boon&bane [medusa & vrthnkng]

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    • boon&bane [medusa & vrthnkng]

      boon&bane

      The Grim Reaper - @medusa
      The Dokkaebi - @vrthnkng



      Als einst größte Lektionen, die sich in den surrealen Märchen einschlichen, hatten sie sich bereits vor etlichen Jahrzehnten ihren Namen gemacht - Als der schwarz gekleidete Mann, vor dem man flüchten sollte, und dem freundlichen Herrn, dessen Angebote in Windeseile abzuschlagen waren, bevor sich durch die Herrschaften das Schicksal bildete, dessen groteske Realität sich als Trauerspiel für die Menschheit darstellte. Gab man den Märchen genug Gehör, waren die mystischen Wesen über die man sprach, schnell herauszukristallisieren: Der Grim Reaper, der binnen Sekunden so viele Seelen sammelte wie manch Mensch es mit Blumen tat, und dem Dokkaebi, dessen Herkunft genauso unerklärlich war wie die Willkür die er an den Tag legte, entschied er wieder über das Schicksal der Menschen. Eine gefährliche Mischung tat man sie zusammen und noch gefährlicher waren sie, sah man sie in ihrer Feindlichkeit gegeneinander.
      Ein Sensenmann, der die Erinnerungen vor seiner Amnesie zurückhaben wollte, und ein mystisches Wesen, der sich seine Jahrzehnte langen Erinnerungen entlegen will, würden wohl nie eine gute Mischung machen, ohne ihren faden Beigeschmack auch der Menschheit zu präsentieren. So waren ihre Begegnungen getränkt voller Hass und ausgearteten Streitereien und ihr Abschied so gestaltet, dass sie ein Kriegsfeld kreierten - Mit Stoppschildern und Getränkeautomaten durch denen sie sich zu bewerfen versuchten und schockierten Kindern, die sich durch deren Vulgärsprache mehr neue Wörter aneigneten, als das sie bereits sprechen konnten. Ihre Schlachtfelder waren Beweise genug, um gar in den modernen Märchen lieber vor ihrem Zusammentreffen zu warnen als vor ihrem Wesen selbst, aus denen letztlich kleinere Übel resultierten.
      Wie es Ihnen jedoch das Unglück prophezeite, überschlugen sich ihre Ärgernisse so schnell, dass die höheren Mächte sie mit dem nächsten Augenblick für ihre unzähligen Vergehen und Auseinandersetzungen zu bestrafen vermochte. Da wurde Dal schleunigst in die menschliche Gesellschaft befördert, hatte er diesen schon genug Schaden angerichtet - Genauso letztlich wie der Jaewon, der sich mit dem Erblicken des Sensenmanns in seinen eigenen vier Wänden um diesen zu kümmern hatte. So unzufrieden wie sie doch schon damit waren, sich in ihren nächsten Lebensjahre beim jeweils anderen befinden zu müssen, hatten sie sich sicherlich nicht noch auf weitere Strafen eingestellt, wie es ihnen doch ihre Organisation bescherte: Nicht nur durften sie sich erfreulicherweise Mitbewohner nennen - nein - Sie durften sich gar bei ihren Aufgaben über die neue Gesellschaft freuen, hatte man wirklich gewagt die beiden in ein und dasselbe Team zu stecken. Was für den einen wohl eine Art Prävention vor weiteren Ärgernissen war, war für die beiden mit ihrer schlechten Bindung zueinander der persönliche Horror auf Erden. Bloß ihr gemachter Deal konnte sie noch auf dem Boden halten, der sie doch hoffentlich noch für eine gute Weile in Frieden miteinander leben und arbeiten ließ - Sonst würde man sich von der Welt verabschieden dürfen, wie man sie bisher kannte.
    • Es war ein grausig dunkler Tag zu den Mittagsstunden geworden und ein noch langsam voranschreitender dazu, konnte man das blaue Augenpaar des Dokkaebis dabei zusehen können, wie er aus den weißen, sterilen Krankenhauswänden hinaus aus dem großem Fenster blickte, um einigen Regentropfen bei ihrem Weg zum Aufprall auf der Straße mit seiner Beobachtung eine Begleitung zu schenken. So selten wie es bei ihm war, sich in völliger Entspannung an eines der Fenster lehnen zu dürfen und keinen Kaffee trinken zu müssen, der zuvor erst im Stress stundenlang versauern durfte, war ihm auch mit der Tatsache unterdurchschnittlich wenige der Grim Reaper im Krankenhaus umherschwirren zu sehen ganz anders geworden. Sie waren oft da, vermutlich mit den Toden hier noch öfters als es Jaewon selbst war, da war ihre heutige Zurückhaltung zu auffällig, um sie als puren Zufall abzustempeln. Mit einem Seufzen hatte er seinen Kopf in den Nacken gelegt, bloß um mit dem letzten Schluck auch letztlich den Kaffeebecher in seiner Hand zu zerdrücken und in die nächst gelegenen Mülltüte zu werfen. War Jaewon nicht schon selbst genug damit beschäftigt, wer einen seiner Wesen so verärgerte um solch Wetter zu verursachen oder gar was ihn noch in seiner letzten Arbeitsstunde dadurch erwarten konnte, hatte ihm eines der Krankenpfleger bereits seine Gesellschaft angeboten und das ausgesprochen, was der Dokkaebi selbst gar nicht erst zu denken wagte. " So ruhig wie es ist, wird es heute wohl wenig Einlieferungen geben, oder Jaewon? " Das wilde Rumgefuchtel mit den Händen, sein Zeigefinger auf den Lippen und alle anderen Zeichen, die ihn noch darum gebetet haben seinen Satz nicht vollständig auszusprechen wurden nur mit einer verwirrten Mimik und gehobenen Augenbrauen erwidert, als wäre gerade er derjenige gewesen, der sich einen Fehler erlaubte. " Du bist daran Schuld, wenn ich später in meiner Rufbereitschaft angerufen werde, damit das klar ist. ", erklärte er mit den weißen Haarsträhnen, die ihn nicht doch gleich von hinten noch älter machte, als er eigentlich für das Menschensauge war. Es brauchte ein wenig für den Pfleger, sich aus der unsicheren Haltung zu holen und sich zögernd an eines der Automaten zu stellen, der ihnen schon zu oft die Scheine wegfraß. " Jedes Mal, wenn einer von euch so eine Vermutung stellt, darf ich meine Beine in die Hände nehmen und durch die ganzen Stationen rennen. ", erklärte er sich schon, zuckte sogleich jedoch wieder mit den Schultern und grinste, als würden ihn die zukünftig angehängten Arbeitsstunden nicht in seinen Umzugsplänen stören. Wie als hätte er mit seinen wenig freien Minuten so erholt, wie es für manche erst nach einem stundenlangen Schlaf zu erreichen war, hatte er sich auch schon wieder neue Handschuhe gegriffen und diese mit seinem Weg aus dem Raum angezogen, um sich wieder nach den Patienten umzusehen.

      Mittlerweile waren gar die letzten Stunden seines heutigen Arbeitstages problemlos vergangen und mit seinem letzten Rundgang, kamen ihm auch die letzten Gestalten aus dem Jenseits entgegen, die in den Räumen ihre toten Seelen aufsuchten oder diejenigen, die einer der Ärzte demnächst als tot erklären wird. Waren sie nur für den Arzt selbst erkennbar, hatten sie diesem seinen Weg freigemacht, indem sie sich an die Wände stellten, ehe er an diesen vorbeilief. Bloß die plötzliche Anspannung in ihrer sonst emotionskargen Haltung hatte ihm doch noch einen Dorn im Auge verliehen und ich schließlich zum Stehenbleiben verleitet, um mit der Sicherheit, kein menschliches Wesen würde sie für diese Minute stören. " Was verheimlicht ihr heute schon wieder? ", fragte dieser sogleich mithilfe ihrer telepathischen Fähigkeiten nach und brachte sie mit einem lauten Räuspern sogleich dazu, selbst nochmal stehenzubleiben, auch wenn sie sich mit seiner Ansprache gar erschrocken zeigten. Mit ihrem häufigen einander Treffen hatte man sich schon einiges in den wenigen Sekunden herausfiltern können, doch meist war ihre Anspannung eher einem möglichen Aufeinandertreffen Jaewons mit Dal zuschulden, der auch ihre Arbeit erschwert. Letzten Endes wurde mit der schlechten Laune der höheren Mächte, verursacht durch dessen beiden Streitereien und Fehler, gleich eine Kollektivstrafe für jene, die noch zu diesen mussten. Geantwortet hatten die Grim Reaper ihm nicht, als hätten sie die Sorge der Dokkaebi würde ansonsten zu viel aus ihrer Stimmlage ahnen können, würden sie nicht noch wissen, dass ihre momentane Vorsicht schon zu viel aussagte - Dal musste hier irgendwo sein. Mit schnellen Schritten eilte Jaewon dementsprechend schon zur Umkleide, hatte er sich auf seinem Weg schon von seinem weißen Arztkittel verabschiedet und von den Utensilien, die er aufgrund von Faulheit zu lange bei sich hält. Seine Schicht war ohnehin zu Ende und wäre sie es nicht, hätte man sein Verschwinden zumindest nicht in den nächsten Minuten erkannt. Mit seiner Eile reichte ihm die Zeit nur noch alles in seinen Spind zu stopfen, den Rest aus diesem zu ziehen und mit großen Schritten sich aus dem Staub zu machen. Sein großes Grinsen konnte er jedoch nicht mehr verstecken, freute er sich doch schon zu sehr auf seinen alten Freund und der Zerstörung seiner Aufgabe, um wieder Gleichheit in ihre ewige Anfeindung einkehren zulassen. Sonst würden sie sich noch schneller in der Hölle wiedersehen als gedacht und solange diese Tatsache nicht eintraf, hörte man erneut das Quietschen der Autoreifen Jaewons Wagen, den er sogleich auf der Suche nach Dal aus der Tiefgarage beförderte.
      Es dauerte seine Zeit den Grim Reaper ausfindig zu machen, umso mehr freute sich doch aber der Weißhaarige auf sein nächstes Tun, der ihm als Racheakt schon fast zustand, hörte man denn nicht auf diejenigen, die ihnen ihre Vergehen bestrafte. Mit der nächsten Ausfahrt hatte er dort sein Wagen platziert, den Rest des Weges sich mit der Teleportation hinter Dal gespart. Seelenruhig hatte er sich hinter ihn teleportiert, es weder gewagt zu denken oder sich vom Fleck zu rühren, nur um ihm ungestört dabei zuzusehen, wie er auf die Toten wartete, die der freche Dokkaebi noch gleich vor Dal bewahren würde. Da würde ihn der Grim Reaper gar hinter sich bemerken dürfen, doch mit der Haltung von Dal müssten beide nicht sonderlich lange darauf warten, bis Jaewon sich mitten auf die Straße stellte, schien es doch ganz klar mit dem Verkehr hier zutun zu haben.
