Empire of the Skies [Zenik & Icecold]

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    • Empire of the Skies [Zenik & Icecold]

      Empire of the Skies
      by @Icecold & @Zenik

      Fantasy, Demons, Magic, Medieval, Dystopie, Romance



      - Vorstellung -

      Arkadia gilt als größte Reich seiner Zeit. Es umfasst eine Vielzahl von Ländereien und seine Hauptstadt, eine Stadt, die in den Wolken schwebt bildet das Kronjuwel Arkadias. Die Stadt, die auf den Namen Aerion hört, bildet den Mittelpunkt der damaligen Welt. Hier lebten die Politiker, Geistlichen und Eliten des arkadischen Reiches. Mit ihren Anwesen hoch oben in der Luft hatten sie sich schon lange von den irdischen Problemen gelöst und genossen ein Leben im Überfluss. Dekadenter Luxus bestimmte den tagesalltag der oberen Zehntausend, während auf dem Boden im Schatten ihrer prächtigen und edlen Stadt eines der größten Slums, das die Menschheit jemals gesehen hatte, entstand.

      In dem Slums von Aerion lebte eins der Magier. Als er - zusammen mit einigen anderen Bewohnern - in den Genuss des Aufstiegs kam, wusste er noch nicht was ihm bläute. Der Aufstieg ermöglichte es den Bewohnern der Slums nach Aerion zu gehen, denn für gewöhnlich kam kein Sterblicher nach Aerion. Es war ein fest abgeschlossenes Paradies für jene, die dort geboren wurden. Sonst kam kaum jemand in den Genuss des dortigen Luxus'. Als der Magier den Aufstieg vollzog, spürte er, was sich eigentlich hinter der verschönernden Bezeichnung verbarg ... es handelte sich dabei lediglich um die Auslese einiger Testobjekte, die die Wissenschaftler Aerions für einige Experimente brauchten. keiner der Auserwählten würde ein besseres Leben in Aerion führen.
      Während die meisten Menschen dafür geopfert wurden, um mit ihrer Lebensenergie Portale in neue Welten zu öffnen, wurde der Magier dazu auserkoren eine dieser neuen Welten zu betreten. Da dem Magier nichts anderes übrig bliebt, kam er der Aufforderung nach und durchschritt das Portal ... erst einige Zeit spätwer kam er wider Erwarten zurück und wurde bald darauf - aufgrund seines rätselhaften Widerauftauchens zu einem neuen Symbol der Hoffnung und ein Zeichen für den möglichen Aufstieg vom Slumbewohner zum privilegierten Bürger in Aerion.

      Die Wissenschaftler Aerions führten in ihrer unbegrenzten Neugierde Experimente zu Raumrissen durch. Dabei erzeugten sie mittels Lebensenergie, die man lebenden Organismen abzweigen musste, so genannte Portale. Durch diese kam man in eine unbekannte Welt, aus der den Sagen nach die Dämonen stammen sollten. Bisher kam keine Menschenseele aus diesen Abgründen zurück - einzige Ausnahme bildet der Magier ... doch seit seiner Rückkehr wirkte er anders. So anders, dass es die legendäre Sondereinheit Aerions PLUS ULTRA auf den Plan ruft. Die Einheit befürchtet, dass der Magier durch das Betreten des Dämonenreichs korrumpiert wurde. Zu dieser These stellt die Einheit Nachforschungen an, während der Magier immer mehr die politischen Fäden des arkadischen Reiches an sich reißt.

      Um die Machenschaften des Magiers zu enttarnen, schickt die Einheit PLUS ULTRA eine Sondereinheit in eine verlassene Bergegegend, die lediglich von einem autonomen Stammesvolk bewohnt wird. Dort soll das Team eine Anomalie untersuchen, die dazu im Stande sein könnte einen Portalriss zu erzeugen, mit dessen Hilfe man in das Dämonenreich reisen kann.
      Der Magier spürt die mögliche Intervention durch die ULTRAS uns setzt 2 Söldner auf die neue Sondereinheit der ULTRAS an.

      - Besetzung -

      @Icecold - Kaelrion Vanarias Sohn & Glarus
      Zenik - Nasha Devaughn & Liwanag
      Someone asked me to reflect on myself,
      after thinking three times,

      I'm still not at fault!
      Some people say I am a big devil, but I love how irritating indecisiveness is.

      You said just take a breath and just live,
      one day you will realize your dream.
      I say just live hard and you will find:

      "You will find good things always happen to others."

      Dieser Beitrag wurde bereits 3 mal editiert, zuletzt von Zenik ()

    • Aufwachen hatte sich noch nie zuvor so schmerzhaft angefühlt. Trockenes Blut klebte noch an ihrer aufgeplatzten Lippe und der Versuch sich aufzusetzen, scheiterte vorerst daran, dass ihr ein stechender Schmerz durch die linke Seite fuhr. So langsam kehrte auch die Erinnerung zurück, die Erinnerung daran, wie einer ihrer Kameraden sie wie aus dem Nichts erbarmungslos attackiert hatte.
      Eigentlich hätte es sie nicht wundern sollen, dass sie nicht gerade beliebt unter den Anderen war, aber dieser Hinterhalt passte trotz allem nicht zu ihnen, da sie doch immerhin alle dasselbe Ziel verfolgten und keiner ungern mit leeren Händen oder viel mehr mit einem Teammitglied weniger wieder zurückkehren wollte. Nein, das Ganze war nicht gewollt gewesen. Zwar war sie nicht gut genug im Nahkampf gewesen, um sich zu behaupten, aber sie konnte an den Augen ihres Gegenübers deutlich erkennen, dass er nicht aus freien Stücken zu seiner Waffe gegriffen hatte, um sie aus den Weg zu räumen.
      Bevor sie sich weiterhin darüber den Kopf zerbrechen konnte, wie sie nun eigentlich hier gelandet war und wo sich letztendlich ihre restlichen Kameraden aufhielten, öffnete sich die Tür. Eine beißende Kälte breitete sich rasend schnell aus und erfasste alarmierend ihren Geist. Jemand war im Raum, der nicht ihrem Team angehörte, aber dafür eine Präsenz ausstrahlte, die Nasha nur allzu vertraut war. In den letzten Jahren hatte sie genauestens gelernt derartige Schwingungen zu deuten; sie sogar, trotz aller Versuche, sie zu kaschieren, zu durchschauen. Nur deswegen war sie mit den Anderen auf diese Mission entsendet wurden, weil es Niemanden gab, der so gut darin war Dämonen auszumachen wie sie.

      Zu ihrem Pech hatte man ihr natürlich den größten Teil ihrer Ausrüstung abgenommen, aber wie sich herausstellte war zum Glück Niemand an ihren Haaren gewesen, denn diese waren immer noch zu einem länglich geflochtenen Zopf zusammengebunden. Wenn sie also jetzt nicht schnell handeln würde, dann könnte es jeden Moment vorbei sein; dann wäre alles umsonst gewesen. Also setzte sich sich auf, bereits im Klaren darüber, dass sich ihre schmerzenden Seite erneut melden würde. "Den Augenkontakt zu dem befallenen Wirt bestmöglich vermeiden", hallte es in ihrem Kopf wider, eine der Lektionen die man ganz zu Anfang in der Einheit eingebläut bekommt. Ein letzter Atemzug, dann griff sie nach der verzierten kleinen Klinge, welche ihren Zopf zusammenhielt; getarnt wie eine Art hübsche Brosche, sodass sie das perfekte Ass im Ärmel ergab. Ihr Blick fiel zur Seite, zum Fremden mit der düsteren Präsenz, die ihn wie ein aufbrausendes Gewitter zu umgeben schien; ihr Arm holte aus, die kleine Klinge schnellte direkt auf ihn zu. Es war nicht notwendig, dass sie ihr Ziel traf, sie diente einem gänzlich anderem Zweck, denn einen Befallenen konnte man weder mit roher Gewalt noch mit dem Tod erlösen.

