꧁Souls of Seasons꧂ (Countess✿Yasacura)

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    • ꧁Souls of Seasons꧂ (Countess✿Yasacura)


      Schauer.
      Das Firmament? Verschleiert wie die unerreichten Sehnsüchte nie verwirklichter Träume, deren Abyss nicht einmal der Abgrund des Ozeans zu erfassen vermocht hatte, obwohl zwei schwarzrunde Monde auf kristallblau schimmernder Leinwand damals direkt durch den Spiegel der Seele geblickt, aber doch nie die Wahrheit zu erkennen begriffen hatten. Sie mochten beide gefühlt haben, dass nur der Augenblick selbst in die Unendlichkeit überfließe, aber nie zurückkehren würde, weil der Strom der Zeit selbst von der Zukunft zu überholen gewahrt wurde - doch wer wagte zu behaupten, dass der Geist eines Moments, nur weil er vorüber gestrichen war, auch verloren ginge? Er hatte die Erinnerung bisweilen vor der unausweichlichen Veränderung bewahren können, - zumindest gerade so, dass sie keinem Sog der Selbsttäuschung zum Opfer fielen möge - versprach ihre Heimat ein lebendiger Rahmen aus phantasiegehauchten Bildern darzustellen, die nur mit dem letzten Atemzug vor dem Einschlafen zu erstarben verabschiedeten. Ein flüchtiges Blinzeln voller Sehnsucht hauchte der Nacht einen schemenhaften Kuss auf ihre schwarzen Lippen, während eine leicht erzitternde Woge der Schwerelosigkeit wie feuchter Morgentau über den Rücken der einsam streunenden Klinge glitt und jeden verworrenen Winkel angespannter Fibrillen zu durchstreifen erkundete. Vielleicht hatte der naturverwilderte Kämpfer dieses seichte, fast schmerzliche Gefühl eines verfrühten Sommerregens nur aus dem Labyrinth verirrter Gedankenstrudel gerissen - bevor er der Realität im Spiegel der Ungerechtigkeit gänzlich gewichen wäre - weil die Melodie vergangener Tage langsam auszuklingen gedachte und das Gefängnis hinter dem Sumpf ungesunder Selbstvorwürfe sich endlich die Flügel der Freiheit verlieh. Was brachte ihm eine Reise durch die Vergangenheit, wenn das, was er liebte, kein Weg zurückfinden würde? Ihre Welten mögen nicht einmal über den Pfad der Erinnerung erreicht werden, sondern einzig und allein über irgendeine verfälschte Hoffnung, die ihn glauben lassen sollte, dass irgendeine phantasiegesponnene Version Shearélle's seine einsamen Lippen zu wärmen liebkoste. Aber wie jedes Bild blieb auch das Portrait geistlicher Vorstellungskulisse - und ward es nur vom Phantom eines Wunsches selbst umrandet - dem farbverschlingendem Nebel des Verblassens kaum verschont. Stumm ließ der Mann seine Fingerspitze an den geriffelten Zacken eines Blattes entlangfahren, dessen Oberfläche eine vom Regen silber- reflektierende Glasur benetzte, und balancierte den kleinen, farblosen Tropfen behände auf sein leicht zitterndes Nagelbett, nur um sich für ein winziges, schneeverwehtes Zwinkern fallen lassen zu können. Ein kostbarer Moment angenehmer Abwechslung. Er wollte nicht an das leblose, organische Schutzschild denken müssen, das seine Abwehr kläglich gegen seinen beinahe fließend choreographierten Angriff verfehlt, und sich allmählich in eine Landkarte blutströmender Flussläufe gewandelt hatte. Es war eine nahezu elegante Perversion des Mordens gewesen; die Endstation für das Kapitel eines betrogenen und sinnlos beendeten Daseins durch reine, der Leidenschaft entbrannten Tanzfolge ekstatischer Beflügelung einzuläuten, während seine, des Todes überdrüssig gewordenen, Iriden die bereits zu erlöschen begonnene Geschichte eines viel zu jungen Wesen zu erhaschen versuchte, dessen einziger Fehler darin bestanden hatte, zur falschen Zeit am falschen Ort den falschen Gegner auserkoren zu haben. Die Neer des Irrens wagte beileibe ein tödliches Spiel des Lebens zu bekunden.
      Dass sich die dunklen Wolken tatsächlich zu erkühnen anmaßten, ihre aschene Dunstglocke vor den sanft silbrig leuchtenden Himmelskörper zu schieben, damit ihm auch noch das letzte Bisschen Orientierung in einem feindlichen Terrain genommen würde, passte eigentlich hervorragend zu seinem jeweiligen suboptimalen Umstand, der Außenstehende die Interpretationsvielfalt dafür nutzen ließ, sich ein (einvernehmliches) Ende, unabhängig von irgendwelchen unbekannten Variablen auszudenken, wofür es weder viel Phantasie noch Logik brauchte. Hätte er dem Missstand von ungerührter Eigeninitiative nur früher Aufmerksamkeit geschenkt. Nicht, dass er in irgendeiner Hinsicht der Versuchung unterlegen gewesen wäre, sein Können durch Zweifel beschmutzen, oder sich gar seine Selbstsicherheit absprechen zu wollen. Aber zwischen Vertrauen und Realität lag ein Angst schürendes Grauen, das die Wahrheit weder sehen, und noch weniger hatte aufdecken wollen, weil der Schmerz, der sich in ihr verbarg, unsichtbare Wunden hinterlassen konnte, von denen er ausging, dass sie keine roten Tränen bräuchten, um zu bluten.