    • Beim ersten Mal hätte er es wohl ignorieren können, indem er seine schlechte Laune überspielte. Dieses Elend wiederholte sich jedoch ein zweites und drittes Mal, sodass sein Verstand nicht mehr in der Lage war, die ganzen Versuche nachzuzählen. Es spielte auch keine Rolle mehr, denn seine Nerven waren am Ende und das Ziel somit erreicht. Zumindest redete er sich es ein. Schließlich hatte er die besondere Eigenschaft in allem eine Verschwörung, die offensichtlich gegen ihn gerichtet war, zu sehen. Dabei gab er sich nicht einmal die Mühe, in diesem Nonsens irgendeinen Sinn zu finden. Die Regentropfen prallten weiterhin ohne jeglichen Erbarmen auf seinen Mantel, der zu seinem Glück wasserfest war. Dal hielt nicht viel von dieser modernen Welt, die gefüllt von den angeblich bahnbrechenden Erfindungen der Menschen war, doch solche Kleidung stellte trotzdem eine Ausnahme dar. Er war durchaus dankbar, nicht komplett durchnässt zu werden. Im Grunde genommen, sollte es ihn nichts ausmachen. Er war ein Sensenmann. Gefühle, besonders Kälteempfindungen, waren ihm fremd. Zumindest nicht auf die gleiche Art ausgeprägt wie bei den Menschen. Irgendwelche Emotionen, die bei ihm Schmerz jeglicher Art verursachten, waren demnach nich möglich. Es änderte trotzdem nichts daran, dass er den Regen verabscheute. Dal hatte nicht einmal einen richtigen Grund für seine Abneigung gehabt. Diese feindselige Einstellung war schon seit einer Ewigkeit ein Teil von ihm.
      Nein, sie begleitete ihn seitdem er sich selbst kannte. Sein Verstand war leer und ordnete ihm keine Erinnerung zu, die verraten könnte, weshalb er genau einen solchen Groll gegen regnerische Tage hegte - insbesondere, wenn er diesen unter freiem Himmel ausgeliefert war.
      Er war wegen dieser Situation deutlich angereizt, wobei er sich nicht einmal die Mühe gab, es ansatzweise zu verbergen. Warum sollte er es auch tun? Dal zog seine Schulter enger zusammen, damit er seinen Kopf besser unter der breiten Kapuze unterbringen konnte.
      Er machte das alles, um die Zigarette anzünden zu können. Es war womöglich nicht der beste Zeitpunkt dafür gewesen, doch darüber machte er sich in diese Moment am wenigsten Sorgen. Nach einigen Versuchen bekam er es hin, sodass eine leichte Flamme an der Spitze auftauchte. Er versteckte das Feuerzeug im selben Moment in der Hosentasche.
      Instinktiv zog der Sensenmann an der Zigarette, wodurch er deutlich verspürte, wie der glühende Rauch seine Lungen bereicherte.
      Er schloss für einen flüchtigen Moment seine Augen und glaubte für diesen Zeitraum eine gewisse Idylle gefunden zu haben, doch als er sie wieder öffnete, landete er in der erbitternden Realität.
      Regen, Menschen. Zwei Sachen, die er verabscheute, aber trotzdem ertragen musste. Zwar konnten die Menschen ihn nicht sehen, weil er sich vergewissert hatte, unsichtbar zu sein. Für ihn reichte es jedoch aus, wenn er sich in ihrer Nähe befinden musste. Dal zog ein weiteres Mal an der Zigarette und beobachtete, wie die Rauchwolke, die er ausatmete, versuchte, sich dem Regen standzuhalten. Es war aber eine chancenlose Niederlage gewesen.
      Er stand nicht weit von einer Kreuzung entfernt.
      Seine Augen starrten auf die linke Hand, an welcher eine Uhr war, die ihm mit einer roten Markierung seinen Zielort verdeutlichte und die Zeit, die ihm noch geblieben war. Eine Minute. Irritiert zog sich seine Stirn zusammen.
      Einen Bus konnte er jedoch nirgendwo erblicken. Er wartete auf einen Autounfall, um endlich die besagten Seelen einzusammeln.
      Es war nicht genügend, dass er in diesem Wetter in der Menschenwelt unterwegs zu sein hatte. Nein, er musste noch einen unnötigen Seelenhaufen aufklauben.
      Die letzte Minute verflog im Handumdrehen, sodass er es gar nicht nötig hatte, die letzten Sekunden zu zählen.
      Seine Augen erblickten aber nichts, was auf irgendeinen Unfall hindeuten könnte. Dal starrte wieder auf die Uhr und bemerkte dabei nicht, wie er die Hand mit der Zigarette aus der Kapuze rauszog. Es brauchte nur einen kurzen Augenblick, die leichte Flamme zu erlöschen. Erst nachdem sich der Sensenmann vergewisserte, dass er sich wirklich im richtigen Ort befand, bemerkte er die durchnässte Zigarette.
      ,, Verdammte Scheiße“, zischte er entnervt vor sich hin.
      Das durfte doch nicht wahr sein. Er beugte sich fluchend runter, nahm den Zigarettenstummel entgegen, den er fallen gelassen hatte. Dal drehte sich um, damit er den Rest in die Mülltonne schmeißen konnte. Er bemerkte dabei eine andere Gestalt. Und in diesem Moment schien seine jetzige Situation Sinn zu ergeben. Sein rechter Mundwinkel zuckte einige Male unkontrolliert.
      Im nächsten Moment landete er vor ihm. Es bildeten sich für einen kurzen Moment dunkle Wolken um Dal, die ein Beweis dafür waren, dass er die Teleportation benutzt hatte. Ohne es sich für eine Sekunde länger zu überlegen, packte er die frech grinsende Gestalt am Kragen und zog sie zu sich. ,, Ich dachte, ich hätte es dir das letzte Mal klar und deutlich erklärt, dass du dich von mir fernhalten sollst?“, fauchte er ihn empört an.

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    • Die beiden hatten sich in ihren Jahrhunderten wohl noch besser von ihren dunkelsten Seiten kennengelernt, als es mach Geschwister taten und mit dem Eindruck war Jaewon schon sicher, sein allseits bekannter Freund würde ihm doch schon bald ganz von allein auf die Schliche kommen, während er sich noch an seiner Zigarette verging. Regen war ihm selbst nichts, was er sofort mit einer Kapuze zu verdecken hatte oder wodurch er sich sofort unter eine Bedachung verstecken musste, auch wenn ihm gerade ohnehin die Möglichkeiten dazu fehlten, hatte er sich nicht sonderlich auf das heutige Wetter vorbereitet. Würde man ihm aber nicht noch weiter in die Quere kommen, war er nach seinem kleinen Treff bereits wieder zu Hause und würde sich neben den ganzen Kartons zu Hause abtrocknen können, ehe er nicht noch zurück ins Krankenhaus müsste oder er bereits dafür eingesetzt wird, die Geburten wieder unter dem Auge zu halten.
      Während es jedoch noch still um die beiden blieb, hatte sich der Weißhaarige selbst ein wenig umgesehen und folgte sogleich auch den Kopfneigungen seines Vordermannes, der wohl noch besser zu wissen hatte, aus welcher Richtung nicht eigentlich die toten Seelen kommen werden. Solange jedoch der Sensenmann entspannt blieb und keine Anstalt machte, die Zigaretten auch noch in den letzten Momenten in vollen Zügen zu genießen, hatte auch er die Hände in den Mantel gesteckt und sich lediglich den hellen Schopf versucht trocken zu schütteln, als ihm nicht allmählich Dal zu lange zum Entdecken brauchte. Mit der eigenen Ablenkung war ihm die Bewegungen seines Zieles nur schwer zu analysieren, da hatte er nur realisieren können, dass sich dieser in der nächsten Sekunde auf diesen zu bewegte und ihm zur Belustigung Jaewons an den Kragen packte. " Wenn es doch so deutlich war, würde ich doch nicht hier stehen, oder? ", bestätigte er ihm, dass es bisher wirklich nicht gereicht hatte und wenn man noch weiter nachdachte, ob es überhaupt jemals mit der gewissen Schmerzresistenz der beiden jemals reichen konnte. So oft wie Dal ihm bereits an den Kragen packte, wusste doch auch Jaewon schon lange genug wie er sich aus jenem Handgriff wieder befreien konnte und war dies erreicht, konnte er selbst nicht anders, als ihm gegen die Stirn zu schnippen. " Pass lieber auf, sonst verpasst du noch deinen Bus.. Knallkopf. ", witzelte er noch mit einem breiten Grinsen, ehe er mit den nächsten Schritten sich an den Straßenrand positionierte und ein wenig umher sah, als würde ihn doch nur seine Arbeit interessieren. Im Regen waren viele der Verkehrsteilnehmer noch vorsichtiger geworden, manch Fahrradfahrer stiegen noch ab und nutzten lieber den üblichen Bürgersteg, andere hingegen waren in ihren Fahrfähigkeiten so selbstbewusst, dass sie trotzdem durch die Straßen wie die Wilden düsten. Waren sich die blauen Augen einst sicher, dass sie nichts ersichtliches auf den nassen Straßen entdeckten, hatte er den Kopf wieder zurück zum Sensenmann gedreht. Jetzt wo es um dessen Arbeit ging und dessen Erfolg, war wohl noch eine Provokation des Dokkaebis gefährlich, wenn er sich seinem Vorhaben bereits hundertprozentig sicher war. " Außerdem waren deine Kollegen im Krankenhaus so nervös, da habe ich mir schon Sorgen gemacht, dass jemand anderes als ich dir was angetan hat. ", erklärte er mit einem anschließenden Gelächter, wenn er mit dem Umdrehen seines gesamten Körpers auch wieder die ernste Mine aufgesetzt hatte. Mit seinem nächsten Schritt in Richtung des Sensenmannes hatte er sich mit dem nächsten Augenaufschlag vor diesen teleportiert und gegen die nächste Laterne gedrückt, taten sie gerade noch nur ihre üblichen Späßeleien miteinander, in denen sie sich nur bedrohten. " Ich dachte aber auch, ich hätte dir schon einen guten Einlauf verpasst, dass du die Seelen nicht verdammt nochmal zu früh einsammelst? " Mit seiner Unterarm, der Dal an seiner Brust versuchte zu fixieren hatte er sich nicht den Moment nehmen lassen, ihm mit seinem Finger und bemitleidenden Gesichtszügen eine Haarsträhne aus dem Gesicht wegzustreichen. Jaewon wusste schon genug, wie er seinen Gegenüber provozieren konnte und als ob er sich seinen Erfolg schon klar war, sah er schon gespannt dabei zu, was denn nicht der Sensenmann anrichten würde, solange er seine Seelen noch nicht in der Hand hatte und die Aufgabe offiziell nicht abschloss. " Was würden denn uns wehrten Arbeitgeber sagen, wenn sie von deinem unaufmerksamen Verhalten Wind bekommen? " Mit der Warnung hatte er von Dal abgelassen und sich von weiteren Aktionen abgehalten, hatte er sich erst noch selbst auf Dals Aufgabe hier konzentrieren wollen, solange sich nicht spontan andere Sensenmänner hier ansammeln und den Spektakel zusehen.
