Lovely hidden danger[Marien & Nat]

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    • Lovely hidden danger[Marien & Nat]

      Lovely hidden danger







      Sasako Mitsua

      Riki, Tsubasa. Beinahe gelangweilt las Sasako das kleine Namensschild neben der metallenen Wohnungstür. Keine zwei Zentimeter daneben lud ein heller Klingelknopf dazu ein, einen schallenden Rington im Inneren der Wohnung zu erzeugen, um den Bewohner an die Tür zu bestellen. Sie machte keine Anstalten dieser Einladung Folge zu leisten, sondern mussterte stattdessen den kleinen Weidenkorb in ihren Händen. Unterhalb des hellblauen Tuches, dass sie darüber gelegt hatte, verbargen sich drei Stück Käsekuchen, mehrere frische Äpfel vom Markt zwei Straßen weiter und ein kleiner Erfrischungsdrink vom Combini.
      "Wenn du ihm ein paar Geschenke als neue Nachbarin machst, wirst du sicherlich schnell sein Vetrauen gewinnen können." So oder so ähnlich waren Mikas Worte gewesen, als die junge Jägerin Sasako diesen Korb samt Inhalt in die Arme gedrückt hatte. "Danach musst du nur noch dein übliches Ding abziehen und dann wirst du diese Mission in Null Komma Nix erledigt haben."
      "Mein übliches Ding abziehen...", wiederholte Sasako die Worte ihrer älteren Kollegin und festigte den Griff ihrer linken Hand um den Henkel des Korbes, während sie sich mit der freien rechten durch die wirren Strähnen ihres Kopfhaares fuhr. Sie hätte sich die Zotteln zusammenbinden sollen. Die kühle und frische Abendluft Tokyos sorgte nur umso mehr dafür, dass sich ihr ebenholzschwarzes Haar in wirren Wellen um ihr Gesicht legte und kitzelnd über ihre Nasen strich, sobald die kleinste Windböhe aufkam. Immer wieder blieben ihre schlanken Finger in kleinen Fitzen hängen, welche sie daraufhin weniger vorsichtig als gewaltsam durchkämmte. Dabei hatte sie sich ihre störrische Mähne erst heute Morgen frisch gewaschen. Selbst jetzt noch hing der Duft nach frischen Äpfeln in der Luft, mit dem ihr Shampoo versehen war, aber ihre "wilde" Haarpracht hatte das dennoch nicht bendigen können. Als sie die Hand letztlich von ihrem Kopf löste, legte sich ihr Blick erneut auf das kleine Klingelschild, bevor ihre Augen die graue und stabil wirkende Tür selbst begutachteten. Wie die meisten Wohnungen Tokyos, war auch diese mit einem elektronischen Schloss versehen, dass man entweder mit einer speziellen und nur dem Eigentümer vorbestimmten Key-Card öffnen konnte, oder indem man den meist vierstelligen Zahlencode des Verieglungsmechanismuses im dunklen Zahlenfeld eingab. Natürlich gab es auch andere Wege und Mittel die Tür "gewaltsam" und unerlaubt zu öffnen, um sich illegal Eintritt zu verschaffen, aber es war längst nicht mehr so einfach wie noch vor knapp acht Jahren, als ein einfaches Dietrichset einem die Pforten zu fast jeder Tür hatte öffnen können. Heute waren beinahe alle Wohnungen mit diesen neumodigen Anlagen geschützt, egal ob teure Miete oder nicht. Es war schlicht weg Standart geworden... Hier kam man nur mit etwas Tech-Wissen und Hackerfähigkeiten weiter. Beides keine Qualitäten mit denen Sasako sonderlich viel prahlen konnte, also musste sie sich auf die altmodische Art und Weise Zutritt verschaffen. Das zarte grün ihrer Augen wanderte zurück zur Ausgangsposition und musterte nun zum mindestens fünften Mal den Klingelknopf neben dem Namensschlid. Doch ihre Hand machte noch immer keine Anstalten sich auf diese zuzubewegen.
      Sie hatte schon dutzende Aufträge dieser Art absolviert. Immer wieder hatte man sie Vampire bespitzeln lassen, um ihren düsteren Machenschaften auf den Grund gehen zu können, um eventuelle Verbündete zu enttarnen und ihre Rückzugsorte auszuräuchern. Sasako besaß ein unverkennbares Talent dazu, sich unbemerkt in die Leben anderer zu schleichen, ohne dass sie großartigen Verdacht schöpfen konnten, gerade von einer Jägerin beobachtet zu werden. So hatte sie schon mehrere Vampirleben ausraddieren können, bevor Betroffene überhaupt in Verteidigungstellung gehen konnten. Aber das hier... Dieser Auftrag unterschied sich von all den bisherigen.
      Tsubasa Riki war zwar Hauptverdächtiger der Jägergilde Tokyos, wenn es um die vergangenen zehn Fälle von blutleeren Leichen ging, die man in den letzten zwei Monaten in nahegelegenen Gassen hatte finden müssen, aber feste Beweise gab es keinen einzigen. Sie wussten nicht einmal genau, ob der junge Mann überhaupt ein Blutsauger war. Einzige Hinweise darauf waren nur, dass man ihn Tagsüber kaum zu Gesicht bekam, während er an den Abenden und Nachts entweder in einer kleinen Baar unweit dieses Wohnblockes arbeitete oder sich mit Freunden traf, um durch die Stadt zu wandern und Discotheken zu besuchen. Zudem schien er tagsüber nicht auf eine Sonnebrille und blickdichte Kleidung verzichten zu können. Außerdem hatte die Gilde ein paar verdächtige Transaktionen zwischen ihm und dem nächsten städtischen Krankenhaus aufdecken können. Natürlich würde auch Sasako bei all diesen Indizien davon ausgehen, dass er ein nachtaktiver Vampir sein musste, aber auch das würde noch lange nicht beweisen, dass er der Möder dieser blutleeren Leichen war. Einziger Hinweis war eine Zeugenaussage eines Obdachlosen, der einen jungen Mann, dessen Beschreibung auf Tsubasa Riki passte, an einem der Tatorte gesehen haben wollte. Das besagter Obdachloser allerdings schwer drogenabhängig war, machte die Beweislage leider umso wackeliger. Trotzdem hatte die Gilde sofort damit begonnen den potenziellen Täter zu beschatten, leider ohne wikrkliche Ergebnisse. Also war der Kerl entweder verdammt gut darin, seine wahre Natur vor der Außenwelt zu verbergen oder es handelte sich bei ihm einfach nur über einen unschuldigen Menschen mit Sonnenallergie und dem altruistischem Bedürfniss dem Krankenhaus ein paar nette Spenden zukommen zu lassen.
      Das milde Seufzen, dass über Sasakos Lippen glitt erreichte kaum ihre eigenen Ohren, während sie sich an den Befehl ihres Vorgesetzten, Rikosu Noya, erinnerte. Der alte Mann hatte nicht gezögert, die junge Jägerin mit diesem Fall zu betrauen, auch wenn er ihr dabei einen quasi unmöglichen Auftrag erteilte: "Freunde dich mit Tsubasa Riki an."
      Sie? Die nicht einmal wusste, was wirkliche Freundschaft war? Sie konnte Emotionen bis zum Rand der Perfektion mimen und ihr Gegenüber schnell und präzise einschätzen, ja. Aber tiefes Vertrauen aufbauen, um eine tiefe und ernsthafte Freundschaft zu bilden? Unmöglich... Vor allem nicht, wenn das Zielobjekt ein potenziell blutgieriger und mordender Vampir war. Aber Befehl war Befehl und sie würde einen Teufel tun, sich mit Noya-san anzulegen... der alte Kauz würde ihr gnadenlos den Hintern versohlen und sie für die nächsten Wochen in den Innendienst verbannen, wo sie Tag ein Tag aus Akten sortieren und auswerten dürfte. Da "freundete" sie sich lieber mit einem elenden Blutsauger an.
      Endlich fest entschlossn ließ sie einmal lang die Luft aus ihren Lungen strömen und fixierte ein letztes Mal den Klingelknopf. Doch noch bevor sie ihren Zeigefinger gegen den weißen Buzzer drückte, ließ sie die Hand noch einmal kontrollierend unter den breiten Ledergürtel auf Höhe ihres Steißes fahren. Zwischen ihrer dunkelblauen Jeans im Used-Look und dem Gürtel verbarg sich eine dünne und absolut scharfe Klinge mit Silberummantelung. Erst als sie den stoffbezogenen Griff der Waffe ertasten konnte, ließ sie die Schultern etwas entspannter sinken und verbarg die Klinge dann unter ihrem schwarzen T-Shirt mit Überlänge. Als sie von einem Fuß auf den anderen trat stieß zudem auch das kalte Metall des kleinen Silberdolches im inneren ihrer wadenhohen schwarzen Lederstiefel gegen den dünnen Jeanstoff. Ihre beste Absicherung gegen jegliche Vampirangriffe.
      Endlich fand ihr Zeigefinger das Plaste des Klingelknopfes und löste im Inneren der Wohnung einen schrillen Summton aus. Sasako hatte sich im Vorhinein versichert, dass ihr Zielobjekt noch Zuhause war. Wenn die Informationen der Gilde und ihre eigenen Beobachtungen korrekt waren, würde seine Schicht in der Bar erst in einer Dreiviertelstunde beginnen. Spästestens dann sollte die tief über der Skyline hängende Sonne in ihrem Rücken vollständig untergangen sein. Doch im Moment hüllte sie den schmalen Außenflur des alten Wohnhauses in ein tiefes Orange, dass von der weißen Hausfront gespiegelt zu werden schien.
      Sasako konnte schließlich Bewegung hinter der Tür ausmachen, bevor sich das elektronische Schloss auch schon begleitet mit einer leisen Melodie entriegelte. Umgehend kleistertete sie sich ein zutiefst freundliches und zugleich nicht übertrieben wirkendes Lächeln auf die mit Lippgloss beschmierten Lippen. Kaum einen Moment später wurde die Wohnungstür geöffnet und Sasako sah sich strahlend blauen Augen entgegen, die im Meer der untergehenden Sonne wie Kristalle zu funkeln schienen und durch die blendend weißen Haare nur noch weiter betont worden. Sie hatte sich noch nie sonderlich viele Gedanken um Schönheit und ihre Auswirkungen auf andere gemacht, noch hatte sie sich jemals besonders zu einer anderen Person und dessen Aussehen hingezogen gefühlt oder sie gar angehimmelt, wie es die Mädchen in so vielen klicheehaften Erzählungen, Filmen und Mangas taten. Doch heute konnte sie zum ersten Mal in ihrem Leben über eine Person behaupten: Tsubasa Riki war schön. Zumindest soweit sie es anhand seiner hoch aufragenden Statur, den markanten und zugleich weichen Gersichtzügen, mit den besonderen Augen und den langen Wimpern beurteilen konnte. All des war jedoch nur äußerlich. Sollte er sich als der mörderische Vampir heraustellen, als den man ihn verdächtigte, würde ihn sein attraktives Gesicht noch lange nicht vor ihrer gnadenlosen Klinge bewahren.
      "Schönen guten Abend." Zuckersüß und freundlich tanzte ihre hohe Stimme über ihre Zunge, während sie sich samt Weidenkorb in Händen höflich vor ihrem Gegenüber verbeugte. "Mein Name ist Sasako Mitsua. Ich bin heute Mittag nebenan eingezogen." Kurz nickte sie zur Wohnungstür nur knapp vier Meter weiter, hinter welcher sich ein kleines Chaos an Umzugskartons stapelte. Alles Sachen die sie keineswegs nötig hatte, aber eine leere Wohnung würde nur unnötig Verdacht schöpfen. "Daher wollte ich mich bei meinen neuen Nachbarn vorstellen, allerdings scheinen außer uns beiden nur noch zwei weitere diese Etage zu bewohnen?" Sie ließ den Blick den Flur auf und abwandern und zuckte dann wie beiläufig mit den Schultern. "Leider scheinen die aber ausgeflogen zu sein." Wieder schenkte sie ihrem Gegenüber ein freundlich anmutendes Lächeln und hielt ihm dann den Weidenkorb entgegen. "Bin ich froh, zumindest Sie noch antreffen zu können. Ich hoffe Sie können dieses kleine Geschenk annehmen. Auf eine gute Nachbarschaft." Sie hatte heute morgen noch mit dem Gedanken gespielt, Silberdraht in den Henkel des Korbes einzuflechten, um sein Vampirblut entarnen zu können. Hatte diesen Plan aber schnell wieder verworfen. Sollte Tsubasa Riki wie vermutet wirklich ein mordlustiger Vampir sein, würde sie ihn maxmial oberflächlich verletzen können, während er umgehend gewarnt wäre und sie sicherlich rücksichtslos attackieren würde. Solange sie noch nicht wusste, wie stark dieser Kerl war und welche Fähigkeiten er besaß, käme es also einem Selbstmord gleich, ihn so "austricksen" zu wollen. Also musste vorerst wohl wirklich der "Freundschaftsplan" herhalten.
    • Lange noch hielten sich die Augen mit den weißen, langen Wimpern des porzellanblassen Mannes geschlossen. Er hatte gestern doch wohl etwas zu lange gearbeitet und dann wurde eben der halbe Tag verschlafen. Doch auch wenn er den Trubel, die Musik, die tanzenden, glücklichen Silhouetten liebte, die sich um ihn tummelten, so musste man auch mal Ruhe geben und sich regenerieren, sonst würde man bald nicht mehr sein. Auch wenn er jede charmante und coole Konversation genoss, die er an der Bar führte und jedes Kompliment mit Freuden in sich aufzog und es sein starkes Ich noch mehr stärkte, musste man irgendwann ins Traumland. Doch heute war etwas anders als sonst. Tsubasa wurde von seiner schrillen Klingel geweckt und schon schlug er beinahe wie ein Roboter die Augen auf. Sein Blick wandte sich zu seinem Wecker, der auf seinem Nachtkästchen hinter seinem großen Bett, dass locker für zwei Leute reichte stand. Dieser tickte friedlich vor sich hin. Also war er es nicht gewesen. Dann musste es wohl die Tür gewesen sein. Man wollte es nicht glauben, aber der Weißhaarige konnte hin und wieder seinen Wecker und seine Türklingel nicht auseinanderhalten. Sie klangen auch ehrlich gesagt ziemlich ähnlich und genauso deswegen, hatte er schon oft daran gedacht sich einen anderen Wecker zuzulegen, hatte es aber bis jetzt nicht übers Herz bringen können, den anderen zu entsorgen, oder ihn wegzugeben. Der Körper des jungen Mannes erhob sich ehe sich nachdenklich und verschlafen mit seinen blassen Händen durchs Gesicht fuhr. Dabei schob er müde die Decke zur Seite ehe er sich im Stand mal streckte und so noch länger machte. Beinahe wie eine Giraffe die versuchte in der Savanne noch die letzten saftigen Blätter eines Baumes zu erwischen. Nachdem er endlich verstanden hatte, dass er nun wirklich wach war, konnte er sich auf dem Schrank vor sich eine Jogginghose schnappen, die er immer anzog, wenn er nicht zu formell gekleidet sein musste. Dem Kleiderschrank war zu entnehmen, dass er eine sichtliche Vorliebe für schöne, einfärbige Kleidung hatte. Es gab viel Markenkleidung, hatte aber nichts zu sagen.


