My flirtatious Knight [Sunny&Caili]

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    • My flirtatious Knight [Sunny&Caili]



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      Sedyusar Fearion III van Jadworth
      Der Geruch von Leder und Öl. Der Wind in seinen Haaren. Das Gefühl der Freiheit.
      Das alles waren die Dinge, die Sedyusar an einem Automobil liebte, auch wenn seine Vater über diese Gerätschaften oftmals als neumodischen Unsinn bezeichnete. Wozu hatte man denn Pferde, pflegte er oft zu sagen, aber der junge Mann würde ein Automobil zu jederzeit einem Pferd vorziehen. Auch sein Vater ließ sich oftmals aus Bequemlichkeit lieber fahren, aber dazu schwieg Sedyusar höflich, würde es doch nur den stolz seines Vaters kränken.
      Bei alten Männern wie ihm war es besser, wenn man sie einfach reden ließ. Von der Zukunft schienen sie nichts zu verstehen, wie der junge Mann fand.
      Aber das waren nicht die Gedanken, mit denen er sich auf seiner Spritztour beschäftigen wollte. Sedyusar hatte das Glück ein neues Modell ausprobieren zu dürfen, denn einem Freund von ihm gehörte die Firma, welche diese herstellte – nun, seiner Familie, verstand sich – und es faszinierte ihn immer wieder, wie die Magiekristalle in das komplizierte Werk von Technik integriert werden, um es zum laufen zu bringen. Dies war wahrlich wahre Magie, wie er fand.
      Letztendlich jedoch war auch dieser Ausflug von kurzer Dauer und der junge Mann verabschiedete sich von seinen Freunden, welche ihn bis zu seinem Anwesen in der Stadt gebracht hatten – wo Sedyusar seine Zeit auch viel lieber verbrachte, als auf dem langweiligen Landwesen, wo es kaum etwas zu tun gab – und bat die Bediensteten, welche ihn begrüßten, um eine warme Tasse Tee, ehe ihm mitgeteilt wurde, dass sein Vater ihn bereits erwartete.
      Verwundert blickte er den Butler an, unschlüssig, weshalb ihn sein Vater zu sich rufen sollte. Hatte man seinen Antrag zur Verbesserung der Agrarwirtschaft etwa bereits statt gegeben? Nein, dafür war es doch viel zu früh. Wurde er etwa abgelehnt? Oder stand eine Feierlichkeit kurz bevor, welche Sedyusar ganz vergessen hatte?
      Nun, was auch immer es war, er würde es schon erfahren, sobald er die Tür zum Büro seines Vaters durchschritten hatte und zu seiner Überraschung befand sich eine fremde Person im Raum, die ihm nicht bekannt vor kam.
      „Entschuldige Vater, mir war nicht bewusst, das ihr Besuch habt?“, nickte er dem Fremden mit dem rot-braunem Haar freundlich zu. Da er an seiner Kleidung erkennen konnte, dass es sich bei der Anwesenden Person um einen Ritter handelte, aber nicht, zu welchem Stand er gehörte, wusste Sedyusar nicht, wie er ihn richtig zu grüßen hatte, aber da sein Stand zu den höchsten im Land gehörte, würde man ihm wohl verzeihen können.
      Der junge Mann bezweifelte, dass es sich hierbei um ein Mitglied der Königsfamilie handeln könnte.
      „Das ist Sir von Greifenreid, dein neuer Leibwächter, mein Sohn.“, erklärte Vater kurzerhand, was ihn nur noch mehr verwunderte.
      „Ein Leibwächter? Vater, seit wann brauche ich denn einen Leibwächter?“, verstand der junge Adelige nicht ganz, wie sein Vater zu solch einem Entschluss gekommen war. Die Straßen der Stadt waren doch sicher und mithilfe seiner Fähigkeiten in der Magie war er doch bestens in der Lage sich selbst zu verteidigen, nicht zu schweigen davon, dass ihm der Umgang mit Schwert und Pistole nicht ganz fremd war, aber Sedyusar hätte es wohl besser wissen sollen, als dem Oberhaupt seiner Familie in Anwesenheit Fremder zu widersprechen.
      „Mit jedem Tag treib sich mehr Gesindel in den Straßen! Du bist der Erbe der Jadworth Familie, also verhalte dich auch so! Wir wären in großen Schwierigkeiten, wenn dir etwas passieren sollte. Er soll dir auch als Assistent und Vertrauten dienen, das wirst du in der Zukunft brauchen, mein Sohn und nun dulde ich keine weiteren Widerworte, ihr könnt nun gehen.“, musste sich der junge Adelige ein Seufzen unterdrücken. Kurz warf Sedyusar einen kurzen Blick auf den Fremden, ehe er beschloss den Worten seines Vaters zu folgen und sich im Flur Sir Greifenreid noch einmal vorzustellen, auch wenn er sich sicher war, dass er bereits wusste, wer er war.
      „Sedyusar Fearion der Dritte van Jadworth, freut mich ihre Bekanntschaft zu machen, Sir Greifenreid.“, streckte er ihm mit einem freundlichen Lächeln die Hand entgegen. Er würde sich wohl in Zukunft mit ihm verstehen müssen.

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      @Sunnysongs
    • Laurent Glinton von Greifenreid

      Es fiel Laurent wirklich schwer, das breite Gähnen zu unterdrücken, dass ihm bereits seit dem Absteigen von seinem Pferd in der Kehle lag. Sicher, die Geschichte von den Jadworths war spannend und all das, aber Finanzen, Investitionen, Immobilien, diese ganze alte Leier vom Sparen und Anlegen, wen interessierte das überhaupt? Er war sich sicher, dass selbst die Personen, die an solchen Dingen Interesse meldeten, verdammte Lügner waren, Schmeichler, Speichellecker, allesamt Biedermänner waren das. Ein Problem mit solchen Leuten hat der junge Ritter eigentlich nicht, wenn auch er sie in Gedanken oftmals verflucht hatte. Die Ablehnung war wohl dadurch bedingt, dass er nicht die leiseste Ahnung hatte, wie die Welt der Finanziere und Aktionäre funktionierte. Für ihn waren es Menschen, die sich ihren Reichtum erschummelten, indem sie auf Arbeitende und Kämpfenden setzten, ein wenig wie Glücksspiel. Vielleicht spielte etwas Eifersucht mit sowie . Dass er, spätestens wegen seinem Unwissen und in erster Linie der etwas - gelinde ausgedrückt - anstoßenden Meinung, sich aus solchen Gesprächen heraus hielt, war wohl das beste für alle Beteiligten. Glücklicherweise stand heute ein ganz anderes Thema im Mittelpunkt.
      Schon eine ganze Weile lang stand Laurent in militärisch-starrer Pose vor dem wuchtigen Schreibtisch des Herzogs van Jadworth und hörte ihm bei dessen Ausführungen halbwegs aufmerksam zu. Die vertraglichen Konditionen seiner neuen Stelle klangen beinah zu gut, um wahr zu sein: Freie Unterkunft und Verpflegung im Anwesen, flexible Urlaubstage, eine stattliche Entlohnung und dazu eine Stelle an der Seite des beliebtesten Bachelors des gesamten Reiches. Von all dem wusste er bereits, denn im Vertrag zwischen dem Herzog und ihm war es akribisch genau niedergeschrieben worden; den hatte er am Vorabend in der nah gelegenen Kaserne sorgfältig durchgearbeitet, alles mindestens dreimal gelesen und sich vorlesen lassen, bevor er das Stück Papier schließlich unterschrieb. Einen einzigen Harken nur schien die Sache zu haben: Aktiv an Kampfgeschehen oder Schlachten würde er wohl kaum teilnehmen können, wenn er an der Seite des jungen Jadworth verweilen würde. Es war nicht so, als würde Laurent das Blutvergießen genießen, wie es einige der Männer taten, an deren Seite er im Verlauf der letzten drei Jahre gekämpft hat. Er hatte einen anderen Grund dafür, sich nach echten Kämpfen zu sehnen: Deren Fehlen würde zwangsläufig zu einer Abnahme seiner Fähigkeiten führen, oder zumindest keine Verbesserung bewirken, denn echte Kampferfahrung war etwas ganz anderes als die lachhaften Trockenübungen beim Training. Er schob den Gedanken bitter beiseite; Krieg war furchtbar, das Töten jedes Mal eine innere Überwindung, eine Sünde. Wer konnte es wissen, vielleicht konnte jetzt endlich etwas Ruhe in sein Leben einkehren, das wäre ebenfalls eine befriedigende Option. Als er gerade zu einem schnellen Stoßgebet gen Himmel ansetzte, riss ihn ein Geräusch endlich wieder voll zurück in die Gegenwart.
      Die breiten und wahrscheinlich ebenso teuren Holztüren schwangen auf und ein junger Mann schritt durch sie hindurch. Er betrat das Büro mit selbstbewusstem, federndem Schritt und stoppte im perfekten Abstand zum Herzog und Laurent, der dessen Bewegungen aus den Augenwinkeln beobachtete. Schon bevor er den Mund öffnete und mit seiner viel zu wohlklingenden Stimme zur Begrüßung seines Vaters ansetzte, wusste der junge Ritter genau, wer diese Person war: Sedyusar Fearion III van Jadworth. Selbst der Ritter, der wenig Interesse am Klatsch und Tratsch der Reichen und noch weniger an deren heftig brodelnden Gerüchteküche hatte, kannte diesen großen Namen.
      Als der junge Mann seinen Vater danach fragte, warum er denn plötzlich einen Leibwächter benötige, wäre Laurent beinah ein herzhaftes Lachen entwichen. Jetzt half die stramme Haltung und die hinter dem Rücken verschränkten Hände. Es kostete ihn einiges an Konzentration, es zurückzuhalten und gegen das wilde Kribbeln in seiner Margengrube anzukämpfen. Genau diese Frage hatte er sich auch gestellt, schließlich gab es genügend talentierte Schwertkämpfer und gut ausgebildete Begleiter, die bereits im Dienst des Hauses der Jadworth standen. 'Was soll's', tat er den Gedanken ab, wie er es die letzten Male bereits getan hat, 'ich will mich über die Chance nicht beschweren.' Ernstdreinblickend horchte er der kleinen Standpauke zum Thema Sicherheit des zukünftigen Familienoberhaupts; ein wenig fühlte er sich dabei an seinen eigenen Vater erinnert, der selbst ebenfalls seinen drei Jungen solche Vorträge gehalten hatte. Uann wurde der Ritter, gemeinsam mit seinem neuen Vorgesetzten, endlich aus dem Büro und Blick des Herzogs entlassen.

