocher in die Kanne und schon bald färbte sich das Wasser in ein zartes rosarot. "Gut, nur noch Zucker, Löffel, Untertassen für die Kekse und eine kleine Zange", bemerkte ich zufrieden und belud die besagten Gegenstände auf das Tablett, ehe ich mich damit zurück zu den anderen machte.


      Gojo Satoru

      "Entspann dich. Alles zu seiner Zeit", flüsterte ich Nanami grinsend entgegen, ehe wir beide uns mit den Frauen auf den Weg zur Jujutsu High machten.
      Als wir dort ankamen, ging -wenig überraschend- die Alarmanlage nicht an, was meinen Verdacht nur noch mehr bestätigte, dass Nanami und ich durch die Zeit gereist waren und uns nun in der Zukunft befanden. Ich war mir mittlerweile so sicher darüber, dass ich eigentlich keine weiteren Bestätigungen brauchte, jedoch konnten sie auch nicht schaden. Dabei fragte ich mich, in wie weit Nanami das Puzzle in seinem Kopf schon zusammengesetzt hatte und ob er mit seinen Vermutungen richtig klar. Er war immerhin ein guter Beobachter und zudem noch recht klug, er sollte also schon sehr bald selbst auf eine Antwort kommen.
      Wir wurden zu Ieiris Büro gebracht und der menschlich aussehende Golden Retriever riss ohne vorher anzuklopfen die Tür auf und fiel der lieben Ieiri um den Hals. Es wunderte mich ein wenig, dass Hana sie beim Vornamen nannte und scheinbar niemand etwas dagegen hatte, jedoch wollte ich dieser Kleinigkeit auch nicht allzu viel Beachtung schenken, war es am Ende doch völlig bedeutungslos.
      Ieiris entsetzter Blick, löste ein breites Grinsen auf meinem Gesicht aus. Ich spielte kurz mit dem Gedanken, mein Handy herauszuholen und ein Foto davon zu machen, doch musste auch ich einsehen, dass gerade nicht der passende Augenblick dafür war. Jedoch konnte ich es mir nicht verkneifen, sie ein wenig zu ärgern. "Möchtest du uns denn nicht erst mal etwas zu trinken anbieten oder wenigstens eine Sitzgelegenheit? Das könnte eine Weile dauern", fragte ich sie deshalb. Ich schien sie damit ein wenig auf die Palme gebracht zu haben, da sie nun maximal genervt wirkte. Gut. So war die Stimmung wenigstens nicht mehr ganz so angespannt wie vorher.
      Der Golden Retriever an Ieiris Seite bot sich an, ein paar Kleinigkeiten vorzubereiten und machte sich kurze Zeit später auch schon auf den Weg in die Küche. "Such etwas leckeres aus", rief ich ihr noch hinterher, ehe ich mich wieder grinsend der Braunhaarigen vor uns widmete. "Du solltest dich vielleicht setzen. Nicht, dass du noch ein Herzinfarkt bekommst, bist ja schließlich nicht mehr die Jüngste", stellte ich amüsiert fest. Total genervt deutete sie auf die Sofas und Sessel in ihrem Zimmer, welche um einen dunkelbraunen Holztisch angerichtet waren. Ich ließ mich nicht zwei mal auffordern und setzte mich auf die gepolsterten Möbel und machte es mir dabei bequem, indem ich meine Beine überschlug und mich etwas breiter machte. "Ihr scheint nicht an der neuen Inneneinrichtung gespart zu haben. Diese Möbel sind deutlich bequemer, als die von früher", bemerkte ich. "Ein Geschenk von Hana... Sie hatte sich Sorgen um meinen Rücken gemacht und es dabei maßlos übertrieben und einen Großteil der Möbel ausgetauscht", bemerkte Ieiri unberührt, nachdem sie auf einem der Sessel platzgenommen hatte. Allerdings schien die junge Frau kurz in Gedanken zu versinken, als habe sie sich an etwas erinnert. Ich schmunzelte kurz. Es schien zur Natur der jungen Frau zu passen, Dinge maßlos zu übertreiben. Allerdings kannte ich sie auch noch nicht so gut, dass ich mir ein Urteil darüber bilden könnte. Wobei... Ich war Gojo Satoru, natürlich konnte ich das!
      Bald schon kam Hana wieder. Zwar ohne Mantel und Tasche, aber dafür mit einem Tablett. Ich war ein wenig verwundert über ihren Aufzug. Sie und Kimatsu waren doch auf einer Mission gewesen, wieso sollte man sich dafür so in Schale schmeißen? Naja, konnte mir ja auch egal sein. Es gab nun wichtigeres zu besprechen.
      Hana schloss die Tür hinter sich, stellte das Tablett auf dem Tisch ab und goss jedem etwas Tee in eine Tasse. Anschließend nahm sie neben ihrer Freundin platz und schien schon ganz aufgeregt auf das Gespräch zu warten. Der neugierige Blick in ihren Augen, wäre selbst für einen Blinden zu erkennen gewesen.
      "Also? Gojo?" Ieiri hatte ihre Beine überkreuzt und ihre Arme vor der Brust verschränkt, während sich abwartend ansah. "Hmm... Wo fange ich nur an?", grinste ich. "Du erinnerst dich doch sicher noch daran, was in Shibuya geschah oder?", fragte ich sie. "Wie könnte ich das vergessen." "Es scheint als hätte ich damals nicht nur den Raum gespaltet, um aus dem versiegelten Gefäß zu entkommen, sondern auch die Zeit. Für dich mag dieser Vorfall 50 Jahre her sein, aber für Nanami und mich liegt er kaum mehr als eine halbe Stunde zurück. Ich habe scheinbar mehr Fluchkraft als nötig dabei aufgewendet und unseren Bürohengst aus Versehen mitgezogen und geheilt. Konnte ja nicht wissen, dass das Siegel dieser Fluchgeister so schwach war", erklärte ich das ganze kurz und knapp. "Mir ist zudem aufgefallen, dass bei euch die Zeit anders fliest", ergänzte ich und nahm mein Handy aus der Hosentasche hervor. Ich tippte auf den Display und zeigte diesen in die Runde. Zu sehen war, wie die Stunden der digitalen Uhr rasend Schnell vorbeizogen und sich auch das Datum mit änderte. "Das ganze ist ein wenig überraschend -sogar für mich. Aber ich denke wir können auch einen großen Vorteil daraus schöpfen. Sobald Nanami und ich wieder zurück in der Gegenwart sind, werden wir die Fluchgeister auseinander nehmen und einen nach dem anderen töten", erklärte ich meinen Plan, mit einem Lächeln auf den Lippen, ehe ich mir einen der Kekse in den Mund schob. "Mhm... Gute Wahl, Hana-chan!", grinste ich ihr entgegen und zeigte einen Daumen nach oben. Sie zeigte uns ihr strahlendes Lächeln und gab mir einen Daumen nach oben zurück. Anschließend wanderte mein Blick zu der jungen Frau namens Hashiwara. "Wow... du scheinst nicht besonders gesprächig zu sein, oder?", fragte ich sie. Immerhin hatte sie bisher noch nicht wirklich viel gesprochen. "Bist du zufällig mit diesem Griesgram verwandt?" Ich deutete mit meinem Daumen auf Nanami, welcher neben mir saß. "Wenn ja, mein Beileid. Wobei du ihn ja nie hättest kennenlernen dürfen, da er zu schwach war und einfach ins Gras gebissen hat."
      Ich wollte gerade noch etwas sagen, als ich plötzlich ein Handyklingeln vernahm. Ich sah zu der Blonden hinüber, welche ihr Handy aus der Tasche ihres Kleides kramte. "Ahh! Das ich bin schon wieder viel zu spät dran, obwohl ich mir extra einen Wecker gestellt hatte!", sprach sie hektisch aus. "Entschuldigung, aber ich muss unbedingt noch wo hin. Ich verabschiede mich hier an dieser Stelle. Wir sehen uns dann vermutlich morgen! Bis bald", lächelte sie und verbeugte sich noch, ehe sie eilig das Zimmer verließ. Schade... Jetzt hatte ich niemanden mehr, der mich anhimmelte.
      Nichts kann tiefer verletzen als Wortlosigkeit, nichts kann mehr verwirren als Sprachlosigkeit, lieber komme ich im Chaos des gesprochenen Wortes um, als in der schreienden Stille von endlosen Gedanken…

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    • Kento Nanami


      So wenig wie sich die Schule sowohl Außen als auch Innen verändert hatte, geriet ich direkt wieder ins Zweifeln, ob wir wirklich durch die Zeit gereist waren. Wenn da nur nicht die reichlich veränderte Großstadt gewesen wäre, durch die wir zuvor spaziert waren. Doch bei genauerem Hinsehen fielen mir nun auch zunehmend viele Neuerungen auf dem Schulgelände auf. Neue Möbel, andere Lampen und Einrichtungsgegenstände, die ich zuvor noch nie gesehen hatte. Neu entwickelte Geräte etwa?
      Lange konnte ich mich mit diesen Gedanken nicht befassen, als wir auch schon das Direktorienbüro erreichten. Irgendwie wunderte es mich wenig, dass die aufgedrehte Blondine die Tür ohne Vorwarnung aufriss und begeistert in den Raum stürzte. Viel mehr bestürzte mich der Umstand, dass die überrumpelt wirkende Ieiri auf den ersten Blick tatsächlich kaum einen Tag älter wirkte, als in meiner Erinnerung. Aber irgendwie passte es zu dieser hochtalentierten Frau, die selbst zwischen Geto und Gojo damals hatte glänzen können. Nur dieser trostlose Platz hinter dem überfüllten Schreibtisch schein nicht ganz in das Bild zu passen, dass ich von der eigensinnigen Jujuistin kannte. Was hatte sie wohl dazu gebracht, einen solchen von Verantwortung durchtränkten Posten zu übernehmen? Da der momentane Zeitpunkt reichlich unpassend war, um dies zu fragen, beobachtete ich lieber stillschweigend das Geschehen. Umso mehr ich von dieser Yamamoto zu sehen bekam, desto mehr erinnerte sie mich dabei tatsächlich etwas an Gojo... einen Gojo ohne dämliche Hintergedanken, allerdings. Aber der Fakt, dass sie die deutlich ältere Ieiri ohne großen Kummer mit dem Vornamen ansprach und keiner darauf reagierte, schien die unbedacht direkte Art der jungen Frau zu bestätigen.
      Wie erwartet kostete es die neue Schuldirektorin keine einzige Minute, um die verwirrende Lage einzuschätzen und zu beurteilen, wobei ich mich darauf beschränkte ihr nur einmal kurz höflich zuzunicken, während es Gojo wieder gekonnt gelang die verabscheuungswürdigste Person im Raum zu werden. Ich konnte spüren, wie sich selbst junge Lehrerin - Hashiwara war glaube ihr Name - neben mir kurz versteifte und den Silberhaarigen wenig erfreut begutachtete. Wer konnte es ihr verübeln?
      Zumindest schien sich Ieiri nach ihrem ersten Schock zu erholen und lud uns schließlich auf die eindeutigen neuen Sitzmöbel im Raum ein, während die quirlige Yamamoto in die Küche sauste. Ob die Kleine auch ab und an still sitzen konnte? Zuminest schien sie recht spendabel zu sein, wenn sie diese eindeutig teuren und zugegeben ausgesprochenen Möbel finanziert hatte, auch wenn Ieiris Züge kurz von einem düsteren Ausdruck überschattet worden, kaum dass sie davon berichtete. Leider war mein Interesse lange nicht so groß, als das ich dieser Sache tiefer auf den Grund fühlen wollte, stattdessen gab es wichtigere Dinge zu besprechen.
      Noch bevor diese Dinge allerdings ansprechen konnte, stürmte der blonde Flummi zurück in den Raum. Ohne Mantel. Das war natürlich nicht weiter verwunderlich, allerdings musste ich mich doch kurz fragen, wieso die Kleine mit diesem offenkundig teuren Outfit Fluchgeister jagen ging. Nicht, dass es ihr nicht stehen würde, aber für den Kampf schien es mir dennoch gänzlich ungeeignet. Erneut verkniff ich mir jegliche Fragen dieser Art, griff stattdessen nach einer der Teetassen und saugte den angenehmen Duft in meine Nase. Tee aufbrühen konnte sie defintiv schon einmal besser, als mein unbesorgter Sitznachbar, dem es trotz seiner schmalen Statur gelungen war, das halbe Sofa für sich einzunehmen. Kurz nickte ich Yamamoto dankend mit der Teetasse entgegen, bevor ich das heiße Getrönk zur beruhigend die Kehle hinunterfließen ließ.
      Dann endlich schien Gojo dazu bereit, die wichtigen Themen zu besprechen, wobei meine Vermutungen - leider - bestätigt wurden. Irgendwie hatte er uns beide aus der Vergangenheit hierher manövriert... weil er - mal wieder - zu stark war. "Damit ist das Rätsel unserer Reise hierher wohl geklärt", murmelte ich nachdenklich und stellte langsam die dampfende Tasse wieder auf dem Tisch ab. "Mich interessiert aber auch, was passiert ist, nachdem uns dieser Freak hierherteleportiert hat. Was ist in Shibuya geschehen?" Mein Augenmerk fokkusierte sich ernst auf Ieiri, welche ebenso umgehend düsterter dreinblickte. Irgendwie glaubte ich, dass mir ihr Bericht nicht wirklich gefallen würde. Gerade als ich mich eben diesem stellen wollte, wurden wir allerdings erneut unterbrochen. Ein penetrantes Handyklingeln schallte durch den ausladenden Raum, bevor Yamamoto dem Lärm hastig ein Ende bereitete. Als sich die junge Frau wenig später eilig verabschiedete, schenkte ich ihr erneut nur ein kurzes Nicken, bevor sich mein Blick wieder an Ieiri wendete.
      "Dieses Mädchen hat wirklich immer irgendwelche Pläne", kommentierte die äußerlich jung gebliebene Direktorin mit einem seichten Schmunzeln, bevor wieder der Ernst der Lage ihre Züge zeichnete. "Nun gut. Wo soll ich beginnen."
      Mir gefiehl nicht was ich zu hören bekam... natürlich tat es das nicht. Hunderte tote Zivilisten, ein falscher Geto der eine halbe Apokalypse ausbrechen ließ und noch mehr Menschenleben forderte... Itadori, Kugisaki und Fushigoro, die bis heute als Verräter gejagt wurden. Ebenso wie Maki, welche offenkundig den gesamten Zeninclan auf den Gewissen hatte, und sämtliche damalige Zeitklässler der Jujutsu-High. Sie alle waren im Untergrund verschwunden, bis heute. Und ich konnte nicht anders, als mir Sorgen darum zu machen, dass sie noch lebten.
      "Dein unbedachtes Verschwinden", kam Ieiri langsam zum Ende und deutete dabei grummelnd ind Gojos Richtung. "Hat eine nicht enden wollende Serie an Katastrophen hervorgerufen. Und jetzt tauchst du genau hier wieder auf? Nachdem die Welt endlich wieder einigermaßen in Ordnung ist?" Sie ließ seufzend die Schultern sinken. "Und ich hatte gehofft die zweite Hälfte meines Lebens etwas entspannter verbringen zu können..."
      "Wir müssen zurück", folgerte ich ohne lange Umschweife und drehte meinen Kopf ebenfalls zur Augenmaske neben mir. "Ich hoffe doch, du weißt, wie du uns zurückbringen kannst, oder?"


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      Kimatsu Hashiwara



      Sie waren also wirklich die Echten... Ieiri-sans Reaktion machte das unabstreitbar. Zugleich setzte es meine wirren Denkprozesse direkt noch heftiger in Gang. Dennoch entging mir die wenig liebenswürdige Art und Weise des berühmten Sorcerer-Stars nicht, während er sich offenkundig alle Mühe gab, seine ehemalige Klassenkameradin aufzuziehen... Mit Erfolg. Irgendetwas sagte mir, dass er und ich keine sonderlich guten Freunde werden würden.
      Ich war dankbar darüber, dass Hana bei der Erwähnung der neuen Möbel im Zimmer nicht anwesend war. Sie hätte sich umgehend an den Grund dieses ... spontanen Kaufes erinnert. Aber auch an mir ging besagte Erinnerung nicht unbemerkt vorbei... Wäre ich damals doch nur vorbereiteter und schneller gewesen. So ewtas durfte nie wieder passieren...
      Nachdem Hana schließlich samt Süßkram und Tee zurückkehrte lieferte Gojo zumindest ohne langes Hin und Her eine klare Erklärung für die momentane Situation. Eine Erklärung, die mich daran zweifeln ließ, dass dieser Kerl wirklich noch ein Mensch sein konnte. Aufgrund seiner ausgeprägten Berühmtheit in der Vergangenheit, gab es bis heute kaum einen Jujutsu Sorcerer, der nicht über Gojo Satoru und seine beeindruckenden Fähigkeiten Bescheid wusste. Aber Zeitreisen... Was kam als nächstes, die Erschaffung eines zweiten Urknalls?
      "Wow... du scheinst nicht besonders gesprächig zu sein, oder?"
      Nach wie vor zu tief in meine eigenen Gedanken versunken, bemerkte ich erst reichlich spät, dass er mich mit diesen Worten meinte und hob meinen Blick zu seiner dunklen Augenmaske. "Nur weil dein Mundwerk pausenlos vor sich hinzutrommeln scheint, muss das noch lange nicht auf alle anderen zutreffen", kommentierte ich trocken, bevor ich seinen Sitznachbarn in Augenschein nahm. Nanami Kento war zu seiner Zeit auch eine bekannte Größe der Jujutsu-Szene gewesen und wurde vor allem von den Jüngeren als ein begnatetes Vorbild angesehen, da er sich stets um seine Mitmenschen sorgte und niemals seine Verantwortung vernachlässigte. "Außerdem sehe ich es maximal als ein Kompliment an, mit Nanami-san verglichen zu werden", erklärte ich daher und nickte dem blonden Jungen Mann zu, welcher meine Worte ebenfalls mit einem kurzen Nicken und einem angedeuteten Lächeln kommentierte. Ja, mit ihm könnte ich mich eindeutig besser verstehen, als mit seinem unangenehmen Sitznachbarn. Auch seine Dinge anzugehen, passte mir deutlich mehr in den Kram. So stellte er schon bald die wichtigen Fragen und schien entsprechend schnell Handlungsbedarf zu sehen.
      "Mir wäre es definitiv auch recht, wenn ihr zurück in eure Welt geht", bestätigte Ieiri-san schließlich Nanamis Worte und schenkte vor allem Gojo dabei einen beißenden Seitenblick. "Aber wenn dieser Kerl recht hat und die Zeit hier anders vergeht..."
      "Dann ist diese Welt nicht die selbe, aus der ihr stammt", mischte ich mich ungefragt ein. Nur gut dass Hana schon zu ihrem Date gesaust war. Nicht nur, dass sie beim momentanen Thema direkt abgeschalten hätte, ihr würde auch ganz sicher nicht gefallen, dass ihr großes Idol zurück in seine Welt und Zeit gehen wollte. "Das hier muss eine neue Zeitachse sein, in der Gojo Satoru und Nanami Kento vor fünfzig Jahren verschwunden und am heutigen Tag wieder aufgetaucht sind. Egal an welchen Punkt ihr beiden Augen wieder zurückkehren mögt, es wird mit dieser Zeitachse hier, mit dieser Welt nichts zu tun haben."
      Ich konnte im Augenwinkel beobachten wie Ieiri-san zustimmend nickte. "Wie von dir zu erwarten, Kimatsu-chan", meinte sie mit einem anerkennenden Lächeln. "Du hast recht." Sie drehte sich wieder zu ihren alten Kollegen. "Solltet ihr beiden tatsächlich zurückkehren, dann wäre diese Welt in der ihr als verschollen geltet null und nichtig. Die Welt in die euch Satoru zurückbringen kann wird eine andere sein, als diese hier."
      Sowohl ich als auch Nanami nickten verstehend, wobei der junge Mann deutlich niedergeschlagen wirkte. Lag es daran, dass er den verlorenen Seelen dieser Welt nicht mehr helfen würde können? Oh, ich mochte ihn direkt noch etwas mehr!
      Ieiris langezogenes Seufzen zog unsere Aufmerksamkeit ein weiteres Mal auf die Schuldirektorin, während sie nachdenklich ihre Schläfen zu massieren begann. "Fakt ist, dass wir die jetzige Situation mit Vorsicht angehen sollten." Sie musterte erst den nickenden Nanami, fixierte dann den chaotisch wirkenden Gojo bevor ihr Blick... bittend (?!) zu mir wanderte. "Kimatsu-chan?" Etwas sagte mir, dass ihre folgenden Worte mir nicht in den Kram passen würde, weswegen ich direkt mit dem Kopfschütteln anfing. "Kannst du dich vorerst um die beiden kümmern?"
      Ich starrte sie an. Eine Minute, zwei Minuten. "Wieso ich?"
      "Du bist die Einzige, die ich dazu in der Lage sehe", erklärte sie zuversichtlich und grinste mir seltsam schelmig entgegen.
      Meine Augen wanderten zum unentwegt grinsenden Maskenmann. Ich sollte mich um den kümmern?! Um den Gojo Satoru, dessen ätzender Charakter noch nach fünzig Jahren Geschichte schrieb? Wo konnte ich mich spontan erschießen gehen? Ich wendete mich leise flehend zu Ieiri-san um, deren Augen mich leider umso erwartungsvoller anstrahlten... Verdammt! "Okay... Sie können vorerst mein Wohnviertel in der Schule beziehen", gab ich mich langsam und unwillig geschlagen, nur um in der nächsten Sekunde warnend den Finger gegen Gojo zu richten. "Doch sollte auch nur etwas da drinnen zu schaden kommen, oder ich meine Geduld verlieren, fliegst du sofort auf die Straße!"

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    • Hana Yamamoto

      Nachdem ich die gemütliche Gruppe verlassen hatte, flitzte ich noch schnell in die Küche, um mir meinen Mantel und meine Tasche zu holen, welche ich auch direkt anlegte. Auf der einen Seite fand ich es ein wenig schade, dass ich bei diesem wichtigen Gespräch mit einem meiner größten Idole nicht weiter teilnehmen konnte, andererseits freute ich mich aber auf Sota und den heutigen Abend, den ich mit ihm verbringen dürfte. "Hm... Ich sollte vorher unbedingt noch einen Kuchen besorgen", lächelte ich, während ich durch die Straßen Tokyos schlenderte. Es war zwar bereits dunkel am Himmel geworden, jedoch wurden die Straßen durch die vielen Reklametafeln und Laternen sehr gut beleuchtet. Allerdings hatte ich mir ausgerechnet die Hauptverkehrszeit ausgesucht, weshalb noch sehr viele Menschen unterwegs waren. Naja, so gut ich zumindest ein Stück weit sicherer sagen, dass Sota nicht mehr arbeitete und bereits zu Hause war. Was er wohl sagen würde, wenn ich einfach so vor seiner Wohnungstür auftauchte? Hoffentlich freute er sich über die Überraschung!
      Gut gelaunt lief ich zu einer Bäckerei und besorgt dort eine kleine Torte, ehe ich ohne weitere Umwege zu Sotas Wohnung ging. Ich ließ schon bald die Menschenmassen hinter mir und bog immer mal wieder in einige Straßen hinein, ehe ich schon bald mein Ziel erreichte. Genau passend traf mit mir ein anderer Mann an, was mir die Möglichkeit gab, den Wohnkomplex ohne vorher klingen zu müssen, betreten zu können. Im Fahrstuhl trennten sich dann unsere Wege, nachdem der Mann im 3. Stock ausgestiegen war und ich weiter zum 5. hinauffuhr. Ich stieg aus und ging direkt zu Sotas Wohnungstür, an welche ich klingelte. "Lieferservice", sprach ich gut gelaunt, wobei ich meine Stimme ein wenig verstellte. Sota hasste es zu kochen und bestellte sich jede seiner Mahlzeiten oder ging Auswärtsessen, weshalb es nicht unrealistisch wäre, wenn er heute Abend sein Essen bestellt hätte.
      Lange musste ich nicht warten, da öffnete sich die Tür schon und vor mir stand ein oberkörperfreier Sota in Jogginghose und mit nassen Haaren. Doch zu meiner Verwunderung konnte ich keine Freude in seinen Augen ablesen sobald er mich erblickte. Stattdessen erkannte ich pure Panik, weshalb ich ihn fragend ansah. "Ist all-" Weiter kam ich nicht, als ich von drinnen eine mir allzu bekannte Frauenstimme vernahm. "Baby, ist das Essen endlich da?" Die Stimme kam etwas näher und schon bald schob sich eine leicht bekleidete Kaori in mein Sichtfeld, weshalb ich aus Schreck die Tüte mit der Torte fallen lies. Kaori hatte ebenso nasse Haare und sich ein Handtuch über ihre Schultern gelegt, während sie auf uns zukam. Doch sobald sie mich erblickte, blieb sie wie angewurzelt stehen. "H-Hana...", kam es über die Lippen meiner Assistentin. "Hana, Baby. Ich kann das erklären!", sprach Sota direkt. "Wie lange?", fragte ich leise. "Hana, es ist nicht so wie du denkst!" "Wie lange?", wiederholte ich meine Frage nun deutlich lauter. Sota schluckte kurz. "Als wir gemeinsam im Urlaub waren...", antwortete er. "DAS WAR VOR NEUN MONATEN!!", schrie ich nahezu und wurde dabei ganz hysterisch. "Du betrügst mich seit neun Monaten mit meiner Assistentin?!" Ich spürte deutlich, wie mir diese Worte einen Stich in der Magengrube versetzten. Das konnte doch nicht wahr sein. Hatten die beiden zu viele Dramas geschaut?! Und vor allem: Wie lange wäre das noch mit den beiden weitergegangen, hätte ich sie nicht hier und heute erwischt?
      Ich spürte wie mir die Tränen bei den Gedanken kamen, jedoch konnte ich sie erfolgreich hinunter schluckten. Ich wollte nicht vor anderen weinen und schon gar nicht vor diesen beiden. "Es ist aus. Und du Kaori kannst dir ab morgen eine neue Stelle suchen. Ich beende unser Arbeitsverhältnis hiermit fristlos", meinte ich und machte dann auf meinem Absatz kehrt, um zu gehen. Jedoch kam ich nicht weit, da mich Sota am Handgelenk packte und mich gegen die Wand am Hausflur drückte. "Vergiss nicht, dass du auch eine Mitschuld an dem ganzen trägst", raunte er mir ins Ohr. "Wärst du nicht so fucking prüde, könnte man es mit dir auch länger aushalten." Ich war schockiert über seine Worte und zweifelte für einen kurzen Augenblick auch daran, ob es sich bei diesem Mann wirklich um Sota handelte. Sein Griff um mein Handgelenk wurde fester und ich bekam langsam Schmerzen. Das würde sicher ein paar blaue Flecken geben. Ich wollte das ganze zwar ohne Gewalt beenden, jedoch ließ er mir keine andere Wahl. Mit Leichtigkeit schnappte ich mir seine Hand, trat ihm in die Kniescheibe und warf ihn mit einer flüssigen Bewegung zu Boden. Manchmal war es doch ganz praktisch, eine Jujutsu Sorcerin zu sein. "Hör auf deine Probleme zu meinen zu machen. Nur weil du dich nicht gedulden konntest. Die Rechte von Frauen wurden tausende von Jahren ignoriert. Ich wette, du hättest noch ein paar Wochen warten können", bemerkte ich kalt und ruhig zugleich, ehe ich an dem Boden liegenden Sota vorbei lief und das Wohngebäude verließ.
      "Regen? Ernsthaft? Ist mein Leben etwa eines dieser verfluchten Dramen ohne Happyend?" Frustriert nahm ich meine Handtasche und hielt sie mir über den Kopf, ehe ich damit zur nächst besten Bushaltestelle lief. Leicht außer Atem und allgemein recht fertig von dem heutigen Tag, ließ ich mich auf einen der der Metallsitze am der Haltestelle nieder. Ich starrte auf den Boden vor mir und betrachtete den Regen dabei, wie er auf der Erde aufschlug und immer größere Pfützen bildete. Immer wieder fuhren Autos und Busse durch die Pfützen durch und veränderten für einen kurzen Moment ihre Form, ehe sie zu ihrem Ursprung zurückkehrten.

