All the things she said [Mizu & Lysios]

    Diese Seite verwendet Cookies. Durch die Nutzung unserer Seite erklären Sie sich damit einverstanden, dass wir Cookies setzen. Weitere Informationen

    • All the things she said [Mizu & Lysios]


      Jolene Forgefield:
      „Was liest du da?“ - „Hm?“ Blinzelnd linste Jolene über den Rand ihrer Zeitschrift zu dem grünen Paaraugen, das sie tellergroß anschaute. Die kleine Steffanie hatte die Hände hinterm Rücken versteckt und wippte leicht auf ihren Füßen, indem sie sacht auf die Zehenspitzen ging und sich wieder absenkte. Jolene setzte ein Lächeln auf. „Oh das? Das ist nur eine Modezeitschrift. Interessiert du dich auch für Mode?“, fragte sie mit so viel Enthusiasmus in der Stimme wie sie nur konnte und zeigte dem kleinen Mädchen dabei demonstrativ das Cover, auf dem Florence Pugh zu sehen war. Steffanie schien ein wenig skeptisch und schnaubte leicht.
      „Also Papa sagt immer, Frauen, die so etwas lesen haben keinen Respekt vor sich selbst.“ Oh, das saß hart. Schockiert über den verbalen Slam Dung einer 9-jährige konnte Jolene nur die Augenbrauen in die Höhe reißen. „Ich… eh… Echt?“, begann sie zu stottern, ehe sie sich schnell mit einem Räuspern fing. „Nein, ich mag sowas. Hier sind viele schöne Klamotten drin in bunten Farben. Magst du dir das mit mir zusammen ansehen?“ Steffanie zuckte die Schultern, kletterte allerdings im selben Atemzug auch schon zu ihrer Babysitterin auf die Couch und landete in ihrem Schoß. Die Barbies mit denen sie zuvor gespielt hatte, ließ sie achtlos und vergessen einfach auf dem Boden zurück.
      Jolene machte das wirklich gerne. Ehrlich! Seit drei Jahren passte sie gelegentlich auf Steffanie auf. Doch langsam aber sicher wurde die Kleine wirklich aufmerksam und Jo verstand, warum ihr Vater diese Abenden außer Haus wirklich gebrauchen konnte. „Was steht da?“, patschten ihre Finger direkt auf eine der Seiten und sie wählte ein willkürliches Wort. „Und hier? Und da? Worum geht es hier?“ Jolene bewies Geduld und las ihr alles vor, was sie wissen wollte, bis sie beide zu dem Artikel kamen für den die verzweifelte Schülerin überhaupt erst die Zeitschrift gekauft hat. Es ließ sie seufzen. „Wie gefalle ich meinem Schwarm. 10 Taktiken, um ihn dazu zu bringen dich zu bemerken“, las Jolene der kleinen Steffanie vor. Diese bemerkte die Veränderung in der Stimmung und schaute mit großen Augen zu der Älteren rauf.
      Sie imitierte ihr Seufzen und schmiss sich noch ein bisschen mehr in die Arme des Mädchens. „Also Papa sagt immer, wenn eine Frau einem Mann gefallen will, darf sie nicht zu haben sein.“ Jolene senkte das Magazin und schaute das kleine Ding auf ihrem Schoß erneut komplett erstaunt an. „Was?“ Steffanie nickte sehr eindringlich. „Hat Papa gesagt!“ Das Mädchen nickte. „Was… dein Papa nicht alles sagt…“ Kopfschüttelnd beendete Jolene das Thema einfach. Wenn es ihr auch nicht aus dem Kopf ging.

      Wenn eine Frau, einem Mann gefallen möchte, darf sie nicht zu haben sein? In verfügbar? In vergeben? In einer Beziehung? Am Abend lag das Mädchen kopfüber in ihrem Bett, starrte an die Decke und spielte mit ihren langen braunen Haaren herum. Es gab Filme zu der Thematik. Der Held, der erst erkennt was ihm entgeht, wenn die Heldin im Begriff ist seinen besten Freund zu heiraten. Augenblicklich kam ihr das Bild von Bens bestem Freund Frank in den Sinn und mit einem angewiderten Ton schüttelte sie sich. „Igitt, igitt! Pfui! Nein! Raus aus meinem Kopf!“ Als könnte sie die Gedanken ungesehen machen legte Jolene sich die Hände aufs Gesicht. „Nein das ist definitiv keine Option!“, nuschelte sie zu sich selbst.
      „Joey Liebling! Essen ist fertig!“ - „Komme, Mum!“

      Vielleicht könnte sie was mit jemandem aus ihrer Klasse was anfangen, dachte sie sich am nächsten Tag im Unterricht. Der Gedanke wollte und wollte sie nicht los lassen. Felix vielleicht? Jolene mochte seine schwarzen Locken. Sie sah unauffällig zu ihm herüber. Nein. Nein, das war es nicht. Sie konnte sich das nicht vorstellen. Generell konnte sie sich nicht vorstellen plötzlich mit irgendeinem Mann etwas anzufangen. So ganz ohne Gefühle. Und wenn es nur zum Schein gewesen ist? Quasi eine Abmachung? Wir tun nur so und gehen unsere getrennte Wege nach der Schule.
      Jolene runzelte die Stirn, während ihre Wange noch auf ihrer Hand lehnte. Nein, auch das fühlte sich… nicht ganz… richtig an. Männer verstanden so schnell so viel falsch. Und welchem Jungen konnte sie schon trauen, dass er sich nicht einfach einen Spaß daraus machen würde und es direkt Ben erzählt. Oder angab oder sonst irgendwas.

      „Du bist aber still heute, Joe! Ist dir eine Laus über die Leber gelaufen?“, stieß eine ihrer Freundinnen sie mit dem Ellbogen an, als sie in der Kantine beim Mittagessen gewesen sind und plötzlich war Jolene wie aus einer anderen Welt heraus gerissen. Die anderen am Tisch lachten über ihren bedröppelten Ausdruck, als sie erschrocken neben sich sah. Beinahe in einer Panikreaktion fing sie an mitzulachen. Sogar am lautesten. „Klar! Ich hatte letzte Nacht einen Alptraum, dass unser Geschichtslehrer sich in einen riesigen Wurm verwandelt hat“, log sie irgendwelchen Schwachsinn, doch ihre Freunde spielten mit und fingen an das Gespräch in diese Richtung zu lenken. „Habt ihr es schon gehört? Dieser Tommy aus der achten! Der ist schwul! Er ist jetzt zusammen mit einem der Artkids!“, erzählte Grace mit einem breiten Grinsen und Ben schien das erste Mal interessiert an der Unterhaltung der Mädchen zu sein. Er saß mit Frank bei Kopf und sie beide sind in ihrem eigenen Gespräch gewesen.
      „Echt jetzt?“, fragte er erstaunt. „Der Sohn des Coaches? Tommy Miller? Scheiße, ist er deswegen so mies drauf momentan und scheucht uns wie wild durch die Gegend?“, wendete er sich am Ende wieder an seinen besten Freund und dieser zuckte nur unbeteiligt mit den Schultern und lehnte sich zurück. „Soll sein Sohn doch Schwul sein. Was ist heute schon dabei?“ Ein Paar der Mädchen am Tisch um Jolene herum machten Kommentare und fragten Frank woher der plötzliche Liberalismus kam.

      Tommy und ein anderer Junge aus der achten? Zwei Jungs? Sehr genau beobachtete Jolene die allgemeine Stimmung am Tisch. Homosexualität schien einstimmig kein großes Thema zu sein. Klar machten sie hier und da ein paar Sprüche. Aber eigentlich verlautete die gesamte Truppe, dass es daneben wäre etwas gegen Schwule zu sagen. Galt das auch… für Lesben? Irgendwann an diesem Tag endete Jolene auf einer Treppe im Flur und schaute nachdenklich nach draußen. Eine vorgetäuschte Beziehung mit einer Frau… Warum eigentlich nicht? Die Brünette versuchte sich vorzustellen wie es wäre von einem Mädchen umarmt zu werden oder mit ihr Händchen zu halten vor den anderen. Und sie konnte nichts verwerfliches daran erkennen. Sie würde sich sicherer fühlen als mit einem Mann.
      Ben hatte aufgesehen als es um Tommy ging. Er hatte also trotz allem zugehört und wenn es auch nur am Rande gewesen ist. Vielleicht würde ihn das ja wirklich interessieren. Vielleicht würde es Jolene interessanter machen. Aber wen könnte sie denn fragen? Das war ja fast schwieriger als einen Kerl dafür zu finden.

