Midnight Diamonds [Sachiko & Aiden]

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    • Midnight Diamonds [Sachiko & Aiden]


      by Aiden & @Sachiko




      Lady Danbury hatte sich bei den ersten Ball dieser Saison bereits übertroffen, und die erwartungen für alle anderen sehr hochgeschraubt.
      Nieva war bereits begeistert als sie aus der Kutsche stieg, es war ein Erlebnis für das sie recht glücklich war es erleben zu können. Am Eingang waren zwei Schausteller gestellt worden, die wie Himmelskörper aussehen sollten, und das Meer aus Blumen das den Weg ins innere säumte war von beeindruckender Farbenvielfalt. Einige der einzelnen Blumen waren in Silber angemalt worden, und sahen demnach aus wie einzelne Sterne aus.
      Und als wäre das nicht bereits genug, schienen die einzelnen Blüten auch noch pafümiert geworden zu sein.
      Sie war etwas zu bezaubert von den Anblick, und erinnerte sich erst wieder daran, dass sie hier nicht für immer stehen konnte, als ihre Großmutter neben ihr begann zu sprechen.
      "Diese Frau muss wirklich immer übertreiben", beschwerte sie sich, und schien damit jede Freude aus der Umgebung zu saugen.
      "Es ist jedoch verständlich, die Königin hat ihren Besuch angekündigt mit dem Prinzen", erklärte Nieva dann ruhig und versuchte dabei ihre Stimme in Höflichkeit zu ertränken. Jedes Zeichen von Respektlosigkeit hatte immer eine große Konsequenz hinter sich. Nievas Großmutter merkte schnell, dass es ohnehin nicht der richtige Zeitpunkt war sich den Mund darüber zu zerreißen, dafür wäre noch immer genug Zeit wenn die neue Whistledown herauskam. Das wussten alle Anwesenden sehr genau, und manchmal kam es Nieva auch so vor als hätte niemand etwas besseres zu tun.
      Ihr Vater räusperte sich dann, um den beiden Frauen zu vermitteln, dass sie langsam hineingehen sollten. Es war immerhin auch nicht sehr höflich.
      Sie nahm dann den Arm ihres Vaters an, und lies sich von ihm hineinführen. Sie wusste nicht genau warum sie unbedingt diesen Ball besuchen mussten, nicht das es nicht wunderschön aussah, aber Nieva hätte besseres mit der Zeit anfangen können. Immerhin hatte Nieva bereits einen Verlobten und es war nicht einmal zur Sicherheit geklärt worden ob er heute Abend überhaupt anwesend war.
      Innerhalb des Gebäudes wirkte alles mindestens genauso beeindruckend. Überall waren Wolken angebracht, und Sterne und Monde aus Spiegeln und Gold hingen von der Decke, reflektierten die Lichter, damit es viel heller im Raum wirkte. Man fühlte sich so als würde man durch den Sternenhimmel laufen.
      Ihr Blick wanderte direkt durch die Räumlichkeiten auf der Suche nach Minette. Sie hatten sich zwar auch außerhalb der Saison gesehen, doch ihr letztes Treffen war schon einige Tage her, vermutlich konnte man beinahe schon Wochen sagen, und Briefe auszutauschen war doch etwas ganz anderes als ihre liebste Freundin zu sehen.
      "Ich hoffe du hälst Ausschau nach Lord De Vos", begann ihre Großmutter dann wieder, und Nieva musste sich wirklich zusammen reißen um nicht zu seufzen. "Natürlich, Großmutter", erwiederte sie mit einen aufgesetzten Lächeln. Als gäbe es nur Männer in ihren Leben.


      Vorstellung
      "Call me Icarus, cause baby you're my sun"


      "Loving you's my Achilles' heel"
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      Es war der erste Ball der Saison aber bereits jetzt hatte Minette die Nase gestrichen voll. "Liebes, weißt du schon, mit wem du heute Abend tanzen möchtest?"
      "Nein, Mama." Natürlich hatte Constance nur die besten Absichten für ihre Tochter, zumindest wollte diese das gerne glauben, aber ihr gebetsmühlenartiges Gerede, sie solle sich doch endlich den Avancen eines netten Gentleman hingeben, fraßen sich mit anstrengender Penetranz in das Herz der jungen Dame. War es wirklich das, was sie tun sollte - sich einfach einem Mann schenken und ein Leben leben wie all die anderen, mit Kindern und nicht mehr als der Gnade ihres Ehemannes? Minette seufzte. Die Kutsche, in der sie mit ihrer Mutter saß, kam zum stehen. Der Duke of Grafton und sein Sohn hatten eine eigene Kutsche genommen, da sie zuvor noch geschäftliches zu erledigen hatten und aus einem anderen Teil der Stadt anreisten. Minette hoffte inständig, dass Isaac bald eintraf und seine schützende Hand über sie hielt, wie er es immer tat. Nicht, dass jeder Mann Londons ein mieser Schuft war, aber es traf doch auf einen erschreckend großen Teil von ihnen zu. So zum Beispiel hatte Lord Graynard doch kürzlich ein Dienstmädchen geschwängert, hatte es bei Whistledown geheißen und die Lords Nestor und Lingdon waren für ihren Hang zu Spirituosen und dieser neuen Substanz - dem Opium - bekannt. Von solchen Männern hielt sie nichts, genauso wenig wie von dem arroganten Kerl, der mit ihrer besten Freundin verlobt war. Raphael De Vos schrie in ihren Augen nach Geltungssucht, Langeweile und all den falschen Eigenschaften, die ein Mann mitbringen konnte.
      Kaum hatten Minette und ihre Mutter den Saal betreten, den Lady Danbury in eine rosegetönte Fantasie des Himmels verwandelt hatte, machten sich die Augen der jungen Lady Charteris auf die Suche nach Nieva. "Liebes, wie wäre es wenn du mit Lord-"
      Da, da war sie. Wie immer war Nieva in Begleitung ihrer Großeltern und ihres Vaters. Nur Jasille war nicht anwesend, er war auch eindeutig noch viel zu jung für diese Art von Veranstaltung. Minette nickte ihrer Mutter zu. "Ich tanze, mit wem du möchtest Mama, wenn ich vorher Nieva hallo sagen darf." Sie sah mit ihren großen Augen zu Constance auf und schürzte die Lippen. "Darf ich?" Lady Charteris-Hayhurst seufzte. "Nun gut, Kind, geh. Aber wenn ihr Verlobter eintrifft, kommst du zurück. Versprich es!"
      Minette strahlte bis über beide Ohren. "Versprochen!" Kaum hatte sie zu Ende gesprochen, drehte sie sich schon auf dem Absatz um und raffte ihr Kleid, um sich auf den Weg zu Nieva zu machen, die im Kreise ihrer Familie so wirkte, als würde sie lieber ertrinken als dort noch eine Minute länger zu bleiben.


