Love Shot [Kappa feat. Pumi]

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    • Love Shot [Kappa feat. Pumi]

      Vorstellung --> Love Shot [Kappa feat. Pumi] - Vorstellung - ღAnime-Rpg-Cityღ













      Eine sportbegeisterte Joggerin und ein Steuerberater... Oliver Pearson war sich nicht sicher, ob die beiden wirklich was werden würden. Hin und wieder musste man in seinem Beruf auch einmal Risiken eingehen.
      Er beobachtete die beiden noch ein paar Minuten lang. Sein Gewehr lag auf dem Hotelbett neben der Kiste, in die es gehörte. Darum würde er sich gleich noch kümmern. Er wollte den besten Teil nicht verpassen.
      Ein Bein auf das Fensterbrett gestellt, lehnte er sich ein bisschen nach vorne, um besser erkennen zu können, ob sich die beiden einen Kaffee holten - wie der Steuerberater es wollen würde - oder einen dieser Becher mit kleingeschnittenem Obst - wie die Joggerin es wollte. Oliver kippte sich eine kleine Packung Brauseherzen in den Mund, während er zusah. Süßigkeiten vom Valentinstag zu essen gehörte nicht zum Job, aber irgendwie hatte sich das bei ihm so eingegliedert. Er war eben ein Leckermäulchen.
      Seine beiden Zielpersonen unterhielten sich, während sie auf die beiden Stände zugingen. Ein kurzes Zögern, dann trennten sich ihre Wege.
      "Was zum..?!"
      Also so schlecht was Oliver noch nie gewesen. Das konnte nicht stimmen! Die beiden mochten vielleicht eine kreative Zusammenstellung sein, aber sie hatten genug Übereinstimmungen, um mehr als zwei Minuten miteinander zu interagieren! Oliver war sehr genau in seiner Rechersche!
      Der Steuerberater holte sich einen Kaffee, die Joggerin einen Smoothie. Sie sahen einander verlegen an, dann deutete der Mann auf eine Bank in der Nähe. Die Joggerin lächelte und nickte.
      "Puh... nochmal Glück gehabt", seufzte Oliver.
      Dann, endlich, wandte er sich ab. Eigentlich hatte er sein Gewehr auseinander bauen und nach Hause gehen wollen. Ihm sprang aber noch jemand ins Auge. Eine junge Frau, vielleicht Mitte zwanzig, blond - Oliver wusste, dass das nur gefärbt war. Er verängte die Augen.
      "Du schon wieder", murmelte er.
      Das hieß Planänderung.
      Schnell sah er sich im Park um. Hier musste doch jemand sein, der... Da!
      Schnell legte er sein Gewehr an und zielte. Der Schuss war leicht, dennoch folgte er seinem Training und atmete mehrfach tief durch, beruhigte seinen Herzschlag und konzentrierte sich.
      Ein...
      ...
      Aus...
      ...
      KLICK!
      Es fiel kein Schuss. Es fiel nie ein Schuss. Dennoch schüttelte sich der Mann im teuren Anzug kurz, als sei ihm eine Fliege ins Gesicht geflogen. Jetzt musste sich Oliver beeilen.
      Er änderte den Winkel und zielte erneut, diesmal auf die Blondine.
      Ein...
      ...
      Aus...
      ...
      KLICK!
      Er erwischte sie genau im richtigen Moment. Der Typ hob seinen Blick und sah sie, das von ihm markierte Ziel. Oliver hatte bis heute nicht ganz verstanden, wie diese Cupido-Magie funktionierte, aber das war ihm auch egal. Er kannte die Spielregeln genau genug. Ziel Nummer eins muss Ziel Nummer zwei sehen, beide müssen getroffen worden sein. Beim ersten Augenkontakt ist es dann hinüber. Zumindest sollte es so sein.
      Oliver lehnte sein Gewehr an die Wand neben sich und beobachtete, was passieren würde. Aus Aufregung kippte er sich gleich noch eine Packung Brausebonbons in den Mund.
      "Komm schon. Komm schon! Der ist doch genau dein Typ!"
      Er hatte seine Zielperson ein bisschen hastig ausgewählt, ja. Aber mittlerweile konnte er bei dieser Frau nur noch raten. Jeden seiner Versuche hatte sie mit einem Schulterzucken abgetan - im übertragenen Sinne natürlich. Wenn er ehrlich war, dann machte er sich gar keine Hoffnungen mehr. Vielleicht sollte er jemand anderem ihren Namen verraten, dann war sie nicht mehr sein Problem. Andererseits... Nein, sie hatte sich jetzt schon so oft aus seiner Magie herausgewunden, jetzt wollte er es wissen! Und irgendwie... naja... er wollte sie glücklich sehen. So wie alle seine Zielpersonen.
      Der Typ im teuren Anzug begann, verträumt zu lächeln und änderte seinen Kurs, um zu der Blondine zu gelangen. Oliver, in seinem Hotelzimmer, sah gespannt zu. Reality TV war nichts hiergegen.




    • ⋅✦⋅

      Frühling. Die Zeit, wenn plötzlich nur noch Acoustic Songs laufen und es überall nach der perfekten Kulisse für einen Liebesfilm aussieht. Tief atmete Bridget die blumige Brise ein, welche durch den weitläufigen Park wehte. Die durch Wege getrennten Rasenflächen sind überall mit weißen Gänseblümchen versehen. Fast schon so, als hätte sie jemand extra für diesen sonnigen Frühlingstag ausgelegt. Einfach alles gerade wäre so perfekt zum Verlieben.. Wenn man nicht Bridget ist. Die Blondine hatet mittlerweile eine innerliche Abwehrmauer aufgebaut gegen das alljährlich aufkommende Liebeswetter. Am Ende des Tages gönnte sie es ja auch jedem sich zu verlieben. Aber sie könnte ihre ganze Schuhkollektion darauf verwetten, dass keine dieser Turteltäubchen heute im Park in einem Jahr mit dem gleichen Partner hier sein werden, wenn es wieder heißt 'Love is in the air'.