      Draußen im Flur entspannte sich die Haltung von Laurent sichtbar. Die erste Hürde war überwunden, jetzt musste er nur noch die neue Uniform, durch die er als dem Herzogshaus zugehörig ausgezeichnet werde, und ein Dienstschwert abholen. Ob sie wohl einige besondere Modelle haben? Innständig hoffte er, sich selbst eines aussuchen zu können, denn selbst innerhalb eines Typen von Schwer unterschied sich die Innere Balance und damit das Gefühl beim Führen der Waffe. Noch besser wäre es natürlich, wenn sie keine Massenbestellungen aufgaben, sondern Einzelanfertigungen finanzierten, genug Mittel sollte die Familie ja sicherlich haben. Oder sollte er sich selbst eine weitere Klinge zuleg--? Etwas irritiert wandte er sich zum jungen Herzogssohn, der dabei war, sich dem frischernannten Leibwächter vorzustellen. 'Ach, Etikette', tat der es ab und griff dann, ohne auch nur einen Moment zu zögern, nach der ihm entgegengestreckten Hand. Diese schüttelte er vielleicht etwas zu herzlich. "Eure Hoheit, Durchlaucht Prinz Sedyusar Fearion der Dritte van Jadworth, mein Name ist Laurent Glinton von Greifenreid. Es ist mir eine Ehre, Ihnen zur Seite zu stehen." Ein ebenso selbstzufriedenes wie ehrliches Lächeln zog sich über die Lippen des jungen Ritters; diese furchtbar ausführliche und verkrampfte Begrüßung hatte er seit Tagen geübt.
      Da ihm zwar seine in den letzten drei Jahren rasant angestiegene Popularität bewusst war, aber abgesehen davon kaum jemand etwas mit dem Namen von Greifenreid verband, schob er direkt eine knappe Vorstellung seines Standes hinterher, wenngleich eine solche optional war. "Meine Familie unterhält ein Lehngebiet im Nordosten des Königreichs, Baron Kenneth Glinton von Greifenreid ist das aktuelle Familienoberhaupt." Erwartungsvoll blickte er seinem Vorgesetzten entgegen.


      >> May God protect you <<
    • Sedyusar Fearion II van Jadworth

      Es verwunderte den jungen Mann als Prinz bezeichnet zu werden, wenn er doch keiner war und es erschien ihm gefährlich, einem anderen, als der Königsfamilie selber einen solchen Titel zu gewähren.
      „Ich bin doch kein Prinze, Sir Greifenreid, nur der Sohn eines Herzogs.“, erinnerte er ihn und war froh, dass keine neugierigen Ohren in der Nähe waren, die das hätten hören können. Zwar lag seine Familie tatsächlich in der nächsten Thronfolge, sollte der derzeitige König keine Söhne oder andere direkte Verwandte haben, die diesen Platz einnehmen konnte, aber ein Prinz war er deswegen noch lang nicht.
      „Ah! Der Baron? Ich dachte mir doch, dass ich den Namen irgendwo schon mal gehört habe.“, lächelte Sedyusar freundlich, auch wenn er den Namen aus unschönen Gerüchten her kannte. Der feine Adel zerriss sich gerne das Maul, wenn eine Witwe ein zweites Mal heiratete und auch so schien das Lehngebiet der von Greifenfeld etwas in Probleme geraten zu sein und der Adel liebte Gerüchte.
      „Dann müssen sie der aufsteigende Stern am Himmel der Ritter sein?“, erkundigte er sich, als ihm auch die andere Seite der Gerüchte wieder einfielen, „Was verschlägt sie dann in den Job eines Leibwächters, wenn sie am Hofe doch deutlich einfacher Karriere machen könnten?“
    • Laurent Glinton von Greifenreid

      Die Enttäuschung über das Entsetzen des Mannes stand dem Rotschopf offen ins Gesicht geschrieben; die Schultern zuckten erst, dann gingen sie schlapp abwärts. Hatte ihm da jemand einen Streich spielen wollen, oder ist ihm die richtige Einschätzung der Bezeichnung schlichtweg misslungen? Es machte Sinn, Sedyusar einen Prinzen zu nennen, so fand Laurent. Besonders nachdem er ihm nun in Person begegnet war, fühlte er sich felsenfest überzeugt davon, dass dieser Titel zu ihm wie zu keinem Anderen passte! "Wie soll ich Sie dann betiteln?" fragte er gerade heraus, ohne auch nur daran zu denken, sein Unwissen zu überspielen. Begleitet wurden die Ehrlichkeit mit einem Lächeln; egal was ihm sein Vorgesetzter sagen würde, zumindest für ihn würde er insgeheim der Prinz bleiben.
      Das Lächeln blieb ihm erhalten, als er als aufgehender Stern am Himmel der Ritter bezeichnet wurde. Schwer hat er dafür arbeiten müssen, diese Anerkennung entgegen gebracht zu bekommen - und das von dem zukünftigen Herzog! - selbst wenn ihm sein scheinbar natürliches Talent dabei einen unleugbaren Vorteil eingebracht hatte. Das Lächeln schlug um und wurde schief, als es um die Gründe für die Annahme der Arbeitsstelle an der Seite Sedyusars ging. "Nach großer Karriere strebe ich nicht." Laurent schnaubte. Was sollte er denn bitte am Hof? Gartenpartys bewachen, Inneneinrichtung oder Schmuckobjekt für irgendeine Dame spielen? Sicher, das Herz der ein oder anderen Dame zu stehlen, klang selbst für den jungen Ritter verlockend, denn an Liebeleien war nah am Kampfgeschehen kaum zu denken. Es war etwas ganz anderes, dass ihn ins Anwesen des Herzogs zog. Er lehnte den Kopf zur linken Seite, beugte sich ein Stücken nach vorn. Seinen Gegenüber überragte er ein kleines Stück, erkannte er nun, das war eine Sache, die er bis eben übersehen hat. Das machte er wohl mit seiner Ausstrahlung mehr als wett, mutmaßte er knapp. Sollte er darüber mit ihm sprechen? Zumindest einen Teil offen zu legen, das würde wohl schaden, denn sie beide würden diesen Teil ohnehin bald am eigenen Leib erfahren dürfen. "Für meinen Ruf und die Ehren, die mir am Hof zukamen, bin ich zutiefst dankbar. Da ich aber weit entfernt von der Hauptstadt aufgewachsen bin, ist der Hof des Königs kein Ort für mich. Lieber trage ich zur Unterstützung der Herrschenden und Mächtigen bei, als mir zu verlauben, selbst nach Macht zu streben." Die Antwort säuselte er geschickt vor sich hin, es waren die Worte, die er gegenüber des Königs geäußert hatte, als dieser ihm den Treueschwur abgenommem hatte.
      Die strahlend blauen Augen funkelten denen des Herzogsohns herausfordernd entgegen. Dann lehnte er sich weiter vor, griff mit der rechten Hand nach der linken Schulter Sedyusars, positionierte ihre Wangen nah nebeneinander. "Freiheit gefällt mir besser." Der warmer Atem musste das Ohr seines Gegenübers streifen, so nah an diesem war er positioniert. "Ich habe nicht vor, Schoßhündchen zu spielen. Mister."
      Die Hand ließ er wieder sinken, hielt einen angemessenen Abstand zwischen ihnen ein und bildete das strahlende Lächeln voller Ehrlichkeit erneut. "Wie sieht die Planung Ihres Tages aus?"


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    • Sedyusar Fearion III van Jadworth

      Dem jungen Mann war die Verwunderung im Gesicht deutlich anzusehen, hatte er denn sonst nie mit jungen Adeligen zu tun gehabt? Oder war er doch nervöser aufgrund des neuen Arbeitsplatzes, als er wirkte? Nun, was auch immer es war, Sedyusar beschloss, dass es besser war, ihn nicht darauf anzusprechen und stattdessen erwiderte er das Lächeln des Ritters.
      „Nun, die meisten bezeichnen mich als junger Herr oderHerr. Manchmal auch Herr van Jadworth.“, erklärte er ihm nach kurzem überlegen, da er sich nie große Gedanken darüber gemacht hatte, wie man ihn zu nennen hatte.
      Wie, sein gegenüber strebte nicht nach einer großen Karriere? War es nicht das, was alle wollten?
      Es verwunderte den jungen Mann, als Sir von Greifenreid ihm unerwarteterweise näher kam und damit bereits jegliche Etikette, welche dem jungen Herzog bekannt war, über Bord warf.
      Über die folgenden Worte runzelte Sedyusar die Stirn, meinte er das ernst? Ihm kamen diese Worte fast schon einstudiert vor und der Blick des Ritters wollte auch nicht dazu passen. Wie eigenartig, dachte er sich verwundert. Wann war es das letzte Mal gewesen, als es ihm schwergefallen war, seinen Gegenüber zu lesen, zu durchschauen, geradezu zu verstehen? Ob ihm die Erfahrung mit dem Umgang mit dem niederen Adel fehlte?
      Verblüfft schlug der junge Herzog seine Hand auf sein Ohr, welches gerade von der warmen Luft aus dem Munde des Ritters berührte wurde – dieser hatte es wohl seinen Instinkten zu verdanken, dass Sedyusar ihn nicht mit der Hand erwischte – und wich einige Schritte vor dem Mann zurück. Er hatte sich zwar vorgenommen, sich gut mit seinem Gegenüber zu stellen, aber dieser hatte eindeutig seine Grenzen überschritten.
      „Kommen sie mir nie wieder grundlos so nahe, Sir von Greifenreid!“, war ihm sein Unmut deutlich anzusehen und er schnaubte wütend, wollte jedoch nicht auf die vom Ritter geäußerten Worte eingehen. Er würde nicht sein Schoßhündchen spielen? Für was für eine Person hielt er ihn denn? Wenn es nach ihm ginge, bräuchte er doch gar keinen Leibwächter!
      „Ich habe ein paar Dokumente in meinem Büro zu bearbeiten.“, gab er fast schon widerwillig von sich, während er sich bereits in Bewegung gesetzt hatte. Er hoffte nur, dass sein Tee nicht bereits kalt geworden war, denn den würde er jetzt brauchen.
    • Laurent Glinton von Greifenreid

