All the way up [Alea&Asu]

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    • All the way up [Alea&Asu]



      Es war wieder einer dieser Morgen, an denen Gale sehr lange an dem Kiosk stehen blieb, der einen Zeitschriftenständer vor seiner Tür stehen hatte. Er nahm sich etliche Minuten, in denen der große, gut gebaute junge Mann in aller seelenruhe durch die Zeitschriften blätterte, an denen sich sonst nur Frauen aufhielten. Seine Augen überflogen in Sekunden die einzelnen Seiten, nur wenig schien sein Interesse zu wecken. Kaum einer wusste, dass Gale sich mit dem Inhalt dieser Modezeitschriften meist besser auskannte, als die meisten anderen Männer seines Alters. Es scherte sich auch niemand wirklich darum. Denn hier schien ihn keiner zu kennen.



      Gale hatte sich seine Haare wieder zu einem Pferdeschwanz nach hinten gebunden, nur zwei Strähnen blieben lose links und rechts neben seinem Gesicht. Sie rahmten es markant ein und betonten seine tiefgrünen Augen, die ihr Strahlen nie verloren hatten. Nach seinem tiefen Fall hatte er sich aus der Öffentlichkeit zurückziehen müssen. Sein Ruf war dermaßen schlecht, dass er sich an den Rand der Stadt geflüchtet hatte und sich hier einen neuen Job suchen musste. Dass der Besitzer des Cafés, in dem er nun arbeitete, ihn zufälligerweise doch kannte und sogar ein Fan seiner Blütezeit war, half ihm gewaltig.
      So durfte Gale in Ruhe seiner zweiten Liebe nachgehen: Kaffee. Wenn ihm etwas durch die stressigen Nächte des Modelbusiness geholfen hatten, dann die Tassen Kaffee am morgen danach. Hinter dem Tresen konnte er sich nun anderwertig ausleben, obzwar dies nicht das war, was er sich als erstes gewünscht hätte.
      Es war Vormittag, aber seine Stammkunden ließen nie lange auf sich warten. Einige von ihnen, vor allem die Cliqué von 5 jungen Mädchen, kamen nur wegen ihm fast jeden Morgen vor der Schule her. Sie himmelten den Barista regelrecht an, der gekonnt höflich, aber distanziert, bediente. Die anderen waren meist Leute auf dem Weg zur Arbeit, die sich einfach an dem guten Kaffee erfreuten.
      Hier hatte Gale seine Ruhe. Durch diese Arbeit kam er nie in Versuchung, niemand löste einen Anfall aus, da es ein schnelles Kommen und Gehen war. Seine Zeit hier war besiegelt, und fast wäre er damit auch völlig zufrieden. Wäre da nicht dieses Unbehagen, das in seiner Magengrube lag. Dass etwas nicht richtig sei, nicht stimmte. Nur konnte er nie seinen Finger darauf legen.

      @Alea CroniX

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      "I rather trust and regret than doubt and regret"
    • Jeffrey hatte einen neuen Schützling zu gewiesen bekommen, wobei "neu" nicht ganz richtig war. Es handelte sich um Model aus früheren Zeiten, dass sehr berühmt war und wie ein Komet einen steilen und strahlenden aufstieg hatte. Doch er geriet auf Abwege, war nur noch wegen Negativschlagzeilen in aller Munde und dann auch bald vergessen. Doch die Modelagentur "Copperfield" wollte einen nie dagewesenen Clou wagen und das Ex-Model Gale Highard wieder auf den Laufsteg zurückholen. Und da Jeffrey schon immer ein gutes Händchen hatte, wenn es um eher schwierige Fälle ging, vertraute man ihn diese Aufgabe an. Außerdem wurden Stimmen in der Designerszene laut, dass sie mal wieder ein altes Gesicht sehen wollten, da auch sie sich nach der alten Glanzzeit sehnten.
      So stand Jeffrey vor dem Café, in dem angeblich das Ex-Model als Barista arbeiten sollte. Das hatte er über ein paar Reporter herausgefunden, die im Fall der Fälle oft von Ex-Stars den Aufenthaltsort wussten, nur um dann die ersten sein zu können, wenn es was Brisantes zu berichten gab. Mit einem tiefen Seufzer und einem Foto in der Hand betrat er das kleine Lokal. Das Aroma von frisch gerösteten und gemahlenen Kaffeebohnen stieg einem sofort in die Nase, eine wahre Wohltat für Kaffeeliebhaber. Immer wieder sah der Aschblonde auf das Bild und kniff dann die Augen zusammen, um jemanden erkennen zu können. Ausgerechnet heute hatte er seine Brille vergessen und an seine Kontaktlinsen hatte er auch nicht gedacht, als er sich heute Morgen fertig gemacht hatte. Dabei hatte sich Jeff extra heute feinsten Zwirn angezogen, um einen guten Eindruck bei Gale zu machen. Es half wohl nichts und so stellte er sich in der Schlange an. Das kleine Café war recht gut besucht und so wartete er doch fast zehn Minuten bis er an der Reihe war. "Guten Morgen, einen Milchkaffee, bitte, zum hier trinken." bestellte er und sah sich den Barista ganz genau an. Auch wenn er jetzt einen Bart hatte und vielleicht hier und da ein paar Falten mehr, war es unverkennbar Gale Highard. Jeff ging zwar auf Nummer sicher und sah sich den Mann noch einmal genauer an als er direkt vor ihm stand, doch er hatte keine Zweifel. Diese stählend, grünen Augen gehörten eindeutig zu ihm. Mit seinem Milchkaffee setzte sich der Manager an einen freien Tisch und wartete darauf, dass es etwas leerer wurde. Er wollte keine unnötige Aufmerksamkeit erregen, da die Agentur das Wiedererscheinen des Ex-Models so lange wie möglich geheim halten wollte. Sein erster Auftritt in der Öffentlichkeit sollte wie eine Bombe einschlagen.
      "Vergessen ist wie eine Wunde. Es mag zwar verheilen, aber dabei wird es eine Narbe hinterlassen."
      Monkey D. Ruffy