      Sie rollte nur die Augen, während sie beobachtete wie paar Bänke weiter sich eine Frau in Joggingkleidung zusammen mit einem Anzugsträger hinsetzte. Nach nur paar Sekunden bemerkte sie die Ähnlichkeit des Anzuges, welcher der fremde Mann trug, zu einem, den ihr eigener Vater besitzt. Angeekelt, sich ihren Vater so Hals über Kopf verliebt vorzustellen, schüttelte sie sich nur kaum merklich und wendete den Blick ab. War es wirklich eine gute Idee heute mal wieder in den Park zu kommen?
      Bridget liebt die Frühlingssonne auf ihrer mit Sommersprossen besähten Haut. Die dunklen, zufällig verteilten Punkte sind über den Winter aufgehellt und nur paar Tage auf einer Parkbank bei wolkenfreiem Himmel reichten aus, um sie wieder deutlich hervorstechen zu lassen. Dementsprechend verbrachte die Blondine nun schon die letzten paar Vorlesungen ihre Zeit hier. Wirklich sinnvolles machte sie dabei nicht. Mal hört sie Musik, mal pflückt sie Gänseblümchen und manchmal sitzt sie wie heute einfach auf einer Parkbank. Ihre blauen Augen schweiften über die vorbeispazierenden Leute hinweg, während sie ihre Füße in ihren hellbraunen Stiefel hin und her baumeln ließ. War die Intensität ihrer Sommersprossen es wirklich wert die Liebe in der Luft zu ertragen, die mit jedem noch so leichten Windzug ihr entgegenwehte und dann eiskalt an der zierlichen Frau abprallte?

      Fotos in ihrem ausgeklügelten 'Outfit of the day' hatte sie bereits gemacht. Der beige Strickpullover und die gleichfarbige Tasche lagen ungeachtet neben ihr auf der Holzbank. Es handelte sich bei den Gegenständen nur um Accesoires für die Fotos, welche sie später online stellen wollte. Allem, was nicht aktiv für Bridget selbst wichtig war, schenkte sie kaum bis keine Achtung. So erging es auch dem Mann, der mit einem verheisungsvollen Blick geradewegs auf das schlanke Mädchen zuspazierte. Mit Absicht baute sie keinen Augenkontakt mit dem Fremden auf, in der Hoffnung er würde dieses subtile Signal verstehen und wieder umdrehen. Aber von der Männerwelt kann man sowas nicht erwarten. Aus dem Augenwinkel sah sie zu, wie er weiterhin voller Hoffnung auf sie zukam. Als letzten Verzweiflungsakt zog sie ihr Handy aus der hellen Stoffhose und tippte höchst beschäftigt darauf rum. Doch er ließ sich nicht beirren. Was auch immer in ihn gefahren war, gab ihm anscheinend genug Courage die junge Frau anzusprechen.

      Desinteressiert blickte sie von ihrem Handy auf, als sie seine Präsenz direkt vor sich wahrnahm. Er war keineswegs unattraktiv und sprach auch nicht gegen ihren Typ, wenn sie denn überhaupt einen hatte. Sie ist aber erst vor wenigen Tagen ihr 'Friends with benefits' Arrangment losgeworden, da brauchte sie sich doch nicht direkt wieder einen Mann anlachen. Noch bevor aus dem verträumt lächelndem Mund ein Wort rauskam, zerberstete Bridget seine Hoffnung mit einem eiskalten Blick und den Worten: "Kein Interesse, verschwinde." Sie verschwendete keine weitere Sekunde damit irgendeine Art von Mitgefühl oder Empathie zu vermitteln, denn das konnte sofort missverstanden werden. Tatsächlich schenkte sie ihm keinerlei Reaktion oder Aufmerksamkeit und senkte ihren Blick wieder auf ihr leuchtendes Handydisplay. Nun konnte sie in Ruhe weiter so tun, als wäre sie höchstbeschäftigt, um andere eventuelle Interessenten ebenfalls direkt abzuschrecken.
      Sie konnte sich bereits jetzt im Kopf ausmalen, wie ihre Freundinnen reagieren würden, hätten sie die Situation miterlebt. Jedes Mal aufs neue sind sie schockiert wie die Blondine ohne mit der Wimper zu zucken einen attraktiven Mann nach dem anderen abblitzen lassen konnte. Vor allem, da es derzeit immer häufiger vorkam. Das musste wohl wirklich am Wetter liegen. Aber immerhin bekam sie dementsprechend Übung darin so knallhart Körbe auszuteilen. Manchmal war das auch garnicht so leicht, wie zum Beispiel bei dem Indivuum, welches sie immer noch vor sich stehen hatte. Ganz langsam blickte sie erneut zu ihm auf, während er anscheinend versuchte einen Satz zu formen.

      "Du kannst mir doch eine Chance geben!", kam es schließlich verzweifelt aus ihm heraus. Als würde sein Leben davon abhängen, bat er darum zumindest die Nummer der Blondine zu bekommen. Sie rollte ihre blauen Augen - nicht nur ein Mal, sondern direkt zwei Mal. Kam es ihr nur so vor oder wurden die Typen immer verzweifelter in den letzten Tagen? Ihr Handy verschwand wieder in ihrer hinteren Hosentasche, bevor sie mit den lackierten Nägeln zu ihrem Pullover und ihrer Tasche griff. Ihr zierlicher Körper erhob sich geschwind von der Parkbank und drängt sich an dem einen Kopf größeren Mann vorbei. Der blonde Sonnenschein konnte wirklich wie eine frostige Winternacht wirken, wenn sie keinerlei Interesse an jemandem hatte. "Ich hab gesagt kein Interesse", wiederholte sie nur, um den Fremden endlich abzuwimmeln.
      Noch bevor sie mehrere Schritte Distanz zwischen sich selbst und ihn kriegen konnte, packte seine große Hand sie am Oberarm, um sie festzuhalten. Bei diesem Anblick könnte man fast schon meinen, dass Bridget sich in einer dramatisch-romantischen Schnulze befände. Wenn er nur noch einmal nachhackt und dran bleibt, dann kann er ja vielleicht doch ihre Mauern aus Eis zum schmelzen bringen. ..Oder auch nicht. "Lass mich los oder ich schreie sexuelle Belästigung so laut wie ich kann", kam es ihr drohend über den niedlichen Schmollmund. Ihr kalter Blick wechselte von seiner Hand, die sie festhielt, hin zu dem Gesicht des Mannes, welcher sie schlagartig loshält. Der Trick schlecht hin: Drohe nach Hilfe zu rufen als Frau und der Typ lässt sofort von dir ab. Um einen Korb siegreicher, stolzierte Bridget triumphierend davon und ließ den entsetzten Fremden zurück.