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      Schon von Weitem spürte Raphael, dass dies kein gewöhnlicher Ball sein konnte. Lady Danbury musste sich wieder einmal selbst übertroffen haben, aber wer würde ihr das auch verübeln, wo sich doch die Königin und der Prinz höchstpersönlich angekündigt hatten. Während Ambrose wie gehabt aus dem Fenster stierte, als könnte das davon ablenken, wie gerne er seinem Cousin an die Kehle gesprungen wäre, schaute Rosetta nur zu Raphael. "Oh wie aufregend!", schnatterte sie. "Ich habe gehört das Thema sind die
      Himmelskörper. Kennst du dich nicht damit besonders gut aus, Cousin?"
      Raphael schnalzte mit der Zunge. "In der Tat, meine liebe Rosie, aber ich fürchte das Studium der Sternkarten ist ein zu komplexes Thema, um es in einen einzigen Abend zu quetschen. Wenn du willst, erzähle ich dir Zuhause mehr, vorausgesetzt, du vernachlässigst nicht deinen Unterricht." Das Mädchen nickte übereifrig. "Natürlich nicht, ich verspreche es dir. Wie könnte ich sonst mein Debüt geben in der nächsten Saison?" Immer wenn sie daran dachte, flatterte Rosettas Herz wie ein aufgeregter Spatz. "Ruhig Blut, meine Liebe. Du weißt, zunächst steht meine Hochzeit an, aber danach suchen wir dir einen geeigneten Ehemann. Deine Aussteuer steht schon längst bereit. "Pff, Angeber.", raunte Ambrose und fing sich dafür einen strengen Blick seines Cousins ein.
      Die Blütenblätter raschelten an den Säumen all der bodenlangen Kleider, die eine ganze Stafette an feinen Damen an den Leibern trug. Raphael nickte anerkennend ob der Mühe, die Lady Danbury für den Ball betrieben hatte. Er konnte ihre wachsame Präsenz spüren, immer bereit, wenn nötig die Fäden zu ziehen für diejenigen, die unter ihrem Schutz standen. "Da drüben ist meine Verlobte. Wenn ihr mich entschuldigen würdet.", sagte Raphael und schenkte seiner Cousine ein warmes Lächeln. Ambrose war ihm die Mühe nicht wert, er hätte ohnehin nur wieder einen bissigen Kommentar abgegeben.
      Raphael hatte sein Ziel beinahe erreicht, als er sah, wie Minette den Arm ihrer Freundin ergriff. Dieses Mädchen war die reinste Plage. Wenn sie einmal bei Nieva war, schienen die beiden wie eine undurchbrechbare Front. Wenn er also nicht den ganzen Abend auch noch sie um sich herumtanzen hatte, würde er eine Menge Wein brauchen. Die einzige Chance die er hatte, war möglicht schnell Nieva zum Tanz aufzufordern und von dieser Nervensäge fortzubringen.

    • Die Gespräche ihrer Familie wanderten rasch wieder zum Thema des Balles, und wie sehr Lady Danbury doch übertrieben hatte. Zumindest wurde ihre Großmutter es nicht müde sich darüber zu beschweren, während ein Diener herantrat und ihnen Champagnergläser überreichte, die im Kerzenlicht das den ganzen Raum erhellte wunderschön glänzten.
      Irgendwann schaltete Nieva einfach ab, und lehnte vereinzelnte Tanzaufforderungen ab. Immerhin wäre es sehr unangebrwacht gewesen, wenn sie mit einen anderen Mann tanzte, wenn sie noch nicht einmal ihren Verlobten einen Tanz geschenkt hatte. Abgesehen davon, dass ihr ein Tanz nicht viel bringen würde, schon gar nicht eine angenehmere Unterhaltung als mit ihrer Familie.
      Am liebsten hätte Nieva danach gefragt, ob sie sich ein wenig umsehen gehen dürfte, kannte die Antwort jedoch schon bevor sie eine Frage überhaupt in Erwägung zog. Ihre Großmutter wäre dagegen, dass sie alleine herumirrte. Als wäre sie noch ein kleines Kind und keine erwachsene Frau die vermutlich noch in dieser Saison heiraten würde. Als könnte Nieva irgendetwas anstellen, wobei sie doch so sehr auf jeden Schritt achtete den sie tat.
      Da sie sich alleine nicht umsehen konnte, und sicherlich keinen weiteren Kommentar ihrer Großmutter ausgehalten hätte, lies sie zumindest ihren Blick wandern. Und zu ihrer großen Freude erkannte sie Minette, die sich bereits einen Weg zu ihr suchte. Nievas Miene musste sich deutlich aufgehellt haben, denn selbst ihre Großmutter folgte ihren Blick.
      Zu gerne wäre sie Minette entgegen gegangen, doch sie spürte bereits in diesem Augenblick den tadelnden Blick ihrer Großmutter auf sich. Es gehörte sich nicht ihrer besten Freundin entegegen zu eilen, und sie in die Arme zu nehmen, um ihrer Freude gerecht zu werden. Auch wenn genau das war was sie sich in diesem Moment wünschte.
      Sie spürte die ungeduld bis in ihre Fingerspitzen kribbeln, bis ihre Freundin sie endlich erreichte und ihren Arm ergriff.
      "Minette!", freute sie sich und drehte sich zu ihrer Freundin um beide ihre Hände zu ergreifen und diese sacht zu drücken. "Ich freue mich so dich zu sehen", sprach sie dann weiter und musterte ihre Freundin einmal. "Du siehst wundervoll aus."
      Nieva musste sich wirklich beherrschen um nicht über das ganze Gesicht zu strahlen. So ein Gefühlsausbruch war nicht angebracht.
      "Lady Minette", begann dann auch ihr Vater, der Nieva am nächsten Stand. Ein höfliches nicken wurde an ihre engste Freundin gerichtet. "Ich hoffe Ihr und eure Familie seid gut in London angekommen?"
      Das war wirklich eine wundervolle Frage, die Nieva Minette schon viel früher hätte stellen sollen. Vermutlich hätte sie die Frage auch noch früh genug gestellt, spätestens dann wenn sie ihren Vater dazu überredet hätte, dass sie mit Minette ein wenig durch den Ballsaal und den Garten schlendern hätte dürfen.
      "Dürfte ich mit Minette-", sie kam gar nicht dazu ihre Frage auszusprechen als ihre Großmutter den jungen Lord De Vos zu entdecken schien. "Lord Raphael", rief sie ihn in einen angemessenen Ton und einer angemessenen Lautstärke, als hätte sie geahnt das Nieva sich gerade abseilen wollte.



      Er war vor ein paar Tagen mit dem Schiff in England angekommen, und auch wenn er die Reise sehr genossen hatte, hatte er sich wirklich darüber gefreut wieder festen Boden unter seinen Füßen fühlen zu können. Die Abenteuer auf See waren nicht für jeden Menschen etwas, und auf Dauer konnte sich Kiron sicherlich nicht als Seemann behaupten.
      Kiron hatte eine Nacht in einen Gasthaus verbracht, bevor er nach London weiter gereist war. Und schon in der ersten Nacht in seiner anderen Heimat sehnte sich der junge Mann wieder nach Indien. Vor allem das Klima fehlte ihm bereits jetzt. Auch wenn es sommerliche Temperaturen hatte, war es nichts im Vergleich zu der Wärme die es dort gab.
      Doch diese Unterschiede würden sich lohnen, sobald er an diesem Abend seine Familie wieder treffen konnte. Besonders freute er sich auf seine kleine Schwester, und fand es schade das er sie nicht direkt zuhause antreffen würde können.
      Eigentlich war es schon eine große Schande gewesen, dass er es nicht geschafft hatte Rinara bei ihren Debüt vor der Königin zuzusehen. Es war immerhin etwas besonderes und einmaliges, aber Kiron war sich sicher, dass sie wundervoll gewesen war. Alleine der Gedanke daran erfüllte ihn auf seltsame Art mit stolz.
      Er wusste das er heute schon spät dran war, als seine Kutsche vor dem Anwesen von Lady Danbury zum stehen kam. Vermutlich waren alle anderen schon anwesend und er würde als letzter eintreffen. Aber das war für ihn wirklich kein Problem, warum sollte es auch? Er würde sicherlich einen herrlichen Auftritt geben, und vielleicht konnte er damit seiner Schwester auch ein Lachen abgewinnen. Allerdings wusste er bereits jetzt, dass der Rest seiner Familie darüber eher nicht erfreut wäre.
      Leider, auch wenn er diese Eigenschaft an sich selbst nicht unbedingt mochte, war es ihm relativ egal was die Anderen davon hielten.
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      Sie hätte es ahnen müssen und doch war Minette nicht gerade überrascht davon, dass sie, kaum da sie ihre Freundin erreicht hatte, aufs Abstellgleis manövriert wurde. Sicher meinte es Lady Willoughby nur gut mit ihrer Enkelin, aber sie schien dabei aus den Augen zu verlieren, dass Nieva einen eigenen Willen und vor allem ein großes Herz hatte und Lord De Vos war nicht derjenige, der dafür geeignet war, es zu beschützen oder gar vor Liebe erblühen zu lassen.
      Minette knickste anstandsgemäß und senkte ihren Kopf, bevor sie sprach. „Lord und Lady Willougby, es ist mir eine Freude, Sie wiederzusehen. Die Reise war äußerst erfrischend und ertragreich, aber ich bin froh, wieder zurück in London zu sein.“ Obwohl Lady Charteris-Hayhurst seit einigen Jahren in die englische Gesellschaft gehörte, war sie klug genug, um die alten Kontakte ihres verstorbenen Mannes zu nutzen. Die Fabrik mochte nun von ihren ehemaligen Schwagern geführt werden, aber jeder Geschäftspartner witterte ein gutes Geschäft, wenn er hörte, dass es Verbindungen zum Duke of Grafton gab. So hatte es sich ergeben, dass Minette und ihre Familie in ihre alte Heimat gereist waren, wo sie die letzten Wochen verbracht hatten. Den ganzen Weg in den Süden hatten sie auf sich genommen, um noch einmal die Häfen von Marseille zu sehen. Minette vermisste ihre Stadt, ihr altes Zuhause, aber es gab etwas, das sie an London mehr vermisste, wenn sie fort war – und das war Nieva.
      Ihre Freundin hatte nach ihren Händen gegriffen und Minette drückte sie sanft. „Lord Willoughby, wenn Sie gestatten, würde ich Ihre Enkelin gerne auf einen Spaziergang mitnehmen, sobald sie ihren ersten Tanz mit Lord De Vos genossen hat. Der Duke und mein Stiefbruder sind noch nicht eingetroffen, so dass ich gerne eine Begleitung bei mir hätte.“ Sie wusste, dass ein Mann von Ehre nicht ablehnen würde, wenn eine junge Dame um Geleit bat und immerhin machte sie das Zugeständnis, dass Nieva natürlich zuerst ihren Verlobten begrüßen sollte, der ohnehin nicht nachgeben würde, bevor er hatte, was er wollte. Raphael war Minette mehr als nur ein Dorn im Auge, er war eine unerträgliche Plage, genau wie Isaacs fetter Kater, nur dass sich ein Lord weniger schnell mit einem Besen verjagen ließ als eine Katze.


