The Night's Manager [Eari feat. Pumi]

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    • The Night's Manager [Eari feat. Pumi]

      Vorstellung --> The Night's Manager [Eari feat. Pumi] - Vorstellung - ღAnime-Rpg-Cityღ











      Die Stadt breitete sich vor ihm aus wie ein Meer. Gewaltsam kratzten die hohen Gebäude am Horizont, wo vor nicht einmal einer Stunde die Sonne ihren Kampf gegen die Nacht verloren hatte. Aus einer Sonne waren abertausende geworden, die nun versuchten, die Dunkelheit zu vertreiben. Vergeblich, denn sie kamen mit ihrem weit entfernten Licht nicht gegen das an, was die Menschen geschaffen hatten. Alvaro war dort gewesen, als sie Elektrizität entdeckt hatten; ein Konzept, das die Natur schon seit Anbeginn der Zeit kannte. Alvaro war dort gewesen, als die Menschen aus Feuer und Kerzen Lampen und und Laternen gemacht hatten. Heute unterwarfen sie sich nicht mehr dem Zug der Sonne, rannten nicht mehr schnell nach Hause, wenn die Schrecken der Nacht die Macht für ein paar Stunden an sich rissen. Heute waren die Menschen arrogant genug zu glauben, dass es keine Monster gab und das die Nacht ihnen gehörte. Welch törichte Wesen sie doch waren.
      Alvaros Blick galt dem entfernten Horizont, der vagen Erinnerung an das, was alles Leben auf der Erde speiste. Naja, fast alles Leben.
      "Sir? Sie sind hier", informierte ihn seine rechte Hand.
      Jeder, der auch nur ein Fünkchen Verstand und Macht besaß, sollte sich einen Banshee als Sicherheitschefin zulegen. Sie rochen Gefahren schon Tage bevor es überhaupt zu einer Notlage kam und waren dabei genauer in ihren Vorhersagen als jeder Wahrsager.
      Wortlos wandte Alvaro den Blick von der Stadt ab und machte sich auf den Weg ins Untergeschoss. Ihm gehörte das gesamte Gebäude, doch er lud nicht einfach irgendjemanden in die höheren Stockwerke ein. In die Tiefgarage, zu der er jetzt unterwegs war, durfte jeder. Die drei Geschosse darüber waren nur für Mitglieder seines Clubs und diejenigen, die in den höheren Etagen arbeiteten oder lebten. Wenn Alvaro es nicht wollte, musste er dieses Gebäude nicht verlassen. Was mitunter ein Grund war, warum er es nur selten tat.
      Die Fahrt mit dem Aufzug war lang und still, wie immer. Er schätzte die Verschwiegenheit seiner Angestellten sehr. Kein unnötiges Gelaber, das er in den vergangenen Jahrhunderten schon Dutzende Male über sich hatte ergehen lassen. Alvaro war ein stilles Wasser. Sehr tief und sehr still.
      Als sich die Türen im Untergeschoss öffneten sah sich Alvaro dem hässlichsten Teil seines Towers gegenüber: nackte Betonwände, fleckiger Asphalt mit grellen, gelben Linien, die die Fahrtwege markierten und Parkplätze aufzeigten. Doch da war auch eine gewisse Eleganz in der brachialen Einfachheit. Das Untergeschoss folgte seiner Funktion ohne wenn und aber und jeder wusste, wie man sich zu verhalten hatte. So unschön es auch war, das Untergeschoss kommunizierte in klaren, einfachen Worten. Alvaro wusste so etwas zu schätzen.
      Er folgte seiner Sicherheitschefin in einen Raum, der nur für Angestellte zugänglich war. Der Raum war nicht weniger hässlich. Die gleichen Platten aus Beton beheimateten hier einen klapprigen Tisch, der so tat als sei er aus Holz, dabei wusste die ganze Welt, dass er nur aus angemaltem Plastik bestand. Dazu gab es den passenden, potenziell lebensgefährlichen Stuhl und an der hinteren Wand stand eine Reihe an Spinten, in denen das Wachpersonal persönliche Gegenstände und Ausrüstung unterbrachte.
      Alvaro wurde zu einer offenen Tür geführt, die rechts abging. Dahinter lag ein Raum, der sonst für Verhöre oder dergleichen verwendet wurde. Das Mobiliar hatte man beiseite geschoben, um Platz für die Männer und Frauen zu machen, die sich jetzt darin tummelten. Sie alle trugen die Uniform seines Personals und unterhielten sich, bis Alvaro den Raum betrat. Sofort verstummten sie und nahmen Haltung an. Alvaro musterte die Menschen. Mit einem tiefen Atemzug nahm er die Situation in sich auf. Da waren Angst, Respekt, Langeweile. Aber das war nicht, was Alvaro suchte.
      Er trat an einen jungen Mann heran, der gerade alt genug war, um sich einen Bart stehen lassen zu können. Er hatte allerdings noch nicht gelernt, seinen Haarwuchs auch gut aussehen zu lassen und zu pflegen. Alvaros Sinne wurden von Aftershave und billigem Deo überflutet. Der Mann vermied den Augenkontakt mit seinem Chef, den er noch nie zuvor gesehen hatte, dessen Präsenz aber nur zu deutlich war.
      Seine Sicherheitschefin gab keinen Mucks von sich. Auch nicht, als sie einen kleinen Schritt rückwärts machte, als sich der Raum kaum merklich verdunkelte. Alvaro war hier, um jemanden zu bestrafen. Gestern hatten ihn Berichte erreicht, dass jemand in seinem Club gewesen war, dem Hausverbot erteilt worden war. Da musste er sich doch fragen, wie diese Person Zutritt erhalten hatte.
      Völlig unprovoziert schoss Alvaros Hand vor und packte den jungen Mann am Hals, drückte ihn mehrere Zentimeter über dem Boden baumelnd an die Wand.
      "Sicherheitslücken werden nicht geduldet", erinnerte er die versammelte Mannschaft ruhig.
      Er strich mit dem Daumen sanft über den behaarten Kiefer des Mannes. Als er einen sicheren Griff hatte, drehte er sein Handgelenk und brach dem Mann das Genick. Der Schock saß tief in den Menschen. Sie hatten keine Ahnung, dass sie gerade die gnädige Seite ihres Arbeitgebers gesehen hatten. Für sie war er nun ein Monster. Sie wussten ja gar nicht, wie sehr sie damit recht hatten.
      "Luca soll das wegmachen und sich was für die Familie ausdenken", befahl er seiner Sicherheitschefin, "Er darf die Nacht in den Club."
      Sie nickte und fischte sofort nach ihrem Smartphone, um den nötigen Anruf zu erledigen.
      "Werden Sie auch da sein? Falls er nachfragt."
      "Er wird fragen. Die Antwort lautet Vielleicht."
      Wieder nickte die Frau, dann betätigte sie die Schnellwahltaste für den Manager. Alvaro unterdessen kehrte zum Aufzug zurück, fuhr hoch in sein einsame Festung und betrachtete den Horizont, hinter dem die Sonne in naher Zukunft aufgehen würde.


