Der Preis der Unsterblichkeit (Alea Cronix / Lysios)

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    • Der Preis der Unsterblichkeit (Alea Cronix / Lysios)

      Der Preis der Unsterblichkeit
      Vorstellung

      Down on earth:
      „Hast du die Absinthfläschchen nachgefüllt?“
      - „Natürlich!“
      „Gut! Bei diesen Soldaten haben wir ja einen Verschleiß daran als hinge ihr Leben davon ab.“
      Die Dame lachte auf, während sie ihre Tasche packte. „Ihr seid wieder einmal ein Spaßvogel sondergleichen, Herr“, lobte sie den Mann mit dem ergrauten Haar, der ein geschmeicheltes Lächeln auf den Lippen trug und ein verschmitztes Funkeln in seine Augen trat. Den Witz hatte er gewiss nicht unterbewusst gemacht und es machte ihm eine seltene Freude dafür anerkannt zu werden.
      „Reichst du mir bitte die Zange dahinten?“ - „Aber natürlich!“ Leichtfüßig reichte Chriseis ihrem Herrn das gewünschte Instrument und er führte sie in den geöffneten Brustkorb des toten Soldaten ein. „Wärst du so gut?“ Ohne weitere Instruktionen hängte die zierliche Frau sich an den Hebel und brach mit ihrem Körpergewicht und der Zange die Rippen des Mannes, was ein ohrenbetäubendes Knacken im Raum erhalten ließ. Die beiden Soldaten, die den verstorbenen reingetragen hatten waren nicht in der Lage gewesen sich von der Szenerie loszureißen. Was sie erblickten war verstörender als die Grauen des Krieges, die sie erlebt hatten. Einer von ihnen riss sich jedoch endlich los, um seinen Mageninhalt zu erbrechen. Chriseis hatte aufmerksam die Arbeit des Arztes bedacht und examinierte mit ihm zusammen den leblosen Körper, als sie aufblickte mit gerümpfter Nase.
      „Du meine Güte, einer mit einem schwachen Magen.“ Der Mann an ihrer Seite seufzte schwer. „Bist du so gut und führst die beiden Herrschaften heraus. Und rühre ihnen etwas starkes an.“ Die Brünette nickte und ging zu den Soldaten ihnen mit einer kuschenden Handbewegung bedeutend, dass sie bitte den Behandlungsraum verlassen sollten. Mit einer gewissen Genugtuung sah sie in das Gesicht des armen Kerls, der zu sensibel für eine Obduktion gewesen ist. „Aw, ist das zu viel für dich, Kleines?“, imitierte sie seine Worte von ihrem ersten Tag in der Kaserne. Fassungslos sah er ihr nach, als sie einfach an den beiden vorbei schritt und sich zum Apothekerschrank vorwagte.
      „Ich glaube die sind krank“, wisperte der zweite von ihnen, der sich jetzt erst einigermaßen zu fangen schien. „Aber nein“, korrigierte die Frau ihn desinteressiert, während sie einige bunte Flüssigkeiten im Licht examinierte. „Wir sind kerngesund und sorgen dafür, dass ihr es auch bleibt.“
      „Wie kann Leichenschändung denn dazu führen, dass wir gesund bleiben?“ Die Stimme des Sensibelchens klang schrill und nahezu kindlich. „Es ist wichtig zu wissen was eine Krankheit im Körper macht, um dem entgegen wirken zu können. Die Zeiten, in denen die Menschen Fieber bekommen haben und panische Angst bekommen haben die Götter wären ihnen schlecht gesonnen sind vorbei.“ Sie mischte einige der Tränke zusammen und sie nahmen eine klare blaue Farbe an. „Dabei hängen wir mit unseren Studien sogar noch um einiges hinterher. Ich habe von einem Mediziner in Ägypten gehört, der seinem Patienten präzise den Schädel aufgeschnitten und eine Geisteskrankheit aus seinem Gehirn heraus geschnitten hat.“ - „Ich glaube mir wird wieder schlecht“, jammerte einer der Soldaten und Chriseis gab ihnen beiden je ein Fläschchen mit Magenberuhigendem Mittel.
      „Hier, trinkt das, dann geht es euch gleich besser. Und bevor ihr müde werdet, wischt noch auf was ihr angerichtet habt.“
      „Ärgerst du wieder unsere Soldaten mit Schauergeschichten, Fräulein Medizinerin?“ Ein großer Mann mit braunem Haar und einer staatlichen Uniform betrat den Raum und Chriseis richtete ihren Blick auf den General. Wie die Soldaten es machte salutierte sie vor ihm. „Aber nein, General Theodorus. Ich habe sie belehrt.“ Theodorus vernahm deutlich den stechenden Gestank von Magensäure und neigte zweifelnd den Kopf zur Seite mit zusammengezogenen Brauen. „Dann bin ich ja beruhigt. Ich komme mit einer persönlichen Bitte an dich.“
      Chriseis senkte verwundert die Hand. „Wie bitte? An mich? Nicht an den Doktor?“ Theodorus schüttelte den Kopf. „In Kürze werden Gäste eintreffen. Hoher Besuch. Ein Prinz des Königshauses Xenos und eine der Bräute des Gabriel.“ Chriseis knirschte mit den Zähnen und verzog das Gesicht zu einer schmerzhafte Fratze. Die Bräute Gabriels sind damals bereits den anderen Priesterinnen in ihrem Tempel ein absolutes Gräuel gewesen. Dass eine von denen sich herunter an die Front begab schockierte die Frau noch mehr als die Anwesenheit des Adels. „Mhm…“, presste sie hervor. „Und ich…?“, setzte sie an und Theodorus seufzte. „Bist eine Frau. Diese Frauen leben enthaltsam und es sind keine Männer in ihren Gemächern erlaubt. Ich wollte dich darum bitten ihr… versuchst du gerade zu flüchten?“ So still wie möglich hat Chriseis versucht rückwärts zurück ins Behandlungszimmer zu schleichen und hielt in der Bewegung inne, als sie nur einen halben Schritt gemacht hatte. Wie konnte der Mann nur so gute Ohren haben?! Sie wusste, dass er nahezu blind gewesen ist, wenn er aus der Sonne kam. „Natürlich nicht, mein General. Ich würde niemals etwas in dieser Richtung auch nur wagen.“
      Theodorus schüttelte den Kopf. „Du gehörst nicht zu unseren Truppen und ich möchte davon absehen dir Befehle zu erteilen. Wir alle sind dankbar darüber dass du und der Dokotr hier die Stellung haltet und sei gewiss, dass ich dich nicht darum ersuchen würde, wenn wir nicht in einer… ansonsten recht aussichtslosen Lage wären.“ Chriseis seufzte ergeben und ließ die Schultern sinken. „Ich weiß… Natürlich schlage ich keine Bitte des Generals ab.“ Er nickte. „Ich stehe in deiner Schuld. Sie müssten in wenigen Stunden eintreffen, ich lasse veranlassen, dass man dich mit der Bleibe der Priesterin vertraut machen soll.“ Chriseis nickte und verabschiedete den General, ehe sie frustriert den Atem aus den Wangen blies den sie angehalten hat. Seit drei Jahren war sie nun schon hier und doch musste sie alles stehen und liegen lassen, wenn eine Frau benötigt wurde. Frustriert ließ sie sich auf eines der Krankenbetten plumpsen. Sie spürte, wie ihr Blut zu pulsieren schien und zählte ihre Herzschläge, um sich selbst zu beruhigen. Sie hatte ja nicht schon genug Arbeit…

      Up in the clouds
      „Wo ist er schon wieder?“, fragte Hermes desinteressiert in die Runde, als er Zeus schon wieder nicht auffinden konnte. Hephaistos besah einen Edelstein, den er in seinen Händen drehte und abschleifte. „Er ist auf die Erde gegangen.“
      „Pscht, seid bitte still“, huschte Hera die beiden Männer an, was Hermes einfach ignorierte. Genervt stemmte er die Hände in die Hüften. „Na großartig! Das macht er an diesem Punkt inzwischen doch nur noch, um sich über mich lustig zu machen. So kurz bin ich davor gewesen ihn zu übersteigen.“ Er wendete sich mit dieser Aussage geradewegs an Athene und zeigte eine böses Grinsen. „Immerhin ist es mir bei dir gelungen.“
      „Pscht! Ruhe jetzt dahinten!“, herrschte Hera erneut, was dieses Mal sogar Hephaistos dazu veranlasste mit gerunzelter Stirn aufzusehen. Die Frau mit dem pechschwarzen Haar beugte sich über einen kleinen Spiegel aus poliertem Silber und sah erpicht in die Reflexion. „Warum hängst du eigentlich noch immer hier herum?“, wendete sich Hermes mit einer Überlegenheit an den Schmied, die nur sehr typisch für den Mann gewesen ist. „Hm?“ Brummend sah der Angesprochene auf. „Du bist wie ein Hund, der die Füße seines Herren wohl auch dann nicht verlässt, wenn man ihn von einem Berg treten würde, hm?“ Hephaistos Augen verengten sich für einen Moment in Ärgernis, doch er entschied sich dafür solcherlei Provokationen gar keine Antwort beizumessen. Hermes holte gerade Luft, um zu weiteren Beleidigungen anzusetzen, als Hera wieder dazwischen ging.
      „Wollt ihr jetzt gefälligst still sein, ihr nichtsnutzigen Störenfriede!“ Sie hielt ihren Spiegel über ihren Kopf. „Ah! Da! Endlich!“ Vor den Augen der Göttern verschwamm das Bild in Heras Händen und zeigte nun die Gestalt einer jungen Frau, die auf einem Bett saß. „Endlich! Seit Wochen nun schon versuche ich jemanden zu erreichen.“, sagte sie triumphierend und hielt den anderen ihre Errungenschaft hin, doch kaum hatte sie ein klares und deutliches Bild deer Frau bekommen, sprang sie wieder auf die Beine und mit ihr zusammen verschwand auch sofort der Blick auf die Erde. „Verflucht! Nein! Kind!“ Frustriert legte die Göttermutter den Kopf in den Nacken. Hephaistos hatte die Szene aufmerksam verfolgt und ignorierte nun ganz bewusst Hermes, der Hera für ihr Versagen belächelte. Der Schmied hatte den Einblick gesehen und die Kleidung dieser jungen Frau erkannt. Wo hatte er das denn schon einmal gesehen? Nachdenklich legte er das Gesicht in die Hand und konzentrierte sich auf seine Schmuckstücke, die in diesem Moment sein Spiegel zu den Menschen gewesen sind. Und er brauchte einen Moment, bis er eine Art Lager erkannte mit dutzenden Männern in der selben Kleidung. Das war die Front! Hephaistos hob seine dunklen Augen zu seiner Mutter. Sie hatte eine instabile Verbindung zu der Front? Das könnte ihr bester Anlauf seit Monaten sein. Die Verzweiflung war groß umgeben von Tod und Krieg. Brummend schüttelte er den Kopf und riss sich von dem Träger seiner Stücke, durch dessen Augen er für einen Moment gesehen hatte los. Die Front… Das könnte für sie alle noch interessant werden. Daher entschied er ihnen nicht von seiner Entdeckung zu berichten. Streit hier oben im Olymp ist sehr… laut und unausweichlich gewesen.

      @Alea CroniX
    • Down on earth
      Der spärlich bepackte Reisewaagen rumpelte über die kiesige Straße, die direkt in die Provinz von Athen führte und schüttelte immer wieder die beiden Insassen etwas durch. Seufzend saß Prinz Emilios am offene Ausguck, mit angewinkelten Arm und hatte sein Kinn auf seiner Hand abgestützt. Seine Eltern griffen nun nach dem letzten Strohhalm und ließen ihn die lange Reise von Korinth, über das Meer an der Küste entlang in die größte Stadt des Landes antreten. Dort glaubten sie, würde er endlich eine Frau für sich finden, damit er endlich heiraten könnte und dem Hause Xenos reichliche Nachfahren bescherte. "Wenn sie wüssten, dass das alles zwecklos ist…" Und wie lange könnte er seinen Eltern noch etwas vormachen? Seit drei Jahren waren sie schon auf der Suche und jede Dame, die sie anschleppten, egal wie schön und nett sie war, alle wies er sie ab. Denn Emilios Gemüt und Herz regte sich nicht bei ihnen, sondern nur für seinesgleichen. Wenn er einen schönen Mann sah, röteten sich seine Wangen und sein Puls begann zu rasen. Doch diese Gefühle durfte er niemals mehr zulassen. Hatte er deswegen schon einmal einen geliebten Menschen verloren und um jedes Risiko im Keim zu ersticken, damit sich solch eine Tragödie nie mehr wiederholte, waren seine Bediensteten alles samt Frauen. Doch bald würden seine Ausreden und Ausflüchte ausgehen und das dunkle Geheimnis ans Licht des Tages dringen. Was würden sie dann mit ihm tun? Auch ihn bis zum Tode prügeln bis zur Unkenntlichkeit? Bei dem Gedanken erschauerte der Blonde am ganzen Körper und war kurz davor eine Panikattacke zu kriegen. Da verspürte er eine zarte Berührung an seinem Arm, dass er so gleich aufsah und in das gütige Gesicht der Priesterin Leandra blickte.
      Da er ein Prinz war, wurde eine Ausnahme gemacht und ihnen gestattet zusammen im Wagen zu sitzen und auch auf dem Schiff einen größeren Raum zu teilen, natürlich mit genügend Vorhängen als Sichtschutz. Sie war nicht irgendeine Priesterin, sondern eine Braut Gabriels. Sie schien sehr weise zu sein und das Haus Xenos erhoffte sich, dass Emilios mit ihrer Hilfe die richtige Wahl für eine Braut traf.
      Sofort wurde der junge Mann wieder ruhiger und atmete langsam ein und aus. Sie nahm dann seine Hand und sah auf die Bandagen an seinem Handgelenk. Ihr Blick wurde traurig und auch etwas vorwurfsvoll. "Es ist nur wieder aufgegangen. Ich... ich habe es nicht nochmal versucht." beteuerte er der jungen Frau und sah beschämt zur Seite. Mit ihren zarten Fingern glitt sie über die verbundene Stelle und zog kurz an Emilios Arm, dass er ihr wieder in die Augen sah. Ihr Blick veränderte sich leicht, Fältchen bildeten sich seitlich unter ihren Augen und ein warmes Lächeln lag auf ihren recht vollen Lippen. Der Prinz war jedes Mal aufs Neue erstaunt, wie viel diese Frau nur mit ihren Augen und ihrer Mimik aussagen konnte. Denn die Priesterin Leandra hatte beim Eintritt des Tempels ein Schweigegelübde abgelegt und hat seit mehr als drei Jahren nicht mehr gesprochen. Dafür nahm sie wohl alles Wissen, das man ihr vermittelte auf, worauf sich ihre Weisheit wohl beruhte. Sie waren nur drei Tage zusammen unterwegs gewesen, da hatte diese Priesterin Emilios schon durchschaut, was seine Eltern sein ganzes Leben nicht schafften. Zu Beginn versuchte er sie zu ignorieren, doch ihre Blicke, sie waren durchdringend, sahen direkt in sein Herz. Und so vertraute er sich auch bald ihr an. Zum allerersten Mal sprach er seine Sorgen aus, seine Ängste und Kummer. Und alles, was Leandra tat, war zuzuhören und seine Tränen zu trocknen. Natürlich fragte er sie nach einer Lösung, doch darauf konnte sie nur mit dem Kopf schütteln. Doch sich jemanden geöffnet zu haben, hatte Emilios etwas die Last von seiner Seele genommen und er wusste, dass sein Geheimnis sicher verwahrt war.
      Sie glaubte ihm fürs erste, dass der Prinz sich nicht wieder selbst verletzte und blickte wieder hinaus. Ihre Augen schienen dabei immer zu strahlen, denn die junge Frau kannte nur das Leben in Armut oder im Tempel und seine Mauern, die sie von der Außenwelt trennten. Diese Reise überhaupt antreten zu dürfen war das größte und schönste Geschenk, was sie sich jemals vorstellen konnte. Es gab so viel zusehen, so viel zu lernen, dass Leandra manchmal derart überwältigt war, dass sie für eine Weile meditieren musste, um alles zu verarbeiten und in sich aufzunehmen. Nichts von all dem wollte sie vergessen. Und dass sie nun auch unter Menschen war, stimmte die junge Frau sehr glücklich. Da spielte es keine Rolle, dass es bis jetzt nur der Prinz war und eine kleine Gruppe Reisender und ein paar Wachen der Familie Xenos.
      Abrupt kam der Wagen zum Stehen und einer der Wachen trat an die Türe. "Mein Herr, wir sind im Lager von General Theodorus angekommen. Wir werden jetzt ihre Habseligkeiten in die bereitgestellten Räume bringen. Warten Sie bitte so lange hier." sprach der Krieger den Prinzen an und ging auch wieder. Emilios hatte kaum aufgesehen, als man mit ihm sprach. Das half ihm seine Fassung zu bewahren und auch, dass er den Mann inzwischen schon länger kannte. Wieso hatte man seinen Aufenthaltsort auch in ein Kriegslager gelegt? Hier wimmelte es doch nur von Männern. Diese Reise war die reinste Zerreißprobe für den Prinzen. Da hörte er auch schon das Knarzen der Wagentüre und konnte noch einen Blick auf Leandra erhaschen, die einfach ins Freie trat.