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      Natürlich hatte auch ein schneller, zielstrebiger Schritt nicht geholfen, denn Raphael sah, wie sich die junge Lady Charteris bereits an seine Verlobte heftete als sei sie ein Oktopus, der seine Saugnäpfe fest auf seine Beute klebte. Es gab jedoch einen großen Vorteil für Lord De Vos und das war der, dass er bereits mit Nieva verlobt war. Kaum etwas war besser, um ungebetene Gäste loszuwerden, als die Willoughbys auf die Heirat hinzuweisen, auf die sie schon so lange warteten. Für ihn selbst mochte es unerwartet gekommen sein, immerhin hatte Raphael erst bei der Testamentseröffnung seines Onkels davon erfahren, dass nun er eine arrangierte Verbindung an Stelle seines Cousins eingehen sollte, aber es war bei Weitem nicht das Schlimmste, was ihm hätte passieren können. So hatte er nicht nur einen Grund gehabt, Antwerpen zu verlassen, er erhielt auch noch Rang und Namen, ein großes, altes Haus voller Kostbarkeiten und eine bildschöne Verlobte, die sich brav dem fügte, was ihre Familie sagte. „Lord Willoughby, Lady Willoughby“, er verneigte sich, „Lady Nieva, ich bin entzückt, Euch anzutreffen.“ Mit einer galanten Bewegung ergriff er Nievas Hand, Minette hatte aufgegeben, diese halten zu wollen, und hauchte ihr einen Kuss darauf. „Meine liebe Nieva, würdet Ihr mir den ersten Tanz des Abends schenken? Ich habe noch so viele Fragen an Euch.“ Er warf einen charmanten Blick zu ihrer Großmutter. „Immerhin haben wir noch gar kein Hochzeitsdatum festgelegt und ich möchte natürlich, dass alles Euren Vorstellungen entspricht. Ihr sollt jedes Blumengesteck, jedes Getränk, jeden Kuchen haben, den Ihr wünscht. Jeder Eurer Freunde, Eure gesamte Familie, das Königshaus, jeder wird auf unserer Vermählung willkommen geheißen.“ Im Hintergrund sah er Minette ihre Lippen kräuseln, natürlich, denn sie glaubte nicht ein Wort, von dem was er sagte. Raphael lächelte kühl in ihre Richtung. Was sie dachte, war nicht von Belang, er musste nur Nieva überzeugen, die bisher nicht sehr angetan von der Idee zu sein schien, ihn zu heiraten. Sicher, sie würde ihrer Großmutter gehorchen, das war so unumstößlich wie das Amen in der Kirche, aber sie tat es nicht gerne und das konnte gefährlich werden.
      Gerade als er sie gerne in Richtung der Tanzfläche dirigiert hätte, erschien ein neuer Gast auf den breiten Treppen des Anwesens. Seine Erscheinung war schillernd und grell auf eine Art, die Raphael so nicht kannte. „Wer ist denn dieser Gentleman?“, fragte er mit einem Tonfall, der zwischen Verwunderung und Missmut changierte. Der junge Mann war ihm nicht bekannt, er musste erst kürzlich in London angekommen sein und sein Erscheinungsbild ließ darauf schließen, dass er sich wenig darum scherte, was die Welt von ihm dachte. Im Vergleich zu all den braven Anzugträgern, Lord De Vos selbst eingeschlossen, trug er auffälligen Goldschmuck und leuchtende Farben, die ihn zwischen all den Anwesenden hervorstechen ließen.

    • Lord Willoughby nickte auf Minettes Worte hin und schien sich überdie gute Reise der Freundin seiner Enkelin zu freuen. Es war immer nett zu hören, wenn andere eine angenehme Reise hatten. Vor allem deswegen, weil er es überhaupt nicht leiden konnte ständig hin und herfahren zu müssen. Lord Willoughby war froh, wenn er nach dieser Saison seinen Sohn den Titel übergeben konnte, dann würde er das ganze Jahr über auf dem Land leben, und nur zu gewissenen Hochzeiten die Stadt wieder besuchen.
      Ein weiteres Nicken des älteren Herren folgte, als er Minettes Frage vernahm. "Natürlich, natürlich. Ein Spaziergang ist sicherlich erfrischend nach einen Tanz", meinte er dann und Nieva wusste in diesem Moment nicht ganz wohin mit sich.
      Natürlich kannte sie diesen Trubel, und sie freute sich auch das sie mit ihrer Freundin gleich spazieren könnte, aber das eintreffen von so vielen Personen die in Nievas Leben eine große Rolle spielten war unter den gegebenen Bedienungen eine Anstrengung die sie gerne vermieden hätte. Da war natürlich der Punkt das man sie zur einer Hochzeit zwang, Nieva hatte immer gewusst das sie eines Tages heiraten würde, aber je länger sie über die Folgen einer Hochzeit nachdachte, desto weniger wollte sie es. Ein anderer Punkt war der, das ihr Verlobter und ihre beste Freundin sich nicht ausstehen konnten, und selbst wenn niemand anders es mitbekommen sollte, tat sie es sehr wohl. Das war auch nur ein weiterer Punkt warum sie sich nicht auf diese Hochzeit freute, und das Leben was ihr danach blühte. Würde ihr Zukünftiger es zu lassen, dass sie weiterhin diesen regen Kontakt mit Minette führen konnte? Nieva konnte nicht anders als es an zu zweifeln. Und dann waren dort noch die Augen all der neugierigen Adeligen, die sich nach Klatsch und Tratsch nur so verzerrten, dass es ihnen bestimmt ein Festmahl wäre zu sehen wie Nieva in dieser Situation strauchelte.
      Sie wollte sich nicht von den Händen ihrer Freundin lösen, doch als ihr Verlobter bei ihnen ankam blieb ihr nichts anderes übrig. Wie es sich gehörte, machte sie einen leichten Knicks um den Lord zu begrüßen, und setzte ein freundliches Lächeln auf.
      "Sehr gerne schenke ich Ihnen den ersten Tanz des Abends", bekam sie dann auch heraus, als sie sich halbwegs in die Situation eingefunden hatte. Es war chaotisch in ihren Kopf, aber das war etwas das sie so nicht zu lassen durfte. Sie musste ihre Gedanken klären, damit alles gut laufen konnte.
      Allerdings war das nicht sehr einfach, als sie all die Fragen hörte, die er ihr wohl bei diesem Tanz stellen wollte. Es waren Entscheidungen und Dinge mit denen sie noch nicht gerechnet hatte. Nieva hatte gehofft das alles aufschieben zu können, immerhin fand sie das der Verlust ihres Zukünftigen noch zu frisch waren. Er schien diese Auffassung jedoch nicht zu teilen, oder waren Männer ganz anders gestrickt als Frauen? Offensichtlich.
      Nieva könnte niemals mehr ans Heiraten denken, wenn ihre Familie so tragisch... Als sie jedoch einen Blick über ihre Schulter zu ihrer Großmutter und kurz zu Minette tätigte, blieb ihr wohl nichts anderes übrig. Der Blick ihrer Großmutter der vor Freude und Ehrgeiz funkelten waren ihr Befehl genug. Nieva wusste das Minette eher auf ihrer Seite war, und war in diesem Moment nur noch erfreuter darüber, dass sie nachher mit ihr über all dies sprechen könnte. Mit jemanden der sie verstand und dem Nieva vertrauen konnte.
      "Wir sollten die Herzogin begrüßen", hörte sie ihren Großvater noch sagen, bevor sie von Raphael weg geführt werden sollte. Bis jemand eintraf der wohl die ganze Aufmerksamkeit des Balles auf sich zog. Wenn es literarisch gewesen wäre, hätten nun auch die Musiker verklingen müssen, aber das hier war kein aufregendes Buch, weswegen dies nicht passierte.
      Der junge Mann der hier eintraf hatte nichts mit denen gemein die bereits hier waren, und auch wenn Nieva wusste das sie nicht hätte starren dürfen, konnte sie nicht anders. Er sah wundervoll aus, das konnte man ihm nicht abnehmen, selbst wenn es für sie ungewohnt war einen Mann mit so viel Schmuck zu sehen.
      In ihren Kopf arbeitete es, als sie die Frage ihres Verlobten hörte. Nieva war in England aufgewachsen, sie kannte alle Adeligen beim Namen, und das Gesicht sagte ihr auch irgendetwas... "Es könnte vielleicht der Sohn des Counts von Cumberland sein. Ich habe gehört, dass er zum Debüt seiner Schwester von einer langen Studienzeit aus dem Ausland zurückkehren wollte", erinnerte sie sich dann. Kiron Amal Devi. Bevor sie selbst ihr Debüt hatte, war er bereits fort gewesen. Und so wie er gekleidet war, konnte es durchaus er sein, denn es entsprach nicht der Mode die sie aus England kannte.



