Story Tellers ⋙Kappa & Alea⋘

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    • Story Tellers ⋙Kappa & Alea⋘

      Story Tellers
      { @Kappalicious und @Alea CroniX }
      Vorstellung
      HL, Comedy, Isekai, Adventure und Romance, gerne auch mit einer Prise Horror und Drama


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      Anthony stand gerade vor dem Eingang der kleinen Bibliothek, die er bei einer Websuche per Zufall entdeckt hatte. Er hatte eine Rezension eines Buches gelesen und der Verfasser hatte dabei diese Bücherei erwähnt. Mit seinen In-Ear Kopfhören lehnte er an einem Laternenpfahl und wartete auf Zoey, eine Freundin, die er schon seit der Oberstufe kannte. Sie sind beide sehr begeistert von Märchengeschichten und diskutieren gerne darüber. Auch wenn sie manchmal komplett anderer Meinung sind, so tolerieren sie den Aspekt des anderen. Es geht um Märchen, da gibt es kein richtig oder falsch, da doch eh alles fiktiv ist. Er mochte Geschichten mit einer Moral oder einer Lebensweisheit, die man mitnehmen konnte. Seine Großmutter hatte ihm schon im Kindergartenalter bekannte Märchen vorgelesen und ihn immer danach gefragt "Was lernen wir daraus?". Und auch jetzt noch, mit seinen 21 Jahren, stellte er sich am Ende jedes Buches, jeder Kurzgeschichte diese Frage. Auch wenn seine Großmutter nicht mehr war, musste er immer bei Märchen an sie denken. Eine Verbindung, die sich hoffentlich nie lösen würde. In der Oberstufe hatte er dann Zoey kennengelernt, die auch seine Begeisterung für Märchengeschichten teilte. Sie sind solche Fans, dass sie beide später nach der Schule auch ein Studienfach mit Literatur belegt hatten. Zusammen haben sie schon die Unibibliothek und Stadtbibliothek auseinander genommen, auf der Suche nach ihnen noch unbekannten Geschichten. So kam es dazu, dass es sie nun diese kleine unscheinbare Bücherei besuchen wollten. Vielleicht barg sie noch unentdeckte Sagen. Während er wartete, nickte er ganz leicht zum Takt der Musik. Er hörte gerne Musikstücke von Filmkomponisten, egal wie unbekannt sie waren. Gerade lauschte er zu einem Stück von Ivan Torrent mit dem Titel "1984". Auch, wenn er definitiv nicht zu diesem Jahrgang gehörte, konnte er ganz genau diese Sehnsucht und die Nostalgie nachempfinden, die das Lied vermitteln wollte. Mit einem Seufzer sah er auf sein Smartphone, dessen Display ihm 13:35 Uhr anzeigte. Heute war er mal zu früh dran, da Zoey sehr überkorrekt sein konnte und er sich nicht wieder ein Nörgeln oder einen Spruch von ihr anhören wollte. Doch jetzt stand er sich beim Warten fast schon die Füße in den Bauch. Er könnte ja einfach schon mal einen Blick in die Bibliothek werfen, war er eh schon gespannt, wie es darin aussehen würde. Mit einer schwungvollen Bewegung stieße er sich vom Laternenmast ab und ging zum Eingang. Dieser war sehr unscheinbar und auf den ersten Blick könnte man glauben, es sei ein Blumenladen. Allein das machte schon diese kleine Bücherei sehr spannend und interessant. Sobald er seinen Fuß auf die Schwelle der offenen Tür setzte, konnte er schon diesen typischen Geruch von altem Papier und Staub wahrnehmen. Neugierig sah er sich im Eingangsbereich um der mit vielen unterschiedlichen Lampen geschmückt war sowie Dekorationen, die wie Mobile bestehend aus Planeten unbekannter Sonnensystemen wirkten. Ein Gang gesäumt mit Bücherregalen bis unter die Decke führte in das Innere. Doch so etwas wie ein Empfang mit einem Rezeptionist oder einer Bibliothekarin konnte er nirgends entdecken. Ihm kribbelte es schon in den Fingern hier nach unbekannten Märchenbüchern zu suchen, besaß das Ambiente hier schon etwas leicht mystisches und märchenhaftes. Hier konnten sie doch nur fündig werden. Tony hielt sich aber zurück noch weiter in das Gebäude vorzudringen, da er sich vorstellen konnte, dass Zoey das nicht so toll finden würde. Und um ehrlich zu sein wäre er auch enttäuscht, wenn sie ohne ihn solch einen Ort erkunden würde. So ging er wieder vor auf die Straße, auch wenn die Bücher fast schon wie magisch anzogen. Er ließ seinen Blick noch ein mal die Straße rauf und runter wandern und konnte vom weiten schon die Brünette erkennen. Gelassen hob er die Hand zum Gruß und zog die kleinen Ohrhörer heraus, um sie in ihre Aufbewahrungsbox zu verstauen. Je näher Zoey kam, desto breiter wurde sein Grinsen, konnte er es kaum erwarten zu hören, was sie über diese Bücherei dachte. "Hey, Naschkatze, wie immer überpünktlich." grüßte er die Kleinere und setzte zu einer Umarmung zum Gruß an. Er kannte ihre Vorliebe für Süßigkeiten und so hatte sich dieser Spitzname bei ihm etabliert. Zuvor hatte er noch mal einen Blick auf die Urzeit geworfen, die ihm verriet, dass sie fünf Minuten vor der verabredeten Zeit da war. Dass er heute so zeitig hier war, gehörte eher zu den Ausnahmen, da er eher ein lockerer Typ ist und es wegen ein paar Minuten für ihn nicht drauf ankam.

