Devil‘s Tear [Winterhauch x Countess ]

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    • Devil‘s Tear [Winterhauch x Countess ]



      „A trickle of silvery moonlight ran down her cheek. 'We all drown a little', she whispered,
      'that's how we learn to swim.'“

      @Winterhauch
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      Für Nox gab es kein zu kalt. Selig tauchte sie ab, ließ sich fallen in jedwedes Eis, die Hände hineinzwingend so tief es ging. Sie genoss Bäder im kribbligen Schnee, während das Blut nur so aus den Fingern getrieben wurde - wie rote Eiswürfel, die nacheinander in einem schmalen Glas gestapelt wurden. Für sie glich dieses Gefühl ungemeiner Lebendigkeit. Frohlocken ließ sie das alles jedoch erst, wenn das Blut sich später wie ein Sturzbach seinen Weg zurück durch ihre Adern bahnte und sie versuchte, die unterkühlten, zierlichen Hände an die halbwegs warmen Lippen zu halten um sie mit etwas Atem anzuwärmen. Die Kälte war wie ein Ansporn für den Körper, ihn dazu zwingend, aufzuwachen. Sie wollte durch den Schnee laufen, sich bewegen - sich lauthals in der Welt bemerkbar machen. Ihre Familie hingegen, besonders ihr Vater, hassten den Winter. Für sie war die eisige Kälte wie eine Kriegserklärung - als würde ihr Leben in den tauben Fingerspitzen versickern. Dennoch steckte die Kälte in jedem von ihnen. Draußen vor dem Palast erstreckte sich der weißgraue Himmel mitsamt dem unverkennbaren, angrenzenden Hügel der die Sicht auf jegliche Anzeichen von eventuell bestehender Zivilisation verdeckte. Alles, was sich in unmittelbarem Umkreis befand, war restlos und unwiederbringlich eingeschneit - in der Ebene verstreut. Für Nox lag dieser Ort in lebensfeindlicher Umgebung und pferchte ihre Erinnerungen mit dem Gefühl des Allein-Seins zusammen. Die Sonne, für sie ein milchig-heller Himmelskörper, war mittlerweile völlig fremd geworden. An diesem Ort strahlte sie sowieso keinerlei Wärme ab und so störte sie sich nicht weiter an ihr, bemühte sich stattdessen darum, Aufgaben und Ordern nachzukommen. Auch, wenn sie mit diesen keineswegs d‘accord war. Gegen familiäre Traditionen konnte sie sich schwer sträuben - schließlich stellte ihr Vater das angesehene Oberhaupt dar. Zudem war Nox seine einzige, leibliche Tochter die vom Rest der Mitglieder akzeptiert und verehrt wurde. Nekromanten besaßen zwar eine durchaus lange Lebenszeit im Gegensatz zu anderen Wesen - mit Unsterblichkeit waren sie dennoch nicht gesegnet. Ihr Vater ging derweil auf die tausend Jahre zu und es grenzt einem Wunder, dass er es überhaupt so weit geschafft hat. Ihre Mutter hatte bereits das Zeitliche gesegnet und vom Rest ihrer Familie ist ebenfalls kaum mehr etwas übrig. Demzufolge stellte die einzige Wichtigkeit für ihren Vater die Tatsache dar, dass Nox in seine Fußstapfen trat und die Sitten sowie Bräuche in all ihrer Richtigkeit fortführte. Die meiste Zeit über war sie wie gelähmt; stand verloren da, strauchelte und ließ ihre vor Kälte zittrigen Hände über das eiskalte Treppengeländer streifen, nur damit dieses an ihrer Haut haften blieb. So, als schiene es sie festhalten zu wollen. Es war nicht so, dass sie sich in ihrer Heimat nicht wohl fühlte - ganz im Gegenteil. Nichts war ihr vertrauter, als dieser Ort. Vielmehr konnte sie, so sehr sie es auch versuchte, all die Gräueltaten die hier stattfanden nicht nachvollziehen. Die letzten Worte ihrer Mutter schwirrten ihr durch den Kopf: „Du darfst niemals Angst vor deinen Handlungen haben, solang sie dir für richtig erscheinen.“ Doch wie konnte sich ihr etwas als richtig erweisen, was die gesamte Geschichte ihrer Familie infrage stellte? Sie musste bereits etliche Bestrafungen über sich ergehen lassen, wenn sie ihrem Vater in Nichtigkeiten widersprach. Wie also sollte sie ihm weismachen, die Tradition nicht fortsetzen zu wollen? Gar nicht. Das war das wohl einzig Richtige. Auch wenn das bedeutete, ihre Ideale und Moralvorstellungen in den Hintergrund rücken zu müssen. Die Weißhaarige musste sowohl ihr Schicksal akzeptieren als auch die Tatsache, aus diesem Teufelskreis nicht ausbrechen zu können. Die Bemühungen des Gegenteils waren die Konsequenzen dessen nicht wert. Am Ende hätte sie womöglich noch alles verloren und dieses Risiko konnte, ferner wollte sie nicht eingehen.
      Die Halle des Palastes glich einem bläulich schimmernden Hohlraum und Nox taumelte auf ihren Vater zu, sich am fahlen Licht orientierend, als würde ihre Silhouette sich zögerlich ins Freie wagen. Beim Erblicken seines Antlitz spürte sie, wie ihre Zellen sich verharrten wie ganz plötzlich verklumptes Eis. Allmählich verlor sie ihre ruhig gesonnene Fassung - als entgegnete ihr eine vom Winter nachgeworfene Windböe um sie von den Beinen zu holen. „Da bist du ja.“ ertönte die dunkle, beinahe furchteinflößende Stimme ihres Vaters während Nox mit stetig langsamer werdenden Schritten irgendwann vor ihm stehen blieb. Durchzogen von Misstrauen trafen sich ihre Blicke, darauf wartend, wer zuerst das Wort ergriff. Seufzend schloss ihr Vater kurzzeitig die Augen und durchbrach die anhaltende Stille die den Raum erfüllte: „Wo warst du die ganze Zeit über?“ - „Draußen.“ entgegnete sie schnippisch. „Wie oft soll ich dich noch darum beten, den Palast nicht zu verlassen? Ich habe dir mehrmals gesagt, dass das Herumtollen außerhalb zu gefährlich für dich ist. Du bist noch vergleichsweise jung im Gegensatz zu uns und wer weiß, zu was verirrte Seelen imstande sein können. Hier kann ich dich zumindest beschützen.“ Beschützen.. dass sie nicht lachte. Es stimmte, dass es unter den unzähligen Seelen die sie aufbewahrte einige gab, die sich abspalteten und als unerträgliche Stimmen Nox Gedanken heimsuchten. Allerdings praktizierte sie diese Rituale mittlerweile schon so lang, dass sie gelernt hat, die meisten von ihnen auszublenden. Trotz alledem war es furchtbar. Hin und wieder spielte sie mit dem Gedanken, sie ganz aus Versehen frei zu lassen - bedauerlicherweise wäre dies nicht unentdeckt geblieben. Dafür war ihr Vater zu gewieft. Anfangs störte sie die ganze Prozedur nicht wirklich; nachdem ihr Vater allerdings bei Weitem nicht länger über seine eigentliche Stärke verfügte, wurde Nox damit beauftragt, von nun an das Beisammenhalten der gestohlenen Seelen zu gewährleisten. Eine Aufgabe, die sie vom ersten Augenblick an verabscheute. „Ich weiß, aber mir war langweilig.“ - „Na dann kommt der nächste Auftrag für dich ja wie gerufen. Am Fuß des Berges nicht weit von hier haben unsere Kundschafter ein abgelegenes Dorf entdeckt - mittlerweile einem Schlachtfeld gleichend. Vermutlich gab es dort einen Aufstand, dessen Ursache wir noch nicht in Erfahrung bringen konnten. Mal davon abgesehen, dass die Ursache für uns sowieso keine Wichtigkeit hat. Das was zählt ist nur, dass es dort massenweise frische Leichen gibt, dessen Seelen noch in ihren Körpern verweilen. Deshalb musst du dich umgehend auf den Weg dorthin begeben, damit die anderen Nekromanten uns nicht zuvorkommen.“ Na super. In den letzten Wochen war es eine schöne Abwechslung gewesen, ausnahmsweise nicht täglich mit der Bergung von Seelen beauftragt zu werden und nun sollte sie die eines ganzen Dorfes unter ihre Fittiche nehmen. Sichtlich genervt tat sie die Worte ihres Vaters mit einem zunächst zögerlichen Nicken ab, warf sich ihren Pelzmantel von der Garderobe über die Schultern und steuerte in Richtung des Ausgangs. Im Normalfall befanden die Orte sich nicht in unmittelbarer Nähe, weshalb die Nekromanten oftmals Portale zur schnelleren Fortbewegung nutzten. Da das ausfindig gemachte Dorf allerdings am Fuße des Berges lag, der ungefähr eine halbe Stunde zu Fuß in Anspruch nahm, verzichtete sie diesmal. Außerdem tat es ihr durchaus gut, sich die Beine bei dem wunderbar kühlen Wetter zu vertreten.


      Ihr Vater hatte mit keinem seiner Worte übertrieben. Das einstige Dorf war wie leergefegt. Es kam ihr vor, als befand sie sich am Abgrund und blickte in eine Art Eiskrater hinab, in dem die Leichen der Verstorbenen sich häuften. Die einstige hier ansässige Zivilisation glich einem ausgeschlachteten Wrack innerhalb dieser bedrohlichen Landschaft. Nox konnte nicht nachempfinden wie es wohl sein musste, zu frieren. Denn anders als die anderen war sie nach ihrer eigenen Erweckung so kälteresistent geworden, dass sie selbst leicht bekleidet hier herumlaufen hätte können. Auf der anderen Seite wusste sie, dass weniger kälteresistente Menschen bei solchen Temperaturen schon zu kämpfen hatten. Umso verwunderter war sie also beim Anblick all der mit dünnem Stoff bekleideten Menschen. Daraus resultieren starben sie vielleicht nicht alle beim Kampf und es waren einige dabei, die einen schmerzlichen Kältetod erlitten haben. Der Gedanke daran ließ sie schlucken. Es war die eine Sache, sein Leben ehrenvoll im Kampf zu lassen und die andere, es unter solch traurigen Umständen zu verlieren, während man nichts geleistet hatte. Den Gedanken wieder verwerfend holte sie die Realität wieder ein und zog sie in die Welt der Kontraste - überall vielseitige Grautöne, geziert von schmutzigem Schnee. Tief einatmend lief sie ein Stück weit hinunter in den Krater und hockte sich sogleich ins Zentrum, an dem die Kraft der Seelen sich am stärksten anfühlte. Dabei versuchte Nox die unzähligen nach Erlösung schreienden Stimmen in ihrem Kopf zu ignorieren. Jeder hatte seine ganz eigene Methode mit Schuldgefühlen umzugehen und ihre war es, sie ganz einfach auszublenden. Etwas anderes war ihr schier unmöglich und wenn sie zu viele Gefühle zuließ, konnte sie das Ritual nicht fehlerfrei ohne Unterbrechungen durchführen. Die Weißhaarige senkte den Kopf und malte mit den Fingerspitzen auswendig gelernte Symbole in den weichen Schneeboden, während sie die Lippen kaum bewegend, lateinische voneinander unabhängige Worte stammelte um das Ritual voll in Gange zu setzen. Ein für andere unsichtbares Tor tat sich auf, durch das eine Seele nach der anderen hindurch trat und zwar in genau der Reihenfolge, in der Nox die Namen der Toten aussprach. Es war ein Kinderspiel, da die Namen der Verstorbenen sich von ganz allein offenbarten. Die Toten gingen im Kreis umher, so dicht an der Frau vorbei, dass sie sich beinahe streiften. Nachdem kein Name mehr übrig gewesen war, sprach sie diese rückwärts erneut aus um das Tor wieder zu verschließen und beendete das ganze Prozedere, indem weitere Worte dafür sorgten, die Seelen zu vereinen und dementsprechend zu ihrem Gunsten missbrauchen zu können. Das ganze Ritual glich einer Art Pakt der dazu diente, die Seelen bildlich an sich zu ketten, damit sie weder fliehen noch verschwinden konnten und verwehrte ihnen somit den Aufstieg ins Totenreich. Sie musste nicht mehr lange durchhalten, lediglich ein paar weitere Worte bevor sie den Rücktritt ins traute Heim ansteuern und das all das, wie auch sonst jedes Ritual, der Vergangenheit angehörte.
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      ★ ★ ★ ☆ ☆
    • Jaro Da'Neer fühlte die beißende Kälte auf seiner bleichen Haut. Vor seinem Gesicht schwebten weiße Wölkchen in die eiskalte Luft, wirbelten mit dem Wind davon und verloren sich auf ihrem Weg gen Himmel. Es war ein grauer Tag und eine gewisse melancholische Schwere lag in der Luft, bedrückte die Seelen der Lebenden mit ihrem Gewicht. Von allen Seiten strömten die klagenden Rufen um ihn herum auf ihn ein, erfüllten seine Ohren und seinen Verstand. Für einen kurzen Augenblick nahm er die gefühlsschweren Schwingungen in sich auf, atmete sie ein, wie die Luft, die niemals seine Lungen erreichte. Und nie sein Blut anreichern würde, um es lebensspenend durch seine Adern fließen zu lassen. In seiner Brust lag das Herz schwer und still wie ein Stein. Jaro konnte nicht mehr aufzählen, wie viele Jahre er das pulsierende Gefühl von Leben nicht mehr gespührt hatte. Gleichgültigkeit hatte sein Wesen umschlossen wie eine schützende Hülle. Nie wieder. Das hatte er sich geschworen, würde er sein stummes Herz verlieren. So war alles, was ihm geblieben war, seine Bestimmung zu erfüllen. Es war das Einzige, was ihm in dieser Welt noch wichtig schien. Und der einzige Grund, der seine widernatürliche Existenz rechtfertigte.