      Die Iriden des Mannes senkten sich fast nachdenklich auf eine reglos verweilende Silhouette herab, deren unscheinbare Kontur bei jedem sich nähernden Schritt an menschliche Züge erinnern mochte, aber - auch ohne dass er die Gestalt vollkommen zu erfassen gedachte - schien allein ihr Erscheinungsbild den kleinen Radius um sie herum durch eine merkwürdige Aura zu verzerren; als versuche jene weltliche Dynamik frühzeitlichen Ursprungs mehr oder minder angestrebt mit der mysteriösen Energie, welche so ungeniert das Gleichgewicht zu stören anfochte, zu resonieren. Doch anstatt dem eigentlich tödlichen Mordversprechen nachzugehen, - für gewöhnlich beglaubigte der Weißhaarige potentielle, vor allem unbekannte Feinde mit einem schnellen, heißblütigen Hieb stählerner Gewandtheit, - zauberte sich ein fast übergangsloses, seltsames Lächeln auf das von Neugierde umsponnene Antlitz des lichtgesäumten Schattens, während er langsam, den ungeschönten Genuss jenes kümmerlichen Anblicks auskostend, nähertrat und mit jedem weiteren Schritt auch sein Lächeln einen zerbrechlichen Hauch echten Mitleides anzunehmen deutete. Vorsichtig neigte der Schattentänzer seine Glieder hinab, strich behutsam, als könne jeder noch so grobe Gedanke das arme Ding wie eine fragile Vase zerbrechen lassen, über die nebelblasse Haut des Nachtkristalls und versuchte, die Antwort ihrer Herkunft anhand ihrer unkonventionellen, schier exotischen Garderobe zu entschlüsseln. Je bemühter der Mann allerdings nach einer erlösenden Auskunft ermittelte, desto mehr Fragen warf die mysteriöse junge Frau auf - und selbst ihr nacktes Aussehen hätte ihm wohl keinerlei Hinweise auf ihre Abstammung liefern können. Sie besaß nicht ein einziges Merkmal, das in der Wurzel eines "Souls of Seasons" gründete. "Du bist ja ganz kalt..." wisperte der Weißhaarige ungewöhnlich besorgt, - und wäre die Fremde bei Bewusstsein gewesen oder hätte gar um seine Existenz gewusst, dann hätte ihr seine fürsorgliche Geste alles, aber sicherlich keine Geborgenheit geschenkt. "Ich werde dich wärmen..." Gerade, als er die zierliche Sprosse in seine Arme gleiten ließ, fiel ihr eine feine Kaskade nächtlicher Haarsträhnen aus der Stirn und offenbarte das zarte, beinahe der Unerfahrenheit einer Jungfrau wirkende Gesicht. Die vielen kleinen lichtbespickten Diamanten, die ihr Funkeln in jenem überraschten Augenblick auf der Oberfläche zweier schwarzrunder Tropfen tanzen ließen, schienen die Sonne selbst in seinen Augen entfacht zu haben; feine Pinselstriche sachter Verwirrung - vielleicht sogar eine Note von milder Fassungslosigkeit - und sanfter Erleichterung zeichneten seit je her verschlossene Emotionen über die konfusen Gesichtszüge des Mannes - nur für ein flüchtiges Blinzeln, das im nächsten Augenblick der Illusion gleichen mochte, waren jegliche Merkmale, die auf ihre Existenz hätten zurückverweisen können, gänzlich erloschen. "Das ist.... unmöglich..." hauchte der Zeitgeist schockiert, und egal wie sehr er sich auch des Gedankens aufzwängte, seine Sehnsucht würde ihm nur ein Trugbild vorsetzen, um seine geduldeten Verluste erträglich zu machen, so fühlte er doch ihren schwachen Herzschlag, ihren leisen Atem, ihren kalten Körper... "Ich werde dich mitnehmen, bevor du noch erfrierst..."

      Der Regen ergoss sich in einem solchen Sturm über das Gefilde, als entstammte er den Tränen eines verzweifelten Gottes, der über den Tod seiner geliebten Tochter zu trauern ertrank und die Erde unter seiner Wut erzittern ließ. Er hatte sich vorerst Schutz zwischen den schützenden Wänden einer Höhle ersuchen können, während das Feuer allmählich unter den Stoff der jungen Frau schlich; ihrer Haut rettende Wärme spendete und auch die ungesunde Blässe einem zarthauchenden Rosé gewichen war. Der Weißhaarige hatte, wenngleich ihm das Leben anderer üblicherweise peripher tangierte, die junge Frau ihrer nassen Garderobe entledigt und ihren Körper mit seinem Kimono behutsam eingehüllt - nicht, dass er seine Wenigkeit gänzlich entblößt hätte, dafür wertete sein Gebaren dann doch ein zu hohes Maß an Anstand - aber einen Blick auf den köstlichen Glücksfund weiblicher Reize hatte er sich dann doch nicht völlig entgehen lassen wollen.

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    • Ausgelaugt lag sie nun keuchend auf der Matratze. Sie hätte es dabei belassen können indem sie gesagt hätte, er hätte ihren Hals geküsst, der Einfachheit halber - doch das wäre im grundlegendsten Sinne des Wortes eine Lüge gewesen. Viel ehrlicher war es zu sagen, dass sie sich mit jeder Faser ihres Körpers und mit jedem letzten, brennenden Zentimeter ihres Selbst danach sehnte, von ihm auf den Hals geküsst zu werden. Die Drogen vernebelten ihren Verstand und ließen sie nicht länger klare Gedanken fassen. Als er ihren Hals also küsste, glichen seine Lippen denen eines Engels, gesandt vom Himmel um ihre fiebrigen Gebete zu erhören. Ihre Gedanken wirbelten umher und sie fragte sich, was für dunkle Geheimnisse ihr Gegenüber wohl trug? Sexuelle Geheimnisse hätten die junge Frau nicht überrascht, so, wie er sie mit den kleinsten Berührungen aus der Fassung brachte. Die Zuneigung die sie sich schenkten, die Berührungen die sie austauschten und der Sex, den sie miteinander hatten, konnte nur als grandios bezeichnet werden. Doch das Beste an alldem war, dass es sich bei ihren Treffen lediglich um kurze, eruptive Zusammenstöße handelte, die mit keinen Forderungen und keinen Erwartungen verbunden waren. Außerdem taten sie nichts von ihren Berührungen aufgrund irgendeines Konzepts. Sie bemühten sich nicht darum, die Dinge "aufzupeppen" - denn das waren sie von ganz allein. Sie waren betrunken voneinander, wie zwei Teenager und tollten in unbekümmerter Lüsternheit umher. Dennoch schien ihr Gegenüber der sexuell Abenteuerlustigere zu sein, während sie selbst eher dazu neigte, sich konservativ und zurückhaltend zu geben. Trotzdem war ein Mangel an Lebhaftigkeit kein Zeichen von Einfalt - besonders nicht in seiner Nähe. Stattdessen folgte sie seiner Führung ohne jegliches Zögern ins dunkle Reich. Das war eines der Dinge, die ihren Gegenüber so interessant machten. Er konnte ein wundervoller, sanfter Mann sein - die Gangart jedoch wechseln, wenn ihm danach war. Gerade dann wenn sie es sich am meisten ersehnte, konnte er rau und hart, sowie ein wenig gefährlich werden. Mittlerweile hörte sie auf darüber nachzudenken, wie lange die beiden sich nun schon in seinem Bett verausgabten, wobei es mindestens Stunden gewesen sein mussten. So überanstrengt hatte sie sich lang nicht mehr, vor allem in dieser Art und Weise. Sie begann zu kichern und tat sich schwer damit, alles was passiert war zu realisieren. Der freudige Akt war nun vorbei, weshalb die Dunkelhaarige sich von der Matratze abstieß um sich wieder in ihre Kleidung zu zwängen. Alsbald schenkte sie dem entkräfteten Mann ein flüchtiges Lächeln, bevor sie ihn zurückließ um sein Anwesen hinter sich zu lassen.