      "Vergessen ist wie eine Wunde. Es mag zwar verheilen, aber dabei wird es eine Narbe hinterlassen."
      Monkey D. Ruffy


      Quelle

    • Bei jedem Schritt wippten die zwei langen, braunen Zöpfe der jungen Dame mit, als sie pünktlich wie ein Schweizer Uhrwerk in die kleine Straße mit der abgemachten Adresse einbog. Von weitem konnte sie bereits Tony sehen, der sie zu ihrer Überraschung sogar früher als sie selbst schon vor der Bibliothek erwartete. Ein fröhliches Lächeln erschien auf ihren vollen Lippen und sie erwiderte seine Begrüßung auf die Distanz indem sie ihm mit ihrer zierlichen Hand zuwinkte. An Zoey war alles schmal, süß und zart. Von den großen, braunen Rehaugen, zu den weichen, geröteten Wangen, bis hin zu ihrem grazilen Körper, welcher sie fast schon aussehen ließ wie eine kleine Fee. Natürlich kleidete sie sich auch um diesen Eindruck zu verstärken. Sie trug heute wiedermal ihre liebsten, rosa Schleifen in den Haaren und dazu ein Kleid mit Rüschen, welches die gleiche Farbe hatte. Dazu konnte man der jungen Frau jede Emotion direkt anerkennen. Wie gerade zum Beispiel. Die braunen Haare wippten weiterhin mit bei ihrem sprunghaften Gang und sie strahlte nur so voller Vorfreude. Ein neue Bibliothek gab es heute zu erkunden und wer wusste schon was die beiden Freunde und Literaturstudenten alles so vorfinden würden?

      "Hey!", begrüßte sie Tony fröhlich und legte beide Arme um ihn, damit sie sich mit einer Umarmung richtig begrüßen konnten. "Du bist aber früh dran, du kannst es wohl noch weniger abwarten als ich?", stichelte sie seine untypische Pünktlichkeit mit einem neckenden Grinsen auf den Lippen. Ihre Augen wanderten von dem bekannten Schwarzhaarigen zu dem Gebäude, vor welchem die beiden zusammen standen. Verschiedenste Pflanzen und Blumen säumten das Gemäuer der alten Bibliothek. Obwohl es ein Zeichen dafür war, dass sich niemand um dieses Gebäude kümmerte, gab es dem ganzen einen gewissen Charme. Man könnte fast schon sagen es wirkte versteckt und die Bücher, die es im Inneren sicher hielt, wollten nur von denen gefunden werden, die sie auch suchten. Was ein Glück das Tony durch Zufall von dieser Bücherei mitbekommen hat. Sie war wirklich etwas ganz anderes, wie die bisherigen.
      Zoey hakte sich mit ihrem zierlichen Arm bei dem Schwarzhaarigen ein, welcher sie um einen ganzen Kopf überragte. "Zeit neue Märchen zu finden!", deklarierte sie das gemeinsame Ziel, bevor sie den jungen Mann mit sich in die Bibliothek zog. Der Gruch von Papier und Staub wehte ihnen entgegen. Die junge Frau kam garnicht aus dem Staunen raus, als ihre funkelnden Augen das Innere des Gebäudes erblickten, dabei standen sie nur im Eingangsbereich. Die hohe Decke war gesäumt von unzähligen Lampen, welche die gesamte Bücherei mit einem warmen Licht ausleuchteten. Zusammen mit hohen Fenstern an den Wänden, welche zwischen den ganzen Bildern, Gemälden und Büchern fast schon verloren gingen. Das konnte nur der richtige Ort sein für die zwei noch unbekannte Märchen zu entdecken. Und was hier sonst noch für andere Schätze vergraben waren? So viel Wissen in einem Raum, so viele Geschichten, die einfach verstaubten..

      Die Schritte der zwei jungen Studenten halten in der gesamten Bibliothek wieder. Abseits ihnen schien sonst keine Menschenseele sich hier zu befinden. Dies trug nur mehr zu der bezaubernden Magie dieses Ortes bei. Bücher stapelten sich überall, wo ihre großen Augen hinblicken konnten. Wo sollten sie nur anfangen? Zu dem Charme dieser Bücherei gehörte es wohl dazu, dass es kein wirkliches System gab, nach dem die Bücher einsortiert wurden. Eins auf dem anderen türmten sie sich in den Regalen, auf dem Boden, wirklich überall gen Decke. Die Brünette löste ihren Arm langsam von Tony, sie konnte garnicht anders als diesen magischen Ort weiter zu erkunden. Als würde sie von etwas unerklärlichem an den verschiedenen Bücherregalen vorbeigezogen werden. Ihr Blick ging von einer Lampe zur nächsten. Abseits vom Eingang standen auch mehrere auf dem Boden um dunklere Ecken mitausleuchten zu können. "Dieser Ort ist wahnsinnig", hauchte sie begeistert über die Lippen. Wohl eher um ihre eigene Faszination in Worte zu fassen, als es ihrem Begleiter mitzuteilen, weil er es wahrscheinlich genauso sah. Diese Bücherei hätte selbst einem Märchen entspringen können. Wie kam es nur, dass sonst niemand hier war?
      Ihre zierlichen Finger glitten über die alten, verstaubten Buchrücken hinweg, während sie sich weiterhin einfach von ihrer Intuition leiten ließ. Hinter dem jungen Mädchen wirbelten sich die Staubkörner im Schein der vereinzelten Laternen. So wie das äußere Gemäuer, hatte auch das Herz dieser Bibliothek - die Bücher - einiges an Schäden. Viele der Druckwerke waren an den Rändern bereits abgenutzt, fielen schon auseinander oder man konnte schon garnicht mehr deren Titel entziffern. Plötzlich aber blieben ihre Finger an einem Buch hängen. Fast hatte Zoey schon vergessen, dass sie eigentlich hergekommen waren um Märchen zu finden. Nun stand sie vor einem. Oder zumindest klang es nach einem Märchen. "Es war keinmal..?", las das Mädchen den Titel leise für sich selbst vor und zog dabei verwundert die Augenbrauen hoch. Sie hatte Mühe das Buch tatsächlich aus dem endlos erscheinendem Regal rauszuziehen, denn drumherum und obendrüber waren noch mehr Werke gestapelt. Doch schließlich, mit einem starken Ruck, zog sie es raus und betrachtete den Einband in ihren Händen. Es sah viel besser erhalten aus, als viele der anderen Bücher hier. Vielleicht war es erst neulich dazu gekommen? Am Ende des Tages war es offensichtlich kein bekannter Klassiker oder ähnliches. Das Cover zierte lediglich in goldenen Buchstaben den Titel "Es war keinmal.." und nichts weiter. Nicht sicher ob sie etwas interessantes für sich und Tony gefunden hatte, schaute sie sich kurz um. Ehrlich gesagt konnte sie sich garnicht dran erinnern, aus welcher Richtung sie kam oder was genau sie hier zu diesem Regal verschleppt hatte. Für den Fall, das es sich tatsächlich um ein neues Märchen für die beiden handelte, wollte sie es nicht einfach alleine aufschlagen. Auch wenn ihre Neugier sie geradezu schon dazu nötigte. Stattdessen folgte sie den Schritten, die sie paar Bücherregale weiter erklingen hörte.
      "Tony!", rief sie hastig nach ihm, getrieben von Aufregung und Vorfreude. Ihr Stimme hallte laut in der kleinen Bücherei wieder, wovor sich die junge Frau fast schon selbst erschreckte. "Ich hab ein interessantes Buch gefunden!", erläuterte sie in einem etwas leiseren Tonfall und blickte dabei zu dem Buch in ihren schmalen Händen. Mit einem Finger fuhr sie die goldene Beschriftung nach. Das musste ein neues Märchen sein, anders konnte sie sich ihr Bauchgefühl nicht erklären.

