Future Dystopia [unravel & Caili]

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    • Future Dystopia [unravel & Caili]

      OCTAVIA
      Montagabend, 21:34, irgendwo im 12. Distrikt.
      Ihr Atem ging schwer. Das Herz raste in ihrer Brust, und in jenem Moment wünschte sie sich, sie hätte am Samstag nicht so euphorisch auf diese ganze Sache geblickt. Sie hatte sich gefreut, endlich in dieser Abteilung zu ermitteln - Abteilung 0, gleichnamig mit der Kategorie 0, weil ihre Hauptaufgabe jene war, alle gefährlichen, und im besten Fall die gefährlichsten Kategorien aus dem Verkehr zu ziehen.
      Octavia hatte für gewöhnlich keine Angst, sie fürchtete sich nicht einmal vor dem Tod, weil sie nüchtern genug war, um einzusehen, dass jener zum Leben dazugehörte und sich nicht vermeiden ließ. Aber jetzt im Moment wurde ihr bewusst, dass sie viel zu jung war, um schon zu sterben, und sie hatte absolut kein Interesse daran, von einem Halbmenschen verschlungen zu werden. Es wäre ironisch, wäre das die Art, auf die sie umkommen würde. Sie würde ihrem Vater damit perfekt in die Fußstapfen treten, oder?
      Ihre Hände umfassten den Griff ihres Schwerts so fest, dass die Knöchel weiß hervortraten. Hier und da hatte der Halbmensch sie schon erwischt, aber sie hatte es immer geschafft, sich wieder aus seinen Griffen zu befreien. Ihre Arme und Beine brannten und schmerzten und sie wollte einfach nur ins Bett und schlafen. Sie wollte, dass dieser Kampf endlich endete, denn er wirkte aussichtslos.
      Vor allem, da sie alleine war. Sie war so wütend. Edward Luperus war ihr verdammter Vorgesetzter. Sie hatte ihn heute erst kennengelernt. Heute, verdammt nochmal! Das war ihr erster Tag, und weil sie stark unterbesetzt waren, hatten sie auch nach ihrem Feierabend losrennen müssen, als die Eilmeldung eintraf, dass ein Typ 0 Halbmensch gesichtet wurde. Es war zum Haareraufen. Und jetzt? Jetzt war Edward irgendwo im Nirgendwo, hatte sie einfach zurückgelassen, und Octavia stand hier, mit zitternden Armen und Beinen und wurde zurückgedrängt in die Gasse, in die der Halbmensch sie gelotst hatte, ohne dass sie es bemerkt hatte. Wie hatte sie nur so nachlässig sein können? Wie hatte sie nur nicht bemerkt, dass er ihre Überforderung zu seinem Vorteil genutzt hatte.
      "Ihr Menschen seid so unfassbar erbärmlich." Die Augen des Halbmenschen funkelten bedrohlich in der Dunkelheit. Jeder Schritt, den Octavia nach hinten machte, hallte laut und ohrenbetäubend in ihren Ohren. Ihre Zähne knirschten, als ihre Augen bemerkten, dass die Hand, die sie ihm abgehackt hatte, sich bereits regeneriert hatte. Die Nägel wirkten unnatürlich lang und messerscharf. Sie hatte es an ihrer Seite schon spüren dürfen; irgendwo musste sie bluten, und das schien den Halbmenschen nur noch mehr auf sie zu prägen.
      "Ihr lasst euresgleichen einfach alleine. Und jetzt stehst du hier, süßes, kleines Mädchen, und ich darf mich an dich vergnügen. Es ist so amüsant..."
      "Halt die Klappe", zischte sie, und brachte den Halbmenschen damit das erste Mal zum Schweigen. Verwundert hob er seine buschigen Augenbrauen. "Gott, du redest so unfassbar viel." Sie ließ das Schwert langsam sinken und wischte sich die roten Haare aus der Stirn. Sie wirkte erschöpft, aber ihr Blick war aufmerksam und messerscharf. "Das ist eine schlechte Angewohnheit, weißt du das... hngh..."
      Sie kam nicht mehr dazu, noch etwas zu sagen. Mit einem Mal war seine riesige Pranke um ihren schmalen Hals geschlungen und sie kollidierte unsanft mit der harten Backsteinwand hinter sich. Ihre Augen pressten sich zusammen und sie spuckte Blut, aber als sie sie blinzelnd wieder öffnete, grinste sie. Der Halbmensch starrte sie verwundert an, besonders, als die frisch gebackene Ermittlerin zwischen Schmerz und Glück nicht unterscheiden konnte.
      Ihr Schwert hatte sein Herz durchbohrt, aber sie wusste auch so schon, dass das nicht reichen würde, um den Kampf zu gewinnen und den bevorstehenden Tod noch abzuwenden.
      -
      @Cailemia
      夢を諦めて死んでくれ。新兵たちを地獄に導け。
      GIVE UP ON YOUR DREAMS AND DIE.
    • Edward

      Der junge Mann hatte von Anfang an gewusst, dass diese Mission zum scheitern verurteilt war. Was konnte man schon von einer frischgebackenen Ermittlerin, welche gerade erst aus der Ausbildung gekommen war und keinerlei echte Kampferfahrung aufweisen konnte, erwarten? Und er selbst war auch keine große Hilfe, schienen die Verletzungen, welche seine Schusswaffe bei dem Halbmenschen des Typen 0 verursachte, fast sofort wieder zu regenerieren und um seine Identität aufrecht zu erhalten spielte er seiner Umgebung menschlich durchschnittliche Geschwindigkeit und Reaktionsvermögen vor, wenn nicht sogar unterdurchschnittlich, da seine Hauptaufgaben in der Abteilung nicht der Kampf war.
      Aber natürlichen hatten die Vorgesetzten nicht auf Edward hören wollen, wer war er schon, dass seine Meinung bei diesen irgendein Gewicht hatte?
      Zu seinem Glück fokussierte sich der Halbmensch auf Ocativa, welche mit ihrer Klingen im Gegensatz zu Edward eine Nahkämpferin war und letztendlich hatte er nach kurzem überlegen und beobachten der Situation beschlossen, dass es besser war diesen Kampf zu vermeiden und zu fliehen. Ohne ein Wort zu verschwinden.
      Es wäre ein leichtes für Edward gewesen den Neuling dort einfach sterben zu lassen, er hatte nicht gerade eine gute Meinung über sie und ein Halbmensch Jäger weniger sollte ihm eigentlich immer recht sein, auf der anderen Seite gefiel ihm der Gedanke nicht einen Typ 0 weiterhin frei herumlaufen zu lassen, vor allem aber zuzulassen, dass er einen Menschen aß und damit nicht nur stärker wurde, sondern auch den Ruf der Halbmenschen dadurch nur noch schlimmer machte.
      Letztendlich seufzte er genervt und fuhr sich dabei durchs Haar, während er bereits im Dienstwagen saß und entschied sich letztendlich etwas zu unternehmen und die junge Frau dabei zu retten.
      Hätte Octavia das Glück gehabt fliehen zu können oder hätte sich ein Passant zu dieser Zeit auf die Straßen getraut, wäre diesem der Anblick vergönnt gewesen, wie Edwards Haare langsam länger wurden, zu wachsen begannen und sich Ohren und ein weißer, weicher Schweif zeigten.
      Seine Nägel wuchsen und konnte kaum mehr als solche Bezeichnet werden und auch seine Zähne wurden scharf und gefährlich.
      Der junge Mann legte die Brille ab, welche er zur Tarnung nutzte und warf sich einen Kimono über sein einfaches Hemd, um nicht anhand seiner Kleidung erkannt zu werden. Ein Glück hatten sie seinen Dienstwagen genommen, sonst hätte er noch mehr Zeit verloren und Octavia hätte bereits Tod in der Gasse gelegen.

