The Dragon‘s Palace [Sachiko & Attari]

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    • The Dragon‘s Palace [Sachiko & Attari]

      @Sachiko
      @Attari
      ————
      VORSTELLUNG
      ————
      Eigentlich hätten tausende Laternen die Straßen der Hauptstadt erleuchten sollen, um an den Geburtstag des Kaisers zu erinnern. Die Straßen wären auch zu finsterster Stunde noch von hellem Licht und reges Leben würde sich über die nächtlichen Märkte regen. Och so kam es nicht… Der Kaiser war verstorben und seine gebrochene Frau wollte nicht seiner Lebzeiten gedenken, wo sie Ihre jahrelangen Fels doch erst verloren hatte. Der Kaiserin sagte man Loyalität und Tugend nach. Egal welcher Frau ihr Mann in seinem langen Leben auch nach gelechzt war und wie sehr er das gemeinsame Bett verschmäht hatte, hatte sie niemals einen anderen Mann zu sich geladen. Er war der einzige für sie gewesen, seid ihrem ewigen Versprechen bis zum Tage seines weltlichen Ablebens… Kalt erstarrt hatte sein unberührter Körper in den Gemächern verharrt und die Frau an seiner Seite. Monate zerrender Natur lagen nun hinter ihm, nicht mehr länger würde sein Wille am Leben halten und der Tode an die ungeöffnete Türe klopfen.
      Während die Kaiserin loyal war, sahen die Menschen des Kaisers Favoritin in einem ganz anderen Licht.
      Ihre pure Schönheit stellte auch im fortgeschrittenen Alter noch alle Anderen in den Schatten... Im Gegensatz zu den Anderen Damen am Hofe schminkte sie sich nur dezent, das was der Himmel ihr geschenkt hatte nicht ruinieren wollend. Sie zeichnete sich mit äußerster Eitelkeit und Erhabenheit aus.
      Der Kaiser hatte seine Konkubinen einst Nacht für Nacht besucht, bis sein Samen in ihr zu wachsen begann. - So hatte er es mit jeder von ihnen getan... Nur ein Kind schenkte jede Frau ihm, denn danach besuchte er sie nie wieder. - So hatte er es auch bei Lady He getan… Doch er fand sich wieder und wieder im Zimmer der schönen Frau. Manch ein Mund munkelte gar, dass er ihr Gifte verabreichen ließ, die sie nicht schwanger werden ließen, sodass er länger die Nächte bei der Frau bleiben könnte. Doch auch sie erfüllte ihrem Mann eines Tages den Wunsch nach noch mehr Söhnen. Die Geburt ihres Sohnes festigte ihre Position im Harem und machte sie in jenem Moment für jeden Neider unantastbar, sie konnte sich Stolz und Eitelkeit in jedem Maße leisten.
      Ihr Sohn trug den Namen He Qi Tian. Für die Lady He war der kleine Junge alles, was zwischen ihr und den Neidern aus dem Harem stand… Solange er existierte und von Bedeutung war, konnte niemand ihr etwas anhaben…
      Umso erschreckender die Nachricht, welche ein paar Jahre später um den Hofe kreisen sollte. Ein schrecklicher Unfall ereignete sich und raubte dem Kind fast das Leben. Dem Medikus nach wäre sein Tod wohl ein gnädiges Urteil der Götter gewesen. Doch schwerst verletzt und gebranntmarkt für alle Tage, sollte er überleben…!
      Die leichten Stoffbahnen, welche sein Zimmer wie Vorhänge dekorierten, bewegten sich in einem unregelmäßigen Muster, ganz der Laune des Windes nach. Ohne genau zu überlegen, folgte er der Briese. Er bewegte sich genau auf das Fenster zu, suchend streckte er eine Hand strebend nach Orientierung von sich. Eine neue Windböe, welche direkt in sein Gesicht wehte, weckte ihn auf seiner Fixierung. Etwas verspätet hob er den Arm als Schutz hinauf, als erwartete er eine weitere Böe. Jedoch folgte nichts, außer weiteren tapsenden Schritten, die sich der Grenzen des Raumes nicht bewusst zu sein schienen.
      Das Licht der Sonne ließ neben dem Tau auch das ascherne Haar in einem glanzvollen Silberschein erstrahlen, während der Wind es zum Tanzen brachte. Ein sanfter Duft der Blumen, gemischt mit einer angenehmen morgendlichen Frische, bewegte sich in seine Nase. Er genoss diesen Augenblick der Ruhe und stieß schließlich erleichtert die Luft wieder aus. Er machte noch einen Schritt weiter, ließ die Hände auf der Suche nach einem bekannten Punkt durch die Lüfte wandern. In ruhiger Natur suchte er weiter… fixiert auf das was er vor sich vermutete…
      „ Mein Prinz! …“
      Die Stimme erstickt an den Worten, welche scheinbar im Mund des Sprechers hängen geblieben waren und es gar nicht erst bis in sein alarmiertes Ohr schafften. Er hatte sich in Richtung des Lautes gewandt, vernahm folgend die nun mehr aufgeregt ertönenden schweren Schritte von mehreren Personen. Kaum später fand er sich umzingelt wieder, doch blieb in aller Ruhe stehen.
      „ Prinz He Qi Tian!“
      Es war eine bekannte Stimme, die er in den letzten Wochen vermutlich häufiger gehört hatte, als sonst eine. Sein Kopf wanderte hinauf, wobei er auch die bisher verschlossenen Augen öffnete und das trübe Grau auf die vor ihm stehende Person richtete. Des Palastes Medikus, welcher bis vor kurzem die Seite des Kaisers kaum eine Sekunde verlassen hatte… Doch jener war Tod und Qi Tian unbekannten Gründen zu verschulden, hielt sich der Alternde nun des Öfteren in seinen Zimmern auf. Qi Tian hob langsam eine Hand, sich an den Kopf fassend und einen leisen Hauch der Klage von sich gebend. Des Medikus Hände ergriffen die Hände des Prinzen, einen flüchtigen Blick über seine glasigen Augen wandernd. Medikus Xiong Bao blickte über des Prinzen Kopf hinaus aus seine Begleitung, welcher er mit einem stummen Nicken zu verstehen gab die Medizin anzurühren und ihm zu reichen. Seiner Order wurde umgehend Folge geleistet, während er selbst den Prinzen zurück ins Innere des Raumes zog, weg von den Fenstern auf ein in Holz gerahmtes Bett zu. Darüber lagen Felle und Decken aus allerlei wertvollen Stoffen.
      Xiong Bao legte seine Hände auf die schmalen Schultern He Qi Tians um und drückte ihn hinab. „ Mein Prinz, Ihr habt einen schwachen Körper. Ihr müsst euch ausruhen und besser auf Euch achtgeben! Welcher Dämon ritt Eure Gedanken, das Bett zu verlassen?“, in seine Stimme lag vorwurfsvolle Stränge und ein seltsamer Druck, während er in ein apathisch anmutende Gesicht blickte. Xiong Bao versuchte in jeglicher Form Respekt vor dem Prinzen zu wahren, welchen er vor all diesen Jahren nach seinem Unfall behandelt hatte. In so vielen Arten ähnelte der Prinz seiner lieblichen Mutter. Ihr gleich besaß er eine zarte Gestalt, liebliches Gesicht und ihre Reinheit in den Augen. Wäre er ein Mädchen geworden, würden sich heute wohl die potenziellen Ehepartner für die Prinzessin um ihre Gunst duellieren… Doch er war ein Sohn des Kaisers, von welchem man Heldenmut und Kraft erwartete, nicht die Tugenden einer Tochter.
      Die schon schmalen Augen des heilkundigen Mannes verengten sich weiter, als er erneut seinen Blick über des Prinzen fahle Haut wandern ließ. Die trüben Augen, welche einst leuchtend blau waren, wurden neben den schwarzen Wimpern ebenfalls von Narben umrahmt. Qi Tian wirkte hilflos, in seinem Zustand brächte er dem Thron und der Dynastie keinen Nutzen… Außer einem!
      „ Dies alles geschieht aus Rücksicht auf Eure Gesundheit…!“
      Der Medikus nahm die Schüssel mit bräunlichem Inhalt entgegen. Der frisch erhitzte Inhalt qualmte leicht und ließ einen unerträglichen Duft in die Nase des Prinzen stiegen, welcher ihm die erste Reaktion entlockte. Angewidert wandte er sich ab, doch verweigerte nicht die Einnahme der Mischung…
      Noch Minuten später hielt sich der Medikus in den Zimmer He Qi Tians auf. Der alte Mann hatte zwei Finger an dessen Handgelenk platziert und überwachte das matte Pochen seines Pulses. Angestrengten Blickes betrachtete er den fiebernden und seinen flachen Atem. Letztlich nahm er seine Hände von der schlafenden Gestalt und wandte sich zu seiner Begleitung.
      „ Der Tag des Regenfestes liegt in der Zukunft! Ich muss leider befürchten, dass der Prinz bis zu jenem Tage nicht überleben wird!“
      Xiong Bao war unwissender, als er tatsächlich wirkte. Erst nachdem er den Tod des Kaisers bezeugt hatte, traten wichtige Personen an ihn heran und betrauten ihn mit der Aufgabe Prinz He Qi Tian zu überwachen. Sie haben ihm seltsame Anweisungen und die Pflicht sich an jene zu halten.
      Der alte Mann erhob sich. „ Ich werde den Priester davon in Kenntnis setzen müssen…“
      Des Medikus Weg zum Heiligtum des Yulong war ein langer und mühsamer.
      Der Duft frischen Regens lag in der Luft. Die auf der Natur lauernden Perlen hatten sich noch nicht gänzlich zurück begeben und erstrahlten im Sonnenlicht. Jene durchbrach so eben die festen Wolken, welche den Feldern rund um die Stadt das benötigte Wasser geliefert hatten.
      Ein Gong hallte durch die Luft, mahnte an seiner verstorbenen Majestät zu gedenken. Ryong Shao Fan blickte auf. Den jungen Mann plagte der Anblick des Drachen am Tempel des Yulong. Wann immer seine Augen die goldene Kreatur erblicken, so huscht ein verschwommener Gedanke an eine verschwommene Gestalt vor sein inneres Auge. Von jungen Zügen, flehend um Hilfe… suchte sie ihn des Nachts in den Träumen heim…
      Der Wächter sollte später lernen, dass der Todestag des Kaisers mit jenem Tage, an dem seine verhängnisvollen Träume begannen, übereinstimmte! Der Gong war eine Warnung!
      Ein schwerer Seufzer kletterte über seine Lippen hinaus in die Lüfte. Die Wärme seines Atems formte im Antlitz der kalten Jahreszeit eine feine Wolke aus Nebel, deren verschwinden Shao Fan apathisch betrachtete. Schritte nährten sich des Tempels Eingang. Ein ihm unbekannter Mann, der des Öfteren kam in den letzten Tagen nährte sich. Der Wächter senkte seinen Blick ab, neigte sich respektvoll vor den Ranghöheren gen Boden, ehe er Jene beiden in den Tempel geleitete…
      Hohe Wände aus Stein und verziert mit Malereien säumten ihren Weg. Sie zeigten Drachen und Menschen in ihrer scheinbar natürlichen Haltung. Der Sterbliche war den mächtigen Kreaturen untergeordnet, brachte ihm Opfer dar und erbat dessen Gnade. Er beachtete die Malereien schon gar nicht mehr, so sehr hatten die Bildnisse sich schon in seinen Kopfe gebrannt! Den Blick starr nach vorn gerichtet, erkannte er als erstes die sich nähernde Gestalt: Eine schmale Frau, ihr faltiges Gesicht unter einer weißen Kapuze versteckend, trat sie aus dem Innersten Heiligtum heraus. Was hinter diesen Türen lag, wussten nur die Priester…
      Ryong Shao Fan wich zur Seite aus, sodass die Blicke der Personen sich zu treffen vermochten. Ohne verbale Kommunikation gaben sie sich mit einem Nicken zu verstehen, dass es ein paar Ohren gab, das für diese monumentale Information nicht bestimmt war!
      Sie entwichen dem Flur in eine der anliegenden Kammern, die Neugierde in dem loyalen Soldaten allerdings schürend.
      Niemand hier war dumm. Im Quartier tuschelte man darüber. Welche Person heute kam, einige berichteten, sie hätten den ältesten Prinzen ein und aus gehen sehen und andere erzählten von Geistern…
      Shao Fan hielt sich still in solcherlei Gesprächen und gab nicht mehr als die Fakten preis. Die ominösen Fakten, die sich niemand erklären konnte… Leute die ein und aus gingen, die vermehrten Zeremonien und Opfergaben…