      Kaum war die Dunkelhaarige draußen angekommen, drängten die negativen Gedanken sich erneut in den Vordergrund und ließen sie die zuvor herrschende Gegebenheit binnen eines Wimpernschlages vergessen. Es waren Gedanken, die tagtäglich an die Schwelle ihres Bewusstseins klopften. Manch einer hätte gesagt dass es normal wäre. Dass jeder Mensch sich ab und an unter das Mikroskop der Selbstbetrachtung legte und sich auf die Fehler konzentrierte, von denen man fest überzeugt war, dass sie da waren. Im Auge des Betrachters wunderschöne Frauen schafften sich Ärger - und Sorgenfalten, weil es genau das war, wonach sie suchten. Teenager mit Rundungen, für die manch einer sterben würde, weinten, weil ihr Haar nicht die gewünschte Farbe trug oder ihr Gesicht nicht markant genug erschien. Diesen Preis zahlte ein Jeder, da es nun mal den Fluch der menschlichen Rasse darstellte, sich durch Augen anderer zu richten. Es dämmerte allmählich und auch die Wolken zogen sich langsam aber sicher zusammen. Vermutlich dauerte es nicht mehr lange, bis der Regen zu prasseln begann. Genervt zog Dea eine Schachtel Zigaretten aus ihrer Jackentasche hervor und verzog die Mundwinkel zu einem Lächeln, während sie die Verpackung betrachtete. Sie musste an die Frau aus dem Laden denken, den sie in jüngeren Jahren aufgesucht hatte, wenn sie ihr eigenes Heim nicht mehr zu ertragen vermochte, als sie sich nebenbei eine ansteckte. Wahrscheinlich liebte ein kleiner Teil von ihr diese Frau, so wie man nur eine Fremde lieben konnte, die ihr eine herrliche Freundlichkeit entgegenbrachte genau in dem Moment, in dem sie diese Freundlichkeit am dringlichsten brauchte. Sie nahm einen tiefen Zug der Zigarette und genoss sobald das befriedigende Gefühl, welches ihren Körper durchfuhr, nebenbei die perfekte, kirschrote Spitze betrachtend, die in der Dämmerung leuchtete. Dea dachte darüber nach, dass dies wohl das Heimtückischste an all den verbotenen Dingen war. Nicht etwa die Nikotinsucht selbst, sondern vielmehr die Art und Weise, wie die Zigarette in bestimmten Situationen einfach passte. Morgendämmerung mit einer Tasse Kaffee - oder aber einsame Nächte in einem Haus voller Geister. Für Dea war es zu spät aufzuhören, sowie es auch zu spät war, etwas an ihrer Drogensucht zu ändern oder Alkohol zu sich zu nehmen. Zu tief hatten ihre Klauen sich bereits in Dea versenkt. Außerdem waren diese Süchte das einzige, was sie nach dem Tod ihrer Mutter noch hatte. Eine Erinnerung an Freundlichkeit und Trost, sowie ein Quell der Kraft - alles auf verschiedenste Arten in ihren Süchten versteckt. Dea stieß den Qualm der Zigarette hinaus und beobachtete, wie dieser immer weiter nach oben stieg, von winzigen Luftströmen erfasst, bevor er schließlich immer dünner wurde und verschwand. Wie das Leben, dachte Dea. Man machte sich genaugenommen nur etwas vor, wenn man glaubte, dass es anders war. Eine einzige kräftige Böe genügte und wir schwebten davon und lösten uns auf, während rein gar nichts abgesehen von einem Hauch unserer Existenz in Form von Erinnerungen zurückblieb. Sie hustete unvermittelt und kicherte angesichts all der Assoziationen. Anschließend entschloss die Dunkelhaarige sich dazu, die Heimkehr über einen Umweg anzutreten.

