How to get a divorce [Lysios&Caili]

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    • How to get a divorce [Lysios&Caili]

      Margarette Agny Maisinger / Yuki Kageyama

      Yuki fühlte sich, als wäre sie aus einem Albtraum erwacht, nur, um direkt in den nächsten zu stolpern. Sie erinnerte sich noch viel zu gut voran, wie sie vor, was ihr nur wie wenige Momente vorkam, gestorben war. Ein falscher Schritt, eine viel zu große Menschenmenge und schon war die 25 jährige auf dem Weg zu ihrem ersten Vorstellungsgespräch seit einer langen Zeit vor dem nächsten Zug gelandet. Mehr als das Licht der Scheinwerfer konnte sie sich nicht mehr erinnern, an den Schmerz des Todes wollte sie gar nicht erst denken, doch statt in der Hölle oder im Himmel aufzuwachen, oder gar einem Gott entgegen zu stehen oder sich dem endlosen Nichts entgegen zu sehen... war es ein weiches, fast schon zu luxuriöses Bett, auf welchem sie erwacht war.
      Nicht weit von diesem sah sie sich einem Spiegel entgegen, in welches ein ihr fremdes Gesicht entgegen blickte, doch nachdem sie die Hände gehoben hatte, um ihre eigenen Gesichtszüge abzutasten, war es deutlich gewesen, dass es ihrGesicht darstellte.
      Schwarze, dunkle Haare? Das konnte gar nicht sein! Und was war bitteschön mit diesen roten Augen, Kontaktlinsen?! Nein, sie waren echt. Wo war sie hier? Wer war sie?!

      Kurzerhand war die junge Frau aus ihrem Bett gestiegen, das Zimmer war zwar großzügig und luxuriös eingerichtet, doch wirkte es, als wäre hier nur notdürftig, wenn überhaupt aufgeräumt worden. Die Frau im Spiegel wirkte auch nicht gerade, als wäre sie in letzter Zeit groß in der Sonne gewesen...
      Nicht wissend, was sie wohl außerhalb des Zimmers erwarten würde, nahm Yuki ihren Mut zusammen, atmete einmal tief ein und aus, ehe sie durch die Türe schritt und zu ihrem Glück niemanden erblickte, der sich darüber wundern konnte, wieso die Dame des Hauses in ihrem Nachthemd und in einer unansehnlichen Verfassung ihr Zimmer verließ. Noch konnte sie nicht ahnen, dass es in diesem Haus wohl wohl kaum jemanden interessieren würde.
      Auf der anderen Seite bedeutete das auch, dass niemand ihr ihre Fragen beantworten konnte, wer sie war oder gar wo sie sich hier befanden.
      Doch lange brauchte sie darauf keine Antwort zu suchen, denn während sie den Gang entlang schritt, blieb sie vor einem großen Familien Porträt stehen, doch was sie wirklich zum erstarren brachte, war das Bild daneben, welches wohl den Jungen aus dem Porträt in seiner jetzigen, erwachsenen Gestalt zeigte, ein Blick, so kalt, dass Yuki sich gewünscht hätte sich eine Decke um die Schultern zu legen. Irgendwie kam ihr dieses Gesicht bekannt vor, doch konnte sie nicht recht sagen woher, ehe sie den Namen las, welcher in goldenen Buchstaben an der Unterseite des Gemäldes angebracht worden war.
      „Edgard T. Maisinger...“, gab sie murmelnd von sich. Moment... Edgard T. Maisinger...? War das nicht... ? Nein, oder? Das konnte nicht sein!
      Das war der Name des Antagonisten der Geschichte, welche sie nur kurze Zeit vor ihrem Tod beendet hatte! Blonde Haare, rote Augen und ein verdammt gutes Aussehen, das für einen mörderischen und schrecklichen Mann wie diesen schlicht und einfach verboten gehörte. Die Worte des Romans, nicht die ihre! Auch wenn der Autor ganz eindeutig nicht übertrieben hatte, aber wie konnte das sein? Träumte sie? Erlebte sie gerade den Plot ihres Lieblingsromans neu, bevor sie in den Himmel gehen dürfte? Aber wem gehörte dann dieses...?
      „Pfff, ist sie verrückt geworden?“ - „Wie unansehnlich von der Dame des Hauses...“, hatte Yuki gar nicht bemerkt, dass zwei Dienstmädchen an ihr vorbei gegangen waren, ehe sie das gehässige Geflüster und Gelächter der beiden vernommen hatte.
      „Hey.“, drehte sie sich zu ihnen um, „Ihr könntet mir nicht zufällig meinen Namen sagen...?“
      Die beiden Dienstmädchen sahen sie an, als wäre sie verrückt geworden, kein Wunder, immerhin mussten die beiden sicherlich nicht damit fertig werden, in einem Roman wieder aufzuwachen und es geschah sicherlich nicht jeden Tag, dass jemand nach seinem eigenen Namen fragte.
      „Ha? Hast du etwa so lange geschlafen, dass du deinen eigenen Namen vergessen hast?“
      „Ich sagte dir doch, diese Adelsdamen sind wirklich zu nichts zu gebrauchen! So wie sie aussieht würde es mich auch nicht wundern, dass sie irgendetwas genommen hat...“
      „Nun, ich würde wahrscheinlich auch so enden, wenn mein Mann mich kein einziges Mal Nachts besuchen würde. Aber daran ist die werte Dame nun wirklich selbst Schuld.“, begannen die gehässigen Kommentare und das grausame Kichern wieder und die beiden gingen an der jungen Dame vorbei, als hätte sie gar nichts gesagt, nicht ohne ihr noch einen verabscheuenden Blick zuzuwerfen, doch das war alles an Informationen, die Yuki brauchte.
      Margarette Agny Maisinger war ein kleiner, nebensächlicher Charakter gewesen, deren Name nur wenige Male genannt worden war, doch eine Beschreibung hat der Roman stets missen lassen, doch nun wusste Yuki eindeutig, wie diese arme Adelsame aussah. Denn nun war ihr eigenes Gesicht.
      Kalter Schweiß rann ihr den Rücken runter, als sie sich wieder in Erinnerung rief, was über diesen Charakter der Story wusste. Sie würde sterben. Und das auch noch durch die Hand ihres eigene Ehemanns.

      Panisch schloss sie die Türen ihres Zimmers wieder hinter sich, als müsste sie fürchten, dass Edgard jeden Moment in ihr Zimmer treten würde, um ihr das Leben zu nehmen. Yuki war nun schon einmal gestorben, ein zweites Mal wollte sie das auf gar keinen Fall mitmachen! Wie wurde Margarette überhaupt getötet?! Sie bezweifelte, dass es ein schmerzfreier Tod gewesen war. Doch... was sollte sie nun tun? Wie würde sie dieses schreckliche Schicksal abwenden können?! Welchen Tag hatten sie überhaupt? Ob Julia bereits in dem Leben dieses schrecklichen Mannes aufgetaucht war? Sie musste sich zusammen reißen, die Situation beobachten, Informationen sammeln, einen Weg finden zu überleben... in diesem Moment fiel ihr nur eine einzige Person ein, die ihr vielleicht helfen könnte. Camille de Foision, Detektivin und Rivale ihres Ehemannes, sie hatte Julia zahlreiche Male vor diesem Monster retten können, wieso sollte sie das dann nicht auch für Margarette tun können? Doch... warum sollte sie?

      Einige Tage waren vergangen, seitdem Yuki Kageyama als Margarette Agny Maisinger in dieser, aus einem Roman stammenden, Welt aufgewacht war und mittlerweile war sie deutlich gefasster, als an ihrem ersten Tag in diesem fremden Körper. Zu ihrem Glück war sie einige Zeit vor dem Start des eigentlichen Plots hier aufgewacht, verständlich, immerhin war es ihr eigener Tod, welcher den beiden Protagonistin überhaupt einen Grund gab sich zu begegnen und zusammen zu arbeiten.
      Ihr Mann war vielleicht ein schrecklicher Verbrecher, aber wenigstens ließ er sie in Ruhe und Margarette konnte tun und lassen, was sie wollte und sie war dem eigentlichen Besitzer dieses Körpers unglaublich dankbar, dass sie eine Menge an Geld aus dieser Heirat herausgeschlagen hatte. Es war ein leichtes gewesen einige Informationen zu sammeln und endlich hatte sie die Detektei des Marquis ausfindig gemacht. Er... oder besser gesagt siewar die einzige, die ihr in ihrer Situation helfen könnte. Und Yuki wusste ganz genau, wie sie sie dazu bringen würde.

      Bisher war alles nach Plan gelaufen, man hatte sie vor gelassen und ihr in einem Wartezimmer eine Tasse Tee vor die Nase gestellt, wofür Yuki unglaublich dankbar war, da die Wärme alleine ihre Nervosität schon linderte.
      Wie könnte sie auch nicht nervös sein? Sie war kurz davor eine der Protagonistin ihres Lieblingsromanes zu treffen!! Camille de Foison musste unglaublich hübsch und cool aussehen, sie konnte es kaum erwarten! Dabei durfte dieses Treffen auch auf gar keinen Fall schief laufen, wenn sie in dieser Welt als Magarette überleben wollte.
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      @Lysios
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    • Camille de Foison
      „Marquis de Foison! Einen wunderschönen guten Morgen.“ Camilles geschwungenen Lippen formten sich prompt zu einem breiten Grinsen, als sie den beleibten Mann in seiner Ausgehjacke erblickte. „Guten Morgen, Monsieur Lapartes. Bereichert meinen Tag und berichtet mir von Eurer fabelhaften Gesundheit“, erwiderte sie seinen Gruß und blieb direkt vor ihm stehen. Die Absätze ihrer Schuhe ließen sie noch deutlicher zu dem kleineren Mann hinab sehen, auch wenn sie das auch ganz ohne Schuhe tun könnte. Lapartes begann aus seinem Bauch heraus zu lachen. „Marquis, Ihr wisst aber auch wirklich immer mich zu erheitern!“, lobte er den vermeidlichen Gabriel und die heimliche Dame grinste noch ein bisschen breiter. „Ihr habt es selbstverständlich erraten. Ich bin in der Tat bei bester Gesundheit! Ihr wisst ja sicherlich, was man über die Männer der Lapartes sagt; rund und gesund.“ Damit klopfte er sich demonstrativ ein bisschen auf den Bauch und Camille stimmte in sein Gelächter mit ein.
      Sie sprach ihn nicht auf seine tiefen Augenringe an oder die gelben Stellen an seinen Fingerspitzen. Ebenso wenig hob sie hervor, dass diesem Mann bereits vom Stehen der Schweiß auf der Stirn stand. Entspannt stützte die Detektivin sich auf ihren Spazierstock während der alte Bekannte ihrer Familie anfing ein wenig von dem aktuellen politischen Geschehen und seinen Geschäften zu erzählen. Mitten auf den Straßen der geschäftigen Hauptstadt. Sie erkannte unschwer aus dem Augenwinkel die vielen Blicke, die auf den beiden Gesprächspartnern lagen. Sobald es auch nur annähernd um Politik ging, war sofort klar wer welchem Stand angehörte. Während zuvor die Menschen noch dicht an ihnen vorbei gehuscht waren, machten sie nun einen Bogen um den kleineren Herrn der schamfrei von den neuen Verordnungen und ihren Auswirkungen sprach. Über das Gesetz sprachen nämlich nur Menschen die es machten. Nicht ungewöhnlich also, dass es dem Herrn der königlichen Waffenschmiede leicht von den Lippen fiel.
      „Es ist wirklich ganz bemerkenswert! Ihr müsst mich um jeden Preis besuchen kommen, hört Ihr?“ - „In der Tat!“, stimmte Camille ohne mit der Wimper zu zucken. „Es ist mir eine Pflicht.“ Monsieur Lapartes schnalzte mit der Zunge und schnaubte. „Das sagt Ihr jedes Mal! Und dann kommt Ihr mich ja doch nicht besuchen. Ihr könnt Euch nicht vorstellen, was ich mir bereits von meiner Frau anhören darf. Sie ist entsetzlich eifersüchtig auf mich, weil ich ihr so häufig von unseren Treffen erzähle und sie Euch kaum zu Gesicht bekommt.“ Camille lachte herzhaft auf und schüttelte den Kopf. „Nicht doch, Monsieur! Bitte richtet Eurer wundervollen Gattin aus, dass ich derjenige bin, der in Neid vergeht. Nur zu gerne würde ich mich in Ihrer Schönheit sonnen. Doch was soll ich sagen? Das Verbrechen ruht nicht, also tue ich es auch nicht.“ Der kleinere Mann winkte schnell ab. „Oh das sage ich ihr bloß nicht! Am Ende steigt es ihr noch zu Kopf! Aber wo wir gerade bei Schönheit sind; wie geht es Eurer lieblichen Schwester, Mademoiselle Camille? Mein Sohn ist nun endlich zurückgekehrt von seinen Studien und ich würde sie beiden als hervorragendes Paar einschätzen. Er ist ein fleißiger Bursche, ja wirklich! Er würde sie sicherlich glücklich machen! Und ihr vor allem ihren Charakter ein bisschen bändigen!“
      Camilles Lächeln blieb festgefroren auf ihren Lippen, während ihr das Blut ebenfalls vereiste. Sie zuckte mit den Schultern. „Ihr wisst doch wie meine Schwester ist. Eigensinnig und stur. Der Mann, der sie bändigen kann; ich weiß nicht, ob ein solches Wesen zuweilen auf Erden wandert.“ Der Mann bemerkte nichts von dem Temperaturenunterschied in der Stimme der Dame und wollte einfach sein Gespräch fortsetzen, doch Camille unterbrach ihn. Flink zückte sie eine Taschenuhr aus der Tasche ihrer Ausgehjacke. „Bitte verzeiht mir, Monsieur, doch ich fürchte es wird dringlichst Zeit für mich mich meinem nächsten Klienten zuzuwenden. Es war mir wie immer eine Freude. Ich werde Eurer Gattin Blumen schicken lassen in der Hoffnung sie vergibt mir meinen unnachgiebigen Zeitplan.“ Zunächst vor den Kopf gestoßen, fing der Mann nun wieder an zu lachen. „In Ordnung, in Ordnung! Die junge Leute heutzutage sind immer schwerbeschäftigt. Da will ich auch gar nicht weiter stören.“
      Die Herrschaften verabschiedeten sich von einander und Camille drehte sich herum, um ihren Schritt wieder aufzunehmen. Dabei behielt sie ihr gespieltes Lächeln noch einige Momente bei, bis sie es schließlich in einem frustrierten Seufzen fallen ließ. Immer wieder das gleiche. Mit Gabriel sprach jeder so freundlich und bereitwillig seine Geschäfte zu teilen. Selbst die offene Straße schreckte diesen dicken Kloß nicht ab im Detail Informationen zu teilen. Doch kaum ging es um Camille, kaum war eine Frau involviert - ganz zu schweigen davon wenn er bewusst mit ihr sprach - beschränkten sich die Themen stets nur auf Heirat, wann man denn zur Vernunft kommen möge und was für einen traumhaften Ehemann man doch für sie wüsste. Die rot-haarige merkte nicht, wie der Griff um ihren Stock immer fester wurde, bis sie den sachten Schmerz an ihrer Hand verspürte und sich zügig beruhigte.
      Sie atmete noch einmal hörbar aus und ließ die angespannten Schultern sinken. Es war noch alles ganz gut als sie Anfang zwanzig gewesen ist. Das war irgendwo noch in Ordnung. Sie ist noch jung haben sie alle behauptet. Sie wird sich schon noch einen prächtigen Burschen aussuchen. So sind die jungen Leute; sie sind wählerisch. Doch nun, da sie bereits fünfundzwanzig gewesen ist, behandelte man sie wie eine vertrocknete alte Jungfer, die man schnellstmöglich unter die Haube bekommen musste. Kopfschüttelnd trat sie in die Detektei, wo sie sogleich von ihrer reizenden Assistentin empfangen wurde. „Willkommen zurück, Marquis.“ Die junge Dame senkte respektvoll ihr Haupt. Automatisch bildete sich wieder ein Lächeln auf Camilles Lippen und sie atmete theatralisch aus. „Oh Marie, sei dir gewiss, an vielen Tagen ist dein Anblick mein Antrieb den Tag zu überstehen“, lobte sie sie und ließ eine edle Schachtel mit Gebäck vor ihr auf den Tisch stehen. Ihre Augen begannen zu strahlen. „Nun, Ihr scheint genau zu wissen was mein Antrieb ist! Eure nächste Klientin ist bereits in Eurem Büro. Ich habe ihr einen Tee gebracht und hier ist ihre Akte.“
      Camille warf ihr eine Kuss in der Luft zu und nahm sich dann die bisher noch leere Akte bis auf den Zettel auf dem das heutige Datum als erster Termin vermerkt gewesen ist. „Du bist ein Engel!“ Damit verbannte Camille endgültig alle Gedanken an Lapartes und ging wieder voll und ganz in ihrem Element auf. Hier konnte sie sein wie sie wirklich wollte. Auch wenn es ihr Büro gewesen ist, klopfte sie sacht, um ihre Klientin nicht zu erschrecken und trat dann ein. Sie holte bereits Luft, um zur Begrüßung anzusetzen, doch die großen roten Augen der Schönheit vor ihr, raubten ihr kurz sämtliche Gedanken in ihrem Kopf. „Na sowas“, zeigte sie ihr charmantes Grinsen. „Wie selten, dass das Verbrechen geradewegs vor mir sitzt und mich dazu verführt der Selbstjustiz zu frönen.“, sagte sie und bat um die Hand der Dame, um ihr einen Kuss auf die Fingerrücken zu hauchen. „Eine solche Schönheit und es steht noch kein Lächeln auf ihren Lippen, das verdient eine schwere Strafe.“ Grinsend ließ Camille sich gegenüber der schwarz-haarigen fallen. „Auch wenn ich mir wünschen würde das ein freudiger Anlass Euch zu mir geführt hat, fürchte ich man besucht selten Detektive um mit ihnen zu plauschen. Ich bin der Marquis Gabriel de Foison. Welchen Wunsch darf ich Euch von den Lippen lesen?“
    • Margarette Agny Masiniger / Yuki Kageyama