      Mit einem Mal lockerte sich der Griff des Typ 0 Halbmenschen um den Hals von Octavia, so dass sie sich einfach aus diesem befreien und verletzt zu Boden sinken konnte.
      Mit seinen schnellen Schritten war Edward in der Lage gewesen die beiden zu finden und nutzte den Überraschungsmoment, um den Kopf seines Gegners mithilfe seiner Krallen von seinen Schultern zu lösen.
      Der Kopf rollte zur Seite, blieb an seinen Füßen liegen, welche barfuß und die scharfen Krallen zu sehen waren, während der nun leblose Körper zu Boden sackte, aber nicht ohne eine große Fontäne an schwarzem Blut zu verlieren, welches das Markenzeichen seiner Spezies war. Ein wahrlich verräterisches Merkmal, doch auf der anderen Seite verriet es Edward, dass er noch nicht genug Menschen gefressen hatte, hätte sich sein Blut ansonsten rot gefärbt, welche die wahrlich gefährlichen Wesen der Typ 0 Kategorie waren. Aber sie waren so selten, dass kaum jemand über deren Existenz Bescheid wusste, selbst Edward waren diese fremd.
      Der junge Mann hob seinen Arm mit dem langen Ärmel seines Gewands über sein Gesicht, damit dieses nicht mit dem Blut befleckt wurde und zu seiner Verwunderung stellte er fest, dass das Schwert seiner neuen Kollegin in der Brust des Monsters steckte. Er grinste schief.
      „Hat deine Mama dir denn nicht beigebracht, dass man Nachts nicht raus gehen sollte?“, gab Edward sarkastisch von sich, konnte er es sich doch nicht verkneifen der jungen Frau noch mehr Salz in die Wunden zu streuen.
      Wenn sie dadurch ihren Job aufgab, umso besser.
    • OCTAVIA
      "Das wirst du bereuen", hisste der Halbmensch, nachdem er an sich heruntergeschaut und die Klinge ihres Schwertes in seiner Brust stecken sehen hatte. Es war ein Wunder, dass er überhaupt noch auf den Beinen stehen konnte. Das Herz und der Kopf eines Halbmenschen waren die Schwachstellen, die ihnen beigebracht wurden. Eine Enthauptung war der effektivste Weg, aber das hier war alles gewesen, was Octavia zustande hätte bringen können.
      Die Klinge schien ihn aber nicht zu stören. Der Griff um ihren Hals wurde immer stärker und die schwarzen Punkte tanzten schikanierend vor ihren Augen, als wollten sie ihr sagen, dass das hier ihr Ende war. Gleich würde die Welt um sie herum einfach schwarz werden und sie würde einschlafen, und mit etwas Pech einfach nicht mehr wachwerden. Da hatte sich die Ausbildung und all die Mühe und der Schweiß sicherlich gelohnt, oder? Ob ihr Vater wohl stolz auf sie war, dass sie es überhaupt so weit geschafft hatte? Vielleicht würde ja noch der Moment kommen, an dem sie ihm die Frage stellen konnte, wenn sie im Himmel - oder in der Hölle? - auf ihn treffen würde...
      Aber der Griff um ihren Hals ließ mit einem Mal nach. Die Krallen hinterließen einige kleine Kratzer, als die Hand des Halbmenschen abrutschte und Octavia nun nicht mehr an die Wand gedrückt wurde, sondern benommen an jener herunterrutschte. Der kalte Boden war nun unter ihr zu spüren. Sie blinzelte einige Male, versuchte, die Punkte endlich verschwinden zu lassen, aber das stellte sich als schwerer heraus, als anfangs gedacht.
      Erst, als sie eine Stimme vernahm, die sie ganz offensichtlich ansprach, konnte sie die Benommenheit ausblenden. Es war, als würde das Adrenalin erneut durch ihren Körper rasen und damit dafür sorgen, dass sie wieder Herrin ihrer Sinne wurde. Reflexartig griff sie nach ihrem Schwert, riss es dem nun leblosen Halbmenschen aus der Brust und richtete es auf jene Person, die ihren Kontrahenten gerade mit einem einzigen gezielten Schlag ausgeschaltet hatte.
      "Was zum...?", kam es überfordert über ihre Lippen. Sie wollte sich aufrichten, aber ihre erschöpfter Körper machte ihr einen Strich durch die Rechnung. Angst machte sich in ihr breit. Wenn ein Halbmensch wie er - und man sah ihm an, dass er kein normaler Mensch war - ihr geholfen hatte, indem er einen Typ 0 einfach so ausgeschaltet hatte, hieß das dann nicht, dass er viel schlimmere Sachen mit ihr vorhaben würde...?
      Octavia schluckte schwer. "Was willst du von mir?", fragte sie ihn, konnte das Zittern ihrer Stimme nicht unterdrücken. Hass vermischte sich mit Verwirrung und machte es schwer, überhaupt zu wissen, was sie denken oder fühlen sollte. Ihre Schwertspitze zeigte immer noch auf die Brust des Mannes, der ihr geholfen hatte.
      "Ich dachte, Menschenleben sind euch unwichtig." Langsam erlangte sie wieder Kontrolle über eure Stimme. "Ich dachte, wenn es nach euch ginge, würdet ihr die Weltherrschaft an euch reißen. Also... wieso, in Gottes Namen, hilft mir ein Halbmensch und bringt Seinesgleichen um?!"
      夢を諦めて死んでくれ。新兵たちを地獄に導け。
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    • Edward

      Mit dem langen Ärmel die Hälfte seines Gesichtes verdeckend betrachtete Edward abschätzig die junge Frau auf dem Boden, sah auf sie herunter, während sie vor sich hin brabbelte und seine Ohren zuckten kurz, als er sich wünschte, dass sie ihre Stimme senken und bitte nicht so laut sein würde. Er war doch nicht taub.
      „Schon mal daran gedacht, dass ihr Menschen nicht gerade gut im Denken seid?“, gab der junge Mann abschätzig von sich, nachdem einige Minuten der Stille vergangen waren, in denen sich die beiden nur gegenseitig angestarrt hatten.
      Edward glaubte nicht, dass sie ihm gefährlich sein könnte, aber töten würde er sie auch nicht. Er gehörte nicht zu diesen. Er war ein friedlicher Halbmensch, wie die meisten es eigentlich auch waren, auch wenn er den Menschen nicht als Hass und Abschätzung entgegen bringen konnte.
      Ein Grinsen machte sich auf seinen verdeckten Gesichtszügen breit, welches nur in seinen aufleuchtenden Augen zu erkennen war.
      „Wie amüsant, dass dich das überhaupt interessiert. Solltest du nicht lieber aufstehen und mir deine Waffe durch die Brust stechen, wie all die anderen Mörder unter euch? Und wag es nicht mich mit diesem Abschaum in eine Schublade zu stecken. Daswar ganz sicher nicht Meinesgleichen.“, verschwand das Grinsen schnell und ein Ausdruck der Abscheu war auf seinem Gesicht zu lesen, als er begann über das Monster zu sprechen, welches er getötet hatte. Ihm war anzuhören, dass er es hasste mit dem Typ 0 verglichen zu werden und er warf der Leiche einen kurzen Blick zu.
      Sollte er sie entsorgen, damit die Menschen seine Überreste nicht für sonst was benutzen konnten? Nein, er hatte schon genug Zeit hier verschwendet. Wenn Edward glaubwürdig spielen wollte, dass er geflohen und Octavia alleine gelassen hatte, musste er verschwinden, bevor sie merkte, dass sein Dienstwagen noch da war.
      „Solltest du nicht lieber nach einem Krankenwagen rufen oder ähnliches? Der Wagen, mit dem du und dein feiger Freund in mein Jagdrevier eingedrungen seid, ist vor einer ganzen Weile verschwunden und so wie du aussiehst, wirst du die Nacht wohl kaum alleine überleben. Dein Blut könnte weitere anlocken. Ich habe jedenfalls nicht die Zeit mit dir zu spielen, kleines Mädchen.“, mit diesen Worten drehte sich Edward um, ohne sie nochmal eines Blickes zu würdigen und verschwand mit einem Mal, wobei er sich schlicht und einfach so schnell bewegt hatte, dass er nicht mehr für das gewöhnliche, menschliche Auge zu sehen war.
      Schnell warf er sich in den Fahrersitz seines Wagens, verschwand lautlos und geräuschlos – ein hoch auf die Technik – und setzte einen anonymen Hilferuf an einen Krankenwagen durch, bevor seine Worte sich bewahrheiten konnten und Octavia ein weiteres Mal angegriffen werden würde.
      Nun lag es schlicht und einfach an ihrem Glück, ob sie es lebend zurück schaffte oder nicht.
      Was Edward lieber gewesen wäre? Er konnte sich nicht so recht entscheiden.