      Das meiste waren Hemden, die so ziemlich in allen Farben darin thronten. Diese Farben waren nicht knallig bunt oder auffallend, sondern eher milde abgestimmt und passten zu den meist schwarzen Hosen. Nun als Kellner und Barkeeper musste man immer ein gepflegtes Äußeres haben und auch Hemden tragen. Wie gut das Tsubasa sich damit identifizieren konnte. Barfuß wandelte er nun leicht schwerfüßig noch über die Treppe nach unten und hielt sich dabei an dem Geländer der Wendeltreppe fest um nicht auch noch über diese, schlaftrunken nach unten zu rollen und vielleicht noch irgendwie dagegen zufallen. Während er auf dem Weg nach unten war, rieb er sich gähnend den Sand aus den Augen und seufzte dann tief ehe er vor der Tür stand und das Schloss von innen drin entriegelte um die Tür zu öffnen. Wer war so dreist ihn zu wecken? Konnte ja nur der Postmann sein! Doch sein noch etwas verschlafener Blick traf auf ein bezauberndes Lächeln und er blieb starr, wie auch stumm. Damit hatte er jetzt gerechnet. Lieferte ihm die Post jetzt schon schöne Frauen? Das er überhaupt realisieren konnte, was sie da sprach, blinzelte er hin und wieder verwundert und beugte sich dann stumm leicht nach vorne um stumm nach rechts blicken zu können, wo sich vier Meter weiter die nächste Tür befand. "Nachbarin also.." erklang seine dunkle jedoch warme und etwas müde Stimme. Dabei blickte er nun immer noch perplex auf den Korb er ihm nun überreicht wurde, als hätte er einen Oscar in einem Film gewonnen. Doch nachdem er endlich wieder auf dem Planeten angekommen war verstand er es. Sie war seine neue Nachbarin und wollte sich vorstellen. Na Gott sei Dank, hatte er sich noch eine Jogginghosen angezogen sonst würde er hier in engen Unterhosen vor ihr stehen. Oben rum trug er ebenso ein schlichtes, langärmeliges Schlafshirt in einer dunklen, schlichten Farbe. Doch plötzlich zogen sich seine Mundwinkel zu einem charmanten Grinsen hoch und sein seine Hand legte sich verlegen an seinen Hinterkopf. "Wie süß seid ihr denn.. " sprach er nun während sich ihre Blicke trafen. "...aber ihr wisst hoffentlich, dass ihr mir jetzt die Ehre erweise und den Korb mit mir gemeinsam plündern müsst" dabei hielt er diesen nun hoch. Hatte er gerade versucht sie anzumachen? Nun ja er hatte ihr durchaus ein ehrliches und direktes Kompliment gemacht. Doch dann wurde sein Blick etwas wehmütiger und verzog sich zu seinem leichten schweren lächeln. "Leider muss ich jetzt gleich arbeiten gehen und komme erst morgen früh wieder.. aber wir könnten uns ja für den Nachmittag verabreden... wenn ihr möchtet.." man hatte sicher mit allem gerechnet, aber sicher nicht mit dem, dass er sie sofort so herzlich in Empfang nehmen würde...
    • Sasako Mitsua