      Wie sich Sedyusar vor ihm zurückzog, zog Laurent bereits seine Schultern straff zurück, in Erwartung einer ausgiebigen Standpauke über die passende Etikette am Hause des Herzogs. Solche Dinge kannte er zu gut, vor allem in den letzten Monaten am Königshof hatte er sie beinah täglich genießen dürfen. Vor allem der ihm zugewiesene Butler und Lehrer waren geradezu kompromisslos ihm gegenüber gewesen. Und obwohl er sie wohl inzwischen wortwörtlich rezitieren konnte - der Inhalt war schließlich jedes Mal der selbe - setzte er kaum eine ihrer Kritiken in die Tat um. Fast rechnete er mit einer Ohrfeige; die Bewegung seines Herren sah entsprechend aus. Und da war es: Die Reaktion Sedyusars auf seine plötzliche Annäherung wirkte auf Laurent so, als seien sie voller Unmut, wenn nicht sogar wütend. „Kommen sie mir nie wieder grundlos so nahe, Sir von Greifenreid!“ Der junge Ritter blickte dem Sprechenden kess entgegen, atmete knapp ein und machte sich bereit für den Schlag - hoffentlich trug sein Gegenüber keinen Siegelring, der würde einen unschönen Abdruck hinterlassen. 'Was soll's, ich hab schlimmeres überlebt.'
      Aber es folgte nichts derartiges. Stattdessen wandte sich der Herzogssohn von ihm ab und beantwortete die Frage nach der Tagesplanung. In Laurent regte sich etwas; das war eine neue Art an Handlungsweise ihm gegenüber. Das Gefühl, dass Sedyusar von oben auf ihn herab schaute, meinte er trotzdem zu verspüren. Dennoch mochte er ihn auf Anhieb, seine Art war irgendwie-- heilsam-- gegenüber derer anderer Aristokraten. Lag es daran, dass er noch jung war? Wie alt war er eigentlich, älter oder jünger als er selbst? Ein wenig fühlte er sich an Hugo, seinen wenige Jahre jüngeren Bruder, erinnert. Wie er beinah eingeschnappt davon rauschte, wirkte auf Laurent fast-- putzig. Obwohl er ihn Ernst nehmen sollte - und das aus vielen Gründen! - gelang ihm das nur unter Mühen. War Sedyusar immer so? Ob er wohl eine Flamme hatte? Mit einer Hand griff er sich an den Mund, sein Lächeln war sofort wieder da und breiter denn je. Er erschauderte, die feinen Härchen an seinen Armen richteten sich gespannt auf. Die ganze Sache würde wohl doch interessanter werden, als er im ersten Moment geglaubt hatte.
      Schnellen Schrittes folgte Laurent, wobei er dieses Mal einen seiner Position angemessenen Abstand einhielt, der ihn gleichzeitig nach außen als Leibwächter auszeichnete und das selbst ohne passende Uniform oder Schwert. "Junger Herr!" sprach er ihn strahlend an, fast so, als erwarte er für sein Gehorsam ein Lob. Vor der Holztür des Büros angelangt, wurden seine Schritte breiter, sodass er einen Moment vor Sedyusar dort ankam, um ihm diese aufzuhalten, wie es von ihm erwartet sein sollte. Obwohl ihm ein Haufen an Worten und Fragen auf der Zunge lagen, entschied er sich kurzerhand dafür, seine Neugierde zu zügeln und vorerst das Glück nicht noch weiter zu strapazieren. Es war schließlich der erste Tag, direkt wieder entlassen zu werden - und das von einer derartig prestigeträchtigen Familie -, das wäre nun wirklich mit einigen Unannehmlichkeiten verbunden gewesen. Ohne viel auf seine Umgebung zu achten, steuerte er direkt auf den Stuhl am anderen Ende des Raumes zu, der den Arbeitsplatz zu markieren schien. Einigermaßen geräuschlos zog er diesen zurück, um Platz dafür zu bieten, so dass der junge Mann darauf Platz nehmen konnte.
      Noch während dort stand, ertönte ein Klopfen an der Tür sowie die helle Stimme einer Frau: "Junger Herr, wünschen Sie, Ihren Tee aufgewärmt zu bekommen?"


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    • Sedyusar Fearion III van Jadworth

      Der junge Herrschnaubte nur genervt, als er den Ritter nach ihm rufen hörte und verlangsamte weder seine Schritte, noch schenkte er dem Ritter Beachtung. Es war ihm deutlich anzusehen, dass er eingeschnappt war, vielleicht sogar beleidigt und er wunderte sich, wie eine solche Lappalie ihn so dermaßen aus der Ruhe bringen konnte. Dabei hatte der erste Teil seines Tages doch so gut ausgesehen.
      „Hoffentlich sind seine Fähigkeiten mit dem Schwert besser als seine Manieren...“, murmelte mehr zu sich selbst, als seinem Gegenüber.
      Mit vor der Brust verschränkten Armen, ließ er zu, dass dieser ihm die Tür öffnete, auch wenn er nicht ganz verstand, wieso dieser mit einem Mal solche Höflichkeiten an den Tag legte.
      Ich habe nicht vor, Schoßhündchen zu spielen. Mister. , erinnerte er sich an die Worte des Ritters und musste bei dem Anblick, wie Sir von Greifenreid ihm die Tür öffnete, schmunzeln. Dabei erinnerte ihn der Anblick doch an einen.
      Der junge Adelige betrat sein Arbeitszimmer und zu seiner Verblüffung, rückte sein neues Anhängsel ihm auch den Stuhl zurecht. Hatte er mit einem Mal einen Sinneswandel gehabt? Sedyusar wurde nicht schlau aus den Taten des Ritters, welche nicht zu seinen Worten zu passen schienen.
      „Ich dachte, ihr wolltet nicht mein Schoßhündchen sein?“, gab er fast schon neckend von sich und setzte sich, als es an der Tür klopfte.
      „Ja.“, antwortete er der Frau, während er bereits einige Dokumente aus seinem Stapel nahm, um diese vor sich zu legen und mit der Bearbeitung zu beginnen, als die Bedienstete herein kam um den bereits erkalteten Tee zu holen.
    • Laurent Glinton von Greifenreid

      „Ich dachte, ihr wolltet nicht mein Schoßhündchen sein?“ Laurent lächelte vielsagend; "Aufgepasst, ich kann beißen." Ungeachtet der provozierenden Worte, die der Rotschopf viel lieber als neckend deuten wollte und sie daher konsequent als solche auffasste, schob er achtsam den Stuhl heran und ließ seinen Herren sicher zum Sitzen kommen. Der stürzte sich direkt in die Arbeit; ein vorbildliches Verhalten, wenn auch eine Schande für dessen Ritter.
      Ohne eine Reaktion abzuwarten, schritt er vor den Schreibtisch und der Tür entgegen, um sie für die verbal eingelassene Bedienstete zu öffnen. Bevor diese den Raum betrat, deutete sie eine Verbeugung in die Richtung des jungen Ritters an, die er aber mit einer lasziven Handbewegung abwinkte und ihr stattdessen knapp zunickte. Unter ihrer beigen Haube, die bestimmt einmal weiß gewesen war, quoll braunes Haar hervor, das sie streng zu einem Haarknoten am Hinterkopf zusammengebunden hatte. So sah sie um einiges älter aus, als sie es wahrscheinlich war. Flink ebenso wie schweigsam machte sie sich daran, die einzelne Teetasse vom Tisch auf einen nahstehenden Beiwagen zu räumen, darauf folgten die passende Motivkanne und ein kleiner Teller mit gleicher Musterung voller verlockender Naschereien.
      Wirklich etwas zu tun, würde es im Moment wohl kaum etwas für ihn geben, vor allem im unbewaffneten Zustand. Selbstverständlich war er selbst ohne Schwert ein achtunggebietender Kontrahent, fühlte sich aber dennoch sonderlich entblößt ohne das Gewicht eines Metalls an seiner linken Seite. Der beinah intuitive Griff nach dem kühlen Schaft, der ihm eine kaum durch Worte beschreibbare Sicherheit und einen Halt bot, vermisste er bereits nach den wenigen Stunden, die er die Waffe am Sattel seines Pferdes festgemacht und zurückgelassen hatte. Aus Respekt hatte er es vor dem Betreten des Anwesens abgelegt - versehentlich des Hochverrats beschuldigt zu werden, war dringend zu umgehen und das war nun einmal der sicherste Weg gewesen. So entschied er sich kurzerhand dazu, seinen jungen Herren eine Weile lang ungestört arbeiten zu lassen und sich stattdessen um seine eigene Ausrüstung zu kümmern, bevor es dafür zu spät wäre - oder tatsächlich eine Situation eintreten würde, in der er sein Schwert benötigen würde. Die Tür schloss sich geräuschvoll. Ein Blick ging zurück zu üppig mit Schreibmitteln bedeckten Arbeitsplatz. "Junger Herr." Er räusperte sich nach den Worten, in der Hoffnung, zumindest ein überschaubares Maß dessen Aufmerksamkeit des Arbeitenden auf sich zu lenken, "nach Ihrer motivierenden Ansprache im Büro Ihres Vaters über Ihre Fähigkeit, sich selbst bestens schützen zu können, glaube ich fest daran, dass Sie für einen Zeitraum von ungefähr einer Stunde auf meine Präsenz verzichten können. Um meinen Pflichten Ihnen gegenüber in Zukunft nachgehen zu können, benötige ich einige Ausrüstung."

      Es dauerte eine ganze Weile, bis endlich die ihren Weg zu Sedyusar fand. Dieselbe Bedienstete rollte den Wagen stillschweigend hinein, nachdem sie angeklopft und um Eintritt gebeten hatte. Neben dem Teeset brachte sie außerdem einen Teller mit, der mit kleinen Schokoladen gespickt war.


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    • Sedyusar Fearion III van Jadworth

      „Das glaube ich ihnen erst, wenn ich es sehe.“, gab der junge Herr amüsiert von sich und die Taten des Ritters schienen nicht recht zu seinen Worten zu passen. Es ärgerte Sedyusar, dass er nicht schlau aus seinem neuen Begleiter wurde, sicherlich spielte auch das zu seinem Unmut mit auch wenn er wusste, dass er kein Kind mehr war und sich eigentlich wieder beruhigen sollte.
      Umso besser war es, dass er sich nun einiges an Arbeit widmen konnte und er begann geflissentlich mit der Schreibfeder auf Papier zu kratzen. Das mag etwas altmodisch erscheinen, vor allem wenn man bedachte, dass einige Federhalter von guter Qualität unbenutzt in einem alten, gesäuberten Titenglas lagen, doch hatte dieses Geräusch schon immer etwas beruhigendes für den Edelmann, weshalb er auch weiterhin Feder und Tinte nutzte.
      Erst reagierte Sedyusar nicht auf das Räuspern und die Worte von Sir von Greifenreid, konnte er sich beim besten Willen nicht vorstellen, was in diesem Moment seine Aufmerksamkeit benötigte und er fürchtete fast, der Ritter würde seine Worte wahr machen und ihn beißen,doch als er begann davon zu reden, dass man ihn auch alleine lassen könnte, blickte er fragend auf. Gespannt, worauf sein Begleiter hinaus wollte, als auch ihm auffiel, dass der junge Mann weder die Uniform des Hauses trug, noch ein Schwert an seiner Seite trug, was bei weitem fahrlässig war, wenn man bedachte, wofür Sir von Greifenreid eigentlich eingestellt wurde.
      Manch anderer Arbeitgeber würde dem Ritter wohl sogar die Schuld geben, warum er es denn nicht früher erwähnt oder sie darum gekümmert hatte, doch Sedyusar war bewusst, dass es auch sein Mangel war solch wichtiges nicht zu bemerken. Er schämte sich sogar ein wenig dafür, ließ sich jedoch nichts anmerken.
      „Selbstverständlich. Geht nur.“, erlaubte er ihm mit diesen Worten sich von seinem Posten zu bewegen und widmete sich wieder den Dokumenten vor ihm.

