Ich küsse einen Psychopathen?! (Haruka & B.T)

    Diese Seite verwendet Cookies. Durch die Nutzung unserer Seite erklären Sie sich damit einverstanden, dass wir Cookies setzen. Weitere Informationen

    • Ich küsse einen Psychopathen?! (Haruka & B.T)

      @Haruka Watanabe

      Passend zum Frühling begann für Neele das Projekt "Neuanfang". Nachdem sie unterschiedliche Gespräche mit Psychologen, Umfragen ausgefüllt hatte und auch ein zwei Ärztliche Untersuchungen über sich ergehen lassen musste, hatte sie den Brief bekommen, dass man sich darauf freuen würde mit ihr zusammen zu arbeiten. Neele war also nachdem sie sich einmal psychisch vollständig nackig gemacht hatte, im Projekt aufgenommen worden. Neben den psychischen und auch körperlichen Beurteilung, wurde natürlich auch ihr privates Leben einmal komplett durchleuchtet. Neele hatte nie erwartet das sie es so weit in dem Auswahlverfahren schaffen würde, geschweige denn, dass man auch noch einen passenden Patienten finden würde. Sie schüttelte leicht den Kopf bei dem Gedanken und blickte sich im Spiegel genauer an. Sie überprüfte den Sitz ihrer schwarzen Stoffhose, die etwas ihre Rundungen an der Hüfte kaschieren sollte und ihren schönen Hintern aber zur Geltung brachte. Dazu trug sie einen enganliegenden Rollkragenpullover in Grau. Der Pullover und die Stoffhose waren sehr schick, aber nicht zu aufdringlich. Sie waren Schlicht und kaschierten ihre Problemzonen, hoben jedoch auch ihre Vorzuge hervor. Sie nickte zufrieden bei ihrem Anblick und musterte nun ihre Haare genauer. Was sollte sie mit ihnen machen? Offen lassen, hoch stecken oder nur flechten? Wenn die Haare offen wären, würden sie sie nur stören, Hochstecken wäre wohl etwas zu schick und eher etwas für ein Vorstellungsgespräch. Also würde sie die Haare einfach nur flechten. So würden ihr Rabenschwarzes Haar sie unterwegs nicht stören und es würde ihre eher unschuldige Art unterstreichen. Man hatte ihr bei den Vorbereitungsgesprächen erklärt, dass man für den Patienten den man ihr zugeteilt hatte, am liebsten jemand männliches gehabt hätten. Da dieser Patient ein Händchen dafür hatte die Frauen in seiner Umgebung um den Finger zu wickeln. Sie sollte dementsprechend am besten so wenig Haut wie möglich zeigen und am besten Unauffällig gekleidet sein, um diesen nicht in Versuchung zu bringen. Gut das sie darin Expertin war! Sie hatte zwar schon noch ein paar Figurbetontere Klamotten im Schrank hängen, aber diese waren meistens nicht so bequem wie der Rest. Außerdem war der Rest immer sehr ordentlich und schick. Dementsprechend super geeignet um sich im Alltag wohl zu fühlen. Erneut musterte sich Neele kritisch im Spiegel und nickte dann zufrieden. Die nächsten Wochen würden anstrengend werden, sie würde im ersten Monat ihren zugeteilten Patienten einmal die Woche treffen. Wenn dann beide Parteien sich gut verstanden, würde sie häufiger vorbei kommen bis sie dann in Phase zwei zusammen ziehen würden. Mit einem wild fremden Mann einfach so zusammen zu ziehen, bereitete ihr immer noch eine Gänsehaut.

      Nervös stand Neele vor dem Raum in dem sie nun gleich ihren zugeteilten Partner zum ersten Mal kennen lernen würde. Sie atmete einmal tief durch und trat dann, nach der Aufforderung des Psychologen durch die Tür. Ihr komplettes Gespräch würde von Experten überwacht werden. Als erstes viel Neele die hellweiße Einrichtung auf. Alles war schneeweiß. Die Wände, die Tür durch die sie gerade gekommen ist und auch die Tür gegenüber von ihr. In der Mitte stand ein Tisch mit zwei weißen Stühlen daran. An einem der beiden Stühlen saß zum krassen Gegensatz der hellen Einrichtung ein Mann. Dunkle Haare, sehr leicht gebräunt und in heller Patienten Kleidung. Sie hätte sich wohl etwas heller anziehen sollen, schoss ihr als erstes durch den Kopf. Als sie ihn genauer Musterte, bekam sie eine leichte Gänsehaut auf dem Rücken. Ihre Sinne nahmen die Gefahr die von ihm ausging unterbewusst war und schenkten Neele die Gänsehaut als eine Warnung. Innerlich schüttelte sie über diese Reaktion den Kopf. Es war klar gewesen, dass ihre Sinne sie vor dieser Person warnen würden. Rein logisch gesehen war es schon eine dumme Idee bei diesem Projekt mit zu machen. Tja nun musste sie da aber durch. Sie kam auf Haruka gemessenen Schrittes zu und reichte ihm ihre rechte Hand zur Begrüßung. "Guten Tag, ich bin Neele. Freut mich dich kennen zu lernen"
      Erst danach ließ sie sich leise auf dem Stuhl gegenüber von ihm fallen, verschränkte die Hände auf ihrem Schoß zusammen und wartete ab. Ihr Blick wurde von seinen purpurnen Augen angezogen und sie wunderte sich über diese ungewöhnliche Farbe. Ob das wohl Kontaktlinsen waren?
      Geliebt zu werden kann eine Strafe sein.
      Nicht wissen ob man geliebt wird, ist Folter.
    • Ich stand vor dem Spiegel und strich mir selbstzufrieden über das frisch rasierte, aalglatte Kinn und behielt den Wärter, der hinter mir an der Badezimmertür stand und mich die ganze Zeit unnachgiebig anblickte, im Auge.
      Mir entging nicht, dass er nervös den Griff seines Gummiknüppels festhielt, so als würde er etwas befürchten.
      "Wie lange dauert es noch", schien er seinem Gesichtsausdruck nach fragen zu wollen, jedoch gab ich ihm keine Gelegenheit dazu, sondern drehte mich um, machte einige schnelle Schritte zu ihm, drückte ihn grob an die Wand und leckte ihn ohne Vorwarnung über den Hals, als ich ihm schließlich auf Russich etwas Versautes ins Ohr flüsterte.
      "Lass den Scheiß", keuchte er entsetzt und mit russichem Akzent und drückte mich mit einer Hand ängstlich weg.
      "Wegen dir konnte ich tagelang kaum laufen. Ich will das nicht nochmal machen."
      "Ich mach doch nur Spaß", säuselte ich mit entwaffnender Miene und öffnete die Tür, wo mich mein Psychologe in Begleitung zweier anderer Wachen bereits erwartete.
      "Sind Sie bereit? Ihre Mentorin dürfte bald eintreffen."
      "Ja, Sir", reagierte ich auf die Antwort des streng dreinblickenden Psychologen und folgte ihm stumm.
      Die beiden Wachen liefen dabei dicht neben mir und hatten je eine Hand an ihren "Deeskalatoren", wie sie ihre Gummiknüppel intern nannten.

      Wir liefen bereits einige Minuten vom Badezimmer aus durch mehrere, durch die vielen Kameras unbehaglich anmutenden Flure und hatten dabei nicht weniger viele Schleusen mit Metalldetektoren passiert, als wir schließlich vor einer massiven grauen Eisentür stehenblieben, die von einer Wache aufgeschlossen und nach Innen hin geöffnet wurde.
      Das Innere des komplett weißen Raumes war beinahe vollständig leer.
      Nur in der Mitte standen ein am Boden verankerter weißer Tisch und zwei ebenso befestigte Stühle mit gleicher Farbe.
      Ich wurde mehr oder weniger freundlich gebeten, mich auf den von mir aus gesehen Linken der beiden zu setzen, was ich auch tat.
      Mein Blick fiel für einen Moment zur sich schließenden, von Innen weiß lackierten Tür und anschließend zum Psychologen, der sich mir gegenüber gesetzt und meine Akte auf dem Tisch ausgebreitet hatte.
      "Wie fühlen Sie sich?", fing mein Gegenüber an mit mir zu sprechen.
      "Gut. Was weiß diese Frau über mich?"
      "Ich habe ihrer künftigen Mentorin nicht jede Kleinigkeit über Sie erzählt."
      "Was genau?"
      "Warum Sie hier sind, was Ihre Ziele für die nächsten Wochen und Monate sind und welche Medikation vorgesehen ist."
      "Noch etwas?"
      "Nein. Sollte sie etwas wissen?"
      "Je weniger sie weiß, desto besser."
      "Gut."
      Der Psychologe blickte auf die Uhr.
      "Ihre Mentorin dürfte in wenigen Minuten eintreffen. Ich werde Sie nun allein lassen. Und denken Sie nicht mal daran, etwas anzustellen.
      Wir haben Sie im Blick."
      "Keine Sorge, Doktor Higgins", sprach ich unschuldig und war schließlich allein.

      Ich legte meinen Kopf auf den Tisch und dachte nach. Meine Vergangenheit... wie war ich hier reingeraten? Wer oder was war daran Schuld? Ich konnte mich an jenen Tag nicht mehr erinnern. Es war, als hätte ich geschlafen. Am Abend befand ich mich noch Zuhause in meiner Gesellschaft und am nächsten Morgen fand ich mich in meiner Zelle in der Psychiatrie wieder und alle behandelten mich so, als wäre ich schon immer hier gewesen. Dabei musste ich doch zurück zu meinen Leuten. Meine Freunde, meine Kameraden - ob sie mich nach all den Monaten wohl noch suchen? Vielleicht halten sie mich aber auch für tot oder glauben, ich sei einfach abgehauen. Insgeheim hoffte ich, diese Sache ist nur ein Traum, aus der mich mein ehemaliger Sergeant rausbrüllt, weil ich mal wieder den morgendlichen Apell meiner Schützlinge verpennt habe und ein schlechtes Vorbild und Kommandant sei.

