Raido [auxi / cadakon]

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    • Raido [auxi / cadakon]

      Die düstere Nacht war bereits über das Städtchen hereingebrochen, als sich eine, den Bewohnern fremde Person noch so unbemerkt durch die Tore schlich. Nun, gesehen wurde diese nur von den Tunichtguten, den Söldnern und Wegelagerern, die sich, ähnlich des Fremdlings, in den Gassen der Stadt niedergelassen hatten. Nicht zögernd, den Unschuldigen aufzulauern und dem weiblichen Volke nachzustellen. Leise, zaghaft hoben sich die in Leder gehüllten Beine über die feuchte, gepflasterte Straße. Der Mond schickte spärlich seine erhellenden Strahlen vom Himmel herab, setzte den lallenden Trunkenbold, welcher sich nach einem Bier zu viel, singend und johlend am hölzernen Gebälk des Brunnes hielt und kurz in seiner Arie verstummte, als er den flatternden Mantel der Person erkannte. "Hhhee!", entkam es diesem grölend. Ertappt riss der Fremdling seinen Kopf herum und blickte dem von Bartstoppeln übersäten, aufgedunsenen Gesichtes entgegen. "Mach... dassu hier wegommst!", maulte er und Wind stob pfeifend über den Platz, lies das Geäst der verschonten Eichen und Buchen ächzen und deren Blätter rascheln. Vergeblich versuchte die Person noch die Kapuze festzuhalten, dass eigentlich ihr Haupt verdecken sollte. Doch kam unter jener ein feines, doch ausgezehrtes Gesicht zum Vorschein. Die vollen Lippen kräuselten sich missmutig, die Mundwinkel verzogen sich nach unten. Feine, hell wirkende Strähnen fanden den Weg vor ihre Augen... die junge Frau starrte aus glitzernden Augen dem Säufer entgegen, welcher den Kopf nach hinten gezogen hatte und sein Doppelkinn entblößte. Ein Schnauben entkam ihr, ehe sie ihre Kapuzewieder überzog und in der nächsten Gasse von der Dunkelheit verschluckt wurde.
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      Doch die Frau hatte an diesem Abend kein Glück, wenn sie alleine sein wollte. Die Dunkelheit mochte ihr Freund sein, doch in dieser Gegend hatte die Dunkelheit Familie und den ein oder anderen Geliebten. Einem solchen war sie, ohne es zu wissen ins Netz gelaufen. Dem Säuseln des Windes folgte ein leises Platschen, als die kniehohen Lederstiefel auf eine kleine schlammige Pfütze trafen und diese vollspritzten. Gefolgt von einem saugend – brutzelnden Geräusch, dessen Quelle die Schatten der Nacht durchbrachen und für einen Atemzug ein kantiges Gesicht im Orange von Flammen aufdämmern ließ, verhüllt von dem Rauch einer Pfeife. Die Augen des Mannes ruhten auf der Frau, aufdringlich als würde sie herausfinden was der Eindringling hier macht, würden sie nur lange genug starren. „Bist du die Nachtigall? Gekommen, um mir ein Lied zu singen?“, ertönte eine tiefe Stimme von dem Ort, an dem vor kurzen noch ein Gesicht zu sehen war, das nun wieder völlig von der Dunkelheit verzehrt wurde. Auch wenn man den in einen Kapuzenmantel verhüllten Mann nicht sehen konnte, war es klar, wem die Frage galt. Doch welche Antwort erwartet ihn?
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      Sie war gerade in eine der Gassen eingebogen, wollte diese unliebsame Gestalt hinter sich lassen. Energisch stapften ihre langen Beine nach vor. Ihr Kopf sah noch über die Schulter zurück, fokussierte den kleiner werdenden Mann am Brunnen, der noch irgendwelche rauen Wörter von sich stammelte, ehe sie ihren, unter der breiten, tiefgezogenen Kapuze verborgenen Schopf, wieder nach vor drehte und abrupt stehen blieb. Scharf sog die Fremde Luft zwischen den Zähnen in ihren Mund und staute sie für einen Moment in den Backen. Ihr Körper war erstarrt und so starr war auch ihr Blick auf den ihr Unbekannten vor sich gerichtet, dessen Haupt bloß kurz, durch den schwachen Schein seiner Pfeife, erhellt wurde, begleitet von jenen kühnen Worten, die die junge Frau veranlassten, ihr Kinn nach oben zu recken und ihre Lider zu senken. „Und falls dem so wäre… würde mich der Hörer ob der Schönheit des Gesanges einsperren… oder weiterziehen lassen?“, kaum merklich legte sich der Namenlosen Kopf schief zur Seite hinab, ehe sich ihre Arme, gehüllt in lederne Schoner, vor ihrer Brust verschränkten. Im fahlen Mondlicht, welches spärlich durch die nach wie vor faserig aufklarende Wolkendecke, fiel, konnte die Statur der Dame nur erahnt werden, sogleich war zu sehen, dass der Umhang seine besten Zeiten schon überstanden hatte.