      Er machte aus seinen Eintreffen eine kleine Show, sobald er merkte das die Aufmerksamkeit von vielen auf ihn lag. Er blieb ein paar Sekunden stehen, damit die Leute ihn auch wirklich betrachten konnten, und machte dann eine leichte Drehung zu einen Diener hin um sich ein Glas von einem der Getränke - er achtete nicht einmal darauf was es war- zu nehmen, und einen Schluck davon zu trinken. Das verursachte nur das sein Schmuck ein wenig klimperte, den er nicht nur an Hals und Ohren trug.
      Die Ringe an seiner Hand glitzerten mindestens genauso sehr wie die Sterne die, die Veranstalterin aufhängen hatte lassen.
      Kiron hatte keine Zeit mehr gehabt um sich andere Kleidung anfertigen zu lassen, also hatte es seine feinste Kurta tun müssen, die in Farbe und Muster getaucht war.
      Es dauerte nicht sehr lange, bis das überraschte, stille Interesse umschlug, und sich einige der Anwesenden in seine Richtung trauten, darunter vor allem einige Mütter, selbst wenn Kiron nicht hier war um eine Gattin zu finden, oder? In erster Linie war der junge Mann zumindest für seine Schwester da, weswegen er auch nach seiner Familie Ausschau hielt.
      "Bitte verzeiht mir, ich habe meine Familie noch nicht Begrüßen können. Sobald ich das jedoch getan habe, bin ich ganz der Ihre", lächelte er dann die ganzen Damen an die sich versammelt hatten, als wäre er Frischfleisch das man Tigern vorwarf.
      Er schlängelte sich dann hindurch zu seinen Eltern und seiner Schwester.
      Sein Vater warf ihm einen strengen Blick zu, seine Mutter schüttelte leicht tadelnd den Kopf, aber seine Schwester konnte ihr Lächeln nicht einmal hinter einem Fächer verstecken.
      "Musstest du so hier auftauchen?", fragte sein Vater ernst nach. "Ich wollte nicht noch länger warten euch alle zu treffen."
      Kiron schenkte seiner Familie - zumindest dem Teil der Anwesend war- sein charmanteses Lächeln, was zumindest seine Mutter weich werden lies. "Lady Whistledown wird bestimmt nur von dir erzählen", kicherte seine Schwester dann, was ihren gemeinsamen Vater nur noch strenger aussehen lies. "Ich hoffe nich",verkündete dieser.
      Kiron hatte aber keine Ahnung wer dies sein sollte. Und sein fragender Blick lies Rinara nur noch amüsierter werden.
      "Ich werde dir alles erzählen, Bruder. Können wir ein wenig spazieren gehen?", die frische Debütantin sah ihren Vater fragend an, der ernsthaft zu überlegen schien. Immerhin war das hier der erste Ball der Saison, und es war wichtig wenn seine Tochter einen Ehemann fand, dass sie mit den jungen Gentlemen tanzte und nicht mit ihren Bruder flanierte. Allerdings hatten die beiden sich schon ewig nicht mehr gesehen. "Dürft ihr, aber nicht zu lange."
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      Bei all den Dingen, die Raphael in seinem Leben gerne lernte, gehörte die englische Oberschicht nicht unbedingt dazu. Er gab sich die größte Mühe, jeden Duke, Count und Viscount, ihre Frauen, jeden Earl und Lord mit ihren Familien auswendig zu lernen, aber bisher waren seine Bemühungen nur mit wenig Erfolg gekrönt. Kein Wunder also, dass es ihm nicht einfiel, wer wohl der kuriose Gast war, der den Ballsaal so spät betrat. Raphael besah ihn sich genauer, seine Art zu gehen und seine Gesichtszüge, überhaupt seine ganze Erscheinung, Tief in seinem Inneren wusste Lord De Vos, dass er nicht grundsätzlich etwas gegen diesen Mann hatte, es störte ihn viel mehr, dass dieser etwas repräsentierte, was er selbst nicht hatte. Mut und ein natürliches Selbstbewusstsein, um gänzlich nonkonform auf Lady Danburys Ball zu erscheinen. Kiron sah nicht eine Sekunde bekümmert darüber aus, dass er wie ein Pfau inmitten eines Schwarms Tauben wirkte. Raphael besann sich wieder auf sich und vor allem auf die Frau, deren Hand er für den Tanz erbeten hatte. „Lady Nieva, ich freue mich auf diesen Tanz.“, sagte er und neigte noch einmal sein Haupt, bevor er sie zur Tanzfläche führte. Nachdem alle zu Genüge gestarrt und sicher auch geurteilt hatten, wandte sich die Aufmerksamkeit der Anwesenden weg von Kiron und wieder zu den Dingen, um die es bei einem Ball schließlich gehen sollte. Der ein oder andere Gentleman hatte bereits seine Auserwählte zum Tanz aufgefordert und gemeinsam mit Raphael und Nieva waren es acht Paare, die sich auf die Fläche wagten, im Zentrum der Abendgesellschaft und den Blicken der neugierigen Menschen ausgesetzt. „Geht es Euch gut? Ihr seht etwas bekümmert aus.“, fragte Raphael, während ein neues Lied einsetzte und er begann, seine Verlobte zu führen. Sittsam vermied er jede Berührung, die für Getuschel hätte sorgen können, denn Nievas Großmutter würde mit Argusaugen darauf achten, dass keine unkeuschen Gerüchte entstanden. Auch Raphael wollte dies vermeiden. Seine zukünftige Braut war ein hübsches Ding und sie hatte einen tadellosen Ruf, er wollte nicht, dass seinetwegen etwas diesen guten Ruf überschattete. „Nun, Lady Nieva, ich habe mich gefragt, was Ihr von der anstehenden Vermählung haltet. Ich weiß, dass unsere Familien dort die Fäden zog, aber dies soll kein Grund für Euch sein, unglücklich damit zu werden. Verratet mir, welch eine Art von Feier habt ihr Euch vorgestellt?“ Er lächelte sanft, während sie unter den gigantischen Himmelskörpern tanzten, die Lady Danbury zur Dekoration bestellt hatte.