      „ Nein!“
      Rief eine laute Stimme aus, die er sehr wohl dem obersten Priester zu zuordnen wusste. Alarmiert trat er an die Türe und begann zu horchen.
      „ Es ist an der Zeit den Kronprinzen einzuweihen! Etwas derart monumentaler Natur ist nicht länger nur unserer Geheimnis! Informiert Meister (?) Shen und die anderen Mitglieder…“
      Shao Fan zuckte zurück. Was hatte er gerade gehört?!

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    • ➶➶➶ Wei Yuxuan ➷➷➷

      Für einen Mann wie Wei Yuxuan war die Welt ein Ort, den man nicht so schnell erschüttern konnte. Selbst der Tod seines Vaters hatte für ihn die Zeit weder zum stillstehen gebracht, noch sein Herz gebrochen. Wieso sollte er weinen, wenn er doch so viele Männer in seinem Leben hatte sterben sehen, auf den Schlachtfeldern, kämpfend für ihr Vaterland? Den Kaiser jedoch kannte Wei kaum. Selbst als ältester noch lebender Sohn eben jenes Herrschers, der mit Güte aber strenger Hand sein Reich führte, hatte er kaum Berührungspunkte mit dem alten Herrn gehabt. Wann immer er konnte, war der Alte sowieso bei seiner liebsten Konkubine gewesen, daran hatte sich seit ihrem ersten Treffen nichts geändert. Nun, wer konnte es ihm auch verdenken, denn Lady He war eine dieser Frauen, die bereits vor der Geburt von den Göttern gesegnet sein mussten. Ihre Schönheit hatte sich über alles erhoben, was der Hof je gesehen hatte.
      Yuxuans Mutter, Lady Wei, war selbst eine Augenweide in ihrer Jugend und auch ihr scharfer Verstand bestach jeden, der mit ihr sprach, doch gegen Lady He war ihr Kampf aussichtslos gewesen. Umso mehr hatte sie sich um ihr Kind gekümmert und für Wei Yuxuan das Leben erschaffen, dass sie sich immer erträumt hatte. Stark, mutig und ungezähmt war er schon als Junge, noch nicht ganz zum Manne geworden, auf das Schlachtfeld gezogen. Er hatte von den Besten gelernt und sich niemals unterkriegen lassen, egal wie aussichtslos es für ihn ausgesehen hatte.
      Einen Mann wie ihn erschütterte der Tod nicht, sondern viel eher das wankende Schicksal einer Nation, des Königreichs Gou. Wei Yuxuan hatte sich in seinen privaten Garten zurückgezogen, den er jeden Abend aufsuchte, sofern er sich im Palast befand. Verborgen hinter den Mauern des inneren Palastrings lag sein kleines Himmelreich, dessen Baumwipfel inzwischen blutrot leuchteten, auch ohne dass die Herbstsonne es küsste. Der Kronprinz saß mit geschlossenen Augen dort auf einem Felsen im Schneidersitz und ließ seinen Gedanken freien Lauf. Es würde nicht mehr lange dauern, bis die ersten Berater auf ihn zukamen und ihn daran erinnerten, dass er das Erbe des Kaisers antreten sollte – mit allem, was dazugehörte. Bald wäre er unter den Generälen nicht mehr einer von ihnen, sondern ihr Führer, ihr helles Licht in dunklen Zeiten und an so manchem Tag wusste Wei nicht, ob er dafür schon bereit war. Über den kräftigen Schultern des jungen Mannes lag nur locker ein Mantel aus Seide, durch dessen Öffnung zur Brust man die Tättowierung des Kronprinzen schimmern sah. Er hatte das Blut der Drachen in sich, so lautete die Legende, und genau darum hatte sich Wei Yuxuan dazu entschieden, auch seine Haut in die eines Drachen zu verwandeln. Die einzelnen Schuppen glänzten im Licht der Laternen, die die Finsternis der hereinbrechenden Nacht von ihm abschirmten.
      Leise näherten sich Schritte und der Prinz öffnete seine Augen, strahlend blau wie der Himmel an sonnigen Tagen, um zu sehen, wer ihn besuchen kam. „Shao Fan? Es erstaunt mich, dich zu so später Stunde zu sehen.“ Natürlich kannte der Kronprinz den Mann, der gerade auf ihn zuschritt. Er war der Sohn des Generals Ryong Xue Gang und sie beide, vom Alter her nah beieinander, hatten mehr als nur eine Schlacht zusammen geschlagen. Erst als sich Shao Fan entschieden hatte, zum Tempelwächter zu werden, hatten sich ihre Wege getrennt. Wei Yuxuan jedoch hatte für ihn immer einen besonderen Platz in seinem Herzen freigehalten, war er doch ein mutiger Kerl und so viel anständiger als so viele andere, denen die Zeit in der Armee die Seele zerfressen hatte. Auch gerade deshalb brachte es der Prinz nicht über sich, ihn mit seinem vollen Namen anzusprechen, es sei denn er musste. Für ihn war es nur Shao Fan, sein alter Freund. „Ist etwas vorgefallen, dass du mich hier besuchen kommst? Gibt es Ärger im Palast?“ Der Prinz erhob sich und strich seine Gewänder glatt, um nicht den Eindruck zu erwecken, er würde nur faulenzen und sich nicht um die Angelegenheiten des Palastes sorgen. Seinen Garten liebte er zwar, aber niemals würde er eine ruhige Minute zwischen den herrlichen Sträuchern über die Verantwortung als Kronprinz stellen.
    • ꧁ ❁꧂