      Ich horchte auf, als sich im Türschloss ein Schlüssel umdrehte und eine junge Frau zögerlich den Raum betrat.
      Hinter ihr stand der Psychologe, der mir kurz zunickte.
      Stumm musterte ich erst sie und anschließend ihre lange Kleidung. Sie haben diese Frau scheinbar über meine sexuelle Ansprechbarkeit bei Frauen in Kenntnis gesetzt und sie gebeten, so wenig Haut wie nur irgend möglich zu zeigen.
      "Wundert mich, dass sie dich nicht dazu gezwungen haben, eine Burka zu tragen, Neele", waren meine ersten Worte, gleich nachdem sie sich gesetzt hatte.
      "Zeig mir mal deine Hände", sprach ich, doch ohne auf eine Reaktion deinerseits zu warten, beugte ich mich leicht über den Tisch und griff nach deiner rechten Hand, welche ich mit meiner linken für einige Sekunden fest umklammert hielt und jeglichen Versuch der Gegenwehr mit purer Kraft und Dominanz im Keim erstickte.
      "Hab keine Angst, Neele."
      Ich strich mit meinem Daumen über deinen Handrücken. "Die sind so schön weich. Die können bestimmt gut massieren und gewisse Dinge reiben."
      Ich grinste betont frech und hielt deine Hand wieder los.
      Die Illusion deiner Gestalt würde mir noch große Dienstr leisten, auch wenn sie nur eine Momentaufnahme war.
      "Es wundert mich, dass man mir eine Frau zugeteilt hat. Vielleicht haben sie aber auch herausgefunden, dass auch Männer nicht vor mir sicher sind und mir deshalb eine Lesbe geschickt."
      Innerlich biss ich mir auf die Lippen. Wir kannten uns keine zwei Minuten und schon verhielt ich mich wie ein Arsch. Dabei wollte ich doch endlich raus hier, zurück in meine Gesellschaft.
      "Was genau hast du mit mir vor, Mentorin?"
      I'm a shape shifter at Poe's masquerade.

      Dieser Beitrag wurde bereits 1 mal editiert, zuletzt von Haruka Watanabe ()

    • Eine Burka wäre zumindestens eine Möglichkeit gewesen ihre Mimik in diesem Augenblick zu verstecken, schoss ihr durch den Kopf als Antwort auf seine Worte. Keine Minute später bewegte er sich auch schon so schnell, dass innerhalb eines Augenaufschlags ihre kühle rechte Hand in seiner warmen lag. Es war eine besitzergreifende Handlung seinerseits und sie spürte s, dass eine Gegenwehr nichts brachte. Er wäre um einiges stärker als sie. Also beobachtete sie ihn genau und versuchte sich in der Situation so gut wie es ging zu entspannen. Seine Worte, dass sie keine Angst haben sollte, überhörte sie kühl. Der Psychologe sagte ihr in einen der vielen Vorgesprächen, das sie zu Beginn ein Gefühl dafür entwickeln sollte wie er ist. Sodass sie Ihn besser verstand und lesen lernen sollte. Das sie sofort mit Körperkontakt überfallen würde, hatte ihr keiner Gesagt. Als er ihre Hand wieder los ließ, merkte sie erst, dass sie die Luft angehalten hatte und atmete hörbar wieder aus. Keine Sekunde später prasselten anzügliche Wörter auf sie ein und sie hob nur kritisch ihre Augenbrauen. Langsam legte sie ihre rechte Hand wieder auf ihren Schoß und blickte Haruka neugierig aus ihren eisblauen Augen an. Ob sein gesamtes Verhalten nur eine Maske war? Oder hatte er es wirklich so Nötig, das er alles in seinem Umkreis anbaggerte? dachte sie stumm und ihre Lippen verzogen sich zu einem kleinen Lächeln. "Tja eine Lesbe hätten sie wohl auch lieber, als mich genommen" erwiederte sie kühl. Menschen auf Abstand halten konnte sie. Ja sie wusste das sie häufig als Kühl und Arrogant bezeichnet wurde. Aber das ganze war genauso nur eine Maske, wie viele andere Menschen auch eine trugen. Desweiteren sahen Menschen auch immer nur das was sie sehen wollten. Sie zog sich sittsam an, zeigte selten Haut, interessierte sich mehr für Bücher als fürs Feiern und zwischenmenschliche Beziehungen ging sie auch so gut wie Möglich aus dem Weg um nicht verletzt zu werden. Diese ganze Situation, war nur eine gute Übung. Wenn sie Glück hatte wird ihr ja vielleicht doch noch ein einfacher Charakter zugeteilt?
      Erneut wanderte ihre Konzentration zu ihm und seinen Augen. Irgendetwas stimmte an ihm nicht. Sie wusste nur noch nicht was. Sie neigte den Kopf leicht schräg und studierte ihn, wie ein wertvolles Objekt das sie gerade der dunklen Erde entwunden hatte und nun als nächstes genaueren Untersuchungen würde. "Erstmal wollte ich dich heute näher kennen lernen." antwortete sie nach einer kleinen Pause. Sie lehnte sich auf dem Stuhl zurück, verschrenkte die Arme vor ihrem Körper. "Immerhin habe ich ja das letzte Wort, was die zweite Phase angeht. Wenn ich da nicht zustimme, müsstest du darauf warten, dass ein neuer Freiwilliger für dich gefunden wird" sie lächelte sanft und ihre Augen blitzten ihn herausfordernd an. Sie wusste das sie in dieser Phase am längeren Hebel saß, nur wenn sie mit ihm zusammen ziehen wollte, würde die nächste Phase statt finden. "und aktuell sehe ich nichts, was meine Meinung dahingehend positiv stimmt. Also versuch mich umzustimmen."
      Geliebt zu werden kann eine Strafe sein.
      Nicht wissen ob man geliebt wird, ist Folter.
    • "Ich hab es nicht nötig, dir zu Kreuze zu kriechen und dich anzubetteln, meine Mentorin zu werden. Entweder du nimmst mich oder du hast die letzten Wochen umsonst deine Zeit verschwendet."
      Ich wusste, dass mein Gegenüber am längeren Hebel saß, doch so einfach wollte ich es ihr nicht machen. Schließlich musste ich die Rolle des Psychopathen so überzeugend wie möglich verkörpern und Provokation war meines Erachtens für den Moment ein probates Mittel.
      Ich musste nur darauf achten, es nicht zu übertreiben. Denn ich wollte und durfte sie nicht verlieren. Sie war mein Ticket in die Freiheit, zurück zu meinen Freunden. Sobald ich draußen war, würde ich für Ablenkung sorgen und mich in anderer Gestalt unter die nächstebeste Menschenmenge mischen und für ihre Wahrnehmung für immer verschwinden.
      Doch bis dahin musste ich mich ihr unterordnen.
      "Also gut", entgegnete ich nach meinem inneren Monolog und beugte mich nach vorne.
      "Wie genau hast du dir das Umstimmen vorgestellt? Soll ich...einen Hampelmann machen? 20 Liegestütze? Ich kann auch etwas kochen, wenn dich das mehr interessiert."
      Mir war dabei ihr Blick nicht entgangen. Sie blickte mich an, als sei ich ein Alien. Eine für ihren Horizont völlig neue Spezies. Besonders meine purpurfarbenen Augen schienen sie zu beeindrucken. Ich dachte mir schon, wieso. Normale Menschen haben normale Augenfarben wie grau oder braun. Doch ich, ich war nicht normal. Ich bin das, was man einen Mutanten nennen würde. So wie die X-Men, nur bin ich kein Schauspieler, ich bin real.

      _____

      Im Raum nebenan saß der Psychologe und beobachtete uns durch eine Kamera, während er alles, was wir sagten abhörte und aufzeichnete.
      Dabei trank er eine Tasse Tee und knabberte ein wenig gelangweilt mit einem Arm den Kopf abstützend an einem Stück Kohlrabi.
      Irgendwann fiel ihm auf, dass Übelkeit über ihn hereinbrach und sich wie eine plötzlich auftretende Welle einen Schwall Erbrochenes aus seinem Mund über den gesamten Bildschirm und seinen Schreibtisch ergoss.
      Entsetzt sprang er auf und stolperte rücklinks über seinen Stuhl, knallte auf den grünen Teppichboden, als mehrere Wachen ins Zimmer stürzten um nach dem Rechten zu sehen.
      "Alles okay, Doc?", sprach eine der Wachen und half dem angeschlagenen Psychologen hoch und auf die dunkelbraune Ledercouch, während der andere mit einem Lappen notdürftig den Bildschirm saubermachte, damit unsere Überwachung gewährleistet werden konnte.
      "Irgendwas ist in dem Tee", mutmaßte der Psychologe energisch und griff sich an den Hals.
      "Das muss einer der Patienten gewesen sein. Diese undankbaren Rotzbälger."
      Der Doc schien in seiner Schimpftirade, die bis hierher zu vernehmen war,. jegliche Contenance verloren zu haben und beruhigte sich nur allmählich.
      Es sollte sich später herausstellen, dass dem Tee Rattengift beigemischt worden war.