      Die kommende Woche war Jolene sehr intensiv auf der Suche nach einer festen (fake) Freundin. Und irgendwann, nach einer langen Liste, die sie wegstreichen konnte kam sie dann schließlich auf Evelyn Collins. Sie beide waren in einer Klasse. Eve war sehr hübsch aber immer ein bisschen allein. Sie war groß und plötzlich stellte Jolene sich vor, dass sie beiden gut zusammen aussehen würden. Vor allem da die Brünette nun selbst ja angefangen hatte weiblicher mit sich selbst umzugehen. Wäre das nicht fast wie in einem Hollywoodfilm? Ihre Augen wanderten immer öfter zu Eve. Wann immer sie in der Nähe gewesen ist, schien Jolene das regelrecht zu spüren und sofort ihren Blick zu ihr zu wenden.
      Das wars! Sie hatte sich entschieden! Sie wollte mit Eve (zum schein) zusammen sein! In einer Freistunde lauerte sie der schwarz-haarigen ein wenig auf und überfiel sie, als sie gerade draußen auf einer Bank Platz nahm. „Hi!“, grüßte Jolene sie strahlend und kam auf sie zu. „Wie geht’s? Wir haben irgendwie länger nicht mehr miteinander geredet!“ Puh, jetzt wurde sie irgendwie doch ein wenig nervös. Zumindest nun, da sie sich gegenseitig in die Augen sehen konnten. „Ich wollte dich fragen, ob du vielleicht Lust hättest… naja… Meine feste Freundin zu sein!“ Es bedarf einer langen Stille, bis Jolene begriff, dass sie einen kleinen Teil ausgelassen hatte. „Oh! Äh! Ich meine nicht wirklich! Also nicht so richtig! Sondern nur so… zum Spaß! So tun als ob! Damit… jemand den ich mag mich endlich wahrnimmt und das Gefühl bekommt ich entrinne ihm?“ Sie setzte ein flehendes Lächeln auf. „Bitte, bitte?“
    • Evelyn Collins

      Mit dem Kopf im Nacken starrte Evelyn an die Decke, in ihren Ohren hörte sie leise Schritte, gefolgt von lautem Geballer. "Hab ihn!", ertönte es aus ihrem Headset. Mit den Fingern fuhr sie über ihren Controller. Er war warm. Eve saß jetzt bestimmt schon drei Stunden vor der Konsole. "Eve, du bist wieder drin.", ruckartig setzte sich die Schülerin auf, fokussierte sich auf das Spiel, "Na endlich. Hat ja auch lange genug gedauert.", "Pff..du machst das schon.", zischte Moni. "Wir sollten in das andere Haus, du kannst die Gegner vom Dach snipen. Ich übernehm das Treppenhaus.", ordnete sie an und setzte ihren Plan in die Tat um. Tatsächlich war es eher ein Krampf, aber die schwarzhaarige war gewillt wenigstens diese Runde zu gewinnen. Ein weiterer Lose vor dem Schlafen wäre einfach nur deprimierend. Nach einem längeren Kampf mit zwei weiteren Teams, zielte sie konzentriert auf die Tür. Der letzte Gegner stürmte rein und lief ihr direkt vor die Linse. "Team wiped", sagte sie mit ruhiger Stimme und einem breiten Grinsen. Ihre Hände zitterten noch etwas. Wenn es so chaotisch wurde, wurde sie schnell nervös, aber diesmal schafften sie es. "War gut Moni, ich bin dann mal. Bis morgen.", sagte Eve und schaltete ihre PS4 aus. Das Headset und den Controller legte sie säuberlich nebeneinander und machte den Fernseher aus. "Ein Lose mehr und ich hätte dich aus dem Fenster geschmissen.", murmelte sie in Richtung ihrer Konsole. Nun freute sich die schwarzhaarige einfach auf ihr Bett. Morgen müsste sie wieder zur Schule und alleine der Gedanke daran laugte sie irgendwie aus.

      Wie immer war die Schule, wie Schule eben. Ein typischer Tag im Leben eines Teenagers. Evelyn dümpelte zwischen den beliebten und unbeliebten, den Künstlerin und Musikern umher. Gehörte nirgends so richtig hin. Aber es war okay so. Am meisten freute sie sich unter der Woche auf das Hip Hop Training und die Rollschuh Kurse. Inzwischen machte sie auf der Bahn sogar einen Aushilfsjob. Irgendwann fragte Irena sie ob sie nicht Lust hätte die kleineren Kinder zu trainieren. Scheinbar wurden Kinder magisch von Evelyn angezogen, auch wenn man ihr das nicht ansah. Und so fuhr sie Mittwochs und Donnerstags nach der Schule zur "Space Arcade". Zwar wusste die Schülerin noch nicht, ob sie diesen Job auch später machen würde, aber es war eine ganz angenehme Alternative - jedenfalls zu Kellnern und den übrigen Jobs, die ihre Mitschüler machten.
      "Eveeeee, mein Rollschuh ist kaputt..", rief die kleine Lauren. Mit einem sanften Lächeln auf den Lippen, rollte die 19 jährige zu ihr und kniete sich vor das Mädchen. "Lass mich mal schauen.", sagte sie beruhigend und sah sich den Schuh an. Sie musste sich wirklich ein Lachen verkneifen und presste die Lippen aufeinander. "Lauren, wir machen dir am besten eine Doppelschleife, dann passiert sowas auch nicht nochmal.", sagte sie lächelnd und half dem Mädchen mit ihrem neonpinken Rollschuh. Kinder konnten schon süß sein, auch wenn sie der schwarzhaarigen oft den letzten Nerv raubten. Aber vielleicht tat ihr das ganz gut, sie lernte sich zu kontrollieren. Ganz im Gegensatz zu ihren Ballerspielen. "Danke Eve!", ertönte es Schrill. "Aber Eve, du hast ja immer noch die schwarzen Rollschuhe, du wolltest dir doch auch bunte holen.", ermahnte die 8 Jährige sie darauf. Mit großen Augen sah die Schülerin sie an. "Aber ich mag die schwarzen, sie sind schlicht.", "Aber die sehen gar nicht Mädchenhaft aus. Du bist doch ein Mädchen.", jetzt musste Evelyn doch lachen. "Weißt du, manche Mädchen mögen es bunt und manche Mädchen mögen dunkle Farben. Sie passen zu mir, so wie deine zu dir passen.", erklärte sie und strich sich ihre schwarzen Haare hinters Ohr. "Mhh, nagut. Aber ich bringe dir nächstes mal einen neon Sticker mit, okay?", lächelnd und nickend half die 19 jähriger der Kleinen hoch und der Kurs ging weiter.

      "Hast du das mit Tommy auch schon gehört?", fragte Liz. "Jap, er hat einen Freund.", erwiderte Andrew. Evelyn stocherte in ihrem Joghurt herum. "Das ist doch abgefahren. Jeder weiß bescheid. Ich wüsste gar nicht wie ich darauf reagieren würde.", erneut Liz. "Eve, jetzt sag doch mal was dazu!", "Mmh? Was soll ich sagen? Keiner hat so einen Aufriss gemacht, als ihr zusammen gekommen seid.", "Ja, aber das ist doch was anderes..", "Warum? Weil sie zwei Jungs sind?", "Aber..", Liz verstummte von selbst. "Naja, so viele gleichgeschlechtliche Paare gibt es hier ja nicht. Es war einfach eine Überraschung.", fuhr Andrew für sie fort. Ein Herz und eine Seele. Seit die beiden zusammen kamen, waren sie noch kitschiger als vorher schon und alles drehte sich um ihre kleine, süße und verliebte Welt. Eve musste aufpassen, nicht versehentlich ihren Joghurt auszukotzen.
      Auch wenn sie dieses herumturteln nicht verstand, freute sie sich für ihre beiden einzigen Freunde. Und auch wenn sie es vor anderen niemals zugeben würde, sie wusste dass die beiden füreinander bestimmt warten. Schicksal. "Ach Eve du Miesepeter!", meckerte Liz und stieß ihr mit dem Ellenbogen in die Seite. "Jaja, du kleine Liebesratte.", neckte sie zurück und beschloss ihren Joghurt wegzuwerfen. Eigentlich hatte sie auch keinen Hunger.

      Die Tage und das Training vergingen und es wurde immer komischer. Eve bildete sich ein, dass Jolene auf sie aufmerksam wurde. Die schwarzhaarige hatte nie wirklich viel mit ihren Mitschülerin zu tun. Sie hatten ja auch nichts gemeinsam, jedenfalls nichts was Evelyn bekannt war. Wann auch immer sie aufstand oder raus ging, sie bemerkte Jolenes Blick auf sich und bei Gott manchmal hätte sie sie wirklich gerne abgefangen und zur Rede gestellt, doch sie wollte keine Aufmerksamkeit auf sich ziehen.
      Die Schule war fast vorbei und im letzten Jahr konnte sie nun wirklich nicht noch großen Stress gebrauchen. Als es endlich zur Freistunde klingelte, packte die schwarzhaarige schnell zusammen und ging nach draußen. Es war mit die einzige Zeit, in der sie ohne die anderen in Ruhe lesen konnte. Für Gewöhnlich ging die Schülerin dafür in die Bibliothek, doch dort fand gerade eine Projektwoche statt, also wollte sie dieser lieber fern bleiben. Auf dem Hof fand Eve in der Sonne einen schönen Platz. Der Wind wehte durch ihre langen schwarzen Haare und mit einem Griff in die Tasche holte sie einen Roman heraus. Save Me.
      Gerade fing die 19 jährige an zu lesen, als sie bemerkte wie sich jemand auf sie zu bewegte. Sie erkannte ihre Stimme. Ließ weiter, konzentrier dich. Ignorier sie.
      Doch Jolene wollte einfach nicht aufhören zu reden und was zur Hölle erzählte sie da? Evelyn blieb mit ihrem Blick an einem Wort kleben. Sie wollte was? Was sollte Evelyn spielen? Ihre Freundin? Tief einatmend schloss sie ihre Augen, klappte ihr Buch extra laut zusammen und erhob den Kopf, um ihrer Klassenkameradin direkt in die Augen zu sehen. "Nein, danke.", sagte sie trocken. Sollte sie noch etwas sagen? Für gewöhnlich reichte das. Doch diese wahnsinnig dämliche Idee kreiste nun in ihrem Kopf herum. "Du möchtest dass ich deine Freundin spiele?", fragte sie nach. "Um einen Jungen auf dich aufmerksam zu machen?", wiederholte sie als hätte sie das alles eben nicht verstanden. "Hast du keine Freunde die das für dich machen würden?". Wie kam man auf so eine glorreiche Idee? Je mehr Eve darüber nachdachte, umso lächerlicher wurde es. Plötzlich fing sie an zu lachen. Fuck, das war unhöflich.
      - Help me forget that this world is so cold
      I don't even know what I'm chasin' no more -