    • "Pack was übrig ist ein, der Junge bleibt hier.", erklärte Luca einem seiner Gehilfen, der sofort nickte und anfing die verstreuten Einzelteile eines alten Ehepaares einzusammeln. Viel war ohnehin nicht übrig, ein paar Finger, Haarbüscheln und einige Teile Fleisch dessen Ursprung man gar nicht mehr ausmachen konnte. Kein Mensch hätte das hier anrichten können, es war auch keiner gewesen, nur jemand der die Beherrschung verloren hatte. Jemand Wichtiges, weswegen Luca selbst hier aufgekreuzt war und nun ein paar Handschuhe anzog um einen halb verspeisten Finger vom Boden aufzuheben. Er trennte den angenagten Teil mit einem Messer ab und warf das Stück zu seinem Assistenten der es in einen der Säcke packte. Den Rest brauchte Luca zusammen mit dem Messer und dem Jungen um den Tatort abzurunden. Ein gelöster Fall war immerhin das beste Alibi das man haben konnte. Wie oft müsste Luca diesem Kerl noch hinterher räumen? Und wieso musste er immer persönlich hier aufkreuzen? Auf der anderen Seite hatte er hiermit einen guten Stammkunden, der mittlerweile schon angekrochen kam, damit Luca ihm aus der Patsche half. Luca hatte viele solcher Kunden, allesamt furchteinflößend und gefährlich, vor Allem für einen einfachen Menschen. Nicht wenn man Luca Vidal hieß jedoch, nicht wenn so ziemlich jedes große Tier einem einen Gefallen schuldete und ohnehin keine bessere Alternative vorhanden war und vor Allem nicht, wenn Luca selbst keinem von ihnen jemals auf die Füße getreten war. Als er jünger war, vor etwas mehr als zehn Jahren hätte er sich niemals vorgestellt, dass das hier sein Job sein würde und doch war er es nun und es machte ihm nicht einmal etwas aus. Luca war gerade dabei dem Tatort den letzten Schliff zu verleihen, als sein Handy klingelte. Er zog die Handschuhe aus, um sie seinem Assistenten beim Vorbeigehen in die Hand zu drücken, dann fischte er das Gerät hervor und blickte aufs Display.
      Lucas Züge veränderten sich ein wenig als er sah wer ihn da anrief und er verließ den Raum um ungestörter zu sein, war sich aber nicht sicher ob er sich nun freuen oder ärgern sollte, dass es Alvaros Assistentin war die ihn anrief und nicht Alvaro selbst. Luca atmete kurz durch, bevor er das Gespräch annahm und mit einem bestimmten "Ja?" antwortete.
      Natürlich ging es um einen Auftrag, eine Leiche, ein junger Bursche scheinbar, aber das war auch gar nicht weiter wichtig, selbst wenn Luca sich manchmal fragte, ob es nicht bessere Wege für die Wesen der Nacht gab ihre Probleme zu lösen. Bezahlung gab es von Alvaro Rey nie, Luca fragte gar nicht danach, aber sein Herz machte einen Sprung als er die Erlaubnis erhielt heute in den Club des wohl mächtigsten und faszinierendsten Mannes zu kommen, dem er je begegnet war.
      "Wird Mr. Rey auch dort sein?"
      "Vielleicht.", ertönte die Stimme auf der anderen Seite der Leitung. Luca verpasste das ganze einen leichten Dämpfer und glücklicherweise war das kein Videoanruf bei dem Alvaros Assistentin ein enttäuschtes Augenrollen gesehen hätte, sowie die Tatsache, dass Luca ein Seufzen unterdrückte.
      "Ich verstehe. Ich bin gleich bei Ihnen." Das war alles das er erwiderte, dann legte er auf. Er nahm sich noch einen Moment um seine Aufregung unter Kontrolle zu bringen, dann steckte er seinen Kopf wieder zur Tür hinein. "Ich muss los. Du weißt ja was zu tun ist. Falls du vor mir zurück bist, es gibt noch ein paar kleinere Aufträge die erledigt werden müssen."
      "J-ja Sir!", erklärte der Mann der nur wenig jünger war als Luca und unter dem Namen Pete bekannt war. Luca arbeitete schon länger mit ihm zusammen und er erinnerte ihn ein wenig an sich selbst, bevor er in diese Welt gerutscht war und bevor er Alvaro kennen gelernt hatte. Irgendetwas stimmte mit ihm aber absolut nicht, sonst würde er diesen Job nicht machen, Luca kümmerte das jedoch wenig und zu den Jobs die Alvaro für den Manager hatte fuhr Luca immer persönlich und alleine. Wer weiß, vielleicht wollte er einfach nur nicht, dass Alvaro mehr Interesse an Pete haben konnte, als an Luca selbst, dabe traf er ihn die meiste Zeit nicht einmal an.

      Kein Blut, keine Organe, nicht einmal ein wenig Hirnmasse. Alvaro war sauber gewesen, das war etwas Gutes. Luca beeilte sich mit seine Arbeit die Leiche zu beseitigen und in der Wohnung des Angestellten zu stöbern, damit er sich eine nette Geschichte ausdenken konnte, warum der liebe Sohn auf einmal nicht mehr bei seinen Eltern aufkreuzte. Die ganze Geschichte glaubwürdig zu inszenieren würde nicht an einem Abend erledigt sein, aber das machte nichts, niemand würd auch nur irgendetwas vermuten, nicht wenn Luca sich darum kümmerte und erst Recht nicht wenn Alvaro sein Kunde war. Wenigstens musste er sich um etwaige Zeugen keine Gedanken machen, Alvaro hatte seine Mitarbeiter sehr gut selbst im Griff.
      Es war schon spät, oder besser gesagt früh, als Luca mit der Sache abschließen konnte, was ihm nicht sonderlich viel Freude bereitete. Er durfte schließlich diese Nacht in den Club kommen und nicht die nächste. Luca raste beinahe nach Hause, damit er eine schnelle Dusche nehmen und sich anschließend seinen besten und teuersten Anzug heraus suchen konnte. Dann raste er gleichermaßen zurück zu dem großen Gebäude das Alvaro gehörte und scheinbar alles beinhaltete, was er brauchte und wollte.