      Up in the Clouds
      Athene gab sich nicht die Blöße, nur ein Wort auf Hermes Seitenhieb zu erwidern und schenkte ihm einen bösen Blick. Lieber beobachtete sie Hera weiter, wie sie in einen kleinen Spiegel ununterbrochen starrte, als würde ihr unsterbliches Leben davon abhängen. Hermes wiederum ließ sich über Hephaistos aus, der auch gerade bei ihnen war. Auch wenn sie Zank und Streit immer zu schlichten versuchte, schritt sie hier nicht ein. Sie war auch der Meinung, dass der Schmied hier nichts zu suchen hatte. Langsam schritt sie hinter Hera und erhaschte einen Blick auf die Szenerie, die der Spiegel abbildete. Sofort erkannte Athene die Umgebung, denn diese wurde einst mit ihrem Namen in Verbindung gebracht und zu ihrem Ehren nach ihre benannt. Auch wenn es eine Außenprovinz der Großstadt war, wusste die Göttin gleich, dass es sich um Athen handelte. Es war wie ein Stich in die Brust, daran zu denken, wie einst das Volk, das sie schützte und liebte, ihr einfach den Rücken zuwandte und sie fallen ließ. Doch gerade in ihrer Stadt sollte es möglich sein, Menschen zu finden, die eine Verbindung zu ihr aufbauen wollten. Die Verwurzelung war einfach zu tief, dass sie ihr Volk so einfach aufgeben konnte. Immer noch schweigend, zog sich die Götter zurück und floh auf die Erde.

      Down in hell
      Es brodelte in Ares. Er spürte ganz genau, dass ein Krieg bevor stand. Doch hatte er versprochen, sich mit seinem Vorhaben zu zügeln, noch mehr Öl in die schon angespannte Situation auf der Erde zu gießen. Er solle warten, bis sich der Glaube der Hölle noch mehr verbreitet habe. "Du explodierst ja gleich." erklang die schmunzelnde Stimme von Dionysos, der den Herr des Krieges wie auf heißen Kohlen sitzen sah. "Gib mir und Aphrodite noch etwas Zeit. Denn je mehr Menschlein sich unserem Glauben anschließen, desto mehr Kriege wird es auch unter ihnen geben." erklärte er dem Kämpfer. "Die Menschen sind voller Lust und gieren immer nach mehr. Es ist nur eine Frage der Zeit, bis sie gegenseitig übereinander herfallen. Nicht wahr?" suchte er Bestätigung bei der Göttin der Liebe, die es doch in die Hölle gelockt hatte. "Und wenn du deinen Appetit nach Kampf und Mord etwas sättigen möchtest, empfehle ich dir einfach nach oben zu gehen und eine kleine Prügelei oder so anzuzetteln." schlug der Schwarzhaarige dem Weißhaarigen vor. Es war nicht einfach Ares Ungeduld zu zügeln, vor allem wenn man ihm seine Vorliebe auf einem Silbertablett genau vor seiner Nase servierte. Doch Dionysos wollte seinen Einfluss noch etwas mehr verbreiten. Krieg und der daraus resultierende Tod kamen nur Ares und Hades zugute.
      "Vergessen ist wie eine Wunde. Es mag zwar verheilen, aber dabei wird es eine Narbe hinterlassen."
      Monkey D. Ruffy


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    • Down on earth
      Es war ein Spektakel sondergleichen für die Soldaten, die Eintönigkeit und Drill gewöhnt gewesen sind. Alles um sie herum war schlicht. Nicht nur aus praktischen Gründen, sondern auch zur Erziehung und Prävention von Habgier. Natürlich überschlugen sie sich dann wie Kinder über einem neuen Spielzeug, als der Wagen des Prinzen auf das Gelände einfuhr. Tief durchatmend stand Chriseis hinter dem General und wurde skeptisch von den anderen Kommandanten und Offizieren beäugt, die sie neben ihr deutlich überragten. Funkelnd hob die Dame den Blick zu einem jungen Feldwebel. „Gibt es ein Problem, Herr?“ Der Mann brummte. „Wir begrüßen einen Prinzen ohne Braut und du siehst es nicht einmal für notwendig dich zumindest ein bisschen herzurichten? War es der Arzt, der dir noch im letzten Moment zumindest das Blut aus dem Gesicht gewischt hat? Hast du keinen Funken Weiblichkeit in diesem winzigen Leib. Ich- Au!“
      Zischend zog er die Luft ein, als Chriseis sich mit ihrer Ferse auf seinen kleinen Zeh stellte. „Oh, es tut mir schrecklich leid, mein Herr, ich fürchte ich bin manchmal so schrecklich ungeschickt mit diesem winzigen Leib.“ - „Du kleines Biest!“, knurrte der Feldwebel und Theodorus wendete sich ruckartig zu den beiden herum.
      „Du meine Güte, ihr streitet wie Geschwister! Ist es zu viel Verlangt um Profesionelität zu bitten, wenn ihr unsere Truppen repräsentiert?!“ Sofort standen die beiden Streitenden wieder kerzengerade und einige andere Offiziere lachten leicht in sich hinein bei der Standpauke des Generals. „Wir bitten um Verzeihung, General Theodorus.“ , sprachen sie wie aus einem Mund und kaum hatte der General ihnen wieder den Rücken zugekehrt, streckte Chriseis dem Feldwebel die Zunge raus, was ihn regelrecht empört nach Luft schnappen ließ. Brummend wendete er seinen Blick ab und konzentrierte sich auf den Wagen, der nun vor ihnen hielt.

      Theodorus trat nach vorne, als ihm zu verstehen gegeben wurde, dass die Gäste ausgestiegen waren und angestrengt machte er ihre Umrisse aus. Sie hatten beide helles Haar? Wirklich? Fantastisch. Um keinen von beiden zu beleidigen und möglicherweise mit der falschen Anrede anzusprechen verneigte er sich einfach leicht vor beiden. „Ich heiße euch herzlich Willkommen hier in unseren Reihen. Sowohl seine Majestät, als auch unseren Gast aus dem Tempel. Mein Name ist Theodorus und übernehme wohl eine väterliche Rolle in diesem Heer. Bitte, gleich wie groß oder klein die Belange sind, scheut keineswegs nach mir rufen zu lassen.“ Er wendete sich leicht zur Seite und streckte einladend die Hand aus.
      „Chriseis, bitte.“ Ihr Bestes gebend ihre Abneigung zu verstecken stand die Medizinierin wie versteinert da. Keiner ihrer Muskeln zuckte auch nur, ihr Blick hing ununterbrochen auf der Priesterin. Dass sie einen unangenehmen Moment zu lang kein Anzeichen machte sich zu bewegen, räusperte sich der Feldwebel neben ihr ein wenig und stieß sie mit seinem Ellbogen aus ihrer Starre, was sie sofort einige Schritte nach vorne stolpern ließ. „Dies hier ist Chriseis. Sie ist die rechte und linke Hand unserers Arztes und ich vertraue ihr das Leben meines Heeres, wie auch mein eigenes an. Sie hat sich bereit erklärt Eure persönliche Ansprechpartnerin und helfende Hand für die Zeit in unserem Lager zu sein.“ Chriseis verzog ihr Gesicht zu einer Grimasse in dem Versuch gezwungen zu lächeln. Theodorus zwang ihren Kopf sacht nach unten und ließ sie sich so verbeugen. „Es ist mir eine… Ehre. Ich bin Chriseis. Habt Ihr… die Fahrt gut verkraftet? Benötigt ihr etwas zur Beruhigung des Magens oder…“ Ihre Augen flogen aus der noch immer gesenkten Position leicht zu den verbundenen Armen des Prinzen. „Anderweitige ärztliche Behandlung?“

      Down inn hell
      Lasziv räkelte Aphrodite sich auf einem dekadenten Diwan und legte sich dabei über Dionysos Beine. Der ehemalige Gott des Weines verehrte immer noch seine Trauben und hatte wirklich überall welche. Etwas, das ihr nun zu Gute kam und genüsslich pflückte sie sich eine davon und drückte sie sich zwischen die prallen Lippen. Ihr entwich ein Lachen und mit einem Ruck wirbelte sie herum und schmiss sich mit dem Rücken auf ihren alten Freund. Sie überschlug die Beine und gestattete es, dass der Stoff ihres Rockes mit den tiefen Schlitzen ihre strahlende weiße Haut entblößte. Ihre schlanken Finger derweil fingen an durch ihre langen Haare zu fahren. Ihre Existenz selbst war ein Gemälde, zu sündhaft für das bloße Auge.
      „Schau dir den armen Kerl an“, säuselte sie, den Blick dabei auf Ares aufbrausende Gestalt gerichtet. „Er hat solches Liebeskummer. Immer wieder und wieder versucht er den Mann seiner Träume zum Kampf zu animieren und dann lehnt er ihn doch wieder ab.“ Sie atmete theatralisch aus und ließ dann ein glockenhelles Lachen verlauten. „Wieder und wieder versucht er ihn zu verführen.“ Ihre Hände wanderten Dionysos Schultern herauf und sie zog sich elegant hoch, um sich dicht zu seinem Ohr zu beugen. Ihre Finger fanden den Weg in seine Haare und genüsslich küsste sie sein Ohr. „Und dann ist er doch nur wieder eine Schatte Athenes, weil unser kleiner Theo lieber bei seinen Strategien und Taktiken bleibt!“ Laut und begeistert fing sie an zu lachen und schmiss sich wieder nach hinten, Ares breit angrinsend. „Ganz der Athener, dein geliebter und berüchtigter General, der in ganz Griechenland bekannt geworden ist. Welch trauriger Anhänger deiner Sippe, der nicht ein einziges Mal deinem Rat folgt.“
      Sie genoss das in vollen Zügen. Hungrig leckte sie sich die Lippen, als seine Wut und Ungeduld nur wuchs. So kochendes Blut, so leicht ist er aufzubringen gewesen. Und schon lange hat sie Ares nicht mehr in komplettem Kontrollverlust erlebt. Kopfschüttelnd wollte sie sich gerade zurücklehnen, als sie wie einen Blitzschlag auf einmal die Verbindung zu einem Menschen herstellte. Sie hatte zu deutlich an Theodorus Heer gedacht. Laut aufjapsend sprang sie auf und lauschte mit großen Augen den Gedanken des kleinen Soldaten, der sein Herz an sie verloren hatte. Ihr Atem wurde schwerer, die Brust hob und senkte sich deutlich und ein wahnsinniges, breites und hungriges Grinsen machte sich auf ihrem Gesicht breit. „Ein Prinz! Es ist ein Prinz in Theodorus Lager. Ein lediger Prinz, der von keiner Frau verführt werden kann.“ Eben noch hat sie über Ares gelacht, doch schneller noch als bei ihm kochte nun ihr Blut beinahe über. „Das wird meiner!“

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    • Down on earth
      "Le… Leandra, warte!" rief Emilios der Priesterin hinter, streckte aber seinen Kopf zuvor vorsichtig aus dem Wagen, um sich etwas umzusehen. Der Prinz wurde noch etwas bleicher, als er schon war, als er die ganzen Soldaten erblickte, die in Reih und Glied sich um den Wagen versammelt hatten. Schwer schluckte der Blonde und setzte einen Fuß aus dem Wagen. So nah wie möglich trat er an Leandra heran, ohne dass es aufdringlich wirkte und hielt seinen Umhang, den er umgelegt hatte, mit seiner verbundenen Hand zu. Nervosität machte sich in dem jungen Prinzen breit und das einzige, was er wollte, war so schnell wie möglich weg von hier zu kommen, um in seine Räumlichkeiten zu flüchten.
      Leandra indessen konnte sich kaum satt sehen. In einem Kriegslager war sie nun wahrlich noch nie gewesen und beinahe vergaß sie sich selbst, als der General sie und Emilios ansprach und sie willkommen hieß. Mit einer graziösen Bewegung neigte auch sie kurz ihr Haupt, um den Anwesenden ihren Respekt zu zollen. Emilios hingegen starrte die ganze Zeit auf den Hinterkopf von der Priesterin. Kurz hatte er den Fehler gemacht und zum General geschielt und prompt spürte er die Hitze, die an seinen Wangen empor kroch. Theodorus war eine stattliche Persönlichkeit, strahlte Autorität und Stärke aus, dass dem Prinzen die Knie schon ganz weich wurden. Krampfhaft krallte er sich in seinen Umhang und unter diesem bohrte er seine Fingernägel in seine Seite, damit der Schmerz ihn wieder etwas beruhigte. Da wurde ihnen auch gleich eine weitere Person vorgestellt, die wohl nicht ganz so freiwillig hier war. "Danke für Euere herzlichen Worte. Unsere Reise war sehr lang und anstrengend, daher würde ich mich gerne in mein vorhergesehenes Lager zurückziehen." presste der Prinz die Worte über seine Lippen hervor. Vielleicht kam er etwas unhöflich herüber, da er niemanden eines Blickes würdigte, vielleicht sogar arrogant. Doch das war Emilios egal. Er sah kurz zu der Frau, die sich als Chriseis vorstellte und war doch etwas erleichtert, dass sie wohl auch für ihn zuständig war. "Chriseis. Ich danke dir für deine Fürsorge. Bitte zeige uns einfach unsere Unterkunft." sprach er die Frau an und fragte sich gleichzeitig, was diese hier suchte. In einem Kriegslager eine Frau anzutreffen, war eher ungewöhnlich. Doch dem Prinzen kam das sehr gelegen. So hatte er wenigstens eine Ansprechperson, bei der er sich nicht komplett blamieren würde.
      Leandra schritt auch gleich auf die junge Frau zu, ihre seidene, weiß, hellblaue Tunika dabei hinter ihr her flatternd, wie eine sanfte Brise und ergriff ihre Hand. Es war ihr egal, ob diese verdreckt war und ignorierte auch die Blicke der Männer, die doch spürbar an ihr hafteten. Sie zog Chriseis wieder in die Gerade und strahlte sie mit ihren hellen, wissbegierigen Augen und dem freundlichen Lächeln an und zog sie gleich mit sich mit, damit der Wunsch des Prinzen nachgekommen wurde.

      Down in hell
      Nur Aphrodite war es erlaubt so mit Ares zu sprechen. Oft genug hatten sie früher immer wieder zueinander gefunden, denn der Gott des Krieges war nicht nur ein herausragender Kämpfer, sondern auch ein leidenschaftlicher und wilder Liebhaber. Fast schon etwas beleidigt durch ihre Worte, schnaubte er auf und drehte sich in seinem schwarzen Marmorthron zur Seite. Doch konnte er es nicht lassen, seine Blicke über die wahnsinnige Gestalt der Göttin wandern zu lassen, die nur zu gut mit ihren Reizen umzugehen wusste. Kochte nun sein Innerstes nicht mehr nur aus Wut.
      "Man sollte meinen, er hätte in Sachen Verführung von dir schon einiges gelernt. Vielleicht braucht er etwas Nachhilfe." schmunzelte Dionysos, der sich nur zu gerne von Aphrodite umgarnen ließ. Sie war wohl die einzige Frau, der es erlaubt war, jeden Gott und Mann zu lieben, wie sie es wollte. Kurz zuckte der Dunkelhaarige mit dem Kopf, als Aphrodite einen Kuss auf sein Ohr hauchte. "Das kitzelt." belehrte er sie und pflückte sich selbst eine Traube, die er sich auf seine Zunge legte und genüsslich den Saft herausdrückte, bevor er auch den Rest schluckte.
      Da durchzuckte es die Göttin, die gerade noch auf Dionysos Schoß saß, aber nicht seinetwegen. Interessiert horchte der Gott des Weines auf und grinste belustigt über Aphrodite, die nun selbst am Erbeben war. "Versuch dein Glück, Liebes." Doch dem Schwarzhaarigen beschlich schon eine Vermutung, wieso bis jetzt keine Frau es gelungen war, den Prinzen zu verführen. Aber das behielt er lieber für sich und freute sich schon auf die anbahnende Niederlage der Göttin der Liebe.
      "Vergessen ist wie eine Wunde. Es mag zwar verheilen, aber dabei wird es eine Narbe hinterlassen."
      Monkey D. Ruffy