      @Auxi




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    • „Wenn mir der Gesang der Kehle gefällt, so sei dir Gewiss: Ich bin gut zu Vögeln“, erklang die Warme Stimme aus der kalten Dunkelheit, doch nur für einen Moment, bevor sie wie ein eisiger Schauer aus der Ecke kam, „Doch einer Krähe werde ich immer den Hals umdrehen“, der Ton war scharf wie die Klinge eines Dolches, der einem bereits auf der Brust lag. Kalter stahl der bereits auf der Haut brannte, als Warnung würde man den falschen Schritt machen. Wieder glomm die Pfeife des Mannes auf, der mit reglosem Blick unter seiner Kapuze hervorlugte. Das Mondlicht schien in die Gasse und flutete es in bläulichem Licht, selbst in die Ecke, aus der die Stimme drang, wagte sich der düstere Schein. Die Augen des vermeintlichen Singvogels begannen sich and diese Dunkelheit zu gewöhnen und das Schwarz wich einem matten Grau. Einem Grau das Erahnen lies, dass der Straßenkater vor ihr in dunklen Umhängen gehüllt war und sich mit dem Rücken an einer steinernen Hausmauer anlehnte. Die Kapuze verbarg sein Gesicht, genau wie das ihre. Seine Schultern waren aufrecht, sein Kinn leicht erhoben und sein Körper wirkte trotz der überkreuzten Beine offen. Ein deutlicher Unterschied zu all dem Gesindel, dass sich sonst in den Gassen der Stadt herumtrieb. Der Alkohol oder Last des Alltags hatten sie dazu veranlasst vor ihrem Leben zu buckeln und mit vor Scham gesenktem Kopf durch die Nacht zu spazieren, in der sie hofften nicht erblickt zu werden. Doch der Kater vor ihr schien sich nicht in den Gassen zu verstecken, um allein zu sein, ungesehen von Menschen, die ihn mit Abscheu strafen konnten oder für seine verwerflichen Taten zu verurteilen. Im Gegenteil: Da stand er also, wartend darauf, dass er begutachtet wurde und ihm mit geschmeidigem Gesang gebauchpinselt wurde!
    • Bei seiner spröden Bemerkung, entkam der jungen Frau vor ihm beinahe ein Lachen. Ein Schnauben drang durch ihre Nase, welches verebbte. Doch, konnte sie ihre plötzliche Amüsanz ob seiner Worte nicht verbergen und für einen Augenblick erklang ein kurzes, glockenhelles Lachen in der sonst so trostlosen Gasse. Das breite Grinsen überzog noch einen Moment länger ihre Lippen, ehe ihre rechte Hand an ihr Kinn griff und ihr Daumen dies leicht stützte. Sie musterte den Herren vor ihr eindringlich, hob ihre Arme dann doch leicht von sich, nur um diese an ihrem Rücken zu überkreuzen. Sie konnte spüren wie er sie mit Blicken durchlöcherte, gewillt war, auch nur ein Stückchen mehr von ihrer Gestalt in sich aufzunehmen. Täuschte sie sich, oder erkannte sie unter dem tiefen Schwarz seiner Kapuze das Glitzern von strahlenden Augen? Ihre Augenbrauen zogen sich kurz kraus, ihr Blick hüpfte inmitten der Dunkelheit seines Angesichts herum. "Vermag mir der Vogelfänger denn zu sagen, wo ein Vögelchen wie ich heute geschützt nächtigen kann?", ein Räuspern trat diesen Worten voraus, ehe sie ihre Arme wieder von ihrem Rücken löste und diese seitlich in die Hüften stemmte. Im Hintergrund war nach wie vor das Lallen des Säufers zu hören, welcher von einer vergangenen Liebe jammerte, als plötzlich, so vermutete die junge Frau es, ein Fenster aufgeschlagen wurde und ein zweiter, äußerst wütender Mann den Trunkenbold mit Schimpf, Fluch und Schande belegte, nun doch endlich sein Maul zu halten. Erstaunt bewegten sich der Fremden Augenbrauen wieder empor, ein Ohr im Gespräch habend, das andere aktiv auf die Bewegungen des Herren gelegt.




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    • Die Flüche des Wutbürgers unterbrachen den ruhigen Abend und der Gestank von Urin, den der Säufer vergossen hatte, besudelte die Nachtluft und raubte ihr einen Großteil ihrer Frische, die nun nur noch in ihre kalten Briese zu vernehmen war. Erneut leuchtete das Gesicht des Vogelfängers auf, als seiner Pfeife der letzte Atemzug drohte, bevor sie für den heutigen Abend schweigen würde. Der Rauch blieb in seinem Kerker, den der Vogelfänger seine Lunge nannte, bis dieser die Pfeife gegen die Hausmauer klopfte und die Asche des Krauts, dass darin gewesen war zu Boden rieselte, während es vom Klicken von Holz auf Stein begleitet wurde. Der Mann prustete aus und der Rauch quoll aus ihm hervor, doch trotz seiner Dichte, war er nach nur einem Meter mit der Brise der Nachtluft hinfort geweht worden. „Das kommt auf den Käfig an, den das Vögelchen wählt: Der Käfig aus Marmor verlangt nach Heuchelei. Der Käfig aus Eiche verlangt nach einem Körper. Der Käfig aus Stein verlangt nach Gold. Der gefährlichste Käfig ist der Käfig der Schatten, den diesem gelüstet es nach Blut.“ Der Mann richtete sich auf und erst jetzt bemerkte man, wie sehr seine Hüfte gebeugt gewesen sein musste, den er würde selbst einem Leibgardisten des Königs der Größe wegen in nichts nachstehen. Einzig die Schultern erinnerten nicht an die Fleischberge des noblen Mannes, sondern deuteten auf einen schlankeren Körperbau hin, soweit sein Mantel diese Einschätzung erlaubte.
    • Den Worten des Herren sorgfältig lauschen, beobachtete die junge Dame, wie sich der ihr fremde Herr aufrichtete und sie dann doch in ihrer Größe um gute zwei Köpfe übertrumpfte. Der schale, kalte Duft des verrauchten Krautes lag noch in der Luft und heftet sich an den schweren Leinenstoff der Unbekannten, ehe er vom Nachtwind hinfort geweht wurde. Raus aus dem Städtchen, tiefer in des Tages dunkelste Zeit hinaus. Kurz war ihr Blick auf die Rauchschwaden gerichtet, die sich fransig in den Himmel erhoben und den wenigen Wolken scheinbar noch ein paar hinzugefügten. Den Blick des Mannes wieder auf ihr spüren, richtete sich ihre Person wieder ihm zu und dachte nochmals über Gesprochenes nach. Ein Schmunzeln legte sich auf ihre Lippen. "Da mir die Wahrheit lieb ist, ich mich nicht wie eine Dirne verkaufe und an meinem Leben hänge, bleibt die Wahl wohl eine leichte…", sie griff langsam unter ihren Mantel, tastete dort wohl nach etwas, zumindest dauerte es eine Weile, ehe sie das gefunden hatte, nachdem sie suchte. Dann aber Klirrte es leise und ein Stück glänzendes Metall flog auf den Herren vor ihr zu. Dieser fing das Geldstück mit einer Leichtigkeit aus der Luft auf, hielt es einen Moment länger in der geschlossenen Hand, nur um dann doch prüfend auf jenes hinab zusehen. "Was nun... Hilfst du mir nun, oder nicht? Ich brauche nur einen Platz zum Schlafen... mehr erbitte ich nicht."
      Die vorerst so neckende Seite beiseite schieben, klang nun der Ernst ihrer Lage durch, als sich zur nun eingekehrten Stille, ein Bauchknurren gesellte.