      Als Luca am Eingang des Clubs ankam wurde er sofort eingelassen. Sein Herz raste, noch bevor er Alvaro überhaupt gesehen hatte, der nur vielleicht hier sein würde. Vielleicht war für Luca gut genug und er hoffte nur, dass er ihn nicht verpasst hatte. Luca war ein Idiot, ein verliebter Trottel, der nach Sternen griff die weit außerhalb seiner Reichweite lagen. Besagter Stern hatte ihn nicht einmal persönlich angerufen, noch unterhielt er sich sonderlich viel mit Luca. Das letzte Mal als sie ein richtiges Gespräch geführt hatten war vor Jahren gewesen als er Luca in die Welt in der er jetzt lebte eingewiesen hatte, oder vielleicht sollte man sogar entführt sagen. Hätte Luca irgenwelche engen Freude, dann würden sie ihm vermutlich sagen, er sollte Alvaro vergessen, ihn in den Wind schießen und sich nicht weiter ausnutzen lassen sollte, aber all das konnte Luca nicht tun. Stattdessen setzte er sich an die Bar, bestellte einen Drink und versuchte nicht so auszusehen, als würde er sich nach jemandem umsehen der ganz offensichtlich nicht hier war - noch nicht?
    • Alvaro kümmerte sich nicht viel um die Überwachungskameras, die beinahe jeden Winkel seiner Festung beobachteten. Wenn er einem seiner liebsten Hobbies nachging, dann bevorzugte er live und in Farbe. Das menschliche Leben war von Tragik geprägt, nicht nur wegen seiner Kürze sondern auch, so hatte Alvaro gelernt, weil die Menschen sich nach Schmerz sehnten. Sie konnten einfach nicht anders, als ihre langweilige Lebensspanne mit unnötigem Drama zu füllen, alles zu verkomplizieren bis zu dem Punkt, an dem sie sich selbst damit verletzten. Die Menschen hatten ihre animalischen Instinkte weit hinter sich gelassen und sie gegen Logik eingetauscht in einer Welt, die nicht logisch war. Der Homo sapiens sapiens war die vielleicht dümmste Spezies des Planeten.
      Alvaro wischte träge über den Bildschirm, um eine andere Kameraansicht zu erhalten. Er folgte Luca durch seinen eigenen Club. Der Mann hatte sich herausgeputzt und setzte sich an die Bar. Wer ging einsam und allein einen Club, um ein paar Drinks an der Bar zu haben? Jemand der auf jemand anderen wartete. Alvaro wusste um den Eindruck, den er bei dem Menschen hinterlassen hatte. Die meisten Menschen fürchteten ihn instinktiv - eine der wenigen natürlichen Reaktionen, die sie sich behalten hatten - aber nicht Luca. Der Mann war voller Angst gewesen, aber nie wegen ihm. Mit jedem weiteren Schritt, den er den Menschen in die Nacht geführt hatte, war diese Angst gewichen und mittlerweile war es ein Instinkt, den Luca zu unterdrücken wusste. Zeitgleich konnte er sich immer auf dieses kleine Nagen in seinem Kopf verlassen. Luca war das, was Alvaro einen Überlebenskünstler nennen würde. Nicht viele Menschen überlebten so lange in der Nacht. Die meisten verloren sich in der Logik und entwickelten ein übersteigertes Ego, dass sie irgendwann jemandem auf die Füße treten ließ oder aber sie ließen sich von ihrer Angst kontrollieren und taten das Gleiche, nur eben aus Versehen. Beides endete in einem frühen Tod. Aber Luca... Er wusste um seine Sterblichkeit, seine Zerbrechlichkeit gegenüber allem, das nachts die Straßen regierte. Alvaro beneidete ihn beinahe darum.
      Er schreib eine kurze, schnelle Nachricht an eine Person aus seinem Sicherheitspersonal im Club. Dann beobachtete er, wie der Schrank von einem Mann - das, was Menschen als Höllenhund bezeichnen würden - an Luca herantrat und die Nachricht überbrachte.

      Bring den Manager in den dritten Stock.
      Sorg dafür, dass niemand ihm zu nahe kommt.


      Alvaro hatte nur wenig Lust, dass sich der Mann in dem endlosen Rausch seiner Succubi und Incubi verlor, die für die Unterhaltung im dritten Stock sorgten. Jedes Stockwerk seines Clubs war ein Stückchen exklusiver und in den dritten Stock kamen nur Leute, die sich als mehr oder weniger vertrauenswürdig - und wohlhabend - herausgestellt hatten. Niemand kam einfach so in den Genuss der absoluten Diskretion und Freizügigkeit, die Alvaro hier bot.
      Er wartete einige Minuten, in denen er er sich wieder seiner Aussicht zuwandte. Jahrelang hatte er Luca nur aus der Ferne beobachtet. Doch heute Nacht sehnte er sich nach jemandem, der keine Angst vor ihm hatte und ihm nicht seine Position streitig machen wollte.

      Als er im dritten Stock aus seinem privaten Aufzug stieg, traf ihn eine Welle aus Schweiß, Lust und Erregung mitten ins Gesicht. Vielleicht sollte er ein Limit an Orgien pro Woche einführen.
      Er ging den schmalen Flur entlang in den Clubbereich, der sehr viel leerer war als das Erdgeschoss, in dem sich Partygänger tummelten. Hier oben war die Musik gedämpfter und war nur im Hintergrund zu hören, während man dem Gesang der Lust lauschte, der von dem Knäul aus Körpern im Zentrum des größten Raumes erklang. Der Raum war nur spärlich beleuchtet und dunkel ausgekleidet. Tische und Sitzgelegenheiten verbargen sich in abgeschiedeneren Nischen in der kreisrunden Form des Raumes. Von überall hatte man - sofern gewünscht - eine perfekte Sicht auf das Spektakel auf der Bühne in der Mitte: die Orgie, die von den Succubi und Incubi in Alvaros Diensten dirigiert wurde. Sie bestand zu gleichen Teilen aus Monstern und Menschen, aber alle hatten ihren Spaß.
      Als Alvaro den großen Raum betrat, änderte sich die Stimmung für einen kurzen Augenblick. Die Personen in der Mitte waren zu sehr in ihrem Rausch, um seine Anwesenheit zu bemerken, aber die Zuschauer warfen alle einen schnellen Blick in seine Richtung, wurden sich auf einem instinktiven Level seiner bewusst. Alvaro schenkte niemandem Beachtung, als er zielstrebig durch den Raum schlenderte. Luca saß allein in einer der Nischen, der Höllenhund stand daneben. Alvaro entließ ihn mit einem stummen Nicken, bevor er sich Luca gegenüber an den Tisch setzte. Nur einen Augenblick später stand Lucas Liebslingsdrink vor ihnen, einen für jeden.
      Anders als der Manager hatte sich Alvaro nicht besonders herausgeputzt. Er trug schwarz - wie immer. Die Ärmel seines Hemdes waren unordentlich bis zu den Ellenbogen hochgekrempelt, die obersten zwei Knöpfe offen. Seinen Haaren hatte er keinerlei Beachtung geschenkt. Alvaro hatte vor langer Zeit aufgehört, sich um sein Äußeres zu sorgen. Darauf kam es nicht an. Auch wenn er gegen das Aussehen des Managers nichts einzuwenden hatte.


    • Luca war nicht sicher welche Wesen sich hier herum trieben, aber der unterste Stock des Clubs war randvoll und laut. Als Mensch fehlten Luca die Sinne um jedes einzelne der unnatürlichen Wesen bestimmen zu können, aber zumindest wusste er Mensch von Nicht-Mensch zu unterscheiden, auch wenn das bei dem Höllenhund der sich vor ihm aufbaute wohl jedem klar gewesen wäre. Luca blickte von seinem einsamen Drink auf, ohne Angst, er hatte früh gelernt, dass Angst zu zeigen etwas sehr schlechtes war und gerade in diesem Moment hatte er auch keine. Solange er den Hund nicht reizte würde ihm auch nichts passieren, zumal er ganz offensichtlich zu Alvaros Personal gehörte. Alvaro hatte keinen Grund unzufrieden mit Luca zu sein, das wusste er, er hatte seinen Job heute gut gemacht, perfekt eigentlich. Trotzdem war er überrascht als er dem Höllenhund folgen sollte und sie zusammen in einen der Aufzüge stiegen. Der Mann war riesig und konnte Luca vermutlich mit einem einzigen Finger töten, weil er nach all den Jahren immer noch nur ein einfacher Mensch war, dessen einziger Vorteil es war unter all den anderen Menschen nicht groß aufzufallen. Lange hatte er sich gefragt warum Alvaro ihm diese Welt gezeigt hatte, ihn aber dennoch nie zu einem von ihnen gemacht hatte. Er empfand es allerdings auch als unhöflich und peinlich ihn einfach zu fragen.