      Quelle
    • Mit der Zeit hatte Gale ein Auge dafür bekommen, welche Berufe seine Kunden ausüben mochte, ausgehend von der Kleidung, die sie trugen. Einige waren leichter zu kategorisieren, andere hingegen schwieriger. Als er jedoch einen aschblonden Mann in viel zu teurem Zwirn bediente, entgleiste ihm für den Bruchteil einer Sekunde die Mimik. Im Gegensatz zu Jeffrey wusste Gale sofort, wer da gerade vor ihm stand.
      Genauso schnell wie sein Blick entgleiste hatte er ihn wieder gefangen. "Sie wünschen?", fragte er wie üblich und nahm den Milchkaffee als BEstellung auf. Routiniert bereitete er das Getränk zu und verzierte es mit etwas Latté Art. Er reichte die Tasse samt Zucker, Keks und Löffel einem Kellner, der dem Mann sein Getränk brachte. Er hatte sich ziemlich im hintersten Eck gesetzt und schien immer auf etwas zu schauen. Vom Tresen aus konnte Gale nicht sehen, was es war, doch er hatte durchaus den musternden Blick von Jeffrey Clearwater auf sich spüren können. Er war sich nur noch nicht sicher, ob es ihn freuen oder eher besorgen sollte. Fakt war, dass er auf ihn wartete. Und das vermutlich solange, bis das Café leer war.
      Tatsächlich dauerte es bis fast mittags ehe sich eine relative Ruhe einstellt hatte und Gale sich etwas zurücknehmen konnte. Er setzte einen Espresso auf, den er anschließend selbst zu Jeffrey brachte. "Wüsste ich es nicht besser würde ich meinen, Sie suchen jemand speziellen", sagte er in einem beiläufigen Tonfall als er die winzige Porzellantasse nahe seiner Kundschaft auf den Tisch abstellte.
      Dann machte er kehrt und ging zurpck zum Tresen. Dort waren nun etliche der Barhocker frei, sodass man ohne Schwierigkeiten den Sitzplatz wechseln konnte. Unterdessen hatte sich Gale ein Leinentuch genommen und trocknete Tassen ab, die er vorhin gewaschen hatte.
      Sicher hatte sich Gale schon Gedanken gemacht. Dass jemand wie Clearwater dieses Café am Rande der Stadt aufsuchte, konnte faktisch kein Zufall sein. Außerdem hatte er nun sehen können, dass er tatsächlich von Foto von ihm bei sich trug. Alles deutete darauf hin, dass man ihn zurück ins Business holen wollte. Aber damit schoss man sich doch eigentlich ins eigene Fleisch.

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      "I rather trust and regret than doubt and regret"
    • Seinen Kaffee hatte Jeff schon lange ausgetrunken und selbst den kleinen Keks gegessen, den man ihm dazu gelegt hatte. Er hatte sein Smartphone hervorgeholt und checkte eine paar E-Mails und Termine. Das ältere Bild von Gale Highard lag währenddessen offen auf dem Tisch und immer wieder sah er darauf und dann in die Ferne. Wirklich sehen konnte er den Dunkelhaarigen nicht, er suchte auch nicht mit seinem Blick nach ihm. Eher starrte er Löcher in die Luft, fragte sich wie, ein so ein talentiertes Model so tief fallen konnte. Nun, die Erklärung war echt einfach. Gale hatte nie einen Manager gehabt, der auf ihn aufgepasst hatte, ihn vor falschen Freunden gewarnt hatte und ihn vor Fehlentscheidungen bewahrte. Wäre er doch nur damals sein Schützling gewesen. Doch es brachte nichts, die Vergangenheit zu bedauern. Er musste jetzt aktiv werden. Da kam ihm aber jemand zu vor und so sah Jeffrey auf, als man ihn einen Espresso hinstellte. Es war Highard und der auch schon eine Vermutung äußerte. Unkommentiert ließ er ihn wieder gehen, um selber aufzustehen und mit der kleinen Tasse sich an die Bar auf einen der freien Hocker zusetzen. "Vielen Dank für die kleine Aufmerksamkeit, dabei habe ich noch gar nichts gemacht oder gesagt." schmunzelte er und sah dabei seinem Gegenüber in die grünen Augen. Den Espresso in einem Zug ausgetrunken kam er auch gleich zu seinem Anliegen. "Mister Highard. Vermissen Sie den Laufsteg, das Blitzlichtgewitter und das Rampenlicht? Wenn ja, hätte ich vielleicht ein Angebot für Sie." eröffnete Jeffrey das Gespräch. Er musste zuerst herausfinden, ob das Ex-Model überhaupt daran Interesse hatte, in diese Welt des Glamours zurückzukehren. Erst dann würde er sich weiter um den Mann bemühen. Doch eigentlich wünschte es sich Jeff, ihn noch ein Mal auf einem Catwalk flanieren zu sehen. Und er war gewiss nicht der Einzige.
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      Monkey D. Ruffy