      >> Solitude was my only consolation -
      deep, dark, deathlike solitude. <<


      Nach weiteren hundert Metern schüttete es bereits wie aus Eimern. Ein ziemlich gleichmäßiges Prasseln lag über der Wasseroberfläche des Meers vor ihr. Schwere Tropfeneinschläge, dicke Regenschnüre, die die tiefe Dunkelheit des Himmels mit der tiefen Dunkelheit des Meers verbanden. Wind kam auf und verformte sich alsbald zum Sturm, der die Wellenkämme zu Schaum schlug. Ein erster Blitz tauchte das Meer binnen eines Wimpernschlages in ein helles, silbriges Licht. Der Donner selbst war ohrenbetäubend. Ein Knall, das die Welt auseinanderzureißen schien. Dea scherte sich nicht weiter darum, sondern versank mit jedem weiteren Schritt ein Stückchen tiefer im Meer. Sie lachte auf und plantschte wie wild mit Armen und Beinen während sie darüber nachdachte wie verrückt Lachen klang, wenn man es ganz allein tat. Vermutlich lag es an all den Drogen - doch die Dunkelhaarige hatte sich noch nie so lebendig gefühlt. Das Wasser um sie herum brodelte, der Himmel über ihr stürzte zusammen, aber Dea lebte. Sie bäumte ihren Oberkörper aus dem Wasser und jubelte zu den Wolken hinauf. Genau in diesem Moment schlug ein Blitz in ihren Kopf ein. Eine strahlende Helligkeit erfüllte ihr Schädelinneres und für den Bruchteil einer Sekunde schwor sie, sowas wie eine Ahnung von der Ewigkeit in sich aufsteigen zu fühlen. Anschließend blieb ihr Herz stehen und mit einem überraschten Gesichtsausdruck sank sie in einen Schleier aus zartglitzernder Luftbläschen gehüllt, auf den Meeresgrund. Sie trieb im dunklen Wasser und vernahm den wundervollsten Klang, der in ihrer Vorstellung hätte existieren können. Er war ebenso erhebend wie angsteinflößend. Ein starker Schmerz in ihrer Hand riss sie hoch, beinahe bis zur Oberfläche, doch nicht weit genug, dass ihre Augen sich öffneten. Dann wusste sie, dass sie tot war. Denn durch das schwere Wasser, das ihren Körper zu erdrücken schien, hörte sie eine Stimme ihren Namen rufen - in den einzigen Himmel, den sie sich so sehr ersehnte. Neben dem zarten Stimmchen vernahm Dea allerdings auch einen grässlichen, tumultartigen Lärm. Sie versuchte diesen so gut es ging auszublenden und sich einzig und allein auf die Stimme zu konzentrieren, die nach ihr rief. Sie versuchte all ihre Kraft zusammenzunehmen und zu antworten - doch es funktionierte nicht. Sie spürte ihre Lippen nicht und das Wasser war tief, schwer und lastete auf ihrer Brust. Anschließend sah sie nichts weiter als Schwärze und spürte, wie Leere ihren Körper einnahm.

      Die Angst war der einzige Feind des Lebens, welches Dea eigentlich noch vor sich zu haben glaubte. Ob es ein schönes Leben geworden wäre, war dahingestellt. Nur die Angst selbst war dazu in der Lage, die wenigen schönen Seiten ihres Lebens zu bezwingen. Die Angst war ein raffinierter Gegner, das wusste Dea durch eigene Erfahrungen am Besten. Die Angst akzeptierte keine Moral und kannte keine Gesetze oder Konventionen. Sie war unerbittlich. Ohne Mühe suchte sie bei jedem Menschen den schwächsten Punkt. Zunächst attackierte sie Deas Kopf, sowie es gängig war. Im ersten Moment fühlte sie sich noch selbstsicher und glücklich - bis die Angst in den Verstand eindrang, gehüllt in den Mantel des leisen Zweifels. Dem Zweifel begegnete Dea mit Unglauben - in der Hoffnung, diesen zu vertreiben. Stattdessen war der Unglauben im Gegensatz zum Zweifel nicht mehr als ein schlecht bewaffneter Fußsoldat. Es brauchte lediglich ein paar wenige Züge, bis der Zweifel den Unglauben besiegt hatte. Nun war Dea erfüllt mit Beklommenheit, woraufhin die Vernunft in die Bresche sprang - und da Vernunft mit den neuesten Waffentechniken vertraut war, empfand die Dunkelhaarige Beruhigung. Dieses beruhigende Gefühl dauerte jedoch nicht lang an, da die Vernunft trotz ausgefeilter Taktik nach einer Weile ebenfalls unterlag. Dea fühlte also, wie sie schwach und unsicher wurde. Denn aus der Beklommenheit stieg allmählich die Angst wieder empor. Allmählich nahm die Angst sich ihren Körper vor - der längst dahinter blickte, dass etwas nicht stimmte. Die Lungen waren geflogen wie Vögel, die Eingeweide wanden sich wie Schlangen und die Muskeln zitterten, als hatten sie Malaria. Es ging stets so weiter - jeder Teil versagte auf die Weise, auf die er es am ehesten konnte. Es dauerte also nicht lang, bis sie ihre letzten Verbündeten, Hoffnung und Vertrauen, davonziehen ließ. Das Resultat war, dass sie sich selbst besiegt hatte und die Angst, lediglich ein Hirngespinst verkörpernd, triumphierte. Es war nicht leicht, die Angst in Worte zu fassen; da echte Angst, etwa wie die, die man spürte, wenn man dem Tod ins Auge blickte, sich wie ein Faulbrand in die Erinnerungen einnistete. Sie ließ alles verrotten, selbst die Worte, mit denen man von ihr zu sprechen vermochte. Dea wusste, dass sie mit dem Gegner, der Angst, nie wirklich gerungen hatte und dann öffneten sich ihre Augen langsam.