      Die Klinge musste nicht treffen, sie musste ihr nur Zeit verschaffen. Sie würde einen Moment benötigen, um ihre Worte aufzusagen und damit eine geistige Verbindung zwischen ihnen beiden zu schaffen. Waren die Worte erst einmal ausgesprochen, würde sich ihr der Dämon nicht mehr so einfach entziehen können, er würde sie anerkennen müssen. "Forsan miseros melio-", ein plötzlicher Hustenanfall hinderte sie daran ihre Worte zu Ende zu sprechen. Ihre Seite schmerzte nun wieder so stark, dass sie sie mit ihrer Hand stützen musste. Sie war eben doch angeschlagener von den vorigen Ereignissen als sie dachte.
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    • Kaelrion

      Es war ein Tag wie jeder andere, dachte sich Kaelrion. Doch der heutige sollte sein Leben auf den Kopf stellen. Als er gerade im Wald war, um nach einem geeigneten Tier zum Erlegen Ausschau zu halten, bebte die Erde unter seinen Füßen. Seine langen Ohren richteten sich auf und er sah sich fragend um. Das Beben das er bis in seine Schultern spürte, war stark und er hatte eine Befürchtung, welche Quelle so ein starkes beben ausgelöst haben könnte. Kalerion lief zu ihrem Heiligtum am Hal'drall-Berg. Am Eingang zum Heiligtum lagen bereits einige Steine, die sich von der Decke gelöst haben. Kaelrion zog seine Axt und betrat die Höhle.

      Als bald erreichte er den Mittelteil des Baus, wo weitere Steine ihm den Weg versperrten. "Verflucht", raunte er und wollte sich gerade daran machen, einige Steine aus dem Weg zu räumen, ehe ihm seine dämonischen Instinkte auf ein Wesen hinter ihm aufmerksam machten. Er drehte sich um und erspähte eine junge Frau. Kalerion ging auf sie zu, ehe sich diese auch aufrichtete und mit einmal auf ihn los stürmte. In ihrer Hand hielt sie ein kleines Messer - vielleicht nicht mehr als ein Küchenbesteck, aber keine ernstzunehmende Waffe für den groß gewachsenen Blutelfen. Doch ehe die Frau seine Kehle erreicht, überfiel sie ein Hustenanfall.

      Kaelrion packte sie am Hals und drückte sie gegen die Felswand. Dabei fielen ein paar kleine Steine herunter. "Wer bist du?", raunte der Blutelf und sah sie wütend mit seinen grünen Augen an. "Bist du eine diese Nonnen, die unser Heiligtum zerstören wollen? Ist es euch endlich gelungen?", wurde er lauter, sodass seine Stimme durch die ganze Höhle hallte. "Was soll das?" Er drückte ihren Hals etwas fester und ließ dann ein bisschen lockerer, wollte er sie doch nicht gleich umbringen.
      Wenngleich Kaelrion so wütend war, was sie mit ihrem Heiligtum angestellt hatten. "Sprich lieber klar oder ich werde für nichts garantieren, Nonne", murrte der große Elf und musterte sie dabei. Er erspähte ihr kleines Messer. Mit einem unterdrückten Lachen, nahm er es an sich. "Du solltest dir schon mehr als einen Zahnstocher suchen, wenn du mich angreifen willst." Der Elf sah die Frau eindringend an und fragte sich noch immer, was sie hier trieb.

      "Die Hl'drall-Höhle ist das Heiligtum meines Stammes ... und ihr habt es begraben. Unter Steinen", stellte er immer noch fassungslos fest und schüttelte den Kopf. Dabei merkte er, wie sein Griff nachließ und er drückte die Frau wieder fester gegen die Wand. "Nun sprich, was war dein Plan? Oder soll ich dich gleich hier opfern?" Kaelrion konnte seine Wut kaum verbergen. Seit der Initiation fiel ihm das noch schwerer, doch sein Stamm schöpfte aus diesen Gefühlen auch seine Kraft.
      "And on the pedestal these words appear
      ‚My name is Ozymandias, king of kings
      Look on my works, ye Mighty, and despair!‘

      Nothing beside remains. Round the decay
      Of that colossal wreck, boundless and bare
      The lone and level sands stretch far away."

      ~ "Ozymandias" by
      Percy Bysshe Shelley
    • Nasha

      Ein schmerzerfüllter Schrei entsprang ihrer Kehle als sie mit voller Wucht gegen die Felswand gepresst wurde. Warum auch nur musste ihre Stimme gerade jetzt versagen? Sie hätte es besser wissen müssen. Ihr Gegenüber war nicht nur mächtig durch den dämonischen Einfluss, der durch ihn strömte, sondern auch unvorstellbar stark. Seine bloßen Hände schnürten ihr die Kehle zu, was es wahrlich schwierig machte zu atmen. Als er ihr dann noch die Klinge aus der Hand entriss, wurde ihr endlich voller Entsetzen bewusst, dass er ihr meilenweit überlegen war und ihr Leben vermutlich mit einem einzigen schnellen Handgriff beenden könnte. Bewusst ließ er sie immer wieder nach Luft ringen, aber nicht um sie zu quälen, sowie sie es von einem Dämon erwarten würde, sondern weil er sich doch tatsächlich Antworten von ihr erhoffte. Was würde ihm das jetzt noch bringen?

      "...D-Dämon." Das einzige Wort, dass ihr gerade so über die Lippen kam, bevor sich der Griff um ihren Hals erneut verstärkte. Verzweifelt versuchte sie den festen Griff wieder zu lockern, krallte dabei ihre Nägel tief in seine Haut, aber es brachte alles nichts. Er würde sie niemals ziehen lassen.
      Anhand ihres Abzeichens, welches ihre Kleidung zierte, wusste er bereits genau, dass sie eine Ultras war; gesandt aus einer Gott verdammten Stadt, die wortwörtlich über allem stand. Sie hatte bereits gehört, dass ihnen nicht alle Völker Arkadians wohlgesinnt waren. Aber es das erste Mal am eigenen Leib zu spüren war nun mal eine gänzlich andere Erfahrung.
      Was blieb ihr also noch anderes übrig, als wenigstens seinen Worten Gehör zu schenken, denn immerhin schien es nicht nur der Dämon allein zu sein, der durch ihn sprach. Das hier war anders, anders als alles was sie je zuvor erlebt hatte. Kein Befallener war jemals in der Lage gewesen noch einen klaren, eigenständigen Gedanken zu fassen, sobald ein Dämon in ihn gefahren war.
      Warum also schwing noch so viel Emotion, so viel unausgesprochenes Leid, in seiner Stimme, wenn er sie für den Unfall in der Höhle verantwortlich machte.
      Ihre zitternden Hände ruhten nun behutsam auf den seinen, ohne weiteren Widerstand. Hoffentlich würde er verstehen, dass sie damit zeigen wollte, dass sie nun bereit war zu reden. Es funktionierte, sein Griff lockerte sich ein wenig und umgehend rang Nasha nach Luft. "I-Ich will dir nicht schaden. Ich... ich wollte helfen. Ich weiß, dass ein Dämon in dir ruht. Ich kann dich von ihm befreien." Es reichte nicht. Sie konnte es deutlich an seinem Blick erkennen. Entweder glaubte er ihr nicht oder aber er verspottete ihren Versuch ihm ihre Hilfe anzubieten.