      Gerade wollte die Dame einen Schluck des Tees zu sich nehmen, als sie das Klopfen an der Tür vernahm und verschluckte sich bei dem Anblick des Marquis, konnte sich gerade noch davon abhalten den Inhalt einfach auszuspucken, was sicherlich nicht ihrem Stand entsprochen hätte und instinktiv hob sie ihre Hand, als ihr Gegenüber darum bat, doch statt einem einfach Händeschütteln, wie die Schwarzhaarige erwartet hätte, durfte sie die weichen Lippen der Detektivin an ihrem eignen Handrücken spüren, was Maragerette sogleich die Röte in die Wange schießen ließ. Sie hatte den Roman mehrere Male gelesen, immer und immer wieder all die wundervollen Momente des Charmes der Marquis von neuem erlebt, vor allem nachdem sie das Buch ein weiteres Mal zu lesen begonnen hatte und daher bereits wusste, dass der Detektiv tatsächlich eine Frau gewesen war und kein Mann, hatte ihre charmante Art ihr Herz umso höher schlagen lassen. Julia hatte es wirklich gut! Solche Worte immer und immer wieder hören zu dürfen!
      Aber nein, sie musste sich zusammen reißen, die Marquis hatte recht. Sie war leider nicht hier, um ihr Fangirl Dasein auszuleben und einfach ihren Lieblingscharakteren zu begegnen. Auch wenn sie wünschte, dass dem so wäre.
      Margarette nahm sich einen Moment sich wieder zu beruhigen, ehe sie sich letztendlich räusperte und bereit war zu sprechen. Der Reaktion der Detektivin nach zu urteilen, wusste diese wohl noch nicht, wer sie war.
      „Freut mich, eure Bekanntschaft zu machen, Marquis. Ich will mich kurz halten. Ich bin hier, weil ich Schutz vor meinem Ehemann brauche, mein Name ist Margarette Agny Maisinger. Ich bin mir sicher, dass ihnen dieser Name etwas sagen müsste.“, gab die Adelsdame mit Bedacht von sich und beobachtete genau die Reaktionen ihres Gegenübers.
      Immer und immer wieder hatte sie darüber nachgedacht, wie sie diese Worte von sich geben sollte, welche Worte zu wählen waren, um nicht direkt herausgeworfen, aber dennoch ernst genommen zu werden, letztendlich hatte sie sich dafür entschieden, dass es das beste war, direkt deutlich zu machen, warum sie hier war und dass es keine gute Idee war, ihre Identität zu verstecken.
      Sie brauchte einen Verbündeten, auch wenn sie sich nicht vorstellen konnte, dass Camille ihr so einfach vertrauen würde, wenn man bedachte, dass sie mit ihrem Erzfeind verheiratet war.
      Ahhh~ von nahem war ihre Schönheit umso atemberaubender!! Wie hatte nur irgendjemand glauben können, dass sie ein Mann war?! Bei diesen Lippen, bei diesen femininen Zügen! Desto länger Yuki ihren Gegenüber betrachtete, desto mehr fielen ihr die kleinen Details auf, welche sie als Frau hätten verraten können. War auch Julia auf diese Art und Weise von alleine dahinter gekommen?
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    • Camille de Foison
      Sie hatte sich voll und ganz bereit gemacht ihrer Arbeit nachzugehen. Zurückgelehnt in dem dekadenten Sessel hatte sie die Beine überschlagen und ihr komplettes Augenmerk lag ganz auf der jungen Dame. Bereits bevor sie begonnen hatte zu sprechen hat Camille sich überlegt was für eine Art von Belang sie wohl hergeführt hätte und vermutete beinahe es könnte sich vielleicht um Diebstahl handeln. Die meisten Frauen, die selbstständig erschienen kamen aufgrund von Diebstahl. Und entsetzlich viele davon beklagten den Verlust eines Geschenkes von Affären und die damit verbundene Sorge erpresst zu werden. Doch nein. Die Detektivin brauchte einen Moment, um wahrlich zu begreifen, was die Schönheit ihr gegenüber da von sich gegeben hat. Sie war die Frau des Maisingers? Dieses widerlichen Schurken, der ihr schon so lange auf der Nase herum tanzte? Etwas in Camille zog sich zusammen. Ein Knoten bildete sich in ihrem Magen und unweigerlich verdunkelte sich der Blick ihrer Augen und ließ nur zu deutlich die Flammen ihrer Seele erkennen, wenn es um diesen Banditen ging. So viele Verbrechen, die sie inzwischen mit angesehen hat trugen seine Handschrift und doch gab es nie genug Indizien, die die Macht gehabt hätten ihn zu stürzen.
      Die Dame legte ihren Ellbogen auf dem Arm des Sessels ab und stützte den Kopf in ihre Hand, während sie ihre Augen über den zierlichen Körper der Frau wandern ließ. Jetzt, da sie genauer hinsah erkannte sie, dass sie blass gewesen ist. Und zwar hatte sie keine Adelsblässe wie sie derzeitig modisch gewesen ist. Sie hatte eher etwas kränkliches. Das Kleid war von dieser Saison, wirkte allerdings hier und da ein bisschen zu groß für sie. Mit ihren Worten im Hinterkopf war es in der Tat nicht schwer auf Vernachlässigung zu schließen.
      „Madame Maisinger.“ Ihre Stimme klang kalt, dennoch lächelte Camille. „Es ist mir eine Freude. Ich habe von Euch viele Geschichten gehört. Es ist fast als würde ich einer Legende gegenübersitzen. Es ist mir eine Ehre.“ Langsam senkte die rot-haarige Frau den Arm wieder. Edgar war ein Schwein sondergleichen. Manipulativ und unglaublich berechnend. Es fiel ihr nicht schwer sich vorzustellen er habe seine eigene Frau für eine solche Scharade in ihre Detektei geschickt um sie auszuspionieren und sich anzueignen was in der dicken Akte über ihn stand. Andererseits müsste er sich selbst und auch Camille dann eingestehen, dass sie näher dran gewesen ist an ihm, als sie dachte. Das wiederum erachtete sie tatsächlich als unrealistisch.
      „Es bricht mir das Herz zu erfahren, dass Monsieur Maisinger anscheinend nicht in der Lage ist das Herz seiner Gattin für sich zu gewinnen. Umso mehr erschüttert es mich, wenn Ihr Euer leibliches Wohl in Gefahr seht. Jedoch befürchte ich, bin ich kein Leibwächter.“ Wieder schaute Camille der jungen Frau tief und forschend in die Augen. Sie dürfte kein Wort, das diese Frau sprach leichtfertig glauben. Die Detektivin spürte wie ihr Herz gegen ihre Brust zu schlagen begann, als wolle es ihrem Leib entkommen. Adrenalin schoss ihr durchs Blut. So nah ist sie diesem verfluchten Bürgerlichen noch nie gewesen. Und die Aussicht etwas gegen ihn in der Hand zu haben machte sie gierig wie ein verhungerndes Tier, dem man ein Stück Fleisch vor die Nase hielt. „Ihr könnt selbstverständlich vergewissert sein, dass kein Wort, das ihr in diesem Raum sprecht nach außen dringen wird. Zumindest nicht durch meine Lippen.“ Wieder schenkte sie der Frau ein kaltes Lächeln. „So klärt mich gerne auf was geschehen ist und ich will sehen was ich Euch bieten kann.“
    • Margarette Agny Maisinger / Yuki Kageyama

      Awwww~ wieso konnte die Marquis nicht weiterhin ihren Charme spielen lassen, anstatt ihr mit dieser Kälte zu kommen? Doch anders hätte sie es nicht erwartet, da sie wohl – abgesehen von Camille selbst – am besten wusste, welches Dorn ihr Ehemann ihr im Auge war. Und sie musste doch zugeben, dass es ihr auch Spaß machte diese verschiedenen Gefühlsausdrücke bei ihrem Lieblingscharakter zu sehen, etwas, was ihr durch das Lesen nicht möglich gewesen wäre.
      Doch das hier war mehr, als nur ihre Lieblingsgeschichte auf einer Leinwand zu sehen. Und auch wenn die Detektivin ihr versicherte, dass sie keine Leibwächterin war, musste sie dafür Sorgen, dass sie ihre Meinung änderte. Immerhin lag hier ihr Leben auf dem Spiel! Auch wenn sie zugeben musste, dass ihr der Gedanke nicht missfiel, ihr Leben in den Händen einer so wundervollen und fähigen Detektivin zu legen. Fast fühlte sie sich selber wie die Protagonistin, doch war Margarette von Anfang an bewusst, dass sie ihr etwas liefern musste, wenn sie ihren Schutz haben wollte.
      Und zufällig wusste sie nur zu gut über die Machenschaften ihres Ehemanns Bescheid.
      „Ich bin mir sicher, sie übertreiben.“, trug die junge Dame ein Lächeln auf den Lippen, obwohl sie sich sicher war, dass diese Geschichten alles andere als sie in einem positiven Licht darstellen würden.
      Nur zu gerne wäre sie auf Camilles Worte eingegangen, doch leider hatte es keinen Vorfall gegeben, welchen sie gar hätte zur Anzeige bringen können und wenn doch, so war sie sich sicher, würde man einem scheinbar ehrenhaften Teil der Gesellschaft wie Edgar eher glauben, als ihr, die sich nun schon eine Zeit lang aus allen möglichen Affären zurückgezogen hatte. Es wäre ein leichtes sie für verrückt zu erklären. Dennoch erleichterte es sie ungemein zu hören, dass niemand sie hier belauschen können würde. Denn für das, was sie nun in Begriff war zu sagen, könnte ihr Tod schneller kommen, als er eigentlich sollte.
      „Ich fürchte ich habe keine Beweise für meine Anschuldigungen meinem Ehemann gegenüber, doch sie wissen sicherlich am besten, was für ein gefährlicher Mann er sein kann und ich fürchte, dass ich womöglich nicht mehr lange am Leben bleiben werden, weshalb ich in meiner Verzweiflung hergekommen bin um um ihre Hilfe zu bitten. Nennen sie es weibliche Intuition, wenn sie möchten. Doch ungeachtet dessen, ob sie mir denn nun glauben wollen, oder nicht, hätte ich ein Angebot für sie.“, blickte die Schwarzhaarige letztendlich von ihrem Tee auf und merkte sofort, dass das ein Fehler gewesen war, denn der raubtierhafte Blick in Camilles Augen raubte ihr für einen Moment den Atem, ehe sie sich räuspern und ihre Worte fortsetzten konnte, ihr schnell schlagendes Herz ignorierend, wissend, dass es keine gute Idee sein würde den Blick abzuwenden. Was auch immer von nun an geschehen wurde, die Detektivin musste ihr unbedingt glauben!!
      „Wie sie sich sicher vorstellen können, bin ich als seine Ehefrau diesem Mann am nächsten und habe Informationen, die ich nur zu gerne mit ihnen teilen würde. Ich kann ihren helfen die illegalen Geschäfte dieses Mannes zu beenden, gar direkte Beweise gegen ihn zu finden, doch im Gegenzug verlange ich euren Schutz. Selbst wenn er nie vorgehabt haben sollte mich zu töten, so wird er es doch spätestens tun, wenn er herausfindet, dass ich Informationen an euch weiter geben. Bevor ich das tue, brauche ich also die Sicherheit, dass ihr das nicht zulassen werdet.“
      Nur mit Mühe schaffte es Margarette ihre Aufregung und Nervosität zu verstecken, nein, vielleicht wäre es sogar besser, wenn sie diese bemerkte? Denn alles hing nun von diesem Moment ab.
      Ob sie leben oder sterben würde.
      Doch selbst wenn es Camille war, so würde sie ein Nein nicht einfach so akzeptieren, das konnte sie nicht. Dieses Mal wollte Yuki leben.
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    • Camille de Foison
      Sie brachte ihren Mann öffentlich zur Anzeige?! Camille blinzelte einige Male in ehrlicher Überraschung. Es war die eine Sache hierher zu kommen und um Schutz zu bitten. Eine komplett andere ein Geständnis für den Gatten abzulegen. Was auch immer hier gerade geschah; niemals würde Edgar das veranlassen. Ganz gleich was er vorhaben könnte, ist das viel zu gefährlich gewesen. So unbeliebt diese Frau in der gehobenen Gesellschaft auch gewesen ist, mit solch offenkundigen Behauptungen konnte sie seinem ach so großartigen Imperium immensen Schaden zufügen. Und das würde Edgar so viel mehr treffen als für seine Verbrechen hingerichtet zu werden. Lieber starb er als sein Lebenswerk auch nur mit Tinte zu beflecken. Geschweige denn dem blauen Blut seiner Gemahlin. Der Gedanke allein ließ Camilles Mundwinkel in die Höhe wandern und ein kurzes Lachen entwich ihr. Auch der Ruf dieser Frau könnte endgültig sterben. Indem sie zu ihr kam mit solchen Beschuldigungen auf den Lippen beging sie gesellschaftlichen Selbstmord und drohte Edgar voll und ganz hinabzureißen. Das entwickelte sich ja geradezu einem lächerlich witzigen Spiel.
      „In Ordnung, Madame, Ihr habt meine ungeteilte Aufmerksamkeit. Ich fürchte ich bin nicht im klaren darüber was für ein gefährlicher Mann Euer Gatter sein kann. Diesbezüglich scheint ihr mir einen Schritt voraus zu sein.“ Camille musterte noch einmal genauestens ihr Gesicht. Es gab Regungen darin, die zu nichts passten, was die rot-haarige über sie gehört hatte. Angeblich solle sie entsetzlich arrogant sein, verwöhnt und obendrein auch noch fade und überholt. Stattdessen saß ihr gegenüber eine junge Frau mit rosigen Wangen, leuchtenden Augen und von leichter Nervosität sprechender Körperhaltung. Während Camille bei diesem Thema beinahe eingefroren war, bewegte Margarette sich viel, fummelte an ihrer Teetasse herum, Camille konnte sehen wie sie die Position ihrer Füße relativ häufig wechselte. Es war fast so, als spräche sie mit einer gänzlich anderen Frau. Doch gut, die Erzählungen und der Tratsch auf Banketten war so oder so keine verlässliche Quelle. Die Detektivin würde das von allen am besten wissen.
      „Nun gut. Ich stimme dem Auftrag zu, Teuerste. Ihr habt mein Wissen und mein Schwert, mit dem ich Euch nach bester Möglichkeit beschützen werde.“ Camille lehnte sich zurück und entspannte ihre Körperhaltung ein bisschen. „Es ist ein Jammer, dass Maisinger sich eine solche Frau wie Euch zum Feind gemacht hat. Ich verspreche alles in meiner Macht stehende zu tun ihn das bereuen zu lassen.“ Nun war ihr Lächeln wieder erfüllt von ihrem Charme. Sie nahm ein Glöckchen vom Tisch zwischen den beiden Damen und läutete damit nach ihrer Assistentin die sogleich nach einem kurzen Klopfen eintrat. „Jawohl?“ Ihr Haupt war gesenkt und ohne den Blick von Margarette abzuwenden hielt Camille ihr die leere Akte hin mit dem Namen ihrer Klientin. „Das brauchen wir nicht mehr. Marie, sei bitte ein Engel und verbrenne die hier. Heute ist es nicht sehr kalt. Wie wäre es, wenn zu sie vorher viertelst?“ Marie verstand sofort und machte einen kleinen Knicks. „Selbstverständlich.“ Damit verschwand sie wieder und Camille grinste ihre Klientin an. „Und damit habe ich den ersten Schritt gemacht, um Euer Leben zu retten, Teuerste. Ich denke es ist in Eurem Interesse, wenn wir unser Abkommen auf Vertrauensbasis mündlich besprechen ohne lästige Nachweise.“ Camille beugte sich leicht vor. „So seh Ihr auch meine Seele mit Eurem Antlitz sättigt, so fürchte ich lasst Ihr meine unbändige Neugierde hungern. Was genau könnt Ihr mir bieten? Schließlich wollen wir ja einen Anfang finden, nicht wahr?“
    • Margarette Agny Maisinger / Yuki Kageyama