      ⋅✦⋅
    • Oliver war beinahe schon aus dem Fenster gesprungen, als seine Zielperson endlich den Arm der Frau losließ. Instinktiv griff er nach seinem Gewehr, als der Mann ihr noch einen langen Augenblick hinterher starrte.
      "Mach keine Dummheiten", murmelte Oliver.
      Die Situation hatte ihn daran erinnert, warum er so genau in seiner Recherche vorging. Wenn man die falschen Personen erwischte, konnte das durchaus eine explosive Mischung ergeben und das wollte niemand - weder die Zielpersonen, noch er in seiner Funktion.
      Als sich der Mann endlich umdrehte und sich seinem gebrochenen Herzen widmete, atmete Oliver erleichtert auf. Sein kleiner Fehler war nicht zu einem großen Fehler geworden. Nochmal Glück gehabt.
      Sein Blick folgte der Blondine, wie sie durch den Park stolzierte, als hätte sie gerade irgendein Monster besiegt. Warum war sie so erpicht darauf, einsam zu sterben?! Als es das erste Mal nicht geklappt hatte, hatte er gleich nachgesehen. Nicht, dass er hier am Ende noch eine potenzielle Kollegin gefunden hatte. Aber nein. In Bridget Claire Porters Leben hatte es nie eine große Liebe gegeben. Mittlerweile war sich Oliver nicht einmal sicher, ob sich die Frau auch schon einmal klein verliebt hatte. Es nagte an ihm. Er wollte wissen, was da los war.
      Frustriert baute er sein Gewehr auseinander. Jedes Teil fand zurück in die passenden Aussparungen im Schaumstoff. Zuhause würde er die Waffe gleich reinigen. Diese Handgriffe waren schon lange ein Ritual für ihn. Er hatte sie erlernt, als er mit seinem Gewehr noch den Tod gebracht hatte. Als er zum Cupido wurde, hatten seine Hände sich für ihn an die Schritte erinnert. Er hatte sogar eine neue Bestzeit im Zusammen- und wieder Auseinanderbauen der Waffe aufgestellt.
      Den Koffer schloss Oliver mit ein bisschen mehr Schwung als nötig.
      "Bridget Porter...", murmelte er vor sich hin, "Ich werd' dir schon jemanden finden, wart's nur ab!"

      Der Waffenkoffer lag bequem in seinem Kofferraum, zusammen mit seiner schwarzen Basecap. Er rannte nicht unbedingt in voller Uniform herum, wenn er einen Job erledigte, aber er vermied es dennoch, zu sehr aufzufallen. Nicht, dass ihm irgendjemand etwas anhaben könnte. Sollte man ihn schnappen, dann war seine Komm-Aus-Dem-Gefängnis-Frei-Karte nur einen Anruf entfernt. Noch sowas, was Oliver nie verstanden hatte und auch nie verstehen wollte. Offensichtlich war es nicht illegal dafür zu sorgen, dass sich die Menschen ineinander verliebten. Und selbst wenn sie ihn drankriegen wollten wegen seinem Gewehr: Er hatte den gesamten nötigen Papierkram, um sein Gewehr spazieren zu tragen.
      Als Oliver die Blondine den Weg hinunter schlendern sah, stieg er aus seinem Wagen und passte seine Geschwindigkeit an. Sie war garantiert auf den Weg in das Café. Zumindest vermutete er das von den Informationen, die er über ihren Lifestyle hatte. Und die Tatsache, dass sie gerade keinen Kaffee in der Hand hielt. Also war das Café nun auch sein Ziel. Vielleicht war sein Problem, dass er sie immer nur aus der Ferne beobachtete. Dass er zwar ihren gesamten Hintergrund kannte, aber das nur von diversen Websites auf die er Zugriff hatte und keinen Zugriff hätte haben sollen. Er musste näher ran.
      Er schlüpfte kurz vor Bridget in den kleinen Laden und stellte sich an. Zwei Leute vor ihm und... perfekt! Sie stellte sich hinter ihm an.
      Als er an der Reihe war, bestellte er sich einen Caramel Frappuccino.
      "Ach, und ich zahl, was auch immer die Dame nach mir bestellt", kommentierte er, als der Barista ihm seinen Kaffee To-Go hinstellte und auf der Kasse herum zu hämmern begann.
      Der Barista lächelte, nickte, und fragte dann nach Bridgets Bestellung, während sich Oliver einen Schritt weiter links an die Theke lehnte. Auch er lächelte freundlich. Er war nicht darauf aus, mit Bridget zu flirten. Er war bloß ein netter Fremder, der ihr einen Kaffee ausgab. Im Idealfall konnte er ein Gespräch rausleiern. Er hatte nur sehr wenig Lust, Bridget zu stalken. Da waren sowieso schon zu viele Informationen über die Frau in seinem Hirn. So viel Mühe hatte sich Oliver noch nie für eine Zielperson gemacht. Und dabei sollte sie doch schon gar keine Zielperson mehr sein. Frustrieren. Wirklich, wirklich frustrierend.
      Ohne zu zögern reichte er dem Barista einen viel zu großen Schein über die Schulter und steckte das Restgeld achtlos in seine Hosentasche. Dann prostete er Bridget freundlich zu, bevor er den ersten Schluck aus seinem Frappuccino nahm.


    • ⋅✦⋅

      Ihr triumphierendes Stolzieren wandelte sich zu einem entspannten Schlendern, als sie an den letzten, grünen Rasenflächen des Parks auf den grauen Asphalt des Gehwegs entlang der Straße zusteuerte. Beim Laufen zog sie sich ihren Strickpullover über die Schultern und knotete vor ihrer Brust die Ärmel des beigen Kleidungsstück zusammen. Damit hatte sie beide Hände wieder frei, denn ihre Tasche trug sie auf der rechten Schulter. Was macht man mit zwei freien Händen als Bridget? Genau. Das Handy aus der Hosentasche zücken. Ihre Bilder aus dem Park landeten - natürlich bearbeitet - auf ihrem Instagram Account. Während sie einen Hashtag nach dem anderen ihrer Caption hinzufügte, blickte sie nur ab und zu von dem Display auf. Lediglich um sicherzugehen, dass sie noch auf dem richtigen Weg war.