      Was hatte er eigentlich noch zuvor über diese Höhle erwähnt? Er nannte diesen Ort hier heilig. Die Höhle, wo die Anderen die Anomalie vermutet hatten und welche sie versuchte zu verlassen, weil sie ein ungutes Gefühl dabei hatte sich dort aufzuhalten; fast so als gehöre es sich nicht, sich dort unerlaubt herumzutreiben. So langsam ergab alles einen Sinn.
      "Wenn du mich umbringst, dann wirst du nie erfahren, was die Forensiker dort drinnen entdeckt haben." Es war keine direkte Lüge, aber sie hasste sich trotzdem ein wenig dafür, dass sie sich gerade genau wie ihr Vater anhörte. "Falls es dir nicht aufgefallen ist, ich bin verletzt. Ich wurde von einem meiner Kameraden angegriffen. Deshalb kann ich dir nicht sagen wie es zu dem Einsturz kam. Aber wir sind nicht grundlos hierher entsendet wurden. Es gibt hier etwas, dass wir in Erfahrung bringen müssen. Wenn ich also nicht wohlauf nach Aerion zurückkehre, um Bericht zu erstatten, dann wissen sie, dass die Gerüchte wahr sein müssen. Und weißt du was das bedeutet?" Sie erlaubte sich eine dramatische Pause, starrte ihm genauso eiskalt in die Augen, wie er es zu Anfang mit ihr getan hatte. "Sie werden weitaus mehr als einen kleinen Trupp von Ultras hierher schicken und ich verspreche dir, die werden nicht ruhen bis sie hier nicht jeden Stein mindestens dreimal umgedreht haben."
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    • Kaelrion

      Der Elf sah die junge Frau misstrauisch an, schenkte ihren leisen Worten aber dennoch Gehör. Sie bot ihm an, ihn von seinem Dämon zu "befreien". Daraufhin hob der Große eine Augenbraue, ehe er schwach lachte. "Wir teilen nicht dieselbe Ansicht, was Dämonen angeht", schüttelte er den Kopf und ließ seinen Griff um ihren Hals bestehen. Ehe er noch etwas dazu sagen konnte, erklärte sich die Frau und erwähnte ein wissenschaftliches Team. Kaelrions Blicke verfinsterten sich. "Hier sollte niemand rumschnüffeln. Es geht weder euch Menschen noch die ULTRAS etwas an", rümpfte er abstoßend die Nase.
      Die Frau erklärte, dass sie von ihren Kameraden angegriffen wurde und bald - ohne Bericht - mehr von den ULTRAS hier auftauchen würden. Kaelrion lachte auf. "Das wäre endlich mal etwas Spannendes hier. Ich hatte schon lange keine würdigen Gegner mehr", lächzte der Blonde und löste dann den starken Griff um den Hals der Frau. Er sah sie noch immer verärgert an und spürte dennoch etwas Gütiges in ihr, das ihn irgendwie beruhigte. Er seufzte leise als er ihre Wunden sah und stellte sie mit den Füßen auf den Boden ab.

      "Das geschieht euch Recht. Ich hoffe ihr ULTRAS begeht nicht alle eure Missionen so naiv.", schüttelte er den Kopf und sah über seine Schulter zu den Steinen. "Die Reaktion deiner Kameraden ist völlig normal", erklärte er und musterte nochmals die Frau, die sich schmerzend ihre Seite hielt. "Ihr hättet niemals hierher kommen sollen. Das ist unser Heiligtum und nun ... habt ihr es beschmutzt", raunte der Elf und ballte seine Hände zu Fäusten. Erst jetzt spürte er einen schwachen Schmerz von den Fingernägeln der Frau, die sich vorhin gegen ihn gewehrt hatte. Er löste seine Hände langsam und sah dann zur Frau.
      "Ich muss mehr wissen. Es werden sicherlich mehr von euch kommen, wenn ich das verhindern kann, werde ich dir helfen - auch wenn diese Verletzung eine gerechte Strafe für eure Neugier ist. Für deine Kameraden kommt jede Hilfe zu spät. Einmal anheim gefallen sind sie Speisen für die Dämonen." Kaelrion blieb dabei kühl. Dieser Ort war nicht nur ein Heiligtum sondern auch eine Opferstätte und würde die Frau zu viel Blut hier verlieren, würden die Dämonen sie auch als Opfer ansehen.

      Kaelrion wartete nicht, sondern griff unter die junge Frau und führte sie stützend aus der Höhle. Eigentlich hätte er sie gleich erschlagen sollen, doch sein Stamm war so schon viel zu voreilig. Würde er nun seine einzige Chance auf eine Erklärung töten, wäre es das. Vor der Höhle angekommen, platzierte er sie auf einem Stein und sah sich ihre Wunde an. "Wir werden sie einigermaßen versorgen müssen, ehe ich dich zu einem sichereren Ort bringe", erklärte der Elf und schob sich seine langen Strähnen aus dem Gesicht. "Warte hier", hielt er sie an, ehe Kalerion im nahegelegen Wald verschwand. Kurz darauf kehrte er mit langen grünen Blättern zurück, mit denen er der Frau einen provisorischen Verband an ihrer blutenden Wunde anlegte.
      "Du kannst froh sein, dass du dem Druck standhieltst. Nur wenige Menschen verlieren in dieser Höhle nicht ihren Verstand.", erklärte der Elf während er den Verband fest zuzog. "Diese Höhle ist kein Ort für Außenstehende. Wir nutzen sie um mit Dämonen in Kontakt zu treten und um Opfer dazubringen. Für deine Kameraden werden die Dämonen sehr dankbar sein. Sie sind ehrenvoll gestorben, wenn sie sich selbst bekämpften. Dies hätte ich dir aber auch vorher sagen können. Abgesehen davon, dass ihr diesen Ort mit eurer Anwesenheit beschmutzt habt." Kaelrion klang dabei verärgert. Im Glauben der Blutelfen durfte niemand ein Heiligtum betreten ohne sich vorher einer rituellen Reinigung unterzogen zu haben. Alles andere war eine Verunreinigung der heiligen Stätten, eine ernstzunehmende Missachtung der Regelnd er Blutelfen.
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      ~ "Ozymandias" by
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    • Nasha

      Sie hoffte, dass ihre Worte den Elf einschüchtern würden, sodass er sich zweimal überlegte, ob er bereit wäre dieses Risiko einzugehen. Ob er bereits ahnte, dass sie ihm nicht die ganze Wahrheit erzählte? Es war zwar nicht unwahrscheinlich, dass man nach ihnen suchen lassen würde, denn immerhin hatte diese Mission oberste Priorität, aber wer weiß wann genau man sich über das Ausbleiben der Berichte anfangen würde zu wundern. Immerhin wussten sie und der Rest ihres Teams doch nicht einmal genau wo sie anfangen sollten zu suchen und auf Nasha hörte doch sowieso keiner.
      Sie waren skeptisch, trauten ihr nicht über den Weg und verspotteten sie hinter ihrem Rücken, als wenn sie nicht genau wüsste, dass man sie nicht dabei haben wollte. Ihre allererste Außenmission, außerhalb von Aerion, eine Stadt, die sie noch nie zuvor verlassen hatte und ausgerechnet jetzt wurde sie dazu auserwählt Teil des Ganzen zu sein; diese Situation stank förmlich danach, als hätte Jemand mit sehr viel Einfluss und Geld diese Entscheidung in die Wege geleitet. Vielleicht hätten die anderen ULTRAS noch darüber hinweg gesehen, da sie immerhin über ihre Erfolge bei der Dämonenaustreibung Bescheid wussten, aber als dann auch noch der Magier sie höchstpersönlich aufsuchen musste, war es vorbei mit dem Vertrauen.
      Nun war sie nichts weiter als eine Bürde, Jemand, dem man seinen Rücken auf dem Kampffeld definitiv nicht anvertrauen wollen würde. Ihr Platz stand gleich zu Beginn fest. Und es ärgerte sie wirklich, dass selbst ein Fremder, ein Außenstehender, der irgendeine merkwürdige Bindung zu den Dämonen pflegte, das Ganze sofort durchschaut hatte.

      ["Du scheinst das Ganze nicht wirklich zu verstehen, was ja durchaus Sinn ergibt, weil du noch nie mit Anderen zusammengearbeitet hast. Aber dieses ständige Einmischen, so als wüsstest du alles besser als diejenigen, die wirklich Erfahrung haben, wird nicht länger toleriert. Damit machst du dir Feinde, verstehst du?" Nasha wusste schon immer, dass sie es nicht mochte ungefragt angefasst zu werden, aber die Hand auf ihrer Schulter sollte dem Gesagten Nachdruck verleihen und würde erst wieder verschwinden, wenn die Botschaft angekommen wäre.
      "Du musst endlich verstehen, dass du hier nicht die Beste bist, sondern unnötiger Ballast, den wir mit uns rumschleppen dürfen. Deswegen stellen wir jetzt ein paar Regeln für dich auf, an die du dich zukünftig halten wirst. Das wird deine einzige Aufgabe auf dieser Mission sein, nicht schwierig, oder?" Und sowas nannte sich heutzutage Anführer. Dieses Team war genau wie die Demokratie in Aerion, korrupt und unterdrückend, dazu verdammt niemals ein Gleichgewicht zu erzielen.