      Als Shen Haoyu die Priester vor sich versammelt sah, fiel es ihm schwer, nicht einfach die Tür wieder zu schließen und sich den erfreulicheren Dingen des Lebens zuzuwenden. Ein Geheimnisträger zu sein war keine leichte Aufgabe, erst recht nicht dann, wenn eine Situation wie diese eintrat. Der Kreis der sieben Hohepriester, elf Priester und 23 Tempeldiener hatte sich zu ihm begeben und um Audienz gebeten. Die Familie Shen hatte eine Position inne, die niemand außerhalb des Hofes verstehen konnte, weil es selbst den meisten Bewohnern des Palastes schwerfiel, die komplexe Verbindung zwischen dem Kaiser und den Erben der Shen-Dynastie nachzuvollziehen. Haoyu hatte nur eines von kleinauf gelernt: er würde eines Tages eine wichtige Entscheidung treffen müssen und für diese sollte sein Verstand so scharf sein, wie das Auge eines Adlers, so aufgeweckt wie ein Fuchsjunges und so schnell wie ein gutes Pferd. „Lasst mich euer Gastgeber sein. Erweist mir die Ehre und tretet ein.“, sprach er zur gesamten Tempelgemeinde vor seinem Haus. In den inneren Rängen des Palastes gab es mehrere Häuser wie das seine. Groß genug, um beinahe selbst ein Dorf zu bilden, verwinkelt genug, um nichts nach draußen dringen zu lassen, was nicht nach draußen gelangen durfte und vor allem voll mit Wissen aus dem Anbeginn der Zeit bis zum heutigen Tag. Entlang an den Reihen von Schränken und Regalen, die beinahe aus allen Nähten platzten vor Schriftrollen und Büchern aus fremden Ländern, führte er die Gruppe der Männer in seine Teestube. Zumindest in die Teestube, die für Gäste ausgelegt war. Ein Hausmädchen hatte bereits vernommen, dass zu später Stunde noch eine Reihe von Herrschaften erschienen war und servierte bereits bei ihrem Eintreffen den Tee für sie alle. „Bitte, nehmt Platz.“ An Donghai, der oberste der Hohepriester, wies allen seinen Tempelmitgliedern einen Platz zu, bevor sie sich niederließen. „Meister Shen, wie bedauerlich, dass wir Euch aus Euren Studien reißen mussten. Aber es geht nicht anders, wir..“ Er schluckte. „Wir müssen etwas tun. Es geht um Prinz He Qi Tian und den Kronprinzen. Bisher haben wir getan, was der Kaiser uns aufgetragen hatte, aber wir können nicht im Geheimen weiter agieren.“ Shen Haoyu hatte sich ihm gegenüber gesetzt und hielt eine dampfende Schale Tee in der Hand. „Ihr wollt also dem Kronprinzen nun endlich die Wahrheit sagen?“, fragte er belustigt. „Lange genug gedauert hat es ja.“ Für Shen war es längst überfällig gewesen, Wei Yuxuan davon zu unterrichten, was zu seiner neu gewonnen Macht als Kaiser dazugehörte. Bisher war er es gewesen, der seine Brüder verabschiedet hatte in dem guten Glauben, sie starben für Land und Volk im Krieg, aber nun sollte er einen von ihnen wählen. Er musste sich entscheiden und mit dem Wissen leben, dass er sie opferte, dass er selbst den Schnitt durch die Kehle vollbringen musste, um Yulong seine Güte für weitere zwanzig Jahre abzuverlangen. „Wir müssen es. Xiong Bao sagt, dass der vierte Prinz nicht mehr lange durchhalten wird, wenn er weiter die Tinktur zu sich nimmt. Wir können und wir müssen das Opfer bald durchführen.“ Seufzend stellte Haoyu seine Trinkschale beiseite. Der Zeitpunkt hatte irgendwann kommen müssen, also würde er sich seiner Bürde würdig erweisen. „Gut, dann lasst mich im Morgengrauen den Hofstaat einberufen. Der Kronprinz soll noch bis zum nächsten Vollmond als Kaiser gekrönt werden. Bis dahin hat er Zeit, sich für ein Opfer zu entscheiden. Sagt dem Quacksalber, er soll He Qi Tian nicht versehentlich umbringen, ja? Prinz Wei Yuxuan wird seine Wahl treffen, aber er soll frei entscheiden können und nicht aus Mitleid für einen armen Kerl, der ohnehin im Sterben liegt.“ Mit diesen Worten erhob sich der feengleiche Gelehrte, dessen weiße Gewänder aus fließenden Stoffen um ihn tanzten, als würde ein leichter Wind sie mit sich tragen. Seine gesamte Erscheinung glich viel mehr einer Sagengestalt, als einem Menschen und in den Blicken der Tempelgelehrten lag die Furcht vor diesem weisen Mann, der so viel mehr Macht innehatte als sie und das ganz ohne seine Freiheit jemals aufgeben zu müssen wie ein Priester des Hofes. „Verratet mir nur eins..“, sagte er zu An Donghai, „Seid ihr völlig sicher, dass niemand etwas mitbekommen hat? Die Wände haben Augen und Ohren. Jeder Spion, jeder Mitwisser, dessen Loyalität für unsere Sache nicht völlig klar ist, muss vernichtet werden. Ohne Ausnahme.“ Ein Raunen ging durch die Reihen der Tempeldiener. „Welch Grausamkeit!“, rief einer von ihnen. Shens strenger Blick traf ihn sofort. „Grausam? Ihr seid Narren. Viel grausamer wäre es, den Zorn der Drachen auf uns zu ziehen. Wenn sie eines Tages unsere Felder niederbrennen und unsere Paläste einreißen wie in den Zeiten vor dem Handel mit dem Kaiser, dann werdet ihr weinend und schreiend daran zurückdenken, dass ihr ein einziges Menschenleben höher gewichtet habt, als das Wohl aller. Und nun geht, ich wünsche zu ruhen, bevor ich morgen unser aller Schicksal besiegele.“ Sobald seine Gäste sich entfernt hatten, würde Shen Haoyu genau dies tun, mit der Ausnahme, dass er noch eine Kleinigkeit erledigen wollte, bevor er sich zur Ruhe bettete. He Qi Tian würde selbst heute noch einen Besucher haben und bei diesem würde es sich nicht wieder um den Arzt handeln, sondern einen sanften Geist mit rehbraunen Augen, der ihm so gerne beim schlafen zusah.
    • Terror zeichnete die Augen Shao Fans. Schlimmer noch, als wenn er von den wiederkehrenden Albträumen heimgesucht würde und in Schweiß gebadet hochschreckte, flehend, dass jemand diesem Pein ein Ende setzte. Wann immer jene nebelhafte Jungstalt ihn befiel, schwaberte ein schwerer Schatten mit ihr. Shao Fan graulte es vor jeder Nacht und ihrer potenziellen Wiederkehr, welche ihm Hilflosigkeit aufzwang. Er sah zu, hörte es, doch war nicht fähig einzugreifen… Was sollte dies nur bedeuten?!
      Shao Fan hatte gehört, was niemandes Ohren hätten hören sollen. Eine Opferung… Die Opferung eines Prinzen… Prinz He Qi Tian… Man sah den jungen Mann kaum. Doch Gerüchte kursierten. Seid Jahren sagten die Priester und Gelehrten seinen Todestag voraus und immer wieder zerschlug er jede Vorhersage, in dem er einen Tag länger lebte, als prophezeit. Des Prinzen Leben hing am seidenen Faden, schon seid Jahren und nun nährte sich ein Messer jenes Seil zu durchtrennen und ihn letztlich dem Tode zu überlassen…
      Der Wächter hielt inne, blickend hinauf zur Statue Yulongs. Über seinem Kopf thronend in mächtiger Gestalt fragte er Jene, ob es nötig sei eine unschuldige und geschundene Seele zu verlangen. Für 20 Jahre Regen auf den Feldern Gous. Keine Antwort verließ das Maul des Drachen, keine Erkenntnis bahnte sich in Shao Fans Wirren Gedanken. Über jene dominierte letztlich das Mitleid für den jungen Prinzen und auch für den zukünftigen Kaiser.
      Er hatte einst an dessen Seite gedient. Mit verdreckter Rüstung und gebrochenen Schwert im Antlitz des Feindes stehend und jegliche Chance auf einen Sieg am entrinnen… Wie Yuxuan schaffte es dennoch das Blatt zu wenden. Vom Himmel war sein Pfad gesegnet und geebnet worden. Kein Leid sollte ihm widerfahren, bis er seine Rollen erfülle hatte. Shao Fan glaubte zwar an Schicksal, aber kein Segen des Himmels war Grund genug für die erstaunlichen Fähigkeiten und Vermögen jenes Mannes. Ein jeder schwor ihm die Treue und folgte ihm selbst in den aussichtslosen Kampf. Auch er einst, bis er jenem Leid den Rücken wandte und seine Fähigkeiten als Wächter zum stauben in den hinteren Teil seines Repertoires verbannte. Er wollte niemanden mehr töten müssen und keiner Manns Leben beenden. Zu oft musste er mir ansehen, welche leid ein einziger Tod verursachte. Die Kinder, die keinen Vater mehr hatten, die trauernden Frauen, deren ganze Welt ein Ende fand… Ihm graulte es davor, wie vor so vielen Dingen…
      Gezeichnet waren die Bäume in den Farben des Todes und der Liebe. Hand in Hand gingen jene menschlichen Tatsachen am liebsten. Shao Fans Augen bestaunten das ruhige Bild einer unerklärlichen Harmonie über seinem Kopfe. Hier thronte nicht länger ein strafender Drache, sondern einzig die Natur. Seine Füße hatten ihn gänzlich unbewusst hergetragen. Hinein in den Innersten Garten der kaiserlichen Residenz, wo genau seine Füße eigentlich keinen Schritt zu tätigen hatten. Er riss sich hinaus aus Bann und Trance, den Kopf schüttelnd.
      Schnell, ich muss hier weg! Nahm es seine Gedanken unverfroren ein. Shao Fan eilte leisen Schrittes auf sein Verhängnis zu: Der Kronprinzen persönlich!
      Schnell verneigte er sich, eine Entschuldigung und Ausrede bereit. Um Gnade flehen würde er, denn von dem fruchtlosen Mann der blutigen Felde war nichts mehr übrig geblieben. Doch seine Stimme erklang freundlich, nicht in der erwarteten strafenden Natur. Jahre trennten ihre letzte innige Interaktion und dennoch sprach er zu ihm, wie zu einem alten Freund. Shao Fan erhob sich zögerlich, die Frage nach dem Grund abwartend, ehe der Terror in seinen Kopfe zurück kehrte. Der einstige Krieger zuckte zurück, seinen Blick schweifend auf einen schattigen Fleck neben des Kronprinzen Gestalt. Im Schatten des Baumes wehten die seichten Gewänder seines Albtraums, langes Haar gesellte sich hinzu und imaginäres Flehen nahm seine Ohren ein. Shao Fan schüttelte seinen Kopf leicht.
      „ Mich Verfolgen die Geister…“, wisperte er ohne auf den Prinzen zu achten. Er fasste sich an die Stirn, den gepeinigten Blick nach der Gestalt suchen lassend, ohne ein Anzeichen des Geistes zu finden. Letztlich sah er dem zukünftigen Kaiser in die himmelblauen Augen. Ein Meer aus Träumen und beruhigend für jede geschundene Seele. So auch die seine…
      „ Verzeiht, Eure Majestät!“, er verneigte sich entschuldigend. „ Ich habe nicht geachtet, wo meine Füße mich hintrugen, als mein Kopf in den Wolken hing!“
    • Allein, kein paar Augen begaffte ihn länger, als sei er eine wertvolle Puppe. Jene aus feinem Porzellan gefertigten Kunstwerke, die so manch verrückter Kopf zu sammeln liebte. So for fühlte er sich wie eine von jenen… Behütet und zu einem Dasein im Schrank verdonnert!
      He Qi Tian fehlte die Kraft etwas zu tun. Ihn plagte Ruhelosigkeit und trotz aller Mattheit seiner Augenlieder fand er keinen Moment in die Welt der Träume zu entrinnen. Er würde sich wälzen, die Decken werfen und nach einem Mittel für Schlaf klagen… Könnte er dies denn noch. Ihm fehlte die Kraft. Seine Stimme war vor Wochen schon einem leisen krächzen gewichen, welches selbst feinste Ohren nicht in Worte zu übersetzen vermochten. So waren seine Lippen seid jenem Tage versiegelt und plagten die werte Mutter, welche einst alles in Bewegung gesetzt hatte das Kind ihres Geliebten Kaisers zu retten. Heute, nach dem Tod des Vaters wäre He Qi Tian alles, was Lady He blieb von ihrem Mann. Jener solle sie mehr geliebt haben als die Treue Kaiserin und man munkelte, dass er auch ohne ein Kind seiner bezaubernden Konkubine ihr bis zum letzten Tage ein Hof gemacht hätte.
      Doch die kalkulierende Frau wollte nichts einem Zufall überlassen oder der Gunst eines Mannes, der nur an ihrer Schönheit und Musik interessiert war. Der intellektuellen Pracht der Lady Wie mochte ihr Verstand nicht gleich kommen. Aber sie war schlau genug ihre Position und Fähigkeiten zu kennen, welche die Geburt eines damals gesunden Jungen verstärkte. Heute war nur sein überleben wichtig, dass die Kaisers Mutter sie nicht des Hofes verbannen würde.
      He Qi Tian öffnete seine Augen nicht, obwohl sein Geiste noch völlig wach war. Jeden Abend, wenn der Mond in sein Zimmer einfiel und alles in sein silbernes Licht tauchte, trat eine Präsenz an ihn heran. Stundenlang musste sie teils an seiner Seite weilen, denn oft war sie da, wenn er letztlich ging. Sie kannten einander nicht, er wusste nicht einmal ob sie wirklich existierte, jene Präsenz… oder ob es nur eine seiner fieberigen Einbildungen war. Ein Lächeln huschte über seine Lippen. Gequält durch den Gedanken, dass er selbst seinen Sinn für die Realität verlor… Bald würde ihm nur sein Leben bleiben. Mehr als ein Hülle wäre er in den letzten Stunden sicherlich nicht mehr. Je mehr Lücken sein Gedächtnis aufwies, desto nervöser wurde er… und desto mehr musste er sich mit den Gedanken anfreunden, dass es alles bald ein Ende haben würde. Alles vorgetäuschte Leid und jede echte Qual, die ihn heimsuchte.
      Da war es wieder. Das vertraute Gefühl jener Wärme… Anwesend oder nicht, sollte es auch das letzte mal sein! Qi Tian atmete schnappartig ein und presste seine Stimme auf hörbare Lautstärke. Jedoch nicht mehr als ein Flüstern.
      „ Wirst du auch an meiner Seite sein, wenn ich sterbe?“, keuchte er unmerklich. „ Wartest du nur darauf?“ Die Anspannung, welche er hielt, um seine Stimme bei Tone zu halten sackte ein. Sein angestrengter Atem wurde schwerer, rasselnd bei jedem Zug und eine Pause gänzlich außer Sicht. Seinem Körper fehlte die Kraft zu Ende zu sprechen. Einzig sein Wille wäre eisern genug, doch die ihn behausende Hülle hatte ihr Ende erreicht.
      „Ich bin unheimlich müde… Schon seid Wochen fühlen meine Glieder sich schwer an, jeder Schritt schmerzt mehr und mehr. Mein Blut gefriert bei einem einzigen Windstoß und mein Geschmack schwindet dahin…“
      Qi Tian hatte klagen wollen. Fand jene Präsenz etwas amüsantes in seinem Leiden? Betrachtete sie gern den langsamen Tod bei seine, Werk?!
    • ➶➶➶ Wei Yuxuan ➷➷➷