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    • Down on earth
      Beinahe hätte Chriseis aufgequietscht, als es ausgerechnet die Priesterin gewesen ist, die an ihre Seite geeilt kam und ihre Hände ergriff. Die hellhaarige Frau war viel zu… strahlend. Alles an ihr. Die blonden Locken, die Augen, die an einen klaren Bach erinnerten, wie auch die blasse Schönheit ihrer Haut, die eindeutig noch nie auch nur einen Tag in der Sonne hat arbeiten müssen. „J-… Ich…“ Sie schaute noch hilfesuchend zu dem General, der sie nach Herzenslust ignorierte und sich einfach wieder seinen Aufgaben widmete, während Chriseis nichts anderes blieb, als den beiden Gästen das Lager zu zeigen.
      „Das Lager ist aufgeteilt in viele Kleinbereiche. Ehrlich gesagt haben wir sowas wie eine kleine Stadt… Die Zelte für die Kommandanten sind inmitten ihrer Truppen und die noch höheren Verbleibenden haben ihren Platz im Herzen des Lagers. Hier ist es am sichersten und auch am besten überwacht. Deswegen eh… könnt ihr beruhigt sein…?“ Chriseis wusste nicht wie sie sprechen, nicht wie sie gehen, nicht wie sie gucken sollte. Versteift und angespannt hatte sie einfach angefangen zu erzählen, während des viel zu langen Marsches, wie es ihr auf einmal erschien. „Der Platz dahinten ist sowas wie unser Festplatz, wenn man so möchte. Dort entzünden wir wenn es sicher ist ein Feuer bei Nacht und sitzen alle zusammen zum Essen. Je nach Anlass wird auch ein wenig getrunken, musiziert, wie Soldaten nun einmal so sind.“ Die Brünette schaute zu dem Platz ihrer Erklärung. In drei Jahren hatte sie sich wirklich sehr an diesen Ort als ihr zu Hause gewöhnt. Zwar hatte das Lager sehr klein angefangen und sich stetig ausgeweitet, doch inmitten ihrer Trottel fühlte sie sich inzwischen doch heimischer, als sie es im Tempel jemals konnte.
      „Da hinten ist das Lazarett. Wenn ich nicht an eurer Seite bin, findet ihr mich dort.“ Schließlich kam die kleine Gruppe bei den im Vergleich zu den anderen wirklich wunderschönen Zelten an mit Verzierungen am Stoff und einem richtigen Eingang. Wann hatten die anderen das denn aufgestellt. Es wurden gerade auch noch die Gepäckstücke der beiden Zelt gebracht. „Das ist euer Schlafzelt. Soweit ich weiß… Und hier werdet ihr euch erfrischen können. Wir haben hier alle Möglichkeiten der modernen Annehmlichkeiten. Macht gerne Gebrauch davon. Den Männern schadet es nicht ein, zwei oder fünf Mal extra nach Wasser zu laufen. Wenn ich nichts weiter für euch tun kann würde ich…“ Unschlüssig zeigte die Frau Richtung des medizinischen Versorgungszeltes. Damit verabschiedete sie sich schnell um bloß wieder an ihre tatsächliche Arbeit zu gelangen.
      „Nanu? Schon wieder zurück?“, fragte der Doktor und nahm seine Brille mit Vergrößerungsglas von der Nase, um seinen Schützling anzusehen. Chriseis warf sich kommentarlos in seine Arme und raubte ihm kurz den Atem aus den Lungen. „Nicht doch so stürmisch! Was ist denn nur in dich gefahren?“ Das Mädchen antwortete nicht direkt und beruhigte sich erst, als ihr Mentor seufzte und väterlich seine Hand auf ihren Hinterkopf platzierte. „Sie ist eine Priesterin. Sie ist schön genug, dass es mir in den Augen wehtut. Sie ist alles, was ich sei sollte und ich bin alles, was sie und unsere Priesterinnen hassen sollten. Stattdessen strahlt sie mich an, als würde sie meine Existenz billigen. Und das hasse ich noch mehr.“ Der Arzt hörte beinahe entsetzt zu, einen solchen Gefühlsausbruch nicht von der gefassten jungen Frau gewohnt. Er versuchte sich an das kleine Mädchen zu erinnern, das ihn immer mit wundgeröteten Händen empfangen hatte. Er erinnerte sich daran, wie eine ihrer Lehrerinnen ihn einmal darum ersucht hat sie auf eine Geisteskrankheit zu überprüfen. Wieder seufzte der betagte Herr.
      „Ich bringe dir später das Essen hierher, wenn du nicht zu den anderen möchtest, kleines.“ Sie nickte und fühlte sich elendig. „Danke…“

      Up in the clouds
      Athene war gegangen, Zeus war ohnehin fort und Hermes hatte sich wieder an seine Anhängerinnen in einem seiner Tempel geheftet und nahm Kontakt mit ihnen auf, während der meditierte. Hera hatte sich zurückgezogen und es ist ruhig geworden. Einzig Hephaistos und Apollon sind noch geistig zugegen gewesen. Wobei ersterer daran arbeitete ein weiteres Schmuckstück zu erschaffen, das ihm momentan jeden Nerv raubte. Er verstand die Mechanik einer Spieluhr, natürlich tat er das. Doch es wollte ihm nicht gelingen die Perfektion bei diesem feinen kleinen Wunderding zu erlangen. Einen einzigen Versuch hat der Schmied gewagt. Auch er wollte etwas zartes erschaffen. Doch ist er so unzufrieden mit dem Ergebnis gewesen, dass er sie vor Wut hinab geworfen hatte. Und natürlich musste ausgerechnet dieses Stück jemand finden und einem Prinzen verschenken.
      Hephaistos knurrte laut auf und schleuderte seine Faust auf den Tisch, als er zu viel Kraft aufwendete und die gesamte kleine Konstruktion ihm um die Ohren sprang. Er wollte die misshandelte Spieluhr um jeden Preis ersetzen. Die Existenz dieses unvollkommenen Dings erinnerte ihn viel zu sehr an sich selbst. Und damit konnte er nicht leben. Irgendwann sprangen seine Augen einfach auf zu Apollon und er erhob sich ein wenig zu inbrünstig. „Apollon! Ich möchte dich um Hilfe bitten.“ Das war etwas, das sicherlich noch nie vorgekommen ist in der ganzen langen Ewigkeit ihrer beider Leben. „Bitte, zeige mir wie man eine Melodie komponiert. Auf der Erde liegt eine Spieluhr mit einem… erbärmlichen Stück, das ich versucht habe zu verfassen. Und ich möchte es versuchen zu… verbessern. Aber ich schaffe es nicht alleine.“
      Der große, beinahe bärenartige Mann schnaubte und sah auf seine riesigen Hände. Apollon war keineswegs schmächtig. Ganz und gar nicht. Dennoch ist er weit nicht so grobschlächtig gewesen wie Hephaistos selbst. „Oder ist es unmöglich für jemanden wie mich?“

      Hermes war weit, sehr weit von dieser Unterhaltung entfernt und das obwohl sein Körper nur wenige Meter neben den beiden Männern ruhte. Im Schneidersitz ging er der Meditation nach und ließ seinen Geist auf die Erde herab wandern. Seine Anhänger waren fleißig und hervorragend gewesen. Seine Strategie funktionierte hervorragend. Sie um ihr Schweigen zu ersuchen war eine wundervolle Möglichkeit Öl in das Feuer der menschlichen Neugierde zu kippen. Jeder brannte darauf zu erfahren, was seine Bräute zu verbergen wussten, doch er würde es niemals teilen.
      Viel zu gierig ist er gewesen. Sein Machthunger nagte schon zu lange an ihm. Aufmerksam war er Leandra, einer seiner Anhängerinnen gefolgt, die in Begleitung eines jämmerlichen schwulen Prinzen gewesen ist. Das war perfekt. Selbst ohne Worte wird sie die Möglichkeit haben ihn zu beeinflussen und ganz nach Hermes Bild zu formen. Geduldig wartete er darauf, bis die Aufregung der Frau sich ein bisschen gelegt hatte und der Abend eingekehrt war. Erst dann offenbarte er sich dem Mädchen, das bereits eine starke Verbindung zu ihm hatte.
      In geistlicher Form erschien er hinter ihr und ließ seine Hände durch ihr Haar fahren. Er gab seinen Geist frei, sodass sie einen Blick auf ihn erhaschen konnte. „Die Reise ist lang und anstrengend gewesen, doch du hast artig alle Informationen in dich aufgenommen, mein Kind, nicht wahr?“, fragte er sie mit einem Stolz in der Stimme, der ihre hungernde Seele sättigen sollte. „Hier gibt es so viele Menschen. So viele Lämmer, die nach einem Hirten verlangen. Du solltest dich ihnen anschließen bei ihrer Feier. Dort sein, dich präsentieren als das reinste Geschöpf von allen und den Weg weisen. Schaffst du das, meine Schöne?“
    • Down on earth
      Schweigend folgte der Prinz Chriseis, achtete dabei mehr auf den Weg als auf seine Umgebung und kommentierte ihre Erzählung mit Lauten des Verstehens. Gerade war er mehr mit seinen eigenen Gedanken beschäftigt, als dass er ihr aufmerksam zuhören konnte. "Wie eine kleine Stadt, sagt sie. Eine Stadt, die ausschließlich von Männern bewohnt wird." kam ihm der Gedanke und biss sich so gleich auf die Zunge. "Hör auf! Es sind nur Männer. Nach einer Weile werde ich mich schon daran gewöhnt haben…" redete sich Emilios ein, doch glaubte selbst seinen eigenen Worten nicht.
      Leandra nahm alles was die Brünette erzählte, auf wie ein Schwamm, hing an ihren Lippen und sah sich gleichzeitig immer um, sobald etwas gezeigt wurde. "Ein Lazarett!" Wie gerne würde sie dieses Mal besuchen und die Ärzte bei ihrer Arbeit beobachten. Ob sie das denn aushalten konnte? Egal, dann zwang sie sich dazu! Enttäuscht musste die Priesterin feststellen, dass sie nun bei ihren Zelten angekommen waren und fast schon wehmütig sah sie Chriseis nach, die fluchtartig die beiden verließ. Mit einem lautlosen Seufzer schlüpfte Leandra in ihr Zelt und sah sich etwas um. Ein großes Schlaflager aus vielen Kissen und Fellen befand sich mitten im Zelt, das aus dickem und blickdichten Leinen bestand. Nicht weit daneben war eine Feuerstelle ausgehoben für kalte Nächte und um Wasser aufzukochen. Eine Zinnwanne stand in einer Ecke des Zeltes und in der anderen fand sie ihr Gepäck zusammen mit einem Wandschirm, hinter dem man sich gefahrlos umziehen konnte, auch wenn jemand überraschend ins Zelt eintreten sollte. An die Wanne herangetreten fand sie auch einen Schwamm vor und einen vollen Wassereimer. Sie rieb damit etwas ihre leicht verschwitzen Arme ab und beschloss sich umzuziehen. Noch herrschten sommerliche Temperaturen und da sollte eine leichte und etwas kürzere Tunika reichen. Die langen würden eh nur vom Staub des Bodens sofort wieder dreckig werden.
      "Habt Dank." rief Emilios noch Chriseis hinterher und betrat dann auch sein Zelt, das gleich neben Leandras war und dieselbe Ausstattung aufwies. Seinen Mantel zur Seite geworfen und seine Sandalen abgestreift ging er zu seinem Gepäck und suchte nach etwas ganz bestimmten. Unermüdlich durchstöberte er jedes Gepäckstück und jede Tasche, bis er endlich eine kleine, feine, goldenen Spieluhr in den Händen hielt. Zufrieden ließ er sich auf sein Schlaflager nieder und öffnete das Döschen. Eine doch recht schräge Melodie erklang sogleich, und es hörte sich so an, als hätte die Musikdose Schluckauf. Doch das störte Emilios nicht und legte das kühle Metall auf seine Stirn. Einst hatte sein heimlicher Geliebter ihm das gute Stück geschenkt. Gefunden wollte er es haben und schämte sich dafür, dem Prinzen etwas Zerbeultes und Kaputtes als Präsent zu überreichen. Doch Emilios war sofort verzaubert von der Spieldose, sie war imperfekt, wie er und er konnte die Arbeit wertschätzen, die sich jemand mit dieser kleinen Spieluhr gemacht hatte. Für ihn waren die Klänge beruhigend und Trost spendend und mit geschlossenen Augen, und die Dose auf seiner Brust liegend, schlief der Prinz langsam ein.
      Nebenan hatte sich Leandra umgezogen, etwas getrunken und gegessen und wollte nun meditieren. Doch ehe sie sich auf den vielen Kissen setzen konnte, war es ihr, als würde ein sanfter Luftzug durch ihr Haar streichen. Nur zu gut kannte sie dieses Gefühl, es war zwar nicht sehr oft passiert, doch diese Präsenz war einfach unverkennbar. Ein Schauer legte sich auf ihre Haut, erreichte selbst ihre Kopfhaut und ein leichtes Prickeln breitete sich in ihrem Körper aus, sobald sie die Stimmer ihres Engels hörte. Zögerlich drehte sie sich nur langsam um und konnte die schemenhafte Gestalt Gabriel erkennen. Stumm nickte sie, wagte es kaum zu atmen in der Gegenwart dieses himmlischen Geschöpfes und auf seine Frage hin nickte sie erneut, mit einem entschlossenen Blick der zu glühen schien und sein Stolz in der Stimme brachte ihr Herz dazu noch schneller zuschlagen. Sie würde jeden Wunsch ihres Patrons versuchen zu erfüllen.

      Up in the clouds
      Apollon lag auf einem Wolkendiwan und döste schon die ganze Zeit vor sich hin. Anders konnte man die Zankerei auch kaum aushalten. Ein lauter Schlag ließ den Gott aufschrecken und blickte kurz zu Hephaistos, der sich mit seinen Werken ärgerte. Bevor er doch seine Augen wieder richtig schließen konnte, trat der Schmied stürmisch an ihn heran, dass er fast von seinem himmlischen Möbelstück heruntergefallen wäre. Eine Augenbraue angehoben musterte der Schönling den grobschlächtigen Gott vor ihm. Äußerlich hätten sie kaum unterschiedlicher nicht sein können, doch verband sie die Sehnsucht nach Zuneigung und Liebe. Aufmerksam vernahm Apollon seine Bitte, die sehr ehrlich und aufrichtig klang. Langsam erhob sich der Gott der kreativen Künste und lächelte sanft. "Du musst nur etwas geduldiger und sanfter sein, Hephaistos. Mehr nicht." erklärte er ihm mit seiner melodischen Stimme und trat an das zertrümmerte Stück heran. "Versuche es noch mal und höre mir dabei ganz genau zu." winkte er den Brünetten zu sich. "Wenn du wieder Hand an diese Spieluhr legst, stelle dir vor deinem geistigen Auge vor, welche Melodie darin erklingen soll. Das Zwitschern der Vögel im Frühling? Das Rauschen des Baumes, wenn der Wind seine Blätter und Zweige liebkost? Eine plätschernde Quelle, die durch ihre Reinheit neues Leben spendet? Egal was für eine Melodie du dir ausgesucht hast, sie muss dein Herz erreichen und erst dann, wird sie auch in deine Spieluhr fließen. Metall bearbeitest du mit deinen Händen, doch Musik erschaffst du mit deiner Seele." erklärte Apollon schon fast prophetisch und sah dabei zu, wie Hephaistos seine Spieluhr formte. Als er damit fertig war, klopfte er ihm anerkennend auf die Schulter. "Als Dank wünsche ich mir nur von dir, dass du mich auf die Erde mitnimmst." sprach er ihn gleich an. Noch konnte er keine Verbindung zu den Menschen aufbauen, aber vielleicht gelangte es ihm vor Ort.
      "Vergessen ist wie eine Wunde. Es mag zwar verheilen, aber dabei wird es eine Narbe hinterlassen."
      Monkey D. Ruffy


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    • Up in the clouds
      Das Zwitschern eines Vogels? Was? Mit blanker Verwirrung in seinen harten Gesichtszügen, schaute Hephaistos auf seine Hände, als würde Apollon ihm gerade einen komplizierten Zaubertrick erklären. Das Rauschen des Baumes, wenn der Wind seine Blätter und Zweige…was? Liebkost? Der Wind kann doch nicht… Das… war eindeutig zu metaphorisch für den armen Schmied. Doch Apollon sprach mit einer solchen Leichtigkeit und Selbstverständlichkeit, dass der große Mann sich aufrichtig schämte noch einmal nachzuhaken. Mit angespanntem Kiefer und der größten Selbstbeherrschung nicht mit den Zähnen zu knirschen nickte er beinahe gequält, als Apollon auch schon bestimmte, dass seine Worte hilfreich gewesen sind. Hephaistos fühlte sich nicht schlauer als zuvor. Im Gegenteil! Nun war der braungebrannte Mann nur noch verwirrter. Konnte es aber möglich sein, dass Apollon ihm wirklich bereits das ganze Geheimnis der melodischen Kunst offenbart hat und er es einfach nur wieder nicht begriff?
      Hephaistos ballte die Hände mürrisch zu Fäusten und nickte. Er wird es einfach versuchen müssen. Was blieb ihm denn anderes übrig? Er wollte nicht wieder beweisen, dass er lediglich der missgebildete Sohn des Olymps gewesen ist, der genau genommen nicht einmal in die Reihe der Götter passte. Wenn es auch nur für den Schein gewesen ist, wollte er für den Moment ein stolzer Gott sein. „Ich verstehe“, murmelte er und schaute um sich. „Ich werde sehen, was ich tun kann, bitte warte einen Moment.“ Hephaistos ließ seinen Bruder für einen Moment und kehrte ein in seine Stube, wo er alle seine Arbeiten verrichtete. Er ging die Stücke durch, die er noch hier hatte und aus den unterschiedlichsten Gründen noch nicht den Menschen geschenkt hatte, als sein Blick auf etwas fiel, das er gänzlich vergessen hatte.
      Er kehrte zu Apollon zurück. Eine tiefe Falte hatte sich zwischen seine Augenbrauen gedrängt. „Komm her, das müsste funktionieren.“ Hephaistos öffnete seine Hand und offenbarte eine wunderschöne Brosche. Sie hatte die Form einer Sonne. Der strahlende Stern in der Mitte war befühlt mit den splittern feiner Diamanten und ließ so das Sonnenlicht darin brechen. Von dort auf gingen feine Stäbe als Strahlen von der Sone aus und wurden gehalten mit Ringen darum. Und hier und da, auf den Ringen zwischen den Strahlen saßen kleine Edelsteine. Hier ein Rosenqarz, dort ein Rubin. Es war eine zierliche Abbildung des Sonnensystems. Eines von Hephaistos feineren Stücken, das zu werfen er sich nicht getraut hat, da er befürchtete, es könnte zerbrechen. Weder forderte der Schmied Lob noch Komplimente, weswegen er die Brosche einfach sanft an die Kleidung des Sonnengottes machte. Auch hier bewies er eine erstaunliche Zärtlichkeit und Präzision, die es wenig schwer zu glauben machte, dass er zu solchen Schmuckstücken in der Lage gewesen ist.
      Zufrieden richtete er sich wieder auf. „Ich bin mit meinen Arbeiten mit den Menschen verbunden und kann deswegen unter ihnen wandeln. Damit solltest du nun mit mir verbunden sein. Wenn es funktioniert, dann versuche dich bitte nicht zu weit von mir zu entfernen. Ich weiß nicht, wie gut das funktionieren wird.“ Hephaistos hob seine schwere Hand auf Apollons Schulter und brachte sie beide auf die Erde. Genau genommen erschienen sie beiden direkt vor den Zelten des Prinzen und seiner Priesterin. Prüfend musterte Hephaistos den Sonnengott und schüttelte ihn vorsichtig ein bisschen, um zu ertasten, ob er wirklich einen Körper hatte oder nicht und nickte dann. „Scheint funktioniert zu haben.“