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    • Es verwunderte Gale nicht sonderlich, dass man die unausgesprochene Aufforderung direkt verstand. Er erwiderte den Blick des Aschblonden. "Sie müssen nicht zwangsläufig etwas getan haben. Aber Sie wissen, dass ich zumindest weiß, wer Sie sind."
      Er nahm die kleine Porzellantasse zurück, wusch sie und trocknete sie in seinem Stofftuch. Innerhalb der nächsten Sekunden kam genau das, womit er schon unlängst gerechnet hatte.
      "Mister Highard. Vermissen Sie den Laufsteg, das Blitzlichtgewitter und das Rampenlicht? Wenn ja, hätte ich vielleicht ein Angebot für Sie."
      Gale richtete seinen Blick direkt auf Clearwater. Unverholen bohrten sich seine Augen in die seines Gegenübers. Er schätzte die Reaktion ab, wie er reagieren oder was er sagen sollte, um das gewünschte Ergebnis zu erzielen. Diese Chance war möglicherweise einmalig und genau auf so etwas hatte er gewartet. Allerdings löste das nicht seine anfänglichen Zweifel.
      "Vermutlich muss ich nicht erwähnen, dass man eigentlich weiß, wo mein Platz ist", begann Gale und es klang unfassbar arrogant, doch beide Parteien wussten, wie es gemeint war. "Nur erschließt es sich mir nicht ganz, warum ausgerechnet Sie Ihren Ruf auf's Spiel setzen wollen. Meinen Sie nicht, dass mein Ruf auf den Ihren abfärben wird? Meine Geschichte ist dermaßen verschmutzt, dass Ihr Name in dem Versuch ihn reinzuwaschen ebenfalls den Bach runtergeht."
      Eine durchaus logische Schlussfolgerung. Mit Clearwaters Namen würden sich die ein oder anderen Türen wieder öffnen. Aber es brauchte nur den einen Funken, die eine Person, die ihm etwas anhängte, und schon wären sie beide am Boden der Tatsachen angekommen. Entweder war der Job dermaßen lukrativ, dass Clearwater alles auf eine Karte setzte oder er verfolgte ein Ziel, das sich Gale nicht erschloss.

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      "I rather trust and regret than doubt and regret"
    • Jeffrey war es immer noch etwas fremd, dass auch er in dem Modebusiness ein bekanntes Gesicht war. Doch nur für die, welche sich mit der Materie besser auskennen. Sonst war er eher ein Name, der im selben Atemzug wie ein berühmtes Model erwähnt wurde. Doch er konnte nicht leugnen, dass er es genoss einen guten Ruf zu haben. "Wieso stellen Sie sich nicht dir umgekehrte Frage, ob mein Ruf auf Sie abfärben könnte?" entgegnete der Manager nur ruhig und hielt dem Blick von Gale stand. "Ich will keineswegs Ihren Namen reinwaschen. Das müssen Sie schon selber bewerkstelligen. Aber ich biete Ihnen dazu meine Unterstützung an." erklärte er und zog seine Visitenkarte aus seiner Geldbörse bestehend aus dunklem Leder. "Es ist eine einmalige Chance für Sie der Welt zu zeigen, was wirklich in Ihnen steckt. Auch wenn ich zugeben muss, dass ihr Kaffee ausgezeichnet schmeckt." Jeffry hielt die kleine Karte mit zwei Fingern vor Gales Nase. Sie war der Köder und der Dunkelhaarige musste nur anbeißen. "Doch um Ihnen weitere Details zu offenbaren, brauche ich schon Ihre Zusage." gab er von sich und lehnte dann seinen Körper mehr dem gutaussehenden Barista entgegen. "Mister Highard, wo bleibt Ihr Hunger? Ihre Neugier? Ich sehe es doch an Ihren Augen, dass sie es wollen." sprach er dem Ex-Model zu, sowie die Schlange Eva dazu verführte den Apfel zu ergreifen und von seinem köstlichen Fleisch zu kosten.
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    • Gales Augen verfolgten jede kleinste Bewegung von Clearwaters Fingern. Benahe schon zu fixiert beobachtete er, wie sein Gegenüber die heilige Visitenkarte aus seiner Lederbörse zog und sie zwischen sich beiden hielt. Es waren nicht die Worte, die sein Unterbewusstsein kitzelten. Die Art, wie sich Clearwater ihm gegenüber verhielt, wie er seine Worte betonte... Diese Einstellung, man wüsste alles, hatte sich gut vorbereitet und musste jetzt nur noch den Sack zumachen, sprach für einen extrem selbstüberzeugten Alpha.
      Ein Alpha, wie er es früher gewesen war.
      Aber etwas stimmte nicht. Gales Blick löste sich von der Karte und musterte den sicherlich nicht unansehnlichen Mann ihm gegenüber. Er konnte keine offensichtlichen Anzeichen ausmachen, der Kragen war auch einfach zu hoch ausgeschlagen. Er konnte nicht anders als seinen freundlich reservierten Blick einen Hauch seines früheren Ichs zu verleihen. Reservierung wich offenkundiger Konfrontation als sich ein wissendes Lächeln in den Ecken seiner Mundwinkel abzeichnete.
      "Ich nehme das als Kompliment, dass Sie meinen Augen eher als meinen Worten trauen?" Gales Tonfall war leicht dunkler und rauer als jedes Wort, das er heute bereits von sich gegeben hatte.
      Seit dem Moment, wo Clearwater das Stück Papier gezückt hatte, war Gales Entschluss bereits gefallen. Er zögerte den Moment nur hinaus bis jetzt, wo er die Karte mit Daumen und Zeigefinger ergriff und sie ohne eines Blickes zu würdigen vor sich auf die Ablage legte. Seine grünen Augen färbten sich ein Stückchen intensiver Grün als er ein winziges bisschen von seiner Kontrolle aufgab.
      "Zeit und Ort, dann bringe ich ein wenig Abwechslung in Ihre Campagne."