    • Nach ihrer innigen Umarmung musste sich Tony seine Brille erst ein mal wieder zurecht rücken, die beim Runterbeugen etwas nach vorne gerutscht war. Leise musste er etwas auflachen, als sie dann seine Pünktlichkeit erwähnte. "Damit hast du wo möglicherweise recht. Oder es ist diese seltene Ausnahme, die meine Regel bestätigt." grinste er ihr entgegen. Er konnte an ihrem funkelnden Blick erkennen, wie sehr sie schon von der Fassade des Gebäudes beeindruckt war und da hakte sich Zoey auch gleich bei ihm unter und zog ihn mit in die kleine Bücherei. Langsam und bedächtig schritten sie den Gang entlang, der vom Licht der vielen Lampen und in einen warmen gelblichen Schein gehüllt war. Je weiter sie dem Flur folgten, hatte man das Gefühl, dass die Wände nur aus Büchern bestanden und der Schwarzhaarige ließ federleicht seine Finger über die Einbänder gleiten. Sie sahen zum Teil so alt und abgegriffen aus, dass er Angst hatte sie durch seine bloße Berührung in Staub zerfallen zu lassen. Es fühlte sich schon fast an, als würden sie durch ein Labyrinth aus Büchern bestehend wandeln. Ihre leisen Schritte waren das einzige Geräusch, was man vernehmen konnte und langsam ließ die Brünette wieder Anthonys Arm los. Ihre Aussage der Begeisterung konnte er nur mit einem stummen Nicken zustimmen, da ihm die richtigen Worte fehlten, wie faszinierend doch dieser Ort war. Überall Bücher wohin man sah. Auf dem Boden gestapelt zu schiefen Türmen, im Regal neben und aufeinander und es war keine wirkliche Ordnung zu erkennen. Sie waren wahrhaftig auf einer Schatzsuche. Bei einem weiteren Gang trennten sie sich und Tony besah sich jeden Einband ganz genau. Leider konnte man manche verblassten Titel gar nicht mehr entziffern und die lesbaren Titel und Autoren waren dem Studenten gänzlich unbekannt. Wenn er könnte, würde er hier ein Zelt aufschlagen und sich durch jedes Schriftstück durcharbeiten. So viel Wissen, was hier verstaubte und in Vergessenheit geriet. Ab und zu fielen durch die hohen Fenster ein paar Sonnenstrahlen herein, dass man sehr gut den tanzenden Staub erkennen konnte, der hier überall herumflog. Er war keine paar Schritte weit gekommen, als Zoey auch schon aufgeregt nach ihm rief. Ein automatisches "Psst!", mit angelegtem Zeigefinger an den Lippen, entwich dem Schwarzhaarigen, befanden sie sich ja in einer Bibliothek, auch wenn ihnen bis jetzt keine weitere Menschenseele begegnet war. Sofort überbrückte er die kurze Distanz zwischen ihnen, mit wenigen Schritten und betrachtete das dicke Buch in den Armen der Studentin. Sie war ganz hibbelig vor Aufregung und steckte ihn damit an. Hastig ließ Tony seinen Blick durch die Gänge wander und konnte einen Tisch zwei Stühlen ausmachen. "Lass uns dort hinsetzen." Schlug er leise vor und legte seine Hand an den Rücken von Zoey, um sie zu der Sitzgelegenheit zu führen. Er zog den Stuhl für sie zurück und wischte mit seiner Hand etwas über die Sitzfläche, die doch recht staubig war. Auch er befreite seinen Stuhl von dem Staub und setzte sich neben die Brünette. Als das Buch vor ihnen auf dem Tisch lag, dabei eine gräuliche Wolke aufwirbelnd, las er zum ersten Mal den Titel in den goldenen Lettern. ""Es war kein Mal." Das ist ja ein komischer Titel." sprach er laut aus und zog die Stirn kurz kraus. Aber oft verbirgt sich hinter eigenartigen Titeln eine spannende Geschichte. Mit seinem linken Zeigefinger fuhr er die Buchstaben nach, die sich ganz glatt anfühlten im Gegensatz zum rauen Einband. "Sollen wir es zusammen öffnen?" fragte er zu seiner Rechten gewandt und blickte in die großen braunen Augen von Zoey, die vor Neugier und Spannung zu sprühen schienen. Behutsam legte er seine linke Hand an die rechte Ecke des Buchdeckels und öffnete, dann gemeinsam mit ihr dieses, sobald auch sie nach dem Deckel gegriffen hatte. Das Innere glänzte wie ein sternenreicher Nachthimmel, noch nie hatte Tony ein Vorsatzblatt wie dieses gesehen. Doch bevor er weiter blättern konnte, schien plötzlich die Zeit stehenzubleiben. Er konnte sich auf einmal nicht mehr rühren und er spürte wie sein Körper in die Richtung des aufgeschlagenen Buches gezogen wurde. Und dann fiel er, stürzte regelrecht in den Nachthimmel, den er gerade noch bewundert hatte. Ein Aufschrei der Überraschung und Panik blieb in seinem Hals stecken und das einzige, was er noch tun konnte, war Zoeys Hand zu ergreifen und sie so fest wie möglich in seiner zu halten. Und während er in eine Unendlichkeit versank, wurde alles um ihn herum schwarz. "Nur nicht loslassen!" war sein letzter Gedanke, bevor Tony sein Bewusstsein verlor.
      "Vergessen ist wie eine Wunde. Es mag zwar verheilen, aber dabei wird es eine Narbe hinterlassen."
      Monkey D. Ruffy