      Die Menschen spürten es. Jaro bemerkte es in den verunsicherten Blicken, die ihn begleiteten und in dem Wispern hinter vorgehaltenen Händen. Jedes Lebewesen wusste instinktiv, dass der hochgewachsene Mann mit dem blassen Gesicht und den gräulichen, leblosen Augen nicht mehr in der Welt der Lebenden weilen sollte. Jene silbernen Augen, die nichts ausstrahlten als endlose Leere und jeder Emotion beraubt. Das ebenso unnatürlich weiße Haar umrahmte die hohen Wangenknochen und das scharfgeschnittene Kinn. Sein Blick galt nur dem verschneiten Weg vor sich, während er den prächtigen Rappen durch die malerische Schneelandschaft lenkte. Um sie herum war es beinahe totenstill und nichts zeugte von der Anwesenheit jeglicher Waldbewohner. Auch Tiere spürten es. Unter ihnen wandelte ein Toter.
      Beruhigend legte er eine Hand auf den muskulösen Hals des Hengstes, der den Kopf mit anglegten Ohren in den Nacken warf. Hier waren böse Mächte am Werk, Jaro spürte es in jeder Faser seines Körpers. Hoffentlich waren sie noch nicht zu spät. Dem Nekromanten, einem Mitglied der ehrenhaften Seelenhüter, folgten zwei weitere Reiter, die die Umgebung im Auge behielten. Junge Nekromanten, die gerade ihre Berufung durchlebt hatten und sich ihre Sporen verdienen sollten. Sie betrachteten es als Ehre mit Jaro zu reisen, aber blieben dennoch auf respektvollem Abstand. Da'Neer war nie der gesprächigste Zeitgenosse gewesen, zumindest sagte man sich das. Andere behaupteten er wäre nicht mehr als eine stumpfsinnige Puppe, die von ihrem Herrn an dünnen, unsichtbaren Seilen geführt wurde. Noch nie hatte man einen Nekromanten nach seinem eigenen Tod die verdiente Ruhe verwehrt. Und Jaro verfluchte seine eigenes Dasein dafür. Unsterblichkeit war für ihn nicht erstrebenswert. Es war ein grausamer Fluch, der ihm alles genommen hatte, dass er je geliebt hatte. Frau und Kind hatte er vor Ewigkeiten zu Grabe getragen, in einem Winter, wie diesem. Mit den Jahrhunderten waren ihre Gesichter in seinen Erinnerungen verblasst. Auch ihre Stimme waren zu einem monotonen Rauschen in seinem Verstand geworden. Er hasste sich dafür.
      In einer Geste des Haltens hob er eine behandschuhte Hand und die kleine Gruppe an Reitern kam zum Stillstand. Vor ihnen erstreckte sich ein Bild des Grauens. Leiche um Leiche türmte sich zwischen zerstörten Häusern. Räuber hatten das Dorf dem Erdboden gleichgemacht, er erkannte es an den markannte, schwarzen Pfeilen, die aus den toten Körpern ragten. Das Bild war keine Seltenheit für ihn. Und doch, etwas sorgte dafür, dass sich seine Nackenhaare aufstellten.
      Sekundenlang schien der Schnee um ihn herum in der Luft zu schweben, als die silbernen Iren sich mit tiefem Schwarz tränkten. Von der Iris breitete sich der Schatten über den gesamten Augapfel aus, bis nichts als Finsternis blieb. Der Blick des Nekromaten bestätigte ihm schnell, was er vermutete. Keine Stimmen der Toten, keine Seelen die erlöst werden mussten. Alle waren fort bis auf die letzte unschuldige Seel eines Kindes. Ein Grausamkeit, die er weder verstehen noch tolerieren konnte. "Sie sind hier..." Ein tiefer Bariton erfüllte die Winterluft, rau aber wohlklingend. Hinter ihm zogen die beiden Nekromanten gebogene Schwerter, deren Klingen schimmerten wie schwarzer Obsidian. Seit jeher war es die Aufgabe der Seelenhüter, Verstorbenen den Weg zu geleiten. Aber auch hier war man ihnen zuvor gekommen.
      Ohne Vorwarnung gab er dem Rappen die Sporen und jagte das Tier den Hügel herunter. Das Schwarz floss langsam aus seinen Augen, der Blick klärte sich. Und was er sah am Fuße des Grauens war eine Gruppe elender Seelendiebe. "Gebt frei, was unrechtmäßig gestohlen wurde!" Donnerte seine Stimme durch das vereiste Dorf. "Oder gesellt euch zu ihnen."
      “We all change, when you think about it.
      We’re all different people all through our lives.
      And that’s OK, that’s good, you gotta keep moving,
      so long as you remember all the people that you used to be.”

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    • Die Tore der Zwischenwelt waren mittlerweile vollends verschlossen, sodass die Arbeit der Weißhaarigen ihr Ende fand. Erleichtert erhob Nox sich, dabei die vereinzelten Schneeflocken vom Saum ihres Kleides abklopfend. Allmählich fühlte sie, wie die restlich verbleibende Lebenskraft der gestohlenen Seelen sich in ihrem Körper ausbreitete und ihre eigenen Kräfte stärkte. Im Endeffekt war dies der einzig angenehme Part am Einsammeln von Seelen; denn dadurch, dass der Pakt die Verlorenen an Nox band - schöpfte sie unentwegt Kraft. Infolgedessen war sie zeitgleich dazu gezwungen, diese Schandtat fortwährend zu praktizieren wenn sie nicht wollte, dass ihre Energie schwand. Eine Seele war stark, die eine mehr - die andere weniger. Dennoch nahm diese Stärke im Laufe der Zeit ab und eine Regeneration dessen war, sofern sie einmal leergezapft wurde, unmöglich. Der Prozess des Rituals verlief in den meisten Fällen ohne jegliche Komplikationen abgesehen von Nox Anfängen, in denen vereinzelte Fehler üblich waren. Die eigentliche Gefahr ihrer Tätigkeit lag einzig und allein darin, von Oppositionsgruppierungen auf frischer Tat ertappt zu werden. Während sie nämlich zu den Nekromanten gehörte, die vom rechten Weg abgekommen waren und sich ihren historisch etablierten Aufgaben widersetzten, gab es auf der anderen Seite diejenigen, die an den rechtmäßigen Traditionen festhielten. Dieser Gruppe war sie selbstredend ein Dorn im Auge, ferner ein schwarzes Schaf, das es auszusortieren galt. Umso wichtiger war es, weder Spuren noch Seelen zu hinterlassen. Gegenwärtig geisterten die hilflosen Schreie der Verstorbenen ausschließlich im Inneren der Nekromantin herum und ließen diesen einem Schauermärchen gleichenden Ort noch trostloser erscheinen, als er es sowieso schon war. Nach dem Abschluss des Rituals gab es also keine verzweifelten Stimmen mehr, keine fremden Auren - lediglich den stumm vor sich hin rieselnden Schnee, der langsam aber sicher die herumliegenden Leichen einschneite. Seufzend zog Nox sich ihre Kapuze bis über die Augen, drauf und dran den Heimweg anzutreten. Doch kurz zuvor wurde ihr Vorhaben unterbrochen von dem seltsamen Gefühl, etwas stimmte nicht. Sie besaß eine ausgeprägte Auffassungsgabe wenn es darum ging, Veränderungen in unmittelbarer Nähe zu registrieren. Genauer gesagt stellte sie einen sechsten Sinn dar, den Nox im Laufe ihres Daseins weiter ausgebildet hatte. Ihr Blick richtete sich gen Himmel und infolge des plötzlichen Aufbruchs einiger Krähen wurde der Weißhaarigen bewusst, nicht länger allein an diesem Ort zu verweilen. Ein paar schwarze Federn torkelten zu Boden und wurden sogleich von dichten Flocken bedeckt, so als hätte sie zuvor jemand fein säuberlich aufgefädelt, nur um die Verbindungen allesamt mit einem glatten Schnitt zu kappen. „Macht das Portal fertig. Zu Fuß haben wir keine Chance gegen die.“ wies sie die zwei Handlanger ihres Vaters an, die sich im Hintergrund des Spektakels hielten. Nox trat den Weg zwar allein an, jedoch wusste sie, ihr Vater konnte sich nicht zurückhalten. Seine Untertanen machten sich nicht einmal die Mühe nachzuhaken, wie Nox sie entdeckt hatte und machten sich sogleich an die Arbeit, das Portal zum Palast zu eröffnen. Wenn sie sich nicht beeilten, konnte das eine knappe Sache werden und dafür hatte die Nekromantin nicht die Nerven. Zu sehr nagten die frischen Seelen an ihrem Verstand. Blitzschnell drehte sie sich zu den anderen, während die herrische Stimme eines Fremden ertönte. Das Portal benötigte noch einen kurzen Augenblick und so wie es aussah, kamen sie ohne eine Auseinandersetzung nicht so schnell hier weg. Ohne mit der Wimper zu zucken zog sie sich ein Wurfmesser aus dem um ihren Oberschenkel gespannten Holster und zielte beim schnellen Wurf auf das Vorderbein des Pferdes. Daraufhin sackte der Hengst mitsamt Reiter zusammen und stürzte unsanft den Abhang hinunter, was der Weißhaarigen eine größere Zeitspanne verschaffte. Hektisch begab sie sich zu ihren Hintermännern, die die Vorkehrungen fürs Portal mittlerweile abgeschlossen hatten und lugte für einen kurzen Moment zurück zum kürzlich gestürzten Reiter. „Eure Anstrengungen sind umsonst. Völlig egal, was Ihr auch versuchen werdet - wir werden Euch stets einen Schritt voraus sein.“ rief sie, bevor sie unmittelbar vor dem Portal stand: „Also dann: Man sieht sich.“
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      ★ ★ ★ ☆ ☆
    • Ein Portal, verdammt. Sobald die abtrünnigen Nekromanten durch das magisch erzeugte Tor schritten, gab es keine Möglichkeit mehr ihnen zu folgen. Die Seelen wären unwiderbringlich verloren. So trieb Jaro den prächtigen Hengst noch mehr an, holte alles aus den starken Muskeln des Tieres heraus, das unter ihm vor Anstrengung schnaubte. Tief über den Hals gebeugt, fixierte er die feindliche Gruppe. Nicht noch einmal würden sie ihm unter der Nase entwischen. Zu seinem Bedauern waren diese Unholde äußerst effizient und schnell, bisher war es ihm nur einmal gelungen einen von ihnen in die Finger zu bekommen. Der Narr hatte sich noch vor einer möglichen Befragung mit einer Phiole tödlichen Giftes das Leben genommen. Lieber Sterben, als seine Treue zu verraten.Seelen waren nicht dazu geschaffen, die Kräfte anderer zu nähren. Mit der Zeit verblasste ihre Energie und sie zersplitterten in tausende Scherben, bis sie im Nichts verschwanden, als hätte es sie nie gegeben. Ein empfindliches Gleichgewicht zwischen dem Jenseits und der Welt der Lebenden drohte auf zerstörerische Weise zu kippen. Es könnte die ganze Welt ins Chaos stürzen. Und es stellte auch die Verräter ihrer Zunft vor ein gewaltiges Problem. Wie Süchtige brauchten sie immer mehr um ihre Macht zu erhalten. Ohne die stetige Versorgung frischer Seelen, verloren sie ihre widernatürlichen Kräfte. Kein Nekromant sollte eine solche Macht besitzen.
      Ein schrillen, ohrenbetäubendes Wiehern drang an seine Ohren. Wie der verzerrte Schrei eines Kindes erfüllte es die verschneite Luft. Die Welt um ihn herum kippte zur Seite und überschlug sich in einem Strudel aus Weiß und Grau. Der schwarze Hengste knickte ein und mit einem ekelerregenden Knacken brach das Genick am harten, vereisten Boden. Jaro presste es die Lungen zusammen. Und auch wenn er die Luft scheinbar nicht brauchte, war es ein Reflex aus alten Tagen, dass er benommen nach Sauerstoff schnappte. Der Aufprall war hart und hätte ihm beinahe die Schulter aus dem Gelenk gerissen. Seinem Muskelgedächtnis sei Danke, das er mit einer geschickten Rolle zu Seite, die meiste Wucht des Aufpralls abfing. Schnee und Eis sammelte sich in in seinen weißen Haaren, belndeten für einen Augenblick seine Augen. Trommelnde Hufen der beiden anderen Reiter stürmten an ihm vorbei. Die Narren würden nicht einmal in die Nähe ihrer Feinde kommen, wenn sie sich blindlinks einfach nach vorne wagten.