    • Dal hätte eigentlich seit dem ersten Moment, in welchem er Unstimmigkeiten mit der Zeit bemerkt hatte, darauf kommen sollen, dass dieser Bastard hinter dem Ganzen stand. Jedes Mal, wenn ihn irgendeine Pechsträhne verfolgte, so hatte dieser Bonehead stets seine Hände im Spiel. Seine Kiefer versteiften sich. Der Sensenmann wollte ihn schon am Hals fassen, doch der Eindringling überkam ihn und wich aus seinem Griff. Es brachte wohl nichts, diesem Narr etwas mit Fäusten zu erklären. Entweder war er zu dumm, um seine Drohungen verstehen zu wollen oder er war einfach zu dreist. Nach all den Jahrhunderten glaubte Dal, dass bei ihm einfach die beiden Varianten zutrafen. Seine Einfalt paarte sich mit seiner Unverschämtheit, die jedes Mal versuchte, ihn zu provozieren.
      Der Beweis dafür war die Art, wie dieser Dokkaebi ihn behandelte. Er wollte seine Hand nach ihm ausstrecken, um ihn nicht einfach davonkommen zu lassen, nachdem dieser Balg ihn auf die Stirn geschnippt hatte, doch er entkam ihm wieder.
      Nach all dieser Zeit hatten sich die beiden offensichtlich angeeignet, den gegenseitigen Angriffen zu entweichen. Insbesondere dieser Weißschopf. Das war wiederum etwas, was den Sensenmann nur noch mehr erzürnte. Es war für ihn genügend, in diesem entmutigenden Wetter irgendwelche erbärmlichen Seelen abzuwarten, während er von dem ganzen Regen durchnässt wurde. Nein, jetzt musste sich dieser Narr noch in seine Arbeit einmischen. Dal hätte am liebsten eine weitere Zigarette angezündet.
      Er hatte in seiner gereizten Stimmung vergessen, dass er die vorherige gar nicht in den Mülleimer geworfen hatte, sondern diese auf den Boden in eine kleine Lache gefallen war.
      Der Schwarzhaarige seufzte innerlich, achtete jedoch aufmerksam darauf, es nicht laut zu verdeutlichen.
      Er wollte seine angenervte Laune dem Gegenüber nicht unter Beweis stellen, obwohl das sein Gesichtsausdruck sowieso am besten verdeutlichte. Sorgen gemacht? Er lachte höhnisch auf seine Bemerkung kurz auf. Dal wusste nicht einmal, wie viele Jahrhunderte sich die beiden genau kannten. Genauso hatte er wenig Ahnung darübe, warum sie sich hassten. Zwar konnte sich der Sensenmann daran erinnern, dass es immer dieser Bonehead gewesen war, der stets irgendwelche Herausforderungen mit ihm suchte. Aber er wusste trotzdem nicht, was die Quelle seiner Abneigung war. Dals Feindseligkeit war vielmehr die Reaktion auf sein eigenes unverständliches Verhalten. Er würde ihn demnach womöglich niemals verstehen können. Das hatte er jedoch auch nicht vor. Es reichte ihm, dass dieser Idiot jedes Mal versuchte, sein Leben schwer zu machen. Das Einzige, was ihn interessierte, war, ihn am wirkungsvollsten loszuwerden.
      Ihm fielen aber keine sinnvollen Varianten ein. Drohungen in Form von Fäusten, die eigentlich am effektivsten sein sollten, verhalfen kein bisschen. Es schien eher seine Ablehnung zu verstärken. In diesem Fall blieb dem Sensenmann keine Möglichkeit übrig, ihn von sich zu kriegen. Zumindest fiel ihm keine Alternativlösung ein, was größtenteils seiner entrüsteten Stimmung zu verdanken war.
      Er schlug entnervt die Hand des Dokkaebi weg, als dieser ihm eine Haarsträhne vom Gesicht strich. Dal verspürte dabei genau, wie die Wärme seines Fingers von seiner kalten Wange im selben Moment eingenommen wurde. Das erboste den Schwarzhaarigen nur noch mehr.
      Dieser Narr kannte wirklich keine Grenzen.
      Dal hätte ihn am liebsten angegriffen, doch er konnte sich im letzten Augenblick davon abhalten. Er wusste, dass es das war, was der Bonehead beabsichtigte. ,, Wie ich meine Arbeit mache, geht dich nichts an, du Kriecher“, warf er ihm drohend entgegen.
      Er legte seinen Kopf in den Nacken. Wieder dieses blasierte Grinsen. Der Sensenmann nahm das Kribbeln in seinen Fingerspitzen genau wahr, die von ihm verlangten, den Dokkaebi nicht unbestraft davonkommen zu lassen.
      Er nahm eine weitere Zigarette hervor und entzündete sie. Bevor er es selbst richtig nachverfolgen konnte, landete sie zwischen seinen Lippen. Der brennende Rauch umfüllte ein weiteres Mal seinen Verstand. Und Dal musste gestehen - in dieser Situation tat es wirklich gut.
      Er ignorierte ihn absichtlich. Der Schwarzhaarige wusste, dass er ihm damit mehr Schaden zufügte.
      Dieser Idiot wartete sicherlich brav darauf, von ihm attackiert zu werden. Seine Augen erblickten jedoch immer wieder sein selbstgefälliges Gesicht. Er wusste nicht, wie viel Zeit verflog. Die Seelen waren sowieso nirgendwo zu erblicken.
      Dal versuchte sich mit diesen Gedanken abzulenken, er konnte es aber nicht lange durchziehen. Nein. Er hatte es im Grunde genommen überhaupt nicht nötig gehabt, vorzuspielen, als würde er ihn übersehen.
      Das tat er offensichtlich nicht. Der Dokkaebi hatte sich in seine Arbeit eingemischt. Das war der geeignetste Moment, ihm es endlich heimzuzahlen. Sein Verbrechen war schließlich immer noch frisch gewesen. Der Sensenmann dachte nicht daran, dass er sich in diesem Moment selbst in Gefahr setzte. Er war sich dessen überhaupt nicht bewusst, weil er überzeugt war, dass dieser Narr nichts als Beweis parat hatte, um seine eigenen Verstoße zu enthüllen. Boshaftigkeit erfasste seinen Verstand.
      Er stellte sich genau vor dem Bonehead hin. Dal achtete darauf, sich zu ihm runterzubeugen. Eigentlich war der Größenunterschied zwischen den beiden nicht besonders auffallend, doch der Schwarzhaarige liebte es, ihn jedes Mal daran zu erinnern. Schließlich wusste er auch genau, wie man diesen Idioten zu provozieren hatte. Er nahm die Zigarette aus dem Mund, hielt sie mit seinem Daumen und dem Zeigefinger, während er sich direkt vor ihm hinstellte. Herausfordernd atmete der Schwarzhaarige den Rauch aus, wobei er darauf achtete, dass dieser sich auf seinem Gesicht verteilte. Sein linker Mundwinkel zog sich provokativ nach oben. ,, Der Einzige, der hier unaufmerksames Verhalten aufweist, bist du“, warf er ihm boshaft entgegen. ,, Ich frage mich, wie unsere Sajangs1 darauf reagieren werden.“
      Dals rote Augen konkurrierten mit seinen, während er amüsiert seine Reaktion beobachtete.
      In der nächsten Sekunde löste er sich in schwarzen Rauchwolken vor ihm auf.
      Er fand sich in dem Ort wieder, welchen er abgezielt hatte - das Büro seines Auftraggebers.
      ,, Warum muss ich dir jedes Mal sagen, dass du klopfen sollst und nicht einfach hier auftauchen?“, erklang eine ernste Stimme.
      ,, Freunde brauchen doch solche Floskeln nicht, Bari“, erwiderte er der Gestalt, die immer noch in ihre Unterlagen starrte.
      ,, Für dich bin ich nicht Bari“, warf sie ihm entnervt vor,
      ,, hast du außerdem nicht eine große Aufgabe zu erfüllen?“
      Seine Mundwinkel zogen sch zufrieden nach oben. Er wollte sowieso nicht lange um den heißen Brei reden.
      ,, Ich wurde dabei gehindert… von diesem Narr“, begann Dal unzufrieden zu erklären, ,, er hat an den Schicksalen gebastelt und die Seelen sind nicht aufgetaucht.“
      Es wurde wohl Zeit, dass sich der Sensenmann an diesen Bonehead rächte. Erst diesmal blickte Bari auf. Auch wenn sie an ihrem Gesicht stets einen strengen Blick trug und deutlich älter aussah, strahlte sie trotzdem eine ungewohnte Beherrschtheit aus.
      _____________________________________________________
      1Sajang = ,,Boss“, ,, Chef“ auf Koreanisch
      2Princess Bari is a goddess closely associated with funeral rites. Bari's exact role varies according to the version, but she is usually identified as the patron goddess of shamans and the conductor of the souls of the dead.

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    • Es gab wohl kein anderes Gelächter welches Jaewon bisher aus der Kehle seines Jahrhundertfeindes ertönen hörte als jenes, dass über ihn und seine Provokationen spotten wollte, ohne ihm noch mehr Öl ins Feuer zu gießen - Was je nach eigener Stimmung dann doch zu deutlich gravierenden Reaktionen führt. Zu diesem Zeitpunkt hatten die beiden sich gut unter Kontrolle, würde es nicht mit jeder weiteren Minute bei ihnen sich so hochstaffeln, dass sie nicht mehr die einzig Leidenden sind. Noch waren sie aber unsichtbar, die Menschen in ihrer Umgebung zu schnell um als Waffe oder als Schild verwendet zu werden, als das sie gerade den Fokus auf das Hauptthema ihres Gespräches verlieren könnten. Seine Arbeit hätte den Kriecher nicht zu interessieren, war der nicht doch allzu erfreut auch Dal langsam anheizen zu können, während er langsam zur Beruhigung noch nach einer Zigarette griff. Was würde er denn nicht noch tun, irrten die Seelen nicht so schon allein herum und würden sich nicht mehr einsammeln lassen. Die Arbeit Dals ging ihn jedoch sehr wohl noch etwas an, wenn auch nur zu so einem persönlichen Grad, dass nur die Wiedergeburt seiner Geliebten nach ewigen Jahrhunderten ihn davon ablassen würde denjenigen zu jagen, der ihn damals vor dem Abschluss seines einst lebenden Herzens zerrte. Jaewon hatte sich nicht entschuldigen oder sein Leid zum letzten Mal einen Ausdruck geben können und derweil seine Angelegenheit mit der jungen Frau ungeklärt blieb, würde er jenes mit dem Sensenmann vorantreiben und sich erst zur Ruhe stellen, ist die Verwüstung im Herzen des Dokkaebis verschwunden.