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    • Die Münze in den Fingern reibend blickte er von dem Metall in seinen Händen hoch, „Du singst die Lieder der Spottdrossel“, das goldene Metall flog in langsamen Bogen zurück zu seiner Besitzerin, die es verwundert auffing. „Der Käfig, den du suchst, befindet sich etwa dreihundert Schritte von hier. Folge der Dunkelheit, bis du an eine Kreuzung kommst, an der zwei Fackeln leuchten und ein Fenster erhellt wird, in dem du Holzfiguren für Kinder findest. Halte dich rechts und du kommst an eine kleine Brücke, doch überquere sie nicht, folge dem Fluss in seiner Richtung und du kommst zu deinem Käfig aus Stein. Ein Schild mit einem Weinfass und Trauben werden dich bei deiner Ankunft erwarten“, mit einer Handbewegung, die seinen Umhang zu Seite warf, schickte er sie hinfort, „Geh nun. Geh!“ Für einen kurzen Moment konnte man die Lederkluft sehen, die er trug. Es war beschlagenes mattes Leder in dunklem Rot und Schwarz von guter Qualität und alles passte maßgeschneidert, selbst die Stiefel, die er trug! Der Mantel verbarg seinen Körper wieder, der an einen Luchs erinnerte. Kräftig, aber doch sehnig von Statur. „Ich erwarte die Nachtigall, auf das sie mir ein Lied singen mögen. Ich habe keine Zeit für das trillern einer Spottdrossel.“
    • Verwunderung machte sich auf ihren Zügen breit, auch wenn diese ungesehen bleiben sollte. So dachte es zumindest die junge Frau, denn als sie sich doch, mit dem rechten Arm hochgestreckt, lang machte um das Goldstück, das zurück in ihre Richtung segelte, aufzufangen, veranlasste ihre zackige, unvorsichtige Bewegung, ihren Umhang dazu, an den Seiten etwas Sicht frei zu geben, mehr als gewollt war. Neckisch blitzte ein silberner Schwertknauf an linker Seite ihrer Hüfte hervor, spielte einen Moment mit dem einfallenden Mondlicht, ehe er unter dem abgetragen Stoff wieder verschwand. Ihren Körper als ganzes aufgerichtet um das bare Geld einzufangen, verrutschte auch der Unbekannten Kapuze nach hinten. Fein, beinahe zart, aber von Vergangenem gezeichnet, war ihr angestrengtes Gesicht zu erblicken. Die Wangen leicht eingefallen, von schwachen Augenringen geziert, umrahmt von hell scheinenden Haar, derer eigentliche Farbe jedoch in der Dunkelheit ein Geheimnis blieb. Die müden, gleichsam nicht weniger aufmerksamen Augen spiegelten sich grau, doch verloren sie ihren Glanz, alsfern ihr Haupt sich senkte und die Kapuze ihre Identität wieder stahl. Dennoch… sie hatte ihre Informationen, mehr wollte sie nicht. "Entschuldigt, dass ich nicht die jenige war, auf die ihr gewartet habt.", kurz breitete sich eine eigenartige Stille um die beiden aus. "Habt Dank.", mit diesen kurzen Worten, trieb sie ihren müden Beine wieder weiter, an dem Herren vorbei, dessen Stiefel sie noch einen Moment im gesenkten Blicke erkannte. Dann war sie um die nächste Ecke verschwunden, sich den Weg suchend, den ihr der Namenlose beschrieben hatte.




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    • Es war eine der wenigen Straßen der Stadt, die selbst zu solch später Stunde noch den ein oder anderen Heimkehrer beherbergte. Das flakern der Fackeln führte einen durch die Stadt, wie Irrlichter einen Abenteurer in den Sumpf, der Grund ihrer Existenz war die Verlorenen zu Bette zu tragen, doch die unglücklichen Seelen, die dies im Sumpf taten, wurden nur zu oft zur ewigen Ruhe gebettet. Wenn der Blick eines Städters der Straße über die Brücke folgte, erblickte man den Käfig aus Mamor, an dessen Spitzturm eine große Uhr hing. Mit einem mechanischem Klicken rsstete der große Zeiger der Turmuhr in die Geisterstunde ein. Kein Schlagen der Kirchglocken war zu hören, den zu solch später Stunde wollte man keine schlafenden Geister wecken.
      Folgte man der Strömung des Flusses und spähte an das andere Ufer erkannte man den Eichenkäfig. Ein in rottönen gestrichenes Holzhaus aus dem Männer kamen und sich den Schritt ihrer Hose zurecht rückten und ein Duft von Sandelholz, der sich mit Schweiß vermischte drang einem sogar von der gegenüberliegenden Seite in die Nase. Vor dem Gebäude das nach Lust schrie, stand eine leicht bekleidete Frau mit glatten langen Haaren, die auf subtilere Weise Herren in ihr Heim einlud.
      Keine fünfzig Schritte weiter drang Lachen, Gröllen und Freudenrufe aus hell erleuchteten Fenstern im Erdgeschoss. Über der Tür war ein Schild zu sehen, auf das ein weißes Fass und rote Trauben gemalt wurden.


      Mit Handy verfasst, der Verfasser übernimmt keine Verantwortung für eventuelle Unleserlichkei.
    • Die Sicht verschwamm ihr bereits im Blick, als sich nach einem weiteren, tiefen Gähnen, dass sich die junge Frau zuvor gekonnt zurück halten konnte, Tränen der Müdigkeit in ihren Augen breit machten. Mit der Zunge schnalzend, wischte sich die Unbekannte die Nässe aus dem Augenwinkel und stapfte weiter, als durch leises Donnergrollen wieder einsetzender Regen angekündigt wurde. Die Dame seufzte. Sie hatte doch gehofft, die klägliche Nässe nun endlich überstanden zu haben, sodass ihre Kleidung auftrocknen kann. Ein vager Gedanke, nachdem der Frühling mit seiner Wechselhaftigkeit vor der Türe stand. Die Tage waren lang und wärmlich, doch bissen die Nächte mit ihrer Kälte nur allzu tückisch zurück. Je weiter sie ging, desto mehr von den beschriebenen Häusern erkannte die junge Frau, erkannte die hohe Kirchturmuhr die sich imposant in die Höhe regte… sah die Männer, die zufriedenen Gesichtes, mit der all währenden Gier in den Augen, jenes Etablissement verließen, das seither das einfachste jedoch auch das tödlichste Gold versprach. Den Blick von der Dirne abwendend, erkannte sie nun endlich das Objekt ihrer Begierde. Die städtische Gaststätte, aus welcher kaum verkennbar das heitere, betrunkene Grölen und Singen von Herren aber auch Frauen erklang, welche dem Genuss des Alkohols die größte Bedeutung am Abend zusprachen. Ein Schauer lief ihr über den Rücken, als sie vor die hölzerne Tür trat. Qualm und Rauch drängte sich in Schaden aus den gesprungenen Fensterscheiben und undichten Stellen im Dach. Wohl keine Unterkunft von großer Wichtigkeit. Sie zögerte um den Anstand des Anklopfens, verstaute diesen Gedanken dann jedoch und trat schwungvoll ein. Ihr Ankommen blieb im ersten Augenblick unbemerkt. Erst nach ein paar Sekunden erlosch die rege Gesprächskultur in dem gut gefüllten Gastraum und beinahe jeder Blick hatte sich an die Fremde geheftet. Alle, außer jene die bereits ihren Rausch ausschließen und schnarchend auf den Tischplatten lagen. Auch der bauchige Wirt beugte sich hinter der Theke vor und beäugte die Neuangekommene mit Argwohn. "Mach die Tür zu, es zieht!", kam es aus einer Ecke gerufen und der Bann der das Schweigen mit ihrer Ankunft einführte wurde gebrochen. Rege waren die Gespräche wieder aufgeschnappt, das Gelächter erfüllte bald wieder den Raum. Die junge Frau machte zögernd einen Schritt auf die Bar zu, die schwere Holztür schwang hinter ihr zu und fiel quietschen in die Angeln. Während ihr Blick durch den niederen Raum sondierte, erkannte sie im letzten Winkel, eine eher spärlich, an Reperatur gesparte, Essecke, auf welche sie mit glühenden Wangen zusteuerte und sich sogleich auf den marod wirkenden Holzstuhl fallen ließ.