      _____

      Die plötzlich auftretende Unruhe war auch in unserem Raum wahrzunehmen, jedoch schien sie mich nicht zu überraschen oder sonstwie zu berühren. Was kein Wunder ist. Schließlich hatte ich seinen Tee mit Rattengift vermischt und war, im Gegensatz zu meinem Gegenüber, darauf gefasst.
      Doch ich bin fein raus; sie können mich nicht entlarven, denn ich hatte mich als eine Wache verwandelt, von der ich glaubte, dass sie meine Spielchen durchschaut hat, die ich hier heimlich spielte. Und da man mit dem Gestaltwandel auch die Fingerabdrücke der Person, die man gerade ist übernimmt, dürfte jene Wache nicht mehr länger mein Problem sein. Sie würden schon bald seine Abdrücke auf der Packung mit dem Rattengift finden, die in einer Kammer steht, zu der er mangels Qualifikation keinen Zutritt hat und seinen Job verlieren.
      Ich grinste in mich hinein und durchbohrte mein Gegenüber regelrecht mit meinem Blick.
      Seit meiner letzten Aussage waren keine zehn Sekunden vergangen, auch wenn es sich aufgrund der aktuell beklemmenen Atmosphäre für sie länger anfühlen musste.
      "Du hast mir noch keine Antwort gegeben. Wie kann ich dich umstimmen?"
      I'm a shape shifter at Poe's masquerade.
    • Ihr Gegenüber reagierte mit Angriff, statt sofort nach zu geben. Natürlich hatte Neele nicht daran gedacht, dass er sofort nach geben würde. Sie hatte aber auch nich geglaubt das er sofort wie eine Bombe hoch gehen würde. Der Herr vor ihr hatte wohl mehr Probleme als der Psychologe ihr erzählt hatte. Es wurde still im Raum und man konnte nur unser leises atmen hören. Wollte sie mit jemanden der offensichtlich ein Problem hatte seine Impulse zu kontrollieren, zusammen leben? Ja er war gut anzusehen, selbstbewusst und wusste sicherlich auch wie er mit Frauen um zugehen hatte. Ihr Gegenüber war er bis jetzt aber eher anzüglich gewesen und frech. Gerade als sie dieses Gespräch beenden wollte, um zu gehen, ruderte er zurück. Ihr Kiefer verspannte sich und sie überlegte kurz. "Ich sagte ja, ich bin heute hier um dich besser kennenzulernen. Ich will nicht das du das machst was ich dir Sage, kochen kann ich auch selbst sehr gut. Ich möchte einfach herausfinden ob die zweite Phase für mich, mit dir, denkbar ist." Erwiederte sie ehrlich. Einige Sekunden nach ihren Worten ging der Tumult im Nebenzimmer los und Neele zuckte aufgrund der plötzlichen Geräuschkulisse zusammen. Sie blickte instinktiv in Richtung des Geräusches, ihre Nackenhaare stellten sich auf und sie atmete tief ein. Sie war nicht in Gefahr. Als ihr das bewusst wurde, viel die gesamte Anspannung genauso schnell von ihr ab, wie sie gekommen war. Langsam drehte sie sich wieder ihrem Gesprächspartner zu. "Erzähl mir etwas von dir. Was magst du? Womit verbringst du deine Freizeit am liebsten?"
      Geliebt zu werden kann eine Strafe sein.
      Nicht wissen ob man geliebt wird, ist Folter.
    • Ich lehnte mich nachdenklich zurück und überlegte eine Weile.
      "Naja, ich lese gerne. Momentan zwar hauptsächlich lyrische Texte, aber ich lese. Am Liebsten die Geschichten von Franz Kafka und Edgar Allen Poe. Wobei ich auch E.T.A. Hoffmann gerne lese. Daneben mag ich noch Videospiele. Aber die kann ich hier nicht spielen."
      Ich zuckte mit den Schultern, so als sei mir dieser Umstand egal, doch tief in mir drinnen fand ich es Schade.
      "Und ich schau gerne Anime. Naja, ich hab sie gerne geschaut. Damals, bevor ich hier gelandet bin. Anonsten..naja, ich betreibe noch Kampfsport. Nichts besonderes eben."
      Ich winkte ab, um der Bedeutung meines letzten Satzes mehr Ausdruck zu verleihen und war sichtlich bemüht, wie ein normaler Mensch zu klingen und alles zu verbergen, was darüber hinausging.
      Kein "ich verwandele mich gerne in andere Menschen" oder "ich kann durch Wände gehen und schleiche hier des Nachts heimlich durch die Anlage, um meine Fähigkeiten wieder zu trainieren, damit sie nicht eines Tages vollends verkümmern".
      Und auch meine gesamte Vergangenheit wollte ich für mich behalten, inklusive jener Monate im letzten Jahr, als ich mit meinen Kameraden in Afghanistan war und einen großen Taliban-Stützpunkt aushob. In den Medien hieß es immer, die US Army allein sei dafür verantwortlich, doch ohne uns wären sie nicht mal lebend in die Nähe der Anlage gekommen.
      Sowas schafft man nur, wenn die Kugeln, statt einen zu treffen, durch einen hindurchfliegen, sie an einem abprallen oder man wie in Matrix einfach ausweichen kann und man die Stolperdrähte mit den Granaten an den Türen einfach umgeht, indem man den Feind durch die Wände hindurch angreift.
      Für sie war ich nur ein normaler Psychopath mit einer seltsamen Augenfarbe und dabei sollte es nach Möglichkeit auch bleiben.

      "Und wie sieht es mit dir aus? Was machst du gerne in deiner Freizeit?"
      Ich beugte mich scheinbar interessiert nach vorne und war ein wenig erleichtert, als die Geräusche von nebenan langsam abklingten.
      Ein leichtes durchaus charmantes Lächeln machte sich auf meinem Gesicht bemerkbar, während ich mein Bestes gab, meinen bisher eher frechen Auftritt angenehmer zu gestalten. Schließlich war sie noch immer mein Weg nach draußen.
      Natürlich könnte ich mich einfach als eine andere Person verwandeln und hier rausspazieren, doch ich möchte hier legal raus. Nicht nur für mein Gewissen, nein auch für meine Freunde und Kameraden ist es das Beste, wenn ich keinen Ärger mache und unseren Status als geheime Parallelgesellschaft durch meinen Eigensinn gefährde.
      Schon mein vermeintlicher Onkel hatte mir wieder und wieder eingetrichtert, dass es für jeden von "uns" das oberste Ziel sei, unsere Existenz nicht Bestandteil der Wahrnehmung der breiten Masse zu werden zu lassen. Das würde seiner Ansicht nach aufgrund unserer Andersartigkeit nur dafür sorgen, dass die Leute uns aus Angst vor unseren Fähigkeiten diskriminieren und wir durch Propaganda das neue obligatorische Feindbild werden. Und von da aus ist es nicht mehr weit, bis ethnische Säuberungen und Rassenhass wieder Bestandteil der öffentlichen Wahrnehmung werden.
      I'm a shape shifter at Poe's masquerade.
    • Sie hörte ihn aufmerksam zu und musste etwas schmunzeln, als sie daran dachte, dass doch etwas normales in ihm steckte. Die Räumlichkeiten in Phase 2 würden nach den wünschen von ihm und auch von ihr mit eingerichtet. Zumindestens ihre privaten Zimmer, mit angrenzenden Bad. Die restlichen Räumlichkeiten sollten angeblich schlicht gehalten werden. Schon so manches mal fragte sich Neele wer wohl dieses kostspielige Projekt finanzierte. Viele Freiwillige machten dabei sicherlich nur mit, weil eine Wohnung gestellt wird und anschließend alles was zum Einrichten des privaten Raumes gekauft wird, auch behalten werden darf. Und man durfte es auch einfach nicht unterschätzen, das die Miete so einer Immobilie und die Nebenkosten sicherlich auch nicht ohne waren. Aber auch das würde übernommen werden. Das sind sicherlich genug Punkte um Freiwillige Personen für dieses Projekt zu bekommen. Wie viele Personen wohl genauso verrückt wie Neele waren sich auf so etwas wie heir einzulassen.
      "Also ich glaube ein Computer wird dir zwar in Phase zwei noch nicht gestellt, aber man könnte sicherlich darüber sprechen, dass du einen bekommst. So könntest du wieder zocken und Animes schauen, in deiner Freizeit" erwähnte sie freundlich. Die Athmosphäre im Raum hatte sich sichtlich entspannt und Neele freute sich darüber, dass er sich endlich auf das Gespräch so einließ, wie es gedacht war. Sie hatte aber noch immer das wage Gefühl, dass Haruka ihr etwas verheimlichte. Ja seine Hobbys waren echt, daran hatte sie keinen Zweifel, aber er erzählte ihr nicht alles.
      Sie nickte leicht, als er nun nach ihren Hobbys fragte. Sie lehnte sich entspannt zurück und lächelte, bevor sie sagte "Wie auch du, Lese ich sehr gerne. Aktuell bevorzug Studien und Berichte für mein Studium, aber auch gerne mal andere Bücher oder Romane. Ich bin da nicht so sehr festgelegt." Ansonsten machte sie ehrlichgesagt nichts in ihrer Freizeit. Lesen und Lernen. Ab und an mal einen Freund oder eine Freundin zum Kaffee trinken treffen und um sich sexuell zu befriedigen nutzte sie wie hundert anderer Personen wie sie auch, Online Apps. Ihr leben war überschaubar und das aktuell spannenste war dieses Projekt und danach hoffentlich ihre Abschlussarbeit bei ihrem Dozenten um ihr Studium abzuschließen. "Gehen wir mal davon aus, wir kommen in Phase 2 des Projektes und beziehen die Wohnung. Woran möchtest du dann am liebsten arbeiten?"
      Geliebt zu werden kann eine Strafe sein.
      Nicht wissen ob man geliebt wird, ist Folter.
    • "Ein Computer", säuselte ich mit einem Anflug von Melancholie in der Stimme,"wäre etwas wirklich schönes. Ich habe gehört dass dieser Anime mit diesen riesigen Titanen, die Menschen essen, ziemlich beliebt sein soll. Oder der mit der Schule voller Superhelden. Vielleicht kann ich die ja darauf schauen."
      Zwar hatte ich Bilder im Kopf, jedoch waren mir die Namen entfallen.
      Mein Blick fiel aus dem Fenster.
      "Titanen", murmelte ich und erinnerte mich an ein Gespräch mit meinem Onkel, das sich tief in mein Gedächtnis eingebrannt hatte.