      Sie merkte, wie der Schweiß ihr nur so von der Stirn rann und ihr ganzer Leib zitterte. Ihr Sichtfeld hatte sich an den Rändern verdunkelt und das Atmen fiel ihr schwer. Sie spürte, wie Panik in ihr aufstieg; ein klaustrophobisches, erstickendes Gefühl. Sie blickte an ihrem Körper hinab, während ihre Muskeln sich unablässig wie ein Sack voll lebender Schlangen verkrampften und entkrampften. Ich lebe. Verwirrt hob sie ihren Arm und ballte die Hände zu Fäusten um sicherzugehen, dass noch alles funktionierte. Als sie sich dessen sicher war, richtete sie sich langsam auf. Ein weiterer Blick hinab an ihrem Körper ließ sie realisieren, dass der Kimono den sie nun trug, definitiv nicht aus ihrer eigenen Garderobe entstammte. Noch verwirrter über diese Tatsache ließ sie ihren Blick durch die örtliche Gegebenheit schweifen, an einer Silhouette hängenbleibend. Ihr Blick war noch nicht gänzlich scharf, weshalb sie ein paar Mal wie wild mit den Wimpern klapperte und die Schärfe bei jedem weiteren Blinzeln allmählich besser wurde. Nun verformte die vorige, unscharfe Silhouette sich zu einem beinahe völlig entblößten Mann. Wobei das Erste, was Dea auffiel, seine strahlend weißen Haare waren. Im Augenwinkel vernahm sie währenddessen ihre eigentliche, durchnässte Kleidung. Es dauerte einen Moment, bis sie das Szenario, welches sich im Verlauf ihres Schlafes abgespielt haben musste, richtig realisierte und gerade als sie ihre Lippen dazu ansetzte ihrem Ärger Luft zu machen - durchzog ein unangenehm stechender Schmerz ihre Schläfen. Sie stöhnte vor Schmerz auf und versuchte diesen durch das Pressen ihrer Hände dagegen, zu mildern. Vergebens. Sie versuchte sich daran zu erinnern, was vorher passiert war - ebenfalls vergebens. Dea war nicht imstande dazu, auch nur einen klaren Gedanken zu fassen; zu intensiv war der Schmerz. Des Weiteren wusste sie nicht einmal, wo sie überhaupt war, geschweige denn wer dieser unheimliche Typ gegenüber war. Ihre Kopfschmerzen machten keine Anzeichen, sich zu mildern. Aber nach ein wenig Warterei waren sie zumindest auszuhalten. Deshalb ließ Dea ihre Hände von ihren Schläfen ab und richtete ihren Kopf erneut in Richtung des Unbekannten während die Wut sich anstaute: "Wer zur Hölle bist du und was ist das hier? - " , dabei zupfte sie mit den Fingern an dem Kimono herum, den sie trug, " - Du kannst froh sein, dass ich geschlafen habe, sonst hättest du dir gewünscht mich mit deinen Griffeln nie angefasst zu haben..." Schnaubend verschränkte sie die Arme ineinander und würdigte den Unbekannten keines weiteren Blickes mehr. "Aber vielleicht bin ich etwas weniger nachtragend wenn du mir verrätst, warum ich ausgerechnet mit dir in dieser muffigen Höhle feststecke und wo ich überhaupt bin?!"
      my review on life so far:

      ★ ★ ★ ☆ ☆

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    • Wie ein in Stein gemeißeltes Monument thronte der Körper des lebendigen Eisjuwels auf dem Untergrund eines rauen, mehr steinernen denn wirklich angenehmen Zufluchts-Provisorium, geduldig ausharrend, als wäre Leben innerhalb dieser kafkaesken Zone aus Widerwillen und illusionären Träumereien einer undefinierbaren Anomalie zugeordnet. Wenn es so etwas wie die Steigerung unermesslichen Seins gab, dann erfuhr der Weißhaarige gerade in diesem verehrenden Moment das ungetrübte Delikt unausweichlichen Vermächtnis, das mit seiner Geburt die Schwelle zwischen Sünde und Vergebung überschritten, und ihn in das Zentrum ungesund konzentrierter Irrelevanz katapultiert hatte. Zeit – für viele ein rares, wertvolles Gut, das einem gerade den Sinn des Lebens, manchmal aber auch Verluste, die man selbst zu bereuen trauerte, vor Augen führen konnte, wenn die eigene Uhr drohte, den letzten Atemzug des Lebens auf die andere Seite des ewigen Schlafes aushauchen zu lassen. Denn sie war so flüchtig wie ein zarter Augenblick selbst, glich einer Brise herabgleitender Schneeflocken, die ihr zerbrechliches Blumenmuster vorsichtig auf das Glas der Existenz niederzulassen geruhten und verankerte sich als fester, zu oft als selbstverständlich wahrgenommener Bestandteil eines Kreislaufs, der nur durch Vergänglichkeit Neues schöpfen konnte. Doch er… Er zollte der Rarität temporärer Abhängigkeit keinerlei Aufmerksamkeit mehr. Genau wie Zeit alle Wunden zu heilen vermochte – oder konkretisiert, sie half einem dabei, mit jenen sichtbaren,- sowie unsichtbar zurückgebliebenen Narben zu leben – so mündeten ihre heilenden Wurzeln genauso in schmerzender Verdammnis. Ihre schlummernden Klauen waren eben jenes Verhängnis, das so klar und ungeschönt den tiefsten Grund der Verletzlichkeit eines Menschen zu erreichen mochte, wenn es die vernarbte Spur vergangener Tage; verdrängter Geschichte und verschlossener Gefühle erneut aufzureißen begriff und den Kern jahrelang bemühter Stabilität zu Scherben zersplittern ließ, egal, wie vehement man dem Schmerz auch zu entgehen bemühte. Zeit war ein Pflaster. Sie konnte verdecken, unterstützen - manchmal sogar gänzlich heilen, aber niemals würde sie warten. Und genauso wie sie heilen, assistieren und verbergen konnte, so sprach sie einem jedem (menschlichen) Geiste ihre Grausamkeit zu; die letzten blinzelnden Sekunden der Gewissheit, wie machtlos man doch dem Gesetz zwischen Freiheit und Leben gegenüberstand. Es hatte nie ein letztes – gar einziges - Mal gegeben, an das er sich entsinnen hätte können, wo die Stimmen einer vergangenen Zeit, deren Sprache er nie zu lernen vermocht hatte, die Wegweiser waren, denen er sich immer zu entrinnen versucht hatte. Ein jeder potentielle Freund, der seine Aura auch nur hatte touchiert, verlor sich ferner zwischen Lüge und Selbsttäuschung. Sie fühlten es, diese latente Bedrohung, die kein terrestrisches Manifest bemaß, - schlimmstenfalls einem grausamen Fluch entstammte - aber ihr irdisches Verständnis konnte die Quelle extraterrestrischen Beginn, der das Gesetz der Geburt bis hin zur endlosen Stille zu betrügen erdreistete, schlichtweg nicht erfassen. Genaugenommen ebenso wenig wie er selbst. Während die meisten einen Grund zum Fürchten erhielten, - die Grundlage dafür, was sie antreiben, oder von etwas abhalten mochte, fesselte die Angst den Mann längst an die Grundfeste seines verfluchten Daseins. Der Tod allein verankerte nichts weiter als den Pfad ins Ruhen, während das Sterben ein unangenehmer Übergang zwischen Loslassen und Überlebenswille darstellte, - manchmal mit der schmerzlichen Note von Reue - dessen Grenze man nicht mehr möge zu überqueren, und dennoch verkörperte der traumlose Schlaf mitunter eine (lang) ersehnte Erlösung; etwas, das ihm zeitlebens vorenthalten bliebe. Irgendwann gingen sie fort, für immer, in ein Reich, aus dem es kein Entkommen gab - und er musste bleiben.