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      Nun, da ihre Freundin sich mit dem Lord auf der Tanzfläche begnügte, seufzte Minette leise. Sie sah ihre Mutter auf sich zukommen, natürlich, aber zu ihrer großen Freude war sie nicht alleine. Auf der Duke of Grafton war bei ihr, genau so wie sein Sohn.
      „Familie Willoughby, wie schön Sie zu sehen.“, grüßte Theophilus Hayhurst und verneigte sich leicht. „Es ist immer wieder erquickend zu sehen, wie Ihre kleine Nieva tanzt. So eine grazile Dame und bald schon eine sicher genau so schöne Braut.“ Seine Frau stimmte ihm strahlend zu. „Wirklich, sie ist ein Stern für sich. Ein Jammer, dass sie bei ihrem Debüt nicht zum Juwel der Saison ernannt wurde. Aber vielleicht auch ein Glück, sie hätte jeder Anderen wohl die Verehrer stehlen können.“ Die Lady Charteris-Hayhurst lachte und winkte ab. Es war jedes Mal ein einziges Theater, wenn die Königin ihr Juwel ernannte und eine Meute von enttäuschten jungen Frauen sich gegenseitig das Leben schwer machte, nur um eine gute Partie zu finden. Minette tippelte schon beinahe ungeduldig auf ihren Füßen herum, aber nur so wenig, dass man es unter dem langen Kleid nicht sah. Sie konnte nicht erwarten, ihren Stiefbruder wiederzusehen. Isaac hatte zwei Getränke in der Hand und reichte ihr eines davon. „Einen wundervollen guten Abend.“, begrüßte er die Runde und verbeugte sich elegant. Isaac war ein strahlender Mensch mit wachen, intelligenten Augen und einem einnehmenden Lächeln. Man sah ihm an, dass er Abenteuer liebte und dennoch hatte er die Manieren eines waschechten Londoner Lords, selbst wenn er von einer wochenlangen Seereise kam. „Habt ihr schon den Sohn des Counts von Cumberland gesehen? Das nenne ich einen Auftritt! Der Mann wird sicher noch so einige Herzen brechen mit seiner faszinierenden Art. Und seine Schwester ist ebenso interessant wie er.“ Minette kräuselte amüsiert die Lippen. „Lady Rinara Devi wird dir doch nicht den Kopf verdreht haben? Hört hört! Dann solltest du sie wohl um einen Tanz bitten, nicht?“
      Minettes Mutter hob tadelnd den Finger. „Liebes, das ist die Entscheidung deines Bruders. Du selbst solltest schauen, wessen Einladung du heute Abend folgen möchtest, denkst du nicht?“ Der Duke nickte stumm neben ihr. Minette wusste, ihm wäre es lieb, sie würde sich alsbald vermählen und am besten bis zum Ende des Jahres heiraten. Entschuldigend wandte sie sich zu Nievas Großeltern und ihrem Vater. „Genug des Geschwätzes, wir wollen doch nicht die liebe Nieva überschatten. Sie und Lord De Vos geben so ein schönes Paar ab.“ Beinahe wären ihr die eigenen Worte im Halse stecken geblieben, aber es war immer noch besser, auf die beiden umzuschwenken, als dass man über ihre eigene Heiratsfähigkeit sprach. Darüber auslassen konnte sie sich immer noch, sobald sie mit Nieva spazieren ging. Bis dahin jedoch musste sie zusehen, wie ihre beste Freundin mit diesem Teufel tanzte, der in ihren Augen immer etwas zu aalglatt aussah, zu freundlich um echt zu sein.

    • Nieva setzte nur ein leichtes Lächeln auf, als der Lord ihr mitteilte er freue sich auf diesen Tanz. Es warnicht so das Nieva das Tanzen nicht wertschätzte, es waren viel mehr die Unterhaltungen mit den Männern die man dabei führen musste.
      Das sie jemanden aus der Familie des Earls heiraten sollte stand schon seit vielen Jahren fest, deswegen waren diese Unterhaltungen für sie immer sehr belanglos gewesen. Wann war das letzte Mal gewesen, dass Nieva einen Tanz wirklich genossen hatte?
      Kaum hatte sie an diese Frage gedacht, erinnerte sie sich an den Moment, als sie vor einigen Jahren mit Minette einen Tanz geübt hatte, damit auch wirklich alle Schritte saßen. Es war ein wenig holprig gewesen, aber sie hatte selten so viel Lachen müssen, nur wegen eines Tanzes. Das Lächeln in ihren Gesicht wurde bei dieser Erinnerung viel ehrlicher, und wirkte vermutlich auch nicht mehr so geübt und einstudiert.
      "Natürlich geht es mir gut. Ich denke ich bin nur ein wenig aufgeregt mit Euch zu tanzen", erzählte sie dann. Männer mochten es gerne wenn man ihnen schmeichelte, sie hoffte das sie so das ganze Thema gut umschifft hatte. Sie konnte diesen Mann immerhin nicht sagen, dass der Gedanke an eine Hochzeit mit ihm, sie maßlos überforderte. Das sie zu den Frauen gehörte die sich niemals eine Ehe gewünscht hatten. "Und wie geht es Euch? War die Fahrt hier her angenehm? Ich meine ich habe vorhin eure Cousine erblickt?"
      Nieva sah sich einmal um, erblickte seine Verwandte aber nicht direkt weswegen sie sich auch wieder damit begnügte ihren Verlobten anzusehen. Er war ein schöner Mann, und sicherlich hatte er auch alle guten Qualitäten die sich eine Frau hätte wünschen können, aber irgendetwas fehlte ihr.
      Viel lieber als diese oberflächliche Unterhaltung hätte sie den Musikern gelauscht die das Lied anstimmten zu dem sie sich bewegten. Sie mochte es der Geige zu zu hören, da es ein Instrument war, das sie selbst nicht perfekt beherrschte. Sie wusste wie schwierig es war es zu spielen, und liebte es deswegen umso mehr einen guten Musiker dabei zu zu hören.
      Aber Nieva war es nicht vergönnt den wohlwollenden Klängen zu lauschen, als sie wieder mit der Hochzeit konfrontiert wurde. Sie hatte diese Frage schon von vielen Leuten gehört. Und sie hatte immer die selbe Antwort bereit, die sie jedem sagte wie es war von einer Abmachung heraus verlobt zu werden. "Ich bin sehr erfreut über diese Vermählung, Lord De Vos. Ich empfinde es als wirkliches Glück, dass ich mir keine Gedanken darum machen musste, welcher Kandidat für eine Ehe überhaupt in Frage kommt und bin unseren Familien Dankbar das sie diesen Stress von meinen Schultern genommen haben. Sie sind immerhin eine gute Partie und ein hervorragender Gentleman", lächelte sie ihn dann an, auch wenn sich ihre Worte so hohl anfühlten als sie diese aussprach. Sie wusste das viele junge Frauen von einer Liebesheirat träumten, oder das sie hofften ihren Ehemann lieben zu lernen. Auf mehr konnte Nieva wohl auch nicht hoffen. Aber für Männer war es anders, und in diesem Moment überkam sie eine seltsame Angst. "Seid Ihr denn unzufrieden mit unserer Verlobung?"
      Es könnte sein, für ihn war immerhin alles was mit seinen Titel einherging eine Überrschung gewesen. Nieva hatte sich bisher darüber keine Gedanken gemacht, aber seine Frage warf es nun doch auf.
      "Ich habe mir einige Gedanken über die Feierlichkeiten gemacht, wie ich zu geben muss, und es kamen mir viele Ideen. Aber ich wollte Euch nie aus den Planungen ausschließen. Es gibt viele Möglichkeiten, alleine schon die Auswahl wo es stattfinden soll ist eine große. In der Stadt? Auf euren Landsitz? Auf den meiner Familie?", versuchte sie unbekümmert seine letzte Frage zu beantworten. Auch wenn sie sich alles andere als unbekümmert anfühlte. Am liebsten würde sie diese Vermählung bis zum äußersten hinauszögern.