      Das Klopfen an der Tür störte den jungen Herrn in seiner Konzentration und er fragte sich für einen Moment genervt, wer ihn denn nun stören wollte, als ihm einfiel, dass ein Tee auf ihn wartete und er ließ die Bedienstete eintreten und beendete noch einige Sätze des Briefes, welchen er als Antwort auf eine Einladung zu einer Party schrieb, ehe er seine Schreibutensilien zur Seite legte und nach der nun warmen Tasse mit Tee griff, welche das Dienstmädchen ihm aus der Kanne eingegossen hatte.
      Er lehnte sich in seinem Sessel zurück, den Duft des Tees genießen, welcher seine Nerven bereits zu beruhigen schien, ehe er die Tasse an seinen Mund heran führte um einen Schluck zu trinken.
      Doch bevor der Rand dieser seine Lippen berühren konnte, hielt er in seiner Position inne und runzelte die Stirn.
      „... wieso wurde das Silbergeschirr ausgetauscht?“, fiel ihm auf, dass es sich bei dem Löffel, mit welcher er seinen Tee umgerührt hatte, nicht um Silber handelte. Nicht, dass es ihm wichtig war mit solchen Dingen seinen Reichtum zu zeigen, nein, doch war Silber mehr als nur auf eine Art und Weise wertvoll. Es war nützlich um einem untergemischte Gifte zu entlarven.
      „Ich weiß nicht, junger Herr. Man hat mir dieses Geschirr gegeben. Meine Aufgabe bestand nur darin es ihnen zu bringen.“, verneigte sich das Dienstmädchen demütig und schien keine Miene zu verziehen. Entweder sie wusste nicht, was seine Worte implizieren könnten, oder sie ignorierte die darin verborgene Warnung.
      Ohne einen Schluck zu nehmen, setzte er die Teetasse wieder ab und griff nach dem Löffel, welcher auf der Teetasse ruhte, sich ein weiteres Mal in seinen Sessel lehnend, um diesen zu betrachten. Es war eindeutig, dass hier irgendetwas nicht stimmte, denn das Besteck war sogar silbern angemalt worden, wie Sedyusar erkannte.
      „Nun da ich einen genaueren Blick auf dich werfe... ich habe dich hier noch nie zuvor gesehen. Magst du mir verraten, woran das liegen könnte?“
    • Laurent Glinton von Greifenreid

      Im schnellen Tempo bewegte sich der Rotschopf, um möglichst bald wieder ein Schwert bei sich zu wissen. Schneller wäre es jedoch unzweifelhaft gegangen, denn er verlor viel Zeit dabei, seine Umgebung voller Neugierde und etwas Erstaunen zu erkunden. Wiederholt blieb er stehen, um besonders blickfangende Objekte der Inneneinrichtung und Dekoration in den Blick zu nehmen oder einige gefesselte Beobachtungen des Gartenanlagen vorzunehmen, von denen er sich wünschte, die später in Person erkunden zu können. Es war jedes Mal der Gedanke an de neuen Verpflichtungen, die ihn schließlich wieder voran trieben.
      Dass der junge Herr den kleinen Seitenhieb Laurents vollkommen ignoriert hatte, ärgerte ihn unterdessen bei jedem freien Gedanken und bei jedem einzelnen seiner weiten Schritte. In den Gängen des Anwesens herrschte inzwischen ein reges Treiben; die Atmosphäre wirkte einerseits gelassen und andererseits dennoch geordnet auf Laurent. Die Bediensteten mussten ihre beiden Herren und deren Herzogshaus im hohen Maße schätzen, denn jeder von ihnen schien seine und ihre Arbeit ernst zu nehmen sowie gewissenhaft zu erledigen. Dennoch fielen dem jungen Ritter eine Reihe an Blicke auf, die ihm entgegen geworfen wurden, die er nur schwer einordnen konnte. Waren sie misstrauisch oder einfach nur neugierig auf die neuste Erweiterung des Gefolges? Kannte ihn jemand dieser Leute und fragte sich vielleicht deswegen, was er hier zu suchen hatte? Oder gab es unter ihnen sogar den ein oder anderen heimlichen Verehrer; oder sogar eine Verehrerin? Bei dem Gedanke musste Laurent schmunzeln, den Ärger von vorher hatte er jetzt beinah vollständig vergessen. Nun, da es ihm wieder einfiel, stoppte er abrupt und versuchte, sich die Situation vor das innere Auge zu rufen. Dabei horchte er erneut in sich hinein: Nein, eigentlich gab es keinen guten Grund für Laurent, sich über diese Kleinigkeit zu ärgern. Viel eher sollte er erleichtert darüber sein, dass der Herzogssohn ein dermaßen toleranter und gnädiger Mann war, sodass er seinem neuen Leibwächter nicht sofort für dessen offensichtlich despektierliches Verhalten züchtigte. Der Ritter passte sich mit einer Hand an den Kopf und zwischen die wilden Haare, während sich die andere Hand in die Hüfte stützte. Find er jetzt doch an, um die Aufmerksamkeit des jungen Mannes zu betteln - störte es ihn deswegen so sehr? Beinah entfloh seinen gekräuselten Lippen ein eher verzweifeltes Lachen, das er im letzten Moment zurückhalten konnte. Stattdessen kniff er seine Augen gequält zusammen und seufzte tief. In Zukunft würde er besser aufpassen müssen, falls er diese Anstellung über einen längeren Zeitraum behalten wollte, so viel war sicher. Sein Herr machte es ihm aber selbst alles andere als leicht: Der Unterton in dessen Stimme - den Laurent als Necken erachtete -, der hatte wirklich etwas gehabt. Sein Status war ebenfalls alles andere als übel und das war weit untertrieben, viel besser ging es kaum. Und dann war da natürlich das zugegeben attraktive Äußere-- Der Rotschopf unterbrach sich bei den Gedanken, bevor sie noch weiter eskalieren konnten. "Entschuldigung?"
      Gerade zur richtigen Zeit wurde der Ritter durch eine helle Stimme zurück in die Gänge des Anwesens gezogen und fand sich so im Jetzt wieder. Wie lange hatte er tatenlos herum gestanden? "Sie sind Sir Greifenreid, ja?" Die junge Frau im Dienstmädchenkleid blickte ihm fesch entgegen, ihr Kopf war gleichzeitig fragend und erwartungsvoll - vielleicht auch neugierig - zu einer Seite gekippt. Laurent drehte sich voll zu ihr um und nickte ihr anschließend als Antwort zu. "Das bin ich. Und Sie sind?" "Minna!", gab sie mit einem Lächeln und kleinem Knicks von sich, bei dem sie ihr Kleid mit den Händen leicht anhob. "Das freut mich natürlich, dass Sie mir die Ehren entgegen bringen und förmlich mit mir sprechen, aber das brauchen Sie gar nicht, Sir Greifenreid, sprechen Sie informell mit mir!" Zur Bestätigung nickte er ihr ein weiteres Mal zu, vielleicht konnte die Geste auch als kleine Verbeugung verstanden werden, wer wusste das schon so genau. "Minna also." Ihr Lächeln steckte ihn an. "Wie kann ich Dir helfen?" fragte er, nun deutlich lockerer im Tonfall. "Sie sind doch der neue Leibwächter vom jungen Herren, ja? Ah - also nicht so viele von denen vor Ihnen gegeben hätte. Na, jedenfalls-- Es ist gar nicht nach mir gerufen worden, damit ich das Service abräume. Ist der junge Herr so beschäftigt? Soll ich einen leichten Happen bereiten?" Spätestens als er das Funkeln in den Augen des quirligen Dienstmädchens bemerkte, wusste selbst der manchmal begriffsstutzige Mann, wo das Interesse dieser lag: Eindeutig bei dem Herzogssohn - und das konnte er ihr nicht einmal verübeln. Trotz des kleinen Dämpfers, den sein Ego so erfuhr, war ihre quirlige Art geradezu ansteckend. "Es ist schon ein Dienstmädchen im Büro gewesen, das den kalten Tee aufwärmen sollte. Sie hat auch gleich den Teller mit dem Gebäck mitgenommen, der junge Herr schien daran wenig Interesse zu haben." Minna horchte sichtlich auf. "Das kann eigentlich nicht sein--" Plötzlich wirkte sie sichtlich nervös. "--heute ist die Bedienung meine Aufgabe?" Und auch Laurent spürte, wie die Stimmung kippte und sich ein ungutes Gefühl in seiner Magengrube ausbreitete, das er nicht so recht zu deuten vermochte. Statt sich damit aber weiter aufzuhalten, drehte er sich auf den Absätzen um und sprintete zurück zum Büro, wo er seinen neuen Vorgesetzten allein zurückgelassen hatte.

      Die zuvor ausgeglichen-konzentrierte Stimmung kippte binnen weniger Sekunden. Fast schien es so, als sei die Temperatur infolge der präzisen Worte Sedyusars um einige Grade gesunken. Zwar schien sich das Dienstmädchen um Fassung zu bemühen, dennoch zeigte sich in ihrer Haltung langsam etwas, das nur schwer zu deuten war. Auf die Frage danach, wie es sein könnte, dass er sie noch nie im Anwesen gesehen habe, reagierte sie mit einer Verbeugung, bei der sie beide Hände vor dem Körper verschränkt hielt. Wagte sie es nicht, ihrem Herren zu antworten und seinen fehlerhaften Eindruck zu korrigieren? Ängstigte sie sich um ihr Leben, da sie anscheinend eine schlechte Arbeit geleistet hatte? Ihre Hände begannen zu zittern. Die unkontrollierte Bewegung war kaum ersichtlich, da die Glieder noch immer ineinander gefaltet und angespannt vor ihrem verneigten Körper verweilten. Die Stille aber wollte nicht vergehen und so sah sie sich zu einer Antwort gezwungen, ohne ihren Gegenüber anzusehen. "Junger Herr--" begann sie. In ihrer Stimme schwank etwas aufmerksamkeitserregendes mit; würde Sedyusar es bemerken? "-- an diesem Tag bin ich einzig eine Vertretung eines anderen Dienstmädchens, das plötzlich erkrankte. Meine Aufgaben sind im Sonstigen das Reinmachen." Ihre Geste wurde tiefer. "Bitte vergebt meine Inkompetenz bei Eurer Bedienung. Soll das Geschirr zurück zu der Küche geschickt werden?