    • Jolene Forgefield
      Sie wollte ehrlich sein; sie hatte Hoffnung. Jolene wusste selbst nicht woher sie kam. Denn kaum, dass das Mädchen ihr Buch zuklappte und die Lippen öffnete, hatte sie das Gefühl, dass das die realistischste und naheliegendste Reaktion darauf gewesen ist. Ihre Schultern senkten sich und das Lächeln bröckelte für einen Moment. Ebenso wie ihre Augenbrauen unter der Kühle der Enttäuschung für einen Moment erzitterten. Das Nein wirkte eigentlich sehr endgültig und ließ Jolene mit offenem Mund zurück, nicht wissend was oder ob sie behaupten irgendwas darauf sagen konnte, als die Angelegenheit Eve dann doch zumindest ein bisschen zu amüsieren schien!
      Jolene betrachtete das im ersten Moment als etwas Gutes! Die Brünette nickte eifrig, als Evelyn noch einmal nachhakte. „Genau, meine Freundin“, bestätigte sie und zeigte auf sich selbst. Bei der zweiten Aussage haderte sie zwar ein bisschen, nickte dann aber auch. „J-Ja, wie in so Fi-…“ Jolene räusperte sich. „Genau.“
      Ihre letzte Frage und das darauffolgenden Lachen taten ein bisschen weh. Jolene fühlte sich in den Magen geschlagen. Für einen Moment fühlte sie sich wirklich dumm und es war ihr schrecklich unangenehm. Beinahe ist sie im Begriff gewesen einfach zu sagen sie solle es wieder vergessen und zu gehen, als sie den Kopf senkte und ihr Blick auf das Cover des Buches in ihren Händen fiel. Save me! Das gibt es doch nicht. Das war eines der Bücher, die Jolene zuletzt verschlungen hat. Das musste doch ein Zeichen sein, oder? Sie hatte die richtige Wahl getroffen. Sie musste nur vielleicht ein bisschen mehr… Überzeugungskraft an den Tag legen.
      „Nein, bitte, höre es dir an!“, bat sie inständig und setzte sich zu ihr… Stand dann wieder auf… und setzte sich wieder und wendete sich zu ihr. Es war offensichtlich, dass sie nicht die richtige Pose fand um ihren Standpunkt zu vertreten. „Meine Freundinnen sind… toll! Wirklich, ich liebe sie! Aber sie sind selbst schon in Beziehungen, weißt du? Es wäre unrealistisch! Und außerdem… Also- Sie wissen es nicht. Dass ich diesen Jungen mag. Vielleicht ahnt die eine oder andere es, sie hänseln mich ab und an mal damit. Aber nie ernst gemeint.“ Sie gestikulierte viel, zwang ihre Hände in ihren Schoß und zog sie dann doch wieder hervor um etwas zu verdeutlichen. Ihre Gedanken überschlugen sich.
      „Aber denk nicht an mich. Denk dran, was für dich dabei herum springt! Du sollst nicht nur meine Freundin spielen. Sondern ich auch deine! Bei mir bekommst du die besten cuddles! Und ich kann super cool sein! Ich kann dein… auf wen stehst du in dem Buch? Ich habe alle drauf! Den Prinzen in der Szene in der- Nein warte! Ich werde nicht Spoilern. Aber egal ob es der Prinz ist, der Held, der Sohn des Schmiedes! Oder der Lehrer? Oh… Save me hat so viele gute Szenen und so viel Auswahl an Männern. Du musst mir unbedingt sagen wer dein Liebling ist! Und ob du die Protagonistin auch so nervig findest in der Arc in der Mitte.“ Sie merkte selbst, dass sie sich verplapperte. „Moment! Wo war ich jetzt? Ach ja! Bitte!“, beendete sie erneut mit einem Welpenblick und faltete die Hände zusammen. „Du brauchst doch bestimmt ab und an mal einen Packesel oder so. Ich mach’s! Ich mach mich nützlich, ich schwörs!“
    • Evelyn Collins

      "Entschuldige", murmelte die schwarzhaarige nur, nach ihrem unkontrollierten Lachanfall. Für kurze Zeit bekam sie ein schlechtes Gewissen. Irgendwie vertraue Jolene sich ihr an und sie lachte einfach darüber. Bei ihren engen Freunden war diese Reaktion normal, sie kannten die Schülerin allerdings fast besser als sie sich selbst. Tief durchatmend fuhrt sie sich durch die Haare, ehe sie sich zurück lehnte und mit hochgezogenen Augenbrauen auf die Erklärung der Brünetten wartete. Es war wirklich ein Spektakel, wie sie sich setzte und wieder erhob. Wie ein Flummi. Bunny.
      Unrealistisch? Da hatte sie wohl recht, ein vergebenes Mädchen würde wohl kaum eine weitere Beziehung anfangen. Wobei wenn Eve sich Jolenes Freundeskreis näher betrachtete, war sie sich nicht mehr ganz so sicher. Alles Vorurteile.
      "Ich glaube dann hast du wohl die falschen Freunde.", bemerkte Eve an. Oder nicht? Freunde sollten einen doch supporten? Klar, sie zog Liz und Andrew auch regelmäßig auf, aber sie machte sich nicht über sie lustig. Selbst nicht als die beiden noch kein ach so glückliches Paar waren. Jolenes Hände flogen während ihrer Erklärung so durch die Luft, dass Evelyn befürchtete noch ein Auge zu verlieren und zumindest eine Beule zu kassieren, doch das blieb ihr glücklicherweise erspart.
      Wenn Evelyn nicht an sie denken sollte, an wen dann? Sie hatte sich eigentlich damit abgefunden im Hintergrund zu funktionieren, nicht die große Aufmerksamkeit auf sich zu ziehen, wobei das schon eine gewaltige Veränderung für das letzte Jahr wäre. Sie könnte auf dem College später doch nicht für immer so ruhig bleiben? Oder doch? Nein, eigentlich wollte sie doch auch ihre Jugend in vollen Zügen genießen. Aber doch nicht mit so einer Schnapsidee!
      Als ihre Mitschülerin dann zu dem Buch umschweifte, wollte sich die 19 jährige schon die Ohren zu halten. Wie konnte man so schnell das Thema wechseln? Merkte sich dieses Mädchen überhaupt was sie alles sagte? Nachdem die Schülerin etwas Geduld zeigte und abwartete, kam der Monolog endlich zum Ende. "Hör zu Jolene, ich brauche keinen Packesel, ich krieg meinen Mist gut geregelt. Ich..", sie seufzte," ..ich wollte einfach ein unauffälliges letztes Jahr. Such dir jemand andere, ich wüsste nicht was ich anders machen würde als die anderen 150 Schülerinnen hier, die nicht vergeben sind.", erklärte Eve schlussendlich und packte ihr Buch in die Tasche. Bis zur nächsten Stunde war noch etwas Zeit, aber lesen wollte die Schülerin nun nicht mehr.
      - Help me forget that this world is so cold
      I don't even know what I'm chasin' no more -

    • Jolene Forgefield
      Sie verstummte auf einen Schlag, als Evelyn auch wieder zu sprechen begann. Sie sprach Jolenes Namen aus. Ein bisschen ungeduldig aber trotzdem mit einer sanften Bestimmtheit als würde sie mit einem Kind sprechen, das einen Fehler gemacht hatte. War Jolene das? Ein Kind mit eigenartigen Vorstellungen? Sie tat bereits ihr bestes um ihren Kommentar zu ihren Freunden zu ignorieren. Denn die Brünette wusste genau sie hatte gut Freunde. Natürlich, perfekt sind sie nicht gewesen. Aber das ist menschlich. Niemand ist perfekt! Eve lehnte wieder ab und riet ihrer verzweifelten Mitschülerin sie solle sich jemand anderen suchen. Enttäuscht und beinahe wie ein geschlagener Hund saß Jolene da mit gesenkten Schultern, während Eve ihr Buch wegpackte. Nein, das wollte sie nicht.
      Kein Worte schaffte es über ihre Lippen und sie blieb still, bis Evelyn aufstand. Und in einem panischen Moment ergriff sie die Hand der schwarz-haarigen. „Nein, bitte warte…“ Die Energie von zuvor hatte gänzlich ihre Stimme verlassen und sie sah mit flehenden, enttäuschten Augen zu ihr rauf. „Ich möchte aber niemand anderen fragen. Es kann sein, dass es eine dumme Idee ist - sehr wahrscheinlich ist es das sogar. Aber ich… habe mir das echt lange durch den Kopf gehen lassen und irgendwie hänge ich an der Idee. Und ich…“ Sie wusste nicht wie sie es beschreiben sollte. Schuldbewusst ließ sie von ihrer Hand ab. „Es soll niemand anderes sein.“, sagte sie noch einmal entschieden. Zwingen wollte Jolene Eve aber auch auf keinen Fall.
      „Kannst du es dir überlegen? Zumindest durch den Kopf gehen lassen! Wir könnten auch vielleicht einfach ein bisschen reden, uns kennenlernen. Du musst dich nicht sofort entscheiden und wenn du am Ende immer noch bei nein bleibst dann… Lasse ich diesen dummen Plan eben sein.“ Es war überdeutlich wie enttäuscht diese Möglichkeit sie zurückließ. Noch ein Mal schaute die Brünette zu Evelyn auf. „Und es ist es nicht auch ein bisschen langweilig immer daneben zu stehen…? Ich…“ Es bildete sich ein Kloß in ihrem Hals und um sich selbst ein bisschen zu beruhigen rieb sie sich etwas den Arm. „Ich mag das nicht. Gar nicht. Und vielleicht probierst du es ja einfach mal aus? Ein bisschen was Neues, weißt du? Ich bin wirklich kein Lausemädchen! Ich stelle nichts an und würde dich auch zu nichts zwingen oder irgendwie beeinflussen wollen. Und wenn du sagst du möchtest es nicht mehr oder es ist dir unangenehm kannst du jederzeit wieder abbrechen.“
      Jolene seufzte leicht und fühlte sich als hätte sie sich heute um Hals und Kragen geredet. „Denk bitte darüber nach.“
    • Evelyn Collins