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      "I rather trust and regret than doubt and regret"
    • Kurz sah er das alte Ich des Ex-Models aufblitzen, verwegen und selbstsicher, als er ihm antwortete. Und er schien recht behalten zu haben, als er merkte, wie ihm die Karte aus den Fingern gezogen wurde. Dabei blieb sein Blick an den Augen des Brünetten hängen. Bildete er sich das ein oder strahlten sie nun noch intensiver. Er hatte wohl ein altes Feuer wieder zum Lodern gebracht, zumindest zum Aufglühen. "Schicken Sie mir Ihre Kontaktdaten, dann werde ich ein Essen organisieren und Sie abholen lassen. So wie in den guten alten Zeiten." entgegnete Jeff und lehnte sich wieder zurück, dabei seine Börse in seiner Hosentasche verschwinden lassend. Kurz zog er an seinem hohen Kragen, damit auch das Band darunter verdeckt blieb. Er hatte den akribischen Blick Gales bemerkt und wurde kurz nervös. Doch konnte er das gut überspielen. "Die Details werden dann beim Essen besprochen. Und eins noch: bleiben Sie verschwiegen! Ihr eventuelles Comeback lebt davon, dass es fürs Erste geheim bleibt." gab der Blonde nachdrücklich von sich. Dann erhob sich der Manager und neigte kurz seinen Kopf zum Abschied. "Ich würde mich freuen, wenn Sie sich auch wirklich melden." verabschiedete er sich und trat wieder hinaus auf die Straße. Noch konnte Gale einen Rückzieher machen, doch Jeffrey ging fest davon aus, dass der sich wenigstens anhören würde, was die Agentur mit ihm geplant hatte. Er setzte sich in seinen geparkten Wagen und fuhr mit schnurrendem Motor zu seinem nächsten Termin.
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      Monkey D. Ruffy


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    • Als Clearwater das Café verlassen hatte, räusperte Gale sich. In der hinteren Ecke an einem kleinen Zweiertisch sah er zwei Mädchen sitzen, die nicht mehr wirklich entspannt auf ihren Plätzen saßen. Sie drucksten etwas herum und erweckten an Anschein, sich unwohl zu fühlen. Dies lag an Gale - das waren erste Anzeichen, wenn Omegas ohne Medikation auf Alphas reagierten. Demnach schnappte sich Gale die Visitenkarte und sagte zu dem Kellner, ein Beta, neben ihm: "Ich mache kurz Pause, könntest du einmal lüften?"

      Einige Tage später

      Es war für jede Partei klar gewesen, dass Gale sich einen Tag später direkt auf das Angebot gemeldet hatte. Jeder mit halbwegs ordentlicher Logik hätte das Angebot nicht ausgeschlagen, wenn man noch einen Hauch Liebe für den Job übrig hatte.
      So stand er nun in einem feinen Anzug, von denen er noch etliche im Schrank hatte, vor dem Eingang zu seinem Wohnkomplex und wartete auf den Wagen, der ihn abholen sollte. Er hatte sich rasiert, um seine markante Kieferlinie wieder zum Vorschein zu bringen. Seine schwarze Mähne hatte er in einem Manbun zusammengebunden und seine Wertsachen in einer kleinen, unauffälligen Tasche bei sich. Da sie sich erst abends trafen, machte er sich keine Sorgen, dass man ihn großartig sehen würde. Er verschmolz fast mit dem Dunkel der Straßen.
      Fast so sehr, wie der schwarze Wagen, der nur mit seinen fast weißen LEDscheinwerfern durch die Nacht schnitt. Gale versicherte sich, dass der Fahrer zu Clearwater gehörte, stieg dann ein und ließ sich zu dem Etablissement fahren, wo sie sich treffen wollten.
      Es stellte sich als ein ziemlich gutes Restaurant heraus, nicht direkt im Zentrum der Stadt, aber dennoch gut frequentiert. Er kannte es bereits als einen Ort, der seltener von Paparazzi oder Journalisten aufgesucht wird weil die Chance hier zu gering war, jemanden mit Namen zu finden. Falls dem doch so war, handelte es sich oft um einen Glücktreffer. Man setzte Gale vor der Eingangstür ab, er meldete sich im Restaurant an und wurde dann zu dem Tisch geführt, an dem bereits Mr. Clearwater auf ihn wartete.
      "Mr. Clearwater", begrüßte Gale ihn und setzte sich dann ihm gegenüber, "ich hoffe, Sie hatten eine gute Fahrt hierher?"