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    • Sedyusar Fearion III van Jadworth

      Ohne auf ihre Frage zu antworten, starte der junge Herr das Dienstmädchen gefühlt für einige Sekunden aus seinem Sessel heraus an, während er sich überlegte, wie er mit dieser Situation am besten umgehen sollte. Zumindest konnte er die Möglichkeit, dass sie vor kurzem erst eingestellt worden war, ausschließen, da sich Sedyusar sicher war, dass sie dies erwähnt hätte um sich zu verteidigen, wenn es denn der Fall sein könnte.
      Dennoch traute er ihrer eigenen Geschichte auch nicht so recht, es passte fast schon zu perfekt.
      „Nun, wenn dem tatsächlich der Fall sein sollte, dann lässt sich dieser Verdacht ganz einfach lösen. Ich rufe einfach den Butler und erkundige mich bei ihm, ob deine Geschichte der Wahrheit entspricht und ob du ein Dienstmädchen im Dienste der van Jadworth Familie bist oder nicht.
      „Wie war dein Name...?“, erkundigte sich der junge Adelige, während er sich von seinem Sessel erhob, um nach einer Glocke auf seinem Schreibtisch zu greifen, welche er benutzte, um den Butler zu rufen, wenn er ihn benötigte. Es war eine sehr interessante und geschickt entwickelte Technologie. In der sonst gewöhnlichen Glocke war ein magischer Stein eingearbeitet worden, welcher als diamantförmiger Einlass zu erkennen und für das ungeübte Auge wohl für ein Ornament gehalten werden könnte. Wollte man diese Glocke läuten, so leuchtete der Stein auf, jedoch gab das Instrument keinen Laut von sich. Nun, zumindest nicht dieses Stück, da der Butler ein Stück des selben magischen Steines besitzt, welcher in seiner statt das läuten einer Glocke von sich geben und damit verständigt werden würde. Wie wundervoll und überaus nützlich diese Technologie wäre, wenn sie mehr, als nur wenige Töne von Musik von einem Ort zum anderen transportieren könnte? Aber das war selbstverständlich noch Zukunftsmusik, aber Sedyusar liebte es zu träumen.
      Doch bevor er die Glocke überhaupt ergreifen konnte, bewegte sich das Dienstmädchen mit einem Mal mit einem Satz in seine Richtung und der junge Mann konnte nur das aufblitzen von Metall sehen, als er das laute Geräusch einer sich stürmisch öffnenden Tür vernahm.
      Das Dienstmädchen musste irgendwie einen Dolch oder ein Messer an sich versteckt haben und durch die nach vorne gebückte Haltung war es dem jungen Adeligen nicht gelungen zu erkennen, wie sie diesen zur Hand genommen hatte. Offenbar hatte sie nur auf den richtigen Moment gewartet.
      Zu ihrem Unglück war Sedyusar jedoch nicht bereit so einfach zu sterben.
      Ein Geräusch, als würde Metall an einer harten Oberfläche abprallen, durchbrach die Stille des Raumes und das Dienstmädchen war in ihrer Bewegung stehen geblieben. Ihre Hände am Griff ihrer Waffe zitterten stark, während auch der Rest ihres Körpers leicht zu zittern begonnen hatte und ihre großen Augen den Adeligen ungläubig anstarrten, mit einer Mischung aus Angst. Wem oder Was diese Angst galt, konnte er jedoch nicht sagen.
      Um das Geheimnis zu lüften: Sedyusar hatte im letzten Moment sein Herz, auf welches das Dienstmädchen gezielt hatte, mit einer Barriere aus Magie geschützt und somit sein eigenes Leben gerettet. Hätte er nur eine Sekunde später reagiert oder die Einstichstelle falsch eingeschätzt, wäre es jedoch zu einem Problem gekommen.
      Mit einem Mal schien das Dienstmädchen wieder zu Sinnen gekommen, da sie für einige Momente wie versteinert gewesen war, und sie ließ ihre Waffe klirrend zu Boden fallen, ehe sie sich umdrehte und zu fliehen versuchte, doch der Ritter versperrte ihr in ihrem Vorhaben den Weg.
      „Sir von Greifenreid, halten sie diese Person fest und lassen sie sie nicht entkommen.“, befahl Sedyusar, wenn dieser nicht schon längst auf die selbe Idee gekommen war und läutete letztendlich eine Glocke auf seinem Tisch, jedoch nicht jene, welche den Butler rufen würde.
      „Ich sagte doch, ich brauche keinen Leibwächter.“
    • Laurent Glinton von Greifenreid

      Da war der Eingang zum Büro von Sedyusar; die schwere und ebenso reich geschmückte Holztür, deren kunstvolle Gestaltung Laurent zuvor noch bewundert hatte, riss er nun ohne jegliche Rücksicht so schnell auf, wie es ihm das Gewicht der diesen erlaubte. Trotz der letzten ruhigen Monate im Militär, die in keinster Weise eine echte Anstrengung gewesen war, hatte er kein Stück seiner Kondition verloren, weshalb sich seine Brust unter den tiefen Atemzügen gleichmäßig hob und wieder senkte. Gemeinsam mit dem ruhigen Atmen war alle Konzentration zusammengesammelt und geschickt zusammengebündelt.
      Gerade in dem Moment, als er nun scharf auf dem Untergrund stoppte und seinen Körper unter höchster Kontrolle in das Büro seines Vorgesetzten beförderte, schepperte dieses metallene Krachen durch die Luft und grub sich gewaltsam in das Gehör des Ritters. Das war nicht gut - alles andere als gut! Wer zur Hölle kam auf die Idee, gerade am ersten Arbeitstag so eine Aktion durchzuführen? In den ebenso wachsamen wie kühlen, taublauen Augen spiegelte sich eine Szene, wie sie unglücklicher kaum sein könnte. Ohne auch nur einen Augenblick zu zögern, registrierte der Rotschopf die Lage: Die brünette Bedienstete stand nah - viel zu nah - an Sedyusar, hatte etwas in der Hand, presste es gegen die Brust des Adeligen. Nur der Blick auf den Rücken der Frau wurde ihm eröffnet, doch das reichte vollkommen aus; er wollte sich bewegen, nach ihr greifen, sie fest packen und am liebsten sein Schwert tief in ihrer Brust vergraben - wenn er doch nur eines mitgenommen hätte! Nun entfernte sie sich jedoch von dem jungen Adeligen, ließ das Objekt in ihrer Hand fallen. Kurz blieb sie noch stehen, ein einzelnes Klirren durchzog die eben noch hektische Szene, als das Messer ihrer Hand entglitt und den Boden fand.
      „Sir von Greifenreid, halten sie diese Person fest und lassen sie sie nicht entkommen.“ Mit einem schnellen Blick prüfte er den Zustand des Sprechenden; er schien jedenfalls nicht schwer verletzt zu sein, falls er es überhaupt war. Und so ließ sich der Ritter die Worte nicht zweimal sagen, er baute sich mit breiten Schultern vor der Angreiferin auf, die nun unbewaffnet zu sein schien und damit die selben Voraussetzungen mitbrachte, wie er. Ein entscheidender Unterschied bestand dabei aber sicherlich zwischen ihnen, da war er sich sicher - Erfahrung. Voller Panik setzte die Frau dazu an, die Flucht durch die Eingangstür in die breiten Flure hinaus aufzunehmen. Aber Laurent war flink genug, um sie am Arm zu greifen und diesen mit roher Gewalt zu sich zu zehren. In einer erbarmungslosen und ebenso ruckartigen Bewegung drehte er das Glied auf den schmalen, doch gleichzeitig erstaunlich fest gebauten Rücken, griff mit der anderen Hand nach ihrem Nacken - die Kappe löste sich dabei von ihrem Kopf und das braune Haar ergoss sich wie ein Wasserfall über das Gesicht Laurents. Ungeachtet dieser Ablenkung presste er sein Knie in deren Wirbelsäule hinein, verlagerte sein Gewicht vorwärts und ließ sie ungefedert, ohne eine Chance auf ein Abfangen, auf dem harten und wahrscheinlich ebenso teuren Boden aufschlagen - was für eine Verschwendung. Ein atemloses Ächzen drang aus dem schmalen Körper hervor. Unbeirrt von dem kläglichen Geräuschen fixierte er sie in dieser Position, das Knie noch immer auf ihrem Rücken ruhend, die Hand fest um ihren Hals geschlossen, sodass sie wohl noch genug Luft einziehen könnte, um die Sache zu überleben - einen Menschen zu erwürgen forderte jedenfalls mehr Kraft, als diese hier. Trotz der vorübergehenden Kontrolle über die Angreiferin ließ er seine Aufmerksamkeit beharrlich auf ihr fixiert. Denn wer konnte schon wissen, was sie noch so auf Lager hatte. Die Worte Sedyusars und das anschließende Klingeln einer Glocke erreichten ihn dennoch: „Ich sagte doch, ich brauche keinen Leibwächter.“
      Instinktiv schnaubte der Rotschopf. Der frisch als Bodyguard eingestellte Ritter hatte also tatsächlich an seinem ersten Arbeitstag versag - und schlimmer noch, dem seine absolute Inkompetenz bewiesen. Es war klar, dass er sich am ersten Tag nicht jedes einzelne Gesicht eines jeden Arbeitenden im Anwesen hätte merken können, doch zumindest hätte er an der Seite des Mannes bleiben können - nein, müssen! -, um so etwas wie das hier zu verhindern. Selbst ohne Schwert, und das konnte er aufgrund seiner zwar kurzjährigen aber dennoch intensiven Erfahrung mit Stolz und Sicherheit sagen, war er kompetent. So blieb ihm nun nichts anderes übrig, als den Kopf zu senken, die roten Strähnen verdeckten seinen Blick. Die Frau unter ihm stieß ein heiseres Keuchen aus, als sich der Griff um ihren Körper verengte. Das fiebrige Lodern in seinem Inneren zu unterdrücken, gelang Laurent nur unter größter Selbstbeherrschung. Dabei waren diese unbändigen Gefühle kaum gegen seinen neuen Meister gerichtet, sondern gegen sich selbst.
      Grundsätzlich hatte er zwei Möglichkeiten, mit dieser Situation umzugehen: Zum einen könnte er die erstaunliche Kompetenz und Reaktionsgeschwindigkeit des scheinbar unverletzten jungen Meisters bewundern und ebenso loben - vielleicht sogar mit einem sarkastischem Unterton. Selbst wenn es so war, dass er es etwas widerwillig zugeben musste: Es war gut zu wissen, dass dieser junge Herr nicht so einer war, wie die vielen anderen Adeligen und auch Kenneth, Laurents ältester Bruder, der sich kaum selbst zu verteidigen wusste und bei einem solchen Angriff direkt das Zeitliche gesegnet hätte. Zum anderen war es angebracht, die eigene Inkompetenz einzugestehen und um Gnade zu bitten. Es wurden schon Personen aus viel geringeren Gründen hingerichtet, als dass sie es versäumt hatten, einen bewaffneten Eindringling zu übersehen. Groß geplante oder durchdachte Aktionen waren aber so wirklich nichts für den jungen Ritter, also entschied er sich für Variante drei: "Sind Sie verletzt?"