      Jaro stützte sich auf Händen und Knien auf und warf den Kopf nach oben. Sein Blick suchte den Bastard, der sein Pferd getötet hatte und er erblickte eine Kapuzengestalt vor dem Portal. Das musste er sein. Umso überraschter war der Seelenhüter, als eine weibliche Stimme über das Feld aus Toten fegte. "Nicht so schnell,..." Knurrte er mit bedrohlicher Stimme. Wieder blutete die finstere Schwärze in seine Augen, nur zweigten sich auch dieses Mal verschlungene schwarze Linien wie dünne Aden an seinen Augenwinkeln ab, schlängelten sich über seine Schläfen. Mit einiger Wucht grub er eine Hand den eisigen Boden. Er spürte den Schmerz kaum. Fremde, gemurmelte Worte kunstvoll geformt flossen von seinen Lippen. Er hasste es. Dieses verlockende Gefühl der Kontrolle. Aber verzweifelte Situationen erforderten entsprechende Maßnahmen. Wie jeder Nekromant konnte auch er die Toten unter seine Kontrolle bringen. Leere, seelenlose Hüllen erforderten jedoch einiges an Beherrschung. Und er ließ viel seiner eigenen Macht in sie fließen.
      Aus der Schneedecke um die Magierin brachen knorrige Hände aus dem glitzernden Weiß hervor. Wie rießigen Spinnen griffen die Toten unt dem widerlichen Knacken von Knochen und gefrorenen Muskeln nach den Fußgelenken der Frau, krallten sich in den Stoff ihre Umhanges um sie zu Fall zu bringen. Die Wirkung würde nicht lange halten, weil es sich um seelenlose Puppen handelte, aber ein paar Minuten der Ablenkung reichte Jaro. Er sprang auf die Füße und setzte zum Sprint an.
      “We all change, when you think about it.
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    • Sie hatte wirklich gedacht, es handelte sich um ein Kinderspiel, der Nekromantengruppe zu entkommen. Der Wurf war präzise, das Pferd außer Gefecht gesetzt und dennoch gelang es dem Mysteriösen, sie vom Beschreiten des Portals abzuhalten. Ihr entwich ein kurzer Aufschrei des Schreckens, nachdem die knochigen, aus dem Boden entspringenden Finger der Marionetten sich binnen Sekunden überall am Körper der Frau festkrallten. Vergebens versuchte sie sich aus den festen Griffen zu lösen, ihre Gliedmaßen dabei permanent in Bewegung haltend, damit die spitzen Finger sich nicht noch tiefer in die Haut bohrten. Sie blickte hinab zum Boden, der mittlerweile eher einem schlammigen Grund glich und aus dessen stehendem Wasser ununterbrochen weitere Untote emporstiegen. Ein unachtsamer Moment genügte und Nox wurde durch eines der Knochengestrüppe, welches die Kapuze ihres Umhangs in die Finger bekam, unsanft zu Boden gezogen. Diese unvorteilhafte Position nutzten die anderen Skelette wiederum aus, bedeckten Gesicht, Oberkörper und Beine mit ihren an Krallen erinnernden Finger - bis die Frau beinahe selbst vom Ursprung dieser immensen Kraft verschluckt wurde. Indes war auch sie bewandert auf dem Gebiet der Totenkünste, weshalb sie unter kontrollierter Atmung kurz vor dem Untergehen in der Masse mithilfe der zuvor neugeschöpften Kraft ihre eigene Stärke unter Beweis stellte. Ihre Finger verhakten sich mit denen der leblosen Hüllen, während ihre Lippen Worte formten, ohne dabei ein Geräusch zu erzeugen. Augenblicklich verformten sich die einzelnen Bestandteile der Skelette, lösten sich immer weiter voneinander bis sie schlussendlich im Zuge eines lauten Knalles in ihre Einzelteile zerspringend regungslos am Boden verweilten. Erleichtert schob Nox sich die noch immer an ihr hängenden Knochen vom Körper und sprang vom Boden auf - das Portal war noch nicht verschwunden. Die Handlanger ihres Vaters und eigentliche Begleitung zu ihrem Schutz dagegen, hatten sich bereits aus dem Staub gemacht. Höchstwahrscheinlich vermuteten sie, dem Nekromanten nicht entkommen zu können und bekamen weiche Knie beim Gedanken daran, wie Nox auf dem Boden umhüllt von Untoten zu landen. Sie nahm sich fest vor, im Palast ankommend Beschwerde beim Vater einzureichen und künftig von nutzlosen Begleitpersonen verschont zu bleiben. Im Augenwinkel vernahm sie die Silhouette des Nekromanten, der gefährlich schnell in ihre Richtung rannte und erst in dem Moment, in dem sie durchs Portal verschwinden wollte bemerkte sie, wie einer der Skelettarme sich in ihrem Umhang verfangen hatte und um keine weitere kostbare Minute der Zeit zu verschwenden - entledigte sie sich dessen. Ihr war bewusst, ein Risiko damit einzugehen und doch fiel ihr in diesem Augenblick keine bessere Lösung ein. Ein letzter Blick in Richtung des Fremden bestätigte, dass sie sein einziges Ziel war und bevor er sie um ein Haar in die Finger bekommen hatte - entschwand sie durchs Portal, das sich sobald in Luft auflöste und es schien, als war sie nie da gewesen.

      Völlig erschöpft sackte sie zu Boden, nachdem sie am anderen Ende des Portals zurück im Palast angekommen war. In unmittelbarer Nähe vernahm sie die aufgebrachten Stimmen ihrer vorigen Begleitpersonen und vor allem die ihres Vaters, der sich scheinbar in Rage geredet hatte. Die Hälfte der Konversation hatte sie nicht mitbekommen und doch wusste sie instinktiv, dass über sie geredet wurde. „Glauben Sie uns - wir haben alles in unserer Macht stehende getan. Sie wollte nicht hören!“ und keine Sekunde später schmetterte der Körper des Mannes mit voller Wucht gegen die Wand am anderen Ende der Halle. Egal wie lange jemand an diesem Ort verweilte - kaum einer von ihnen verstand, dass es von Respektlosigkeit zeugte, das Wort gegen die Tochter des Anführers zu erheben. Dabei spielte es keine Rolle, ob sie im Recht oder Unrecht waren; Konsequenzen widerfuhren ihnen in jenem Fall. Mit dem Aufprall war das Thema für ihren Vater erledigt und nachdem er bemerkte, dass sie doch noch heil zurückgekommen war, machte er beinahe ein Freudentänzchen. „Da bist du ja! Was ist passiert.. wo warst du?“ - „Haben dir die zwei Hübschen da bestimmt schon mitgeteilt. Wir haben spontan Gesellschaft bekommen und nachdem ich mich mühevoll von Skeletten befreien musste, sind die beiden von Panik erfüllt davongerannt.“ Genervt erhob sie sich von den kalten Fliesen und schlenderte sogleich erneut in Richtung der Tore, die aus dem Palast herausführten. „Ich gehe mir noch ein wenig die Beine vertreten, um mich von diesem Schock zu erholen. Die beiden können dir genau dasselbe erzählen, wie ich.“ Und ohne ein weiteres Wort zu verlieren, wandte sie sich von ihrem Vater ab.
      Die kühle Winterbrise wehte ihre Haarsträhnen in sämtliche Himmelsrichtungen und nach ein paar Schritten ließ sie sich in den samtweichen Schnee fallen. An diesem Ort gab es nichts als Stille und genau deshalb verbrachte sie hier draußen die meiste Zeit des Tages. Zudem bot sich ihr hier die Möglichkeit, dem Spuk des Palastes zu entkommen und die verlorenen Seelen innerhalb ihres zierlichen Körpers konnten weitestgehend ausgeblendet werden. Manchmal wünschte sie sich, nicht ganz so viel Einsamkeit zu verspüren und jemanden an ihrer Seite zu haben, mit dem sie hier gemeinsam herumstolzieren konnte. Ihr Vater jedoch machte des Öfteren deutlich, die Liebe sei etwas für Narren und dass Nox niemals auf sie hereinfallen sollte. Schließlich gab es nur innerhalb ihres bestehenden Umfeldes Verständnis für ihre Praktiken und so ziemlich jeder außerhalb dessen setzte alles daran, ihren Zirkel zu dezimieren. Sie verstand, dass man dieses Risiko nicht eingehen sollte und in absehbarer Zeit hatte sie dies auch nicht vor - dennoch stand ihr Entschluss, die Tradition irgendwann zu brechen und zwar noch bevor sie dazu aufgrund der fortschreitenden Alterung nicht länger imstande war. Sie blickte gen Himmel, verfolgte die vorbeiziehenden Watte gleichenden Wolken mit ihren Blicken und stellte sich vor wie es wohl war, unabhängig von diesem Ort ein Leben ganz nach ihren eigenen Vorstellungen zu führen. Ihre Gedanken schweiften währenddessen ab und richteten sich an den Nekromanten - wie sein Leben wohl aussah? Vermutlich weitaus besser als das ihre. Im Gegenteil zu ihrem war er nämlich nicht dazu verdammt, verlorenen Seelen den letzten Schritt in Richtung Freiheit zu verwehren…
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      ★ ★ ★ ☆ ☆
    • Wenige Meter trennten Jaro von seinem Ziel. Die bleichen, hageren Toten gruben ihre knochigen Finger immer tiefer in die Kleidung der fremden Frau, die vor Schreck einen spitzen Schrei ausstieß. Mit aller Gewalt zogen und zerrten die Körper an ihrem Leib und brachten sie mit unter qualvollen Stöhnen schließlich zu Fall. Jaro beobachtete mit scharfen Augen, wie er der zierliche Leib und schließlich auch der weiße Haarschopf von kalten Körpern begraben wurde. Eine Vorstellung, wie aus den dunkelsten Albträumen. Um jeden Preis würden sie die Nekromantin für ihren Meister festhalten, doch die seelenlosen Puppen verloren mit jeder Sekunde, die Jaro nicht direkt mit ihnen verbunden war, an Kraft verlieren. Ohne Seele konnte sie nicht lange ohne stetige Zufuhr von Energie in Bewegung bleiben. Das ohrenbetäubende Geräusch von splitternden Knochen erfüllte die eisige Luft. Ein Knall fegte über den Boden und wirbelte den Pulverschnee auf. Eine Druckwelle brachte den weißhaarigen Seelenhüter ins Straucheln. Schützend hob er die Arme in grekreuzter Stellung vor das Gesicht und fühlte wie Knochensplitter und allerei andere Überreste gegen seine Unterarme prallten. Fluchend setzte Jaro schneller den je seinen Weg fort, schlitterte über den vereisten Boden. Nur noch ein kleines Stück und er hätte nur noch den Arm ausstrecken müssen, um sie zu packen. Da warf sie ihren Umhang ab, der von kalten, klammen Händen in Totenstarre fest umklammert wurde. Flatternd glitt der Stoff in den Schnee und die Frau entschwand durch das sich zügig schließende Portal. "Verdammt..." Presste er zornig hervor und warf einen mahnenden Blick an seine beiden Begleiter, die während der Erweckung der Toten feige Abstand genommen hatten. Einer hatte sich wohl vor Ekel in den Schnee übergeben, so blass wie er um die Nase war. Der Mageninhalt hatte sich vor seinen Füßen verteilt. Zweilsohne erkannte er Furcht in ihren Augen. Es war nichts neues für den Unsterlichen. Furcht war sein stetiger Begleiter. Jaro ging auf den Berg an gefrorenen Leichen zu und fischte den Umhang aus den knochigen Händen. Der Stoff fühlte sich weich und kostbar unter seinen Fingerspitzen an. Ein wissendendes Lächeln erschien auf seinen Lippen, aber es erreichte nicht die leblosen,grauen Augen in ihren Höhlen. Es es wurde Zeit einer alten Freundin einen Besuch abzustatten.

      Eleonore rühmte sich eine Frau mit vielen Talenten zu sein. Sicherlich würde ihre Kundschaft ihr ohne Zweifel zustimmen. Die potentiellen Kunden nahmen schier endlose Wartezeiten in Kauf, nur um eine einzige Stunde mit der anmutigen Frau zu verbingen. Aber vor allem lag ihre besondere Gabe darin, ein ganz besonderes Gespür zu besitzen. Ein zusätzlicher Sinn, der sie die Welt mit anderen Augen sehen ließ. Eleonore berührte Objekte und sah den Dingen auf den Grund. Eingebung unerklärlicher Herkunft offenbarten sich ihr und die forsche Dame irrte sich nie. Fast nie. Bei Menschen funktionierte ihre Gabe ebenso vortrefflich. Was ihr einen makellosen Ruf im Amüsierviertel der Hafenstadt Tar'Nerith eingebracht hatte. Eine Berührung und ihr offenbarten sich die tiefsten Begierden und Sehnsüchte ihrer Kunden. Ein Fluch und Segen für Eleonore. Es gab Dinge, die niemand wissen sollte. Aber immerhin brachte es ihr ein kleines Vermögen ein. Genug um sich ein schmuckes Haus direkt am belebten Hafen zu leisten. Sie war schon lange keine gewöhnliche Straßendirne mehr. Die Frau mit der exotischen Hauutfarbe von Karamell und den vollen, dunklen Locken war ihr eigener Herr. Und niemand würde es wagen je daran zu zweifeln.