      Vielleicht mochte der Zeitvertreib, welchem sich der Schattentänzer notgedrungen gewidmet hatte, - wobei jenes (belanglose) Sinnieren irgendeinem wirren Gedankenkonstrukt undefinierter Zukunftspläne herausgebildet war – auch schlichtweg eine gar primitive Wunschvorstellung gewesen sein, in die er sich wie ein zappelnder Falter im Netz verirrt hatte. 120 Minuten. Eine verdammt lange Zeitspanne des Wartens, wenn man in Betracht zog, dass der Landstreicher seine kriegsstrategische, präventionstaktische Maßnahme in ihrem Grundzug hätte zur Vollendung bringen können, statt seine verkannte Fürsorge in ein – möglicherweise – fehlkalkuliertes Rettungsmanöver zu investieren, aus dessen Ausgangsposition sich nur vage irgendein profitabler Ertrag versprechen ließe. Sicherlich zählte die Schattenklinge sein Engagement freiwillig zu jenem sonderbar negativ emotionentfremdeten Klientel, das 19 von 20 Stunden der psychologischen Sitzung damit verbrachte, der Stille beim Schweigen zuzuhören und sich demgemäß sein Spiegel destruktiven Gedankengifts durch den Schleier übertönender Geräusch-Abstinenz zu überdecken erhoffte. Ob Täter oder Opfer, am Ende bezeugte sein Schuldspruch stets des Richters geistig selbstjustierende Entwicklungswirklichkeit, das wahre Abyss moralischer Urteils(un)fähigkeit. Erst die ungleichmäßigen Atemzüge des jungen Pflänzchen, unter deren Atmung sich ihr Rücken arrhythmisch zu heben und senken begann, ehe ein leichtes Flattern ihren Körper durchzog, katapultierten das Nachtschattengewächs zurück gen Wirklichkeit. Der Nebel des Schlafes schien langsam seine Schleier aus den Augen der schwarzen Rose, obgleich nicht gänzlich aus ihrem Köpfchen, zu wischen und er glaubte zu spüren, wie ein Strom purer Energie ihre feinen Fibrillen zu umschmeicheln kräftigte. „Hast du Schmerzen?“ Tatsächlich – ungeachtet seiner ohnehin mangelnden Sozialkompetenz, die für gewöhnlich jedoch nicht am Grunde völliger Begriffsstutzigkeit zu enden klagte – bestätigte diese sinnlose Bemerkung offenbar seine Unfähigkeit im Umgang mit möglichen Gefühlskomponenten, die sich ennet negativer Impulskontrolle befand, empfand er seine fast väterlich anmutende Sorge hinsichtlich ihrer initialen Handlung als gerechtfertigte Frage. „Ich habe Tee zubereitet. Trink, du hast eine weite Reise vor dir.“, schloss der Weißhaarige ruhig anbei und umfasste, ohne eine Antwort überhaupt abwarten zu wollen, mit einem Lederband vorsichtig den heißen Griff der im Feuer stehenden kleinen Kanne und goss den Inhalt behände in die Feldflasche, bevor er der Schwarzhaarigen den Getränkespeicher überreichte. Revidiert, überreichen wollte, denn das Haupt der Fremden schnellte mit einer solch ungeahnten Agilität zu ihm herum, dass er den Tee, - schon aus reiner Sicherheitsmaßnahme - behände beiseiteschob und statt einer eigentlich erwarteten sacht verwirrten, obschon dankbaren Fassade, eine Salve unartikulierte Mordschwüre über sich erdulden lassen musste. "Wer zur Hölle bist du und was ist das hier?" Ein amüsiertes Lachen purzelte beinahe hilflos über die Lippen des Schattentänzers, trotz, dass er sich gegen eben jenen herannahenden Reflex ursprünglich hatte erwehren wollen, aber den Mechanismus verselbständigten Vergnügens kläglich zu bändigen verfehlt hatte, und scharrte aus einer dunklen aufgestiegenen Resonanz die kalten, grauen Wände entlang. „Ganz ruhig, Raubkätzchen.“, versuchte der Krieger das nächterne Schwänchen zu beschwichtigen. (bestimmt ließe sich das Resultat mit dem Effekt eines Mentos in Cola vergleichen) „Nun, ich würde behaupten, das Mittel, das dich am Leben gehalten hat. Aber du kannst es mir gerne zurückgeben, wenn du möchtest, ich bin sicher, mit deinem… außergewöhnlichen Charme weiblicher Reize wirst du zweifelsohne einen netten Abnehmer bezirzen können. Über den Preis lässt sich bestimmt verhandeln.“ schnurrte der Mann halb genießerisch in die feinen Gehörsinne wilden Gemüts, das gerade in diesem Moment wohl ihre Kapazität an Selbstbeherrschung zu bestimmen intonierte. Präfierte dieses Kätzchen ihr Konfliktpotential eigentlich gerne in das Geäst zwischenmenschlicher Ego-Konkurrenz zu lavieren? „Du kannst froh sein, dass ich geschlafen habe, sonst hättest du dir gewünscht mich mit deinen Griffeln nie angefasst zu haben..." trotzte das Stimmlein emotional agierenden Reflexes abermals abschätzig gegen den organischen Mantel souveräner Selbstbeherrschung. Das Licht, dass die Sinnesvielfalt der Welt so kostbar über das Augenpaar der Schattenklinge geleitete, um die farbspielenden Eindrücke Natur entsprungener Schöpfung mit erquickender Faszination zu glasieren, wurde durch den Schleier zarter Lider ganz langsam, wie das gleißende Rot am Himmel, dessen feuriger Himmelskörper baldig von der Nacht würde heimgesucht, überschattet. „Oh. Eine Einladung?