      Ich wusste nicht, wie viel Zeit ich damit verbracht hatte, ins Leere zu starren, jedoch schien es eine ganze Weile gewesen zu sein, denn als mein Handy klingelte und ich es hervor nahm und auf die Uhr starrte, war es bereits 20:37 Uhr. Ich blickte als nächstes auf den eingespeicherten Namen der Nummer und seufzte leise, als ich erkannte, dass es sich dabei um Kenji Sato handelte. Kenji war der Assistent meiner Tante und hatte früher mal für den Secret Service in Amerika gearbeitet. Meine Mutter hatte ihn schon oft geschickt, um mich auszuspionieren, nur ihr Pech, dass selbst hochrangige Agenten nicht mit Jujutsu Sorcerern mithalten konnten.
      "Ja?", fragte ich, nachdem ich den Anruf entgegen genommen hatte. "Miss Yamamoto, wo befinden Sie sich gerade? Ihre Tante macht sich Sorgen um Sie." Wer's glaubt. "Ah... Ich habe den Bus verpasst und warte gerade auf den nächsten", meinte ich. "Den Bus? Sie sollten doch die öffentlichen Verkehrsmittel meiden, außerdem regnet es stark. Nennen Sie mir die Haltestelle, ich bin gleich da", sprach Kenji und ich konnte durchs Telefon hören, wie er sich bereits fertig machte. Ich seufzte leise. "Ich schicke Ihnen meinen Standort aufs Handy", seufzte ich, da ich genau wusste, ich würde diese Argumentation nicht gewinnen können. Also legte ich auf und schickte ihm anschließend meinen Standort.
      Nach nur wenigen Minuten fuhr eine schwarze Limousine mit getönten Scheiben hervor. Glücklicherweise war ich mittlerweile die einzige an der Bushaltestelle, so würde dieses Auto wenigstens für keine Aufruhe sorgen.
      Aus dem Wagen stieg ein junger Mann mit schwarzen Haaren und dunkelbraunen Augen. Er öffnete einen Regenschirm und kam direkt zu mir geeilt. "Miss Yamamoto! Geht es ihnen gut?" "Mhm." "Sie sind ja ganz nass." Ohne dass ich ihn darum bat, schälte er sich aus seinem Mantel und legte ihn mir um, ehe er mir aufhalf und mich zum Auto begleitete, wo er mir die Tür aufhielt. Ich setzte mich ohne Widerworte auf die Rückbank und ließ ihn die Tür schließen, ehe ich meine nasse Tasche auf das beige Leder der Limousine ablegte und mich anschnallte. Währenddessen hatte Kenji auf der Fahrerseite platz genommen und setzte den Wagen in Bewegung.
      Auf der Rückfahrt herrschte die meiste Zeit Stille zwischen uns beiden, auch wenn ich seine Blicke auf mir spüren konnte. Doch ich versuchte sie zu ignorieren und beobachtete stattdessen lieber die Regentropfen, welche sich ein Wettrennen boten und an der Scheibe des Autos hinunterliefen. Mit einem Mal bemerkte ich, wie müde ich eigentlich war, weshalb ich meine Augen schloss und meinen Kopf an die Fensterscheibe lehnte.
      Erst als der Wagen auf dem Hof meiner Tante zum Stehen kam, öffnete ich meine schweren Lieder wieder und betrachtete für einen Moment das riesige Anwesen, welches sich mein "Zuhause" schimpfte. Dabei kam es einem goldenen Käfig viel näher.
      Kenji stieg aus dem Wagen und öffnete mir die Tür. Ich stieg aus und er öffnete für die letzten paar Meter noch den Schirm über unsere Köpfe. Eigentlich machte es kein Sinn, da ich eh schon klitschnass war, aber kannte ihm seine Bemühungen trotzdem an. Wir betraten das Anwesen und vor mir stand meine Tante, mit einer Horde von Dienstmädchen in ihrem Rücken. "Wo warst du?", wollte sie direkt wissen. "Bei Sota." "Schon wieder dieser Nichtsnutz..." "Keine Sorge, es ist vorbei zwischen uns. Du wirst diesen Namen wohl nicht mehr zu hören bekommen", bemerkte ich. Ich sah in überraschte Gesichter, während ich mir Kenjis und meinen Mantel auszog, wobei ich ersteren wieder an besagten Herren abgab. Meine Tante wirkte für einen Moment etwas überwältigt. "N-Nun gut... Du solltest dich frisch machen gehen. Maya geh und lass ihr ein frisches Bad ein und bring ihr danach etwas zu essen. Wir reden morgen in Ruhe darüber", gab meine Tante die letzten Anweisungen, bevor sie sich mit den anderen Dienstmädchen zurückzog. Ich unterdrückte ein Seufzen und folgte einfach Maya in mein Badezimmer.



      Villa
      Von Außen


      Gemeinsamer Speisesaal


      Hanas Badezimmer



      Hanas Schlafzimmer



      Hanas Ankleidezimmer


      Hanas Wohnzimmer




      Satoru Gojo

      Ich hatte die kleine Weißhaarige angesprochen und festgestellt, dass sie wohl nicht besonders gesprächig sei, woraufhin sie mit einem Konter antwortete. "Tzz", kam es nur ein wenig eingeschnappt von mir. Soo redete ich nun auch wieder nicht. Außerdem konnte ich ja nichts dafür, dass ich so lustig und überaus intelligent war. Ich wollte meine Mitmenschen doch nur an diesen wunderbaren Gedanken teilhaben lassen und dann musste man sich sowas anhören. Unfair, wenn man mich fragte.
      Nachdem sich das Mädchen von uns verabschiedet hatte, ging das Gespräch in eine zweite Runde. Nanami stellte eine Frage, die auch mich brennend interessierte. Ich hatte die Energie meiner Schüler bisher noch nicht wahrnehmen können, was heißen musste, dass sie bisher entweder tot oder weit weg waren. So weit, dass sie sogar meinen Augen verborgen blieben und egal wie Ieiris Antwort darauf auch verheißen mochte, ich würde sie nicht gerne hören wollen. Ich hatte zwar großes Vertrauen in meine Schüler und wusste, dass sie allesamt stark waren, aber so waren es auch ihre Gegner gewesen. Sie alle mussten gegen Flüche der Sonderklasse kämpfen und das obwohl sie noch nicht so weit in ihrer Ausbildung waren. Nur ihr unerschütterlicher Kampfwille und die Gier nach dem Sieg, ließen Hoffnung in mir aufkeimen, dass sie allesamt am Leben waren. Ich durfte es nicht zulassen, dass ihnen schlimmeres geschah. Umso wichtiger war es auch, dass ich noch rechtzeitig genug, in unsere Zeit zurückkehrte und unseren Gegnern die Eingeweide rausriss, um später die Schule damit verzieren zu können.
      Wie nicht anders zu erwarten fiel Ieiris Antwort auf Nanamis Frage sehr nüchtern aus. Ich war zwar glücklich, dass meine Schüler noch allesamt am Leben waren, aber abgesehen davon schien wirklich alles schief gelaufen zu sein, was nur hätte schieflaufen können. "Das ist schlecht...", bemerkte ich ruhig und lehnte meinen Kopf in den Nacken, während ich mit meinem rechten Daumen kurz über meine Augenbinde kratze, da meine Haut darunter juckte.
      "Maki hat also einen Großteil Zenin Clan ausgelöscht...?", meine Stimme hallte leise aber deutlich in die ruhige Runde. Die Stimmung war gedrückt, jedoch merkte ich, wie mir diese Nachricht ein kleines Grinsen auf die Lippen zauberte. "Ich wusste sie hat das Zeug dazu."
      Ich schaute wieder nach vorne und setzte mich aufrecht hin. "Das alles hat für euch ein tragisches Ende genommen, aber es bedeutet auch, dass wir in unserer Dimension noch alles abwenden können, wenn wir rechtzeitig zurückkommen", sprach ich ungewohnt ernst. "Ich befürchte nur leider, dass wir nicht auf die gleiche Weise zurückkehren können, wie wir hergekommen. Ich habe gemerkt, dass die Stromwellen in dieser Welt meine Fluchkraft ein wenig stören. Wir müssen uns also was anderes überlegen", bemerkte ich recht nüchtern. "Aber das können wir auch morgen noch machen. Eilt ja nicht", grinste ich und schob mir erneut einen Keks zwischen die Zähne.
      Damit schien dieses Thema für den heutigen Abend gegessen zu sein und eine andere Frage stellte sich in den Vordergrund: Wo sollten ich und Nanami unterkommen? Dabei wandte sich Ieiri bittend an der humorlose junge Frau von eben. Der Blick in den Rehaugen besagter Frau strotzte nur vor Widerwillen, was mich direkt heiter stimmte und mir ein breites Grinsen auf die Lippen zauberte. Das versprach noch lustig zu werden!
      "Wow, das ist aber nett von dir Hashiwara-chan", neckte ich sie. "Ich und etwas kaputt machen? Für wen hältst du mich?", sprach ich gespielt beleidigt. "Ieiri hatte einfach schon immer gute Ideen." Mit diesen Worten stand ich von den Worten auf und schnappte mir noch ein paar Bonbons aus der Schale, welche ich mir in die Hose stopfte. Was denn? Die würden doch sonst nur hier rum stehen. Da waren die bei mir deutlich besser aufgehoben. "Auf geht's, Hashiwara-chan. Und bis morgen Ieiri-chan", verabschiedete ich mich gut gelaunt, von meiner alten Schulfreundin, welche nur seufzen konnte.
      Zu dritt schlenderten wir durch die Flure des Gebäudes, welches sich nicht sonderlich stark verändert hatte. Bald schon brachte uns Hashiwara zu ihrer Wohnecke auf dem Campus. "Ah... Dir haben sie also nur die Wohnecke gegeben. Ich hatte zu meiner Zeit das Häuschen neben der Schule. Aber das ist nur dem besten Lehrer vorbehalten, vielleicht klappts ja, wenn du dich nur ein bisschen mehr anstrengst", grinste ich, als wir durch die Tür traten. "Schau mal Nanami, wir sind jetzt direkte Zimmernachbarn. Ist das nicht cool?" Ich sah zu dem maximal genervten Bürohengst und wusste schon, dass wenn ich nur noch ein wenig weiter sprach, er mir wohl den Kopf umdrehen würde -oder es zumindest versuchen würde. "Jetzt da wir alle im selben Haus -ah- Ich meine natürlich in der selben Wohnung leben, können wir uns doch auch mit Vornamen ansprechen. Kimatsu klingt deutlich weniger gewalttätig, als Hashiwara", bemerkte ich gutgelaunt. "Achja und bevor ich es vergesse: Ich mag meine Privatsphäre, also kommt nicht auf die Idee, Nachts zum Kuscheln zu kommen. Ich weiß. Ich weiß. Dem großen Gojo Satoru kann man nur schwer widerstehen, aber ich glaube an euch. Ihr schafft das schon." Okay, gleich würde ich vermutlich eine Faust kassieren. Am besten, ich aktivierte schon mal mein Schutzschild.
      Nichts kann tiefer verletzen als Wortlosigkeit, nichts kann mehr verwirren als Sprachlosigkeit, lieber komme ich im Chaos des gesprochenen Wortes um, als in der schreienden Stille von endlosen Gedanken…

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    • Kento Nanami


      Zugegeben: Ich empfand ehrliches Mitleid für die junge Lehrerin, während sich auf ihrem Gesicht mildes Entsetzen erkennen ließ. Sie kannte den selbstverliebten Gojo zwar noch keine Stunde und doch musste es ihr bereits gelungen sein, sich ein vollkommen zutreffendes Bild von dem neurotischen Quälgeist gezeichnet zu haben. Alleine ihr Blick verriet, dass sie nach Möglichkeit nicht einmal mit ihm in einem Raum sein wollte und dennoch sollte sie ihm eine Unterkunft bieten? Ich konnte ihren leidenden Ausdruck zu hundert Prozent nachvollziehen...
      Dennoch gab Hashiwara schließlich Ieriris Bitte nach und führte uns durch den Schulkomplex bis hin zu ihrem Wohnabteil. Da ich nie Lehrer an dieser Schule gewesen war, kannte ich mich reichlich wenig über die entsprechenden Unterkünfte aus, dennoch empfand ich das gemütliche Wohnzimmer samt Küche, die ordentlich eingerichteten Gästezimmer, wie auch das saubere Bad als recht einladend. Natürlich fand Gojo direkt einen Grund sich als besser aufzuspielen und nur um mir mit seinem nächsten Satz erneut "suptil" auf den Geist zu gehen. "Komm ja nicht auf die Idee, mich auch noch Nachts belästigen zu wollen. Dich tagsüber zu ertragen ist schon anstrengend genug", warnte ich wenig erfreut und wendete mich dann an unsere Gastgeberin. "Danke, dass du uns hier schlafen lässt, Hashiwara-san. Und ignoriere diese Nervensäge einfach, das wirkt in der Regel am besten."
      Sie schenkte mir ein kurzes Lächeln und nickte verstehend. "Das habe ich mir schon gedacht, dennoch danke für den Ratschlag."
      Welch eine vernünftige junge Dame. Irgendwie konnte ich mir schwer erklären, wie sie und der blonde Flummi zu solch engen Freundinnen hatten werden können. Wobei die junge Yamamoto definitiv einen recht einnehmenden Charakter vorzuweisen hatte, der es einem schwer machte, einen anderen Punkt im Raum zu fixieren, abgesehen von ihrer zierlichen, aber hübschen Gestalt. Für einen Moment schien sie sogar fähig genug zu sein, Gojo die Show zu stehlen, ohne dass sie es ernsthaft versucht hätte, was mich zugleich befürchten ließ, dass ich nicht sonderlich lange in ihrer Präzens ausharren würde können. Sie wirkte immerhin ähnlich strapazierend wie mein "hochgeschätzter" Arbeitskollege. Dieses Mädchen schien einfach nicht viel von den wahren Schwierigkeiten im Leben zu wissen, oder sie wusste eben das äußerst gut zu verbergen. Ich hatte kein tieferes Bestreben dieser Frage auf den Grund zu gehen, sondern befasste mich stattdessen damit Hashiwaras kleiner Führung durch die Zimmer zu folgen.
      "Wenn ihr möchtet, könnt ihr euch auch gerne an der kleinen Getränkebar bedienen", meinte sie nun und deutete zu einigen aufgereiten Alkoholgetränken am Rande der Küche. Dem Füllstand einiger der Flaschen nach zu urteilen, war die gute Hashiwara durchaus eine "fähige" Trinkerin, wobei mir persönlich vor allem der golden schimmernde Highland Park Wiskey in die Augen stach. Eine gute Wahl.
      "Da ich davon ausgehe, dass ihr beiden seit einer Weile auch nichts mehr zu Essen bekommen habt, werde ich sehen, ob ich euch noch etwas zusammenwürfeln kann. Ich hoffer einfacher Bratreis mit Huhn un Gemüse ist ausreichend."
      "Du brauchst dir nicht solche Mühe machen", warf ich kopfschüttelnd ein. "Ich kann auch-"
      "Ihr seid gerade erst durch die Zeit gereist und vor allem Sie, Nanami-san, sind dem Tod gerade so von der Schippe gesprungen. Lassen Sie mich also zumindest für sie Kochen."
      Mir fiel mit milder Genugtuung auf, dass sie mir gegenüber deutlich höflicher sprach, als wenn es um Gojo ging. Schlaues Mädchen. Dennoch: "Du musst mich nicht so höflich ansprechen. Nanami reicht."
      Wieder zeigte sie dieses nette und schmale Lächeln und nickte verstehend. "In Ordnung." Dann winkte sie uns in Richtung Gästezimmer davon. "Dann macht es euch bequäm, ich übernehme das hier."

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      Kimatsu Hashiwara

      "Ah... Dir haben sie also nur die Wohnecke gegeben. Ich hatte zu meiner Zeit das Häuschen neben der Schule. Aber das ist nur dem besten Lehrer vorbehalten, vielleicht klappts ja, wenn du dich nur ein bisschen mehr anstrengst", tönte es reichlich amüsiert hinter mir, kaum dass ich die beiden Neuankömmlinge zu meinem Wohnabteil führte. Wie schaffte es ein einzelner Mensch nur so unfassbar überheblich zu sein?
      "Du hast also da draußen gewohnt? Kann ich verstehen, deinen Charakter will immerhin niemand länger als fünf Minuten ertragen müssen. Natürlich versucht man dich da auszulagern." Ich war selbst etwas über meine bissige Antwort erstaunt, schenkte seinen weiteren Kommentaren allerdings reichlich wenig Aufmerksamkeit. Kein Wunder, dass Ieiri-san so gut mit Problemkindern an der Schule umgehen konnte, nachddem sie viele Jahre mit dem König aller Quälgeister hatte zusammenarbeiten müssen... Ich sollte ihr bei Gelegenheit einen Präsentkorb für ihre großen Mühen vorbeibringen, vor allem nachdem Gojo ab jetzt wohl erneut auf ihren - und leider auch auf meinen - Nerven herumtanzen würde. "Du kannst mich nennen, wie du willst, Gojo-san", erwiderte ich mit Betonung auf seinen Namen. Bevor ich diesen Kerl freiwillig beim Vornamen nannte, müssten Gletscher in der Sahara wachsen. Es war schon schlimm genug, dass er mir gegenüber jegliche Höflichkeit fallen ließ, dann würde ich ihm zumindest von meiner Seite aus klar machen, dass da sehr wohl noch eine deutliche Distanz zwischen uns herrschte.
      Während mich der Silberhaarige also mühevoll versuchte aus der Fassung zu bringen, gelang es mir zumindest zunehmenden Gefallen an dem ruhigen Gemüt seines Kollegen zu finden. Immerhin einer, der Anstand und Vernunft walten lassen konnte. "Ich sollte in weniger als einer halben Stund fertig sein, also macht es euch gerne gemütlich", meinte ich schließlich, während ich bereits den Reiskocher befüllte. Als nächstes zog ich zwei frische Hähnchenbrüste, drei Paprikaschoten, sowie Broccoli und Karotten aus dem Kühlschrank und verteilte die Zutaten auf der breiten Arbeitsfläche neben dem Kochfeld. Nachdem ich schon in jungen jahren zur Hobbyköchin mutiert war, gelang es mir recht schnell alles zu zerkleiner und mit passenden Gewürzen anzubraten, bevor ich zum schluss den fertigen Reis in die brutzelnde Pfanne gab. Zum krönenden Abschluss nur noch ein rohes Ei untermischen und leicht anbraten lassen und: Fertig.
      Da passte es ganz gut, dass auch ich mittlerweile einen reichlichen Hunger entwickelt hatte, weswegen ich zügig die befüllten Teller samt Löffel auf dem angrenzenden Esstisch verteilte. "Ich hoffe es schmeckt euch, ansonsten kann ich nur noch Jogurt und Schinken anbieten", erklärte ich gelassen und leistete dann den Anweisungen meines leise murrenden Magens Folge. Ob Hana mittlerweile schon ihr heißersehntes Date mit diesem Sota begonnen hatte? Während ich mir einen Löffel nach dem anderen in den Mund schaufelte, glitt meine freie Hand wie beiläufig zu meinem Handy in der Hosentasche. Noch keine Nachricht... Und auch keine Bilder? Dabei schüttete sie mich doch gewöhnlich mit einem Selfie nach dem anderen zu, kaum dass sie und ihr "Lover" sich begegneten. Eine Zeit lang starrte ich noch auf den regungslosen Bildschirm meines Mobiltelefons, wartete auf das penatrante Vibrieren, welches das eintreffen einer Nachricht ankündigte. Aber es kam nichts. Hatte sie etwa doch länger zu seiner Wohnung gebraucht? Aber... sie war doch so in Eile gewesen?
      Unfähig mich auf meine neuen Mitbewohner zu konzentrieren, schob ich mir meine Reispfanne schneller als zuvor in den Rachen. "Packt eure Teller und Löffel einfach in die Spühlmaschine, sobald ihr fertig seid", meinte ich beiläufig, bevor ich mich auch schon von meinem Platz erhob und mein eigenes Besteck verstaute. Ob sie ans Telefon gehen würde, wenn ich sie anrief? Diesem Gedanken folgend, verkroch ich mich in mein eigenes Schlafzimmer und suchte Hana unter meinen Kontakten. Das Freizeichen ertönte, doch selbst nachdem ich es mehrere Male hatte klingeln lassen, nahm keiner den Anruf entgegen. "Ob sie und dieser Sota... gerade beschäftigt sind." Auch wenn mir die Vorstellung kein bisschen zusagte, beschloss ich meine Sorge fürs erste hinunterzuwürgen. Hana war immerhinn nur meine Schülerin, eine ehemalige noch dazu. Ich sollte also dringend damit aufhören sie so zu "überwachen".
      Doch selbst über eine Stunde später: Kein Lebenszeichen von der quirligen 21-jährigen. "Dabei ruft sie sonst immer sofort zurück." Wieder versuchte ich sie an die Strippe zur bekommen, erneut erfolglos. Also wählte ich ihre Nummer wieder. Und noch einmal. Doch Hana war noch immer nicht zu erreichen. "Das passt nicht zu ihr. Sie meldet sich doch immer... Was ist wenn...?!" Düstere Erinnerungen überschatteten von jetzt auf gleich meine Gedanken und ließen kalte Furcht und Sorge durch meine Adern strömen. Mittlerweile war es schon mitten in der Nacht... Sollte siw wirklich noch immer bei diesem schmierigen Kerl sein... Oder doch schon Zuhause? Ich musste es herausfinden!
      Ich machte mir nicht die Mühe, mir eine Jacke zu organisieren, als ich aus meinem Zimmer und wenige Sekunden später auch aus dem Schulhaus stürmte. Auch der kalte Schlamm an meinen nacken Füßen war mir reichlich egal, kaum dass ich durch die Außenanlage stapfte. Schuhe waren nur hinderlich, wenn es darum ging meine Fluchkraft in das umliegende Gras fließen zu lassen und eine weitläufigere Suche nach Hana zu starten, doch kaum hatte ich meine Fühler ein paar hundert Meter ausgestreckt konnte ich auch schon ihre vertraut helle Energie wahrnehmen. Sie war auf den Weg hierher und dem Strom ihrer eigenen Fluchkraft zu urteilen war sie nicht gerade in bester Laune... Sofort hielt ich meine Füße an, sich schneller zu bewegen, platschte durch das nasse Gras und eilte der näher kommenden Hana unermüdlich entgegen. Dann endlich konnte ich beobachten, wie sie die Barriere der Schule überschritt und keine Sekunde später meinen Blick auf ihr spürte. Selbst in dieser Dunkelkeit konnte der Ausdruck in ihren strahlend Grünen Augen Bände sprechen. Ich wurde langsamer, ging dennoch unbeirrt weiter auf sie zu, sagte kein Wort. Ihre Tränen begannen zu fließen, noch bevor ich ihren schmalen Kopf gegen meine Brust drücke konnte. "Willst du heute Nacht bei mir schlafen?", fragte ich leise zwischen ihren herzerreißenden Schluchzern. "Ich mache dir auch gerne eine heiße Schokolade." Und morgen werde ich mir diesen elenden Sota vorknöpfen...




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      Kento Nanami


      Nachdem die junge Frau uns zunächst noch so aufmerksam bewirtet hatte, schien sie plötzlich sämtliches Interesse an unserer Anwesenheit zu verlieren. Stattdessen spiegelte sich milde Sorge in ihren hlebbraunen Augen wieder. Erwartete sie etwa eine wichtige Nachricht, so intensiv wie sie ihr Handy inspizierte. Ich hatte nicht vor, mich unnötig einzumischen, nachdem sie offenkundig nicht vor hatte, sich weiter zu erklären. Außerdem hatte meine eigenen Sorgen um die ich mich kümmern müsste. Mein Blick glitt zu meinen heutigen Zimmernachbarn... Ich musste dringend einen Weg finden seinen nervtötenden Fängen zu entgehen, vor allem nachdem die vergangenen Ereignisse mir bereits mehr als genug Kopfschmerzen bereitet hatten...

      Ich hatte irgendwann einsehen müssen, dass Schlafen heute wohl eine schwer zu erreichende Option sein würde. Zum Glück hatte ich mich an Hashiwaras Alkoholreservat erinnern können. Der Highland Park Wiskey war mir vorhin schon ins Auge gefallen, weswegen ich mich nicht lange bitten ließ und ihn mir gemeinsam mit etwas Eis die Kehle hinunter gleuten ließ. Doch selbst nach zwei Gläsern wollte noch immer keine Entspannung eintreten... Immer wieder wanderten meine Gedanken zu vergangenen Ereignissen zurück. Sorge um meine alten Kollegen und um die unschuldigen Jujutsu-Kinder wuchs zunehmend in mir heran und machte es mir zuletzt unmöglich auf der bequemen Coach im Wohnzimmer zu verharren. Etwas frische Luft sollte gut tun. Außerdem könnte ich herausfinden, wie sehr sich das Schulgelände verändert hatte.
      Die wenig überraschende Erkenntnis lautete: Die Schule war auch heute noch immer die gleiche wie vor fünzig Jahren. Selbst in der Dunkelheit der wolkenverhangenen Nacht viel es mir leicht, mich auf dem weitläufigen Gelände zurechzufinden. Ich wanderte über den weiten Trainingsplatz im Zentrum der Anlage, schenkte dem anliegenden Baseballfeld ein mildes Schmunzeln und schüttelte über die brennden Lichter in den Schülerquartieren den Kopf. Es war so gut wie Mitternacht und dennoch schienen einige von ihnen nichts von Nachtruhe gehört zu haben. Es war noch alles wie damals... Selbst das ferne Schluchzen eines Mädchens war mir ein vertrautes Geräusch, nur kam das nicht vom Schultor? Seltsam... Meine Füße hatten sich in Bewegung gesetzt, bevor ich mir dessen bewusst hätte werden können. "Sind das Yamamoto und Hasisawa...?" Kam entdeckte ich die beiden Frauen, schob ich mich hinter eines der roten Torii, im bestreben die beiden nicht zu stören. So viel also zu dem stehts heiteren Flummi. Was mochte nur vorgefallen sein, um sie so sehr verzweifeln zu lassen? Vielleicht sollte ich meine erste Einschätzung auch noch mal etwas überarbeiten: Offenkundig gab es doch ein paar Schwierigkeiten und Probleme im Leben dieses quirligen und heiteren Mädchens. Ich verkniff mir ein mildes Seufzen. Ich sollte den beiden nicht ungefragt lauschen. Also löste ich mich vom Pfosten des Torii und kehrte ins Schulhaus zurück. Vielleicht gelang es mir nach meiner kleinen Wanderung endlich etwas zu schlafen.

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    • Hana Yamamoto

      Im Badezimmer angekommen, richtete Maya das Bad her und ließ Wasser in die Wanne ein, ehe sie großzügig Badeschaum dazu. Ich schälte mich währenddessen schon mal aus den nassen Klamotten und legte diese auf einem Stuhl im Raum ab. Maya kam zu mir und half mir in meinen Bademantel, damit ich nicht völlig entblößt darauf warten musste, bis das Wasser vollgelaufen war. Normalerweise redeten Maya und ich recht viel miteinander, doch jetzt gerade wusste ich einfach nicht, was ich sagen sollte, um die Atmosphäre ein wenig aufzulockern. Ich fühlte mich so erniedrigt. Neun Monate. Neun volle Monate hatten die beiden miteinander herumgemacht und ich war nicht ein einziges Mal auf die Idee gekommen, dass da mehr zwischen den beiden sein könnte. Wieso hatte ich das alles nicht kommen sehen? War ich blind vor Liebe oder waren die beiden einfach nur gut darin, ihre Spuren zu verwischen? So gesehen hatten all diese Fragen in meinem Kopf keinen Mehrwert. Ich würde nicht ändern können, was geschehen war und ich sollte stattdessen lieber dankbar sein, dass ich diese Menschen aus meinem Leben entfernen konnte, bevor es zu spät war. Dabei hätte ich aus den vergangenen Malen lernen sollen. War ja nicht so, als hätte man mich das erste mal betrogen. Wie oft würde das noch vorkommen? Es war kaum auszuhalten. Diese Erniedrigung und auch die Einsamkeit die mit der Trennung einher kam.
      "Miss? Das Bad ist fertig", hörte ich die zarte Stimme Mayas. Ich war schon wieder so sehr in Gedanken gewesen, dass ich jegliches Zeitgefühl verloren hatte. Ich drehte mich zu der Braunhaarigen um und lächelte ihr entgegen. "Danke. Du kannst jetzt gehen", sprach ich und sie nickte. "Ich werde Ihnen Ihr Essen anrichten. Haben Sie einen speziellen Wunsch? Ansonsten würde ich eine Tomatensuppe und Bruschetta für Sie vorbereiten." "Das klingt wunderbar. Danke." "Gut, dann werde ich Ihnen in einer halben Stunde das Essen aufs Zimmer bringen", sprach Maya. Ich nickte und sie verbeugte sich noch einmal respektvoll, ehe sie das Badezimmer verließ und hinter sich die Tür schloss. Genau in dem Moment, in dem die Tür ins Schloss fiel, bemerkte ich, wie meine Mundwinkel wieder nach unten gingen. Ich stellte mich vor den großen Spiegel, welcher über den Waschbecken angebracht war und stützte mich auf eben diese ab. "Du darfst das nicht zu nah an dich heranlassen Hana...", sprach ich zu mir selbst. "Wenn du dich nicht endlich zusammenreißt, kannst du niemanden hier beschützen." Ich sah erneut in mein Spiegelbild und zwang mich zu einem aufgesetzten Lächeln. Ich nickte und kehrte dem Spiegel meinen Rücken zu, ehe ich mich aus meinem leichten Bademantel befreite und anschließend in das angenehm warme Wasser stieg. Ich seufzte leise und lehnte mich zurück. Was ein Tag...