      Der Kronprinz schüttelte milde lächelnd den Kopf. "Welch Unsinn, alter Freund. Als wärst du mir nicht willkommen. Komm, setz dich zu mir und klage mir dein Leid, ich werde uns etwas zur Erfrischung bringen lassen." Er legte seine Hand auf Shao Fans Schulter und geleitete ihn sanft über die seidig glatten Dielen des Vorbaus nach drinnen. Als Mitglied des imperialen Hofstaates war man niemals wirklich alleine, das wusste Wei Yuxuan, aber er ignorierte es meist geflissentlich, um nicht wahnsinnig zu werden. Natürlich hatte eine Dienerin seinen Wunsch vernommen und eilte sogleich, um ihrem Herren und seinem Gast etwas servieren zu können. Yuxuan deute auf die gemütlichen Sitzkissen, die den prächtigen Tisch umrandeten. Direkt an der Garten grenzte ein Teezimmer an, eines der schönsten im ganzen Palast und genau dieses war es, dass Wei Yuxuan sich ausgesucht hatte. "Komm Shao Fan, lass dich nieder. Es ist so lange her, dass wir uns gesehen haben." Der Kronprinz nahm Platz und klopfte auf das Kissen neben sich. "Du siehst wahrlich aus, als hättest du einen Geist gesehen. Ist es mein Vater, der hier spukt?", meinte er lachend. "Aber denke nicht, ich nähme dich nicht ernst. Ich möchte nur die dunklen Wolken aus deinem Geist vertreiben, damit du dich nicht mehr verirrst, sondern mich freiwillig besuchen kommst." Die Dienerin war bereits zurückgekehrt und kniete sich demütig neben den Kronprinzen, um ihm und Shao Fan einen wohlig duftenden Tee zu servieren. "Reichst du das? Ein erlesener Jasmintee mit Pfirsichblüten. Er beruhigt meinen Geist, wenn ich nicht weiter weiß, vielleicht beruhigt er auch den deinen." Neben der Teekanne stand ein Schälchen mit Mandarinen, die die junge Frau zu schälen begann. "Hier, Eure Majestät." Der Prinz musterte ihr schönes Gesicht, das von kräftigem, schwarzem Haar umrandet wurde. Wäre sie nicht dazu verdammt, in seinem Dienste zu stehen, wäre sie sicher eine umworbene Dame am Hofe. Er würde es ihr gönnen, scherte er sich doch ohnehin nicht um die Frauen in seiner Nähe. Alle Welt wartete darauf, dass Wei Yuxuan den Thron bestieg und es seinem Vater gleich tat. Er sollte sich eine Ehefrau wählen, er sollte Söhne in die Welt setzen und Konkubinen haben, aber Wei Yuxuan war niemand, der gerne fremde Erwartungen erfüllte. Lediglich seine Ansprüche an sich selbst bestimmten sein Handeln. Einer dieser Ansprüche war, sich niemals auf eine Liebschaft einzulassen, hinter der er nicht mit vollem Herzen stehen konnte und das würde sein Untergang werden, war doch die einzige Liebe die er je gekannt hatte die, die ihn mit den Kameraden auf dem Schlachtfeld verband. So wie mit Ryong Shao Fan. "Bitte geht jetzt und lasst uns alleine, meine Teuerste.", säuselte der Prinz und sah seiner Bediensteten grinsend dabei zu, wie sie beinahe feuerrot wurde und sich dann hastig verabschiedete. Wei Yuxuan seufzte erleichtert und nahm ein Scheibchen der Mandarine in die Hand. "Nun, jetzt da wir unter uns sind, können wir frei sprechen."
    • Des Wächters Gischten nahm Bleiche Züge an, als der Prinz ihn einen alten Freund nannte und mit sich zog. Die Schritte Shao Fans taumelten kaum merklich die Stufen hinauf und über die feinen Böden des Teezimmers. Sein Blick wagte es kaum den Reichtum der imperialen Familie zu bewundern… Doch des Prinzen sanfte Worte stimmten den verschreckten ruhig, er ließ sich auf eines der Kissen sinken und zwang ein warmes Lächeln auf die schmalen Lippen. Des Prinzen Gemüt konnte so warm und herzlich sein, wie es auch kalt und skrupellos wäre. Der Feind dieses Mannes zu sein, war ein ultimatives Todesurteil und sein Freund zu sein, bedeutete im Gegenzug den Segen zu haben.
      Shao Fan fand nur wenig Scherz in seinen Worten, allerdings auch kein Gefühl der Empörung oder Zorns darüber, dass Yuxuan seine Situation hatte erheitern wollen. Er blieb unberührt, einzig gefesselt von seinem Wissen über jenes kommende Gräul und die weiße Gestalt aus seinem Traum.
      „ Ich danke Euch, Eure Majestät!“, sagte er trotzdem, als man ihm die Tasse vor die Nase stellte und ein Bekannter Duft in seine Nase drang. Viele Menschen liebten Jasmintee für seine beruhigende Natur und auch Shao Fan sagte keiner Tasse ab, wann immer ihm danach war…
      Stumm verblieb er, als der Prinz sich mit der hübschen Dienerin unterhielt. Shao Fan war selbst im Alter sich eine Braut zu suchen und seiner Familie eine neue Generation zu schenken. Doch wenig Lust fand er am weiblichen Körper. Wo genossen einst Stunden lang am Feuer schwärmten, wie gern sie ihre zarte Haut fühlten und den lieblichen Duft in der Nase haben wollten, blieb Shao Fan erstarrt. Er wollte keinem Mädchen etwas versprechen müssen, welches daheim wartete, während er in die Schlacht zog. Er wollte keiner Familie den Vater nehmen und seine Söhne in eine militärische Laufbahn setzen, die er selbst verabscheute. Seine Entscheidung dem Tempel zu dienen, brachte auch ein Verlangen nach Keuschheit mit sich. Die Wächter verpönten Verlangen nach etwas anderem, als ihren Dienst für Yulong!
      Shao Fan folgte letztlich der Aufforderung des Prinzen, als die Dame sie allein ließ.
      „ Es ist ein weißer Geist. Die Gestalt steht im Wind, um Hilfe flehend… Ich kenne weder Stimme noch kann ich ihr Gesicht erkennen… Ich bin unfähig zu helfen…“, gestand er. „ Jeder schritt, den ich tun will, endet dort, wo ich ihn begonnen habe…“ Sein Blick wanderte hinab zum Tee. Die ruhige Oberfläche erschütterte, als er seine Hand daneben warf. „ Meinen Ohren kommt schreckliches Getuschel zu… Gräul, welches den imperialen Hofe heimsuchen wird…“ Er differenzierte nicht zwischen Traum und Tatsache. Die Worte verließen einfach seine Lippen. „ Blut wird gefordert und ich kann nichts tun… Weißes wird sich rot färben und jede Hilfe im Keimen versagen!“
      Ryong Shao Fan blickte auf, betrachtete den Prinzen. Das Bild des erhabenen Generals in seinem Kopfe schwand dahin. Er erblickte einen Mann in goldenen Roben, die Stufen zum Throne des Kaisers besteigend und dort unter dem Antlitz der Drachen Platz nehmend. Dieser Mann war nicht sein Kamerad, nicht sein Prinz, nicht sein General… Er war der Kaiser Gous! Ein Mann, dessen Name niemandes Lippen mehr überschreiten dürfte!
      Wie konnte Shao Fan nur denken, ihn mit seinen Problemen zu belasten?!
      „ Verzeiht, Eure Majestät! Die einfachen Sorgen eines Tempelwächters haben Euch nicht zu bekümmern!“, sprach er. Den Kopf tief geneigt, fast auf der Tischplatte hängend.
    • ꧁ ❁꧂