      Die Willoughbys
      Der Rest der Anwesenden Familie ergab sich einer gebührenden Begrüßung an den Duke und seiner Familie. Es war eine der wenigen Sachen - vor allem in den Augen von Nievas Großmutter- die sehr positiv an Nievas Freundschaft war. Es war eine wirklich gute Verbindung.
      Roxas Brust schwoll jedoch vor Stolz auf seine einzige Tochter an, als er diese Art von Komplimenten hörte. Er war immer stolz auf seine Tochter gewesen, vor allem wenn man die Dinge betrachtete die dem jungen Ding schon so früh in ihren Leben unter gekommen waren. Natürlich gab es überall harte Schicksale, aber nicht viele gingen damit sehr gut um. Er war damit nie sehr gut umgegangen.
      "Nieva ist wirklich eine gute Tänzerin, sie hat sich in ihren Unterricht immer viel Mühe gegeben. Ich wünschte nur wir könnten Minette auch ein wenig öfter Tanzen sehen. Wenn mein Sohn schon ein wenig älter wäre, würde sie sicherlich nicht hier bei uns stehen."
      Da gäbe es dann kein verstecken vor potentiellen Verehrern, denn dann würde man Minette auch öfter auf der Tanzfläche betrachten können. Sophie Willoghby kicherte daraufhin höflich, und schenkte den Anwesenden ein strahlendes Lächeln, war aber auch darauf bedacht ihre Enkelin nicht zu lange aus den Augen zu lassen.
      "Ich schätze mich eigentlich glücklich, dass unsere Nieva nicht das Juwel ihres Debüts wurde. In den letzten Jahren kam ich nicht umhin zu beobachten, dass die Königin ihre Juwele danach auswählt wie viele Skanalde um diese herum passiert. Unsere Nieva hatte nie das Potential dazu, wir haben uns schon früh darum gekümmert das sie sich keine Gedanken um ihre Zukunft machen muss."
      Die ältere Dame liebte es wirklich sich über die anderen zu äußern, vor allem auf diese Art. Ob es die Königin war oder Lady Danbury. Oder irgendjemand anderen der ihren Sinn von Perfektion nicht entsprach. Und diesen Sinnn zu entsprechen war schwer, nicht einmal ihre Enkelin kam gut daran. Vermutlich gab es niemanden der diesen Standart entsprechen konnte.
      Als der junge Lord Isaac dann kam und begann über den Neuankömmling zu sprechen wäre Sophie Willoghby nur zu gerne darauf eingegangen. Sie hätte sich gerne über diesen ausgelassen, aber soweit kam es nicht. Sie konnte nicht schnell genug in das Gespräch eingreifen, und vermutlich waren die Anwesenden auch recht froh darüber.
      Nievas Großmutter musste sich bemühen zu sagen, dass man ihre Enkelin nicht überschatten könnte, aber bei all dem was sie zu sagen hätte, hätte es sicherlich dazu kommen können. So konnte die ältere Dame so tun als hätte sie zumindest ein bisschen Anstand in dieser Hinsicht.
      "Das sind die beiden gewiss. Sie werden unserer Enkelin sicherlich eine große Stütze bei den Vorbereitungen sein, und vielleicht findet sich dabei auch ein guter junger Mann für Sie selbst? Ich kenne den Viscount Grey recht gut, und er hat einen Sohn den man als sehr zuvorkommend beschreibt. Wenn Ihr wollt, kann ich ihn Euch vorstellen?", mischte sich dann auch einmal Jasille ein. Er mochte diese kleine Freundin seiner Enkelin, und er empfand es wirklich als große Freude das die beiden sich so gut verstanden. Er wollte für dieses Mädchen auch das beste wie für seine eigene Enkelin. Dabei kam ihn erst zu spät in den Sinn das er damit seine Grenzen überschreiten konnte. Entschuldigend sah er zum Duke.
      "Ich bitte um Verzeihung, ich denke ich sehe ihre Tochter beinahe schon wie meine eigene Enkelin an, die beiden verbringen viel Zeit miteinander. Das Alter macht dies wohl mit einem."




      Rinara begann zu strahlen als ihr Vater die Erlaubnis aussprach, und auch Kiron konnte seine Gefühle schlecht verbergen. Er freute sich natürlich auch darauf ein wenig Zeit mit seiner Schwester verbringen zu können. Also hielt er ihr den Arm hin und sie hakte sich bei ihm unter. Kiron lies sich dabei Zeit seine Schwester aus dem Ballsaal zu führen, als erstes hin zur Verande und dann von dort hinab in Lady Danburys große Gärten.
      Von hier aus leuchteten die wirklichen Himmelskörper auf sie herab, was doch seinen eignen Charme hatte, den nicht einmal eine reiche Witwe mit ihren Duplikaten hätte einfangen können.
      Kiron bemerkte auch wieder den Unterschied des Klimas, und selbst wenn es seiner Schwester nicht sehr kalt zu sein schien, fröstelte es ihn ein wenig, was die junge Frau an seinen Arm zum Lachen brachte. Ein nicht sehr Damenhaftes Lachen aber das benötigte es vor Kiron auch nicht. "Sag mir nicht, dir ist kalt?", lachte sie noch immer ein wenig und zum ersten Mal ein wenig Verlegen kratzte Kiron sich am Kopf. "In Indien ist es eben wärmer als hier", stellte er fest. "Aber das ist nicht so wichtig du wolltest mir mehr von dieser Lady Whistledown erzählen", begann Kiron dann.
      Seine Schwester nickte eifrig. "Ich habe sie in meinen Briefen gelegentlich erwähnt, aber ich scheine vergessen zu haben dir eine genauere Erklärung zu geben", begann sie dann und erzählte dann nur zu gerne von den letzten zwei Saisons, und die ganzen kleinen Pamphlete die alle so beschäftigten. Rinara war selbst noch nicht debütiert zu den Zeitpunkt aber ihr älterer Bruder war auf der Suche nach einer Braut gewesen, weswegen sie die letzten Sommer wie die meisten anderen auch in der Stadt und mit dem Tratsch verbracht hatte.
      "Call me Icarus, cause baby you're my sun"


