Belvedere Asylum (Michiyo & cupcake)

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    • Belvedere Asylum (Michiyo & cupcake)




      @Michiyo

      Lobotomie, aus dem altgriechischen
      Die Lobotomie wurde Anfang des 20. Jahrhunderts vom Portugiesen Antonio Egas Moniz entwickelt und 1936 erstmalig am Menschen durchgeführt. Anfang der 40er Jahre wurde sie unter anderem vom amerikanischen PsychiaterWalter Freeman in der Durchführung vereinfacht und zu einer psychiatrischen Standardtechnik gemacht. Sie ist eine neurologische Operation, bei der die Nervenverbindung zwischen Thalamus und Fronatallappen, sowie Teile der grauen Substanz durchtrennt werden.



      Washington, DC, Anfang der 40er Jahre, kurz nachdem ein amerikanischer Doktor durch seine Lobotomien bekannt zu werden, startet diese Behandlungsmethode weltweit anerkannt zu werden. So auch in einer so genannten 'Besserungsanstalt' heute auch besser bekannt als eine Nervenheilanstalt. Ein Ort, an dem sich zwar einige Verrückte aufhalten, doch mehr Leute, die einfach nur unter Zwangsstörungen oder Depressionen leiden. Doch es ist kein gutes Zeitalter für Menschen, die unter derartigen Krankheiten leiden, vorallem solche aus reichen Familien. Sie werden als Schande, als schwarzes Schaf bezeichnet und der Rest der Familie möchte sich nicht um so jemanden kümmern. es ziemt sich nicht, einen Verrückten in der Familie zu haben, also werden sie mit gutem Gewissen in eine Besserungsanstalt geschickt.
      Doch die Chancen auf Besserung stehen schlecht, werden die Krankheiten nicht einmal richtig diagnostiziert, Gefühle für jemanden des gleichen Geschlechts zu haaben, gilt als gestört, seine Fehler nicht einzusehen macht das ganze jedoch noch unerträglicher. Bestrafungen sind Gang und Gebe, müssen die Patienten doch ruhig gestellt werden. Richtige Behandlungen finden dort nicht statt, sehen die Ärzte ihre Patienten mehr als Versuchsobjekte und weniger als normale Menschen mit behandlungsbedürftigen Problemen an.
      So ist auch X, ein junger Mann dort in Behandlung für seine 'Probleme' obwohl er so gesehen nicht einmal ein Problem für die Öffentlichkeit wäre. Doch er wurde in die falsche Familie geboren und so steckt er nun ohne Aussicht auf einen Ausweg fest.
      Y hingegen, eine angehende Journalistin, die sich schon länger für psychische Krankheiten und Behandlungsmethoden interessiert, hat es in anderer Hinsicht auf die Heilanstalt abgesehen. Sie ist absolut nicht von den Behandlungen überzeugt, dringt auch recht wenig an die Außenwelt durch. Sie ist sich sicher, dass dort menschenunwürdige Dinge vor sich gehen, bedenkt man, dass fast niemand aus Belvedere hinaus kommt. So macht sie es sich zur Aufgabe, mehr über die Anstalt herauszufinden und endet kurz darauf in einer mehr als nur misslichen Lage selbst als Patientin dort.


      2019, Streamingdienste wie Twitch, Youtube, Netlix und Co. sind am boomen und man kann kaum noch nachverfolgen, wie viele Videos tagtäglich hochgeladen werden. Die Menschen interessieren sich mittlerweile nicht mehr für langweilige Serien, sie wollen mehr Action, etwas, dass sie sprachlos macht, etwas, dass sie nicht verstehen können. So hat es sich ein junges Filmteam zur Aufgabe gemacht, solche Videos zu drehen und online zu stellen. Sie haben sich auf paranormale Aktivitäten und mysteriöse Dinge, die sich sonst niemand erklären kann, spezialisiert. Als nächste Filmlocation haben sie sich das ehemalige Asylum Belvedere heraus gesucht, an dem schon öfter paranormale Aktivitäten festgestellt wurden, doch nun wollen sie der ganzen Sache selbst auf den Grund gehen.
      Doch anders als bei ihren vorerigen Locations, zieht sie dieser Ort ganz anders in seinen Bann und sie machen einige fürchterliche Entdeckungen.




      ~


      "Verdammt" murmelte Dominik, als er einen Blick auf sein Handy warf. Er war schon wieder viel zu versunken in den Instagram Account gewesen, den er und seine Crew erstellt hatten. Darauf ging es natürlich hauptsächlich um mysteriöse Gebäude, Orte oder auch Personen per se. Er war schon eine Zeit lang aktiv und sie hatten schon eine gute Anzahl an Followern bekommen. Zu den wöchentlichen Posts kamen dann natürlich auch häufigere Story Updates, die manchmal auch blöde Scherze oder ganz persönliche Themen enthielten, eben das, was sie von anderen Bloggern unterschied. Man brauchte eben seine ganz eigene Note, einen Erkennungswert, sonst ging man völlig unter den anderen unter. Um den ganzen Account am Laufen zu halten, musste man sich natürlich auch ständig darum kümmern, neuer Content wurde von den Followern erwartet und lieferte man den nicht ab, wurde es eben schnell still um einen. Eben das hatte er gerade getan und war dadurch so in Gedanken versunken gewesen, das er völlig die Zeit vergessen hatte. "Mist" grummelte er und sprang von seinem Stuhl auf um sich die darauf hängende Jacke zu schnappen. Er wohnte momentan nur in einer WG, für mehr reichte das Geld derzeit nicht aus, das er sich nebenbei noch als Fotograf dazu verdiente. In den meisten Fällen wurde er dazu auf Hochzeiten, Gerburtstagsfeiern oder so etwas gerufen und obwohl er seine Sache echt gut machte, wollte er sich darauf eben nicht beschränken. Ihn langweilte es zu sehr, zu der x-vielten Hochzeit zu fahren, wo er in den meisten Fällen auch noch von irgendwelchen besoffenen Brautjungfern angegraben wurde. Nicht, dass es ihn störte, in den meisten Fällen war es sogar ganz lustig und er als Schlitzohr hatte daran definitiv seinen Spaß, die Damen um den Finger zu wickeln, doch für ihn war das einfach nicht alles im Leben. Er brauchte die Action, das Gefühl der Nervosität und Anspannung, wenn der Griff seiner Finger sich um seine Kamera verstärkte. Obwohl ihn viele anfangs schief angesehen und als merkwürdigen Kauz bezeichnet hatten, weil er an das paranormale glaubte, hatte er seine Lücke und die passenden Leute dafür gefunden.
      Mit einer davon, Zola, war er auch gerade verabredet und ließe er sich noch länger Zeit, bekäme er sicher wieder einen ordentlichen Anschiss. Die meisten aus seinem Team kannten ihn zwar mittlerweile recht gut und er war zwar zuverlässig, wenn er sagte, er würde kommen, dann tat er das auch - nur eben nicht pünktlich.
      "Ich bin dann mal weg, bis später, vergiss den Kaffee nicht!" rief er seinem Mitbewohner zu, der ihm nur mit halbem Ohr zuhörte, da er im Gegensatz zu Dominik noch zur Uni ging und Hals über Kopf in seinen Prüfungen steckte.
      "Vergiss die Schlüssel nicht wieder" kam es aus einem der angrenzenden Zimmer, in dem Moment, in dem der dunkelhaarige schon fast zur Tür raus war. Kopfschüttelnd machte er einen Schritt zurück und griff nach seinem Autoschlüssel.
      Kurz darauf fiel die Tür hinter ihm zu und er stiefelte die Treppe nach unten zu seinem alten Volvo. Knatternd startete der Motor und der junge Mann fuhr auf die Hauptstraße um Zola abzuholen. Die anderen waren noch am lernen - Gott, das war etwas, was er definitiv niemals vermissen würde - und würden eventuell noch später dazu stoßen. Die Gruppe hatte sich eine neue Location herausgepickt und hatte sich heute mit dem Hausmeister verabredet, um einen ersten Blick darauf zu werfen. Die eigentlichen Filmaufnahmen würden erst später statt finden, trotzdem hatte Dominik seine Kamera stets im Auto auf seinem Rücksitz geparkt, man konnte ja nie wissen, wann man gute Bilder fand. Dazu hatte er vorher im Copyshop um die Ecke einige Dokumente ausgedruckt, im Grunde genommen nur einige zusammengefasste Informationen für den Ort, an den sie fuhren. Belvedere Asylum, Nervenheilanstalt war der Zielort und er konnte kaum darauf warten, das mehrteilige Gebäude mit eigenen Augen zu sehen.
      Etwa nach zwanzig Minuten war er dort angekommen, von wo aus er sie aufgreifen sollte, er parkte an der Seite und schaltete den Motor aus, sie war noch nicht hier, also hatte er einige Minuten um schnell Klarschiff zu machen, denn in seinem Auto ging es stets drunter und drüber, mit einem Sammelsurium aus leeren Flaschen, Papieren, unbrauchbaren Aufnahmen und dergleichen. Mit zwei schnellen Handgriffen machte er den Beifahrersitz frei und schmiss alles nach hinten. Aufräumen war später angesagt, vielleicht.