      Mit großen, erschrockenen Augen starrte die Adelige ihren Gegenüber an. Camille... lachte? Hielt sie das ganze hier für einen Scherz? Für eine Lüge? Oder gar für eine verdrehte Finte ihres Rivalen? Dabei stand doch ihr Leben auf dem Spiel!
      Doch dann vernahm sie die Worte, die sie so dringend hören wollte und für einen Moment konnte sie es zuerst nicht glauben, tatsächlich an ihr Ziel gekommen zu sein, ehe Margarette letztendlich einen erleichterten Seufzer von sich gab und sich zurück lehnte, erst jetzt merkte, wie unglaublich angespannt ihr Körper gewesen sein musste, dennoch! Sie hatte es geschafft! Die Marquis de Foison würde sie ganz persönlich beschützen! … und ihr gefiel dieser Gedanke wohl besser, als er sollte, für einen Moment schätzte sie sich sogar glücklich, überhaupt erst in Gefahr zu sein, welchen Grund sonst hätte sie jemals haben können so mit Camille direkt reden zu können?
      Doch aus dieser Tagträumerei befreite sie sich schnell, sich die kalten, mörderischen Augen ihres Ehemanns in Erinnerung rufend. Nein, es wäre ihr deutlich lieber, wenn ihr Leben nicht so in Gefahr gewesen wäre.
      Mit freuden beobachtete die Dame die Entwicklung des Gesprächs, sie konnte sich noch daran erinnern, wie nervös sie gewesen war bei ihrem Eintritt alleine ihren Namen geben zu müssen. Zwar war sie sicher gegangen, dass ihr niemand bis hierher gefolgt war und sie war sich auch sicher, dass ihr Ehemann sich gar nicht erst dafür interessierte, wohin sie ging und was sie tat – und Maragrette hoffte inständig dass das auch so bleiben wird, bis sie genug gegen Edgar in der Hand haben würde, um dieser Ehe endgültig entfliehen zu können, wer würde schon etwas dagegen haben, wenn sie sich von einem Verbrecher scheiden lassen wollen würde? - doch konnte man nicht vorsichtig genug sein, nicht bei dem, was sie hier tat. Immerhin war Edgar der schlimmste Antagonist dieses Buches gewesen und kein leichter Gegner. Ah~ wäre sie doch nur als Julia wieder geboren... andererseits hatte die Arme sich auch mit ihm befassen müssen.
      Als Camilles Assistentin vielleicht? Genau! Dann hätte sie sie jeden Tag... okay Yuki, du musst dich jetzt wieder auf das hier und jetzt konzentrieren, okay? Sie könnte es sich jeden Moment anders überlegen.
      „Ja, ich danke eu-“, unterbrach sich die Schwarzhaarige, als ihr Gegenüber ihr näher kam und instinktiv lehnte sie sich tiefer in ihren Sessel. Das... das konnte sie doch nicht einfach machen! Ihr ohne Vorwarnung einfach näher kommen! Moment... war das ihr Parfüm? Oder roch sie wirklich so gut? Vielleicht wenn sie wieder nach ihrer Tasse griff... moment, was hatte die Marquis gesagt? Ach ja, natürlich! Informationen, Informationen... Margarette ließ kurz einen Blick durch das Büro der Detektivin schweifen, ehe sie einen Kalender entdeckte.
      „Der dritte Mai... in fünft Tagen wird eine illegale Auktion stattfinden, selbstverständlich gesponsert und organisiert von Edgar T. Maisinger. Neben Diebesgut und illegalen Importen sollen dort auch illegale Sklaven zum Kauf angeboten werden. Ob man Ehemann an diesem Tag dort sein wird... kann ich jedoch leider noch nicht sagen.“, gab die Dame nachdenklich von sich.
      Woher Yuki das wusste? Ganz einfach. An jedem 8. eines Monats fanden diese illegalen Auktionen des Kaufmanns statt, zwar änderte sich der Standort ständig, doch es waren stets drei Gebäude... oder besser gesagt der Untergrund dieser, welche extra für solche Unterfangen umgebaut worden waren. Im Roman konnte Camille dies mithilfe von Julias Kombinationsgabe herausfinden und sie fühlte sich wirklich schuldig, den beiden eine so ereignisreiche Szene zu nehmen... ah~ wie der Marquis sie vor den zahlreichen Angreifern beschützt hatte! Einfach herrlich! Aber hier ging es immerhin um ihr Leben, nicht wahr? Und die beiden werden sicherlich noch weitere, wundervolle Szenen gemeinsam erleben können, aber dieses Mal würde Margarette eben leben, genau.
      Sie versuchte sich selber davon zu überzeugte und nickte zu ihren eigenen Gedanken, ehe sie wieder in die Realität zurückkehrte.
      „Was den Ort betrifft, gibt es drei Möglichkeiten.“, hob die Dame drei Finger zur Visualisierung hoch, „Die Oper auf der golden Street, das renommierte Astrology Theater auf der Bakers Alley oder unter dem Appelpie Cafe... nur wenige Straßen von hier...“, gab sie die letzten Worte besonders kleinlaut und mit einem entschuldigenden Lächeln auf den Lippen von sich.
      Dass eine dieser Unterfangen ausgerechnet nicht weit weg vom Büro des berühmten Detektivs persönlich sattfand, musste sie sicherlich wurmen und Margarett wusste, dass das kein Zufall war. Ein kleiner Sieg, eine Häme seinem Rivalen gegenüber.
      „Die Oper kann jedoch ausgeschlossen werden...“, musste die Schwarzhaarige für einen Moment überlegen, wie sie diese Annahme dem Detektiven glaubwürdig erklären könnte. Tatsächlich wechselte sich der Schauplatz ständig ab und da die Razzia von Camille und Julia im Juli in der Oper stattfanden, konnte Margarette diese ausschließen, „... da diese vor zwei Monaten bereits dort stattgefunden hat.“
      Sie hoffte, dass sie einigermaßen glaubwürdig klang, zumindest glaubwürdig genug, damit die Detektivin selber ein Auge darauf werfen und sich davon überzeugen können würde.
      „Ich nehme an das sollte reichen, um euer Vertrauen zu gewinnen?“, gab die Dame ein vielsagendes Lächeln von sich, da sie nicht vor hatte all ihr Wissen bereits auf einem Mal zu teilen.
      Auch wenn sie die Marquis als solche Person nicht ansah, was, wenn sie doch beschloss, dass sie Margarette nicht mehr brauchte und sie einfach ihrem Schicksal überlassen würde? Immerhin war alles, was hier geschah, mündlicher Natur.
      Ein Umstand, der ihr das Leben retten konnte, aber sie gleichzeitig in eine Ecke drängte, wenn am Ende Wort gegen Wort stand.
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    • Camille de Foison
      Es amüsierte die Detektivin zu sehen wie Margarette sich regelrecht ein wenig verhaspelte, wenn es auch nur für einen Moment gewesen ist. Sie konnte nicht anders, als zufrieden darüber die Lippen in die Höhe zu kräuseln. Hatte die Dame Maisinger eine Schwäche für Gabriel? Das wäre ja interessant. Doch noch sehr viel interessanter in diesem Moment waren die Worte der schönen jungen Frau. Eine illegale Auktion? War das die „Geschäftsfeier“ von der man im Untergrund sprach? Ihre Brauen zogen sich in Missgunst ein wenig zusammen, als Margarette auf die Orte der Veranstaltung einging und ihr Blick schweifte sofort an ihrer Klientin vorbei aus dem Fenster in Richtung des besagten Cafés. Es war auch noch das Geschäft in dem Camille das Gebäck für Marie geholt hat. Sie ist ernst geblieben und erhob sich schließlich doch mit einem Lächeln und bat erneut um die Haut ihrer Klientin, um einen Kuss auf ihre Knöchel zu hauchen.
      „Meine Teuerste, wenn diese Informationen stimmen, habt Ihr weit mehr gewonnen als mein Vertrauen, das kann ich Euch versichern.“, sagte Camille charmant und setzte sich einfach neben ihr auf das Sofa von wo aus sie selbst den Kalender auch ansehen konnte. „In fünf Tagen also? Für einen guten Plan würde ich gerne noch einige Dinge mit Euch besprechen, wenn ihr gestattet.“
      Sie drehte sich zu der schwarz-haarigen Schönheit. „Da wir bereits bei der Ehrlichkeit sind, erlaubt mir das selbe zu tun. Im Moment seid ihr im Anwesen Eures Gatten wie im Exil. Das soziale Leben hat euch verstoßen, wie ich das vernommen habe. Da ich nicht annehme, dass Ihr zu ihm zurück möchtet wäre es wichtig Euch stattdessen zurück in die Gesellschaft zu bringen. In fünf Tagen ist der Ball der Baronin Maryweather. Wenn Ihr mir die Bitte erlaubt, so würde ich mir wünschen, dass Ihr dort erscheint. Meine Schwester ist ebenfalls dort zugegen.“ Tragischerweise. „Ich würde sie in einzig und allein das nötigste einweisen, damit sie ihren wachsamen Blick nicht von eurer Schönheit abschweifen lässt. Das wird ihr gewiss nicht schwer fallen.“
      Kurz überlegte Camille Margarette einzuweihen was sie mit Edgar vor hatte. Allerdings entschied sie sich letztendlich dagegen. Es war das sicherste für sie, wenn sie wenig wusste. Und bot deutlich mehr Wahrscheinlichkeit, dass das ganze auch funktionieren würde, wie Camille sich das vorstellte. „So wie Ihr beschreibt stört es Euch sicherlich nicht ein wenig… Abstand zu dem geschätzten Maisinger zu erhalten. Wie fest genau ist sein Griff um Euer Genick?“ Sie zückte ihre Taschenuhr und prüfte die Zeit. Nicht, dass er rein aus Eifersucht heraus oder schlichte Provision das Genick ihrer Informantin brechen sollte.