      Beinahe jede Nacht war er hier, im innersten Gemach des vierten Prinzen und wachte über ihn, bis dieser in den Schlaf fand. Haoyu war von anderer Natur als He Qi Tian - auch ihm war ein gewisses Privileg zuteil geworden bei seiner Geburt, aber während auf dem Einen eine Bürde lastete, sollte der andere ein seichtes Leben führen, behütet von den Mauern des Palastes, geliebt von seiner Mutter, mit Wohlwollen bedacht vom Kaiser. Wäre nicht das schreckliche Unheil über Lady He und ihren Sohn gekommen, hätte er ein erfülltes Leben geführt, im Schatten seiner Brüder zwar, aber geehrt und bewundert.
      Shen Haoyu hatte ihn beneidet, schon als Kind, und stets seine warmen Augen auf dem Prinzen ruhen lassen. Er wollte, was He Qi Tian hatte, er wollte ein Leben in relativer Freiheit, doch für ihn blieb sie verwehrt. Es war das Geheimnis der kaiserlichen Familie, das ihn fesselte und für ihn die Ketten darstellte, die ihn niemals würden gehen lassen. Erst als der schöne Prinz beinahe seinen letzten Atemzug tat, hatten sich die Dinge geändert. Es hätte He Qi Tian selbst sein sollen, den all diese Ungerechtigkeit wütend machte, aber stattdessen war es Haoyu, der nachts in den Himmel schrie und von den Göttern zu erfahren verlangte, warum sie so etwas zuließen. Wieso durfte keiner von ihnen ein einfaches, erfülltes Leben haben? Aus Neid und Sehnsucht wurde etwas, für das Shen Haoyu keine Worte fand. War es Besessenheit, war es Liebe, war es Verlangen? Er konnte es nicht sagen. He Qi Tian wurde für ihn das Symbol all dessen, was im Reich Gou nicht mit rechten Dingen zuging, der Prinz war die Gallionsfigur einer Rebellion, die Shen Haoyu über den Palast bringen würde. Und er würde niemals zulassen, dass die Priester weiter ihn Schindluder mit dem armen Jungen trieben.
      "Wo denkst du hin?", flüsterte er und strich zärtlich eine Strähne aus dem bleichen Gesicht. "Ich werde nicht zulassen, dass du stirbst. Im Gegenteil." Aus seinem Ärmel, tief dort verborgen, fischte Haoyu einen Seidenbeutel, nicht größer als eine Walnuss. "Du hast Angst, nicht wahr? Davor, dass du sterben wirst? Das musst du nicht mehr. Ich gebe dir eine Wahl. Wenn du mir ein Zeichen gibst, verabreiche ich dir etwas, das dich wieder genesen lässt. Es wird alles ungeschehen machen, was der Hofarzt dir angetan hat, auch wenn er es gut meinte. Du wirst nicht mehr frieren und deine Augen werden wieder sehen. Wenn du es nimmst, wirst du bis zum nächsten Vollmond wieder zu Kräften gekommen sein. Lehnst du ab, stirbst du ohnehin. Also, welchen Weg wirst du wählen, mein Prinz?"
      Um Shen Haoyu rankten sich viele Gerüchte. Manche sahen in ihm ein gesegnetes Wesen, von den Göttern mit Schönheit und einem wachen Verstand beglückt. Wieder andere fürchteten, er sei ein Dämon und lechzte nur nach den Seelen der Unglücklichen, die seinem Charme verfielen. Es gab auch eine Fraktion, die ihn einfach nur für einen Sohn aus gutem Hause hielt, der die kaiserlichen Kinder hütete und sich ansonsten im Palast vergnügte. Keine dieser Versionen kam auch nur ansatzweise an die Wahrheit heran, auch wenn hier und da ein Fünkchen der Wahrheit durchschimmern konnte. "Ich bleibe hier, bis du deinen letzten Atemzug tust oder bis du mich bittest, dir zu helfen. Und vielleicht, eines Tages, wirst du mich ansehen mit deinen schönen blauen Augen und mir sagen, dass du die Welt brennen sehen willst."
    • Ihm war nicht klar, ob er die Nächte verabscheuen, oder lieben sollte. Sie unterschieden sich immer weniger von seinen Tagen… Ans Bett gebunden, von unangenehmen Düften und Berührungen um geben… Nicht klagen können, nicht meckern können, keinen Abstand verlangen können.
      Xiong Bao kam stets nah, seine Berührungen wurden fester. Und obwohl der alte Mann zitterte, sobald er seine Muskeln spannte, dominierte er den geschwächten Prinzen mit Leichtigkeit. Qi Tian verabscheute diesen Zustand der Hilflosigkeit und Ungewissheit. Die Abhängigkeit von anderen… Seine Mutter hatte nichts neueres gehasst, als sie überall um Hilfe suchte. Jeden Schlupfwinkel erkundete, ihren einzigen Trumpf am Hofe am Leben zu erhalten!
      Seine Mutter hasste jenen Tag mehr, verabscheute jene Zeit auf tiefstem Herzen. Der Prinz selbst hatte vermutlich nicht verstanden, was mit ihm geschehen war. Sei es die kindliche Naivität, die ihn beschützt hatte, oder die schiere Tatsache, dass er sich nicht erinnern konnte. Mehr als ein tiefes Loch war nicht verblieben, wo einst seine Kindheit lag. Er erinnerte sich an die Besuche des Vaters am Hofe der Mutter, wie er Stunden lang neben ihr saß, ihrer zarten Stimme lauschte und das gemeinsame Kind bewunderte. Wäre Lady He die Kaiserin gewesen, sähe sein Leben heute vielleicht anders aus… Der Himmel hätte ihm vor diesem Schicksal bewahrt und bald hätte er den Thron bestiegen. Doch die Geliebte des Kaisers trat zu spät in sein Leben, als das diese Position hätte die ihre sein können…
      Eine Antwort erfüllte die nächtliche Luft zwischen den beiden, welche zu letzt von Qi Tians Atem dominiert wurde. Jener stockte, als die Worte sein Ohr erreichten. Kaum merklich fuhr ein Schock durch seinen Körper, als eine Hand über seine Wange fuhr und die dort klebenden Strähnen mit dem Rest des Haares einigte. Jener unwillig gegenüber neigte der Prinz den Kopf zur Seite und kniff seine Augen zusammen.
      Angst? Hatte er Angst?! Qi Tian wusste es nicht. Angst würde ihn einnehmen, nicht wahr?
      Er versuchte die schweren Lieder zu öffnen, einen Blick auf das im Schatten liegende Gesicht zu erhaschen. Doch jegliche Kraft verschwand, als er erneut die Stimme zur Antwort erhob. „ Ich kenne den Tod…“, entgegnete er leise. „ Ich habe keinen Grund ihn zu fürchten…“, fügte er stumm an. Seine Stimme schwand einem Keuchen und ihm gelang es doch die Augen auf zu schlagen, wenn auch nur einen Spalt, sodass er nicht mehr als die Umrisse jener Präsenz erhaschen konnte. Es war also doch kein fieberhafter Traum, oder? Da saß jemand an seinem Bett und wollte bei ihm sein, wenn er den letzten Atemzug nahm.
      Die folgenden Worte nahm er mit einem innerlichen Lachen auf. Die Qualen wuchsen, als er die Stimme erheben wollte und was sich in seiner Brust anbahnte in die Freiheit entließ. Doch Lachen erstickte unter Husten und Blut… Qi Tian warf den Kopf zur Seite. Seine Hand wollte dem Befehl des Kopfes folge leisten, doch die Decke ruhte zu schwer auf ihr, als dass sie die Oberfläche hätte erreichen können.
      „ Ich bin müde…“, wisperte er. Jene Präsenz wollte ihm sein Leben schenken? Heilen, was die Vergangenheit ihm genommen hatte? Könnte das denn noch jemand?
      Seine einzige Angst nahm jene Präsenz ihm längst. Der Prinz fürchtete nicht mehr, als allein im Leiden zu liegen und den letzten Atemzug zu nehmen. Wenn jener an seiner Seite weilen würde, gab es keinen Grund den kommenden Tag zu fürchten… Doch dem Leben schon Lebewohl sagen, wollte er nicht! Doch sich Jenem zu verschreiben…?
      „ Was willst …du von mir?“
    • ➶➶➶ Wei Yuxuan ➷➷➷