      Endlich wirkte Edward wieder wie ein Mensch, nachdem er sich von seiner langen Haarpracht getrennt und die Reste entsorgt hatte. Am einfachsten war es, das Haar einfach zu verbrennen und nachdem er frisch gewaschen aus der Dusche kam, überprüfte er noch einmal ob der Geruch von Blut an ihm haftete, aber er bezweifelte, dass ein Mensch es riechen können würde.
      Edward überlegte kurz, ob er wieder zur Arbeit fahren und seinen Bericht abgeben sollte, war kurz davor es auf morgen zu verschieben, entschied sich jedoch genervt dazu, dass es heute sein musste.
      Wenn er damit rechnete eine Ermittlerin verloren zu haben, dann konnte das schlicht und einfach nicht auf sich warten lassen, auch wenn seine Kollegen wussten, wie apathisch der junge Mann manchmal sein konnte.
      Auf Konsequenzen hatte er keine Lust.
      Somit machte er sich mit dem Dienstwagen wieder auf den Weg zur Arbeit, nachdem er seine Haare getrocknet und sich frische Kleidung angezogen hatte, um diese Aufgaben zu erledigen. Wie viele Überstunden er diese Woche schon hatte machen müssen... vielleicht er langsam mal einen Urlaub beantragen.
    • OCTAVIA
      Genervt verdrehte sie die Augen. Ein Wunder, dass sie in ihrer momentanen Situation überhaupt in der Lage war, sich über ihn und seine Aussagen aufzuregen. Und trotzdem schaffte er es mit nur wenigen Worten, sie vollends in die Weißglut zu bringen. Was war nur los mit ihr, dass sie sich so leicht provozieren ließ? Hätte der Kerl von vorhin sie nicht vollkommen fertig gemacht, würde sie sicher wieder auf den Beinen stehen und sich auch mit ihrem Retter anlegen. Dass er sie gerettet hatte, schien nämlich nicht wirklich aus Überzeugung passiert zu sein. Was die Frage nach einem Warum nur noch größer machte. Aber sie bezweifelte, dass er ihr wirklich eine Antwort geben würde.
      Aber Verwunderung machte sich in ihrem Blick breit, als er so finster dreinblickte und es gar nicht mochte, mit dem Typ 0 gleichgesetzt zu werden. Sie schnaubte leise, schüttelte den Kopf.
      "Du musst mindestens so stark sein wie er, sonst hättest du ihn nicht einfach enthaupten können", stellte sie nüchtern fest. Dennoch wirkte er nicht annähernd so böse wie ihr Angreifer von vorhin. Ach, was wusste sie denn schon? Sie kannte Halbmenschen nicht und sie wollte sie auch nicht kennen. Sie wollte nicht verstehen, warum sie so reagierten, wie sie reagierten, warum sie Menschen töteten und sich an ihrem Leid ergötzten. Sie wollte nur, dass sie ein für alle Mal verschwanden und nie wieder auftauchten, damit sie und die anderen Menschen wieder ein normales Leben ohne Angst und Bange leben konnten. War das etwa zu viel verlangt?!
      Sie hasste es, dass er so gelassen weiterredete und leider hasste sie es auch, dass er recht hatte. Ein Krankenwagen würde nicht schaden - vor allem dann nicht, wenn Edward einfach so verschwunden war, wie die feige Sau, als die sie ihn schon eingeschätzt hatte. Wieder ein leises Schnauben.
      "Du hast mir gar nichts zu sagen", murmelte sie, während sie sich mithilfe ihres Schwertes auf die Beine hievte. Jede Bewegung war schmerzhaft und ihr war schwindelig. Als sie sich an den Hals und an die Seite fasste, wusste sie auch wieso: sie verlor Unmengen an Blut, und wenn sie nicht langsam von hier verschwand, würde es wirklich gefährlich für sie werden.
      Octavia öffnete den Mund, wollte noch etwas sagen - aber da war der geheimnisvolle Halbmensch, der sich nicht mit Typ 0 vergleichen lassen wollte, schon verschwunden.
      Egal, sie hatte ohnehin nicht vorgehabt, sich vernünftig bei ihm zu bedanken. Und sie war eine Meisterin darin, zu verbergen, was in ihr vorging. Sie wollte sich selbst nicht eingestehen, dass sie verwirrt war. Darüber, dass es Halbmenschen gab, die Menschen halfen...

      Die Sirenen zerrissen die Stille, die sich ausgebreitet war, nachdem ihr Retter verschwunden war. Sie runzelte die Stirn. Sie hatte keinen Krankenwagen gerufen, aber vielleicht hatte jemand die Kampfgeräusche mitbekommen? Octavia ächzte leise, als sie sich von der Wand abstieß und mit ihrer Schuhspitze den leblosen Körper des Halbmenschen berührte. Ja, keine Chance, dass er wieder aufstehen würde. Den Kopf von dem Rumpf zu trennen war genau das, was man tun sollte, wenn man sichergehen wollte, dass der Halbmensch der Klasse 0 nicht noch einmal aufwachte.
      Mit einem leichten Kopfschütteln zwang Octavia sich dazu, sich vom Geschehen zu entfernen. Keine fünf Minuten später hatten die Sanitäter sie erreicht. Sie zeigte ihnen ihre Dienstmarke und bat um schnelle, medizinische Hilfe. In den vergangenen Jahren hatten sich die Heilungsmethoden der Menschen rapide verbessert, weshalb inzwischen einfache Spritzen und Cremes dabei halfen, dass sich Wunden schnell und effektiv wieder verschlossen.

      Als Octavia eine Stunde später wieder im Büro stand, blutete sie zwar nicht mehr, aber sie sah unfassbar ramponiert aus. Und als sie zu allem Überfluss auch noch Edward erblickte, wallte die Wut durch ihren ganzen Körper. Schnellen Schrittes verringerte sie die Distanz zu Edward, und ehe sie sich versah, landete ihre Faust geballt auf seinem Arm. Sie schnaubte wütend.
      "Sie sind ein verdammtes Arschloch, Luperus", hisste sie wütend. "Wie konnten Sie mich einfach zurücklassen? Warten Sie erstmal, bis ich das Ihrem Vorgesetzten melde! Das werden Sie sowas von bereuen!"
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    • Edward

      Der junge Mann saß bequem auf seinem Schreibtischstuhl und tippe auf einer holografischen Tastatur herum, welche direkt vor ihm schwebte und starrte dabei auf den ebenso holografischen und schwebenden Bildschirm, auf welchem sich Stück für Stück sein Bericht entwickelte, welchen er wohl anpassen werden müsste, nun, da er sich sicher war, dass Octavia überlebt hatte.
      „Und wie ich sehe, leben sie noch, Ms. Blake.“, fügte er monoton ihren Worten hinzu und schien nicht gerade in der Stimmung zu sein sich zu rechtfertigen. Was sollte er ihr schon sagen? Einer musste doch überleben, aber das würde sie sicherlich nur wütender machen und er wollte den Bericht nicht von neuem schreiben müssen, weshalb er den Bildschirm samt Tastatur lieber wieder verschwinden ließ, da er befürchtete, sie könnte sonst auf die hervorragende Idee kommen sich an ihm zu rächen.
      „Das können sie sich übrigens sparen, ich habe es den Vorgesetzten bereits gemeldet. Aber vergessen wir die Sache, viel interessanter ist doch: haben sie den Typ 0 doch besiegen können? Das hätte ich nicht von ihnen erwartet. Ich habe in Gedanken schon ein Totengebet für sie gesprochen, nun, wenigstens kann ich es mir damit beim nächsten Mal sparen, nicht wahr?“, gab Edward achselzuckend von sich und erwartete bereits ein weiteres mal von Ms. Blake geschlagen zu werden, weshalb er sich bereit machte dem auszuweichen, was ihm auch deutlich anzusehen war.
    • OCTAVIA
      Die junge Frau musste sich wirklich zusammenreißen, nicht wie ein kleines Kind auf dem Boden aufzustampfen und ihm wieder eine reinzuhauen. Wie konnte er nur so unfassbar gleichgültig sein und sich nicht einmal dafür entschuldigen, dass er die frische Ermittlerin einfach alleine gelassen hatte?
      Ihr fielen so viele Worte ein, die sie ihm an den Kopf werfen konnte, doch sie vergaß jedes einzelne davon, als er sie darauf ansprach, dass sie den Typ 0 Halbmensch einfach ausgeschaltet hatte. Leise stieß sie die Luft aus, wusste nicht, was sie sagen sollte, weil sie nicht lügen wollte - und dann wiederum wollte sie irgendwie auch nicht verraten, dass man ihr geholfen hatte. Aber wenn sie es einfach so hinnahm, dann ... dann würde eine unfassbare Last auf ihren Schultern liegen. Man würde ihr sicher weitere solcher Fälle auftragen, und darauf hatte sie nun wirklich keine Lust.
      "Haben Sie gar keine Angst um ihren Job?", grummelte sie, sah aus dem Augenwinkel dabei zu, wie er die Hologramme verschwinden ließ, als hätte er gewusst, dass ihr kurzzeitig die Idee gekommen war, einfach alles, was er niedergeschlagen hatte, mit einem Knopfdruck zu löschen.
      "Sagen wir es einfach so: mir wurde geholfen." Sie knirschte mit den Zähnen, wusste nicht recht, was sie sonst sagen sollte. Oder ob sie zu viel gesagt hatte? Man sah ihr deutlich an, wie sie mit sich selbst zu ringen hatte. "Die Regeneration des Typ 0 war so schnell, dass ich kaum hinterhergekommen bin. Ich konnte aber nicht sehen, wer mir geholfen hat."
      Stille kehrte zwischen ihnen ein. Sie zuckte mit den Schultern.
      "Spielt weiter auch keine Rolle. Wenn ein Fremder mir eher hilft als mein eigener Vorgesetzter... Aber immerhin konnten Sie Ihren eigenen Arsch retten, nicht wahr, Mr. Luperus?"
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    • Edward