      Jaewon hatte es sich mittlerweile am Rande des Gehwegs gemütlich gemacht, war er nicht so oder schon genug durchnässt, dass ihm einzelne Regentropfen bereits begonnen sich in den weißen Haarsträhnen zu verlaufen und an diesen erneut herunter zutropfen, auch wenn sie keinesfalls noch woanders an ihm ein trockenen Platz finden werden. Mit den Autos hinter sich am Rücken hatte er doch eigentlich noch erwartet, nicht gleich in diese geprescht zu werden, doch die Entspannung Dals hatte ihn neugierig gemacht. Der Vorwurf des Dokkaebis wurde wieder auf ihn zurückgeführt, fand er sich aber nicht in der einzigen Schuld, versuchte er doch nur mit seiner Unschuld in ihrer Bindung zueinander wieder das Gleichgewicht zu finden. " Ganz schön gewagt von dir dich als weißes Schäfchen auszugeben, meinst du nicht? ", entgegnete er ihm, als würden sie sich nicht beide aneinander verpetzen können. Das Grinsen verschwand jedoch, als sein werter Freund nicht mehr antwortete und sich ganz im Nachteil Jaewons auch schon daran machte, diesen mit der Frische seines gewonnenen Spieles aufzufliegen. Mit einer ausgestreckten Hand versuchte er Dal noch in dieser Welt beizubehalten, mit jenem Moment ergriff er jedoch nur noch den Rauch seiner Zigarette, der gegen den Regen nicht gewinnen konnte. " Scheiße. ", seufzte er allmählich, sah sich jedoch ein wenig irritiert um, ob er nicht zu seinem Glück noch Dal erkannte, der ihm bloß einen Streich spielen wollte. Der Sensenmann war jedoch weg und mit ihm auch nun Jaewon, der sich jedoch erst wieder zurück ins Krankenhaus teleportierte, um sich gleich nicht noch genügend verteidigen zu können. Das Temperament Baris war ihnen dafür allzu sehr bekannt, als das man Jaewon nicht schon gleich aus der menschlichen Welt zerren und nicht noch gleich in die Hölle schicken würde.
      War er auch unsichtbar für seine sonstigen Kollegen gewesen, hatte er diesen wohl mit den Regenpfützen in den Fluren kein wirkliches Geschenk gegeben, solange er zu den Überwachungskameras eilte und in der Eile versuchte das Patientenzimmer zu erkennen, in welchen er nicht wenige Tage vorher noch versuchte, jemanden wieder mit dem Leben zu beschenken. Mit schwankenden Blicken hatte er hin und her, auf die Kameras geblickt und wieder hinunter auf sein Handy, auf welches er mit seinen verbliebenen Minuten noch versuchte sich das Video herauszusuchen und diese gespeicherten Aufzeichnungen mit seinem Zugang als Arzt auf das Handy zu ziehen. Es dauerte länger als es ihm lieb war, war schwieriger als das sein Herz gerade noch mitkommen wollte und letztlich noch so knapp, dass er mit dem verspürten Ziehen an seinen Haaren erst noch dachte, er wäre nicht noch fertig geworden. Seine Hand hatte noch das Handy auf dem Tisch ergreifen können und mit diesem hatte er danach schon mit den zugekniffenen Augen sich unter der Hand Baris wiedergefunden, die ihn mit dem Ziehen am weißen Schopf herbeizog. " Urgroßmutter, du kannst jetzt aufhören. ", keuchte er nur darunter und hatte bereits das Handy zu Boden fallen lassen, um mit der weiteren freien Hand sich von ihr lösen zu können.
      Mit der Bezeichnung ihrerseits als Urgroßmutter hatte Bari ihn auch schon mit der Hand auf dem Kopf weggestoßen, war die Empörung zu groß geworden. " Ihr müsst euch auch immer mit eurer Frechheit übertreffen.", schnaubte sie, während der Weißhaarige den Moment dafür nahm, sein Handy aufzuheben und vor den Tisch zu eilen, statt in ihrer greifbaren Nähe zu bleiben. Mit seiner Hand rieb er sich den Hinterkopf und sah nur noch erbost zu Dal, der sich wahrscheinlich schon köstlich amüsierte. " Du hast mir Haarsträhnen herausgerissen. ", murmelte er nur, um mit dem Schlagen der Hand Baris auf ihren Schreibtisch wieder zu schweigen. " Ich reiße dir gleich allesamt raus, wenn ich mit dir fertig bin. ", drohte sie und blickte weniger genervt zu Dal, um diesen aus dem Gespräch auszuschließen. " Danke Dal, du darfst jetzt rausgehen. "
      Die blauen Augen hatten noch die Reaktion des Sensenmannes beobachtet, ehe er nicht schon eingeschüchtert wie er war, den Kopf senkte und sich brav das Gebrüll anhörte, was nicht noch schrecklicher sein konnte. Es brauchte noch seine Zeit, bis sich Bari nur ansatzweise beruhigen ließ und hatte sie sich ausgebrüllt, erhob Jaewon wieder seinen Schopf und musterte die erboste Frau. " Ich habe absichtlich Fehler begangen und mich mehr in Schicksalen eingemischt als ich sollte, ja. Aber nur, weil Dal die Seelen zu früh in ihren Tod zieht. ", hatte er sich schnell ausgesprochen, hatte Bari nicht selbst so ein Sprachrohr, dass sie sich immer in anderen Aussagen einmischen konnte. Die Dame brauchte noch einen Moment für sich, hätte sie nicht doch gleich beide Parteien prügeln können, wenn sie es nicht schon unter sich klären konnten. " Und du kannst das behaupten, weil? ", fragte sie ihn eindruckslos.
      Mit einem kurzen Blick hinter sich versuchte er sein Grinsen wieder zu verstecken, wollte er wenn er nicht schon gleich bestraft wird, noch wieder zur Provokation Dal mit sich reißen. " Ich habe im Krankenhaus eine Seele wiederbeleben müssen, und das ist mir auch gelungen. Als sie aber wieder in einem stabilen Zustand war, hatte Dal sie schon mitgenommen, auch wenn er noch ganze Minuten warten musste. Ich hab ein Video. ", erklärte er und hatte inzwischen sein Handy entsperrt und ihr das Video gezeigt, welches er gerade beschrieb. Dal war für das menschliche Auge nicht zu sehen, damit auch nicht im Video, doch der Überwachungsmonitor hatte schon erzählt, dass es deutlich zu früh war.
    • Er machte keine Pause, sondern beschwerte sich weiterhin über den Bonehead. Es war womöglich das erste Mal in den gesamten Jahrhunderten, dass er endlich das Gefühl der Befreiung auf der Zunge schmecken konnte.
      Dal interessierte es wenig, welche Strafe seine Beichte für den Dokkaebi mit sich tragen würde. Solange er seine Nähe nicht ertragen musste, war für ihn jede Buße akzeptabel. Am meisten erhoffte den Sensenmann natürlich, dass dieser Idiot endlich seine Lehre aus diesem Vorfall zog. Bevor er diesen Gedanken zu Ende dachte, tauchte der Kakadu vor ihm auf. Nicht einmal in dieser Situation gab er sich die Mühe, sein schäbiges Grinsen zu unterdrücken. Mit seinem Verhalten goss er schließlich mehr Öl ins Feuer, was der Schwarzhaarige zufrieden verfolgte. Er hatte sich diesmal die falsche Person für seine Spielchen ausgesucht, denn Bari war nicht das Wesen, welches solche nicht-vorhandenen Manieren ertrug. Zwar war er die letzte Gestalt, die über so etwas reden sollte. Schließlich gab er sich die Erlaubnis, sie stets mit dem Namen anzusprechen. Das war jedoch anders. Zumindest redete es sich Dal ein.
      Seine Mundwinkel zogen sich noch weiter nach oben, nachdem seine boshaften Augen verfolgten, wie an den Haaren des Boneheads gezogen wurde. Die Göttin schlug ihm vor, das Zimmer zu verlassen. Er nickte nur verständlich, ging einige Schritte zurück und achtete darauf, nicht allzu sehr in ihrem Blickwinkel zu sein. Ganz sicher würde der Sensenmann diesen Spektakel nicht verlassen.
      Vor seinen Augen spielte sich schließlich das ab, wonach sich sein Verstand seit Jahrhunderten ersehnt hatte.
      Eine ungewohnte Freude erfasste ihn. Dieses Gefühl war ihm unbekannt. Nein, das war wohl das falsche Wort. Er kannte es schließlich. Nur hatte er es seit einer gefüllten Ewigkeit nicht mehr verspürt. Das war anscheinend ein Beweis dafür, dass das ein historisches Ereignis war. In seinen Augen jedenfalls. ,, Was glaubst du eigentlich, wer du bist?!“, schrie Bari aufgebracht den Idioten an.
      Der Schwarzhaarige musste gestehen. Er erlebte diese Dame seit langem auf diese Weise wütend. Ja, er selbst konnte ihre Nerven durchaus gekonnt strapazieren. Die Show, die sich in diesem Augenblick vor seinen Augen abspielte, war eine vollkommene andere Erfahrung. Dal bedauerte es, dass auch andere Sensenmänner diesen Anblick nicht genießen konnten.
      Ein Dokkaebi, der endlich das bekam, was er verdient hatte. Das war wirklich eine Sensation.
      Er hörte brav zu, wie sie den Kakadu mit Narrheit beschuldigte und all die Beleidigungen vorwarf, die sogar ihm fremd waren.
      Der Schwarzhaarige überlegte, ob es keine Möglichkeit gab, dieses Gespräch aufzunehmen, damit er es sich jedes Mal anhörte, wenn er sich schlecht fühlte. Nein, er würde dafür sorgen, dass auch seine Kollegen diese Diskussion mitbekamen, um sich ebenfalls daran zu ergötzen. Er beobachtete, wie der Bonehead versuchte, sich aus der Situation zu retten.
      Zu früh in ihren Tod zieht? Sein Verstand musste diese Behauptung einige Male wiederholen, um zu realisieren, dass dieser Idiot ihn beschuldigte. Dals Mundwinkel zogen sich diesmal langsam nach unten.
      Er verkrampfte in seiner Haltung und drückte die verschränkten Hände zu. Ein Video?! Das musste doch ein Scherz sein.
      Bari, die das Handy in ihrer dünnen Hand hielt, schaute auf. Diesmal trafen ihre dunklen Augen die des Sensenmannes.
      Der Schwarzhaarige kannte diesen Blick genau. Es war der gleiche Ausdruck, welchen sie vor wenigen Momenten diesem Dokkaebi zugeworfen hatte. Bevor er die Chance nutzte, etwas zu erwidern, kam ihm Bari mit ihren lauten Beschimpfungen zuvor.
      Ihr Stimme dröhnte förmlich in seine Ohren, während Dal keine andere Möglichkeit übrig blieb, als ihren hysterischen Anfall mitanzusehen.
      Dem Sensenmann fiel auf, dass es im Grunde genommen die gleiche Hasspredigt war, die sie dem Idioten vorgetragen hatte - diesmal wurde nur sein Name erwähnt. ,, Ja, ich habe es getan“, erwiderte er, während er seinen üblichen neutralen Gesichtsausdruck annahm.
      ,, Aber er“, er zeigte mit seinem Finger auf ihn, ohne ihn anzublicken, ,, hat stets die Lebensspanne dieses Menschen erweitert. Ich hätte diese Seele eigentlich viel früher holen müssen.“ Bari schien an den ganzen Vorwürfen nicht mehr durchzublicken.
      ,, Also, habe ich sie nicht zu früh in den Tod gezogen, sondern zu spät“, fügte Dal hinzu, ,, weil ein gewisser Idiot nicht weiß, wie er seine Arbeit richtig machen soll.“ Erst diesmal schaute er mit seinen rachsüchtigen Augen den Dokkaebi an.