      "Wenn ich sage, die Entscheidung steht fest, dann sagst du "Verstanden" und bist ruhig. Wenn ich sage du rennst, dann sagst du "Verstanden" und rennst. Wenn ich sage du springst, dann sagst du?"

      "Nach dir." Sie würde sich wohl oder übel dem Willen der Mehrheit beugen müssen, aber sie würde sich dafür nicht auch noch extra verstellen.]

      Der Elf hatte Recht. Sie hatten versagt und noch dazu hatten sie sich mit dieser Aktion unbeliebt gemacht, wenn nicht sogar zum Feind erklärt. Vielleicht war es nur fair, dass sie alle dafür büßen sollten und noch während Nasha auf das Urteil des Größeren wartete, ließ er plötzlich von ihr ab. Der Schmerz machte sich daraufhin umgehend bemerkbar und brachte sie zum Straucheln. "Das war also die Schuld von diesem Ort hier? Und sowas nennt ihr also heilig?", sofort zügelte sie ihren Ton und wich seinem strengen Blick aus. Wie lächerlich, dass sie sich plötzlich etwas erleichtert fühlte, dass es nicht ihr eigenes Vergehen war, dass einer ihrer Kameraden versuchte sie niederzustrecken. Früher oder später hätten sie sich eventuell tatsächlich überlegt sie los zu werden. Nun konnte das nicht mehr passieren.
      "Ich verstehe, dass du wütend bist. Das Ganze hier war so auch nicht geplant. Wir... wir hätten hier nicht sein dürfen, da hast du Recht. Ich hätte das verhindern sollen." Eine wirklich magere Entschuldigung, aber bei ihm hatte sie das Bedürfnis zumindest Reue zu zeigen.

      Als sie den Blick wieder hob stand er plötzlich vor ihr und für einen Moment glaubte Nasha sie hätte etwas wirklich Dummes gesagt, was ihn dazu bringen würde sie nun doch für immer zum Schweigen zu bringen. Sie mochte keinen Körperkontakt, wirklich nicht. Aber er wollte ihr damit helfen und bevor sie ihn davon abhalten konnte, bemerkte sie, wie bitter nötig sie diese Unterstützung doch hatte. Als er ihr dabei half sich auf einem Stein zu setzen hatte sie eigentlich damit gerechnet, dass sich ihre Wege hier von nun an trennen würden, aber er erwähnte ihre Wunde. Er wollte sie damit nicht alleine lassen und das ließ sie nun stocken. Keiner aus ihrem Team wäre bereit gewesen sie zu versorgen, wenn sie sich verletzt hätte, weshalb sie stets darauf Bedacht war sich im Hintergrund zu halten. Wenig später schon tauchte er mit länglichen Blättern wieder auf, mit welchen er versuchte ihre Wunde zu behandeln. "Ihr habt die Dämonen an eure Heiligenstädte gebunden. Wenn ich das nur früher realisiert hätte." Zu viele Fragen schwirrten ihr durch den Kopf. Wie konnte dieses Volk diese Dämonen nur an diesen Ort binden. Einmal gebunden konnten ihr Dämonen sowieso nichts mehr anhaben, aber der Nachteil war, dass ihre Präsenz dadurch transparenter wurde, sodass sie sie nicht mehr deutlich spüren konnte.

      "Meine Kameraden haben den Tod nicht verdient. Für mich ist daran nichts ehrenvoll. Dämonen sind gefährlich. Sie zerfressen einem den Verstand und dafür wollt ihr sie auch noch verehren? Auf euren Seiten musste es doch sicher auch bereits Verluste gegeben haben, oder?" Sofort biss sie sich wieder auf die Zunge, denn er war immer noch wütend, obwohl er gerade dabei war ihre Blutung zu stoppen. Es war also nicht gerade schlau eine Diskussion mit ihm darüber führen zu wollen, zumal ihre Ansichten gänzlich unterschiedlich waren und sie womöglich niemals auf einen Nenner kommen würden.
      "Ich hätte eure Heiligenstädte nicht betreten dürfen. Die Anderen auch nicht. Wir hatten keine Ahnung und ihr wart nicht mal diejenigen, die nach Hilfe gebeten hatten. Kann es sein, dass die ULTRAS allgemein nicht gerade beliebt sind?" Sie war ihm etwas schuldig, zumindest hatte sie das Bedürfnis sich für den Verband zu revanchieren. "Wir suchen hier nach etwas. Einer Anomalie. Wir wurden extra hierher geschickt, um diese ausfindig zu machen und auszulöschen. Diese Anomalie könnte sehr gefährlich werden, wenn sie sich ausbreitet. Sie könnte...", sie atmete tief durch, bevor sie wieder ansetzte, denn immerhin verriet sie ihm hier strengst vertrauliche Informationen, wofür man sie in Aerion später sicher anklagen könnte, "Sie könnte für einen Portalriss sorgen."
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    • Kaelrion

      "Nun heilig ist doch immer eine Ansichtssache. Für unseren Glauben sind Orte, an denen wir mit den Dämonen in Kontakt treten können, heilig. Natürlich sind sie das", bekräftigte der Elf seinen Glauben und verschränkte die Arme vor der Priesterin. Sie entschuldigte sich für ihren "Besuch" des Heiligtums, woraufhin Kaelrion tief grummelte. "Hmmm, damit ist nun auch keinem mehr geholfen. Aber das Opfer deiner Kameraden wird eure Schandtaten in gewisser Weise aufwiegen. Die Dämonen sind gütig, wenn die Opfer ehrenvoll starben." Kaelrion sah zu dem Hal'drall-Berg auf, ehe sein Blick wieder auf die Menschenfrau fiel.

      "Wir haben die Dämonen nicht gebunden", korrigierte er die Priesterin, die scheinbar schlauer war, als Kaelrion annahm. "Zumindest nicht direkt. Die Anomalie war bereits bei unserer Ankunft da. Durch regelmäßige Rituale konnten wir aber die Verbindung ins Dämonenreich stärken. Jeder Tropfen Blut nährt das Band. Dadurch bündelt sich heute an der Anomalie fiel dämonische Macht. Ein Quell aus dem mein Volk Stärke und Zuversicht schöpft und dafür beschenken uns die Dämonen." Kaelrion spürte die neugierigen Blicke der Frau vor ihr über sich fliegen.

      "Du ahnst es bereits", lächelte er schwach, "wir gehen mit den Dämonen ein Bündnis ein. Keine Bessenheit. Eine Symbiose. Aus einem Blutelf wird mit dem Erwachsenwerden und nach dem Bestehen der Initiation ein richtiger Blutelf. Zur Hälfte ein Dämon. Das gibt unserem Clan die Stärke irgendwann unser Land zurückzuerobern. So ist es der Brauch." Kaelrions Augen schimmerten dunkelgrün auf. Für ihn war die Initiation zwar schon länger her, doch seit dem er seinen Körper mit einem Dämon teilte, fühlte er sich so viel stärker und mächtiger. Für ihn war es nicht verständlich, dass sich andere Völker diesem Geschenk verschlossen.

      Die Worte der Frau rissen ihn aus seinem Gedankengang. "Der Tod ist im Kampf immer ehrenvoll. Insbesondere, wenn man vor den Dämonen kämpft. Sie würdigen die Krieger in ihrem Reich. Nicht wie bei den Menschen, wo nur die Intrige und der Verrat gewinnen", raunte der Elf und blickte mürrisch zu der Frau. Es würde wohl nichts bringen ihr mehr davon zu erzählen, da sie es - wie alle Menschen - nicht verstehen würde. "Verluste? Es gibt nur freiwillige Opfer. Wer die Initiation nicht überlebt, weil der Dämon zu stark ist, wird verzehrt. Diese Elfen waren die Initiation nicht wert. Da gibt es nichts zu betrauern", erklärte der Blutelf kühl.

      Als die Frau feststellte, dass die ULTRAS außerhalb von Aerion nicht sehr beliebt waren, lachte der Elf. "Das kannst du laut sagen! Kein Nicht-Mensch schätzt die ULTRAS. Sie sind ein Symbol für Aerions Arroganz. Insbesondere die Inquisitionskorps, die durch die Ländereien ziehen und alle von 'eurem' Glauben überzeugen wollen." Kaelrion schüttelte den Kopf. "Hier haben jedoch wir das Sagen. Das sind die Grenzlande. Arkadia endete bereits vor ein dutzend Meilen."