      Mit der einzelnen Spitze seines Zeigefingers hob Wei Yuxuan des Kinn seines alten Kameraden wieder in die Höhe. "Welch drolligen Unsinn mein lieber Shao Fan reden kann.", meinte er süffisant. "Denkst du so von deinem zukünftigen Kaiser? Glaubst du, ich wäre so kaltherzig, dass ich deine Sorgen weniger wiegen lasse, als die meinen?" Die goldenen Gewänder raschelten, als er sich zu Shao Fan beugte. Ihre Nasenspitzen berührten sich fast und Yuxuan sah mit seinem durchdringenden Blick in die verängstigten Augen des Tempelwächters. "Wenn es Geister sind, die dich plagen, dann lasse ich einen Exorzisten kommen, der dich von deinem Leid befreien soll. Und wenn es ein Unheil ist, das mein Reich bedroht, werde ich mich dem stellen, Ryong Shao Fan. Du kennst mich, ich fürchte keinen Feind. Weder den, der mir offen gegenüber tritt, noch den, der mich aus dem Hinterhalt angreift. So lange ich regiere, werde ich nicht zulassen, dass unschuldige Seelen ihr Leben lassen und kein weißes Gewand soll rot getränkt sein vom Blut. Nicht wie zu unseren Zeiten, nicht wie in den Kriegen, die wir für Gou führten im Namen Yulongs. Diese grausamen Zeiten sollen ein Ende finden, wenn ich gekrönt werde, so dass keine Mutter ihren Sohn beweint und kein Kind den Namen des Vaters mit Beklemmung über die Lippen bringen muss." Der Kronprinz ließ seinen Finger an der Wange des Tempelwächters entlang streichen, der seinem Blick immer noch auszuweichen schien. Erst als die Hand des Prinzen bis zu dem wild geschnittenen Haar gewandert war, dass Shao Fan zusammengebunden trug, wenn er im Tempeldienst war, hielt er inne. Dieses schöne, verwegen Haar hatte er immer gemocht. Während alle anderen Soldaten ihres streng nach hinten kämmten oder zu schlichten Knoten banden, war Shao Fan stets derjenige gewesen, dessen erfrischendes Äußeres nicht nur so manchen Kameraden, sondern auch den ein oder anderen Feind verzaubert hatte. Ein tödlicher Fehler meist, denn damals kannte Ryong Shao Fan keine Gnade. An seiner Seite zu kämpfen hatte Wei Yuxuan geliebt, er schätzte diese Eigensinnigkeit sehr. Nur leider schien es ihm, als sei dieser kühne Mann zerbrochen an dem, was er gesehen, was er erlebt und getan hatte. Und vor allem jagte ihn nun ein Feind, den man nicht einmal greifen konnte.
      "Vergiss für heute Nacht deine Geister. Im Morgengrauen, wenn die Sonne uns wieder mit ihrer Herrlichkeit wärmt, dann wird alles gut erden." Sein seidener Mantel war ihm von einer Schulter gerutscht und gab den Blick auf die geschwungenen Linien der Tätowierung frei, die den gesamten Oberkörper des Prinzen zierte. "In meinen Adern soll das Blut der Drachen fließen, also werde ich kämpfen wie einer und dich beschützen wie einer." Seine schlanken Finger lagen im Nacken des Tempelwächters. "Wirst du mir das glauben?"
    • Gleich dem verschreckten Hasen, zuckte er zurück, als sich das Raubtier nährte. Die Münder schimpften einst ihn den grausamen Wolf von Heidao und den blutigen Feldern. Wie er selbst im Angesicht von tausend Feinden kein Zögern zeigte und niemals würde sein Schwert stoppen, ehe nicht auch des letzten Kehle entzweit war. Mit jedem Schlag hatte er ein Leben genommen - einer Frau ihren Ehemann und einem Kind den Vater… Damals keine Gedanken für den kühnen Wolf. Sein Bild stand für Standhaftigkeit und Mut. Jemand der bis zum letzten Zug seinem General in den Kampf folgen würde. Treu wie ein dummer und gehorsam in die letzte Spitze seines Fells.
      Jeder war gleichermaßen fasziniert, als auch in Angst versetzt worden durch jenen Mann. Ein Spiel der zwei Klingen, die er einst führte… Leben nehmend und inspirierend. Wie viele arme Seelen sollten so werden wie er?
      Shao Fan hatte ignoriert, wie müde ihn jeder Zug doch machte. Wie sehr sein sanftes Gemüt widerstrebte ein skrupelloser Held zu sein. Dessen Name Gou in Stolz versetzte und jedes andere Ohr in Terror und Entsetzen!
      Shao Fans dunkle Augen tanzten unter jeder Berührung des Prinzen. Eine Hand war beruhigend kühl und obwohl es nur ein Finger an seinem Kinn war, fühlte er sich dieser Spitze schon gänzlich ausgeliefert. Die blauen Augen des Prinzen fackelten wie ungebändigtes Feuer, jede Sekunde mehr, die zwischen den beiden verstrich. Das kaiserliche Gesicht derart nah und der Wächter wollte sich seines eigenen Platzes zurecht weisen. Doch er kam nicht dazu, von Worten gefesselt und letztlich von nicht zu verletzender Hand gehalten. Die Worte seines Prinzen verschwammen in unbekannten Tiefen, als jeder Nerv sich seiner Berührung annahm, welche zum Stressor heranwuchs.
      Ein Nicken entfuhr dem Wächter, als er die Finger an seinem Haaransatz vernahm. Einmal mehr zuckte er zurück und wollte sich des Prinzen Bann entziehen.
      Unweigerlich wanderte sein Blick hinab, als das Rascheln des Stoffes preisgab, was kein sterbliches Auge hatte erblicken dürfen. Die filigranen Tätowierungen auf des zukünftigen Kaisers Körper lagen offen und muteten an sich den Rest jener künstlerischen Arbeit vorzustellen. Einen Gedanken, welchen Shao Fan so gleich zu strafen beschloss!
      „ Ich wage nicht zu vergessen, Eure Majestät!“, entgegnete er mit brechender Stimme. Die folgenden Worte Ersticken ihm den Rest seiner eigenen Worte noch im Munde.
      „ Ich - Ich glaube Euch, Eure Majestät! Doch ich verdiene den Schutz eines Drachen nicht und von Euch auch nicht!“, antwortete er mit abnehmender Lautstärke. Die Finger im Nacken ließen ihn die Nähe zur Gefahr spüren. Vielleicht beschloss er so eben sein eigenes Todesurteil.
    • ꧁ ❁꧂