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    • Sedyusar Fearion III van Jadworth

      Verwirrt aufgrund dieser Frage starrte Sedyusar seinen neuen Bodyguard an, welcher durchaus gute Arbeit darin leistete die Attentäterin in Schach zu halten, es war offensichtlich, dass er das nicht zum ersten Mal machte, ehe er nach einer kurzen Weile zu Wort kam.
      „Natürlich bin ich unverletzt.“, gab er selbstbewusst und selbstsicher von sich, damit verbergend, dass die ganze Angelegenheit durchaus hätte schief gehen können, wenn der braunhaarige auch nur eine Sekunde zu spät reagiert hätte, oder den Einstichort falsch eingeschätzt hätte, aber das brauchten weder der Ritter noch sein Vater zu wissen.
      Doch alleine die Tatsache, dass die fremde es geschafft hatte, sich scheinbar ohne große Probleme in das Anwesen einzuschleichen, machte dem zukünftigen Erben sorgen.
      Letztendlich griff er doch noch nach der anderen Glocke, um seinen Butler zu rufen. Diese Angelegenheit musste anständig aufgerollt werden, das gesamte Personal musste geprüft werden, um einen solchen Vorfall kein zweites Mal geschehen zu lassen... doch was, wenn sein Bodyguard selbst...? Nein. Er wurde von seinem Vater direkt eingestellt, dieser vergaß nie ein Gesicht und hätte sicherlich alles auf größte Sorgfalt überprüft, bevor er Sir von Greifenreid überhaupt erst in Erwägung gezogen hätte seinen Erben zu schützen.
      Kurze Zeit darauf erschienen einige Soldaten des Anwesens, welche Sedyusar sogleich anwies die Frau mitzunehmen, sie weg zu sperren und zu befragen und selbstverständlich nach weiteren Waffen zu durchsuchen. Desto schneller geklärt werden konnte, wer diese Frau geschickt hatte, um ihn zu töten, desto besser.
      „Wie ich sehe, haben sie ihre Waffe und die Uniform noch gar nicht abgeholt... woran liegt das?“, erkundigte sich der Braunhaarige, nachdem ihm diese Tatsache auffiel und er begann einfach seine Arbeit fortzusetzen, als wäre nichts passiert, während er auf den Butler wartete.
      „Ich weiß zwar nicht, ob sie auf diese Idee kommen würden, aber ich rate ihnen davon ab den Tee oder die Schokolade auch nur anzufassen, es handelt sich dabei höchst wahrscheinlich um Gift.“, gab er seinem Bodyguard einen gut gemeinten Rat, da er seinen Charakter nicht groß einschätzen konnte und die Frechheit, die er bisher an den Tag gelegt hatte, kam ihm durchaus die Möglichkeit, dass der Ritter einfach aus Langweile oder ähnlichem nach der Schokolade greifen und sich etwas genehmigen könnte. Auch wenn solche Warnungen wohl eigentlich die Aufgabe des rothaarigen gewesen wären, doch einen toten Bodyguard an seinem ersten Arbeitstag konnte Sedyusar kaum gebrauchen.
    • „Natürlich bin ich unverletzt.“ Die Worte des jungen Hausherren klangen wohl selbstbewusst, auf Laurent wirkten sie dagegen arrogant und ebenso naiv. Dieses Mal war die Sache gut ausgegangen: Dieses Mal. Wie genau er es angestellt hatte, die Klinge abzuwehren, war vorerst ein Rätsel, dem der Ritter jedoch auf den Grund gehen würde. Die Fähigkeiten seines Herren zu kennen, war eine Grundvoraussetzung dafür, die Gefahren - oder eben die Harmlosigkeit - von Situationen einschätzen zu können. Und wer konnte wissen, wie es ein nächstes Mal ausging, so ein plötzliches Attentat. Etwas widerwillig schob der noch immer auf dem wie leblos daliegenden Körper der Frau Kniende diese Gedankengänge beiseite und konzentrierte sich auf das fast lautlose Keuchen unter ihm. Er nahm die Situation kenntlich ernst. Die Worte von Sedyusar hätte er dabei fast überhört.
      "Hm?" fragte er, als er die Stimme des Adeligen vernahm und vergaß dabei jegliches Maß an Etikette, das ihm als Sohn einer adliger Familie und Mitglied der Imperialen Armee jemals eingeprügelt worden ist. Bemerken tat er dies wohl kaum, vor allem nicht bei der Frage, die ihm da gerade gestellt wurde. "Der Grund liegt hier." Seine lose Zunge würde ihm irgendwann einmal den Kopf kosten - verkneifen konnte er sich den Kommentar dennoch nicht. Was war das auch für eine sinnlose Frage? Es war nur wenige Minuten her - vielleicht auch eine halbe Stunde, aber das tat wohl kaum etwas zur Sache! -, dass er sich entschuldigt und auf den Weg zur Empfangnahme seiner Ausrüstung gemacht hatte. "Wie --" Schon wollte er erneut ansetzen und einen weiteren unüberlegten Kommentar beisteuern, blickte dann jedoch auf und sah, wie sich Sedyusar zurück an seinen Schreibtisch begab und nach einer der scheinbar bisher unvollständig bearbeiteten Dokumente griff um sich in dieses zu vertiefen. Beinah wäre ihm der Mund weit aufgeklappt; wie konnte sich jemand nach soetwas, einem echten Anschlag auf sein Leben so verhalten? Er hätte tot sein können! Ein Leben konnte so schnell zu Ende gehen, einfach so, in einem winzigen Augenblick, wegen einer falschen Bewegung. Sich nach soetwas-- Einfach wieder in die Arbeit stürzen, als wäre nicht passiert? Dokumente bearbeiten? Heile Welt spielen?
      Das vorige Lodern erwachte erneut in der Magengrube des jungen Mannes. Unterdessen geschürt wurden diese Emotionsfeuer durch den nachfolgenden Kommentar, dass sich Gift in den Lebensmitteln befinde, durch welchen er sich ebenso gereizt und herausgefordert, wie verletzt sah. Sein Blick war nun vorwärts gerichtet, direkt und als einziges dem am Schreibtisch arbeitenden Mann zugewandt. Laurent versuchte den scheinbar beschäftigten, gleichgültigen Blick zu lesen; war da Gehässigkeit? Hochmut? Waren das Beleidigungen? Oder ernsthafte Sorge? Überspielte der andere nur seine Angst? Oder war er wirklich dermaßen selbstsicher - und mächtig? "Wie--" setzte er schließlich erneut an, dieses Mal etwas überlegter, wurde jedoch schnell von einem atemlosen Keuchen einer Frau und dem hektischen Hecheln eines in die Jahre gekommenen Mannes jäh unterbrochen. Begleitend erklang ein metallener Radau.
      Etwas unkoordiniert drehte er eines seiner Beine zur Seite, um das Gesicht dem Eingang und dahinterliegenden Flur zuzuwenden, aus welcher Richtung die Laute kamen. Schon spannte er seinen entschlossen an, bereit dazu, sich - und natürlich auch die anderen beiden Personen im Raum - zu verteidigen. Als sich jedoch das hochrote Gesicht Minnas und ein ziemlich blasser, aber ebenso triefender Butler, der sich mit einer zitternden Hand an der hölzernen Tür auf den Beinen hielt. "Junger Herr!" rief er. Obwohl, es kam eher einem Hauchen gleich. "Sind Sie unverletzt? Brauchen Sie einen Arzt? Minna, hol einen Arzt!" Ohne auf eine Antwort zu warten, nickte die Angesprochene und rannte wieder los. Hinter dem Butler bahnten sich zeitgleich drei Männer ihren Weg in das Büro hinein, deren Schritte der junge Ritter sofort als sichtlich trainiert identifizierte. Ohne auch nur eine Sekunde lang zu zögern, richteten sie ihre Schwerter auf die am Boden liegende Frau und damit zwangsläufig ebenso auf Laurent. Diesem blieb nichts anderes übrig, als resigniert auszuatmen; verübeln konnte er ihnen diesen Akt nicht, da er selbst ebenso gehandelt hätte. Stattdessen versuchte er aus den Augenwinkeln ein wenig Unterstützung zu ergattern.


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    • Sedyusar Faerion III van Jadworth

      „Hm? Und woher haben sie gewusst, dass diese Frau gefährlich ist? Das etwas passiert sein könnte?“, erkundigte sich der Sohn des Herzogs verwundert und überrascht, konnte das Interesse in seiner Stimme jedoch nicht verbergen, da ihm selber nur Dank des fehlenden Silbergeschirrs bewusst geworden war, dass etwas nicht stimmen konnte. Hatte er etwas übersehen?
      Sedyusar blickte auf, als der Butler und eine weitere Maid das Zimmer betraten und setzte sich mit einem Seufzer wieder auf, das Dokument wieder zur Seite legend, da er in diesem Moment wohl kaum zu weiterer Arbeit kommen würde.
      „Ich brauche keinen Arzt. Sparen sie sich die Mühe.“, gab der Erbe des Hauses mit genervtem Ton von sich, er hatte dafür gesorgt dass die Klinge dieser Frau ihn nicht einmal berührt hatte, er konnte also auch nicht an irgendeinem Gift leiden, ganz abgesehen davon, dass es ihm gut ging, Sedyusar war in der Lage aus dieser brenzligen Situation ganz alleine zu kommen, ganz abgesehen davon, dass es nicht das erste Mal war, dass ein Attentat auf sein Leben ausgeübt worden war. Der Braunhaarige war an solche Situationen gewöhnt, seit er ein Kind war, es gab genug Leute die seien Familie fallen sehen wollten, nur um selber an mehr Macht und Einfluss zu gelangen und es war nicht so, als hätte seine Familie keinerlei Feinde.
      „Sagen sie mir stattdessen, wie es diese Frau geschafft hat sich als Angestellte des Hauses Jadworth auszugeben, ohne, dass jemandem aufgefallen ist, haben sie sie eingestellt?“, ging er um seinen Schreibtisch herum, um sich vor diesem aufzubauen, während der Butler seinen Blick zu der am Boden liegenden Frau wand, ganz perplex.
      „Nein, ich... ich habe diese Frau noch nie zuvor gesehen...“, wurde er ganz blass im Gesicht.
      „Verstehe... wie hat sie es dann überhaupt aufs Gelände geschafft? Sebastian, nehmen sie sich einige Soldaten und durchkämen sich das gesamte Gelände nach weiteren Eindringlingen, wenn es eine geschafft hat, könnten sich noch weitere hier verbergen. Erkundigen sie sich nach dem Rest das Personals nach Fremden und sie...“, wandte Sedyusar seinen Blick letztendlich zu den Männern, welche Laurent mit seinen Schwertern dazu zwangen weiterhin mit der Fremden auf dem Boden zu liegen, ohne recht auf den nach Hilfe bittenden Blick dessen zu beachten, bis die Sache mit dem Butler geklärt war, „Nehmen sie gefälligst ihre Schwerter von meinem Bodyguard und geben sie ihm die Möglichkeit sich zu erheben. Sie sollen verdammt nochmal diese Frau fest nehmen, nicht den Rothaarigen.“, gab er genervt von sich, begleitet von einem Seufzen ehe er sich die Hand an die Stirn hielt. Gutes Personal zu finden war wirklich alles andere als einfach.
    • Laurent Glinton von Greifenreid