      Down on earth
      Die Ankunft der beiden Gäste im Lager brachte eine Menge durcheinander mit. Theodorus musste sich mit dem ein oder anderen Soldat herum plagen, der die Augen gar nicht abwenden konnte von der schönen Priesterin. Und dass sie schön gewesen ist schien etwas zu sein, bei dem sich zum ersten Mal alle seine Schützlinge einig gewesen sind. An jeder Ecke hörte er seine Männer schwärmen und tuscheln. Es würde den General beim besten Willen nicht mehr wundern, wenn sie hinter seinem Rücken die Kanonen wie verliebte Schuljungen mit ihrem Namen beschriftet hätten. Tatsächlich wusste er um den ein oder anderen Poeten in seiner Kompanie. Theodorus konnte beinahe spüren, dass Leandra die Inspiration für zumindest ein oder zwei seiner Gedichte werden würde. Und darauf freute tatsächlich auch der gebürtige Athener sich. Dennoch gab es noch so viel zu tun, bevor er sich auch nur ansatzweise der Entspannung hingeben konnte.
      Die beiden Gäste machten es sicherlich nicht einfacher an der Front. Zwar hat es schon eine Weile keine direkte Konfrontation mehr gegeben und beide Heere scheinen vorübergehend erst einmal abzuwarten und sich aufzuladen, doch es wäre äußerst töricht und ein furchtbarer Fehler, der eine Vielzahl von Leben auf dem Gewissen haben könnte, würde er sich auf diesen Umstand verlassen. Im Krieg und in der Liebe war bekanntlich alles erlaubt, wieso also sollte er seine Hand dafür ins Feuer legen, dass der Truppenführer seiner Gegner eine Schlacht ankündigte?
      Theodorus ließ deswegen die Zelte umstellen. Er formierte das Lager ein wenig um und schuf so von der Mitte ausgehend und der Kaserne so etwas wie „Notausgänge“. Sein Ziel ist es gewesen, dass die Männer ohne Hindernisse zum Einsatz gerufen werden konnten und alle Zivilisten hinter den Truppen in Sicherheit gehen konnten. Gleichzeitig musste er allerdings auch neue Wachen aufstellen. Die Gegner durften sich die neuen Ausgänge auf keinen Fall zu nutzen machen. Sein Kopf war voll und ratterte unablässig. Als die Abendstunden eintrafen war er ein wenig erleichtert. Seine Augen gewöhnten sich schnell an die Dunkelheit und es fiel ihm leichter sich anzustrengen um Umrisse zu erkennen. Die Chance nutzte er, um alles noch einmal abzugehen, stieß dann allerdings unerwartet mit einem zierlichen Körper zusammen, als er nicht genug auf seine Mitmenschen achtete. „Oh, ich bitte um Verzeihung“, sagte er sogleich. Schneller, als er darüber nachdenken konnte, war seine Hand an den Rücken der Person gewandert, um sie zu stützen. Er erkannte blondes, ihm fremdes Haar. Ihr Rücken war so schmal, dass seine Hand beinahe den gesamten Raum zwischen ihren Schulterblättern einnahm. Dieser Körper war zu zart um von dem Prinzen zu sein.
      Theodorus setzte ein Lächeln auf. „Ah, unsere verehrte Fräulein Priesterin. Ich muss mich noch einmal entschuldigen, ich hoffe Ihr habt euch nicht verletzt.“ Die Klänge der fröhlichen Soldaten am Lagerfeuer waren ganz in der Nähe und Theodorus blickte kurz auf, um dem Treiben zu lauschen. „Möchtet Ihr euch den Festlichkeiten anschließen?“ Er hielt ihr seine Hand hin. „Es tut mir leid, wenn Ihr es noch nicht erfahren haben solltet, aber ich fürchte ich sehe sehr schlecht. Sofern ich Euch damit nicht beleidige, drückt doch bitte einfach einmal meine Hand, wenn ich Euch zum Festplatz begleiten darf.“
    • Up in the Clouds
      Apollon sah dem Gott der Schmiedekunst nach und fragte sich, was er denn jetzt schon wieder vorhatte. Umso überraschter war er dann, als ihm in der groben und großen Hand Hephaistos ihm eine zierliche und fein gearbeitete Brosche präsentiert wurde. Fast von ehrfürchtig nahm er das Schmuckstück an sich und steckte es an seiner Tunika im Schulterbereich fest. "Mein Guter, du überraschst mich wirklich sehr. Wenn du so etwas filigranes erschaffen kannst, sollte eine Spieluhr doch kein Problem sein." Apollon nickte verstehend, als ihm erklärt wurde, wie Hephaistos mit den Menschen verbunden war. "Ich versuche in deiner Nähe zu bleiben." versicherte er dem Größeren, der seine schwere Hand auf seine Schulter lag und sie auf die Erde beförderte. Verblüfft sah sich der Gott des Lichts um und stellte fest, dass sie in einem Kriegslager waren.

      Down on earth
      Sobald die Erscheinung Gabriels verschwunden war, machte sich Leandra auch schon auf den Weg nur um festzustellen, dass sich alles um ihr Zelt herum verändert hatte. Zwar standen genug postierte Soldaten herum, doch würden sie nicht wissen können, wohin die Priesterin wollte. Daher suchte sie selber den Weg, was dazu führte, dass sie etwas im Kreis herumlief. Irgendwie sah jedes Zelt gleich aus, dass Leandra gar nicht mehr so richtig wusste, wo sie war und als sie um eine Ecke bog, stieß sie auch prompt mit jemanden zusammen. Sie hatte schon mit dem harten Aufprall gerechnet, der ihr der Boden bescheren würde, als sie die kräftige Hand an ihrem Rücken spürte, der sie vor dem Fall bewahrte. Erleichtert sah sie zu dem Mann auf und erkannte den General. Sie schenkte ihm ein strahlendes Lächeln, auch wenn er es wahrscheinlich nicht richtig erkennen würde. Erfreut über sein Angebot nahm sie seine große Hand in ihre beiden zierlichen und drückte einmal sanft zu. So ließ sie sich von Theodorus zum Lagerfeuer führen und versuchte sich dabei irgendwie den Weg zu merken, damit sie später auch ohne Hilfe zu ihrem Zelt zurückfand. Bei den feiernden Soldaten angekommen, verstummten diese sogleich, als sie die Priesterin entdeckten. Mit einem freundlichen Lächeln setzte sie sich auf einen freien Platz am Lagerfeuer und holte ihre kleine Handharfe hervor, die sie extra mitgenommen hatte. Zum Glück hatte der General sie aufgefangen, sonst wäre sie vielleicht beim Sturz zerbrochen. Gefühlvoll ließ sie ihren zarten Finger über die Saiten gleiten und stimmte eine beruhigende Melodie an, der alle anwesenden Soldaten entzückt lauschten.

      Athene war gerade in ihrer Namensstadt unterwegs, gehüllt in einen dunklen Umhang und in der Gestalt eines schlichten Menschen. Sie streifte durch die Straßen und musste ernüchternd feststellen, dass es vielen Bewohnern auch ganz ohne ihr Zutun gut ging. Viele feierten auch, aber so ausschweifend und feuchtfröhlich, dass Dionysos eher seine Freude daran hatte. In dunklen Gassen konnte sie aber auch Gewalt sehen, Überfälle, Prügeleien. Ohne Zweifel der Einfluss von Ares. Doch sie konnte keine Verbindung aufbauen, ihre Tempel waren leer und manche auch durch Zerstörung entehrt. Enttäuscht seufzte die einst glorreiche Göttin auf und wollte schon wieder zurück zum Olymp kehren, als sie ein schwaches Bild vor ihrem inneren Auge empfing. Es war ein Athener, sogar ein General, der sich um seine Soldaten sorgte und gerade sein Lager neu aufstellen ließ, um seine Männer besser zu schützen. Sie konzentrierte sich auf diese schwache Verbindung und als Athene wieder ihre Augen öffnete, stand sie in einem Kriegslager. Die Zelte waren noch in ihren alten typischen Farben und Muster gehalten und so konnte sie schnell das Zelt des Generals aus machen. Wie ein Geist trat sie ein, unsichtbar für das menschliche Auge und wartete auf diesen Strategen. Sie wollte sich erst ein Bild von diesem Krieger machen, um einschätzen zu können, ob es ihre Zeit wert ist. Aber kann sie wirklich in ihrer Lage so wählerisch sein?

      Apollon wartete vor den Zelten, bei denen sie angekommen waren und öffnete seine Sinne. Gleich zwei hell strahlende Lichter, erschienen in seinem Geiste. Eines umgeben von Musik und einer unschuldigen und reinen Aura, doch die andere war um einiges mysteriöser, umgab sie die Auren von Leben und Tod. Und das weckte sein Interesse doch sehr, ließ sich von diesem Strahlen wie ein Nachtfalter vom Licht anziehen und gelangte vor ein Lazarett. Von der Neugier gepackt passierte er einfach die Zeltwand, als wäre da nichts und trat in das Innere ein, gespannt, was oder wer er dort vorfinden würde.
      "Vergessen ist wie eine Wunde. Es mag zwar verheilen, aber dabei wird es eine Narbe hinterlassen."
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    • Down on Earth
      „Was auch immer“, knurrte Hephaistos und versuchte wirklich inständig seine Verlegenheit zu verbergen. Das Kompliment eines seiner schönsten Brüder war dem schweigsamen Schmied viel wert gewesen. Anerkennung von den geliebten Göttern des Olymps ist generell etwas gewesen, was er lange Zeit ersehnt hat. Zu lange Zeit müsste man meinen. Nun schockierte es ihn beinahe wie leicht es ihm von den Lippen gefallen war nach nur einem kurzen, genaueren Blick auf seine Arbeit. Bedeutete das, dass er einfach nie hingesehen hatte? Was für ein nutzloser Gedanke. Und ein noch schlechterer Grund gekränkt zu sein. „Stelle keinen Blödsinn an“, sprach der Schmied seinem Bruder noch die Warnung aus, bevor er ihm einfach den Rücken zudrehte und ungefragt das Zelt des Prinzen betrat.
      Er nahm sofort den ruhigen Atem des Mannes war und so dauerte es nicht lange, bis seine Füße ihn zu dem Schlaflager des blonden jungen Mannes trugen. Für einen kurzen Augenblick erstarrte Hephaistos bei dem Anblick, der sich ihm bot. Das Persönchen unter den verzierten Decken war ein Mann, keine Frage. Doch war er davon überzeugt, dass es für dieses Wesen nur das Wort wunderschön geben konnte. Hephaistos vergaß für einen Moment zu atmen und versteinerte regelrecht an Ort und Stelle. Was sollte er jetzt machen? Falsch, was wollte er noch gleich machen? Die Augen des Schmiedes sprangen zu etwas aufleuchtendem in des Prinzen Bett.
      Richtig! Das Zeugnis von Hephaistos Schande! So leise er konnte bahnte er sich den Weg zu dem Prinzen und schnappte sich die ihm verhasste Spieluhr. Doch sogleich, kaum dass er sie berührte, durchströmten ihn die Bilder und die Gefühle an einen Mann. Hephaistos konnte deutlich die Bewunderung, die Verehrung spüren. Die Liebe und die Schuld. Nach einer ganzen Weile senkte der Mann wieder den Blick auf das Ding in den Händen. Es war nichts ungewöhnliches, dass er fühlen konnte welche Beziehung die Menschen zu seinen Kunstwerken hatten. Dennoch hat er nicht… damit gerechnet. Dieses hässliche, furchtbare Ding wurde von diesem jungen Mann verehrt. Gerade für dessen Fehler und Imperfektionen. Schon wieder stand Hephaistos da wie versteinert und wusste nicht was er tun sollte. Er war maßlos überfordert mit der Situation.
      Erst das anerkennende Wort seines Bruders und nun eine so emotionale Verbundenheit zu einem Fehler, ähnlich wie er selbst einer gewesen ist. Das war zu viel für den sonst sehr schroffen und herben Schmied. Überwältigt ließ er die Hände sinken und sah wieder auf das schlafende Gesicht des Mannes. Plötzlich fühlte es sich falsch an ihm das Ding wieder zu nehmen. Und er konnte es auch nicht einfach ersetzen. Brummend legte er eine Hand vorsichtig auf den Arm des Jungen, er wollte ihn nicht zerbrechen. „Mensch. Wach auf. Ich benötige für einen Moment deine Meinung!“, brummte er, die Spieluhr noch immer in den Händen haltend.

      Am Lagerfeuer angekommen herrschte sofortige Stille, als der General in Begleitung der schönen Priesterin erschien. Eine Reaktion, die Theodorus durchaus hat kommen sehen. Er ließ die Dame Platz nehmen und blieb selbst ein wenig hinter ihr stehen, wodurch er sie um ein vielfaches überragte. Die Augen seiner Männer waren auf ihn gerichtet, das musste er nicht sehen, um es zu wissen und mit einer gestattenden Handbewegung ließen sie es sich nicht mehr nehmen an den zarten Fingern der Dame zu hängen, die wunderbare Musik mit ihrer Harfe spielte. Die sanften Klänge vermischten sich ganz hervorragend mit dem Knistern und Knacken des Feuers und ergaben eine sehr entspannende Mischung. Theo ließ sich ein wenig Platz machen und ohne, dass er darum bitten musste, brachte man ihm einen Becher mit Wein.
      Alles nahm seinen gewohnten Gang. Die Männer überschlugen sich regelrecht und stolperten übereinander um irgendeine Reaktion der jungen Frau zu erhalten. Ihr Lachen ist ihnen vieles wert gewesen. Vor allem ein paar blaue Flecken und Prellungen. „Manche von ihnen sind älter als ich und doch frage ich mich woher diese Kindlichkeit kommt. Ich hoffe es stört Euch nicht“, sprach Theodorus selbst noch einmal die Priesterin an, als er ein Gespräch in seinem Rücken vernahm. „Ein blinder General und eine stumme Priesterin! Na da haben sich zwei ja gesucht und gefunden!“ Die Soldaten fingen an zu lachen und Theodorus musste ebenfalls in seinen Becher lächeln. Er erhob sich kommentarlos und baute sich hinter dem Soldaten mit der großen Klappe auf, was seine Kameraden bereits in ihrem Lachen verstummen ließ. „Hm? Was habt ihr denn?“, fragte er noch, als auch schon die Hand des Generals schwer auf seiner Schulter landete und Theo sich zu ihm herunter beugte. Auf den Lippen trug er ein überaus gefährliches Lächeln. „Zu schade, mein Freund, dass sowohl die geschätzte Priesterin, als auch ich, noch hervorragende Ohren haben.“ Theodorus musste nichts sehen, um zu merken, wie der Mann kreidebleich wurde. Es war zu spüren an seinen steifen Schultern und dem schweren Schlucken. „Tut… Tut mir leid, General. Ich… ich…“ Väterlich klopfte Theodorus ihm auf die Schulter. „Du möchtest den Abwasch freiwillig erledigen? Wie nobel von dir! Einen Freiwilligen hatten wir schon lange nicht mehr!“ Oh, da senkten sich die Schultern auf einen Schlag wieder und Theodorus Grinsen wurde breiter.
      „Jawohl, General…“ Theodorus lachte auf und drehte sich wieder zu Leandra. „Ich sag es doch. Kinder. Ich hoffe doch sehr meine Kompanie lässt mich nicht zu alt erschei-…“ Plötzlich überfiel den Mann eine Gänsehaut und er hob sofort den Blick. Ihm war als hätte er etwas wahrgenommen. In den Tiefen seines Hinterkopfes. Was für ein sonderbares Gefühl. „Erscheinen…“, vollendete er seinen Satz, wenn auch ein bisschen abwesend. Das war eigenartig. Wurden sie angegriffen? War das Theodorus Intuition, die ihm sagte, dass etwas nicht stimmte?
      Hermes wusste direkt, was vor sich ging, als er die Situation mit aufmerksamen Augen aus den Schatten beobachtete. Er hatte es sofort gespürt, als Athene im Lager aufgetaucht war. Doch dass dieser General es auch tat gefiel ihm ganz und gar nicht. Mit verschränkten Armen stand er da und drehte den Kopf zunächst nach rechts und dann nach links. Warum waren jetzt alle hier?! Er spürte Athene, Apollon und Hephaistos. War das so eine Art Familientreffen oder was? Sofort war Hermes wieder an der Seite Leandras. Seine Finger fuhren von hinten ihren blassen, schlanken Hals entlang und beugte sich zu ihr herunter. „Siehst du das mein Kind? Dein Einfluss beginnt zu wirken. Der General bemerkt meine Gegenwart. Aber er ist so durcheinander. Ein verwirrtes Lamm. Versichere ihm, dass er keine Furcht haben braucht. Leuchte ihm den Weg mit deinem Licht“, säuselte er ihr zu. Er musste diese Verbindung zu Athene unterbrechen, so lange sie noch schwach gewesen ist.