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    • Die junge Dame bemerkte garnicht die Hand von Tony an ihrem Rücken, ihre volle Aufmerksamkeit war dem dicken Einband in ihrer Hand gewidmet. Manchmal konnte sie wirklich noch wie ein Kind sein, vor allem wenn es um Märchen ging. Ihre Kindheit war nicht gerade leicht gewesen und die Brünette musste bereits früh erwachsen werden. Mit dem Schwarzhaarigen zusammen alte und neue Märchen zu erkunden brachte sie wohl ein klein wenig näher an ihre verlorene Kindheit. Das wollte Zoey eben voll auskosten. Die Neugierde, die Aufregung und Spannung, wenn es eine neue Geschichte zu lesen gab. Genau wie es in diesem Moment war.
      Zusammen mit Tony griff sie nach dem Deckel des untypischen Märchenbuches und die beiden wurden mit etwas noch nie dagewesenen belohnt. Als wäre das Werk ein Fenster in das weite, unendliche Universum konnten sie in einen Sternenhimmel blicken. Er funkelte und glitzerte, spiegelte sich in den dunklen Augen von Zoey wieder. Die Brünette wollte gerade noch die glimmernden Seiten des Buches berühren, da kippte sie in die ansehnliche Dunkelheit. Sie konnte lediglich ihre Augen aus Angst und Unglaubwürdigkeit weiten, während die beiden vom Buch verschlungen wurden. In eine ganz andere Welt gezogen wurden. Sie versuchte sich bei dem Schwarzhaarigen festzuhalten, doch sie konnte sich in diesem Strudel aus tiefem Schwarz und glitzernden Sternen nicht mehr zurecht finden, als plötzlich alles vor ihren Augen ins Dunkle getaucht wurde.






      Jeder Muskel schmerzte der jungen Frau, während sie immer wieder die großen Rehaugen aufschlug. Alles sah verschwommen aus, sie konnte nicht wirklich entziffern wo genau sie sich befand und was dem ganzen vorausgegangen war. Sie spürte lediglich warme Sonnenstrahlen, die ihre Wangen, Schultern und Hände umspielten. Vorsichtig und ganz langsam raffte sich Zoey auf. Sie saß in mitten eines Zimmers. Ihre Finger glitten über die alten, kalten Fließen unter ihr und es wirbelten sich dabei wenige Staubkörner auf. Sofort kam ihr eine Erinnerung zurück. Der Gedanke an diese alte Bücherei und wie sich der Staub aufwirbelte, wenn man nur hauchzart über die Bücher gestrichen hatte. Sie war dort mit Tony gewesen. Tony.. Ihre braunen Augen gingen durch den Raum. "Tony?", fragte sie leise und bemühte sich mit dem dröhnenden Kopf und den schmerzenden Gliedern aufzubäumen. Ihr Kopf wirkte viel schwerer als sonst. Veriwrrt fuhr sich das junge Mädchen durch die Haare - oder zumindest wollte sie das, bis sie die Länge dieser bemerkte. Mit geweiteten Augen und hochgezogenen Brauen musterte sie die endlos scheinende Haarpracht, welche sich durch das ganze Zimmer schlängelte. Sie konnte nicht begreifen, was gerade hier passierte. Wo befand sie sich überhaupt? Sie schleppte ihren schmalen Körper zu dem einzigen Lichtblick in diesem Zimmer. Da wo auch der Sonnenschein durch kam. Eine Tür konnte sie auf den ersten Blick nicht finden. Die braunen Augen des Mädchens weiteten sich erneut, als sie beide Hände auf der hölzernen Fensterbank aufstützte und den Ausblick aus dem Fenster sah. Sie überragte einen dichten, dunklen Wald. Nichts außer Bäume und noch mehr Bäume umgab das Mädchen, die damit zu kämpfen hatte all diese Tatsachen in ihrem Kopf zu verknüpfen. Lange Haare, ein Turm.. Das war die Geschichte von Rapunzel! Also konnte es sich hier nur um ein Traum halten, oder? Deswegen war Tony auch nicht hier! Sie ist bestimmt eingeschlafen, während sie Stunden lang in einem Märchenbuch gelesen hatten. So musste es gewesen sein. Zumindest versuchte sich Zoey selbst davon zu überzeugen, um nicht gleich in einem psychotischen Wahn auszubrechen. "Das alles ist nur ein Traum", redet sich die Brünette panisch ein, während sie die lange Haarpracht hinter sich durchs Zimmer herzog.
      Ihre Füße schritten leise über die alten Fließen zu einem Spiegel in dem aus Holz und Gemäuer verkleideten Raum. Nun sah sie sich auch in tatsächlicher Märchengestalt. Die braunen langen Haare waren blond, wie sie auch in der originalen Geschichte von Rapunzel beschrieben standen. Durch den Spiegel musterte sie sich mit den unendlich weit reichenden Strähnen. "Das kann nur ein Traum sein!", behauptete sie nun fest überzeugt. Anders konnte sie mit dieser Situation garnicht umgehen. Seufzend stützte sie die Hände in die Taille. Warum ausgerechnet Rapunzel? Weil es ihr Lieblingsmärchen war? Aber noch nie hatte sie einen so realistischen Traum gehabt. Alles fühlte sich so haptisch.. So echt an. Sicherheitshalber zwickte sie sich selbst in den Arm, fest davon überzeugt es würde ihr nicht weh tun. "Aua!", schreckte sie sofort auf und schaute den überraschten Gesichtsaudruck in ihrer blondhaarigen Reflektion an. Nun war sie sich garnicht mehr so sicher, ob das alles nur ein Traum war..