      Ihr Spaziergang vom Park nach Hause führte sie stets an einem Café vorbei. Eigentlich führte sie jede Straße zu einem Café. Und selten sah man die Blondine in Momenten wie diesem: Ohne Kaffeebecher in der Hand. Sie überquerte die Ampel und schrieb dabei noch eine Nachricht an ihre beste Freundin. Natürlich musste sie von dem Typen im Park berichten. Nicht um damit zu prahlen, wie oft sie angesprochen wird von fremden Männern, sondern um gemeinsam darüber Scherze machen zu können. Ihre gesendete Nachricht hatte sofort zwei blaue Hacken und offensichtlich war ihre Freundin schon dabei einen Kommentar abzutippen. Dementsprechend klebten ihre blauen Augen an dem Handy, während sie die Tür des Cafés aufzog und sich in der Schlange einreihte.

      Erst als eine männliche Stimme vor ihr nicht nur einen Caramel Frappuccino bestellte, sondern auch noch meinte ihren Kaffee bezahlen zu wollen, blickte Bridget wieder von dem Gerät in ihren Händen auf. Etwas perplex schaute sie die zwei Männer an, die ihr freundlich entgegen lächelten. Der eine war gezwungen das zu tun, aber der andere war wohl anscheinend direkt der nächste, welcher einen Korb von der zierlichen Blondine kassieren wollte. Dabei hatte sie gerade erst jemanden abblitzen lassen und jetzt kommt schon der nächste?

      Sie wollte keine Szene in einem Café veranstalten, in dem sie so gut wie täglich vorbeikam. Dementsprechen gab sie ohne große Widerworte klein bei. Dazu: Gratis Kaffee war nun mal gratis. Nicht, dass sie sich großartig um ihre Ausgaben Gedanken machen musste.
      Ihre blauen Augen ließen kurz von den beiden Männern ab und schweiften über die Karte. Caramel Frappuccino. Ein Getränk, welches sie immer bestellte. Nun musste sie sich was anderes überlegen, sonst hieß es plötzlich die gleiche Kaffeewahl war Schicksal. "Ein White Chocolate Mocha bitte", kam ihr schließlich nach einem kurzen Augenblick über die Lippen. Der Barista beschäftigte sich damit ihr Getränk vorzubereiten, wodurch ihr Blick unausweichlich wieder auf den spendablen Braunhaarigen vor sich viel. Sie ignorierte das Vibrieren ihres Handys zwischen ihren Fingern und musterte den Fremden. Wenn sie ihren Freundinnen erzählt, dass sie nicht nur einen, sondern gleich zwei attraktive Männer stehen lassen hat, dann würde sie sicher geköpft werden. Ein kalter Schauer lief ihr bei diesem Gedanken den Rücken runter, weswegen sie sich widerwillig schüttelte. Genau in dem Moment stellte der Barista ihren White Chocolate Mocha auf der Theke ab. Sie griff an dem Fremden vorbei nach ihrem Getränk. Anscheinend kümmerte ihn Geld genauso wenig wie sie selbst, denn steckte er sein Restgeld achtlos in seine Hosentasche, wie es die Blondine selbst mit ihrem Geldbeutel gemacht hätte.

      Die kurzen Bartstoppeln um seinen Mund verzogen sich erneut durch ein weiteres freundliches Lächeln in seinem Gesicht, während er der zierlichen Frau zuprostete. Sie erwiderte die Geste mit einem schmalen Lächeln und einem "Danke". Während sie einen Schluck ihres Getränks nahm, machte sie dem nächsten Kunden Platz zum Bestellen, indem sie einen Schritt in die Richtung des Fremden auswich. Ihre blauen Augen ruhten auf dem Mann. Er war vielleicht paar Jahre älter als die 25-Jährige. Die ein oder andere Falte hatte schon ein Zuhause in seinem Gesicht gefunden, wobei ihn das mit den dunkelbraunen Haaren und dem trainierten Körper ein wenig zugänglicher wirken ließ.
      "Bitte mach dir keine Hoffnungen, nur weil du mir mein Getränk bezahlt hast", kam es schließlich über Bridgets Lippen, nachdem sie vom Deckel ihres Mochas abgelassen hatte. Auf dem weißen Plastik war ein deutliches Abdruck ihres rosa Lippenstifts drauf. Ihr Handy war zurück in ihre hintere Hosentasche gewandert, damit sie den warmen Behälter mit beiden Händen halten konnte. Es war zwar warm draußen, aber machte sie das rein aus Gewohnheit trotzdem immer. Irgendetwas war angenehm daran einen warmenn Kaffeebecher in beiden Händen zu halten und diese dabei aufwärmen zu können. Sie zuckte locker mit den Schultern und meinte sorglos zu ihm: "Nimm es mir nicht übel. Trotzdem danke für den Mocha".

      ⋅✦⋅
    • Es war das erste Mal, dass Oliver der Blondine aus der Nähe begegnete. Allerdings nicht das erste Mal, dass er einer Zielperson über den Weg lief. Trotzdem... irgendwas an Bridget war anders. Wahrscheinlich hatte er dieses Gefühl, weil seine Magie nicht auf sie wirkte.
      "Oh, ich mach mir Hoffnung auf vieles, aber ich glaube nicht, dass wir über das Gleiche reden", antwortete er und nahm noch einen großen Schluck von seinem Frappuccino, "Ich bin nur einer von diesen seltsamen Typen, die hin und wieder eine gute Tat begehen. Heute war 'bezahle der Person hinter dir den Kaffee'-Tag."
      Er zuckte mit den Schultern und ließ den Blick schweifen. Ein freier Tisch wäre jetzt ganz praktisch...
      "Du hast jetzt die Wahl: verabschiedest du dich ganz unangenehm, oder setzt du dich mit mir da rüber und wir haben ein seltsames Gespräch über die Welt. Zwei Fremde, keine Geheimnisse, man kann einfach mal Luft ablassen? Klingt seltsam, wirkt aber wahre Wunder. Hab das vielleicht schon ein-, zweimal gemacht. Wie gesagt: Ich bin ein seltsamer Typ. Wer weiß? Vielleicht bin ich ja ein Serienkiller und nur ein nettes Gespräch kann mich davon abhalten, dich noch heute Nacht bestialisch zu ermorden?"
      Charme? Konnte Oliver.
      Zugegeben, er war schon ein paar Jahre aus der Übung. Eigentlich war er noch nie im Training gewesen. Das letzte Mal hatte...
      Oliver verdrängte seine aufkeimenden Gedanken und konzentrierte sich lieber wieder auf seine Aufgabe. Er musste diese Nuss doch irgendwie knacken können!