      ,, Außerdem hat er viele Seelen, deren Schicksale er stets geändert hat und mit mir nichts zu tun haben!“
      Der Sensenmann verschränkte seine Arme wieder. Er nahm deutlich wahr, wie die Wut Baris sich durch seine Rechtfertigungen kein bisschen stillte. Es war womöglich zu spät dafür gewesen. ,, Heute wollte ich meine Seelen rechtzeitig holen und ich hätte es auch getan, wenn er sich nicht eingemischt hätte.“ Die Göttin blickte wieder auf das Smartphone, dessen Bildschirm diesmal schwarz war.
      Dann starrte sie abwechselnd die beiden Wesen an. ,, Du gestehst also ebenfalls gegen die Regeln verstoßen zu haben?“, erklang ihre kühle Stimme, die sich Mühe gab, den Schwarzhaarigen nicht ein weiteres Mal anzufahren. ,, Einen Verstoß, ja“, korrigierte Dal sie provokativ. ,, Wie einen?“, diesmal wurde Bari deutlich wütender.
      ,, Also, ich sehe nur einen bewiesenen Verstoß.“ Der Sensenmann hätte es nicht sagen sollen, denn mit diesen Worten wandte er die Göttin gegen ihn. ,, Du“, fauchend näherte sie sich ihm, bis sie direkt vor ihm stand, ,, was willst du damit sagen?“
      ,, Das, was Sie gehört haben“, erwiderte er monoton. Diesmal löste Dal seine Arme vom Griff und ließ sie gerade nach unten fallen.
      Er gab sich nicht die Mühe, weitere Erklärungen zu geben. Das hatte er schließlich nicht nötig.
      ,, Weißt du, was das für dich bedeutet?“, zischte sie mit zusammengezogenen Augenbrauen ihn an, während sie das Handy in der Hand zudrückte. Der Sensenmann überlegte, den Moment zu nutzen, um das Smartphone des Boneheads zu zerschlagen. In diesem Moment brachte es jedoch nichts. Er war sowieso aufgeflogen. ,, Sie meinen, was es für uns bedeutet?“, mit seinem Blick deutete er flüchtig auf den Dokkaebi, ,, hm, eine Strafe?“ Auch wenn er frech genug war, Bari mit dem Namen anzusprechen, achtete er trotzdem darauf, sie zu siezen. Eine komische Mischung, die überhaupt nicht zusammenpasste. In diesem Augenblick war es aber seine letzte Sorge.
      ,, Welche Strafe genau denn?“, fügte Bari drohend ihre rhetorische Frage hinzu. Dal versuchte die Ruhe zu behalten, was er durchaus erfolgreich hinbekam, wenn man bedachte, wie er sich im Inneren fühlte. Am liebsten hätte er diesen Idioten sofort befallen. Wieso hatte er sich das Recht gegeben, ihn bei der Arbeit aufzunehmen? ,, Hölle - so wie Sie reagieren“, gab er kund. Der Schwarzhaarige hatte nicht vor, einfach so nachzulassen.
      ,, Aber das würde dann auch für ihn die gleiche Strafe bedeuten.“ Er zeigte diesmal nicht auf den Bonehead. Es war sowieso offensichtlich, dass dieser Idiot mit seinen Beschuldigungen gemeint war. ,, Ein Dokkaebi in der Hölle - das geht nicht, richtig?“
      Dal legte den Kopf etwas schief, während er ausdruckslos Bari anblickte. ,, Wie wird aber die Unterwelt reagieren, wenn sie erfährt, dass ich für den gleichen Verstoß in die Hölle muss, während er unbestraft davonkommt?“ Dokkaebis galten als heilige Wesen, die etwas Heldenhaftes zu ihren Lebzeiten vollrichtet hatten. Das erklärte auch, warum sie stets diese Arroganz ausstrahlten. Sensenmänner waren im Vergleich irgendwelche Sünder. ,, Drohst du mir etwa, Dal?“, Baris Augen wurden düsterer, nachdem sie sich diesen Vorwurf anhörte. ,, Nicht doch“, stritt es der Schwarzhaarige höhnisch ab, ,, es ist eher die Klarstellung von Fakten.“

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    • " Ganz schön gewagt von dir dich als weißes Schäfchen auszugeben, meinst du nicht? " - Vermutlich hätte der Sensenmann seinen nachdenkenden Worten vielleicht doch noch Gehör schenken müssen, statt sich sofort auf den Weg nach Bari zu machen und jene Dinge gepetzt, die es für einen Dokkaebi wie Jaewon mit Leichtigkeit umzudrehen galt. Sie hatten in ihren Jahren viele Worte ausgetauscht, die wenigstens davon waren wirklich im guten Sinne und hilfreich gemeint, da waren sie auch schnell genug zu überhören, würden sie mal durch einen der beiden untoten Wesen in den Raum fallen. Dass Dal seiner Verfeindung nicht genug Intelligenz zumutete, um nicht mit den Jahren den ganzen Spieß umdrehen zu können und sich wenigstens nicht alleine um eine Buße sorgen zu müssen, konnte dem Sensenmann noch genügend von einem bitteren Nachgeschmack geben, hatte er sich nicht eigentlich selbst in diese Lage geworfen. Das Video war nicht lange, hatte er nur eine Minute der Situation gezeigt, die den wichtigsten Moment wiedergibt - Da waren die Pfleger um Jaewon schnell vergessen gewesen und dessen Worte, die ihm das Austauschen boten, denn mit dem Tod des Patienten hatte sich ein neuer Kampf zwischen Dal und Jaewon gebildet. Der Gewinner ihres erneuten Gefechts war ungeklärt, würden sie nicht gar gemeinsam als Verlierer hier herausgehen - und das werden sie definitiv. Jaewon konnte förmlich die Röte im Kopf Baris leuchten sehen, hatte er sich nicht mit seinem Video langsam in den Hintergrund begeben und sich das Spektakel genauso angesehen, wie es doch wahrscheinlich Dal noch vorhin tat. Was er denn wohl nur für ein schrecklicher Arzt, wenn er sich so an dem angerichteten Schaden Dals erfreute? Schrecklich gutaussehend war er von hinten zumindest schon, hatte er sich nicht selbst nochmal in der Überwachungskamera angesehen, seine Patienten hatten doch wirklich Glück mit ihm bekommen. Mit der Lautstärke die Bari ihm zuvor noch in die Ohren bohrte, hatte er selbst das Gestreite ausblenden können, wenn er auch im nächsten Moment realisierte, dass er das Gegenteil erreichen wollte.
      Mit einem Grinsen hatte er die Finger hinter seinem Rücken verschränkt und nur stolz sein Werk bewacht, welches er mit seinem schnell herbeigezogenen Video erweckte. Die Worte die dort fielen, hatte Jaewon erst gar nicht herausfiltern und dessen Bedeutung verstehen können, ehe nicht schon die nächsten Fremdwörter heraussprossen und in den blauen Augen nicht noch einen Hauch von Verstörtheit hinterließen. Das bekannte Grinsen des Dokkaebis hatte aber ganz dagegen gesprochen und schon erzählt, dass er trotzdem noch seinen Gefallen fand und mit diesem auch seinen gemütlichen Platz, indem er sich an den massiven Tisch lehnte und sich damit einen besseren Blick auf alles nahm.
      Es brauchte einiges an Zeit für Bari, sich nicht langsam selbst mit ihrer Wut zu beruhigen und auch dem Dal seine Sprechzeit zu schenken, wenn auch Jaewon wieder eingreifen wollte und ihn hinter dem Rücken von Bari andeutete, ihn noch gleich zu beißen, wagte er ein weiteres Wort über ihn zu verlieren. " Du Gesichtsgrätsche wirst deine Arbeit gleich noch gar nicht mehr ausführen können. ", mahnte Jaewon an, kaum hatte er ihn wieder über sich erzählen hören und mit selben Ton gleich noch ihn beleidigt. Den wirklichen Ernst konnte er hingegen nicht erkennen, dafür waren die beiden schon genug durch die Existenz des anderen bestraft. Da waren die ganze Dekorationen auf dem Schreibtisch der höheren Macht noch gleich interessanter gewesen, hatte er den goldenen Globus in die Hand genommen und mit einer Fingerkuppe die Linie umfahren, die in das Gold eingraviert wurde. Seinen Blick nahm er kaum noch von diesem ab, war er noch im Gewissen des schmalen Grades Baris, was in Zeiten ihrer Wut zu schwereren Strafen verhilft. Mit der bedrohlichen Situation, in die Dal sich mit seiner Sturheit nur immer weiter reinkämpfte, hatte er doch noch gleich wieder ein Selfie vergessen. Ehe er sich jedoch umdrehen und den Arm ausstrecken konnte, hatte er nachdenklich die Stirn gerunzelt und nicht noch in seiner Galerie nach etwas bestimmten gesucht. Dal sprach noch von nur einem bewiesenen Fall, da hatte Jaewon aber noch das Handy Bari weitergegeben und noch einen Fall aufgezeigt, wenn das charmante Lächeln auf dem Foto nicht eher ein Kunstwerk Jaewons darstellt. Danach lehnte sich Jaewon wieder zurück, schüttelte desinteressiert seinen Schopf und versuchte damit die letzten Regentropfen noch von sich zu bekommen, war so oder so noch nichts in ihrem Gespräch entschieden.
      Bloß das Ansprechen der Hölle ließ den Weißhaarigen aufschauen, sähe er sich nicht gerade noch darin erwischt, sich genau vor dieser zu fürchten. Dal wollte ihn genau mit sich in diese ziehen, hatte Bari nicht gleich ihre Zweifel dagegen ausgesprochen und Jaewon damit überzeugt nicken zu lassen, auch wenn es nur der Provokation diente. " Wie würdest du nur die Autorität unserer wehrten Bari hinterfragen können? ", sprach er gespielt empört, nur um sich den bösen Blick Baris bewusst zu werden. Er seufzte jedoch, stieß sich letztlich vom Schreibtisch wieder ab, nachdem er auf diesem seine Nässe verteilte, und verschränkte neben Bari seine Arme. Die blauen Augen fuhren einmal über den gesamten Körper des Sensenmanns, der seinen Schachzug wirklich nicht durchdacht hatte. Ob ein Dokkaebi wirklich nicht in die Hölle kommen konnte? Von solch Erzählungen hatte er nicht gehört, etwas in dieser Richtung zu behaupten oder zu fragen glich in diesem Moment einem Suizidversuch. Da blieb er ruhig, machte sich für Bari erst gar nicht bemerkbar, als würde man nicht gerade über ihn sprechen. Den unauffälligen Moment nahm er kurzerhand dafür sich die Decke des Zimmers anzusehen, als hätte er sie seit hundert Jahren nicht mehr gesehen, das Zimmer nie betreten.
      " Vielleicht fängst du schonmal mit einer Entschuldigung bei Urgroßmutter an, lieber Dal.. Bevor du doch noch andere unschuldige Zivilisten in deine Straftaten mit einbeziehst. " Die ruhige Stimme, die man ihm eher nur als Dals Therapeut zutrauen würde, hatte Jaewon natürlich nur weiter dafür verwendet, dem Sensenmann noch einige Seitenhiebe zugeben, warum machte es ihm denn gerade auch so viel Spaß? Nun, vielleicht weil gerade zu Hause Kartons auf ihn warteten und wenn nicht diese, dann höchstwahrscheinlich das Krankenhaus, dass um seine Hilfe bittet.