      ___


      Ich war gerade im Begriff, das Haus in Richtung Schule zu verlassen, als mich mein Onkel zu sich rief.
      "Setz dich, Haruka", entgegnete er mit seiner gewohnt ruhigen Stimme und deutete auf das freie Kissen neben ihn.
      Auf den kleinen Tisch, der vor ihm stand, legte er mehrere Fotografien von übergroßen, aufgequollenen Menschen, die in riesigen Lachen von Körperflüssigkeiten lagen und deren offensichtlich viel zu großen Organe aus allen Körperöffnungen ragten.
      Der Anblick verstörte mich zutiefst und ich spürte, wie sich mir mein Magen umdrehte.
      "Warum zeigst du mir das?", fragte ich entsetzt und drehte mich von den Bildern weg.
      "Ich fürchte, schon bald nicht mehr unter den Lebenden zu sein und möchte dir etwas anvertrauen, bevor es für mich zu spät ist."
      "Wieso? Bist du krank?"
      "Nein", mein Onkel nickte.
      "Der Beruf als Enthüllungsjournalist brachte schon immer gewisse Risiken mit sich und wie es scheint, hab ich meine Nase dieses Mal zu tief in die Machenschaften der Elite gesteckt."
      "Was meinst du?", hakte ich nach.
      "Schon vor einer ganzen Weile wurden mir anonym Informationen über unterirdische Versuchslabore in China zugespielt, in denen neuartige Biowaffen und Medikamente erforscht werden, um die Leistungsfähigkeit ihrer Soldaten in neue Höhen zu treiben. Scheinbar plant China einen Krieg um wichtige Ressourcen wie Öl und sauberes Trinkwasser. Es möchte unabhängig von Importen anderer Länder werden und daher expandieren, sich die wichtigsten Rohstoffquellen der Welt einverleiben und letztlich ein Monopol für alles werden. Eine Weltmacht, die alle anderen unterjochen und mit ihren Ressourcen und Produkten von sich abhängig machen möchte und jede Regierung, die sich nicht fügt, bekommt Besuch von ihren im Labor herangezüchteten Übermenschen und wird in einer Nacht-und-Nebel-Aktion heimlich durch Gestaltwandler aus ihren Reihen ausgetauscht."
      Ich verstand nicht. "Und was hat das mit den Bildern zu tun?"
      "Die Menschen auf dem Bild sind die Opfer eines neuartigen Kampfstoffes, der ihre Körpergröße und damit die körperlichen Kräfte exponentiell steigern soll."
      Er legte mir ein Band des Mangas Shingeki no Kyojin hin. "Fast wie in dem Manga hier."
      Ich antwortete nicht, sondern dachte nach.
      "Ist das der Grund, warum du um dein Leben fürchtest?", fragte ich schließlich vorsichtig, nicht dazu Instande, das komplette Ausmaß seiner Erzählungen zu verstehen. Doch wie auch? Ich war 14 und hatte andere Dinge im Sinn.
      "So ist es, mein Junge. Als ich neulich persönlich in China war, hab ich eine der von meinem Informanten angegebenen unterirdischen Versuchslabore infiltriert und konnte diese Aufnahmen machen. Jedoch wurde ich entdeckt und konnte nur mit viel Glück fliehen."
      "Und jetzt haben sie dich gefunden und lauern dir seitdem auf?"
      "Ja. Ich bemerkte es erstmals vor einem Monat. Mein Gespür schlug nach langer Zeit wieder Alarm und sagte mir, dass sich ein Gestaltwandler an meine Versen geheftet hat."
      "So wie ich einer bin?"
      "So ist es, mein Junge. So wie du, nur mit einer schrecklichen Aura. Kalt und Böse."
      "Und was hat er noch gemacht?"
      "Er verfolgte mich tagelang überall hin, lauerte vor unserem Haus, gab sich als meine Arbeitskollegen aus, als Kassierer, als Taxifahrer. Er ist überall. Wie mein Schatten. Und das Schlimmste ist, dass er seit einigen Tagen nicht mehr alleine agiert, sondern Unterstützung bekommen hat. Er.."
      Mein Onkel unterbrach plötzlich seinen Satz.
      Er bemerkte an der Tür hinter mir den bedrohlichen, beinahe riesenhaften Schatten eines Mannes. //Jetzt dringen sie also schon in mein Haus ein?!//
      Schlagartig wurde mein Onkel kreidebleich und merklich ängstlicher, beinahe schon panisch.
      "Was hast du, Onkelchen?", fragte ich in Sorge und war überrascht, als er mich für eine Umarmung an sich drückte und mir ins Ohr flüsterte.
      "Diese Leute sind gefährlich und folgen skrupellos den gefährlichen Idealen ihres Anführers. Deshalb müssen sie aufgehalten werden. Doch ich bin alt und meine Kräfte lassen nach. Du hingegen bist noch jung und mit Kräften ausgestattet, von denen ich zeitlebens nur träumen konnte. Sollte ich eines Tages sterben, trauere nicht um mich. Trauer macht dich schwach und angreifbar. Im Falle meines Todes ist unter der Tatamimatte unter diesem Tisch ein kleiner Hohlraum versteckt. Darin befindet sich eine Truhe mit Geld, Flugtickets nach Amerika und ein Brief mit Anweisungen. Außerdem sind auf einem USB-Stick all meine Aufzeichnungen und Erkenntnisse wegen dieser Experimente gesammelt. Führe zuende, was ich begonnen habe und sei dabei nicht so dumm wie dein altes Onkelchen."
      "Du machst mir Angst", sprach ich sichtlich verwirrt und zeitgleich getroffen, als er mit den Worten 'du brauchst keine Angst zu haben, dein geliebter Onkel ist immer für dich da' durch mein strubbeliges Haar strich.

      Das waren zugleich seine letzten Worte an mich. Als ich am nächsten Tag von der Schule kam, war er tot. Unser Haus war bis auf die Grundmauern niedergebrannt und vollends zerstört.
      Von jetzt auf gleich verlor ich nicht nur alles, was mir lieb und teuer war, sondern auch - wie ich schmerzlich feststellen musste - der Stick mit den Daten und die Anweisungen, die ich in diesem Fall zu befolgen hatte.
      Der Anblick verbrannten Leichnams meines Onkels zerriss mir das Herz und krempelte mein Leben um 180 Grad um.
      Von offizieller Seite hieß es, er sei beim Rauchen eingeschlafen, doch ich ahnte, dass mehr dahdahintersteckte.
      So wurde dem einstigen Musterschüler wurde ein traumatisierter Meth abhängiger Jugendlicher ohne Heimat und Perspektive, der sich durch Tokyo vögelt, Läden ausraubt und mit Junkies abhängt.

      _____

      Eine dicke Träne floss mir die Wange entlang und tropfte schließlich auf den Tisch.
      "Ich wäre gerne Journalist", platzte es mit geröteten Augen aus mir heraus.
      I'm a shape shifter at Poe's masquerade.

      Dieser Beitrag wurde bereits 2 mal editiert, zuletzt von Haruka Watanabe ()

    • Neele wusste nicht das si emit ihrem Vorschlag genau ins schwarze getroffen hatte. Aber sie wusste, dass sie ohne ihren Laptop total aufgeschmissen gewesen wäre. Ihr Laptop war sozusagend ihr dritter Arm geworden und darauf waren alle wichtigen Dokumente für ihr Studium, Bewerbungsunterlagen und viele andere Dinge auch. Sie lächelte also zufrieden, als Haruka den Vorschlag offensichtlich dankbar annahm und anschließend über Dinge Sprach die er gerne mal sehen würde. Sie spürte die Sehnsucht die in seinen Worten lag. Sehnsucht die sich immer nur dann verspürte, wenn sie ein neues Objekt untersuchen durfte. Wenn sie es datieren konnte und dem Objekt eine neue Geschichte geben konnte und vorallem wenn das Objekt ein kleines puzzle Teil zu der menschlichen Vergangenheit ausmachte. Sie liebte es im Dreck zu wühlen und Objekte zu finden. Egal wie klein diese auch waren. Schon ein kleiner Bernstein der als Anhänger für eine Kette genommen worden ist, sagte einiges über die damalige Gesselschaft aus. Sie wusste das andere Personen andere Vorlieben hatte, aber das jemand so sehnsüchtig nach Serien sein konnte verwunderte sie ja dann doch. Obwol, wenn si egenauer darüber nach dachte, war es schon logisch. Immerhin war er hier drin von der Außenwelt komplett abgeschottet, er hatte keinen Laptop, kein Handy oder auch anderen Besuch. Der Psychologe sagte, das er keine Familie hätte, die sich für ihn interessieren würde. Genauso wie ihr Vater sich nicht mehr für sie interessierte. Sie hatte vollen Zugang auf das Familienvermögen und konnte im Grunde ein Flugzeug kaufen und das wäre ihm egal. Denn es war eine stille Absprache zwischen den beiden. Er hatte seine Ruhe vor seiner Tochter und sie konnte machen was sie wollte. Wenn es dazu gehörte, auch das Familienvermögen verprassen. Sie beschloss in dem Augenblick ihm einfach seinen Computer zu kaufen, wenn sie es in die 2te Phase schaffen sollten. Sie war mal wieder viel zu empathisch, rügte sie sich im inneren. Einer ihre kleinen Problemchen. Sie verstand nur zu gut, wie sie andere Menschen fühlten. Haruka Mimik änderte sich nur minimal, aber Neele bemerkte es. Sie erkannte auch, wie er langsam seinen Körperschwerpunkt veränderte. Offensichtlich erinnerte er sich an etwas, das ihn nachhaltig verändert hatte. Es war keine schöne Erinnerung und sein gesamte Körpersprache drückte dieses schlechte Gefühl aus, das nun auch über Neeles Körper strich. Es suchte einen Eingang in ihren Körper, diese negativen Schwingungen wollten sie überwältigen und sie an alles das erinnern, das sie in die letzte Ecke in ihren Bewusstsein gedrängt hatte. Sie straffte die Schultern und wappnete sich, den Drang aufzustehen und weg zu rennen, zu unterdrücken. Im nächsten Moment war dieses ungute Gefühl auch schon wieder verschwunden und Haruka vergoss eine Träne, bevor er sagte was er sich aus tiefster Seele wünschte. "Kannst du denn schreiben? Also gut schreiben, nicht so wie man es in den Schulen bei gebracht bekommt. Sondern wirklich spannend aber neutral?"
      Geliebt zu werden kann eine Strafe sein.
      Nicht wissen ob man geliebt wird, ist Folter.
    • Ich wischte mir mit einem Ärmel die Augen trocken und war über meinen plötzlichen Gefühlsausbruch beinahe schon beschämt.
      "Ich weiß nicht, ob mein Schreibstil dem eines Journalisten würdig ist. Am Besten ist es, dass ich mal etwas schreibe und du mich bewertest. Doch entschuldige mich kurz. Ich brauche einen Moment für mich und etwas zu trinken.'"