      Es gab bestimmt einen Ausgang, den sie einfach noch nicht gefunden hatte. Zoey lief einmal die Wändes des Raums ab, aber da war nichts, außer des Fenster mit der unebenen Fensterbank aus Holz. Die Mauern und Holzbalken waren bunt bemalt. Wenn man dem Märchen folgte war Rapunzel von klein auf hier gefangen.. In der ganzen Zeit hätte Zoey auch angefangen jede freie Fläche zu bemalen. Wenn auch nur um diesen Ort ein wenig angenehmer wirken zu lassen.. Aber das konnte doch nicht sein! Verzweifelt steckte sie den Kopf aus dem Fenster und sah an dem Turm runter. Auch außen war keine Treppe oder ähnliches angebracht. Es war wirklich wie im Märchen! Was sollte sie denn nun machen? Hier ausharren bis ihr Retter in der Not kam? Oder noch schlimmer, die Zauberin, die Rapunzel überhaupt eingesperrt hatte?


    • Das Erste, was Tony wahrnahm, waren seine tierischen Kopfschmerzen, als er langsam wieder sein Bewusstsein erlangte. Sofort kniff er die Augen wieder zusammen, als er sie kurz öffnete, um einen Blick auf seine Umgebung zu erhaschen. Das grelle Licht verstärkten nur das Pochen an seinen Schläfen. So versuchte er mit seinen Ohren wenigstens etwas zu erkennen. Er konnte Hufgetrappel ausmachen und leise Stimmen. Nun spürte er auch wie es immer wieder hin und her wackelte und langsam öffnete er seine Augen. Das Licht, was ihn zuvor noch geblendet hatte, war die Sonne, die durch ein Fenster ins Innere drang, direkt auf sein Gesicht. Verwundert sah er sich genauer um und stellte fest, dass er in einer Kutsche saß. Und nicht irgendeine war diese, mit samtenen Bezügen ausgestattet und wirkte sehr edel, als gehörte sie zu einem König oder... "Prinz! Wir machen eine kurze Rast." hörte er eine fremde Stimme und der Wagen hielt dabei langsam an. "Prinz?" dachte sich Tony und verstand nicht, was hier los war. Da öffnete sich auch schon die Wagentüre und ein pausbäckiger junger Mann stand vor ihm. Verwirrt betrachtete der Schwarzhaarige den Dunkelblonden der ihn freundlich angrinste und dann eine Verbeugung machte. "Wollt ihr euch vielleicht etwas die Füße vertreten?" fragte er freundlich und machte eine Armbewegung, die auf den Wald hinter ihm deutete.


      Immer noch neben der Rolle kletterte Tony langsam aus der Kutsche und sah sich etwas im Freien um. Es war ein sonniger Tag, die Vögel zwitscherten und der Wald in dem sie sich gerade befanden, wirkte sehr friedlich. Er konnte noch immer nicht begreifen, was gerade los war. Träumte er etwa? Als sich der junge Mann so im Kreis drehte, fiel sein Blick auf das Fenster der prächtigen Kutsche, die von zwei Füchsen gezogen wurde, und erstarrte bei dem Anblick seiner Resektion. "Was zum Teufel...!" Das Gesicht, was ihn zurück anstarrte, war nicht seines. Der Kerl in der Reflexion war ein blonder Schönling mit himmelblauen Augen und trug eine elegante Robe, die man vom Mittelalter her kannte oder aus Märchen. Da fiel es ihm wie Schuppen von den Augen und die Erinnerung der geheimnisvollen Bibliothek raste nur so auf ihn ein. Hektisch sah er sich um und suchte nach Zoey. Doch sie war nirgends zu entdecken. "Alles in Ordnung eure Majestät?" fragte der Mann ihn besorgt und musterte seinen Prinzen. "Eh, ja, ja. Ich werde etwas spazieren gehen." antwortete der Schwarzhaarige der nun aber Blond war dem Mann und lief einfach darauf los. Als er aus der Sichtweite seines Dieners war, das vermutete Tony bis dato, wer dieser kräftige Bursche war, fasste sich Tony ins Gesicht. Er war mehr als überrascht als er seine Brille in den Fingern hatte. Aber sein Spiegelbild hatte sich keine aufgehabt. Wie war das nur möglich? Doch darüber konnte er sich später Gedanken machen. Er musste erst ein mal nach Zoey suchen. Wo konnte sie nur sein? Sollte er nach ihr rufen? Ihm blieb eigentlich gar nicht anderes übrig und so legte er seine Hände wie einen Trichter an seinen Mund und rief nach seiner Freundin. Dabei drang er immer weiter in den Wald vor und landete plötzlich auf einer Lichtung. Inmitten dieser befand sich ein hoher Turm und Tony lief direkt darauf zu. "Das sieht doch aus wie der Turm, in dem Rapunzel lebt." dachte er sich und blieb unter dem Fenster stehen. "Zoey!" rief er laut und fügte dann an "Lass dein Haar herunter." Egal wie absurd diese Situation gerade war, das konnte er sich dennoch nicht verkneifen.