    • ⋅✦⋅

      Eigentlich wollte Bridget ansetzen dem Fremden den Rücken zuzukehren, aber seine seltsame Art hielt die junge Frau fest an ihrem Platz ihm gegenüber stehend. Amüsiert ruhte ihr Blick auf dem Braunhaarigen, während er ihr weiß machen wollte, dass er Gutmensch und zeitgleich Serienkiller ist. Kann man sein Verhalten überhaupt als Flirten werten? Wenn ja, dann war er darin extrem schlecht. Vielleicht konnte die Blondine gerade deswegen ihre abwehrende Kälte dieses Mal zurück halten und nicht auf die Barrikaden gehen.
      Stattdessen zogen sich ihre Augenbrauen hoch und sie runzelte die Stirn leicht. "Wenn das meine einzige Möglichkeit ist, dich davon abzuhalten mich zu ermorden, dann werd ich mich wohl drauf einlassen müssen", antwortete sie mit einem belustigten Schmunzeln und zog dabei die schmalen Schultern hoch.

      Ihre blauen Augen folgten seinem Blick durch das kleine Café. An der Schlange aus zwei Leuten neben ihnen vorbei am Fenster wurde gerade in diesem Moment ein Tisch frei. Die junge Frau hatte einfach angenommen, das sein suchender Gesichtausdruck genau das finden wollte. Ihr blonder Haarschopf nickte nur in die Richtung des kleinen Holztisches mit zwei freien Stühlen.
      Bei seiner komischen Art konnte sie sich aber nicht sicher sein ob er so ein subtiles Signal überhaupt mitbekommen, geschweige denn verstehen würde. Ein Typ, der nicht auf Körpersprache und verdeckte Hinweise achten konnte, war ihr für diesen Tag wirklich genug gewesen. Eine ihrer schmalen Hände löste sich von dem aufwärmenden Kaffeebecher und sie deutete mit den lackierten Nägeln auf die Sitzmöglichkeit. "Wollen wir uns setzen?", fragte sie und legte dabei den Kopf leicht schief, so dass ihr die hellen Haarsträhnen ins Gesicht fielen.

      ⋅✦⋅

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    • "Ladies first", kommentierte Oliver und bedeutete Bridget, sich vor ihm durch das Café zu schlängeln.
      Ein kleiner Teil von ihm wünschte sich, dass keiner seiner Kollegen genau jetzt auftauchte. Es war unwahrscheinlich, da sie alle unterschiedliche Bereiche abdeckten. Zumal es niemandem verboten war, sich mit Leuten zu unterhalten - selbst Zielpersonen. Er kannte mehr als einen anderen Cupido, die sich so auf ihre Zielpersonen festlegten. Sie kannten alle persönlich. Olivers Ding war das nicht. Er war schon immer derjenige gewesen, der lieber auf Distanz blieb und zusah, wie sich die Dinge entwickelten. Deswegen war er ja ein so guter Scharfschütze.
      Als er sich setzte ließ er den Blick wieder schweifen. Instinktiv fand er die Pärchen und jene, die gute abgeben würden. Recherche war schön und gut, aber jeder Cupido hatte diesen Sinn für Beziehungen. Es war fast schon unheimlich. Man machte seine Arbeit nur so genau, um sicherzustellen, dass das gewählte Pärchen auch zusammenblieb. Niemand wollte Menschen durch ein gebrochenes Herz nach dem anderen jagen. Das war nicht die Aufgabe eins Cupido.
      "Darf ich wissen, wie die hübsche Fremde heißt, der ich einen Kaffee ausgegeben habe?", fragte er lächelnd, als er seine Aufmerksamkeit wieder Bridget zuwandte.


    • ⋅✦⋅

      Sie kam seinem Wunsch nach, als erste an den Leuten vorbei auf den freien Tisch zuzuscheuern. Dort angekommen stellte sie ihr Heißgetränk ab, nahm die Tasche von der Schulter und hing sie an der Seite ihres Stuhls auf. Mit übereinander geschlagenen Beinen saß sie dem Braunhaarigen nun gegenüber. Ihre Finger spielten an dem Deckel ihres Kaffeebechers, während sie dem Blick seiner grünen Augen durchs gut gefüllte Café folgte. Still musterte sie die anderen Kunden und nahm dabei einen Schluck ihres White Chocolate Mocha, bevor er wieder ihre Aufmerksamkeit einfing.

      Hände und Becher ließ sie nun in ihrem Schoß ruhen. "Bridget", antwortete die junge Blondine knapp ohne auf sein Kompliment einzugehen. Manchmal war es einfach besser sowas still vorbeiziehen zu lassen ohne es anzuerkennen, es zu erwidern oder sich gar dagegen zu sträuben. Was sie aber erwiderte war sein Lächeln, während sie nun ihn fragte: "Und darf ich auch erfahren wie der Kaffee spendierende Fremde heißt? Oder muss das geheim bleiben, weil Serienkiller und so?" Bei der Frage musste sie selbst ein wenig schmunzeln und legte dabei den Kopf schräg zur Seite. Ihre zierlichen Finger tippten vorsichtig an dem Becher in ihrer Hand entlang. Bei Konversationen musste Bridget immer mit irgendetwas herum spielen, aber das kannten sicherlich viele Leute von sich selbst.

      ⋅✦⋅
    • "Bridget..."
      Oliver ließ sich den Namen auf der Zunge zergehen. Natürlich kannte er ihren Namen schon seit er sie das erste Mal durch sein Zielfernrohr beobachtet hatte. Aber das hier war etwas anderes.
      "Oliver", antwortete er dann auf ihre Gegenfrage, "Für meine nächtlichen Mordausflüge habe ich einen Künstlernamen. Sonst würde ich ja mit niemandem ins Gespräch kommen. Wenn man den Namen von jemandem kennt, dann macht das alles irgendwie... persönlicher. Gerade Vornamen."
      Er nahm sich die Zeit, Bridget zu mustern. Online existierten nur wenige Fotos von ihr, die nicht durch irgendeinen Filter gejagt oder gestellt worden waren. Er wollte ein Gefühl für die echte Bridget kriegen. Um sie erfolgreich zu verkuppeln musste er auf jeden Fall tiefer schürfen als es ihre Onlinepräsenz und diverse Akten hergaben.
      "Jetzt sind wir nicht mehr ganz so fremd, hm?", fragte er lächelnd, "Und trotzdem noch vollkommen anonym. Schon lustig. Oder traurig. Zwei Schiffe auf hoher See..."