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      "I rather trust and regret than doubt and regret"
    • Für das Treffen überließ Jeffrey nichts dem Zufall. Er sorgte dafür, dass ein eher abgelegenes, aber dennoch exklusives Restaurant gebucht wurde. So sollte die Wahrscheinlichkeit der Presse über den Weg zu laufen eher gering sein. Auch der Fahrer, der Gale abholen sollte, musste einen extra Vertrag zu Verschwiegenheit unterschreiben. Und auch das Personal im Restaurant wurde angehalten diskret zu sein. An dem genannten Tag traf der Manager schon 30 Minuten früher ein, um auch noch mal alles zu prüfen, ob alles seinen Vorstellungen entsprach. Eine eisgekühlte Flasche Schampus stand schon auf dem Tisch bereit, der sich in einem kleinen Raum befand, ähnlich einem Séparée. Er wollte keine Zuschauer, noch andere Zeugen, die das Vorhaben der Agentur über den Haufen werden konnten. Heute trug er ein leichtes, hellgraues Shirt mit Rollkragen, um sein Lederhalsband zu verstecken. Darauf ein dunkelblauer Anzug und helle, braune Lederschuhe. Eine silberne Rolex zierte sein linkes Handgelenk und sein Haar war streng nach hinten gekämmt. Diesmal hatte er seine Brille auf, um seriöser zu wirken. Ein leichtes Gestell in Silber mit etwas größeren Gläsern. Sein typischer Duft, recht schwer, aber wohlriechend und nicht zu aufdringlich, der sich latent um einen legt, hatte er natürlich auch aufgetragen. Immer wieder auf die Uhr schauend, erwartete er Gale Highard bis dieser auch endlich in der Tür erschien. Jeff stand natürlich auf, um ihn mit einem Händedruck zu begrüßen und sich dann wieder zu setzten. "Wenn man selber am Steuer sitzt, ist die Fahrt wohl immer gut. Ist bei Ihnen auch alles recht gewesen?" erkundigte er sich bei dem Brünetten, während man ihnen die Menükarte brachte, die einem ledernen Einband verborgen war. "Bestellen Sie sich, was Sie wollen." ließ er das Ex-Model wissen und sah nun selber in die Karte. "Dürfte ich Ihnen schon etwas zum Trinken anbieten?" kam auch gleich eine Bedienung im schwarzen Anzug vorbei und neigte kurz das Haupt. "Ein Wasser, bitte." gab Jeffrey von sich. Auch wenn er in einem Restaurant saß, war er immer noch am Arbeiten. Da hatte Alkohol nichts verloren. "Und Sie mein Herr?" erkundigte sich der Keller bei Gale.
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      Monkey D. Ruffy


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    • Es waren drei Dinge, die Gale direkt auffielen:
      1. Die Flasche Schampus. Vermutlich nur der Etikette halber stand die edle Flaschen zwischen ihnen in einem gut gekühlten Stand. Sie beide wussten aber, dass das hier ein formelles Treffen war und demnach Alkohol nichts zu suchen hatte. Besonders, seitdem Gale einen großen Bogen darum machte. War dies ein Test?
      2. Der bestechende Geruch eines Parfums, das ihm am Tag ihres ersten Treffens so nicht aufgefallen war. Nun stieg es ihm umso prägnanter in die Nase. Überlicherweise taten dies Omega, um etwaige Gerüche zu übertünchen. Das galt allerdings auch für Leute, die Zigarettenqualm überdecken wollten. Rauchte Clearwater?
      3. Der verdächtige Rollkragen. Es war hier drin ziemlich warm, so warm, dass Gale selbst sein Jacket auszog und es über die Lehne warf. Er bezweifelte, dass Clearwater eine Frostbeule war.
      Was ihn zu dem Schluss kommen ließ...
      "Ein Giner Ale", antwortete Gale, der sich selbst dabei ertappte, wie er den Mann gegenüber etwas zu sehr musterte. Er musste unbedingt diese Eigenart loswerden.
      Als die Bedienung gegangen war, um ihre Getränke zu holen, blätterte er gemächlich durch die Karte. Eine wunderbare Ablenkung bis er sich wieder beisammen hatte.
      "Sicher, der Fahrer war so abgeklärt, wie er es nur hätte sein können. Ich muss gestehen, dass so ein Abholdienst praktisch ist, wenn man selbst kein Auto besitzt. Ich kann alles fußläufig erreichen, demnach wären das nur unnütze Kosten gewesen."
      Kurz darauf kam der Kellner wieder und stellte ihnen beiden die Getränke hin. Dann nahm er die Bestellung auf. Gale ließ Clearwater als Erstes bestellen, er selbst orderte die Seezunge an Trüffelkartoffeln. [Offtopic: Ich mag keinen Fisch xD]
      Als sie beide wieder allein gelassen wurden, widmete sich Gale wieder dem Manager.
      "Also. Wie genau sehen die Pläne aus, welche Kampagnen sind geplant? Außerdem haben Sie mir nicht beantwortet, warum Sie nicht einen der vielen anderen in der Versenkung verschwundenen Models aufsuchen, sondern ausgerechnet mich? Sie hatten durchaus recht, dass ich das Blitzlicht misse, allerdings misse ich nicht die Münder, die sich über einen zerissen haben."

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    • Als die Bedienung wieder mit ihren Getränken kam, orderte Jeffrey das Lammkotelett mit Paksoi und Erdnussreis und ehe der Mann ging, sprach er ihn auch noch an, dass er den Kühler samt Flasche doch bitte mitnehmen sollte. Es hatte in der Presse die Runden gemacht, dass Gale mal auf einem Entzug war, und daher brauchten sie hier keine Versuchung stehen haben, die eh nie zum Einsatz kam. Der Brünette sollte sich hier wohlfühlen. "Die Agentur Copperfield hat schon länger ein Auge auf Sie geworfen, Mister Highard. Ihre Karriere war bemerkenswert und aus Ihnen hätte eine wahre Ikone werden können. Selbst heute noch gibt es um ihre Person eine große Fanbase. So hat sich die Agentur gedacht, es wäre ein riesiger Clou Gale Highard wieder zurückzuholen. Und nicht einfach so, sondern Sie sollen die kommende Herbst-Fashion-Show eröffnen. Und wieso die Wahl auf sie gefallen ist? Nun, wir dachten uns, dass jemand, der aus eigener Kraft es geschafft hat, wieder auf eigenen Beinen steht, Schneid genug besitzt, das durchzuziehen. Und natürlich auch eine zweite Chance verdient hat." verriet Jeffrey seinem Gegenüber und nahm einen Schluck von seinem Wasser. "Aber denken Sie nicht, dass das ein Spaziergang wird, oder wir Ihnen etwas schenken. Copperfield hat die Erwartungen sehr hochgeschraubt und verspricht sich Großes von Ihnen. Ein Versagen steht so schon gar nicht zu Debatte. Und dafür werde ich sorgen. Ich werde Ihr Manager sein und immer, wirklich immer ein Auge auf Sie haben." offenbarte indessen der Manager das Großprojekt. "Und unter uns, es gibt einige Designer, die gerne ihre Kollektion von Ihnen getragen haben möchten. Auch unter ihnen gibt es ein paar Highard-Anhänger." verriet er dem Ex-Model. "Aber ohne Sie ist das komplette Projekt nicht möglich. Sie sind das Zugpferd und zu gleich der Star. Daher brauche ich Ihre Einschätzung; trauen Sie sich ein Comeback zu?" Jeff sah Gale ernst an und lehnte sich ein klein wenig nach vorne. "Und zuvor haben auch Sie bestimmt einige Fragen. Daher fragen Sie und ich werde schauen, ob ich alles beantworten kann." fügte er an. Das war keine Kleinigkeit, um was es hier ging, es konnte Gales gesamtes Leben wieder verändern. War er dafür bereit?
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      Monkey D. Ruffy