      Eve hielt das ganze weiterhin für eine absolut bescheuerte Idee. Warum sollte sie sich auf sowas einlassen? Bereit zu gehen, stand sie auf als sie einen leichten Druck um ihre Hand spürte. Jolenes Stimme war auf einmal gar nicht mehr so aufgekratzt und laut. Sie wirkte verzweifelt und fast bekam die schwarzhaarige schon Mitleid mit ihr. "Ich..", Eve verstummte wieder, als ihre Mitschülerin bat sich das ganze durch den Kopf gehen zu lassen. Man, sie war wirklich stur und hartnäckig. Eine gute Eigenschaft eigentlich, jedenfalls das zweitere. Seufzend blieb die Schülerin mit dem Rücken zu der Brünetten stehen. Es sollte niemand anders sein. Wieso sollte es niemand anders sein? Was machte ausgerechnet Evelyn zur Außerwählten? Und dann sagte Jolene etwas, dass Eves wunden Punkt traf, auch wenn sie es niemals zugeben würde. Daneben stehen. Es war genau die perfekte Beschreibung für das, was sie ihre ganze Schulzeit über machte. Sie war einfach da. Ob es jemand merkte oder nicht. Sie war da, aber nie wirklich dabei. Sie verstand ihre Mitschülerin, würde es jedoch nie laut aussprechen. "Ist gut.", antwortete die schwarzhaarige schlussendlich. Doch sie ertrug es hier nicht mehr. Und dann machte sie das, was sie am besten konnte - flüchten.
      Mit ihrer Tasche ging sie zurück ins Schulhaus. Nun schien die Bücherei doch ein guter Ort zu sein und trotz der anderen Schüler, setzte sie sich an einen Tisch. Seufzend ließ sie ihren Kopf auf ihre verschränkten Arme fallen. Um Gottes Willen, sollte sie bei sowas wirklich zustimmen? Was wenn der Plan in die Hose ging? Wenn sie direkt enttarnt werden, sind die die Lachnummer der Schule. Dann doch lieber unerkannt als ausgelacht.
      "Maaaaaaannn..", brummte Eve und vergrub die Hände in ihren Haaren. Ihre ganze Schullaufbahn überlebte sie ohne Probleme, ohne diese ganzen Teenager Dramen. Doch vielleicht wurde es Zeit. Während ihr Kopf weiterhin auf der Tischplatte ruhte, verging die Zeit wie im Flug und es klingelte zur nächsten Stunde. Wie ein Zombie ging die 19 jährige auf ihren gewohnten Platz, setzte sich und starrte aus dem Fenster. Und es ist es nicht auch ein bisschen langweilig immer daneben zu stehen.
      Das war es und Eve wusste es. "Hast du gehört? Brad und Linda sollen Sommerkönig und Königin werden. War ja zu erwarten, das beliebteste Paar der Schule. Nur langsam wird es langweilig. Die gewinnen doch jedes Jahr, vielleicht sollten Tommy und...","Ruhe! Der Unterricht geht weiter, hebt euch euren Tratsch für die nächste Pause auf!", ermahnte die Lehrerin einige Schüler. Brad und Linda. Brad und Linda. Evelyn warf den Kopf in den Nacken, als hätte sie sich geschlagen gegeben. Bei Gott wenn das nicht funktionierte müsste sie die Schule wechseln.
      Die Gespräche während des Unterrichts flachten ab und die Schülern konzentrierten sich halbwegs auf den Unterricht, nachdem sie fleißig am Handy ihre Outfits für den kommenden Ball planten. Mit dem Klingeln sprang Evelyn auf, ging direkt auf Jolenes Platz zu. Ihr Herz raste und ihre Hände fingen an zu schwitzen, während sie die Brünette zu sich drehte. "Bete, dass das funktioniert!", forderte sie sie auf, ehe sie ihre Lippen auf Jo's drückte. Sanft, jedoch entschlossen.
      - Help me forget that this world is so cold
      I don't even know what I'm chasin' no more -

    • Jolene Forgefield
      Sie atmete auf und ihre Brust schien zumindest ein bisschen leichter zu werden, als sie das erlösende Ist gut von Eve vernahm. Jolene nickte und lächelte, selbst wenn die schwarz-haarige noch immer mit dem Rücken zu ihr stand. „Danke“, hauchte sie noch und schaute ihr dann nach, als sie ging. Erschöpft ließ die Brünette sich einfach auf die Bank fallen und legte das Gesicht in ihre Hände. Das war so nervenaufreibend gewesen. Jolene konnte noch immer spüren wie heftig ihr Herz hämmerte. Und wie schnell das jetzt alles gegangen war im Endeffekt. Diese dumme Idee, die eine verfluchte 9-jährige ihr eingepflanzt hatte und das war das Ergebnis. War sie wirklich so verzweifelt gewesen und wollte Bens Aufmerksamkeit um jeden - selbst so einen - Preis? Oder ging es doch um mehr? Jolene konnte nicht einmal verstehen warum sie jetzt ausgerechnet bei Evelyn so emotional wurde.
      Seufzend drehte sie den Kopf noch einmal in die Richtung, in die das Mädchen verschwunden war.
      Im Unterricht beteiligte Jolene sich nicht sonderlich an den Gesprächen um sie herum. Das Schuljahr hatte gerade erst angefangen und doch ging es schon in vollem Maße um den Sommerball. Jolene wollte gar nicht darüber nachdenken. „Brad und Linda?“, sagte Stacey neben ihr ein wenig empört. „Müssen sie denn wirklich jedes Mal den Platz einnehmen? Kommt schon, irgendwann ist es doch nicht mehr lustig.“ Grace stimmte zu und seufzte schwer. „Ich hätte auch so gerne Fotos mit meinem Freund und den Kronen auf.“ Jolene fing an zu lachen und drehte sich zu der Blondine herum. „Keine Sorge, ich habe gehört bei Burger King bekommt man auch welche.“ Sie streckte ihr frech die Zunge raus. „Du bitch!“, grinste Grace sie kopfschüttelnd an und zeigte ihr den Mittelfinger bevor die Lehrerin für Ruhe sorgte.
      Der Unterricht zog einfach an der Brünetten vorbei und sie versuchte sich von den ganzen Events heute abzulenken und sie schulterte ihre Tasche und wendete sich bereits ihren Freunden zu, die schon etwas nach der Schule planten, als Jolene plötzlich herum gerissen wurde. MIt großen Augen sah sie rauf zu Evelyn. Sie vernahm ihren leisen Kommentar und beinahe wie ein verlorenes Hündchen schaute sie zu ihr rauf. „Was?“, kam es ihr noch von den Lippen, als diese auch schon verschlossen wurden.
      Für einen Moment versteinerte Jolene regelrecht. Was? Das… Passierte das gerade? Die weichen Lippen des Mädchens fingen an sich sacht auf ihren zu bewegen, was sofort unglaubliche Stromschläge durch Jolenes ganzen Körper jagte. Ihre Hände wanderten wie von selbst zu den Unterarmen von Eve, wo ihre Finger über ihre Haut streichen konnte, während sie sich ihr leicht entgegen beugte und den zarten Kuss erwiderte. Ihr Gehirn war komplett abgeschaltet und für einen Moment dachte sie gar nicht mehr an den Plan oder dass das das Resultat davon sein könnte. Sie ließ sich einfach mitziehen.
      Mit geschlossenen Augen und knallroten, flammend heißen Wangen löste sie sich dann schließlich von Eve und schaute noch immer ganz bedröppelt zu ihr rauf. Es war komplett still um sie beide geworden, dabei waren alle Blicke auf sie gerichtet. „Ehm… Entschuldigung?!“, meldete Grace sich schrill und Jolene zuckte leicht zusammen und schaute zu ihrer Freundin herüber.
      Alle ihre Freundinnen standen in etwa mit dem selben Gesichtsausdruck vor ihr. Unglaube und Verwirrung. „Was passier hier gerade?!“ Das wusste Jolene selbst nicht. Doch in einer Sekunde unglaublichen Erfindungsreichtums schaute sie wieder zu Evelyn, auf dessen Arme noch immer ihre Hände lagen und sagte etwas hoffentlich sinnvolles. „Ich dachte du wolltest unsere Beziehung nicht so öffentlich in der Schule ausleben… Hast du es dir anders überlegt?“ Ihre Stimme klang… schwebend. Als wäre sie gar nicht in diesen Sphären. Sie war komplett von den Füßen gerissen.
    • Evelyn Collins

      Während vor einiger Minuten noch murmelnde Schüler zu hören waren, folgte nun absolute Stille. Die Art Stille, die Eve zuwider war. Meistens folgte darauf etwas schlechtes. Es war als würden alle den Atem anhalten, einschließlich Eve und Jolene. Während sie ihre Augen geschlossen hielt, bemerkte sie die weichen Hände ihrer Mitschülerin. Gewissermaßen gab es ihr ein klein wenig Halt. Schließlich war das auch ihre dämliche Idee. Die 19 jährige merkte, wie die anderen leise tuschelten und ihre Wangen wurden rot. Fast so rot wie Jolenes, die nach einer Zeit den Kuss löste. Mit einem gleichgültigen Gesichtsausdruck sah sie ihre Mitschülerin an. Sag doch was. Das ist dein Plan. Versuchte sie mit ihren Augen zu signalisieren, stattdessen führte das ganze in eine andere Richtung. Am liebsten hätte Eve lautstark geseufzt, doch was wäre wohl nicht angebracht gewesen.
      "Ich hatte das Bedürfnis danach. Andere können ihre Freundin auch immer küssen, warum dann nicht auch ich.", erwiderte Eve. Egal wie sie sich anstrengte, ihre Stimme klang immer so sarkastisch. Möglicherweise hielten sie deshalb alle für kalt und abweisend. Ihr Blick war da nicht sonderlich hilfreich. Er strahlte vor Desinteresse. "Komm, wir gehen.", diesmal war sie die jenige, die Jolene an der Hand packte und nach draußen zog. Innerhalb weniger Minuten kursierte dieser Kuss durch die Schule und es war schwer einen Ort zu finden, an dem keiner die beiden Schülerinnen anstarrte. Gott, wie lästig.
      Bei Liz und Andrew blieb Eve kurz stehen, nach wie vor an Jolenes Hand. Nervös presste sie ihre Lippen zusammen und ging weiter. Sie würden den beiden alles erklären, wenn die Zeit dafür gekommen war. Nach einem ewigen Marsch, fand Eve endlich einen ungestörten Platz. Nur die beiden. Abrupt ließ sie die Hand Brünetten los. "Wir machen nichts in der Freizeit, unsere Freundeskreise bleiben getrennt. Ich esse ein Mal die Woche mit bei dir und du bei mir am Tisch. Ich werde nichts auf Social Media posten, was du machst ist mir egal, übertreib es nur nicht.", beendete die schwarzhaarige ihre Bedingungen und warf den Kopf in den Nacken. "Ich hoffe der Typ für den du das machst ist kein Idiot. Ich will mir das nicht umsonst angetan haben.", sagte sie zum Himmel. Noch immer raste ihr Herz und der Geschmack von Jolene hing an ihren Lippen. Benutze sie Lipgloss? Es schmeckte süßlich.
      - Help me forget that this world is so cold
      I don't even know what I'm chasin' no more -