      Nachdem Baden, hatte ich mir mein Schlafkleid angezogen, und mich in mein Bett gekuschelt. Kurz darauf kam auch schon Maya mit dem Essen, welches sie auf einem großen Tablett angerichtet hatte. Sie stellte dieses auf meinem Schoß ab, nachdem ich mich aufgerichtet hatte, nur um mir anschließend der die Kissen im Rücken auszuschütteln. "Ich habe noch ein kleines Dessert angefertigt", lächelte sie mir sanft entgegen. Mein Blick wanderte zu der Joghurtschale mit Honig und Wallnüssen. "Du bist die Beste!", meinte ich. "Vielen Dank, du kannst jetzt gehen." Sie nickte. "Ich komme dann in einer halben Stunde wieder, um das Geschirr abzuholen." Die Brünette verbeugte sich noch einmal, ehe sie mein Zimmer verließ und ich in Ruhe zu essen begann.
      Wie besprochen holte Maya das dreckige Geschirr nach einer halben Stunde wieder ab und ich konnte zurück in die weichen Kissen versinken. Eine ganze Weile versuchte ich, Ruhe zu finden, doch es wollte mir einfach nicht gelingen. Immer wieder musste ich an Sota und Kaori denken. Aber auch daran, wie es nun weiter gehen sollte. Ich bräuchte ab nächster Woche dringend eine neue Assistentin.
      Unruhig und geplagt von meinen Gedanken, wälzte ich mich immer wieder im Bett hin und her, ehe ich einen Entschluss fasste. Ich stand auf, zog mir meine Hausschuhe und meinen Morgenmantel über, ehe ich zum Büro meiner Tante ging und dort an die Tür klopfte. "Herein", kam es monoton von der anderen Seite. Ich seufzte leise, ehe ich die Türklinke hinunter drückte und in das Zimmer trat. Überrascht sah meine Tante von ihren Papieren zu mir hinüber. "Solltest du nicht schon längst schlafen?", wollte sie von mir wissen. "Darf ich heute Nacht bei Kimatsu schlafen?", wollte ich von ihr wissen, ohne ihre Frage vorher zu beantworten. Sie überlegte eine ganze Weile und schien auch kurz mit sich zu hadern. Kimatsu war eine der wenigen, von denen meine Tante ein relativ gutes Bild hatte, auch wenn sie Jujutsu Sorcerer auf den Tod nicht ausstehen konnte. Allerdings wusste sie, die verantwortungsvolle Natur der Grauhaarigen durchaus zu schätzen. "Du meinst auf dem Campus der Akademie?", hakte sie nach. Ich nickte. "Ja, aber dort ist es sicherer, als irgendwo anders. Das mit dem Schutzschild, habe ich ja schon einmal erwähnt", meinte ich. Meine Tante seufzte leise und legte ihre Brille ab, ehe sie ihre Hände auf dem Tisch faltete und mir in die Augen sah. "Meinetwegen. Aber keine Kämpfe, außer sie dienen zu deiner Verteidigung. Du kannst es dir nicht leisten, dass deinem Körper etwas zustößt, sonst kannst du das mit dem Modeln vergessen", rief sie mir -mal wieder- ins Gedächtnis. Doch das sollte mich nicht weiter stören. Ich war bloß froh, dass sie es mir gestattet hatte. "Ist in Ordnung. Danke", meinte ich und verbeugte mich noch kurz vor ihr, ehe ich mich wieder zur Zimmertür begab. "Hana." Ich blieb stehen und ließ meine Hand auf der Türklinke liegen. "Er hat dich betrogen oder?" Ihre Worte versetzten mir einen Stich ins Herz. "Mit wem?", wollte sie anschließend wissen. "Kaori...", antwortete ich nach einer kurzen Zeit des Schweigens. "Verstehe... Ich werde morgen eine neue Stelle als Assistent ausschreiben lassen." "Danke." Mit diesen Worten verließ ich ihr Büro und ging in mein eigenes Zimmer zurück, wo ich mich anzog und mir meine Sachen für die Übernachtung in einem Rucksack zusammen packte, ehe ich mich auch schon auf den Weg machte.
      Natürlich war es Kenji, welcher direkt an der Eingangstür stand und mir eben diese aufhielt. "Frau Watanabe bat mich, sie zur Schule zu fahren", erklärte er. Natürlich hat sie das. Ich unterdrückte ein Seufzen und nickte, ehe wir beide ins Auto stiegen und los fuhren. Die Fahrt verlief relativ ruhig und wir kamen schon bald an der Akademie an. Kenji stieg direkt aus, um mir die Tür aufzuhalten. "Wenn Sie noch etwas brauchen, zögern Sie bitte nicht, sich an mich zu wenden", sprach er noch, ehe er mir meinen Rucksack recht, welchen ich direkt schulterte. "Mach ich, danke. Bis bald", verabschiedete ich mich von ihm, ehe ich den Campus betrat. Ich freute mich unendlich, Kimatsu wiederzusehen und von ihr getröstet zu werden. Doch je näher ich ihrer Wohnung kam, desto schwerer wurde mein Herz, weshalb ich irgendwann einfach ganz stehen blieb. "Mist... Ich glaube, ich muss weinen", murmelte ich leise und versuchte mein Bestes, die Tränen hinunter zu schlucken. Lächeln. Lächeln. Lächle doch, du riesengroßer Idiot!
      Ich schluckte schwer und wollte gerade weiter gehen, als ich mit einem Mal Kimatsu vor mir stehen sah. Sie kam direkt auf mich zu und ich spürte, wie ich meinen Tränen keinen Einhalt mehr gebieten konnte. Ohne es zu wollen, flossen mir Tränen die Wangen hinunter, als ich auch schon in eine warme Umarmung von meiner besten Freundin gezogen wurde. Sie tröstete mit ihren wenigen Berührungen mein gebrochenes Herz und ich konnte nicht anders, als mein Gesicht in ihrem Oberteil zu vergraben. "Wieso habe ich nie Glück mit den Männern?", schluchzte ich. "Egal wie sehr ich mich auch bemühe... Ich bin nie die eine. Für niemanden. Sie alle verlassen mich." Es tat weh, genau das auszusprechen, was ich schon seit geraumer Zeit spürte. Doch wusste ich auch, dass es ein wichtiger Schritt war, um einen Neuanfang zu starten. Ich müsste Sota und Kaori aus meinem Kopf kriegen und je früher ich das schaffte, desto besser.
      "Ja, bitte", antwortete ich auf Kimatsus Frage, ob ich heute bei ihr schlafen wollen würde. Es fühlte sich unwahr an, wie sehr mir die Silberhaarige Trost spenden konnte. Sie war in all den Jahren zu dem wichtigsten Zufluchtsort in meinem Leben geworden. Mein Zuhause. Auch wenn sie das selbe nicht von mir sagen würde, war es in Ordnung für mich, solange ich nur bei ihr sein konnte. Kimatsus bloße Existenz war der Grund dafür, warum ich solange hatte durchhalten können und jetzt in diesem Moment fühlte es sich so an, als sei sie die einzige Wurzel, die mein verwelktes Selbst noch hatte halten können, bevor es gänzlich im Winde davon flog.
      "Mit Marshmallows?", fragte ich, als sie mir eine heiße Schokolade anbot. Ich sah zu ihr hinauf und rieb mir die Tränen aus dem Gesicht. "Und Streuseln?"


      Satoru Gojo

      "Kaum zu glauben, dass mein alter Freund Nanamin, mir so in den Rücken fällt! Heutzutage kann man echt niemandem mehr trauen", sprach ich, als er der hübschen Silberhaarigen den Rat gab, mich einfach zu ignorieren. Ich wusste schon, wem ich die nächsten Tage besonders viel auf die Nerven gehen würde. Doch damit war es nicht abgetan. Die junge Frau fand erneut einen Konter, auf meine Provokation. "Autsch", machte ich daher nur. Nicht, dass mich ihre Worte in irgendeiner Form interessierten, jedoch versprach es spaßig zu werden, jemanden zu ärgern, der noch nicht aufgegeben hatte. Nanami schien schon vor Jahren das Tuch geworfen zu haben und versuchte mir seit dem weites gehend aus dem Weg zu gehen. In der Regel hatte er Glück, dass ich Schüler zu unterrichten hatte und wir nur selten durch die Arbeit miteinander zu tun hatten, doch hin und wieder bat ich ihn, sich um meine Schützlinge zu kümmern, wie es bei Yuuji der Fall gewesen war. Denn auch wenn Nanami und ich eine eher unausgeglichene und ambivalente Beziehung miteinander pflegten, wusste ich, was der Blondhaarige drauf hatte. Zudem fühlten sich die Schüler bei ihm in der Regel sicher, einfach weil er kein Geheimnis daraus machte, dass er ihr Leben, dem seinen vorzog. Eine Eigenschaft, die wohl sehr nobel war, auch wenn ich selbst den Weg verfolgte, stark genug zu werden, damit niemand sein Leben verlieren musste. Zudem war Nanami ein guter Lehrer, auch wenn er sich selbst nicht als Sensei schimpfen ließ, konnten gerade die jüngeren Generationen eine Menge von ihm lernen. Nur an seiner Einstellung zur Arbeit sollte der Mann vielleicht noch etwas arbeiten. Nicht umsonst sah er mit Mitte/Ende 20, wie Anfang 40 aus. Ich wollte immerhin nicht, dass sich das auf meine Schüler übertrug. Wobei es sicherlich lustig wäre, einen 16-jährigen Nanami zu unterrichten.
      Kimatsu fuhr unbeirrt mit ihrer Wohungstour fort und zeigte uns mehr von der gepflegten und sauberen Inneneinrichtung. "Aha, eine Alkoholikerin also", kam es mir direkt über die Lippen, als ich eine Blick in den Kühlschrank warf und den Alkohol darin begutachten konnte.
      Die junge hübsche Frau und der alt aussehende Bürohengst diskutierten kurz, wer das Abendessen zu bereiten sollte, wobei ich mich dieser Diskussion lieber enthielt. Auf der einen Seite hatte ich keine Lust, etwas zu kochen und auf der anderen Seite, wären die beiden wohl durchaus geeigneter als ich dafür gewesen. Jaja, der große Gojo Satoru hatte keine Schwächen, aber Kochen gehörte auch nicht unbedingt zu seinen Stärken. Moment... Ich sollte aufhören, von mir in der 3. Person zu denken. Das war irgendwie seltsam.
      Ich hatte an dem Esstisch platz genommen und Kimatsu dabei beobachtet, wie sie das Essen zu bereitete, wobei mir direkt auffiel, wie geschickt sie mit ihren Messern umging. Entweder hatte sie ein Talent fürs Kochen, oder aber sie setzte Messer noch zu ganz andere Zwecke ein, als für das Zerteilen von Fleisch und Gemüse.
      Nachdem sie mit dem Kochen fertig aßen wir gemeinsam und ich musste neidlos anerkennen, dass das Essen der jungen Frau sehr gut war. Ich würde es sich auf jeden Fall eine Zeit lang aushalten.
      Während wir also miteinander aßen, fiel mir auf, wie der Blick unserer Babysitterin immer mal wieder auf ihr Handy wanderte. Fast so, als würde sie auf einen wichtigen Anruf warten. Kurz spielte ich mit dem Gedanken, danach zu fragen, jedoch ging es mich nichts an und deshalb glaubte ich auch nicht, eine ehrliche Antwort von ihr zu bekommen. Immerhin schien sie schon so, nicht gerne mit mir sprechen zu wollen -nicht dass es mich interessierte.
      Früher als gehofft, verabschiedete sich Kimatsu bereits von uns und verschwand in ihr eigenes Zimmer. Ich sah ihr noch einen kurzen Augenblick nach, ehe ich mich wieder auf mein eigenes Essen konzentrierte und anschließend mein Geschirr in die Spülmaschine legte. Kurz spielte ich mit dem Gedanken, Nanami zu nerven, jedoch ließ ich es lieber sein. Ich musste zugeben, dass auch meine Stimmung nicht mehr die Beste war. Ich hatte zwar versucht, alles runter zu spielen und es als halb so wild abzustempeln, jedoch gab es einige Dinge, die mich zum Nachdenken gebracht hatten und genau diese Gedanken konnte ich nicht länger wegsperren. Aus diesem Grund ging ich auf das Gästezimmer, welches mir zugewiesen wurde und legte mich dort aufs Bett, während ich zu grübeln begann.

      Es verging einiges an Zeit und ich hatte beschlossen, es für heute mit dem Nachdenken sein zu lassen. Ich würde ohnehin noch ein paar Informationen brauchen, um mir meine Fragen selbst beantworten zu können. Ich sollte meinem Körper also fürs Erste ein wenig Ruhe gönnen, der Tag war immerhin sehr Ereignisreich und ich merkte langsam, die Müdigkeit in meine Knochen kriechen. Doch gerade als ich mich auf die Seite legte, um es mir gemütlich zu machen, sah ich Hana durch den Schutzschild der Schule treten. Ich war so sehr in Gedanken vertieft gewesen, dass ich sie gar nicht wahrgenommen hatte. Zudem sah ich, wie Kimatsu zu ihr geeilt war. Hatte sie etwa die ganze Zeit auf eine Nachricht von Hana gewartet?
      Die beiden Frauen näherten sich der Wohnung, ehe ich sie durch die Tür kommen sah. Hana schien sich dabei kurz in das Zimmer von Kimatsu verkrümelt zu haben, ehe sie der Silberhaarigen Gesellschaft in der Küche leistete. Kurz darauf wurde ich von einem angenehmen süßlichen Geruch umfangen. Heiße Schokolade?
      Ich machte mir nun doch noch die Mühe und hievte mich aus meinem Bett, ehe ich die Zimmertür einen Spalt aufmachte und hinaus schaute. Ich erkannte eine unruhig atmende Hana und eine Kimatsu, welche scheinbar heiße Schokolade kochte. Bei genauerem Hinhören konnte ich Hanas zitternde Stimme vernehmen, welche von einem Sota und einer Kaori berichtete und davon, wie diese Leute nichts als Leere in ihr hinterlassen hätten. Ich hatte nicht damit gerechnet, eine solche Seite an der Blondhaarigen zu sehen, da sie am Nachmittag noch so ausgelassen und glücklich gewirkt hatte. Scheinbar trug auch sie ihr Päckchen mit sich. Ich erkannte den Moment als gänzlich ungeeignet, um irgendwem auf die Nerven zu gehen, weshalb ich mich dazu entschied, die beiden Frauen lieber alleine zu lassen. Das war etwas, bei dem ich mich nicht einmischen sollte. Außerdem schien Hana von Kimatsu gut umsorgt zu werden. Die Silberhaarige mochte mich vielleicht nicht, aber trotzdem glaubte ich, dass hinter ihrer gereizten Fassade noch mehr sie viel mehr steckte. Alleine die Tatsache, dass sie spät Nachts noch eine heiße Schokolade für ihre Freundin machte, war Beweis genug. Gleichzeitig hatte ich schon bei unserer ersten Begegnung etwas in ihren Rehbraunem Augen erkannt, dass da noch mehr in ihr schlummerte, als sie auf dem ersten Blick uns gezeigt hatte. Tatsächlich wurde ich ein wenig neugieriger auf diese Kimatsu. Ich wollte mehr von ihr wissen, andere Charakterzüge kennenlernen und vor allem ihre Fähigkeiten im Kampf kennenlernen. Vielleicht könnte ich in ihr sogar eine potentielle Verbündete im Kampf gegen die Fluchgeister in unserer Dimension finden. Allerdings wollte ich noch nicht so weit denken. Denn selbst wenn es so wäre, würde sie sich vermutlich nicht dazu überreden lassen, mit Nanami und mir mitzukommen. Bei Hana glaubte ich jedoch, dass sie eher weniger Hilfreich sein würde. Wir könnten zwar jede Unterstützung gebrauchen, jedoch verfügte sie nur über den Semi-Grad 2, weshalb es für sie besser wäre, hierzubleiben. Aber darüber wollte ich mir jetzt nicht auch noch den Kopf zerbrechen.
      Während ich das Geschehen in der Küche beobachtet hatte, bemerkte ich, wie Nanami neben mir trat. Ich sah zu ihm und nickte in Richtung Küche. Wer hätte gedacht, dass dieser Tag noch ereignisreicher sein würde, als er es bisher eh schon war?
      Nichts kann tiefer verletzen als Wortlosigkeit, nichts kann mehr verwirren als Sprachlosigkeit, lieber komme ich im Chaos des gesprochenen Wortes um, als in der schreienden Stille von endlosen Gedanken…

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    • Kimatsu Hashisawa



      Ich sagte nichts, lauschte nur ihren Worten und dem leisen Schluchzen in ihrer Stimme. Strich mit meiner Hand sanft über ihren bebenden Rücken und wartete geduldig darauf, dass ihr Tränenfluss nachließ. Es war nicht das erste Mal, dass ich einer aufgelösten Hana gegenüberstand. Es war nicht das erste Mal, dass eine ihrer Beziehungen zu Brüche ging. Aber mit diesem Sota war sie deutlich länger zusammen gewesen als mit all diesen Mistkerlen vor ihm. Leider hatte meine niedliche kleine Schülerin ein unvorteilhaftes Talent darin, die schlimmsten Charaktere an Männern anzuziehen und gleichzeitig war sie zu gutherzig, um sie abzuweisen. Ganz im Gegenteil: Sie ließ sich viel zu schnell mit ihnen ein, bindete sich an sie, gab alles für eine Beziehung und opferte zuletzt immer wieder ihr Herz... Ich hätte wissen sollen, dass auch dieser rothaarige Schleimbolzen in diese Kategorie Mann fiel, hätte frühzeitig zwischen Hana und ihn schreiten sollen. Stattdessen hatte ich erneut zugelassen, dass das zierliche Herz der jungen Blondine zerrissen wurde. Das würde ich diesem Arschloch nie verzeihen!
      "Keiner dieser Kerle hat dich je verdient, Hana", murmelte ich nahe ihrem Ohr und strich sanft über ihren Schopf. "Sie hätten sich glücklich schätzen sollen, dich bei ihnen zu haben, aber sie waren stattdessen blind und egoistisch." Es war tatsächlich nicht das erste Mal, dass ich diese Worte äußerte, aber das schmälerte nicht meine Überzeugung dahinter. Hana hatte definitiv besseres verdient, nur leider ließ sie sich viel zu leicht von den Worten anderer verführen. Sie verliebte sich in Trugbilder, griff nach jeder Chance, die es ihr gestattete nicht mehr alleine zu sein und stürzte sich dabei regelmäßig in eine Katastrophe nach der anderen. Sie schaffte es immer wieder ihr eigenes Herz in Fetzen zu reißen und mir wollte es einfach nicht gelingen sie davor zu bewahren... Dabei hoffte ich inständig, dass es da draußen einen Mann gab, der es wirklich wert wäre, von diesem seelenguten Mädchen geliebt zu werden.
      "Natürlich mit Marshmallows und Streuseln." Endlich schien der starke Tränenfluss nachgelassen zu haben und in der Dunkelheit schimmernde Smaragdte funkelten mir aufmerksam entgegen. "Lass uns direkt rein gehen, es ist nicht sonderlich warm hier draußen." Als würde ich die Kälte und Trauer aus ihrem Körper vertreiben wollen, rieb ich über ihre Arme, bevor ich sie an der Schulter in Richtung Schulhaus zurückschob. "Dann werden wir dich drinnen direkt etwas aufwärmen."
      Kaum hatten wir mein überschaubares Wohnzimmer in der Schule erreicht, drückte ich die noch immer trauernde und schniefende Hana in das weiche Sofa und machte mich daran heißen Kakoa anzurühren. Natürlich extra süß und schaumig, mit einem frischen Marschmallow On Top, bevor ich bunte Streußel über das Heißgetränk fallen ließ. Zuletzt trug ich die große Tasse mit bunten Katzenmotiven zum Sofa. "Achtung, es ist ziemlich heiß", warnte ich, als ich der noch immer leise schluchzenden Hana die heieße Schokolade entgegenstreckte. Danach setzte ich mich ruhig neben sie, legte meinen Arm wie selbstverständlich um ihre schmale Tallie und wartete auf ihre Worte. Ich musste nichts sagen, nur zuhören. Ich ließ sie ihren Kummer und Schmerz nach außen tragen, strich immer wieder beruhigend über ihren zusammengekauerten Körper, beobachtete sie dabei, wie sie den heiße Kakao an die Lippen legte und lauschte danach wieder ihrem Bericht. Sota hatte sie schwerer verletzt als es den bisherigen Kerlen gelungen war. Er hatte ihr Vertrauen untergraben, hatte sie betrogen und zu allem Überfluss auch noch dieser unschuldigen Seele die Schuld an allem gegeben? Wie lange hätte er sein Spiel wohl noch fortgesetzt, hätte Hana ihn heute nicht bei frischer Tat erwischt? Es war reichlich schwer meine Ruhe zu bewahren, während ich Hanas Kopf sanft an meine Schulter zog. Dieser Schleimbolzen würde bereuen, je auch nur einen Blick auf die Schönheit an meienr Seite geworfen zu haben! Doch für heute würde es genügen für Hana da zu sein. Ich würde sie nicht alleine lassen.

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      Kento Nanami


      Kaum hatte ich mein kleines Gästezimmer erreicht, konnte ich hören, wie die beiden Frauen nach mir den Wohnbereich bertraten. Selbst durch die geschlossene Tür hindurch wollte mir dabei nicht das intensive Schluchzen der Blondhaarigen nicht entgehen. Eigentlich hatte ich immer von mir selbst geglaubt, keine voreiligen Einschätzungen zu fällen, doch bei der Kleinen hatte ich mir definitiv ein zu schnelles Bild gemacht. Ich wusste nicht warum, aber aus irgendeinem Grund konnte ich nicht anders, als dierkt an der Tür zu verharren und dem leisen Gespräch der beiden Jujuistinnen zu lauschen. Allerdings war es weniger ein Gespräch, als ein Monolog Yamamotos, welche ihr Herz vor ihrer Freundin ausschüttete. Der Grund ihres Kummers war also ihr betrügerischer Freund? Es wunderte mich tatsächlich ein wenig, dass eine jemand eine so aufgeweckte und zudem auch unbestreitbar hübsche junge Frau betrügen konnte, doch etwas anderes weckte meine Aufmerksamkeit mehr. So etwas schien längst kein einmaliges Ereignis zu sein... Wenn ich die Worte der Blondhaarigen richtig interprätierte war es mittlerweile eher schon zum Standard gewesen, was mich unweigerlich vor die Frage stellte: Wie viele Beziehung mochte sie in ihren jungen Jahren schon geführt haben? Und wie konnte es ihr nur jedes Mal aufs neue passieren, in die Arme des falschen zu fallen? War sie wirklich so naiv? Ließ sie sich wirklich so leicht einlullen? Und war es für sie üblich, nach jeder Trennung so sehr in Tränen zu zerfließen?
      Das Bild der aufgeweckten jungen Frau ohne Sorgen und Kummer im Leben verblasste zunehemend vor meinem inneren Auge, während mir ewusst wurde, dass mehr hinter diesen unendlichem Tränenfluss stecken musste, als nur eine gescheiterte Beziehung. Noch immer konnte ich mich nicht recht mit dem übermäßig quirligen und aufgedrehten Charakter Yamamotos anfreunden, aber ich verstand, dass mehr hinter dieser hellen und blumigen Fassade schlummerte. Ich hatte sie unterschätzt.
      Viel zu spät realisierte ich die Anwesenheit meines Kollegen eine Tür neben mir, bemerkte, dass auch er wie ich an der Tür stehen musste. Und dann schien Hashisawa auch heiße Schokolade aufzubrühen. Nicht gut! Doch kaum, dass ich meine eigene Tür leise aufschob und neben die weißhaarige Nervensäge trat, erloschen meine Sorgen wieder. Selbst Gojo schien Gentlemen genug, um die beiden Frauen nicht mit seiner "überwältigenden" Präzens zu stören. Stattdessen schien auch er dem Gespräch still zu lauschen, bevor seinen Blick in meine Richtung drehte. Sein kurzes Nicken in Richtung Küche kommentierte ich mit einem kurzen Schulterzucken, bevor ich ihm mit einem schnellen Daumenzeig deutlich machte, in sein Zimmer zurück zu gehen, statt die beiden weiter zu belauschen... Wobei ich selbst wohl kein bisschen besser war. So konnte ich es mir nicht einmal verkneifen noch einen letzten flüchtigen Blick ins Wohnzimmer zu werfen, in dem beide Frauen zusammen auf der Coach hockten. Ich kannte Yamamoto kaum zwei Stunden und dennoch hatte ich bereits deutlich mehr ihrer Gesichtszüge mitbekommen dürfen, als erwartet. Wie viele Ausdrücke dieses hübsche Gesicht wohl noch zeigen konnte? Ich schüttelte über meine eigenen Gedanken den Kopf und wendete letztendlich wieder den Blick ab. Das war nichts, dass mich interssieren sollte, noch wollte ich mich noch groß weiter damit befassen. Hashisawa hatte die Situation offenkundig gut unter Kontrolle, während mich zunehmend Müdigkeit einsaugte. Und ich würde nicht mehr so töricht sein, länger gegen eben diese anzukämpfen. Egal wie viele sorgenvolle Gedanken mich auch plagen mochten, ich könnte keines dieser Probleme lösen, wenn ich nicht ausgeruht genug wäre. Also schlurfte ich zurück in das Gästezimmer und ließ mich auf die reichlich weiche Matraze sinken. Wenige Skunden später versank ich auch schon in angenehm ruhigen Schlaf.


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      Kimatsu Hashisawa


      Selbst nach der heißen Schokolade hatte es Hana reichlich viel Zeit gekostet zur Ruhe zu kommen, entsprechend lange hatte sie auch wach neben mir im Bett gelegen. Ich hatte ebenfalls nicht einschlafen können, bevor sie endlich ruhig die verweinten Augen geschlossen hatte. Dennoch verbat es mir mein Biorhythmus nach sieben Uhr am Morgen aufzuwachen. Zum Glück hielt sich meine Müdigkeit - trotz all der chaotischen Ereignisse des gestrigen Tages - reichlich zurück, außerdem war es reichlich beruhigend Hana noch immer schlafend im Bett vorzufinden. Kurz umspielte ein feines Lächeln meine Lippen, während ich die Decke höher zu ihrem Kinn hinauf zog. Dann schälte ich mich auch schon aus dem Bett und schlich mich aus leisen Sohlen aus dem Raum. Um nicht unnötigen Lärm zu veranstalten, verzichtete ich mit Absicht darauf mich umzuziehen. Zwar mochte mein Pyjama nicht gerade passende Kleidung für eine Lehrerin sein, aber es war Wochenende und selbst wenn mich unsere beiden "Gäste" so sehen mochten, war es mir eigentlich reichlich egal. Ich mochte den bequemen und leichten Stoff meine Schlafkleidung und gegen den Aufrdruck hatte ich garantiert auch nichts einzuwenden, schließlich liebte ich Katzen. Zudem war es eines der weniger auffälligen Pyjama-Modelle, bedachte ich die bunte Auwahl, die mir Hana immer mal wieder vorbeige brachte.
      Da ich aber bisher die einzige wache Person in der Wohnung zu sein schien schlurfte ich zunächst gähnend in Richtung Bad und unterzog mich einer morgendlichen Katzenwäsche. Deutlich frischer und munterer machte ich mich dann daran ein kleines Frühstück zusammen zustellen. Für mich war das typisch japanisch: frisch gegrillter Fisch, abgekühlte Misosuppe und herzhafter Reis. Dann bereitete ich Rührei, Bacon und Toast für Hana vor, auch wenn ich glaubte, dass sie noch etwas brauchen würde, bevor sie aus ihrem tiefen Schlummer erwachte. Natürlich stellte ich von eiden Mahlzeiten genug zusammen, damit sowohl Nanami als auch Gojo etwas abbekommen konnten, auch wenn ich nicht wusste, wann die beiden Männer aufwachen würden. Ich hatte definitiv nicht vor, sie frühzeitig aus ihrem verdienten Schlaf zu reißen. Selbst der selbstüberzeugte Weißhaarige musste nach den gestrigen Ereignissen gut mitgenommen sein, selbst wenn er es nicht offenkundig zeigen mochte. Und Nanami hatte unbestreitbar müde und überanstrengt gewirkt. Ob es nun die Kämpfe in ihrer ursprünglichen Dimension, sein Beinahe-Tod oder all die üerwältigenden Ereignisse und Erzählungen des gestrigenden Abends waren, es musste ihn ziemlich mitgenommen haben. Also beschloss ich mich einfach, mit etwas frisch aufgebrühten grünen Tee an den Esstisch zu planzen und die morgentliche Ruhe zu genießen... Die nächsten Tage würden garantiert nicht so angenehm bleiben. Kurz huschte mein Blick zu den dunkel verkleideten Holztüren der Gästezimmer. Nanami war für mich ein gern gesehener Besucher. Tatsächlich war ich sogar etwas aufgeregt mehr über ihn in Erfahrung zu bringen, nachdem er als eines der größten Vorbilder in die Geschichte der Jujustu Sorcerer eingegangen war. Gojo hingegen... Ich befürchtete, dass er mir mehr Kopfschmerzen bereiten würde, als die Gesamtheit all meiner Schüler zusammen. Umgehend entglitt meinen Lippen ein dünnes Seufzen. "Warum musste Ieiri-san gerade mich mit diesem neutorischen Chaoten betrauen?" Anstatt mir noch weiter den Kopf über Fragen zu zerbrechen, deren Antworten ich nur schwerlich erwarten konnte, konzentrierte ich mich lieber darauf, meinen knurrenden Magen zufrieden zustellen.