      Viele in seiner Situation hätten den hochmütigen, blitzenden Klingen furchterfüllt entgegengeblickt, die eindeutig darauf aus waren, das Blut des jungen Ritters zu kosten. Laurent hatte jetzt jedoch nur noch für eine Person Augen - und für eine zweite Person etwas periphere Aufmerksamkeit: Gebannt horchte er der starken Stimme seines Vorgesetzten, der wohl der einzige im Raum in dieser Situation war, der die Ruhe bewahrte, passgenaue und beinah schon routinierte Anweisungen aussprach; die Lider des knienden Mannes zuckten. Und in einigen wenigen Augenblicken, so schlussfolgerte er aus den autoritären Worten Sedyusars, würde diese Unruhe auf den restlichen Haushalt übergehen. „Nehmen sie gefälligst ihre Schwerter von meinem Bodyguard und geben sie ihm die Möglichkeit sich zu erheben. Sie sollen verdammt nochmal diese Frau fest nehmen, nicht den Rothaarigen.“ Gerne wäre er enttäuscht darüber gewesen, dass sich sein Herr erst in dem letzten Satz auf ihn bezog. Anmerken ließ er es sich jedoch keinesfalls, zumal er... /Der Rothaarige/... "Tsk." Laurent schnalzte missbilligend mit der Zunge. Wahrscheinlich war das die sinnigste Bezeichnung, die einzige, mithilfe derer seine zukünftigen Kollegen ihn zu diesem Zeitpunkt sicher identifizieren konnten. So fasste er den Entschluss, wie er es gewohnt war zu tun. Er würde sich auch hier seinen Namen verdienen. Auf eine Weise, auf die ihn keiner vergessen könnte. Es schlich sich ein schmales Lächeln auf seine Lippen - wenn er eines war, dann sicher im Umgang mit Schwertern.
      Zuerst nahm der Rotschopf an, dass die die Schwerter weiterhin auf ihn richten würden und so schien es auch im ersten Moment, keiner der Männer regte sich. Erst als ein hochgewachsener blonder Herr mittleren Alters seine Waffe senkte und betont drohend zurück in die extravagant verzierte Scheide führte, machten es ihm die anderen beiden nach. Gemeinsam wandten sie sich dem Braunhaarigen zu, grüßten ihn durch eine Verbeugung, anschließend wandten sie sich erneut um und bedeuteten ihm - angedeutet durch eine Handgeste -, dass er aufstehen sollte. Für eine gute Idee hielt er das eigentlich nicht; wer konnte schon wissen, was die falsche Bedienstete noch tun würde. Viel anderes blieb ihm jedoch auch nicht zu tun übrig, schließlich befand er sich in keiner Position, in der er die Aufgabe hatte, zu denken. Laurent löste seinen Körper von dem der Frau, konzentrierte sich dennoch und wartete auf die kleinste Bewegung. Notwendig war das aber kaum. Der schmale Körper verharrte regungslos am Boden, bis die zwei zögerlichen Kämpfer ihn aufsammelten. Ihr Gesicht zeigte keine Spur mehr von der eisernen Entschlossenheit und ebenso wenig von der Panik, nachdem ihr Plan fehlgeschlagen war. Mit den geschlossenen Augen, leicht geöffneten blutroten Lippen schien es beinah so, als würde sie friedlich schlafen. Wäre da nicht der groteske Kontrast zwischen dunklem Haar, blassen Haut und rotbraunen, feuchten Flecken. Sie konnte ebenso gut bereits übergetreten sein - was ein Ärgernis wäre. Sich abwendend ließ er die drei Personen hinter sich den Raum verlassen.
      "Junger Herr-" setzte er an. "Minna, das Dienstmädchen, das eben in der Tür gestanden hat--" er dachte über eine bessere Beschreibung ihrer Person nach, fand aber keine. Würde das seinem Vorgesetzten überhaupt bei der Einordnung seiner Bediensteten helfen? Kannte Sedyusar die Gesichter der Villa? Bestand für ihn ein Wert in den kleinen Menschen hier? Rasch schob er die Gedanken beiseite, sprach nach einer kurzen stillen Phase wieder an. "Sie sollte heute die Bedienung übernehmen. Deswegen kehrte ich um, bevor ich mich ausrüsten konnte. Das Dienstmädchen wird wohl den Butler ebenfalls informiert haben, junger Herr." Betont loyal legte Laurent beim Sprechen beide Hände in den Rücken, nahm Haltung an. Das Verhalten seiner zukünftigen Kollegen brachte ihn zum Denken, vor allem infolge von Sedyusars Worten, die doch sehr harsch waren und auf Inkompetenz der Angestellten anspielten. Langsam meinte der Neueingestellte den Grund seiner Einstellung zu verstehen.
      "Herr van Jadwort." Nun endlich erhob auch der ältere Schwertträger die Stimme. "Bei der Überprüfung des Personals werde ich mich persönlich beteiligen. Ich schlage vor, dass sich ihr Bodyguard-" die Betonung des Wortes war merkwürdig, störte ihn "-dieser Aktion ebenfalls anschließt, um sich mit den Arbeitenden vertraut zu machen." Obwohl es Vorschläge waren, die der Mann unterbreitete, klangen sie ganz anders als es solche tun sollten. "Sobald die Frau bei bewusstsein ist, leiten wir die Befragungen ein."


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    • Sedyusar Faerion III van Jadworth

      „Minna, ich verstehe... vielleicht wäre es von Vorteil, wenn ich mir in Zukunft die Pläne der Angestellten ansehe, um solche Ungereimtheiten selber erkenn zu können. Wie auch immer, das war eine überaus gute Schlussfolgerung von ihnen Sir von Greifenreid.“, nickte der junge Adelssohn und er konnte selber fast kaum glauben, dass er den eben noch frechen jungen Mann nun auch noch lobte, aber nur wenige wären in der Lage gewesen so schnell zu schalten und eins und eins zusammen zu zählen, es hätte zahlreiche andere Gründe geben können, wieso sich die Personalfrage mit einem Mal geändert hatte oder die fremde Frau hätte einfach etwas falsch verstanden haben können. Es wäre auch nicht das erste Mal gewesen, wenn eine Dienstmagd sich den Post ihn zu bedienen erschlichen hatte, um Avancen ihm gegenüber zu machen, aber das war eine andere Geschichte.
      Sedyusar war von seinem Schreibtisch wieder hervorgetreten, lehnte sich nun mit dem Rücken gegen diesen und blickte mit verschränkten Armen dem älteren Schwertträger entgegen, welcher die Stimme erhoben hatte, doch nachdem er die Worte dessen vernommen hatte, hob er nur fragend die Augenbraue und starrte ihn an, als würde er sich fragen, ob er diese Worte gerade wirklich von sich gegeben hatte.
      „Sir Graham, habe ich sie gerade richtig gehört? Gerade hat eine fremde Frau in meinem eigenen Haus versucht mich umzubringen und sie haben nichts besseres zu tun als mir vorzuschlagen meinen Bodyguard ein weiteres Mal von meiner Seite weichen zu lassen? Unter normalen Umständen hätte ich mich ihrem Vorschlag vielleicht eingeschlossen, eigentlich fühlte ich mich immer sicher in dem Anwesen meiner Familie, aber wie es scheint haben wir hier wohl einige Lücken zu füllen, nicht wahr? Auf ihre Soldaten konnte ich mich jedenfalls nicht verlassen, also wird er mir nicht mehr von der Seite weichen... gleich nachdem wir Sir von Greifenreid mit einem Schwert ausgestattet haben.“, seufzte der Adelige letztendlich, als ihm ein weiteres Mal auffiel, dass dem Rothaarigen eine Waffe fehlte und er zweifelte daran, dass er ihm ohne groß von nutzen sein würde, also würde er ihn wohl oder übel zu den Waffenkammern seiner Familie begleiten müssen.
      Verwundert blickte Sedyusar auf, richtete seinen Blick auf die Frau, die sich noch kein einziges Mal geäußert hatte, sie schien sich auch nicht gerade zu wehren, doch es wirkte nicht, als hätte... ein weiterer Seufzer entfuhr dem jungen Mann. Natürlich. Offensichtlich wollte heute nichts gutes geschehen, was?
      „Die Befragung können sie sich sparen, wie haben ihre Männer nicht bemerkt, dass die Frau nicht mehr atmet? Offenbar haben wir es hier mit Profis und nicht nur einem Amateur zu tun. Wie auch immer, Sir von Greifenreid? Folgen sie mir, wir besorgen ihnen endlich ihr Schwert.“, befahl Sedyusar ohne mit der Wimper zu zucken und wollte das Zimmer verlassen, ehe er stehen blieb und es sich anders zu überlegen schien.
      „Und entfernen sie sicher den Tee samt der Schokolade, ich habe die Befürchtung dass es sich um Gift handelt.“, kam ein letzter Befehl von seinen Lippen, ehe er sich wieder in Bewegung setzte.

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    • Laurent Glinton von Greifenreid

      Beinah wäre der junge Schwertkämpfer einem Lachen erlegen, schaffte es dann aber doch, sich zu beherrschen. Es schein zwischen dem jungen Herren und den Kämpfern des Hauses so einiges im Argen zu stehen, wie die Dynamik im Verlauf der eben ablaufenden Konversation verdeutlichte. Darüber wollte sich die neuste Addition dieses Standes zwar keine Gedanken machen - das Nachdenken über Machthierarchien genügte ihm bereits auf der äußeren Ebene, also die durch diverse Regelungen festgeschriebene und juristische Stellung. Gesegnet mit der Kompetenz, diese zwischenmenschlichen Aushandlungen zu durchbrechen, war er nicht im geringsten, was sich am deutlichsten im Mangel von Etiketten ausdrückte - so wirklich störte ihn das aber nicht, denn bisher tat dies seiner zwar noch jungen Karriere keinen Abbruch: Das Glück ist mit den Dummen.
      Wie er seinem zu schützenden Subjekt zuhörte, der den älteren Herrn - Sir Graham - zurechtwies, machte sich etwas wie Schadenfreude in ihm breit. Wie er die älteren, alteingesessenen und selbstgefälligen Herren bisher kennengelernt hatte, würde dieser die Humiliation gegenüber seinem Zimmer - oder noch wahrscheinlicher, gegenüber den jüngeren Ritteranwärtern - ordentlich auslassen. /Was ein Glück, dass ich aus der Zeit raus bin./ Und außerdem nahm der Herzogserbe ihn in Schutz und unter seine Befehlsmacht! Das erfreute ihn zusätzlich.
      Die nächsten Worte versetzten seiner Stimmung hingegen einen deutlichen Dämpfer: „Die Befragung können sie sich sparen, wie haben ihre Männer nicht bemerkt, dass die Frau nicht mehr atmet? Offenbar haben--“ mehr hörte er gar nicht mehr davon, die Laute verschwammen ineinander und schafften es nicht mehr, sich zu sinnhaften Einheiten zusammenzusetzen. „Das ist—“ floss es stumpf aus ihm heraus und ohne, dass er es merkte. Einen Menschen zu töten, das ging schnell. Hatte er es wirklich getan? Er hatte es nicht bemerkt, war von einer Ohnmacht ausgegangen. Ein etwas, wie ein statisches Rauschen, übertönte die Umgebungsgeräusche /Rsch--/ Reue? Nein, das war keine Reue. Warum auch? Er hatte seine Pflicht erfüllt, mehr nicht. Und diesen Ausgang der Dinge nicht beabsichtigt, es war--
      Erst in dem Moment, in welchem sich Sedyusar in Bewegung setzte, fand er wie automatisiert – wie durch einen natürlichen Reflex gesteuert – zurück in das Jetzt. „Ist sie tot? Wie kommt Ihr zu dem Schluss, dass sie tot ist? Nein, wie haben Sie den Angriff abgewehrt? Was das Magie?“ In seiner Stimme brannte ein feuriger Hunger auf Antworten, eine ehrliche und beinah kindliche Neugierde. Nah positioniert an seinem Herren verließ er zusammen mit ihm den Raum. Von dem Versuch einer Rechtfertigung seiner Handlungen war nicht die geringste Spur vorhanden. Zähneknirschend blieb der ältere blonde Ritter im Büro zurück und fand sich auch nicht eines einzigen weiteren Blickes gewürdigt. Eine Hand war fest zur Faust geballt: „Tsk.“


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    • Sedyusar Faerion III van Jadworth