      Lockere Jogginghose und einfacher dunkler Schlafpulli. Wenn die beiden Dinge noch nicht Hinweis genug darauf waren, dass ihr Gegenüber soeben frisch aus dem Bett gestiegen war, dann sollten die zum Teil abstehenden Strähnen weiß glänzendem Haaraes auf seinem Schädel Beweis genug sein. Zuletzt wurde sie von einem weichen und verschlafenen Bariton getroffen, der ihren Verdacht in Gewissheit verwandelte und der erschreckend gut zu seinem äußerlichen Erscheinungsbild passte. Diese leichte Gänsehaut in ihrem Nacken konnte einzig und allein mit dem aufziehenden Wind zusammenhängen... oder?
      Nun, der Umstand, dass er den Tag ganz offensichtlich verpennt hatte, zusammen mit seiner unnatürlich hell erscheinenden Haut, war natürlich noch nicht Beweis genug für Vampirismus, aber man konnte auch nicht behaupten, dass er sich dadurch in Sasakos Augen weniger verdächtig machte.
      Mehrere Sekunden lang wartete sie mit eingefrorenem Lächeln auf seine Reaktion und staunte nicht schlecht, als er ihre aufgesetzte Mimik nicht nur imitierte sondern noch haushoch in Strahlkraft übertraf. Sein absolut charmantes Lächeln zupfte an ihren eigenen Mundwinkeln, als würde es ihre Lippen motivieren wollen, aus eigenem Antrieb in die Höhe zu wandern. Sie hatte mit keiner solch ehrlichen und freundlichen Reaktion gerechnet. Aber vielleicht sah er in ihr auch nur seine nächste Beute? Kaum war dieser Gedanke durch ihren Schädel gewandert, vertrieb düstere Ernsthaftigkeit die Überraschung über seine Reaktion. Natürlich blieb das unschuldige Lächeln auf ihren Lippen bestehen, bis seine nächsten Worte ihre Augenbrauen verwundert in die Höhe trieben. Ihr und süß? Nicht nur, dass er unerwartet und direkt mit ihr zu flirten schien - soweit sie das zumindest interprätieren konnte - nein, seine Sprache schien auch direkt aus dem vorletztem Jahrhundert entsprungen zu sein. Da wäre wohl das Silber im Korb erst recht nicht nötig gewesen. Dieser Kerl war gut darin, sich selbst zu verraten, nur... Wenn seine Ausdrucksweise Hinweis auf sein Alter war... Sasakos Kiefermuskel verkrampfte sich schmerzhaft, als sie die Zähne aufeinanderpresste. Umso älter ein Vampir, desto mächtiger war er auch. Selbst Silberverletzungen konnten die ältestens unter ihnen mit relativer Leichtigkeit überwinden oder heilen, solange sie nicht direkt ins Herz getroffen wurden. Hätte sie sich mit dem Silber am Henkel verraten, wäre sie jetzt sicherlich schon längst tod.
      Allerdings musste seine seltsame Ausdrucksweise natürlich noch nicht der letzte Beweis sein, aber sie war lange nicht mehr naiv genug, um auf das Beste zu hoffen. Dennoch würde sie auf Nummer sicher gehen müssen. "Ihr...?" Wenn er sie doch schon angeblich für süß hielt, dann wollte sie seine Einschätzung gerne noch etwas befeuern und legte den Kopf fragend zur Seite, während sie ihre mildgrünen Augen mit seinen himmelblauen Seelenpforten verband. Noch nie hatte sie der Ausdruck in den Augen eines anderen so tief in seinen Bann gezogen, doch sie durfte sich von den tiefen Fluten seiner Iriden nicht in Gefangenschaft nehmen lassen!
      "Den Korb gemeinsam plündern...", überlegte sie dann laut und platzierte Mittel- und Zeigefinger nachdenklich auf der Wange. Es stand fest, dass sie ihm zusagen würde. Besser konnte es eigentlich nicht laufen, als von der Zielperson selbst eingalden zu werden. Sie mochte sich zu 99,9% sicher sein, dass sie da ein uralter Vampir überfreundlich angrinste und auf eine Verabredung einlud, aber auch die letzten 0,1% mussten sicher bestätigt werden, bevor sie handeln durfte. Und danach musste sie auch noch die leidige Frage beantworten, ob wirklich er hinter den Morden steckte, oder nicht doch ein anderer Vertreter seiner elenden Gattung. Doch wer sonst würde als Verdächtiger in Frage kommen?
      Während sie noch immer die Grübleriche gab, verfingen sich ihre Augen erneut in seinem offenherzig freundlichem Gesichtsausdruck. Irgendwie wollte das Bild eines blutdurstigen Mörders nicht auf dieses Gesicht passen. Sie müsste genaue Nachforschungen anstellen müssen, bevor sie ein abschließendes Urteil fällen konnte. "Klingt gut", schlussfolgerte sie zuletzt mit heller Stimme und musterte ihn erneut mit einem offenem Lächeln. "Sobald ich den Großteil meiner Sachen drüben ausgeräumt habe, hätte ich alle Zeit der Welt", berichtete Sasako und nickte erneut zu ihrer Wohnungstür hinüber. "Soll ich danach vielleicht einfach rüber kommen und Sie abholen..." Sie stockte und musterte ihn nachdenklich, bevor sie sich gespielt neugierig in Richtung Namensschild neben der Tür lehnte, als hätte sie es bis eben noch nicht bemerkt. "Riki-san?"
    • Ja hin und wieder mischte der junge Mann seine Gepflogenheiten in der vergangenen Sprache, was ihn wirklich verraten würde, aber da er sich eigentlich nicht wirklich was zu Schulden kommen ließ, wie er es sah, hatte er kein Problem damit jemanden in sein Leben zu lassen. Darauf musterte er mit seinen hellblauen, strahlenden Blick nochmal die neue Nachbarin. Er überflog sie nur kurz. Wohl um das Bild zu verinnerlichen. Natürlich hatte er wie jeder seine kleinen und vielleicht auch großen Geheimnisse aber das war doch das war eine Person auch gerade interessant machte, oder? Als sie seine Aussage widerholte, dachte er schon daran, dass dies wohl wieder eher einer Absage glich, jedoch kam von der 'Süßen' doch plötzlich eine Zusage. In Windeseile fuhr ein strahlender Schimmer über seine schon so hellen fast blendenden Augen und dies ließ diese nochmal in voller Pracht glänzen. Es war Freude die ihn nun überkam und einen fast schon hinreißen konnte. Jedoch kam nun doch etwas unerwartet. Wie lange hatte er schon kein Treffen mit einer Frau gehabt? Unsicherheit machte sich im Inneren des Mannes unbemerkt breit. Sie warf einen Schatten auf sein sonst so strahlendes Ich. Nun ja das dürfte schon Jahre her sein und da war er wirklich etwas altmodisch und eingerostet, was das andere Geschlecht betraf. Dabei hatten Vampire eigentlich ein sehr gutes Gedächtnis, wenn es um wichtige Dinge im Leben ging, wie die Vermehrung, die er in all den vielen Jahren zwar praktiziert, aber nie wirklich beendet hatte. Nie hatte er für den Fortbestand seiner Rasse gesorgt, für Nachkommen, da es nie einen Sinn ergeben hatte, war er noch recht jung gewesen. Es gab immer eine Seele unter diesen vielen Seelen, die für einen Vampir bestimmt war. Sie war so zu sagen die Vertraute oder auch anders bekannt als die Seelenpartnerin. Dabei musste es sich nicht unbedingt um ein gleichrassiges Wesen handeln. Nein, es konnte auch ganz etwas anderes verkörpert werden. Manchmal wurde dies sogar gut geheißen, denn so konnte der Blutdurst oft am Geliebten gestillt und durchgeführt werden. Halt! Aber hier ging es um ein harmloses Treffen um sich gemeinsam an dem Korb zu erfreuen, den Sasako Mitsua ihm als 'Hallo-ich-bin-die neue- Nachbarin-Present' überreicht hatte. Also eine völlig unerotische und freundliche Atmosphäre, oder? Wie kam er denn auf solche Gedanken und auf solch ein Gespür?! Dabei folgte der noch im Schlafanzug steckende nun ihren Bewegungen und auch dass sie nun wohl sein Klingelschild das erste mal las, ehe ihre Stimme wieder in seinen Ohren klang. Kurz blinzelte er auf. "Äh.." stieß er sanftmütig und leicht verlegen hervor während er mit leicht rosigen Wangen etwas an den Türstock blickte um diesen zu fixieren. "... Tsubasa reicht völlig..." Es schien wohl eine Schwachstelle zu sein ihn höflich anzusprechen und das auch noch mit seinem Nachnamen, wie es hier ja eigentlich Gang und Gebe war. Jedoch hatte Tsubasa selten Kontakt mit Fremden und die, die ihn bereits kannten, vor allem sein bester Freund nannten ihn Tsu.
    • Sasako Mitsua