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    • Margarette Agny Maisinger / Yuki Kageyama

      Hm? War es das? Reichten der Detektivin diese Informationen? Wollte Camille etwa, dass sie jetzt ging? Zumindest waren das die Gedanken, die in Magarettes Kopf umher schwirrten, als ihr ein weiteres Mal an diesem Tag die Hand dargeboten wurde, obwohl sie es eigentlich besser hätte wissen sollen und ein weiteres Mal an diesem Tag färbten sich ihre Wangen in einem tiefen Rot und ihr war die Verlegenheit deutlich anzusehen. Schämte sie sich denn so gar nicht, die Hand einer einer verheirateten Frau zu küssen?!
      Meine Teuerste?! Wollte sie etwas, dass sie hier und jetzt an einem Herzinfarkt starb?! Zugegeben, das wäre gar kein so schlechter Tod... aber nein. Und dann setzte sie sich auch noch direkt neben sie?! Womit um alles in der Welt hatte sie diese Ehre überhaupt verdient?! Ah, ja, die Marquis roch eindeutig unglaublich gut...
      „Hm? Ein Ball? In fünft Tagen? Eure Schwester?“, drangen die Worte nur langsam zu der in Verlegenheit gebrachten Dame, ehe sie realisierte, wie nah sie dem Gesicht der Detektivin war und nicht anders konnte, als ihren Blick sogleich von diesem abzuwenden, sonst befürchtete Margarette kein weiteres Wort mehr herausbringen zu können. Wieso um alles in der Welt musste sie auch so unglaublich traumhaft sein?!
      Aber Moment, mit Schwester meinte sie doch sich selbst... oder? In fünf Tagen? Am selben Abend, an dem die Auktion statt finden würde? Das wäre zwar durchaus ein perfektes Alibi, für den Fall, dass Edgar sie doch irgendwie verdächtigen würde und sie hatte sowieso vor, genau das zu tun, wieder ein Teil der Gesellschaft zu werden... aber wie genau sollte das funktionieren? Sie konnte ja unmöglich an zwei Orten gleichzeitig sein? Nun gut, das sollte nicht ihre Sorge sein, immerhin konnte die Marquis unmöglich wissen, dass sie über ihr Geheimnis Bescheid wusste und es war sicherlich besser, wenn sie das für den Moment auch weiterhin geheim halten würde, hatte sie doch keine gute Erklärung, woher sie das wusste. Es würde Camille nur misstrauisch machen und dann hätte sie womöglich ihre einzige Chance zu überleben verloren.
      „Das klingt nach einem guten Plan, ich werde bei dem Ball zugegen sein.“, nickte Margarette, jedoch wagte sie noch immer nicht, ihr Gesicht wieder der Detektivin zuzuwenden.
      „Sein Griff? Nun...“, musste sie für einen Moment überlegen. Sie war sicherlich nicht das Problem, sie konnte genauso gut auf das Geld verzichten, irgendein einfaches Leben weit wegen auf dem Land anfangen... ob das wohl so einfach werden würde in dieser Welt, wie sie es sich vorstellte? Wie auch immer, sie würde es sowieso nicht tun, sie konnte ihre Familie nicht einfach im Stich lassen. Zwar waren es nicht ihre eigenen Erinnerungen, doch konnte sie sich an zwei liebende Eltern und einen kleinen Bruder erinnern, welche sicherlich unter der Last ihrer Schulden zerquetscht werden würden, wenn sie nicht mehr das Geld des Kaufmanns erhalten würden. Und Margarette zweifelte keine Sekunde daran, dass er ihnen die Schulden schlicht und einfach wieder zurückgeben würde, oder gar schlimmeres, wenn sie einfach beschließen würde zu verschwinden.
      „Meine Familie hat große Geldprobleme, Schulden, die meine Eltern nicht alleine stemmen können und nur größer zu werden scheinen... im Gegenzug dafür, dass ich ihn heirate, übernimmt er ihre Schulden. Sie sehen also... ich kann ihn nicht einfach so verlassen.“, ballte sie die Hände auf ihrem Schoß zu Fäusten, offensichtlich nicht erfreut über diese Tatsache.
      „Wobei...“, runzelte die Schwarzhaarige die Stirn, als ihr Erinnerungen in den Kopf stiegen, welche sie als Yuki schlicht und einfach nicht haben konnte, „Das Erbstück der van Orleans Familie... vielleicht ist es das, hinter was er wirklich her ist...?“
      Das schien Sinn zu machen. Wenn es wirklich Margarette Agny van Orleans gewesen wäre, die er hatte haben wollen, dann würde er sie sicherlich nicht so behandeln, wie er es tat. Die Frage war nur, hatte Edgar dieses Familienerbstück bereits erhalten oder noch nicht? Würde sie sicher sein, solange er es nicht bekam...?
      „Jedenfalls brauche ich deswegen eure Hilfe. Sobald bekannt wird, dass mein Ehemann ein Verbrecher ist, hoffe ich auf euren Schutz zählen zu können und auf die Hilfe, diese Ehe letztendlich beenden zu können.“
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    • Camille de Foison
      Die van Orleans waren hoch verschuldet? Wie und vor allem wann ist dann denn geschehen? Alles aber auch wirklich alles, was gesellschaftlich auch nur im Entferntesten dazu dienen könnte Tratsch auszulösen fiel den feinen Damen und auch Herren ihrer Gesellschaft so schnell über die Lippen. Gerade Monsieur Lapartes hätte sich das Maul zerrissen sondergleichen wenn der Hausherr der von Orleans tatsächlich insolvent gehen würde. Camille konnte sich kein schöneres Szenario für ihn vorstellen und irgendjemand tratscht immer. Gerüchte breiteten sich nur immer weiter aus und wurden größer. Wie kann es also sein, dass niemand davon wusste. Irgendwas stimmte da nicht. Die Detektivin hatte eine Menge Dinge denen sie nachgehen sollte. Auf die Vermutung bzgl. des Erbstückes nickte Camille. Davon wusste sie. Von dem Schatz der Orleans wusste man in den gehobenen Kreisen sehr schnell alle Einzelheiten.
      Und plötzlich machte der Gedanke Margarette umzubringen auch mehr Sinn in den Ohren der Detektivin. Das wäre allemal ein Motiv gewesen. Und keins, das in irgendeiner Form untypisch wäre für das sonstige Verhalten Edgars. Camille hatte sich zurückgelehnt, die Arme vor der Brust verkreuzt und nachdenklich an die Decke gesehen. Ihre Augen folgten den vielen Ideen und möglichen Ausgängen der Situation. Es musste viel in die Wege geleitet werden. Es wäre gänzlich dumm, wenn sie bereits jetzt einschreiten würde in die Machenschaften der Auktion. Sie würde Jaques darum bitten an den von Margarette vermuteten Schauplätzen einige seiner Spione zu positionieren.
      So leid es Camille tat für die zu Unrecht misshandelten Sklaven und wahrscheinlich auch Tiere bei der Auktion, die junge Frau konnte mehr Menschen helfen, wenn sie zunächst einmal Indizien sammeln würde. Das wäre auf jeden Fall ihr erster Schritt. Dann muss sie dennoch irgendwie dafür sorgen, dass ihre Klientin geschützt gewesen ist. "Man kann es nicht ausschließen", murmelte sie schließlich versunken in ihren Hirngespinsten. Für einen Moment merkte die Frau selbst nicht einmal wie sehr sie sich entspannte. Sie verlor wirklich jeden Hang zur Selbstbeherrschung wenn sie sich einfach treiben ließ. "Der Schatz der Orleans wäre ein unfassbar wertvolles Stück, das man sicherlich für horrende Summen versteigern konnte. Oder allerdings es ist eine private Anfrage. Es wäre sehr wahrscheinlich nicht das erste Mal, dass er in Auftrag zum Beispiel Kunst stehlen ließ oder dergleichen. Da das unser bester Anhaltspunkt ist wäre es das Beste Ihr erkundigt Euch bei dem Hüter des Erbstückes danach und ersucht vielleicht zusätzlich um weitere Sicherheitsmaßnahmen. Wenn es wirklich das ist, was er möchte, wird er niemals zulassen, dass ihm der Schlüssel dafür entwischt." Was in diesem Fall seine Gattin Margarette gewesen ist.
      Oh der Fall ist knifflig gewesen. Ohne ihr Wissen bildete sich ein breites Lächeln auf ihren Zügen aus. Das würde noch sehr spannend werden! Es war nicht übertrieben zu sagen, dass das der Fall ihres Lebens sein könnte. Ein Verbrecher wie Edgar war selten - zum Glück. Und Camille würde sich sein Todesurteil einrahmen und über ihr Bett hängen. Sie nickte sich selbst leicht zu und drehte den Kopf wieder zu ihrer Klientin.
      "Verhaltet Euch für den Moment am besten einfach normal. Ich weiß, dass es nicht leicht ist auf einem schlafenden Vulkan zu ruhen, wenn man befürchtet er könnte erwachen. Doch das ist das Beste, was Ihr in dieser Situation tun könnt." Damit erhob sie sich wieder. "Lasst nach mir rufen sollte irgendetwas Euch beunruhigen. Ich werde versuchen einen meiner Männer in Euren Haushalt zu schleusen, damit Ihr einen Verbündeten habt, der nah an Eurer Seite steht und Euch einen erholsamen Schlaf bescheren wird." Damit nahm sie Margarettes Hand und führte sie sanft auf die Beine. "Ich werde so gleich mit den Vorbereitungen beginnen. Seid Euch gewiss, dass ich nicht untätig bleiben werde. Gibt es noch etwas, das Ihr besprechen möchtet? Ich kann nicht verantworten, dass Ihr wegen diesem Treffen ins Visier gerät."
    • Margarette Agny Maisinger / Yuki Kageyama

      Nachdem die Dame eine ganze Weile nichts mehr von ihrer Gesprächspartnerin gehört hatte, traute sie sich letztendlich nach einem kurzen Moment, in welchem sie sich zunächst mental hatte vorberieten müssen, dieser ihr Gesicht wieder zuzuwenden und das breite Grinsen, dass sie auf den Zügen der Detektivin erblickte, brachte sie zum Lächeln.
      Genau das war sie. Camille de Foison, Detektivin in Aktion und Yuki konnte noch immer nicht recht glauben, dass sie das große Glück hatte ihrem Lieblingscharakter beim lösen eines Falles nicht nur zuzusehen, sondern gar helfen zu können! Auch wenn alles was sie tun konnte, sie mit Informationen zu versorgen und sie es eigentlich nur tat, um ihren eigenen Hals zu retten... egal! Trotzdem durfte sie sich doch ein bisschen darüber freuen, oder?!
      „Ja... das klingt nach einer guten Idee, ich werde mich darum kümmern.“, nickte Maragerette und war bereits dabei Pläne zu schmieden, wie sie ohne das Wissen ihres Ehemanns einen Brief aus dem Anwesen bringen könnte und wohin sie die Antwort auf diesen dann schicken lassen sollte... wenn Edgar erfuhr, dass sie ihn davon abhalten wollte an das Erbstück zu kommen, würde sie ihrem Tod sicherlich ein ganzes Stück näher kommen.
      Doch mit diesem Treffen hatte die Schwarzhaarige bekommen, was sie wollte und sogar mehr, woran sie gar nicht erst gedacht hatte! Wäre Camille wirklich in der Lage einen Verbündeten einzuschleusen?! Das wäre wundervoll! Damit würde sich sicherlich deutlich besser schlafen können, als sie es die letzten Tage über getan hatte. Es war nicht einfach in dem Wissen, unter dem selben Dach wie ihr zukünftiger Mörder zu leben, anständigen Schlaf zu bekommen.
      Wie viele Stunden war sie wach geblieben und hat weiterhin an ihren Plänen geschliffen?
      „Danke, aber ihr habt für heute wirklich genug getan, ich will nicht noch mehr eurer kostbaren Zeit in Anspruch nehmen.“, lag ein nervöses Lächeln auf ihren Lippen, während die Detektivin die Hand der Dame in der ihren hielt, welche sie vorsichtig aus seinem Griff befreite und sich letztendlich mit einem Knicks verabschiedete, nicht ohne Camille noch einen guten Tag zu wünschen, wie es sich gehörte, ehe sie fast schon aus dem Gebäude floh.
      Auf der anderen Straßenseite angekommen musste sie zunächst einige tiefe Atemzüge nehmen, um ihr schnell schlagendes Herz wieder zu beruhigen, doch es schien nicht so recht funktionieren zu wollen, während ihr immer mehr bewusst wurde, nun, wo sie den harten Teil hinter sich gebracht hatte, dass sie wirklich der, DER Camille de Foison begegnet war! In Fleisch und Blut!
      Nichts, aber auch gar nichts würde ihr diesen Tag noch vermiesen können!!
      Gut gelaunte machte sich Margarette letztendlich wieder auf den Weg, nahm sich noch die Zeit etwas shoppen zu gehen, für den unwahrscheinlichen Fall, dass sie danach gefragt werden würde, wo sie sich die ganze Zeit über aufgehalten hatte, Shopping war da einfach die perfekte Ausrede für eine verwöhnte Adelige wie Margarette und sie ließ es sich auch nicht nehmen etwas Kuchen für den Rückweg zu kaufen, als es bereits begann spät zu werden.
      Eigentlich wollte sie gar nicht erst in dieses schreckliche Hause, wo sie jeder zu hassen schien, oder sie ihnen schlicht und einfach egal war, zurückkehren, doch eine andere Wahl hatte sie nicht.
      Würde sie nicht zurückkehren, würde Edgard sicherlich merken, dass etwas nicht stimmte und das durfte nicht passieren.
      Einfach so leise wie nur möglich rein und im Zimmer verschwinden... genau...
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    • Camille de Foison
      Magarette verstand und versprach Camilles Ratschlägen Folge zu leisten, was der Dame ein erleichtertes Lächeln entlockte. Nicht alle Klienten waren so einsichtig und kooperativ (tragischerweise). Camille verabschiedete die Schönheit von einer Frau und wendete sich an Maries Schreibtisch unverzüglich an die tüchtige Assistentin. "Mein Engel, ich muss noch einmal ausgehen, entschuldige bitte. Sei so gut und schicke noch einen Boten an meine restlichen Termine. Versichere ihnen, dass ich sie ausreichend entschädigen werde." Sie könnte keinen Moment länger hier herum sitzen und sich auf die Arbeit konzentrieren. Sie musste zu Jaques, jetzt. Und mit ihm besprechen, was sie so eben erfahren hat. Camille schnappte sich nur ihren Stock und eilte dann hinaus auf die Straße. Zügig hielt sie eine Kutsche an und nannte dem Kutscher die Adresse ihres langjährigen Freundes. Nichts konnte sie mehr halten.
      "Huch! Marquis Foison! Guten Tag!", grüßten sie aufgeschreckte Dienstmädchen, als die Detektivin einfach an ihnen vorbei rauschte. "Einen guten Tag, meine Damen! Lasst euch bloß nicht von mir behindern, ich bin nur hier um Jaques aufzusuchen.", rief sie noch nach, ehe sie weiter durch die Flure stapfte als wäre das ihr eigenes Heim. Sie brauchte auch keinerlei Instruktionen, sondern fand zielstrebig den Weg in Jaques Büro und riss ohne zu klopfen die Türen auf. Der Mann hinter dem Schreibtisch blickte erschrocken hoch, ehe seine Brauen schnell wieder in Missgunst herabfielen. "Gabriel. Welch Überraschung. Ich hätte es mir schon denken können, als ich dein Stampfen im Flur gehört habe." Camille interessierte sich nicht für das Vorgeplänkel des jungen Mannes, sondern schloss einfach die Tür hinter sich. "Jaques, ich habe möglicherweise fantastische Neuigkeiten und es konnte keine Sekunde warten! Und die Informationen sind viel zu vertraut, um sie einem Boten anzuvertrauen."
      Der Mann mit dem pechschwarzen Haar und den blauen Augen hob skeptisch eine Augenbraue. "Ach ja? Ich mag es mir kaum ausmalen. Deine letzten Fälle sind doch alle tödlich ermüdend gewesen." Energisch schüttelte Camille den Kopf. "Dieses Mal nicht! Ich habe einen neuen Informanten, der mir heute unglaubliche Informationen zu Maisinger geliefert hat." Jaques' Augen wurden groß und tatsächlich fiel ihm der Stift aus den Fingern. Beinahe ruckartig setzte er sich auf. Eine Trockenheit machte sich plötzlich in seinem Mund breit. "Wie bitte?" Camille hätte stolzer nicht sein können und das größte Grinsen bildete sich auf ihren Lippen. "Wenn - wenn! - meine Informationen stimmen, dann veranstaltet Maisinger regelmäßig illegale Auktionen. Ich habe drei mögliche Orte dafür, die anscheinend stetig rotieren. Die nächste soll in fünf Tagen stattfinden." Sie war entsetzlich aufgeregt. Der Mann ihr gegenüber jedoch verlor lediglich sämtliche Farbe aus dem Gesicht. "Eine illegale Auktion? Was wird versteigert?" - "Also laut meiner Quelle so ungefähr alles. Auch widerrechtlicher Sklavenhandel soll im Spiel sein, dann gibt es sicherlich auch andere lebendige Wesen und über gestohlenes Diebesgut würde ich mich auch nicht wundern. Mein Informant-"
      Kopfschüttelnd hob Jaques seine Hand. "Moment, Moment, Moment, ein bisschen langsamer bitte. Gabriel, ist dir bewusst wovon du da sprichst? Mit wem du dich hier in aller Offenheit anlegst? Das ist kein Spiel, Edgar Maisinger ist einer der gefährlichsten und brillantesten Männer, die mir je untergekommen sind. Ihn solltest du dir nicht zum Feind machen." Camilles Mund fiel zu und ihr Blick wurde verständnislos. "Verzeihung? Jaques, hast du etwas auf den Ohren? Ich habe Informationen über den Betrieb illegaler Auktionen. Regelmäßig stattfindende illegale Auktionen. Ich weiß mit wem ich es hier zu tun habe. Das ist doch der Grund warum wir ihn aufhalten müssen." Der Mann presste die Lippen aufeinander und seufzte ermattet, ehe er sich die Haare raufte. "Das ist nicht so leicht wie du dir das vorstellst. Mach nichts unüberlegtes. Du weißt dein B... B-Brillant von einer Schwester würde es mir niemals verzeihen, wenn dir etwas zustoßen würde." Camille zog skeptisch eine Augenbraue in die Höhe, während ihr bester Freund sich räusperte. "Du weißt was ich meine! Ich will nur nicht, dass dir etwas zustößt." - "Dann dürfen wir halt nicht erwischt werden! Komm, ich habe bereits einen Plan und ich verspreche dir, ich werde sehr, sehr vorsichtig sein!"