      Als ihm die Priesterin verriet weswegen sie hier waren, beugte sich der Elf tief zu ihr herunter. "Ein Portalriss?", sprach er laut und sah sie ungläubig an. "Ich glaube ich habe davon mal etwas gehört, meine Mutter, unsere Hohepriesterin erwähnte es mal." Kaelrion warf die Stirn in Falten und sah nochmal ungläubig zum Berg hoch. Konnte es echt so sein, dass man aus dieser Anomalie einen Riss schaffen könnte? "Ich kenne jemanden, der sich damit besser auskennt", murmelte er leise und wägte ab. "Doch da habt ihr ein Problem. Menschen haben in unserem Clan keinen hohen Wert." Der Elf sah die Frau ernst an. "Dazu kommt, dass die einzige, die euch dazu Fragen beantworten kann, meine Mutter, die Hohepriesterin unseres Clans ist. Und na ja sie achtet unsere Regeln sehr, sodass die Beschmutzung unserer Heiligtums eure Position nicht gerade verbessert", erklärte der Blonde.
      Menschen hatten bei den Blutelfen den Status von Sklaven; sie standen noch unter den Haustieren der Blutelfen. Menschen dienten oft als Arbeitssklaven, zur Belustigung oder als Opfer. Kaelrion konnte die Frau jedoch schlecht als seine Sklavin ausgeben, die eben ein paar Fragen zu einem Portalriss wissen wollte. Wenn ihm doch nur etwas Besseres einfallen würde.
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    • Nasha

      Also so konnte dieser Ort all die Jahre lang über bestehen, ohne dass die Dämonen reißaus nahmen und ihr Unheil trieben. Wozu denn auch, wenn sie von den Blutelfen alles bekamen wonach es ihnen verlangte. Sie lebten in diesem sogenannten "Heiligtum" wie Könige; etwas erschreckend stellte sie fest, dass die Oberen einen ganz ähnlichen Lebensstil führten. Aber in Aerion hätten sie niemals zugelassen, dass solch ein Hort der Dämonen existieren dürfte, obwohl die Menschen dort regelrecht eine Schwelle ins Reich der Dunkelheit erschaffen hatten. Nasha hatte den Übergang zwar nie mit eigenen Augen gesehen, aber es war kein großes Geheimnis, dass die Wissenschaftler bereits seit Jahren an der Erkundung der fremden Welt arbeiteten. Genau das war der Grund, warum der Magier heute die Position genoss, in die ihn die Oberen drängten. Er war nichts weiter als ein Vorführobjekt, ein ins Rampenlicht gedrängter Akteur, der beweisen sollte wie überlegen die Menschheit allem gegenüber sein kann.

      "Ich verstehe. Ihr gebt ihnen alles was sie benötigen. Ihr müsst sie nicht binden, wenn sie freiwillig bleiben wollen." Natürlich konnte sie die Dämonen nicht erspüren, wenn sie gar nicht entdeckt werden wollten. Ein äußerst cleverer Zug ihre eigenen Kameraden gegen sie aufzuhetzen, damit sie ebenfalls schnell aus dem Weg geräumt wäre. Hätte sie die Chance gehabt und nur einen einzigen Dämonen ausfindig gemacht, dann wären sie allesamt von ihr gebannt wurden; das musste den Wesen in dem Moment klar geworden sein, als sie die Höhlen betraten. Dieser Gedanke war mehr als beunruhigend. Jeder Dämon, den sie bis jetzt in Aerion gebannt hatte, wäre niemals zu solch einer Überlegung im Stande gewesen. Sie waren Wesen des Chaos, welches sich deutlich in ihnen widerspiegelte. Sie konnten sich nicht zügeln, waren im Innern verdorben und vor allem recht launische Wesen. Kurzum, sie waren niemals in der Lage großartig vorauszuplanen, geschweige denn taktisch vorzugehen, um an ihr Ziel zu gelangen.

      "Und das schaffen alle?", sie hatte nicht vor, dass ihre Hände sich zu Fäusten ballten, "Jeder Blutelf besteht dieses Ritual? Ein Bündnis geht man doch immerhin ein, weil man ein gemeinsames Ziel verfolgt. Keiner sollte dabei den Kürzeren ziehen, oder?" Jetzt hatte sie es wieder geschafft. Ihre Stimme klang zwar ruhig, aber es schwang dennoch Zorn mit darin. Sie forderte ihr Glück wirklich heraus indem sie eine weitere Diskussion mit ihm darüber startete.
      "Ich weiß, dass du einen Dämon in dir trägst. Ich kann ihn spüren." Er hatte eine ausgeprägte Präsenz, furchteinflößend und machthungrig. Er musste einen äußerst starken Dämon abbekommen haben, der ihn mit dieser Ausstrahlung zierte. Wie viel man wohl von sich selbst anfängt zu verlieren, wenn man all die Zeit den Körper mit einem solch düsteren und abscheulichen Wesen teilen musste, welches im Stande war den Verstand zu zernagen und die Seele zu zerteilen.
      "Ich bin mir sicher, dass du auch meine Präsenz spüren kannst, wenn du es nur zulässt", unverwandt blickte sie ihm in die dunkelgrünen Augen, welche sie aus irgendeinem Grund an die unzähligen Phiolen aus den Laboren des Instituts erinnerten. Immerzu hatte sie diese betrachtet, weil sie so schön anzusehen waren, aber genauso gut war ihr bewusst, dass die darin verschlossenen, schimmernden Substanzen den Tod bringen konnten, weshalb es ihr nie erlaubt war, diese zu berühren.
      Dieser Dämonenelf würde früher oder später sicherlich auch ihr Untergang sein.

      "Du hast Recht", kurz lachte sie gehässig auf, "Menschen stecken voller Intrigen. Menschen sind käuflich, sie betrügen und belügen alle um sich herum nur um glimpflich davon zu kommen. Wir haben vermutlich kein Ehrgefühl, weil uns unser eigener Stolz und unser eigenes Wohlergehen dafür zu sehr im Weg steht. Aber wenigstens glauben wir nicht, dass der Tod von Schwäche zeugt. Wir trauern um die Toten und schon gar nicht müssen wir Jemanden, der uns wichtig ist, an etwas opfern, dass uns niemals gewillt ist fair gegenüberzutreten." Sie hätte sich lieber auf die Zunge beißen sollen. War das vielleicht einer der Gründe, warum Niemand wirklich gern mit ihr reden wollte?
      "Hast du denn noch nie Jemanden betrauert?" Sie musste sich endlich beruhigen, lernen über seine Anschuldigungen hinweg zu sehen, damit eine Basis des Vertrauens geschaffen werden konnte. Anders, das war ihr schon längst bewusst, würde sie es sonst nie wieder heil zurück nach Aerion schaffen.
      Die ULTRAS waren hier zudem nicht gerne gesehen, aber Nasha hatte den Vorteil, dass ihr dieses Gefühl mehr als vertraut war und mit der Zeit schafft man sich seinen eigenen Wall, in welchem nur noch die eigene Meinung wirklich zählt. Von daher konnten ihr die abfälligen Bemerkungen des Blonden diesmal nichts anhaben. Aerions Arroganz, wurden sie hierzulande also genannt? Wäre sie noch Teil des Instituts und wäre auf dieser Mission, um ihren Vater stolz zu machen und weiterhin unschuldige Seelen zu quälen, dann wäre dieser Titel wirklich zutreffend gewesen.
      "Du hast Recht. Du hast das Sagen. Ich bin hier ein Niemand. Deswegen benötige ich deine Hilfe."