“ erwiderte der junge Mann auch diesmal so ruhig, als beinhaltete die Drohung gerade mal die erwähnenswerten Trivialitäten des Alltags, bevor ein vorsichtig laszives Grinsen die abendscheinenden Lippen des Mannes zu umweben begann und er die ungezügelte Wildheit des Nachtkristalls genüsslich durch seine Augen zu verzehren weidete. Obgleich seine gnädige Geste – auf eine sofortige Maßreglung zu verzichten - die Bemerkung eigentlich humorvoll und - für seine oft wünschenswerten Verhältnisse – manierlich hätte erscheinen lassen müssen, ließ gerade diese kafkaeske, ungewöhnliche Erwartungshaltung sein Erscheinungsbild in einer sonderbaren Bedrohlichkeit münden. „Hahaha…. Möchtest du dich gerne beweisen? Allerdings… mir obliegt wahrlich keinerlei absichtliche Verwundung pfirsichfarbener Haut, noch ein gewollt herausfordertes Traumata unschuldigen Jungbluts.“ Warum, zum Teufel, ließ er sich überhaupt zu solch ungewohnt feinfühligen Sphären bekehren? Vielleicht glich das Antlitz der jungen Frau zu sehr der typischen Charakteristika weicher, elastischer Haut, die durch eine rundliche Gesicht und Wangenstruktur das Merkmal eines Kindchenchemas abzudecken vermochte und seine Antwort erschloss sich einfach aus dem Schlüsselreiz der Instinkttheorie, die das Reizmuster bei Wahrnehmung kindlicher Schutzbedürftigkeit in einer Instinktbewegung- respektive Handlung münden ließ? "Aber vielleicht bin ich etwas weniger nachtragend, wenn du mir verrätst, warum ich ausgerechnet mit dir in dieser muffigen Höhle feststecke und wo ich überhaupt bin?!" „Du hast den Mut einer Arcanine, die aufbrausende Art eines Vetra, jene willensstarke Aura der Acris und diese unverkennbare, FELSENfeste Selbstüberzeugung, wie sie nur ein Erdbändiger unterMAUERN kann. Sag mir, aus welchem Stamm bist du vertreten?“ Die Stimme des Weißhaarigen umhüllte beinahe so etwas wie Faszination, denn welcher Narr hatte ihm jemals derart gefasst und furchtlos gegenübergestanden, ohne die Abgründe des Todes überblicken zu müssen? „Gut, um deine Frage nochmals aufzugreifen, so vermute ich, dass du entweder tot gewesen, oder von einer Ceaspes aufgegriffen worden wärst. Aber das müsstest du eigentlich wissen, nachdem du in ihrem Territorium rumgeschlichen bist, obgleich kaum erfolgreich... Entzückend kühn, jedoch genauso dumm. Umhin, ich hatte schon lange nicht mehr so viel Spaß, wildes Raubkätzchen.“, gab der Mann unter einem milde anmutenden verlegenen Unterton zu, wobei sich kurz ein Anflug eines Lächelns um seine Mundwinkel kräuselte, ermutigt von dem vergebungsverheissenden Leuchten auf der Leinwand schwarzrunder Monde, ehe die Atmosphäre Todeszone vom einem ebenso gedämpften Lachen erhellt wurde; vielleicht einfach, um der Situation etwas von ihrer ausweglosen Spannung nehmen zu können. „Aber was brächte es dir, die Wahrheit über mich zu erfahren? Manche Geheimnisse bleiben lieber hinter dem Vorhang der Unwissenheit… ;‘) Und wer weiß, ob du die Bekenntnis einer unreinen Existenz nicht schon früh genug zu sündigen erfahren wirst? Nun denn - möchtest du nicht vielleicht doch etwas Tee? Beruhigt strapazierte Nerven, petite Marie.“

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    • Die Dunkelhaarige zog die Augenbrauen zusammen ( etwa so: >:( ) und rang innerlich mit der langsam Überhand gewinnenden Wut. Ihr Gegenüber hatte doch nicht allen ernstes gewagt, den Begriff "Raubkätzchen" zu verwenden? Dachte er, Dea empfand die Situation, in der sie sich derzeit befand, auch nur annähernd als belustigend? Ihre Erinnerungen waren hinfort, ihr Schädel schmerzte, als hätte ihr jemand eins übergezogen und zu allem Überfluss war sie dazu gezwungen, die provokanten Bemerkungen des Fremden über sich ergehen zu lassen. Nicht einmal auf ihre (ausnahmsweise) ernst gemeinten Fragen gab dieser ihr vernünftige Antworten - stattdessen machte sein gesamtes Auftreten den Anschein, ein Kryptex zu verkörpern und Sakrileg hatte sie das letzte Mal vor Jahren gesehen. Ihr Gefühlschaos zu beherrschen versuchend, verschränkte Dea die Arme vor der Brust und würdigte den Weißhaarigen absichtlich keines Blickes. Viel lieber blickte sie durch den Ausgang der Höhle um sich einen groben Überblick der außerhalb liegenden Gegebenheiten zu verschaffen. Bedauerlicherweise war die Sicht durch den starken, herrschenden Schauer beeinträchtigt und selbst das, was sie zu erkennen vermochte, konnte sie nicht zuordnen. Möglicherweise mochte dies an ihrem Gedächtnisschwund liegen - doch Dea empfand nicht einmal den Hauch von Vertrautheit. Im Allgemeinen war die Dunkelhaarige nicht dazu in der Lage, ihr momentanes Befinden zu beschreiben. Alles vor ihren Augen Liegende jagte ihr einen Schauer über den Rücken und erfüllte sie mit einem befremdlichen Gefühl, das sie in ihrem Eigenheim schon längst im Keim erstickt hätte. An diesem Ort befand sie sich zu ihrem Bedauern allerdings ausschließlich mit ihrer Kleidung und keinerlei Zigaretten oder sonstigen Mitteln, die ihr dabei geholfen hätten. Also entschloss Dea sich dazu, ihre Augen zu schließen sowie ihre Atmung zu kontrollieren, um die Fassung während den lächerlichen Kommentaren ihres Gegenübers nicht zu verlieren, bis