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    • Seine Schürze um den Kugelbauch hin und her schiebend, stapfte der mit grauen, gekräuselten Haaren beschenkte Herr zu dem Tisch in der Ecke, an dem sich eine ihm Unbekannte fallen ließ. „Was darfs sein?“, murrte er durch den fettigen Bart, der seit mindestens einer Woche kein frisches Wasser mehr gesehen hatte. In der Kneipe wich das chaotisch, wilde Getümmel und Gelächter einem disziplinierteren Rauschen, als für eine Sekunde der Klang einer Fiedel den Weg in die Ohren der Gäste fand. In grünen Umhang stand ein Barde auf der Bühne. Eine braune Lederhose und der grüne Jägershut verpassten ihn ein klein wenig das Aussehen eines Waldläufers, doch seine schlanke Statur und die weichen Gesichtszüge verrieten, dass er sich wohl selten außerhalb einer Stadt herumtrieb.

      Sanft und langsam zog er den Bogen über seine Fidel. Ein gleichmäßiger Ton erklang in der Taverne und bezauberte jeden Anwesenden ihm zu lauschen. Selbst die ersten Klänge der Fidel vermochten die Herzen der Menschen, in eine düstere von Trauer erfüllte Welt zu entführen.

      Der Mond scheint Rot, das Schwert es singt.
      Zur Zeit als die Nacht, den Tag verschlingt.

      Die Nacht des Blutes, sie ist da.
      Hoch im Berge Kal-laza.

      Die Gier nach Ruhm und Macht sie trieb,
      den Berg zu erobern Hieb um Hieb.

      Der Gehörnten Seelen von Hass erfüllt,
      ihr Heer am Berg wie ein Bäre brüllt.

      Von Rachedurst und Qual umhüllt,
      das Blut der Menschen ihre Berge füllt.

      Doch das Auge der Bestien schlief nicht mehr,
      die Städte der Menschen gefielen ihm sehr.

      Ins Tal brachen die Tieflinge ein,
      sie eroberten bis zum Sonnenschein.

      Die Städte brannten lichterloh,
      wer nicht starb, der eilig floh.

      Der Menschen Hoffnung langsam brach,
      Könige und Helden sich beugend in Schmach.

      Doch einzig der Held der Nachtigall,
      beugte sich nicht der Tiefling Überfall.

      Ein Dämon der Nacht, ihn dürstet Blut,
      in ihm vereint der Menschen Wut.

      Wenn die Nachtigall für ihn nur singt,
      der Held der Nacht ein Köpfchen bringt.

      Als der Mut der Tieflinge endlich reißt,
      ein alter Schwur den Helden reue heißt.

      Der Menschenkönige Köpfe legt er nieder,
      doch die Aufgabe war ihm viel zu wieder.

      Die Tieflingkönigin dankt ihm sehr,doch helfen will er ihr nimmermehr.

      Verlassen hatte er die Nachtigall,
      sucht sie heute noch überall.

      Mensch und Tiefling im Frieden nun,
      Doch wenn sichs ändert, was dann tun?

      Die Nachtigall sich wieder rührt?
      Ein neuer Held uns ins Lichte führt?

      Der Dämon der Nacht er wiederkehrt?
      Sich nur der Nachtigall verzehrt?

      Noch der Menschen Angst sie nagt,
      die Königin der Tieflinge sagt:

      Aus eurer Gier ich bin geboren,
      Eure Zukunft ist verloren.

      Einzig der Pakt des Helden mich bindet.
      Doch nur bis er erneut die Nachtigall findet.
    • Sie hatte sich kaum gesetzt, da trat der korpulente Inhaber mit wuchtigen Schritten an sie heran. Der Boden unter ihr bebte, als er auch schon neben ihr stand. Ihr Kopf hob sich nur leicht empor, da starrte sie bereits dem Wanst des Kraushaarigen entgegen und wich etwas zurück um in das verschollene Gesicht des Herren zu blicken. Sie selbst musste ihre Augen zusammenkneifen, da das Licht im Inneren sie blendete. Auf die Dunkelheit der Nacht und jener Schatten der ihrer Kapuze innewohnte, erschien selbst das glimme Licht der Kerzen die die kleinen Kronleuchter an der bröckelig weißen Decke schmückten, als gleißend hell. Sich die Hand schützend vor die Augen haltend, kräuselten sich die trockenen Lippen der jungen Dame empor. "Einen Teller Suppe bitte… und ein Zimmer für die Nacht… bitte. ", kam es der Fremden kratzend aus der Kehle und sie schon dem Worten drei Münzen, Gold, Gold und Silber über die Tischkante zu, gut verdeckt unter den Fingern, sodass niemand sonst das Glänzen des Geldes erkannte. Der bauchige Herr neben ihr ließ ein Grummeln von sich. "Zimmer haben wir keine, Teuerste… schlaf in der Gaststube… oder in der Scheune bei den Schweinen.", somit nahm er, ruppig seines Wortes, aber ehrlich in den Taten, nur eine Goldmünze von der jungen Frau an und stapfte von Dannen. Kurz galt ihr grimmiger Blick noch dem Herren, dann senkte sie wieder ihr Haupt hinab, erkannte die vielen Kerben und das abgewetzte, schwierige Holz der Tischplatte. Wachs, von der niedergebrannten Kerze links von ihr, hatte sich über jene verteilt. Es war beinahe die Müdigkeit die sie übermannte, als sie das frohe Gesumme einer Fidel im Ohr vernahm. Ihr müder Blick hob sich empor zu dem Barden, der seinen Gesang anstimmte und nun wurde die Unbekannte plötzlich hellhörig. Ihre Ohren spitzen sich empor und lauschten neugierig der Geschichte, die der in Grün gekleidete Mann von sich gab. Als hätte man ihr die Müdigkeit aus dem Gesicht gewaschen, so wach war ihr Geist nun, als das Wort der Nachtigall ertönte. "So ist das also…", ein Flüstern entkam ihr, die Finger legten sich sanft über ihre Lippen, als hätte sie sich selbst in ihrem Erstaunen ertappt.