      Der junge Mann musste sich ein amüsiertes Lächeln unterdrücken, wusste er doch ganz genau, wer der jungen Ermittlerin geholfen hatte und die Tatsache, dass es ihr so gar nicht zu gefallen schien, dass sie von einem Halbmenschen gerettet wurde, gefiel ihm. Vielleicht hätte er sich auch um ihre Wunden kümmern und sie damit nur noch wütender machen sollen? Nein, am Ende hätte sie ihn noch angegriffen, sobald es ihr besser ging.
      „Angst um meinen Job? Man schuldet mir fast schon Jahre an Urlaub. Diese Abteilung kann es sich nicht leisten, jemanden zu feuern und man hätte wohl kaum von mir erwarten können für die Neue zu sterben, nur, damit mir nicht vorgeworfen wird, ein Feigling zu sein. Im Gegensatz zu ihnen hänge ich nun einmal an meinem Leben, Ms Blake. Mehr als an meinem Job.“, erklärte Edward der jungen Frau und wünschte sich seine Tastatur zurück, um sie einfach ignorieren und weiter arbeiten zu können, doch der Blick, den sie den verschwindenden Hologrammen zugeworfen hatte, gefiel ihm so gar nicht, also beließ er es dabei.
      „Ich hänge sehr an meinem eigenen Arsch, vielen Dank, Ms. Blake. Sind sie nicht froh darüber, ihren eigenen nicht verloren zu haben? Könnten sie mich jetzt in Ruhe weiter arbeiten lassen? Wenn sie ihren eigenen Bericht nicht schreiben wollten, sollten sie lieber Feierabend machen, als mich weiterhin zu stören.“, seufzte Edward genervt und schob seine Brille zurecht, als könnte er es gar nicht mehr erwarten seine Ruhe von Octavia zu haben.
    • OCTAVIA
      Sie hasste es, dass er mit seinen Worten recht hatte. Es war von Anfang an abzusehen gewesen, dass Octavia hier landen würde. Diese Abteilung war mehr als nur unterbesetzt, und inzwischen konnte er verstehen, wieso. Einer der Leiter war eben ein enormes Arschloch - und noch dazu kam, dass keiner wirklich sein Leben riskieren wollte. Und trotzdem hatte Octavia sich gefreut, hier zu landen, weil sie der festen Überzeugung war, dass nur Abteilung 0 helfen konnte.
      Und sie hasste es auch, dass er mit seinen Worten einige wunde Punkte traf. Dass Octavia fast schon wirkte wie ein Workaholic, hatte er nach nur einem Tag bemerkt. Aber es war nicht nur die Tatsache, dass sie viel arbeitete und damit ihr Leben aufs Spiel setzte. Es war so viel mehr als das.
      "Für Sie ist es nur ein Job, aber ich glaube, Sie vergessen dabei den eigentlichen Grund, für den wir das alles machen", gab sie genervt von sich und verdrehte die Augen. "Was ist mit den Menschen, die es einfach so erwischen könnte?"
      Octavia erinnerte sich an das eine Mal in ihrem Leben, als sie von einem Halbmenschen angegriffen wurde und nur entkommen konnte, weil sie ihre Beine in die Hände genommen hatte und um ihr Leben gerannt war. Das war aber nicht die Lösung des Problems - und danach hatte sie sich geschworen, nie wieder wegzulaufen.
      "So oder so werden wir an einer Zusammenarbeiten nicht vorbeikommen, Luperus." Jetzt klang sie fast schon resigniert. Sie seufzte schwer, ehe sie sich zu ihrem eigenen Schreibtisch begab und die Hologramme hochfuhr, damit sie ihren Bericht selbst tippen konnte.
      "Also gewöhnen Sie sich an den ein oder anderen Schlag von mir, wenn Sie sich weiter verhalten, wie ein Idiot." Eine Weile ruhte ihr Blick noch auf seinem Gesicht, und es machte sie mehr als nur wütend, dass er die Ruhe in Person war, aber sie zwang sich dazu, den Blick wieder abzuwenden und stattdessen selbst ihren Bericht zu schreiben.
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    • Edward

      „Was bringt es den Menschen, wenn ich mich in den sicheren Tod begebe und damit das Monster nur noch stärker mache? Wenn man überlebt, kann man es noch einmal versuchen. Sie sind noch nicht lange hier, Ms Blake, aber diese Abteilung ein Motto: Überleben. Auch sie sollten lernen danach zu leben, wenn sie es hier lange durchhalten wollen.“, ließ sich Edward nicht anmerken, dass ihm die Worte der jungen Frau so gar nicht gefiel. Was ist mit den Menschen? Und was war mit den zahlreichen unschuldigen Halbmenschen, die gefoltert und getötet wurden? Man nannte es hier sogar entsorgt, als wären sie nichts weiter als Abfall!
      Die Menschen waren nicht die einzigen Lebewesen auf dieser Welt, die in Frieden leben wollten, doch schienen sie es einfach nicht verstehen zu wollen, starb doch jeden Tag eine weitere Tier- oder Pflanzenart aus, während die Menschen ihre Böden mit Technik bepflasterten und den Himmel mit ihren wahnwitzig hohen Gebäuden versperrten. Aber Edward war nicht bereit ein solches Gespräch mit einem naiven Menschen zu beginnen, am Ende würde er noch in die Schusslinie der Regierung gelangen, welche solche Dinge ganz und gar nicht gerne hörte.
      Mit den ganzen Kameras und Abhörgeräten war es sowieso schon schwer genug Geheimnisse zu haben.
      Auch der junge Mann seufzte, als Octavia ihn daran erinnerte, dass sie zusammen arbeiten werden müssten. Mussten sie das wirklich? Konnte man ihn nicht einfach in Ruhe sich um die Technik kümmern lassen? Er hasste Feldarbeit sowieso schon und wenn ein unschuldiger Halbmensch ins Visier geriet, war er alles andere als bereit zu helfen, im Gegenteil.
      Aber das musste er ner Neuen ja nicht auf die Nase binden.
      Stattdessen öffnete er wieder seinen Bildschirm, löschte ein paar Zeilen und begann seinen Bericht zu beenden, damit er endlich nach Hause gehen und schlafen konnte.
      Er beschloss morgen zu spät zu kommen.