    • 2019 - Zola Smith

      "Zola Smith wie oft muss man es dir noch sagen..." brummte es aus dem Vater der vierundzwanzigjährigen um sie, wie fast jeden Tag daran zu erinnern welche Regeln unter seinem Dach herrschten. "Kein Handy an Esstisch" stieg diese beinahe im Chor mit ihrem genervten Vormund, ohne ihn auch nur eines Blickes zu würdigen. Stattdessen blieb ihre Aufmerksamkeit auf ihrem iPhone auf dem sie mit ihrem Zeigefinger der rechten Hand immer wieder von untern nach oben scrollte. Mit der anderen Hand hielt sie ihr mit Ziegenkäse, Brombeeren und Honig belegtes Toast, von dem schon einige Bissen abgeknabbert waren. "Wie oft soll ich es euch eigentlich noch sagen, ich verdiene damit mein Geld! Papa darf ja auch Firmenanrufe am Esstisch entgegen nehmen. Mir dieses Recht zu nehmen grenzt demnach an Ungerechtigkeit und Machtmissbrauch." murmelte die braunhaarige noch mit halbvollem Mund ehe sie schluckte und sich ihrem Vater mit einem sarkastisch breiten Grinsen zuwandte. Überraschender Weise verdrehte dieser nur seine Augen statt ihr Konter zu geben. Zu oft hatten die beiden schon dieses Wortgefecht ausgetragen nur um sich immer wieder darauf zu einigen, dass sie sich uneinig waren. Aber genau das wollte ihre Familie, so hatten sie sie erzogen - zu einer jungen Frau, die ihre Meinung zu vertreten weiß und sich nichts von anderen vormachen ließ und schon gar nicht von Männern. "Wer hat dich eigentlich zu so einer Zicke erzogen?" grummelte es aus er anderen Ecke des Raumes aus dem Mund ihrer Mutter. "Ich glaube die Antwort auf die Frage findest du, wenn du in den Spiegel schaust." wieder ein breites Grinsen auf ihrem Gesicht. Ein wenig vermisste sie diese täglichen Sticheleien, nun da sie ihre Eltern endlich überzeugen konnte ausziehen zu dürfen. Lange musste die Influencerin darum kämpfen eigene vier Wände beziehen zu können. Als Tochter eines Millionen schweren Industriemagnaten stieß sie nun mal auf Probleme anderer Art. Zu groß war die Angst vor Überfällen, Drohungen und sonstigen Gefahren, die auf das alleinlebende Mädchen zukommen könnten nur um an das Vermögen der Familie zu gelangen. Nach Jahren hitziger Diskussionen hatte sie ihre Erziehungsberechtigten soweit bearbeitet, dass sie sich auf eine Wohnung in der Gated Community mit Pförtner und Security Kameras einließen. Obwohl Zola es nach mehr Freiheit sehnte, fühlte sie sich im Schutze der Gemeinschaft ganz wohl. Ihren Freunden hingegen würde sie dies niemals zugeben, ganz im Gegenteil, sie verbarg ihren Stammbaum und das dazugehörige Vermögen so gut es ging, ließ niemanden wissen wo und wie sie lebte. Diesen Vorteil hatte der Beruf ihres Vaters, er war keine bekannte Person des öffentlichen Lebens, kein Bill Gates und auch kein Mode-Gott. Wenn man sich nicht in den gegebenen Kreisen bewegte war der Name Smith nur ein Allerweltsname hinter dem man sich gut verstecken konnte. Aus diesem Grund empfing sie auch keinen Besuch im Elternhaus oder ihrer neuen Wohnung, war sie immer unterwegs und zu gast bei ihren Freunden. Was ihr an Bewegungsfreiheit im Alltag fehlte machte sie mit den Trips gemeinsam mit ihren Freunden wieder wett. Dort konnte sie einfach tun und lassen was sie wollte, sofern sie stets ihr GPS zur Kontrolle eingeschaltet ließ. "So war schön mit euch aber ich muss dann auch mal wieder." verabschiedete die zarte Person sich während sie die letzten Bissen ihres Toast verschlang und sich vom Tisch erhob. Die marken Lederjacke über die Schulter werfend und das Handy in die Hosentasche stopfend marschierte sie durch die großzügige Wohnküche Richtung Haustür, während ihre Stiefeletten auf dem Boden klackerten. "Und bevor ihr fragt ich bin mit Dominik, Handy ist vollgeladen und GPS angeschaltet." nahm sie ihren Eltern noch die Luft aus den Segeln bevor diese sie wieder mit Fragen durchlöchern konnten. Rasch griff sie sich noch ihren Rucksack und verschwand durch die Tür. Wie immer ließ sie sich einige Straßen entfernt aufsammeln, sich im Reichenviertel abholen zu lassen wäre viel zu auffällig gewesen und kam für Zola nicht in Frage. Mit einem Blick auf die Uhr zog sie ihr Tempo nochmal an um Dominik nicht all zu lang an der Hauptstraße warten zu lassen. Endlich an der befahrenen Kreuzung angekommen, erspähte sie auch schon sein kleines Auto, welches mal wieder in die Waschanlage konnte. Winkend strotzte sie diesem entgegen und schwing sich hinein auf den Beifahrersitz. "Hola Amigo." lächelte sie fünfundzwanzig jährigen an ehe sie sich diesem mit einem Arm um den Hals warf um ihn mit einer Umarmung zu begrüßen aber auch um ihm unauffällig ihr neues Parfum zu präsentieren. Ihre Haare hatte sie dafür bereits vorm Einsteigen auf eine Seite geworfen damit ihr freier Hals zu ihm gerichtet war. Sich aus der Umarmung lösend hielt sie kurz inne um seinem Gesichtsausdruck eine Reaktion ablesen zu können.
      "Wollen wir los?" fragte sie schließlich und lehnte sich im Sitz zurück nur um das wie immer herrschende Chaos im Fahrzeug wahrzunehmen. Leicht kopfschüttelnd schmunzelte sie in ihren Schoß. Sie genoss diese Unordnung weil sie genau dem Gegenteil ihres Lebens entsprach, fuhr sie doch selbst einen protzigen SUV, der ihr gegen ihren Willen zum Geburtstag geschenkt wurde. Dort hätte man nicht Mal ein einziges Staubkorn gefunden, dafür sorgten die Angestellten ihres Vaters. Gemeinsam machten die beiden sich auf den Weg zur Nervenheilanstalt Belvedere Asylum, welche laut einiger Blogeinträge und Mythen ein viel versprechendes Ziel sein sollte. Dafür nahmen sie auch eine längere Autofahrt in Kauf, für den richtigen Nervenkitzel war die Crew bereit einiges zu geben. So fuhren sie eine Weile auswärts der Stadt in eine weniger besiedelte Gegend. "Hast du schon gesehen, die Crew-Page hat wieder einige neue Follower gewonnen." eröffnete Zola erneut begeistert das Gespräch. Die Seite hatte zwar noch lange nicht den selben Bekanntheitsgrad ihres eigenen Accounts aber damit rechnete sie auch nicht. Schließlich ging es dort um paranormales, was lange nicht so viele Anhänger lockte wie die Page einer hübschen jungen Frau, die auch noch über Humor und Köpfchen verfügte. So unbeeindruckten wie es auch war, es galt immer noch Sex Sells, doch während sich das eine für die vierundzwanzig jährige mehr nach Arbeit anfühlte, war dies reine Leidenschaft, in der sie aufging.
      A heart's a heavy burden.

    • Nach einem erneuten Blick aufs Handy und nachdem er in dem vorderen Teil seines Autos einigermaßen klarschiff gemacht hatte, ließ er das Fenster auf beiden Seiten herunter, um sich eine Zigarette anzuzünden. Gut, er wollte eigentlich aufhören, es war viel zu teuer und man roch ständig danach, aber die Sucht und die Arbeit brachten ihn dann doch immer wieder dazu. Er musste nicht mehr sehr lange warten, dann sah er Zola um die Ecke kommen. Na wenigstens hatte sie dann nicht lange auf ihn warten müssen, denn obwohl es ihm meistens egal war, die Leute warten zu lassen, war es ihm bei ihr nicht ganz so unwichtig. Dominik hatte sie noch an der Uni kennengelernt, so wie die anderen beiden auch. Sie war ihm vorgekommen wie eines dieser unnahbaren Supermodels, die man immer im Fernsehen sah. So stellte man sich die Frauen vor, die jeden Tag perfekt gestylt waren, nur gute Noten schrieben und auch ansonsten eigentlich keine Fehler hatten. Er hatte sich nicht wirklich Gedanken darüber gemacht, sie kennenzulernen, war er doch in anderen Kursen als sie. Doch als er sie dann das erste Mal bei einer Studentefeier getroffen hatte, war er überrascht gewesen wie offen und locker drauf sie eigentlich war. Sie hatten sich eine gefühlte Ewigkeit über Gott und die Welt unterhalten und waren dabei auch darauf gekommen, dass sie sich eigentlich gar nicht so großartig unterschieden. Er liebte es, hinter der Kamera zu stehen, sie stand meistens eher davor, aber bei ihrem Aussehen war das auch keine Schande. Man sah sie gerne an und sie hatte eine wundervolle angenehme Stimme, der man gerne stundenlang zuhörte.
      Irgendwann hatten sie dann einmal aus Spaß angefangen Videos zu machen und es hatte nicht lange gedauert bis sie eine kleine Gruppe gebildet hatten, die sich alle für das gleiche interessierten und sich doch wunderbar ergänzten. Mittlerweile hatten sie durch ihre gemeinsame Arbeit und den Spaß an dem, was sie taten, eine große Followerschaft bekommen.