      Eilig stand ich auf, schritt schnellen Schrittes zur Tür und öffnete diese.
      Auf Englisch, der schon die ganze Zeit gesprochenen Sprache, erklärte ich dem für die Bewachung der Tür zuständigen Wärter meine Situation und er begleitete mich nickend mit einem Kollegen durch den Flur in ein angrenzendes Badezimmer.
      Ein weiterer Wärter stellte sich zu dir in den Raum und blickte dich unentwegt an, sprach jedoch während seiner gesamten Zeit bei dir kein einziges Wort, sondern musterte dich mit seinen braunen Augen.

      _____

      Währenddessen trank ich über das kleine Waschbecken des engen Badezimmers gebeugt einige Schlucke des eiskalten Wassers und wusch mir im Anschluss daran das Gesicht.
      Dabei beobachtete mich der Wärter, der nicht der Russe vom Beginn war, und blieb dabei ziemlich entspannt.
      Durch den Spiegel beobachtete ich ihn.
      Er hatte Augenringe, daraus schloss ich, dass er müde müde zu sein schien.
      Ich beschloss in meiner Fantasie, eine Schlafmelodie zu summen, um zu schauen, ob er vielleicht wegnickt, jedoch unterbrach er meinen Versuch schon nach wenigen Tönen harsch mit knappen: “lass den Scheiß!".
      Abrupt stoppte ich mein Summen, als am kleinen vergitterten Fenster, das knapp 2 Meter über dem Boden mittig an der vollends gefliesten Wand zu meiner Linken eingemauert war, ein Specht landete, der sich erst umschaute und anschließend anfing, mit seinem spitzen Schnabel unentwegt gegen die Fensterscheibe zu picken.

      Ein wenig erschrocken blickte ich in die Richtigung und war verwundert über die Anwesenheit eines Spechtes mitten in New York.
      Dann legte sich mein Fokus mehr und mehr dem Picken. Es wirkte irgendwie rythmisch auf mich, nicht zufällig, sondern einer bestimmten Abfolge folgend, fast wie - morsen?
      Als mir dies bewusst wurde, weiten sich keuchend meine Augen, meine Ohren spitzten sich und mein Körper spannte sich an mit der Absicht, jedes einzelne Picken zu verstehen und zeitgleich deuten zu können.
      //-D-I-N-G-E-//
      Mehr konnte ich nicht verstehen, als plötzlich der Wärter zum Fenster stürmte, seinen Arm nach oben hin ausstreckte und mit der flachen Hand gegen die Scheibe hämmerte.
      "Verschwinde endlich, du elendes Federvieh!", schrie er cholerisch und der Specht flog davon.
      // Fuck.//, knurrte ich innerlich.
      // Ich frage mich, ob er es war oder schlicht ein Zufall. Schade, dass ich nie Stochastik gelernt habe, sonst hätte ich es vielleicht berechnen können..//
      Jedoch kam ich nicht dazu, meinem Gedanken weiter nachzuhängen, da der Wärter anfing zu maulen, wann ich denn endlich fertig sei.
      Scheinbar hatte der Specht seine Laune schlagartig verdorben.
      "Es ist nur ein Vogel", witztelte ich und stellte das Wasser ab.
      "Jetzt bin ich fertig."
      Meine erste Bemerkung nahm er schnaubend zur Kenntnis und begleitete mich zurück zum Zimmer, wo du sicherlich schon undeduldig warten musstest.
      Als der Wärter die Tür aufgeschlossen und der schweigsame Kollege, der dich die ganze Zeit schweigend beäugt hatte, hinausgetreten war,
      schritt ich hinein und war ein wenig erstaunt, als er mit den Worten "Ich hasse Vögel", die Tür recht laut hinter mir ins Schloss fallen ließ.

      "Entschuldige die kurze Unterbrechung", sprach ich mit beruhigender Stimme und nahm wieder dir gegenüber Platz.
      Ich hatte mich wieder beruhigt und meine Emotionen im Griff.
      "Es hat ein wenig länger gedauert. Der Wärter hatte eine Auseinandersetzung mit einem Specht.
      Als ich im Bad war, dachte ich über unser Gespräch nach. Du erzähltest, dass du studierst. Erzähl mir mehr darüber, wenn du möchtest."

      Insgeheim hoffte ich, dem Specht noch einmal zu begegnen um seinen restlichen -ich ging noch immer davon aus, dass es einer war- Morsecode mitzubekommen, jedoch sollte es vorerst nicht dazu kommen.
      Stattdessen gesellte sich nun und ohne, dass ich Kenntnis davon nahm, eine Taube vor das kleine Fenster, dass auf gleicher Höhe wie jenes im Bad war, und blickte von außen zu uns hinein, während sie sporadisch gurrte.
      I'm a shape shifter at Poe's masquerade.

      Dieser Beitrag wurde bereits 1 mal editiert, zuletzt von Haruka Watanabe ()

    • Gerade als er sich begann ihr gegenüber zu öffnen, flüchtete er auch aus dem Raum. Er wollte einen Moment ohne sie und etwas zu trinken. Ohne einen weiteren Blick zurück zu werfen, verließ er den Raum, nachdem der Wächter zugestimmt hatte. Neeles Gedanken kreisten noch immer um Haruka und seinen Wunsch Jornalist zu werden. Das war ein sehr anstrengender und stressiger Job, je nachdem an was für einem Traumata oder eienr Störung er litt, wäre es wohl nicht die beste Berufswahl. Soweit sie wusste mussten Personen mit psychologischen Störungen einen festen Alltag mit geregelten Abläufen haben und am besten einen Job bei dem keine unerwartete Dinge passieren können. Ein Jornalist könnte das schon etwas zu viel sein. Mal sehen was der Psychologe dazu sagen würde, dachte sie sich und betrachtete ihre Fingernägel. Sie müsste diese mal wieder pfeilen, durch die letzte Ausgrabung hatte diese ganz schön gelitten. Immerhin hatte sie keine Schmutzränder unter den Fingern, aber an einzelnen Stellen waren sie abgebrochen und eingerissen. Sie müsste wirklich mal endlich darauf mehr achten, ihre doofen Fingernägel wöchentlich zu kürzen. Sie wuchsen einfach viel zu schnell. Seufzend blickte sie zur Tür und überlegte ob der Herr überhaupt zurück kommen würde oder ob die Stunde die man ihnen eingeräumt hatte schon zuende war. Es lief heute in diesem Raum nichts wie sie gedacht hatte, das zwar einerseits interessant war aber auf der anderen Seite auch wirklich nervig war. So nervig wie, wenn sie ein Objekt fand, es stundenlang gesäubert, untersucht und durch unterschiedliche MAschinen gejagt hatte um herauszufinden aus welcher Empoche es war. Nur um dann herauszufinden dass es aus unserem jetzigen Zeitalter stammte. Sie kräuselte bei dem Gedanken die Lippen und blickte erneut zur Tür, als sie ein Geräusch vernahm. Da setzte sich Haruka wie selbstverständlich wieder zu ihr an den Tisch, als ob er gerade nicht mehrere Minuten verschwunden war. Er war wie ausgewechselt und hatte offensichtlich wieder seine Maske zum Schutz aufgezogen. Das war nicht der Haruka der sie vorhin verlassen hatte, sondern wieder der Mann vom Anfang. Der genaustens abwog, in wie weit sie ihm helfen konnte hier raus zu kommen. Sie nickte ihm als Antwort nur zu hörte dann, dass er gerne etwas von ihr erfahren würde. In diesem Moment öffnete sich ihre gesamte Aura und Mimik, Ihre Augen begannen zu leuchten. "Ich studiere Geschichte und Archelogie" begann sie und überlegte einige Momente bevor sie weiter sprach. "Ich bin aktuell in meinem letzten Jahr des Studiums und nehme somit an unterschiedlichen Ausgrabungen auf der Welt teil um dann anschließend, meine Abschlussarbeit zu schreiben. Wenn diese geschrieben ist, kann ich offiziell mich auf Ausgrabungstätten bewerben und dort helfen, oder im idealsten Fall würde ich eine eigene Ausgrabungsstätte leiten" Sie erzählte noch Rund 10 Minuten darüber worin der Unterschied liegen würde eine eigene Ausgrabungsstätte zu führen und was dann passieren würde, wenn sie neue Entdeckungen machen würde. Sie könnte auf ihren Gebiet berühmt werden und eine ganz neue Geschichte erzählen durch die Fundstücker die sie entdecken könnte. Mit einem mal endete sie in ihrem Redefluss und sah sich etwas besorgt um, sie fühlte sich beobachtet. Die gesamte Zeit seid Haruka zurück gekommen war, hatten ihre inneren Alarmglocken geklingelt. Aber sie hatte es verdrängt da sie so beschäftigt war über ihr Studium zu schwärmen. Bevor sie ausmachen konnte von woher das ungute Gefühl stammen konnte, wurde die Tür hinter ihr geöffnet und der Psychologe kam herein. "Es freut uns, dass die erste Begegnung von euch beiden so positiv verlief" bei diesen Worten lag sein Blick einen Augenblick zu lange auf Haruka, bevor er wieder zurück zu Neele glitt. "Die Stunde ist nun aber leider vorbei und ich muss das Gespräch an diesem Punkt beenden. Nächste Woche zur selben Uhrzeit können sie dann wieder kommen Miss." Der Psychologe führte Neele gerade aus dem Raum, als sie im Augenwinkel eine Taube an einen der kleinen Fenster sitzen sah. Sie hörte hinter sich noch, wie der Wächter auch Haruka aus dem Raum raus führte.
      Geliebt zu werden kann eine Strafe sein.
      Nicht wissen ob man geliebt wird, ist Folter.
    • Interessiert lauschte ich den Ausführungen meines Gegenübers, verlor mich jedoch irgendwann in Phantasien. Ich stellte mich mir als Archäologe vor, der Spuren einer Menschenart findet, welche später als empirisch nachgewiesenes Bindeglied zwischen Mensch und Fisch gelten wird und damit die Aussage untermauert, dass alles Leben aus dem Meer komme und der Mensch vom Fisch abstamme. So würde ich schlagartig berühmt und mit Preisen überhäuft werden. Wie so ein Fischmensch wohl aussehen würde? Und wie würde man ihn nennen? Homo piscis? Weiter konnte ich meine Gedanken nicht ausführen, da nun der Psychologe den Raum betrat und verkündete, dass unsere Stunde vorrüber sei.