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    • Nachdem die Meute ersteinmal durch das ruhigere Lied beruhigt war und über die Tische über gehörnte Teufel schimpften, die Schönheit der Nachtigall philosophierten, die es schaffte einen Dämon zu bändigen und munkelten ob diese selbst nicht vom Teufel bessesen war, hatte der Barde genug Zeit gehabt einen Schluck vom schalen Bier zu trinken um seine Goldkehle zu ölen und ein neues Lied anzustimmen. Ein lauter Ton der Fiedel zerriss das Geplapper der Menge, "Meine Damen und Herren. Nun ein Stück, für das unsere Gauckler Gruppe "Helle Barden" berühmt ist: Die Heschichten von Meister Max!"
      Schwungvoll fröhliche Musik wurde angestimmt in der es zumeist darum ging wie Meister Max mit Charm, List oder anderem Unfug unter der Frauen Rock kam.
      Schon schepperte es hölzern vor der jungen Frau, als ihr Suppenteller vor ihr abgestell wurde und auch ein kleiner Laib Brot wurde ihr dazugelegt. Der Mann zog beim Abgang den Rotz aus der Nase hoch und wischte sich die Finger an der dreckign Schürze. Ein leichtes Jumpeln war zu erkennen, hatte der alte Knabe schon seit zwei Jahren immer wiederkehrende Hüftschmerzen. "....er fragte sie den Wein zu teilen, bald teilten sie das Bett...." sang der Barde und gröllten die Leute, die jede Strophe, so hatte es den Anschein, auswendig kannten.
      Während es in der Taverne kuschelig warm war, hörte mann den kalten Wind von draußen an den Holzwänden knarren und kratzen. Nahe des Fensters fühlte man den Zug des Windes in die Stube kriechen und wie sie sich an die Füße derer heftete, die keine guten Stiefel trugen. Zu dieser Zeit lauerte bereits ein Mann der Unbekannten auf, ohne, dass sie es wusste. Mit jedem Löffel Suppe, die beinahe nur nach gemehltem Wasser schmeckte, rückte der Verfolger näher, begierig wartend, das sie den letzten Löffel zu sich nahm. Vom Lied inspiriert, wartete er mit einer billigen Weinflasche in Händen darauf zu der Frau zu gehen und mit ihr seinen Wein zu teilen.
      Der junge Bursche von 15 Wintern und Zähnen, die so schief waren wie ein Weidezaun auf den sich eine Kuh gesetzt hatte, grinste an das kommende denkend mit offenem Mund und verträumtem Blick.
    • Das ankommende Holpern der schweren Schritte des Wirtes beinahe ausgeblendet, schreckte die Fremde beinahe ein Stück zurück, als die Suppenschüssel so ungehobelt vor ihr auf den Tisch gestellt, ja beinahe geworfen wurde. Daneben gesellte sich im nächsten Augenblicke ein kleines, hart wirkendes Laibchen Brot, welches mit einem leisen "Klonk" an der Kante des Tellers anschlug. Die Augenbrauen voll Missmut zusammengezogen, galt ihr erster Blick dem Wirten. Wohl ob er auch der Koch dieser Mahlzeit war, blieb ungewiss, jedoch seiner ungehobelten Art nach zu urteilen, würde dieser vom zeitlichen gesegnete Herr, wohl kaum mehr den Suppenlöffel schwingen. Die junge Frau nahm einen tiefen Atemzug und staute diesen kurz in den Lungen, ehe ihre rechte Hand sich, erschöpft ihrer Existenz in diesen Räumlichkeiten, über die Augen legte und Daumen sowie Zeigefinger kurz ihren Nasenrücken zusammendrückten. Mit einem schweren Seufzen entstieß die Unbekannte nun die Luft in ihren Lungen, kratzte sich noch kurz an der linken Augenbraue und widmete sich dann ihrer Speise. Kartoffeln, Speck, grüne Bohnen, Karotten, Kraut... das alles an Zutaten konnte sie vernehmen, als der hölzerne Löffel sich stochernd durch die breiig, gleichsam flüssig wirkende Mahlzeit grub und sie sich jene mehr zeternd, wetternd als recht in ihren Mund schob. Wahrlich, der Geschmack des gemahlenen Korns breitete sich wie ein Teppich auf ihrer Zunge aus. Doch wärmte jener Eintopf der sich Suppe schimpfte und lies die Dame dann doch zufriedenen Blickes zurück. Während der weiblich Augen Aufmerksamkeit auf der Schüssel vor ihr galt, so stimmte man im Hintergrund bereits neue Sagenlieder und Geschichten an. Sie wusste nicht, wo sie hier gelandet war, doch galten die Bewohner wohl als eingesessen. Die Sagen um denn Herren Max wurden beinahe schon im Chor aufgetischt, weshalb es ihr ein knappes Schmunzeln auf die Lippen zog, ehe sie nun doch den letzen Bissen von ihrer Speise vertilgt hatte. Sich langsam aufrichtend, den Liedern lauschen wollend, tastete die Dame ihren Mantel ab, nur um selbst ihre Pfeife hinter verschlossenen Knöpfen zu ertasten. Gerade wanderte ihre Hand unter den Mantel, als sie wieder Schritte vernahm, ein tollpatschiges Schlurfen, ein Stolpern und Holpern, ein Rucken an ihrem Tisch, sodass das geschmolzene Wachs der Kerze überschwappte und die Flamme sich eifrig nach oben grub. Verwirrt sah sie dem jungen Burschen entgegen, der sich ihr gegenüber niedergelassen hatte, die Flasche Wein stramm in seiner rechten haltend. Ein dümmliches Grinsen im Gesicht, Zähne so krumm und schief wie Schieferplatten und schulterlange und rötlich gestochenes Nusshaar machten die Erscheinung des jungen Mannes aus. Die Augenbrauen streng hinabgezogen, hatte die Unbekannte keine Lust auf geistloses Geschwafel, weshalb ihre Frage schneidend kalt kam. "Was willst du?" Das er nicht erstaunt, gar erschrocken oder verängstigt wirkte, stimmte die Dame skeptisch, derer hellen Augen unter der Kapuze hervorfunkelten. Zuerst entkam kein Wort seinen Lippen. Dann aber wackelte er mit der Weinflasche. Gluckernd drang der Klang des Inhalts zu ihr vor. "Ich möchte trinken... mit dir, oh Fremde... und dann deinen Körper in meinem Bette niederlegen...", der Alkohl, er sprach wohl aus ihm und seinem schielenden Blick, während er versuchte die Flasche zu öffnen. Sie blieb gefasst, obgleich ihr die Galle sauer stechend den Rachen empor kroch und sich bitter auf ihre Zunge legte. Demnach unbefriedigend klang die Antwort der Dame in seinen Ohren. "Ich glaube kaum, dass Kinder um diese Uhrzeit noch gut tun, wach zu sein. Geh nach Hause und schlaf deinen Rausch aus.", ihre Hand griff nach dem Laibchen Brot, welches sie als Wegzehrung für später einstecken wollte, als sie den Schweiß der seinen ihre Haut benetzte. "Ach kommt schon... ein Kind bin ich schon lange nicht mehr... lasst es mich beweisen...", erstarrt über seine Dreistigkeit, entriss sie sich ihm, als er seine Lippen auf ihren Knöcheln betten wollte. "Wagt es nicht!", zischte sie zu ihm hinab, nun Wut verspürend, welche ihr in Rottönen auf die Wangen fuhr.