      Noch bevor sie ins Auto einstieg, wehte schon eine Wolke ihres teuer duftenden Parfeums herein. Wie immer begrüßten sich die beiden mit einer lockeren Umarmung, bei der der dunkelhaarige leicht von ihren langen Haaren gekitzelt wurde. Er hatte noch nie jemanden getroffen der jedes Mal wieder so gut roch. Es war nicht nur das Parfum, nein auch sie selbst strahlte einen Duft aus, den man einfach nicht beschreiben konnte.
      "Wie kann man nur so früh am Morgen schon so gut aussehen?" schmunzelte er und reichte ihr eine Dose RedBull, die er vorher auf dem Weg schnell bei einer Tankstelle aufgegriffen hatte. Daraufhin startete er den Motor und lotste das Auto wieder in den Verkehr zurück. Es war ein ruhiger Samstagmorgen, die Herbstferien waren gerade vorbei, also waren vermutlich auch keine Urlauber mehr auf der Autobahn unterwegs, die sie auf dem Weg dorthin nehmen mussten. Sie hatten etwa eine Stunde Fahrtzeit vor sich, also konnten sie es sich ruhig mit etwas Musik gemütlich machen. Die letzten Vögel draußen, die sich noch nicht auf den Weg in wärmere Gefilde gemacht hatten, zwitscherten fröhlich vor sich hin und die letzten Sonnenstrahlen verdrängten die Kühle Luft, die sich bereits breit gemacht hatte.
      "Na klar hab ich's gesehen, kennst mich doch" laachte er mit einem kurzen Seitenblick auf sie, ehe er die Ausfahrt in Richtung Autobahn nahm. "24/7 online und so." So gelogen war es nicht einmal, denn wenn der dunkelhaarige nicht gerade am Schlafen war, dann war er entweder hinter seiner Linse um das nächste großartige Motiv aufzunehmen, vorm Laptop um die Bilder zu bearbeiten oder am Handy, um seine Socialmedia Accounts zu verwalten. Daher kamen ihm die regelmäßigen Ausflüge ganz recht, vorallem wenn er sie in solch einer Gesellschaft verbringen konnte. "Hey ich hab mit Laura und Jamie geschrieben bevor ich los bin. Sie haben gemeint sie kommen nach, aber du kennst die beiden ja" sagte er und verdrehte schmunzelnd die Augen. Die beiden waren Teil ihrer Gruppe und obwohl er die beiden echt lieb gewonnen hatte, so waren sie die letzten Wochen echt unertäglich geworden. Die beiden studierten zwar an der gleichen Uni, hatten sich aber erst durch Zola und ihn kennengelernt. Man hatte sofort sehen können, dass bei den beiden die Funken sprühten. Die Turteltäubchen selbst hatten aber erst vor wenigen Wochen den ersten Schritt gewagt und hingen nun Tag und Nacht an den Lippen des jeweilig anderen. Er konnte es ihnen ja nicht verübeln, verliebt sein war schon etwas tolles, doch für ihn hatte es jedes Mal nur in Chaos, Schmerzen und Wut geendet.
      "Hier" sagte er, während sie schon auf der Autobahn unterwegs waren und beugte sich zu ihr rüber um das Handschuhfach vor ihr zu öffnen. "Sieh da mal rein, ich hab ein paar echt coole Infos rausgesucht. Hört sich echt heftig an der Ort, wie viele Leute da wohl gestorben sind" erzählte er und sprudelte fast vor Begeisterung.

    • Mit ihrem Klarlack lackierten Fingernagel tippte die braunhaarige an die Seite der RedBull Dose in ihrer Hand, nachdem Dominik ihr diese reichte. Zischend öffnete sich das Getränk nachdem sie den Dosenclip auf der Oberseite ins Aluminium drückte ehe sie einen großen Schluck davon nahm. "Mhmm..." hauchte das Mädchen und fuhr grinsend fort "Koffein am Morgen vertreibt Kummer und Sorgen!". Sie setzten sich in Bewegung und steuerten Richtung Autobahn. Die vorbeiziehenden Autos ähnelten bei der Geschwindigkeit verschwimmenden Streifen, wie auf einem Foto mit langer Belichtungszeit. Geduldig hörte sie Dominik zu, der sich mal wieder auf seine eigene witzige Art über Laura und Jamie ausließ. Sie konnte seine Gefühle nachvollziehen, war es doch sehr anstrengend gewesen mit den beiden produktiv zu arbeiten seitdem sie sich aktiv dateten, doch die Freude für die beiden überwog in ihr. Zu gerne hätte sie gewusst wie es ist nicht die Finger voneinander lassen zu können. Wahre Liebe hatte sie noch nicht erfahren, alles was sie kannte war das Gefühl sich in jemanden verguckt zu haben, sie ließ ja niemanden wirklich an sich heran und hinter ihre Facette schauen. "Du bist ja nur eifersüchtig" antwortete die junge Frau ihrem Gegenüber, wobei sie sich nicht sicher war ob sie diese Worte an ihn oder doch an sich selbst richtete.
      Das Radio drehte sie während der Fahrt immer mal wieder lauter und leiser, je nachdem ob sie sich unterhielten oder einfach nur die Reise genießten. Gerade als ihre Begleitung ihr das Handschuhfach öffnete und sie darauf hinwies Infos dort zu finden, drehte sie die Musik erneut herunter. "Sterber..." murmelte sie gerade laut genug dass er es hören sollte und biss sich verspielt auf die leicht ausgestreckte Zunge. Neugierig nahm sie sich die Zettel aus dem Fach heraus ehe sie es mit dem Knie wieder zuschob. "Du bist doch krank! Dich so über Tote zu freuen." brauste es ironisch mit einem Lachen aus ihr heraus weil sie ganz genau so dem neuen Abenteuer entgegenfieberte wie er. So waren die beiden nun Mal, makaber auf der Suche nach Abnormalem. Für einen Moment verstummte sie um sich auf die Papiere zu konzentrieren und dessen Inhalte zu studieren. Eine ganze Weile lang schweigt und blättert sie vor sich hin, gefolgt von Kopfschütteln hier und da. "Also das Asylum Belvedere auch bekannt als das Haus der Lobotomie war eine Besserungsanstalt, die ihre Patienten als Versuchskaninchen für die Trennung der Nervenverbindung zwischen Thalamus und Frontallappen missbrauchten." fasste Zola zusammen ehe sie eine Passage auf dem Papier zitierte "Während eine genaue Patientenanzahl nie wirklich überschlagen werden konnte, gehen Experten davon aus, dass dort mehrere Hundert Leute den Tod fanden und schätzungsweise doppelt so viele Versuchseingriffe durchgeführt wurden." Mit interessiertem Blick schaute die braunhaarige einmal zum Fahrer herüber und zog ihre Augenbraue in die Höhe. "Einigen Zeugenberichten nach soll man nach Mitternacht, wo die meisten Operationen heimlich stattgefunden hatten, die Schreie der verrücktgewordenen Patienten in den leeren Fluren der Anstalt hören können." ließ sie weiter laut vor. Kurz darauf legte sie die ausgedruckten Texte auf ihren Schoß und seufzte. "Klingt ja alles schön und gut aber wie wollen wir da rein kommen? In einem Bericht steht, dass die Anstalt umzäunt und abgesperrt wurde nachdem zu viele neugierige das Grundstück aufsuchten. Wollen wir schon wieder Hausfriedensbruch begehen? Ich hätte vielleicht doch meine Sneaker anziehen sollen." verdrehte sie die Augen gefolgt von einem Lachen weil sie die Antwort auf diese Frage sowieso schon kannte. Schon fast am Ziel angekommen verließen sie die Autobahn wieder und fuhren auf den letzten Meter in dem kleinen Örtchen. Während Zola sich umschaute bemerkte sie, dass kaum eine Menschenseele in dem Dorf zu sehen war und sie begann sich zu fragen ob es der Geschichte oder einfach nur der Uhrzeit geschuldet war.
      A heart's a heavy burden.

    • "Selber Streber" gab er kopfschüttelnd aber mit einem Grinsen zurück und boxte sie spielerisch gegen den Arm. Das mochte er so gerne an ihrer Freundschaft, er konnte einfach er selbst sein und musste sich nicht verstellen, wie es doch bei den meisten Frauen war. Die achteten doch nur auf die Äußerlichkeiten und sobald man sich gerne mal mit ernsten Themen beschäftigte, wurde man sofort als Langweiler abgestempelt. Zola und er neckten sich zwar fast ständig, aber wusste genau, wie sie es meinte und genauso war es auch anders herum.
      "Ich hab nur gedacht, dass würde dich vielleicht auch interessieren" meinte er und sah kurz zur Seite, wo sie sich schon geschäftig daran machte, die Papier durchzublättern. Es waren nicht viele Unterlagen, wenn man bedachte, dass die Anstalt aus mehreren Gebäuden bestand, vier, wenn er sich nicht täuschte. Mal von den oberen Stockwerken abgesehen, gab es dort auch noch ein riesiges Kellergewölbe, welches sich über das gesamte Gelände erstreckte. Einiges davon war nicht mehr zugänglich, vieles davon wurde abgeriegelt oder sogar zugemauert, da es einfach zu gefährlich und alles mehr oder weniger einsturzgefährdet war.
      "Du kennst mich doch mittlerweile, Zola" lachte er und konzentrierte sich weiter auf die Straße, da sie nun von der Autobahn herunter fuhren. "Ich hab immer einen Plan. Die zwar meistens schief gehen..Aber ich hab einen Plan" fuhr er fort und schaltete dann vorsichtshalber das Navi auf seinem Handy an, da er sich in dieser Gegend nicht sonderlich gut auskannte.
      "Man ist das hier ausgestorben" murmelte er, kurz bevor er das Auto von der Hauptstraße herunter lenkte und auf einen schmaleren Feldweg lenkte. "Ich hoffe der scheiß Karren verreckt uns hier nicht" nuschelte der junge Mann und richtete sich nun etwas hinter dem Lenkrad auf. Sie waren fast da und er wollte definitiv nicht, dass jetzt, so kurz vor dem Ziel irgendetwas schief ging. "Also.. Ich hab herausgefunden dass am Eingang immer ein Wachmann rumläuft. Der hat so einen Art Pförtnerhaus direkt hinter dem großen Tor, das hast du ja wahrscheinlich schon auf den Bildern gesehen" erklärte er und blieb dann umkreist von einigen dichten Bäumen am Rande des Feldwegs stehen. "Du wirst dir ja sicher schon denken können was jetzt kommt und ja, deine Wanderschuhe hättest du wahrscheinlich einpacken können, Huckepack tragen werde ich dich nicht" ärgerte er sie und öffnete dann die Fahrertür um aussteigen zu können.
      Um in das Gebäude zu gelange, mussten sie nur ein kleines Stückchen durch den Wald laufen und dann kämen sie von hinten an eine Wand, die nach den Bilder zu urteilen aber einfach zu überwinden war, das sollte also kein Problem darstellen.
      "Hast du alles?" fragte er Zola, nachdem er seine eigene Jeansjacke vom Rücksitz geklaubt hatte um dann das Auto abzusperren. Der Himmel war hier etwas bewölkter als noch zuvor, es sah sogar ein wenig nach Regen aus, aber das würde hoffentlich noch ein wenig auf sich warten lassen.