      Das Lazarett war der einzige Ort an dem diesen Abend keine Spur von Entspannung gewesen ist im Lager. Der Doktor war schon längst gegangen und so war nur noch Chriseis da, um die restliche Arbeit zu machen. Und gerade ist sie dabei gewesen sich um einen Patienten zu kümmern, der schon eine ganze Weile in einem Koma lag, das sich weder Chriseis noch ihr Mentor bisher erklären konnten. Der Name des Soldaten war Philleas und es war eine Laune der Natur, dass er noch lebte. So oder so, in letzter Zeit war er Chriseis Tagebuch geworden.
      „Es ist ja nicht so, dass ich absichtlich irgendwie… unhöflich sein möchte!“, rechtfertigte sie sich gegenüber des regungslosen Mannes. „Nein, pass auf, ich habe die beiden zu ihrem Zelt gebracht, ich habe sie gefragt ob sie noch irgendwas brauchen und ihnen alles erklärt, was sie spontan wissen müssen. Das ist doch nett! Was in meinem Kopf passiert ist doch wohl keine Sünde, oder?“ Sie hatte das Hemd des Soldaten aufgeknöpft und wusch vorsichtig seinen Leib mit warmen Wasser, als sie plötzlich inne hielt. „Habe ich gerade…“ Regelrecht angewidert von sich selbst schüttelte die junge Frau sich. „Siehst du! Das ist genau das was ich meine! Kaum ist eine von diesen Bräuten im Lager, fange ich wieder an zu reden wie eine Novizin! Das… das ist nicht richtig! Ich darf mich genau genommen nicht einmal von ihrem Glauben eingeschüchtert fühlen! Ich bin eine Frau der Wissenschaft! Es kann mir vollkommen egal sein wie stark sie woran glaubt und wie stark ich in nichts davon reinpasse!“
      Sie sprach ein bisschen zu laut, um natürlich zu klingen. Ihre Finger begannen zu zittern und gestresst fing sie an sich auf der Wange herum zu kauen. Chriseis ist immer sehr überarbeitet gewesen. Da führte gar kein Weg drum herum. Sie war immer dabei ihren Gedanken mit so viel Anstrengung wie möglich zu entfliehen. Doch nun schien es sie zu überrollen wie eine riesige Welle. Die Lippen zusammen pressend zog sie den Mann wieder an und wechselte das nasse Tuch auf seiner Stirn und machte sich wieder daran die Medikamente neu abzumischen. Doch bevor sie auch nur im Entferntesten dazu kam, konnte sie nicht anders, als sich vor dem Tisch zusammen zu kauern, das Gesicht in ihren Händen vergraben. Sie war geflohen in der Nacht ihres vierzehnten Geburtstages. Sie hat ihre Kleidung weggeschmissen, sie hat einen Beruf erlernt wie ein Mann, sie hat sich das Haar abgeschnitten. Das einzige, was sie noch im entferntesten gemein hatte mit dem kleinen Mädchen von damals, war ihr Name. Warum also kehrte dieses kleine, verstörte Mädchen jetzt einfach so wieder? Wieso war es diesem kleinen Ding möglich ihre über Jahre aufgebauten Schutzmauern einzureisen als wären sie aus Papier?
      Sie hörte wie der Vorhang sich bewegte und stand sofort wieder aufrecht auf den Beinen. Das letzte, was sie sich erlauben konnte, war entdeckt zu werden in diesem Moment der Schwäche. „Wer ist da? Wenn niemand stirbt rate ich dir, dass es in absehbarer Zeit passiert oder du einen noch besseren Grund hast zu-…“ Sie kam um die Trennwände herum und erstarrte in ihrer Bewegung.
      „Ein Fremder“, kam es hauchend von ihren Lippen. Fremde Kleidung, ein fremdes Gesicht. „B-bleib ja wo du bist! Keinen Schritt weiter!“ Den blonden Mann im Blick behaltend bewegte sie sich vorsichtig seitwärts zu einem Schreibtisch und nahm sich eine Skalpell, das darauf lag. „Wer bist du und was machst du hier? Wer hat dich ins Lager gelassen? Ich warne dich, wenn du von den feindlichen Truppen bist… ich bin zwar eine Frau aber ich kann verdammt gut mit dem Ding hier umgehen!“
    • Down on earth

      Emilios flatterten die Lider, als jemand ihn aus seinem erholsamen Schlaf weckte. Sofort spürte er die Hand auf seinem Arm, die sehr groß war und auch deutliche Schwielen an der Innenhandfläche aufwies. Ein Mann stand an seinem Schlaflager, soweit er im halb Dunklen erkennen konnte, groß und braungebrannt. Träumte er etwa noch? Aber wenn nicht, wer sollte es denn wagen einfach so in das Zelt des Prinzen zu kommen und ihn dann auch noch zu wecken. Noch immer etwas verschlafen, richtete sich der blonde Jüngling auf und rieb sich die Äuglein. Dabei rutschte ihm seine Tunika ganz vom Leib und gab seinen blassen Oberkörper frei. Langsam wurde er wacher und begriff erst jetzt, in was für einer Situation er war. Ein Mann! Bei ihm! Und die Hand auf Emilios Arm sorgte dafür, dass ein Prickeln über seine Haut kroch und ihn erschauern ließ. "Wa- was willst du?" vergaß er alle Formalitäten und hoffte nur, dass man wegen des Halblichtes sein rotes Gesicht nicht sah. Da fiel ihm seine Spieluhr auf, die in der Hand des Fremden lag. Sofort versuchte er danach zu greifen, legte seine zierliche Hand auf das goldene Kästchen und berührte dabei die Hand des Mannes. Es war wie ein elektrischer Schlag, der ihn in diesem Moment durchzuckte, dass dem Prinzen die Nackenhaare zu Berge standen. "Bitte, gib sie mir wieder." presste er durch seine Lippen, mit der Angst, dass man seine zittrige Stimme vernehmen könnte und sah zu dem Unbekannten mit einem inständigen Blick auf. Das hätte er lieber nicht tun dürfen, kroch ihm wieder die Hitze seine Wangen hoch. Was sollte er nun tun?

      Apollon musste etwas lächeln, als die Menschenfrau vor ihm stand und mit einem Skalpell bedrohte. "Vorsicht Mädchen, sonst verletzt du damit noch jemanden und damit meine ich nicht mich." säuselte er gelassen und schritt einfach weiter ins Zelt hinein. Dass sie ihn sehen konnte, überraschte ihn doch sehr, doch kam ihm das derzeit mehr als gelegen. Er sah sich weiter in dem Zelt um, entdeckte ihm bekannte Hilfsmittel der Medizin, aber auch neuere, die er nach genauerer Betrachtung ihrem Nutzen zuordnen konnte. "Du bist Ärztin. Was für ein ehrbarer Beruf und sehr imponierend, als Frau das geschafft zu haben. Das muss bestimmt sehr schwer gewesen sein, unter all den Männern, die es immer wieder vergessen, dass sie doch nichts Besseres sind." sprach er die Brünette an und schritt weiter auf den Patienten auf der Liege zu. Dabei machte er eine winkende Bewegung mit seiner Hand, damit die junge Frau zu ihm kam. "Du willst ihn retten, nicht wahr?" stellte er die Frage, die doch eher rhetorisch gemeint war. "Ich kann dir dabei helfen." verriet Apollon weiter und sah sie nun direkt an. Die Ärztin hatte wache, helle Augen, und er erkannte sofort den Wissensdurst darin. Sie schien sich auch nicht für harte Arbeit zu schade zu sein, doch verrieten ihre leichten Augenringe, dass sie sich etwas übernahm. "Schären den Kopf deines Patienten, dann wirst du die Ursache finden, die ihn davon abhält aufzuwachen." gab er ihr den göttlichen Rat und wollte wieder gehen, doch blieb er vor der kleinen Frau stehen und beugte sich zu ihr herunter, damit er ihr direkt in die blauen Augen blicken konnte. "Ob du ihn wirklich wieder zu den Lebenden holen kannst, hängt von deinem Geschick ab, aber denke daran, dass auch der Tod eine Erlösung von Schmerz und Leid sein kann. Und gehe besser dich vorher ausruhen. Nur ein ausgeschlafener Arzt kann Wunder vollbringen." riet er ihr. Apollon richtete sich wieder auf und legte seine Hand noch behutsam auf ihr zierliches Haupt. Er segnete sie für heute mit einem erholsamen Schlaf, sobald sich die Frau zu Bett begeben würde. So verschwand er auch einfach wieder aus dem Lazarett und suchte nun das andere leuchtende Geschöpf auf.

      Leandra konnte nur über die Sprüche der Soldaten schmunzeln, nahm sie sich diese nicht zu Herzen, da sie nur einem Herrn diente: Gabriel. Verwundert sah sie dem Genareal nach, als sich dieser erhob und sie wieder verließ. Nichts dabei denkend spielte sie weiter auf ihrer Harfe bis ein Kribbeln ihren Hals hinauf wanderte und sie die Gegenwart des Engels spüren konnte. Seine Stimme streifte ihr Ohr wie eine sanfte Brise im Frühling und leicht nickte sie mit ihrem Kopf, dass sie verstanden hatte. Mit einem entschuldigenden Lächeln beendete sie ihr Spiel und erhob sich, um dem General zu folgen. Doch wohin war er genau gegangen? Wieder durch die Zelte irrend, sah sich Leandra suchend um und dass inzwischen auch schon die Dämmerung hereinbrach, gestaltete ihre Suche erheblich schwerer. Zur selben Zeit traf auch Apollon auf Leandra, hatte er bemerkt, wie ihre Verbindung zu ihm abgenommen hatte. "Eine von Hermes Priesterinnen. Sie kann so schön auf der Harfe spielen, dass es eine wahre Schande ist, dabei ihre Stimme nicht auch hören zu können." dachte sich der Gott musischen Künste. Hermes war eh gerade ziemlich arrogant geworden, mehr als er es schon vorher war. "Vielleicht sollte ich ihm ein bisschen daran erinnern, dass er nicht der einzige Engel hier ist." kam es Apollon doch sehr verschlagen. In der Gestalt eines Soldaten trat er auf die Blonde zu und sprach sie freundlich an. "Suchst du jemanden?" fragte er, worauf Leandra nickte. "Lass uns doch zurück zum Lagerfeuer gehen. Vielleicht kann dir dort jemand weiter helfen." schlug gleich weiter vor und ging mit ihr zurück. Die Priesterin wusste nicht so recht, was sie tun sollte, doch gab es bestimmt noch andere Momente, wo sie dem General zum Glauben an Gabriel verhelfen konnte. Da zog Apollon die Doppelflöte genannt Aulos hervor und begann einfach darauf zu spielen. Sofort zogen die fast schon mystischen Töne die Zuhörer in den Bann und auch Leandra war wie hypnotisiert bei der Melodie. Sobald der Gott vernahm, dass ihm die ganze Aufmerksamkeit gehörte, stimmte er nun eine fröhlichere Musik an, ein Volkslied, das in ganz Griechenland bekannt war. Sofort stimmten die Soldaten mit ein, klatschten und sangen mit und auch die Blonde kam nicht drum herum und begleitete diesen begabten Aulet* bei seinem Spiel.
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      *Aulet - Spieler des Instrumentes Aulos
      "Vergessen ist wie eine Wunde. Es mag zwar verheilen, aber dabei wird es eine Narbe hinterlassen."
      Monkey D. Ruffy


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    • Hephaistos
      Der zierliche Junge Mann erwachte aus seinem Schlummer und Hephaistos erschrak bei dem Anblick seiner Augen, die selbst im Dunkeln zu strahlen schienen wie blaue Topase. Der Gott der Schmiedekunst kannte alle Edelsteine. Er wusste sie zu verarbeiten und wie man sie am besten hervorbringen konnte. Und dennoch hat er nie etwas erblickt, das vollkommener gewesen ist als die Farbe dieser Augen. Gefangen in diesen Träumereien, die einer ihm untypischen Verehrung glichen, zuckte er regelrecht ein wenig zusammen, als der Mann sich aufrichtete und dadurch versehentlich seine helle Haut offenbarte. Regelrecht brummend wendete er den Blick ab. Erneut hatte es die tiefe Falte auf seiner Stirn geschafft zwischen seine Augenbrauen zu drängen. Was er wollte. Was er wollte?! Das wusste der Schmied doch selbst nicht. Aber selbst jemand wie er verstand, dass diese Situation verstörend sein musste für einen Menschen. Anscheinend hatte er zu lange gezögert, denn wieder zuckte er heftig zusammen. Dieses Mal, weil die Hand des Prinzen die seine berührte.
      Mürrisch brummte er in sich hinein. „Ich nehme sie dir nicht weg!“, stellte er zunächst ein wenig barsch klar. „Ich habe sie gemacht.“ Hephaistos wusste wirklich nicht mehr wie er diesbezüglich empfinden sollte. Es war das Zeugnis seiner Schande gewesen durch und durch. Und doch liebte dieser dumme kleine Mensch sie. Und er verstand es nicht. In seiner ewigen Existenz hat er gelernt, dass nur Vollkommenheit der Liebe würdig war. „Sie ist kaputt“, nuschelte er ein wenig in sich hinein. „Ich will sie reparieren.“ Hephaistos blickte auf seine Hand und überließ dem Prinzen seine Spieluhr. „Wie willst du sie haben?“ Er ließ sich einfach im Schneidersitz auf den Boden fallen und verschränkte die Arme vor der Brust, als wäre es eine Selbstverständlichkeit das zu tun.

      Chriseis u. Theodorus
      Die Attitüde des Fremden brachte die junge Frau entsetzlich auf. Nicht nur war er ein Eindringling, der aus dem Nichts kam. Nein, er sah es auch noch in seiner Pflicht sie zu unterschätzen. Ihre Mimik wechselte drastisch und die Furcht in ihren Augen wich einem Ausdruck der Verdrossenheit. „Nein wie schön, ein arroganter Eindringling.“, knurrte sie regelrecht in sich hinein und senkte ihr Skalpell wieder. Auch wenn Chriseis es schlecht in Worte fassen konnte, fühlte sie für den Moment keine Bedrohung von ihm ausgehen. Sie stemmte eine Hand in ihre Hüfte und tatsächlich weiteten sich ihre Augen in Überraschung, als er anfing sie zu loben. „Frauen können keine Ärzte werden.“, korrigierte sie ihn, von seinen Schmeicheleien so unbeeindruckt wie möglich. „Ich arbeite aber als einer. Ob Mann oder Frau ist mir gleich. Menschen sind alle gleich. Mich interessiert nur dass sie gesund werden und ich sie beschützen kann.“ Sie stellte sich ihm in den Weg, als er dem schlafenden Patienten zu nahe kam und baute sich mit funkelnden Augen vor ihm auf.
      „Dazu gehört auch meine Patienten vor Eindringlingen zu bewahren, die ein bisschen zu selbstbewusst auf Gebiet wandeln, in dem sie nichts zu suchen haben.“ Sie war aufmüpfig und großmäulig; gar keine Frage. Doch sie war dennoch nicht uninteressiert an seinem Rat, wenn er ihr im ersten Moment auch absurd erschien. Sie runzelte nachdenklich die Stirn und schlug sofort seine Hand von sich, als er auf die Idee kam sie zu berühren. „Was erlaubst du dir eigentlich?! Raus, verschwinde aus dem Lager. Ich will dir raten, dass deine Worte diesem Mann etwas bringen. Dann will ich darüber schweigen, dass du hier gewesen bist. Wenn das nur ein Trick war, dann gebe ich dem General Bescheid!“ Und das würde zum Angriff führen. Ohne Kompromisse.
      Dass Theodorus ohnehin schon mit diesem Gedanken spielte, ahnte sie natürlich nicht. Doch dieses tiefsitzende, eigenartige Gefühl in seiner Brust wollte nicht weichen, was er auch versuchte. Es war beinahe als würde ein fester Griff um sein Herz liegen und rastlos erhob er sich schließlich mit einer Entschuldigung an die Priesterin gerichtet und ließ seine Männer zurück beim Feuer. Es war nicht in seinem Interesse seinen Männern die Freude zu verderben. Ebenso wenig aus Nachlässigkeit seinen feindlichen Angriff zuzulassen. Unschlüssig ging er alle Wachposten ab und befragte sie nach der Lage. Doch niemand berichtete etwas ungewöhnliches gesehen zu haben. Theodorus hatte gehofft, dass die Kontrolle ihm das Gewicht auf der Brust nehmen würde, doch nichts schien zu helfen. Schwer seufzend trat er schließlich wieder in sein Zelt. Irgendwie musste er sich doch beruhigt bekommen. Er hob den Blick und ließ einen erschrockenen Ton verlauten, als plötzlich eine Gestalt vor ihm stand. Eine Gestalt, die er deutlicher erkennen konnte, als irgendjemanden in Jahren. Eine regelrecht strahlende Frau stand in seinem Zelt und ein bisschen unschlüssig blickte er sie an.
      „Guten… Abend?“ Theodorus räusperte sich. „Verzeihung, kann ich Euch behilflich sein? Seid Ihr vielleicht im Auftrag hier unsere Gäste zu bewachen? Darf ich Euch dann zu den richtigen Zelten begleiten?“ Er scheute sich davor vor dieser Fremden die Priesterin und den Prinzen zu erwähnen. Zu wenig vertraute er dieser plötzlich erschienen Dame. Zwar würde es ihn schockieren, wenn die gegnerischen Truppen nun schon auch Frauen entsandten, doch zutrauen musste er ihnen alles.
    • Emilios
      Zögerlich nahm der Prinz wieder seine Hand von der Spieluhr weg, als der Fremde ihm versicherte, er würde sie ihm nicht wegnehmen. Dabei zuckte er bei der schroffen Stimme etwas zusammen, sah aber sofort wieder zu dem Mann auf, als er ihm erzählte, er sei der Erschaffer dieses feinen Stückes. Mit Erstaunen in den Augen betrachtete Emilios den Dunkelhaarigen, konnte er sich im ersten Moment nicht vorstellen, wie dieser Berg von einem Mann mit Händen, die den Pranken eines Bären glichen, solch ein filigranes Döschen erschaffen konnte. Alleine das verriet ihm, dass der Unbekannte trotz seiner grobschlächtigen Erscheinung sehr zart und behutsam sein konnte. Als der Mann dem Prinzen dann die Spieluhr wieder zurückgab und meinte, er wolle sie reparieren, drückte er dieses an seine Brust, wie ein kostbarer Schatz und schüttelte leicht den Kopf. "Das ist nicht nötig, Herr." fand der zierliche junge Mann wieder seine Stimme. "Gerade diese Unvollkommenheit, macht diese Spieluhr gerade in meinen Augen perfekt. Mit seinen Fingern fuhr er zärtlich über die goldenen Ornamente, streichelte das Metall schon beinahe. "Sie ist wie ich, mit einem Makel." sprach Emilios leise und mehr zu sich selbst. Dann sah er wieder zu dem Schöpfer seiner Spieldose und räusperte sich kurz, ehe er es wagte ihn anzusprechen. "Dürfte ich deinen Namen erfahren? Ich möchte ihn gerne in Ehren halten. Und verzeih die Umstände, hast du bestimmt einen weiten Weg hinter dir, nur um dieses Stück zu reparieren." fragte der Jüngling zaghaft und entschuldigte sich auch so gleich für die Aufwand, den der Mann nun ganz umsonst auf sich genommen hatte. "Kann... kann ich dir denn etwas zur Entschädigung anbieten?" wollte Emilios noch in Erfahrung bringen.