    • Dal versuchte die nervigen Bemerkungen dieses Kakadus zu ignorieren, doch ihm gelang es nicht. Nein, er gab sich nicht einmal ausreichend Mühe, um seine nervige Stimme zu überhören. Man vermochte zu sagen, dass er absichtlich seinen Kommentaren lauschen wollte. Das war absurd. Mit ihm schien irgendetwas nicht zu stimmen. Wie denn auch? Er war durchnässt, womöglich kalt, und musste in diesem Dialog teilnehmen, obwohl es das Letzte war, was ihm in seinem jetzigen Zustand gefehlt hatte. Als ein anständiges Gespräch konnte es sowieso nicht bezeichnet werden. Vielmehr fühlte sich der Sensenmann in einem Verhör gefangen, wo man ihm falsche Bezichtigungen vorwarf. Der eigentliche Schuldige stand doch nur wenige Meter von ihm entfernt! Es sollte ihn nicht überraschen, dass dieser Bonehead ihm gefolgt war. Dal hätte aber trotzdem nicht ein Video als Gegenzug erwartet. Das durfte doch nicht wahr sein.
      Es war nicht die Tatsache, von ihm aufgenommen worden sein, die den Schwarzhaarigen am meisten entnervte. Vielmehr war es der Fakt, dass er das nicht bemerkt hatte. Seine Präsenz war nie zu übersehen gewesen. Er fühlte sie stets, wenn der Dokkaebi neben ihm auftauchte. Warum hatten seine Sinne an diesen Tagen nur nachgelassen? Oder war er zu tief in seinen Gedanken untergetaucht, sodass sich sein Verstand nicht einmal angestrengt hatte, um darauf zu achten, wer sich zu diesen Zeitpunkten in seiner Nähe befand?
      Verdammt. Seine Situation wurde mit jeder Atemzug unerträglicher. Das bewies ihm der Gesichtsausdrucks Baris, die mit ihrem wahnhaften Blick versuchte, seine Augen zu durchstehen. Dal wiederum strengte sich an, um gegen diese Herausforderung standzuhalten.
      ,, Ich kann‘s nicht glauben… nach all den Jahren“, fauchte die Göttin vor sich hin, wobei sie weiterhin auf den Bildschirm starrte.
      Der Sensenmann folgte langsam ihren Bewegungen und erblickte anstelle des Videos ein Bild. Ein Bild?! Wie viel hatte er denn bloß von diesem Kram? Er erkannte sich selbst und das grinsende Gesicht des Kakadus, der aus einer leichten Entfernung in seiner Nähe stand.
      Hatte er ihn etwa bei jeder verdammten Mission ausspioniert? Dal warf ihm einen mörderischen Blick zu.
      ,, Sehen Sie, er verfolgt mich!“, warf er sofort ein, während die Augen Baris weiterhin auf dem Smartphone hafteten.
      ,, Er kann nicht nur seine Arbeit richtig machen, sondern lässt es mich auch nicht tun.“ Der Schwarzhaarige hatte definitiv nicht vor, einfach nachzugeben. Er war schließlich derjenige, der hier als erster überhaupt aufgetaucht war. Das hieß, dass er es bis zum Ende durchziehen würde. Seine dunklen Augenbrauen zogen sich zusammen. Die Stimme des Boneheads unterbrach die beiden ein weiteres Mal. Dal musste gestehen - seine Dreistigkeit kannte wirklich keine Grenzen. Er wunderte sich, ob dieser Idiot geistlich zu beschränkt war, um zu realisieren, dass er mit jedem angeblichen <<Beweis>> sich selbst bloßstellte.
      ,, Du hast mir nichts zu sagen, du Bastard“, zischte er ihn wütend an. Dal verspürte, wie die letzten Faden seiner Nerven strapaziert wurden. Ohne es selbst zu merken, stand er vor dem Dokkaebi. ,, Entschuldige dich zuerst“, warf er ihm unbändig vor. Dieser Bonehead musste einen Hirnschaden haben, wenn er sich wagte, in diesem Moment Bari mit Urgroßmutter anzusprechen. ,, Du hast nicht einmal den Mut, deine Fehler zu akzeptieren und versuchst mir die ganze Schuld unter die Füße zu schieben.“ Mit seinem Zeigefinger tippte er bei jedem Wort gegen seine Schulter - intensiv genug, um ihn das verspüren zu lassen. Der Sensenmann hätte am liebsten mit seinen Vorwürfen fortgeführt, aber die Göttin unterbrach ihn mit ihrer grölenden Stimme. ,, Hört beide sofort auf!“
      Im selben Augenblick ließ seine Hand von dem Kakadu ab.
      ,, Geht vor dir Tür“, befiel sie den beiden Männern, während ihre Augen vor Wut förmlich glühten. Dal war derjenige, der sich als erster umdrehte.
      Bevor er das Zimmer verließ, konnte er ihren Nachruf noch wahrnehmen: ,, Wartet, bis ich euch wieder reinrufe, verdammt nochmal!“

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    • " Ich bin nur einem Verdacht nachgegangen. ", entgegnete er dieses Mal Dal selbst, der wieder davon Nutzen nahm, den Dokkaebi mit sich in eine Bestrafung zuziehen. Bei den ganzen Beschuldigungen gegeneinander war es wohl alles andere als verständlich für Bari, wenn sie auch schon vieles in ihren Jahrhunderten erlebte und vor allem doch durch die beiden Streithähne, die sich zankten wie als gäbe es kein Morgen mehr für sie. Vielleicht gab es diesen auch wirklich nicht mehr, hatten sie die dritte Person momentan im Bunde so verärgert, dass sie gar nicht mehr aus ihrem Staunen herauskam und genug Fuß fassen konnte, um wenigstens einem den beiden die Strafe zu geben, die sie mit der verschwendeten Zeit Baris wohl oder übel verdienten. Die beiden jonglierten schon längst nicht nur mit ihrem eigenen Leben und ihrem Wohlergehen, mit der aufgestauten Wut erkannten sie nämlich noch wie gut sie sich unterdrücken ließen, indem sie auch das Leben anderer Menschen mit ins Spiel einnahmen, die in ihren Kämpfen immer den Kürzeren ziehen werden. Die Seelen würde Jaewon nicht mehr nachzählen können, war er nicht mal mehr dazu fähig sich an diese ausreichend zu erinnern. Doch sich dadurch als Hauptschuldigen interpretieren zu lassen? Nur über seine Seele, die ihm selbst mit dem Ableben nicht mehr zu stehlen war.
      Da war die Wut Dals noch ein weiterer Ansporn, erkannte der weiße Schopf darin nicht einen neuen, wunden Punkt, den er mit ihrer Gewaltbereitschaft ausnutzen konnte. Aber solange sie nicht alleine waren, solange sie jemanden höheren als die beiden in ihrer Nähe hatten, würde selbst Jaewon seinen Finger nicht rühren - Anders als es der Sensenmann tat, kam dieser ihm näher und konfrontierte ihn mit den Worten, die er selbst vor wenigen Minuten verlor. Er solle sich als Erster entschuldigen, da hatte gar das Grinsen Jaewons seinen Willen verloren und hat sich mit einer gerunzelten Stirn ausgetauscht. Der Moment der beiden, an denen sich wohl beide ihre Prinzipien entkleideten und sich einen Ausweg zum jeweils anderen suchten, um im Zuge dessen wieder alles zu deeskalieren, auch erst, wenn sie dafür eskalieren mussten. " Weil es auch deine Schuld ist, wirklich alles! ", knurrte nun auch Jaewon gefährlich und hatte mit dem Finger an der Brust ihn schon am Ansatz der Kapuze gepackt. Zu mehr konnte die Zeit nicht ausreichen, griff Bari bereits ein und wollte sie mit ihren Worten trennen. Sie sollten vor die Tür und dort warten, bis man sie wieder herruft. Natürlich hatten ihre Schuldzuweisungen sie nicht weitergebracht und ihre eigene Schuld nicht widerrufbar gemacht, aber das würde Bari selbst herausfinden müssen. Wenn sie nicht noch auf andere Personen warteten, die sie in ihren Strafen unterstütze. Dal war sich dabei seinem Ziel so bewusst, dass er ohne weiteres Bellen sich aus dem Raum machte und nicht doch erreichte, den Dokkaebi damit zu überraschen.
      Zwischen dem Abgang von Dal und ihm ließ er genügend Abstand, um nicht den Anschein herzustellen, er würde zu irgendeinem Zeitpunkt das machen wollen, was auch der Sensenmann tut. Raus musste er jedoch trotzdem, wodurch er auch von Bari erneut sein Handy zurückgewann und dieses wieder in den nassen Mantel packte. Mit dem Austreten Jaewons hatte sich kurzerhand die riesige Tür unberührt zugeknallt, hätte man nicht mit dem letzten Schritt ihm noch am Rücken getroffen. Die Tür war im geschlossenen Zustand direkt an den Fersen des Dokkaebis, der sich mitunter auch schon einige Schritte weiter nach vorne machte. " Hast du jetzt deine verdammte Genugtuung, egozentrischer Todeseinheimser? ", begann er mit leiser Stimme, solange auch hinter sich kein weiteres Geräusch wahrnehmen ließ. Der Dokkaebi war nass, verbittert und hatte vor seiner Nase denjenigen, dem er seinen Ballast zuschulden konnte. Was würde er dann nicht tun können, als nicht noch die Gefühle mit einzumischen, die nicht seit Jahrhunderten der Vergangenheit zugehören sollten. Da geschah es schnell um ihn, sich die letzten Zentimeter vor den Sensenmann zu teleportieren und ihn gegen das Bücherregal zu stoßen, welches durch den Stoß einige Bücher verlor. " Was für ein Erstleben musstest du denn haben, dass du jetzt noch alle in den Abgrund mitziehen musst, du armes Balg. ", zischte er. Jaewon hatte ihn doch damals schon nicht anders kennengelernt und mit dem Gedanke konnte er nur schnauben, und anfangen zu lachen. Es war alles lächerlich, zu lächerlich um überhaupt wahr zu sein.
    • Seine Gedanken jagten ihn, versuchten ihm Sachen einzureden, gegen welche er sich standzuhalten versuchte.
      Es spielte keine Rolle, wie es für ihn ausfallen würde. Nach der Reaktion Baris zu urteilen, erwartete den Sensenmann eine ernste Strafe. Und damit war wohl offensichtlich ein Ausflug in die Hölle gemeint. Obwohl ihn ein solcher Schicksalsschlag erwartete, wurde ihm nicht schlecht bei der Vorstellung. Womöglich lag es daran, dass ihm dieser Ort nicht fremd war. Er musste dort schließlich für unzählige Jahrhunderte seine Strafe absitzen. Das war natürlich beschönigend formuliert, wenn man die Folter bedachte, welcher sein Körper sowie sein Verstand ausgesetzt waren. Diese Erinnerungen, die ihm den einzigen Zugang zu seiner eigentlichen Person boten, sollten ihn eigentlich in die Furcht versetzen. In ihm regte sich jedoch kein Gefühl, welches auf irgendeine Form der Angst hinwies.