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      Kento Nanami


      Als ich die schweren Augenlider hob, wurde ich von einer fremden und zugleich unfassbar vertrauten Zimmerdecke begrüßt. Für eine Sekunde wurde ich von Orientierungslosigkeit übermannt, bis ein stechender Schmerz in meiner Schläfe mich an die vergangenen Ereignisse zu erinnern vermochte. Ich hätte tot sein sollen... Stattdessen hatte mich Gojo zusammen mit sich selbst in eine Zukunft gezerrt, die nicht einmal unserer ursprünglichen Dimension zu entstammen schien. Alleine der Gedanke daran intensivierte den Schmerz innerhalb meines Frontallappens noch etwas mehr. Ich war dankbar, noch am Leben zu sein, aber sonderlich erfreulich war die jetzige Situation deswegen noch lange nicht. Zugleich könnte es wohl reichlich schlechter stehen, wofür wir vor allem den beiden Fraun von gesten Dankbar sein sollten. Ohne sie würde ich jetzt wohl kaum auf dieser weichen Matraze liegen und der altvertrauten Schuldecke der Jujutsu High entgegensehen. "Dennoch hätte ich nichts dagegen gehabt, dass alles nur ein verrückter Traum gewesen sei. Inklusive Mahito..." Ich legte den Arm über die Augen, schirmte sie von der Morgensonne ab, die durch das schmale Fenster in das Zimmer flutete. Wie spät mochte es wohl schon sein? Ich hob den Arm wieder, gerade genug um einen flüchtigen Blick auf die runde Uhranzeige an meinem Handgelenk zu werfen. Allerdings... Seit wann war das Teil eigentlich kaputt? Hing das etwa mit der veränderten Zeit an diesem Ort hier zusammen? Lag es daran, dass die Uhr Funk empfangen konnte? Ich drückte testhalber den kleinen silbernen Knopf an der Seite des Ziffernblattes. Keine Reaktion. Entweder war die Batterie geschrottet, oder Gojo hatte - mal wieder - recht mit seiner Theorie. Die Zeit in dieser Welt lief anders als in unserer.
      Also zwang ich mich dazu, aufzustehen und blickte mich im karg aber gmütlich eingerichteten Raum um. Zum Glück hatte das Gästezimmer eine handelsübliche Analoguhr neben über dem schmalen Schreibtisch zu bieten. Acht Uhr morgens. Ich hatte nicht so lange geschlafen, wie zunächst befürchtet, was vielleicht aber auch meine anhaltende Müdigkeit erklären könnte.
      Trotzdem ließ ich mich nicht länger ans Bett fesseln und flüchtete auch bald schon aus meinem Zimmer.
      "Ah, schon wach, Nanami-san?", tönte Hashisawas Stimme kaum, dass ich die Tür hinter mir ins Schloss gezogen hatte. "Sie hätten ruhiger noch länger schlafen können." Kaum folgte ich den leisen Worten in die Küche, konnte ich die Silberhaarige auch schon dabei beobachten, wie sie eine Tasse mit heißem Grüntee befüllte. "Was ist Ihnen lieber? Bacon mit Ei, oder Fisch zum Frühstück."
      Ich schaute zunächst etwas verdudst, bevor ich milde schmunzelnd mit dem Kopf schüttelte. Diese Frau legte tatsächlich einen komplett anderen Wert auf Verantwortungsbewusstsein und Fürsorge, als so manch andere, die ich kannte. Natürlich glitt alleine bei dem Gedanken mein Blick unterbewusst zum Zimmer meines Nachbarmannes... War ich froh, dass er mich diese Nacht in Frieden gelassen hatte. "Ich nehme den Fisch", teilte ich Hashisawa schließlich meine Entscheidung mit und gesellte mich zu ihr in die Küche. "Und meinte ich nicht gestern, dass du mich nicht so formell behandeln musst?"
      Ich konnte an ihrem Rücken erkennen, wie sie kurz zusammenzuckte und dann etwas verlegen über die Schulter linste. "Stimmt, tu mir leid, Nanami."
      Ich nickte nur verstehend. "Du musst dich nicht entschuldigen." Erst als sich die junge Frau zu mir drehte, wurde mir ihre etwas ausgefallene Schalfkleidung bewusst. Irgendwie hatte ich nicht damit gerechnet, so etwas... niedliches an ihr zu entdecken. Viel mehr verband ich dieses Bild mit Yamamoto. Kaum musste ich an die Blondhaarige denken, zog es mein Augenmerk zur dunklen Holztür, hinter welchem ich den kleinen Flummi vermutete. Wie lange mochte sie gestern wohl noch geweint haben? Hatte sie sich beruhigen können? Ich hoffte es tatsächlich sehr für sie. Auch wenn ihre aufgedrehte Seite potenziell etwas zu aufdringlich und nervig erscheinen konnte, war mir der glückliche Ausdruck in den schimemrnd grünen Augen doch deutlich lieber, als der Tränenvorhang des gestrigen Abends.

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    • Hana Yamamoto

      Kimsatsu sprach Worte aus, die ich bereits einige Male von ihr gehört hatte. Erst jetzt wurde mir so richtig bewusst, wie häufig ich schon von den Männern in einer Beziehung betrogen wurde. Langsam hielt ich das ganze nicht mehr für einen Zufall, weshalb ich begann, die Fehler bei mir zu suchen. Ich wusste, dass die meisten, in einer Beziehung irgendwann auch körperlich werden wollten. Doch bisher fiel es mir zu schwer, mich fallen zu lassen. Ich hatte das Gefühl, die Kontrolle zu verlieren, wenn ich jemandem die Erlaubnis gab, mir näher zu kommen. Dabei war Kontrolle das einzige, was mich davor bewahrte, durchzudrehen. Ich wollte bei Missionen die Oberhand haben, aber auch bei meinem Job als Model und Angestellte. Ich hatte genug von bösen Überraschungen und checkte daher immer alles doppelt und dreifach. So bekam ich das Gefühl, dass ich wenigstens ein bisschen in mein Schicksal eingreifen und Dinge verändern könnte. Ich hoffte, auf diese Art und Weise, die Menschen um mich herum, besser an mich zu binden und sie vor potentiellem Schaden bewahren zu können. Mir war bewusst, dass es keine gute Charaktereigenschaft von mir war, zwanghaft die Kontrolle an mich zu reißen, sobald sich die Möglichkeit dazu gab, doch ich konnte einfach nicht anders. Ich wurde wahnsinnig, wenn ich auf andere vertrauen und hoffen sollte. Ich wollte nicht enttäuscht werden. Nicht schon wieder.
      Die Silberhaarige stimmte zu, auch Marshmallows und Streusel in die heiße Schokolade zu geben, weshalb ich mich zu einem, kleinen Lächeln auf den Lippen durchringen konnte. Sie war schon immer sehr fürsorglich ihren Mitmenschen gegenüber und ich musste mir eingestehen, dass ich diese Seite besonders an meiner besten Freundin genoss. Irgendwie tat es gut, hin und wieder bemuttert zu werden, wo ich selbst meine Mutter in einem frühen Alter verloren hatte. Ich suchte in Kimatsu zwar keinen Mutterersatz, aber es änderte nichts daran, wie wohl ich mich in ihrer Gegenwart fühlte. Sie war meine beste Freundin und nichts würde sich daran jemals ändern.
      Wir gingen zurück zu Kimatsus Wohnung und die junge Frau drückte mich direkt auf ihre Couch, während sie sich schon an den Herd stellte und die heiße Schokolade vorbereitete. Ich legte meinen Rucksack und mein "unsichtbares" Schwert ab, welche ich beide auf dem Boden neben meinen Füßen ablegte.
      Es dauerte nicht lange und die Silberhaarige war mit dem heißen Getränk bei mir, welches sie mir direkt in die Hand drückte. "Danke", meinte ich und nahm vorsichtig einen Schluck der noch heißen Schokolade. Ich spürte direkt, wie die süße Flüssigkeit meine Speiseröhre hinunter floss und sich direkt ein wohlig warmes Gefühl in mir breitmachte.
      "Ich hätte niemals damit gerechnet, dass Sota mich ausgerechnet mit Kaori betrügt...", meinte ich irgendwann traurig, während ich starr vor mir auf die Wand starrte. "Kaori und ich hatten immer so viel Spaß bei der Arbeit und sie war so zuverlässig, wie keiner bisher. Sogar meine Tante war von ihrer Arbeit überzeugt. Und Sota wirkte auch so, als hätten wir mehr gemeinsam, als die Männer vor ihm. Ich kann nicht glauben, dass er mir die Schuld für seinen Seitensprung gibt. Und das nur, weil ich noch nicht mit ihm schlafen wollte", sprach ich irgendwann und nahm dann noch mal einen Schluck von der Schokolade. "Ich fühle mich irgendwie so leer, jetzt wo beide weg sind." Kaori war zu einer gute Freundin geworden und gerade das machte es noch viel schmerzhafter. Ich dachte darüber nach, wie oft sie mich mit ihrem Lächeln begrüßt hatte, obwohl sie genau wusste, was sie mir im Stillen antat. Ich konnte auch nicht mehr unterscheiden, was von ihr echt war und was gespielt. Vielleicht hatte sie die Zeit mit mir gar nicht so sehr genossen, wie sie immer vorgab. Vielleicht hasste sie auch die Aktivitäten, die wir nach den Fotoshootings und Meetings in unserer Freizeit gemacht hatten. Wir hatten über zwei Jahre zusammengearbeitet und das alles warf sie nach den drei Monaten weg, in denen sie Sota kannte. Kaori war jedoch nicht die einzige Schuldige. Viel mehr gab ich Sota die Schuld. Er war Frauen gegenüber schon immer recht charismatisch gewesen. Es hatte ihn wahrscheinlich nicht mal viel Arbeit gekostet, Kaori um den Finger zu wickeln.
      Ich schüttelte den Kopf. Nein, darüber wollte ich nicht länger nachdenken. Eine Beziehung die so anfing, konnte kein gutes Ende nehmen und ich sollte stattdessen lieber dankbar sein, dass sie nun nicht länger mein Problem war. So gesehen hatte sich der Müll von ganz alleine entsorgt. Das war doch auch nicht schlecht.
      Nachdem ich die Schokolade ausgetrunken hatte, stellte ich die leere Tasse auf dem Tisch vor uns ab und lehnte mich an die Schulter von Kimatsu, ehe ich leise seufzte. "Wieder eine gescheiterte Beziehung. Ich will gar nicht wissen, was die Medien dieses mal dazu sagen werden", meinte ich schließlich. "Aber das wird schon. Ich muss die nächste Woche einfach aussitzen und dann wird sich niemand mehr dafür interessieren. Lass uns lieber schlafen gehen. Ich bin todmüde." Ich gähnte leise und erhob mich schweren Herzens von der Couch. Es war so gemütlich gewesen aber würde ich noch länger hier bleiben, würde ich vermutlich auf Kimatsus Schoß einschlafen. Das klang irgendwie verlockend, aber ich wollte ihre Freundlichkeit nicht noch mehr ausnutzen, auch sie müsste nach diesem ereignisreichen Tag mehr als nur platt sein.
      Ich nahm meine Sachen und schlenderte als erstes ins Bad, wo ich mich in Ruhe fertig machte und mich in meinen Pyjama warf, bevor ich zu Kimatsu ins Bett krabbelte und mich an sie kuschelte. "Gute Nacht, beste Freundin auf diesem Planten, lächelte ich müde und gähnte erneut, ehe ich meine Augen schloss und bald einschlief.


      Satoru Gojo

      Auf mein Nicken hin, bekam ich nur ein Schulterzucken, als Antwort. Nanami war noch nie besonders gesprächig gewesen, es sollte mich also nicht wundern. Gleichzeitig mussten wir beide auch leise sein, da sich die beiden Frauen von uns nicht gestört fühlen sollten. Immerhin schüttete die Blondhaarige ihrer Freundin das Herz aus, da wäre es gänzlich ungeeignet, sollte sie uns beim Lauschen erwischen.
      Eigentlich hatte ich vor, dem Gespräch noch ein wenig zu folgen -einfach aus Neugierde. Allerdings zeigte mir Nanami mit einer Handbewegung, dass ich zurück in mein Zimmer verschwinden sollte. Ich wusste zwar, dass er recht hatte und es so besser war, aber trotzdem wäre ich gerne noch etwas geblieben. Immerhin konnte ich auf diese Weise noch ein wenig mehr über die beiden herausfinden. Vor allem von Kimatsu wollte ich mehr wissen. Immerhin war sie unsere Gastgeberin und es war sicher nicht verkehrt, mehr über die Menschen in Erfahrung zu bringen, bei denen man fürs Erste nächtigt. Aber was mich noch mehr interessierte, waren ihre Fluchtechniken. Ich wollte wissen, wie sie sich im Kampf anstellte und ob sie vielleicht wirklich eine wichtige Verbündete für den Kampf im Diesseits sein konnte. Sollte sie es tatsächlich sein, müsste ich allerdings noch einen Weg finden, sie genau davon zu überzeugen. Doch auch das hatte noch Zeit. Immerhin wusste ich bisher nicht einmal, wie wir uns zurück teleportieren konnten und ich konnte auch nicht versprechen, dass ich sie nach dem Kampf wieder zurück in ihre Dimension bringen konnte. Die ganze Lage war verzwickter, als bisher angenommen und gerade deswegen, war ich für die Zeit dankbar, die wir hier gewinnen konnten. Ich würde dafür sorgen, dass alles gut gehen würde und nicht noch mehr Menschen, ihr Leben lassen müssten.
      Nachdem ich meine Gedanken beiseite schob, kümmerte ich mich wieder um das Hier und Jetzt und die Tatsache, dass ich noch immer nicht in mein Zimmer verschwunden war. Kurz glitt mein Blick zu Nanami hinüber, ehe ich mich zurückzog und die Zimmertür so leise wie möglich hinter mir schloss. Ich ließ mich zurück in mein Bett fallen und starrte noch ein wenig an die Decke, während ich erneut Opfer meiner eigenen Gedanken wurde. So sehr mir auch im Augenblick die Hände gebunden waren, aber ich konnte mich nicht entspannen, solange ich wusste, dass sich meine Schüler einer großen Gefahr aussetzten und um ihre Leben kämpften. Immer wieder versuchte ich mich selbst mit Gedanken zu beruhigen, die mir den Druck nahmen, nicht Tag und Nacht damit beschäftigt zu sein, eine Lösung zu finden, wie wir zurück in unsere Dimension fanden. Innerlich war ein Chaos in mir ausgebrochen, doch wusste ich, dass ich mir einen kühlen Kopf bewahren musste. Ich glaubte nicht daran, dass Nanami oder Ieiri eine Lösung finden würden und ich damit auf mich alleine gestellt war -immerhin hatte ich uns auch hierher gebracht. Mir war bewusst, dass ich auf mich alleine gestellt war und gerade deswegen durfte ich mich nicht von irgendwelchen Gedanken ablenken lassen. Sie würden sich ohnehin in Luft auflösen, sobald ich einen Weg gefunden hatte, Nanami und mich zurück ins Diesseits zu bringen. Und vielleicht auch Kimatsu. Doch so weit war ich mit meinem Plan noch nicht, dass ich jetzt ernsthaft darüber nachdenken konnte, aber die Silberhaarige eine Bereicherung für uns war oder nicht. Gleichzeitig dürfte es auch egal sein. Ich würde diese Fluchgeister abschlachten und keinen einzigen von ihnen zurücklassen. Sie würden es bereuen, mich versigelt und meinen Zorn auf sich gezogen zu haben. Ich würde ihnen so lange in die Fresse schlagen, bis ihnen das süffisante Grinsen verging. Ich konnte es kaum erwarten, die Ausdrücke in ihren Gesichtern zu sehen, wenn sie bemerkten, dass ich aus der Box entkommen war, in der sie mich hineingesperrt hatten. Es kitzelte mich in den Fingerspitzen, zurückzukehren und und ihnen allesamt den Gar auszumachen.
      Ich atmete einmal tief durch, und schloss meine Augen. Es würde irgendwann soweit sein, doch fürs Erste konzentrierte ich mich darauf, Ruhe und Schlaf zu finden. Ausgeschlafen würde ich effektiver arbeiten können. Darum drehte ich mich auf die Seite und kam langsam zur Ruhe, ehe ich wenig später einschlief. Scheinbar war ich müder, als angenommen. Hoffentlich konnte ich morgen ausschlafen!


      Hana Yamamoto

      Als ich am nächsten Morgen die Augen öffnete, wurde mir direkt die fehlende Kälte an meiner Seite klar und auch als ich meine Hand zum Tasten ausstreckte, griff ich ins Leere, weshalb ich mich auf die andere Seite drehte. Statt einer schlafenden Kimatsu fand ich nur ein leeres Kissen wieder. Ich seufzte leise. Wäre irgendwie schön gewesen, noch ein wenig mit ihr liegen zu bleiben und zu kuscheln. Andererseits stand die Silberhaarige immer unter Strom und teilte ihre Zeit in der Regel sinnvoll ein, weshalb sie sicherlich mit Training oder Haushalt beschäftigt war.
      Ich seufzte leise und erhob mich dann schweren Herzens, ehe ich in Pyjama in die Küche trat. "Guten Morgen, Matsuuu~", rief ich fröhlich und umarmte die junge Frau von hinten, während ich mich an sie schmiegte. Erst jetzt bemerkte ich, dass wir beide nicht alleine waren und sie Besuch hatte. Etwas verdutzt schaute ich zu dem blonden Jujutsu Sorcerer, welchen wir gemeinsam mit seinem Kollegen in der alten Schule aufgegabelt hatten. "Was machst du denn hier?", wollte ich perplex wissen, nachdem ich mich wieder von Kimatsu gelöst hatte und mich aufrecht hinter sie stellte. Mir wurde erklärt, dass sowohl er, als auch Satoru Gojo bei Kimatsu untergekommen waren, da sie auf die Schnelle keine andere Unterkunft fanden und es hier sicherer wäre, da ihre Anwesenheit fürs Erste geheim bleiben sollte.
      "Waaaaas?!?!", rief ich. "G-Gojo Satoru ist einer deiner Gäste?!", fragte ich Kimatsu. "Unglaublich! Du hast ja so ein Glück! Wo ist er jetzt gerade? Schläft er noch?" Ich wünschte, ich wäre wieder Schülerin an der Jujutsu Akademie und könnte hier ein Zimmer beziehen, um meinem großen Vorbild näher zu sein! Leider war das nicht möglich und ich würde Gojo auch in naher Zukunft nicht besonders oft zu Gesicht bekommen, da ich auf der Arbeit viel zu tun hatte und Kimatsu und ihre Gäste nicht ständig besuchen konnte. Schade, aber so war es nun mal.
      Kimatsu meinte schließlich, dass sie Spiegelei mit Bacon und Toast für mich angerichtet hatte, weshalb ich fröhlich nickte und mich direkt bei ihr bedankte, bevor ich mich neben ihr auf den Stuhl setzte. "Lass mich mal deins Probieren", meinte ich und probierte von ihrem Essen. "Lecker!", lächelte ich. "Guten Appetit!" Zufrieden nahm ich einen Bissen von meinem Toast und einen Schluck vom grünen Tee, welchen die Silberhaarige aufgebrüht hatte. Allerdings musste ich erst ein paar Löffel mit Zucker dem Tee hinzufügen, da ich keine bitteren Lebensmittel mochte. Zügig schlang ich die Lebensmittel hinunter, ehe ich vom Esstisch aufstand. "Ich muss mich leider schon entschuldigen. Auf der Arbeit ist einiges angefallen und ich muss früher ins Büro, um die Bilder vom Fotoshooting auszuwerten", erklärte ich mich. "Achja und noch was: Ihr beiden seid doch ohne Gepäck hierher gekommen, richtig? Ich werde ein paar Sets mit Kleidung zusammenstellen und dann vorbeibringen lassen. Die Taschen sollten spätestens Mittags bei euch ankommen. Sollte dann noch etwas fehlen, gebt mir bitte bescheid", lächelte ich Nanami entgegen. "Also. Ich geh mich schnell fertig machen." Ich stand auf und ging ins Bad, wo ich die übliche Katzenwäsche betrieb, mich schminkte und frisierte und umzog. Allerdings schrieb ich Kenji vorher noch eine Nachricht, dass er mich bitte abholen und in die Firma fahren sollte.
      Nachdem ich mit allem fertig war, trat ich aus dem Bad und erkannte, dass bereits eine weitere Person am Esstisch saß. "Gojo!", rief ich freudestrahlend. "Hana-chan!", grinste er breit. "Musst du schon gehen, Hana-chan?", fragte er mich. "Ja, leider. Aber ich komme in ein paar Tagen noch einmal vorbei!", meinte ich voller Vorfreude. "Das ist gut. Denn ich glaube, mit den anderen beiden, kann man nicht so viel Spaß haben~" "Aber du darfst zumindest Kimatsus Kochkünste genießen." Ich sah auf die Uhr an meinem Handgelenk. Ich würde zu spät kommen, sollte ich nicht langsam los kommen. Außerdem war Kenji sicher auch schon da. "Okay, ich muss jetzt wirklich los. Ich werde die nächsten paar Tage einige Überstunden machen müssen, weshalb wir uns irgendwann nächste Woche sehen. Bis dann und vielen Dank für gestern", verabschiedete ich mich von den dreien, ehe ich meine Sachen nahm und die Wohnung verließ.
      Kaum hatte ich die Wohnung verlassen, erstarb mein Lächeln wieder und ich machte mich noch immer ein wenig niedergeschlagen von gestern, auf den Weg zu Kenji, welcher bereits vor dem Eingang der Schule auf mich wartete und mir -wie eigentlich immer- die Tür aufhielt. "Guten Morgen, Miss Yamamoto." "Guten Morgen", lächelte ich. "Danke." Ich stieg ins Auto ein und Kenji schloss die Tür, ehe er vor dem Lenkrad platz nahm. Ich nahm mein Handy heraus und wählte die Nummer einer Freundin, welche als Verkäuferin in einem hochangesehenen Kaufhaus für Luxuskleidung arbeitete. "Hallo, Rei. Könntest du mir einen Gefallen tun und ein paar Sachen zusammensuchen und direkt einpacken? Ich bräuchte einmal Anzüge in den Farben schwarz, Navy blau , grau, braun und beige. Dazu zwei weiße, zwei cremefarbene und zwei hellblaue Hemden. Dann bräuchte ich noch ein paar passende Krawatten dazu -ich überlasse dir die Auswahl, sowie zwei Krawattennadeln in Silber und Gold und eine Uhr mit einem schwarzen Lederband. Und schwarze Schuhe sollten auch nicht fehlen", gab ich die erste Bestellung auf. "Ach ja und wir brauchen noch was bequemes für den Alltag, sowie vier Schlafanzüge, Socken, Unterwäsche, eine Badehose, zwei Gürtel in schwarz und braun und ein paar bequeme Schuhe. Ah! Und noch eine Sonnenbrille, ein paar Lederhandschuhe und einen schwarzen Mantel. Immerhin wird es bald kälter. Das ist die erste Bestellung. Bitte versehe die Taschen mit diesen Artikeln mit den Initialen N.K. Die zweite Bestellung soll folgendes beinhalten: fünf Oberteile in den Farben schwarz, dunkelblau, braun, dunkelgrün und grau, sechs Hosen, zwei in schwarz, zwei in blau und zwei in grau. Dazu noch Unterwäsche, Socken, zwei Paar Schuhe in schwarz und braun, vier Schlafanzüge, zwei Gürtel in schwarz und braun, eine Badehose, eine schwarze, runde Sonnenbrille, einen schwarzen Mantel, Lederhandschuhe und eine Armbanduhr mit einem schwarzen Lederband. Ach ja und T-Shirts in ähnlichen Farben, wie die Anzüge. Die Taschen sollen bitte mit den Initialen G.S. versehen werden. Beide Männer sind recht schlank. N.K. ist 1,84m groß und G.S. 1,90m. Sollten die Sachen trotzdem nicht passen, kommen wir persönlich vorbei. Ich schicke dir nachher Kenji vorbei, der die Sachen abholt und bezahlt. Schick mir bitte ein Nachricht mit dem genauen Betrag", gab ich die zugegeben lange Bestellung auf. Aber ich wollte, dass sich Gojo und Nanami bei uns wohlfühlten, weshalb dies unverzichtbar für mich war. "Vielen Dank für deine Bestellung! Ich werde sofort alles herrichten." "Danke." Lächelte ich und legte dann auf. "Kenji, du musst die Sachen bitte später für mich abholen gehen und zu Kimatsu bringen", bat ich den Dunkelhaarigen. "Verstanden."
      Wenig später kamen wir bei der Firma an und ich sah bereits von weiter weg eine große Traube an Reportern. "Lass uns den Hintereingang benutzen. Ich bin nicht scharf darauf, Fragen zu meiner Trennung zu beantworten", meinte ich. "Sehr wohl."
      Ohne große Probleme brachte mich Kenji durch die Tür am Hintereingang und in dem Moment, in dem ich das Gebäude betrat, bekam ich eine Nachricht auf mein Handy. Ich öffnete diese und sah dass sie von Rei war. 'Das wären insgesamt 5.743.150,00 Yen. Liebe Grüße, Rei.' Ich kramte mein Checkheft aus meinem Rucksack und trug die exakte Summe ein, ehe ich Kenji damit losschickte und mich selbst auf den Weg in mein eigenes Büro machte.