      "Vergessen ist wie eine Wunde. Es mag zwar verheilen, aber dabei wird es eine Narbe hinterlassen."
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    • Wie sollte sich die Brünette die Zeit in diesem Turm vertreiben. Worauf wartete sie überhaupt? Darauf, das dieser Traum vielleicht einfach zu Ende geht? Zoey lief immer wieder im Kreis, an den Wänden des Gemäuers entlang und malte mit den Fingern die filigranen Zeichnungen entlang. Leise fing sie an eine Melodie zu summen, ein Kinderlied, das sie noch von ihrer Mutter kannte. Schnell taten ihr aber die Füße weh, vom ganzen sinnlos umher laufen, und sie ließ sich seufzend gegend die Wand fallen. So fühlte sich also jede Märchenprinzessin, bevor sie gerettet wurde? Was ein grausames Leben, dachte sich die junge Frau. Genau in diesem Moment, hörte sie eine ihr bekannte Stimme, mit einem noch bekannteren Spruch.

      Sofort sprang die Brünette auf. War das alles doch kein Traum? Eilig lief sie zum gegenüberliegenden Fenster und lehnte sich über die hölzerne Fensterbank. Ganz unten stand tatsächlich Tony. Wie im Märchen der Prinz und Retter von Rapunzel. Sie musste anfangen vor Erleichterung zu lachen. Was eine absurde Situation, vielleicht wusste der Schwarzhaarige was hier vor sich ging. Wie Zoey es aus der Märchengeschichte kannte warf sie die langen Haare über den Fensterhaken und wie gesponnenes Garn fielen sie die vielen Meter hinab zu dem jungen Mann. Neugierig beobachtete sie ihn dabei, wie er den Turm hinauf kletterte und schließlich durch das Fenster in ihren Raum gelangte. Sofort warf sie beide zierlichen Arme um seinen Hals und ging dabei auf die Zehenspitzen. "Ich dachte ich bin hier ganz allein! Gott sei dank bist du hier! Du musst mich hier rausholen!!", quängelte sie sofort los, während sie ihn noch immer umarmt hatte. Die Langeweile hatte der Brünette offensichtlich ordentlich zugesetzt.

      "Dieser Turm ist ein wirkliches Gefängnis", murmelte sie aufgebracht und ließ dabei ihre Augen durch den Raum schweifen. Die braunen Iriden blieben an der beiden Reflektion im Spiegel hängen. Sie war schon gewohnt sich mit blonden Haaren, einem anderen Gesicht und einem altertümlichen Kleid zu sehen. Aber Tony sah auch nicht aus wie er selbst. Ganz im Gegenteil. Die dunklen Haare waren blond, er hatte garkeine Brille und seine Spiegelrekltion trug eine edle Robe. "Wir sind tatsächlich Rapunzel und der Prinz aus dem Märchen?", fragte sie verwirrt nach und löste langsam ihre Arme von ihm, um auf den Spiegel zu zeigen.


    • Nur wenige Sekunden später konnte Tony Zoey im Fenster erkennen, die ihren Kopf herausstreckte und vor Erleichterung auflachte. Auch ihm fiel ein Stein vom Herzen und lachte seiner Freundin entgegen. Sie ließ dann ihr langes Haar herunter, worüber er wiederum staunen musste. War das wirklich seine Studienkollegin? Doch das Gesicht war ganz sicher ihres. Zögerlich schloss er seine Hände um die Haarpracht, die bis zu ihm hinunterreichte und zog sich dann an ihnen hoch. Er befürchtete ihr weh zu tun, doch er konnte keine Ausrufe des Schmerzes von ihr vernehmen. Er stützte sich mit seinen Füßen am Mauerwerk ab, das durch die Unebenheiten ihm genug Halt gab, um nicht abzurutschen. So war es auch um einiges einfacher am Turm empor zu klettern. Oben angekommen warf sich die falsche Rapunzel auch gleich um seinen Hals, sobald seine Füße wieder festen Boden unter sich hatten. Reflexartig legte auch er seine Arme um ihren zierlichen Körper und drückte sie leicht an sich, erleichtert hier nicht alleine zu sein. "Ganz ruhig. Ich lass dich nicht hier zurück." versprach er der Brünetten und sah zu ihr aufmunternd runter. Er wollte es sich gar nicht vorstellen hier nur ein paar Stunden ausharren zu müssen und im Märchen waren es mehrere Jahre, die Rapunzel im Turm leben musste. Bei Zoeys Worten löste auch er sich wieder von ihr und sah in den Spiegel. Wie zuvor blickten ein paar blaue Augen ihm entgegen und das Antlitz eines blonden Prinzen und auch die Brünette erkannte er an ihrer Reflexion nicht mehr. Das lange Haar war fast schon golden und ihre Kleidung war eher einfach, wie von einer Magd. "Aber wie ist das möglich? Und viel wichtiger, wie kommen wir hier weg?" sprach der Schwarzhaarige laut aus. "Glaubst du, wir müssen das Märchen nachspielen?" fragte er dann zögerlich. Das würde für beide noch sehr unschön werden. "Ich springe bestimmt nicht aus dem Fenster, wenn diese Gothel hier auftaucht. Das sind doch bestimmt über 15 Meter. Da brech mir doch den Hals, als dass ich nur meine Augen an Dornen verletze!" erinnerte er sich an die Geschichte und schnaubte verachtend auf. "Und ich brauche schon eine Brille, da kann ich auf Blindheit verzichten." Auch sein Blick wanderte durch den runden Raum, als ob er hier eine Lösung für ihr Problem finden würde und ließ seine Gedanken wandern. "Zoey, wir wissen doch ganz genau wie das Märchen abläuft. Vielleicht können wir das zu unserem Vorteil nutzen." überlegte er dann laut und lehnte sich an einen kleinen Tisch. "Sollen wir es wagen, das Ende umzugestalten?" sprach er weiter und öffnete gedankenverloren eine der Schubladen der Schränke, die vereinzelnd an der Wand lehnten. Als ob das Märchen selbst seine Erlaubnis ihnen gab, fand er im Fach eine Schere. Vorsichtig nahm er sie heraus und hielt sie der Brünetten entgegen. "Was meinst du?"