    • Nachdem der Bursche hinterm Steuer behauptete er habe einen Plan musste Zola schmunzeln. Ja sie wusste ganz genau was das zu bedeuten hatte, Ärger. Bisher hatten sie es immer geschafft sich aus der Affäre zu ziehen und glimpflich davon zu kommen doch würden sie weiterhin die Regeln zu ihren Gunsten beugen, würde dies nicht immer gut gehen. Es war dem jungen Mädchen eigentlich egal, weil sie wusste, dass ihr Vater sie mit den besten Anwälten der Welt rausboxen konnte, besonders bei ihrem makellosen Führungszeugnis, doch bei ihren Freunden durfte es schlechter aussehen. Das war der Nachteil an ihrer Geheimniskrämerei, ihre Eltern konnten ihre treuen Freunde nicht lieben lernen, wie sie es tat. Dem Navi lauschend und skeptisch durch die Gegend schauend nickte sie, bestätigte seine Aussage. Es war wirklich eine Geisterstadt doch das war fürs erste unwichtig. Wie die beiden am Wachmann vorbeikommen sollten hatte Priorität. Die nicht all zu perfekte Wahl ihres Schuhwerks sollte dabei aber kein Problem darstellen und auch auf den frechen Kommentar ihres Begleiters reagierte sie nur mit einer herausgestreckten Zunge. "Ach komm wir wissen beide, dass du mich auch über die Türschwelle tragen würdest, wenn du denn dürftest." entgegnete die braunhaarige ihm in einem Piepston, in der Hoffnung Lauras verleibte Stimme nachzuahmen während sie ihm kleine Luftküsschen zuwarf bevor auch sie das Auto verließ. Die Zettel in ihren Rucksack stopfend machte sie sich auf den Weg durch den Wald und warf sich diesen daraufhin über die Schulter. Auch sie hatte bemerkt, dass es nach Regen aussah und wollte das Risiko nicht eingehen, die Papiere zu durchnässen. Gemeinsam stiefelten die beiden los und steuerten auf die rausgesuchte Einstiegsstelle zu. Kurz bevor sie die Anstalt erreichten, fing es tatsächlich an zu Nieseln, doch im Schutz der Bäume merkte die Crew nicht viel von diesem. Lediglich das leise Tropfen begleitete die beiden auf ihrer Reise. Der Lichtung entgegen wandernd kamen sie an einen Punkt, an dem sich die Bäume spalteten und die Sicht auf eines der Gebäudekomplexe der Nervenheilanstalt gewehrten. "Here we go" murmelte die vierundzwanzig jährige und stupste sich die Kapuze über ihr Haar als sie nicht länger den Schirm der Blätter über ihren Köpfen hatten. "Wenn ich mich nicht irre ist es die richtige Stelle. Dann müssen wir nur hier rüber." grinsend wandte sie sich Dominik zu "Huckepack oder Räuberleiter?" blieb sie vor der Wand stehen. Vor der Wand lagen genügend Gegenstände und Bauschutt um darauf zu steigen und von dort einen Sprung an die Mauer zu wagen doch wollte Zola den braunhaarigen wie immer Teasen, würde er ja vielleicht darauf eingehen. Während Zola kein Problem damit hätte sportlich an die Mauer zu hechten, sah es bei Dominik anders aus. Allein schon die Ausrüstung würde ihn daran hindern. Nichtsdestotrotz könnte das Mädchen voran gehen und das Equipment auf der anderen Seite fangen wenn ihr Begleiter dieses zuwerfen würde.
      A heart's a heavy burden.

    • Nach wenigen Metern bereits fing es an, leicht zu regnen. Die wenigen rot, orange fefärbten Blätter fingen die meisten Tropfen auf und boten ihnen zumindest ein wenig Schutz vor dem aufkommenden Unwetter und da es nicht so weit war bis zu dem alten Gemäuer sollten sie es halbwegs trocken bis dorthin schaffen.
      "Hätte ich das gewusst hätte ich für meine Prinzessin natürlich Regenschirm und Gummistiefel mitgenommen" zog Dominik die junge Frau auf und zwinkerte ihr scherzhaft zu. Die beiden bewarfen sich schon seit einiger Zeit mit solchen Scherzen, kleinen Flirterein und dergleichen, doch es war für sie beide eben nur Spaß. Wenn er sich die beiden anderen Mitglieder so ansah, konnte er auch wirklich auf eine Beziehung verzichten, obwohl er zu Zola garantiert nicht nein sagen würde. Immerhin war sie eine bomben Frau, nur würde das sicherlich einiges kompliziert machen. Nein, darauf konnte er verzichten, er wollte sich vollends auf die Arbeit konzentrieren. Eine Frau würde da nur wieder alles durcheinander bringen und wenn sie noch so gut aussah.
      ">Sieht doch ganz gut aus" murmelte er, als sie nach wenigen Minuten endlich die Mauer erreicht hatten. Tatsächlich war sie hier nicht besonders hoch und an einigen Stellen sogar schon recht eingefallen. Dennoch kontne er sich sehr gut vorstellen, dass es früher recht schwer gewesen sien musste, hier zu entkommen.
      "Schau mal, da drüben" sagte er in Richtung von Zola und zeigte auf eine Stelle, wo man relativ leicht rüber kommen sollte. "Ladys first. Dann zeig mal, was du drauf hast, du Sportskanone meinte er und deutete auf ihren Rucksack. "Soll ich dir den abnehmen und dann alles rüber reichen?" fragte er sie und wartete dann, bis sie auf der anderen Seite der Mauer angekommen war.
      "Und wie siehts aus?" fragte er und machte sich dann selbst daran, auf dem Geröll hochzusteigen, bis er ihrer beide Rücksäcke hinüber geben konnte. "Pass bloß auf meine Kamera auf" frötzelte er, halb Ernst, halb Spaß, denn er wusste, dass seine Freundin sehr gewissenhaft war, dennoch war seine Ausrüstung das teuerste, das er momentan besaß. Es hatte eine ganz schöne Zeit gedauert, bis er das Geld damals zusammmen gespart hatte und an die Arbeit in dem damaligen Laden wollte er gar nicht mehr denken. Sein Arbeitgeber war die absolute Hölle gewesen und die Kollegen allesamt faule Idioten. Sein eigener Chef zu sein, war ihm tausendmal lieber, auch wenn es mit unglaublich viel Arbeit verbunden war, was man sich im ersten Moment vielleicht gar nicht vorstellen konnte.
      Kurz darauf kam er, vermutlich nicht ganz so elegant wie Zola auf der anderen Seite auf und nahm ihr seine Sachen ab. "Merci. Dann lass mal sehen. Das hier müsste das hinterste Gebäude sein, also sollten wir in Sicherheit sein. Aber pass trotzdem lieber auf" meinte er und deutete auf den ganzen Schmutz der überall herum lag. Dachziegel, eingestürzte Mauern, Fensterglas, da fragte man sich wirklich, wie es im Gebäude aussah.
      Die Außenwand war größtenteils mit Graffiti beschmiert, was er immer wieder sehr schade fand. Warum musste man alle möglichen Sachen so beschmieren. Ausgerechnet alte Relikte aus der Vergangenheit, so wie dieses Gebäude hier. Andererseits verlieh es dem ganzen aber auch eine ganz eigene Art von Charme.
      "Sie mal da!" rief er ihr aus einigen Metern entfernt zu und deutete auf eine niedrigere Fensterreihe, durch die sie ins Innere gelangen durften. "Oh man, ich glaub Räuberleiter klingt doch nicht so schlecht" seufzte er und sah zu Zola. "Hätte ich das gewusst, hätte ich meine Sportklamotten angezogen" witzelte er und nahm seinen Rucksack ab, damit er ihr hochhelfen konnte. "Bei 3?"