      "Loving you's my Achilles' heel"
    • rคphคēl


      Bei allem, was Raphael über seine Verlobte wusste, wunderte ihn durchaus ihr unnatürliches Süßholzgeraspel. Gewiss, sie war gut erzogen und er glaubte ihr sogar, dass sie sich über die arrangierte Ehe insofern freute, dass sie sich selbst keine Gedanken um einen geeigneten Kandidaten machen musste, aber es passte nicht zu ihr, ihm Honig ums Maul zu schmieren. Wahrscheinlich verdankte sie das der Erziehung ihrer Großmutter, die stets ein waches Auge darauf hatte, wie ihre Enkelin sich benahm und es nicht zulassen würde, wenn Nieva ihren Verlobten vor den Kopf stieß. „Ich versichere Euch, es besteht kein Grund zur Nervosität, meine Teuerste. Ich werde auf Euch Acht geben, so wie es sich gehört.“ Er lauschte der Musik, dem besten Ensemble wahrscheinlich, dass es im Londoner Großraum gab, und bedauerte es, dass er sich zeitgleich aufs Tanzen konzentrieren musste, anstatt es einfach nur zu genießen. Lady Danbury hatte wahrlich keine Kosten und Mühen gescheut und das merkte man sogar an diesen äußerst erfrischenden Klängen, die ihm mutig und unkonventionell vorkamen. Raphael entschied, dass er sich erkundigen musste, welcher Komponist dieses Werk erschaffen hatte, bevor er später das Anwesen verließ. „Ihr habt Recht, meine Teure, die liebe Rosetta und mein Cousin Ambrose sind ebenfalls zugegen. Ich würde mich freuen, wenn wir später gemeinsam einen Punsch trinken würden. Rosetta betet Euch an, seit sie Euch zum ersten mal gesehen hat und sie würde sich liebend gerne mit Euch unterhalten, bevor sie in der nächsten Saison selbst ihr Debüt gibt.“
      Man konnte spüren, dass sowohl Raphael als auch Nieva sich eher wie Marionetten auf der Tanzfläche bewegten, als ein freudiges Paar abzugeben, das seiner baldigen Vermählung entgegen blickte. Der Lord bedauerte zutiefst, dass seine Zukünftige sich nicht wohlfühlte, aber bei allem was er über seine Familie und die Familie Willoughby wusste, war das Beste, was sie tun konnten, einfach dem Plan ihrer Angehörigen zu folgen. Nichts wog schlimmer als ein Skandal, erst Recht wenn ihn die Klatschbase namens Lady Whistledown veröffentlichte.
      Raphael setzte ein aufmunterndes Lächeln auf und bot Nieva seinen Arm an, als das Lied verstummte und der Tanz ein Ende fand. „Nun, was die Vermählung angeht, würde ich nicht sagen, dass ich unzufrieden bin.“, sagte er, während er sie zurück zu ihrer Familie geleitete. „Es ist viel mehr so, dass ich nicht in dem Glauben aufgewachsen bin, dass es mir allzu bald vergönnt sein würde, einer Familie vorzustehen, geschweige denn meine eigene zu gründen. Es kam alles sehr plötzlich, aber ich bin ein pflichtbewusster Mann und ich stehe zu meinem Wort. Zudem seid ihr eine ausgesprochen liebreizende junge Dame, Lady Nieva, ich könnte niemals klagen.“ Sie kamen vor Jasille zu stehen, der noch im regen Gespräch mit Lord und Lady Hayhurst war, und Raphael wendete das Wort an ihm. „Lord Willoughby, ich habe darüber nachgedacht, ob ich Ihre Familie nicht am Sonntag zum Tee einladen sollte? Wir könnten über die Hochzeit sprechen, ohne dabei den Ball im Nacken zu haben und Nieva kann ihre Wünsche äußern. Was sagt Ihr dazu?“


      Ⲙⲓⲛⲉⲧⲧⲉ
      (und Familie Charteris-Hayhurst)


      Lady Charteris-Hayhurst tätschelte die Schulter ihrer Tochter. „Wir werden sie gewiss noch tanzen sehen, auch heute. Unser lieber Isaac wird sie nicht immer vor der Welt verstecken können, das wäre zu schade.“ Minette hätte am liebsten etwas dazu gesagt, aber sie schluckte brav ihre Worte herunter und folgte stattdessen mit ihrem Blick Nieva, die wahrhaftig bezaubernd aussah, wenn sie tanzte. Es hätte jeder Mann an ihrer Seite sein können und trotzdem hätte Nieva gestrahlt, wie es keine andere konnte. Minette konnte es kaum erwarten, dass Lord De Vos sie freigab und sie mit ihrer Freundin spazieren gehen konnte, schließlich gab es noch eine Überraschung. Minette hatte in den Falten ihres Kleides eine kleine Tasche eingenäht und in ebendiese ein noch kleines Buch gesteckt. Isaac hatte es von seiner letzten Geschäftsreise mitgebracht und Minette, die liebend gerne malte, hatte sich damit beschäftigt, all die tristen, schwarz-weißen Abbildungen bunt zu illustrieren. Es war ein Band von Märchen aus Schottland, und auch wenn Nieva und sie schon lange den Kinderschuhen entwachsen waren, hatte Minette es schön gefunden und wollte es ihrer besten Freundin als Geschenk übergeben.
      Indes hatte Theophilus bedächtig genickt, als er Sophies Worten lauschte. Auch er hielt nicht viel von all dem Gerede und Geschreibe, das die feine Gesellschaft so in Aufruhr versetzte. Gerade die armen jungen Dinger, die als Juwel der Königin in der Fokus ihrer Saison rückten, schienen nur von einem Skandal zum nächsten zu jagen. „Wie wahr, Lady Willoughby, von derlei Titel hält mans ich am besten fern, wenn man ein manierliches Leben führen möchte. Umso besser, dass unsere Töchter davon verschont geblieben sind.“
      Minette sah noch immer zur Tanzfläche und versank gänzlich in Erinnerungen daran, wie sie mit Nieva vor einiger Zeit das tanzen geübt hatte. Noch nie hatte sie so viel Spaß gehabt wie mit ihr, wenn sie diese unsinnigen, steifen Traditionen einstudierte, die eigentlich kein Mensch brauchte. Kein Lord, egal wie schön oder gebildet er war, würde jemals das warme Lachen von Nieva an jenem Nachmittag übertreffen können, das Minette so liebte. Nur am Rande lauschte sie dem Gespräch, bis Isaac sie sanft in den Rücken stupste. „Oh gewiss, ich helfen Nieva bei allem, was in meiner Macht steht.“, sagte sie hastig. „Und den Sohn des Viscounts sehen wir uns nachher gerne gemeinsam an.“, setzte ihr Stiefbruder hinterher. Er konnte es einfach nicht leiden, wenn jemand Minette zu irgendetwas drängen wollte und schon gar nicht, wenn er die Männer nicht selbst zuvor unter die Lupe genommen hatte. Wenn er sie schon gehen lassen musste, dann wollte er sicher sein, dass sie nicht wie einer ihrer eigenen Finken in einem goldenen Käfig landete bei jemanden, der sich nicht um sie kümmerte. „Wir sind erfreut über Ihre Bemühungen. Minette ist ebenso dankbar darüber, wie großherzig Ihr sie in Eurer Familie jedes Mal willkommen heißt. Wir werden gern einen Blick auf diesen Lord Grey werfen.“, sagte Lady Charteris-Hayhurst und tätschelte ihrem Gatten die Hand.
      Ihre illustre Runde wurde nur unterbrochen, als das Lied ein Ende fand und Raphael mit seiner Verlobten wieder zu ihnen zurückkehrte. Natürlich nutzte er die Gunst der Stunde, um seine Einladung für das Wochenende auszusprechen und Minette ahnte, dass es nur ein allzu freundliches 'Ja' als Antwort geben würde. Wenn das der Preis für ihre und Nievas Freiheit war, dann musste es eben so sein. Ungeduldig wartete sie darauf, dass man sie endlich gemeinsam in die Gärten entließ. Während die anderen noch sprachen, lehnte sie sich zu ihrem Stiefbruder herüber. "Würdest du uns nach draußen geleiten und einen Blick aus der Ferne haben? Ich befürchte Mama schickt mich sonst allzubald wieder hinein und sucht mir einen geeigneten Kandidaten für heute." Isaac nickte. "Ich habe schon eine Idee, wie ich das Problem löse. Aber sei dir sicher, es könnte unterhaltsam werden.", meinte er zwinkernd. "Was hast du denn vor? Bitte nichts, dass die Willoughbys verärgert."
      "Nein nein, nur unsere Eltern, vermutlich."