      Ja, er war angepasst an die Hölle, wenn man das auf diese Weise überhaupt formulieren konnte. Es war jedoch nicht die Gewohnheit, die in ihm keine Beklemmung auslöste. Vielmehr spielte seine Gleichgültigkeit die entscheidende Rolle. Nein, ihm gefiel diese Vorstellung sogar. Das bedeutete schließlich, dass diesen Bonehead genauso die gleiche Strafe erwartete. Und das war das Mindeste, was dieser Idiot für all seine strapazierten Nerven in den vergangenen Jahrhunderten verdient hatte. Für den kurzen Moment dachte sich Dal, wie es ihn sogar ein wenig ausmachen würde, mit ihm den gleichen Ort in der Hölle zugewiesen zu bekommen. Das leidende Gesicht dieses Dokkaebis zu sehen - das wäre die höchste Wonne. Er verschränkte sofort seine Arme, als er die Flur erreichte.
      Am liebsten hätte der Schwarzhaarige eine weitere Zigarette angezündet. Ungeniert zog sich seine Hand nach der Manteltausche aus, er erinnerte sich aber im selben Moment, dass er das lieber unterlassen sollte. Er war nicht ausreichend lebensmüde, um aufgrund solcher Kleinigkeit die vollständige Wut von Bari abzubekommen. Dal konnte schließlich nicht riskieren, dass dieser Kakadu unbestraft davonkam. Mit diesen Gedanken versuchte er sein gekränktes Ego zu füttern.
      An dieser Stelle war ihm sogar bewusst, was mit ihm angestellt wurde. Solange der Bonehead das Verbot bekam, sich nicht in seine Arbeit einzumischen und somit in seiner Nähe zu sein, war ihm alles lieb. Zumindest waren es die Gedanken, mit denen er sich einigermaßen versuchte, zu beruhigen. Das Einzige, was den Sensenmann eine gewisse Gefasstheit ermöglichte, war eine gute Zigarette. Sie blieb ihm jedoch unerlaubt. Er wanderte zu der Wand und stellte sich vor dieser hin. Dal versuchte, sein Bestes zu geben, um die Präsenz dieses Narren zu ignorieren. In den ersten Atemzügen bekam er es durchaus gekonnt hin, es wandelte sich aber vald. Vor allem, als der Kakadu beschloss, weiterhin zu reden. Der Schwarzhaarige brauchte nur seine Stimme zu hören. sodass es nicht lange brauchte, bis seine Kiefer verkrampften. Er konnte diesen Idioten wirklich nicht leiden - weder aus einer weiten noch nahen Entfernung.
      ,, Noch nicht“, erwiderte er ihm bissig. Genugtuung? Davon konnte nicht einmal die Rede sein. Schließlich fing der eigentliche Spektakel erst wirklich an.
      Der Schwarzhaarige achtete darauf, sein ausdrucksloses Gesicht beizubehalten, als er nach hinten gedrückt wurde.
      Diesmal war Bonehead derjenige, der die Initiative übernahm und zum Angreifer wurde. Die beiden schienen ihre Rollen ausgetauscht zu haben, denn das zufriedene Lächeln auf dem Gesicht Dokkaebis war nicht zu erkennen. Dal hatte sich diesen Moemnt angeeignet.
      Selbstsicher hatten sich seine Mundwinkel zu einem absichtlich übertriebenen Lächeln zusammengezogen.
      Er legte den Kopf schief und starrte mit angehobenen Augenbrauen den Idioten an. Im selben Moment fasste er den Kakadu an seinen Kragen, um ihn anschließend zu sich zu drücken. ,, Ich kann‘s kaum abwarten, deine beschissene Fresse in der Hölle zu sehen, mein Lieber“, erwiderte er ihm in einem provokaten Ton, der viel zu höflich klang, um von den Uferstenehden betrachte zu werden.
    • Den Dokkaebi mit dem auffällig weißen Schopf in den Jahren seiner Verbitterung zu erblicken, benötigte wohl mehr als nur die Verfeindung an sich, in der sich die beiden in ihre ewigen Streitereien immer weiter in eine Richtung beschuldigten, aus denen sie womöglich gar nicht erst wieder lebend herausflüchten könnten. Es war eine erbrachte Leistung ihm das Grinsen von den Lippen zu nehmen und war dies erreicht, gäbe es vor allem für Jaewon keine weitere Grenze an die er sich halten würde - wären sie doch bloß nicht gerade bei Bari am warten, die nicht die frischen Wunden Dals und sogleich den Verursacher sofort herausfinden wird. Ob es sich lohnte für Jaewon, sich nicht selbst etwas zu verpassen, um es getrost dem Sensenmann in die Schuhe zu schieben? Ein Gedanke war es wert, doch verschwendet er nur eine weitere Gehirnzelle daran Dal gehörig eine zu verpassen, würden hier einige Dinge auf einmal explodieren. Doch das Level was sie erreichten, nämlich den anderen gewissenhaft zu verpetzen bis sie sich in der Hölle jagten, würde nicht noch weiteren Verrat ausschließen und damit war wohl für beide ihre üblich dumpfe Gewalteinwirkung immer noch die Beste gewesen, waren blaue Flecken, Kratzer und Blut gerade für Bari nicht viel zu schnell als solches zu erkennen. Man kannte die beiden genügend, genauso wie sie sich schon persönlich in ihrem Hass kennenlernten, denn natürlich erreichte der Fleck von Schande noch nicht seine Genugtuung, wenn auch der Dokkaebi an seine Grenzen kam. Die Erkenntnis nahm jedoch das breite Grinsen Dals genug auf, um ihn zur Weißglut zu bringen und ihn nicht noch gleich weiter in das Bücherregal zu drücken, gar durch die Wand, die sich noch dahinter befand. Man würde sich in der Hölle wiedersehen, sich über das Leid des anderen freuen und dadurch gleich sein eigenes vergessen. Denn wer sind die beiden, wenn sie sich selbst noch in der Hölle so provozieren würden, um für ihr Level nicht noch eine neue Art Level von Hölle zu erstellen. " Bis du mich da siehst, wirst du armselig um die Verzeihung deiner Sünden betteln. ", entgegnete er ihm wohl bedacht damit, dass Jaewon in dieser Weise weiterhin der Engel zwischen den beiden ist.
      Letztlich würde Jaewon nicht mehr nachzählen können, wie viele seiner Oberteile Dal ihm schon ausleierte, doch damit schwer tat er sich immer noch. Bisher war es schon die zweite Aktion der beiden gewesen, die sich genauso wiederholte wie die Letzte, doch dieses Mal konnten sie sich hier die Wartezeit schön schmücken. Mit dem fixiert werden an seinem Kragen, dem näherem heranziehen, hatte jedoch Jaewon seinen angespannten Unterarm gegen die Kehle des Sensenmanns gedrückt um auch ihm verdeutlichen, dass er sich damit keinen Gefallen mehr tat. " Du musst mich furchtbar lieben, wenn du mich so sehr bei dir haben willst und mich schon deswegen neckst. ", witzelte er trotz seiner weiterhin strengen Mine, doch wagte er sich noch nicht, einen weiteren Schritt zu gehen. Ihre Wartezeit war schließlich nicht benannt, würden sie nicht schon in den nächsten Sekunden wieder hineingerufen werden können, oder sie würden noch weitere Minuten warten, wenn nicht eine ganze Stunde. Da war ihr Spielraum schwer zu analysieren und lange brauchte es deswegen für den Dokkaebi nicht, wenigstens das letzte Mal auf das Bücherregal vor sich mit der Faust zu donnern und noch zu versuchen, eines der fallenden Bücher auf seinen geliebten Feind aufprallen zu lassen. Ehe man es ihm jedoch zuschreiben konnte, teleportierte sich Jaewon wieder an die Wand gegenüber von dem schwarzen Fleck, um keine direkte Schuld darin zu haben. " Der Tag an dem du mich in der Hölle sehen wirst, wird auch der Tag sein, an dem ich dir verzeihen werde, Balg. " Beides so unwahrscheinlich, dass sich der Weißhaarige den Moment an Ruhe nimmt, um sich zumindest einen Prozentanteil seiner Wut zu entledigen, wenn auch unbeholfen.
    • Er hörte sich seine Bemerkungen an. Natürlich tat es Dal ungewollt. Einen großen Spielraum hatte er jedoch nicht, denn der Bonehead hielt seinen Arm gegen seinen Hals gepresst. Dieser Druck reichte aus, um seine Bewegungsfreiheit einzuschränken. Der Sensenmann war demnach gezwungen, seine erniedrigenden Kommentare zu erlauben. Sein Blick verdüsterte sich mit jedem Wort, welches seinen erbärmlichen Mund verließ. Dieser Tag konnte wirklich nicht unerträglicher für ihn werden. Hätte dieser Narr doch einfach ihn in Ruhe gelassen und sich nicht in seine Arbeit eingemischt. Dal blieben keine großen Möglichkeiten übrig, um dem Bonehead eine Vergeltung vorzubereiten. Das Nächste, was er wahrnahm, waren die Bücher die auf seinen Kopf fielen. Der Aufprall selbst fühlte sich an, als hätte er sich gekratzt. Es war im Grunde genommen nichts, worüber er sich aufregen sollte. In dieser Situation wäre es für den Schwarzhaarigen am vorteilhaftesten, seine schwachen Nerven zu verschonen. Die Prädestination seines reizbaren Charakters erlaubte ihm jedoch nicht, einen solchen weisen Schritt zu machen - vor allem nicht, wenn der Täter dieser Balg war.
      Seine Mundwinkel zuckten unkontrolliert, was wiederum ein Beweis für seinen anstehenden Ausbruch war.
      Dal drückte seine Hände zu Fäusten zusammen. Womöglich war es sein vergeblicher Versuch gewesen, der Herr über seine Gefühle zu bleiben. Das konnte er aber nicht, nicht bei diesem Bonehead. Er wusste eigentlich, dass es eine Provokation war, die nur das Ziel verfolgen, ihm eine Falle zu stellen. Eine offensichtliche Falle, auf welche der Sensenmann bewusst reinfiel. Er schaffte es einfach nicht, übers Herz zu bringen, ihm diesen Sieg zu ermöglichen. In diesem Augenblick interessierte es ihn nicht einmal, wie sein folgendes Verhalten größere Konsequenzen mit sich tragen könnte. Eine Verfrachtung in die Hölle war demnach eine durchaus realistische Strafe.
      Die Vorstellung, dass dieser Kakadu dadurch das gleiche Schicksal erleiden müsste, erfüllte ihn mit einer unerwarteten Freude, die ein befremdliches Gefühl für ihn war.