    • Lächelnd steuerte Zola auf ihre Begleitung zu, ließ ihren Rucksack auf den Boden fallen und schaute auf die Fensterreihe einer Hochparterre. Wäre diese ein wenig tiefer gewesen hätte man sich vermutlich mit den Armen hochziehen können, doch da die junge Frau sowieso keinen Klimmzug schaffte und die Fenster zu hoch lagen musste tatsächlich eine Räuberleiter her. Dominiks Witz gewann die lachende Aufmerksamkeit der vierundzwanzig jährigen. "Na gut." grinste sie diesen an ehe sie ihren Fuß in dessen zusammengefaltete Hände steckte und begann mit diesem herunterzuzählen "1...2...3". Mit einem Schwung gewann sie an einigen Zentimetern und griff nach der kalten Fensterbank. Auf dieser gelandet, drückte sie sich gegen die Scheibe, die alten Scharniere des Fensters sollten nicht all zu viel brauchen um nachzugeben, das wusste sie, hatte sie sich so bereits häufiger Zutritt zu alten Gebäuden verschafft. Einmal reichte hier jedoch nicht aus und sie drückte sich erneut gegen das Glas und wieder und wieder und wieder...Mit einem Knacken gab die Öffnung endlich nach und Zola quietschte erschrocken als sie das Gleichgewicht verlor. Es gelang ihr sich zu fangen und auf der Bank hocken zu bleiben statt tollpatschig ins Innere der Anstalt zu stürzen. "Sorry ich hab`s jetzt" grinste sie dem unten stehenden entgegen, während sie die Augen verdrehte. Mit einem Hops rutschte sie in den Raum, machte kehrt und streckte ihren Kopf durchs geöffnete Fenster. "Ok wirf mir die Taschen zu" bat sie Dominik. Gesagt getan, blieb nur noch den fünfundzwanzig jährigen hochzuziehen. Sie lehnte sich so weit aus dem Fenster wie ihr möglich war und streckte ihm beide Arme entgegen. Sonderlich stark war Zola nicht aber um ihrem Freund die nötigen Zentimeter zu geben bis er sich an der Fensterbank hochziehen konnte, reichte es. Mit vereinten Kräften schafften es beide ins Innere und konnten nun ihre Dreharbeiten starten. Sich den Staub von der Hose klopfend, setzte sie ihren Rucksack wieder auf, reichte Dominik seinen damit er die Kamera auspacken konnte. "So sind wir bereit?" fragte sie und fuhr sich noch einmal durchs Haar. "Lights, Camera - Action." zwinkerte sie dem Kameramann zu um die Aufnahme zu starten. Die beiden Befanden sich in einem kleinen Zimmer, dass ein altes Bettgestell aus Metall ohne Matratze und einen kaputten hölzernen Nachttisch daneben beherbergte. Die Tapete war eingerissen und überseht mit Flecken der Feuchtigkeit. Mit einem Schwänken der Kamera blickte man auf die andere Seite des Raumes, die nur einen eingefallenen Kleiderschrank aufwies, daneben eine Art Strichliste auf Sitzhöhe in der Wand eingeritzt.


      __1940 __

      Mit dem Füllfederhalter in der Hand, saß Caleb mit dem Rücken gegen den Kleiderschrank gelehnt auf dem Boden seines Zimmers und ritzte mit der Spitze des Stiftes den zweiten Strich in die weißliche Raufasertapete. Er markierte damit die Anzahl der Tage der Tyrannei seiner Eltern. Gegen seinen Willen wurde er in das Asylum Belvedere eingeliefert und seit zwei Nächten gefangen gehalten. "Du wirst zu dir und zu Gott finden. Hier wird dir geholfen" erinnerte er sich wage an die Worte seiner Eltern als ihn diese nach Ankunft verabschiedeten. Mit Händen und Füßen hatte er sich gegen die Zwangseinweisung gewehrt doch vergeblich. Seine Mühe resultierte nur in einer Beruhigungsspritze und bestätigte die bösen Gedanken aller, dass er verrückt geworden sei. Die ersten Nächte vergingen ruhig, musste er jeden Abend vor dem Zubettgehen eine fragwürdige Tablette schlucken. Müde und angestrengt sich zu konzentrieren musste er sich noch eine Lösung für dieses Ritual einfallen lassen. Es gab keine Toilette in seinem Reich, lediglich ein Gemeinschaftsnassbereich, dort konnte er nicht ohne weiteres die Medikamente unbemerkt hochwürgen. Was mit ihm in seinem festen Schlaf geschah wusste der fünfundzwanzig jährige nicht und das gefiel ihm gar nicht. Die gesamte Situation war ihm suspekt. Den Tag über geschah nicht viel, zumindest nicht die kurze Zeit die er dort gewesen war. Abgesehen von den Essenspausen gab es kaum etwas zu tun, interessierte sich bisher keiner um eine Behandlung seiner angeblichen Krankheiten. Kennengelernt hatte er noch niemanden so wirklich, kam er noch mit keinem ins Gespräch. Alle starten beim Essen lustlos auf ihre trostlosen Teller. Wenn er die Kraft dazu finden würde und von den Aufsichtspersonen unbemerkt blieb, wollte er daran etwas ändern. Wenn er einen Ausweg aus dieser Lage finden wollte, müsste er sich mit den anderen Patienten unterhalten. Mehr über die Anstalt herausfinden. Nur so sollte es ihm möglich sein zu fliehen und einen Weg in die Freiheit zu finden.
      A heart's a heavy burden.

    • Es war die erste Woche, seitdem die junge Marylin nun in dem Asylum in Belvedere arbeitete. Die Umstände hier, unter denen sie arbeitete, waren ihr grundsätzlich suspekt und sie musste noch immer aufpassen, um sich nicht zu verraten. Schließlich hatte es lange gedauert, bis sie ihren Boss endlich hatte überzeugen können, über das Asylum zu schreiben. Noch nie hatte irgendein Journalist einen Artikel darüber verfasst und doch herrschten zahlreiche Gerüchte. Von ehemaligen Krankenschwestern, die kurz nach ihrer Entlassung nie wieder gesehen wurden, von Familien, die ihre Söhne oder Töchter eingeliefert hatten und nun keinen Zugriff mehr hatten. Das, was die junge Frau hier tat, hatte ihre Mutter eigentlich als Selbstmordversuch angesehen, sollte sie sich als Angestellte einschleusen, um mehr über diese Anstalt herauszufinden. Von außen betrachtet war es eine gewöhnliche Einrichtung für geisteskranke Menschen, solche mit Behinderung, die hier Hilfe fanden und dazu gab es hier auch einigeherausragende Ärzte. In den wenigen Tagen, die sie nun hier war und sich als Schwester ausgab, hatte sie die meisten von ihnen jedoch nur flüchtig gesehen, wenn überhaupt, denn sie hielten sich, was ihre Arbeit anging, sehr bedeckt. Auf den Fluren dagegen traf man nur die Patienten selbst an, sowie als auch die Aufseher und eine ganze Scharr von Schwestern, um die Patienten mehr oder weniger in Schach zu halten. Sie selbst hatte sogar schon einmal mitbekommen, wie einer von ihnen, um die vierzig, eine der Schwester mit seiner Gabel, die er beim Mittagessen erhalten hatte, angriff. Auf ihre mehr oder weniger beiläufigen Fragen, wo denn der Patient nun hin sei, hatte sie keine wirklich deutlichen Aussagen erhalten, er wurde lediglich 'unter Aufsicht gestellt'. Nach den merkwürdigen Blicken der anderen Angestellten, die sie durch ihre Fragerei erhalten hatte, wollte sie sich aber definitiv ein wenig zurück halten, um nicht gleich schon in der ersten Woche aufzufliegen. Wer wusste schon, was mit ihr geschehen würde. Tatsächlich kam es ihr hier mehr vor wie in einem Gefängnis und das obwohl sie hier selbst keiner der Patienten war. Doch auch für die Schwestern gab es klare Regeln. Kein Ausgang, es sei denn, man wurde freigestellt, keine Gespräche zu den Bewohnern des Asylums und kein Kontakt per Brief oder dergleichen zu seinen Angehörigen. Frühstück wurde ab 6 Uhr morgens serviert, mittags um 12 Uhr und Abendessen gab es ab 17 Uhr, wer zu spät kam, hatte eben Pech. So war es auch für die Patienten, so dass diese sich nicht gerade selten um das Essen stritten.
      Heute wurde das Abendessen allerdings von den Schwestern verteilt, da es angeblich einen Vorfall in dem Essenssaal gegeben hatte, worum sich die Aufseher und Putzleute kümmern mussten. Sie konnte es sich nur zurecht reimen, doch den Schreien nach zu urteilen, die sie vorhin gehört hatte, als sie den Wagen mit dem vorportioniertem Essen geholt hatte. Mit diesem fuhr sie nun gerade von Zimmer zu Zimmer, wobei sie gleich einen Rundumcheck bei den Patienten machen sollte. Die junge Frau war soweit mit allen Zimmern fertig bis auf eines, welches sie mit einem der Generalschlüssel aufsperrte. Abgesehen von diesen Schlüsseln, hatte sie auch nur einen anderen bekommen, nämlich den für ihr eigenes Zimmer.
      "Essenszeit" sagte Mary in einem ruhigen Ton und machte sich daran, das letzte Tablett aus dem Rollwagen hervorzuholen. Bevor sie dieses auf einem kleinen Tisch abstellte - eines der wenigen Möbelstücke, die den Patienten gewährt waren - warf sie einen knappen Blick auf denjenigen, der hier eingesperrt war. Es war ein junger Kerl, der, so wie tatsächlich die meisten hier, sehr normal aussah. Gut, man konnte eine Geisteskrankheit nicht vom Aussehen eines Menschen ablesen, doch für die Blondine war es wirklich verwunderlich wie viele geistig stabil wirkende Menschen es hier gab. Von außen her hatte sie sich diejenigen, die hier untergebracht waren immer anders vorgestellt, aber vielleicht war das auch einfach nur oberflächlich. "Wie geht es Ihnen denn heute?" fragte sie den jungen Mann weiter, während sie das Essen vor sich auf dem Tisch anrichtete.