      Satoru Gojo

      Müder als erwartet, öffnete ich am nächsten Morgen die Augen. Scheinbar hatte mich der gestrige Tag so sehr mitgenommen, dass eine ordentliche Portion nicht ausreichte, um mich zu erholen. Vielleicht lag es aber auch daran, dass ich etwas unruhiger als sonst schlief. Egal wie sehr ich mich auch bemüht hatte, alle negativen Gedanken verschwinden zu lassen, es konnte nicht mein Unterbewusstsein austricksen. Niemand verarschte den Großen Gojo Satoru, nicht mal Gojo Satoru selbst. Intelligent zu sein, war Segen und Fluch zu gleich. "Ich sollte Nanami und Kimatsu etwas ärgern gehen. Dann fühle ich mich sicher bald besser", meinte ich grinsend und erhob mich mit diesen Worten aus meinem Bett. Ich verließ das Zimmer und stieß zu den beiden in die Küche. Hana schien währenddessen sich im Badezimmer fertig zu machen. "Guten Morgen, meine lieblings Jujutsu Sorcerer~", meinte ich überschwänglich. "Whoa! Das riecht gut. Hast du das gemacht?", fragte ich Kimatsu und deutete auf das Essen. "Du hast doch sicher nichts dagegen, wenn ich mir auch etwas nehme, oder?" Noch bevor ich ihre Antwort abwartete, schnappte ich mir eine große Portion ihres selbstgemachten Frühstücks, ehe ich mich neben Nanami setzte. "Lasst uns heute irgendetwas lustiges anstellen. Wir könnten ein Video erstellen, indem wir dem Rat der Jujutsu Sorcerer den Krieg erklären. Der ein oder andere würde vielleicht sogar einen Herzinfarkt bekommen", meinte ich grinsend. "Klingt doch nach Spaß!" Natürlich war mir klar, dass die beiden dem Ganzen niemals zustimmen, geschweige denn, unterstützen würden. Aber alleine der Gedanke daran, heiterte mich direkt etwas auf. Auch wenn der Rat in dieser Dimension sicher aus anderen Leuten bestand, war ich mir dennoch sicher, dass er auch hier aus alten Säcken bestand, die sämtlichen Sinn für Humor und gutem Aussehen verloren hatte. "Oder wir brechen in einen Zoo ein und befreien die Tiere, während wie die Wände mit Elefantenkacke beschmieren. Ihr könnt es euch aussuchen."
      Gerade als ich noch etwas sagen wollte, hörte ich, wie sich die Tür vom Badezimmer öffnete. Ich sah auf und erkannte Hana, welche sich bereits fertig gemacht hatte. Ein leichtes Grinsen umspielte meine Lippen, als sie mich so fröhlich begrüßte. Sie hatte absolut nichts mehr mit dem weinenden Häufchen Elend von gestern gemein. Wie sagt man so schön: Ein Gojo am Morgen, vertreibt Kummer und Sorge!
      Viel zu früh, musste sich die quirlige Blondine leider wieder von uns verlassen. Schade, ich hätte mich gerne noch ein wenig anhimmeln lassen. Außerdem könnte sie die beiden vielleicht von meinem strahlenden Charakter überzeugen. Ich musste zwar niemandem etwas beweisen, aber manchmal regte es mich auf, dass nicht alle meinen großartigen Humor verstanden. Es war wohl nicht einfach, wenn man derart begrenzt in seiner Fantasie war, wie Nanami oder Kimatsu. Vielleicht tat ich letzterer Unrecht, da ich sie erst seit gestern kannte, allerdings schien sie mir das exakte Abbild eines gewissen Bürohengst zu sein, der zufälligerweise direkt neben mir saß.
      "Vielen Dank, Hana-chan!", rief ich ihr noch nach, ehe sie auch schon durch die Tür verschwand und mich mit den beiden Spaßbremsen alleine ließ.
      Wir aßen noch in Ruhe zu Ende und unterhielten uns eine Weile über die Dinge, die wir gestern bereits angesprochen hatten. "Nanami und ich sollten uns vielleicht demnächst ein wenig mit der Gegend und der Technik vertraut machen. Meine Fluchtechnik ist ein wenig gestört und ich würde gerne wissen, ob das bei Nanami auch der Fall ist. Außerdem müssen wir für dich noch eine neue Waffe organisieren", meinte ich und sah dabei zu dem ehemaligen Bürohengst hinüber. "Immerhin hast du deine fallen lassen, als dieser Fluchgeist dich windelweich geprügelt hat", erinnerte ich ihn. "Und auf dem Rückweg können wir noch ein paar Süßigkeiten einkaufen gehen~"
      Die Zeit verging wie im Flug, als wir unsere weitere Vorgehensweise besprachen und nur wenig später ertönte die Türklinge. Ich erkannte einen Mann vor der Tür stehen, welcher mit 1, 2, 3...14 Einkaufstüten bepackt war. Das dürften die Sachen sein, von denen Hana gesprochen hatte. "Ich geh schon~", rief ich freudig und sprang von meinem Platz auf, ehe ich die Haustür aufmachte und einem schwarzhaarigen Mann gegenüberstand. "Guten Tag. Miss Yamamoto bat mich, Ihnen und ihrem Kollegen das vorbeizubringen. In den Taschen ist noch eine Karte mit der Nummer von Frau Yamamoto. Sie möchte, dass Sie sie anrufen, sollten einige der Dinge nicht passen oder noch etwas fehlen", erklärte er und überreichte mir dann die Taschen. Ich nickte verstehend. "Danke. Sehr nett von Ihnen, die Laufarbeit zu erledigen", neckte ich ihn noch kurz. Keine Reaktion. Schade. "Ich wünsche noch einen angenehmen Tag und bitte belästigen Sie Miss Yamamoto nicht, wenn es kein Notfall ist", meinte er noch. "Hat sie das gesagt?", fragte ich. "Nein, das ist etwas, was ich Ihnen sage." "Dann interessiert es mich nicht. Tschööö~" Ich knallte die Haustür vor seiner Nase zu und lief zurück in den Wohnbereich, ehe ich mich an Nanami und Kimatsu wandte. "Whoa, Hana-chan hat echt keine Kosten und Mühen gescheut!", meinte ich, nachdem ich die Taschen auf dem Tisch abgestellt hatte. An den Henkeln war immer ein Etikett mit unterschiedlichen Initialen. "Ich gehe mal davon aus, dass N.K. für Nanami Kento und G.S. für Gojo Satoru steht. Dann sind das deine und das meine Tüten", meinte ich und reichte Nanami seinen Anteil der Kleidung. Ich durchwühlte meine Taschen, um einen Überblick zu bekommen. "Hana-chan hat einen ausgezeichneten Geschmack! Kaum zu glauben, dass ihre beste Freundin in einem Katzenpyjama rum rennt", neckte ich die Silberhaarige, während ich nach einer kleinen rechteckigen Box griff und diese öffnete. Zum Vorschein kam eine schwarze, runde Sonnenbrille. "Ah, perfekt! Ich nahm meine Augenbinde ab und setzte mir die Sonnenbrille auf. Ich drehte mich zu der Silberhaarigen und grinste sie breit an. "Und? Wie sehe ich aus? Habe ich dein Herz zum höher Schlagen gebracht?", sprach ich und versuchte dabei, besonders flirty zu klingen.
      Ich wandte mich wieder zu den Taschen. "Kaum zu glauben, dass Hana all diese Dinge noch zu normalen Preisen ergattert hat", meinte ich, ehe ich mich über Nanamis Taschen beugte, um zu begutachten, was sie ihm gekauft hatte. "Deinen Charakter hat sie auf jeden Fall gut getroffen: langweiliger Bürohengst ohne Sinn für Humor." Ich grinste wieder und packte dann die Sachen zusammen. "Okay, wie siehts aus? Können wir die Stadt ein wenig erkunden gehen?"
      Nichts kann tiefer verletzen als Wortlosigkeit, nichts kann mehr verwirren als Sprachlosigkeit, lieber komme ich im Chaos des gesprochenen Wortes um, als in der schreienden Stille von endlosen Gedanken…

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    • Kento Nanami


      "Guten Morgen , Matsuuu~"
      Kaum hatte ich an die quirlige Blondine denken müssen, schoss sie auch schon freudestrahelnd aus Hashisawas Schlafzimmer, bevor sie sich wie ein verliebtes Kätzschen an ihre Freundin schmiegte. Dabei hatte sie in der vergangenen Nacht noch vollkommen niedergeschlagen ausgesehen. Entweder konnte sie ihre Trauer schneller überwinden als erwarter oder sie vermochte sich eine reichlich überzeugende Maske über das eigene Leid zu ziehen, wobei sie gestern Nachmittag noch so... simpel gewirkt hatte.
      Ich begann unterbewusst damit, sie genauer zu beobachten, folgten ihren Bewegungen, betrachtete ihr Grinsen, lauschte ihrer Stimme. Ich glaubte tatsächlich einen trüben Unterton erkennen zu können, oder bildete ich mir das nur ein? Zumindest die leicht roten Augen waren ein eindeutiges Indiz darauf, dass ich mir das Tränen übertrömte Mädchen gestern nicht eingebildet hatte. Und trotzdem war sie heute Morgen wieder so energiegeladen wie eh und je. Eine recht eindrucksvolle Eigenschaft der jungen Frau, wie ich zugestehen musste, auch wenn ihre Beobachtungsgabe im Gegenzug deutliche Schwachstellen aufwies. So bemerkte mich Yamamoto erst reichlich spät nur um wenige Sekunden später einen halben Aufstand zu machen. Tatsächlich war es recht amüsant, zu beobachten, wie der menschliche Flummi in dem flauschig niedlichen Pyjama halbe Freudensprünge vollführte... natürlich aber nur, weil neben meiner Wenigkeit auch Gojo hier Einzug gehalten hatte. Allerdings hatte ich mit nichts anderem gerechnet und schlürfte daher reichlich unbeeindruckt an meinem dampfenden Kaffee, während die quirlige Lärmquelle sich schleißlich auch genüsslich über ihre eigenes Frühstück hermachte.
      Es war interessant, wie die reine Anwesehenheit des kleinen Wirbelwindes die komplette Stimmung im Zimmer zu ändern vermochte und auch der zuvor noch unbewegten Hashisawa ein ehrliches Lächeln entlockte. Was defintiv nicht heißen sollte, dass ich etwas gegen die zuvor noch ruhige und undaufgeregte Atmosphäre einzuwenden gehabt hatte, aber die nun heitere Lauen im Raum war auch keine schlechte Abwechslung. Vor allem da die hübsche Blondine trotz ihrer aufgedrehten Ader deutlich erträglicher war als mein maskierter Senpai mit dem Hang zur übertriebenen Selbstdarstellung.
      "Du musst dir nicht solche Mühe machen", warf ich auf Yamamotos Vorschlag, Klamotten zu organisieren, ein. Allerdings schien sie darauf kaum zu hören. Weswegen ich mich entschied, ihr einfach zu danken.
      Als die Kleine aber plötzlich von Terminen und Fotoshootings zu sprechen begann, hob ich kurz doch etwas verwundert den Kopf. War sie nicht Jujutsu Sorcerer? Wie fand sie da noch Zeit zum modeln? Ich kam nicht dazu, ihr diese Fragen zu stellen, als sie auch schon im Bad verschwand. Stattdessen musterte ich Hashiwara mit milder Neugier, welche soeben noch ihrer Freundin nachgesehen hatte, deutliche Sorge in den Augen. "Sie ist also nicht nur Sorcerer?"
      Die hellbraunen Augen drehten sich zu mir, bevor sich der silberne Haarschopf leicht von links nach rechts schüttelte. "Nein. Tatsächlich ist das Flüche jegen eher ein Nebenjob für sie, den sie versucht vor ihrer Tante geheim zuhalten?"
      Von diesen verwirrenden Erkenntnissen getroffen schoben sich meine Augenbrauen fragend zusammen. Sie versuchte es vor ihrer Tante zu verbergen? Hatte diese etwa Sorge um ihre Nichte? Führte Yamamoto ein Doppelleben? Und das obwohl sie auf den ersten Blick ihr Herz auf der Zunge zu tragen schien... Sie trug mehr Masken über dem Gesicht als gedacht.
      Bevor ich allerdings weitere Fragen stellen konnte, betrat die Nemisis meiner Nerven die Bühne... Ich hätte wahrlich nichts dagegen gehabt, wenn er noch gut drei Stunden länger im Bett gebleiben wäre. Seinen Morgengruß winkte ich schweigend ab und beschäftigte mich lieber damit, meinen geleerten Frühstücksteller in die Spühlmaschine zu packen. Seine "geistreichen" Pläne ignorierte ich derweil gekonnt, etwas was ich über die Jahre gut gelernt hatte.
      In der Zwischenzeit tauchte Yamamoto in vollkommen neuem Glanz aus dem Badzimmer. Wenn ich mir so ihren Kleidungsstil und die gekonnt überschminkten rot unterlaufenen Augen betrachtete schien es praktisch auf der Hand zu liegen, dass sie Model war. Nun, die Figur dazu hatte sie gewiss auch. Und wie es aussah war ihr Plan auch reichlich voll gepackt. So huschte sie reichlich schnell aus der Wohnung, was die Atmosphäre im Raum erneut deutlich zu wandeln schien. Ob Gojo gerade deswegen dazu bereit war, auch endlich mal ein paar ernstere Themen zu besprechen, wie zum Bespiel das offenkundige Problem, dass wir in einer neuen zeit und einer fremden Dimension gelandet waren. Noch schien die Lösung allerdings etwas Arbeit zu benötigen. Deutlich schneller hingegen trafen die von Yamamoto versprochenen Sachen ein und warum sollte ich leugen: Ihre Auswahl traf den Nagel tatsächlich auf den Kopf. "Die Kleine weiß scheinbar genau was sie macht."
      "Das auf jeden Fall", ertönte es da amüsiert an meiner Seite. Sobald es um den blonden Flummi ging, schien es Hashisawa beeindruckend leicht zu fallen, ein weiches Lächeln auf ihre Lippen zu zaubern. "Sie hat tatsächlich einen begnadeten Geschmack, nicht?"
      Ich konnte nicht anders, als zustimmend zu nicken, bevor ich mir die einzelnen Anzugteile herauszog. Nach kurzem Grübeln legte ich mir den Beigefarbenen Anzug beiseite und kombinierte ihn mit dem blauen Hemd. Die junge Frau kannte mich noch keinen ganzen Tag und schon schien sie durchschaut zu haben, was meinem Geschmack entsprach. Gar nicht mal schlecht. Noch dazu... hatte sie unsere Größen richtig geraten? Nun gut, ich befürchtete, dass Gojos großes Ego dazu geführt hatte, dass er offenkundig bis heute noch bekannt war wie ein bunter Hund und vielleicht kannte ein treuer Fan wie Yamamoto da sogar seine Größe. Aber ich bezweifelte schwer, dass es irgendwelche Einträge zu mir zu finden gab. Scheinbar besaß sie ein ziemlich gutes Auge in diesen Dingen. Fest stand, dass ich ihr bei Gelegenheit dringend danken musste, schließlich war ich mir sicher, dass der feine Stoff in meinen Händen alles andere als günstig war. Leider würde es zur Zeit schwierig werden, ihr diese Koste zurück zuzahlen. Aber ich würde mich gewiss revanchieren.

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      Kimatsu Hashisawa


      Ich war diese überglückliche Hana bereits gewöhnt. Ich wusste, dass sie eine Fassade war und dennoch konnte ich nicht anders, als sie mit einem ähnlich breiten Lächeln zu begrüßen. Sie wollte die Trauer des gestrigen Tages offenkundig unter ihrem Lachen verbergen, das tat sie ständig. Nur leider ließ sie in diesem Zustand kaum jemanden an sich heran, weswegen ich einfach hoffen musste, dass ihr das Weinen der letzten Nacht zumindest ein wenig geholfen hatte. Sie sollte diesen elenden Arsch eines Schleimbrockens so schnell wie möglich wieder vergessen.
      Nun, zumindest schien sie die Anwesenheit unserer unerwarteten Gäste auf andere Gedanken zu bringen. "Glück, hm...?", murmelte ich kopfschüttelnd, während sie mich offenkundig um Gojos Anwesenheit in meiner Wohnung zu beneiden schien. Wie gern ich diesen nervlischen Klotz am Bein doch an sie abgegeben hätte... Doch zugleich befürchtete ich, dass eine Kombi der beiden nur noch mehr Probleme verursachen würde, als die Augenbilde für sich alleine. Mir blieb also nichts anderes übrig, als mich einfach meinem Schicksal zu ergeben. Stattdessen hatte ich reichlich Freude dabei, die schlemmende Hana zu beobachten, auch wenn sie leider bald ankündigte gehen zu müssen. Umgehend stieg neue Sorge in meinem Herzen auf. Leider neigte meine herzensgute Schülerin nämlich dazu Frust und Trauer unter Arbeit zu vergraben, ohne dabei auf ihr eigenes körperliches Wohlbefinden acht zu geben... Ob ich ihre Tante vielleicht infomieren sollte, auf dass sie Hana etwas mehr Freiraum gab? Auch wenn das natürlich noch nicht gerantierte, dass Hana besagte Freiraum nutzte, um sich zu entspannen.
      Auch Nanami schien etwas Interesse am straffen Arbeitsplan der jungen Blondine gefunden zu haben, woraufhin ich ihm gerne Auskunft gab, bis... der zweite Grund meiner aktuellen Sorgen die Küche betrat. "Guten Morgen", lautete mein reichlich unmotivierter Gruß, bevor sich Gojo auch schon ungefragt an dem bereitgestellten Frühstück bediente. Da es aber sowieso auch für ihn gedacht war, sah ich keinen Grund darin, mich zu beschweren. "Lass es dir schmecken", erklärte ich daher unbekümmert und leerte die letzten Schlucke meiner Misosuppe.
      Die "tollen Ideen" die der Quatschkopf später zum besten gab, bereiteten mir allerdings durchaus etwas Kopfschmerzen. "Das wird nicht passieren! Glaubst du allen ernstes, ich lasse zu, dass du die ganze Welt der Jujutsu Sorcerer mit deiner reinen Existenz in Aufruhr versetzt, nachdem man euch beide für Tod gehalten hat?" Ich schüttelte streng den Kopf. "Ihr werden eure Zeit schön hier drinnen fristen, bis du einen Weg gefunden hast, wieder zu verschwinden." Dabei deutete mein Finger fordernd auf die Silberlocke. "Keine Videos und auch keine Elefantenkacke!"
      Zum Glück betrat Hana den Raum erst nach diesem Gespräch wieder das Wohnzimmer, schließlich wäre sie auf den verrückten Zug mit Gojos Plänen sofort aufgrsprungen. Auch wenn ich davon ausging, dass dieser Kerl nur Scherze machte, war ich mir zugleich nur zu gut bewusst, dass er auch verrückt genug wäre, die Sache durchzuziehen. Seine weltberühmten Eskapdan in der Vergangenheit schienen meine Furcht nur zu bestätigen.
      Bevor Hana die Wohnung schlussendlich verlassen konnte, richtete ich mich von meinem Platz auf und legte meine Hand sanft auf ihren weichen Haarschopf. "Übertreib es nicht, okay? Und du weißt, dass ich immer ein offenes Ohr für dich habe."
      Auch dieses Mal folgten ihr meine Augen sorgenvoll. Schließlich wendete ich mich aber von der Wohnungstür ab und machte mich daran, den Tisch abzuräumen und den Abwasch einzuräumen. Zugleich hatte das neue Gespräch zwischen meinen Gästen und mir einen deutlich ernsteren Ton angenommen. Zumindest schien Gojo noch etwas Anstand zu besitzen, ohne das er den eigentlichen Ernst der lage komplett verharmloste. "Wenn es euch recht ist, könnt ihr meinen Computer für Recherchen nutzen." Kurz nickte ich mit einem nicken in die hintere Wohnzimmerecke, wo ein überschaubarerer Schreibtisch, samt Bürostuhl und Rechner vorzufinden waren. "Ich kann nicht genau einschätzen, wie viel sich in den letzten Jahren verändert hat, schließlich bin ich in dieser Zeit und mit dieser Technik aufgewachsen. Aber... hast du meine vorherigen Worte etwa schon vergessen?" Düster legten sich meine Augen auf die dunkle Maske meines Gegenübers. "Ihr könnt nicht einfach so in der Öffentlichkeit herum spazieren. Vor allem du, Gojo-san. Du fällst auf wie ein bunter Hund, das würde nur für Chaos und Ärger sorgen." Bevor ich weiter predigen konnte, klingelte es an der Tür. Wie üblich hatte Hana nicht lange gefackelt und so schnell es ging neue Sachen für meine beiden Gäste organisiert. Es tat mir reichlich leid, dass Sato-san besagten einkauf gerade an den wenig freundlichen Gojo übergeben musste... Ich sollte mich später noch bei ihm entschuldigen.
      Doch fürs erste war ich froh darüber, dass Hanas Geschmack wie immer den Nagel auf den Kopf zu treffen schien und... Die alten Quellen über Gojo Satoru hatten es nicht verpasst, auch über seine besondere Augen zu berichten. Aber... ich hatte sie unterschätzt. Es war als würde mich der Himmel selbst hinter der Sonnenbrille anstrahlen, wobei die runden Gläser das besondere Blau seiner Augen tatsächlich gut zu verbergen vermochten. Schade eigentlich... Was! Was dachte ich da? Milde den Kopf schüttelnd, wendete ich mich vom stolz grinsenden Gojo ab. "Ich habe nicht vor zu lügen, immerhin scheinst du über dein gutes Aussehen ganz gut selbst bescheid zu wissen. Aber nicht einmal Engelsflügel könnten über deinen unerträglichen Charakter hinwegstrahlen", äußerte ich trocken und strich dabei das Oberteil meines Pyjamas glatt. Eigentlich hätte auch ich mich schon längst umziehen sollen, aber der Stoff war einfach zu bequem. "Und was meine eigenen Klamotten angeht: Für mich ist Komfort nun einmal wichtiger als Aussehen, mal davon abgesehen, dass es keinen einzigen Grund dafür gibt, in deiner Gegenwart sonderlich hübsch auszusehen."
      Nach dem Begutachten der neuen Sachen, packten beide Männer die Klamotten zurück in die Taschen, wobei Nanami sich offenkundig schon einen frischen Anzug herausgelegt hatte. Währenddessen startete Gojo einen weiteren Angriff auf meine geschundenen Nerven. "Du willst es nicht verstehen, oder? Dabei hatte ich gedacht, dass Intelligenz dir eigentlich kein Fremdwort sei." Ich verdrehte die Augen, bevor ich zu dem meiner Meinung nach unverschämt großen Silberhaarigen aufstarrte. "Deine Anwesenheit auf den Straßen Tokyos würde für reichlich Chaos Sorgen. Die Schule würde Ärger bekommen, der Rat würde versuchen, dich in seine Kontrolle zu bringen, während du auf Kosten anderer deinen Spaß hast. Das werde ich nicht zulassen!" Um meinen Worten noch etwas nachdruck zu verleihen, drückte ich meinen mahnenden Zeigefinger auf die - zugegeben durchtrainierte - Brust des Größeren. "Wenn ihr beiden etwas braucht, dann werdet ihr mir das sagen und ich werde es organisieren, verstanden?! Dafür werdet ihr beiden, und vor allem du, Gojo-san, die Füße still halten." Ich bemerkte wie Nanami im Augenwinkel zustimmend nickte. Er würde nicht das Problem sein, tatsächlich würde er eventuell nicht einmal auf der Straße erkannt werden. Doch sollte ich dem besonnen Blondschopf erlauben durch Tokyos Straßen zu ziehen, würde sein egozentrischer Kollege keinesfalls mehr zu bändigen sein. Das durfte nicht passieren.

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    • Satoru Gojo

      Mein Grinsen wurde deutlich breiter, als Kimatsu gestand, dass sie mich tatsächlich attraktiv fand. Allerdings war das nicht das einzige, was sie mir zu sagen hatte. "Heh?!", platzte es lautstark aus mir heraus, als sie von meinem Charakter zu sprechen begann. "Ich bin der Satoru Gojo! Ich bin in jeder Hinsicht perfekt. Es gibt nichts, was man nicht an mir mögen könnte." Sie wusste mein einzigartiges Wesen wohl noch nicht so ganz zu verstehen, weshalb sie mit Aggression reagierte... Ja. Das musste es sein, etwas anderes konnte ich mir einfach nicht vorstellen. Ich meine: Was an mir konnte man schon nicht mögen? Ich war in jeder Hinsicht perfekt. Vielleicht würde sich irgendwann eine Möglichkeit bieten, bei der ich sie vom Gegenteil überzeugen konnte. Ich wollte schließlich nicht, dass sie dumm starb.
      Während Nanami und ich die Kleidung begutachteten, die uns Hana hatte zukommen lassen, betonte Kimatsu erneut, dass wir auf gar keinen Fall den Campus verlassen durften. Natürlich hatte ich nicht vor, mich daran zu halten. Ich wollte ihr zwar keinen ernsthaften Ärger einbrocken, aber ich würde mich auf keinen Fall wie ein Tier im Zoo wegsperren lassen. Außerdem war es wichtig, dass ich mich mit der Außenwelt vertraut machte. Es war zwar nett von ihr, dass sie uns ihren Computer zur Verfügung stellte, allerdings konnte ich damit reichlich wenig anfangen, wenn ich noch nicht einmal wusste, wonach genau ich eigentlich suchte. Ich würde der Grauhaarigen genau das bewusst machen müssen, allerdings ging ich fürs Erste nicht weiter drauf ein, da ich sie nicht noch mehr beunruhigen wollte. Sie konnte ruhig denken, dass sie die Oberhand hatte, sie würde immerhin früh genug erfahren, dass dem nicht so war. Für mich war die oberste Priorität, einen Weg nach Hause zu finden und das möglichst, bevor wir größere Verluste auf unserer Seite zu beklagen hatten. Ich würde meine Schüler nicht im Stich lassen.
      "Jaja", winkte ich grinsend ab, als Kimatsu erneut betonte, dass Nanami und ich die Füße still halten sollten. Irgendwie hatte ich ein wenig Mitleid mit der jungen Frau. Ich würde ihr das Leben gewiss nicht einfach machen, aber ich musste einfach meine Prioritäten setzen und die lagen nun einmal bei meinen Schülern. Aber sobald das alles vorbei war, würde ich mich ihr gegenüber erkenntlich zeigen. Ich wusste zwar noch nicht wie und ob sie es dann annehmen würde, aber darüber konnte ich mir auch noch wann anders den Kopf zerbrechen. Jetzt erstmal sollte ich mich darauf konzentrieren, einen Weg nach Hause zu finden.