      Luca war aufgeregt, aber nicht wegen der mörderischen Aura die den Hund umgab, oder dem einschüchternden Aussehen, nein er war aufgeregt, weil er sich die Hoffnung machte Alvaro gleich gegenüber zu sitzen. Als die Aufzugtür sich aufschob erwartete Luca weitaus weniger Getümmel als zwei Stockwerke unterhalb, in dem der Höllenhund als Keil fungiert hatte um die Menge auseinander zu treiben und Luca gemütlich passieren zu lassen. Hier oben waren auch einige Besucher, die aber weitaus weniger Aufmerksamkeit erregten als die verschiedensten Wesen die sich in der Mitte des Raumes tummelten. Lucas Blick blieb nur einen Moment an dem Spektakel kleben, sein Interesse galt all dem allerdings nicht. Der Höllenhund führte ihn zu einem Tisch, Luca setzte sich und blieb die wenige Zeit die er wartete nicht alleine. Er war s nicht gewohnt einen Bodyguard an sich kleben zu haben, aber es gab ihm immerhin etwas worüber er nachdenken konnte. Zumindest solange bis sich die gesamte Stimmung des Raumes auf einmal veränderte. Die Meisten hier bemerkten es, auch Luca und während sein Herz schneller schlug fragte er sich doch auch ob Alvaro nicht einfach woanders Platz nehmen würde, aber nein, er steuerte direkt auf Luca zu, der seine Augen kaum von ihm nehmen konnte, es aber dennoch etwas beschämt tat. Während andere Menschen sich vermutlich ähnlich fühlten wie Luca, so war es doch etwas gänzlich anderes. Sein Herz raste beinahe und löste ein kribbeln in seiner Brust aus, er musste schlucken und die Haare in seinem Nacken stellten sich auf, aber Luca hatte keine Angst, was er fühlte war etwas völlig anderes. Liebe war vielleicht etwas zu weit gegriffen, aber irgendetwas in der Art, als hätte dieser Vampir ihn vor all den Jahren verzaubert, nur um selbst jetzt noch Macht auf ihn auszuüben.
      Als Alvaro sich setzte konnte Luca es kaum glauben und noch viel weniger wusste er, was er überhaupt zu ihm sagen sollte, in welcher Form er mit ihm sprechen durfte. Der Höllenhund verschwand und Luca ging die Zeit aus sich etwas zu überlegen. Damals hatte er seinen Vornamen benutzt, damals hatte er Alvaros Nachnamen gar nicht gekannt, aber mittlerweile wusste Luca sehr gut wer er war und wo er in der Rangfolge stand. Jeden Tag hatte Luca mit irgendwelchen furchteinflößenden und teils brutalen Wesen zu tun und er hatte kein Problem damit mit ihnen zu sprechen, aber jetzt fehlten ihm schlicht und einfach die Worte und er umklammerte das Glas das vor ihn gestellt wurde als wäre es ein Rettungsring.
      Luca haderte immer noch mit sich selbst, wusste nicht, ob er den Geschäftsmann heraus hängen lassen sollte, oder lieber der alte Freund, oder vielleicht eher Bekannte sein sollte, er wusste auch immer noch nicht ob er ihn nun Mr. Rey, oder doch lieber Alvaro nennen sollte, aber es war dringen an der Zeit den Mund aufzumachen.
      "Es ist lange her...", begann er schließlich mit einem Lächeln auf den Lippen und einem verstohlenen Blick von seinem Drink auf zu Alvaro. "... gemessen an der Lebenspanne eines Menschen."
    • "Anders, als Menschen es sich gern vorstellen, vergeht die Zeit für mich auch in Jahren", antwortete Alvaro schlicht.
      Es wahr eine Weile her, seit sie einander zuletzt gesehen hatten. Natürlich hatte Alvaro immer ein Auge auf den Menschen gehabt, wie auch alle seine Schäfchen. Er hatte nicht erwartet, dass Luca so lange durchhalten würde. Er konnte den ziellosen Studenten noch genau vor sich sehen, der seine Zeit lieber mit einem auseinanderfallenden Buch verbrachte, als in einen überladenen Club zu gehen.
      "Du hast dich verändert", kommentierte der Vampir und nippte an seinem Drink.
      Eine Art Welle ging durch den Raum, als er das tat. Die Leute verloren das Interesse an ihm beinahe augenblicklich. Nun war klar, dass Alvaro gekommen war, um zu bleiben und sich zu unterhalten, nicht um irgendjemanden den Kopf einzuschlagen oder dergleichen. Seine Aufmerksamkeit galt einzig und allein dem Menschen, der ihm gegenüber saß und sich nervös an seinem Getränk festklammerte.
      "Ich muss gestehen, dass ich ein bisschen stolz bin das Recht beanspruchen zu können, den großen Manager in die Welt der Nacht geführt zu haben. Du warst eines von vielen Experimenten, die ich aus Langeweile angefangen habe und jetzt sitzt du hier... Vor dir hat das noch kaum jemand geschafft. So lange zu überleben, meine ich. Eindrucksvoll."
      Er musterte Luca eingehend. Die Zeit war nicht spurlos an ihm vorbeigegangen, nicht für Alvaros Augen. Ein Mensch hätte die Unterschiede vielleicht nicht so sehr bemerkt. Luca war sterblich, das stand ihm ins Gesicht geschrieben. Er hatte ein gutes Drittel seines Lebens hinter sich.
      "Wie macht sich Pete?"


    • Luca blickte wieder auf den Drink in seinen Händen. Er hatte das Gefühl etwas ziemlich dummes gesagt zu haben, toll gemacht, nach all den Jahren des Schweigens und Kommunizierens über Alvaros Assistentin. Wie oft schon war er in diesem Club gesessen wegen eines Vielleichts, aber heute war der Vampir tatsächlich hier und saß Luca gegenüber. Er hatte auf ihn gewartet, sich aber scheinbar nicht die Mühe gemacht sich zu überlegen, was er denn überhaupt sagen würde. Luca hatte nicht damit gerechnet, dass der Vampir ihn immer noch so sehr aus der Bahn werfen konnte.
      "Du hast mich verändert.", erwiderte Luca. Alvaro hatte ihm diese Welt doch erst gezeigt und eine Aufgabe, auch wenn sich das Tatort reinigen in Grenzen gehalten hatte als er damit begonnen hatte die Wesen der Nacht dabei zu Unterstützen ihre Angelegenheiten zu klären. Anfangs hatten sie nur jemanden gebraucht der auch tagsüber in ein Amt marschieren konnte, um irgendwelche Papiere auszufüllen. Luca hatte sich hochgearbeitet, alleine - zumindest glaubte er das.
      "Naja... viele wollen eben meine Hilfe und ich bin Zuverlässig. Aber das weißt du ja.", entgegnete Luca mit einem weiteren verstohlenen Blick, ehe er sich dazu entschloss auch einen Schluck von seinem Getränk zu nehmen, vielleicht half das ja seine Aufregung ein wenig zu lindern. Luca verschluckte sich jedoch beinahe an seinem Drink. Woher wusste Alvaro überhaupt von... Luca wusste, woher er es wusste, aber wieso fragte er ihn nach Pete?
      "Ganz gut. Ich dachte ein Assistent macht nur Probleme, aber mittlerweile weiß ich ihn zu schätzen. Immer mehr Leute wollen meine Hilfe." Hatte der Vampir Luca deshalb eingeladen? Der Manager sah die Ähnlichkeit ja selbst...
    • "Sei vorsichtig. Du bist für ihn verantwortlich und jeder kennt deinen Namen. Wenn er jemandem in die Quere kommt, fällt das zwangsläufig auf dich zurück. Wäre schade, wenn du wegen einem anderen Menschen stirbst."
      Jemanden in die Welt der Monster einzuführen war eine heikle Angelegenheit. Selbst wenn man so gut vernetzt war wie Luca hier gab es immer noch genug Leute, die ihn als Nachtisch ansahen. Alvaro könnte nichts dagegen unternehmen, wenn jemand es wegen einem Patzer von Pete auf Luca abgesehen hätte.
      "Aber genug von Pete. Ihn habe ich nicht hierher eingeladen. Und dich habe ich nicht eingeladen, um über ihn zu sprechen."
      Die meisten Menschen als Personen waren Alvaro egal. Er beobachtete sie gern wie ein Mensch vielleicht Gefallen an den Fischen in einem Aquarium fand. Er interagierte selten länger als nötig mit ihnen. Luca war da anders. Obwohl er ihn heute das erste Mal seit langem wieder in Person sah, das Gefühl war das Gleiche wie in der Nacht, in der er den Menschen kennengelernt hatte. Luca war einer dieser sehr seltenen Menschen, die Alvaro von Natur aus interessierten. Meistens wusste der Vampir nicht, warum. Er war alt genug um zu wissen, dass man manche Dinge einfach nicht hinterfragte, denn man würde niemals eine Antwort darauf erhalten.
      "Du bist nicht der Einzige, der in Erinnerungen immer wieder zu diesen drei Nächten zurückkehrt", wechselte Alvaro das Thema, "Ich hätte damals schon erkennen sollen, was du bist. Ich schätze, mit dem Alter bin ich ein bisschen langsam geworden."