    • Überrascht darüber, dass sich die Tür öffnete, richtete sich Caleb auf und klopfte sich den Staub von der Hose. Er wusste nicht so richtig welche Strategie er verfolgen sollte, versuchen zu beweisen, dass er im Asylum fehl am Platz war oder sich Krank stellen damit niemand Verdacht von seinen Plänen schöpfte. Die Blondine, die vor ihm stand und den kleinen Servierwagen vor sich her schob war eine wahre Augenweide. Am liebsten hätte er sein Glück bei ihr versucht, hätte sie mit einem leichtfertigen Witz zum Lachen gebracht und sie gefragt wie ihr Tag war, doch er wusste nicht ob er ihr trauen konnte. Jede Entscheidung in dieser Einrichtung konnte Konsequenzen nach sich ziehen, Konsequenzen, die seine Vorstellungskraft übertrafen. Unsicher ob er das Risiko eingehen wollte biss er sich auf die Unterlippe ehe er bedacht eine Antwort gab. "Abgesehen vom Schwindelgefühl der Tabletten, geht's mir gut, danke der Nachfrage und wie geht es Ihnen?" lächelte er seinem Gegenüber freundlich zu. Neugierig beobachtete er jede Faser ihres Gesichts, jede Falte, jede Gestik und Mimik, die ihm irgendwas über das Mädchen verrieten. War sie ein Freund oder ein Feind? War es ihm möglich sich Informationen durch sie zu verschaffen oder würde er sich nur Ärger einhandeln wenn er ihr zu nahe käme? //Wie sorge ich dafür in einer Irrenanstalt nicht wie ein Irrer rüber zu kommen?// fragte er sich dabei in Endlosschleife. Jede Bewegung, jeder Satz der über seine Lippen glitt fühlte sich seit der Einweisung so falsch an. Er wusste nicht mehr was normal war und was nicht, verstand nicht wie er in diese missliche Lage geraten war. Vorsichtig näherte er sich dem Tisch auf dem das Essen angerichtet war. "Darf ich?" fragte er dabei um sicher zu stellen, dass er sie nicht bedrängte und ihr zu nah kam. Während sein Körper noch ein wenig entfernt stehen blieb, streckte er seinen Arm aus und griff nach einer Traube ehe er sich diese spielerisch in den Mund warf. So sehr er Zimmerservice auch liebte und sich gern bedienen ließ weil er dies von zuhause nicht kannte, bedauerte er die fehlende Chance sich im Speisesaal nach Verbündeten umzusehen. Unfähig an dieser Situation etwas zu ändern musste er das beste daraus machen. Die zarte Person im Türrahmen scannte er hilflos um irgendwelche Anhaltspunkte zu erhalten. Irgendwas musste ihn einfach weiter bringen. An ihrer Hüfte hing ein großer Ring an dem ironischer Weise nur zwei Schlüssel hingen. Da sie vermutlich das Essen an alle Patienten verteilte, schlussfolgerte Caleb, dass sie über einen general Schlüssel verfügte. Wenn er an diesen gelangen würde konnte er vielleicht entkommen. Nachdenklich wandt er den Blick vom Schlüsselbund ab, sie sollte schließlich nicht merken worüber er nachdachte. Sich am Hinterkopf kratzend blickte er zur Zimmerpflanze. Sie war klein und nicht sonderlich am blühen aber in ihrem Topf war ein wenig trockene Erde vorhanden. Vielleicht konnte er damit einen Abruck vom Schlüssel erstellen aber womit sollte er die Schablone aufgießen, wenn es ihm überhaupt gelingen sollte einen Abdruck zu nehmen. Etwas verzweifelt entwischte dem jungen Mann ein Säufzen über seine Lippen. All seine Anstrengungen und Überlegungen führten zu nichts. Kein Plan der ihm behilflich sein konnte ergab sich. Sich noch eine Traube stibitzend schlich er zum Bett, welches in den Raum ragte und setzte sich auf der Kante nieder. Da die Frau nach dem Servieren des Essens sein Zimmer nicht auf direktem Wege verließ, ahnte er, dass sie noch etwas von ihm wollen würde. "Womit kann ich Ihnen dienen? Blut, Urin, Speichel?" grinste er der Schönheit zu und bereute sofort seine Wortwahl als sich ihre Blicke trafen. //Einen Rachenabstrich meinte ich!!// schrie es in ihm während sein Herz schneller zu schlagen begann. Unkontrolliert wanderte sein Augenmerk auf ihre Lippen. Sanft, rosa mit einem leichten Schimmer von Balsam? Er wusste nicht was es war aber ihre Lippen sahen keines Wegs trocken oder rissig aus ganz im Gegensatz zu seinen. Mehr Wasser trinken hatte er sich immer vorgenommen und doch nie richtig umgesetzt, seine Lippen verrieten dies indem sie häufig eher trocken waren und besonders im Winter dazu neigten einzureißen. Im Gedankenchoas vertieft streckte er seine Zunge wenige Zentimeter heraus um seine Lippen zu befeuchten. Als sich dabei ihre Blicke erneut trafen machte sich erneut unbehagen in ihm breit. //Was machst du denn da!!!// schrie ihn seine innere Stimme erneut an //Die hält dich noch für den großten Perversling!! Soviel dazu die Leute zu überzeugen, dass du hier nicht her gehörst!!// brüllte er sich selbst an und wäre am liebsten im Boden versunken. Wärme schoss ihm ins Gesicht und zierte seine Wangen mit einem leichten Rosa. Verlegen legte er den Kopf in den Nacken und lachte seine Anspannung davon.
      A heart's a heavy burden.

    • Mit mehr oder weniger nervösen Fingern machte sich die Schönheit daran, das Essen auf seinem Tisch zu platzieren. Heute gab es Reis, schon das dritte Mal diese Woche, mit ein wenig trockenem Gemüse dass danach aussah, als hätte es seine besten Tage schon längst hinter sich. Dazu ein paar Trauben und Wasser, damit die Patienten zumindest etwas Vitamine zu sich nehmen konnten und nicht verdursteten. Der junge Mann stand vom Boden auf und näherte sich langsam dem Tisch und sie versuchte, sich ihre Nervosität nicht anmerken zu lassen. Sie wusste bereits, wie es war, wenn ein verrückt gewordener schizophrener Patient auf sie zustürmte, denn genau das war gestern bereits passiert. Die junge Frau hatte sie als gesandte der Hölle betitelt, war auf sie zugerannt und hatte ihre langen, dünnen Finger und das blonde Haar von Marylin gegraben, während sie wie ein wildes Tier bestialische Geräusche und wüste Beschimpfungen von sich gab. Glücklicherweise war einer der Aufseher in der Nähe gewesen und hatte die Frau mit einer Spritze sofort sediert und kurz darauf in eine vergilbte Zwangsjacke gesteckt. Mary war mit einem riesigen Schock davon gekommen, war aber ansonsten nicht weiter verletzt, doch es hatte definitiv Zweifel in ihr geweckt. Was wenn diese Anstalt einfach nur das war? Eine Anstalt eben, in die verrückte Leute gesteckt wurden, um wieder zur Besinnung zu kommen? aber nein, sie hatte Beweise, nunja, zumindest einige Aussagen, die ihr bestätigten, dass hier definitiv mehr vor sich ging, als der Öffentlichkeit preis gemacht wurde.
      Doch in diesem Zimmer hier, neben dem jungen Mann hatte sie keine Panik, dass er gleich über sie herfallen würde, nein, definitiv nicht. Zudem war er außerordentlich höflich und fragte sogar, ob es für sie in Ordnung wäre, wenn er näher kommen würde. "Ja, natürlich, bedien dich" sagte die junge Frau und stellte ein Glas auf den Tisch, in welches sie das Wasser aus einer großen Karaffe einschenken konnte. Vielmehr fühlte sie sich eher von dem jungen Kerl angezogen, denn die Art, wie er sich bewegte, wie er sprach und wie seine Augen neugierig, aber nicht zu aufdringlich ihre Bewegungen verfolgten, wirkte auf sie irgendwie ein wenig anziehend. Nicht doch Mary, du kannst keinen Patienten attraktiv finden.. Schnell wandte sie den Kopf ab und machte sich am Essenswagen zu schaffen, damit er nicht mitbekam, wie ihr leicht die Röte ins Gesicht schoss. Als sie sich wieder umdrehte, hatte er sich auf die Bettkante gesetzt und blickte sie noch immer neugierig an, woraufhin sich ihre Blicke kreuzten. Beschämt schlug sie die Augen nieder und strich sich ihr graues Kleid glatt. "Nein, ich brauche nichts, ich wollte nur.. nunja" stammelte sie und warf ihm einen erneuten Blick zu. Seine Augen waren klar und aufgeweckt und er wirkte ganz und gar nicht so, als würde er hier hingehören, aber dennoch, man konnte sich eben nie ganz sicher sein. Und was wenn sie ihre neugierige Nase zu früh in andere Angelegenheiten steckte und dafür in Schwierigkeiten geriet? Doch dann hörte sie ihn lachen, was so freundlich und offen und verdammt nochmal, ja, sehr attraktiv klang und so gab sie sich, die Wangen noch immer von der Röte glühend, einen Ruck.
      "Nun ich wollte nur wissen wie es dir geht" schoss es aus ihr heraus und innerlich ohrfeigte sie sich. Wie es ihm geht? War er jetzt auf einmal ein alter Bekannter, mit dem sie sprach? Gott, wie hörte sich das denn nur an? Wenn sie so weiter machte, würde sie bald selbst noch in ihr eigenes Patientenzimmer gesteckt. "Also..wegen den Tabletten..meine ich. Der Schwindel und so? Sonst irgendwelche Beschwerden?" Da konnte sie das Gespräch hoffentlich gerade noch einmal so herum reißen. "Du siehst nicht wirklich so aus, als würdest du hier hingehören" murmelte sie dann leise, es waren mehr ihre eigenen Gedanken, die sie aussprach, ehe sie merkte, dass sie das gerade eben tatsächlich laut ausgesprochen hatte.