      Edgar T. Maisinger
      Der große Mann mit dem sonnengeküssten Haar machte vor nichts Halt. Weder ist er ein unschuldiger Mann gewesen, wenn es darum ging Menschen sterben zu lassen, noch hatte er jemals halt vor grausamsten Methoden gemacht, um zu bekommen was er wollte. Daher hatte es sich von selbst verstanden, dass er bedenkenlos die Eheschließung mit Margarette vollzogen hatte, um seinem Ziel näher zu kommen. Doch wenn man ihn schließlich nach seiner persönlichen Meinung fragen würde, so wäre er lieber verantwortlich für Dutzend Morde als diese Frau in seinem Hause zu beherbergen. Bereits in der kurzen Zeit ihrer Ehe hatte sie ihm bereits derartig seine Nerven geraubt, wie niemand es vor ihr jemals gewagt hätte. Anfangs hatte sie nicht aufgehört zu reden. Dann nicht aufgehört zu weinen. Dann schreckliche Tobsuchtsanfälle an den Tag gelegt und das Bett schließlich überhaupt nicht mehr verlassen. Und das nächste, was er vernahm war der Bericht seiner Angestellten, dass die Herrin des Hauses komplett durcheinander und in furchtbarem Anblick im Flur herumgeisterte und darum ersuchte ihren eigenen Namen noch einmal zu erfahren.
      Also was auch immer er sich da in seine eigenen Wände geholt hatte war allemal mehr Fluch als Segen. Von dem Geländer der offenen Etage blickte er mit eiskalten Augen herab auf dieses Weibsbild, wie es eintrat an einem Abend. Ihr folgten die Kutscher, die Schachteln und Päckchen herein trugen. Nun hatte sie also der Kaufrausch ergriffen? Schnell ist klar gewesen, dass sie plante wieder am gesellschaftlichen Leben teilzunehmen und äußerte dem Personal gegenüber man solle ihn um die Erlaubnis bitten sie auf den Ball der Baronin gehen zu lassen.
      Edgar hatte lediglich schnaubend abgewunken. Es war ihm gleich was diese Frau tat. Doch langsam aber sicher wurde er ein wenig... skeptisch. Die Angestellten kamen gar nicht mehr zur Ruhe bei ihren Erzählungen. Wie es schien hatte Margarette auch noch angefangen sich selbst um ihre Kleidung zu kümmern, sie badete allein und ging ihrer Körperpflege ohne Hilfe nach. Das absurdeste jedoch ist gewesen, dass sie nun anscheinend auch noch ihr eigenes Zimmer reinigte. Was sollte das? Ehe er es ahnte fanden seine Augen ihre Gestalt, wenn sie im Garten spazierte und an seinem Fenster vorbei ging. Oder aber er vernahm ihre Stimme, wenn sie in den Fluren mit jemandem sprach und horchte wie von selbst auf. Am Tag des Balles fand er sich dann schließlich zum ersten Mal vor ihrem Schlafgemach vor und klopfte zwei Mal fordernd an, ehe er einfach eintrat. Er schnaubte, als er sah, dass sie sich bereits zurecht gemacht hatte. "Du hast dich also tatsächlich dafür entschieden dein Gesicht wieder in der Öffentlichkeit sehen zu lassen.", kommentierte er kalt und ließ seine Augen über ihren Körper wandern. Ihre Schönheit war ihr nicht abzusprechen. Doch war es nichts, was den kalten Mann noch beeindrucken könnte. "Das ganze Haus spricht von deinem sonderbaren Verhalten. Sollte eine Affäre der Grund für deinen Sinneswandel sein, so rate ich dir diskret damit umzugehen. Sollte ich auch nur ein Wort von Außerhalb vernehmen, das ein solches Gerücht verbreitet, werde ich mich gezwungen zu sehen nicht nur dem Gerede ein Ende zu machen."
      Es war die längste Anhäufung von Worten, die Edgar für seine Gemahlin seit der Hochzeit übrig hatte. Es fühlte sich eigenartig an mit ihr zu sprechen, er wusste nicht recht was er sagen sollte. "Haben wir uns verstanden?"
    • Margarette Agny Maisinger / Yuki Kageyama

      Die Dame war gerade dabei ihre Ohrringe mit einem fröhlichen Summen auf den Lippen anzubringen, es war nicht zu übersehen, dass sie sich auf den heutigen Abend freute, sich fast schon danach sehnte. Maragerette mag auf zahlreichen Bällen, Banketts und anderen gesellschaftlichen Festlichkeiten gewesen sein, doch für Yuki würde es die allererste sein und dann durfte sie diese auch noch mit Camille de Foison erleben!
      Camille war bereits in ihren Männerklamotten schlicht und einfach atemberaubend gewesen, immer wieder klopfte ihr Herz schneller, wenn sie sich an das Gefühl ihrer Lippen auf ihrem Handrücken erinnerte, wie mag sie dann erst aufgetakelt in einem Ballkleid aussehen?
      Für einen Moment hielt sie inne. Wäre sie dann überhaupt in der Lage auch nur ein einziges Wort herauszubringen? Das... das würde schon werden! Sie musste sich nur zusammen reißen und so tun, als wäre es das erste Treffen der Beiden, obwohl sie es bereits besser wusste.
      Gerade kümmerte sie sich um den zweiten Ohrring, als es fordernd und laut gegen die Tür klopfte und Margarette aufgrund des Geräusches zusammenzuckte, ehe sie ihr Gesicht in Richtung der Tür wand, welche bereits ohne ihre Aufforderung geöffnet worden war.
      Die meisten Angestellten mögen respektlos ihr gegenüber sein, doch einfach unerlaubt einzutreten, ohne ihr die Zeit zu geben zu reagieren, hätte sicherlich keiner von ihnen gewagt, ganz abgesehen davon, dass die Schwarzhaarige erfolgreich jeglichen Versuch in ihren nun einzigen Rückzugsort einzudringen erfolgreich abgewimmelt hatte, doch natürlich hielt das den Herrn des Hauses nicht auf.
      Erschrocken, hatte sie doch nicht gerechnet Edgar so früh zu begegnen, nein, sie hatte sogar gehofft ihm nicht entgegen stehen zu müssen, starrte sie den großen Mann an, ehe ihr der Ohrring aus der Hand fiel, da ihre Hände zu zittern begonnen hatten.
      War er... er war doch nicht etwa schon hier um sie zu töten, oder?! War er... war er Julia womöglich doch bereits begegnet?! War es das jetzt?!
      Instinktiv kniff sie die Augen zusammen, hoffte, dass es wenigstens schnell gehen würde, doch nachdem die Worte ihres Gegenübers sie erreichten, öffnete sie verständnislos die Augen und starrte Edgar an, sich wünschend es nicht getan zu haben. Dieser kalte Ausdruck in seinen Augen war deutlich schlimmer, als sie ihn im Porträt oder in den Erinnerungen von Margarette gesehen hatte und sie wünschte sich inständig Camille wäre jetzt an ihrer Seite. Doch das war sie nicht.
      Wenn sie also nicht wollte, dass Edgar es sich doch noch überlegte sie jetzt schon aus dem Weg zu schaffen, musste sie sich zusammen reißen und ihm antworten, nicht wahr?
      Den Brief an ihre Eltern hatte sie bereits so heimlich wie nur möglich persönlich an die Post gebracht, mit der Aufforderung die Antwort an die Poststelle selber zurück zu schicken, damit Margarette diese wieder ohne große Probleme, ohne, dass sie ihrem Mann in die Hände fallen könnte, abholen würden können. Doch eine Antwort war noch nicht gekommen, verständlich, dauerten Postwege doch deutlich länger als E-Mails oder Anrufe, also konnte sie sich nicht einmal sicher sein, ob er das Erbstück ihrer Familie bereits erhalten hatte oder nicht und damit besser Abschätzen wie sicher sie vor ihm damit wäre. Ob ihn das wirklich aufhalten würde, nachdem er Julia begegnet, war natürlich eine ganz andere Frage... aber egal, die Stille hielt schon viel zu lange, sie musste dringend etwas sagen, bevor er ungeduldig wurde.
      „Ver... verstanden.“, zwang sie sich zu einem schiefen lächeln, nicht sicher, wie sie diesem Mann begegnen sollte, hoffend, dass ihm das reichen und er wieder gehen würde.
      Wie hatte sich Margarette denn sonst so Edgar gegenüber verhalten...? Ah... kein Wunder, dass er kein Problem damit hatte sie los zu werden. War sie verrückt gewesen?!Wollte sie durch die Hand ihres Mannes sterben?! Ah... wahrscheinlich hatte sie gar nicht erst gewusst, wen sie da eigentlich geheiratet hatte. Doch leider wusste es Yuki nur zu gut und nun musste sie sich zusammen reißen.
      Aber mal ehrlich, eine Affäre? Wie um alles in der Welt sollte sie das bei so einem Mann überhaupt wagen?
      „Es ist nichts der gleichen. Kann ich ihnen sonst noch irgendwie behilflich sein?“, war das Lächeln der Dame dieses Mal überzeugender, auch wenn ihr innerstes nicht zu zittern aufhören wollte und indirekt gab sie ihm die Möglichkeit wieder zu gehen. Der Ball und Camille de Foison warteten auf sie!
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    • Edgar T. Maisinger
      Es war regelrecht schmerzlich offensichtlich, dass Edgar seine Gattin unterbrochen hatte. Nicht nur die entwichene Farbe aus ihrem Gesicht sprach dafür. Auch dieses lange Schweigen während dessen sie beinahe wirkte wie ein erstarrtes Reh, das seinem Jäger entgegen blickt. Langsam hob er eine Braue, da er bereits erwartete vielleicht erlaube sie sich einen Spaß und würde versuchen ihn wie ein angreifendes Tier zu behandeln, das sein Interesse verliert an der unbeweglichen Beute. Ein nicht gelungener Scherz, wie er fand. Beinahe stolpernd schien sie ihre Stimme wiederzufinden. Doch ihre Worte ließen ihn nun beinahe verstört beide Brauen in die Höhe reißen.
      Etwas musste falsch sein. Was auch immer es gewesen ist, es war nicht schwer sich daran zu erinnern mit welch inbrünstigem Hass Margarette gefüllt gewesen ist, sobald sie realisiert hat welches Leben sie an Edgars Seite, unter seiner Gnade, führen musste. Die Beleidigungen und Beschimpfungen, das hysterische Geschrei, gefolgt von vulgärer Apathie. Und plötzlich will sie ganz handzahm und brav vor ihm stehen, gekleidet in feine Stoffe, behangen mit schimmerndem Schmuck und ihn in zärtlicher Verängstigung zu fragen, ob sie noch etwas für ihn tun kann. Sie war eine grauenvolle Lügnerin. Ein unbeholfenes Ding, das ihm gefährlich werden konnte, wenn er nicht darauf Acht gab. Wer weiß was sie von seinen Geschäften mitbekam, während sie hier umher geisterte und noch schlimmer; was sie aus Versehen ausplaudern könnte an solchen großen Events.
      Der Türknauf befand sich noch immer in Edgars Hand und er spürte nun deutlich, wie sein Griff sich verfestigte und die Finger taub wurden. Wut über die unklare Situation machten sich in seinem Inneren breit. Er hätte großes Interesse daran sie einzusperren. Einfach nur, um auf Nummer Sicher zu gehen. Jedoch brauchte er dieses Mädchen noch. Es ist derzeitig (noch) in seinem Interesse gewesen, dass sie nicht auf die Idee kam einen Hungerstreik zu beginnen und sich zu Tode zu fasten. Und ganz davon abgesehen hatte er an diesem Tag ohnehin keine Zeit für diese Lappalien. Sein Blick verfinsterte sich schnell wieder und er schnaubte verächtlich.
      “Mich könnte es nicht weniger interessen was da vor sich geht; gleich ob es wahr ist oder nicht, ich verlange Diskretion.” Er holte eine Taschenuhr hervor und warf einen Blick darauf. “Ich bin noch geschäftlich verabredet. Kehre nach Sonnenaufgang erst wieder zurück und ich kann dir versichern dieses Zimmer wird das einzige sein, das du in sehr langer Zeit zu Gesicht bekommst.” Damit verschwand er einfach ohne ein Wort des Abschiedes und schmiss die Tür hinter sich ins Schloss. So unfassbar ermüdend das ganze Unterfangen gewesen ist, Edgar befürchtete wirklich er müsse sich ein wenig eingehender mit seiner geschätzten Braut befassen. Ihre Sinneswandel waren ihm ganz gleich. Sofern sie diesen einzig und allein in seinen geschlossenen Räumen nachging. Sie sollte weinen so viel sie wollte, lachen und im nächsten Moment schreien. Die Verrücktheit war nichts, was ihn berührte. Jedoch sah das ganz anders aus, wenn die Möglichkeit bestünde, dass sie wer weiß was in der Öffentlichkeit Preis gab. Zwar wusste er, dass sie derzeitig niemand ernst nehmen würde, doch man musste ein Gerücht nicht als glaubwürdig erachten, wenn man jemandem schlichtweg schaden wollte. Und dass Edgar viele Feinde hatte, dafür sorgte er persönlich.
    • Margarette Agny Maisinger / Yuki Kageyama