      Hätte er es nicht wissen müssen, dass der vierte Prinz es hasste, ungefragt berührt zu werden? Shen Haoyu zuckte zurück, kaum dass er die verirrte Strähne aus He Qi Tians Gesicht geschoben hatte. Niemand sollte den armen Prinzen quälen, schon gar nicht er, der Unwürdige, der die imperiale Familie ins Unheil stürzen sollte. Und genauso töricht wie sein Handeln war auch seine Frage gewesen. Natürlich kannte der Prinz den Tod, so nahe wie er ihm schon gekommen war. Beinahe war es so, als sei der Sensenmann mit seinem drohenden Unheil zum einzigen Freund He Qi Tians geworden. Es schmerzte Haoyu zu sehen, wie der arme Prinz mit sich ringen musste, um überhaupt ein Wort sprechen zu können und wie es seinen Brustkorb erschütterte. Jeder Atemzug rasselte wie der Sommerregen auf dem Palastdach und ebenso rot wie die Flamme des Drachen Yulong war das Blut, das das Kissen des Prinzen verfärbte. Er beobachtete den Kampf aufmerksam, denn bei aller Mühe und aller Magie, die der Gelehrte wirken konnte, war es alles vergebe Mühe, wenn He Qi Tian nicht den Willen hatte, sich selbst von seinen Fesseln zu lösen. Wenn Haoyu eine Antwort wollte, würde er geduldig sein müssen. "Ich möchte von euch nur, dass ihr lebt und dass Ihr Euren Platz einnehmt, als vierter der Prinzen, als Sohn des Kaisers. Das was danach geschieht liegt in Euren Händen, nicht in meinen."
      Würde sich He Qi Tian erheben und seinen älteren Brüdern die Stirn bieten? Der zweite und dritte Prinz flohen vor jeder Verantwortung, sie jagten unreifen Träumen hinterher auf der Suche nach einem falsch versprochenen Glück. Wei Yuxuan hingegen trug wahrhaftig das Feuer eines Drachens in sich. Shen Haoyu fürchtete, der Kronprinz würde seine neu gewonnene Macht womöglich missbrauchen oder ihr gar so sehr verfallen, dass ihn die Dämonen von innen zerfraßen, wie sie einst den Kaiser zerfressen hatten, dessen einziger Trost die Lady He geworden war. Es gab keinen anderen Weg, einer der Prinzen musste sterben und für Haoyu kam es nicht in Frage, den unglücklichsten unter ihnen zum Bauernopfer der Tempelgemeinde zu machen. Alle Mitwisser dieser grausamen Tradition würde er ausmerzen, er würde Wei Yuxuan einweihen und sich dann zurückziehen, warten, beobachten wie er es auf der Jagd gerne tat und an dem Punkt, an dem sein Pfeil das Ziel treffen sollte, würde er sich überlegen, ob dieser Palast einen tödlichen Treffer vertrug oder ob andere den Gnadenstoß ausführen würden. Es brauchte Bewegung in diesem stillstehenden Mühlenrad, eine Veränderung, die die Mauern des Palastes erschüttern konnte, entweder um neuen Ruhm und den Segen der Götter zu erlangen oder um das Spiel, das die kaiserliche Familie so lange vorangetrieben hatte, zu beenden und die Opfer zu einem Schatten der Vergangenheit werden zu lassen.
      "Was sagt Ihr, mein Prinz? Wählt ihr das Leben und den Kampf oder soll ich über Euch wachen, bis geschieht, was wir beide schon kommen sehen?" Haoyu drehte den Beutel zwischen seinen Fingerspitzen wie ein Pendel, das über dem Leib des Prinzen schwang, unschlüssig in welche Richtung des Schicksals es ausschlagen sollte.
    • Was konnte eine seltsame Präsenz des Nachts noch von einem kranken Mann verlangen? Wenn der gesamte Palast sich zur Ruhe legte und des Prinzen Geiste in seinem Inneren zu toben begann. Wehrte und sprang sich gegen das Gefängnis, zu welchem sein Körper mit jedem Atemzug wurde. Jeder Strang an Muskeln verlor an Kraft, sodass selbst die pure Existenz zu anstrengend werden würde…
      Heute war er auf die Füße gekommen. Den glatten und kühlen Boden seines Gemachs zu fühlen war die Erfüllung eines Traumes, den er jede Nacht gehabt hatte. Wenn schon der Tod neben ihm weilte, wann immer die Sonne sich zu senken begann… Jener wäre bis zur letzten Sekunde sein einziger Freund und Weggefährte, dessen Namen niemand zu sprechen wagte. Qi Tian konnte es längst nicht mehr.
      Doch sein nächtliches Geleit behauptet ein Freund zu sein, offerierte ihm Heilung. Sein Atem wurde schwerer, als er das letzte Blut über die Lippen spukte. Leben fand Einkehr in seinen müden Körper und für den Moment sollte sein Wille regieren und sich dem Halt jenes Corpus entziehen!
      Doch noch immer sollten seine Augen sich nicht öffnen lassen und mehr als ein unklarer Schatten verblieb nicht vor seinem Inneren Auge, in welchem sich jene Präsenz längst einen eigenen Namen gegeben hatte. Jene Stimme könnte zu so vielerlei Gestalt passen, jene Hand zu so vielerlei Menschen… oder gar einer Kreatur, die sich jener niederen Ebene entzog. Ganz wie die Drachen, welche vor 20 Jahren im Regen getanzt haben sollen…
      „ Gib mir, was du zu geben hast… Allein der Wille an meinem Totenbett zu weilen, macht dich zu einem Freund!“, presste er hervor. Ihm fehlte die Kraft für ausschweifende Reden und Fragen. Jede Chance hatte irgendwo einen Harken, der sich zu einem späteren Zeitpunkt zeigen sollte. Für den Moment fehlte ihm allerdings die Zeit jenen auszukalkulieren und den Wert jener Chance…! Sie zu nehmen bedeutete Leben…
      Qi Tian hatte noch etwas zu tun, er wollte erst ableben, wenn jene Sache erledigt wäre…!
      „ Und halte mir einer diesen Arzt vom Leib… Seien Anwesenheit macht mich nur schwächer, als das seine Gebräue mir helfen können…“
      Die Wortwahl der Präsenz suggerierte gar, dass jener an seiner Verfassung nicht gänzlich unschuldig war…
    • ➶➶➶ Wei Yuxuan ➷➷➷


      Obwohl er sich selbst nicht mehr als den wilden, ungezähmten Tiger sah, der über die Schlachtfelder fegte gleich einem wütenden Feuer, so musste Wei Yuxuan doch einsehen, dass seine Vergangenheit Spuren in den Herzen seiner Mitmenschen hinterlassen hatte. War dies seine Zukunft, das, was ihn von nun an überall hin begleiten würde? All der Argwohn, die Angst? Nur noch gesenkte Blicke? Bedauerlich wäre dies, befand der Kronprinz und überlegte sich, wenn er so in Richtung der nervös tänzelnden Augen Shao Fans sah, dass er daran arbeiten sollte, wie ihn seine Untergebenen wahrnahmen. „Wessen Schutz ich sicherstelle, entscheide ich, mein lieber Shao Fan. Du wirst gar nicht umhin können, dich aus dieser Angelegenheit wieder herauszuwinden.“ Der Blick des Tempelwächters auf den Körper des Prinzen war nicht unbemerkt geblieben. Wei Yuxuans fein geschwungene Lippen verzogen sich zu einem Lächeln, bei dem nicht mit völliger Sicherheit gesagt werden konnte, ob es reine Freundlichkeit war, oder ob ein Hauch Gefahr darin liegen könnte, so wie scharfe Steine sich manchmal unter dem ruhigen Spiegel eines stehenden Gewässers verbargen. Der Kronprinz beugte sich noch näher an Ryong Shao Fan heran, das strahlende Blau seiner Augen traf auf das warme Braun ihm gegenüber, bevor die feinen Gesichtszüge des Kaisers an der Seite des Tempelwächters vorbei glitten, bis seine Lippen an Shao Fans Ohr ankamen. „Erinnerst du dich noch daran, wie mein Körper als junger Bursche aussah? Ohne all diese Farben, ohne die Male Yulongs auf meiner Brust? Es ist doch jetzt viel schöner, meinst du nicht?“ Er war sich sicher, dass sein alter Freund nun entweder seine mühsam errichtete Schutzmauer fallen ließe und sich entspannte, oder aber der arme Shao Fan würde womöglich in den Armen des Kronprinzen in Ohnmacht fallen, weil ihn die Ruhelosigkeit in den Wahnsinn trieb. Für Wei Yuxuan gab es durchaus eine Präferenz dessen, was den Ausgang dieses Spiels anging, aber er würde in Kauf nehmen, Shao Fan auf seinen Kissen zu betten, wenn er doch überwältigt wurde. Der Prinz ergriff eine der kühlen Hände seines Freundes und legte sie sich auf die Brust, so dass sie beinahe zwischen den Bahnen der goldenen Seite seines Mantels verschwand. „Auch wenn ich vielleicht gefährlich aussehe, schlägt noch immer ein unschuldiges Herz in mir, alter Freund.“
    • Die Intimität, welche der zukünftige Kaiser in seiner Stimme pflegte, passten nicht zwischen den ehemaligen General und seinen Untergebenen. Sie teilten kein Leid mehr auf den blutigen Feldern, schwangen die eisernen Klingen und fürchteten darum den nächsten Morgen zu erleben. Kein Ruf würde dieses Tages noch vereinen - einen Kaiser und einen Tempelwächter.
      Die ruhige Drohung des Prinzen ließ ihn glauben, das seine Tage gezählt waren. Welch unvorstellbareres Verbrechen seine Stimme auch begangen haben mochte, Shao Fan wollte die Strafe auf sich nehmen und seiner Krone gerecht werden! Der Kaiser stand für den Drachen, welcher auf die Erde gekommen war. Die Mitglieder trugen ein Himmel in ihren Augen und sein Blut durchzog ihre Adern. Eine solche Gestalt sollte keinen einfachen Mann berühren! Der Wächter wollte dem Prinzen ausweichen, doch nahm jener den Pfad seiner Flucht ein und sperrte dessen Ohren auf, als süße Worte jenes erreichten. Unaufhaltsam errötete er ein wenig und erhaschte einen Blick in das endlose Blau.
      „ Ich würde es nicht wagen, mich zu erinnern, Eure Majestät! Euer Körper ist prächtig, ganz gleich in welchem Stadium!“, er schnappte nach Luft, nachdem er diese Worte hervor gedrückt hatte.
      Shao Fan ließ es geschehen. Wie paralysiert durch die schiere Anwesenheit einer Nachfahren der Drachen, dessen schnipsen allein sein Tod sein könnte. Seine Hand fand sich wieder auf den edlen Roben, vergraben ein paar der Finger unter dem goldenen Saumen auf der Brust.
      Ein ruhiges pochen drang durch Shao Fan, während sein Blick die eigene Hand fixierte und die Gedanken schrieen jene von dort zu entfernen.
      Ein unschuldiges Herz? Wollte er tatsächlich jemandem einreden das Herz eines Soldaten sei unschuldig? Als würde Shao Fan seine Taten leugnen, all das Blut, in welches er die Böden tränkte…
      „ Euer Herz ist vieles, aber nicht unschuldig!“, rutschte es ihm heraus. Sofort bereute er seine Worte und fügte in hastiger Art an : „Unserer Leben prägt uns und hinterlässt Spuren auf unserem Herzen, wie ein schlechter Traum unseren Körper zeichnet! Ein unschuldiges Herz hat nur ein Kind, denn es kennt die Welt nicht…!“
    • ꧁ ❁꧂