    • Luca hatte nicht mit einer Warnung gerechnet, schon gar nicht mit einer die fast schon klang als wäre Alvaro Lucas Vater, der ihn ermahnen musste nicht so leichtsinnig zu sein. Luca hätte allerdings nicht so schnell für den Vampir da sein können, wenn er sein Geschäft nicht erweitert hätte, einen halbfertigen Tatort zu verlassen kam nicht in Frage, wenn Luca keine Fehler zulassen wollte. Er konnte sich Feinde in beiden Welten machen. Um genau zu sein hatte er in der Welt der Menschen vermutlich sogar ein paar, die hielten sich aber glücklicherweise an gewisse gesellschaftliche Regeln und Gesetze. Luca sah nur ein wenig beschämt zur Seite, weil er sich tadeln lassen musste und er überdachte sein vertrauen zu Pete tatsächlich aufs Neue.
      Nachdem Alvaro allerdings derjenige war der das Thema Pete vom Tisch wischte, war der Junge auch für Luca schnell vergessen, zumindest für den Augenblick. Er hatte sich wohl zu viele Sorgen gemacht, dass der Vampir eventuell an jemand anderem Interesse zeigen konnte, oder der sehr sehr sehr viel ältere Mann spielte nur mit dem naiven Menschen der Luca irgendwo immer noch war. Selbst wenn, selbst wenn da ein Gefühl in seinem Magen gewesen wäre, dass ihn vor Alvaro warnen wollte, Luca interessierte das nicht, er legte lieber sein Vertrauen in den Vampir, der ihn zu dem gemacht hatte der er war und das ganze ohne ihn seiner Menschlichkeit zu berauben.
      "Du schmeichelst mir zu sehr...", erklärte Luca mit einem leichten Murmeln, ehe er zum ersten Mal einen kurzen Blick in den Raum warf. Er fragte sich ob die anderen Gäste sich fragten was der große Alvaro von Luca wollte, konnte er doch jederzeit einen Mittelsmann schicken. Weder wusste er was diese Leute denken, noch auf was Alvaro da eigentlich anspielte. "Was ich bin? Ich verstehe nicht ganz."
    • Alvaro ließ sich Zeit mit seiner Antwort. Er beobachtete, wie sich Luca umsah, während er an seinem eigenen Drink nippte. Zugegeben, ein Sexclub war vielleicht nicht beste Kulisse für eine derartige Wiedervereinigung, aber ehrlich gesagt war das Alvaro egal.
      "Du darfst gern mitspielen, wenn du willst", kommentierte er schlicht.
      Solange jemand legitimen Zugang zu diesem Stockwerk hatte, genoss man alle Vorzüge, die damit einhergingen. Die Regeln wurden hier nicht besprochen. Wer hier war, kannte sie und hielt sich dran oder musste mit den Konsequenzen umgehen.
      "Es mag in deinen Ohren vielleicht nach einem Klischee klingen, aber du bist etwas Besonderes. Für mich, zumindest. Alle paar Jahrzehnte treffe ich jemanden wie dich. Meistens sterben diese Menschen viel zu früh, aber du... du weißt, wie man überlebt. Deswegen habe ich das Schweigen gebrochen. Ich will teilhaben. An deinem Leben. An dir. Drei Tage sind mir nicht mehr genug."


    • "Nein danke.", erwiderte Luca schnell. Er hatte kein Interesse an irgendjemand anderem als Alvaro, im Speziellen nicht jetzt, wo er ihn nach all den Jahren endlich wieder sah, den Mann den er nicht mehr hatte vergessen können. Alles was Luca getan hatte, seine Karriere als der Manager, all das hatte er in Wahrheit nur getan, weil er gehofft hatte Alvaros Aufmerksamkeit erneut zu erlangen. Das Geld war ihm gal, seine Sicherheit ganz offensichtlich auch, wenn er sich mit Wesen wie diesen hier einließ, aber scheinbar hatte sich das alles ausgezahlt, auf eine sonderbare Art und Weise.
      "An meinem Leben? Mein Job ist mein Leben, da ist nicht viel mehr, ich weiß nicht, ob du das sehr spannend findest." Wenn man so alt war wie Alvaro musste man schon alles gesehen haben und irgendwelche Tatorte zu reinigen war nicht sehr spannend, vor Allem nicht wenn der Vampir die Hälfte davon selbst verursacht hatte. Der Rest war hauptsächlich Papierkram - auch nicht sehr spannend, aber Luca hatte eine Frage die ihn brennend interessierte.
      "Das mag jetzt vielleicht anmaßend klingen, aber wieso hast du diese Menschen nicht einfach zu einem von euch gemacht?"
    • Alvaro schmunzelte leicht.
      "Wie menschlich von dir, nicht zu sehen, dass du mehr bist als deine Arbeit."
      Alvaro leerte sein Glas und stand auf. Er bedeutete Luca mit einem leichten Nicken, ihm zu folgen. Die Blicke waren diesmal verhaltener als noch zuvor. Starrte man Alvaro an, war das in Ordnung. Beobachtete man seine Geschäfte, konnte das schnell lebensgefährlich werden.
      Der Vampir führte Luca zu seinem privaten Aufzug. Schweigend nahm er den Menschen mit in ein Stockwerk, das nur wenige zu Gesicht bekamen. Die ersten paar Räume wirkten beinahe wie ein Krankenhaus. Das Personal nickte Alvaro freundlich zu, alle trugen die typische Kleidung von Chirurgen, nur dass die Kittel fehlten. Das Wachpersonal allerdings war schwer bewaffnet und alle trugen einen sehr stabilen Schutz um ihren Nacken und ihre Handgelenke.
      Alvaro bog ab und führte Luca einen weniger freundlichen Gang hinunter. Rechts und Links waren Türen, daneben Fenster aus kugelsicherem Glas. In jedem Raum lebte eine Person. In jedem Raum herrschte absolutes Chaos. Die wenigen Möbel waren oft zerstört, lagen verstreut herum. Die Wände waren zerkratzt und teilweise blutverschmiert.
      Alvaro blieb vor einem der Sichtfenster stehen.
      "Mein neuster Gast", erklärte er und klopfte leicht gegen das Fenster.
      Sofort knallte ein Körper gegen die Scheibe und ein Wesen, das menschlich aussah, aber mehr Monster war, kratzte an der Scheibe. Als es damit keine Fortschritte machte, warf es einen Stuhl gegen die Scheibe. Alvaro blinzelte nicht einmal angesichts dieser enormen Aggression.
      "Miles wurde vor etwa drei Tagen verwandelt. Selbst wenn er jemanden gehabt hätte, der ihm seine neue Welt erklärt, wäre er jetzt in einem ähnlichen Zustand. Ich habe schon vor drei Ewigkeiten aufgehört, Menschen das anzutun."
      Der junge Mann stand schwer atmend vor der Scheiße, durchlöcherte Alvaro mit einem stechenden Blick. Der Kampf in seinem Inneren war deutlich zu sehen. Der Mensch und das Monster rangen um Kontrolle.
      "Das hier ist nur der Anfang. Sollte Miles es nicht schaffen, das Monster in sich zu kontrollieren, werden wir ihn töten. Schafft er es, wird er ein Leben im Kampf um die Kontrolle führen. Menschen romantisieren Vampire gern. Das hier ist die Wahrheit. Nun verrate mir: Ist es das, was du dir wünschst?"