      "Vergessen ist wie eine Wunde. Es mag zwar verheilen, aber dabei wird es eine Narbe hinterlassen."
      Monkey D. Ruffy


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    • Tonys Versprechen und seine Präsenz allein beruhigten Zoey ein gutes Stück. Was auch immer passiert war, immerhin konnten sie es zu zweit durchstehen. Nicht aber, wenn die Aufgabe war das Märchen eins zu eins nachzuspielen. Die Brünette kannte das Märchen der Gebrüder Grimm in- und auswendig. Nachdem die böse Zauberin von Rapunzels heimlichen Besuch mitbekam schneidete sie ihr die langen Locken ab und verbann sie in eine Wüstenei. Eine Einöde, wo sie arm und allein zurechtkommen musste. Dazu gebar sie auch noch Zwillinge, die sie vom Prinzen bekommen hatte. Das ganze endete zwar mit einem Happy End, aber das alles stand nicht im Sinn der jungen Frau. Offensichtlich erinnerte sich ihr guter Freund ebenfalls daran, wie die Geschichte für ihn weiterging sobald die Hexe Gothel auftauchte. "Ich kann es auch nicht gebrauchen in eine Wüste geschickt zu werden, glaub mir", meinte sie mit verschränkten Armen und verzog die vollen Lippen zu einem beleidigten Schmollmund. Doch über seinen Vorschlag war das braunhaarige Mädchen dennoch überrascht. "Wir sollen das Märchen abändern?", fragte sie verwundert nach und zog dabei die Augenbrauen hoch. Ihre Stirn runzelte sich unter den langen Haarsträhnen. Blieb ihnen eine andere Wahl, wenn sie denn nicht so enden wollten, wie es der Prinz und Rapunzel im Märchen taten? Seufzend spielte sie mit einer der braunen Locken. Sie sollte ihr Lieblingsmärchen zu etwas ganz neuem machen?
      Zoey beobachtete wie der Literaturstudent aus einer Schublade eine Schere zog, welche als Rätsels Lösung dienen sollte. "Du willst Rapunzel die langen Haare abschneiden?!", rief sie entsetzt aus und wich sofort einen Schritt zurück, als ob sie damit die langen Strähnen beschützen könnte, die sich aber durch den ganzen Raum schlängelten. "Ich will auch hier weg, aber wenn wir schon das Märchen ändern können dann soll Rapunzel ihre langen Haare behalten dürfen!", warf sie ihm empört entgegen und verschränkte die schmalen Arme vor der Brust. Natürlich würde ein Mädchen wie Zoey diesen Einwand bringen. Sie verehrte ihre eigenen langen Haare, auch wenn sie definitiv nicht bis zum Boden reichten. Von klein auf war das wohl der traurigste Teil in dem Märchen für sie. "Was spricht denn dagegen, wenn ich an meinen eigenen Haaren runter kletter? Offensichtlich tut es mir nicht weh, egal wie viel Gewicht dran hängt", dachte sie laut nach, wobei sie auch nicht ganz verstand wie diese Märchenlogik funktionierte, "Oder es gibt doch einen geheimen Ausgang? Ich mein was will denn Gothel machen, wenn Rapunzel einfach nicht die Haare runter lässt?" Irgendeine andere Lösung mussten sie auf jeden Fall finden. Zoey war fest davon überzeugt die Haarpracht nicht abschneiden zu wollen.