    • ⋅✦⋅

      Wie als wäre es ein fliehender Moment im Frühlingswind hielt er den Gedanken an ihren Namen fest, indem er diesen wiederholte. Ihre Aufmerksamkeit war nicht so flüchtig, während sie den selbsternannten Serienkiller ein weiteres Mal musterte. Nichts an ihm sah aus wie ein gefährlicher Krimineller, geschweige denn wie ein Mörder. Aber dann natürlich wieder die Frage: Sieht man einem Serientäter an, dass er regelmäßig Leute umbringt? Wahrscheinlich nicht. Hoffentlich würde Bridget dieses Gespräch am Ende nicht bereuen. Zumindest gerade konnte sie es noch genießen, als sie amüsiert den Kopf schüttelt. "Ein Künstlername, natürlich", kam ihr mit einem Seufzen über die lächelnden Lippen.
      "Also ich bin ehrlich.. Ich weiß nicht ob ich sagen kann, dass ich mich freu dich kennenzulernen", meinte die Blondine und zog dabei unbeholfen die schmalen Schultern hoch. Bei so einem Satz konnte sie in dieser Situation keine ernste Miene bewahren. Zu einem anderen Mann, in einer anderen Lage, hätte Bridget sicherlich so etwas mit eiskalter Ausstrahlung über die Lippen bringen können. Aber gerade war wohl der richtige Ort, zur richtigen Zeit. Statt ihm die kalte Schulter zu zeigen, musste die Blondine über ihre eigene Aussage kichern. Wobei sie tatsächlich ehrlich mit ihm war. So wirklich etwas anfangen konnte sie mit diesem Oliver schließlich nicht. Er macht sich anscheinend keine Hoffnungen und trotzdem saß sie ihm nun gegenüber wie bei einem Date.

      ⋅✦⋅
    • "Voll verständlich. Man trifft ja nicht jeden Tag jemanden, der sich als Serienkiller outet, bevor man überhaupt seinen Namen kennt. Ich versteh das."
      Bridget lächelte ihn doch tatsächlich ehrlich an. Woher der plötzliche Wandel? Bisher hatte er sie immer nur dabei beobachtet, wie sie seine Zielpersonen mit einer Präzision abwimmelte, die der seinen nahe kam. Sie hatte diese Maske, die sie der Welt zeigte. Die meisten Menschen hatten eine, aber ihre war geradezu eine Panzerung. Warum ließ sie ihn nun hindurchblicken? War es seine Ausstrahlung als Cupido? Die sorgte normalerweise dafür, dass Leute ihn weniger beachteten, damit er schlicht seinen Job tun konnte. Jetzt wäre es sehr hilfreich zu wissen, wie genau die Magie eines Cupido eigentlich funktionierte... Er hätte in dem Seminar vielleicht doch besser aufpassen sollen. Mist.
      "Also. Du weißt, was ich so mache. Leuten Kaffee ausgeben und andere umbringen. Was machst du so? Muss irgendwas richtig cooles sein, wen du die Zeit hast, einfach in einem Park rumzuhängen und mit einem Fremden Kaffee zu trinken."
      Jetzt war er gespannt. Er wusste, dass Bridget eigentlich in irgendeiner Vorlesung sein sollte - wie so oft. Was war es, das sie ihrer Meinung nach machte? Sei es nun, um Geld zu verdienen oder Spaß zu haben.
      Oliver stellte seinen Kaffeebecher neben sich auf den Tisch und stützte sein Kinn auf seiner Hand ab. Er war ehrlich interessiert an Bridget und wie sie ihr Leben wahrnahm. Das war ja oft anders, als das, was andere von einem dachten.


    • ⋅✦⋅

      Bridget zögerte kurz einige Sekunden. Was mach ich denn so? ging es ihr durch den Kopf. Natürlich wusste sie genau, was sie machte, aber gab sie das nicht immer so bekannt. Manche Leute reagierten sehr missbilligend, wenn sie hörten, wie die Blondine von ihren Eltern voll finanziert wurde und ihre Zeit in einem Studium verplämperte, welches sie garnicht interessierte.
      Sie atmetete hörbar durch die Nase ein und zog dabei die Schultern hoch. Bei der Bewegung stellte sie ihren Becher auf dem Tisch ab, bevor sie mit einem lauten Seufzen die Arme fallen ließ und sich gegen den Rücken ihres Stuhls lehnte. Ihre zierlichen Arme baumelten an den Seiten ihres Stuhls entlang, während sie erzählte: "Da ich dich nicht verurteile für dein Serienkiller Dasein, darfst du mich auch nicht verurteilen." Ihre Blick wich zum Fenster neben den beiden aus. Für ein paar stille Atemzüge beobachtete sie die vorbeilaufenden Spaziergänge, die Richtung Park unterwegs waren. "Ich mach ein Alibi-Studium. Ich studiere Innenarchitektur. Nichts cooles also, entschuldige", erläuterte sie ihm weiter und ahmte seine Mimik nach. Sie bäumte sich wieder auf und stütze das Kinn auf ihrer Hand ab. Ein schmales Lächeln zeichnete die vollen Lippen der Blondine, während sie Oliver entgegen blickte.
      Gewöhnlich hatte ein Student ja schon viel Freizeit. Eine Stundetin wie Bridget umso mehr, denn nichtmal die Vorlesungen besuchte sie. Wenn eine Klausur mal daneben ging, dann kümmerte sich ihr Vater schon drum. So war es schon immer gewesen und nicht wenige hatten dazu ihre eigenen Meinung. Aber er hatte sie ja zu diesem Gespräch gelockt mit dem Satz "Zwei Fremde, keine Geheimnisse".

      ⋅✦⋅
    • "Ich würde jetzt nicht sagen, dass Innenarchitektur langweilig ist", entgegnete Oliver, "Aber wenn's nicht deins ist, dann macht das wohl Sinn."
      Er zuckte mit den Schultern.
      "Ich bin übrigens kein Serienkiller. Nicht direkt. Ich war eine Zeit lang beim Militär."
      Eine Zeit, an die sich Oliver nicht allzu gern zurückerinnerte. Heute wusste er, wie verloren er damals gewesen war. Hätte er damals gewusst, was er heute wusste, hätte er vielleicht anders entschieden. Allein schon weil er mittlerweile gelernt hatte, eigene Entscheidungen zu treffen.
      "Wenn dein Studium also nur Alibi ist, was machst du sonst so? Ich schätze mal, du hast eine Menge Freizeit, die es zu füllen gilt?"
      Er hinterfrage weder sie, noch ihre Entscheidung. Er wusste selbst mehr als genau wie es war, wenn von allen Seiten Erwartungen kamen und man nicht wusste wie oder ob mach sie erfüllen sollte. Er hatte das Glück gehabt, dass ihm jemand den Weg aus dieser Sackgasse gezeigt hatte. Dafür war er bis heute dankbar.