      "Jaro mein Lieber!" Flötete Eleonore, als der Seelenhüter zu später Abendstunde ihr hübsches Heim betrat. Es duftete betörend nach Räucherstäbchen und süße Blumen. Jaro würde sich heute ihrer fragwürdigen Talente bedienen. "Sieh dich an, du unverschämter Kerl! Keinen Tag gealtert und ich Ärmste bekomme die ersten Krähenfüße!" Sie wusste es besser, als ihm zu Nahe zukommen. Jaro war deutlich gewesen, dass sie ihre Gabe nicht auf ihn anzuwenden hatte. Bei ihren Worten schmunzelte er. Es mochte 10 Jahre her sein, als er sie das letzte Mal gesehen hatte, aber sie war weit davon entfernt Fältchen zu bekommen. Sie war immer noch eine der schönsten Frauen, die er je gesehen hatte. "Wir müssen unseren Plausch verschieben, Eleonore. Ich brauche deine Hilfe. Kannst du mir sagen, wem dieser Mantel gehört?" Unter seinem eigenen Umhang zog er den verlorenen Mantel der Nekromatin hervor. "Ohne Umschweife zum Geschäft, hm? Du kennst den Preis." Ein Verzücktes Lächeln lag auf ihren Lippen, als er ihr eine Phiole mit schneeweißen Haaren reichte. Seine eigenen Strähnen. Bei seinem grimmigen Blick, lachte sie leise. "Entspann dich, nur für den Eigenbedarf." Er wollte gar nicht wissen, was sie mit seinen Haaren anstellte. Aber der Umstand seiner Unsterblichkeit faszinierte die Edeldirne. Sie war ein kluge und gebildete Frau. Und eine der wenigen Personen, die um seinen physischen Zustand wusste. Eleonore nahm den Stoff entgegen und ließ ihn durch ihre Finger gleiten. Um ihre Fingerspitzen knisterten kleine Funken, ohne den Stoff zu verkohlen. "Oh! Das ist...So viel Einsamkeit. So allein. Das arme Mädchen." Jaro verlor langsam die Geduld. Er hatte eine geschlagene Woche mit der Reise nach Tar'Nerith verschwendet und ein neues Pferd hatte er auch noch besorgen müssen. "Das intressiert mich nicht. Wer ist sie!?" - "Na gut du Miesepeter. Ihr Name ist Nox Dwyer. Sie ist, oh je, die Erstgeborene und einzige Tochter des Oberhauptes der Dwyer Familie. Finstere Zeitgenossen. Äußerst machthungrig." Bei dem Namen horchte er auf. Die Zahnräder in seinem Kopf versuchten die Erinnerungen anzukurbeln. Den Namen hatte er schon einmal gehört. "Liebste Eleonore. Kannst du mir verraten wo sie ist?"

      Wissend lächelte sie.
      “We all change, when you think about it.
      We’re all different people all through our lives.
      And that’s OK, that’s good, you gotta keep moving,
      so long as you remember all the people that you used to be.”

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    • Einige Stunden später hatte Nox sich bereits in ihr Gemach zurückgezogen und beobachtete den sich immer weiter verdunkelnden Himmel, der langsam aber sicher den Einbruch der Nacht einläutete. Sie ließ den vergangenen Tag nochmal Revue passieren, was ihr abermals bestätigte, wie viel Glück sie eigentlich hatte. Hätte sie sich lediglich einen winzig kleinen Fehler erlaubt, säße sie vermutlich nicht seelenruhig allein in diesem Raum - sondern eingesperrt in irgend einer heruntergekommenen Kammer; oder hätte bereits das Zeitliche gesegnet. Dabei grübelte sie, ob Letzteres im Gegensatz zu ihrem qualvollen Dasein nicht sogar die bessere Wahl gewesen wäre. Seufzend legte sie sich die Hand an die Stirn, strich sich zeitgleich den Pony zur Seite und beschloss an diesem Tage früher zu Bett zu gehen um den Erinnerungen des heutigen Spektakels zu entkommen. Vielmehr hatte sie dies vor - wenn ihr aufgebrachter Vater nicht ohne anzuklopfen die schwere Tür aufgestoßen und völlig außer Atem im Türrahmen gestanden hätte. Zuerst wollte sie ihrer Wut freien Lauf lassen, doch seine mit Angst erfüllten Augen sprachen dagegen. „Was ist… passiert?“ stammelte sie und erschrak, als er ihren Unterarm mit festem Griff schnappte und sie ohne ein Wort aus dem Gemach bis hin zur großen Halle hinter sich herzog. „Vater, was ist denn?!“ versuchte sie es erneut - vergebens. Noch immer machte er keine Anstalten auf ihre Frage einzugehen; stattdessen lockerte sich sein Griff und im nächsten Moment warf er Nox seinen für sie viel zu großen Umhang über die Schultern, nur im sie daraufhin mitsamt Umhang in eine Umarmung zu ziehen. „Es.. tut mir leid“ waren die einzigen Worte, zu denen er imstande war. Sie verstand nicht doch hatte die leise Vorahnung es wäre besser, in diesem Augenblick nichts zu erwidern. Zwar hatte sie keinen blassen Schimmer was passiert war und doch füllten ihre glasigen Augen sich allmählich mit Tränen die sie nicht zurückhalten konnte. Die Weißhaarige vergrub das Gesicht in der Brust ihres Vaters, woraufhin dieser ihr mit der Hand zärtlich über den Hinterkopf strich. „Wir haben keine Zeit, Nox. Unsere Späher haben Dokumente in die Finger bekommen in denen geschrieben steht, dass etliche feindliche Gruppierungen sich zusammengerottet haben, um mich oder vielmehr uns zu stürzen. Unter ihnen befinden sich ebenfalls ehemalige Angehörige unseresgleichen weshalb sie genau wissen, wo unser Standort ist. Vielleicht kommen sie nicht heute und auch nicht morgen - aber sie werden kommen und ich möchte, dass du bis dahin weit über den Berg sein wirst. Wir halten hier schon die Stellung aber ich kann es mir nicht leisten, dich zu verlieren.“ Mit einem sanften Kuss auf den Kopf seiner Tochter untermauerte er seine Worte und ließ von ihr ab. „Ich möchte, dass du dir irgendwo eine Zuflucht suchst. Noch hast du ausreichend Seelen zur Verfügung und wirst auf Reisen höchstwahrscheinlich weitere in die Finger bekommen aber zum jetzigen Zeitpunkt zählt ausschließlich, dass du von hier wegkommst. Du hast Glück, dass kaum jemand weiß, wie wir aussehen und die einzige Information unsere Existenz ist. Nutze das zu deinem Vorteil.“ Die Tränen, die sich zuvor angestaut hatten begannen nun nacheinander damit ihre Wangen hinunter zu kullern. Sie konnte nur nicht zuordnen, ob sie vor Freude oder vor Trauer weinte; denn eigentlich war nun die Zeit gekommen, die sie sich all die Jahre so sehnlichst herbeigewünscht hatte. Freiheit. Trotz alledem konnte sie sich nicht gänzlich darüber freuen. Denn auch wenn sie ihren Vater für seine Taten verteufelte und es verabscheute in seine Fußstapfen treten zu sollen - war er der einzige Anker den sie besaß und dieser Abschied war etwas, worauf sie sich vorbereiten wollte. Diese Vorbereitung wurde ihr allerdings genommen und schenkte ihr nichts außer Verwirrung. Sie wusste nicht einmal wo sie hin sollte - schließlich war dieser Ort der einzige, der ihr vertraut war und an dem sie sich mehr oder weniger in Geborgenheit wägte. „Sag mir.. werden wir uns jemals wiedersehen?“ entgegnete sie ihrem Vater, wohlwissend, was dieser antworten würde. „Das kann ich dir nicht versprechen.“ Stumm nickend wischte sie sich die Tränen aus dem Gesicht, schlang den Umhang enger um ihren Körper und ließ ihre einstige Heimat hinter sich, ohne einen Blick zurück zu wagen.

      Hungrig und verzweifelt stapfte sie durch den meterhohen Schnee und es fühlte sich an, als wäre bereits eine Ewigkeit vergangen - auch wenn die in Dunkelheit eingehüllte Umgebung deutlich machte, dass der Nachteinbruch bereits vonstatten gegangen war und ihr Marsch bisher nur einige Stunden in Anspruch genommen hatte. Die Orte, die ihr bisher begegneten waren allesamt fremd und kein einziger von denen vermittelte den Anschein, als Zuflucht dienen zu können. Dementsprechend machte sie keinen Halt und führte ihren ziellosen Weg fort in der Hoffnung auf eine Unterkunft. Sie war es gewohnt über einen längeren Zeitraum zu Fuß zu reisen - jedoch nicht mit leerem Magen und keinerlei Gepäck. Lange hielt sie die Lauferei sowieso nicht mehr aus - denn nach und nach merkte sie, wie ihre Kräfte den Körper verließen und die Müdigkeit an ihr zerrte. Trotzdem musste sie noch ein Weilchen länger aushalten - hier im Freien mitten im Schnee konnte sie weder Proviant finden, noch die Augen ruhen lassen.
      Mittlerweile sah sie, wie die Sonne Stück für Stück die vorige Dunkelheit verdrängte und zu ihrem Glück erblickte sie in nicht allzu weiter Ferne eine winzige Holzhütte, die von ihrem Standort aus verlassen schien. Zumindest besaß die kleine Unterkunft zerbrochene Fensterscheiben und eine Tür, die nicht mehr richtig in den Angeln hing. Hätte dort jemand gelebt, würde sie vermutlich nicht so aussehen, wenn derjenige bei diesen Temperaturen keinen qualvollen Kältetod erleiden wollte. Sichtlich erleichtert über ihren Fund dauerte es nicht lange, bis sie das Innere dieser Hütte erreichte und ihre Vermutung bestätigte sich: Verlassen. Das Einzige, was sich in dieser kleinen Hütte befand, war ein von Löchern durchfressener Schlafsack oder zumindest das, was davon übrig bliebt. Doch das sollte sie nicht weiter stören und so fackelte sie nicht lang, bis sie völlig übermüdet auf diesem zusammenbrach und sogleich in einen tiefen Schlaf fiel. Um Proviant konnte sie sich immer noch kümmern - das Wichtigste war zunächst die Müdigkeit zu bekämpfen um nach dem Aufwachen bei klarem Verstand zu sein. Erst dann war es auch möglich sich auf die Suche nach weiteren Toten zu begeben - wenn sie das überhaupt noch wollte…
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    • Jaro Da'Neer

      Die Dämmerung war über die verschneite Landschaft herein gebrochen, während Jaro sein neues Reittier zielsicher über die vereisten Waldpfade lenkte. Der Schimmel unter seinem Sattel war noch jung und der Tritt noch nicht sehr sicher auf dem glatten Untergrund, aber das würde sich mit der Zeit geben. Das eine oder andere Mal musste er den jungen Hengst vom Ausbrechen abhalten, fluchte dabei leise. Aber er hatte eben schnell einen Ersatz benötigt. Beruhigend klopfte er den Hals des Pferdes, dessen lange Mähne eingeflochten worden war. Eleonores Beschreibung der Hütte war sehr exakt gewesen und wie er bereits wusste, sie irrte sich nur sehr selten. Unter den beschlagenen Hufen knirschte der frisch gefallene Schnee, der nach und nach auch seine Spuren wieder bedeckte. Mit einem leisen Schnauben brachte er den Schimmel unweit der Hütte zum stehen, wo er ihn mit geübten Knoten an einem Baum fest band. Er vergewisserte sich, dass das Tier nicht einfach davon laufen konnte und zog sich zum Schutz gegen die Kälte die Kapuze tiefer ins Gesicht.
      Wenige Schritten trennten Jaro von seinem Ziel und der Erlangung der gestohlenen Seelen, wenn diese Frau deren Kraft nicht schon komplett aufgezehrt hatte. Die Hütte war in einem bemerkenswerten, schlechten Zustand. Der Wind pfiff durch Lücken in der Fassade und die Fensterläden klapperten wie von Geisterhand. Mit lautlosen Schritte näherte sich einem der Fenster und späte hinein. Tatsächlich erblickte er eine zusammengekauerte Gestalt auf dem kargen Boden. Jaro schloss die Augen und spürte einen kräftigen Herzschlag in der Dunkelheit der Hütte, in die nur langsam das Licht des anbrechenden Tages hinein kroch. Die Magierin lebte also noch. Bei dieser Kälte wäre ein normaler Sterblicher bereits vor Stunden erfroren, besonders mitten in der Nacht. Mit einer Hand umklammerte er den Schwertgriff und stieß so vorsichtig wie möglich die Tür der Bruchbude auf. Jaro hinterließ nasse Spuren auf den zerfressenen Holzdielen.
      Kein Atemzug verriet seine Anwesenheit und während er sich der am Boden liegenden Gestalt näherte, löste er die Hand von seiner Waffe. Sie einfach im Schlaf zu töten, erschien selbst ihm zu unpersönlich. Außerdem brauchte er sie noch einen Augenblick lebend, wenn er ihr die Seelen entreißen wollte. Tiefes Schwarz färbte seine Augen, ein Anblick der selbst unter Nekromanten ungewöhnlich war, aber Jaro hatte sich bereits daran gewöhnt, es geschah jedes Mal wenn er seine Kräfte aktivierte. Und er sah sich dabei selten selbst im Spiegel.