      Musste sie ihre Theorie über den alten Vampir vielleicht wieder revidieren? Sollte ein Vampir der alten Zeiten wirklich in der Lage sein, einen so freudigen und schon fast jugendlich anmutenden Gesichtsausdruck aufsetzen zu können. Sasako musste sogar feststellen, dass das helle Strahlen in seinen himmelblauen Augen ihr düsteres Gemüt etwas erheitern konnte, ohne dass sie wirklich verstand, wie das möglich sein konnte. Nie hätte sie erwartet hinter dieser Tür auf jemanden zu treffen, der so offen und unverblühmt seine Emotionen präsentierte, so musste sie sich nicht einmal anstrengen, um zu erkennen, wie heftig er sich über ihre Zusage freute. Beinahe wie ein kleines Kind dem man eine zusätzliche Kugel Schokoeis genehmigte. Entweder er war wirklich so heiter und ehrlich, wie sie ihn nun kennen lernen durfte, oder er war der beste Schauspieler, auf den die junge Jägerin bisher getroffen war. Egal welches Szenario auch auf diesen Kerl vor ihr zutreffen mochte, sie würde weiterhin Vorsicht walten lassen müssen, immerhin könnte all das hier auch eine Strategie des vermutlichen Vampirs sein.
      Dass er mit ihr flirtete war offenkundig und sicherlich würde ein Großteil der Frauenwelt auch direkt auf die Avancen des Schönlings anspringen und sich ihm "hingeben". Ob er auf diese Art und Weise seine Opfer in Sicherheit gewogen hatte? Sasako versuchte sich genauer an die Beschreibung der bisherigen Verstorbenen zu erinnern. Der überwiegnde Teil war tatsächlich weiblich gewesen, aber auch drei Männer waren unter den Opfern gewesen. Doch weder diese noch die Frauen hatten deutliche Abwehrspuren aufgezeigt, was einerseits bedeuten konnte, dass sie vergiftet und Bewegungsunfähig gemacht worden waren, oder aber sie hatten ihrem Mörder "vertraut" und ihn freiwillig von sich trinken lassen, bis der Vampir an ihrer Kehle ihnen nicht nur das Blut, sondern auch direkt das Leben aussaugte.
      Sasako versuchte hinter das Glänzen der blauen Augen zu blicken, die vor ihr freudig funkelten, wie Sterne am nächtlichen Firmament. War das etwa seine Masche? Verführte er seine Opfer und saugte sie dann bis auf den letzten Tropfen aus? Nur weil er selbst ein Mann war, musste das immerhin noch lange nicht heißen, dass er nicht auch in der Lage war, andere Männer hinters Licht zu führen. Sie musste dringend tiefer gehende Nachforschungen anstellen, wenn sie auf ihre Fragen eine Antwort erhalten wollte. Dass dieser Kerl nun ausgerechnet sie zu "umwerben" schien, machte die Angelegenheit nur umso leichter.
      "In Ordnung." All die tiefgründigen und düsteren Gedanken hatten das heitere Lächeln auf ihren feinen Lippen nicht trüben können, auch wenn sie sich ehrlich über seine seltsam schüchterne Reaktion wunderte. "Dann Tsubasa." Statt ihre Verwunderung zu zeigen, intensivierte sie das Grinsen auf ihren Lippen und lehnte sich etwas zu ihm vor. "In diesem Fall solltest du mich Sasako nennen. Freut mich sehr, dich kennen zu lernen, Tsubasa." Die linke Hand richtete eine weitere störrische Haarsträhne, die es gewagt hatte in ihr Gesicht zu fallen, während sie die rechte offen in seine Richtung streckte und auf einen festen Handschlag wartete. "Ich freue mich schon sehr auf unser morgiges Treffen."
      Sie müsste diese Chance morgen nutzen, um ihre Vermutungen zu bestätigen. Es dürfte eigentlich leicht fallen, ihn als Vampir zu enttarnen. Ein kleiner Silberarmrreif als Schmuckaccessoire sollte vollkommen ausreichen. Es würde nicht genügen, um ihn tiefgehend zu verletzen oder gar zu schwächen, aber sollte er auch nur die kleinste Reaktion zeigen, hätte sie ihn zumindest schon erfolgreich als Vampir enttarnt. Dann musste sie ihm nur noch die Morde der vergangenen Wochen nachweisen und schon musste sie sich nicht mehr mit ihm herumschlagen. Einfach, oder?
    • "Alles Klar, Sasako." kam nun leicht schmunzeln von ihm zurück. Er freute sich relativ, dass ihm jemand den Vornamen anbot. Wie lange hatte er das schon nicht mehr erlebt? Das war schon einige Zeit lang her. Dabei ging nun sein eisblauer Blick hinüber zur Wanduhr die Sasako ja von außen nicht wirklich sehen konnte. Sie tickte und tackte vor sich hin während die Augen des jungen Mannes mit den weißen Wimpern immer größer wurden. "Jap, jetzt muss ich aber los." kam von ihm während er sein blasses Gesicht wieder zu ihr drehte und seine Miene zu einer leicht mitleidigen wurde. "Tut mir leid, aber wir sehen uns ja morgen Sasako.." dabei wank er der jungen Frau nun leicht zu, indem er seine Hand hob. Als es nun soweit war, dass seine neue, nette Nachbarin weg war, schloss er die Tür hinter sich und seufzte kurz durch ehe der junge Mann in Windeseile durch die Wohnung flitzte. Nein im ernst er war überhaupt nicht mehr zu sehen, so schnell lief er. Hätte das die Vampirjägerin die vor seiner Tür gestanden war gesehen, hätte sie sicher nicht schlecht geguckt. Doch da es ja nicht wirklich bekannt war, dass Sasako dieser Gruppe angehörte, war es für den Vampir eigentlich kein Grund zur Besorgnis. So schnell er oben im Schlafzimmer stand, war er auch angezogen. Schwarze, lange Hose, die dazu passenden Socken, Unterwäsche verstand sich natürlich von selbst und ein schwarzes Hemd wie ein Schneeweißes Sakko. Nun dort wo er arbeitete, gab es gewisse Kleiderordnungen und auch wenn diese immer wieder mal variierten, sah er in dem meisten was er tragen musste echt unwiderstehlich aus. Jetzt noch die passenden Schuhe dazu und schon wurde sich der Rucksack geschnappt den er immer benutzte er verließ seine Wohnung. Man konnte hören wie die Türe geschlossen und auch zugesperrt wurde ehe man das Klackern der schwarzen Schuhe auf dem Flurboden hörte. Danach konnte man noch die Haustür vernehmen die sich von selbst wieder ins schloss fiel und schon war er weg. Er würde heute auch die ganze Nacht wegbleiben und morgen wieder total müde aufwachen. Anders als andere Vampire musste er das Sonnenlicht nicht wirklich meiden, denn er war ein geborener Vampir. Auch wenn es oft hieß, dass Vampire keine Kinder bekommen konnten, so war dies eine Fehlinformation um die geborenen Vampire zu schützen. Sie war irgendwann mal gelegt worden und hatte sich bis jetzt in die moderne Zeit durchgezogen.

      Die Disco war rappelvoll und es schienen immer noch mehr und mehr Leute eintrudeln zu wollen. Es war wie wenn überhaupt kein Stopp mehr vorhanden war. Gut für den jungen Vampir, der an der Theke stand und sich durch die Menschenmassen hören musste, die ihm die Getränkebestellungen entgegenplärrten, weil sie Angst hatten er wurde sie nicht verstehen oder ihnen was falsches bringen. Was man da so alles zu sehen bekam war ja wirklich unglaublich. Junge Mädchen, die schlimmer aufgetakelt waren als die leicht bekleideten Damen am Straßenrand die man mitten in der Nacht in sein Auto locken konnte. Unsicherer auf ihren High Heels als jeder Transsexuelle und die Ohrringe größer und glänzender als die eine Zigeunerin die dir mit ihrer Glaskugel die Zukunft voraus sagen konnte. Hin und wieder musste er wirklich seinen Blick etwas beschämt abwenden, denn manche Rücke waren kürzer als deren Körper und hätte eigentlich mehr verdecken können. Wenn das deren Vater wüsste, er wollte niemals so ein Mädchen haben. Die Männer waren hier auch nicht besser. Auch wenn sie relativ normal aussahen, waren sie eher mit lüsternen Blicken unterwegs und hin und wieder musste Tsubasa das Gesicht verziehen, wenn er sah wie so ein 40 jähriger Kerl eine 18 jährige musterte. Es war schon etwas anderes wenn sie den selben Altersschlag hatten oder wenn der Altersunterschied nicht so hoch war. Aber hier war ja wirklich alles erlaubt. Spannung gab es hier auf jeden Fall. Heute fand sich ein Pärchen im Feel ein, dass sich anscheinend auf der Toilette gehen ließ um nach ihrem Höhepunkt der Beziehung wieder zu trennen, weil ein anderes Mädchen ihm den Kopf verdreht hatte. Es wurden Ohrfeige aufgeteilt und dann schien sich neben der Bar eine Prügelei anzubahnen und das nur weil zwei kleine Schicksen sich nicht leiden konnten. Das sogar der junge Vampir mal ins gefährliche Flirtpflaster geriet war gar nicht so selten. Es gab viele Mädchen die ihm schöne Augen machten, fasziniert waren von seinem Aussehen oder ihm in seiner Pause ansprachen und mit ihm flirteten. Auf manche Konversationen ließ er sich er, reagierte aber relativ kühl. Das hier war seine Arbeit und nicht der Vergnügungspark für Singles. Manche versuchten sogar mit sexuellen Avancen einen gratis Drink zu erschleichen. Wo sich beinahe jeder Mann drauf eingelassen hätte, wenn er einen Blick ins Dekolléte erhaschen konnte. Tsubasa hatte sich davon sofort schnell abgewandt oder weggesehen. Er mochte so etwas überhaupt nicht, war er selbst sogar zugeknöpft auch wenn er gar nicht so wirkte. Heute war er wirklich froh, wenn seine Schicht vorbei war, doch es zog sich wie der Kaugummi in den Haaren den man einfach nicht mehr so einfach rausbekam.

      Der nächste Tag bahnte sich an und der hübsche Mann war gerade am Gläser putzen und beobachtete die letzten drei Hardcoretänzer auf der Tanzfläche, die sich noch sehr ryhthmisch und kaum alkoholisiert auf der Tanzfläche rumwackelten, als würden sie über den Schwebebalken in der Schule laufen. Die letzten Mädchen die noch hier waren, waren auch eher ein Trauerspiel. Das 100 mal hatte sie sich eine neue Gesichtsmaske in die verschmierte, schwitzige Visage geklatscht und sahen nun aus wie ein Killerclown sobald sie ins Licht kamen. Es stank nach, zigarettenrauch, schweiß und verschütteten Getränken. Als die letzten Personen aufgefordert wurden zu gehen seufzte Tsubasa erleichtert auf und schlug die Augen kurz nieder ehe alle Kellner zusammen kamen und begann die Scherben der kaputten Gläser auf der Tanzfläche zusammen zu kehren. Nachdem das so ziemlich alles entfernt war, konnte der Weißhaarige seine Müdigkeit nicht mehr verbergen und somit verabschiedete er sich nun von seinen Kollegen ehe er sich auf den nach hause weg machte.