      Sojin 'Sam'

      Letztendlich konnte die Mission von Charlotte und Sojin beendet werden können, für welche die beiden einige Tage in einem anderen Distrikt hatten verbringen müssen, da dort immer mehr blanke Menschenknochen gefunden worden waren und die dafür zuständige Abteilung Angst hatte und überfordert war. Wie schrecklich es war, wenn einem Menschen nicht mehr als die Knochen übrig blieben, aber das war nun einmal die Welt, in der die Menschen nun lebten. Sojin hatte sich früh damit abfinden müssen.
      Es war nicht leicht gewesen den Energieball namens Charlotte im Zaum zu halten, weshalb Sojin die Müdigkeit deutlich anzusehen war, aber er war sich sicher, dass sie eigentlich ein gutes Mädchen war, wenn man davon absah, dass auch von dem Halbmenschen fast nur noch Fetzten übrig geblieben waren und zahlreiche Häuser demoliert worden waren, aber das war eine andere Geschichte.
      Sojin tat es Leid, dass er nicht hatte da sein können, als die Neue ihren ersten Arbeitstag gehabt hatte, wusste er doch aus persönlicher Erfahrung, wie schwierig Edward sein konnte und er hoffte sehr, dass sich die beiden gut vertrugen, auch wenn er es eigentlich besser wissen sollte.
      Etwas später als gewöhnlich – da die Anreise etwas gedauert hatte – erreichte er mit Charlotte das Büro, welche sofort mit ausgestreckten Armen, als würde sie wie ein Kind ein Flugzeug nachahmen wollten, begleitet von ihrem watschelnden Pinguin in das Büro rannte und es sich in ihrer Ecke gemütlich machte, welche mit Sitzkissen, Spielzeug und halb geöffneten Snacktüten ausgestattet war, welche sie nie aufräumen wollte.
      Es musste sicherlich eigenartig wirken, einen solchen Platz in einem Büro zu finden, aber für die Papierarbeit war Charlotte sowieso nicht zu gebrauchen und es war besser sie konnte sich beschäftigt halten, bevor sie auf dumme Ideen kam.
      Schnell bemerkte Sojin, das sich noch eine weitere Person im Büro befand. Er stellte fest, dass es sich nicht um Edward handelte, es musste die Neue sein, obwohl es in einer Stunde bereits Mittag sein würde. Sojin seufzte und hielt sich die Hand an den Kopf, denn offenbar hatte sich der weißhaarige ein weiteres Mal unerlaubt frei genommen, doch er beschloss sich später darum kümmern und ging stattdessen auf die Neue zu, um dieser freundlich die Hand entgegen zu halten.
      „Bin ich richtig in der Annahme, dass sie Octavia Blake sind? Ich heiße sie in unserer Abteilung willkommen. Mein Name ist Sojin Sam Williams, sie können mich einfach Sam nennen, da Sojin etwas schwer auszusprechen ist. Verzeihen sie, dass ich sie gestern nicht willkommen heißen konnte, aber sie haben sicher schon bemerkt... das wir etwas unterbesetzt sind.“, wobei etwaswohl noch freundlich ausgedrückt war, wenn man sich die wenigen Personen ansieht, welche zur Stelle waren.
    • OCTAVIA
      Sie hatte nichts mehr auf die Worte ihres Vorgesetzten geantwortet. Was sollte sie da auch schon zu sagen? Sie stimmte ihm nicht zu und würde es sicher auch niemals tun können. Irgendwie hatte sie binnen weniger Stunden, die sie nun schon mit Edward zusammengearbeitet hatte, eine unfassbare Antipathie gegen ihn entwickelt. Und jetzt saß sie hier, frustriert vor dem surrenden Hologramm sitzend, und darüber nachdenkend, wie sie die Worte, die sie unbedingt in den Bericht schreiben musste, am besten verpacken konnte, ohne zu offenbaren, dass es ein verdammter Halbmensch gewesen war, der ihr geholfen hatte...
      Irgendwie hatte sie es geschafft; sie hatte das Büro sehr viel später verlassen als Edward, war am nächsten Morgen aber trotzdem pünktlich da. Nur musste sie feststellen, dass sie immer noch alleine war und dass sie die beiden anderen Ermittler aus ihrem Team bisher noch nicht kennengelernt hatte. Ob es zu dem Tag überhaupt irgendwann noch kommen würde? Egal. Spielte keine Rolle.
      Sie hatte noch einiges an Papierkram zu tun, also konzentrierte sie sich die ersten Stunden des Morgens darauf und las sich auch durch Berichte zahlreicher anderer Abteilungen, um sich ein Bild über die ganze Lage zu verschaffen, die hier herrschte. In den letzten Wochen hatte sich die Situation in den verschiedenen Distrikten unfassbar verschlechtert und die Ermittler waren mehr als nur überfordert mit dem, was damit auf sie zukommen würde – und trotzdem gab es kein Vorbei. Sie mussten ihre Arbeit tun, ob sie nun wollten oder nicht.
      Octavia zuckte heftig zusammen, als mit einem Mal ein kleines Mädchen an ihr vorbeirannte. Die Ecke mit den ganzen Spielzeugen hatte sie schon vorher bemerkt, aber da sie und Edward ohenhin nicht sonderlich gerne miteinander redeten, hatte sie sich nicht getraut, sich danach zu erkundigen. Jetzt wusste sie jedenfalls, dass die Ecke zu einer jungen Ermittlerin gehörte. Wenn Octavia sich nicht irrte, dann musste das Charlotte sein, und irgendwo musste sicher auch ihr Mentor...
      Wieder zuckte sie zusammen, als hinter ihr die tiefe Stimme eines Mannes ertönte. Als sie sich zu jenem umdrehte, fiel ihr ein Stein vom Herzen. Endlich jemand, der vernünftig war und normal mit ihr redete. Sie konnte nicht glauben, dass der Tag mit Edward gestern wirklich der erste gewesen war, der dann noch so unfassbar schrecklich abgelaufen war.
      "Freut mich sehr, Sie kennen zu lernen, Sojin." Der Name rollte ihr mit Leichtigkeit über die Lippen. Sie streckte ihm ihre Hand aus, auch wenn sie eigentlich lieber verzichtet hätte. Irgendwie war sie nervös. "Vielen Dank für die Aufnahme in Ihrer Abteilung. Nun... mit Mr. Luperus haben Sie sicherlich recht, er war kein angenehmer Genosse. Aber das können Sie alles in unseren Berichten lesen." Sie räusperte sich leise, strich sich den engen Rock, den sie trug, nervös glatt. Im Gegensatz zu Edward, wirkte Sojin gleich viel herzlicher, was es für Octavia leichter machte, ein wenig lockerer zu werden. Im Hintergrund konnte sie die Geräusche aus der Spielekonsole hören, die Charlotte direkt angeschaltet hatte, als sie in den Sitzsack geplumpst waren.
      "Und, eh...", stammelte Octaiva ungünstig, während sie sich nervös durch die Haare fuhr, "sind Sie mit Ihrer Expedition im anderen Distrikt erfolgreich gewesen? Wie Sie sicherlich wissen, war das gestern mit Mr. Luperus... eher weniger erfreulich. Ich kann von Glück reden, dass ich noch lebendig vor Ihnen stehe..."
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    • Sojin 'Sam' Williams

      Das Lächeln des Mannes wurde ein Stückchen breiter, als Octavia es nicht nur gelang, seinen Namen auszusprechen, sondern viel mehr freute es ihn, dass sie es überhaupt versuchte. Ihn störte es nicht, wenn es jemandem schwer fiel, umso mehr freute er sich, wenn man sich Mühe gab und es lernen wollte.
      Viel zu viele Namen und Kulturen gingen in dieser Welt verloren, welche sich mit zunehmender Globalisierung immer weiter als Einheit darstellte und ein gemeinsamer Feind hatte sein übriges dazu getan, aber Sojin wollte nicht, dass die Kultur seiner Familie verloren ging, auch wenn es für vieles bereits zu spät war.
      Die Nervosität der jungen Frau ignorierte er geflissentlich, schob er es doch darauf, dass sie Neu war. Und nachdem was er gerade gehört hatte, schien ihr erster Tag nicht gerade ein guter gewesen zu sein und Sojin ahnte übles nach den Aussagen von Blake.
      „Heißt das, sie hatten gestern eine Mission? Leider wurde ich darüber noch nicht in Kenntnis gesetzt, ich musste auf der Rückreise etwas Schlaf nachholen, aber ich mach mich sofort daran den Bericht zu lesen. Was auch immer Edward getan hat, ich entschuldige mich dafür. Er ist etwas... schwierig. Was die Expedition angeht, waren wir erfolgreich. Der Halbmensch wurde unschädlich gemacht und die Tode wurden mit einem Mal beendet, deswegen konnten wir auch wieder zurück kommen. Oh, fast hätte ich vergessen ihnen Charlotte vorzustellen! Sie ist zwar die jüngste hier, aber wenn es hart auf hart kommt, kann man sich doch auf sie verlassen. Nur nicht, wenn es um Papierkram oder ähnliches geht.“, stellte er das junge Mädchen kurz vor und man konnte sofort ein „Stimmt gar nicht! Ich bin 30!“ aus ihrer Ecke hören und zustimmende Pinguin laute. Sojin wusste zwar nicht genau wieso, aber aus irgendeinem Grund schien Charlotte darauf zu bestehen die älteste in der Abteilung zu sein und es schien, als würde sie bei jeder neuen Aussage ein paar weitere Jahre dran hängen.