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    • Gale hatte sich inzwischen nach hinten gelehnt, das Glas mit dem Ale immer wieder leicht bewegend in seiner Hand. Er lauschte jedem Wort des Managers aufmerksam und machte sich gedanklich dazu Notizen. Eigentlich klang das viel zu gut. Immerhin wusste Gale, dass er die gleichen Fehler wie damals nicht noch einmal begehen würde. Wenn er dann noch einen ordentlichen Manager hatte und es nicht selbst in den Sand setzte, hatte er nichts zu verlieren sondern nur zu gewinnen.
      Und vor ihm saß Clearwater, der sich schon ausreichend einen Namen dazu gemacht hatte.
      Also begannen die beiden Männer, Formalitäten zu klären und Rahmenbedingungen abzustecken. Sie arbeiteten einen mündlichen Vertrag aus, den sie später schriftlich noch festhalten würden. Dieses Aushandeln ging sogar noch über das Essen hinweg und erst kurz bevor Gale sein Besteck auf seinen leeren Teller legte, hatten sie alles geklärt. Er würde für Copperfield arbeiten, wieder in die glitzernde Welt zurückkehren. Nur dieses Mal war er nicht auf sich selbst gestellt.
      Allerdings gab es da noch eine Sache, die ihm brennend auf der Seele lag.
      "Mr. Clearwater, mittlerweile habe ich ja herausgehört, dass auch Sie ausreichend über meine damaligen Eskapaden informiert sind. Ich möchte nicht unangemessen klingen", sagte Gale in einem wohlbedachten Tonfall während seine Augen zuerst auf den Rollkragen fielen, dann aber zu Jefferys Augen hochwanderten, "aber tragen Sie aus dem Grund, den ich vermute, den Kragen sowie das Parfum?"
      Jeder wusste, dass Gale ein Alpha war. Und gerade nach den Eskapaden war er extrem darum bedacht, mit wem er sich abgab, um jeglichen Skandal zu verhindern. Wenn Jeffrey das war, was er vermutete, und nicht gebunden war, bedeutete das ein hohes Risiko. Für beide Seiten. Der Skandal, der sich durch einen ungewollten Übergriff entwickeln könnte, wäre fatal.

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    • Gale war einverstanden und nach dem sie weitere Punkte besprochen hatten, die vertraglich festgehalten wurden, konnte Jeff doch etwas aufatmen. Aber die nächste Frage des Brünetten ließ ihn minimal erstarren. Er lehnte sich auf seinem Stuhl zurück und verschränkte die Arme vor seiner Brust, um seine leichte Nervosität zu überspielen. Sollte er ihm offenbaren, dass er ein Omega war? Einer ohne Partner wohlgemerkt, was schon immer für ihn einige Risiken mit sich brachte. "Mister Highard. Wie lange bin ich schon als Manager unterwegs und habe mich mit etlichen Alpahas umgeben? Acht, Neun Jahre? Egal was Sie glauben, von mir wird keine Gefahr ausgehen, bin es doch, der sie vor solchen bewahren soll." entgegnete Jeffrey gelassen und brachte sogar ein kleines Lächeln zustande. Nein, es gab keinen Grund ihm das zu verraten. Er war schon so lange dabei, hatte sich so viele Strategien zurechtgelegt, dass es einfach kein Risiko für einen Übergriff gab. Da war sich der Manager einfach sicher.
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    • Gales Ausdruck wurde hart. So eine ambivalente Aussage befeuerte nur sein Unbehagen. Tief in ihm juckte es ihn in seinen Fingerspitzen zu testen, ob Jeffrey das war, was er vermutete. Denn wäre er gebunden, dann hätte er dies direkt bekanntgegeben und nicht drum herum formuliert. Auf der anderen Seite wäre er nicht besser als früher, wenn er seinen Instinkten einfach so nachgeben würde. Ganz davon zu schweigen, dass er nicht voller boshaftiger Absicht seinen Gegenüber zu Nahe rücken wollte. Erst recht nicht einem Arbeitspartner. Und da Jeffrey bis jetzt auch noch nicht reagiert hatte, schien er zumindest kein sehr sensibler Omega zu sein.
      Allerdings fand es der Alpha schon interessant, dass sein Gegenüber seine eigene Haltung imitierte.
      Gale lachte leise, ein überaus harmonisches Geräusch. "Zugegeben. Wer solange im Business ist und noch immer eine weiße Weste hat wird sich zu beherrschen wissen."
      Tatsächlich hoffte er einfach, dass seine Vermutung falsch war. Das würde alles nur verkomplizieren, allerdings stimmte die Aussage, dass er bisher keinerlei Probleme bekommen hatte. Also war Jeffrex entweder kein Omega oder einfach verdammt gut in seinem Management seiner Medikationen.
      Gales Gedankengang verriet sich nur durch das stetige Tippen seines Zeigefingers an seinem Glas. Seine restliche Körpersprache schien der eines ausgeglichenen Mannes zu sein, der kein Wässerchen trügen konnte.