    • Luca war noch nie besonders viel gewesen. Bevor er Alvaro getroffen hatte war er ein Student, nur weil seine Eltern von ihm erwartet hatten, dass er studierte und jetzt war er der Manager, weil er sich erhofft hatte, dass Alvaro es war der das tatsächlich von ihm erwartet hatte. Freunde zu haben schien in dieser Welt etwas zu sein das ihm nur schaden würde und Alvaro hatte Recht damit, dass Pete ebenso ein Risiko darstellte.
      Das alles war allerdings unwichtig als Alvaro aufstand und Luca zunickte, so wie er es vor Jahren getan hatte ohne viel dazu zu sagen und Luca war ihm in eine neue, bisher verborgene Welt gefolgt. Auch heute stand er schnell nach ihm auf und folgte dem Vampir durch den Raum. Weder hingen Blicke an ihm, noch an Alvaro als sie auf den Aufzug zu steuerten, auf den privaten Aufzug den Luca bisher noch nie betreten hatte.
      Damals war Luca dem Vampir hinterher gelaufen wie ein aufgeregter Welpe, auch heute hatte er keine Angst, aber sein Gang hatte sich verändert, war fester und bestimmter als zuvor und sein Kopf aufrecht. Er zögerte nicht als er den Aufzug betrat und auch nicht als er ihn verließ, selbst dann wenn er keine sterilen, weißen mit Neonröhren beleuchteten Räume erwartet hatte.
      Neugier war niemals gut im Job des Managers, zumindest zu viel Neugier konnte ihn schnell töten, das war auch jetzt der Grund, warum er nicht versuchte jede kleine Ecke mit seinem Blick zu schweifen, auch wenn er keine Angst vor Alvaro hatte, die hatte er nie. Er folgte ihm durch zwei Räume, scheinbare Ärzte gingen ihrer Arbeit nach und das bewaffnete Wachpersonal schien sich vor Vampirangriffen zu schützen, so viel konnte Luca ausmachen. Er ahnte worauf das hinauslief.
      Er folgte Alvaro in einen Gang der nun mehr zu einem Gefängnis zu gehören schien als einem Krankenhaus. Ein Blick in eines der Fenster bot einen chaotischen Anblick und schließlich hielten sie vor einer der Türen an.
      Luca war nicht mehr leicht zu erschrecken, dennoch zuckte er ob der blitzschnellen Antwort auf Alvaros Klopfen leicht zusammen. Er bewegte sich allerdings nicht von der Stelle, sondern betrachtete das einst menschliche Wesen, das es wohl auf Blut abgesehen hatte.
      "Das lässt du mich also des Öfteren Aufräumen.", stellte Luca fest, nicht alle Tatorte waren so sauber wie der den er heute gereinigt hatte. Luca wandte seinen Blick von der Scheibe ab und sah den Vampir an. "Das kommt darauf an.", erwiderte Luca statt ein bestimmtes Nein zu äußern, das Alvaro hiermit wohl bezwecken wollte. "Wie viele von ihnen schaffen es denn?"
    • Alvaro machte einen Schritt nach vorn und legte seine Hand flach gegen die Scheibe. Er hatte keinerlei Verbindung zu Miles. Er war nur ein Kind, das Hilfe brauchte.
      "Einer in zehn", beantwortete er Lucas Frage.
      Miles legte seine Hand an die Scheibe, suchte den Kontakt zu jemandem. Der Kampf in ihm war Kräfte zehrend und er wollte einfach nur, dass es vorüber war. Die Verzweiflung in seinem Blick verriet Alvaro, dass Miles es nicht schaffen würde.
      Der Moment verstrich und das Monster schlug mit der anderen Hand gegen das Glas, knurrte und brüllte und versuchte alles, um an den Mann auf der anderen Seite heranzukommen. Alvaro ließ die Hand sinken und wandte sich Luca zu. Wie zuvor an der Glasscheibe, legte er seine flache Hand nun auf Lucas Brust. Einen Moment erlaubte er sich, den kräftigen Herzschlag des Menschen zu spüren. Er hallte in seinem eigenen Körper wieder.


    • Das Klopfen und Kratzen hörte nicht auf und Luca fragte sich ob er einer von zehn sein konnte, oder wollte. So sehr er auch in Alvaros Nähe sein und bleiben wollte, er hatte das Gefühl, dass der Vampir es nicht auf eine Ewigkeit mit Luca abgesehen hatte, egal ob er es schaffte oder nicht. Noch mehr glaubte er, dass es die Tatsache war, dass er ein Mensch war, die Alvaros Interesse neu entfacht hatte. Als der Vampir die Hand an das Sicherheitsglas legte glaubte Luca sogar Mitleid zu spüren das von ihm ausging, vielleicht war er sogar traurig, dass das mit allen passieren würde, die er versuchte an sich zu binden? Nein, Luca spekulierte zu viel über einen Mann mit dem er in den Letzten Jahren kaum Zeit verbracht hatte.
      Als der Vampir sich umdrehte und seine Hand nun auf Lucas Brust legte zuckte er mehr zusammen, als er es getan hatte als das Monster zur Scheibe gehechtet war. Was auch immer Alvaro gerade tat, Luca wollte ihn nicht unterbrechen, also blieb er einfach nur still stehen. Die Stelle an der der Vampir ihn berührte fühlte sich warm, beinahe schon heiß an. Es war die Geste, nicht die kalte Haut die ohnehin nur auf Stoff traf, die das verursachte und seinen Herzschlag in seinem Kopf widerhallen ließ.
      "Wie waren die anderen?", brach Luca schließlich das Schweigen zwischen ihnen. "Die anderen Menschen, die dich interessiert haben, meine ich."
    • "Einzigartig. Jeder von ihnen war einzigartig", antwortete Alvaro leise.
      Er zwang sich dazu, den Moment zu beenden und seine Hand wieder sinken zu lassen.
      "Ich könnte jetzt ein Gentleman sein und sagen, dass die Wahl ganz die deine ist. Dass ich mich nicht in dein Leben einmischen werde, wenn du nicht möchtest. Aber wir wissen beide, dass du nicht Nein sagen wirst. In den letzten zehn Jahren bis du bei jedem Vielleicht hier aufgetaucht. Jedes Mal allein. Und als du mich vorhin gesehen hast, hat dein Puls mir alle weiteren Fragen beantwortet."
      Alvaro machte den letzten Schritt auf Luca zu, stand nun nur Zentimeter von ihm entfernt.
      "Wäre ich in der Stimmung, ein Gentleman zu sein, würde ich dich vor mir warnen. Dir sagen, dass ich immer bekomme, was ich will, wenn ich es will. Dass ich ein Monster bin, das nur gern Mensch spielt. Ich bin Schatten und Rauch. Klauen und Zähne."
      Der Raum um sie herum verdunkelte sich ein wenig, Miles zuckte von der Scheibe zurück und kauerte sich ans hintere Ende seines kleinen Raumes, brachte Abstand zwischen sich und Alvaro.
      "Ich habe Millionen Erinnerungen zur Auswahl und doch bin ich immer nur zu diesen drei Nächten zurückgegangen. Drei Nächte sind nicht genug. Nicht für mich."