      Über Nox, so hatte Eleonore sie genannt, blieb er stehen und ließ sich langsam über ihrem Körper auf die Knie nieder. Kein Lebenszeichen würde ihn verraten. War er selbst doch nicht mehr, als ein wandelnder Toter. Bei dem Anblick ihres durchaus hübschen Antlitzes blieb das Herz in seiner Brust stumm und leblos. Schneeweißes Haar wie sein eigenes lag ausgebreitet wie ein Fächer über dem dreckigen Holzboden. Er erinnerte sich an eisblaue Augen hinter den nun geschlossenen Lidern.
      Zielsicher legte sich eine große, behandschuhte Hand um ihren schlanken Hals. Dann drückte er zu.
      "Aufwachen, du hinterhältige Diebin." Zischte er und blickte sie aus schwarzen, leeren Augen an, während sie aufwachte.
      “We all change, when you think about it.
      We’re all different people all through our lives.
      And that’s OK, that’s good, you gotta keep moving,
      so long as you remember all the people that you used to be.”
    • Das Gefühl keine Luft zu bekommen, riss die Weißhaarige abrupt aus dem Schlaf und angetrieben von Furcht richtete sie innerhalb weniger Sekunden den Oberkörper auf; die Hände des Unbekannten verweilten währenddessen noch immer an ihrem Hals. Als sie in sein Gesicht blickte und erkannte, wer er war, zogen ihre Mundwinkel sich nach oben und entgegneten seinem von Wut durchzogenem Gesichtsausdruck mit einem höhnischen Lächeln. Am Liebsten hätte sie gelacht - stattdessen verkniff sie sich dieses und konzentrierte sich darauf, ihre Atmung zu verlangsamen und die Ruhe zu bewahren. Wer wusste schon, wie lange er vor hatte, seine Hände an Ort und Stelle ruhen zu lassen. Auf diese Weise konnte sie zumindest längere Zeit über in dieser Position verweilen, ohne Atemnot zu verspüren. Außerdem wusste sie nur zu genau, dass er sie nicht töten konnte. Andernfalls tötete er die Seelen, die er so sehnlichst zurückhaben wollte, gleich mit. „Ich wusste, wir würden uns wiedersehen.“ wisperte sie in seine Richtung, gerade so leise, dass sie noch zu verstehen waren. „Aber weißt du.. diesen hinterhältigen Trick von gestern lasse ich nicht auf mir sitzen.“ Es war ein wenig unbedacht von ihm, ihren Hals auszuwählen und nicht ihre Hände - schließlich wusste er doch selbst am Besten, wozu Nekromanten imstande waren. Gerade diejenigen, die von ihrer Sorte waren und unrechtmäßig Seelen stahlen, um ihre eigenen Kräfte ins Unermessliche zu steigern. Nox schloss die Augen, während die Adern rund um den Bereich ihrer Augen sich schwarz färbten und signalisierten, dass sie sich den Kräften der gestohlenen Seelen bediente, um dieser aussichtslos erscheinenden Situation doch noch zu entkommen. Mit ihren eigenen Händen ergriff sie die seinen, die sich noch immer nicht von ihrem Hals entfernt hatten und riss diese binnen eines Wimpernschlags von sich. Zu gern hätte sie dieselbe Masche abgezogen, die er zuvor genutzt hatte - doch sie musste sich ihre Kräfte einteilen. Schließlich wurde sie nicht länger mit Aufträgen überhäuft und konnte nicht wissen, wann sie das nächste Mal überhaupt dazu kam, Verstorbene ihrer Seelen zu berauben. Des Weiteren war der Fremde alles andere als freundlich ihr gegenüber gesinnt und sie konnte nicht einschätzen, ob er es sich tatsächlich wagen würde, sie auszulöschen. Dementsprechend durfte er nicht erfahren, dass sie nicht länger in Verbindung zu ihrem Vater und der gesamten Gruppierung stand - andernfalls konnte das übel für sie ausgehen oder gar von ihm ausgenutzt werden. Schließlich war dies zum jetzigen Zeitpunkt ihr wunder Punkt und sie wollte mit allen ihr zur Verfügung stehenden Mitteln verhindern, dass dieser Fakt gegen sie verwendet werden konnte. Damit der ebenfalls Weißhaarige nicht nochmals auf die Idee kommen konnte, ihr körperlich zu nahe zu treten - sprang sie sogleich auf und trat ein paar Schritte von ihm zurück; darauf achtend, ihn stetig im Blick zu behalten. Sollte er versuchen, seine Fähigkeiten nochmals gegen sie zu verwenden, wurde sie dessen immerhin früh genug Zeuge, um sich zu verteidigen. „Woher wusstest du überhaupt, wo ich bin? Außerdem - wenn du die Seelen zurückhaben willst, bin ich leider die Falsche. Da musst du dich leider an meinen Vater wenden.“ Die Müdigkeit nagte noch immer an ihr, sie hatte definitiv noch nicht lang genug geschlafen, als dass ihre vollwertigen Kräfte regeneriert waren; deshalb musste sie seine Anwesenheit mit Vorsicht genießen. „Ich schlage also vor, dass du dich schnellstmöglich auf den Weg machst. Bestimmt wirst du schon erwartet.“
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    • Jaro Da'Neer

      Eisige, blaue Augen blickten ihm mit einem spöttischen Funken entgegen. Ein Anblick, mit dem Jaro sicherlich nicht gerechnet hatte. Immerhin erwachte sie mit einem Fremden über sich und unerbittlichen Händen um ihre zarte Kehle. Scheinbar gab es nicht viel, dass die junge Nekromantin Furcht einflößte. Zumindest schien sie von dem Anblick seiner tiefschwarzen Augen wenig beeindruckt zu sein. Ein Umstand, der ihn fragend die Augenbrauen in die Höhe ziehen ließ. Zugegeben, Jaro war milde beeindruckt, als sie ihre Atmung regulierte und sich auf die lebensbedrohliche Situation einstellte. Es war sogar noch genug Luft in ihren Lungen, damit sie ihn bedrohen konnte. Es gab nur noch wenig dieser Tage, dass den Nekromanten beeindrucken konnte. Durch die Handschuhe war es auch nicht möglich, das Fehlen seiner Körpertemperatur zu bemerken. Ein Grund, weshalb er es vermied jemand anderen ohne seine Handschuhe zu berühren.
      Das Grinsen auf seinen Lippen wirkte beinahe amüsiert, als sie sich gegen seinen harten Griff stemmte und scheinbar versuchte ihn von sich runter zu bugsieren. Sicherlich war es nicht sein stolzester Augenblick, die junge Frau aufgrund ihrer zierlichen Gestalt zu unterschätzen. Kräftige aber schlanke Finger packten seine Hände und er spürte die enorme Kraft, die sie aufbrachte. Die Linien um ihre Augen waren ein eindeutigse Zeichen. Jaro selbst benötigte keine gespeicherten Seelen für seine Kräfte, so wie die meisten Nekromanten. Jene die sich dem Konsum der Seelen verschrieben haben, verloren dadurch bedauerlicherweise fast die Fähigkeit ihre innere Machtquelle zunutzen. Sie brauchten immer mehr um ihre Magie zu nutzen. Verbotene Magie, sollte man dabei nicht vergessen.
      Ein unerwarter Ruck beförderte Jaro aus seiner knienden Haltung. Er fing sich jedoch beinahe sofort wieder und warf den Kopf knurrend in den Nacken, um sie nicht aus den Augen zu verlieren. Warum rannte sie nicht? Das Grinsen auf seinen Gesicht wurde breiter, erreichte aber nicht die tot wirkenden Augen. Er fürchtete nicht, dass sie ihre Kräfte bis zur Gänze nutzte. Jaro spürte förmlich, dass sie erschöpft war. Er konnte es an ihren müden Zügen ablesen. So kam er beinahe gelassen in eine aufrechte Haltung und stand vom knarrenden Holzdielenboden auf. Da er keine Verwendung mehr dafür hatte, warf er ihr den wärmenden Wintermantel vor die Füße, den er unter seinem Umhang dabei gehabt hatte.
      "Es ist äußerst leichtsinnig etwas Persönliches zurück zulassen." Die Stimme vibrierte rau und voll in seiner Kehle, schien aber jeglicher Emotion beraubt zu sein. Alles an ihm schrie daran, etwas Widernatürliches zu sein. "Ich habe Mittel und Wege jemanden zu finden. Sehr zuverlässig, Nox." Ja, er hatte sich den Namen gemerkt. Die nächsten Worte überraschten ihn. Sie trug die Seelen nicht bei sich? Oder log sie eiskalt. Nach seiner Kenntnis mussten die Magier den Quell ihrer Macht bei sich tragen. Die Stirn legte sich in leichte Zornesfalten. War er den Weg etwa umsonst gekommen?Aber sie konnte immer noch mit Informationen dienen, wenn er sie zumn sprechen bringen konnte.
      "Denkst du wirklich ich lasse dich laufen um einer falschen Spur zu folgen?" Höhnisch sah er sie an und kam mit festen Schritten auf sie zu. Eleonore war sicherlich in der Lage mehr herauszufinden, wenn sie ihre Hand an die junge Frau legen konnte. Dazu musste er sie aber ersteinmal bändigen. "Du bist müde und hast deine Kräfte noch nicht vollständig gesammelt. Also versuch erst gar nicht abzuhauen."
      Als er nah genug war, griff er nach ihrem Arm.
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    • Während sie genügend Abstand zum Fremden hielt, blieb ihr gerade noch genug Zeit, ihn gründlich abzumustern und hoffentlich Details zu bemerken, die ihr vorher vielleicht nicht aufgefallen waren. Zu ihrem Bedauern gab es allerdings nichts, was von irgend einem Wert gewesen wäre. Das einzig Suspekte an ihrem Verfolger war seine Körperhaltung, sowie das Aussehen im Allgemeinen. Er sah definitiv nicht aus, wie einer der Nekromanten, denen sie im Laufe ihres Lebens begegnet war. Diese Ausstrahlung.. die mit Leere gefüllten, gar leblos ausschauenden Augen und seine von Handschuhen verdeckten Hände. Warum genau trug er überhaupt Handschuhe? Vermutlich nicht, um sich vor Bakterien zu schützen.. oder war er doch so übermäßig empfindlich? Zunächst dachte sie, vielleicht ein Wappen oder Ähnliches an seiner Kleidung zu erblicken, das Aufschluss über seine Herkunft geben konnte oder zumindest einen Hinweis darauf, woher er überhaupt kam. Nichts. Absolut gar nichts an seiner Erscheinung beantwortete ihre im Kopf umhergeisternden Fragen und natürlich war die Weißhaarige sich zu fein dafür, nachzufragen. Stattdessen nahm sie es hin, nichts über ihn zu wissen und weiterhin im Dunkeln zu tappen. Genauer gesagt ging sie davon aus, dass irgendwann der Moment kam, in dem er das von ganz allein tat oder sie es über Dritte, die ihn kannten, erfahren würde. Nox fiel sein spöttisch wirkendes Lächeln auf - machte er sich über sie lustig? Auch wenn sie es sich selbst nicht eingestehen wollte; an seiner Stelle hätte sie die ganze Situation höchstwahrscheinlich ebenfalls als amüsant empfunden. Da sie jedoch in ihrer eigenen Haut steckte, von der Heimat verwiesen und ziellos umherschlendernd - war ihr nicht nach Lachen zumute. Ihre Gedanken fanden ein Ende, als ihr Gegenüber ihren verloren geglaubten Mantel hervorzog und ihr diesen vor die Füße warf. Erst dann fiel ihr wieder ein, dass sie ihn bei ihrem ersten Aufeinandertreffen absichtlich zurückgelassen hatte, um flüchten zu können. Nicht, dass sie angewiesen auf den Umhang war; schließlich störte sie die eisige Kälte keineswegs. Dennoch war sie in Besitz dieses Mantels bereits seit sie denken konnte und er war mehr oder weniger das einzige Erinnerungsstück an ihre vom Zeitlichen gesegnete Mutter. Ohne also darüber nachzudenken, dass ihre folgende Bewegung womöglich erbärmlich wirken mochte, kniete sie vor dem Fremden nieder und ergriff blitzschnell den achtlos auf den Boden geworfenen Mantel. Sobald sie diesen wieder an sich genommen hatte, erhob sie sich und klopfte den daran hängengebliebenen Staub und Dreck ab. Nox warf dem Unbekannten einen zornigen, von Wut erfüllten Blick zu und lauschte seinen Worten. Währenddessen verflüchtigte sich die Wut allerdings und der Blick verformte sich eher zu einem mokanten. Dieser verdeutlichte sich sogar, als der Weißhaarige ohne Vorwarnung ihren Arm ergriff - diesmal fester als der, den er an ihrem Hals angewandt hatte. „Oh?“ stieß sie hervor, während sie flüchtig auf den Handschuh blickte, bevor ihr Gesicht sich seinem Ohr näherte und sie ihm ihre nächsten Worte ruhig zuflüsterte: „Hast du Angst, ich könnte mich erneut aus deinem Griff lösen - oder warum packst du so fest zu?“ Nox lachte für einen Augenblick herzhaft, riss sich dann wieder zusammen und machte keine Anstalten, sich zu befreien. Sollte er sie doch mitnehmen - was hätte schon Schlimmes passieren können? An ihre Seelen kam er nicht dran; nicht solang sie ihn nicht ließ und die Festung zu finden war kein Kinderspiel - nicht einmal für die dort Lebenden selbst. Momentan befand sie sich ohnehin in einer Misere und wenn er sie mitnahm, konnte es nur besser werden. Letztendlich wollte er etwas von ihr und nicht andersherum. „Mag ja schön für dich sein, dass du mich gefunden hast - aber was hat es dir bisher gebracht? Unser erstes Treffen hat dich dein Pferd gekostet… was mag es wohl diesmal sein?“ Lächelnd blickte sie in seine Augen. Ihr kam es vor, als hätten sie etwas von den leblosen Hüllen, mit denen sie während ihrer Rituale manchmal zutun hatte. Seine ganze Präsenz erinnerte sie sogar daran; bis auf ein närrisches Grinsen und seine abträglichen Äußerungen besaß ihr Gegenüber keine menschlichen Züge und es brannte ihr auf der Seele, den Grund für sein Verhalten in Erfahrung zu bringen. Ein Kindheitstrauma? Ein Alleingänger? Hass.. Trauer? Vielleicht doch innerlich tot? Egal was es auch sein mochte, sie würde es herausfinden. Seufzend regte sie ihren freien Arm in die Luft und streckte sich ausgiebig, bevor ihr amüsanter Blick erneut zum Weißhaarigen wanderte: „Nun dann, Fremder. Wo geleitet Ihr mich hin? Ich bin auch brav und tue, was Ihr sagt.“
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    • Lebendinger, warmer Atem streifte sein Ohr. Für einen winzigen Augenblick schien diese Kleinigekeit Jaro aus dem Gleichgewicht zu bringen. Er hatte sie zwar am Arm gepackt und war auch nich zögerlich darin gewesen, sich über ihren Körper zu knien, aber das war eine Spur zu nah für seinen Geschmack. Niemand, wirklich niemand, war ihm seit Ewigkeitn so nah gewesen, dass er den Atem auf seiner eiskalten Haut hätte spüren können. Unwillkürlich legte sich seine Stirn in zornige Falten. Der Nekromant unterdrückte den Reflex, die junge Frau einfach von sich zu stoßen. Aber eines musste man Nox lassen, leicht unterkriegen ließ sie sich nicht. Für Jaro war das neu. Die meisten Namen reiß aus, sobald er sich in der Nähe befand oder behielten misstrauisch im Auge.