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      "Beim Militär?", hackte sie überrascht mit hochgezogenen Augenbrauen nach. Doch erst war sie an der Reihe dem Braunhaarigen zu erklären was sie alles mit ihrer Freizeit anstellte. Eigentlich war das auch nicht viel spannender als ihre Studiumswahl, aber so reflektiert würde Bridget nicht antworten. Sie konnte sich selbst nicht eingestehen, dass sie nicht wusste was sie tatsächlich gerne machen wollen würde. Deswegen das Alibi-Studium, obwohl ihr jede Tür offen stand. Zu viele Optionen bedeuteten auch eine Entscheidung zu treffen und gerade darin war die Blondine nicht gut. Stattdessen lebte sie in den Tag hinein, ging ihrer simplen Routine nach, um zumindest täglich aus dem Haus zu kommen, und am Wochenende zeigte sie sich auf den angesagtesten Partys.
      Ihre Füße baumelten unter dem Tisch hin und her, während sie ihm seine neugierige Frage beantwortete: "Ich führe nebenbei einen Instagram Account über Mode." So konnte man natürlich auch 'Ich mache täglich Fotos, um eine Online-Präsenz zu haben, damit mein Leben nicht so langweilig wirkt' formulieren. Sie nahm einen weiteren Schluck ihres Mochas und betrachtete dabei den Militärveteranen. Im Gegensatz zu ihr hat er tatsächlich was geleistet in seinem Leben. Ob man die Arbeit beim Militär als gut oder schlecht sehen wollte, war eine ganz andere Sache. Aber gerade waren sie in einem Gespräch, wo sich die beiden offensichtlich gegenseitig nicht verurteilten, dementsprechend wollte sich die Blondine garkeine Meinung darüber bilden. Stattdessen stellte sie ihm nun endlich eine Gegenfrage, anstatt nur wie bei einem Interview Fragen zu beantworten: "Was machst du jetzt, wenn du nicht mehr beim Militär bist?" Ihre blauen Augen blickten ihn neugierig über den Plastikdeckel ihres Kaffeebechers hinweg entgegen.

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    • "Ach, deswegen sieht du aus wie ein attraktiver Café Latte?", scherzte Oliver.
      Über den Account wusste er Bescheid, aber das konnte doch nicht alles sein. Ja, Mode konnte ein Hobby sein, aber war das wirklich alles, was Bridget interessierte? Oliver hatte einmal versucht, sie mit einem angehenden Designer zu verkuppeln. Der einzige Versuch, bei dem er geglaubt hatte, dass es geklappt hatte, bis er rausgefunden hatte, dass ein Kollege den Designer mit einem Buchhändler verkuppelt hatte. Nein, Mode konnte definitiv nicht alles sein.
      "Nach dem Militär war ich die nervigste Person im Leben eines jeden Partygängers, auch bekannt als Türsteher aka Rausschmeißer. Jetzt arbeite ich Freelance."
      Das 'Für die Liebe', das ihm auf der Zunge lag, spülte Oliver mit einem Schluck Kaffee und einem Lächeln hinunter.
      "Mit irgendwas muss man die Zeit ja füllen, nicht wahr? So als Modekennerin bin ich wahrscheinlich absolut nicht dein Typ. Gut, dass du mir gleich gesagt hast, dass ich mir keinen Hoffnungen machen soll. Sonst würdest du mir noch das Herz brechen."
      Tatsächlich war Mode so gar nicht Olivers Ding. Er gehörte zu der Kategorie Person, die eine passende, bequeme Hose in drei verschiedenen Farben - schwarz, grau, dunkelblau - kaufte. Außerdem war er auch einer dieser Ex-Soldaten, die nie wirklich vom Militär-Stil wegkamen. Cargohosen, enge T-Shirts, stabile Stiefel, gegebenenfalls eine Sweatjacke. Wirkliches Fashion Week Material...


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      So ein Kompliment hatte die Blondine nun wirklich noch nie gehört. Schlechte Anmachsprüche, ja. Sexistische Kommentare oder jemand, der beim Vorbeifahren hupt, ja. Aber das? Schmunzelnd blickte die junge Frau an sich runter. Irgendwie hatte er recht, die Farbpalette ihres heutigen Outfits ähnelte mit dessen weiß, beige und braun Tönen sehr den Getränken, die im Café über die Theke wanderten.
      Ihre Augen wanderten über Olivers breite Schultern und muskulösen Arme. Ja, sowohl Militär, als auch Türsteher, konnte man sich bei diesem Mann als Beruf vorstellen. Aber Freelance? Als was? Bodyguard? Kurz musste sie sich den Braunhaarigen in einem typisch für Bodyguards schwarzen Anzug vorstellen, der dank der Muskelmasse vielleicht ein wenig zu eng saß. Sofort versuchte diese Idee wieder aus ihrem Kopf zu vertreiben, sonst würde sie sofort loslachen müssen. Um ihr amüsiertes Grinsen zu verdecken, nahm sie direkt noch einen Schluck aus ihrem fast leeren Becher.
      Beinahe hätte sie das köstliche Getränk wieder aus ihrem Mund gespuckt, als sie seine Meinung darüber hörte, dass er nicht ihr Typ wäre. Das aus dem Mund eines gut gebauten, großen, attraktiven Typen? Kaum zu glauben. Sie hielt sich die schmale Hand vor den Mund und schluckte einmal, bevor sie leise loskichern musste. Sie stützte beide Ellenbogen auf der Tischplatte auf. "Mir ist doch egal was andere tragen, wichtig ist mir was ich an hab", erklärte sie ihm mit einem Lächeln. So war es tatsächlich bei Bridget. Zwar schaute sie sich gerne um und musterte die Leute um sich herum, aber am Ende konnte ihr es gleich sein was andere trugen. Ihr war wichtig was sie als Outfit anhatte, denn das war es was ihr an Mode Spaß machte. Kleidungsstücke in unendlichen Kombinationen zu kombinieren, ihre Laune und Stimmung mit etwas simplen wie der Farbwahl ihres T-Shirts zu beeinflussen..
      Sie stütze den Kopf auf beiden Händen ab. "Und auf was machst du dir eigentlich Hoffnungen?", fragte sie, nachdem sich ihr amüsiertes Lachen wieder beruhigt hatte.