      Athene & Apollon
      Als Athene Schritte vernahm, erhob sie sich von dem Stuhl, auf dem sie sitzend gewartete hatte und erwartete den General, der gerade in sein Zelt eintrat. Mit mindestens derselben Verwunderung im Blick, sah sie zu dem Krieger, der sie offensichtlich sah. Dabei wollte sie sich nicht sofort dem Mann zeigen, doch schien wohl ihre Macht auch in der Hinsicht nach zulassen. Das nahm sie zumindest an. "Seit mir gegrüßt, General. Ich bin nicht wegen des Prinzen oder der Priesterin hier, sondern Euretwegen." ließ sie ihn gleich wissen. Athene hatte immer wieder Gespräche der Soldaten aufgeschnappt, die von den neuen Gästen sprachen, außerdem war sie eine Gottheit. Da war es ein leichtes vor Ort solche Informationen herauszufinden. Doch was sollte sie nun sagen? Nach kurzer Überlegung war es das einfachste, ehrlich zu sein, wehrte dies schließlich mal am längsten. "Ich bin der Erzengel Michael, Patron von Kriegern, Strategen und Denkern. Und wie ich durch die Welt wandelte, bin ich auf Euch aufmerksam geworden, Theodorus. Ihr scheint ein verantwortungsvoller Anführer zu sein, der stets vorbereitet ist." stellte sie sich vor und lobte dabei auch gleich den dunkelhaarigen Mann. "Und wie ich sehe, spielt ihr sogar Tavli*." stellte die Göttin mit einem feinen Lächeln auf den Lippen fest, da sie das Spiel auf dem Tisch entdeckt hatte, was zudem auch einst zu ihrem liebsten Zeitvertreib gehörte. In den Ohren des Generals musste sich ihre Behauptung sehr Absurd anhören, daher musste sich Athene etwas Gutes einfallen lassen, um sich zu beweisen, falls er sie anzweifelte, wovon sie doch stark ausging. Doch was könnte diesen Mann überzeugen? Sie würde ihn wohl vielleicht einfach einen Wunsch erfüllen.

      Während Apollon mit der musizierenden Priesterin und den laut mitsingenden und auch grölenden Soldaten am Lagerfeuer saß, musste er noch einmal an diese Begegnung mit der Ärztin denken. Sie hob sich deutlich von den anderen Griechinnen ab, hatte ein starkes Selbstbewusstsein und ließ sich wohl auch nicht von einem Gott einschüchtern. Innerlich musste er doch etwas schmunzeln, dabei gefiel ihm ihre Art ungemein. Vor allem ihr unermüdlicher Drang Menschen zu retten und vieles in Sache Medizin herauszufinden. Vielleicht würde er sie noch etwas öfters besuchen, wenn die Bindung zwischen ihnen sich auch festigen sollte und sie etwas unter seine Fittiche nehmen und sie zu neuen Errungenschaften führen.

      *Tavli - Backgammon auf Griechisch
      "Vergessen ist wie eine Wunde. Es mag zwar verheilen, aber dabei wird es eine Narbe hinterlassen."
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    • Hephaistos
      Die Augen des verhärmten Schmiedes lagen sehr aufmerksam auf dem Prinzen und nahmen jedes Luft schnappen, jedes Zucken und jeden Blick. Hephaistos jagte ihm Angst ein. Kein Wunder. Der große Mann wurde sich seiner selbst plötzlich noch bewusster als ohnehin schon. Er schien zu spüren wie grimmig sein Gesicht aussehen musste, wie tief und rau seine Stimme klang, wie viele Narben seine Muskeln überzogen, wie sein Hemd leicht an seiner breiten Brust spannte, wenn er einatmete. Hephaistos fühlte sich riesig, was einer der Gründ dafür gewesen ist, dass er sich einfach auf den Boden setzen musste. Artemis hatte ihm einmal beigebracht, dass er mit schwächeren Wesen auf Augenhöhe gehen sollte, um sie nicht zu sehr zu erschrecken. Oder sich am besten noch ein bisschen kleiner machen sollte. Und nichts anderes schien in diesem Moment angebracht zu sein.
      Die dünne Stimme des jungen Sterblichen erfüllte wieder das Zelt und seine Worte brachten Hephaistos zum Knurren. „Unvollkommenheit hat nie zuvor die Berechtigung gehabt geliebt zu werden. Das hässliche ist immer schon von Bergen geschmissen worden.“, brummte er in sich hinein und hob seinen Blick. „Von welchem Makel sprichst du bitte? Deine Haut ist weiß wie Porzellan, deine Augen gleichen blauen Topasen so sehr, dass ich etwas mit ihnen schmieden möchte und dein Haar macht sogar dem meines Bruders Konkurrenz. Du siehst aus wie von den Göttern geküsst. Welchen Makel willst du schon haben?“ Der schwere Fremde erhob sich wieder und schnaubte. „Ich bin ein Makel. Ich nenne dir meinen Namen, wenn du in der Lage bist mit im Austausch einen richtigen Fehler deinerseits zu nennen.“ Hephaistos nahm die Spieluhr noch einmal in die Hand und hielt sie ihm demonstrativ vor die Nase. „Und komm nicht auf die Idee mich mit etwas wie einem Liebhaber des falschen Geschlechtes abzuspeisen. Solche Regeln habt ihr Menschen euch alleine und ohne unser zutun auferlegt.“
      Mit der Zunge schnalzend gab er ihm das Büschen wieder zurück und ließ sich einfach auf seinen Bettrand fallen. „So viele Dinge in der Welt vor denen ihr Angst haben könnt. So vieles, was euch zerstören kann und ihr entscheidet euch für die Liebe. Kein Wunder, dass meine Schwester mit gebrochenem Herzen die Seiten gewechselt hat. Ihr habt etwas so Reines und Schönes verdorben.“ Hephaistos stimme ist zu einem knurrenden Murmeln geworden. Er hatte sich selbst ein wenig in Rage versetzt. Es kam selten vor, dass er mit jemandem sprach und so sprudelte es einfach aus ihm heraus. Seine Finger zuckten. Er fühlte. Den ganzen Tag schon war er gequält von irgendwelchen Empfindungen und er hatte den inständigen Wunsch dies mit harter Arbeit zu betäuben.

      Theodorus
      Die ihm unbekannte Dame fühlte sich anscheinend sehr wohl in ihrer Position, so seelenruhig, wie sie ihn in seinem Zelt begrüßte. Verwundert ließ Theodorus die Situation auf sich wirklich, unterbrach die Frau nicht und entledigte sich langsam seines Mantels und legte ihn über einen Stuhl, während er verstehend nickte. „Also nicht der Prinz oder die Priesterin“, wiederholte er ein wenig nachdenklich und ließ sich fallen. Zurückgelehnt musterte er die Gestalt. Er sollte nicht so sehr seine Schutzhaltung fallen lassen. Wirklich nicht. Und doch fühlte er sich… erstaunlich wohl. Ja sicher könnte man fast sagen. Was war denn nur los mit ihm? War er vielleicht krank?
      „Ich bin der Erzengel Michael“ - „Hm?“ Die Worte der Dame brachten den General dazu den Kopf wieder zu heben und ihm war als hätte er sich verhört. „Wie bitte was?“ Seelenruhig führte Michael ihre Vorstellung fort und Theodorus Miene war absolut undurchlässig was seine Gefühle zu dem Thema anging. War das ein Scherz? Das musste eine eigenartige neue Taktik des Feindes sein um ihn zu verwirren. Er sah sie lange an, ohne eine Antwort zu geben. Seine Augen wanderten zu seinem Tavli Spiel, das schon lange darauf wartete, dass jemand sich Theodorus stellte. Allerdings hatten seine Kollegen es schon lange gegen ihn aufgegeben.
      Langsam sah er wieder zu der weiß-haarigen und deutete einladend auf den Stuhl ihm gegenüber. Die Situation konnte eigentlich nicht mehr absurder werden und der General entschied, dass er diese sonderbare Gestalt am besten würde einschätzen können, wenn er sah, wie sie dachte. „Kennt Ihr die Regeln? Möchtet Ihr eine Runde gegen mich wagen? Ich habe selten Gegner und bin deswegen sicherlich ein wenig eingerostet, wenn Euch das nicht stört.“
    • Emilios
      Der Prinz biss sich auf die Unterlippe, als er die harschen Worte des Fremden hörte. Was für seelische Qualen musste er erlitten haben, dass er nun so verbittert war. Immer wieder sah er zu ihm auf und dabei sollte er vor Angst erzittern. Der Dunkelhaarige war im Vergleich zu ihm ein Riese. Mit bloßen Händen könnte er seinem Leben ein Ende setzten. Doch war es keine Angst, die Emilios fast schon zum erzittern brachte und sein Herz bis zum Hals schlagen ließ. Merkwürdigerweise war er von diesem Mann sehr fasziniert. Auch wenn seine Erscheinung nicht gerade die schönste war, mit all den Narben am Körper und der tiefen Falte zwischen seinen buschigen Augenbrauen, so hatte der Prinz schon immer die Ansicht gehabt, dass wahre Schönheit von Innen kam. Und dieser Mann hier war innerlich wie ein Vulkan, aufbrausend, hitzig und wild. Aber wenn er die Spieldose betrachtete, musste da einfach noch mehr sein, was in seinem Innersten schlummerte. Emilios wurde ganz rot im Gesicht, als der Fremde ihn als makelloses Geschöpf beschrieb. Er selber hatte sich nie als solches empfunden. Was nützte ihm all die Schönheit, wenn er nicht sein durfte wie er war? Er zuckte zusammen, als der Fremde erneut ihm die Spieluhr aus der Hand nahm und sie vor sein Gesicht hielt. Es war wie eine Drohgebärde, doch auch hier empfand der Prinz keine Furcht, war es eher Mitgefühl für den braungebrannten Mann, der auch sich selbst als Makel wahrnahm. Genau wie er selbst, aber aus komplett unterschiedlichen Gründen. Als der Fremde sich neben ihm auf sein Bett fallen ließ, wurde Emilios durch den Schwung etwas von diesem hochgeworfen und landete, dadurch noch näher bei dem Mann. Sie berührten sich nicht, doch konnte er die Hitze auf seiner Haut vernehmen, die der Dunkelhaarige ausstrahlte. Der Blonde schwieg noch einen Moment, ehe er seine Stimme zaghaft erhob. "Nun, du sagst du lässt es nicht gelten, dass ich mich zu Männern hinzugezogen fühle. Aber was ist mit meinen Narben an den Armen?" fing der Prinz leise an, wurde aber immer kräftiger in seiner Stimme. Er löste die Bandagen von seinen Handgelenken, die noch rötliche Striemen an den Innenseiten zeigten. Kreuz und quer konnte man frische Wunden wie auch alte blasse Narben erkennen, die in wirren Kreuzen übereinander lagen. "Vielleicht habe ich eine schöne Hülle, doch innerlich bin verabscheuungswürdig. Ich habe nicht die Courage mich gegen meine Eltern aufzulehnen. Ich konnte es nicht verhindern, dass sie meinen Geliebten zu Tode prügeln lassen, so weit, bis ich ihn nicht mehr erkennen konnte." War es inzwischen Emilios der etwas lauter wurde. Dabei rannen heiße Tränen der Wut und Scham über seine Wangen. "Ich bin ein Feigling. Zu feige um für mich selbst einzustehen oder mir endgültig das Leben zu nehmen. Lieber suhle ich mich in meinem Selbstmitleid und bedauere mein erbärmliches Ich. Und sag jetzt nicht, dass solch ein schrecklicher Charakterzug kein Makel ist! Denn deine Spieluhr ist von Außen auch perfekt und birgt die Unvollkommenheit in seinem Inneren!" Wie ein stummer Zeuge hielt der Blonde die goldene Dose dem Mann entgegen und sah ihn mit seinen tränenden Augen entgegen. Allein dieser Anblick, eines verheulten und verwöhnten Bürschchens, müsste doch auch unansehnlich sein. Zum ersten Mal hatte der Prinz seine tiefsten Gedanken und Gefühle preisgegeben, seinen brennenden Selbsthass.

      Athene
      Während Athene sprach, beobachtete sie die Reaktion des jungen Generals, doch seine Miene war wie steinern. Sie konnte keine einzige Regung erkennen, nicht ein Mal ein verräterisches Zucken mit den Augen. Und dann sah er sie nach ihrer Ausführung nur lange an, als wollte nun er sie lesen. Doch auch Athene glich mehr einer Salzsäule und zuckte mit keinem einzigen Muskel. Um so überraschter war sie, als Theodorus sie zu einer Partie Tavli einlud. Die Göttin hatte nichts zu verlieren und legte ihre Rüstung kurzerhand einfach ab, damit sie es bequem auf dem Stuhl hatte. Elegant schritt sie an dem Soldaten vorbei und ließ sich auf dem Platz ihm gegenüber nieder. Ihr weißes Gewandt lag wie hauch feine Seide auf ihrem Körper, dass man mit etwas Vorstellungskraft erahnen konnte, wie es darunter aussah. "Ich kenne die Regeln und seit gewarnt, es ist schon Ewigkeiten her, dass ich eine Runde verloren habe." sprach sie den Dunkelhaarigen mit einem dünnen Lächeln auf den Lippen an und verteilte die Spielsteine ordnungsgemäß auf dem Brett. Auch sie hatte schon lange nicht mehr die Gelegenheit gehabt, dieses Spiel zu spielen. Lag es einfach daran, dass keiner ihrer Geschwister es gerne spielten oder dass sie immer eh immer alle Partien gewann. "Da Ihr mich eingeladen habt, wähle ich die Farbe. Und nein, es stört mich nicht." ließ sie ihn wissen und tippt auf den weißen Spielstein, dass er nun die roten hatte. Sie entdeckte auch gleich zwei verschiedene Paare Würfel. Das eine war von der Größe und den Farben recht normal, doch das andere sah größer aus und die Farben der Augen stachen besonders hervor. "Ich hoffe, diese sind nicht gezinkt." wollte sie vom General wissen und ließ ihren Blick auf ihm ruhen.
      "Vergessen ist wie eine Wunde. Es mag zwar verheilen, aber dabei wird es eine Narbe hinterlassen."
      Monkey D. Ruffy


      Quelle
    • Hephaistos
      Der aufbrausende Gott wollte sich bereits empören, als der junge Prinz Narben ansprach. Doch dann demonstrierte er sie ihm und der grobschlächtige Schmied brauchte einen langen Moment, um zu begreifen, was das für Wunden gewesen sind. „Das-…!“, fing er aufbrausend an, unterbrach sich aber selbst und ließ den Blonden deswegen aussprechen und atmete mit zusammengepressten Lippen laut aus. Der Mann brauchte das. Diesen Moment. Diesen Ausbruch. Das verstand selbst ein Mann wie Hephaistos. Ergeben ließ er den Blick auf die Arme von Emilios sinken. Er hob eine Hand und ließ seine Finger über die sanfte Haut und deren Unebenheiten fahren. Er behandelte Emilios wie die zerbrechlichsten seiner Stücke. Hephaistos konnte sich lebhaft vorstellen welche Male es geben würde, wenn er falsch damit umging und war deswegen umso vorsichtiger. „Fein“, brummte der große Mann und schnaubte leicht. „Du bist ein Feigling. Das liegt aber in der Natur der Menschen. Mach so etwas nicht!“ Er tippte dem Prinzen aufs Handgelenk.
      „Du konntest bei deinem Geliebten wenig tun, ohne am selben Strick zu landen. Es ist passiert und du sollst ihn nicht vergessen. Aber du kannst kein Lebe ehren, indem du dein eigenes wegschmeißt.“ Hephaistos nahm sich wieder die Spieluhr. „Wer soll dieses Ding lieben, wenn du nicht mehr bist. Diese Spieluhr - so sehr es meinen Stolz kränkt - ist das letzte, was die Erinnerung an diesen Mann auf der Erde hält und du.“ Er drückte sie Emilios demonstrativ in die Hände. „Bist sein Hohepriester. Sei ein guter Mensch und gebe deinem Dasein einen Sinn darin. Mache das, wozu die Menschen überhaupt am leben sind; lebe. Erinnere. Und fühle. Niemand kann es deiner Stelle machen. Niemand kann es besser oder korrekter machen. Auch wenn du nicht vollkommen bist. Du kannst es immer noch werden, indem du einfach nur bist. Und sowas nicht mehr machst!“, ergänzte er zum Schluss wieder etwas lauter und erhob sich von dem Bett des Mannes.
      Er zeigte auf ihn. „Ich komme wieder. Du darfst deine Spieluhr behalten. Aber du bekommst von mir noch etwas anderes… Ich werde für diesen Mann, für deine Gefühle und euer gemeinsames Leben ein Ehrenmal erstellen und wenn du es wegschmeißt gibt es Ärger mit mir.“ Er drehte sich zum Ausgang des Zeltes und machte noch einmal Halt. „Dann bekommst du Ärger mit Hephaistos. Vergiss es nicht. Du hast davon gesprochen den Namen in Ehren halten zu wollen. Du weißt was du dafür tun musst, um dieses Versprechen einzuhalten.“ Damit ging Hephaistos mit schnellen Schritten davon. Er stampfte. Das war alles doch ein Scherz. Hephaistos kam damit nicht zurecht. Mit der ganzen Thematik nicht. Wie sollte er schon einen schwulen trösten? Und dann auch noch vor dem Selbstmord irgendwie bewahren? Er hatte ja keine Ahnung wie sehr Hephaistos sich gewünscht hatte sterben zu können. Was für ein Elend die Unendlichkeit barg, wenn man eine Missgeburt gewesen ist. Der Schmied ahnte, dass Emilios seine Vorlieben als Missbildung betrachtete. Doch das ist es nicht gewesen. Er konnte doch wohl nicht der einzige sein, der klar genug denken konnte um das zu verstehen. Mit einem Mal blieb der Mann stehen und schlug seine Faust mit aller Wucht durch einen Baum hindurch. Seine Gedanken schlugen Purzelbäume.