      "Ehrlich gesagt, verspüre ich nicht den Wunsch, dir noch einmal meilenweit hinterher zu jagen." Knurrte er mürrisch und die Finger an ihrem Arm zuckten leicht, als wüsste er nicht ob er sie loslassen oder noch fester halten sollte.
      Der prüfende Blick blieb nicht unbemerkt. Sie musste spüren, dass etwas mit ihm nicht stimmte. Ansonsten wäre sie eine sagbar miserable Nekromantin und Magieren. Aber er würde sie nie so nah kommen lassen, dass sie die eisige Kälte seine Haut spürte oder den fehlenden Herzschlag bemerken würde. Ein abfälliges Schnauben war zu hören, ehe er sich Richtung Tür bewegte und dabei Nox mit sich zog. Sie mochte sich zwar freiwillig mit ihm bewegen, aber er traute ihr trotzdem nicht weiter, als er sie werfen konnte. Kurz erinnerte er sich an die Worte von Eleonore. Sie hatte Einsamkeit gespürt, als sie den Mantel berührt hatte und den den verzweifelten Wunsch nach Freiheit. Er fragte sich...Nein, Jaro schüttelte störrisch den Kopf und drängte den Gedanken bei Seite.
      Draußen vor der Bruchbude, die er kaum als Hütte bezeichnen wollte, führte Nox weiter durch den Schnee. Für seinen Geschmack war die junge Frau viel zu entspannt und frech. Damit konnte er beim besten Willen nur wenig anfangen und es irritierte ihn dermaßen bis zu einem Punkt der Frustration. Bis auf wenige traute sich niemand, so mit ihm zu sprechen. Es war beinahe bemerkenswert.
      "Ich wäre dir sehr dankbar, wenn du dieses Mal davon absiehst mein Pferd zu verstümmeln." Er nickte in Richtung des Tieres, beinahe so weiß wie der Schnee, das unruhig auf dem vereisten Boden scharrte. Als wüsste der Schimmel, was Nox getan hatte, legte er die Ohren drohend an als die beiden sich dem Tier näherten. "Offenbar hält er dich für genauso wenig sympathisch..." Grummelte Jaro.
      Ehrlich gesagt, erschien es ihm zu einfach, dass Nox bereitwillig mit ihm gehen wollte. Er wandte den Blick wieder zu ihr und betrachtete sie aus schmalen, zu Schlitzen verengten Augen an.
      "Nicht, dass ich mich beschweren will." Sprach er mit rauer Stimme. "Aber du machst es mir ziemlich leicht. Und um deine Frage zu beantworten. Ich habe eine Freundin in Tar'Nerith, die darauf brennt, dich kennenzulernen."
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      We’re all different people all through our lives.
      And that’s OK, that’s good, you gotta keep moving,
      so long as you remember all the people that you used to be.”
    • Da hatte sie dem Fremden bereits offenkundig mitgeteilt, ohne Widerwillen zu folgen und dennoch zerrte er an ihr, als hätte er es eilig gehabt. Genervt versuchte sie sich ein paar Mal daran, seine Hand abzuschütteln - jedoch ohne großen Erfolg. Stattdessen bemerkte sie die Zuckungen innerhalb seiner Finger als wollte er sichergehen, den Griff unter keinen Umständen zu lockern. Lediglich ein paar Meter weiter erblickte sie sein scheinbar neues Pferd; er brauchte also nicht lang, um sich einen Ersatz zuzulegen. Kurzzeitig zog die Weißhaarige ihre Mundwinkel nach oben, nur um sie binnen eines Wimpernschlags in ihren Ursprung zurückzuversetzen als er anmerkte, seiner jetzigen Stute sollte nicht dasselbe widerfahren, wie dem Hengst, dem Nox das Licht zuvor ausgeknipst hatte. „Ich überlege es mir.“ gab sie schnippisch zurück, während ihr beim Anblick des Pferdes auffiel, dass auch dieses wohl misstrauisch ihr gegenüber war. Nicht, dass sie in Erwägung gezogen hatte, der weißen Stute ein Haar zu krümmen - ein paar provokante Bemerkungen konnte sie sich trotzdem nicht verkneifen. Auf ihre ganz eigene Art und Weise war sie mehr oder weniger dazu gezwungen, das Beste aus ihrer misslichen Lage zu machen. Einen Augenblick später löste der Fremde endlich das Geheimnis auf und verriet ihr, welches Ziel er vor Augen hatte. Dennoch verstand sie nicht ganz, was sie selbst damit zutun hatte. Eine Frau die darauf brannte, sie kennenzulernen? Das Einzige, was sowohl diese mysteriöse Frau als auch ihn selbst interessierte, waren mit Sicherheit die gestohlenen Seelen und falls er dachte, Nox würde auch nur ein einziges Wort darüber verlieren - hatte er sich zutiefst getäuscht. Außerdem: Weshalb in aller Welt benötigte er diese Frau, um an Informationen zu gelangen? Er konnte sich doch ganz einfach selbst daran versuchen, etwas aus ihr herauszubekommen. Ohnehin hatte sie fest daran geglaubt, der Unbekannte hätte Schmerz in seinen verschiedensten Formen angewandt; bisher aber hatte er ihr nichts getan, außer sie fester anzupacken, als es üblich war. Möglich war auch, dass seine Freundin womöglich die Drecksarbeit für ihn erledigte und im Gegensatz zu ihm für Gewalt zuständig war - was Nox sich beim besten Willen nicht vorstellen konnte. Selbst wenn, jedes erdenkliche, ihr bevorstehende Szenario war schöner, als weiterhin dieses trostlose Leben weiterzuführen. „Ich habe meine Gründe.“ entgegnete sie ihm auf die Bemerkung hin, wie leicht sie es ihm machte. „Ah.. Tar‘Nerith? Da war ich ewig nicht mehr! Ich freue mich schon, mit deiner Freundin zu plaudern.“ Das Wort „deine“ betonte die Frau absichtlich und darauf fiebernd, ihn mit der Aussage ein klein wenig zu reizen. Er sah nicht danach aus in der Lage zu sein, eine Beziehung mit irgendwem zu führen. Man sollte zwar keine Vorurteile gegenüber Leuten haben, die man nicht kannte - dessen ungeachtet hielt sie an ihrer Überzeugung fest. Für einen Moment stand sie still, ließ ihren Blick nochmals über seine Stute wandern und schlussendlich lag er in der Ferne der Richtung, die sie ansteuern mussten. „Ich komme mit unter der Bedingung, dass du mich nicht dazu zwingst, auf dieses Ding zu steigen.“ während sie diese Worte über die Lippen brachte, verwies ihr Zeigefinger in Richtung des Pferdes. „Nichts für Ungut aber ich reite nicht und diesen… Viechern kann ich nichts abgewinnen.“ Zugegebenermaßen hatte Nox in Wahrheit fürchterliche Panik vor Pferden und schaffte es in all den vergangenen Jahren niemals, diese Phobie abzulegen. Aus diesem Grunde bestritt sie all die vor ihr liegenden Wege zu Fuß und allein beim Gedanken daran, auf sein Pferd steigen zu müssen, lief ihr ein Schauder über den Rücken - der sich zeitgleich dadurch äußerte, dass sie ein wenig zitterte. Alsbald biss sie sich auf die Unterlippe und versuchte das minimale Zittern zu unterdrücken, während sie ihren Kopf sowohl vom Pferd als auch vom Fremden wegdrehte. „Ich möchte nebenher laufen. Ansonsten musst du dir schon etwas Besseres einfallen lassen, mich auf dieses Ding zu kriegen.“
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      ★ ★ ★ ☆ ☆
    • Ein wenig zögernd löste Jaro schließlich den festen Griff an ihrem Arm und zog die Hand langsam von ihr zurück. So seltsam es auch für ihn war, er glaubte Nox. Scheinbar hatte sie wirklich nicht vor die Flucht zu ergreifen. Allerdings erschloss sich ihm der Grund dafür nicht. Beruhigend legte eine Hand auf den starken Hals der weißen Stute. So grob er zu Nox gewesen war, umso behutsamer ging er mit dem nervösen Tier um. Das Pferd ließ sich nur schwerlich und mit gutem Zureden beruhigen, ehe es mit einem Schnauben scheinbar entspannt den Kopf senkte. Es war immer wieder schwer ein Reittier zu finden, was sich nicht vor ihm aufbäumte und sich weigerte ihn auch nur nahe kommen zu lassen. Die Stute war ein Glücksgriff gewesen.
      "Sie ist nicht meine..." Jaro stoppte seinen Protest noch bevor er den Satz beendet hatte. Da hatte er ihren Köder doch ohne Nachdenken geschluckt. Verärgert über die eigene Reaktion stapfte er durch den Schnee wieder auf sie zu, das Pferd fest am Zügel neben sich. Wenns sie wirklich glaubt, dass er im Schritttempo zur Hafenstadt zurückritt, hatte sich die Magierin aber mächtig getäuscht. Dafür besaß er nicht die Geduld. Obwohl ein unsterbliches Leben ihn gerade das hätte lehren müssen.
      Verwundert entdeckte er tatsächlich Angst in den blauen Augen. Nicht vor ihm, sondern vor weißen Stute, die immer noch wenig begeistert von der neuen Begleiterin war. Die sturmgrauen Augen des Nekromaten musterten sie von Kopf bis Fuß. Das Grinsen, das sich nun auf seinen Lippen ausbreitete, verhieß sicherlich nichts Gutes. Die Zügel waren schnell über den Hals des Tieres geworfen und für einen Augenblick sah es tatsächlich so aus, als würde er ihrem Wunsch nachkommen. Da machte Jaro auf dem Absatz kehrt und marschierte zielstrebig auf Nox zu. Das würde ihr sicherlich nicht gefallen.
      "Leider hast du dabei kein Mitspracherecht. Und ich habe es eilig." Fügte er noch mit rauer Stimme hinzu. Man konnte sich fast einbilden, etwas wie Schalk in seiner sonst monotonen Stimme zu hören. Da hatte Jaro sich schon wenig vorgebeugt und schlang einen starken Arm um ihre Oberschenkel. Beinahe spieglend leicht hob der Nekromant die junge Frau an und warf Nox über seine Schulter, wie einen Sack Mehl.
      "Still halten und nicht zappeln. Sonst wirft sie dich ab." Mahnte und verstärkte den Griff um ihre Beine.
      Ohne Umschweife ging er auf das tänzelnde Tier zu und hob die Weißhaarige mühelos auf den Pferd, sodass sie auf dem Bauch vor dem Sattel lag und mit Kopf nach unten baumelte. Geschwind setzte er einen Fuß in den Steigbügel und schwang sich hinter ihr in den Sattel. Über ihren Rücken hinweg nahm er die Zügel auf und trieb die Stute zu einem gemächlichen Schritt an.
      "Das wird wohl leider etwas unbequem für dich..." Und tatsächlich. Der weißhaarige Nekromant stieß ein amüsiertes Lachen aus. Ein Laut, der das erste Mal ehrlich und nicht kontrolliert wirkte.
      “We all change, when you think about it.