    • Noch immer auf dem ungemüdlichen Bett ruhend, wunderte er sich ein wenig als die Blondine sich nach seinem Wohlergehen erkundigte. Ein fragender Blick an diese gerichtet erklärte sich auch schon ihre Nachfrage. Kopfschüttelnd verneinte er die Nachfrage ob er weitere Beschwerden hätte. Seine Gedanken wanderten kurz zum Möbelstück, dass er unter sich fühlte. Die Matratze war viel zu hart, quietschte bei jeder Bewegung seines ruhesuchenden Körpers. Die Decke viel zu dünn für die kalten Nächte im kaum beheizten Zimmer doch damit musste er sich arangieren. Wohl kaum würde er ein Zimmerupgrade wie im Hotel bekommen und auf wundersame Weise eine Urlaub aus dieser Katastrophe machen, so beschloss er zu schweigen und nicht seine Gedanken über seine Zelle zu teilen. Die Probleme schienen ihm zu banal im Vergleich zu dem was er von anderen Patienten hörte und auch langsam selbst vermutete. Irgendwas stimmte mit dieser Einrichtung nicht, dem wurde er sich immer sicherer, sich dabei über das Mobiliar zu beschweren war einfach nur lächerlich. Leider blieb ihm nichts anderes. Fast den ganzen Tag in dem maximal fünfzehn Quadratmeter großem Raum gegen den eigenen Willen eingespeert zu sein, verängstigt und verunsichert was als nächstes passieren würde, blieb einem nicht viel übrig als im Gedankenchaos zuversauern. "Ich hab das Gefühl mir fehlt die Erinnerung an die Nacht aber abgesehen davon..." sprach es schließlich gelassen aus ihm da er mit dieser Aussage nicht all zu viel Misstrauen erwecken durfte. Gerade als sich seine Lippen nach beenden seines Satzes aufeinander pressten, warf es ihn fast aus den Socken und ihm fiel beinahe die Kinnlade herunter. Stattdessen weiteten sich seine Augen und er starrte das Mädchen für einen Moment schweigend an, fragte sich ob seine Ohren ihm einen Streich spielten oder vielleicht waren es auch die Nebenwirkungen der Tabletten. Halluziniere ich? Was ist wenn das eine Falle ist? Seine Antwort darauf musste er sich gut überlegen aber wenn er zu viel Zeit verstreichen ließ würde er vielleicht seine Chance verlieren. Am liebsten wäre Caleb vom Bett aufgesprungen und hätte aus den tiefen seiner Lunge geschrien das sie damit vollkommen recht hatte. Er gehörte dort nicht hin! Diese unbekannte Schönheit und dieser scheinbar harmlose Satz waren die erste Chance, die er seit seiner Einweisung hatte. "I..Ich.." stammelte er nervös vor sich hin, ringte nach Worten und fand sie nicht. Sein Blick wanderte hastig zu dem Platz an dem er vor wenigen Minuten noch auf dem kalten Boden kauerte und die Tage seiner Gefangenschaft in die Wand ritzte. Wenn er sich jetzt mit der Schwester dumm anstelte, könnte es nur noch ungemütlicher für ihn werden. "Meine Familie sieht das leider anders..." seufzt es aus ihm heraus, mehr ein Hauch als das er es richtig aussprach. Erneut schenkte er seinem Gegenüber seine Aufmerksamkeit. Einige Strähnen schmiegten sich um ihre leicht geröteten Wangen und am liebsten wäre er in ihre Arme gefallen, hätte sie angefleht ihn rauszulassen bevor sie sonst was mit ihm anstellten. Auch wenn man es ihm aufgrund seines taffen Aussehens nicht ansah, er hatte Angst. Von der Minute an, in der er aus seinem Zuhause gerissen wurde und von mehreren Männern schmerzhaft gezwungen wurde zu kooperieren, hatte er Sorge was als nächstes mit ihm geschah. Einem angeblich schwulem jungen Mann, der der Gesellschaft schon häufiger ein Dorn im Auge war. Sich gegen Kriege und Korruption aussprach und die politischen Entscheidungen des Landes in frage stellte. Ein Querdenker. "Ich gehöre hier nicht hin aber vermutlich behauptet das jeder Patient von sich." ein wehleidiges Lächeln zierte das Gesicht des jungen Mannes und ein unschuldiger Blick wanderte zu Mary. Er wusste nicht wie er sie hätte überzeugen können, alle Karten standen gegen ihn. "Aber danke für deine lieben Worte...Es ist das netteste, das ich seit Tagen gehört habe." ein warmes Grinsen weichte über seine Lippen. Die Blondine war ihm sofort sympathisch, schien sie nicht nur hübsch sondern auch etwas im Köpfchen zu haben, diese Einrichtung zu hinterfragen aber was zur Hölle tat sie da? Wollte sie genau so enden wie er? Solche Aussagen würden ihr nur Ärger bereiten, besonders wenn sie solche Worte bei den falschen Personen wählte. War sie sich dem Risiko nicht bewusst? Mit ernster Miene erhob er sich vom Bett, bewegte sich einen Schritt auf das Mädchen zu und senkte die Stimme. "Nur ein gut gemeinter Rat aber behalt solche Kommentare lieber für dich. In einer Einrichtung wie dieser weißt du nie wer dein Freund oder wer dein Feind ist. Hören dich die falschen Personen so reden, servierst du hier schon bald nicht mehr das Essen sondern wirst vermutlich meine Zimmernachbarin." hauchte es aus ihm bedrohlicher als er es beabsichtigte. Er kannte sie nicht, vielleicht war er ihr zu nah getreten doch er wollte sie warnen, wollte sie schützen vor all den tatsächlich kranken Menschen in diesem Haus, vor den Konsequenzen, die eine falsche Entscheidung, ein falsches Wort in dieser Einrichtung bedeuteten. Die beiden waren nur wenige Zentimeter voneinander entfernt, sodass ihm der Geruch der jungen Frau in der Nase kitzelte. Sie roch nach dem lieblichen Duft von Blumen auf einer unberührten Wiese. Unauffällig nahm er einen Zug, wollte den Geruch am liebsten in seinem Zimmer versiegeln. Alles roch besser als das Aroma von Mottenkugeln, das sich in dem kleinem Rauch ausbreitete. Er blickte ihr tief in ihre funkelnden Augen, versuchte in ihre Seele zu schauen, ihre Motive zu ergründen aber auch einfach um ihren Anblick zu genießen. Sie war mit Abstand die hübscheste Frau, die er je gesehen hatte und mit etwas Glück hatte sie auch genug Grips um die Machenschaften des Asylums zu hinterfragen.
      A heart's a heavy burden.