      Diese Feststellung betrübte mich ein wenig. Ich verabschiedete mich gerade, als mich der Wärter nach Neele aus dem Raum führte und in meinem Zimmer einsperrte.
      Seufzend fiel mein Blick auf die Uhr auf meinem sonst beinahe leeren Nachttisch.
      "Erst 16 Uhr. Ich hab Hunger."

      Die restliche Zeit bis zum Abendessen verbrachte ich mit Lesen.
      Dank meiner inzwischen recht umfangreichen Sammlung an Literatur hatte ich genügend Beschäftigung, wenngleich sie etwas eintönig zu sein schien.
      Doch so sehr ich auch wollte, ich konnte mich einfach nicht vollends in die spannende Thematik von Herman Mellville's Moby Dick vertiefen, sondern dachte an das Gespräch mit meiner künftigen Mentorin, meine Begegnung mit dem Specht und daran, was ich zuerst machen würde, wenn ich für einen Tag Freigang hätte.

      _______


      Die Taube vom Fenster verfolgte Neele geduldig aus sicherer Entfernung bis nach Hause und zog anschließend von dannen.
      Dabei überflog sie ein vollbesuchtes Football-Stadion.
      Es war das große Finale der beiden Favoriten der amerikanischen Football-Liga, welches von Zehntausenden begeisterten Fans besucht wurde, welche dicht an dicht gedrängt ihre Lieblingsteams anfeuerten.

      Nachts flog eine Krähe mit einem Brief im Schnabel zurück zum Wochnsitz und legte diesen
      vor der Haustür ab.
      Er war an "die Frau, die Haruka in der Anstalt trifft" adressiert.
      Im Inneren befand sich ein Zettel und ein zweiter, explizit an mich adressierter Brief.
      Der Zettel hingelegen enthielt die kurze Nachricht mit der Anweisung, den Brief an mich zu übergeben.
      Die Krähe saß die ganze Nacht hindurch bis in die frühen Morgenstunden auf einer nahegelegenen Stromleitung und schien über den Brief zu wachen.
      I'm a shape shifter at Poe's masquerade.
    • Neele verließ die Anstalt mit viel zu vielen Eindrücken und Gedanken im Kopf. Sie hatte sich das ganze ehrlich gesagt anders vorgestellt. Sie dachte es wäre nach dem ersten Besuch ganz klar, dass sie dieses Projekt abbrechen würde. Aber dies war bis jetzt noch nicht der Fall gewesen. Ihre neugierde war geweckt und wenn ihre Neugierde geweckt war, war sie normalerweise hoffnungslos verloren und kniete sich in die Geschichte hinein. Bis ihre Neugierde vollständig befriedigt war. Sie schüttelte über ihre Eigenschaft genervt den Kopf. Sie wusste ganz genau wie sie tickte und doch konnte sie es nicht verhindern oder gar ändern. Es wäre eine Eigenschaft, sie so sehr mit ihrem Charakter verknüpft war, dass es hätte weh tun können. Neele schlenderte richtung Innenstadt und holte sich erstmal einen Kaffee bei Starbucks und einen Muffin. Dann setzte sie sich nach draußen und hörte den Geräuschen zu. Die vielen Autos sie in der Innenstadt unterwegs waren, erkannte man an ein gängiges Rauschen. Vereinzelnt hörte man auch Vögelgezwitscher und am aufdringlichsten waren die Menschen. Diese redeten, schrien sich gegenseitig an oder vereinzelnt heulte jemand auch weinerlich. In der Stadt war immer schon so viel los, vorallem in New York. Der Stadt der Träume. Neele genoss ihren Schokomuffin mit sicken Schokoladen Stücken darin und ihren Kaffee mit nur einem Schuss Milch darin und beobachtete die Menschen Massen die sich wie Ameisen über die Straßen in Richtung Einkaufsmeile schlenderten. Viele sehnsüchtige Blicke wurden Neele zu geworfen, bevor diese Menschen weiter hetzten. Es war 16 Uhr und damit hatten die Menschen gerade Feierabend oder begannen gleich ihre Abendschicht. Sich einfach entspannt in ein Kaffee setzen konnten nur wenige und dementsprechend, war der Außenbereich vom Starbucks auch leer. Nachdem Neele sich erfolgreich gestärkt hatte und auch ihre Gedanken halbwegs geordnet hatte, machte sie sich auf den Weg zu ihrem Zuhause. Sie hatte ein kleines Stadthaus in der Nähe vom Central Park in einer Einbahnstraße. Die Straße war sehr ruihg und man konnte von dort aus zu Fuß innerhalb von 10 Minuten im Central Park spazieren gehen. Durch die Häuser drum herum und da das Gebäude in einer Einbahnstraße lag, war es sehr ruhig und abgeschieden. Die wenigsten Passanten verirrten sich in diese Straße und so gab es kaum Laufverkehr, bis auf die der Anwohner. Ihr Gebäude war eins von sieben Gebäuden innerhalb dieser Straße und ihres Stand am ende der Straße, sodass man es erst sah, wenn man der Straße, die einen kleinen Bogen machte, folgte. Als sie ihr historisches Altstadthäuschen erkannte, lächelte sie automatisch. Sie verband mit dem Gebäude gute und liebevolle Erinnerungen und so war das Gebäude ihr ein und alles. Es war ein typisches Backsteinhaus mit einer braunen Eingangstür und großen weißen Fenstern. Ein kleiner Vorgarten schmückte das Gebäude und mit den kleinen Hecken und dem Lavendel dahinter, hatte man immer etwas zu sehen. Denn der Lavendel zog die Insekten magisch an und so war der Vorgarten immer gut besucht. Ihr Gebäude hatte insgesamt drei Etagen und etwas mehr als 200qm. Die untere Etage bestand aus einer hoch modernen Küche, einem warmen Wohnzimmer und zwei weiteren Zimmern. In dem einem war ein Gäste Bad und hinter der anderen Tür befand sich das private Reich ihres Butlers Thomas. Er war soetwas wie ihr Ersatzvater gewesen und kümmerte sich um das gesamte Gebäude und auch um Neele. Er war ein ehemaliger Militärsoldat und war somit auch für Neeles Schutz verantwortlich, ihr Vater hatte an alles Gedacht nur nicht daran sich selbst um sein einziges Kind zu kümmern. Als sie die Tür aufschloss kam sie in einen kleinen Eingangsbereich, mit einem Schuh und Kleiderständer Rechts neben ihr und einer Treppe links an der Wand keine 3m vor ihr. Vor der Treppe links, waren das kleine Bad und die Tür in Thomas Reich. Im Grunde gehörte Thomas Links unten die gesamte Haushälfte sodass er eine kleine Wohnung in der Wohnung hatte. Wenn man zu ihm ins Zimmer kam, kam man in ein kleines warmes Wohnzimmer mit einem Kamin, einem Sofa und einer kleinen Leseecke. Zwei weitere Türen gingen von diesem Zimmer ab. Einmal in eine kleine Küche, in der nur ein kleiner Tisch mit zwei Stühlen saß und mit riesigen Fenster hinaus in den Garten. Und die zweite Tür führte in sein Schlafzimmer, darin waren nur ein Doppelbett und zwei weitere Türen. die eine Tür führte zu einem kleinen Begehbaren Kleiderschrank und die andere in ein Badezimmer. Rechts neben der Treppe führte ein breiter Gang geradewegs zur Küche, im Gang standen eine große altmodisch aussehende Kommode, auf die Neele immer ihren Schlüssel ablegte und an der Wand hingen vereinzelnt ein paar Naturfotografien. Bevor man jedoch in die Küche gelangen konnte, ging eine weitere Tür Rechts ab und führte zu einem großen und warmen Wohnzimmer. Auch hier befand sich ein Kamin und davor eine bequeme Sitzecke. Rechts davon befand sich ein kleiner Erker nach vorne zur Straße hin. Dort konnte man sich bequem auf einer gepolsterten Bank sitzen und nach draußen schauen oder eins der Bücher lesen aus den Bücherregalen Links und rechts neben den Erker. Die Bücherregale endeten kurz vorm Karmin und vor der Tür. Links von der Sitzecke war eine Terassenfront mit einem riesigen Fenster um Licht rein zu lassen und einer kleinen Glastür um hinaus auf die Terasse gehen zu können. Davor war ein schöner ovaler Holztisch mit Platz für bis zu sechs Personen zu finden. Vom Tisch aus konnte man sehen das mal eine Wand zwischen der Küche und diesem Zimmer stand, aber diese wurde eingerissen um eine art Wohnküche zu kreieren. So konnte man von dem Esstisch aus, perfekt in die große und hellde Küche die nur vereinzelnt warme Holztöne in Regalen besaß. In der Mitte stand eine Kücheninsel und an drei Wänden waren die Küchenschränke und Theken aufgebaut. Das Zimmer wurde durch weitere große Fenster erhellt und so hatte man immer genug Licht zum arbeiten. Die Arbeitsplatten waren auch aus einem hellen Holz das lackiert wurde und die Schränke waren weiß. Auf der Kücheninsel konnte man gleichzeitig bis zu 6 Töpfe auf dem Kochfeld nutzen. Der Backofen und die Mikrowelle waren an der Wand die man vom Tisch aus sehen konnte, links in der Ecke oben aufgestellt worden. So musste man sich nicht bücken und konnte bewuem im stehen arbeiten. Vor dem Backofen auf der Holzplatte war eine Feuerfester Bereich um die Heißen Bleche dort abstellen zu können, es war Platz für bis zu zwei Bleche und daneben standen einige Tassen die zu der großen Kaffemaschine daneben gehörte. Dort wo die Küchentheke endete, stand ein großer Mülleimer und dann ging auch schon die Tür hinaus zu flur. Rechts neben dem Backofen war bis zur nächsten Ecke nur Küchentheke und darüber waren geschlossene Holzregale. So hatte man genug Platz zum arbeiten und hatte den kürzesten weg zur Kücheninsel. Von der rechten Ecke ging erneut nocht mehr Küchentheke in Richtung des Essraumes, bis diese Theke von einem großen Kühlschrank beendet worden ist. Über dieser Theke waren die Fenster und darunter eine große Spüle mit Platz um gespültes Geschirr abzulegen. Links neben dem Kühlschrank innerhalb der Theke war eine Spülmaschine eingebaut, so nah an der Spüle, das man keine großen Wege zurück legen musste. Darüber stand neben dem Kühlschrank eine große Obstschüssel. Zu dieser war Neele nun unterwegs und holte sich einen Apfel. Thomas war zu dieser Uhrzeit meistens nicht Zuhause, da er im Park spazieren ging und so konnte Neele sich in die obere Etage in ihrem Arbeitszimmer verkriechen. In der oberen Etage befanden sich zwei Schlafzimmer, einmal ihr privates, dass auch das größere von beiden waren und ein kleines Gästezimmer. Jedes Zimmer hatte sein eigenes Badezimmer. Ihr persönliches Badezimmer war eine privatanfertigung gewesen. Es war sehr groß und geräumig um Platz für eine viereckige Wanne zu schaffen, in der Locker zwei Personen Platz fanden. Zusätzlich gab es eine kleine Dusche, eine Toilette einen Schrank für Handtücher und einen großen Spiegel mit einem hellen großen Badezimmerschrank davor in dem eine weiteres Spülbecken eingesetzt war. Der Raum war vollständig gefließt und auf dem Boden lag ein hellgrauer weicher großer Teppich um den Raum wärmer zu machen. Sie hatte für ihr Traumbadezimmer, das Kinderzimmer das neben ihrem Hauptschlafzimmer lag umbauen lassen und so ein einem kleinen Bad mit nur einer Toilette, ihr Hauptbadezimmer gemacht. Ihr Schlafzimmer hatte zusätzlich auch noch einen Begehbarenschrank. Von dieser Etage aus, führte eine etwas kleinere und steilere Treppe in das Dachgeschoss. Dort waren zwei weitere Räume und auch noch ein weiteres Badezimmer angesiedelt. Aktuell waren die beiden Zimmer da oben aber eher eine Abstellkammer, da sie dort die Sachen ihrer Eltern, die noch im Gebäude waren und die sie zu schade fand, zu verkaufen, unter gestellt. In ihrem Arbeitszimmer angekommen, hatte sie den Apfel schon aufgegessen und warf den Rest in den Mülleimer neben ihren Holzschreibtisch. Abgesehen von diesem Tisch war das restliche Büro sehr modern eingeräumt und vorallem wieder sehr hell. Es standen einige Vitrinen mit Kunstobjekten aus Ausgrabungen darin, vereinzelnte Gemälde und nur die Wand mit der Tür waren Bücherregale und Aktenordner zu finden. Dieses Zimmer hatte schon eher etwas von einem kleinen Museum und mitten drin stand ihr altmodischer Schreibtisch, mit mehreren Dokumenten und einem Laptop darauf. Der Schreibtisch stand auf einem dicken Teppich um den Holzfußboden , nicht zu beschädigen und daran stand ein bequemer Sessel in dem sich Neele nun setzte. Sie hatte ihre Schuhe unten im Flur in den Ständer gestellt und setzte sich nun in den Schneidersitz in den Sessel, öffnete ihren Laptop und fing an konzentriert nach einigen Dingen zu recherschieren.