    • (Und Familie)


      Er würde also auf sie Acht geben. Nieva wusste was sie von dieser Verbindung zu erwarten hatte, und seine Worte bestätigten es ihr nur immer wieder. Es klang nach eine lieblosen Ehe, und sie konnte sich im Moment nicht einmal vorstellen, dass die beiden es schaffen konnten Freunde zu werden. Nicht, weil sie sich dagegen sträubte, aber zwischen ihnen lagen so viele unausgesprochene Worte, und das bereits vor einen Leben in Ehe.
      Dabei wollte Nieva nichts anderes als zumindest eine Freundschaft mit dem Mann den sie heiraten sollte. Warum fühlte es sich nur so unmöglich an? Genau das war es auch was ihre Nervosität über diesen Belang verschlimmerte anstatt besser machte.
      Sie würde mit all dem unglücklich werden. Hatte ihre Mutter ihr nicht immer gesagt, das man mit seinen Partner befreundet sein sollte? Das es das mindeste war was eine Ehe erträglich machte?
      Wenn sie ihre Großmutter betrachtete, in deren Ehe keine Liebe war sondern nur Pflicht und Arbeit, ihr grauste es davor. Sie wollte nicht enden wie ihre Großmutter. Nieva wollte nicht Enden wie ihre Großmutter. Sie wollte ihre Kinder nicht an andere Menschen verheirateten, die sie nicht wollten. Sie wollte niemanden verheiraten, und eigentlich wollte sie auch keine eigenen Kinder. Nicht das Kinder kein Segen wären. Sie liebte ihren kleinen Bruder, und sie würde auch sicherlich Raphaels Cousinen lieben... Aber eigene Kinder? Sie...
      Es war in Ordnung, Nieva würde das alles hinbekommen es gab keinen Grund sich hier darüber Sorgen machen zu müssen. Ihr Blick wanderte kurz zu Minette die nicht mehr alleine mit Nievas Familie dort stand, sondern auch endlich mit ihrer Familie. Und ihren Stiefbruder. Er war ein guter Mann, soweit Minette es Nieva erzählt hatte. Und bisher hatte sie nur angenehme Gespräche mit ihm geführt. Die hatte sie auch sicherlich schon mit Raphael geführt, aber bei ihm ging es immer mehr um das Geschäft das ihre Familien abgeschlossen hatten, als um sie selbst. Als um ihn. Eigentlich hatte sie kaum eine Ahnung von ihren Verlobten.
      "Natürlich, ich würde gerne mit ihnen allen zusammen einen Punsch trinken. Rosetta wird eine hervorragende Debütantin abgeben, und ich freue mich darauf sie aus vollem Herzen zu unterstützen. Wenn Sie wollen, würde ich später auch einen Tanz mit Ambrose verbringen, dass sie Ihrer Cousine einen Tanz schenken können. Es wäre doch sehr unangebracht wenn sie vor ihren Debüt schon mit unverheirateten Männern tanzt, aber sie so ganz ohne einen Tanz einen Ball besuchen zu lassen. Das würde mir das Herz brechen."
      Rosetta war noch sehr jung, und auch wenn Nieva selbst eigentlich kein Interesse an einer Heirat hatte, war Raphael ein wirklicher Gentleman. Ihr zu zeigen wie ein Mann mit ihr umzugehen hatte wäre wirklich ein guter erster Schritt hin zu ihren Debüt. Und ja Nieva machte sich darum auch sorgen, denn Rosettas Mutter war verstorben, und sobald Nieva Raphael heiraten würde, war sie für dieses Mädchen verantwortlich, ihre Erziehung und sich um dieses Debüt zu kümmern. Wer hätte gedacht, wie schnell das kommen würde und dabei hatte Nieva nicht einmal eine Tochter.
      Sie war froh das der Tanz bald vorbei war. Nicht weil das Tanzen an und für sich nicht gut gewesen wäre. Aber die Vorstellung bald eine eigene Familie zu Gründen behagte ihr nicht. Sie würde das Raphael gerne sagen, aber Nieva wusste das es sich nicht gehörte. Eigentlich gab es insgesamt nur eine Person der sie all diese Dinge anvertrauen konnte, ohne Angst vor irgendwelchen Konsequenzen haben zu müssen. Nieva sehnte sich beinahe schon nach dem Spaziergang mit ihrer besten Freundin, denn alle anderen Gespräche die sie führen musste waren so anstrengend, weil sie sich irgendwie immer verstellen musste.
      Ihre Großmutter schien entzückt zu sein, dass sie ihre Enkelin mit ihren Verlobten wieder ankommen zu sehen. Wie sie an seinen Arm ging. Für sie war es perfekt die beiden so zu sehen, und dabei war es der älteren Frau auch recht gleich, ob die beide in irgendeiner Art Gefühle für einander hegten. Sie waren beide Pflichtbewusst und würden ihre Familien nur Ruhm und Ansehen einbringen. Eine wirklich hervorragende Partie. Beide.
      Deswegen freute sich die Frau auch so sehr darüber, als der junge Lord sie zum Tee einlud. Dort konnte man dann auch genauer über Nievas Mitgift reden, die beachtlich war. Deswegen war es der Familie auch so wichtig gewesen einen passenden Kandiaten für Nieva zu finden, und nicht nur jemanden der hinter dem Geld der Familie her war.
      Jasille blickte bei der Einladung für einen Moment zu Sophie, und so wie ihre Augen berechnend funkelten, würde er ohnehin nicht ablehnen können. "Das klingt nach einer fabelhaften Idee. Wir würden uns sehr freuen, zu ihnen auf einen Tee vorbei zu kommen", nahm Lord Willoughby nur zu gerne die Einladung an.
      Nieva hatte auch gar nichts anderes erwartet. Sie hatte nicht einmal damit gerechnet das man sie fragte, und ihr die Aufgabe übertrug ihre Familie zu informieren, und mitzubringen, wenn sie darauf Lust hätte. In den Augen dieser Menschen war Nieva nur ein kleines Püppchen das dem Folge leisten sollte, was sie wollten. Ohne eigenen Willen, selbst wenn man immer wieder betonte es solle um ihre Wünsche gehen. Aber wenn es um ihre Wünsche ginge, dann würde ein Fest überhaupt nicht stattfinden.
      Nieva räusperte sich leise. "Wäre es für Sie in Ordnung, MyLord wenn ich meine Freundin Minette auch mitbringe? Natürlich nur wenn du auch möchtest, Minette", sie lächelte zu ihrer Freundin hinüber. Aber sie wusste das sie das alles ohne sie nicht durchstehen würde. Ihre Großmutter tadelte Nieva direkt mit einen strengen Blick, als wäre es nicht in Ordnung eine Einladung so auszuweiten. Egal was Lady Willoughby zuvor noch gesagt hatte, das Minette ihrer Enkelin helfen sollte. Nieva versuchte jedoch den Blick ihrer Großmutter gekonnt auszuweichen. Sie hatte ohnehin schon ein schlechtes Gewissen, ihr durchdringender Blick würde es nur noch schlimmer machen.







      "Ich glaube es nicht, dass ich diesen ganzen Spaß mit dieser Lady verpasst habe! Ich wäre so gerne in ihren Fokus gerückt. Ich glaube ich werde dieses Jahr viel Spaß haben", amüsierte sich Kiron als er endlich verstand worum es sich bei Lady Whistledown handelte. Er mochte es sehr gerne die Aufmerksamkeit aller auf sich zu haben. Und er war bereits jetzt, mehr als nur ein bisschen gespannt darauf was sie über ihn zu sagen haben würde.
      "Mutter hat mir verboten dir zu viele Details von Lady Whistledown zu geben, weil sie befürchtet hatte, du würdest extra für diese Frau zurück kommen und unseren ruhigen Alltag ein Ende versetzten", kicherte Rinara als Antwort vor sich hin. Der junge Mann griff sich mit einer übertriebenen Geste an seine Brust, genau über seinen Herzen. "Oh weh, wie kannst du das nur so einfach sagen, meine liebste Schwester! Das traf mich tief!"
      Dennoch grinste Kiron. Er wusste das er bei weiten nicht das Lieblingskind seiner Eltern war, wenn er ehrlich war hatte er es sich ein bisschen zur Aufgabe gemacht so viel Drama zu verursachen, dass sie ihm endlich ein wenig Aufmerksamkeit schenkten, wie es nur möglich war.
      "Ich bin deine einzige Schwester."
      Kiron nickte leicht auf diese Aussage. Das stimmte. Es änderte aber nichts an der Tatsache daran, dass sie seine liebste Schwester war. Sein liebstes Familienmitglied. Denn sie war die einzige, die sich nicht so sehr darüber aufregte das Kiron es mochte aufzufallen. Rinara teilte diese Eigenschaft sogar ein wenig mit ihm, zwar nicht in der selben Intensität, aber es war ein einfang. Und im vergleich zu dem Rest hatte sie auch einen ausgezeichneten Humor.
      Er hoffte sehr das er seine Schwester nicht so schnell an einen Mann verlieren würde. Sobald sie in einer Ehe war, hätte sie so viele Aufgaben die sie erledigen musste, dass sie kaum noch Zeit für ihren Bruder haben würde.
      "Call me Icarus, cause baby you're my sun"


      "Loving you's my Achilles' heel"