      Theodorus
      Die Frau brachte ihn doch tatsächlich zum Lachen. Sie war nicht nur sehr überzeugt von sich selbst, sondern auch scharfzüngig sondergleichen. Ihre Auffassungsgabe sprach für sich. Der General befürwortete es dennoch, dass sie ihre Rüstung abnahm und sich der schützenden Panzerung entledigte. Es unterstrich seine Entscheidung ihr für den Moment zu vertrauen. Schließlich war Theodorus ihr nun auch schutzlos gegenüber. Naja, so schutzlos wie jemand mit seiner Kampferfahrung sein konnte. Sie wählte die Figuren und sprach seine Würfel an, was ihm erneut ein Lachen entlockte. „Nein, mache dir keine Sorgen, sie sind nicht gezinkt. So leid es mir tut, ich bin nicht bereit dir die Genugtuung zu gönnen in irgendeiner Form betrügen zu müssen.“ Theodorus zeigte ein Grinsen und sie begannen das Spiel.
      Keiner von ihnen schien es sonderlich eilig zu haben. Während die ersten Figuren sich relativ schnell bewegten, begriff Theodorus schnell, dass Michael eine gute Taktik hatte und somit selbst eine bessere brauchte. Die Züge zogen sich in die Länge, die flachen Scheiben bewegten sich seltener und es war Theodorus klar, dass der wahre Kampf nicht die Züge gewesen ist, die sie beide machten, sondern die sie nicht machten. Immer, wenn Theodorus eine Idee kam, erkannte er, dass sein Gegenüber die Idee auch erkannte und er musste sich etwas neues überlegen. Die halbe Nacht strich vorbei, als sie beide sich ins Unentschieden spielten. Sie beide sind nicht mehr in der Lage gewesen irgendeine der Figuren zu bewegen.
      Aufatmend, als hätte er eben ein schweres Training vollzogen, lehnte der General sich zurück. Schweiß stand auf seine Stirn und mit einem seligen und erfüllten Lächeln legte er seinen Kopf in den Nacken. „Michael, ich weiß nicht wer Ihr wirklich seid. Oder woher Ihr kommt. Doch ist das wirklich ein wahrer Genuss gewesen. Es war mir eine Freude und ich hoffe doch sehr, dass dieses Unentschieden nur bedeutet, dass wir uns ein weiteres Mal werden zusammen setzen müssen.“, erhob der Brünette sich und hielt der Frau die Hand hin. „Seid bitte mein Gast. Ich lasse gerne ein Lager für Euch vorbereiten. Oder möchtet Ihr genauso geheimnisvoll wieder verschwinden, wie Ihr aufgetaucht seid?“
    • Emilios
      Nach Emilios Gefühlsausbruch verstummter er wieder und legte seine Arme locker in den Schoß. Da spürte er die sanfte Berührung des Fremden. Federleicht, fast schon weniger als ein Lufthauch, fuhren seine Finger über seine Unterarme, zeichneten die vielen Kerben in seiner Haut nach. Verwundert sah der Prinz wieder auf, in das nachdenkliche Gesicht des dunkelhaarigen Mannes und dabei durchfuhr ihn ein angenehmes Gefühl, als würde er an einem wärmenden Lagerfeuer sitzen, nach dem er aus der Kälte kam. Die Worte des Fremden trafen ihn mitten ins Herz, als würde er ein Schleier vertreiben, der seine Sicht auf das wichtigste vernebelt hatte. Er hatte recht, Emilios war der einzige, der seinen Geliebten noch im Herzen trug und so durch seine Erinnerungen und Gefühle, ihn irgendwie noch existieren ließ. Mit seinen hellen Augen folgte er der Spieluhr, die der Mann wieder kurz an sich nahm und dann fast schon wie ein Heiligtum in seine Hände legte. Die Ansprache des Dunkelhaarigen bewirkte bei Emilios, dass ein kleiner Funke Hoffnung in ihm wieder aufkeimte. Ganz klein glühte sie vor sich hin, so fragil wie er selbst, und immer der Gefahr ausgesetzt, wieder zu erlöschen. "Ein Ehrenmal?" Fassungslos starrte er den mächtigen Mann an, der ihm aber so viel Mitgefühl entgegengebracht hatte. Sobald er aufgestanden war, wurde es Emilios wieder etwas kälter. Hastig rieb er mit seinem Arm die letzten Tränen von seinem Antlitz und stand auf, dem Fremden ein paar Schritte folgend. "Ich verspreche es, dir und meinem Ankyros, dass ich euch beide zu ehren in meinem Herzen tragen werde." versicherte der Prinz, die Spieluhr an seine Brust gedrückte. Da war der Fremde wieder verschwunden und der Blonde setzte sich wieder auf sein Bett. "Danke, Hephaistos für dein Feuer, dessen Licht etwas meiner Dunkelheit vertreiben hat." flüsterte der junge Mann vor sich hin. Der Gott konnte ja nicht ahnen, wie viel seine Worte und vor allem seine Aufforderung an Emilios zu leben, ihm bedeuteten. Der kleine Funke Hoffnung in ihm war nun zu einem Flämmchen herangewachsen und mit diesem Gefühl legte sich der Prinz wieder in sein Bett, die Spieluhr immer noch an seiner Seite.

      Athene
      Sobald die ersten Würfel fielen, merkte auch Athene, dass der General die Wahrheit sagte. Während der Partie, die sich weit in die Nacht hinein zog, blickte die Göttin dem Mann immer wieder mal in die Augen. Sie erkannte den leichten trüben Schleier, der auf seiner dunklen Iris lag und verstehend nickte sie ganz leicht. Sie sprach sein Leiden nicht an, schien sich Theodorus damit gut arrangiert zu haben und es beeindruckte sie doch sehr, dass er mit einem begrenzten Augenlicht dennoch zum General aufsteigen konnte. Hinzu kam, dass er wirklich ein guter Stratege war. Jeder ihrer Züge, die sie in weiter Voraussicht geplant hatte, vereitelte er. Sie spielten schweigend, in Gedanken und gemächlich. Die Steine bewegten sich nur langsam voran und mitten in der Nacht wurde das Spiel mit einem Patt zwischen ihnen beendet. Ihre Ellenbogen waren auf dem Tisch aufgestellt und die Finger ihrer Hände verwoben, dass sie ihr Kinn darauf stützen konnte. Ihr wacher Blick schweifte von dem Brett, auf dem sie wirklich keinen einzigen Zug erkennen konnte, zu dem General, der ihre Partie doch sehr genossen hatte. Und auch sie hatte Spaß an der Herausforderung, dass ein kleines Schmunzeln sich auf ihre Lippen legte. "Ihr seid ein ebenbürtiger Gegner und zu einer Revanche würde ich nicht nein sagen." sprach sie ihr Gegenüber respektvoll an und nahm seine Hand kurz in ihre. "Eure Einladung ehrt mich sehr. Doch allzu lange kann ich hier nicht verweilen." erklärte Athene und erhob sich wieder. "Wärt Ihr so freundlich, mir beim Anlegen meiner Rüstung etwas zu helfen?" fragte sie dann Theodorus und hob schon mal ihre Brustrüstung auf. Natürlich könnte sie die Schlaufen an Schultern und Taille selber zu binden, doch wollte sie mit dieser Bitte ihr Vertrauen in den Mann vermitteln. Sie hielt ihren Harnisch an ihren Körper und lehnte ihren Kopf etwas zu Seite, damit ihr Haar nicht im Weg war. "Daher muss ich wieder, wie Ihr sagt, geheimnisvoll verschwinden."
      "Vergessen ist wie eine Wunde. Es mag zwar verheilen, aber dabei wird es eine Narbe hinterlassen."
      Monkey D. Ruffy


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    • Hephaistos
      Nein, der Schmied ahnte wirklich nicht wie tief seine Worte den Prinzen berührt haben. Doch er spürte eine andere Auswirkung dessen. Sein Körper fühlte sich massiv an, robust. Als er hinab sah auf seine Hände, spürte er deutlich den Widerstand der sterblichen Welt. Die Atmosphäre, den Wind, die Temperatur. Sein Körper verfestigte sich unter dem Glauben, den Emilios gefunden hat. Genervt legte Hephaistos den Kopf in den Nacken und fuhr sich mit beiden Händen durch die Haare. Er hatte einen neuen Anhänger. Und dann auch noch einer, der seien wahren Namen kannte. Wenn der Schmied nicht aufpasste, würde er damit noch was großes lostreten, von dem er nicht ahnte wie das ausgehen würde.
      „Wie schön für dich.“ Hephaistos wirbelte herum und erblickte Hermes, der sich vor seinen Augen manifestierte, die Arme vor der Brust verschränkt. „Wie schön für jeden von euch! Apollon feiert ausgelassen mit meiner Priesterin, Athene freundet sich über einem dummen Spiel mit dem General an und du schnappst dir ausgerechnet von allen den schwächlichen Prinzen, den ich nun schon so lange versuche zu bearbeiten und meine Zwecke zu gewinnen! Ich wusste gar nicht, dass du zu der hinterhältigen Sorte gehörst, Hephaistos.“ Der Schmied brummte in sich hinein. „Lass mich in Frieden. Ich habe nichts mit Absicht gemacht. Wenn du ihn für dich hättest gewinnen wollen, hättest du mit ihm sprechen sollen. Es ist nicht gerade so, als wäre er Hilfe nicht aufgeschossen gegenüber.“ Der weiß-haarige Mann zog entsetzt eine Augenbraue in die Höhe.
      „Habe ich mich gerade verhört?! Du wirst doch wohl keinen Beschützerinstinkt gegenüber dieses Menschleins entwickeln? Hephaistos! Mach dich nicht lächerlich. Ich wusste ja immer, dass du nicht gerade zu der intelligenten Sorte gehörst, doch das schlägt dem Fass doch wohl den Boden aus. Da wäre es mir beinahe lieber du wärst einfach nur ein hinterhältiger Bengel.“ - „Für den Anführer eines Kultes, in dem es um das Schweigen geht, redest du ganz schön viel.“ Damit verschwand der Schmied einfach wortlos im Olymp und zog unbewusst Apollon mit sich.

      Theodorus
      Die Fremde konnte nicht bleiben. Das hatte er erwartet. Nichts, an seiner Begegnung mit ihr ließ den Trugschluss zu, dass sie sich gerne in die Karten schauen ließ. Doch ihre Bitte überraschte ihn dann doch ein wenig. Ihm entwich ein kurzes Lachen und er schüttelte ergeben den Kopf. „Es wäre mir eine Ehre, Teuerste.“ Er ging auf sie zu und begann damit sie in ihre Rüstung zu schnallen. „Dabei muss ich zu meiner Schande gestehen, dass ich bisher noch nicht in den Genuss kam einer Frau in ihre Rüstung zu helfen.“ Der General betrachtete sie von oben. Sie war zart, durch und durch eine Frau und die Rüstung schmiegte sich perfekt um ihren Leib. „Ich habe nicht gewusst, dass es Schmiede gibt, die solche Arbeit für das schöne Geschlecht verrichten können. Ich traf einmal auf eine Soldatin in einem anderen Heer. Was man ihr zu Tragen gegeben hat ist lächerlich gewesen. Eine Männerrüstung; an manchen Stellen zu klein und an anderen zu groß.“
      Theodorus entfernte sich einen Schritt und verschränkte die Arme vor der Brust. „Wenn ich so darüber nachdenke. Ich habe ihr lieber zu einem Kettenhemd geraten, in dem sie sich besser bewegen kann und den Harnisch sollte sie am besten verkaufen. Sollte ich noch einmal auf sie treffen, werde ich ihr von euch erzählen.“
    • Apollon
      Der Gott der Musik und der Kunst amüsierte sich gerade köstlich noch mit den Soldaten, musizierte mit ihnen und trank Wein. Sie glaubten alle, er sei einer von ihnen und gerade als er zu einem neuen Lied anstimmen wollte, mit seiner Doppelflöte, saß er plötzlich im Olymp. Vor lauter Verwunderung gab er einen recht schiefen Ton von sich, dass er selbst zusammen zuckte. "Was zum...? He, Hephaistos, kannst du mir wenigstens beim nächsten Mal Bescheid geben, wenn du wieder gehst, damit ich vor den Menschen nicht einfach wie ein Geist verschwinde." sprach er seinen Bruder an und legte sein Instrument beiseite. Zum Glück war so viel Alkohol geflossen, dass die Soldaten sich hoffentlich nicht so sehr an die letzten Minuten erinnerten. "Aber sag, konntest du diese Spieluhr jetzt wenigstens reparieren?" erkundigte er sich auch mit etwas Neugier und legte sich aufs Sofa. "Ich muss jedenfalls noch ein mal zurück. Dort gibt es eine interessante Ärztin, die eine schützende und leitende Hand verdient hat." erinnerte er sich an die Brünette zurück. Vielleicht würde er es schaffen durch sie einen Anhänger zu gewinnen.

      Leandra
      Die Priesterin hatte sich schon vorher verabschiedet und bekam gar nicht das plötzliche Verschwinden des Aulets mit. Sie war nicht zurück zu ihrem Zelt gelaufen, was wohl auch damit zu tun hatte, dass sie es nicht wiederfand. Doch vor allem wollte sie an einem ruhigeren Ort den endlosen Sternenhimmel betrachten. Dabei betete sie zu Gabriel, dass er ihr verzieh, dass sie seinen Glauben noch nicht ganz unter den Soldaten verbreiten konnte. Eigentlich wusste sie auch gar nicht genau, wie er das meinte. Denn wirklich erzählen, konnte sie ja nicht von ihrem Schutzpatron. Daher war Leandra manchmal etwas unsicher, wie sie es schaffen sollte, Gabriels Botschaft zu verkünden. Und diese kannte sie selber nicht ganz. Ging es darum, dass man sich viel Wissen aneignen sollte und ihm sie darbrachte? Die Priesterin schüttelte den Kopf, sie sollte lieber an ihren Herren glauben und seine Wege nicht anzweifeln. Er war bisher immer für sie da gewesen. Vielleicht half er ihr ja auch wieder ihr Zelt zu finden.