      Am nächsten Morgen stand Thomas in der Morgendämmerung auf und holte die Post und die Zeitung herein. Thomas war ein Mann Anfang vierzig mit dunklen Haaren und braunen Augen. Er war sehr gut durchtrainiert und trug einfache Freizeit Kleidung. Er nahm die Post, legte diese auf die Kommode im Flur und begann in der Küche das Frühstück vor zu bereiten. Danach ging er hinauf um Neele zum Frühstück zu wecken. Diese kam einige Momente verschlafen und ganz zersaust aus ihrem Zimmer und trottete zu Thomas ins Esszimmer. Sie aßen gemeinsam ein paar Brote mit ihren liebsten Beilagen und etwas Obst. Dabei laß Thomas die Zeitung, den Teil mit den News hatte Neele. Entspannt saßen Sie dort zusammen, lasen, aßen und tranken KAffee.
      Als Neele endlich wieder wacher wurde, machte sie sich fertig und fuhr mit ihrem Auto, einem Ford Fiesta in Rot, in die Universität. Erst spät Abend kam sie nach Hause, aß dann gemeinsam mit Thomas, dass was dieser gekocht hatte und viel Müde ins Bett. Die nächsten Tage verliefen genauso. Erst am Montag Morgen hatte sie einen freien Tag und das war auch der Tag, an dem sie wieder in die Psychatrie gehen würde. Nach einem entspannten Frühstück, nahm sie die Post von der Kommode und verzog sich in ihr Arbeitszimmer. Sie arbeitete einen Brief nach dem anderen ab und runzelte mit der Stirn, als sie den Brief öffnete, der mit einem Brief für sie und einen Brief für Haruke bestückt war. Ein unangenehmes Gefühl breitete sich in ihrem Magen aus und sie hatte das Gefühl, das Haruka sie noch in Gefahr bringen würde. Wer zur Hölle wusste außerhalb der Psychatrie, das sie sich mit ihm Traf?! Sie und auch die Psychologen hatten Schweigepflicht. Genervt von der Situation packte sie alles für ihren Besuch bei Haruka, sie hatte heute ein Schachspiel dabei um zu sehen wie gut Haruka damit umgehen konnte zu verlieren. Den Brief nahm sie erstmal für HAruka mit, durfte dieser überhaupt Post bekommen?
      Geliebt zu werden kann eine Strafe sein.
      Nicht wissen ob man geliebt wird, ist Folter.
    • Als der Brief von einem Mann gemeinsam mit der anderen Post aufgehoben wurde, flog die Krähe Richtung Bronx davon und krähte mehrmals laut.

      _____

      Die meisten Nächte verbrachte ich mit Spaziergängen durch die Anlage in Gestalt einer Wache oder trainierte meine Fähigkeiten, durch Wände zu gehen. Meist tat ich dies simultan.
      Von Tag zu Tag spürte ich dabei kleine Fortschritte.
      Die Zeit, in der ich am Stück in fremder Gestalt bleiben konnte, verlängerte sich innerhalb von einer Woche um knapp 20 Sekunden, was für meine Umstände durchaus beachtlich war.
      Und auch die Zahl der Wände, die ich durchqueren konnte, erhöhte sich auf 5.
      Den versäumten Schlaf holte ich am Tage nach. Daneben nutzte ich die freie Zeit für Kickboxen, Lesen und Gesprächen mit dem Psychologen. In denen er mir manchmal eine Zeitung mitbrachte, damit ich wieder etwas am gesellschaftlichen Diskurs teilnehmen und mir eine Meinung und Argumentationsgrundlage für mögliche Diskussionen zu den aktuellen Ereignissen in Nee York bilden kann.

      Ich schöpfte aufgrund der Möglichkeit, mithilfe von Neele diese Einrichtung endlich hinter mir lassen zu können, neuen Mut und Hoffnung.
      Diese Attribute fehlten mir die ersten Wochen, in denen ich nicht verstand, warum ich hier war und deshalb mehrmals durchdrehte.
      Anfangs hielt ich das Ganze noch für einen Traum oder einen schlechten Scherz meiner Kameraden, dem man durch Selbstmord oder zumindest einer öffentlichen Ankündigung dessen entfliehen oder auflösen kann, jedoch verschlechterte sich dadurch meine Situation.
      In der Station für akute Notfälle, in der ich nach mehreren Ankündigungen und letztlich einem Versuch schließlich landete, wurden mir Medikamente verabreicht, die mich nicht nur ruhigstellten, sondern auch meine Kräfte unterdrückten und dafür sorgten, dass ich mich wie lobotomisiert und im Delirium fühlte.
      Jeglicher Wille zur Gegenwehr war wie verpufft; ich fühlte mich wie ein unglaublich müder Zombie.
      Erst seit einigen Wochen bin ich wieder auf meiner ursprünglichen Station und spürte mein Bewusstsein.
      Ich hatte gelernt, mein Schicksal zu akzeptieren und meine Kräfte insgeheim auf die Welt da draußen vorzubereiten. Dennoch verstand ich nicht, warum ich hier reingeraten war.
      Alle meinten, ich sei wegen meiner Psychopathie hier, doch das konnte nicht stimmen.
      Vielleicht litt wegen des Todes meines Onkels an PTBS, doch Psychopathie? Nein, dafür spürte ich zuviele Gefühle.

      Den Specht von neulich hingegen sah ich nicht mehr.

      Am Montag bat mich der Psychologe in sein Büro.
      Dort hieß es, dass meine künftige Mentorin bald eintreffen würde und ich mich vorbereiten solle.
      Dies tat ich. Nach einer Dusche, einer wie gewohnt sorgfältigen Rasur und einem schnellen Frühstück mit anschließendem Zähneputzen fand ich mich schließlich mit frisch nach hinten gegelten Undercut im gewohnten Besucherraum ein, in dem ich mich auf meinem Stuhl Platz nahm und wartete.
      Die Taube, welche dich den Weg zu mir begleitet hatte, machte es sich wieder am Fenster bequem und gurrte dabei sporadisch leise, ohne dass es meine Aufmerksamkeit erregte.
      Zwei Wachen hatten sich vor der Tür postiert und erfüllten dort ihre Pflicht.