      ~Zeitsprung von ein paar Tagen~

      Hana Yamamoto

      "Gut, ich werde dann gehen. Vielen Dank für eure harte Arbeit", erklärte ich das Meeting für beendet. Wir hatten noch einmal die Feinheiten für die Veröffentlichung unserer neuen Make-up Reihe besprochen, bevor diese bald mit einer Party und einem öffentlichen Auftritt veröffentlicht würde. Jeder von uns freute sich auf diesen Tag, denn all unsere harte Arbeit würde sich endlich auszahlen und wir könnten unser neues Produkt voller Stolz betrachten. Ich hoffte nur, dass den Konsumenten die neue Reihe genauso sehr gefallen würde, wie mir. Wir hatten uns dieses mal wirklich ins Zeug gelegt und etwas großartiges erschaffen. Ich glaubte sogar, dass diese Produkte bisher die besten waren, die wir veröffentlicht hatten.
      Ich erhob mich von meinem Stuhl und packte meine Sachen zusammen, als ein Mitarbeiter auf mich zukam. "Frau Yamamoto, Sie müssten bitte noch etwas unterschreiben. Es geht um den Auftrag für den Caterer", sprach er. "Natürlich", lächelte ich und wollte gerade den Kugelschreiber entgegen nehmen, als mir dieser aus den Fingern rutschte und auf den Boden fiel. Ich hob ihn vom dunkelblauen Teppich des Konferenzraums, bemerkte jedoch beim Hochkommen, dass ich leicht ins Schwanken kam. Ich fühlte mich zugegeben ein wenig kränklich. Allerdings hatte ich heute noch einen Auftrag von Shoko bekommen und durfte nicht schwächeln. Wenn ich den Fluchgeist nicht austrieb, könnte er sich an Unschuldigen vergreifen und das musste ich unter allen Umständen verhindern. Was wäre ich für ein Jujutsu Sorcerer, wenn ich nicht die Schwachen schützen könnte?
      Ich versuchte mir vor meinem Kollegen nichts anmerken zu lassen und unterschrieb mit leicht zitternder Hand das Dokument. "Danke und bis morgen", verabschiedete ich mich lächelnd. Ich erkannte einen leicht besorgten Ausdruck in seinen Augen und auch sein "Bis morgen." kam nur zögerlich über seine Lippen. Ich würde einfach schnell den Fluchgeist austreiben und mich anschließend Zuhause aufs Ohr hauen, dann sollte es mir morgen schon wieder besser gehen.
      Nachdem ich meine Tasche zusammengepackt hatte, machte ich mich auf den Weg zu den Parkplätzen der Firma und stieg in mein schwarzes Auto. Da ich wusste, dass ich heute noch woanders hin müsste, entschied ich mich heute morgen dazu, einfach selbst zu fahren. Wie auch sonst hätte ich Kenji erklären sollen, dass er mich zu einem verlassenen Bahnhof weiter draußen fahren musste? Am Ende hätte er noch meiner Tante davon erzählt. Außerdem konnte ich keine Passanten gebrauchen, wenn ich gegen Fluchgeister kämpfte, es würde Kenji nur unnötig in Gefahr bringen.
      Ich seufzte leise, ehe ich mich anschnallte, den Schlüssel umdrehte und auch schon zum vereinbarten Ort fuhr.
      Nach einer fast 40 minütigen Fahrt und etlichen Staus später, kam ich endlich am besagten Bahnhof an. "Okay, dann wollen wir mal", meinte ich, ehe ich mich schweren Atems aus dem Auto hievte und den Bahnhof genauer inspizierte. Auf dem ersten Blick konnte ich nichts Genaueres erkennen, weshalb ich auf die Schienen sprang und diesen in einen Tunnel folgte. Ich musste gut aufpassen, da der Tunnel an einigen Stellen bereits eingekracht war und riesige Löcher hinterlassen hatte. Aber so hatte ich zumindest genügend Licht, um mich fortzubewegen.
      "H-Hun...ger..." Ich schreckte auf, als ich eine bebende Stimme unmittelbar vor mir vernahm und griff instinktiv nach meinem Schwert. "S...o.. viel... HUNGER!" Der grüne Riese vor mir, holte aus und schlug mit seiner Faust auf mich ein. Gerade noch rechtzeitig schaffte ich es, mein Schwert zu ziehen und den Angriff halbwegs zu parieren. Seine grüne Haut erlitt eine große Schnittwunde aus der direkt Blut strömte. Allerdings hatte sein Schlag so viel Kraft, dass ich mehrere Meter durch die Luft geschleuderte wurde und unsanft mit meinem Rücken gegen die Tunnelwand geschleudert wurde. Schnell rappelte ich mich wieder auf, als auch schon der zweite Angriff des grünen Kolosses auf mich zukam. Ich konnte ihm gerade noch ausweichen, jedoch sorgte sein kräftiger Schlag gegen den Beton dafür, dass der Tunnel zum Beben kam und sich drastisch schnell neue Risse bildeten, welche der Kraft des Riesen nichts entgegenzusetzen hatten und schon bald dem Gewicht nachgeben. Von überall bröckelten riesige Betonstücke ab, welche anschließend geräuschvoll auf den Boden knallten. Während ich also die Angriffe des Fluchgeistes parieren musste, musste ich ebenso dem Betonhagel von oben ausweichen.
      Die ersten Minuten hatte ich mich recht gut behaupten können, doch schon bald wurde ich unkonzentrierter und langsamer, da mich die Energie verließ. So geschah es, dass ich in einem unaufmerksamen Moment die Faust meines Gegners nicht kommen sah und einmal quer durch den Tunnel geschleudert wurde. Ich schaffte es nicht rechtzeitig mich aufzufangen und knallte in einen Haufen von Betonsteinen und Trümmern. Ein stechender Schmerz machte sich in meinem Kopf bemerkbar und ich spürte, wie mir das warme Blut an der Schläfe hinunter lief. Entschlossener als zuvor umgriff ich mein Schwert, hievte mich nach oben und eilte auf den grünen Fluchgeist zu. Ich ignorierte die Müdigkeit und die Schmerzen in meinen Knochen und schaffte es, dem Wesen seinen linken Unterarm abzuhacken. Er schrie laut auf und ich schien ihn mit meiner Aktion wütender als zuvor gemacht zu haben. "Es tut weh. Es tut weh. ES TUT SO VERDAMMT WEH!!", schrie er, bevor er auch schon seinen nächsten Schlag auf mich abfeuerte. Von seiner Kraft überwältigt, verlor ich für den Bruchteil einer Sekunde, mein Bewusstsein und ließ demnach mein Schwert fallen, während ich selbst noch weiter durch die Luft flog, ehe ich Bekanntschaft mit dem harten Untergrund machte. Ein schmerzerfülltes Stöhnen drang über meine Lippen, ehe ich mich auf den Bauch trete und versuchte, mich zu meinem Schwert zu ziehen. Völlig erschöpft und nur noch halb bei Bewusstsein, streckte ich meine Hand nach meinem Schwert aus. Meine Sicht wurde immer schwammiger und ich konnte schon bald nur einzelne Umrisse erkennen, doch ich wusste, dass ich hier und jetzt sterben würde, sollte ich nicht weiter kämpfen. Ich versuchte mich auf die Arme zu stemmen, sackte aber sogleich wieder zusammen. Erschöpft und schwer atmend, versuchte ich zu meinem Gegner zu sehen, welcher auf mich zu getrampelt kam und seinen finalen Schlag ausführen wollte. "Matsu... Hiroto... Tut mir leid", flüsterte ich leise und schloss meine Augen, um mich auf meinen Tod vorzubereiten.


      Satoru Gojo

      "Nanamiiii", maulte ich. "Mir ist langweilig!" Genervt von den wenigen Ereignissen in den letzten Tagen, lehnte ich meinen Kopf gegen die Couch, während mein blondhaariger Kollege in der Zeitung von heute durchblätterte. Kaum zu glauben, dass es sowas 50 Jahre später immer noch gab. Ich hatte mir zwar nie explizit Gedanken über Druckmedien gemacht, allerdings hatte ich damit gerechnet, dass schon bald alles digitalisiert werden würde. "Wegen Menschen wie dir, müssen jeden Tag unzählige Bäume ihr Leben lassen. Du Baummörderer", sagte ich. Ich seufzte ausgiebig. L-A-N-G-W-E-I-L-I-G-!
      "Ah, ich hab eine Idee!", grinste ich. "Lass uns ein Trinkspiel spielen und alles aufzählen, was wir an Gojo Satoru lieben. Ich fange an: Alles!" Ich klatschte in die Hände und sah zu meinem Kollegen hinüber. "Jetzt bist du-" Ich hielt den Mund und mein breites Grinsen kam schnell zum Erliegen, als ich Hanas Fluckraft weit weg gegen einen Fluchgeist kämpfen sah. Sie schien deutlich geschwächt oder zumindest zurückhaltend, während die Energie ihres Gegners deutlich massiver wirkte. "Wer gibt denn jemandem mit Semi-Grad 2 eine solche Mission?!" Unverständlich, wie man den Golden Retriever scheinbar wie Kanonenfutter an den Gegner übergeben hatte, stand ich von meinem Platz auf und ging zu Nanami. "Ich habe die ideale Gelegenheit für dich, dich für die Klamotten zu revanchieren", meinte ich und ohne genaueres zu erklären, packte ich ihn bei der Schulter und teleportierte uns zu Hanas Aufenthaltsort.
      Wir schienen gerade rechtzeitig gekommen zu sein, denn der grüne Koloss rannte auf die am Boden liegende Hana zu und wollte ihr gerade eine verpassen, als ich dazwischen ging und mit meiner Umkehrtechnik Rot, ihn einige hundert Meter wegschleuderte. Ich wusste dass ich ihn noch nicht getötet hatte, aber das würde ich gleich noch erledigen können -oder meinetwegen auch Nanami. Doch als erstes lief ich auf Hana zu, welche ihre grünen Augen ein Stückchen öffnete. Sie waren trüb und allgemein schien sie in keinem besonders guten Zustand zu sein. Ihre Haut war blass, aber ihre Wangen stark errötet. Sie hatte tiefe Augenringe und auch die Platzwunde an ihrem Kopf, stach sofort ins Auge. Ich hockte mich neben sie und drehte sie vorsichtig auf den Rücken, um zu schauen, ob sie noch weitere Fleischwunden hatte. Dabei fiel mir direkt die glühende Temperatur auf, die von ihrem Kopf ausging. "Oi. Wieso gehst du auf eine Mission, wenn du nicht topfit bist?", tadelte ich sie, wie ich es bei Megumi manchmal tat, wenn mir seine Einstellung nicht gefallen wollte. Allerdings verzichtete ich darauf, ihr gegen die Stirn zu schnipsen, da sie sicher schon genügend Schmerzen hatte.
      Ich wollte gerade noch was sagen, als sich unser Gegner wieder näherte. Der war robuster als gedacht. "Ey, Nanami. Mach dich mal nützlich. Ich bin noch nicht fertig mit meiner Standpauke", wandte ich mich an den ehemaligen Bürohengst, ehe ich mich wieder auf Hana konzentrierte.
      Meine Augen sahen über den Rand der Sonnenbrille hinweg und fixierten die Seelenspiegel der Blondhaarigen. Ihre Augen wirkten leer, kraftlos und es hatte beinahe den Anschein, als sei sie nicht mehr ansprechbar. Lediglich das schwache Lächeln auf ihren blassen Lippen, gab mir das Zeichen, dass sie wohl noch nicht komplett weg war.
      "Das nächste mal, wartest du mit deiner Mission, wenn du wieder gesund bist, verstanden?", wollte ich von ihr wissen. "O-Okay, Herr Engel." Ich schmunzelte. "So wurde ich auch noch nicht genannt", meinte ich, während man im Hintergrund die Kampfgeräusche von Nanami und den Fluchgeist hören konnte. Hanas Gesichtsausdruck wollte mir nicht zusagen. Dieses warme Lächeln, mit diesen nahezu toten Augen. Unmittelbar dachte ich an Kimatsu. Ich wollte mir nicht vorstellen, wie sie reagieren würde, wenn sie hörte, dass ihre ehemalige Schülerin und beste Freundin, beinahe auf einer Mission gestorben wäre. Ich hatte die Silberhaarige bisher als sehr Verantwortungsvoll empfunden. Während sie sich gleichzeitig aufopferungsvoll um ihre Schüler zu sorgen schien. Ich hatte zwar noch nicht viel von der Lehrerin Hashisawa gesehen, aber es war zumindest genug gewesen, um mir ein erstes Bild von ihr zu machen. Auch wenn sie mich nicht zu mögen schien und in mir vermutlich nicht mehr als einen Quälgeist sah, glaubte ich, es mit ihr gut aushalten zu können. Sie war eine von den Guten und ich könnte ihr zumindest einen kleinen Vertrauensvorschuss entgegenbringen.
      "Okay. Ruh dich aus. Ich bring dich zu Ieiri. Sie wird deine Wunden versorgen und dann bist du bald wieder auf den Beinen." Als hätte ich der Blondhaarigen damit einen Startschuss gegeben, schlossen sich ihre offensichtlich schweren Augenlieder und auch ihr Körper erschlaffte ein wenig. Ich warf mir die Blondine über die Schulter, ehe ich meine Sonnenbrille wieder zurecht rückte und mich zu Nanami umdrehte, welcher bereits kurzen Prozess mit dem Fluchgeist gemacht hatte. Jemanden vom Semi-Grad 2 für einen solchen Gegner einzusetzen... Dem konnte Ieiri doch niemals zugestimmt haben.
      "Lass uns zurückkehren", meinte ich zum Blondhaarigen und legte ihm wieder meine Hand auf die Schulter, ehe ich uns zurück zur Akademie transportierte.
      "Hier. Bring sie auf die Krankenstation. Ich informiere Ieiri", meinte ich und drückte ihm das Fliegengewicht auf die Arme, ehe ich mich zu meiner damaligen Schulkameradin aufmachte.
      Nachdem ich der Braunhaarigen die Situation geschildert hatte, ließ sie alles stehen und liegen und rannte sofort auf das Krankenzimmer der Schulakademie. Ich folgte ihr und beobachtete sie dabei, wie sie die Wunden der friedlich schlafenden Hana behandelte. "Wir hatten keine Ahnung, dass der Fluchgeist bereits so mächtig geworden war. Außerdem habe ich Hana das letzte Mal an dem Abend eurer Ankunft gesehen. Ich wusste nicht, dass sie sich erkältet hatte", erklärte die Braunhaarige und schien dabei die Schuld bei sich zu suchen. "Ich werde Kimatsu eine Nachricht zukommen lassen", meinte sie und verließ dann das Zimmer. Ich lehnte mich gegen die Wand und verschränkte meine Arme vor der Brust. "Du hast es auch gemerkt, oder?", fragte ich Nanami, während ich die schlafende Hana beobachtete. "Die Fluchgeister hier sind anders. Er schien von Energie von einem Fluchgeist weiterweg bezogen zu haben. Ich konnte bei ihm zwei Quellen seiner Fluckraft ausmachen. Die eine kam von ihm, aber ich konnte nicht den Ursprung seiner zweiten Kraft ausmachen. Es scheint hier etwas zu geben, dass sogar meinem Six Eyes verborgen bleibt und es könnte der Schlüssel für unsere Rückkehr sein."
      Nichts kann tiefer verletzen als Wortlosigkeit, nichts kann mehr verwirren als Sprachlosigkeit, lieber komme ich im Chaos des gesprochenen Wortes um, als in der schreienden Stille von endlosen Gedanken…
    • Kento Nanami


      Es war... eine Last... Ich hatte nichts dagegen, mich bedeckt halten zu müssen. Mich störte es nicht, auf dem Schulcampus "eingesprerrt" zu sein, schließlich war das Gelände riesig. Hashisawa war eine gute und freundliche Gastgeberin, welche sich stets um unser Wohlbefinden kümmerte, kochte, sauber machte und ganz nebenbei noch ihre Arbeit erledigte. Sie half und mit den Recherchen und beatwortete geduldig Fragen. Somit waren die Tage in dieser gemütlichen Wohnung durchaus... annehmbar. Wäre da nur nicht: "Nanamiiii. Mir ist langweilig!"
      Ich würde behaupten in den letzten Jahren die Fähigkeit des Ingnorierens perfektioniert zu haben, aber es änderte nichts daran, dass mich Gojos unerträgliche Anwesenheit aus dem Lesefluss brachte. Auch wenn sie mir leid tat, war es daher tatsächlich ein Segen, wenn sich die überdrehte Nervensäge auf Hashisawa konzentrierte und konstant versuchte ihre Geduld auf die Probe zu stellen. Immerhin ließ er mich in solchen Momenten in Frieden, zudem konnte sich die junge Lehrerin eindrucksvoll zu Wehr setzen. Heute allerdings war sie schon vor Morgengrauen verschwunden - nicht ohne uns Frühstück bereit zu stellen - weil sie eine Mission einige Städte weiter zu erledigen hatte. Das bedeutete: Ich würde Gojo den ganzen Tag alleine ertragen müssen... Und ein gelangweilter Gojo, war ein quälender Gojo.
      Auch wenn ich mir alle Mühe gab, seine lautstarken Beschwerden zu ignorieren, ertappte ich mich schließlich schon zum gut fünften Mal dabei, dass ich eine Zeile zweimal lesen musste. Wo war nur das Panzerband, wenn man es mal brauchte?
      Dann plötzlich purzelte doch etwas reichlich interessantes aus Gojos unaufhörlich plappernden Mund und weckte meine Aufmerksamkeit. Semi-Grad 2... War das nicht Yamamotos Rang? Da wir kaum andere Jujutsu Sorcerer, als die beiden Frauen und Ieiri in dieser Zeit kannten, konnte er ja nur die junge Blondine meinen und seiner Stimme war zu entnehmen, dass die Lage ernst war. Und wenn Gojo Satoru die Lage als ernst einstufte, musste es mindestens eine Frage um Leben und Tod sein. Ich kannte Yamamoto noch nicht lange, aber ich würde dennoch ungern mit ansehene, wie sie verletzt wurde oder noch schlimmeres. Entsprechend alarmiert legte ich die Zeitung beiseite, richtete mich auf und ging bereits auf den bebrillten Silberhaarigen zu, bevor er seine Hand auf meine Schulter legte. Ich hasste das Gefühl in der Magengrube, dass seine irrsinnigen Teleportationen auslösten, aber ich war auch dankbar für den schnellen Transport. Nur wenige Sekunden später und...
      Yamamoto sah schrecklich aus. Es waren nicht nur die Verletzungen aus dem Kampf, sondern ihre Gesamtsituation. Gojo hatte Recht, wie konnte man ein Mädchen in dieser Situation nur noch in den Kampf schicken. "Wie geht es ihr?", fragte ich unumwunden, während sich mein Kollege zu ihr hockte. Keine Sekunde später fing ich auch schon den ersten Schlag des krötengrünen Fluchgeistes ab. Das Ding war kein Semi-Grad 2... Sein Angrifssmuster war dafür viel zu durchdacht und die Wucht hinter den immer schneller werdenden Schlägen war auch... seltsam. Wüsste ich es nicht besser, würde ich sie fast ein wenig mit Itadoris Divergent Fist vergleichen, da ich glaubte einen zweiten Schlag oder zumindest eine weitere Energie in den Attacken des Fluchgeitses wahrzunehmen. Als steckten zwei Flucgeister in einem, oder dieser hier wurde zumindest von einem weiteren gespeist? Ich hatte schon erlebt, wie sich Fluchgeister zusammenschlossen und in Gruppen kämpften, aber das hier war etwas anderes? Noch nie hatten sie sich verbunden, oder gar den anderen direkt mit Energie versorgt. Vor allem da ich das Gefühl hatte, dass besagte Energie von einem vollkommen anderen Ort kam. Der Ursprung war nicht auszumachen, aber in den einzelnen Schlägen konnte ich die fremde Fluchkraft dennoch deutlich wahrnehmen. Es machte den Kampf zumindest gewiss nicht einfacher. Dennoch gelang es mir immer häufiger die zahlreichen Gliedmaßen meines monströsen Gegenspielers zu zerteilen und ihm zuletzt mit einem gezielten Schlag gegen die Kehle den Gar aus zumachen. Ich müsste Hashisawa später noch einmal danken, dass sie mir diese neue Klinge aus der Waffenkammer besorgt hatte. Offenkundig eine gut gemachte Nachbildung meines alten stumpfen Schwertes, nachdem mein altes in Shibuya verloren gegangen sein musste. Gerade war allerdings keine Zeit dazu, sich über meine neue Waffe zu freuen, denn Yamamotos Zustand hatte sich noch kein bisschen verändert.
      Ihr musste es schrecklich gehen, ihre Wunden waren nicht zu unterschätzen und bereits aus der Ferne hatte ich erkennen können, dass ihre Gesundheit definitiv nicht auf dem besten Stand war. Und doch... lächelte sie. Es war ein müdes und doch dankbares Lächeln. Sie hatte hier bereits mit ihrem Leben ebgschlossen gehabt, fast zumindest. Zum Glück waren wir rechtzeitig gekommen... Sie war noch viel zu jung, um ihr Leben für solch einen beschissenen Job zu opfern. Ihre Ohnmacht schien sie schließlich beinahe dankbar in Empfang zu nehmen, bevor Gojo sich die junge Frau kurzer Hand über die Schulter warf. "Ich weiß nicht, ob das die beste Art und Weise ist, eine verletzte Person zu tragen", merkte ich mit einem milden Seufzen an, vollstens darüber bewusst, dass der rechthaberiche Egozentriker keinen Wert auf meine Worte legen wollte. Und dennoch wollte es mir nicht gefallen, wie er die hübsche und bewusstlose Blondine unbedacht mit sich herum trug. Aber ich verschluckte weitere Beschwerden und ließ mich mit ihm zurück in die Schule teleportieren. Zumindest hatte er nicht vor, das arme Mädchen so in die Krankenstation zu bringen, auch wenn ich selbst etwas überrascht blickte, als ich mich plötzlich selbst mit dem sonst so wilden Flummi in den Armen wiederfand. Selbst durch den Stoff ihres T-Shirts konnte ich die von ihr ausgehende Hitze spüren. Sie hatte Fieber, und zwar nicht zu wenig. In diesem Zustand hatte sie allen ernstes kämpfen wollen?
      Kopfschüttelnd setzte ich mich in Bewegung, beobachtete mit halben Auge, den leicht schmerzverzerrten Ausdruck der Bewusstlosen. Wie war es nur dazu gekommen? Warum hatte sie sich so übernommen? Warum hatte sie die Mission nicht abgelehnt? Ireiri würde niemals ein krankes Mädchen gegen einen starken Fluchgeist schicken. Also hatte die Kleine ihre Probleme verborgen gehalten. War ihre Freude an dem letzten Morgen vor ein paar Tagen also wirklich nur eine Fassade gewesen? Ihre Augenringe waren schließlich trotz Make-Up schwer zu übersehen, sie musste sich vollkommen überarbeitet haben.
      Im Krankenzimmer angelangt platzierte ich Yamamoto sanft auf einem der frischen Betten und musste dann auch nicht mehr lange warten. Ieiris Ausdruck nach zu folgen, war auch sie aller mindesetens geschockt über den Zustand ihres ehemaligen Schützlinges. Folglich hatte die quirlige Blondine ihre offenkundige Erkältung auch vor der Schuldirektorin geheim gehalten und vor Hashisawa ebenso. Ich konnte mir zumindest nicht vorstellen, dass die junge Lehrerin die Füße still halten könnte, sollte sie über die prikäre Lage ihrer Freundin bescheid wissen.
      Ich merkte, wie ich mich schließlich selbst etwas zu entspannen begann, als Ieiris heilenden Hände Yamamotos Blutung stillten und die Fleischwunden verheilen ließen. Ihre Fähigkeiten waren genausowenig eingerostet wie ihr Aussehen. Sonderlich lange blieb sie allerdings nicht, da sie Hashisawa anrufen wollte, womit nur noch die - deutlich friedlicher - schlummernde junge Frau, Gojo und ich im Raum zurück blieben.
      "Ja ich habe es bemerkt", entgegnete ich sofort auf die Frage das Silberhaarigen und verengte bei seinen folgenden Worten nachdenklich die Augen. "Es ist nicht weiter verwunderlich, dass eine neue Zeit neue Fluchgeister hervorbringen kann. Die Menschen und die Kulter ändert sich, Ängste und negative Gefühle können andere Urpsrünge haben, was neue Fluchgeistarten hervorbringen kenn." Ich zog mir einen Stuhl nahe Yamamotos Bett heran, legte die Ellenbogen auf die Knie und platzierte das Kinn nachdenklich zischen Daumen und Zeigefinger der rechten Hand. "Der Fluchgeist an sich war sicherlich kein starker oder seltsamer Gegner, es war alleine die fremde Energie die ihn gespeist hat... Alleine wäre er längst nich stärker als Semi-Grad 2 gewesen, wahrscheinlich nicht einmal Grad 3." Mein Blick wanderte zur misshandelten Yamamoto. Nicht nur dass sie absolut nicht gesund genug für einen solchen kampf gewesen war, sie hätte auch nie mit dem hihen Level ihres Gegners rechnen können. Sie war eindeutig zu waghalsig gewesen... warum war sie nicht einfach geflohen, bevor es brenzlig wurde? Warum riskierte sie so einfach ihre Gesundheit? IHr Leben! "Kurz bevor ich den letzten Angriff platziert habe, schien sich aber etwas in dem grünen Biest zu ändern. Diese seltsame Energie schien sich zurückzuziehen, als sähe sie es als eine Verschwändung weiter dieser versagenden Hülle zu helfen. Als wolle, wer beziehungsweise was auch immer der Ursprung ist, seine Kraft schonen." Ich hob den Kopf und schaute schließlich zum ebenfalls nachdenklich wirkenden Gojo auf. Seine hellblauen Augen schimmerten hinter dem dunklen schwarz der Sonnebrille auf. Six Eyes war eine Technik, der man nur schwer entgehen konnte und die ihren Besitzer automatisch zu einem der stärsten Sorcerer der Welt machen konnte, dass dieser Freak vor mir dazu auch noch Limitless sein eigen nennen konnte empfand ich manchmal einfach nur noch als unfair, aber zumindest setzte er es fürs Gute ein. Fakt war: Wenn sich jemand diesen Augen entziehen wollte, musste er entweder unendlich talentiert oder vom Glück verfolgt sein, wahrscheinlich sogar beides. Also egal was hinter dieser seltsamen Energie in dem grünen Krötenbiest steckte, wir dürften es auf keinen Fall unterschätzen. "Glaubst du, es könnte noch mehr Fluchgeister geben, die von einer Fremden Quelle unterstützt werden?", stellte ich eine vermutung auf. "Offenkundig sollten wir schnell mehr darüber herausfinden, vor allem wenn es uns hilft, in unsere Welt zurück zufinden." Außerdem bildet diese seltsame Fluchgeist ein Risiko... Wieder legten sich meine Augen auf Yamamoto. Ich wollte sie und auch keinen anderen jungen Jujutsu Sorcerer so hier liegen sehen, es wäre also nur richtig, diese neue Gefahrenquelle so bald es ging zu beseitigen.
    • Satoru Gojo

      Auch Nanami war es aufgefallen. Natürlich war es das. Im Gegensatz zu mir mochte der blonde Bürohengst nicht über das Six Eyes verfügen, jedoch hatte er eine überdurchschnittlich gute Beobachtungs- und Auffassungsgabe. "Kann gut sein. Wenn es neben dem grünen Knallfrosch nicht noch weitere Fluchgeister gab, wird sich der Strippenzieher spätestens jetzt nach einem neuen Ersatz umsehen. Vielleicht hat er sogar schon einen gefunden. Ich kann derzeit noch nicht einschätzen, wie stark unser eigentlicher Gegner ist, aber auch er wird mit großer Sicherheit meinem Limitless unterlegen sein. Wir sind nur knapp 50 Jahre in die Zukunft gereist, darum bezweifle ich, dass sich die Fluchgeister drastisch verändert haben und sehr viel stärker geworden sind. Sie haben sich zweifellos verändert, haben scheinen trotzdem immer noch denen in unserer Welt zu ähneln. Immerhin konnte selbst ein Schwächling wie du, einem von ihnen den Gar ausmachen", sprach ich und grinste Nanami gegen Ende frech entgegen. Dann aber wurde ich wieder ruhiger und nahm einen ernsteren Gesichtsausdruck an, während sich mein Blick auf die schlafende Hana legte. Das Mädchen wäre jetzt tot, wären Nanami und ich nicht vor wenigen Tagen in diese Dimension gekommen. Auch ich war teilweise erstaunt darüber, wie schnell sich das Leben einer einzelnen Person durch die Entscheidung einer anderen verändern konnte. Wären Nanami und ich in eine andere Dimension gebracht worden, hätten wir ihr nicht zu Hilfe eilen können, was aber gleichzeitig bedeutete, dass sie in einer anderen Welt am heutigen Tag gestorben war. Wenn man es genauer betrachtete, konnten diese Gedanken einen ziemlich herunterziehen, weshalb ich sie fürs erste Beiseite schieben wollte. Wir könnten schließlich nicht jeden retten. Das war etwas, was schon den jüngsten Jujutsu Sorcerern beigebracht wurde. Jeder ist sich selbst der nächste und es war egal wie stark oder wie viele Verbündete du hattest: im Tod warst du allein. Darum versuchte ich jedem meiner Schüler beizubringen, egoistisch zu sein, wenn es um ihr eigenes Leben ging. Doch gerade Megumi und Yuji hatten damit so ihre Probleme, aber auch Nobara hatte bei ihrem ersten Auftrag in Tokio ihre Waffen fallengelassen, um einen Jungen zu retten. Der Großteil meiner Schüler bestand aus kleinen Helden, doch gerade das versuchte ich zu verhindern. Keiner von ihnen sollte einen dämlichen Heldentot sterben. Sie sollten leben und das ganz ohne schlechtes Gewissen. Einzig und allein die alten Säcke von Oben hatten den Tod verdient.
      Ieiri kam nach ihrem Telefonat wieder zurück in die Krankenstation. Sie seufzte. "Kimatsu wird auf dem Schnellsten Weg zurückkommen. Ich konnte sie nicht davon überzeugen, dass sich Hana nicht mehr in Lebensgefahr befindet und sie sicher ist. Sie hat einen großen Beschützerinstinkt, wenn es um ihre Schüler geht", meinte die Braunhaarige. So hätte ich die Grauhaarige ebenfalls eingeschätzt, immerhin schien sie ein inniges Band zu Hana pflegen, obwohl diese nicht mehr ihre Schülerin war. Natürlich konnte man auch sagen, dass es von der einnehmenden Art der Blondine kam, aber Kimatsu hätte Nanami und mich wohl kaum bei sich aufgenommen und verpflegt, wenn sie ein schlechter Mensch wäre. Und auch ich konnte die Sorge eines Lehrers um seine Schüler verstehen. Immerhin wollte ich selbst so schnell wie möglich wieder zurück, um ihnen unter die Arme zu greifen und größere Schäden zu verhindern.
      Aus irgendeinem Grund aber, hoffte ich, dass sich Kimatsu nicht die Schuld an Hanas Zustand machte. Die junge Lehrerin strotzte nur so vor Verantwortungsbewusstsein und gerade das mochte mir nicht an ihr gefallen. Auch sie würde nicht immer alles und jeden retten können. Ein Umstand, den die wenigsten Jujutsu Sorcerer annehmen konnten oder wollten. Ich hatte mit den Jahren gelernt, dass es in den wenigsten Fällen brachte, darüber zu diskutieren, wer Schuld war. Außerdem war Hana alt genug um zu wissen, dass man mit Fieber keine Fluchgeister jagte.
      "Wirst du Hana über Nacht hier behalten und was sagen wir dann ihrer Tante? Ich habe von Kimatsu gehört, dass Hana es vor ihrer Tante geheim hält, dass sie Fluchgeister jagt", sprach ich. Ieiri grübelte eine ganze Weile. "Vielleicht sollten wir einfach bei ihnen zu Hause anrufen und sagen, dass sie am Nachmittag zu Besuch vorbei und zusammengebrochen ist", überlegte sie laut. "Und das Blut auf ihrem Oberteil?", fragte ich. "Wir könnten ihr vielleicht etwas von Kimatsu anziehen? Ich denke nicht, dass sie damit ein Problem haben dürfte." "Dann solltest du dich damit vielleicht beeilen, denn ihr kleiner Wachhund, wird bald an die Tür klopfen. 5, 4, 3, 2, 1..."