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    • Ihm war noch nie aufgefallen, was für ein hübsches Lachen Bridget hatte. Das sollte sie ruhig öfter tun, es stand ihr.
      "Also geht dein Interesse an Mode eher in Richtung Model und weniger in Richtung Designer, verstehe."
      Mentale Notiz: gemacht. Vielleicht sollte er ihr einen Fotografen suchen? Einen Designer wollte sie ja nicht. Social Media Coach vielleicht? Nein, die wollten für gewöhnlich was, was nichts mit ihrem Job zu tun hatte, das würde mit Bridget nicht lange halten...
      "Hm? Oh, äh... Weltfrieden, gutes Wetter, 'ne extra Scheibe Bacon auf meinen nächsten Sandwich. Sowas eben. Ich bin ein sehr hoffnungsvoller Mensch", grinste er, "Ich nehm die Dinge meistens, wie sie kommen. Dann hat man weniger Grund, sich über die Zukunft zu sorgen und kriegt schlussendlich weniger Falten. Das hab ich mal in einer Zeitschrift gelesen. Ich, als Literaurexperte."
      Oliver leerte seinen Kaffee in einem letzten, langen Schluck, dann warf er den Pappbecher mit einem präzisen Wurf in einen der Mülleimer, die hier überall herumstanden.
      "Jetzt fangen wir gerade erst an, uns wirklich kennenzulernen und mein Kaffee ist leer. Was machen wir denn da?"


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      Stumm nickend bestätigte sie seine Annahme. Sie war keine Designerin. Bridget konnte nicht mal mit Zuversicht sagen, dass sie künstlerisch veranlagt wäre. Die Blondine mochte es einfach nur Farben, Formen, Schnitte und Muster zu kombinieren. Deswegen dachte sie das Innenarchitektur etwas für sie sein könnte, aber das Studium stellte sich als viel langweiliger und theorielastiger heraus, wie sie zuerst angenommen hatte.
      Ihre Lippen zierte ein Grinsen, welches seines immitierte. "Dann runzelst du wohl ohne Grund deine Stirn so oft?", stichelte sie gegen ihn und spielte dabei auf die schmalen Falten seiner Stirn an, die von ein paar dunklen Haarsträhnen bedeckt wurden. Nichts, was einem aufgefallen wäre, wenn man ihm nicht nun schon für einen ganzen Kaffee gegenüber saß. Sie bekam von ihm Komplimente und gab dafür neckende Kommentare zurück. Das wirkte nach einer Dynamik mit der Bridget weitaus besser zurecht kam. Oder es war das Wissen, dass er angeblich nichts von ihr wollte, was ihr erlaubte so locker zu bleiben. Nicht nur locker, sondern sogar fast schon verspielt.
      Auf seine Frage hin nahm sie auch den letzten großen Schluck aus ihrem Becher, bevor sie mit diesem in der Hand aufstand. "Ich zahl dir deinen Kaffee zurück, ist schließlich 'Zahl der Person dir gegenüber einen Kaffee'-Tag", meinte sie mit einem amüsierten Grinsen, während sie sich zu ihrer Tasche runterbeugte und ihren Geldbeutel rauszog. Sie strich sich die nach vorne gefallenen Haarsträhnen aus dem Gesicht und blickte erneut zu Oliver. "Also noch einen Caramel Frappucino oder was anderes?"

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    • "Nee, das kommt vom Altsein. Da lassen sich Falten nur schwer vermeiden. Ich strebe den George-Clooney-Look an. Alt mit Stil und so."
      Oliver gab den schlechtesten Modell-Gesichtsausdruck von sich, den er drauf hatte. Ein Käseladen war nichts dagegen!
      Er war sich immer noch nicht ganz sicher, was an Bridget so anders war, dass seine Magie bei ihr nicht funktionieren wollte. Sie war eindeutig keine kaltherzige Bestie, sie war keine Psychopathin. Da war ein Herz und es schlug für Dinge im Leben. Ihr kleines Gespräch hatte ihm das gezeigt. Aber irgendwas fehlte ihm noch, um dieses Rätsel zu lösen.
      "Krieg ich auch noch einen Vanille Muffin, wenn ich deinen Kaffeebecher im Mülleimer da drüben versenke? Ich verspreche auch, nicht zu schummeln", lächelte er.
      Er konnte sich sogar ein kleines Zwinkern nicht verkneifen.


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      "Dafür brauchst du dann aber wohl doch eine Modeberatung", scherzte sie und fing an über seinen gekünstelten Gesichtsausdruck zu lachen. So viel war sie normalerweise nur am Rumblödeln und Spaß haben, wenn sie mit ihren Freundinnen unterwegs war. Wobei.. Selbst das konnte manchmal auch so zäh wie eine Vorlesung sein. Vor allem wenn es um Beziehungsdrama ging.
      "EIn Vanille Muffin?", hakte sie verwundert nach und zog die Augenbrauen hoch. Sofort runzelte sich ihre Stirn und da sie erst von Falten gesprochen hatten, versuchte sie gezwungenermaßen ihre Verwunderung in ihrem Gesichtsausdruck kleinzuhalten. Bridget ging einen kleinen Schritt auf ihn zu und hielt ihm ihren leeren Kaffeebecher hin. "Dafür, dass du so männlich aussiehst und dann auch noch beim Militär warst magst du ganz schön mädchenhafte Dinge", neckte sie den armen Oliver abermals. Das er genau die Dinge mochte, welche sie ebenfalls gut leiden konnte, behielt sie aber für sich. Erst der Caramel Frappuccino, nun Vanille Muffins.. Was sollte als nächstes kommen? Das sie die gleiche Unterwäschefarbe trugen? Dann würde die Blondine sich wohl auf das ganze Schicksalsgerede einlassen.
      Um ihm Platz für seinen Versuch auf eine Backware seiner Wahl zu lassen ging Bridget grinsend noch einen weiteren Schritt auf ihn zu und positionierte sich seitlich neben ihm. Mit verschränkten Armen blickte sie abwechselnd neben sich runter zu ihm und zu seinem Ziel: dem Mülleimer.
      Das die beiden von paar anderen Besuchern des Cafés komisch gemustert wurden, fiel ihr garnicht auf. Sie war bereits viel zu vertieft in diese Konversation und das passierte ihr eher selten mit einem anderen Mann.

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