      Athene
      Der General half ihr wie erwartet in die Rüstung, kam er doch bestimmt aus gutem Hause. Jedes Mal, wenn seine Finger ihre Haut streiften, durchzuckte es Athene wie von Zeus Blitz getroffen. Sie ließ sich das natürlich nicht anmerken, doch hatte die Weißhaarige das Gefühl, dass nicht nur die Vorliebe für Tavli sie mit Theodorus verband. Ein weiterer Besuch war also gewiss. "So, so. Aber vielleicht half er ja schon einigen aus der Rüstung heraus..." musste die Göttin unweigerlich bei seinen Worten denken. Der General war ein attraktiver Mann und Heerführer waren begehrte Ehemänner, da sie Rum und Reichtum dem Familiennamen brachten. Doch sie interessierte sich nicht für Äußerlichkeiten. Wichtiger war seine Fähigkeit als Anführer und Stratege. Nur wer darin glänzte, konnte Athene beeindrucken und Theodorus hatte schon eine gute erste Impression bei ihr hinterlassen. "Nun, ich kenne den besten Schmied ganz Griechenlands. Für ihn ist es ein leichtes eine Rüstung zu erschaffen, die man tragen kann wie eine zweite Haut." schmunzelte sie und ließ ihr Kompliment auch Hephaistos zukommen. "Das war ein guter Rat und es wäre mir eine Freude, wenn Ihr von mir erzählt." nickte sie leicht. Vielleicht war das der richtige Weg, um wieder Anhänger um Athene zu scharen. "Ich werde wieder vorbeikommen. Doch Zeit und Tag sind selbst mir noch unbekannt." sprach sie dann zu dem Brünetten. "Doch solltet Ihr mich vergessen, wird es mir nicht mehr möglich sein Euch wiederzufinden." verriet sie dem General geheimnisvoll und trat auf den Ausgang des Zeltes zu. Sie schlug schon den Stoff um, dass ihre Erscheinung schon im halbdunklen lag. "Passt auf Euch auf, Theodorus, damit wir eine weitere Partie Tavli spielen können." verabschiedete sich die Göttin und ließ den Stoff hinter sich wieder zufallen, nur um im nächsten Augenblick ganz zu verschwinden. Im nächsten Augenblick stand sie auch schon wieder auf dem Olymp und setzte sich nachdenklich auf eines der Liegen bestehend aus Wolken. Sie musste ihre nächsten Schritte gut planen.
      "Vergessen ist wie eine Wunde. Es mag zwar verheilen, aber dabei wird es eine Narbe hinterlassen."
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    • Hephaistos
      Der große Mann wendete sich zu seinem Bruder um. Die Überraschung stand in seinen Augen. Er hatte Apollon komplett vergessen. „Entschuldige, ich habe nicht mehr daran gedacht, dass du ja an mir festhin-…“ Mitten im Satz verstummte er und es war fast so, als würden seine Ohren aufzucken, als er diese kleine Nachricht von Athene bekam. Knurrend konnte er spüren wie sein Gesicht zu brennen begann. „Verfluchte…“ Unzufrieden fuhr er sich durch das Gesicht. Er war wirklich erledigt. Schwer ausatmend schüttelte er den Kopf. „Nein, ich durfte nicht. Der Junge wollte die Spieluhr nicht verändern. Aber ich habe mich mit ihm darauf geeinigt, dass ich einen anderen Auftrag für ihn übernehme. Sowas wie… ich weiß nicht, ich brauche das. Daher stört es mich nicht, wenn wir öfter da runter gehen.“
      Bestätigte der Schmied ihm und machte sie auf den Weg, um alles zusammen zu sammeln für sein neuestes Werk, so lange er noch Inspiration dafür hatte. Das Bild seiner Narben ging ihm nicht mehr aus dem Kopf. Hephaistos wollte das verewigen. Es fühlte sich fast an, als wäre es seine Pflicht.

      Hera
      Die Kinder waren über alle Winde verstreut und doch waren sie alle zusammen. Am Ende des Tages waren sie eben doch eine Familie, wenn auch eine kaputte. Hera lag auf einem Sofa und schaute in einen kleinen Teich unter ihre Finger glitten über das Wasser. Sie sah die Reflexion der tanzenden und feiernden Soldaten, sie erhaschte einen Blick auf Athene in dem Zelt des Generals und auch Hephaistos, der dem Prinzen Trost spendete. Ihre Finger glitten durch das Bild und sie schaute sich einige der Menschen an. Sie waren fröhlich. Doch wer ihr Augenmerk besonders erregte war das junge Mädchen. Die Priesterin. Selbst in der Dunkelheit konnte Hera sehen, wie sie strahlt.
      Ihre Lebensfreude übersteigt beinahe die aller Männer zusammen. Interessiert folgte Hera ihr. Es war eine von den Bräuten, die Hermes sich geschnappt hat. Ein wunderschönes Ding. Und so unglaublich abenteuerlustig. „Was für eine Verschwendung sie an diesen tristen Kult zu verlieren“, seufzte die Göttermutter und entsandte dem jungen Ding ein kleines Zeichen ihrer Gunst.
      Sie schickte ihr einen farbenfrohen, prächtigen Kuckuck, der sich bei Sonnenaufgang direkt vor ihre Füße setzte. Mit aufmerksamen Augen betrachtete er die Frau und erwartete ihre Reaktion. Das Vögelchen neigte den Kopf erst auf die eine Seite. Dann auf die andere. Er piepte sie ein wenig an und flatterte mit den Flügeln, um ihr zu gefallen und sprang in kleinen Schrittchen noch ein wenig näher auf sie zu, bis er sanft in ihre Hand picken konnte.

      Theodorus
      Was für eine mysteriöse Frau. Ihre letzten Worte entlockten ihm ein breites Grinsen. „Fürchtet Euch darum nicht, Teuerste. Ihr habt sichergestellt, dass ich auch noch an meinem Sterbebett der Erinnerung an Euch nachjagen werde.“ Er schüttelte den Kopf und entledigte sich nun endlich seines Hemdes und fiel erschöpft in sein Schlaflager. Was für interessante Gäste sein Heer doch beherbergte. Zunächst ein Prinz in Begleitung einer Priesterin und dann auch noch ein Erzengel. Der Gedanke ist ihm nur sehr flüchtig gekommen. Und er drohte bereits wegzudämmern, als er plötzlich wieder mit aufgerissenen Augen hochschreckte. Moment. Ein Engel, der nach de Ankunft der Priesterin auftauchte? War das ganze vielleicht gar kein Streich seiner Gegner, sondern schlichte religiöse Propaganda?
      Was für hervorragende Geschichten ließen sich damit erzählen. Theodorus wird nach ihr suchen lassen. Und wenn er ganz Athen absuchen lassen muss. Irgendwie wird er diese sonderbare Dame schon noch wiederfinden. Und vielleicht verrät sie ihm ja gegen eine gewonnene Partie ihr Geheimnis. Er dachte noch lange über sie nach. Vor seinem inneren Auge spielte sich fortwährend ab, was er beobachtet hat. Wie ihre langen, hellen Wimpern einen Schatten auf ihre wachen Augen warfen, wenn sie sich konzentrierte. Wie erhaben sich ihre Hände und Finger bewegt haben, als sie die Spielsteine hochnahm, als würde sie ihr Leben wertschätzen, bevor sie den Zug machte. Jede ihrer Bewegungen, jede Minute mit dieser Frau wirkte wie ein offenbarendes Buch und Theodorus fühlte sich in Geist und Verstand so wohlgenährt und gesättigt wie noch nie zuvor in seinem Leben. „Bemerkenswert“, fiel es ihm noch von den Lippen, bevor er in einen tiefen Schlaf sank.

      Chriseis
      Entgegen ihres Willens, genoss auch Chriseis einen tiefen, wenn auch sehr kurzen Schlaf. Ihr Tatendrang riss sie zurück in die Wirklichkeit und sie hatte kaum richtig die Augen eröffnet, da stand sie bereits auf den Beinen, erledigte ihre morgendliche Wäsche und stieg in ihre Kleidung. Die Worte dieses sonderbaren Mannes waren ihr nicht aus dem Kopf gegangen und ließen ihr keine Ruhe. Die ganze Nacht hat Chriseis über versucht dem nachzugehen, seinen Kopf abzutasten oder dergleichen, aber immer, wenn sie ihm zu nah kam, wurde sie von einer schrecklichen Müdigkeit übermannt, dass sie beinahe zusammenbrach. Doch heute nicht.
      Es war kaum die Sonne aufgegangen, da trat sie auch schon aus ihrem Zelt und stolperte beinahe über eine der Nachtwachen. „Chriseis, guten Morgen“, grüßte der Mann sie regelrecht überschwänglich. Verwirrt blinzelte sie zu dem Soldaten rauf. „Bitte entschuldige, dass ich dich so überfalle. Aber die Priesterin…“ Chriseis Magen drehte sich herum und sie schluckte. „Was ist mit ihr?“ - „Sie sitzt dort oben allein auf dem Hügel. Und die Sonne ist schon aufgegangen. Wir sind uns nicht sicher, ob es uns erlaubt ist sie anzusprechen und in ihr Zelt zu bringen. Könntest du das vielleicht…“
      „Nein“, sagte die Frau schroff. „Ich habe noch zu tun. Ich habe einen Patienten, um den ich mich kümmern muss. Sie ist kein kleines Kind. Lasst sie da sitzen, wenn es ihr Wunsch ist. Sie ist ja schließlich keine Gefangene. Vielleicht betet sie ja auch, was weiß ich! Lasst sie jedenfalls. Wenn sie etwas braucht, dann bringt sie einfach zu mir ins Lazarett.“ Damit stapfte die Brünette davon. Das würde nicht passieren. Nicht als erste Tat des Tages. Das schaffte Chriseis nicht. Stattdessen ging sie direkt zu ihrem schlafenden Patienten und bereitete alles sorgsam vor, wie der Fremde es ihr geraten hat. Vorsichtig begann sie ihm sein Haar zu schneiden und rasierte sein Haupt. Die Locken des Mannes fielen zu Boden, eine nach der anderen, als Chriseis plötzlich etwas entdeckte. Die Augen zusammenkneifend betrachtete sie das genauer und schnappte sich ein Vergrößerungsglas. „Was bist du denn…?“, murmelte sie mehr zu sich selbst und fuhr sacht mit ihrem Finger darüber und zuckte sacht zusammen.
      „Um Himmels Willen! Der Mann hat einen Pfeilsplitter im Kopf!“, rief sie aus und bettete den Mann achtsam wieder ein, bevor sie regelrecht aus dem Zelt stürzte. „Doktor! Herr!“, schrie sie durch das ganze Lager, auf die frühe Stunde nichts gebend, woraufhin sie auch hier und da gequältes Gemurmel erhielt von betrunkenen Soldaten. Die Frau sprang einfach in das Zelt ihres Mentors und schüttelte ihn. „Herr! Wacht auf! Wir müssen operieren!“ - „Was? Was? Chriseis? So beruhige dich doch, was ist geschehen?“ Der alte Mann kam kaum zu seinen Sinnen und setzte sich schnell seine Brille auf die Nase, das Gesicht stellte noch Zeugnis der langen Nacht und seiner Erschöpfung. „Der Soldat, der nicht wach wurde. Ich habe seinen Kopf geschoren und er hat einen Pfeilsplitter im Kopf. Er ist sehr fein, mit den bloßen Händen ist er kaum zu erfühlen, wenn man nicht genau danach sucht. Wir müssen operieren!“
      „Du meine Güte! Ich ziehe mich an, bereite alles vor! Donnerwetter noch eins, ist dir das etwa im Traum erschienen?“ Chriseis riss bereits den Mund auf und schnappte nach Luft, um zu antworten als sie inne hielt. Wäre das so unwahrscheinlich gewesen. Das Mädchen blinzelte und ahnte plötzlich selbst nicht mehr so recht, ob das denn wirklich passiert ist. Ein sonderbarer Mann, der das Zelt betrat und ihr einfach so diesen Hinweis gab, obwohl das niemand wissen konnte? Sie presste die Lippen aufeinander und zuckte die Schultern. „Ich hatte es… irgendwie im Gefühl…“
    • Up in the Clouds

      Ein kleines Lächeln umspielte Apollons Lippen, als er seinem Bruder zuhörte. "Hephaistos, diese zarte Seite kenne ich ja gar nicht von dir." zog der gutaussehende Gott ihn etwas auf. Er hätte niemals damit gerechnet, dass der Schmied ein imperfektes Stück seiner Selbst einem Menschlein überließ. "Mir soll das nur recht sein. Ich würde dich dann gerne wieder begleiten, wenn du erneut in dieses Lager zurückkehren würdest." ließ er den Dunkelhaarigen wissen. "Oha, und Athene ist auch wieder hier. Du warst doch auch in diesem Lager? Nicht wahr. Jedenfalls habe ich deine Präsenz wahrgenommen." sprach Apollon die Weißhaarige an. "Hhmm. Ja, kann gut sein." gab die Kriegerin in Gedanken von sich, hatte auch sie die Gegenwart ihrer Geschwister gespürt. Doch momentan geisterten die Worte des Generals in ihrem Kopf herum. "Bis zu seinem Tode..." Er war der erste Mensch, der nach diesen vielen Jahren an sie glaubte, wenn man das so nenn konnte. Für sie stand fest, dass sie über ihn wachen würde und wenn es sein musste auch für ihn kämpfte.
      Plötzlich zuckte Apollon kurz auf, empfing er ein kurzes Bild von der Ärztin, die seinem Rat gefolgt war und nun die Möglichkeit hatte, den verwundeten Soldaten zu kurieren. Es würde auf sie noch ein waches Auge haben, gefiel es dem Gott, dass eine Frau sich in die Geschicke eines Mediziners vortraute und all die Herausforderungen annahm. So etwas sollte seiner Ansicht nach belohnt werden.
      Unweit von den drei Göttern tauchte aus dem Nichts Zeus auf. Er stand hinter Hera, die auf einem Sofa lag und in einen Teich blickte, der ein Feinster zur Menschenwelt schien. In dieser neuen Situation, hatte der Göttervater beschlossen, sich etwas zurückzunehmen und sich nicht so sehr in die Belange der Menschen einzumischen. Das hatte er schon mal getan und es ist nicht immer etwas gute dabei herausgekommen. Daher überließ er das jetzt den anderen. Sie waren älter als die Zeit, da mussten sie doch wenigstens ein paar wichtige Erfahrungen gesammelt haben. Vorsichtig setzte sich Zeus neben seine Gemahlin und sah ihr über die Schulter in das Wasser. Sanft strich er mit seinen Fingern über ihren Rücken. Zwar waren sie Mann und Frau, doch ihre Beziehung war schon immer etwas kompliziert gewesen. Dennoch liebte er sie. "Hast du etwas Spannendes auf der Erde entdeckt?" fragte er mit seinem tiefen Bass sie leise und tastete sich so, langsam und behutsam an sie heran.

      Down on earth

      Leandra war so begeister von allem hier gewesen, dass sie bis zum Morgengrauen aufgeblieben war. Gerade als sie wieder gehen wollte, war es wirklich Zeit für sie endlich etwas Schlaf zu finden, landete ein Vogel unweit vor ihren Füßen. "Na du." grüßte sie das Tierchen und ging langsam in die Hocke. Sie sprach oft in Gedanken aus, was sie eigentlich sagen wollte. Der Kuckuck hüpfte Stück für Stück auf sie zu, als ob er keine Angst vor ihr hätte. "Wie niedlich er sein Köpfchen bewegt." Vorsichtig streckte die Blonde ihre offene Hand aus und tatsächlich wagte es der Vogel hineinzuspringen. Langsam richtete sie sich mit dem Tier in ihrer Hand auf und nahm ihn auf einen ihrer Finger. "Hat dich mein Herr geschickt?" fragte sie stumm und lief langsam zurück zum Lager. Die Soldaten sahen die Priesterin mit großen Augen an, als sie mit Vogel zu ihnen kam. Mit einem überglücklichen Lächeln schenkte sie ihnen einen guten Morgen und lief einfach weiter durch die Zelte. Da entdeckt sie auch bald den Prinzen, der etwas verloren vor seinem Zelt stand. Auch ihn begrüßte sie mit einem strahlenden Lächeln und nahm dann einfach seine Hand. Mit einem eher strengen Blick sah sie auf seine verletzten Handgelenke und führte eines an ihre Lippen, um einen sanften Kuss darauf zu hauchen. Dann setzte sie den Vogel einfach in seine Hand und verschwand in ihr Zelt. Leandra war todmüde. Glücklich, aber vollkommen erschöpft. Sie ging zu ihrem Bett und ließ sich einfach hineinfallen, nur um nur wenige Minuten später ins Land der Träume abzudriften.
      Im Gegensatz zu der Priesterin hatte Emilios einen erholsamen Schlaf gehabt. Er war nur vors Zelt getreten, um etwas frische Luft zu schnappen und sich zu strecken. Da kam auch schon Leandra auf ihn zu gelaufen und schenkte ihm einen tadelnden Blick, als sie seine Unterarme entdeckte. Doch sie war nie böse auf ihn und schenkte seiner entstellten Haut sogar einen Kuss. Er würde ihr später erzählen, dass es sich nicht mehr verletzen würde und dass er neuen Lebensmut gefasst hatte. Und ihre liebevolle Geste trug nur mehr dazu bei. Etwas verwundert sah ihr dann nach, als sie den Vogel einfach in seine Hand setzte. "Aber Leandra..." versuchte er sie noch aufzuhalten, was vergebens war. "Und was machen wir jetzt?" fragte er den Vogel und trat auch wieder in sein Zelt. Er setzte das Tierchen auf die Rückenlehne einer der Stühle ab und entledigte sich seiner Kleidung. Er musste dringend ein Bad nehmen und ein kaltes war ihm gerade sehr recht. Vor einem Vogel brauchte er sich auch nicht zu schämen und setzte sich in die Wanne, um sich zu waschen. Erst sein Haar, dann den Körper. Erfrischt stieg er wieder hinaus und wickelte sich in ein Tuch zum Abtrocknen. Als sein Körper trocken war, rubbelte er sein Haar auch so gut es ging trocken und zog sich dann Kleider über. Danach suchte er nach neuen Bandagen für seine Handgelenke, wollte er dies nicht offen zur Schau stellen. "Hast du auch Hunger?" fragte er den Vogel, der immer noch auf dem Stuhl saß und sein Köpfchen neugierig hin und her bewegte. Er zwitscherte kurz auf, als wolle er ihm antworten und so setzte er das Tier behutsam auf seine Hand. "Mal schauen, wo wir etwas zu Essen finden." sprach er mit dem Kuckuck und trat vors Zelt. Einmal tief durchgeatmet setzte sich der Prinz in Bewegung und sah sich neugierig etwas um. Gestern hatte er vor lauter Panik keine Zeit gehabt, irgendetwas in Augenschein zunehmen. Doch heute würde er das nachholen wollen, denn der Blonde war auf einmal viel ruhiger und weniger aufgeregt, auch dann, wenn ein paar Wachen an ihm vorbeiliefen. Was denn nur los mit ihm?
      "Vergessen ist wie eine Wunde. Es mag zwar verheilen, aber dabei wird es eine Narbe hinterlassen."
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