      Dort angekommen, konnte der junge Mann es kaum erwarten die Tür zu öffnen. Die Haustür war ja eigentlich noch recht gut aufgegangen doch die eigene Wohnungstür schien ein Problem zu werden. Er zielte mit seinen Fingern beim Eingeben des Codes sicher über achtmal daneben ehe er kurz genervt seufzend den Kopf in den Nacken warf und kurz ein brummendes Stöhnen von sich im Vorraum hallen ließ. Manchmal kam er sich vor als wäre er in dieser Discotheke der Betrunkenste gewesen, obwohl er nichts getrunken hatte. Ob man von blöden Leuten betrunken werden konnte? War Dummheit vielleicht übertragbar? Vielleicht konnte diese durch deine Atemwege in dein Inneres und so dein Gehirn verblöden. Bei diesem Gedanken musste er kurz müde schmunzeln bis er die richtigen Tasten doch endlich zu drücken geschafft hatte. Die Tür entriegelte sich und nach einiger Zeit hörte man seine Tür zufallen. Was nun geplant war? Sich zuerst mal wie ein richtig, unordentlicher Kerl benehmen und seine ganze Kleidung wie die Brotkrümel von Hänsel und Gretel von der Wohnungstür bis zu seiner Dusche verteilen, damit man den Weg zurück wieder finden würde oder dass ihn jemand ausfindig machen konnte, wo er war, würde er im stehen einschlafen. Das Rauschen des Wassers nahm der junge Mann einfach nur mehr entfernt wahr denn er war wirklich kurz davor dass ihm die Augen zufielen. Er ergriff die Seife und fing diese nochmal auf, als ob diese ihm fast auf der Hand geflutscht wäre, ehe er sich einseifte um sich danach aufzuwaschen und sich auch kurz ins Gesicht zu spritzen, in der Hoffnung, es würde ihn wieder wecken, jedoch passierte nichts. Der Zustand blieb gleich. Er ergriff sein Handtuch, trocknete sich ab während er mit einem kleineren seine weißen Haare sporadisch abtrockente und dann sein Gesicht kurz im Spiegel, der an der Wand hing betrachtete. Er sah aus wie ein großer, weißer Staubfussel, stellte er fest. Nachdem seine Haare so halb trocken waren und er in eine frische Shorts geschlüpft war fiel er einfach tot müde ins Bett. Es dauerte gar nicht lange, da war er weggeschlafen. Doch er hatte etwas grundlegendes vergessen. Seinen Wecker zu stellen für das treffen mit Sasako..

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    • Sasako Mitsua


      "Was? Schon?" Sie hatte diesen perfekt ausgefürhten Schmollmund auf ihren Lippen tatsächlich vor dem Spiegel geübt und hasste diesen Gesichtsausdruck an sich selbst. Doch so lange er ihr Gegenüber zu überzeugen vermochte, sollte es ihr recht sein und im Moment sollte der potenzielle Mörder vor ihrer Nase glauben, dass sie es als absolut schade empfand, nicht mehr weiter mit ihm reden zu können, da die Arbeit rief. Natürlich ließ sie sich auch nicht anmerken, dass sie genau wusste, wann seine Schicht begann, geschweige denn wo er arbeitete. Sie durfte morgen nicht vergessen, ihn unschuldig darüber auszufragen. "Tut mir leid, wenn ich dich irgendwie aufgehalten habe", meinte sie nun und ließ enttäuscht und schuldig den Blick sinken, bevor sie lächelnd erneut den Kopf hob. "Aber wir sehen uns ja morgen." Verspielt und mahnend hob sie den linken Zeigefinger und schwenkte ihn drohend vor seine Nase hin und her. "Vergiss es aber nicht, ja?" Dann endlich verabschiedete auch sie sich mit einem kurzen Winken und grinste ihn freundlich an, bis er endlich die Tür schloss. Da sie sich nicht sicher sein konnte, ob er sie vielleicht durch den Türspion beobachtete, behielt sie den netten Gesichtsausdruck bei und machte sich zu ihrer neuen Wohnung auf. Erst als sich das elektrische Schloss ihrer eigenen Tür mit einer kleinen Melodie verriegelte, gestattete sie ihren Gesichtsmuskeln Entspannung. Der gelangweilte und trostlose Ausdruck, der sie seit den letzten neun Jahren begleite kehrte in ihre Züge zurück und würde sie auch bis zum nächsten Treffen mit dem wahrscheinlichen Mördervampir sicher nicht mehr verlassen.

      "Hast du bereits Indizien sammeln können?" Rikosu Noyas Stimme war naturgegeben in einer tiefen Basstonlage angesiedelt und konnte einem eine Gänsehaut über den Rücken jagen, vor allem wenn er wütend war. Aber durch den leicht rauchenden Lautsprecher ihres alten Klapphandys glaubte Sasako mit einem durch und durch bösen Mafiaboss reden zu müssen, der ihr ein "schwer auszuschlagendes Angebot machte". Natürlich lag das vor allem an dem schlechten Ton, den dieses elende und doch sehr liebgewonnene Mobiltelefon aus der Steinzeit verursachte, aber Noya-san verfügte auch über das begnadete Talent, seiner Stimme immer und ständig einen drohenden Unterton zu verleihen. "Konntest du dich mit ihm anfreunden?"
      "Ich habe ihn heute das erste Mal gesehen", entgegnete sie monoton und verkniff sich ein leises Seufzen.
      "Also hast du Infos erhalten?"
      Sie verdrehte die Augen und das Seufzen drang schließlich wirklich über ihre Lippen. Allerdings war sie schlau genug zuvor den Hörer beiseite zu halten. Als sie ihn sich wieder gegen das Ohr legte, atmete sie einmal tief ein. "Ich glaube, dass wir richtig liegen, wenn wir in ihm einen Vampir sehen. Nur leider befürchte ich, dass er nicht zu unseren Übeltätern gehört..."
      "Soll heißen?" Noya-san war in Hab-Acht-Stellung gewechselt und Sasako konnte sich bildlich vorstellen, wie er sich in seinem gemütlichen grünen Ledersessel in seinem Büro innerhalb der Gilden-Zentrale aufrichtete.
      "Er könnte einer von den Alten sein und ein Geborener noch dazu."
      Scharfes Lufteinziehen war die Antwort auf ihre Vermutungen, gefolgt vom leisen Knarzen im Hintergrund. Sie könnte Wetten darauf abschließen, wie sich Noya-san beklommen auf dem Sessel vorlehnte und die Ellenbogen auf die Knie abstützte, um in seine übliche nachdenkliche Position zu wechseln. "Worauf stützt du diese Vermutungen?"
      "Als ich an seiner Tür klingelte war die Sonne noch nicht gänzlich untergegangen, dennoch schien er sich daran nur milde wenn überhaupt zu stören. Und er hat mich mit einem erhabenen 'Ihr' angesprochen, als hätte er die letzten drei Jahrhunderte verschlafen."
      Schweigen in der Leitung. Sasako nutzte die Chance, um ihr Handy von der rechten in die linke Hand zu wechseln, woraufhin sie sich daran machte, T-Shirts aus einem Umzugskarton zu ziehen und in ihren Schrank zu sortieren. Die Möbel hatte heute Vormittag bereits eine Fimra aufgebaut, bezahlt wurde natürlich alles von der Jägergilde. Dabei hatten sich die Männer und Frauen direkt darum bemüht, etwas Seele in die Einrichtung zu stecken. Sie selbst hätte sich sicherlich keine Gedanken um die Farbe des Kleiderschrankes gemacht, dessen weiß lackierten Holzschub sie nun befüllte. Tatsächlich weckselten sich die einzelnen Schübe und Schranktüren dieses Möbelstückes in ihren Farben ab und bildeten ein Muster aus schwarzen und weißen Rechtecken. Ebenso "stylisch" sollte wohl auch das große Bett im Zentrum des Raumes wirken, dessen Gestell zwar in schlichtes Weiß gehalten wurde, aber die Rückenlehne strahlte sie mit einem dunkeln Rot an, welches mit der azurblauen Bettbezug zu wetteifern schien. Sasako war die Inneneinrichtung ihrer vorrübergehenden Wohnung absolut egal, aber sie verstand den Hintergrund der überlegten Gestaltung. Sollte die junge Frau hier wie üblich nur einen Schlafsack reinschmeißen und im Wohnzimmer nur einen Stuhl und Tisch zum Essen abstellen, während ihre Klamotten in Kisten und Koffern auf dem Boden herumlagen, würde das bei eventuellen besuchern Fragen aufwerfen. Besonders bei Tsubasa könnte es einen Verdacht entfachen, den sich die junge Frau nicht leisten konnte, vor allem wenn ihre Vermutungen zu seinem Alter wirklich wahr waren.
      "Das ist nicht gut", grummelte es es durch den Hörer.
      Sasako nickte langsam. "Richtig. Aber noch konnte ich meinen Verdacht nicht bestätigen."
      "Wie sieht dein Plan aus? Brauchst du Unterstützung?" Noya-san mochte klatherzig und unnahbar wirken, aber er machte sich ernste Sorgen um seine Schützlinge innerhalb der Gilde. Vor neun Jahren hatte er Sasako ohne Zögern aufgenommen und sie versorgt. Seine Erziehungsmethoden waren nicht die herzlichsten, aber sie hatte sich an seine Strenge gewohnt und sie irgendwie lieben gelernt, da es der jungen Frau erlaubt hatte, stark zu werden. Leider hatte ihr der alte und ergraute Mann nie wirkliche Liebe schenken können, zumindest keine, die man auch wirklich spühren konnte. Dennoch fühlte sich Sasako seltsam geborgen in seiner Nähe, auch wenn er ihr regelmäßig einen heiden Respekt einjagte.
      "Noch nicht", entgegnete sie und erhob sich aus ihrer bis eben hockenden Position. Sie hatte nicht einmal die Hälfte des Schrankes mit ihren spärlichen Kleidungsstücken füllen können. Umso schneller war sie allerdings auch fertig. "Ich muss erst sicher stellen, ob er nicht doch einfach nur ein seltsamer Kauz ist. Zum Glück scheint er nichts zu ahnen und hat mich morgen sogar eingeladen." Während sie berichtete, wanderte sie zum weichen Bett und ließ sich auf den blauen Bezug sinken, worauf ihr Hintergeviertel ein gutes Stück in die fluffige Matraze sank.
      "Wie es zu erwarten war, du verzeichnest schnell Erfolge." Aus Noyas Kehle drang ein leises Schnauben, wahrscheinlich wurde es mit einem schiefen Schmunzeln begleitet. "Gut gemacht, Kleine. Aber wage dich morgen nicht zu weit vor. Bei diesem Fall sollten wir langsam und vorsichtig vorgehen, immerhin scheint der Kerl seine Spuren geschickt verbergen zu können."
      Wieder nickte sie, bis sie realisierte, dass Noya das nicht sehen kann. "Verstanden, Sir."
      "Gut. Aber jetzt solltest du dir lieber etwas schlaf gönnen und Kraft tanken. Der Umzug hat sicherlich Energie gekostet und Morgen wird ein wichtiger Tag."
      "Sie haben recht", bestätigte Sasako. "Ich wünsche Ihnen noch eine gute Nacht, Noya-san."