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    • Verwundert darüber, dass er so plötzlich den Griff löste, sah sie ihm nach und beobachtete jede einzelne seiner Bewegungen. Es war kaum vorstellbar, dass die Person, die ihren Arm zuvor so grob umfasst hatte - die Stute nun behandelte, als könnte sie bei der kleinsten Berührung in ihre Einzelteile zerfallen. Nox konnte sehen, dass das Pferd wohl noch nicht gänzlich warm mit seinem Reiter geworden war - dennoch vertraute es ihm insoweit, dass es nach ein paar beruhigenden Worten signalisierte, ruhig zu bleiben. Genau aus diesem Grund konnte die Frau Pferde nicht ausstehen. Diese Tiere waren unberechenbar - im ersten Moment wirkten sie lieb und zutraulich, bis sie im nächsten kräftig mit den Hinterbeinen zutraten. Nox hielt sich die Hand vor den Mund und kicherte in diese hinein, nachdem der Fremde anfangs auf sie hereingefallen war. Zu schade, dass er selber darauf kam, dabei nur ihrer persönlichen Unterhaltung gedient zu haben. Das Lachen verging ihr ziemlich schnell, als er sich mit Pferd im Schlepptau näherte und das Tier ihr für ihren Geschmack viel zu nahe kam. Indem sie nach und nach jeweils einen Schritt zurückging und einen gesunden Abstand einhielt, fühlte sie sich ein wenig sicherer. Irgendwann hielt er inne und warf die Zügel über den Hals des Pferdes, was Nox denken ließ, er wäre ihrer Anforderung nachgekommen - diese Hoffnung zerplatze allerdings, als er schnurstracks mit breitem Grinsen auf sie zukam. „W-Was soll das werden?!“ stammelte die Weißhaarige; indessen machte ihr Gegenüber weder kehrt, noch hielt er inne. Das Nächste was sie spürte, war sein kräftiger Arm, der sich fest um ihre Oberschenkel schlang und ihr zeitgleich einen Schrei entlockte. Über seiner Schulter hängend ignorierte sie seine Anweisungen und zappelte herum wie ein Sack voller Schlangen - nur half ihr das nicht weiter. Auch die mehrfachen Schläge mit der blossen Faust auf seinen Rücken brachten Nox rein gar nichts. Anstelle dessen marschierte er weiterhin geradewegs zu seinem Reittier vor und ließ sie unsanft auf dem Rücken des Pferdes nieder. Sie hatte nicht einmal mehr die Möglichkeit, die Position zu wechseln und dachte darüber nach, sich vorsichtig in zumindest eine Sitzposition zu begeben - aufgrund seiner Worte, die Stute hätte sie bei hastigen Bewegungen abgeworfen, verharrte sie auf dem Bauch liegend. Kurz darauf setzte der Reiter das Pferd in Bewegung und Nox tat sich schwer damit, das Gleichgewicht zu behalten. Wenigstens waren sie nicht schnell unterwegs, sodass ihre Arme und Beine ziemlich ruhig in ihrer Position verweilten und nicht unkontrollierbar umherwackelten. Trotzdem war selbst dieses Tempo bereits zu viel für die Frau. Bei jedem weiteren Schritt des Pferdes überkam sie das Gefühl, jeden Moment einfach hinunter zu rutschen und damit diese Befürchtung sich nicht bewahrheiten konnte, krallte sie sich mit beiden herunterhängenden Händen an das Bein des Fremden. „Bete lieber, dass ich von diesem Pferd niemals wieder herunterkomme! Das.. wirst du büßen.“ schrie sie aus purer Verzweiflung heraus und packte nur noch fester nach dem Bein des Reiters. Nie im Leben hätte sie sich getraut, hastigere Bewegungen auszuführen; also blieb ihr nichts anderes übrig, als sich komplett zu verkrampfen und den Weg bis zum Ziel durchzustehen. Sein Lachen machte die ganze Situation noch unerträglicher, sie wollte sich gar nicht ausmalen, wie armselig sie aussehen musste. Daher kniff sie fest die Augen zu und gab keinen Mucks mehr von sich, außer: „Bitte.. beeil dich - ich will einfach nur endlich hier runter!“
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      ★ ★ ★ ☆ ☆
    • Sichtlich belustigt blickte Jaro zu seiner unfreiwilligen Reitgefährtin hinab, die sich verzweifelt an sein Hosenbein klammerte. In ihrer derzeitigen Verfassung wirkte sie nur wenig einschüchternd. Eine gerechte Strafe für ihr freches Mundwerk, fand der Nekromant und ließ die Stute gemächlich durch den Schnee laufen. Ein paar Meter gönnte er sich noch von dem amüsanten Schauspiel, ehe er das Pferd mit einem sanften Zug an den Zügeln zum stehen brachte. Die junge Frau hatte sich völlig verkrampft und der Rücken wirkte so starr und hart, dass er schon beim zusehen selbst Rückenschmerzen bekam. Nachdenklich zogen sich seine Augenbrauen zusammen, ehe er wohl doch ein wenig Mitleid mit Nox bekam. Die Angst war für ihn förmlich greifbar. Mit einer Hand hielt er die Zügel etwas damit sie sich nicht darin verfing und mit der nun freien fasste er nach ihrem Arm. Dieses Mal etwas umsichtiger als zuvor. Mit einem leichte Ziehen und einem Schubser ließ er Nox vom Rücken des Pferdes rutschen. Er beugte sich in der Bewegung nach vorn, damit er sie noch festhalten konnte, damit sie nicht davon huschen konnte. Oder auch damit sie nicht auf zittrigen Beinen fiel, den Gedanken schob er allerdings weit bei Seite. Allem trotzigen Verhalten von zuvor, stand eben doch nur ein junges Mädchen gegenüber. Zumindest in seinen Augen.
      "Du kannst nicht den ganzen Weg laufen. Mit dem Pferd dauert es etwa eine Woche, zu Fuß nur unnötig länger." Die leblosen, grauen Augen wurden ein wenig schmaler, als er sie musterte und schließich seufzte er. Für sein langes Leben hatte einfach immer noch nicht genug Geduld.
      "Aber es geht einfacher und schneller, wenn du vernünftig im Sattel sitzt." Sprach er gezwungen ruhig. "Und je eher wir am Ziel ankommen umso eher bist du das Pferd los." Die weiße Stute schnaubte scheinbar empört, als hätte sie den Nekromanten verstanden. Tatsächlich stampfte sie sogar mit einem der Vorderhufen kraftvoll auf dem Boden auf.
      Langsam ließ er ihren Oberarm los und hielt ihr stattdessen eine verhüllte Hand hin, um sie vor sich auf das Pferd zu ziehen. Jaro war kein grausamer oder bösartiger Mensch, wenn er sich noch so nennen durfte. Und allem Äußeren zum trotz und seiner harten Worte von zuvor, hatte er etwas in den blauen Augen gesehen, das ihn stutzig gemacht hatte. Dasselbe, das auch Eleonore gesehen hatte. Einsamkeit.
      D
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    • Es kam ihr vor, als dauerte das Spektakel eine halbe Ewigkeit und überzeugte sie fast schon davon, der Unbekannte war doch ein durch und durch gefühlsarmer Kerl, der sich am Leiden anderer erfreute. Beinahe war der letzte Rest ihrer Hoffnung entschwunden - bis sie die starke Hand des Mannes abermals an ihrem Arm spürte und genau in diesem Moment entspannte sie die Augen um zu sehen, was vor sich ging. Die ganze Situation spielte sich viel zu hastig ab, als dass sie hätte reagieren können und so überließ sie ihre Bewegungen dem Reiter, der sie vom Herunterbaumeln seiner Stute erlöste und dabei sicherstellte, dass Nox nicht zu Boden fiel. Stattdessen sorgte er sogar dafür, dass sie behutsam auf den Füßen landete und selbstständig stehenbleiben konnte. Hatte er womöglich gemerkt, dass ihre Beine sich mehr oder weniger wie Wackelpudding anfühlten? Diese kurze, wohlverdiente Pause abseits vom Rücken des Pferdes genügten, sodass ihre Gedanken sich an ihr trautes Heim und ihren Vater richteten. Auch, wenn sie froh war, bei seinen skrupellosen Spielchen nicht länger tätig sein zu müssen - so empfand sie doch etwas wie Sehnsucht. Nicht unbedingt danach, wieder bei ihm zu sein oder gar erneut Teil seiner Machenschaften zu werden; eher Sehnsucht in Form eines Schmerzes der ihr durch Mark und Knochen ging und ihr das Gefühl vermittelte, in Einsamkeit zu ertrinken. Sie wusste, es gab Verwandtschaft überall verteilt in verschiedensten Reichen und doch versuchte sie sich nie daran, sie ausfindig zu machen, sondern wurde zufriedengestellt mit dem, was sie hatte. Jetzt, wo sie nicht länger an ihren Vater gebunden war und sofern der Fremde irgendwann von ihr abließ - konnte sie dies möglicherweise ändern und sich ein Leben abseits bei ferner Familie aufbauen. Seine Worte klopften an der Schwelle ihres Bewusstseins und zogen sie zurück in die Realität, während er geduldig weiterhin auf dem Pferd verharrte und sie ansah. Beinahe beschämt wich sie seinen Blicken aus und sträubte sich innerlich beim Gedanken daran, sich nochmals auf seine Stute zu begeben. Allerdings leuchteten seine Worte ein und auch sie wusste, zu Fuß unnötig viel Zeit zu verschwenden. Nebenbei wusste sie immer noch nicht, was er mit ihr vor hatte und seine Geduld wollte die Weißhaarige keineswegs aufs Spiel setzen. Außerdem vermittelte er ihr das Gefühl, ihr bisher nicht schaden zu wollen und damit das so blieb, musste sie seinen Worten bedauerlicherweise Vertrauen entgegenbringen. Sie ignorierte den Auftritt des Pferdes der ihr signalisierte, sie noch immer mit Misstrauen zu mustern und fokussierte die Hand des Fremden, die sich ihr entgegenstreckte nachdem er von ihrem Arm abließ. Genau genommen hatte sie ohnehin keine Wahl - er würde sie nicht gehen lassen und in ihrem jetzigen Zustand konnte sie es sich nicht erlauben, einen Fluchtversuch zu wagen. Daher stieß sie einen kurzen Seufzer aus und ergriff seine Hand, dabei darauf achtend, seinen Handschuh nicht mit runter zu reißen und ließ sich von ihm mit Schwung in den Sattel ziehen. Von hier oben betrachtet jagte die Position ihr noch mehr Angst ein, als sowieso schon - doch das würde sie durchstehen. Dadurch, dass der Weißhaarige unmittelbar hinter ihr saß und notfalls einschreiten konnte, vertraute sie darauf, nicht hinunterzufallen. Am abstehenden Rand des Sattels hielt sie sich fest, um ihre Sicherheit zu gewährleisten und bemühte sich darum, vom Thema abzulenken: „Sag mal, wie kann ich dich eigentlich nennen? Jetzt, wo wir scheinbar länger zusammen unterwegs sind, würde ich gern deinen Namen erfahren. Den meinen kennst du schließlich schon.“
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      ★ ★ ★ ☆ ☆
    • Mit einem kräftigen Ruck, der ihm erstaunlich leicht von der Hand ging, zog Jaro die junge Frau vor sich in den Sattel. Zwar war er kein Freunde davon, jemanden so unmittelbar in seine Nähe zu lassen. Aber in diesem Fall musste er eine Ausnahme machen. Wenn er nicht in den nächsten Schneesturm kommen wollten, mussten die sich beeilen. Der Wind hatte sich während der kleine Reiseunterbrechung gedreht und vom Horizont her nahten schwere, graue Wolken heran. Der Wind hatte zugenommen und wirbelte die schneeweißen Haare in die stumpfen, grauen Augen.
      Mit einem Schnalzen seiner Zunge und einem sanften Schenkeldruck trieb er die Stute an. Für den ersten Moment beließ er es bei einem gemächlichen Tempo, damit sich Nox an das ungewohnte Schaukeln gewöhnen konnte. Jaro konnte die Angst beine riechen, die sie ausströmte. Scheinbar hatte sie nie viel mit Pferden am Huht gehabt. Seine Arme legen automatisch um ihre Seiten, da er die Zügel hielt. Die junge Frau konnte also sicher sein, dass er sie nicht einfach seitlich vom Pferd fallen lassen würde.
      "Jaro Da'Neer." Sprach er mit rauen Silben an ihren Hinterkopf. Da sie scheinbar entschlossen hatten auf Förmlichkeiten zu verzichten, setzte er noch einen Satz hinther. "Jaro reicht völlig aus." Mit einem Blick nach hinten, auf den beunruhigen Horizont, verstärkte er den Käfig seiner Arme um ihre Rippen, ehe er eine leise Warnung an ihr Ohr raunte. "Feshalten." Im nächsten Augenblick machte die Stute einen Satz nach vorn und preschte in einem resanten Tempo den vereisten Waldweg entlang. Es war erstaunlich, dass die Hufen nicht ständig wegrutschten.
      Jaro fühlte ihre Anspannung und lehnte sich ein wenig vor, den ihren Rücken nun sicher an seiner Brust gelehnt.