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    • Seine Strategie war recht simpel doch wirksam. Jeffrey hatte zuerst genau studiert, wann die Medikamente wirklich ihre Wirkung entfalteten und wie lange sie anhielten. So nahm er immer die Blocker ein bevor er sich mit einem Alpha traf. Bald suchte er auch einen Spezialisten für Pheromon-Blocker auf und ließ sich jeden Monat untersuchen, damit gegebenenfalls die Dosis angepasst werden konnte. Der Job als Manager war alles für ihn und er tat auch wirklich alles dafür, um ihn nicht zu verlieren. Denn ein Zwischenfall würde seine sofortigen Rauswurf nach sich ziehen. So landete der Manager auch schon dreimal im Krankenhaus. Ein gebrochener Fuß, als ihm eine schwere Büste darauf fiel und eine Alpha-Dame in seiner Nähe war. Eine Schere in seinem Bein, als sich ein neuer Alpha-Manager sich in seinem Büro vorstellte. Und dann der Sturz von einer Treppe, als neue Praktikanten ihm im Treppenhaus begegnet waren. Oh ja, Jeff würde für seinen Beruf über Leichen gehen, oder besser gesagt über seine.
      Gale schien wohl nicht ganz überzeugt zu sein, doch er musste ihm einfach beweisen, dass nichts passieren würde. "Haben Sie denn noch andere Fragen an mich? Ansonsten würde ich sagen, dass dies ein sehr produktiver Abend war." sprach er sein Gegenüber an und lächelte dabei freundlich. Die ersten Wochen würden damit beginnen, Gale wieder in seine Topform zu bringen. Probe Fotosession und das Verhandeln mit Sponsoren und Werbeagenturen standen dabei mit auf dem Plan.
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      Monkey D. Ruffy


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    • "Ich würde sagen, wir haben das Wichtigeste doch vorerst geklärt. Ohne einen großen Tumult", lächelte Gale, das Portemonnai bereits gezückt neben sich auf dem Tisch liegen. "Wenn ich dürfte?"

      Einige Tage später

      Sehr zu Freuden des Cafébesitzers arbeitete Gale weiterhin dort. Spätestens nachdem er sich rasiert hatte, war das kleine Geschäft fast ständig brechend voll. Es hatte sich doch rumgesprochen, dass ein gewisser Highard hier arbeitete und der gefallene Gott den Sterblichen zum Greifen nah war. Bis jetzt konnte Gale sein Hobby mit den zukünftigen Plänen vereinbaren, war nur die Frage wie lange noch.
      Es war ein Mittwochmorgen, an dem Jeff das erste Mal zu einem Fotoshooting mit dem Alpha ging. Gale hatte darauf bestanden, dass er das Grundgerüst nie verloren hatte und er gerade diesen Fotografen gut kannte. Er war derjenige mit Connections zu bestimmten Labeln, die sich noch für die IP Highard zu interessieren schienen.
      Entgegen seiner früheren Erfahrungen ließ er seinen neuen Manager für sich sprechen anstelle selbst auch nur ein Wort zu sagen. Erst, als Thomas Gale sah, grinste er. "Mann Gale, was bist du alt geworden."
      "Begrüßt man so seine ehemalige Muse?"
      Die beiden Männer kannten sich so gut, dass sie ein fast schon freundschaftliches Verhältnis führten. Doch mit seinem Absturz brach auch der Kontakt ab - man wollte sich nicht mit dem Schandblatt abgeben, wenn es nicht unbedingt sein musste. Übel nahm er es ihm allerdings nicht.
      Thomas war ein fähiger Mann. Er fing meist damit ein, einfach Closeups zu fotografieren und ließ das Model dabei tun, was es wollte. So erhielt ein Gefühl für die Person und wie er am besten mit ihr Umging, um das beste Bild zu bekommen. Bei Gale war das leichter als gedacht. Er trug eine schlichte schwarze Jeans mit einem weißen Hemd, das ihm recht locker um die Taille fiel. Seine Haare hatte er wieder zurückgebunden, das Gesicht war es, was sie meistens sehen wollten. Nach wenigen Aufnahmen ging der Fotograf seine Bilder durch. "Gar nicht mal so schlecht wenn man bedenkt, wie lang du raus bist. Aber ein bisschen Pepp fehlt da."
      Gale wusste, was Thomas meinte. Sein Blick glitt hinüber zu Jeff, der seitlich am Set stand und nebenbei irgendwelche Termine in seinem Handy zu planen schien. Gale musste sich in Erinnerung rufen, was sein Manager während des Essen gesagt hatte.
      "Wie lange bin ich schon als Manager unterwegs und habe mich mit etlichen Alpahas umgeben?"
      Was Thomas einfangen wollte, war dieser süffisante Hauch von Dominanz, den gerade viele Alphas auf Kommando reproduzieren konnten. Gale seufzte, bevor er seine Selbstbeherrschung etwas fallen ließ. Thomas war ein Beta und folglich weniger stark von leichten Pheromonen betroffen. Alle seine Mitarbeiter, die Omegas waren, waren an ihren Partner gebunden und reagierten daher nicht weiter. Emsig hielten sie die Reflektoren, damit der Fotograf das beste Licht hatte.