sie die Ohren bei seiner nächsten Bemerkung wieder spitzte: "Arca-... was? Stamm? In welchem Zeitalter bist du eigentlich hängengeblieben? Ich bin bloß eine völlig normale Asiatin, mit einem unverkennbaren Auftreten, welches selbst die FELSENfeste Selbstüberzeugung deiner merkwürdigen Freunde in den Boden stampft." Die Dunkelhaarige hielt für einen Moment inne, um ein letztes Mal an ihrem Körper hinabzublicken - "So wie ich das sehe, bin ich ziemlich lebendig und von irgend einem.. was sagtest du noch gleich? Kasperle? - wurde ich ebenfalls nicht verschleppt." Selbstzufrieden drehte die junge Frau sich ein paar Mal im Kreis um den Weißhaarigen davon zu überzeugen, wie lebendig sie sich fühlte. Diese Bewegungen unterbrach sie jedoch schnellstmöglich wieder, da sie sich ziemlich sicher war, dass ihre zuversichtliche Gemütsstimmung durch die vorher eingenommenen Substanzen zustande kam und dementsprechend nicht von langer Dauer sein konnte. Ein wenig enttäuscht schlenderte sie zurück zu ihrem ursprünglichen Platz an dem sie erwachte und ließ sich dort nieder - den Weißhaarigen dennoch nicht anblickend. Die nächsten Worte des Unbekannten kamen überraschend und sorgten dafür, dass der Dunkelhaarigen die Sicherungen durchbrannten: "Gut, um deine Frage nochmals aufzugreifen, so vermute ich, dass du entweder tot gewesen, oder von einer Ceaspes aufgegriffen worden wärst. Aber das müsstest du eigentlich wissen, nachdem du in ihrem Territorium rumgeschlichen bist, obgleich kaum erfolgreich... Entzückend kühn, jedoch genauso dumm. Umhin, ich hatte schon lange nicht mehr so viel Spaß, wildes Raubkätzchen." - "Bitte?! Ich glaube, du tickst nicht mehr sauber. Ich habe keinerlei Erinnerungen daran, was mit mir passiert ist - das Einzige was ich weiß ist, dass ich von irgendeinem kranken Psychopathen in eine Höhle verschleppt wurde und zudem noch in seinem Kimono stecke und dann tust du noch einen auf 'Ach ich bin ja so geheimnisvoll' - und nenn mich noch einmal 'Raubkätzchen' dann klatsche ich dir den Tee um die Ohren du Penner!" Wütend erhob die Dunkelhaarige sich und bündelte ihre restliche Wut zu einem vom Herzen kommenden Schrei. Im nächsten Moment schnappte sie sich ihre nassen Klamotten vom Boden, legte diese um ihre Schulter und steuerte den Ausgang der Höhle an. "Alles ist besser als ein Teil deines kranken Spiels zu werden - also lass mich gefälligst in Ruhe!" - waren die letzten Worte Deas, bevor sie den Weißhaarigen zurückließ und sich ohne einen letzten Blick nach hinten in den starken Schauer begab. Natürlich dauerte es nur einen Augenblick, bevor auch der Kimono des Fremden von Nässe durchtränkt war und an ihrer Haut klebte, sodass die Kurven der jungen Frau sich unter dem dünnen Stoff abzeichneten. Während sie also völlig unwissend den Pfad, der von der Höhle wegführte entlanglief, strich sie sich andauernd die im Gesicht hängenden Haarsträhnen zur Seite bis auch diese Kleinigkeit sie zur Weißglut brachte. "So eine verdammte Scheiße!" schrie sie in die Ferne, bis sie eingesehen hatte, bei diesem Regen schlecht voranzukommen. Alles was sie erblickte waren Bäume über Bäume, keinerlei Siedlungen oder sonstige Orte, die ihr Hoffnung schenkten, auf andere Menschen zu treffen. "Ich geb's auf.." Auch, wenn die Baumkronen bereits nachgaben und die vielen Regentropfen nicht länger aufhalten konnten, lief Dea auf einen der vielen Bäume zu, um sich gegen den riesigen Stamm zu lehnen und sogleich zusammenzusacken. Für die Dunkelhaarige war deutlich zu spüren wie die Wirkung der Drogen immer mehr nachließ und ihr Körper nach mehr verlangte. Dem Körper mehr zu geben, dazu war sie momentan allerdings nicht in der Lage. Nicht einmal über eine Zigarette zum Runterkommen verfügte sie und so blieb ihr nichts anderes übrig, als diesen Zustand irgendwie auszuhalten. Ihre Glieder fühlten sich schwer an und auch im Allgemeinen war von ihrer Euphorie nicht länger etwas zu spüren. Dea zog die Beine an und vergrub ihr Gesicht in den darauf ruhenden Armen. Dies war der Moment vor dem sie immer Angst hatte, denn bisher verging in ihrem Leben kein einziger Tag, an dem sie nicht irgendwas konsumierte. Das Schlimmste an der ganzen Sache war jedoch, dass sie nicht einmal einen Ort hatte, an dem sie sich ausruhen konnte. Stattdessen befand sie sich inmitten einer Umgebung, die sie vorher noch nie gesehen hatte - ohne jegliche Hinweise, wie sie hierher gekommen war oder eben entkommen konnte. Vereinzelte Tränen liefen der jungen Frau über die Wangen, bevor sie bitterlich zu weinen begann. Noch hatte sie die winzige Hoffnung, dass es sich hierbei um einen Traum handeln musste - aber irgendwas in ihrem Inneren sagte ihr, dass dem nicht so war. Dafür fühlte sich das gesamte Szenario viel zu realistisch an. Allerdings hatte sie (ob Traum oder nicht), keine andere Wahl, als das alles auf irgendeine Art und Weise durchzustehen.
      my review on life so far:

      ★ ★ ★ ☆ ☆

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