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    • Langsam fuhr ein Arm hinter dem Burschen, aus dem Nichts heraus und eine Hand legte, sich behutsam auf die Schulter des Jungen. Die andere Hand der Gestalt hielt den Umhang vor der Brust zusammen, gebückt in ihrer Haltung, lies auch ihre gebrochene und heißere Stimmung erahnen, dass sie ihre besten Tage bereits hinter sich hatte, bevor der Junge geboren war. „Du wirst doch nicht ein Wiedersehen von Mutter und Tochter ruinieren wollen?“, dabei kam der alten Frau auch noch ein gackerndes Lachen aus der Kehle. „Aber danke, dass du auf sie aufpassen wolltest, bist ein Guter“, dabei klopfte sie ihm recht kraftlos auf die Schulter und schmiegte sich an ihm vorbei, als würde sie seinen Körper als Stütze benötigen. „Ah mein Kind“, krächzte sie und hielt ihre Hände der jungen Frau entgegen und drückte kurz deren Finger, bevor sie sich gegenüber des Platzes, auf dem die Frau zuvor gesessen war, niedersetze. Der junge Mann seiner Beute beraubt trottete davon in den heiteren Klang des Barden und dem Gelächter der Gäste, während das Lied des Musikanten den Raum weiter mit Frohlockung füllte. Die alte Dame stöhnte und streckte etwas ihren Rücken, wobei ihr die Kapuze hinunterrutschte. Die vorderen Strähnen der Frau waren in einem hellerem grau, das leichte Blautöne mit einfließen ließ, der Rest ihres Hauptes wurde von Kinnlangen graubraunen Haaren geziert. Die Augenringe und Falten der Frau zeichneten viele Geschichten in ihr Gesicht, die hellblauen Augen, die beinahe jede Farbe verloren hatte, deuteten darauf hin wieviel sie in ihrem Leben gesehen haben musste. Und das kecke Lächeln, als sie, „Bekomme ich von meiner Tochter den auch ein Gläschen zu trinken für ihre Rettung?“, wies darauf hin, dass sie nicht zum ersten Mal jemanden an der Nase herumgeführt hatte. „Und erzähl mir doch von deinen Reisen um mich zu unterhalten, du bist nicht von hier, nehme ich an?“
    • Die Ereignisse überschlugen sich, denn gerade als die Dame die Gaststätte verlassen wollte, regte sich eine kleinere Gestalt im Hintergrund. Ein altes Mütterchen, als hätte das Glück allein sie hergetragen, drängte sich zwischen die beiden, in welchem Abstand sich elektrisierende Spannung aufgebaut hatte. Sie empfing die Unbekannte als verlorene Tochter, eine jene, die wohl die Zeit forttrug doch immer wieder nach Hause zurückbrachte. Die Augenbrauen hochgezogen starrte sie auf die alte Dame hinab, die ihre Hände mit solcher Unverfrorenheit und doch wärmlicher Art und Weise in die ihren nahm, sodass der Bursche ob des von Lügen umwobenen Wiedersehens, unwissen doch im Moment, Reißaus nahm. Die Braunhaarige lies sich stockend in ihren Bewegungen auf den Platz fallen, auf welchem ihr viel zu junger Verehrer Platz genommen hatte und streckte dann, untermauert mit Knacken und Graumeln, ihren Rücken durch, ehe sie aus der Rolle fiel und ihr die krausen Haare ins Gesicht fielen. Zwei Strähnen fielen ihr ins Gesicht, so silbern wie morgendlicher Nebel im Herbst, gefolgt von einem Lachen, dass den Krähen dieser Jahreszeit gleichkam, ehe sie nach einem ihr wohl zustehenden Getränk verlangte. Gerade wollte die Fremde ihren Finger heben, zwei Gläser bestellend, da kam ihr eine Frage der alten Dame zuvor. Vor den Kopf gestoßen, zog sie ihren Zeigefinger zurück und senkte den Arm. "Nun, da ich mich wohl aus diesem Umstand nicht hinauswinden kann wie von unliebsamen Liebeleien, gestehe ich euch Recht zu...", ihre Arme nun vor der Brust verschränkend. "Meine Reise dauert schon einige Winter an... nie sehe ich ein Ende, aber stets einen Anfang der Wege, welche ich bestreite... ich habe keinen Herren und doch unterstehe ich jemandes Befehl, solange, bis meine Pflicht erfüllt ist.", das Mütterchen mit diesem kleinen Rätsel zurücklassend, erhob die Fremde nun doch nochmals ihre Hand. Als sie den Blick des Wirtes auf sich spürte, durchbrach ein "Zwei Gläser warmen Met, der Herr" das frohe Gesinge der Barbaren, die nun drauf und dran waren, sich gegenseitig mit Bier zu füttern.