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      "I rather trust and regret than doubt and regret"
    • Den heutigen Tag würden Gale und Jeff mit einem der Topfotografen verbringen. Sobald dieser im eigenen Studio der Copperfield-Agentur eintraf, übernahm Jeffrey die Begrüßung und die Absprach des Tagesablaufes. Auch, wenn Gale schon lange nicht mehr vor einer Linse stand, hatte er das Posieren nicht verlernt. Während der Brünette von Thomas, dem Fotografen abgelichtet wurde, stand Jeffrey etwas abseits am Ausgang. Er ging die Termine für die nächsten Tage durch und sah dabei hin und wieder mal zu dem Model. Es wurde wohl sein altes Feuer verlangt, worauf der Manager nicht ganz gefasst war. Er wollte gerade eine Mail beantworten, als ihm ein betörender Duft in die Nase stieg. "Was zum…?" Der Blonde musste sofort aus dem Raum raus. Das waren Pheromone, die ihm in die Nase stiegen und das in einer beachtlichen Intensität. Sofort öffnete Jeff die Türe und tat so, als hätte er einen Anruf erhalten. Und um Fotograf und Model nicht zu stören, verließ er das Studio. Er eilte mit schnellen Schritten nach draußen, an die frische Luft und versuchte das Aroma aus seiner Nase zu bekommen. "Shit! Was war das? War das etwa Gale?" versuchte sich der Manager die Situation zu erklären. Wenn das wirklich der Fall war, hatte er ein Problem. Jeff zupfte sich an seinem Rollkragen, da es ihm schon etwas warm geworden war. Er hatte es noch rechtzeitig bemerkt, um sich zurückzuziehen, doch sollte das öfters passieren, musste er sich etwas überlegen. "Wenn es nur bei den Shootings ist, kann ich so lange wegbleiben. Ich brauch ja nicht die ganze Zeit dabeistehen." ging Jeff schonmal eine Möglichkeit durch. Der Manager lehnte sich etwas gegen die Hauswand und versuchte nachzudenken. Da er sofort die Flucht ergriffen hatte, konnte er auch nicht sagen, ob er sich hätte noch zusammen reisen können. Doch das Risiko war einfach zu groß, dass er was Dummes hätte anstellen können. Jetzt musste er noch viel mehr aufpassen, da nicht nur seine Pheromone ein Problem waren, sondern auch die von Gale. Falls es denn seine waren.
      "Vergessen ist wie eine Wunde. Es mag zwar verheilen, aber dabei wird es eine Narbe hinterlassen."
      Monkey D. Ruffy


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    • Aus dem Augenwinkel hatte Gale sehen können, wie Jeffrex fluchtartig den Raum verließ. Allerdings ließ er sich nichts anmerken, damit der Fotograf ungestört seiner Arbeit weiter nachgehen konnte. Nach einer halben Stunde hatte Thomas was er wollte und sie lüfteten den Raum durch.
      "Hat jemand meinen Manager gesehen?", fragte Gale, als hätte er überhaupt nichts von dessen Verschwinden mitbekommen.
      "Ich glaube, der stand vorhin draußen."
      "Alles klar, danke. Dann holen wir ihn mal wieder zurück." Damit machte er sich auf den Weg nach draußen.
      Dort fand er dann Jeffrey, noch immer an der Hauswand angelehnt und offensichtlich in Gedanken. So konnte der Alpha ihn an der Schulter berühren und so aus den Gedanken reißen. "Alles okay? Sie scheinen mitgenommen zu sein."
      Natürlich sagte er nicht das offensichtliche. So wie sein Manager flichtartig die Räumlichkeiten verlassen hatte, konnte das nur an einem bestimmten Umstand liegen. Ansonsten wäre das Timing einfach viel zu perfekt gewesen.

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      "I rather trust and regret than doubt and regret"
    • Als er bemerkte, dass etwas ihn an der Schulter berührte, zuckte Jeffry kurz leicht zusammen. „Hm? Ja, ja. Alles in Ordnung. Ich habe nur etwas Kopfschmerzen.“ gab der Manager ein bisschen neben der Spur von sich. „Wie lief es denn? Ich konnte leider nicht weiter zuschauen, da ich einen wichtigen Anruf bekommen habe.“ versuchte er sei plötzliches Verschwinden zu erklären. Doch wenn das so weiterging, musste er Gale reinen Wein einschenken. Er konnte nicht so weitermachen, bis letztlich doch etwas passiert. Da war es wohl besser sich mit dem Alpha auszusprechen. Oder etwa nicht? Vielleicht fanden sie auch eine Lösung, wie er sich vor den anderen nicht outen musste. Doch leichte Zweifel nagten noch an ihm, bei diesem Vorhaben. Was ist, wenn Gale wie einer diese Alpha ist, der seine Notsituation ausnutzte? Jeffrey hatte immer mal wieder von solchen Fällen gehört und seine Karriere als Manager in die Hände eines anderen zugeben behagte ihm nicht wirklich. Er riss aus seinen Gedanken und sah zu Gale. „Dann lass uns wieder hereingehen. Ich würde mir gerne die Fotos ansehen.“ sprach er mit all dem Selbstbewusstsein aus, das er besaß und ging erhobenen Hauptes wieder zurück in die Studioräume.
      "Vergessen ist wie eine Wunde. Es mag zwar verheilen, aber dabei wird es eine Narbe hinterlassen."
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