      Geschäftlich verabredet... was? Yuki wusste nur zu gut, was er damit meinte, sich etwas anmerken ließ sie jedoch nicht, so dumm war sie nun wirklich bei weitem nicht. Wenn sie Glück hatte, würde der heutige Abend reichen, um genug Beweise gegen diesen Mann zu finden und dann hatte sie endlich ein freies, nicht in Gefahr schwebendes Leben, doch dann erinnerte sich Margarette daran, mit wem sie es da zu tun hatte und bezweifelte dann doch, dass Edgar sich so leicht schnappen ließ.
      Wieso hätte sie auch nicht die Frau von irgendeinem kleinen Fisch sein können?! Dann wäre es so viel einfacher gewesen! Egal, egal, positiv bleiben, positiv bleiben... genau, der Ball!
      Kaum hatte der große, blonde Mann ihr Zimmer auch wieder verlassen, spürte die Schwarzhaarige mit einem Mal keine Kraft in ihren Beinen mehr und sank mit einem erleichterten Seufzer zu Boden. Sie lebte. Noch. Und sie hatte ganz sicher nicht vor sich von ihm einsperren zu lassen, das würde alles zerstören. Sie musste vor Sonnenaufgang zurück sein... was? Nun, wenigstens hatte er ihr kein Ultimatum wie um Mitternacht gestellt, fast schon fühlte sie sich wie Cinderella, die in Begriff war sich unerlaubt mit dem Prinzen auf einem Ball zu treffen.
      Die perfekte Beschreibung für Camille, wie sie fand, doch leider war sie nicht ihr Prinz.
      Aber Edgar in der Rolle der bösen Stiefmutter konnte sie eindeutig sehen, ein Gedanke, der sie kurz zum Kichern brachte, ehe Margarette letztendlich nach dem Ohrring griff, den sie auf den Boden hatte fallen lassen.
      Ihm wäre es also sogar egal, wenn seine Ehefrau eine Affäre hätte? Wieso um alles in der Welt hatte er sie dann überhaupt geheiratet, sie damit an sich gebunden? Würde jemand wirklich so weit gehen, nur für ein überaus wertvolles Schmuckstück? Oder hatte er womöglich von Anfang an vorgehabt sie zu töten?
      „Fräulein?“, wurde Margarette von einem Klopfen und der Stimme eines alten Mannes aus ihren Gedanken gerissen, „Die Kutsche wartet auf sie.“
      „Ah... einen Moment!“, gab sie dem Kutscher Sebastian, mit dem sie sich in der Zwischenzeit recht gut angefreundet hatte - kein Wunder, so oft wie sie lieber wo anders war als in diesem Haus – zurück, erhob sich auf noch immer leicht wackligen Beinen, brachte den Ohrring an und prüfte ihr Aussehen noch einmal im Spiegel, ehe ein Lächeln sich auf ihren Zügen bildete.
      Margarette war wahrlich wunderschön und wann war das letzte Mal, dass Yuki sich so aufgetackelt hatte? Es musste ewig her sein! Ob sie von Camille wohl ein Kompliment bekommen würde? Ah... war sie womöglich zu gierig?

      Die Kutsche brachte die Dame letztendlich an ihr Ziel: den Ball der Baroness Merryweather, dessen Prunk und Licht bereits von einiger Entfernung zu erkennen gewesen war und sobald sie vom Eingang aus die Musik vernahm, konnte Margarette es kaum erwarten. Ob Camille wohl mit ihr tanzen würde, wenn sie sie darum bat? Oh, das dürfte wohl nicht möglich sein, in dieser Gesellschaft tanzte eine Frau nicht mit einer Frau, geschweige denn, dass sie sich offen lieben durften und doch war genau das das große Happy End des Romans Amaryllis & Camille ein wahres Meisterwerk in Yukis Augen!
      Sebastian war so freundlich gewesen die Adelige bis zur Eingangstür zu eskortieren, ohne Begleitperson gab es niemanden, der das sonst hätte übernehmen können und als verheiratete Frau konnte diese Rolle einzig ihr Ehemann oder ein Familienmitglied übernehmen.
      Ersteres wollte sie auf gar keinen Fall, selbst wenn Edgar sich dazu hätte überreden lassen, letzteres ging nicht, da keiner ihrer Familie zur Zeit sich in der Hauptstadt aufhielten und ihr kleiner Bruder war leider zu jung dazu.
      Ihr Erscheinen wurde verkündet, sofort spürte sie einige neugierige Blicke auf sich, ignorierte das Getuschel und Gerede, so gut es ihr möglich war und ging ihrer Pflicht als Gast nach die Veranstalter des Festes kurz zu begrüßen, welche jedoch auch recht überrascht über ihr Erscheinen wirkten. Kein Wunder, Margarette hatte sich für zwei Monate in ihr eigenes Zimmer eingeschlossen. Damit war es für Edgar sicherlich ein leichtes es wie einen Selbstmord aussehen zu lassen, doch nicht mit ihr, nicht mit Yuki. Sie würde es ihm so schwer wie nur möglich machen sie los zu werden, sollte er es nur Versuchen!
      …. nein, eigentlich wäre es ihr lieber, wenn er es gar nicht erst versuchen würde, bitte?
      Hoffentlich würde er irgendwo stolpert und die Treppe herunter fallen, auch wenn das ein recht armseliger Tod für den größten Antagonisten dieses Romans wäre.
      Letztendlich konnte die Schwarzhaarige sich die Zeit nehmen und sich nach der rothaarigen Schönheit umsehen und es dauerte nicht lange, bis sie sie fand und... ja, das Kleid stand ihr ausgezeichnet! Ein Wunder, dass sie nicht von Männern und Frauen nur so umgeben war oder sich auf der Tanzfläche befand! Ob sie auf sie gewartet hatte?
      Mit einem Lächeln ging sie auf Camille zu und vollführte einen höflichen Knicks zur Begrüßung.
      „Guten Abend, werte Camille de Foison. Ich nehme an, ihr Bruder hat sie über mein Erscheinen benachrichtigt?“, musste sie sich ein Schmunzeln verkneifen, da sie nur zu gut wusste, dass sie ein und die selbe Person waren.
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    • Camille de Foison
      Regungslos und artig saß die junge Frau vor dem großen Spiegel, das ihr gleichgültiges Antlitz reflektierte, während zwei Angestellte des Hauses links und rechts von ihr an ihren Haaren arbeiteten. Ihr blasser Leib wurde bereits umarmt von einem Kleid, das farblich eben solches Feuer dar stellte, wie ihre Haare es ebenfalls taten. Sie musste sich heute nicht die Brust abbinden. Stattdessen wurde sie strategisch von dem Korsett in den Mittelpunkt gedrückt und verschluckte beinahe eine Halskette, die jemand ihr einst hat zukommen lassen. Ihre Augen hingen im Spiegel an dem Anhänger mit dem großen blauen Topas. Warum hatte man diese Halskette für sie gewählt? Von wem ist sie gewesen? Sie zog leicht die Brauen zusammen und kam nicht darauf.
      Ein Kichern zu ihrer Seite ließ sie kalt aufblicken. Eines ihrer Hausmädchen schien ganz begeistert zu sein, als sie eine Spange in Camilles volles Haar klemmte. “Ihr müsst Euch wirklich auf den Ball freuen, Mademoiselle.” Die andere Dame nickte zustimmend. “Das stimmt! Es ist das erste Mal, dass die junge Herrin so ruhig und artig ist.” Camilles Haare wurden ihr aus dem Gesicht gestrichen und fielen ihr über die Schulter. “Ihr werdet sicherlich die schönste auf dieser Feier sein!” - “Aber das ist die junge Herrin doch auf jedem Ball!”, wies die ältere der beiden Angestellten die andere zurück, die ein wenig zusammen fuhr. “I-Ich weiß! Ja, natürlich! Die junge Herrin erhellt immer den gesamten Raum.”
      Camille brachte sie beide mit einem Seufzen zum Schweigen. “Dieses Thema ist keinen Streit wert ihr beiden.” Ihre Stimme hatte gänzlich ihre gewöhnliche Energie verloren. Diese Aufmachung, diese Arten von Festlichkeiten, die Blicke und Meinungen; das alles ermüdete sie so sehr. Ihr eigenes Spiegelbild, das so falsch aussah als schaute sie einer Fremden ins Gesicht. Sie ließ sich einzig nur für Margarette auf einen weiteren Abend dieser Farce ein. Oberflächliche Gespräche, Komplimente und Blicke, hier und da mal einen Tanz und wann immer jemand in ihrer Gegenwart etwas dummes sagte, spielte sie ihr eigenes kleines Trinkspiel und endete meistens schrecklich betrunken, sodass man sie frühzeitig den Ball verlassen ließ.
      “Seid ihr fertig?”, erkundigte sich Camille, erhob sich aber bereits einfach ohne eine Antwort abzuwarten. “Ja! Ja, selbstverständlich! Ihr seid wunderschön, Herrin.” Inzwischen klangen diese Worte in Camilles Ohren mehr wie eine Beleidigung als alles andere. Sie lächelte ein oberflächliches Lächeln. “Das habe ich euch beiden zu verdanken. Bitte lasst mich noch einen Moment allein.” Die Angestelltinnen verneigten sich und gingen hinaus, in der offenen Tür stand direkt Gabriel, der den beiden Platz machte mit einer galanten Handbewegung und dann gegen den Rahmen klopfte. “Darf ich eintreten?” Camille wirbelte zu ihm herum und erst beim Anblick ihres Zwillings trat endlich wieder ein bisschen Leben in die Augen der jungen Frau. “Bruderherz! Aber natürlich! Was für eine Frage? Tritt ein, tritt ein! Was verschafft mir die Ehre? Geht es dir auch gut? Sag bloß du möchtest mitkommen auf den Ball?” Sie scherzte natürlich. Gabriel kam niemals mit auf Festlichkeiten auf denen er nicht zwingend auftreten musste. Und selbst auf die Pflichtprogramme ersetze sie ihn meistens. Unbeholfen zog er die Mundwinkel in die Höhe. “Der war gut.” Camille lachte heiter auf. “Ich wollte nach dir sehen bevor du aufbrichst. Du siehst gut aus.” Die Dame seufzte leise und nickte. “Mhm. Danke. Aber ich bin mir sicher dein Anzug würde mir besser stehen.” Sie erwartete, dass er eine Reaktion der Freude von sich geben würde, wie er es immer tat, wenn es auch nur eine kleine gewesen ist. Jedoch blieb das gänzlich aus. Schwer ließ er sich auf die Kante ihres Bettes fallen und Camille war sofort alarmiert.
      “Gabriel, was hast du?” Er brauchte einen Moment, um die Worte zu finden, die er aussprechen wollte. “Wie lange… möchtest du das noch machen?” Camille zog verwirrt die Brauen zusammen. “Was? Besser aussehen als du? Für immer.” Gabriel schnaubte. “Deine Scharade. Dein ganzes sonderbares Versteckspiel. Die Detektei. Du verstehst doch, dass du Mutter das Herz brichst mit jedem Tag, den das ganze weitergeht.”
      Schweigen legte sich um die beiden Geschwister und zunächst wurden die Augen der Frau groß, ehe sie einen fassungslosen Ton von sich gab. “Wie bitte? Was redest du denn da? Bist du auf den Kopf gefallen? Oder habe ich zufällig deine Hochzeit und die Geburt irgendwelcher Kinder verpasst? Warum bin ich diejenige, die Mutters Herz bricht?” - “Das ist was ganz anderes! Ich bin wenigstens auf der Suche nach einer Frau! Was du machst ist dich vor deinem Leben zu verstecken.”
      “Verzeihung?!” Camilles Stimme wurde laut und schrill. “Ich gehe vor die Tür! Ich gehe einer Arbeit nach und das auch noch hervorragend, wenn ich dich daran erinnern darf! Ich führe die Gespräche mit allen unseren Freunden und Geschäftspartnern und nehme ständig deinen Platz im Gentlemans Club ein. Wer von uns beiden versteckt sich vor seinem eigenen Leben? Und was du tust ist keine Suche! Zu warten, dass dir die perfekte Frau in die Arme stolpert und sich hinter einem Katalog aus Ansprüchen zu verstecken, um auch ja nicht die richtige zu finden.” Die Augen Gabriels verfinsterten sich und er presste angespannt die Lippen aufeinander. Camille atmete schwer, da sie so aufgebracht gewesen ist und riss sich von ihrem Bruder los, um mehrere Male tief Luft zu holen. Mit den Händen in den Hüften sah sie an die Decke, bis sie sich wieder gesammelt hatte. “Ich habe Zeit”, kam es nach einer Weile leise von dem Mann auf ihrem Bett. Er klang schrecklich entschuldigend und Camille spürte die Scham in seiner Stimme bei seinen nächsten Worten. “Du nicht…” Der rot-haarigen kam der bittere Geschmack von Galle hoch. Sie hörte sich selbst auflachen. “Du willst mir nun also auch sagen ich bin eine traurige alte Jungfer, ist es das?” Er schwieg. Und oh wie viel dieses Schweigen sagte. Sie hörte die Standuhr im Flur und ließ angespannt ihre Schultern hängen. “Ich muss los. Ich bin gespannt wie du dich dafür entschuldigen möchtest.”
      Was bildete er sich ein? Sie beide sind wie Spiegelbilder gewesen. Zwei Teile der gleichen Medaille. Woran es ihr mangelte hatte er immer im Überfluss gehabt und umgekehrt. Sie waren einfach nicht vollkommen, wenn sie alleine gewesen sind und das ist immer schon ein Fakt gewesen. Doch Camille tat wenigstens etwas. Sie folgte ihren Leidenschaften und fand einen Weg all das zu entfalten, wozu sie sonst nicht in der Lage gewesen ist. Auch wenn es vielleicht nicht das Leben gewesen ist, das die Gesellschaft von ihr verlangte, so lebte sie wenigstens. Er ist es doch gewesen, der sich hinter seinen Büchern versteckte. Der niemandem in die Augen sehen wollte. Der sich selbst krank machte.
      Camille hatte sich kaum mit jemandem unterhalten, sondern lediglich die Gastgeberin mit einem distanzierten Lächeln begrüßt, ehe sie sich zügig auf einen der Diwans in der großen geschmückten Halle stürzte, in der es alles im Überfluss zu geben schien. Margarette ist noch nicht da gewesen und so verbrachte sie noch einen Moment mit sich selbst und hing ihren Gedanken hinterher. War sie denn wirklich nichts wert, wenn sie keinen Gatten und Kinder hatte? Ist das ihr einziger Lebenssinn gewesen. Sie schaute in ihr Weinglas und schwenkte es gedankenverloren. Wie könnte es ihr Schicksal sein nichts weiter als eine hübsche Perle in der Hand eines Mannes zu sein? Camille kippte ihr Glas in einem Zug.
      In diesem Moment beschatteten Jaques Männer die illegale Auktion von Maisinger. Und sie saß hier und hatte nichts besseres zu tun, als ihr Leben zu hinterfragen. Wie lächerlich. Sie sollte sich zusammenreißen. Hoffentlich würde Margarette bald erscheinen. Sie brauchte die Ablenkung.