    • Einzigartig? Das war gut, das bedeutete immerhin, dass Luca nicht nur einer von vielen war, auch wenn es in diesem Fall einer alle paar Jahrhunderte geheißen hätte. Alvaro nahm seine Hand wieder von Lucas Brust, dabei hatte sie ihm nichts ausgemacht. Er wusste aber nur zu gut, dass der Vampir es genau merkte, wenn Lucas Puls in die Höhe schoss, nur weil er in seiner Nähe war. Es hatte keinen Zweck so etwas vor einem Vampir verbergen zu wollen, Luca war ein offenes Buch für Alvaro, das wussten sie beide, der Vampir musste es nicht aussprechen.
      Es war keine Zeit sich zu beruhigen, der Vampir kam noch näher als zuvor, selbst wenn er den Menschen dabei nicht berührte. Ob nun irgendjemand in diesem Gang war, ob die Gefangenen, oder Patienten sich an die Scheiben drängten um einen Blick darauf zu erhaschen, dass der große Alvaro sich für einen Menschen so sehr interessiert, es war Luca egal. Nicht wie es ihm egal war, dass menschenfressende Monster seine Kunden waren, in diesem Moment existierte für ihn nur der Vampir und niemand sonst.
      Luca bewegte sich keinen Millimeter von der Stelle, er wich nicht zurück, nicht einmal dann, als der Raum dunkler wurde und alle anderen Anwesenden die für Luca ohnehin unwichtig waren, erzitterten. Der Mensch hatte keine Angst vor dem Vampir, er hatte sie nie gehabt, vielmehr war er fasziniert. Es war seltsam, damals hatte es so viele Dinge gegeben vor denen Luca sich gefürchtet hatte, aber niemals Alvaro, nicht einmal dann, als er ihm all die Monster die in den Schatten existieren präsentierte.
      Nichts hiervon war eine Frage und es musste auch keine sein. Luca hatte diese drei Nächste immer in Erinnerung behalten, er fühlte sich als wäre es gestern gewesen, wenn er daran zurück dachte. Selbst jetzt fühlte er sich als wäre er wieder der einundzwanzig jährige, naive und weltfremde Student.
      "Und auch nicht für mich.", erklärte Luca, auch wenn es keiner Antwort bedurfte.
    • Alvaro musterte Lucas Gesicht eingehend. Da war kein Zweifel, keine Angst. Der Mensch wollte das hier seit diesem ersten Treffen. Ihm erging es da nicht anders, nur hatte er sehr viel länger gebraucht, um zu begreifen, was Luca war.
      "Deine Nächte werden nun eine ganze Ecke komplizierter werden, Luca. Aber nicht heute. Die Sonne geht bald auf."
      Wie zehn Jahre zuvor auch hatte Luca absolut keine Ahnung, worauf er sich gerade eingelassen hatte und Alvaro würde seine Welt ein weiteres Mal auf den Kopf stellen.
      Er führte den Menschen wieder zurück zum Aufzug, wo bereits seine Sicherheitschefin wartete.
      "Luca erhält Zugang zu allen drei Stockwerken", verkündete der Vampir und sie begann, auf einem Tablet herumzutippen, "Und zum Penthouse."
      Die Frau stutzte kurz, tippte dann aber weiter, ohne einen Kommentar dazu abzugeben. Sie stellte Alvaro nicht in Frage, niemals. Einer der Gründe, warum die Position innehatte, die sie nun einmal bekleidete.
      Sobald sie fertig war nickte sie bestätigend und ließ die beiden Männer wieder allein, als Alvaro in den Aufzug stieg und Luca bedeutete, ihm zu folgen. Sie fuhren wieder runter in den Club, den dritten Stock davon. Die Orgie hatte sich mittlerweile aufgelöst, auch wenn man hier und da noch ein eindeutiges Stöhnen aus den privateren Nischen hören konnte.
      "Morgen Nacht", verabschiedete sich der Vampir, kaum das Luca aus dem Aufzug getreten war.
      Er drückte den Knopf für sein Penthouse und die Türen schlossen sich zwischen ihnen.


    • Auch wenn Luca sich oft vorkam wie ein verknalltes Schulmädchen, so wich er Alvaros Blick dieses Mal nicht aus. Er wartete den Moment ab den es dauerte bis Alvaro sich sicher war, dass Luca es ernst meinte, selbst dann wenn er nicht wusste, in was er gerade eingewilligt hatte. Es war ihm egal, Alvaro war was zählte, dennoch stellten sich Luca einige Fragen, die er allerdings nicht stellen wollte, jetzt wo er sich zurück in der Realität befand und die anderen anwesenden Personen sehr wohl wieder eine Rolle für ihn spielten.
      Er folgte dem Vampir zurück durch die zwei grellen Räume und zum Aufzug. Dort wartete eine Frau, als hätte sie gewusst, dass sie gebraucht wurde und kurzerhand wurde Luca die Freigabe erteilt den Club - alle Stockwerke - nach blieben zu betreten. Damit ware sie scheinbar alle drei zufrieden, die letzte Anfrage des Vampirs jedoch lies nicht nur die Sicherheitschefin für einen Moment stutzen, sondern auch Luca, der sich allerdings kurz darauf schon darüber freute. Er zeigte es nicht, zumindest nicht Alvaros Sicherheitschefin, aber vor dem Vampir konnte man nur schwer etwas verbergen.
      Kurz darauf waren sie wieder auf dem Weg nach unten. Der Geruch im 3. Stockwerk war immer noch penetrant, selbst für einen Menschen, aber es war sehr viel ruhiger geworden und Luca fragte sich wie viel Zeit er tatsächlich mit Alvaro verbracht hatte. Es waren ihm nur wie ein, oder zwei Minuten vorgekommen, vermutlich war es sehr viel länger gewesen.
      Luca trat heraus, drehte sich um und war nicht recht sicher was der Vampir nun vor hatte, aber das hier war fürs erste ein weiterer Abschied. Die Worte die der Vampir von sich gab hörte Luca nicht zum ersten Mal. Er hätte damals nicht nur drei Nächte, sondern auch drei Tage mit dem Vampir verbracht, aber der Tag war nichts für einen Vampir. Luca nickte zur Antwort als die Tür bereits halb geschlossen war und kurz darauf war er wieder alleine.