      Kurz erschrak sie, als ihr der Elf so unerwartet nahe kam. Anscheinend schien er genau zu verstehen wonach sie suchte, wusste eventuell sogar genau wonach sie danach suchen musste. "In Ordnung. Gehen wir", sofort erhob sie sich und sackte kurz wieder in sich zusammen, da die Wunde zwar immerhin versorgt, aber noch nicht verheilt war. Ihre Hand ruhte nun wieder auf dem Verband und sie atmete kurz durch, bevor sie sich wieder an ihn wendete. "Ich bin auch Priesterin. Ein Gespräch von einer Priesterin zur Anderen sollte doch machbar sein." Er schien nicht begeistert. "Wenn sie deine Mutter ist wird sie mir vielleicht zuhören. Du hast mir doch auch geholfen, obwohl du es nicht musstest." Sein Blick verriet ihr wie undankbar und selbstgefällig diese Worte gerade klingen mussten.
      "In Ordnung. Was soll ich tun? Ich werde mich hier ehrenvoll verhalten. Ich werde Buße dafür tun was ich getan habe. Und wenn du mich lässt, dann werde ich diesen Riss verschließen, damit er euch niemals schaden kann. Ich stehe nicht für Aerion. Man solte diese Stadt nicht verehren, weil sie über allem thront, sondern weil sie versucht Arkadia zusammenzuhalten. Wenn Aerion diese Botschaft nicht vermitteln kann, dann lass mich diese Botschaft sein."
      Someone asked me to reflect on myself,
      after thinking three times,

      I'm still not at fault!
      Some people say I am a big devil, but I love how irritating indecisiveness is.

      You said just take a breath and just live,
      one day you will realize your dream.
      I say just live hard and you will find:

      "You will find good things always happen to others."
    • Kaelrion

      Der Blonde schüttelte den Kopf, als sie ihm vorwarf gefühlskalt zu sein und dass sein Clan nie trauere. "Trauer ist eine Sache der Kultur. Ihr kehrt in Stille. Bei uns feiert man den Übergang ins Totenreich mit einem großen Fest. Jeder stirbt irgendwann, manche früher. Dann war es wohl ihre Bestimmung. Unser Volk hat viel größere Opfer gebracht als ein paar Aspiranten in einem Initiationsritus zu verlieren. Wir nähren uns von dem Traum dadurch irgendwann abgehärtet genug zu sein unsere Stammlande im Düsterwald zurückzuerobern." Kaelrion blickte die junge Frau unerschrocken an und spürte ihren eindringlichen Blick auf sich.

      Erst jetzt spürte er, welche Kraft die Priesterin daneben ausstrahlte. Eine starke Aura umgab sie. Deswegen erlag sie wohl auch nicht der Magier im Heiligtum. Welch Glück?, sinnierte der blonde Elf, ehe er aus dem Gedanken gerissen wurde. "Ein Niemand überlebt das nicht so leicht", erwiderte er auf ihre Worte und musterte sie. "Du scheinst geistig stark gefestigt, ansonsten hättest dich das gleiche Schicksal wie deine Kamerade ereilt. Beeindruckend." Kaelrion sah nochmals zum Berg und spürte eine wie eine Art Windzug nach ihm pfiff. Die Dämonen fielen wohl jetzt über die Reste der Kameraden her. Fleisch und Knochen waren zwar nichts an denen sie interessiert waren, jedoch ließen sie ihre Höhle nie mit solchen menschlichen Überresten zurück. Alles verzehrten sie wie eine dunkle Masse.

      Die Frau vor ihm riss ihn aus seinem erneuten Gedankengang. Sie hatte sich nach einem schmerzhaften Aufstehen wieder hingesetzt. "Dich zu ihr bringen?", fragte der Elf verwirrt ehe er die Stirn in Falten warf. "Das wir nicht so einfach werden. Historisch bedingt haben wir kein gutes Verhältnis zu Menschen und Aerion. Bei uns stehen Menschen unter unseren Haustieren", erklärte Kaelrion und sah sie ernst an. "Die meisten Menschen dienen uns als Sklaven. Deswegen kannst du nicht einfach so mit einer Hohepriesterin sprechen. Du bist nicht ihres Standes würdig."
      Die Frau bot an ihnen mit dem Riss zu helfen, doch der Blutelf kannte seine Mutter. Sie war Traditionalistin und nie würde sie zulassen, dass ein Mensch an ihrem Heiligtum herumfummelt. "Ausgeschlossen", entgegnete ihr der Elf also darauf und schüttelte bekräftigend den Kopf. "Es sei denn", überlegte Kaelrion laut und sah sie an, "wir könnten anbieten, dass wir dich opfern für deine Tat am Heiligtum. Dann müsstest du dich der Reinigung unterziehen, die meine Mutter durchführt. Dann hättet ihr die Zeit. Zur Reinigung gehört auch ein Gespräch, sie müsste dir also Fragen beantworten."

      Kaelrion spürte den Blick der Priesterin. "Ich werde dich schon nicht opfern. Du warst stark in dieser Höhle und ... du bist nicht ignorant wie alle anderen Menschen, die wir bisher hier hatten.", erklärte er ehrlich. Kaelrion war kein Freund von Intrigen, hatte sich jemand im Kampf verdient gemacht, akzeptierte er dessen Stärke. So auch die junge Priesterin, deren Überlebenswille und geistige kraft für ihn beeindruckend wenngleich auch fremdartig für einen Menschen erschien. Dazu sagte ihm etwas tief in ihm, dass es so das Richtige war. "Das wird der einzige Weg sein, damit wir an Antworten kommen - ohne das jemand Verdacht schöpft." Kaelrion wusste, dass der Plan einige Fallstricke hatte und er hatte der jungen Frau auch nicht alle Details verraten; jedoch war sie stark und er war auch da, um ein Auge auf die Situation zu werfen. Was sollte also schon schief gehen?

      Das Wichtigste war, dass Kaelrion in jeder Situation die nun kommen würde (insofern die Priesterin einwilligt) entspannt bleibt. Er wusste, dass der Plan durchaus seine Tücken hatte, aber würde nur aufgehen, wenn alle den Köder schlucken. Gleichwohl fühlte er sich dabei mies, seinen eigenen Clan zu hintergehen und seiner Mutter etwas vorzugaukeln, doch er wusste, dass diese schon länger geheimnisse vor ihm, ihrem einzigen Sohne versteckte. Bis heute wusste er nicht, wer sein Vater war oder wie er überhaupt auf die Welt kam. Das ganze Dorf schwieg sich dazu aus. Auch wenn der Blutelf es sich nicht eingestehen wollte, hoffte er bei diesen Fragen auf Antworten. Ja vielleicht sogar von der Frau vor ihm, denn sie schien in der Thematik der Dämonen sehr viel zu wissen. Woher würde sie sonst etwas über die Portalrisse wissen?
      Es war ein Geheimnis der Blutelfen, wozu die Anomalien genutzt werden könnten. Und auch seine Mutter hatte ihm das immer so verkauft, als dass sie das einzige Volk wären, dass über diese Möglichkeit Bescheid wisse. Hat der Sturrsinn seiner Mutter vielleicht seinen Clan in Gefahr gebracht? Kaelrion bebte innerlich. Vor Wut und auch vor Sorge. Er wollte für seinen Clan und Stamm nur das Beste, dafür würde er nun diese Aktion durchziehen. Irgendwann später würde er sicherlich selber genau verstehen, warum er das tat. Aber sein inneres Gefühl hatte ihn noch nie getäuscht. So ein Dämon war wohl auch ein Kompass wie ein "Bauchgefühl" bei den Menschen?
      "And on the pedestal these words appear
      ‚My name is Ozymandias, king of kings
      Look on my works, ye Mighty, and despair!‘

      Nothing beside remains. Round the decay
      Of that colossal wreck, boundless and bare
      The lone and level sands stretch far away."

      ~ "Ozymandias" by
      Percy Bysshe Shelley

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    • Nasha

      "Ihr feiert den Tod eurer Leute?" Auch sowas hätte es in Aerion nie gegeben und um ehrlich zu sein wusste Nasha gar nicht, ob sie diese Vorstellung beunruhigen oder gar beeindrucken sollte. Die Menschen in Aerion erlagen recht schnell ihrem Kummer und ihrer Trauer, was sie umso anfälliger für Dämonen machte. Würden sie mehr Gründe zum feiern haben und die Toten mit einem Festtag in Ehren halten dürfen, dann wäre der Stadt vielleicht sogar ein Stück weit geholfen.