      Ich überlegte, wie unser Gespräch ablaufen würde.
      Vielleicht dürfte ich ja schon heute hinaus in die Welt?
      Es gab so viel, dass ich tun wollte, zum Beispiel meine Freunde und Kameraden aufsuchen.
      I'm a shape shifter at Poe's masquerade.
    • Bei dem diesmaligen Besuch war Neele etwas heller angezogen. Sie hatte diesmal eine weiße Bluse und eine dunkle Hose an, so würde sie in diesem hellen Raum nicht wie ein bunter Vogel aufpassen. Ihr schwarzes HAar hatte sie diesmal einfach offen gelassen, um das weiß der Bluse etwas abzumildern. Mit dem Holzschachbrett kam sie dann beim zweiten mal viel selbstsicherer in den Raum hinein, begrüßte HAruka mit einem kurzen nicken und setzte sich dann auf den leeren Stuhl. Sie hatte den Brief in das Schachbrett geklebt, dort wo die SPielfiguren aufgehoben worden wurden, wenn das Schachbrett zusammen geklappt war. Der Wächter der das Schachbrett kontrolliert hatte, sagte nichts zu dem Papier im inneren und so konnte sie den Brief einfach hinein schmuggeln. Jetzt wo sie an dem Tisch saß, öffnete sie das Schachbrett. Blickte HAruka an und führte dann seinen Blick mit ihrem Blick hinein ins Schachbrett und nahm mit der rechten Hand die weiße Dame aus dem Schachbrett, sodass der Brief worauf sein Name stand, sichtbar wurde. "Ich dachte wir spielen heute eine Runde schach, während wir beide uns unterhalten" erklärte sie ruihg und holte alle Figuren raus um dann das Brett schnell umzu drehen. Das Schachtbrett stand nun mit der Spielseite nach oben und der Brief war zwischen Tisch und dem Schachbrett gefangen. Natürlich war durch das umdrehen der Brief nun auf der unterseite des Spielbrettes, aber dadurch das sonst dort die Spielfiguren lagen, war da genug Platz um durch den Tisch zu greifen um den Brief zu holen, wenn man denn diese Fähigkeiten hätte. So stellte Neele die weißen Figuren bei sich auf das Spielbrett und hoffte, das Haruka ihren dezenten Hinweis verstanden und vorallem auch gesehen hatte.
      Geliebt zu werden kann eine Strafe sein.
      Nicht wissen ob man geliebt wird, ist Folter.
    • Ich freute mich, Neele zu sehen, wenngleich ich es nicht zeigte und schon gar nicht aussprach.
      Stumm und aufmerksam beobachtete ich jede ihrer Bewegungen und war ein wenig über das Schachspiel verwundert.
      "Du möchtest Schach spielen?", entgegnete ich und beugte mich interessiert nach vorne.
      "Passt ja zu deiner Kleidung."

      Als sie das Schachbrett aufklappte, fiel mir ein Brief auf, der im Inneren der Spielfläche festgeklebt und unter den Schachfiguren verborgen war.
      Nachdem mein Gegenüber die weiße Dame entfernt hatte, wurde nun auch der Name sichtbar.
      // Ein Brief? Für mich? //
      Meine Augen weiteten sich für einen Moment und die Taube auf dem Fenster, welche seit deiner Ankunft angespannt und unnachgiebig durch das verdreckte Glas blickte, gurrte scheinbar zufrieden.
      Als Neele das Schachbrett schließlich auf den Tisch legte und der Brief damit unerreichbar war, seufzte ich in mich hinein. Ich wollte unbedingt wissen, um was für einen Brief es sich handelte.
      War es ein Brief meiner Kameraden gewesen? Hat der Specht von neulich mir geschrieben oder war es am Ende Neele selbst? Aber warum sollte sie das tun? War es ein Liebesbrief? Will sie mir etwas superheimes anvertrauen, dass niemand wissen soll? Oder ist das Ganze eine Falle und ich werde beim Öffnen des Briefes mit Rizin überrascht, dass ich einatmen könnte, was mit hoher Wahrscheinlichkeit für meinen Tod sorgen würde?
      Ich schlug mir alle Gedanken aus dem Kopf und konzentrierte mich nun auf das inzwischen auf ihrer Seite aufgebaute Schachspiel auf dem Tisch.
      Stumm nahm sie die schwarzen Figuren und stellte sie nach und nach auf meiner Seite auf.
      "Ich fürchte, das wird ein kurzes Spiel. Ich war nie gut in Schach. Doch ich kenne jemanden, der im Schach ein Naturtalent ist. Wenn ich hier rauskomme, stelle ich ihn dir vor."

      Wider Erwarten lief es für mich besser als erwartet. Ohne wirklich zu wissen was ich tat, schlug ich ihren weißen Bauern.
      Um jedoch an den Brief zu gelangen, schlug ich ihn mit etwas zu viel Kraft, sodass er auf den Boden fiel und unter den Tisch kullterte.
      Mit flinken Bewegungen kroch ich unter ihm und hob sie auf.
      Dabei griff ich von unten durch den Tisch und riss den glücklicherweise recht schlampig angeklebten Brief mit geringem Kraftaufwand ab und ließ ihn in der Tasche meiner Hose verschwinden.
      Anschließend kam ich unter dem Tisch hervor, setzte mich zurück auf meinen Stuhl und legte den weißen Bauern neben dem Brett ab.
      Dabei nickte ich kurz unauffällig als Zeichen des Empfangs und tat anschließend so, als sei nichts gewesen.
      "Entschuldige. Du bist am Zug. Spielst du auch außerhalb unserer Treffen Schach oder bist du Schach-Jungfrau?"

      ____

      Im Nebenzimmer saß der Psychologe und beobachtete uns. In sein Protokoll notierte er sich stichpunktartig für ihn relevante und auffällige Dinge.
      Meine Aktion unter dem Tisch zählte nicht dazu.
      I'm a shape shifter at Poe's masquerade.
    • Haruka beobachtete ihr Auftreten mal wieder ganz genau und war etwas irritiert über das Schachspiel. Zumindestens war er interessiert und hatte das Schachspiel nicht von anfang an abgelehnt. Somit beeilte sie sich mit dem Aufbau und erkannte das er ihre Bewegungen genau beobachtete und somit schnell den Brief für ihn erkannt hatte. Wir er anschließend daran kommen sollte wusste sie auch noch nicht. Mal sehen dachte sie und begann dann den ersten Zug, seinen Kommentar zu ihrem Outfit überhörte sie stur. Sie war halt nicht wie ihre Altergenossen, sie zog sich gerne Schlicht und bequem an. Damit musst er halt klar kommen.

      Schach spielen gehörte nun nicht zu Neeles besten Eigenschaften, ja sie konnte es spielen und hatte auch ihren Spaß dabei es zu tun. Aber umso häufiger sie verlor umso mehr steigerte sie sich dann auch in das Spiel hinein nur um ein einziges mal zu gewinnen und so konzentrierte sie sich auch jetzt mehr auf das Spiel als auf ihre Umgebung. Umso mehr regte sie sein Kommentar mit der Schachjungfrau auf, als Rache für dieses Kommentar setzte sie ihn etwas mehr auf dem Brett unter Druck indem sie ihre Dame so setzte das sie in einem Zug den König besiegen könnte. Die Dame war jedoch auch soweit geschützt, das man sie zwar hätte nehmen können, aber nicht ohne dessen Spielfigur sofort zu verlieren. Sie lächelte zufrieden, als sie die doppelte Falle endlich aufgebaut hatte. Würde er ihr die Dame wegnehmen und somit in die Falle tauchen und anschließend auch seine Dame verlieren?
      Geliebt zu werden kann eine Strafe sein.
      Nicht wissen ob man geliebt wird, ist Folter.
    • Ich konzentrierte mich auf das Schachspiel. Zwar wusste ich teilweise nicht wirklich was ich tat, erinnerte mich aber an Tipps und Schachzüge eines bestimmten Menschen meiner jüngeren Vergangenheit, sodass ich es irgendwie schaffte, 10 Züge zu überleben und mehrere deiner Figuren zu schlagen.
      "Sagt dir Witja Sokolov etwas?", fragte ich, während ich einen deiner Läufer schlug.
      Als du im folgenden Zug deine doppelte Falle platziert hattest, überlegte ich einige Augenblicke.
      "Interessanter Zug...eine Falle...lass mich überlegen... ."
      Meine Augen weiteten sich plötzlich, als ich es realisierte - mir kam diese Falle so bekannt vor. Doch wo hatte ich sie schonmal gesehen?
      Ich starrte regelrecht auf das Brett und betrat meinen metaphorischen Gedankenpalast.
      Gedanken zogen blitzschnell an mir vorbei und es dauerte nicht lange, bis eine bestimme Informationen vor meinem geistigen Auge auftauchte:
      _________

      Ich saß mit einem schnuckeligen Jungen im zarten Alter von kaum mehr als 11 Jahren in einem Hotelzimmer vor einem Schachtisch und spielte.
      Seine Beine baumelten in der Luft.
      "Du wirst immer besser, Papa", entgegnete er auf russisch.
      "Aber du bist trotzdem noch grottenschlecht."
      Der Junge kicherte und fing an, die Figuren auf dem Brett auf den jeweiligen Seiten zu platzieren.
      "Ich bin Stolz auf dich, Witja."
      Ich lächelte sanft und wuschelte liebevoll durch sein rotes Haar.
      "Dieser Zug von eben, irgendwie hab ich nicht verstanden, was ich falsch gemacht hab."
      "Ich zeig's dir."
      Mit flinken Fingern setzte er die Figuren zurück und baute seine Falle wieder auf.
      Ausführlich erklärte er mir die Falle, wir redeten weiterhin auf russisch, und zeigte mir meinen Fehler.
      "Ungeübte Schachspieler übersehen sie leicht, denn sie ist nicht leicht zu sehen, leicht einzusetzen und kaum zu kontern. Es sei denn", Witja griff einen Springer und fuhr fort, "du machst das hier."

      ______

      Wie automatisch bewegte sich meine Hand über das Brett, schnappte sich meinen verbliebenen Springer und mit nur einem Zug konnte ich nicht nur Neele's Falle komplett lahmlegen, sondern auch selbst eine stellen.
      Die Augen der Taube am Fenster glitzerten. Sie sprang auf und flatterte energisch mit ihren Flügeln.

      Etwas erschrocken drehte ich mich und blickte hinauf zum Fenster.
      "Was die hier wohl will?", fragte ich in deine Richtung und war mir der Auswirkung meines genialen Schachzuges nicht bewusst.
      I'm a shape shifter at Poe's masquerade.

      Dieser Beitrag wurde bereits 3 mal editiert, zuletzt von Haruka Watanabe ()