    • Jolene Forgefield
      Eve spielte mit. Sie spielte mit und damit war es getan. Heute war ihr Zusammenkommen. Zumindest für die gesamte Schule. „Ich- Eep!“ Jolene japste auf und ließ sich mit einem letzten Blick zu ihren Freunden einfach mitziehen. Überallhin folgten ihnen die Augen der anderen Schüler und Jolene wusste auch nicht recht damit umzugehen. Irgendwie war das doch echt krass, oder? Mit gesenktem Blick ließ sie sich gerne von Ort zu Ort ziehen, bis die beiden endlich allein gewesen sind. Evelyn ließ abrupt von ihr ab und Jolene bemerkte, dass ihre Hand sich dadurch auf einmal kalt anfühlte, doch den Gedanken schob sie ganz weit beiseite. Sie war immer noch ganz durch den Wind und sah zu ihrer Freundin, als sie die Vertraglichkeiten klarstellte. Keine Freizeit zusammen. Jolene nickte. Getrennte Freundeskreise. Sie nickte. Einmal aß Eve bei ihr und ein Mal aß Jolene bei ihr. Okey. Jolene nickte. Kein Social Media auf ihrer Seite, bei Jolene war es in moderatem Rahmen okey. Sie nickte wieder.
      Evelyn sollte darüber nachdenken und das hat sie sehr offensichtlich gemacht so einstudiert wie sie direkt ihre Regeln verkündete. Das war gut. Das bedeutete nur, dass sie das ganze… Ihre Gedanken verstummten mit einem Schlag, als Eve das Wort antun benutzt. Ihr Blick wurde direkt sehr aufmerksam, bevor er schuldbewusst wurde. „Tut… mir leid. Ich hoffe es war nicht zu unangenehm…“, sagte sie verlegen und hielt sich selbst an ihrem Arm fest, um sich ein bisschen Halt zu geben.
      Unschlüssig stand sie da und tippte mit der Spitze ihres Schuhs zwei Mal auf den Boden. Jolene atmete tief durch und presste die Lippen aufeinander. Sie konnte immer noch ihre Wärme spüren. „Vergiss nicht, dass du jederzeit auch wieder abspringen kannst.“, versicherte sie Eve noch einmal. „Sollten wir… vielleicht eine Geschichte absprechen? Also wie wir zusammen gekommen sind. Sie werden bestimmt fragen.“, führte Jolene an und bemühte sich wirklich geradeaus zu denken. „Ich nehme gerne alles auf mich. Also wir können einfach eigentlich recht nah an der Wahrheit bleiben. Ich bin auf dich zugekommen und habe mich in dich verliebt und gefragt, ob du nicht mit mir zusammen sein möchtest. Und anfangs war es noch so ein… Ausprobierding? Und dann sind wir aber richtig zusammen gekommen? Nicht die romantischste Kennenlerngeschichte aber immerhin lügen wir dabei… relativ wenig? Oder hast du andere Wünsche? Sollen wir deinen Freunden die Wahrheit sagen? Wenn du ihnen vertraust, dann tue ich es natürlich auch.“
    • Evelyn Collins

      Eve vergrub ihre Hand in ihrer Hosentasche, um nicht zugeben zu müssen, dass sie sich ohne Jolenes kalt anfühlte. Manchmal wählte die Schülerin die falschen Worte, das wurde ihr schnell klar als ihre Klassenkameradin die Haltung änderte. "Es war..ganz gut.", wendete sie kurz ein. Sie konnte zwar manchmal sehr taktlos sein, allerdings war sie nicht unempathisch. Aufmerksam hörte sie sich Jolenes Plan an. Einerseits hatte sie recht und es wäre näher an der Wahrheit als alles andere, doch es wäre wohl auch möglich dass ihre Freunde ihr das ganze nicht abkaufen würden. Wer würde vor seinen Freunden schon kein Wort über eine Beziehung verlieren oder einen Schwarm? Abgesehen von Eve. Die Königin der Abneigung und des Desinteresse.
      "Wenn es glaubwürdig werden soll, sollten meine Freunde auch nichts wissen..", sagte die schwarzhaarige sanft. Leise seufzend setzte sie sich im Schneidersitz vor ihre neue Fake Freundin. "Ich saß alleine in einem Café, du warst auch dort. Die Bedienung hatte unsere Getränke vertauscht, was mir erst bei dem ersten Schluck auffiel. Ich wollte dir eigentlich nur dein Getränk geben und dann gehen, doch du wolltest dich noch etwas unterhalten. Ich war distanziert, doch bin drauf angesprungen. Wir haben Nummern getauscht und auch wenn du vielleicht ein bisschen zu hartnäckig warst, haben wir uns öfter gesehen.", Evelyn blickte nach oben. "Du bist wie eine Granate in mein Leben eingeschlagen und hast alles auf den Kopf gestellt. Doch du hast dich für mich zurück gestellt, weil ich nicht sicher war, was die anderen über uns denken könnten.", die Schülerin grinste. "Wir haben viel Zeit miteinander verbracht und dann, hab ich mich in dich verliebt.", ihr Blick fiel auf die Brünette. Es war ein ehrliches Lächeln. Doch Eve merkte wohl, dass sie viel zu viele Bücher las. Sie konnte sich stundenlang solche Szenarien ausdenken. Als sie das realisierte, verblasste das Lächeln langsam. "Jedenfalls, denke ich wäre sowas in der Art ist am glaubwürdigsten. Schließlich kommt man ja nicht nach einem Tag direkt zusammen."
      - Help me forget that this world is so cold
      I don't even know what I'm chasin' no more -

    • Jolene Forgefield
      Die Brünette dachte sie wird vom Blitz getroffen, als Eve sie anlächelte. Für einen Moment unfähig zu atmen blinzelte sie und spürte, wie sie erneut ein wenig verlegen wurde. Es war ganz gut. Okey, sie hat den Kuss also auch ganz gut gefunden. Das war eine Erleichterung. Es brachte Jolenes Herz dazu einen aufgeregten Hüpfer zu machen und für einen Moment wurden ihre Lippen trocken, die sie schnell mit ihrer Zunge ein wenig befeuchtete und räusperte, bevor sie nickte. „Okey“, hauchte sie ein wenig kleinlaut. Jolene war überrascht darüber, dass Eve die ganze Angelegenheit ernst genug nehmen wollte, dass sie sogar ihre Freunde bereit gewesen ist zu belügen. Das machte sie ein bisschen nervös und weckte in ihr den Wunsch eine gute Freundin zu sein. Wenn auch nur zum Schein.
      Überrascht sprangen ihre Augen zu der schönen schwarz-haarigen, als diese sich einfach im Schneidersitz auf den Boden setzte und ohne einen zweiten Gedanken daran zu verlieren, folgte Jolene ihr und kniete sich ihr gegenüber. Aufmerksam lauschte sie Evelyns Geschichte und ihre Augen wurden größer. Ein breites Grinsen bildete sich auf ihren Lippen und sie nickte schnell und heftig. „Das klingt toll. Ich wollte immer schon romantisch im Café jemanden kennenlernen. Und es ist sehr realistisch. Wäre uns das in echt passiert, keine Chance, dass ich dich hätte einfach so gehen gelassen!“ Jolene lachte leicht auf und schüttelte den Kopf. Unterbewusst griff das Mädchen wieder nach Eves Hand und hielt sie sanft in ihren Fingern. Sanft strich sie über ihre Haut. „Und für unser erstes Date habe ich dich in den Park mitgenommen. Und anfangs war es eine Katastrophe, wie ich mich kenne. Wenn ich nervös bin, bin ich schrecklich tollpatschig.“
      Jolene kicherte leicht in sich hinein, während sie träumte. „Ich spreche von einer Katastrophe der schlimmsten Sorte! Ich sags dir, mir ist das Eis runter gefallen, ich bin über eine Bank gestolpert und wurde sicherlich auch von einem Hund gebissen, bis wir dann eine ruhige Ecke auf einer Lichtung gefunden haben, wo wir einfach zusammen im Gras lagen, damit ich mir nicht mehr wehtun konnte und ich habe deine Hand genommen.“ Mit ihren Worten drückte sie tatsächlich Eves Hand noch ein bisschen mehr.
      „Und ich verspreche es dir, das nächste wird besser“, zuckte sie leicht mit den Schultern. Ihre Augen strahlten. Sie verbrachte offensichtlich auch zu viel Zeit außerhalb der realen Welt. Verträumt seufzte Jolene und nickte schließlich. „Ich glaube wir kriegen das schon hin… Magst du mir dann auch wirklich deine Nummer geben?“ Die Brünette ließ von ihrer Freundin ab und holte ihr Smartphone hervor, um es zu entsperren und ihr hinzuhalten. „Ich verspreche auch sie nicht zu missbrauchen oder so… Aber du kannst mir gerne schreiben… wenn du das Buch weiterliest zum Beispiel und mir unbedingt erzählen musst wer dein Liebling ist.“
    • Evelyn Collins