      "Ich wäre dabei beinahe ebenfalls umgekommen." Die Tatsache, dass die Dämonen schlau genug waren ihre Schwachstelle ausfindig zu machen enthielt sie ihm vorerst; er musste immerhin nicht alles über sie wissen. Dass sie überlebt hatte, hatte sie nämlich nicht ihrem Können zu verdanken, es war pures, naives Glück gewesen. "Aber für Jemanden, der eigentlich einen Dämon in sich trägt, bist du noch bei recht klarem Verstand. Du scheinst einen eisernen Willen zu haben, wenn dich der Dämon nicht übernehmen konnte. Und er scheint dir zu gehorchen. Das ist auch... beeindruckend." Vielleicht sollte sie ihn dafür nicht unbedingt loben, denn immerhin konnte Niemand wissen, ob der dämonische Anteil, welcher tief in ihm verankert war, eines Tages doch noch überwiegen würde. Sie hatte bereits erlebt wie die Dämonen sich in fremde Körper nisteten und die Seelen ihrer Opfer gnadenlos verschlangen. Würde dieses sogenannte Bündnis ihn wirklich auf ewig vor solch einem Schicksal bewahren?
      "Was passiert da gerade?", ihr Blick war nun ebenfalls zum Berg gerichtet. Was auch immer der Blutelf gerade verspüren mochte, es war ihm deutlich anzusehen, dass in den Höhlen etwas geschah, dass Nasha vermutlich nicht gerade erfreuen würde zu hören.

      "Moment. Wir sind für euch weniger wert als Haustiere?" Und warum hatte er ihr dann überhaupt erst geholfen? So langsam schien sie allerdings zu begreifen in was für einer misslichen Lage sie sich derzeit befand. Nicht nur waren es ULTRAS gewesen, welche das Heiligtum entehrt sowie halbwegs zerstört hatten; sondern es waren auch noch Menschen, wertlose Sklaven, in den Augen der Blutelfen. Vermutlich würden sie ihren Helfer auch noch dafür bestrafen, dass er es gewagt hatte sie zu verarzten, anstatt sie an Ort und Stelle umzubringen.

      "Mich opfern?", sie starrte ihn perplex an; kurz überlegte sie, ob sie darüber nun lachen sollte. Machte er gerade etwa einen schlechten Scherz? Er zuckte nicht einmal mit der Wimper; vermutlich wäre er nicht einmal in der Lage Humor zu beweisen, wenn man ihm mit einem Messer an der Kehle dazu zwingen würde. Also war es tatsächlich kein Scherz, sondern sein purer Ernst.
      "Und das ist die einzige Möglichkeit? Es gibt keine, sagen wir mal, ungefährlichere Methode, die nicht mit meinem unvermeidlichen Tod enden wird, wenn wir mit deiner Mutter sprechen wollen?" Er musste verrückt sein, wenn er glaubte, dass sie die Opfergabe mimen würde. Sie war garantier nicht soweit gekommen, um nun ein solches Risiko einzugehen; zumal sie doch gerade erst glimpflich dem Tod entkommen war.
      Wer garantierte ihr denn überhaupt, dass er sie im letzten Moment nicht doch hängen lassen würde? Immerhin kannten sie einander kaum. Er hatte genug Informationen zur Anomalie von ihr erhalten und wenn er zudem noch erfahren würde, was seine Mutter dazu zu sagen hatte, könnte er doch genauso gut ohne sie nach dem Portalriss schauen. Er brauchte ihre Unterstützung nicht zwingend. Sie war solch eine Närrin, dass sie ihm all dies erzählt hatte, ohne zu bedenken, dass man es gegen sie verwenden könnte.

      "Wir machen es auf meine Art oder gar nicht."

      Sie wartete gar nicht erst ab, dass er ihr widersprechen konnte, sondern erhob sich vom Stein. Einen Moment lang durchzuckte sie eine Welle unerträglichen Schmerzes, doch diesmal war sie darauf gefasst und widerstand dem Drang sich erneut fallen zu lassen.
      Sie atmete tief durch und tat den ersten Schritt, so weit so gut. Aber lange würde sie das vermutlich nicht aushalten, zumal sie nicht einmal wirklich wusste wohin genau sie gehen musste. Nach Aerion zurück war es ein weiter Weg und wenn sie ohne Erfolge und vor allem ohne ein Team dort aufkreuzen würde, dann würde man sie gewiss nie wieder auf einen Einsatz schicken.
      Niemand würde ihr dort in die Augen sehen können; sie müsste erklären, dass alles ein schrecklicher Unfall gewesen sei, aber wer würde ihr das schon glauben, ihr, der verrückten Tochter des skrupellosen Wissenschaftlers. Wenn sie ihren Posten, ihre selbsterwählte Bestimmung deswegen verlieren würde, wer war sie dann noch?
      "Warum lässt du mich nicht einfach hier und suchst deine Mutter alleine auf?", sie drehte sich zu ihm, schien mit ihren dunklen Augen genau in sein Innerstes zu starren, "Glaubst du, sie erzählt dir nicht die ganze Wahrheit?" Es war wirklich nicht fair, ihn in solch eine Lage zu versetzen, da es sie immerhin auch rein gar nichts anging, aber sie würde sich auf ihn verlassen müssen, wenn das Ganze funktionieren sollte. Dazu gehörte nun mal auch, dass sie offen und ehrlich miteinander reden konnten.
      "Wenn ich schon das Opfer spielen muss, dann erwarte ich als Gegenleistung einen Beweis des Vertrauens von dir. Ich möchte mich darauf verlassen können, dass du mich nicht hinters Licht führst."
      Someone asked me to reflect on myself,
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    • Neu

      Kaelrion

      Auf das eintretende Drama der Priesterin reagierte der Große lediglich mit einem Augenrollen. Aus seiner Sicht war der Plan geradezu perfekt und er wusste gar nicht, womit sie ein Problem hatte. Aber vermutlich lag es in ihrer Natur alles etwas mehr zu hinterfragen. Kaelrion musste dies nicht unbedingt, dafür hatte der Stamm seine Hohepriesterin. Auf ihr lastete die Entscheidungsgewalt und deren Tragweite. Alle anderen Stammesangehörigen gingen ihren Arbeiten nach. Vielleicht war dies auch der Grund, warum er bisher nie das Schaffen seiner Mutter hinterfragt hatte. Sie umgab immer ein Schleier des Nebulösen, obwohl sie seine Mutter war. Er wusste nie genau, was sie tat und noch weniger wusste er über die Umstände seiner Herkunft. Alles waren gut gehütete Geheimnisse seiner Mutter ihm gegenüber. Aber wieos war sie so geheimnisvoll? War sie misstrauisch oder verbarg sie etwas vor Kaelrion?

      Der Elf wurde aus dem Gedankengang gerissen, als sich die Frau vor ihm aufrichtete. Erwartungsgemäß hatte sie weiterhin Schmerzen, was Kaelrion auf die Schnelle auch nicht beheben könnte, doch er war froh, dass die Blutung bei der Frau gestoppt wurde. Kurz zuvor hatte sie ihm mit recht klarem Ton gesagt, dass sie es nur nach ihrer Art machen würden oder gar nicht. Der Blutelf hob eine Augenbraue und sah sich die Frau an, wie sie sich ihre Seite hielt. "Meine Mutter aufsuchen? Was soll ich ihr erzählen? Dass ich mich nach 29 Jahren für die Anomalie interessiere und nun wissen will, was es mit den Portalen auf sich hat? Das erzählt sie mir nicht. In unserem Clan gibt es für jeden eine Rolle und er weiß nur so viel, wie für diese berufliche Rolle notwendig ist." Kaelrion schüttelte den Kopf, hätte er der Frau doch besser nicht geholfen. Sie schien den Vorfall in der Höhle wohl doch nicht so gut überstanden zu haben. Was für eine wahnwitzige Idee von ihr, dachte er sich. Doch ihre Worte fixierten seine Gedanken wieder auf sie.