      „Natürlich war das Magie.“, gab der Erbe des Hauses wie aus der Pistole geschossen von sich, sich wundernd wie sein eigener Bodyguard das nicht wissen konnte, sprach es sich nicht in der hohen Gesellschaft herum wie ein Lauffeuer? Sedyusar Faerion der Dritte, der strahlende Stern am Himmel des Adels, geschickt im Umgang mit Magie wie schon lange keiner mehr? Es war so selten mit Magie geboren zu werden, selbst im Adel, dass er davon ausgegangen war mittlerweile würde es jeder wissen, aber offenbar war es nicht bis zum kleinen Adel durchgedrungen, oder sein Bodyguard war sich schlicht und einfach nicht bewusst, wie wichtig es war mit Gerüchten und Gerede auf dem Laufenden zu sein. Sonst könnte das der soziale Tod von einem sein.
      „Die Frau atmet nicht mehr, sie regt sich nicht, die Flecken waren eindeutig Blut... müsstet ihr nicht besser eine Leiche erkennen können, als ich? Als Ritter, als Leibgarde? Oder sagt bloß ihr habt noch nie zuvor eine tote Person gesehen oder gar getötet? Ich hoffe doch sehr ihr wärt im Notfall bereit dazu.“, seufzte Sedyusar, welcher mehr als genug Attentate hinter sich gebracht hatte, um anhand eines Blickes sagen zu können, wenn Gift im Spiel war.
      Das erste Mal, als sich ein Assasine direkt vor seinen Augen umgebracht hatte, um einem die Möglichkeit zu nehmen Informationen aus diesem zu bekommen, war er gerade einmal zehn Jahre alt gewesen. Es war ein schrecklicher Anblick, der ihm noch heute ins Gedächtnis gebrannt war und bis heute verstand er nicht, welche Überzeugungen einen zu solchen Taten drängten, doch Fragen konnte er nicht, nicht mehr.
      Er nahm an dass die Frau irgendwo in ihrem Mundraum Gift versteckt haben musste, nichts ungewöhnliches und er schalte sich selbst dafür nicht daran gedacht zu haben, aber er konnte es auch nicht mehr rückgängig machen. Vielleicht hatte sie gar ein Stück Schokolade zu sich genommen und diese ist geschmolzen, wer wusste das schon?
      Er konnte nur hoffen, dass die Soldaten selber auf die Idee kamen zunächst den Grund ihres Todes zu untersuchen, bevor sie die Leiche loswerden würden, doch noch einmal zurück kehren um einen weiteren Befehl auszusprechen, wollte er auch nicht.

      Bei der Waffenkammer angekommen begrüßte Sedyusar den verantwortlichen mit einem Nicken und bekam ein fröhliches „Guten Tag junger Herr! Man sieht sie wirklich nicht oft hier, womit kann ich helfen?“ zu Begrüßung, ehe der angesprochene junge Herr auf seinen Begleiter wies.
      „Darf ich vorstellen? Sir von Greifenreid, mein neuer Bodyguard. Wie sie vielleicht sehen können benötigt er noch eine Uniform und ein Schwert, ich hoffe doch sehr sie können ihm dabei behilflich sein.“, erklärte er die Situation kurz und knapp und der Ritter wurde von dem Waffenmeister der Jadworths mit vor der Brust verschränkten Armen für einen Moment gemustert, ehe er mit einem Grinsen im Gesicht nickte.
      „Natürlich, natürlich! Nur einen Moment, wir sollten eine Uniform in der Größe haben, du darfst dich gerne schon mal nach einem Schwert umsehen, vielleicht gefällt dir ja eins? Oh... verzeihung, Ritter werden ja gerne gesiezt, nicht wahr?“, verschwand der Waffenmeister mit diesen Worten kurz in einem Hinterzimmer des mit Waffen gefüllten Raums, um die besagte Uniform zu besorgen.
    • Laurent Glinton von Greifenreid

      Unbewusst spannte der junge Mann seinen ganzen Körper an, als er die Bestätigung dessen von Sedyusar bekam, was er bereits geahnt hatte: Es war also tatsächlich Magie gewesen. Wie spannend! Ein eisiges Kribbeln ergriff seinen Nacken und umschloss diesen fest; es stand in einem deutlichen Kontrast zu der aufgeregten Neugierde im Rest seines Körpers. Dass sich sein neuer Meister diese wundersamen Mächte zu eigen gemacht hatte, war ihm vorher so nicht bekannt - schließlich war sein Interesse an dem Gerede der Adeligen nur marginal vorhanden. So war sein Staunen durchaus gerechtfertigt, eigentlich. Hätte sich der Ritter etwas weiter über das Ganze Gedanken gemacht, dann wäre ihm unter Einbezug der langen und wahrscheinlich ruhmreichen Vergangenheit des Hauses Jadeworth die endlose Logik der Sache aufgefallen. Aber das war nun wirklich nicht seine Art. Bevor Laurent eine Chance hatte, geleitet durch unangemessene Neugierde weiter nachzubohren, ergriff Sedyusar den Fluss der Konversation zielorientiert und ohne auch nur dem Hauch eines galanten Ausweichmanövers: Die gezielten Worte trafen den Rotschopf unerwartet und gleichermaßen heftig; natürlich hatte er tote Menschen gesehen und natürlich auch solche produziert. Schön war das sicherlich nicht, aber es gehörte nun einmal zu seinen Aufgaben dazu - auch wenn es jedes Mal eine Überwindung war, das kalte Metall durch den hitzigen Körper eines Menschen zu führen. Er öffnete den Mund, wollte etwas erwidern und seine angezweifelte Kompetenz wiederherstellen: Klar habe ich Menschen getötet! Mein Bodycount liegt bei mindestens xy! Etwas der Art lag ihm auf der Zunge, bis er die Ausdrücke schamvoll herunterschluckte; im Hals hinterließen sie ein trockenes Gefühl der Beklommenheit. Letztlich war das nichts Ehrenhaftes an Mord, mit dem sich ein jemand brüsten dürfen. Als Antwort auf die sichtliche Missbilligung seines jungen Herren senkte der Ritter daher nur seinen Kopf. Blutrote Strähnen umspielten seine Züge, die - wenn auch nur für einen kleinen Moment - jeglichen Rest kindlich naiver Freude einbüßten. Die ansonsten losen Lippen formten sich zu einem ebenso schmalen wie stummen Strich. Er wagte es nicht, Widerspruch einzulegen.
      Stumm folgte er hinter dem jungen Herzogssohn, wobei er den restlichen Weg über schwieg - jedenfalls äußerlich. Seiner ansonsten fast einfältigen Natur entgegen drehten sich die Gedanken in seinem wirren Kopf: Der Tod war ihm seit dem Verscheiden seines leiblichen Vaters ein ständiger Begleiter. Doch die Unsicherheit darüber, ob er ohne die Intention zu hegen und es wirklich getan zu haben, warf ihn aus der Bahn.

      Diese bittere Verstimmtheit blieb auch dann noch, als die beiden in der Waffenkammer der Familie eintrafen. Nichtsdestotrotz war sich der junge Ritter seiner Pflicht bewusst und bemühte sich um eine interessierte Aufmerksamkeit - schließlich wurden hier wichtige Entscheidungen getroffen, die im Ernstfall tatsächlich zwischen Leben und Tod Sedyusars entscheiden würden - und damit zwangsläufig in einem Urteil bezüglich des Lebens von Laurent resultierten. Selbst dem simplen Geist des Rotschopfes lagen diese Gedankengänge nahe. Und auf diese Weise übertrug sich auf ihn ein Anteil der herzlich begeisterten Stimmung des Schmiedes. Zur Bestätigung der Vorstellung seiner Person nickte er, dann ließ er seinen Blick fachkundig von einer Waffe zur anderen schweifen. Entgegen des ersten Eindruckes und den Befürchtungen des jungen Mannes, die ihn ergriffen hatten, während er die drei Ritter kennenlernen durfte, war der Raum gut aufgestellt: Die Atmosphäre war in einer heimeligen Weise gemütlich, trotz des vielen kalten Metalls überall an den Wänden und den hölzernen Ständern. In einer Ecke konnte er eine Reihe von Schilden ausmachen, die zu einem großen Teil in einem dunklen Blau bemalt waren. "Was das gekostet haben muss--" Einen dermaßen satten Farbton zu erreichen war teuer und aufwendig, das fühlte er fast intuitiv; die Abwehrapparate waren von einer solchen Aura umgeben. So richtig praktikabel sahen sie nun nicht aus, aber was wusste er schon von der Schildkunst. Sein Interesse und Talent lag im Umgang mit Schwertern, da zog er es auch auf dem Schlachtfeld vor, Schildträgern eher auszuweichen. Es fiel ihm schwer, den Blick von den Kunstgegenständen zu lösen und ihn zurück zu den ordentlich sortierten Objekten am Boden zu lenken.
      Er war äußerst dankbar dafür, sich nicht vermessen lassen zu müssen für die Uniform seiner neuen beruflichen Familienzugehörigkeit. So angefasst zu werden, fühlte sich immer etwas merkwürdig - ja wenn nicht sogar falsch - an. Vor allem dann, wenn es Frauen waren, die ihn dermaßen intim anfassten - bei Männern war es anders, schon fast ungewöhnlich, sich nicht zumindest einmal nackt gesehen oder irgendwelche unsinnigen Mutproben dazu durchgeführt zu haben. Das gehörte halt dazu. Eine Waffe in abgegriffener, ledernder Scheide zerrte Laurents Aufmerksamkeit penetrant auf sich. Auf den ersten Blick sah es ganz gewöhnlich auf - und auf den zweiten noch mehr. Aber das war es, das ihm gefiel: Die äußere Hülle wies deutliche Gebrauchsspuren auf, einen deutlichen Kontrast dem gegenüber bildete der Zustand des Heftes, das in einem deutlich besserem Zustand war. Zielstrebige Schritte raschelten durch die Kammer, stoppte vor dem Objekt seiner Begierde und fuhr bedacht mit den Fingerspitzen über den unspektakulären Knauf. Da würde auch keine Politur mehr helfen, die vom Schweiß eingebrannten Verfärbungen waren vermutlich irreversibel. Begleitet von einem metallenem "Zzzing" befreite er die Klinge. Sie fühlte sich gut in seiner Hand an, der Griff schmiegte sich regelrecht an ihn - aber irgendetwas stimmte mit der Balance überhaupt nicht; er zog die Augenbrauen zusammen, wog den Schaft hin und her. "Hmm-" Lag das an der Schmiedetechnik? "Aber die Qualität stimmt--" Einseitige Belastung der Vorbesitzer? Unwahrscheinlich. "Junger Herr, versteht Ihr etwas von Schwertern?" Er wandte sich um und versicherte sich, dass genügend Abstand zwischen Sedyusar und ihm bestand, um einige Hiebe und Stiche durchzuführen. In den Bewegungen war keinerlei Anstrengungen enthalten, stattdessen machten sie einen beinah entspannten Eindruck: Die Klinge säuselte belustigt durch die Luft. "Was ein interessantes Ding!" stieß er aus, ein brennendes Funkeln war in seinen Blick getreten und die bedrückenden Gedanken an die vorige Konversation vollständig vorbeigezogen. "Was sagt Ihr dazu?" Treue Augen funkelten dem Herzogssohn entgegen.


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