      Charlotte Moreu

      Das Mädchen wandte ihre Aufmerksamkeit wieder ihrer Konsole zu, welche sie mehr als alles andere vermisst hatte, ehe ihr auffiel, dass eine fremde Person sich hier aufhielt und sie war kein großer Freund von Fremden. Damit hieß es nur eins: die neue Person kennen lernen.
      Wie ein wilder Wirbelwind erhob sie sich von ihrem Sitzkissen und stellte sich zwischen die beiden Erwachsenen, während sie neugierig die Neue musterte.
      „Wie alt bist du?“, war die erste Frage, die sie stellte, da sie sicher gehen wollte, dass sie die älteste hier war, ehe sie sich daran erinnerte, dass es hieß, es sei höflicher sich erst vorzustellen und sich dann nach dem Namen seines Gegenübers zu erkundigen. Nervig, aber vielleicht kaufte Sojin ihr dafür was.
      „Ich bin Charlotte Moreu, die älteste und beste Ermittlerin.“, verkündete sie stolz mit vorgestreckter Brust und legte dabei die Hand auf diese, ehe sie sich nach dem Namen ihres Gegenübers erkundigte.
    • OCTAVIA
      Scheinbar war es hier nicht wirklich normal, dass man einander über Sachen in Kenntnis setzte. Octavia fand das verwunderlich, aber was wusste sie schon? Sie war neu hier, sie hatte nichts zu melden - und sie konnte nur hoffen, dass irgendwann der Tag kommen würde, an dem sie ebenfalls etwas zu sagen hatte. Sie hatte immerhin vor, nach ganz oben zu kommen und irgendwann Leute wie Edward von ihrem eisernen Thron zu stürzen. Der Typ verhielt sich jedenfalls so, als würde die ganze Organisation ihm gehören, und das fand sie gar nicht gut.
      Sojin machte schon eher den Anschein, als würde das alles ihm gehören, denn er wirkte gelassen und ruhig und vor allem wusste er, wie man die Neuen zu behandeln hatte. Eine wirkliche Vorstellung hatte es zwischen ihr und Edward nicht wirklich gegeben, aber das konnte genauso gut auch daran liegen, dass sie sofort zum Einsatz gerufen und handeln mussten.
      "Freut mich, dass es bei Ihnen so erfolgreich war", sagte sie mit einem ehrlichen Lächeln auf den Lippen. Jeder Erfolg gegen die Halbmenschen war gut. Sie selbst war auch erfolgreich gewesen - zwar nicht ganz alleine, aber immerhin war die Klasse 0 vernichtet worden.
      "Bei uns war es ... na ja. Nicht so optimal. Edward hat sich aus dem Staub gemacht und ich konnte die Klasse 0 nur besiegen, weil mir jemand geholfen hat. Ich weiß aber nicht mehr, wer das war." Sie zuckte mit den Schultern. Weitere Details, die Octavia allerdings geschickt ausgelassen hatte, konnte er ja ihrem Bericht entnehmen.
      Als Sojin Charlotte ansprach, wandte Octavia sich in ihre Richtung und konnte nicht anders, als ein wenig zu schmunzeln. Mit den beiden und ohne Edward im Büro fühlte sie sich glatt viel wohler. Als das Mädchen vor ihr zum Stehen kam und sich sofort nach Octavias Alter erkundigte, runzelte diese ein wenig die Stirn.
      "22", antwortete sie nach kurzem Zögern. Dann grinste sie schief. "Keine Sorge, ich bin gerne bereit, dir den Platz als die Älteste und Beste zu überreichen, wenn du dich mit mir verbündest. Ich bin übrigens Octavia." Sie zwinkerte ein wenig. Es konnte doch sicher nicht schaden, wenn sie sich hier eine Freundin suchte, oder? Auch, wenn Charlotte etwas jünger und verrückter war. Das konnte der sonst so strengen Octavia sicher weiterhelfen. Dann wandte sie den Blick wieder in Sojins Richtung und lächelte. Fast schon zu süß.
      "Das gilt natürlich auch für Sie, Sojin."
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    • Charlotte Moreu

      Gut, sie war jünger als 30 und damit war Charlotte weiterhin die älteste in der Abteilung, das schien das Mädchen zu freuen und als die Neue ihr einen Deal vorschlug, schien sie kurz zu überlegen, ehe ihr breites Lächeln wieder zurück kam und sie ihrem Gegenüber zunickte.
      „Okay, einverstanden Octavia!“

      Sojin 'Sam' Williams

      „Edward hat... was?! Einen Neuzugang einfach alleine gelassen?!“, gab Sojin daraufhin ein seufzten von sich und hielt sich die Hand gegen den Kopf, als hätte er durch diese Aussage Kopfschmerzen bekommen. Dennoch wirkte er nicht so schockiert, wie er es wohl hätte sein sollen, das war wohl nichts, was er Edward nicht zugetraut hätte. Er würde wohl ein ernstes Wort mit dem Stillen reden müssen und er konnte nur hoffen dieses mal zu ihm durchdringen zu können.
      „Hm? Aber selbstverständlich. Bitte glaub nicht, dass es in dieser Abteilung normal ist seine Kameraden zurück zu lassen.“, lag ihm ein entschuldigendes Lächeln auf den Lippen und fast wie auf Stichwort öffnete sich die mechanische Tür ein weiteres Mal und der Übeltäter betrat das Büro.