      "Sei nicht so verkrampft..." Seine Stimme klang nicht so vorwurfsvoll, wie es die Worte vermuten liesen. Es würde sonst wirklich ein Höllenritt für die Magierin werden, wenn sie sich nicht an die Bewegung des Tieres gewöhnte. Er wunderte sich immer noch, warum sie so bereitwillig mit ihm kam. Wenn sie Rast machten, musste er unbedingt darauf achte, dass die Frau ihn nicht doch im Schalf erwürgte. Es würde ihn nicht töten, war aber äußerst lästig. Zu seiner Erleichterung war seine Winterkleidung dick genug, um seinen mangelnden Herzschlag zu tarnen. So dicht wie sie an seinen Oberkörper lehnte, wäre es sonst schwierig geworden. Und er war nicht erpicht auf neugierige Fragen.
      Obwohl Jaro ein höllisches Tempo vorlegte, war bereits zwei Stunden später Schluss. Schnee wirbelte um sie herum auf und stach ihn in den Augen. Die Kälte war auszuhalten, aber er wusste nicht wie es bei der Frau vor ihm aussah. Da er kaum noch etwas sah, bremste er das Tier ab und versuchte sich umzuehen.
      "Wir brauchen einen Unterschlupf. Bei dem Wetter können wir nicht weiterreiten." Schnaubend zog die Stute an den Zügeln um zu signalisieren, dass es auch ihr zu ungemütlich wurde. Der Sturm hatte sie beinahe erreicht.
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    • Nox musste zugeben - desto länger sie sich auf der weißen Stute befand, umso angenehmer empfand sie den Ritt auf dieser. Es fiel ihr immer leichter das Gleichgewicht eigenständig zu halten und nicht weiterhin wie verrückt von links nach rechts zu schaukeln. Die Hände des Mannes legten sich eng an ihre Taille, während er die Zügel des Pferdes festhielt und sicherstellte, dass die Frau nicht seitlich von diesem fallen konnte. Auch, wenn die Nähe der beiden hinsichtlich ihrer Beziehung zueinander eher unangenehm war, machte sie keinerlei Anstalten seine Hände von sich zu entfernen. Stattdessen ließ sie diese an ihrer Position verweilen - immerhin hatte sie keine andere Möglichkeit, wenn sie diese Reiterei heil überstehen wollte. Die bedrückende Stille legte sich, als sie seinen merkwürdig kalten Atem an ihrem Hinterkopf verspürte, während dieser endlich seinen Namen preisgab. Seine darauffolgende Anmerkung brachte Nox zum Schmunzeln ehe sie zum Reden ansetzte: „Jaro also… hat etwas Exotisches.“ entgegnete sie ihm scherzhaft. Allerdings schien es so, als hätte sie sich zum Scherzen den falschen Zeitpunkt ausgesucht. Auch sie bemerkte von Anfang an den sich immer weiter zuziehenden Himmel, gefolgt von bedrohlichen Geräuschen die darauf schließen ließen, dass die beiden sich unmittelbar in ein ungemütliches Gewitter stürzten. Bevor sie auch nur die Möglichkeit gehabt hätte, ihm ihre Befürchtung mitzuteilen, verstärkte ihr Hintermann den Griff der Zügel und sprach eine Warnung aus, der sie ohne zu zögern rechtzeitig nachkam. Da sie nicht genau wusste, wo sie sich am Besten festhalten sollte, umklammerte sie seine Arme mit den ihren und rutschte gegen seinen Oberkörper, der sie wie eine Wand daran hinderte noch weiter nach hinten zu rutschen als die Stute einen Satz nach vorn machte. Sichtlich angespannt verharrte sie in dieser Position und versuchte diese Anspannung zu verringern, indem sie mit dem Rücken ein wenig nachgab und sich etwas weiter gegen Jaros Öberkörper lehnte, nachdem dieser abermals darauf hinwies, dass sie zu verkrampft auf dem Pferd war. Zwei weitere Stunden waren vergangen und das sich zuvor anbahnende Ungewitter war mittlerweile in vollem Gange. Erst dachte sie, Jaro scherte sich nicht weiter darum und ritt seelenruhig weiter - doch als die Sicht nur stetig unklarer wurde und der aufgewirbelte Schnee ihnen das Offenhalten der Augen fast unmöglich machte, signalisierte auch er der Stute, innezuhalten. Er hatte Recht; sie mussten sich einen Unterschlupf suchen bis der Sturm sich legte - ansonsten gingen sie beide noch dabei drauf. „Überlass mir das. Keine Sorge, ich komme zurück.“ sprach sie zu ihm, während sie sich rittlings zu ihm drehte und sich an seiner Schulter festhaltend vom Pferd rutschen ließ. In den vergangenen Jahren hatte sie bereits einige Schneestürme miterlebt und gelernt, ihre Sinne davon nicht beeinflussen zu lassen. „Am Besten folgst du mir, ich weiß nicht, ob du mich bei diesem Sturm hören würdest wenn ich nach dir rufe.“ waren ihre letzten Worte, bevor sie das zerknitterte Gewand wieder glatt strich und loslief. Die eingeschränkte Sicht erschwerten zwar die Suche nach etwas Brauchbarem - hielten sie dennoch nicht davon ab, weiterzumachen. Eine Hütte oder ein Haus würden sie in dieser Gegend wohl nicht finden - dafür waren sie zu abgelegen unterwegs. Trotzdem gab sie die Hoffnung nicht auf und nachdem sie einige Zeit weiter umhergelaufen war, erblickte sie den von Dunkelheit erfüllten Eingang einer vom Platz her für sie ausreichende Höhle. „Jaro dahinten!“ rief sie laut genug, damit er sie deutlich verstehen konnte. Glücklich gestimmt von ihrem Fund steuerte sie diese augenblicklich an; Doch kurz bevor sie diese betreten wollte, wurde sie von einem unguten Gefühl zum Stehenbleiben gezwungen. Unmittelbar vor dem Eingang der Höhle verfärbte der umliegende Boden sich dunkel und versprühte eine Aura, die Nox einen Schauer über den Rücken jagte. Wie angewurzelt blieb sie stehen, ohne Anstalten zu machen, sich von ihrer Position zu entfernen. Die dunkler gefärbte Stelle erinnerte sie an ihre eigenen Fähigkeiten; denn so oder so ähnlich sah es aus, wenn sie ihre Kräfte nutzte. Zur Sicherheit blickte sie hinter sich um sich davon zu überzeugen, dass der mittlerweile brodelnde Boden nicht auf ihn zurückzuführen war. Auch sonst erblickte sie in der Nähe von ihnen niemanden, der die Ursache dafür gewesen sein konnte. Noch immer verfolgte sie das sich vor ihr abspielende Szenario und staunte nicht schlecht, als eine mit Schlamm gleichzusetzende Masse aus dem Boden hervorkam und immer höher wurde, bevor sie sich zu einem Wesen verformte, das sie vorher noch nie gesehen hatte. Deshalb konnte sie das Aussehen auch nicht zuordnen - doch irgendwie erinnerte es sie an einen Gargoyle. Das Wesen sah sich um und seine Blicke trafen die von Nox, während sie noch immer keinen Finger rührte. Es sprach nicht - das Einzige was von ihm ertönten, waren unverständliche Laute, die sie nicht verstand. Was sie jedoch verstand war, dass dieses Wesen definitiv nicht freundlich gesinnt war. Denn bevor sie die Chance hatte, sich etwas einfallen zu lassen, stürmte es wie besessen in ihre Richtung; bereit dazu, sie anzugreifen. Eigentlich wollte sie sich ihre restlich verbleibenden Kräfte einteilen und nur in äußersten Ausnahmesituationen zu ihnen zurückgreifen. Außerdem war sie noch immer übermüdet und konnte ihre volle Macht selbst wenn sie wollte nicht gänzlich verwenden. Daher ging sie blitzschnell hinunter auf die Knie und konzentrierte sich auf die in ihrem Körper gefangenen Seelen. Die Adern um ihre Augen herum stachen deutlich hervor und durch den Schneesturm, gepaart mit Nebel, stach das Leuchten ihrer Augen noch weiter heraus als sonst. Ihre Hände ließ Nox im tiefen Schnee versinken und nahm all ihre Kraft zusammen, um eine Druckwelle zu erzeugen, die das feindliche Wesen im letzten Moment nach hinten schleuderte. Das Leuchten ihrer Augen verschwand, die Adern normalisierten sich langsam wieder und schweren Atems fiel sie auf die Seite ihrer Oberschenkel. Das Nutzen ihrer Kräfte in ihrem Zustand setzten ihr stärker zu, als sie gedacht hatte und bereits jetzt wusste sie, es zum jetzigen Zeitpunkt nicht mit dieser Kreatur aufnehmen zu können. Ängstlich blickte sie zu Jaro und hoffe, er hatte einen Plan oder Zumindest eine Ahnung, was zutun war. „Tut mir leid, ich bin gerade keine große Hilfe..“ stammelte sie und erhob sich vom Boden auf die wackeligen Beine. Ihr Herz raste und das Wesen, das kurzzeitig benommen auf dem Boden verweilte, richtete sich langsam wieder auf. Bis auf ein paar Schrammen schien es bei bester Verfassung zu sein. „Was zur Hölle.. ist dieses Ding?!“ schrie Nox zornig in seine Richtung und taumelte in Jaros Richtung, um nicht erneut im Visier der Kreatur zu stehen.
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      ★ ★ ★ ☆ ☆
    • Vielleicht war es äußerst dumm und naiv auch nur in Erwägung zu ziehen, der jungen Frau zu trauen.
      Aber Jaro konnte in dem Schneesturm nichts sehen und würde sich wohl oder übel auf ihre Fähigkeiten verlassen müssen. Wie auch immer diese am Ende aussahen, bisher hatte er noch nicht viel von ihrer Kraft mitbekommen. Mit einem eleganten Schwung landete der Nekormant mit beiden Füßen schwer im Schnee und umfasste die Zügel fest mit der Hand. Beruhigend tätschelte er den Hals des Pferdes und versuchte mit Nox Schritt zuhalten. Bei ihrem Ausruf blickte er auf und wischte sich unwirsch die weißen Haare aus der Stirn. In der Ferne erkannte er tatsächlich eine Höhle, der Eingang sich auftat wie ein unheimlicher Schlund. Es war besser als nichts.
      Erst konnte er nicht so recht erkennen, was Nox so in Aufregung versetzte. Fragend sah er sie an und schien ihre neue Bekanntschaft noch gar nicht bemerkt zu haben, da er als ersten nach ihrem Arm fasste, damit sie auf ihren wackeligen Beinen nicht stürzte.
      "Was meinst du? Ich sehe nich..." Jaro brach ab und erkannte eine schmerzenhafte Gestalt, die sich nach der Druckwelle gemächlich aus dem Schnee erhob. Es gab nur einen Grund warum ein Jäger sich nicht beeilte oder rannte. Was immer dieses Ding war würde sie einholen. Mit einem Arm schob er Nox hinter sich und drückte ihr beiläufig die Zügel in die Hand.
      "Ich habe noch nie eine solche Kreatur gesehen." Sprach er bemüht ruhg und schob Nox in Richtung des Pferdes. Das schlammige, noch recht träge Monster würde kaum ihnen beiden gleichzeitig folgen können. "Hör zu." Er sprach ohne sie dabei anzusehen. "Wenn es hier brenzlig wird, steig auf das Pferd und verschwinde. Du wirkst wie jemand, der nicht so recht weiß, wo er hingehen soll. Reite in die Hafenstadt, suche nach einer Frau namens Eleonore."
      Jaro strahlte nichts als eine bleiernde Ruhe aus, als er sie die Handschuhe von den blassen Händen streifte. Keine Klauen, keine Verunstaltungen und alle Finger waren an ihrem Platz. Es ware ganz normale Hände, zugegeben, etwas blass. Aber Jaro generell wirkte nicht wie jemand, der sich lange in der Sonne aufhielt. Die Handschuhe stopfte er in seiner Manteltasche. Überalls wo das schleimige Sekrekt der Kreatur in den Schnee tropfte zwischte es und es entstanden geschmolzene Pfützen.
      "Was bist du...?" Flüsterte er und seine Augen vereengten sich zu Schlitzen.
      Wie auf Kommando setzte sich die Gestalt in Bewegung und preschte auf Jaro zu, der eine Hand ausstreckte, als wollte er das Wesen mit bloßer Hand abblocken. Er nutzte die Wucht seines Angreifer, griff nach der modrigen Schulter und sprang in einem gewaltigen Satz über die heranstürmende Kreatur hinweg. Mit einem ächzend landete er in der Hocke im Rücken des Wesens. Zähe, schwarze Flüssigkeit klebte an seinen Fingern, es roch beißend und übel. "Schwefel..." Wisperte er. Er hatte keinen Knochen gespürt, es war körperlich nicht zu fassen.
      "Nox!" Rief er herüber. "Mit Gewalt werden wir hier nichts erreichen. Wie viel Energie hast du noch!?"
      Bevor er eine Antwort erhalten konnte, musste er bereits der nächsten Attacke ausweichen. Jaro war kaum aus der Puste zubringen, aber auch er hatte sein Limit. Nekromantie würde ihm hier nicht helfen. Er spürte nichts, nachdem er greifen konnte. Keine Seele, keinen Funken leben. Das Wesen war eindeutig tot aber entzog sich seiner Macht völlig. Das hatte er noch nie erlebt.
      “We all change, when you think about it.
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