    • Tony rollte etwas mit den Augen, als Zoey meinte, sie wolle die langen Haare behalten. "Sind die nicht etwas unpraktisch? Bleibst du damit nicht überall hängen?" fragte er vorsichtig, legte aber dennoch die Schere wieder in die Schublade. "Wir können gerne ausprobieren, ob du es schaffst an deinem Haar herunterzuklettern. Aber ob ich dich auffangen kann, falls du doch fällst, kann ich nicht versprechen." machte er ihr gleich klar. Als sie dann den geheimen Ausgang erwähnte, verfiel der Schwarzhaarige ins Grübeln. "Laut der Geschichte wurde Rapunzel nicht sofort in den Turm gebracht, sondern erst, als sie älter war." gab er laut von sich und fing an langsam hin und herzugehen, dabei seine Hand ans Kinn gelegt. "Also müssen sie ja irgendwie in den anders in den Turm gekommen sein. Rapunzel hatte ja auch nicht von Anfang so lange Haare. Das kam doch erst später, oder?" suchte er die Bestätigung von der Brünetten, von der er wusste, dass dies eins ihrer Lieblingsmärchen ist. Wieder schweifte sein Blick durch den Raum, doch diesmal um einen Hinweis auf einen geheimen Eingang zu finden. Da der Raum nicht viel kleiner wirkte als von außen, konnte schon mal in der Wand keine Türe sein. Da bleib eigentlich nur noch eine Bodenluke. Aber die hätte man doch gleich entdeckt, außer... außer man hatte etwas darauf gestellt. "Zoey, hilf mir mal bitte den Schrank zu verrücken." sprach er die Studentin an und stellte sich schon mal zu dem großen Möbelstück. Es sah so schwer und massiv aus, dass man es wohl alleine nicht bewegen konnte. Das ideale Versteck, um darunter eine Falltüre zu verbergen. Zusammen hievten sie den Schrank wenige Meter von der Wand weg und zum Vorschein kamen nicht nur riesige Wollmäuse und verloren gegangene Knöpfe, Münzen und anderen Krimskrams, sondern auch eine alte Bodenluke.
      "Vergessen ist wie eine Wunde. Es mag zwar verheilen, aber dabei wird es eine Narbe hinterlassen."
      Monkey D. Ruffy


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    • "Dann flechte ich halt zwei Zöpfe draus!", brachte sie als Gegenargument, um die langen Haare intakt zu halten. Zu Zoeys Glück legte er tatsächlich die Schere zurück in die Schublade. Aber das bedeutete, sie würde tatsächlich an den eigenen Haaren runterklettern müssen. Und sie dann auch noch von ganz unten runter vom Fensterhaken kriegen. Wenn währenddessen auch noch Gothel auftauchne würde, dann hätten die beiden ein gewaltiges Problem. Doch Tony dachte schon über ihren anderen Vorschlag nach. Überrascht über seine Nachfrage fing sie sofort an heftig mit dem Kopf zu nicken. Natürlich! Rapunzel hatte damals noch garkeine so langen Haare und irgendwie musste sie ja hier oben gelandet sein.
      Zoey eilte dem Schwarzhaarigen zur Hilfe, indem sie an seiner Seite den massiven Schrank versuchte wegzuschieben. Es war logischerweise klar, dass das zierliche Mädchen dabei keine große Hilfe sein würde, aber schafften sie es zu zweit, das Möbelstück ein wenig zur Seite zu verrücken. Erschöpft lehnte sich die Braunhaarige mit dem Rücken gegen den Schrank und stütze völlig außer Atem die Hände auf den Oberschenkeln auf. Ihr braunen Rehaugen blickten dabei zum Boden, wodurch ihr das auffiel, was Tony gesucht hatte. Das wurde ihr erst in diesem Moment klar. "Ach natürlich, da hätte ich auch drauf kommen müssen!", rief sie grinsend auf und stieß sich vom Möbelstück ab, um aus dem Weg zu gehen. "Guter Einfall Tony", meinte das Mädchen zufrieden und stupste ihm dabei in die Seite. Damit hatten sie ihren Ausweg begraben unter Staub, Knöpfen und sonstigem verlorengegangen Kram gefunden. Sie kniete sich vor die hölzerne Bodenluke und wischte einmal den ganzen Schmutz mit der flachen Hand beiseite, bevor sie den versteckten Ausgang mit einem Ruck aufzug. Schmale, unförmige Treppen führten in einer Spirale weit hinunter in die Dunkelheit. Da unten gab es anscheinend keine Lichtquelle, weswegen ihr Blick auf ein Neues durch den Raum ging. Sofort sprang das Mädchen wie eine zusammengedrückte Sprungfeder auf und sammelte eine Kerze und Streichhölzer ein, welche sie dem Schwarzhaarigen hinhielt. "Ladies first?", meinte sie mit einem neckenden Schmunzeln auf den Lippen und deutete dabei mit einer Kopfbewegung auf den Treppenabgang ins Dunkle.



    • Auch Tony musste sich etwas Schweiß von der Stirn wischen, nach dem sie den gewaltigen Schrank zur Seite geschoben hatte. "Darauf wärst du bestimmt auch noch gekommen." winkte er nur ab, als Zoey ihn für diese lobte. Sie lief sofort zu der Luke und wischte den Staub weg, der etwas n der Luft herumwirbelte und mit einer wedelten Bewegung seiner Hand, diesen von ihm weghielt. Die Scharniere quietschten etwas, als die Brünette die Türe mit Schwung öffnete und vorsichtig lugte er in die Öffnung rein. "Ganz schön finster." bemerkte er, als er die steilen Steintreppen sah, die in Dunkelheit führte. Diesmal hatte seine Freundin einen hilfreichen Einfall und eilte durch den Raum. Wieder bei ihm angekommen, hielt sie ihm Zündholz und eine Kerze hin. "Du willst nur nicht, dass ich dir auf deine Haare trete." neckte er zurück und sah auf die langen Strähnen. "Sollten wir nicht erst die Zöpfe daraus machen? Nicht, dass du beim Heruntergehen hängen bleibst oder noch schlimmer, sich ein paar Spinnen darin verfangen." grinste er sie spitzbübisch an. "Ich denke, ich weiß sogar noch, wie man flechtet." bot er ihr an und öffnete noch einmal die Schublade mit der Schere, hatte er darin auch ein rotes Wollknäuel gesehen. "Können wir das gebrauchen?" fragte er Zoey und hielt ihr die rote Wollkugel entgegen.
      "Vergessen ist wie eine Wunde. Es mag zwar verheilen, aber dabei wird es eine Narbe hinterlassen."
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