      Wie oft hatte sie nun schon auf diesen beschissenen Klingelknopf eingeprügelt, ohne dass sich auch nur etwas im Inneren der Wohnung regte? Zum mittlerweile fünften Mal wanderten ihre blassgrünen Augen zur der schmalen Anzeige ihrer metallenen Armbanduhr. 15:45 Uhr. Ja, sie hatten keine genaue Zeit ausgemacht, aber sie hatte sogar extra etwas länger gewartet, da sie wusste, dass er erst spät von Arbeit kam... zudem hatte er gestern noch behauptet, Sasako könne am Nachmittag jederzeit voreikommen. Wann immer sie wollte. Bald wäre es sogar schon später Nachmittag. Hatte er es vergessen? Oder einfach nur stur verpennt?
      Zum gefühlt hundertsten Mal fand ihr mittlerweile schon schmerzender Zeigefinger den hellen Klingelknopf und verharrte mehrere Sekunden auf ihm, auf dass der schrille Ton im Inneren länger nachallte. Und ENDLICH hatte sie Erfolg. Ihre trainierten Ohren glaubten tatsächlich Leben hinter der Tür wahrnehmen zu können. Sie fuhr sich übers Gesicht und richtete sich gerade auf. Der beleidigte Gesichtsausdruck war sogar in Anbetracht der Situation leicht zu mimen, als sich endlich das Schloss entriegelte. "Hast du unsere Abredung etwa verge-" Beinahe hätte sie sich selbst auf die Zunge gebissen, schaffte es dann aber doch, ihren Mund unbeschadet wieder zuzuklappen.
      Was zum-?!
      Ja, sie hatte damit gerechnet, auf einen verschlafenen Tsubasa zu treffen und vielleicht hätte sie seine Aufmachung auch vorher erahnen sollen... Aber dass der Kerl, den sie gestern schon als "unangenehm" schön empfunden hatte, nun auch noch halb nackt vor ihr stand, sollte verboten werden. Seine Bauchmuskeln waren nicht von dieser Welt, während sich seine blasse und samtweich anmutende Haut eng über das ausgeprägte Sixpack spannte. Darunter ließ eine eng sitzende Boxershort nur noch wenig Spielraum für Fantasien offen, weswegen sich Sasako hastig abwendete und sich darum bemühte ihren Blick auf sein verschlafenes Gesicht zu heften. Die verwuschelten Haare auf seinem Kopf schienen noch mehr als gestern im Licht der Sonne zu strahlen, ähnlich wie das blau in seinen Augen, welches sie umgehend in den Bann zu ziehen vermochte. Sie biss sich auf die Wangen und saugte einmal lang die Luft durch die Nase ein, bevor es ihr gelang ihre Stimme möglichst ruhig ertönen zu lassen: "Du hast verschlafen." Keine Frage, sondern eine Feststellung. "Und du hast unser Treffen vergessen." Der Schmollmund den sie gestern schon präsentiert hatte, fand den Weg auf ihre Lippen zurück. "Soll ich etwa lieber später wieder kommen, wenn du einerseits dein Gedächtnis als auch deine Sachen wieder gefunden hast?" Ihr Nicken galt seiner kompletten Erscheinung. Es kostete sie tatsächlich etwas Mühe, ihn nicht unnötig zu begaffen. Vampire neigten dazu etwas besser als der Durchschnitt auszusehen, aber dieser Kerl könnte jeden Wettbewerb alleine mit einem Foto seines jetzigen Auftretens gewinnen. "Oder ist es dir lieber, wenn ich morgen erst wieder komme?"

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    • Irgendwann drang auch mal das Schellen der Klingel in seine Ohren. Der junge Mann hatte sich ein paar mal in seinem großem Bett, dass locker für zwei Personen reichte hin und her gewälzt und sich auf den Bauch gedreht bevor er die Augen öffnete. Tsubasa blinzelte verschlafen und sah sich um. Es wurde wirklich sturmgeklingelt und das bei ihm! Das war ihm ja noch nie passiert. "Wie.. spät.." fragte er sich nur selbst, doch da keine Uhr in der Nähe war, war es ihm eher gleichgültig. Müde krabbelte er auf allen vieren an den Bettrand und wäre fast mit einer Hand vom Bettrand gerutscht ehe er sich gerade noch fangen konnte und langsam mal aufstand. Er streckte sich leicht ehe er nun mal die Treppe nach unten ging. Einmal wurde noch herzlich gegähnt während er die Tür öffnete. Etwas verwundert blinzelte der junge Schönling als seine Nachbarin vor der Tür stand und schon flog seine Hand in sein Gesicht. Versuchte er sich allen ernstes hinter dieser zu verstecken? Seine Wangen hatten ein zartes Rosa angenommen und der eisblaue Blick ruhte auf Sasako. "Ah.. nein, ich hab es nicht vergessen...ich.." er versuchte sich zu erklären ehe seine Hand vorsichtig von seinem Antlitz glitt und seine Augen in die obere Ecke des Türrahmens blickten, als würde er dort die Antwort finden. "Ich scheine wohl vergessen zu haben, dass ich mir einen Wecker stelle.." dass er so vor ihr stand schien ihn überhaupt nicht zu befremden oder irgendwie nervös oder gar beschämt zu werden. "Ich bin leider ein furchtbarer Langschläfer.. " kam von ihm und da lag schon wieder seine Hand beschämt auf der Hälfte seines Gesichts und verdeckte diese. Etwas beschämt und wehmütig schmunzelte er leicht. "Kannst du mir verzeihen?" sprach er mit einem zuckersüßen Unterton ehe seine tiefblauen Augen wieder die ihren fixierten und für einen Moment wirkte es so als würde er tief in sie eintauchen und ihre Seele küssen indem er einfach nur er war. Indem er einfach nur süß und verpeilt war. Solch einen Vampir hatte mal selten gesehen, aber es sollte sie auch geben. "Ah, nein!" die ganze Statur des jungen Mannes schrumpfte bei ihrer Aussage leicht zusammen als er seine Hand leicht zu ihr ausstreckte und ein Stopzeichen mit seiner Hand machte, wie ein Polizist im Straßenverkehr der Versuchte die Autos unbeschadet durch diesen zu lotsen weil eine Ampel ausgefallen war. "Ich geh' mich anziehen und du kannst ruhig ein treten..den Korb hab ich hinten stehen.. auf der Theke. Nimm dir schon ruhig was raus da.. fühl dich wie zuhause" sprach er hastig ehe er hinter ihr seine Tür schloss um sofort davonzuhuschen, die Wendeltreppe nach oben. Dabei wäre er fast nach oben gefallen! Er verschwand oben bei der linken Tür und kam dann erst wieder in voller Montur raus. Zuerst hatte er zu wenig an und jetzt zu viel, konnte er denn nicht die goldene Mitte finden?