    • Zuerst machte es den Anschein, als würde der junge Mann versuchen, seine jetzige Situation auf die leichte Schulter zu nehmen. Er wusste, dass er nicht hierher gehörte und hatte vermutlich auch noch die Hoffnung, dass diejenigen, die ihn hier rein gesteckt hatten, das auch noch bemerken würden. Doch so ging es leider nicht mehr sehr vielen hier in dieser Einrichtung. Bei den meisten, die sie bereits aus nächster Nähe gesehen hatte, war dieser leichte Hoffnungsschimmer in den Augen bereits erlöscht und sie wirkten auf Mary nur noch wie leblose Körper ohne die Seele. Doch sie konnte es gut verstehen, wie sollte man schließlich an einem Ort wie diesem hier noch positive Gedanken haben? Alles wirkte finster, streng und beängstigend. Was diese Menschen hier brauchten waren Leute, die sich wirklich um sie kümmerten, ihnen zuhörten, sich ihrer Gefühle und Ängste annahmen und niemanden, der sie als Versuchsobjekte behandelte und in eine Zelle steckte.
      Doch so wie dieser junge Mann sprach und sie ansah, hatte er noch nicht aufgegeben und das freute Mary auf irgendeine, für sie sehr bizarre Art und Weise. Natürlich war sie hier her gekommen, um den Menschen, die eigentlich keine Stimme hatten, eine zu geben. Am liebsten würde sie die Ärzte und Schwestern anschreien und sie einmal fest durchrütteln, ob sie denn nicht sahen was sie hier anrichteten. Sie hatte wirklich das Gefühl, außer ihr waren hier nur Sadisten unterwegs, die einen Spaß daran hatten, den Leuten ihren allerletzten Lebenswillen zu nehmen. Und wenn es diesem Mann hier schon half zu wissen, dass sie anders war, ja, dass sie für ihn da war, dann wusste sie, dass sie hier definitiv am richtigen Ort war und ihren Plan, das alles ans Licht zu bringen, umsetzen würde.
      "Ich.." hauchte sie, als er aufgestanden war und sie warnte vor dem, was sie sagte und blickte mit gesenkten Augenlidern auf den Boden. Natürlich hatte er Recht, man hatte sie ja nicht umsonst zurecht gestutzt, also sollte sie definitiv aufpassen, was sie sagte und vor wem. "Du hast Recht.. Danke" hauchte sie und blickte ihn dann wieder direkt an, nur um kurz den Atem anzuhalten. Die Art und Weise wie er sie ansah, ließ sie erneut erröten, denn er hatte einen so freundlichen und entwaffnenden Blick wie sie es noch nie gesehen hatte. Dunkle Strähnen vielen ihm ins Gesicht und ließen ihn ein wenig verwegen und verschmitzt aussehen, aber seine Augen wirkten so weich und freundlich. "Oh verdammt" murmelte sie und wich ein wenig zu schnell zurück, sodass sie gegen den Servierwagen stieß. "Autsch" entfuhr es ihr und sammelte hastig das Geschirr auf, welches sie dabei umgestoßen hatte. "Ich muss wirklich weiter ich.. ich denke ich bin schon viel zu lange hier" erklärte sie ihm und ging mit schnellen Schritten in Richtung Tür. Da hatte sie sich tatsächlich in seinen Augen verloren und ganz vergessen wo die Zeit geblieben war.
      "Ich also.. Pass auf dich auf" sagte sie und zwinkerte ihm zu, ehe sie sein Zimmer verließ und die Tür hinter sich schloss. Gott, hatte sie ihm gerade wirklich zugezwinkert? Wie außerordeentlich peinlich war das denn gewesen? Mit hochrotem Kopf strich sie sich erneut ihr Kleid zurecht und schrak dann auf, als sie hinter sich eine Stimmte vernahm. "Alles in Ordnung da drin?" fragte ein in weiß gekleideter Wärter und deutete auf das Zimmer, aus welchem sie eben gekommen war.
      "Oh, ähm, ja natürlich" stammelte sie hastig als Antwort. "Mir ist nur etwas Geschirr umgefallen." Mit diesen Worten griff sie nach ihrem Wagen und lenkte ihn um den Aufpasser herum, der ihr stirnrunzelnd hinterher blickte. Noch mehr Aufmerksamkeit konnte sie wirklich nicht gebrauchen, sie musste sich also wirklich zusammen reißen.
      Nachdem sie also den Wagen zurück gebracht und das Geschirr in der Küche aufgeräumt hatte, war es schon wieder so gut wie Schlafenszeit und sie machte sich auf den Rückweg zu ihrem Zimmer. Gedankenverloren passte sie nicht wirklich auf den Weg auf und man konnte sich auch wirklich leicht verirren in diesen endlos langen, dunklen Gängen. Da hörte sie von etwas weiter Weg ein Schreien, was sie nicht weiter verwundert hätte, denn hier schien es irgendwie zur Tagesordnung zu gehören, doch das laute Rufen schien nicht aufzuhören. Schnell blickte sie sich in alle Richtungen um, ehe sie dem Geräusch folgte und schnell fündig wurde. Sie stand vo einer doppelten Schwingtür mit zwei kleinen Fenstern im oberen Teil, sodass sie sich ein wenig auf die Zehenspitzen stellen musste, um etwas zu sehen. Der Raum war nur spärlich erhellt, doch was sie sah, ließ ihr das Blut in den Adern gefrieren. In der Mitte des Zimmers, das so eingerichtet war, dass es einem OP-Saal glich, hatte man einen Patienten an ein Bett gefesselt, eine Frau, vielleicht Mitte dreißig. Sie schrie mit aller Kraft, doch die Männer um sie herum, die wohl Ärzte waren, schien das wenig zu interessieren. Einer davon befand sich hinter ihrem Kopf und hatte etwas in der Hand, was aussah wie eine überdimensionale Nähnadel und einen.. Ja, in der anderen Hand hielt er tatsächlich einen Hammer. Mary konnte sich kaum bewegen als er das nadelähnliche Utensil über ihrem Auge platzierte und dann mit einem präzisen Schwung ausholte und mit dem Hammer zuschlug. Ein durch Blut und Knochen durchdringender Schrei ertönte, der dann langsam in ein Gurgeln überging, bis die Frau letztenendes komplett verstummte. Erst die Stille riss Marylin aus ihrer Starre und sie wurde von einer plötzlichen Übelkeit überkommen. Was zur Hölle hatte sie da gerade gesehen? Wenn das nicht der eindeutige Beweis dafür war, das etwas hier schief lief? Noch bevor sie einen klaren Gedanken fassen konnte, drehte sich einer der Männer zur Tür, woraufhin sich die Blondine schleunigst duckte. "Oh verdammt." Ihre Stimme war nur noch ein Hauchen und noch bevor einer der beiden Männer zur Tür kommen konnte, nahm sie all ihre letzte verbliebene Kraft und machte sich auf und davon.
      Nachdem sie nach einer gefühlten Ewigkeit durch die Gänge gerannt war, kam sie endlich in ihrem tristen Zimmer an und verschloss die Tür hinter sich. Noch immer völlig unter Schock stehend ließ sie sich auf dem Bett nieder und wischte sich ein wenig kalten Schweiß von ihrer Stirn. Ziemlich sicher, dass sie heute wohl kein Auge zubekommen würde, kramte sie ihr Notizbuch heraus um alles nieder zu schreiben. Die Nacht verging schneller als ihr lieb war und so blieb ihr nichts anderes übrig, als sich völlig übermüdet und mit Augenringen für den nächsten Tag fertig zu machen.

    • Neu

      Über beide Ohren hinaus grinsend beobachtete Caleb die junge Frau, wie sie erst über ihren eigenen Wagen stolperte und anschließend das Chaos, welches sie hinterließ schnell wieder beseitigte. Ehe er ihr einen Schritt entgegen machen konnte um ihr beim Aufsammeln des Geschirrs helfen konnte war sie auch schon so schnell durch die Tür verschwunden, wie sie einige Momente zuvor erschienen war. Lediglich die sanfte Spur von frischen Blumen ließ sie in dem trostlosen Zimmer zurück, doch genau dieser leichte Durft war es der dem jungen Mann Hoffnung schenkte. Eine frische Brise, ein neuer Reiz, der einen Lichtblick am Ende des Tunnels versprach. War er doch nicht so allein wie er sich seit seiner Ankunft fühlte? Ermutigt und voller Freude ließ der dunkelhaarige einige Fastschläge in die Lüfte und verlor dabei für keine Sekunde das Grinsen auf seinem Gesicht. "Na also!" prustete er hinaus und sank anschließend mit dem Rücken voraus in das ungemütliche Bett. Die Arme verschränkte er hinter seinem Kopf und starrte tief ausatmend an die Decke. Lange war es her, dass er eine Frau kennengelernt hatte und ihm diese dabei auch noch ein Lächeln auf die Lippen zauberte. Ausgerechnet in dieser Einrichtung hätte er niemals gedacht so einer Person zu begegnen, die in ihm so viele Gefühle auslöste, ohne das er sie richtig kannte. In ihrer Anwesenheit verspürte er einfach ein gutes Gefühl, doch ein bitterer Beigeschmack machte sich schleichend in ihm breit. Seine Mundwinkel verzogen sich nach unten und plötztlich sah er sich in seinem Gedankenchaos gefangen. Was wäre wenn ihr etwas zustoßen würde? Sie war zu unvorsichtig ihm gegenüber gewesen. Diese zarte, fürsorgliche Art war etwas schönes und besonderes, doch nicht an einem Ort wie diesem. "Pass auf dich auf" seufzte es aus ihm während er sich auf die Seite drehte und sein getrübter Blick zum Fenster wanderte. Er war immer noch gefangen gewesen, konnte sich selbst, geschweige denn ihr irgendwie helfen solange er festsaß. Lange grübelte er, versuchte weiter eine Lösung für seine Situation zu finden und musste sich doch nur wieder eine Niderlage eingestehen. Zumindest hatte er etwas worauf er sich am nächsten Tag freuen konnte nämlich die junge Mitarbeiterin vielleich wieder zu sehen. Die Stunden in seinem Zimmer vergingen gefühlt in Zeitlupe und als es endlich Zeit war zu schlafen bereitete sich ein mulmiges Gefühl in ihm aus. Die Nächte in dem Asylum waren schrecklich und bedeuteten eigentlich immer Ärger. Überall auf den Fluren und aus den Ritzen der anderen Zimmer war Schreien, Stöhnen und Weinen zu vernehmen. Wenn man nicht schon verrückt eingewiesen wurde, würde man es hier nach einiger Zeit schon werden. Halb unter der Bettdecke versteckt drehte und wendete Caleb sich immer wieder, unfähig Ruhe zu finden. Die Geräuschkullisse machte ihn Wahnsinnig und die Angst vor Wächtern, die ihm erneut fragwürdige Medikamente verabreichen würden war zu groß. Schutzsuchend stülpte er sich das Kissen über den Kopf und summte eines seiner Lieblingslieder vor sich hin bis er schließlich in den Schlaf driftete. Unerholt und träge öffneten sich seine Augen. Die Sonnenstrahlen schienen bereits ins Zimmer und blendeten ihn. Sein Kopf war schwer und sein Blick müde, blaue kreise zierten sein Gesicht. Verschlafen und noch immer leicht benommen rieb er mit seiner Hand quer durch seine Gesichtshälfte. Alles drehte sich und vor seinen Augen flogen gelbe Punkte umher. Hatte man ihm erneut etwas verabreicht oder war es einfach der Schlafmangel der ihm zuschaffen machte? Gerade als er erheben wollte, riss man ihm die Decke vom Leib und ein kalter Schauer überkam ihn. Das laute Pollern seines Herzschlags klingelte ihm im Ohr und er verstand nicht was vor sich ging. Ein Mann in weiß schmiss seine Decke über das Bettgestell und sprach zu ihm, alles war er hörte war der schneller werdende Rhythmus seines Pulses. Ungeduldig packte ihn der Mann am Arm und zog ihn auf seine Beine. Der kalte Boden unter seinen nackten Füßen wurde schon bald von einem gummiartigen Stoff ersetzt. Eine Waage? Mit einem Bleistift notierte der fremde die Zahl, die sie ihm anzeigte, schubste den jungen von dieser ehe er sie sich wieder unter den Arm klemmte und verschwand. Verwirrt und frierend schaute er verblüfft auf die wieder verschlossene Tür. Bereits bei seiner Ankunft hatte man seine Daten wie auch sein Gewicht aufgenommen. Wofür benötigten sie es erneut? Was führten sie im Schilde?
      A heart's a heavy burden.