      Eve musste leicht lachen, als Jolene ihr offenbarte, dass sie schon immer jemanden im Café kennenlernen wollte. Das konnte sie sich durchaus vorstellen. Es lag sogar im Bereich des Möglichen. Als die Schülerin die Hand der Brünetten auf ihrer spürte, wollte sie diese erst zurück ziehen. Doch wenn sie genauer drüber nachdachte, fühlte es sich nicht schlecht an, außerdem waren sie in der Schule und hier sollte die Maske aufrecht gehalten werden. Erneut richtete die schwarzhaarige ihren Blick zum Himmel, lauschte Jolenes Worten. "Das kann ich mir gut vorstellen.", sagte sie lächelnd. "Fast hätte ich gedacht ich muss einen Krankenwagen rufen und weil du so tollpatschig warst, habe ich dich auf meinem Rücken nach Hause getragen.", fügte sie an und drückte die Hand ihrer Mitschülerin.
      Kurz darauf, ließ Jolene von ihr ab und erneut fühlte sie, dass es kühl wurde. Ihre Nummern tauschen. Etwas, das Evelyn nicht mochte, allerdings war es diesmal wohl nötig. "Ist gut, hier.", bemerkte Eve nur an und tippte ihre Handynummer ein.

      Die nächsten Tage vergingen wie im Flug. Selbst das Wochenende, wo alle Schüler neuen Klatsch und Tratsch fanden, half niemandem Evelyn und Jolene zu vergessen. Bereits als die schwarzhaarige morgens die Schule betrat, lagen viel mehr Augenpaare auf ihr, als sie gewohnt war. Mit einem finsteren Blick versuchte sie die anderen Schüler zu verscheuchen. Diese ganze Aufmerksamkeitssache war einfach noch nichts für sie. Manchmal vermisste sie es, unauffällig zu sein. Wie ein Geist durch die Flure zu wandern.
      Glücklicherweise fing der heutige Tag mit den AGs an und Evelyn konnte sich ihrem Klassenzimmer entziehen. Bisher schafften es die beiden Schülerinnen ganz gut allen ihre Beziehung zu verkaufen. Es würde zwar noch vielleicht ein wenig dauern, bis die anderen sich ebenfalls dran gewöhnt hatten. Moment, was? War es denn etwas, woran sich Evelyn gewöhnen wollte?
      Glücklicherweise belegte sie den Literatur Kurs und hatte dort, genug Zeit sich abzulenken. Sie müsste sich hier nicht mit ihren Gedanken beschäftigen. Vielleicht würde es einfach reichen mitzuspielen. Nachdem sie zwei Stunden lang Gedichte schrieb und analysierte, klingelte es endlich zur ersten Pause. Langsam kramte sie ihre Sachen zusammen und ging in die Cafeteria. Montags war der Tag, an dem Eve bei Jo am Tisch saß. Es dauerte auch nicht lange, als die ersten ihrer Freunde eintrafen. Gott, das war alles so komisch. Jedes Mal bis die Brünette sich zu ihnen gesellte, herrschte eine unangenehme Stille. Sie hatte nichts mit ihnen gemeinsam. Und dann kam sie endlich. Mit einem sanften Lächeln beugte sie sich zu Jolene, gab ihr einen Kuss. Lasset die Vorstellung beginnen.
      - Help me forget that this world is so cold
      I don't even know what I'm chasin' no more -

    • Jolene Forgefield
      Das klang so schön. Jolene träumte am Abend von ihrem erfundenen Date und genoss lebhaft die Wärme von Eve, als sie an ihrem Rücken hing. Die Tage darauf vergingen wirklich wie im Flug und Jolene musste sich seh viel gegenüber ihren Freunden rechtfertigen. Immer wieder und wieder fragten sie nach und involvierten sie und ihre angeblichen neuen Erfahrungen. Auch das Wochenende ist anstrengend gewesen. Denn Jolene schaffte es wirklich nicht die ganze Sache geheim zu halten. Sie outete sich bei ihren Eltern und erzählte ihnen von ihrer festen Freundin Evelyn. Das ist auch ein spannendes Erlebnis gewesen. Natürlich unterstützten ihre Mutter und ihr Vater sie. Doch sie waren dennoch ein bisschen schockiert, dass ihre Tochter so plötzlich in einer Beziehung gewesen ist. „Lade sie unbedingt mal zu uns nach Hause ein!“, betonte ihre Mutter. „A-aber deine Tür im Zimmer bleibt auf!“, warf ihr Vater panisch um seine kleine Prinzessin mit ein. Er durchlebte eindeutig die größere Krise.
      Der Montag kam und Jolene hatte mit einigen ihrer Freunden Sport gewählt. Und der Plan ging jetzt schon auf. Ben kam in einer der Verschnaufpausen für die Jungs herüber und stellte sich zu ihr. „Ich… hab dich noch nicht beglückwünscht“, sagte er mit einem Lächeln, was Jolene direkt zum strahlen brachte. „Danke!“ - „Ich hätte nicht gedacht, dass du lesbisch bist, bin ich ehrlich“, kratzte er sich am Nacken und lachte leicht. Jo schüttelte direkt den Kopf. „Oh, nein, nein, das bin ich nicht. Ich habe mich nur in Eve verliebt.“, erklärte sie, was den Jungen die Stirn runzeln ließ. „Also Bi?“ Sie dachte darüber nach und zuckte schließlich die Schultern. „Weiß ich nicht, kann sein.“ - „Warst du denn schon mal in einen Mann verliebt?“ Jolene wurde Rot und presste die Lippen aufeinander, bevor sie nickte. „Ja“, hauchte sie und spürte wie ihr Herz zu hämmern begann. Der Junge nickte und machte einen nachdenklichen Ton, bevor er abwinkte. „Ach, man muss ja auch nicht alles benennen! Ich muss auf jeden Fall wieder, wir sehen uns in der Pause!“ Jolene nickte und winkte ihm hinterher. Innerlich schrie sie und machte Luftsprünge.
      Das war super! In der Pause eilte sie mit ihren Freundinnen in die Cafeteria und erkannte sofort den schwarzen Schopf von Eve. Sie ging eilig zu ihr hin und freute sich über den Willkommenskuss. Leise seufzend genoss sie das Bauchkribbeln, dass diese kurzen Berührungen ihrer Lippen stets in ihr auslösten. „Hi“, strahlte sie ihre Freundin an und ergriff auf sogleich ihre Hand, um ihre Finger miteinander zu verhaken. „Wie ist dein Wochenende gewesen? Konntest du ein wenig entspannen?“ Jolenes Freundinnen beobachteten das ganze mit Argusaugen. Sie waren immer noch ein wenig skeptisch. Oder eher übervorsichtig? „Hey, Eve, sag mal, wie ist das eigentlich so für dich?“, fragte plötzlich Grace aus dem Nichts. „Ich meine, Jolene redet ja ständig nur von dir und schwärmt und schwärmt und schwärmt, Tag ein, Tag aus. Sobald sie den Mund öffnet, hören wir die Lobeshymnen!“ Grace klang nicht begeistert und regelrecht ein wenig genervt schlurfte sie an ihrem Milchshake. Stacey stimmte mit ein. „Genau, wir hören so viel über dich, wir haben das Gefühl dich besser zu kennen als Jolene. Geht sie dir nicht auf die Nerven? Sie kann manchmal sein wie ein Flummi gefüllt mit Crack. Ist es das worauf du stehst?“
      Die Brünette schaute verwundert zwischen ihren Freundinnen hin und her und presste ihre Lippen zusammen. Das war eine der Bemerkungen, die ihr ein wenig… wehtaten. Doch Jolene überspielte das.
      Sie lächelte zu Eve rauf. „Ach, beachte sie nicht.“ Verschwörerisch zog sie die schwarz-haarige etwas zu sich und sagte noch immer laut genug, dass alle es mitbekamen. „Sie ist nur neidisch, weil ihr Freund ihr so selten Komplimente macht. Neues Glück und so, da werden die alten Hühner grün vor Neid!“
    • Evelyn Collins

      "Hey", antwortete sie leise und ergriff die Hand der Brünetten. "Es war nicht sehr spannend. Ich war das ganze Wochenende arbeiten. Hoffe bei dir war es angenehmer.", fuhr sie fort. Das Wochenende war ehrlich gesagt die Hölle. Früher oder später hätten es ihre Eltern rausgefunden, schließlich haben sie gerade Social Media für sich entdeckt, also beschloss Eve es ihnen zu sagen. Allerdings hatte sie nur die Gelegenheit die halbe Geschichte zu erzählen. Nachdem die Schülerin das Wort Freundin ausgesprochen hatte, war es für ihre Eltern vorbei. Sie bräuchten Zeit, sagten sie. Drückten ihr trotzdem eine Tasche mit ihren Sachen in die Hand. Sie wäre alt genug. Das Wochenende verbrachte die Schülerin somit im Space Arcade. Um sich nicht aufzuregen, übernahm sie alle anstehenden Schichten.
      Evelyn rechnete mit Stille am Tisch, so wie die letzten Tage. Eigentlich fragten die anderen für gewöhnlich nicht viel. Vielleicht brauchten sie auch einfach Zeit. Heute waren sie jedoch, Eves Meinung nach, etwas zu sehr an den beiden interessiert. Grace's Stimme hatte so einen unangenehmen Unterton. Als würde sie der 19 jährigen jeden Moment die Augen ausstechen. Nachdem Stacey ebenfalls mit auf den Zug aufsprang, drückte die schwarzhaarige die Hand ihrer Freundin. Der Drang einfach aufzustehen und zu gehen, wurde immer größer. Doch das konnte sie Jolene nicht antun.
      "Sie ist tollpatschig und manchmal etwas unbeholfen, aber sie ist liebevoll, witzig und klug.", antwortete Evelyn und sah die Brünette an. Wie ihre Freunde über sie redeten, passte ihr nicht. Vielleicht weil sie das so von ihren Freunden nicht kannte. Liz und Andrew waren wohl die unterstützendsten Menschen die sie kannte. Natürlich waren sie enttäuscht von Eve, weil sie diese Beziehung vor ihnen Geheim hielt, doch sie verstanden es. Sie freuten sich für sie. Auch wenn das ganze nicht der Wahrheit entsprach.
      Jedenfalls war es doch so, oder? "Wenigstens redet sie über ihre Freunde nur gutes. Und ein wenig Crack bringt Schwung ins Leben.", seufzend sah die Schülerin in die Runde. Die Gesichter der anderen versuchte sie gar nicht erst zu deuten. "Sorry Jo, ich muss kurz weg.", sie ließ von ihrer Hand ab und wollte gehen. Es fühlte sich falsch an. Falsch in ihre falschen Gesichter zu gucken. Bevor sie etwas falsches sagte, sollte sie gehen. Sie wollte keinen Streit anzetteln.
      - Help me forget that this world is so cold
      I don't even know what I'm chasin' no more -