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    • Sasako Mitsua


      Zum Glück schien Tsubasa ihre peinlich berührte Reaktion komplett zu entgehen, während er selbst damit beschäftigt war seine attraktiven Gesuchtszüge beschämt hinter seiner Hand zu verbergen. Unterdess gab sich Sasako alle Mühe damit, das gestählte Kunstwerk eines Oberkörpers vor ihrer Nase zu ignorieren, um den jungen Mann weiterhin mit einem beleidigt anmutenden Schmollmund zu bestrafen. Natürlich war seine gestammelte Erklärung absolut einläuchtend, vor allem da sie bereits genau damit gerechnet hatte, dennoch stieß sie ein empörtes Schnauben aus und verschränkte die Arme vor der Brust. "Dir soll verziehen sein", brummelte sie, darum bemüht seinen kristallklaren Augen nicht zu unterliegen, welche tief in ihre Seele zu blicken schienen. Wobei sich die junge Jägerin tatsächlich fragte, ob es da überhaupt noch etwas in ihr zu finden gab, dass einer Seele gleich kam. Die letzten Jahre, beinahe ihr halbes Leben lang, hatte sie alleine in das Aufspüren und Hinrichten von elenden Blutsaugern investiert. Mittlerweile kannte sie keine anderen Ziele in ihrem Leben mehr. Keinen Traum, den sie in Zukunft erreichen oder verwirklichen wollte. Sollte sie eines Tages im Einsatz umkommen wäre ihr dieses "gnädige" Ende also absolut recht.
      Gerade als die junge Frau sich wieder zum Gehen wenden wollte, damit sich Mr. Langschläfer umziehen konnte, wurde sie von eben diesem wild gestikulierend zurückgehalten. Vielleicht sollte sie ihre Theorie zu seinem Alter doch noch einmal überdenken? Immerhin präsentierte er ihr im Moment eher das Gebarden eines unreifen Teenagers, als das eines jahrhundertealten Vampirs.
      Sie ließ sich ihre Überlegungen nicht weiter anmerken und folgte stattdessen der überschwänglichen Einladung des Weißhaarigen und bertrat den schummrigen Eingangsbereich seiner Wohnung. Keine Sekunde später sauste der hochgewachsene Gastgeber auch schon die schmale Wendeltreppe am Ende des langen Flures hinauf und ließ die junge Jägerin vorerst mit sich allein zurück. Kurzerhand entledigte sich Sasako ihrer hochschließenden Lederstiefel - in denen sie zu gegebenem Anlass mal keinen Silberdolch versteckt hatte - und stellte diese fein säuberlich bei der Tür ab. Daraufhin wanderte sie, wie von Tsubasa zuvor angewiesen, den Flur in Richtung Wohnzimmer entlang und ließ dabei ihren Blick interessiert von links nach rechts wandern. Natürlich war der Grundriss dieser Wohnung identisch zu ihrer nebenan, aber die individuelle Einreichtung könnte vielleicht etwas mehr Aufschluss zur Person des wahrscheinlichen Mördervampirs leisten. Leider gab es im Flur nichts spannendes zu entdecken und auch das schlicht eingreichtete Wohnzimmer war nicht sonderlich aussagekräftig. So könnte man in so ziemlich jedem modernen Haushalt ein bequäm anmutendes schwarzes Sofa, samt neumodigen Flachbildfernseher entdecken. Und auch die Essecke, mit hohem weiß lackiertem Tisch, umgeben von vier gepolsterten schwarzen Stühlen im westeuropäischem Stil hatten heutzutage in Japan allerorts Einzug gehalten. Nichts daran war besonders. Zumindest durfte sie feststellen, dass auf dem großen anliegenden Balkon kaum Pflanzen und kein einziger Liegestuhl zum Sonnenbaden zu finden waren. Vielleicht ein Hinweis auf einen UV-Strahlen meidenden Vampir? Ein weiteres Indiz wären die dichten schwarzen Rolläden, die man an der breiten gläserenen Balkontür angebracht hatte. Doch der Umstand, dass eben diese nicht komplett heruntergezogen waren, machte Sasako nachdenklich. Zudem hatte Tsubasa weder gestern Abend, noch gerade eben als er sie hineingebeten hatte, Anstalten gemacht, dem brenndenen Sonnenlicht auszuweichen. Sollten ihre Befürchtungen also doch zutreffen? War er ein "Geborener"? Ein Vampir mit Ahnenlinie? Sollte dem so sein, wäre er um ein vielfaches stärker und gefährlicher als all die Verwandelten, die durch die dunklen Gassen Tokyos wandelten. Umgehend wanderete ihre linke Hand kontrollierend zum rechten Unterarm und ertastete dort den dünnen silbernen Armreif der sich zum Teil unter dem weiten Ärmel ihrer dunkelgrauen Bluse verbarg. Auch ein alter und geborener Vampir könnte sich der giftigen Wirkung dieses Metalls nicht gänzlich entziehen. Eine beiläufige Berührung sollte genügen, um ihn sicher als Blutsauger überführen zu können.
      Während sie sich dem Esstisch näherte, auf welchem der Weidenkorb samt blauen Abdecktuch abgestellt war, wanderten ihre Finger wie schon gestern, unter den Gürtel ihrer Jeans und überprüften den Sitz des Silberdolches unter dem Leder. Erst als sie die Kälte der todbringenden Waffe auf ihren Fingerkuppen spüren konnte, gestattete sie es sich etwas zu entspannen, nur um sich im nächsten Augenblick alarmiert umzuwenden, als erneutes Fußgetrappel auf der Treppe ertönte. Kaum einen Augenblick später stand Tsubasa auch schon fertig angezogen vor ihr. So zugeknöpft wie er nun vor ihr erschien, könnte man fast meinen, ihm wäre sein vorheriges Erscheinungsbild doch etwas peinlich gewesen. Sasako verkniff sich sämtliche Kommentare und befreite ihre Finger lieber wieder aus ihrem Gürtel. "Das ging schnell", stellte sie mit mildem Lächeln fest, bevor sie sich an den Weidenkorb wendete. "Du hast ihn ja nicht einmal ausgepackt." Es war ihr ein leichtes, den beleidigten Unterton in ihre Stimme zu mischen, auch wenn ihr natürlich herzlich egal war, was dieser Kerl mit ihren Nachbarsgeschenken angestellt hatte oder nicht. "War die Arbeit denn so anstrengend gewesen?", forschte sie mit großen Augen nach, bevor sie sich daran machte, den Inhalt des Korbes auszuräumen. Zuerst zog sie den mit Alufolie umwickelten Teller mit den drei Käsekuchen-Stückchen hervor, dann noch jeweils einen der frischen Äpfel und zuletzt den Softdrink mit Limonaden-Geschmack. "Wo arbeitest du eigentlich?", erkundigte sie sich als nächstes, um Interesse zu mimen und den Weißhaarigen in Plauderlaune zu versetzen. Zietgleich nestelte sie an der Aluverpackung des Kuchens. "Ich hoffe doch, du magst Käsekuchen?"
    • Tsubasa wirkte sehr erleichtert und die leicht angespannten Gesichtszüge seines sonst leicht femininen Gesichts schienen sich nun endlich entspannen zu können. Kurz seufzte er erleichtert auf, warf den Kopf dabei in den Nacken schloss kurz die Augen dabei während er seine Hand, die gerade sein halbes Gesicht verborgen hatte wieder von diesem abließ, als er den Kopf leicht in den Nacken warf. Dabei rollte sein Kopf nun leicht auf seine Schulter und eines seiner Augen öffnete sich und blickte die junge Frau nun an ehe ihm ein breites Schmunzeln entkam. "Da bin ich aber mehr als erleichtert" gestand er. Er schien mit seinen Gefühlen relativ offen umzugehen, was man merkte. Wahrscheinlich hatte er ein sehr offenes Elternhaus gehabt und ebenso eine offene Erziehung genossen in der man seine Gefühle schon mal einfach brühwarm so kund geben konnte. Das sich der Vampir so benahm war schon richtig, er war jung. Für einen Menschen würde er eigentlich schon lange das zeitliche gesegnet haben und irgendwann hatte der Schönling der im Türrahmen stand aufgehört seine Jahre zu zählen. Jedoch eines konnte er mit Fug und Recht behaupten. Er war erwachsen, jedoch gerade in der Blüte des Lebens und nicht mehr im nörgeligen Teenageralter hängen geblieben. Jedoch war sein Frohmut oftmals verwirrend und sein naiver Optimismus erschreckend und wurde oft als kindisch gedeutet. Das er jedoch mit seiner Gestik nicht mehr so gut war wie früher konnte davon zeugen, dass er selten mit Frauen zu tun hatte und oft alleine gewesen war. Er hatte nicht oft eine Frau bei sich gehabt und konnte dies' an einer Hand abzählen. Nachdem er Sasako dazu gebrachte hatte nicht zu gehen, war er sofort nach oben gestürzt um sich umzuziehen um danach die Treppe ebenso wieder fast runter zu fallen, wie er sich vorher fast rauf gefallen war. Er hatte ehrlich gesagt irgendwas genommen was in seinem Schrank rumgelegen hatte. Dabei machte er nun Aladdin aus Disney alle Ehre mit seinem Schlabberlook. Es war ein schwarzes, weites Langarmshirt und eine gemütliche Jogginghose geworden. Normalerweise lief er draußen anders rum, aber man durfte sich doch irgendwo auch mal Gemütlichkeit gönnen oder? Als er zu ihr stieß erntete er einen leicht beleidigten Satz der ihn leicht zusammenzucken ließ. "Jaaaaa.." raunte er nur leicht verlegen ehe er dann kurz lachte. "Ich war dann eigentlich sofort los und es erschien mir irgendwie unhöflich ihn ohne dich anzurühren.." er schien also wirklich Manieren zu haben und wenn er ein blutrünstiger Vampir war, dann war er ein verdammt guter Schauspieler, dass musste man ihm lassen. "Es war viel los ja.. also es war wirklich rappelvoll..." erwiderte er auf ihre Frage ob in der Arbeit wirklich soviel los war. Während sein Gast den Korb räumte, begann der junge Mann in der Küchenzeile etwas Geschirr aus dem Schrank zu räumen und sofort wurde die Kaffeemaschine gestartet und ein Cappuccino fand bald auf der Küchenzeile seinen Platz. Jedoch schien er nicht für Tsubasa zu sein, denn dieser schien sich einen Tee zu machen. Er brauchte seinen Tee, aber brachte zwei frische Gläser zu Sasako damit sie beide den Softdrink ebenso genießen konnten. "Ich bin Barkeeper und Kellner im Nachtclub Feel." gab er nun kurz und knapp von sich als er die Teller und das Besteck holte. "Und du?" erklang nun vorsichtig seine Stimme als er begann den Kuchen auf die Teller aufzuteilen und ihr einen zu reichen. Danach folgte ebenso die Einschänkung des Softdrinks und schon pflanzte sich der weißhaarige Mann sich neben Sasako nachdem er ihr einen Platz angeboten hatte. Er hatte definitiv keine Angst vor Nähe oder einer Frau nahe zu kommen. Er empfand es als in Ordnung vor allem fand er hatte sie etwas dass ihn sehr stark interessierte. Er musste sich ja nicht gleich sofort gänzlich offenbaren, aber er konnte ja mal Smalltalk führen.
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      Sasako Mitsua