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    • „Hah!“, gackerte die alte Frau und die Falten um ihre Wangen zogen sich bis zu den Ohren, während ihre Zähne funkelten und beim Lachen sogar kurz grunzen musste. „Dann bin ich mir jetzt gewiss“, dabei sah sie auf den Holztisch, der von den Jahren und vielen Gästen gezeichnet war, doch ihr Blick drang durch die Furchen des Holzes in das unendliche Nichts, während einer ihrer Finger zu ihrer silbernen Locke fuhr und mit dieser Spielte. Noch bevor ihr eine Frage gestellt werden konnte, knallten die beiden Humpen auf den Tisch, der fette Wirt war so ruppig wie immer dabei seinen Gästen die Getränke zu bringen. Seine offene Pranke, die von Schwielen gezeichnet war und deren Haut so trocken wirkte, dass man glaubte man könne seine Haut mit einem Windhauch abblasen, lag vor der jungen Frau. Kaum hatte er, weshalb er gekommen war, machte er auf der Stelle kehrt und verschwand auch wieder, so schnell er gekommen war. Die knochigen Finger der Frau schlangen sich um den Humpen, wie man es aus den Geschichten von Seefahrern hörte, die von Monstern der Tiefe erzählten, die sich mit ihren unzähligen Armen um ein Schiff schlangen, um es in die Tiefe zu reisen. Noch vor einem Moment war es um den Tisch noch laut gewesen, das Singen des Barden, das Grölen der Menge, das Rauschen des Windes, doch als die alte Frau den Krug umklammerte, war es als wäre sie inmitten eines Wirbelsturms. Es war still, nicht leiser, sondern STILL. Nichts war mehr zu hören, kein Wind, keine Lieder, kein Grölen. Gebrochen wurde diese Stille erst durch das laute Schlucken der Frau, als sie von ihrem Met trank, den Hölzernen Krug, aber behutsam auf den Tisch stellte und dennoch erklang das Abstellen des Kruges so deutlich, als hätte man inmitten der Nacht hinaus in die Dunkelheit gelauscht und auf ein Geräusch gewartet. „Du hast ihn gesehen, nicht wahr?“, dabei öffnete die Frau ihre Augen etwas mehr, doch ihre blauen Augen, die an einen blaugrauen Himmel im Herbst erinnerten, bohrten sich mit ihrem Blick weiter in die Untiefen des Tisches. „Groß, dominante Stimme, schwarzes kurzes Haar?“, dabei lächelte sie ein wenig schräg in den Tisch hinein, bevor sie sich nach wenigen Sekunden wieder fing und der jungen Frau ins Gesicht blickte. „Ihr teilt euch ein ähnliches Schicksal, du und er.“, Stille, jedes Wort der Frau, obwohl die Stimme gebrochen und krächzend klang, war so deutlich, als wäre sie in ihren besten Jahren, den kein Ton rund um die beiden, vermochte es die Unterhaltung zu stören.
    • Sie in Verwirrung zurücklassend, zwinkerte die Fremde unter ihrer Kapuze hervor, als das Mütterchen jenen rabenartigen Juchzer aus sich stieß und sich selbst komplimentierte. Irgendetwas stimmte in dieser Stadt ganz und gar nicht. Es war das verschrobenste kleine Eck dieser ach so schier endlos erscheinenden Welt, in welches sie je geraten war. Und möge es Götter geben, so wussten sie, dass dies die Wahrheit war. Die alte Dame nicht aus den Augen lassend, noch nicht einmal zur Seite aufblickend, als der Hausherr ihnen die bestellten Getränke auf den Tisch schluderte, umfasste die Namenlose ihren Krug und schon durchfuhr sie die Wärme des Mets, die sich wie kleine Nadelstiche durch ihre Haut fraßen und die schlanken, halbwegs gepflegten, doch karg vernarbten Hände aufwärmten. Fast schon zu fest umgriff die Unbekannte ihren Krug, als das Weiß ihrer Knöchel sichtbar hervortrat. Die Grauhaarige vor ihr tat es der jungen Frau gleich und mit einmal war es, als würde man ihr Watte in die Ohren füllen. Jegliches Geräusch, jeder Atemzug, jedes Lachen und jeder Schrei verebbte innerhalb von Sekunden und hinterließ die beiden Frauen in einer unsichtbaren Wand der Stille. Es war nicht das erste Mal, dass die Verhüllte auf Zauberei traf, doch durchfuhr sie die Erkenntnis, wie ein Blitz und sie konnte sich einen nervösen Seitenblick auf das nach wie vor rege Treiben in der Stube nicht verkneifen. Das Mütterchen hatte eine Barriere geschaffen, in welcher sie nun wohl ungestört sprechen konnten. Zuerst ward es der jungen Frau ein Rätsel, doch sollten die nächsten Worte der Alten Klarheit bringen. Sie beschrieb den Herren, jener junge Mann der sie in der Gasse anfing und nach der zuvor besungenen Nachtigall fragte. Zögernd kam ihr ein Nicken aus, leicht, kaum zu sehen, doch legte sich der Befragten Kopf dann doch sichtlich grübelnd schief. "Ich verstehe nicht… was hat das zu bedeuten? Noch nie habe ich jene Legende der Nachtigall gelesen, gar gehört. Was soll meiner mit dieser Sage zu tun haben? Ich… fern entsprungen in einem anderen Land, weiter weg als diese Geschichte wohl je reichen könnte.", die junge Frau stoppte kurz und lehnte sich nun selbst vor, sodass eine einzelne, dunkelblonde Strähne sich hinter ihrem Ohr löste und nach vor fiel, sich wie goldene Fäden auf ihrem Handrücken ausbreiteten. Sie zögerte, nahm einen Schluck. "Ich bin nur auf der Durchreise… und dieser… Mann… es gibt immer Menschen, die den Geschichten verfallen und sich selbst auserwählen, diejenigen zu sein, die sie vergöttern… sei es um Macht zu erlangen oder bloßen Schrecken zu verbreiten."