      Luca wusste gar nicht, wie er sich fühlen sollte. Er war glücklich, wäre am Liebsten in die Luft gesprungen, aber jetzt da die Euphorie langsam nachließ stellte er sich auch ein paar Fragen. Er wusste nicht was Alvaro von ihm wollte, oder wie viel Zeit er in Anspruch nehmen würde. Der Manager hatte immer noch einen Job, den er größtenteils ebenfalls Nachts erledigte. Er würde Pete eventuell doch brauchen und doch sollte er ihm vermutlich auch nicht zu viel Verantwortung übertragen, zumal er auch immer noch unerfahren und unsicher war. Luca müsste erst noch herausfinden wie er seine Tage und Nächste von nun an gestallten würde, für den anbrechenden Tag jedoch stand nicht viel auf dem Plan als erst einmal selbst ins Bett zu gehen.

      Am nächsten Abend teilte Luca Pete mit, dass er ihn nur in äußersten Notfällen anrufen sollte, andernfalls das Geschäft aber selbst weiter führen sollte. Am Abend erledigte er noch einiges an Papierkram, stellte ein paar Anträge vor Gericht, machte eine gottverdammte Steuererklärung fertig und kümmerte sich um ein paar Alibis die gewisse Kunden brauchten. Er kümmerte sich auch weiter um Alvaros toten Mitarbeiter. Es war keine Zeit für ein Abendessen, aber für eine Dusche und einen anderen, immer noch schick teuren Anzug, der so gar nicht seiner Mode von vor zehn Jahren entsprach. Es wunderte ihn, dass Alvaro dazu gar nichts gesagt hatte, aber sie hatten sich ja ohnehin nicht sonderlich viel unterhalten. Gegen zehn Uhr Abends kam Luca dann schließlich beim Club an. Er wäre früher gekommen, aber er wollte nicht zu verzweifelt wirken und zudem tat sich im Club selbst vor zehn sowieso nichts. Er betrat das untere Stockwerk, und blieb dann unschlüssig zwischen dem normalen und dem privaten Lift stehen. Er wollte nicht ungefragt in das fast schon geheime Penthouse platzen in das kaum jemand Zutritt hatte, allerdings erwartete er auch nicht, dass Alvaro mit Luca auf einen Drink gehen wollte. Zur Hölle damit! Luca stieg in den privaten Lift und drückte den entsprechenden Knopf. Während der langen Fahrt nach oben hatte er allerdings viel zu viel Zeit seine Entscheidung noch einmal zu überdenken.
    • Mit dem Aufgehen der Sonne nahte das Ende der Nacht. Das Ende von Alvaros Macht. Philosophen nannten Schlaf den kleinen Tod. Alvaro sah es ähnlich. Die Dunkelheit war sein Zuhause, die Nacht war sein Reich. Die Sonne nahm beides von ihm und so blieb ihm nichts anderes übrig, als sich in den Schatten zu verstecken, bis die Sonne den kleinen Tod starb und er seinen Thron zurückerobern konnte. Die Schatten, die so viele Geschichten zu erzählen hatten.

      Eine weitere Nacht, eine weitere Aussicht. Für die Menschen hatte sich nichts geändert. Doch Alvaro sah so viel mehr. Man musste die Schönheit in den kleinsten und den größten Dingen finden, um so lange zu leben, wie er es bereits tat.
      Wie in der Nacht zuvor waren Überwachungsvideos auf seinem Bildschirm zusehen. Er hatte keinen Zweifel daran, dass Luca auftauchen würde. Er wollte nur wissen wann. Alvaro war mächtig ja, aber nichts war besser als Informationen. Alvaro würde niemals unvorbereitet sein.
      Das nahezu lautlose Öffnen der Aufzugtüren überraschte ihn keineswegs, nachdem er gesehen hatte, wie der Manager sich auf seinem Grundstück bewegt hatte.
      "Entschuldige die Dunkelheit", rief Alvaro.
      In seinem Penthouse war nicht ein einziges Licht eingeschaltet. Für gewöhnlich hatte er keine Gäste und er selbst bevorzugte die Gesellschaft der Schatten.
      "Zu deiner Rechten ist ein Lichtschalter."
      Als das Licht im Flur anging, verlor die Stadt ein wenig an Farbe und Alvaro sah sich einem schwachen Spiegelbild seiner selbst gegenüber. Er sah genauso aus wie letzte Nacht. Neben seine Reflektion trat Luca und Alvaros Blick huschte von den weit entfernten Lichtern der Stadt zu dem Spiegelbild seines Gastes.
      "Pete lernt also, mit den großen Aufträgen allein umzugehen?", fragte er, angesichts der doch recht frühen Uhrzeit für ein Auftauchen des Managers, ohne einen Job für selbigen zu haben.
      Mit einer Geste seiner Hand winkte Alvaro den Menschen zu sich.
      "Komm und genieße die Aussicht mit mir."


    • Die Fahrt mit dem Aufzug schien endlos zu sein und Luca war nervös, wie vor einem ersten Date. Es war ein erfrischendes Gefühl, er war schon lange nicht mehr so richtig aufgeregt gewesen, das gestattete er sich unter normalen Umständen nicht, noch weniger wen Pete in auf einen Auftrag begleitete. Irgendjemand musste ja die Zügel in die Hand nehmen und Pete war es definitiv nicht, er fragte sich ob er ihn gerade überforderte und Alvaros Warnung nur noch mehr fruchtbaren Boden lieferte, dennoch, er konnte den Vampir schwer versetzen und anders als er hatte Luca keine Ewigkeit Zeit um sich mit ihm zu unterhalten. Es stand nichts Wichtiges auf dem Plan, zumindest noch nicht.
      Das Geräusch das der Aufzug machte als er das Ziel erreichte riss Luca aus seinen Gedanken und fast sofort wurde er von Alvaros begrüßt. Luca sah sich ein wenig um, es war nicht stockdunkel, die nächtliche Skyline der Stadt bot genug dämmriges Licht, damit auch ein Mensch wie Luca etwas sehen konnte, sobald sich seine Augen an die Dunkelheit gewöhnt hatten, dennoch tastete er mehr nach dem Lichtschalter, als dass er ihn sofort entdeckte und betätigte ihn schließlich.
      Das Penthouse war geräumig, um nicht sogar zu sagen riesig und die Fensterfront aus der Alvaros eben hinaus sah bot einen beeindruckenden Blick über die gesamte Stadt, selbst von hier hinten. Luca bewegte sich durch den Gang auf den Vampir zu und dieses Mal gestattete er sich seinen Blick schweifen zu lassen, auch wenn das Licht vom Flur nicht die gesamte Einrichtung beleuchten konnte. Sein stetiger Schritt führte ihn dennoch an Alveros Seite.
      "Nicht wirklich. Ich habe mein Handy an, ich hoffe das ist kein Problem.", erklärte der Manager und stellte sich neben den Vampir um seinen Blick über die Stadt schweifen zu lassen. Von hier aus konnte er sogar sein eigenes Apartment ganz weit hinten in der Ferne erkennen, ebenso wie einige andere markante Gebäude und Orte. "Seit ich diesen Job angefangen habe hatte ich keinen einzige Nacht Urlaub. Die Stadt kann hoffentlich eine Nacht ohne mich auskommen."