      Edward Luperus

      Der junge Mann hob fragend die Augenbraue, als mit einem Mal alle Augen auf ihm zu liegen schienen, selbst Charlotte hatte mal Augen für etwas anderes als ihre Gamingkonsolen.
      „Wie ich sehe ist die gesamte Truppe wieder versammelt. Es war die Hölle alleine die Stellung zu halten.“, gab er einen Kommentar von sich, da er die sich aufbauende Stille nicht ausstehen konnte und ging zu seinem Schreibtisch um die Technik an zu machen. Er hatte noch mehr als genug Papierkram zu erledigen.
      „Edward, wie kannst du nur einen Neuzugang während einer Mission alleine lassen?!“, kam ihm bereits das nörgeln seines Vorgesetzten zu Ohren und der junge Mann gab einen Seufzer von sich, das würde wohl eine lange Standpauke werden.
      „Ich wollte nicht sterben?“, versuchte ich es mit einer Ausrede, woraufhin Sojin mich verwirrt anblickte und ich daraufhin fragend die Augenbraue hob. Wie, hatte sie ihm nicht erzählt, wie gefährlich es war?
      „Vielleicht solltest du lieber zuerst den Bericht lesen, bevor du mir eine Standpauke hältst. Aber wie du sehen kannst hat Ms.Blake am Ende überlebt, dank eines geheimen Unbekannten. Ich wüsste nur zu gerne wer sich nicht nur in die Angelegenheiten der Abteilung 0 einmischt, sondern auch noch in der Lage ist einen Typ 0 zu beseitigen ohne erkannt zu werden? Wahrlich mysteriös.“, gab Edward von sich, während er bereits auf seiner Tastatur tippte.
      „Du... moment... was?“, schien Sojin die neuen Informationen ersteinmal verarbeiten zu müssen. War das etwa so schwer zu verstehen?
      „Du hast Ms Blake nicht nur alleine gelassen... sondern sie zum sterben zurückgelassen?!“
      „... wenn du das so sagst, klingt es schlimmer, als es eigentlich war.“
    • OCTAVIA
      So langsam ließ die Nervosität, die sich in sie geschlichen hatte, nach. Jetzt kannte sie immerhin jeden, der zu diesem Team gehörte, das änderte allerdings nichts daran, dass die Person, mit der sie sicherlich die meiste Zeit zusammenarbeiten musste, sich nicht sonderlich gut mit Octavia verstand. Gestern Abend noch hatte sie sich dabei erwischt, sich zu fragen, ob sie vielleicht der Grund für das alles war; aber dann war ihr aufgefallen, dass Edward einfach ein Kerl war, der sich um nichts und niemanden scherte.
      Und das zeigte er auch, als er am heutigen Tag verspätet das Büro der Abteilung 0 betrat und sich scheinbar nicht einmal darum scherte, was Sojin ihm zu sagen hatte. Octavia hatte das Gefühl, dass das alles ihretwegen so in die Luft ging, aber eigentlich hatte Edward sich das selbst zuzuschreiben. Immerhin hatte er sie einfach so zum Sterben zurückgelassen, wie Sojin es gerade ebenfalls schockiert feststellte. Die Jüngere biss sich leicht auf die Unterlippe und sah aus dem Augenwinkel, wie Charlotte mit den Schultern zuckte.
      "Bei Edward wundert mich das alles gar nicht mehr", ließ das Mädchen verlauten und ging mit großen Schritten wieder zurück zu ihrer Ecke, um sich dort zurück auf ihr Kissen plumpsen zu lassen und dort nach ihrer Konsole zu greifen. Für einen Moment wünschte Octavia, dass sie es dem Mädchen einfach gleichmachen könnte, allerdings war das nicht ihre Welt... und dafür arbeitete sie doch zu gerne an dieser ganzen Sache.
      "Ich glaube, Sie können sich denken, dass es so schlimm ist, wie es aus Ihrem Mund klingt." Mit verengten Augen wandte sie den Blick in Edwards Richtung. WIe konnte er eigentlich so tun, als wäre Octavia nicht fast ums Leben gekommen?! Wäre da nicht dieser komische Halbmensch gewesen, wäre sie heute sicher tot. Ihre Seite und ihr Hals schmerzten immer noch; man sah ihr eben nur nichts mehr an, weil die Salben der Sanitäter ihr den verdammten Arsch gerettet hatten.
      "Aber machen Sie sich keine Sorgen, Chef", murmelte Octavia nach einer Weile. Sie redete zwar mit Sojin, aber ihr Blick brannte währenddessen die ganze Zeit auf Edwards Gesicht. "Ich komm schon irgendwie mit so schweren Pflegefällen klar."
      Den Respekt von Edward würde sie sich erarbeiten, und zwar so, dass er sich nicht mehr trauen würde, sie einfach alleine zu lassen. Trotzdem fragte sie sich, ob er das bei jedem getan hatte... oder ob es einfach nur an Octavia lag.
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    • Sojin 'Sam' Williams

      Ihr Vorgesetzter sagte zwar nichts dazu, aber die Worte von Octavia brachten ihn eher dazu sich nur noch mehr Sorgen zu machen. Wie es aussieht hat die Abteilung 0 neben einer neuen Angestellten – und damit die Hilfe, die sie dringendst gebrauchen konnten – auch ein weiteres Stück an Chaos erhalten, nicht, dass das etwas neues wäre.
      Manchmal hatte sich Sojin gefragt, ob man ihm absichtlich Problemfälle überließ, weshalb er unglaublich erleichtert war, nachdem er Octavias Profil gelesen hatte, da sie alles andere als wie ein Problemfall wirkte. Wenn nur nicht diese schlechte Luft zwischen den beiden wäre, aber was soll man da schon machen? Edward war nun mal alles andere als umgänglich.
      „Viel Glück, aber überanstrengen sie sich damit nicht.“, legte Sojin Octavia fast schon mitleidig die Hand auf die Schulter, da sie sich offenbar das Problem namens Edward freiwillig aufgehalst hatte.
      „Wieso geht ihr nicht und erkundigt euch wegen den Resten des Typ 0 von eurem Auftrag? Wenn ich den Bericht richtig verstanden habe, hat sich niemand darum gekümmert, dass die Leiche entsorgt wird.“, schlug Sojin vor, da er nebenbei mithilfe eines Chips in seinem Hirn sich die Informationen über den Bericht und den Auftrag der beiden direkt verarbeitet hat lassen, was nicht mal eine Minute brauchte. Jedoch war es etwas anstrengend für das menschliche Hirn, weshalb er diese Funktion nicht besonders oft nutzte. Die Grenzen der Technik waren nun einmal die Menschen, nicht wahr?

      Edward Luperus

      „Geht nicht, in 30 Minuten ist Mittagspause.“, gab der junge Mann von sich, ohne von seinen Bildschirmen aufzusehen, welche sich selbstständig öffneten und schlossen, je nachdem, welche Dokumente und Berichte er gerade brauchte oder verarbeitete.
      „Na dann solltet ihr das lieber schnell hinter euch bringen, oder? Vor allem von dir will ich keine Beschwerden hören, ich hab noch gar nicht damit angefangen, dass du dir nicht einfach frei nehmen kannst wie du willst. Oder wäre dir eine Standpauke über die Mittagspause hinweg lieber?“, schlug Sojin mit einem freundlichen Lächeln auf den Lippen vor, jedoch war sich Edward ziemlich sicher, dass dieses Lächeln seine Augen nicht erreichten und er überlegte kurz, wie seine Optionen aussahen, ehe er seufzte und sich damit geschlagen gab.
      „Wenn es denn sein muss...“
      „Perfekt. Dann kannst du Ms. Blake ja auch gleich etwas mehr von der Einrichtung zeigen, dazu scheint ihr ja gestern keine Zeit mehr gehabt zu haben, nicht wahr? Und mach das lieber anständig, sonst könnte ich mir noch ein paar Überstunden für dich überlegen.“, war sich Edward ziemlich sicher, dass sein Chef diese Drohung wahr machen würde und er hatte so gar keine Lust auf Überstunden. Dann hätte es gar nichts gebracht zu schwänzen.
      „Schon klar, schon klar, ich mach ja schon!“, gab der junge Mann einen genervten Laut von sich und erhob sich letztendlich von seinem Platz und blickte Octavia erwartungsvoll an, um ihr zu signalisieren, dass sie ihm folgen soll, ehe er das Büro wieder verließ, ohne groß darauf zu achten, ob sie denn nun hinterher kam oder nicht.
    • OCTAVIA
      Das ganze Gespräch mitzubekommen war irgendwie... komisch. Sie wusste, dass sie zu 100% auf Sojins Seite stand, und trotzdem war sie hin und her gerissen. Natürlich war es berechtigt, dass Edward Anschiss bekam, und die Standpauke war sicher wohl verdient. Sie würde sie zu gerne selbst mitbekommen.
      Aber es passte ihr irgendwie überhaupt nicht, dass sie mit Edward zusammen dieser Aufgabe nachgehen musste. Die Zusammenarbeit gestern hatte ja schon so semi gut geklappt, wie sollte das schon gut laufen? Trotzdem versuchte Octavia, sich nichts anmerken zu lassen. Sie dachte sich ihren Teil, weil sie keine Lust darauf hatte, ebenfalls mit Sojin Probleme zu bekommen und direkt an ihrem zweiten Tag schon Überstunden aufgedrückt zu bekommen.
      "Na dann", kam es seufzend über ihre Lippen, als Edward sich endlich aus seinem bequemen Stuhl erhoben und die Hologramme verschwinden lassen hatte. Verdammt, Octavia hatte absolut kein Interesse daran, alleine mit ihm zum Labor zu gehen und sich zu erkundigen, aber was hatte sie schon für eine Wahl? Sie konnte ja schlecht ihren Vorgesetzten am Arm hinterherziehen und ihm sagen, dass ihr die Zweisamkeit mit Edward so gar nicht gefiel.
      "Danke nochmal, Sojin", sagte sie lächelnd, nickte ihm kurz zu. Das Lächeln verschwand allerdings, als sie den Blick in Edwards Richtung wandte, ihr Blick verdunkelte sich ein wenig, aber dagegen konnte sie dann auch nichts mehr machen. Dass sie ihm abgeneigt war, musste nun jedem der Abteilung 0 bewusst sein.
      Die Schritte hallten unter ihnen wider, während sie durch die langen und sterilen Flure des Gebäudes liefen und sich auf den Weg zum Labor machten. Octavia sagte kein Wort, weil sie kein Interesse daran hatte, mehr Konversation mit Edward zu führen als es eigentlich nötig war.
      Erst, als sie die Türen zum Labor aufschlug und einige der Laboranten hektisch von A nach B flitzten, runzelte sie die Stirn und öffnete den Mund wieder: "Was ist denn hier los?"
      Einer der Laboranten wurde auf die beiden Ermittler aufmerksam und runzelte die Stirn. "Luperus und ... die Neue", sagte er, schaute auf das hauchdünne Tablet, das er in der Hand hielt. Es schimmerte durchsichtig; man konnte seine Finger unter dem Glas erkennen, während er hektisch darauf herumtippte.
      "Da habe ich's doch. Der Typ 0 von gestern war Ihr Auftrag, richtig?" Er sah alles andere als begeistert aus. Als er den Blick vom Tablet hoch und ihn in die Augen der beiden Neueingetroffenen wandte, setzte Octavias Herz aus unerklärlichen Gründen einfach aus.
      "Der Leichnam des Typ 0 wurde nicht geborgen. Wir haben keine Ahnung, wo er sich aufhält."
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    • Edward Luperus