    • Jolene Forgefield
      Die trockene und fast emotionslose Stimme von Evelyn ist Jolene inzwischen gewohnt gewesen. Sie wusste genau, dass diese Kühle keineswegs ein Spiegel ihres Innenlebens gewesen ist und dass da mehr Leidenschaft in der jungen Frau schlummerte, als sie offen nach außen hin zeigte. Und das merkte Jolene wieder ganz deutlich an der Antwort, die sie gab. Mit großen Augen sah die Brünette zu ihrer Freundin rauf und sie konnte regelrecht spüren, wie sauer sie gewesen sein musste. Oder einfach nur genervt? So oder so; ihre Freunde versetzten sie in eine sehr unangenehme Lage. Ein wenig hilflos sah Jolene Eve nach, sie konnte noch immer ihre Berührung auf der Hand spüren. „Ist die empfindlich“, stöhnte Stacey und verdrehte die Augen, womit sie Jolene sofort dazu zwang zu ihr herum zu wirbeln.
      „Sag das nie wieder.“ Da war kein Scherz oder Spaß mehr in ihrer Stimme und das schockierte ihre Freunde deutlich. „Ihr verhaltet euch so komisch! Warum macht ihr das? Es ist doch alles in Ordnung gewesen. Musste das wirklich sein? Ich kann mich nicht daran erinnern zu Jason hingegangen zu sein, nachdem ihr zusammen gekommen seid, um ihn auszufragen warum er dich überhaupt mag!“ Jolene schnaubte und schulterte ihre Tasche, bevor sie Eve hinterher eilte. Noch nie hat sie sich so gegen ihre Freunde aufgelehnt. Immer hat sie jede Pille geschluckt, die sie für sie hatten. Und es war auch die eine Sache, wenn sie Jolene manchmal einsam fühlen ließen. Eine ganz andere, wenn sie nun auch schon Eve auf dem Kieker hatten.
      Im Flur holte Jolene ihre Freundin endlich ein. Sie eilte zu ihr und schnappte sich ihre Hand. „Hey, bitte entschuldige. Meine Freunde sind manchmal Idioten. Ich habe ihnen eine Standpauke verpasst. Bitte entschuldige ich-…“ Erst jetzt stand Jolene der schwarz-haarigen richtig gegenüber und sah ihr ins Gesicht und sofort legte sich ein Ausdruck von Sorge über die Augen. „Hey…“, hauchte sie und legte ihre freie Hand sanft an Evelyns Wange. „Du bist ja ganz blass und siehst müde aus. Ist alles in Ordnung? War das Wochenende anstrengend?“
      Sie drückte leicht ihre Hand, damit sie wusste, dass Jolene es ernst meinte. Jolene meinte alles was sie zu und über Eve sagte ernst. „Komm mit!“ Sie nahm Eve bestimmt ihre Tasche ab und schulterte diese und zog sie mit sich. Sie hatten jetzt eh eine lange Pause, deswegen zog sie die junge Frau zu ihrem kleinen Platz mit der Bank, wo Jolene auch schon diesen Antrag vorgebracht hat. „Hier, bitte, mach es dir ein bisschen bequem.“ Sie setzte sich und navigierte Eve so, dass ihr Kopf in Jolenes Schoß landete. Die Taschen der beiden stellte sie auf dem Boden ab.
      „Ruhe dich ein bisschen aus. Du siehst aus als könntest du es echt gebrauchen.“ Sanft strich sie durch ihre Haare. „Möchtest du drüber reden?“
    • Evelyn Collins

      So viel Abstand wie möglich zwischen alle bringen, genau das wollte sie. Mit schnellen Schritten, ging sie durch den Flur, auf der Suche nach einem Ort an dem sie sich verstecken konnte. Dann spürte sie erneut diese Wärme. Langsam drehte sich die Schülerin zu der Kleineren um. Nicht jetzt. Wollte sie antworten. Sie konnte es nicht gebrauchen, dass Jolene irgendwie ihre Freunde da raus redete. Stattdessen legte sie ihre Hand auf die Wange der größeren. Tief durchatmend schloss sie die Augen. "Ich bin nur ein wenig müde.", antwortete Evelyn sanft. Irgendwie zerbrechlich. Im nächsten Moment folgte sie Jolene wie ein Zombie. Sie ließ sich einfach mitziehen, sie wollte nicht mal widersprechen. Sie war zu müde. Es fühlte sich irgendwie gut an, wenn sich jemand um sie kümmerte, auch wenn es ihre Fake Freundin war. Ein wenig später kamen die beiden an der Bank an.
      Ein leichtes Lächeln legte sich auf Eves Lippen. Es hatte wirklich was nostalgisches. Obwohl es nicht mal allzu lange her war, dass sie ihre Fake Beziehung eingingen und alles hier besprachen. Eve legte ihren Kopf auf Jolenes Schoß ab. Gott, das tat wirklich gut. Seufzend starrte sie in den Himmel. Riskiert immer mal einen Blick auf ihre Mitschülerin.
      Jolene wirkte recht abgeklärt, dafür dass sie ihren Freunden eben eine Standpauke hielt. Ausruhen. Genau das war es, was die schwarzhaarige brauchte. Aber vor allem war es Schlaf. "Ich möchte nicht darüber reden, aber danke." antwortete die Schülerin. Sie konnte nicht darüber reden. So wie das erste Gespräch mit Jo verlief, würde sie Schuldgefühle bekommen. Sie würde das ganze abblasen. Das wollte Eve nicht. Sie war sich nur nicht sicher wem zu liebe. Die Finger ihrer Freundin in den Haaren fühlten sich zu gut an, zu beruhigend. Etwas, wovon sie nicht wusste das es ihr jemals gefehlt hat. "Wie war dein Wochenende? Wart ihr aus?", fragte sie dann.
      - Help me forget that this world is so cold
      I don't even know what I'm chasin' no more -

    • Jolene Forgefield
      Sanft lächelte die Brünette auf ihre Freundin herab. Es gefiel ihr selbst sehr durch die Haare des anderen Mädchens zu fahren und es füllte ihre Brust mit einem warmen Gefühl das Gewicht von Eves Kopf auf ihrem Schoß zu spüren, ebenso wie auch ihre Entspannung zu betrachten. Jolene dachte sich schon, dass die schwarz-haarige nicht reden möchte, daher nickte sie nur verständnisvoll. „Alles klar“, hauchte Jolene und massierte mit ihren Nägeln sanft ihre Kopfhaut. Evelyn erkundigte sich nach ihrem Wochenende, was sie ein wenig zum kichern brachte. Jolene schüttelte den Kopf. „Nein, wir sind nicht aus gewesen. Ich war babysitten am Freitag. Und das Wochenende habe ich mit meinen Eltern verbracht.“ Jolene hob ihren Kopf und schloss die Augen um die Sonne auf dem Gesicht zu genießen.
      „Ich habe ihnen von dir erzählt. Ich habe ihnen gesagt, dass ich eine feste Freundin gefunden habe. Dass sie wunderschön ist und manchmal ein bisschen streng wirkt aber doch die selben Bücher liest wie ich. Und dass ich furchtbar neidisch auf deine Größe bin“, seufzte sich gegen Ende hin leise und musste wieder kichern bei der Erinnerung an die Reaktion.
      „Mein Vater ist ganz durcheinander, er weiß gar nicht wohin mit sich. Am liebsten hätte er mich sofort über Risiken und Vorsichtsmaßnahmen aufgeklärt, aber bei zwei Frauen wusste er gar nicht was er mir erzählen sollte. Er durchlebt eine kleine Existenzkrise als überfürsorglicher Helikoptervater und Mama möchte dich unglaublich gerne mal zum Essen einladen.“ Jolene legte ihre zweite Hand an Evelyns Schulter und streichelte runter bis zu ihrem Arm. „Aber keine Sorge, du musst nicht vorbei kommen. Irgendwie bekomme ich sie beide schon beruhigt. Sie sind nur froh, wenn ich happy bin.“ Jolene strich ihrer Freundin die Haare aus der Stirn und beugte sich herunter, um ihr einen sanften Kuss auf die Stirn zu geben. „Ich hoffe es stört dich nicht, dass ich es ihnen erzählt habe. Ich wollte nur nicht, dass sie irgendwelche Gerüchte mitbekommen und deswegen falsche Halbwahrheiten aufschnappen.“ Sie ergänzte etwas leiser: „Und ganz vielleicht wollte ich auch ein bisschen angeben.“ Jolene zuckte die Schultern und sah wieder zu Evelyn herunter. Sie kraulte ihren Kopf, strich durch ihre Haare und fuhr auch sacht über ihren Hals und ihren Arm. Sie konnte es gar nicht lassen sie zu berühren.
    • Evelyn Collins