      Kenji Sato

      Wie hatte ich es nur so weit kommen lassen können? Meine einzige Aufgabe bestand darin, auf Miss Yamamoto aufzupassen, doch ich hatte versagt und das auf ganzer Linie. Ich hatte sie aus den Augen verloren und gerade als ich sie fand, hatte dieser Grauhaarige Bastard, Miss Yamamoto und seinen Freund weg teleportiert. Jujutsu Sorcerer waren mir noch nie geheuer und das hatte mich in meiner Annahme nur noch mehr bestätigt. Wie sollte ich Frau Watanabe davon erzählen, ohne der jungen Frau in den Rücken zu fallen? Ich wusste schon seit geraumer Zeit, dass sie ihrem Zweitberuf nachging und sogenannte Fluchgeister jagte, doch bisher hatte ich nie ein Wort darüber verloren, da ich keinen Streit zwischen ihr und ihrer Tante entfachen wollte. Außerdem wollte ich Miss Yamamotos Vertrauen nicht verlieren. Bei jedem anderen könnte ich es ertragen, nur nicht bei ihr.
      Ich betrat die Schule und fragte einen Lehrer nach dem Aufenthaltsort der Direktorin. Ich war nicht scharf drauf, mit dem Grauhaarigen Volltrottel zu reden, weshalb ich mich lieber direkt an Frau Ieiri wenden wollte. Bei ihr wusste ich wenigstens, dass ich nicht auf Taube Ohren stoßen würde.
      Bald schon kam ich an dem Raum an, in dem sich die Direktorin befinden sollte. Fast so, als hätte man mich bereits erwartet, wurde die Tür just in dem Moment geöffnet, als ich gegen das Holz schlagen wollte. "Herr Sato! Ich nehme an, Sie kommen wegen Hana, oder?", fragte sie. Ich nickte. "Ist sie hier und geht es ihr gut?", fragte ich sofort. Sie nickte und trat einen Schritt beiseite, so dass ich eine freie Sicht auf die schlafende Schönheit hatte. Eine Welle der Erleichterung spülte durch meinen Körper und ich atmetet erleichtert aus, ehe ich näher an das Bett heran trat. "Frau Yamamoto wollte ein paar Sachen vorbeibringen und ihre ehemaligen Lehrer besuchen gehen, als sie plötzlich zusammen brach", sprach Frau Ieiri, doch ich winkte ab. "Miss Yamamoto hatte heute ohne extra Taschen das Haus verlassen, außerdem weiß ich, dass sich Frau Hashisawa derzeit nicht in der Nähe befindet. Mir ist seit geraumer Zeit bewusst, dass sich Miss Yamamoto den Worten von Frau Watanabe widersetzt und weiterhin Fluchgeister jagt. Ich habe bisher nichts gesagt, weil ich mich nicht einmischen wollte und Miss Yamamoto bisher nur kleineren Monstern aufgelauert ist, aber das ist das erste mal seit ihrem Abschluss an der Akademie, dass sie bewusstlos von einer Austreibung wiederkommt. Ich werde nicht zulassen, dass das ein zweites Mal passieren wird", sprach ich ruhig aber deutlich.
      "Seht, seht. Das sind aber große Worte für einen Wachhund", grinste der Grauhaarige. Wie er mir auf die Nerven ging. Wut loderte mir auf, jedoch versuchte ich die Flamme im Keim zu ersticken, bevor sie sich wie ein riesiges Feuer ausbreiten konnte. "Frau Yamamoto ist die geliebte Tochter von Frau Watanabes verstorbenen Bruder. Wenn ihr etwas zustoßen sollte, bekommen Sie alle ein Problem. Sie hat viele Verbindungen, auch zu Leuten in ihrem Geschäft. Im Gegensatz zu Miss Yamamoto, duldet Frau Watanabe keine Fehltritte -schon gar nicht, wenn es um ihre Familie geht. Ich möchte einfach kein Drama, wenn es meine Auftraggeberin betrifft. Das sollten sogar Sie verstehen", meinte ich und sah zum Grauhaarigen hinüber. "Whoa, sind sie etwa in unsere liebe Hana-chan verknallt?", fragte er direkt. Ich wollte ihm eine scheuern. Ich wollte ihn so gerne schlagen, aber ich musste mich beherrschen. Darum beließ ich es bei einem bösen Blick.
      "Ich werde Miss Yamamoto nach Hause bringen, da kann sie sich ausruhen und wieder zu Kräften kommen. Sie hat in den letzten Tagen nur wenig geschlafen und nicht viel gegessen und sich zudem in ihrer Arbeit verloren", meinte ich. Frau Ieiri nickte. "Dann werde ich mich noch schnell um ihre Erkältung kümmern", sprach sie, doch ich schüttelte den Kopf. "Und dann?", wollte ich von ihr wissen. "Miss Yamamoto würde sich direkt wieder auf ihre Arbeit stürzen und es würde alles von vorne beginnen. Ich halte es für besser, wenn sie die Erkältung aus eigenen Kräften auskuriert und ein eigenes Bewusstsein dafür entwickelt, dass sie es übertrieben hat. Solange sie nicht in Lebensgefahr schwebt, sollte sie ihre eigenen Selbstheilungskräfte nutzen. Außerdem hat sie einige Stunden an Schlaf nachzuholen", meinte ich und Frau Ieiri nickte verstehend. "In Ordnung."
      Ich trat näher an Miss Yamamoto heran und deckte sie auf, ehe ich mich aus meinem Jackett schälte und es der schlafenden Schönheit umlegte. Ich hob sie behutsam auf meine Arme und richtete mich dann an Ieiri. "Ich bringe Sie nach draußen", meinte sie und ich nickte dankend. Doch bevor wir gemeinsam den Raum verließen, drehte ich mich noch mal zu der Nervensäge um. "Verstehen Sie mich bitte nicht falsch. Ich bin ihnen dankbar dafür, dass sie Miss Yamamoto das Leben gerettet haben, aber ich respektiere Sie nicht ein bisschen." Er grinste. "Damit kann ich leben."
      Frau Ieiri brachte mich nach draußen und half mir dabei, die schlafende Yamamoto ins Auto zu bringen, in dem sie mir die Tür aufhielt. Ich schnallte die Blondhaarige an und richtete noch mal mein Jackett, damit sie nicht fror, ehe ich mich erhob und die Autotür vorsichtig schloss. "Ich konnte Miss Yamamotos Schwert gar nicht spüren. Hatte sie es heute nicht dabei?", wollte ich von der Direktorin wissen. "Ah, das dürfte noch an dem Platz liegen, wo der Kampf stattgefunden hat. Ich werde Gojo-san darum bitten, es mir zu bringen. Er ist ohnehin neben Hana der einzige, der es sehen kann. Vermutlich wird Frau Hashisawa Hana noch heute einen Besuch abstatten. Ich würde es ihr einfach mitgeben", meinte die Direktorin und ich nickte dankend. "Frau Watanabe hatte in meiner Gegenwart geäußert, dass Frau Hashisawa zu jeder Uhrzeit ein gerngesehener Gast ist. Ich denke sie wird kein Problem damit haben, sollte sie Miss Yamamoto heute Abend noch besuchen, solange es ihren Heilungsprozess nicht stört." Die Braunhaarige lächelte. "Ich werde es ihr ausrichten, vielen Dank." "Gut, ich werde mich dann auf den Weg machen. Ich werde Frau Watanabe erzählen, dass Miss Yamamoto zusammengebrochen ist und sich den Kopf am Schreibtisch angeschlagen hat, damit wir eine plausible Geschichte für das Blut an ihrem Oberteil haben. Seien Sie also unbesorgt." Frau Ieiri nickte erleichtert. "Vielen Dank und eine gute Fahrt." Ich verbeugte mich noch einmal, ehe ich ins Auto stieg und zur Villa fuhr.
      Natürlich gab es eine große Unruhe, als ich mit Miss Yamamoto auf den Armen das riesige Gebäude betrat. Frau Watanabe war außer sich, bis ich ihr die Lüge auftischte. "Wieso muss es dieses Kind auch immer so übertreiben?!", wollte sie wissen. "Kenji, bring sie auf ihr Zimmer. Und du Maya, zieh ihr bitte passende Schlafkleidung an. Sie muss sich dringend ausruhen", befahl Frau Watanabe. ich nickte und brachte Miss Yamamoto auf ihr Zimmer, wo ich sie auf dem Bett ablegte, bevor ich mein Jackett wieder an mich nahm und das Zimmer verließ. Ich sollte nun wirklich nicht dabei sein, wenn Maya ihre Kleidung wechselte. Stattdessen ging ich zurück an meine Arbeit und versuchte so meinen Kopf frei zu bekommen.
      Nichts kann tiefer verletzen als Wortlosigkeit, nichts kann mehr verwirren als Sprachlosigkeit, lieber komme ich im Chaos des gesprochenen Wortes um, als in der schreienden Stille von endlosen Gedanken…
    • Kento Nanami


      Ich nickte bei Gojos Ausführungen und schloss für einen kurzen Moment nachdenklich die Augen. "Wahrscheinlich werden sich die Fluchgeister entsprechenend der Entwicklung der Menschen und ihrer Technik weiter entwickelt haben, also scheint es weniger verwunderlich, dass wir hier neuen Fähigkeiten begegnen, die selbst einem Überflieger wie dir Schwierigkeiten bereiten können." Ich hob die Augenlider und drehte den Kopf erneut zu Yamamotos ruhig schlafender Gestalt. "Wir sollten sie und Hashisawa fragen, ob ihnen diese seltsame Energie bereits einmal aufgefallen ist und wenn ja, wie oft es dazu kommt oder ob praktisch jeder Fluchgeist diese fremde Energie in sich trägt." Vielleicht hatten sie auch alle keinen Schimmer davon, oder es war eine volkommen neue Entwicklung? Vielleicht hatte Ieiri deswegen eine Semi-Grad 2 Sorcerin auf diesen Auftrag geschickt, weil ihr die drohende Gefahr nicht bewusst gewesen war? Fest stand: Yamamoto hätte jetzt tod sein können... Und das lag nicht vorrangig an ihren mangelhaften Fähigkeiten, sondern besonders an ihrem miserablen Gesundheitszustand. Hing sie etwa so wenig an ihrem Leben, dass sie sich trotz ihres heftigen Fiebers in einen Kampf stürzen musste? Ich betrachtete die schlafende Schönheit mit zunehmend besorgt zusammengezogenen Augenbrauen. Ob ihr Zustand etwas mit ihrer Trennung von diesem Kerl vor ein paarTagen zu tun hatte? Dabei hatte sie am nächsten Tag doch schon wieder so heiter gewirkt. Sollte das nur eine Fassade gewesen sein? Auf jeden Fall musste ich mich nicht mehr darüber wundern, dass Hashisawa sich praktisch konstat um die kleine Blondhaarige sorgte, wenn dieser Wirbelwind anscheinend nicht einmal wirklich Acht auf sich selbst geben konnte und sich stattdessen offenkundig überarbeitete. Ihr Leben sollte in solch jungen Jahren noch nicht so verlaufen... Da war mir das quirlige, laute und aufdringliche Mädchen doch deutlich lieber, als das verletzliche Abbild, dass sie im Moment präsentierte.
      Es wunderte mich wenig, dass Hashisawa sofort zurückkommen würde, nachdem Ieiri sie informiert hatte. Wahrscheinlich würde sie der kleinen sogar eine kleine Standpauke halten, sobald sie wieder fit genug war. Ich wäre sicherlich nichts anders.
      Kaum dass die Frage zur Unterbringung der Bewusstlosen aufkam, stürmte auch schon der schwarzhaarige Junge Mann, welcher uns vor ein paar Tagen die Sachen gebracht hatte, in den Raum. Es war offenkundig, welch intensive Sorgen er sich um die junge Jujutsuistin machte. Mehr als es für einen normalen Familienangstellten üblich schie. Ob er schon lange für sie arbeietete? War die junge Frau für ihn etwa wie eine kleine Schwester, oder etwa...? Ich schüttelte leicht den Kopf. Das war nichts, was mich anging. Fest stand: Dieser Sato strotzte nur so von Pflichtbewusstsein und Fürsorge, außerdem war es ihm gelungen Gojo gelungen Veto zu geben. Er war absolut kein schlechter Kerl.
      "Halt dich mit deinen Kommentaren zurück, Gojo", brachte ich schließlich also etwas ernst ein, während der junge Assistent die bewusstlose Yamamoto behutsam auf seine Arme hob.
      Fest stand, dass die hübsche Blondine bei ihm gut versorgt sein würde, weswegen sich auch meine milden Sorgen schnell wieder besänftigen ließen. Also beobachtete ich einfach, wie der Schwarzhaarige mit ihr auf den Armen das Zimmer hinter sich ließ und schenkte Gojo dafür einen kurzen zornigen Blick. "Warum musst du dich immer wieder mit Menschen anlegen, die es am wenigsten verdient haben?"; fragte ich mit einem milden Kopfschütteln, bevor ich ungefragt damit begann, die mit Blut verschmierten Bettbezüge zu entfernen, die Yamamoto hinterlassen hatte.
      "Das musst du nicht machen", ertönte da auch schon Ieiris sanfte Stimme, nachdem sie zurück gekehrt war. "Ich werde mich drum kümmern."
      "Ich bin sowieso schon so gut wie fertig", winkte ich ruhig ab, hob meinen Kopf in ihre Richtung. "Stattdessen hätte ich eine Frage an dich. Als wir gegen diesen Fluchgeist vorhin gekämpft haben, haben wir einen seltsamen Energiestrom wahrnehmen können."
      Die Augen der Schuldirektorin weiteten sich verräterisch, bevor sie etwas betroffen und seufzend auf einem der zahlreichen Holzstühle im Raum zusammensackte. "Stimmt, davon hätte ich euch vorher berichten sollen. Aber es ist mittlerweile schon praktisch zur Normalität geworden."
      Meine Finger lösten sich von dem abgezogenen Bettlaken, bevor ich der jung gebliebenen Schwarzhaarigen meine vollkommene Aufmerksamkeit schenkte. "Es ist euch also bekannt?"
      Ieiri nickte schwerfällig. "Die ersten Fluchgeister mit dieser Energie sind vor knapp sieben Jahren aufgetaucht. Kimatsu und Hana kennen sie praktisch also schon seit beginn ihrer Jujutsu-Karrieren. Zur gleichen Zeit hat aber auch noch etwas anderes begonnen." Sie zog ein auf den ersten Blick winzig wirkendes Telefon aus ihrer Hosentasche, welches sich allerdings nach mehrmaligen entfalten auf die knapp sechsfache Größe ausweitete - fünzig Jahre Fortschritt waren definitiv nicht zu unterschätzen. "Hier sind die Fallberichte." Nachdem sie ein paar Mal auf dem sanft flackernden Bildschirm herum getippt hatte, überreichte sie mir das auf Tablettgröße angewachsene Handy herüber. "Es hat bisher mindestens zwei Dutzend bestätigte Opfer gegeben. Alle haben den gleichen Verlauf durch. Die Betroffenen klagen Tagelang über wiederkehrende Albträume." Während sie berichtete scrollte ich über die einzelnen Berichte. Die Opfer hatten keine äußerlichen Gemeinsamkeiten. Weder Geschlecht, noch Alter, nicht einmal Staatsangehörigkeit schienen entscheidend. So waren auch zwei Europäer unter ihnen zu finden. Aber die Art wie sie gestorben waren, brachte alle zusammen. Und die Tatorte erstreckten sich über ganz Japan. "Es ist ungewöhnlich, dass ein Fluchgeist so weit reist und seine Opfer aufsucht, außerdem muss er den Betroffenen genug Angst bereitet haben, damit sie ihn ab und an sogar im wachen Zustand gesehen haben. Allerdings beschrieb jeder einzelne ein anderes Monster, welches die entsprechenden Ängste symbolisieren konnte."
      Ich nickte und reichte das Tablett an Gojo weiter. "Aber was soll das genau mit dieser Energie zu tun haben? Nur weil beides zur gleichen Zeit aufgetaucht ist?"
      Ieiri schüttelte leicht den Kopf. "Nein. Aber wir haben auch an den Tatorten dieser Albtraum-Toten eine ähnliche Energie wahrnehmen können. Und besagte Energie scheint sich auch über ganz Japan zu verteilen. Dieser Albtraumfluch scheint an keine Grenzen gebunden zu sein und vielleicht hat er einen Weg gefunden, seine Fluchkraft mit anderen zu teilen."
      Sollte das stimmen, würde das ein immenses Problem bedeuten. Ich hatte schon ein paar Mal erlebt, wie Fluchgeister in gewisser weise zusammen arbeiteten, aber noch nie hatten sie sich ihre Kräfte geteilt. Meine Aufmerksamkeit richtete sich auf Gojo an meiner Seite. "Glaubst du, diese Fälle könnten etwas mit deinen gestörten Fähigkeiten zu tun haben? Blockiert dieser Fluchgeist unseren Rückweg?"
      Bevor wir unser Gespräch aber noch großartig vertiefen konnten, wurden wir ein weiteres Mal unterbrochen. Dieses Mal allerdings von einer unendlich panisch wirkenden Hashisawa.


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      Kimatsu Hashisawa


      "Ihr seid definitiv mehr geworden...", knurrte ich leise, während ich meinen Dolch in den Schädel meines letzten noch lebenden Kontrahenten rammte.
      "Wol-len... sie ein... Ti-ket lö-sen...?", spukte das graublaue Vieh samt einem schwall grünen Blutes noch aus, bevor es entgültig seinen letzten Atemzug tat.
      Ich zog mich derweil etwas erschöpft und seufzend vom Kampffeld zurück. Ich würde nicht behaupten, dass meine Gegner sonderlich stark oder gefährlich gewesen waren, doch leider hatten sich in diesem Familienpark knapp ein dutzend Fluchgeister zusammengerottet gehabt und sechs von ihnen waren "besonders" gewesen. "Ich muss Ieiri-san sagen, dass immer mehr von diesen Mistviechern eine zweite Energie in sich tragen." Seitdem ich meinen Beruf als Jujutsu Sorcerer angetreten war, waren mir diese "besondern" Fluchgeistexemplare bekannt, welche sich nicht nur an ihrer eigenen Kraft zu speißen schienen, sondern auch einen anderen Energiepol anzusapfen vermochten. Beziehungsweise schien sie jemand aus dem verborgenen heraus zu "füttern". Damals war selten mehr als ein Fluchgeist von zehn besonders gewesen, heute traf man bei jedem zweiten Auftrag auf mindestens eines dieser Exemplare. Kein gutes Zeichen. Vor allem da auch die Frequens zwischen den Albtraumopfern zugenommen hatte. "Wir müssen dringend den Ursprung finden...", meinte ich leise zu mir selbst und ließ meinen Rücken lansgam gegen den rauen Stamm eines nahegelegenen Baumes sinken. Für heute war ich kaum noch für etwas zu gebrauchen. Zwar hatte ich mir den Großteil meiner Fluchkraft aufsparen können, aber nach dem heutigen Unterricht und diesem viel zu lange andauernden Kampf hier war ich einfach nur noch müde. Langsam hob ich den Blick zum orangefarbenen Himmel. Die hoch aufragenden Wolkenkratzer der Großstadt vermochten bereits die untergehende Sonne hinter ihrer Skyline zu verbergen, während frischer Herbstwind meinen überhitztem Körper etwas Abkühlung gönnte. Ich hätte so noch Stunden verharren können, hätte einfach die Stille um mich herum genossen und die frische Luft in meine Lungen gesaugt. Aber dafür blieb keine Zeit. Es war bereits spät, ich müsste Ieiri noch einen Missionsbericht schreiben, mich für den morgigen Unterricht vorbereiten und... "Hana hat sich in den letzten Tagen kein einziges Mal bei mir gemeldet." Das war so unglaublich ungewöhnlich zwar nicht, immerhin war sie nicht selten sehr in ihren Modeljob eingespannt, mal davon abgesehen, dass sie hin und wieder ein paar Fluchgeister jagen ging. Aber nicht einmal eine Nachricht? Kein kurzer Text, in dem sie mir weiß machen wollte, dass es ihr gut ging? Keine lustigen Sprachnachrichten, oder kurzen Videos von ihr mit ihrem neu entdeckten Lieblingsoutfit? Die Trennung mit diesem aufgeblaßenen Arschloch hatte sie offenkundig härter getroffen, als ich selbst zunächst vermutet hatte. Dumm nur, dass ich bisher keine Zeit gefunden hatte, mir diesen menschgewordenen Kackhaufen vorzunehmen... Warum mussten denn auch gerade jetzt zusammenfallen? Die zunehmenden Sichtungen von "besonderen" Fluchgeistern, Hanas unerwartet Trennung und zu allem Übel: Gojo und Nanami die aus dem Nichts in unsere welt und Zeitlinie stolperten. Die letzten tage hatte ich kontinuierlich damit verbracht, den viel zu energetisch erscheindenden Promi-Jujutsu-Sorcerer zu ignorieren, egal welchen nervig provokanten Spruch er mir auch an den Kopf zu werfen versuchte. Es war eine reine Last, ernste Themen mit ihm besprechen zu wollen, während ich ihn versuchte über neue Techniken unserer Zeit und Geschehnisse aus der Vergangenheit aufzuklären. Als verspürte er einen inneren Drang alles was ich sagte und erklärte ins Lächerliche ziehen zu müssen... Es war erschreckend, dass ich mich mittlerweile schon bis zu einem gewissen Grad an seine Kommentare gewöhnt hatte und jeder Zeit mit ihnen rechnen konnte, was sie natürlich nicht gerade erfreulicher machte.
      "Ich sollte mich langsam auf den Weg machen." Gerade als ich die schweren Augenlider wieder hob und mich vom Baumstamm abstoßen wollte, trommelte mir mein eigener rockiger Handyklingelton entgegen. "Hana?" Milde hoffend schob ich meine hand in meine hintere Hosentasche und zog das qudratische Klapphändy hervor, nur um eine Sekunde verwundert und alarmiert zugleich die Augenbrauen zusammenzuziehen. "Ieiri-san?"

      Wie hatte ich nur so dumm sein können?! Wieso hatte ich mir nicht merh Sorgen, um Hanas langes Schweigen gemacht? Warum hatte ich sie nicht einmal besucht? Egal wie beschäftigt ich gewesen sein mochte, ich hatte doch gewusst, wie schelcht es ihr nachd er Trennung ging! Ich hätte mir Zeit für sie nehmen müssen! Und jetzt... Jetzt war sie wegen meiner Unbesonnenheit fast umgekommen. Wären Nanami und Gojo nicht gewesen... Ich hätte erneut... Ich warf den Kopf einmal hastig von links nach rechts. Nicht darüber nachdenken! Stattdessen versuchte ich meinen Fokus auf die Straße vor meinen Augen zu legen. Scharfer Wind umspielte meinen Körper und drückte sich sogar durch das dichte schwarze Leder meiner hochgeschlossenen Bikerjacke, während ich härter am Gasgriff drehte und die gute elektrisch betriebene Harley Davidson an den Rand ihrer Belastbarkeit trieb. Selbst das serienmäßig eingebaute Soundmodul - es wäre keine echte Harley ohne den ikonischen Motorenlärm - schien mir mitteilen zu wollen, dass ich es eventuell etwas übertrieb und jaulte ungewöhnlich laut auf. Es war mir egal. Mir waren auch die Blicke einiger entsetzter Autofahrer egal, welche mich immer weider anhupten, während ich ungebremst zwischen ihnen hindruch schlängelte. Ich wollte nur so schnell es ging zurück zur Schule. Wollte mich über Hanas Zustand vergewissern. So schnell es ging. Entsprechend schnell sprang ich vom Bike, kaum dass ich es in der schuleigenen Tiefgarage geparkt hatte, riss mir den Helm vom Kopf und schmiss ihn über den Lenkgriff der Maschine. Kaum zwei Minuten später stürmte ich auch schon durch die Tür des Krankenzimmers. "Hana!" Ich blickte drei wenig überraschten Gesichtern entgegen, Ieiri, Nanami und Gojo, welche bis eben in ein gespräch vertieft zu sein schienen. Wie man den Mienen entnehmen konnte, handelte es sich um ein recht ernstes Thema, was direkt weitere Sorge in mir aufstiegen ließ, bevor ich mich in schwer zu übersehender Panik und Furcht im Raum umblickte.
      "Kiamtsu-chan." Ieiris plötzliche Hand auf meiner Schulter ließ mich erschrocken zusammenzucken. "Hana geht es gut, das habe ich dir doch schon am Telefon gesagt."
      "Aber... wo ist sie dann?" Meine Augen suchten jedes einzelne Bett im Zimmer ab, doch kein einziges war besetzt. In keinem einzigen konnte ich helle Haut und golden schimmernde Haare finden. "Sag mir nicht, du hast sie schon wieder aufstehen lassen!"
      Trotz meines kleinen Ausbruchs blieb die Schuldirektorin ruhig und legte nun auch noch ihre zweite Hand auf meine andere Schulter. "Sato-san hat sie vor ein paar Minuten abgeholt und nach Hause gebracht."
      Ich spührte wie eine Welle der Erleichterung über meinem Körper zusammenbrach und mir endlich wieder erlaubte ruhig einzuatmen. "Ihr geht es also wirklich gut?"
      "Sie hat Fieber und wirkte deutlich überarbeitet." Ich hatte nicht damit gerechnet, gerade von Nanami Auskunft zu erhalten. Entsprechend überrascht richtete sich meine Aufmerksamkeit auf den Blondschopf. Es war unmöglich seine Augen hinter diesem seltsamen Brillengestell auszumachen und auch in seiner ruhigen Stimme vermochte ich keine Emotionen herauszuhören. Doch auch er schien die Lage als durchaus ernst zu betrachten. "Sie hätte in diesem Zustand niemals auf eine Mission gehen dürfen."
      Ich glaubte nicht, dass er mir einen Vorwurf machen wollte und dennoch schnitten seine Worte tiefer als er wahrscheinlich erwartete. Hatte ich mir damals nicht geschworen bedingungslos auf meine Schüler - egal ob aktuelle oder vergangene - Acht zu geben... Ich hatte versagt. Beinahe wäre ein Seufzen über meine Lippen geglitten, doch es gelang mir gerade noch rechtzeitig es hinunterzuschlucken. Dann löste ich mich sanft von Ieiris Händen auf meinen Schultern und schritt auf die beiden jungen Männer im Raum zu. "Nanami Kento, Gojo Satoru", sprach ich klar und verbeugte mich vor jedem einzelnen von ihnen so tief, bis Rücken und Beine einen rechten Winkel ergaben. "Ich bin euch unendlich dankbar dafür, dass ihr Hana vor ihrem Tode bewahrt habt. Wenn ihr nicht da gewesen währt..." Ich biss mir frustriert auf die Unterlippe und hielt mich selbst davon ab, meinen Satz zu beenden. "Ich weiß nicht, wie ich mich dafür erkenntlich zeigen soll, aber ich werde mich irgendwie revanchieren, versprochen." Erneut senkte ich den Kopf etwas tiefer, bevor ich mich langsam wieder aufrichtete.
      "Du musst uns nicht so intensiv bedanken", winkte Nanami sanft ab. "Es liegt in unserer Verwantworten uns Jujutsu Sorcerern gegenseitig beizustehen."
      Ich erlaubte mir bei diesen Worten ein schmales dankbares Lächeln. "Ich kann euch trotzdem nicht genug danken." Dann wendete ich mich erneut an Ieiri. "Auch Ihnen bin ich zu tiefstem Dank verplfichtet. Sie haben Hana geheilt."
      Die Schwarzhaarige schüttelte schmunzelnd den Kopf und legte mir einmal sanft die schmalen Finger aufs Haupt. "Das ist mein Jop, kleines. Und jetzt solltest du dich aufmachen, du willst doch sicherlich auf dem schnellsten Weg zu Hana, nicht?"
      Sie kannte mich zu gut.