      Es überraschte Edward nicht, dass die Leiche nicht geborgen wurde, es musste niemandem eingefallen sein sich darum zu kümmern, immerhin war alles gestern ziemlich hektisch gewesen, doch mit der nächsten Aussage des Laboranten hätte er nie im Leben gerechnet und er runzelte die Stirn.
      „Was soll das heißen... ihr habt keine Ahnung?“, erkundigte er sich alles andere als freundlich. Was soll mit der Leiche schon passiert sein? Hatte der Unbekannte sie mitgenommen? Wohl kaum, dazu wäre ihm nicht einmal die Zeit geblieben, ganz davon abgesehen dass Edward der unbekannte Helfer war. Ist sie etwa wieder aufgestanden und einfach davon spaziert? Wer sollte schon Interesse an der verdammten Leiche eines Halbmenschen haben, abgesehen von der Regierung?!
      „Sie... sie war nicht mehr da, als wir vor Ort angekommen sind. Weder in der Gasse, die uns beschrieben wurde, noch in der näheren Umgebung. Es ist so, wie ich es sagte: wir haben nicht die geringste Ahnung. Seid ihr euch sicher, dass... dass er Tod ist? Oder der Ort stimmt? Mir wurde gesagt die Umstände des Erfolgs waren alles andere als erfolgreich... sind sie sich sicher, dass er tot war?“, wandte sich der Laborant nun direkt an Octavia und ihm war anzusehen, dass er nicht wirklich bereit war ihr zu glauben, selbst wenn sie seine Aussage bejahen würde.
      Er war wohl genauso wenig daran interessiert daran zu glauben, dass ein Toter einfach so verschwinden könnte. Die Möglichkeiten, die sich daraus schließen könnten, waren einfach viel zu furchtbar und Edward war sich sicher, dass sie Schuld an dem ganzen Chaos im Labor waren.
      Statt jedoch einen sarkastischen Kommentar von sich zu geben, wie es der junge Mann normalerweise gemacht hätte, fuhr er sich nur genervt durchs Haar, da er selber sehr gut wusste, wie leblos der Körper gewesen war, nachdem er verschwunden war.
      Edward hatte ein schlechtes Gefühl bei der Sache und das gefiel ihm so gar nicht.
    • OCTAVIA
      Sie schätzte, dass das hier wahrscheinlich das erste und einzige Mal sein würde, dass sie und Edward auf einer Seite standen, weil sie gleichermaßen besorgt darüber waren, dass man die Leiche nicht gefunden hatte. Octavia hatte den Halbmenschen mit eigenen Augen sterben sehen – man hatte ihn enthauptet, was sollte es da noch mehr geben, um ihn unschädlich zu machen?! Er war doch nicht so stark gewesen, dass er sich einfach selbst wieder zusammengesetzt hätte und verschwunden wäre, oder? So etwas war in all den Jahren noch nie protokolliert worden, und deshalb glaubte sie auch nicht daran.
      "Ich bin mir mehr als nur sicher, dass er tot war", antwortete Octavia entschlossen. Kurz schoss ihr Blick in Edwards Richtung, in der Hoffnung, dass er ihr beipflichten würde, allerdings war er nicht da gewesen, als der fremde Halbmensch ihr geholfen hatte. Was, wenn das alles nur eine Masche gewesen war und sie unter einer Decke gesteckt hatten...? Octavia behielt den Verdacht für sich, denn sie konnte nicht einfach sagen, dass ihr ein Halbmensch geholfen hatte.
      "So oder so – die Leiche ist nicht mehr da. Die Kampfspuren - ja. Die Forensik hat Blut von Ihnen, Miss Blake, und die eines Typ 0 entdeckt, richtig. Die Menge Menschenblut im Mechanismus des Typ 0 war enorm, aber sicher nicht groß genug, für... sowas. Sie hatten in Ihren Bericht geschrieben, dass der Halbmensch durch eine genaue Enthauptung gestorben ist?"
      Octavia nickte geistesgegenwärtig, wusste allerdings nicht, was sie der Sache noch hinzufügen sollte. Ja, er war Klasse 0 gewesen - aber er war bei weitem kein sonderlich starker Halbmensch gewesen, oder? Der gesamten Organisation war bewusst, dass es auch stärkere Halbmenschen gab, nur hatte man bisher keinen Anhaltspunkt gefunden. Es waren nur Vermutungen, aber alle waren irgendwie überzeugt. Wenn sie nur wüssten...
      "Edward", rutschte es Octavia über die Lippen, und es war das erste Mal, dass sie ihn ganz normal und wirklich ernst bei seinem Vornamen ansprach, "das gefällt mir gar nicht. Das muss mehr sein, als nur ein starker Halbmensch. Ich glaube, dass wissen Sie selbst auch." Der Laborant blickte zwischen den beiden Ermittlern hin und her und räusperte sich leise.
      "Meinen Sie, es ist noch jemand involviert?"
      Octavia warf dem Laboranten einen kurzen Blick zu, nickte dann. "Nichts für ungut, aber ich würde das lieber vertraulich besprechen", sagte sie, ehe sie den Blick wieder in Edwards Richtung wandte.
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    • Edward Luperus

      Der junge Mann blickte zu Octavia, nachdem er angesprochen wurde und wirkte sichtlich überrascht seinen Vornamen aus ihrem Mund zu hören, die Verwunderung legte sich jedoch schnell, da es deutlich wichtigere Angelegenheit gab.
      „Ich fürchte sie haben recht, mir gefällt diese Sache ganz und gar nicht.“, seufzte Edward und fuhr sich weiterhin unruhig durchs Haar. Was konnte nur passiert sein?
      „Gab es keine Spuren von Dritten?“ - „Keine, die wir finden konnten.“, gefiel ihm diese Antwort überhaupt nicht. Sie hatten es also entweder mit einem Experten zu tun... oder einem wandelnden Toten, wobei er letzteres eher scherzhaft dachte und sich den blöden Kommentar verkneifen musste.
      Edward erwiderte den Blick seiner Kollegin und nickte, ehe sie beide das Labor verließen.
      „Dann heißt es wohl ausnahmsweise einmal richtige Ermittlungsarbeit zu leisten... ich nehme an, ihnen ist nichts weiter aufgefallen, bevor sie den Ort des Geschehens verlassen haben? Jede noch so unbedeutende Kleinigkeit könnte helfen.“, erkundigte sich Edward sicherheitshalber bei Octavia, während sie im schnellen Lauftempo den Gang entlang gingen.
      „Ich nehme an sie begleiten mich zum Tatort? Wenn es ihnen lieber ist, können sie auch in die wohlverdiente Mittagspause gehen.“, schlug der junge Mann seiner Kollegin vor.