      Als sie sein frisches Outfit etwas genauer begutachtete, hätte sie fast neidisch werden können. Zwar waren weder ihre Bluse noch die eng anliegende Jeans sonderlich unbequem, aber gegen eine lockrere Jogginghose und gemütlichen Pulli hätte Sasako sicherlich nichts einzuwänden gehabt. Aber sie war hier zu Gast und wollte "angemessen" aussehen. Zudem war nicht zu bestreiten, dass es sich in einer fest anliegenden Jeans besser kämpfen ließ, als in einer herumschlabbernden Jogginghose, mal ganz davon zu schweigen, dass man bei letzterer schwerlich einen Silberdolch unter dem Gürtel verstecken konnte.
      Sie beobachtete ihn mit hochgezogener Augenbraue, als er ihr eine einigermaßen plausible Ausrede auftischte. Ihr war durchaus bewusst gewesen, dass er nach ihrem gestrigen Treffen sofort aufgebrochen sein musste und sie hatte ihn mit ihrem Vorwurf eigentlich nur etwas aus dem Konzept bringen wollen. Aber er gab sich wirklich reichlich Mühe, sich auf ihre gute Seite zu stellen. Ob das seine übliche Taktik war, um potenzielle Opfer in seinen Bann zu ziehen? Um sie unvorsichtig zu machen? Sie zweifelte nicht mehr wirklich daran, hier einen waschechten Vampir vor sich zu haben. Zwar brauchte sie immer noch einen eindeutigen Beweis, aber den würde ihr Armreif ihr heute sicherlich leisten können. Danach musste sie nur noch herausfinden, ob er der Mörder war und wie er es angestellt hatte, so lange unbemerkt zu bleiben. Vielleicht hatte er auch Komplizen?
      "Danke für deine Aufmerksamkeit", meinte sie irgendwann mit einem schiefen Lächeln und milden Kichern. Zu Anfang war es ihr noch schwer gefallen, all diese Gefühle auf ihr Gesicht zu kleistern, obwohl sie innerlich etwas komplett anderes oder eben gar nichts empfand. Aber sie hatte schnell begriffen, dass sich in dieser Welt niemand für ihre wahren Empotionen interessierte. Die Menschen waren zu sehr mit ihrem eigenen Leid beschäftigt, als einem kleinen Mädchen Aufmerksamkeit schenken zu können. Und die wenigen, die Mitleid mit ihr gezeigt hatten, hatten sich kurze Zeit später wieder von ihr abgewendet, als sie das Interesse und die Geduld mit ihr verloren hatten. Sie hatte begreifen müssen, dass man eine leichte Zielscheibe abgab, wenn man seine Gefühle zu offen zeigte. Man konnte einfacher verletzt werden. Man offenbarte jedem seine Schwächen, also hatte sie gelernt, ihr selbst unter einer dicken Schale zu verbergen. Hinter einer Maske, die niemand durchschauen durfte. Stattdessen zeigte sie den Menschen um sich herum, was sie sehen wollten, um sich selbst Zugang zu ihren wunden Punkten zu erschleichen. Bisher schien auch Tsubasa ihr in dieser Sache voll in die Karten zu spielen, vorausgesetzt seine Handlungen waren nicht genauso vorgespielt und überlegt, wie ihre eigenen...
      "In einem Nachtclub? Deswegen musstest du also so spät noch los?" Sie beobachtete ihn interessiert, während er Teller und Besteck bereitstellte. "Das 'Feel'...? Wo liegt das denn? Habe noch nie etwas davon gehört." Lüge. Sie hatte sich den Club sogar noch vor zwei Tagen von Innen angesehen und dabei auch den guten Tsubasa bei seiner Arbeit beobachtet. Trotz der dutzenden und hunderten Weiber, die sich um ihn getummelt hatten und der anderen verschwitzten und betrunkenen Menschen im düsteren Ambiente der Discothek, hatte er keine Anstalten gemacht, auch nur eine Person überfallen zu wollen. Sie hatte nie den hungrigen Ausdruck in seinen hellen Augen erkennen können, den sie schon bei so vielen Vampiren hatte beobachten müssen. Ob es daran lag, dass er sich bei seinen bisherigen Opfern "sattgetrunken" hatte? Fest stand, dass sie dort drinnen nichts Wertvolles in Erfahrung hatte bringen können, weswegen sie nun hier stand. Inmitten der Höhle des Löwen, um das "Monster" aus der Reserve zu locken und seine wahre Natur zum Vorschein zu bringen. Welch ein Vergnügen... "Muss ein anstrengender Job sein, oder? Wie lange hat deine Schicht denn gedauert?" Auch das war eine Frage, auf die sie die Antwort prinzipiell schon kannte. Neben dem Umstand, dass sie vor zwei Nächten keinen vampirischen Hunger in seinem Blick hatte ausmachen können, hatte er sich auch noch höchstprofessionell gegeben. Er machte einen beeindruckend guten Job und arbeite defentiv hart und ehrlich für sein Geld... War das alles nur eine Fassade, hinter der er sein wahres Selbst verbergen wollte?
      Sie beobachtete ihn dabei, wie er Kuchen und Frischgetränk verteilte, bevor sie auch seine Frage beantwortete. "Ich studiere Musikwissenschaften an der Tokio-University", berichtete sie ehrlich. Tatsächlich war sie wirklich in den Kurs eingeschrieben, tauchte allerdings lange nicht zu jeder Vorlesung auf. Noya-san selbst hatte sie vor knapp drei Jahren dort eingetragen und zahlte auch die Gebühren, mit der Begründung, dass es die perfekte Tarnung für die junge Jägerin wäre und es auch noch Sasakos Interessengebiet entsprach. Es war seltsam, wie sich der alte Mann gleichzeitig als strenger Boss und sanfter Ersatzvater aufspielen konnte. "Ab und an nehme ich noch kleine Teilzeitjobs an, um mir etwas dazu zu verdienen." Sie nickte dankend, als er ihr einen Platz anbot und setzte sich ruhig auf einen der gemütlichen Stühle. Zumindest war ihre Kollegin Mika nett genug gewesen, Käsekuchen in den Korb zu packen. Sasako war definitiv nicht sonderlich wählerich. Sie aß weder etwas besonders gern noch gab es großartig viele Dinge, die sie nicht essen mochte. In den ersten zwei Jahren nach dem Tod ihrer Familie, glaubte sie sogar sämtliche Geschmacksnerven verloren zu haben. Aber das Stück Käsekuchen, das ihr Noya-san nach einem jeden erfolgreichen Trainingstag als Belohnung vor die Nase gestallt hatte, war früher oder später zu ihrem neuen Lieblingsdessert geworden. So musste sie ihr Engament nicht einmal spielen, als sie die Gabel gierig in den Kuchen stach und sich das erste Stück genüsslich einverleibte. "Vor zwei Wochen hat mir allerdings mein alter Vermieter gesagt, dass er das Miethaus, in dem ich gewohnt hab, umbauen müsse", berichtete sie nachdem der erste Bissen verdrückt war und die Gabel bereits nach dem zweiten schaufelte. "Zum Glück habe ich schnell Ersatz gefunden und durfte damit zu deiner neuen Nachbarin werden." Sie lächelte ihn herzlich an. Diese Backstory war nicht sonderlich kreativ, aber in solchen Sachen setzte sie immer auf "keep it simple". Meist waren solch einfache Geschichten sogar deutlich glaubwürdiger, als ausgeklügelte und hochspannende Lügenmärchen. "Vielleicht sollte ich meinen alten Vermieter danken, dass er mir ermöglicht hat, solch eine nette Bekanntschaft mit dir schließen zu dürfen."
      Die nächsten beiden Kuchenstücke spülte sie mit etwas Cappucino hinunter. Nicht gerade ihr liebstes Getränk, war es ihr tatsächlich fast noch zu bitter für ihren Geschmack, aber immer noch besser als Kaffee oder Tee. Nachdem sie die Tasse abgestellt hatte, krempelte sie die Ärmel ihrer Bluse etwas nach oben, nur um dann ihr rechtes Hangelenk unmerklich in Richtung ihres Nebenmannes zu schieben. Würde er auf den Silberarmreif reagieren? Entweder bemerkte er es nicht und sie könnte ihn ungehemmt damit berühren und seine wahrscheinlich schmerzverzerrte Reaktion beobachten, oder er sah die Gefahr kommen und versuchte ihr auszuweichen. Beides wären mehr als eindeutige Indizien und Sasako zweifelte schwer daran, dass die dritte Möglichkeit, in dem einfach gar nichts passierte und er sich absolut unberührt zeigte, eintreffen würde. Sie würde beweisen, dass er ein Vampir war.