      Evelyn wollte über alles lieber reden, als über sich und ihre familiäre Situation. Sie genoss einfach die Krauleinheit, doch als sie bemerkte, in welche Richtung das Gespräch ging. Verstummte sie. Es war bei Jolene jedenfalls offensichtlich entspannter als bei der schwarzhaarigen. Erneut schloss sie die Augen. Diesmal nicht um zu entspannen, sie wollte einfach dass die Tränen aus ihren Augen verschwanden. Es freute sie, dass die Eltern der Brünetten es so gut auffassten, allerdings fragte sie sich nun warum ihre Eltern das nicht konnten. Als Jolene erwähnte, dass ihre Mutter sie gerne kennenlernen würde, zog sich in ihr alles zusammen. Wir machen nichts in der Freizeit. Erneut spürte sie die Finger der Brünetten, diesmal an ihrem Arm. Nur diese kleine Berührung, ließ ihr Herz schneller schlagen.
      "Schon okay.", erwiderte die Schülerin und wollte gerade ihren Arm übers Gesicht gelegen. Und da war es wieder.
      Diese völlig überraschende Aktion. Wieder war es eine kleine Berührung, gefolgt von einem Kuss. "Freut mich, wenn es bei dir gut lief.", sagte Eve sanft. Und sie meinte es ehrlich.
      Doch jedes Mal wenn Jolenes Finger sie berührten, konnte sie ihre Gefühle nicht zuordnen. Es war als würde sie alles in Frage stellen. Hatte sie sich nach so kurzer Zeit an Jo gewöhnt? Oder machten beide ihren Job einfach verdammt gut? Es war viel, zu viel passierte im Kopf der schwarzhaarigen und sie wollte einfach dass es aufhört. Sie wollte sich nicht damit auseinandersetzen. Sie hatte ihren Eltern gesagt, sie hätte eine Freundin und ist deshalb rausgeflogen. Das sollte jetzt im Vordergrund stehen. Sie konnte nicht ewig auf ihrer Arbeit schlafen. Und trotzdem, trotz allem musste sie etwas ausprobieren. Sie musste es.
      Wie von selbst wanderte ihre Hand zu Jolene, legte sich auf ihre Wange. Mit einer sachten Bewegung richtete sich Evelyn auf und drückte ihre Lippen auf die der Brünetten. Doch der Moment hielt nicht lange an, denn die 19 jährige realisierte schnell was sie da eigentlich machte. "Tut mir leid..", murmelte sie leise und setzte sich wieder auf. "Buhuu, wir dachten schon ihr streitet, aber es scheint alles bestens zu sein.", erklang Grace's Stimme, während die anderen so langsam zu ihr stießen.
      - Help me forget that this world is so cold
      I don't even know what I'm chasin' no more -

    • Jolene Forgefield
      Sie hatte es gehört. Jolene hat es gespürt. Dass sich etwas geändert hat. In der Stimmung und auch Eves Stimme selbst. Besorgt runzelte sie die Stirn und wollte bereits nachfragen, als Eve sich zu ihr aufrichtete. Jolene sah sie mit großen Augen an, als sich ihre Hand auf ihre heißer werdende Wange legte und kurz darauf ihre Lippen wieder vereint gewesen sind. Jolene konnte sich ein leichtes Seufzen nicht verkneifen und hob ihre Hand, um ebenfalls ihre Wange zu berühren, da zog sie sich schon wieder weg und ihre Augen flatterten auf. Sie schüttelte den Kopf auf ihre Entschuldigung hin und wollte noch etwas sagen, als sie beide auch schon gestört wurden. Ihre Freunde kamen zu ihnen und Jolene schnalzte leicht die Zunge. „Ihr habt ein schlechtes Timing, ernsthaft“, jammerte sie ohne Scheu und ließ die Schultern sinken. Seit sie so viel Zeit mit Eve verbrachte war sie wirklich bedeutend mutiger geworden.
      Grace verdrehte die Augen. „Wir wollten uns entschuldigen.“ Stacey nickte. „Sorry ihr beiden. Wir können wohl immer noch nicht soo gut damit umgehen.“ Jolene lächelte erleichtert und ihre Hand fand den Weg zu Eves Schulter. Sie gab ihr einen Kuss auf die Wange. „Hast du gehört? Es tut uns leid.“, grinste sie leicht und erhob sich dann. Die Pause endete kurz darauf und Jolene ließ nicht mit sich diskutieren, sie trug Eves Tasche in den Unterricht, egal wie sehr sie protestierte.

      Die kommenden Tage hatten die beiden Mädchen irgendwie wenig Zeit füreinander. Da sie die Pausen nicht zusammen verbrachten blieben Jolene immer nur einige wenige Momente zwischen den Stunden und es lag ihr jetzt schon, nach nur etwas über einer Woche auf der Zunge nach mehr zu fragen. Mehr Pausen, mehr Zeit miteinander, vielleicht ein tatsächliches Date? Jolene hätte niemals gedacht wie stark sie an Evelyn hängen würde. Und wie schnell. Doch ie fühlte sich einfach so wohl bei ihr und inzwischen war sie es gewöhnt sich Gedanken um sie zu machen. Inzwischen öfter als über Ben, wenn man so verglich. Allerdings verglich Jolene nicht. Sie freute sich den ganzen Donnerstag seit dem Aufstehen auf die Pause.
      Sie hatte sich heute besonders etwas hergerichtet und ein süßes Outfit angezogen. Sie hat sich die Haare gemacht, neue Ohrringe rein gemacht und sich die Nägel lackiert. Alles in der winzig kleinen Hoffnung Eve ein bisschen zu gefallen. Sie eilte nach ihrem Kurs in die Cafeteria und musste nicht lange suchen um den schwarzen Schopf zu finden. Jolene schlich sich von hinten an sie heran und legte glücklich ihre Arme um sie und kuschelte sich sanft an sie. „Hi“, nuschelte sie und gab Evelyn einen Kuss auf die Stirn, bevor sie sich neben ihr setzte. Sie begrüßte ihre Freunde, bevor sie ihre Aufmerksamkeit schnell wieder ihrer Freundin zuwendete. Sie legte die Arme um ihren Bauch und schaute ihr in die Augen. „Ich hab dich vermisst.“, sagte sie sanft. „Wie geht es dir? Alles gut?“ Damit hob sie eine Hand, um Evelyn eine Strähne aus dem Gesicht zu streichen. Hach sie war einfach so hübsch! Jolene konnte sich nicht an ihr sattsehen.
    • Evelyn Collins

      Wenigstens merkte Jolene selbst, dass das Timing ihrer Freunde absolut schlecht war. Allerdings konnte sich Evelyn so weiteren Erklärungen entziehen, was doch irgendwie etwas gutes für sie hatte. Also nickte die Schülerin das ganze ab und ging mit den anderen wieder rein. Sie hätte ihre Tasche lieber selbst getragen, doch so wie sie Jolene einschätzte, würde sie diese nicht mehr rausrücken. Der Rest des Tages verlief ruhig, Eve beschloss sich etwas zurück zu nehmen. Sie hatte der Brünetten etwas versprochen. Sie würde es durchziehen. Mit sich selbst konnte sie sich schließlich auch später Beschäftigen.

      Eigentlich kam es Evelyn ganz gut, dass sie die letzten tage so wenig Zeit mit Jolene verbrachte. Dadurch dass sie auf Arbeit schlief, übernahm sie jede Abendschicht. Es war die Voraussetzung dafür, dass sie bleiben durfte. Es laugte sie aus und das ganze Schauspiel in der Schule, zog ihr die Kraft. Dieser Abstand tat gut, jedenfalls war es das was sich Evelyn einredete. Nicht gerade selten lag sie Nachts auf der Couch und dachte über sich und Jolene nach. Stets ohne Ergebnis.
      In der Schule verfiel die 19 jährige in Sekundenschlaf, hielt sich mit haufenweise Kaffee und Energydrinks wach. Die Fassade sollte nicht bröckeln. Nur war es schwer das ganze vor Liz und Andrew zu verstecken. Sie kannten sie zu lange. Zu gut. "Wie lange hast du geschlafen?", fragte Liz, "Keine Ahnung..zwei bis drei Stunden?", die schwarzhaarige nippte an ihrem Energy. "Du kannst doch nicht ewig dort bleiben.", brachte Andrew ein, als die Schülerin eine sanfte Umarmung spürte. Ein sanftes Lächeln legte sich auf Eves Lippen. "Ich hab dich auch vermisst.", murmelte sie leise und wartete, bis sich Jolene neben sie setzte. "Mir geht es gut.", antwortete sie. "Gut?", platzte es aus Liz heraus. Evelyns Gehirn arbeitete zu langsam, um zu bemerken in welche Richtung das Gespräch führen würde. Auch vergaß sie irgendwie, dass ihre Fake Freundin dabei war. Die nebenher nicht alle Infos hatte. "Eve, seit fast einer Woche schläfst du maximal drei Stunden in der Nacht. Das ist nicht normal.", "Und wenn schon, ich habe vorher schon schlecht geschlafen, das weißt du Liz.", "Ja, früher. Du hattest es im Griff.", erneut trank die Schülerin einen großen Schluck. "Was ist schon dabei?", fragte sie schulterzuckend, "Was ist schon dabei? Evelyn du schläfst schon fast eine Woche auf deiner Arbeit.", in diesem Moment zuckte sie hoch und sah Jolene an. Liz verstummte und wenn man genau hin hörte, hörte man Andrews Bein an Liz's knallen. Sie hatten sich verplaudert. Und Evelyn hatte es zu spät bemerkt. "Du hast es ihr nicht erzählt?", fragte Andrew leise.
      - Help me forget that this world is so cold
      I don't even know what I'm chasin' no more -