      Wie gerufen wurde die schwarz-haarige ausgerufen und sofort wanderten Camilles Augen hoch zu ihrer wunderschönen Gestalt. Erleichtert lächelte sie. Der Anblick einer schönen Frau machte einfach alles besser. Sie beugte sich etwas über die Lehne und schaute ihr nach. Sie selbst hatte kaum in Erwägung gezogen tatsächlich den Abend mit ihr zu verbringen. Sie wollte lediglich da sein, sie bewachen wie ein artiger Wachhund es tun würde. Jedoch würde sie damit offensichtlich entgegen Margarettes Sinn handeln. Denn direkt nach der Gastgeberin stand sie vor ihr und machte einen Knicks. “Madame Maisinger!”, grüßte Camille sie und erhob sich ebenfalls von dem Diwan. Sie ergriff wie aus einem Reflex ihre Hand, stoppte sich allerdings selbst, bevor sie sie zu ihren Lippen führen konnte und machte stattdessen ebenfalls einen Knicks. Spielerisch führte sie die schwarz-haarige an der Hand, damit sie eine Drehung um sich selbst machte. “Ihr seht aus wie ein fleischgewordenes Gemälde. Ich werde mich zügeln müssen Euch mit meinen Blicken nicht lästig zu werden.”
      Sie lächelte. Zwar konnte Camille nicht gänzlich verstecken, was in ihr vorging, doch tat ihr die Ablenkung tatsächlich gut. “Mein Bruder ist so mysteriös gewesen. Er sagte zu mir, dass ich mich um jeden Preis mit Euch anfreunden müsse und Ihr könnt Euch vorstellen, dass ich gewiss nichts dagegen hatte. Sofern das auch in Eurem Interesse ist Euren ersten Ball noch so langer Zeit ausgerechnet mit meiner Wenigkeit zu verbringen.” Sie winkte einen Diener zu sich und erhielt noch ein Glas mit Wein, das sie der schwarz-haarigen sogleich reichte und mit ihr anstieß.
    • Margarette Agny Maisinger / Yuki Kageyama

      Das Lächeln der Dame würde ein Stückchen breiter, als Camille sie bereits mit Madameansprach, wie es auch ihr Bruder in der Detektei getan hatte und für einen Moment hatte sie erwartet, einen weiteren Handkuss zu erhalten, bereitete sich mental darauf vor, doch dieser kam zu ihrer Enttäuschung nicht. Moment, wieso war sie denn jetzt enttäuscht?! War es nicht besser so?!
      Auch ihre Worte, ihre Art zu Reden hatte sich nicht zu der Detektivin verändert, kein Wunder, dass Julia irgendwann hinter ihr kleines Spiel gekommen war, oder kam ihr das nur so vor, weil sie das Geheimnis bereits gelüftet hatte? Nun, was hieß hier gelüftet, sie hatte es gelesen, keine einzige Sekunde lang hatte sie geglaubt, dass der Marquis eine Frau hätte sein können, obwohl ihr beim nächsten Durchlesen die zahlreichen, kleinen Hinweise dann doch aufgefallen waren.
      Ihre Wangen färbten sich leicht rot, als sie das Kompliment der Dame erhielt und ihr Begegnung mit Edgar war damit auch bereits vergessen, der Abend hätte nicht besser anfangen können. Doch dann wurde ihr klar, dass sie nun an der Reihe war der Rothaarigen ein Kompliment weiter zu geben. Diese Schönheit konnte unmöglich unkommentiert bleiben! Ganz abgesehen davon dass sie so viel besser als Margarette aussah! Nun, vielleicht war sie in dieser Hinsicht etwas voreingenommen.
      „So-solange euch meine Blicke nicht lästig werden, habe ich nichts dagegen! Ah, ich meine... ihr seid noch sehr viel schöner als ich jemals sein könnte, Camille!“, gab sie wohl etwas zu enthusiastisch von sich, viel zu hastig, da ihr kaum eine Sekunde geblieben war um sich schöne Worte zu überlegen. Daran musste sie auf jeden Fall noch arbeiten!
      „Ich könnte mir nichts schöneres vorstellen, als diesen Abend mit ihnen verbringen zu dürfen!“, hatte sie sich doch die ganze Zeit über genau darauf gefreut und nahm dankend das Weinglas entgegen, ehe sie mit Camille anstieß und sie fühlte sich, als wäre das ganze hier nicht mehr als ein Traum. Müsste sie keine Angst davor haben, von der Rothaarigen als eigenartig abgestempelt zu werden, hätte sie sich in den Arm gekniffen.
      „Hm? Verzeiht, wenn ich mich zu weit aus dem Fenster lehne... aber liegt ihnen vielleicht etwas auf dem Herzen?“, fiel Margarette in alle ihrer Freude erst jetzt auf, dass die Augen der Marquess nicht so hell schienen, wie sie es noch vor fünf Tagen bei ihrem ersten Treffen getan hatten.
      Etwas musste das Licht in ihnen verdunkeln und nur zu gerne würde die Dame ihrem Gegenüber diese Sorgen abnehmen.
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    • Camille de Foison
      Ganz entspannt betrachtete Camille welche Wirkung sie auf die Schönheit vor ihr hatte. Ähnlich schon wie zuvor in der Detektei war sie schnell in Verlegenheit geraten, was die rot-haarige gewiss ein wenig verwunderte. Allerdings dachte sie sich zunächst nichts dabei. Vielleicht war sie doch nicht an Gabriel interessiert, sondern reagierte im Allgemeinen ein wenig unbeholfen auf Kompliment. Das wäre genau genommen sogar eine sehr liebreizende Eigenschaft und verführte Camille geradezu dazu dies noch um einiges öfter zu provozieren. Als Margarette jedoch ihr Kompliment so unbeholfen und regelrecht stolpernd zurückgeben wollte, war sie in der Tat ein bisschen vor den Kopf gestoßen und lachte sacht auf. "Vorsicht Madame", schnurrte Camille regelrecht und hob die Hand, um ihr eine entflohene Haarsträhne hinters Ohr zu streichen und ihr danach sehr deutlich in die Augen zu sehen. "Versprecht mir bitte nichts, was ihr nicht halten könnt." Damit zwinkerte sie ihr zu und ließ dann schließlich von ihr ab, um sich wieder auf die Polster des Diwans fallen zu lassen.
      Bei der Nachfrage der jungen Frau konnte Camille sich nur ein bisschen ärgern. Ihr Pokerface schien deutlich schlechter zu sein, als sie sich selbst eingeschätzt hätte. Sie seufzte dramatisch. "Ach, es ist genau genommen nicht der Rede wert! Es ist nur..." Verschwörerisch klopfte sie leicht neben sich und wartete, bis die Frau sich gesetzt hatte, um sich zu ihr herüber zu beugen und ihr dicht an ihrem Ohr zuzuflüstern. "Meine Garderobe wurde für mich ausgewählt und ich scheine mich einfach nicht daran erinnern zu können wer mir diese wunderschöne Halskette geschenkt haben könnte."
      Ungeniert fuhr sie mit den Fingern über den strahlenden Anhänger. "Ist das nicht ganz furchtbar von mir?" Camille lächelte leicht über sich selbst und nippte an ihrem zweiten Glas Wein. "Ich hoffe Ihr denkt jetzt nicht zu schlecht von mir und brecht mir ebenso das Herz wie ich der armen Seele, die sich in den Kopf gesetzt hat mich zu beschenken." Die rot-haarige schüttelte leicht den Kopf. "Und wie ist Euer wertes Befinden? Ich hoffe Ihr habt gut hergefunden. Wobei es wahrlich eine Schande ist, dass Ihr nicht in Begleitung hergekommen seid. Was könnte ein Mensch nur lieber tun, als Eure Hand in diesen Hallen zu führen?" Camille machte es sich gemütlicher und überschlug ihre Beine, während sie sich ein wenig zurücklehnte. Jaques wurde aufgerufen und ihre Augen wanderten rauf zum Eingang. Der Mann mit den pechschwarzen Haaren hatte sein geschäftliches Lächeln auf und war schrecklich beschäftigt damit jeden Gast begrüßen zu wollen wie es schien. "Seht Ihr den Mann dort hinten?", fragte sie wieder an Margarette gerichtet und zeigte auf Jaques. "Das ist Mr. Jaques Barnes. Sagt nur das Wort und Euer Wunsch wird mein Befehl sein euch beide vertraut zu machen. Wenn es Euer Wunsch ist diesen Abend bestmöglich auszunutzen und Euch so vielen Menschen wie möglich vorzustellen, ist er mit Abstand der beste Begleiter dafür. Zudem lockert ein bisschen Wein eine Menge nützliche Versprechen von seiner Zunge als Sohn des Staatsrichters. Ich vernahm von meinem Bruder, dass Eure Verbindung zu ihm juristischer Natur ist."

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    • Margarette Agny Maisinger / Yuki Kageyama

      Die Wirkung von Camilles Worten ließ nicht lange auf sich warten, war Margarette doch wie eingefroren, mit hoch geröteten Wangen und konnte ihren Blick kaum von der roten Schönheit lösen, während ihr Herz so schnell schlug, dass sie schon befürchtete im nächsten Moment an nem Herzinfarkt zu erleiden, oder dass es ihr schlicht und einfach direkt aus der Brust springen würde.
      Aus ihrer Starre gelöst wandte sie letztendlich den Blick verlegen von der Dame ab, tief ein und aus atmend, um sich einigermaßen wieder zu beruhigen. Wie machte Camille das nur? Wie konnte sie nur so wundervoll sein, so gut mit ihren Worten und Gestiken umgehen? Es war kein Wunder, dass Julia ihr verfallen war!

      Neugierig setzte sich die Schwarzhaarige neben die Detektivin, was könnte einer so atemberaubenden und starken Frau nur so auf dem Herzen liegen, dass es das freudige Licht in ihren Augen verdunkelte? Noch nachdem das Geheimnis gelüftet war, starrte Margarette Camille nur recht verständnislos an. Sie wusste nicht wer ihr diese Kette geschenkt hatte? Und das war schrecklich von ihr? War der Detektivin solche Sachen schon immer wichtig gewesen? Dabei musste sie doch Unmengen an Geschenken erhalten! Da war es doch kein Wunder, wenn man sich nicht bei jedem Schmuckstück daran erinnert, wer es einem geschenkt hatte.
      „Hm? Nein! Ich könnte niemals schlecht von euch denken!“, gab sie sofort von sich, denn es entsprach auch der Wahrheit. Margarette kannte den Roman in und auswendig, sie bildete sich ein, dass es kaum etwas gab, dass sie über Camille nicht wusste und sie konnte sich beim besten Willen nicht vorstellen, was die rote Schönheit verstecken könnte, dass sie jemals dazu bringen könnte sie zu hassen.
      Trotz dieser von Männern dominierten Gesellschaft ging die Rothaarige dem Beruf der Detektivin nach und das machte sie auch noch so hervorragend, dass sie wohl als einzige wusste, dass Edgar in Wahrheit ein Verbrecher war, während andere es nur ahnen konnten, wenn ihr auch bisher die nötigen Beweise dafür fehlten, aber das würde schon noch werden!
      Und dann würde sie auch noch eine Frau lieben, doch egal wie sehr die Gesellschaft versucht die Beiden auseinander zu reißen, am Ende triumphiert ihre gemeinsame Liebe! Yuki konnte gar nicht erst an ihren Fingern abzählen, wie oft Camille Julia im Roman rettete, doch sie war jedes Mal überaus charmant und atemberaubend gewesen. Zu gerne würde sie in einem dieser Szenen Mäuschen spielen, aber wenn sie bedachte, wie gefährlich es werden würde, war das vielleicht doch nicht die beste Idee.
      „Ah... nun...“, war Margarette drauf und dran gewesen groß zu verkünden, dass es ihr deutlich lieber war, wenn Edgar sie nicht begleitete, doch dann erinnerte sie sich an die zahlreichen Ohren, die sie vielleicht hätten hören können und es wäre deutlich ratsamer von ihr, nichts von sich zu geben, dass auch nur die Chance hatte dem Ruf ihres Ehemanns zu schaden.
      Sonst würde er es sich vielleicht doch anders überlegen und sie letztendlich einsperren lassen, vielleicht sollte sie sich für einen solchen Fall bereits einen Fluchtplan überlegen, eine Leiter oder ein Seil in ihrem Zimmer verstecken... ja, das sollte sie auf jeden Fall tun, immerhin wollte sie nicht einfach nur auf ihren Tod warten.
      Auch wenn sie sich sicher war, dass ihre Worte eher ihren eigenen, wohl noch kaum vorhandenen Ruf weiter belasten würden, als den ihres Ehemanns.
      „Mein Mann hat leider eine geschäftliche Verabredung, wie sie sich sicher vorstellen können, ist er ein sehr beschäftigter Mann.“, gab sie mit einem Lächeln von sich, aber wenn ihr so gar nicht bei diesem Thema dazu war.
      Margarette folgte dem Blick der Rothaarigen, als sie ihn auf einen Mann ansprach und selbstverständlich wusste sie sofort, wer Jaques war. Wie könnte sie auch den besten Freund der Detektivin vergessen, der gemeinsam mit ihr durch dick und dünn ging? Ganz zu schweigen davon, dass sie den Roman viel zu oft gelesen hatte, um ihn zu vergessen.
      Doch Camille hatte eindeutig recht, wenn sie Edgar los werden wollte, wäre es sicherlich keine schlechte Idee sich mit dem Sohn des Staatsrichters gut zu stellen, auch wenn sie bei der Vorstellung mit ihm zu sprechen sichtlich nervös wurde. Immerhin war auch Jaques ein wichtiger, ihr ans Herz gewachsener Charakter des Romans und genauso wie es bei Camille der Fall gewesen war, musste sie sich zunächst mental auf dieses Treffen vorbereiten.
      „Das ist eine hervorragende Idee, ich wäre ihnen sehr verbunden, wenn sie ihn mir vorstellen könnten.“, stimmte sie damit dem Vorschlag der Detektivin zu.