      "Sehr wohl, Eure Hoheit." Shen Haoyu umspielte mit tanzenden Fingern den Knoten, der seinen kostbaren Schatz in dem Seidenbeutel gefangen hielt. Daraus hervor entsprang eine Kugel, nicht größer als die Blütenknospe einer wilden Rose, deren staubiger Mantel ihr den Anschein eines antiken, verbotenen Zaubers gab. "Es wird nicht schmecken, aber das muss es nicht, wenn es hilft und heilt." Ohne eine weitere Regung des vierten Prinzen abzuwarten, gab Haoyu das erdige Bündel aus Kräutern und Geheimnissen zwischen die Lippen He Qi Tians, auf dass der Prinz selbst es zerkauen und herunterschlucken mochte. Auf all den Reisen, die die Familie Shen im Laufe ihrer aller Leben gemacht hatte, waren es jene, die zu verbotenen Orten führten, die Haoyu am meisten in ihren Bann gezogen hatten. Er liebte die Gefahr, er liebte die zwielichtigen Gestalten in dunklen Gassen und vor allem verzehrte er sich regelrecht nach dem, was auf dem schwarzen Markt zu kaufen war. Wenn er nicht selbst Zeuge gewesen wäre von all dem, was die Menschen für unmöglich hielten, hätte er selbst niemals diese unscheinbare Murmel erworben, von der er nur wusste, dass sie die Gesetze der Natur aushebeln konnte und selbst die Dahingeschiedenen wieder aufrichten konnte. Für einen Fall wie He Qi Tian sollte sie ihn bald schon in voller Stärke erstrahlen lassen, bereit sich zu nehmen, wonach es ihn verlangte.
      "Nun schlaft, Eure Hoheit und schöpft neue Kraft aus dem Mondlicht. Wenn ihr am Morgen erwacht, wird die Welt nicht mehr die selbe sein, so wie ihr auch nicht mehr der Selbe seid. Und ich versichere Euch, dass Xiong Bao euch kein Haar mehr krümmen wird." Mit diesen Worten erhob sich die zarte, strahlend helle Gestalt des Gelehrten. Wie gern wollte er noch eine Weile beim vierten Prinzen sitzen und dessen schwachem Atem lauschen, doch nun war es an der Zeit, andere Dinge in die Wege zu leiten. Der Prinz musste sich erholen und Shen Haoyu sollte das vorbereiten, was den Hof so sehr umtrieb: die Krönung Wei Yuxuans. Die Vorbereitung des Opfers zum Wohle von Gou. "Auf bald, Prinz He Qi Tian."

      ~ * ~ * ~ * ~

      Am nächsten Morgen schlich er schon früh durch den Palast, auf der Suche nach den Boten, den Bediensteten und den Beratern. Erst, wenn er alle gefunden, wenn er jedem die Nachricht übermittelt hatte, würde sich das Rad des Schicksals wieder zu drehen beginnen. Die Kaiserinmutter musste ihre Zustimmung geben, bevor einer ihrer Enkel den Thron besteigen konnte und auch Lady Wei würde anwesend sein, sollte ihr Sohn Yuxuan sich der Aufgabe stellen, der neue Kaiser zu werden. Wie viele waren es noch, die er erreichen musste? Shen Haoyu hatte aufgehört, zu zählen. Seit Stunden trug er die fein säuberlich beschriebenen Schriftrollen bei sich und händigte eine um die andere an all jene aus, die für ihn die Nachricht verbreiten sollten. Der Hofstaat solle zusammenkommen und seine Zustimmung zur Krönung erteilen, welch Grund zu frohlocken. Seit dem Tod des Kaisers schien das Reich Gou in einem Schwebezustand, ohne Seele, ohne Sinn und Ziel. Wohin sollten sie gehen? Ein neuer Herrscher, das war es, was sie brauchten und Shen Haoyu würde ihnen einen geben. Ob es der war, den sie wollten, oder ob dessen Blut schon bald die Felder mit reichen Ernten versehen würde, das war eine Frage, die es noch zu beantworten galt. "Meister Shen? Ihr habt gerufen?" Haoyu drehte sich langsam zu der Stimme um, die ihn von hinten ansprach - als sei er nur ein einfacher Mann. "Wollt Ihr mir nicht erst vor die Augen treten, bevor Ihr meine Aufmerksamkeit ersucht?", schnarrte er mit einem freundlichen Lächeln. "Aber Ihr habt Recht, so ist es. Ich habe eine Einladung für den Kronprinzen und wenn mich meine Erinnerung nicht trügt, seid Ihr derjenige, der ihm derartige Nachrichten überbringt."
    • Welch Medizin seinen Gaumen auch in den letzten Monaten hinabgekommen war, keine von ihnen wusste mit Geschmack oder Duft von sich zu überzeugen. Selbst ihre Wirksamkeit in eine heilende Richtung hatte He Qi Tian letztlich in Frage stellen müssen. Wann immer der Medikus in seine Gemächer trat und den Geruch der herben Kräuter mit sich trug, brachte er auch eine weitere Tortur mit sich. Wie die Kraft aus ihm schwand, fiel ihm auch das schlucken zunehmend schwerer. Jedes Rinnsal kroch langsam die Kehle hinab, den Geschmack nur intensiver werden lassend.
      Das raunende Rascheln erfüllte den Raum. Jene Präsenz regte sich, bis Qi Tian die warmen Fingerkuppen an seinen Lippen zu fühlen glaubte. Jene lösend, glitt der strukturierte Knödel hinab ins Innere des Prinzen Mundes. Gleich machte sich die Warnung bewehrt: Tatsächlich übertraf dieses seltsame Bällchen alles an Scheußlichkeiten, welche Qi Tian sich schon zu Gemüte geführt hatte. Angewidert dadurch verzog er das Gesicht, sich zum schlucken zwingend!
      Ihn überkam die Müdigkeit, als Dunkelheit sich über seinen Geiste legte. Matte Anweisungen und Versicherungen der Präsenz verblassten in seinen Ohren. Qi Tians Geist ermüdete, sein verstand nebelte ein im schleierhaften Wahn der kommenden Träume…

      Nebel schmauste die Wiesen um jenen dürren Baum, seine Äste gierig dem Himmel entgegen reckend. Jener bemalt in den schönsten Farben, nach welchen sich die Krone des Baumes nur hätte sehnen können. Qi Tian stand im Gras, Knie hoch wog es sich im Winde um ihn herum. Die süßen Worte jener Gestalt in den Ohren, blickte er über die Menschen leere Ebene vor sich. Nichts… nur der Wind…
      ~ * ~ * ~ * ~
      Die Sonne zeigte sich. Matt den Horizont erklimmend in den frühen Stunden jenes Morgens. Ihr Strahlen drangen hinein in die Gemächer des Prinzen, jenes Nase kitzelnd und ihn aus der Welt der Träume reißend. Qi Tian fuhr hoch.
      Ein trockener Reiz schrie in seiner Kehle, er möge Wasser zu sich nehmen. Seine zitternde Hand wanderte den Hals hinauf, bis zu den Lippen, welche noch immer glaubten durch jene Wärme berührt zu werden. Doch niemand war hier…
      Langsam sackte er aus der angespannten Haltung, einen sanften Blick über das Innere seines Gemaches schweifend. Tatsächlich, er war allein, kein Arzt lauerte an seinem Bett und befahl einem Handlanger ein neues Gebräu anzufertigen.
      Er fühlte sich besser, wenn auch noch immer schwach…