      "Meine Mutter erzählt mir schon die Wahrheit, denke ich. Aber nicht die Ganze.", erklärte Kaelrion und schaute kurz zum Berg, ehe seine Augen wieder die Priesterin vor ihm fixierten. "Bis heute hat sie mir nicht erzählt, ... wer mein Vater ist. Und niemand weiß es. Sie macht ein großes Geheimnis daraus. Eins, das ich länger schon lüften möchte, da sie mir dabei nicht helfen will." Kaelrion senkte kurz den Kopf und biß sie etwas auf die Unterlippe, ehe er den Kopf wieder anhob. Er wollte seine Mutter nicht hintergehen, aber es gab eine Möglichkeit. Dazu müsste er aber relativ hintertrieben sein. "Ich frage mich schon länger, was meine Mutter so geheimnisvolles treibt und es gäbe eine Lösung für unsere Fragen. Sie hat eine Art Chronik, in die sie all ihr Wissen schreibt. Wenn ich diese finde und lesen kann ... wüssten wir vielleicht mehr zur Anomalie und ich kann gleichzeitig auch noch etwas ... zu ... meiner Herkunft erfahren" Kaelrion sah Richtung Wald. Nicht alzu weit von hier wäre das Dorf. Bis zum Einbrechen der Nacht könnte er zurück sein, nachdem wie schnell er die Chroniken im Zelt seiner Mutter fand.
      Er schluckt schwer und sah sie wieder an. "Es fühlt sich etwas nach Verrat an, aber ich bin es leid, dass mir meine Mutter keine Aufkünfte gibt. Vielleicht soll das Schicksal sein. Aber ich werde ins Dorf gehen und nun diese Chroniken suchen, anschließend komme ich zurück zu dir und hoffe Antworten zu haben." Kaelrion sah sie ernst an. "Das heißt aber auch, dass du hier bleiben musst. Am besten am Eingang der Höhle. Hier unten wird man dich sonst recht schnell entdecken."

      Kaelrion griff sich seine Axt und sah die Priesterin an. Es war schon eine komische Situation - all die Zeit zweifelte er schon an seiner Mutter und seinem blinden Gehorsam und nun sollte ihn unbedingt ein Mensch dazu bringen, dies alles zu hinterfragen? Es war wirklich ungewöhnlich. Er griff seine Axt fester und sah Richtung Dorf. "Ich werde nun aufbrechen, in ihren Chroniken müsste ich auf jeden Fall etwas finden und ... ansonsten lasse ich mir etwas einfallen." Kaelrion sah kurz noch einmal über den verband der Frau, ehe er zum Dorf aufbrach. Er wollte keine Zeit verschwenden. Auf dem Weg zum Dorf gingen ihm viele Gedanken durch den Kopf. War das wirklich richtig? War es nun Verrat oder doch eine Tat für sein Volk? Wenn sie erst einmal wüssten, was es genauer mit den Portalen auf sich hatte, könnte dieses Wissen den Blutelfen für die zukünftige Rückeroberung ihrer Ländereien helfen. Und vor allem ... würde Kaelrion nun endlich erfahren, wer sein Vater ist oder zumindest, wo er herkommt?
      "And on the pedestal these words appear
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      Nasha

      Da war er also wieder. Der markante Unterschied zwischen ihnen beiden. Der Elf, der bereit war alles zu wagen, selbst wenn es den sicheren Tod bedeuten würde und die ULTRA, die lieber überlegt, anstatt überstürzt zu handeln, da ihr das Leben zu kostbar erscheint, als dass sie es einfach so wegwerfen könnte. Bildlich konnte Nasha sich bereits vorstellen, dass ihr Gegenüber solch einem Unterfangen vermutlich sofort zugestimmt hätte und es wohl auch noch als "ehrenvoll" betitelt hätte. Aber mit einem Dämon als Schutzschild würde man auch garantiert nicht so einfach zu töten sein, wohin gegen sie selbst, heute schon zweimal dem Tod entkommen war.
      "Und damit hast du dich 29 Jahre lang zufrieden gegeben?" Das war tatsächlich etwas, dass sie selbst nie gekonnt hätte. Wenn es etwas gab, nach dem sie immerzu suchte, nach dem es sie immerzu verlangte, dann waren es Antworten. "Ihr müsst eure Rollen hier wirklich Ernst nehmen. Sowas gibt es bei den ULTRAS beispielsweise nicht. Natürlich, hat dort jeder eine eigene Aufgabe, aber sie sind auch alle ein Team. Jeder weiß von jedem alles. Ansonsten funktioniert es nicht." Wie ironisch, dass gerade sie diejenige war, die diese Predigt hielt.

      "Warte!" Schwermütig hatte sie seinen Worten gelauscht und sich ungewollt darin wiedererkannt. Dieses Gefühl, wenn einem etwas verschwiegen wird, war furchtbar, beinahe schon unerträglich. Die Wahrheit schmerzt mehr als man anfangs glauben möchte, besonders wenn sie einem tagtäglich immer wieder direkt vor Augen geführt wurde. Nachdem Nasha den PLUS ULTRA beigetreten war, gab es unzählige Tage, an welchen ihre ungeschriebenen Gedanken sie heimsuchten. Manchmal fragte sie sich, ob sie nicht schon längst gewusst hatte, was ihr Vater am Institut trieb und was genau der Sinn dahinter war sich all diese Theorien auszudenken und diese unzähligen Hypothesen gemeinsam aufzustellen. Natürlich, wäre es niemals nur bei einer bloßen, aufgeschriebenen Idee geblieben, nicht wenn Aerion so viele verschiedene Mittel zur Forschung zur Verfügung standen. Nicht, wenn die Schwelle zum Reich der Dämonen für sie offen stand und sie nur noch herausfinden mussten, wie sie sich diese zunutze machen mussten. Sie war damals so naiv gewesen zu glauben, dass Aerion versuchte die gesamte Welt zu einem besseren und vor allem sichereren Ort zu machen.

      "Es könnte sein, dass du etwas über dich oder deine Mutter herausfindest, was du danach nicht mehr ungeschehen machen kannst. Wenn du die Wahrheit einmal kennst, gibt es kein Zurück mehr", ihre Stimme wollte ihr nicht wirklich gehorchen und es war schwieriger als sonst dem Gesagten einen Sinn zu geben, "Ich will damit eigentlich nur sagen... du solltest auf alles gefasst sein. Und wenn es soweit ist, dann willst du damit vielleicht nicht alleine sein. Oder aber du möchtest in Ruhe über alles nachdenken, was auch nicht zu verdenken ist."
      Warum war es bloß so schwierig darüber zu sprechen? Ihre Hand verkrampfte sich ein wenig und mit einem Mal wurde ihr bewusst, dass sie diese dazu nutzte, um den Größeren am Arm zu halten. Sie musste unbewusst nach ihm gegriffen haben, nachdem er ihr so viel über sich preisgegeben hatte; höchstwahrscheinlich aus Mitgefühl und um ihm Trost zu spenden. Noch bevor diese einmalige Geste zur Sprache kommen konnte ließ sie von ihm ab. Ihre Hand zog sie, ein wenig schneller als beabsichtig, zu sich zurück und blickte mit ihren dunklen Augen überallhin, nur nicht zu ihm.
      "Ich soll also hier warten?" Nun wanderte ihr Blick erneut zum Berg hinauf, zum Heiligtum der Blutelfen, für dessen Zerstörung sie allein verantwortlich war. "Und du glaubst, dass das keinem Anderen hier auffallen wird? Keiner wird hier zufällig aufkreuzen?"

      Sie hatte wohl keine andere Wahl als ihm zu vertrauen, wobei nicht gesagt war, dass er es sich nicht doch noch anders überlegen würde. Sie verlangte ihm anscheinend relativ viel ab, obwohl er sich dazu nicht wirklich äußerte. Wenn alle ihre festen Rollen in diesem Volk hatten, dann könnte es durchaus sein, dass er die ein oder andere Regel damit brach, aber wie schlimm genau das Ausmaß für ihn sein würde, wusste sie nicht.
      "Ich... ich vertraue dir. Wenn du es dir anders überlegst und bis zum nächsten Tagesanbruch nicht zurück bist, dann akzeptiere ich diese Entscheidung ebenfalls und werde ohne dich nach der Anomalie suchen."
      Someone asked me to reflect on myself,
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      I'm still not at fault!
      Some people say I am a big devil, but I love how irritating indecisiveness is.

      You said just take a breath and just live,
      one day you will realize your dream.
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