      Griffin Lapartes

      Der junge Mann hatte sich für den heutigen Abend in seinen besten Anzug gesteckt, ein Schnitt, der dieses Land zwar noch nicht erreicht hatte, aber von dem Griffin sich sicher war, dass es die Modewelt auf den Kopf werfen würde, sobald dieses Design auch seine Heimat erreicht hatte und er war in Begriff zum Trendsetter zu werden, was ihm sicherlich schon zahlreiche Pluspunkte einbringen würde, nun, da er endlich seine Studien im Ausland hatte beenden können und sich nun den politischen Angelegenheiten seiner Heimat zuwenden konnte, immerhin war er der zukünftige Duke und auch wenn ihm der Gedanke schmerzte, so würde sein Vater sicherlich nicht allzu lange warten, bis er ihm den Titel weitergeben würde.
      Das erste Mal seit Jahren betrat Griffin die Hallen eines Festes, eines Balles in seinem Heimatland, des Balls der Baroness Merryweather. Eine gute Freundin seiner Mutter, so dass sie für ihn schon fast wie eine Tante war, doch auch sie erkannte den nun großgewachsenen jungen Mann nicht mehr, welcher noch vor seiner Abreise ins Ausland seinem Vater ähnlicher gewesen war, als ihm lieb war.
      Wie auch immer, nun war er zu einem gutaussehenden Mann herangewachsen und Griffin wusste das nur zu gut, nutzte sein Aussehen, wo auch immer es ihm einen Vorteil verschaffte, die Mädchen in Kreatia waren fast schon verrückt nach ihm gewesen, ein Gedanke, der ihm ein selbstsicheres Lächeln auf die Lippen zauberte.
      „Es ist mir eine Ehre, sie wieder zu sehen, werte Baroness Merryweather. Erinnern sie sich noch an mich? Griffin Laplace, meine Mutter ist eine gute Freundin von ihnen.“, verbeugte er sich galant vor der Gastgeberin und seinem Mann, die sich gerade noch rege mit ein paar anderen Personen unterhalten hatten.
      „Oh! Der kleine Griffin?! Wie ihr gewachsen seid!“, schien es die Baroness kaum glauben zu können, was aus dem dicklichen Jungen von damals geworden war, „Wie schade, dass meine Töchter allesamt bereits verheiratet sind, sonst hätte ich sie ihnen vorstellen können.“
      „Wie läuft es mit ihren Studien?“, erkundigte sich der Baron interessiert.
      „Erfolgreich abgeschlossen, best Noten, Baron Merryweather, ich danke ihnen für ihr Interesse.“
      „Dann werden sie uns wohl erhalten bleiben?“
      „Ich habe für den Moment nicht vor, wieder ins Ausland zu fahren, es wird Zeit, dass ich meinem Vater zur Hand gehen und von ihm lernen, immerhin werde ich eines Tages unser Haus übernehmen.“
      „Überaus nobel von ihnen junger Herr Lapartes.“, nickte der Baron bedächtig, während Griffin weiterhin ein Lächeln auf seinen Zügen trug.
      „Wenn sie mich nun entschuldigen würden, ich würde noch gerne ein paar alte Freunde begrüßen.“, verabschiedete er sich mit diesen Worten galant von den Gastgeberin und überließ ihnen wieder ihren Gesprächen, ehe er begann sich in dem Saal umzusehen und nach ihm bekannten Gesichtern zu suchen, als sein Blick an dem feuerroten Haar einer Dame hängen blieb, welche ihn für einen Moment verzauberte, ehe er im nächsten Moment realisierte, wer diese Dame sein musste.
      Camille de Foison, waren sie doch für ihr rotes Haar bekannt und schon damals war er ihr das ein oder andere Mal auf Festlichkeiten begegnet, obwohl sie schon damals ein richtiger Wildfang gewesen war. Ob sich das geändert hatte?
      So oder so war sie zu einer wahren Schönheit herangewachsen und Griffin konnte nicht anders, als sie anzusprechen. Sein Vater lag ihm schon eine Weile damit in den Ohren, dass sie doch die perfekte Frau für ihn war und langsam begann auch er daran zu glauben.
      Gerade erhoben sich die beiden Damen – erst jetzt bemerkte der junge Mann, dass sie nicht alleine gewesen war – als er zu ihnen stieß und sich galant vor ihnen vorbeugte, um ihnen einen schönen Abend zu wünschen und zu begrüßen.
      „Griffin Lapartes mein Name, wir haben uns recht lange nicht mehr gesehen, nicht wahr, Miss de Foison? Verzeiht, wenn ich unhöflich erscheine, doch ich bin erst vor kurzem von meinen Studien im Ausland zurückgekehrt und hatte nicht die Zeit mir die Gesichter aller hübschen Damen einzuprägen, dürfte ich euren Namen erfahren? Kennen wir uns?“, wandte er sich auch für einen Moment der Schwarzhaarigen Dame zu, da er nicht unhöflich erscheinen wollte, auch wenn er am liebsten mit Camille alleine gesprochen hätte.

      Margarette Agny Maisinger / Yuki Kageyama

      Am liebsten hätte Margarette den Neuankömmling ignoriert, oder ihn einfach wieder weggeschickt, immerhin klingelten bei dem Namen alleine zahlreiche Alarmglocken, auch wenn er noch so gutaussehend war und freundlich wirkte, als könnte er kein Wässcherchen trügen.
      Doch als Leserin von Amaryllis & Camille wusste sie es schlichtweg besser und am liebsten hätte sie Camille ganz weit weg von diesem Mann gehalten, der es wagen würde sie in eine ungewollte Heirat zu zwingen, sie zwischen ihre Arbeit und ihre zukünftige Geliebte Julia zu stellen, doch das waren Sorgen für die Zukunft.
      Abgesehen davon, durfte sie sich wirklich so sehr in die Geschehnisse einmischen? Mussten diese Dinge nicht passieren, damit sich Camille und Julia näher kommen konnten? Ihr gefiel es so gar nicht, die Rothaarige Schönheit diesem Mann zu überlassen, wenn auch nur für kurze Zeit, aber sie würde sich wohl zusammen reißen müssen, wenn sie sich nicht zu sehr in den Plot einmischen wollte, ungeachtet dessen, dass sie das schon längst getan hatte, doch diese Erkenntnis schien offenbar noch auf sich zu warten, zu sehr war sie darauf fixiert schlicht und einfach ihrem Tod zu entkommen.
      „Margarette Agny Maisinger mein Name, ich fürchte nicht, das wir bisher die Ehre hatten.“, vollführte sie einen höflichen Knicks, mehr würde er von ihr wohl nicht erwarten können.

      Griffin Lapartes

      „Die Freude ist ganz meinerseits, Miss Maisinger.“
      „Misses, um ehrlich zu sein. Mein Mann ist heute jedoch leider verhindert.“, wurde er von der Schwarzhaarigen verbessert.
      „Misses Maisinger, Verzeihung.“, entschuldigte er sich für das Missgeschick letztendlich, er war nun einmal viel lange fort gewesen, doch welchem Stand entsprangen die Maisinger? Er konnte sich warum auch immer nicht an diesen Namen erinnern, dabei vergaß er sonst nie etwas.
      Aus dem Augenwinkel erkannte er etwas blaues am Hals von Camille zu hängen, was ihm sogleich ein breites Lächeln auf die Lippen zauberte.
      „Wie es aussieht gefällt ihnen mein Geschenk, Miss de Foison. Die Halskette steht ihnen ausgezeichnet, wenn ich mir diese Bemerkung erlauben darf.“
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    • Camille de Foison
      Die ehrliche Reaktion der schwarz-haarigen entlockte Camille ein aufrichtiges Lächeln. Ihr kleines Ablenkungsmanöver schien wunderbar funktioniert haben, wenn sie sich auch den Kopf über ihre Worte zermarterte. Ein seltsames Gefühl der Vertrautheit machte sich in der jungen Dame breit. Selbst, wenn sie beide sich nicht gut kannten erkannte Camille in ihren Augen einen Zwist, als würde sie sich zutiefst über diese lächerliche Sorge wundern. Sie fühlte sich auf sonderbare Art verstanden. Doch nie und nimmer könnte sie es über sich bringen hier oder generell über ihre Sorgen zu sprechen. Ins Besondere nicht mit einer Frau, die ihr Leben in Gefahr wähnte. Ihr wäre gewiss viel daran gelegen lieber eine unverheiratete Jungfer zu sein, als in einem Hause eingesperrt zu sein, in dem sie sich nicht nur alleine fühlte, sondern jedes Zimmer auch gleichsam ihr letzter Anblick sein könnte. Camille blickte wieder in ihr Glas. So musste sie es sehen. Wobei diese Situation es der Frau auch wirklich nicht leichter machte sich auf eine Ehe einzulassen.
      Margarettes schnellen Worte, dass sie niemals einfach ihre Meinung über sie ändern könnte brachten Camille schließlich zum lachen. Sie schnappte sich noch einmal die Finger der schwarz-haarigen und wollte ihr nun tatsächlich einen verstohlenen Kuss darauf hauchen, als sie merkte, dass jemand näher kam und sie deswegen aufblickte. Die beiden Damen waren aufgestanden, um auf Jaques zu zugehen. Doch der junge Mann mit dem strahlend hellen Haar und Augen, die die selbe Farbe wie Camilles blauer Topas hatten hielt sie davon ab. Verwundert ließ die Foison Tochter von der Hand ihrer neuen Freundin ab und besah sich den Mann in ihrer üblichen Skepsis. Er war schön. Nicht attraktiv in einem typisch männlichen Sinn, sondern tatsächlich schlichtweg schön und elegant. Seine Kleidung wirkte ein wenig sonderbar, allerdings war sie alles andere als hässlich. Genau genommen fand Camille sogar ihr würde seine Jacke ganz wunderbar stehen.
      Erst, als der Mann sich vorstellte bildete sich ein fast verstörter Blick auf ihrem Gesicht. "Griffin?!", rutschte es ihr aus, ihre Manieren gänzlich vergessend. Das musste doch wohl ein Scherz sein. Noch immer mit dem Weinglas in der Hand verschränkte sie die Arme unter der Brust und beobachtete sehr aufmerksam den Umgang zwischen ihm und Margarette. Seine Blicke, seine Gestik, seine Wortwahl. Es fiel ihm so leicht von der Hand wie Camille selbst. Dieser Mann vor ihr ist sehr geübt im Umgang mit Frauen gewesen. Sie verglich seine Züge mit denen des alten Lapartes. Griffin war gewachsen. Er überragte Camille selbst in ihren Absätzen ein kleines Stück, wobei sie immer noch auf einer angenehmen Augenhöhe gewesen sind. Allerdings was der rot-haarigen auch auffiel und was sie fast noch interessanter fand war die Schwingung, die sie von ihrer Seite erhielt. So, wie Camille Margarette kennengelernt hatte, hätte sie darauf wetten können, dass sie verlegen werden würde. Stattdessen wies sie ihn regelrecht streng zurück, was Camille dazu veranlasste still in sich hinein zu lächeln.
      Sie nahm noch einen Schluck ihres Weines und blickte in Griffins Augen, als er sie wieder ansprach. Beinahe aus Reflex fiel ihr Kopf und sie sah auf den Anhänger in ihrem Dekolletee. Schlagartig ahnte sie warum diese Kette für sie ausgesucht wurde.
      "Griffin", setzte Camille an und schenkte ihm das Lächeln einer Geschäftsfrau. "Es ist in der Tat lange her. Dabei kommt es mir vor, als wärt Ihr gar nicht fort gewesen. So oft, wie Euer Vater Gabriel von euch erzählt hat, habe ich es wohl nicht geschafft Euch zu vermissen." Ihre Hand fuhr zu dem Anhänger. "Dann wart Ihr also der Mann, der mir diese Kette geschenkt hat. Meine Freundin Misses Maisinger und ich haben eben noch darüber gesprochen, dass ich auf Teufel komm raus nicht mehr weiß, wer sie mir nur geschickt haben könnte. Wie schön, dass Ihr meinem Gedächtnis auf die Sprünge helfen konntet."
      Bevor er das nächste Gespräch ansetzen konnte erkannte Camille Jaques im Augenwinkel und wendete sich sofort zu ihm herum und hob ihre Hand, um seine Aufmerksamkeit zu bekommen. Der junge Mann sah hinter seinen Brillengläsern hoch zu der Dame und hob überrascht eine Augenbraue sie in weiblicher Kleidung zu sehen. Er beendete schnell sein Gespräch und ging dann sogleich auf die kleine Gruppe zu. "Einen wunderschönen guten Abend die Damen. Und Mr. Lapartes! Wie schön Euch hier zu sehen." Er bat um Camilles Hand und herausfordernd hob sie eine Braue und lächelte dann regelrecht diabolisch. Der Alkohol machte langsam aber sicher Spaß. Sie reichte ihm ihre Finger, ließ aber gar nicht erst zu, dass er sich zu einem Handkuss vorbeugen konnte, sondern drehte ihre Hände einfach herum und hauchte stattdessen ihre Lippen gegen seine Finger. Jaques nahm alles in sich zusammen, um nicht seine Hand sofort wegzuziehen, doch das Zungenschnalzen konnte er sich nicht verkneifen. "Camille! Hast du einen Katalog mit Dingen, die du tun kannst, um die hohe Gesellschaft auch ja zu empören?", meckerte er und die junge Frau fing glockenhell und glücklich an zu lachen. "Wieso stellst du Fragen, deren Antworten du kennst?"
      Sie schnappte sich Margarettes Hand und zog sie sacht zu sich. "Aber mach dir keine Sorgen, Misses Margarette Maisinger hat mir versprochen, dass ihre Augen heute auf mir ein zu Hause finden und dass nichts was ich tue ihre Meinung von mir beeinträchtigen könnte." Sie trank ihr Glas aus und stellte es in einer fließenden Bewegung auf das Tablett eines Angestellten, ehe sie einfach die zierlichen Finger der schwarz-haarigen in die Hand ihres besten Freundes legte. "Seid ihr schon vertraut miteinander?" Der Name Maisinger löste offensichtliche Anspannung in dem jungen Mann aus und man sah die stumme Frage in seinen Augen was um alles in der Welt er mit der Frau von Maisinger sollte, doch Camille lächelte nur unbekümmert und winkte das nächste Weinglas in ihre Richtung. "Nein, ich... fürchte wir hatten das Vergnügen noch nicht. Doch eine Freundin von Camille und Gabriel ist selbstredend auch mir nah. Es ist mir eine Ehre eure Bekanntschaft zu machen, ich bin Jaques Barnes, derzeitig Staatssekretär." Damit hob er die Hand der Dame an für den Handkuss, der ihm eben verwehrt wurde. Camille schnappte sich zwei Gläser von dem Bediensteten und reichte Jaques eines, ehe sie zu Griffin schaute und ihm einfach ungefragt auch eines in die Hand drückte, bevor sie ihres nahm. Kurzerhand entschied sie sich dafür, dass er vorerst bleiben durfte, damit Margarette und Jaques sich unterhalten konnten. "Ich habe gehört Ihr seid im Ausland gewesen. Hattet Ihr Heimweh nach der Heimat oder vermisst Ihr bereits die weite Fremde?" Es war mehr eine Floskel, die sie recht wenig interessierte und sie versteckte nicht, dass sie schlichtweg ihren Freunden ein bisschen Freiraum lassen wollte.