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    • „Nyaah“, krächzte die Frau und lächelte dabei, „Ich spreche nicht von deiner Vergangenheit liebes Kind, noch von deiner Zukunft, die euch verbindet, sondern eurem Jetzt und den Schwüren, die ihr geleistet habt. Frei und doch in Knechtschaft auf einer nie enden wollenden Reise.“, mit dem Zeigefinger streichelten die knöchrigen Finger über die raue Holzwand des Kruges, immer wieder schien sie den Fokus zu verlieren und in eine andere Welt zu reisen, doch nur auf einen kleinen Sprung, bis sie wieder in die Realität kam. Sie schien darüber nachzudenken, wie sie ihre nächsten Worte wählen sollte, lang waren die Jahre vorbei, in denen sie mit ihrem Charm und ihrer List den Leuten kleine Rätseln gab und sie auf Fährten lockte, ein Talent, das mit den Jahren eingerostet war, wie ihre Knie und ihr Rücken. „Er ist ein Bastard, erschaffen aus dem Bund eines Magiers und einer adeligen Tiefling. Als Waffe hätte er dienen sollen, um die Menschen zu vernichten, doch wie bei allen männlichen Wesen ist es oft eine Frau, die sie von ihrer Bestimmung abhält.“, kaum merklich spannte sie ihre Mundwinkel nach hinten, während ihr Zeigefinger um die Rundung des Bechers kreiste, „Sie zeigte ihm, dass es nicht seine Bestimmung war die Menschen zu vernichten, sondern die seiner Eltern. Er muss selbst herausfinden, wofür er lebt und ich glaube er versucht es noch immer“, nun blickte sie zu der jungen Frau hinauf und wischte mit der Hand vor ihrem Gesicht herum, „Ah, aber wie du schon sagtest, das Geschwätz einer alten Frau, die sich wohl wünscht die Geschichten wären war, vielleicht ist er auch nur ein Taugenichts der Nachts Frauen in Gassen auflauert, immerhin sind die Geschichten schon dreihundert Jahre alt. Die Nachtigall und ihr Schrecken sind bereits lange tot, aber man wird ja wohl noch Träumen dürfen.“, sie nahm einen kleinen Schluck vom Met und ein Tropfen lief über ihre gerissenen faltigen Lippen hinunter über ihr Kinn. „Aber während ich nur alte Geschichten für euch habe, habt ihr doch neue für mich! Erzählt einer alten Frau über euch, was führt euch auf euren Reisen? Was ist ihr Ziel?“
    • Sonderbar klar wirkte das alte Weib, während es die Legende jenes jungen Mannes erzählte, der ihr wohl so schwer in Gedanken und Herzen hing. Merklich beklommen wurde die Stimmung zwischen den Frauen, als die eigentliche Bestimmung des offenbar Schwarzhaarigen enthüllt wurde. Doch noch viel wichtiger war, dass die Unbekannte nach ihrer Ansprache mit viel mehr Rätseln und Fragen zurückblieb, als zuvor. Sie wusste nicht, was sie glauben, ob sie diesem Weibe vertrauen konnte... oder eher wollte. Es tat ihr in der Vergangenheit nicht gut, gutgläubig den Menschen nachzulaufen, die ihr zuletzt doch nur den Tod auf den Hals wünschten und versuchten jenen mit Stahl und Faust schneller gewähren zu lassen. Es war ein verhängnisvoller Augenblick, als sie über ihre rechte Schulter zurückgriff, nur um dort Vergangenes zu erfühlen, welches sich quer über ihren Körper zog. Wahrlich... sie war keine Freundin von Mythen und Märchen, doch ob ihrer ulkigen, doch gefährlich wirkenden Art, glaubte sie dem Mütterchen, während sie so über seine Person sinnierte, fast schon, als hätte sie den Herren selbst gekannt... fast, als wäre sie diese sagenumwobene Nachtigall, nach der sich Lied und Sang verzehrten. Was hatte es also zu bedeuten, dass er gerade ihr erschien? Wieso hatten ihre Beine sie hierhergeführt? Sollte sie sich nun auch auf die Suche nach dem Singvogel machen? Sie war sich sicher... sollte es dem so sein und des jungen Herren Schicksal war mit dem ihren, warum auch immer die Götter es so wollten, verwoben... würde er sie finden, oder sollte sie ihn finden? Gäbe es ein erneutes Zusammentreffen oder behielt er sie in..... sie stockte. Ihr Blick hatte sich am Tisch festgefroren, beinahe, als hätte man ihr Gift in den Met gemischt. Langsam ruckte ihr Blick empor. Sie lies ihn gewinnen, siegeshaft in ihre Gedanken eindringen. Verteufelte sie in jenem Moment diese unstillbare Neugier die ihrem Wesen innewohnte, so sehr wurmte es die junge Dame, dass dieses Ammenmärchen sie so reizte. Was tat sie hier? Sie kannte ihren Auftrag und hatte schon zu viel Zeit verloren. So kam ihr ein Seufzen über die spannungslosen Lippen und sie erfüllte der alten Dame ihren Wunsch. "Mein Ziel hat keinen Namen... es existiert nicht... ich wurde losgeschickt, fern dieser Ländereien, jenen Unterstützung zu geben, die sie brauchen. Meine Reise trägt mich von Ort zu Stadt, von Stadt ins Tal, vom Tal empor in die hohen Bergspitzen... ich bin keine Alchemistin, gar Apothekerin... ich erledige Aufträge für jene, die selbst nicht in der Lage sind... sei es dem übermitteln eine Nachricht, eines Gegenstandes, Reliquie... Besorgungen für Haus und Hof, für das Seelenheil... man schimpft mich Söldnerin, eine Tagelöhnerin... ich verlange kein Geld, nein. Doch ist vielen Menschen meine Arbeit jenes Wert, sodass meine Taten zu oft als unheilig, frevelhaft angesehen werden... "Für Geld macht diese Hündin doch alles"...", ein belustigtes Schnauben entkam der jungen Frau und auch in ihrem Munde wurde sie Süße des Mets erneut empfangen. "Nicht alles... ich verkaufe mich nicht für ehrloses... und ich töte nicht... nicht ohne Grund.", ein Glitzern erschien unter der Kapuze, als sie ihren Blick auf das alte Weib vor ihr legte. Sie erkannte den schimmernden Streifen des Mets, welcher sich den Weg über ihre verzogene Unterlippe gesucht hatte. Klein sind sie geworden, die sonst so wach erscheinenden Augen der Frau ihr gegenüber, die ihre Person nun etwas einschätzen konnte.




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    • „Ahh!“, jubelte das Mütterchen auf, wenn man das bei ihrer nur noch so schwach klingenden Stimme überhaupt noch so bezeichnen konnte. „Das trifft sich sehr gut, meine Liebe.“, sie blickte nach unten an sich herab, den hängenden Brüsten und kleinen Bauch hinab zu einer Bauchtasche, die sie bei sich trug und in der sie geschäftig kramte. „Die Straßen sind dieser Tage recht unsicher“, murmelte sie in ihr Kinn hinein und zog dann ein paar Kupferlinge aus dem Beutel, „Es ist nicht viel, dass ich euch geben kann. Aber würdet ihr eine alte Frau nach Hause begleiten?“ sie schob die Kupferlinge über den Tisch, die aneinander klimperten und wie ein kleiner Schatzhort aus fünf Münzen vor der Söldnerin zum Erliegen kamen. „Es ist nicht weit, nur zwei Straßen, aber meine Kniee sind schwach und ich könnte eine Stütze gut gebrauchen.“, als wäre ein Damm gebrochen schwappten die Klänge der Taverne über sie einher, erdrückend und schmerzend in den Ohren ertönte die kreischende Fiedel, das kehlige Gelächter und Brüllen der Meute. „Außerdem ist es spät und so eine alte Frau wie ich sollte schon längst in ihrem Bett liegen und dem Land der Träume beiwohnen!“