      Es war ein erschreckender Anblick gewesen... Alleine die Zerstörung des verlassenen Bahnhofsgebäudes war Zeuge genug für den heftigen Kampf im Inneren... und dann auch noch das Blut welches sich einmal mehr, einmal weniger auf dem Boden verteilt hatte. Hanas einsames Schwert inmitten all dem Geröll. Es war ihre einzige direkte Waffe, welche sie niemals einfach fallen lassen würde... Sie musste wirklich in einem absolut schlechten Zustand gewesen sein, denn selbst wenn der Fluchgeist ein besonderer gewesen sein mochte, wäre sie generell stark genug gewesen, das Monster zu vierteilen. Wie sehr mochte sie sich nur in den vergangenen Tagen übernommen haben? Wieder zog ich das Gas meiner Harley an und ließ den Elektromotor unter Hochdruck arbeiten, bis endlich die imposante Villa der Watanabe-Familie zum Vorschein kam. Das Wachpersonal erkannte mich, kaum dass ich vor dem Tor angehalten hatte und öffnete ohne langes Zögern die Pforten für mich.
      "Sie waren schneller, als erwartet." Sato-san wartete bereits am Eingang auf mich und beobachtete ruhig, wie ich die Harley auf der Kiesauffahrt abstellte. "Frau Watanabe wurde bereits über Ihr Erscheinen informiert", verkündete er und hielt mir fordernd die Hand entgegen, als er das Schwert an meiner Seite erkannte. Ich verstand sofort und händigte ich die Waffe ohne langes Zögern aus. Sollte die Klinge Hanas Tante auffallen, würde das junge Modeltalent reichlich großen Schwierigkeiten gegenüberstehen, dabei hatte sie so schon genug um die Ohren. Bei Sato-san hingegen konnte ich darauf vertrauen, dass er die Sache mit Umsicht behandeln würde. "Sie können Miss Yamamoto gerne direkt in ihrem Zimmer aufsuchen, wenn sie möchten. Allerdings sollten sie versuchen, sie nicht zu wecken, sie braucht dringend etwas Ruhe."
      "Natürlich", versicherte ich mit einem verständnisvollem Nicken und ließ mich dann vom pflichtbewussten Assistenten durch die verwinkelte Villaanlage führen. Zwar kannte ich das Innere des riesigen Gebäudes mittlerweile schon in- und auswendig, dennoch wollte ich mir nicht anmaßen unerlaubt einfach durch die Flure zu stapfen. So begleitete mich der Schwarzhaarige genau bis zu Hanas Zimmer und verabschiedete sich von dort an mit einer leichten Verbeugung. Ich bedankte mich ebenso höflich und schlich mich dann auf leißen Sohlen in das dunkle und ruhige Schlafzimmer. Mittlerweile schafften es kein einziger Sonnenstrahl mir durch die breiten Fenster des Raumes, weswegen ich meinen Augen einige Momente geben musste, bis sie sich an die Düsternis gewöhnen konnten. Doch Hanas ruhiges Atmen lotste mich bereits gekonnt zum breiten und weichen Bett meines geliebten Schützlinges. Dann endlich konnten meine Augen ihre ausgefächerten blonden Haare ausmachen, die sich in geschmeidigen Wellen über dem Kissen verteilten, während ihr blassen Gesichtszüge von Sekunde zu Sekunde deutlicher wurden. Ich näherte mich so leise ich konnte an und hockte mich irgendwann direkt neben die schlafende Schlnheit, hob meine Finger zur hohen Stirn der Blondine und strich ein paar verirrte Strähnen aus ihrem Gesicht. "Sie glüht ja immer noch", säuselte ich leise, dabei meinte Sato-san zuvor noch, dass man ihr bereits Medikamente verabreicht hatte. Ihr Zustand musste wirklich ernst gewesen sein... "Es tut mir so leid, Hana."


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    • Satoru Gojo

      Nanami schien es eher weniger zu gefallen, dass ich über den Wachhund der kleinen herzog. "Ich mag seine Art einfach nicht. Der wirkt auf mich wie ein Wichtigtuer, der keine Ahnung vom Leben hat", meinte ich schließlich schulterzuckend. Er war ja nicht einmal ein Sorcerer. Also brauchte er sich hier nicht so aufspielen. Was könnte der schon Gutes für die Menschheit getan haben? "Außerdem ist es nicht meine Schuld, wenn er sich provozieren lässt und keinen Spaß versteht."
      Nachdem Ieiri Sato und Hana nach draußen begleitet hatte, kehrte sie wieder zu uns zurück und zeigte uns einige Fallakten von Opfern, die einem Fluchgeist mit einer seltsamen Macht erlagen. Ich hörte ihr und Nanami in Ruhe zu, nachdem Letzterer mir das Tablet aushändigte. Auch ich scrollte durch die Opferliste und sah mir die Daten genauer an. "Weite Strecken legt er zurück, sagst du?", überlegte ich. "Wenn zwischen den Opfern bisher noch keine Verbindungen liegen, könnten sie auch willkürlich ausgewählt worden sein. Wenn das der Fall sein sollte, muss es für ihn kein Problem sein, lange Strecken in kurzer Zeit zurückzulegen. Vielleicht ist er in der Lage sich zu teleportieren, wobei ich das eher ausschließen würde. Würde er sich teleportieren, müsste er irgendwo wieder auftauchen. Aber er entzieht sich sogar meinem Six Eyes, weshalb ich glaube, dass er sich anderweitig verbergt. Vielleicht kann er seinen Körper und seine Fluchkraft teilen und auf andere Fluchgeister übertragen und durch diese weiter weg reisen. Ich erkenne etliche Fluchgeister innerhalb Tokios mit derselben Energie und auf diese Weise ist er überall gleichzeitig", sprach ich meinen Verdacht aus. "Oder wir denken noch ein wenig abstrakter und er kann seine Energie nicht nur auf Fluchgeister übertragen, sondern auch auf Lebewesen oder Gegenstände." Meine Stimme klang düster. Wir wussten nur zu gut, was das bedeuten würde, sollte ich mit meiner Vermutung Recht haben: Unser Gegner war überall und nirgendwo und wir würden ihn erst los werden, sollten wir auch den letzten Rest Fluchkraft von ihm ausgelöscht haben. Doch wie sollte uns das gelingen, wenn er sich direkt wieder zurückziehen konnte? Auch bei dem Monster heute Nachmittag, hatte Nanami die Kraft nicht mit besiegt, da sie sich entfernte, bevor er seinen finalen Schlag machen konnte. Das Ganze versprach noch komplizierter zu werden, als anfangs angenommen. "Vielleicht bewegt er sich unter der Erde fort oder über die Luft oder aber über das Wasser in Leitungen und Rohren. Aber selbst wenn wir ihn erwischen sollten, bleibt uns immer noch dieser Albtraumfluchgeist, um den wir uns kümmern müssen. Ich würde vorschlagen, dass wir uns den zuerst schnappen und ihn anschließend zu seinem Kollegen ausquetschen. Wenn wir Glück haben, könnten wir einige Informationen einholen, wenn aber nicht, müssen wir halt wieder bei Null anfangen", warf ich in den Raum.
      Bevor wir aber das Gespräch hätten weiter führen können, kam bereits eine völlig panische Kimatsu ins Zimmer gestürmt. Ihr Blick wanderte unkontrolliert durch das gesamte Zimmer, auf der Suche nach ihrer kranken Schülerin. Ich konnte mir nur zu gut vorstellen, wie es ihr gerade ergehen musste. Ich selbst machte mir auch große Sorgen, um meine Schüler im Diesseits, doch auf der anderen Seite vertraute ich ihnen, dass sie sich solange über Wasser halten konnten, bis wir wieder zurückkehrten. Ich hoffte nur, dass sie egoistisch genug waren, ihr Leben über das der Nicht-Sorcerer zu stellen. Sollten sie dazu in der Lage sein, würde ich einen jeden von ihnen retten können, sobald ich wieder zurück war.
      Shoko versuchte die junge Lehrerin zu beruhigen und klärte sie auf, dass sich Hana bereits auf dem Weg nach Hause befand. Dann aber tat Kimatsu etwas, mit dem ich niemals gerechnet hätte. Sie bedankte sich. Nicht einfach schnell daher gesagt, sondern aufrichtig, ehrlich. Ich winkte ab. "Das war keine große Sache, außerdem haben wir ebenso davon profitiert. Allerdings freue ich mich darauf, wie du uns diesen Gefallen erwidern möchtest", grinste ich kurz. Ich würde ihre Dankbarkeit gut für mich ausnutzen können, um das ein oder andere mal vom Gelände verschwinden zu können. Wobei ich natürlich nicht vor hatte, der jungen Frau unnötig Schwierigkeiten zu bereiten.
      Ieiri übernahm wieder das Wort und erinnerte Kimatsu daran, dass sie doch sicher ihre ehemalige Schülerin sehen wollte. Mein Blick wanderte zwischen den beiden Frauen hin und her, wobei er letztendlich deutlich länger auf Kimatsu hängen blieb. Erst jetzt fiel mir der "rebellische" Look der sonst so anständig gekleideten Frau auf. Sie hatte sich bisher immer sehr sportlich gekleidet, um im Kampf nicht in ihren Bewegungen beschränkt zu sein. Die schwarze Lederjacke schmiegte sich perfekt ihrer Figur an und betonte gewisse Stellen extra gut. Sie wäre definitiv Todos und Yujis Typ gewesen.
      Nachdem Kimatsu verschwunden hatte, richtete sich meine Aufmerksamkeit wieder auf die jung gebliebene Ieiri. "Aber jetzt mal was anderes. Wir haben uns darüber noch gar nicht unterhalten: Was ist mit Yaga passiert?"


      Wir hatten uns noch ewig lang miteinander unterhalten und je mehr ich über diese Welt und ihre Charaktere in Erfahrung brachte, desto mehr wollte ich zurück in meine Dimension und alles begradigen. Dieser verdammte Gakuganji. Ich müsste mich beeilen, wollte ich wenigstens Yagas Tod verhindern. Ich dürfte nicht zulassen, dass mein ehemaliger Lehrer von diesem alten Knacker umgebracht wurde. Allerdings hatte mir Ieiri mitgeteilt, dass Yaga schon kurz nach meiner Versieglung sein Leben lassen musste, weshalb Nanami und mir tatsächlich nur sehr wenig Zeit blieb, um zurückzukehren. Ich hatte mich bisher versucht zu beruhigen, in dem ich mir sagte, dass meine Schüler stark waren und sie sicherlich einige Tage oder sogar Wochen durchhalten könnten, doch dieses Argument war nun völlig wertlos. Sollte ich nicht schnell genug sein, müsste Yaga sein Leben lassen und das dürfte ich keinesfalls zulassen.
      Angespannt und von Trauer ergriffen, hing ich mit meinem Kopf über einem riesigen Papierhaufen. Ich saß auf dem Boden und hatte meinen Rücken gegen das Bett gelehnt, während ich mir immer mehr Berichte zu dem Vorfall in Shibuya und den Fluchgeistern von heute durchlas. Die fertigen Berichte, schmiss ich achtlos auf den Boden und wandte mich direkt dem nächsten. So verging Stunde um Stunde. Es hatte sich mittlerweile eine gewaltige Menge an Wut in mir gestaut, die ich nur noch schwer runter schlucken konnte. So hing ich zähneknirschend über dem Autopsie Bericht von Yaga, welchen Ieiri damals eigenständig verfasst hatte. Ich war zu wütend, um mir Gedanken darüber zu machen, wie es ihr dabei wohl ergangen sein musste, viel mehr füllte sich mein Kopf mit irgendwelchen Racheplänen, sobald ich Gakuganji gegenübertrat. Er müsste sterben für das, was er angerichtet hatte. Auge um Auge, Zahn um Zahn.
      Nichts kann tiefer verletzen als Wortlosigkeit, nichts kann mehr verwirren als Sprachlosigkeit, lieber komme ich im Chaos des gesprochenen Wortes um, als in der schreienden Stille von endlosen Gedanken…
    • Kimatsu Hashisawa


      Ich konnte nicht sagen, wie lange ich einfach an Hanas Bett verweilte und immer wieder vorsichtig die Temperatur der jungen Frau überprüfte. Nach geraumer Zeit schienen auf jeden Fall die Medikamente anzuschlagen. Ihre Atmung wurde deutlich ruhiger und auch ihr Fieber war gesunken. Erst als ich mich von diesen Tatsachen beruhigt fühlte, gestattete ich es mir auch wieder vom Boden aufzustehen und nach einem letzten bedauernden Blick auf die hübsche Blondine den Raum ebenso leise zu verlassen, wie ich ihn zuvor betreten hatte. Ein kurzer Blick auf die Uhr verriet mir, dass ich beinahe eine ganze Stunde in dem Zimme verbracht hatte... Eigentlich sollte ich nun erschöpfter denn je sein, aber seit ich von Hanas Zustand erfahren hatte, schien mein Blut zugleich von Wut und Sorge überzukochen. An Schlaf war da absolut nicht zu denken...
      "Wie geht es Miss Yamamoto." Es wunderte mich nicht, bald schon wieder auf Sato zu treffen, welcher unweit Hanas Tür Wache zu schieben schien. Er mochte kein Jujtsu Sorcerer sein, was ihn in vielen Sachen einschränkte, aber ansonsten war er der beste Bodyguard den ich mir für die junge Frau nur wünschen konnte.
      "Ihr Fieber ist gesunken und sie scheint einfach nur tief und fest zu schlafen", berichtete ich.
      Sofort glitt ein Ausdruck der Erleichterung über die sonst so unbewegte Miene des ehemaligen Secret Service Agents. "Sehr gut."
      Ich kommentierte seine Antwort mit einem milden Lächeln. "Ich sollte mich für heute verabschieden, es ist bereits reichlich spät", erklärte ich und legte mir meine Lederjacke um, welche ich zuvor noch über dem Arm getragen hatte. "Richten Sie Frau Watanabe noch meine Grüße aus, ja?"
      Sato nickte. "Natürlich. Und vielen Dank für ihren Besuch, Frau Hashisawa."
      "Ich habe zu danken", erwiderte ich mich einem sanften Lächeln, während mich der treue Assistent bereits wieder durch die Flure zurück zum Haupteingang begleitete. Nachdem wir uns entgültig verabschiedet hatte, bestieg ich wieder meine Harley und fuhr - deutlich langsamer und vernünftiger dieses Mal - zurück zur Jujutsu High. Wie erwartet lag der Großteil der einzelnen Gebäude auf dem Schulgelände bereits im Dunkeln. Immerhin war es nicht mehr weit bis Mitternacht und doch wusste ich genau: Ich würde heute kein Auge zu bekommen.
      So stapfte ich möglichst leise - da gab es schließlich noch zwei eventuell schlafende Mitbewohner - in mein Wohnabteil und schälte mich aus meinen Bikerklamotten. Wechselte die Lederausrüstung gegen einen gemütlichen grauen Pulli mit Rollkragen und weiter schwarzen Jogginghose. Kaum steckte ich in dem neuen Outfit ließ ich die Wohnung auch schon wieder hinter mir, wanderte mit weiten Schritten über die Schulanlage und suchte die großangelegten Parkbereich mitten auf dem Gelände auf. Seit ich denken konnte, konzentrierte ich jegliches angestaute Gefühl, sei es Wut, Trauer oder Frust, in meine Fluchtechniken. Ich trainierte meinen Körper und Geist, versuchte neue Kampfstrategien aus und übte mich an erweitereten Fähigkeiten meiner Fluchkraft. Es kam nicht gerade selten vor, dass man mitten in der Nacht gegen Flüche antreten musste, manche von ihnen zeigten sich am Tag nicht einmal. Entsprechend wichtig war es also, dass ich meine Fähigkeiten auch in solcher Dunkelheit beherrschte. Allerdings verkrochen sich die meisten tagaktiven Insekten des Nachts in ihren Bauten und waren daher für meine Technik reichlich unnütz. Doch auch im Licht des Mondes ließen sich tausdende kleine Krabbeltierchen finden. Unter anderem diverse Nachtfalter, welche ich soeben mit geschlossen Augen zu "ertasten" versuchte, um sie schließlich mit meiner Fluchteilung unter meine Kontrolle zu bringen. Eine Technik an der ich noch einiges bauen und verbessern müsste, vor allem da die umher taumelnden Nachtfalter deutlich schwerer zu kontrollieren waren, als Fliegen, Bienen und dergleichen. Aber ich wurde mit jedem Mal besser. Ich konnte mein Bewusstsein immer häufiger mit einzelnen Tieren teilen, konnte sehen, was sie sahen, hören was sie härten, fühlen was sie fühlten. So tastete ich mich mit ihnen über das ganze Schulgelände, umsegelte die einzelnen Gebäudekomplexe, bis mich der angeborene Instinkt des Falters wie von selbst zu dem Licht eines einzelnen Fensters zog. Wer war denn noch so spät wach? Musste ich etwa einen der Schüler ermahnen?
      Halt! Ist das nicht-?!
      Ich schloss meine eigenen Augen und fixierte meine Aufmerksamkeit nur noch auf die sich des Falters. Ich hatte mich mittlerweile an die schwindelerregende Sicht der Facettenaugen dieser Tiere gewöhnt und hatte sogar eine Möglichkeit gefunden die tausenden kleinen Bilder zu einem vernüftig großen Gesamtbild zusammenzufügen. So konnte ich mir bald sicher sein: Dieses Zimmer war eines meiner eigenen. Genau genommen, eines meiner Gästezimmer und im Inneren... Gojo Satoru? Was machte er da nur? Warum hockte er so auf dem Boden und wieso wirkte er nur so... niedergeschlagen und wütend? Was waren das nur alles für Unterlagen um ihn herum?
      Ich lotste den Falter näher an das Fenster heran, bis er beinahe gegen die Glasscheibe stieß. Waren das...? Berichte zu dem Shibuya Vorfall, Unterlagen zu den "besonderen" Fluchgeistern und zuletzt ein Autopsiebericht? Yaga Masamichi. Wer...? Ich stockte und öffnete meine Augen, trennte die Verbindung zwischen Insekt und mir. Yaga-sensei. Natürlich! Ieiri hatte schon so oft von dem ehemaligen Schuldirektor gesprochen, welcher nicht nur ihr sondern auch Gojos alter Lehrer gewesen war. Nach der Sache in Shibuya hatte in der Jujutsuisten-Rat recht schnell auf die Abschussliste gesetzt und... nun ja...
      Mein Kopf hob sich in die Richtung in der sich auch meine Wohnung finden ließ. Zwischen den dutzenden Bäumen und auch aufgrund der Entfernung war es mir nicht möglich das erleuchtete Fenster auszumachen, aber ich wusste genau, wo es war. Und ich wusste noch etwas anderes: Gojo Satoru war nicht nur eine wandelnde Nervensäge. Er war auch ein normaler Mensch, der sich ehrliche Sorgen um die Menschen um sich herum machte und Wut für gefallene Kameraden und Freunde empfinden konnte. Doch anstatt diese tiefen Gefühle und bedenken offen zu zeigen, versteckte er sie lieber in der Nacht in einem kleinen Raum... Ein Seufzen wanderte langsam über meine Lippen, während ich Daumen und Zeigefinger an die Nasenwurzel hob und dort massierend auf und ab rieb. Ich konnte noch immer nicht behaupten, den Silberhaarigen als übermäßig sympathisch zu empfinden, aber ich verstand, dass ich zu früh über ihn geurteilt hatte. Außerdem war ich ihm wegen Hana noch zu Dank verpflichtet.
      Nach kurzem Bedenken brach ich schließlich mein kurzweiliges Training ab und wanderte zurück ins Schulhaus, begab mich auf kürzten Weg in mein Zimmer und schnappte mir meinen Laptop samt diverser fein säuberlich abgehefteten Unterlagen aus dem Schrank. Keine zehn Sekunden später klopfte ich auch schon gegen Gojos Zimmertür. Ich wusste genau, dass er mich trotz des Holzbrettes zwischen uns sehen konnte und machte mir daher nicht die Mühe mich anzukündigen, bevor ich die Klinke auch schon hinunterdrückte. Wortlos umrundete ich die dutzenden Blätterstapel auf dem Boden, suchte mir den einzig freien Platz auf dem Boden und platzierte Laptop und Order zwischen den Silberhaarigen und mich. "Ieiri-san wird dir wahrscheinlich schon einiges berichtet haben", eröffnete ich ohne große Erklärung und öffnete den ersten Bericht zu einem "besonderen" Fluchgeist auf meinem Rechner. "Aber ich habe in den letzten Jahren jeden Kampf zwischen einem dieser seltsamen Exemplare und mir genauestens dokumentiert." Als nächstes schlug ich den ersten Order auf und präsentierte Exeltabellen und Landkarten von Tokyo und ganz Japan. "In letzter Zeit treten sie immer häufiger auf, wobei der Anstieg solcher Fälle nicht gleichmäßig ist sondern immer deutlicher wird." Während ich erklärte wanderte mein Zeigefinger über das bedruckte Papier. "Die Opfer lassen sich zwar vermehrt in Großstädten mit enger Infrastruktur finden, aber sind nie nur auf einen Ort fixiert. Außerdem scheint das Muster der Angriffe absolut willkürlich." Dann scrollte ich auf meinem Laptop zu einer bestimmten Mission, die ich vor knapp einem Jahr erledigt hatte. "Es kommt immer wieder vor, dass ein Fluchgeist mehr dieser fremden Kraft in sich trägt als ein anderer. Ich weiß nicht, ob es etwas mit Kompatibilität oder ursprünglicher Stärke zu tun hat. Fest steht: Umso stärker diese zweite energie, desto gefährlicher der Fluch. Doch sie zieht sich immer rechtzeitig zurück, bevor es mir gelang den Fluchgeist zu exorzieren." Mein Blick hob sich vom Bildschirm und suchte Gojos - zugegeben - wunderschönen Augen hinter den abgedunkelten Brillengläsern. Ich hatte ihn nicht gefragt, ob er meine Hilfe bräuchte, hatte sie ihm nicht angeboten. Irgendetwas sagte mir, dass er jegliches Angebot wahrscheinlich sowieso abgelehnt hätte. Also wäre es doch viel einfacher, einfach die Initiative zu ergreifen. Umso eher könnten wir beiden wohl zu einem Ziel finden. "Zum Shibuya-Vorfall kann ich dir leider nicht allzu viel sagen, aber ich kann dir jederzeit Zugriff auf die Zentrale Datenbank geben, solltest du genauere Recherchen durchführen wollen."
    • Satoru Gojo

      Ich war noch immer so wütend, dass es mir schwer fiel, an mich zu halten. In der Regel handelte ich nicht aus einem Impuls hinaus oder weil ich emotional aufgeladen war, doch dieser elende Bastard von Gakuganji konnte sich verdammt glücklich schätzen, dass ich gerade in einer anderen Zeitzone feststeckte und ich somit nicht an ihn heran kam. Doch das Glück würde ihm nicht ewig treu bleiben. Sobald ich hier weg war, würde ich Yaga retten und dem alten Sack den Gar ausmachen. Er würde meine Rückkehr nicht überleben, soviel stand fest. Darum war es umso wichtiger herauszufinden, wie die Zeit hier floss und wie Nanami und ich wieder zurück in unsere Zeitzone kamen. Fest stand nur: Wir mussten uns beeilen, denn Yaga würde kurz nach unserem Verschwinden ins Gras beißen. Wäre da nur nicht dieser elende Fluchgeist, der meine Fluchkraft störte. Wäre er nicht, würden Nanami und ich uns schon lange wieder in unserer Zeit befinden.
      "So viel zu erledigen und so wenig Zeit", sprach ich leise, während ich auf den Autopsie Bericht von Yaga starrte. "Ich darf nicht versagen. Zu viel hängt von meinem Sieg ab."
      Viel zu spät bemerkte ich Kimatsus Fluchkraft vor meiner Zimmertür. Ich war unachtsam gewesen, was mich ein wenig beunruhigte. Normalerweise entging meinem Six Eyes nichts. Du fängst an zu schwächeln, Gojo Satoru. Ich müsste mich wieder zusammenreißen und einen kühlen Kopf bewahren, sonst könnte ich die Rettung von Yaga komplett vergessen. Nanami mochte zwar ein kluges Köpfchen sein, jedoch glaubte ich nicht daran, dass er eine Lösung für unsere Rückführung finden könnte. Das überstieg sogar seinen Horizont. Außerdem war ich von uns allen der Stärkste und hatte uns zudem erst in diese missliche Situation gebracht, also war es nur logisch, dass es an mir lag, eine Lösung zu finden. Es war nicht immer leicht der Stärkste zu sein, vor allem wenn man noch Gojo Satoru war.
      Die Tür zu meinem Zimmer öffnete sich und erst, jedoch machte ich mir anfänglich noch nicht die Mühe, zu Kimatsu hinaufzuschauen. Erst als sie sich ungefragt mit ihrem Laptop und Ordnern, neben mich auf den Boden platzierte schaute ich zu ihr hinüber und fixierte sie mit meinen Augen, welche über den Rand der Sonnenbrille schauten. Ich brauchte nicht zu fragen, was sie da tat oder was das werden sollte, sobald sie fertig war, jedoch war ich neugierig wegen ihres Motives. Allerdings hatte ich auch dieses recht schnell gefunden: Sie wollte uns so schnell wie möglich los werden. In den vergangenen Tagen hatte die Silberhaarige kein großes Geheimnis daraus gemacht, wie wenig sie mich ertragen konnte und sicher war es ihr auch wichtig, dass das Gleichgewicht zwischen den Dimensionen wieder hergestellt war -wobei letzteres sicher das kleinere Tatmotiv darstellen dürfte. Ich hatte scheinbar einen guten Job damit geleistet ihr derartig auf die Nerven zu gehen, wenn sie nach so einem langen und vor allem ereignisreichen Tag, zu mir kam und mir bei der Lösungsfindung half. Wenn mir aber die dunklen Ringe unter ihren Augen ansah, wollte mir ihre Hilfe irgendwie nicht gefallen. Sie hatte erwähnt, dass sie die nächsten Tage einige Missionen hatte, weswegen sie so viel Erholung bekommen sollte, wie sie nur kriegen konnte. Ich würde Kimatsu nur ungern in der selben Verfassung wiederfinden, wie Hana am heutigen Nachmittag.
      Ein flaues Gefühl machte sich in meinem Magen breit, als sich das Bild einer schwerverletzten Kimatsu vor meinem inneren Auge schob. Allerdings versuchte ich eben jenes Gefühl zu ignorieren, da ich wusste, dass es unbegründet war. Die junge Frau war stark und vor allem fähig und gleichzeitig wusste ich, dass ich schnell genug sein würde, um sie vor größerem Schaden schützen zu können. Solange ich hier war, würde niemandem dieser Leute schlimmeres zustoßen.
      "Das wäre hilfreich, danke", meinte ich, als sie von der Datenbank des Shibuya-Vorfalls zu sprechen begann. Ieiris Erzählungen nach, hatten es zumindest meine Schüler lebend aus den Kämpfen geschafft, aber es wäre trotzdem ein großer Vorteil für uns, wenn wir so viel wie möglich über den Kampf von Shibuya wüssten.
      "Wenn sich die Energie des anderen Fluchgeistes immer rechtzeitig zurück zieht, sollten wir uns auf den wahren Körper konzentrieren. Wir haben nicht genug Zeit, um uns mit irgendwelchen uninteressanten Handlangern herum zu schlagen. Dazu müssen wir aber erst wissen, wie er sich fortbewegt. So erfahren wir auch, wie er sich vor meinem Six Eyes versteckt hält und können agieren. Auf diese Weise finden wir sicher schnell einen Weg zurück", sprach ich ruhig, während sich mein Blick wieder auf das Dokument in meiner Hand richtete. Ich legte es behutsam in den dafür vorgesehenen Ordner zurück und rückte stattdessen etwas näher zu Kimatsu heran, damit ich eine bessere Sicht auf den Laptop auf ihrem Schoß hatte. "Ich frage mich, ob es noch mehr von ihnen gibt, oder sie wirklich nur zu zweit kämpfen", meinte ich ein wenig nachdenklich. "Ah... Eigentlich ist es auch egal. Es wird sowieso keiner von ihnen erleben."

      Kimatsu und ich saßen noch eine ganze Weile auf dem Boden und führten Recherchen durch und unterhielten uns, ehe mein Blick irgendwann auf die Uhr an der Wand fiel. Es war bereits 1:46 Uhr und ich hielt es für das Beste, es hierbei zu belassen.
      "Du solltest langsam auf dein Zimmer gehen und ein wenig Schlaf finden", meinte ich schließlich. "Ich danke dir für deine Hilfe. Aber wir haben beide nichts davon, wenn du dich genauso überarbeitest, wie es Hana gemacht hat." Ich räumte einen Teil der Papiere auf dem Boden zusammen. "Solltest du bei deinen künftigen Missionen Hilfe brauchen, ruf mich an", meinte ich noch. "Sieh es als eine Rückzahlung für deine harte Arbeit."
      Nichts kann tiefer verletzen als Wortlosigkeit, nichts kann mehr verwirren als Sprachlosigkeit, lieber komme ich im Chaos des gesprochenen Wortes um, als in der schreienden Stille von endlosen Gedanken…