      Für einen solchen Ausgang war ihm sein gesamtes Verhalten sogar wert gewesen. Dal interessierte wenig, ob er sich selbst damit schadete. Die Unterwelt war für ihn kein Neuland. Er war, während er seine Zeit abgesessen hatte, zu einer durchaus berüchtigten Gestalt aufgestiegen. Gefühlskälte, die ihn nicht nur als einen Sensenmann auszeichnete, war seitdem seine markanteste Eigenschaft, welche über ihn einige Gerüchte ausgelöst hatte. Es ging aber nicht um seinen Aufenthalt in der Hölle, noch interessierten ihn seine Strafen. Das Hauptthema drehte sich um diesen Bastard und der Rache, die er erteilen wollte.
      Dal wartete nicht lange, nachdem der Dokkaebi an seinen ursprünglichen Ort zurückgekehrt war.
      „ Da haut ja jemand wie ein kleines Kind ab“, warf er ihm bissig vor, als der Schwarzhaarige in einem dunklen Rauch vor ihm auftauchte, „ kriegst viel zu schnell Schiss, was?“ Es war eine rhetorische Frage. Zumindest aus der Perspektive des Sensenmannes.
      Er gab ihm keine Zeit zum Antworten, sondern fasste ihn ein weiteres Mal am Kragen. Diesmal holte er aber seinen Arm weit aus, sodass der Dokkaebi durch den Raum geschleudert wurde. Dal wartete ab, ihn auf den Boden aufprallen zu lassen, weswegen er dem Narr nachfolgte.
      Er beugte sich in der selben Sekunde runter, sodass diesmal er derjenige war, der mit seinem Arm seine Kehle zudrückte.
      „ Um Verzeihung betteln, wirst eher du“, zischte er ihn mit wahnhaften Augen an, „ denn deine Knabenfresse wird nicht einmal eine Minute in der Hölle aushalten können.“
      Er näherte sich immer mehr seinem Gesicht.
      „ Glaube mir“, flüsterte er ihm gefährlich zu,
      „ wenn ich in den Abgrund falle, ziehe ich dich mit.“
      Er verstärkte den Druck, der seinen Arm ausübte, bevor er unerwartet abließ und sich wieder erhob. Seine Augen ließen dabei keinen einzigen Moment von seinem erbärmlichen Gesicht ab.

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    • Wenn auch langsam sich die nassen Kleidungsstücke von dem Körper Jaewons lösen und ihm allmählich die Möglichkeit gaben, sich zumindest zu einem geringen Teil wieder wohl in der Situation zu fühlen, wenn er sich das alles selbst einbrockte und sehr wohl seinen Schuldanteil besaß. Dass sich die beiden nun begannen in der Zeit des Wartens mit belanglosen Schlägen zu amüsieren, war wohl weniger für das gehobene Wohl von ihm förderlich, doch ungemein befreiend, den Sensenmann wieder leiden zu sehen. Sie waren keine Freunde und die gemeinsam bestrittene Zeit bestätigte, dass sie es auch niemals sein werden. Da war die dämliche Fratze Dals gerade das Richtige für Jaewon gewesen, der sich noch an seinen gerissenen Nervensträngen belustigte, die er mit seiner Mimik offen ihm präsentierte. Seine Mundwinkel zuckten unaufhörlich, da war doch gleich wieder der Dokkaebi mit seinem Lächeln derjenige gewesen, der wieder seine Beine auf dem Boden stellen konnte, wenn er auch sich damit einem hohen Gefahrpotential offenbarte. In der Zeit in der sie sich stritten, entstand jedoch nie wirkliche Lebensgefahr, konnte man sie bei den Untoten überhaupt so nennen. Würden sie sich bloß außer Gefecht setzen und dazu so sehr, dass Bari noch davon Wind bekäme, wären sie ihren Job los - Und was mit den Gekündigten geschah, wusste so ziemlich noch niemand. Das Teleportieren Jaewons brachte den Dunkelhaarigen wieder dazu einen Kommentar abzulassen, zeigte sich dafür der Dokkaebi sichtlicher gereizt als er wollte, kaum hatte er seinen Mitstreiter wieder vor der Nase gehabt. " Etwa wie das kleine Kind, was ständig bei Mama petzt? ", entgegnete er ihm mit einer gehobenen Braue, würde er Dal auch mit ihrer Dickköpfigkeit nicht zur Einsicht bringen können. Genauso wenig wie Jaewon reagieren konnte, hatte er den Arm seines Gegenübern zu langsam wahrgenommen und befand sich dadurch nur wiederholt in seinem Griff, der ihm nicht mehr genügend Zeit gab.
      Mit dem nächsten Augenaufschlag hatte er sich nur vor einem Aufprall schützen wollen, indem er noch versuchte sich mit der festen Sohle seiner Schuhe zu bremsen. Die Erschütterung am Kopf hatte ihm aber genug signalisiert, dass er das Gewollte in kürzester Zeit nicht erreich konnte und bevor er sich durch das Aufstehen vor Weiterem bewahren konnte, blickten die blauen Augen auf. Keuchend hatte er seine Hände vergebens nutzen wollen, um Dals Griff selbst nur für eine Sekunde lösen zu können. Da konnten seine Aussagen ihm nur nebensächlich etwas ausmachen, brauchte er deutlich länger dafür sie mit seinem eigenen Tun zu realisieren. Bloß der erste genehmigte Atemzug hatte ihn dazu gebracht, überhaupt wieder hinauf zu sehen. Die endgültige Dominanz hatte er Dal dementsprechend nicht geben wollen, wenn er auch weiterhin gegen der Flurwand gelehnt lieb und gar die Knie zu sich hochzog, um für einen Moment seine Arme darauf lehnen zu können. Anders als vielleicht erwartet, hatte der Dokkaebi nur gelacht. Wie lange würde sich ein Sensenmann noch daran ergötzen wollen, zwei Liebende erbarmungslos voneinander getrennt zu haben? " Du bist lächerlich.. ", grinste er letztlich breit und schüttelte lachend den Kopf, ehe er fortsetzte, " So lächerlich, dass ich dein Gesicht fast nicht noch weiter verunstalten könnte. ". Mit einem Mal ließ sich nur noch erblicken, wie er mit dem ersten Bein wieder aufstand, ehe er sich jedoch erst neben Dal teleportiere, zur nächsten Überraschung jedoch sich wieder vor ihn teleportierte und ihm mit dem ausgeholten Arm auf die Nase schlug. Jaewon wiederholte es mit dem anderen Arm und als er doch versuchte mit dem Zupacken bei Dal diesen mit dem Bein zu verletzen, ergriff jemand anderes währenddessen das gestreckte Bein und zog damit Jaewon in seiner Dysbalance von Dal. Stören schien es ihn aber nicht, hatte sich der Dokkaebi nur wieder hinter den Sensenmann teleportiert und ihm von dort mit dem Fuß einen auf den Hinterkopf verpasst.
      Erst als die dritte Person erneut an seinem Bein zerrte und ihn zu Boden schleuderte, hatte Jaewon wirklich wieder aufgeblickt. Die Versuche zuvor seinerseits, auf sich aufmerksam zu machen und die beiden Streithähne zu ihren Strafen zu schicken war erfolgslos. Wenn auch nur erfolgslos, weil der Dokkaebi zuvor die schwarzen Puppenaugen nicht erkannt hatte und damit sich nur schnell wieder auf die Beine machte, sondern sich auch tief verbeugte. " Ist es dafür nicht schon zu spät, Nam Jaewon? ", fragte die tiefe Stimme, die nicht nur einem der höchsten Berater Baris gehörte, sondern auch demjenigen, der vermutlich die meisten Tode ordnungsgemäß verrichtete. Mit einem Schlag auf den geneigten Hinterkopf Jaewons hatte der Älteste ihn bestraft und sogleich auch den Sensenmann gemustert, den er nur trocken mit einem " Dal. " begrüßte. Ihren Kampf kommentierte er jedoch nicht, stattdessen hatte er sich als Erstes wieder in Baris Büro gemacht.
    • ,, Da beschreibst du wohl dich“, entgegnete er ihm bissig. Lächerlich? Das konnte nur auf diesen Dokkaebi zutreffen. All die vergangenen Jahrhunderte und dieser Idiot klebte an ihm wie ein Blutegel - mit einem deutlichen Unterschied, dass er ihn nicht loswurde, so sehr er es auch versuchte. In manchen Momenten wunderte sich Dal, ob der Bonehead einfach nur jemanden brauchte, dessen Nerven er jedes Mal strapazieren musste. Und er hatte einfach zur falschen Zeit am falschen Ort die ungünstige Karte gezogen, zu seinem Opfer zu fallen.
      Dal verstand nur nicht, warum er für eine solche Ewigkeit zu seiner Zielscheibe geworden war. Hätte er schon längst nicht sein Interesse verlieren sollen und sich nach einer neuen Beute umschauen?
      Dem Sensenmann blieb die eigentliche Antwort entbehrt. Das Einzige, was ihm übrig blieb, war, über mögliche Gründe zu fantasieren. Er war jedoch nicht die Person, die es liebte über irgendwelche Optionen nachzudenken. Letzten Endes war es nur ein Teufelskreis aus Wahngedanken, die ihm mehr Schaden brachten als Erlösung.
      Bevor sein Verstand eine weitere Überlegung vornahm, verspürte er den Faustschlag des Dokkaebis. Dal ging einige Schritte zurück und fasste automatisch sein Gesicht - als würden ihn die Schmerzen plagen, die er zu ertragen versuchte. Die Realität sah aber anders aus.
      Er konnte sich nur ausmalen, dass dieser gelungene Treffer des Kakadus ihn tatsächlich verletzt hatte, er verspürte jedoch nichts davon. Der Beweis für seinen Schlag war das Blut gewesen, welches träge aus seiner Nase rann. Es dauerte nicht lange, bis ein weiterer Angriff von dem Narren folgte. Im richtigen Augenblick hätte der Sensenmann seinen rasenden Arm womöglich einfangen können, er entschied sich aber dagegen, als er die Präsenz einer weiteren Gestalt verspürt. Bari - schoss es sofort durch seinen Kopf. Für diesen flüchtigen Moment hatte Dal beinahe vergessen, warum er überhaupt hier stand. Er wartete schließlich auf das Urteil, welches entscheiden würde, was mit den beiden geschah. Dals Mundwinkel zogen sich leicht nach oben. Diese Situation musste er gekonnt zu den eigenen Gunsten drehen. Der Schwarzhaarige war überzeugt, dass die fremde Gestalt Bari war. Dieser Spektakel würde letzten Endes vorteilhaft für ihn enden, wenn die Göttin sah, wie er von dem Bonehead geschlagen wurde. Während er sich das gesamte Szenario genau ausmalte, verspürte er die weiteren Angriffe des Dokkaebis.
      Es überraschte ihn gleichzeitig, dass sein Widersacher nicht nachließ, sondern ehrgeizig dabei war, sein Gesicht zu verunstalten. Entweder war dieser Narr wirklich ein Idiot oder er hatte die Präsenz Baris nicht verspürt, was trotzdem auf seine Dummheit hinwies.
      Siegessicher hob er seinen Kopf, als der Bonehead endlich von ihm abließ. Sein selbstsicheres Lächeln verschwand jedoch im gleichen Moment. Er erblickte nämlich nicht das, was er sich ersehnt hatte. Anstelle des strengen Gesichts von Bari schaute ihn ein kühles Augenpaar an.
      Das musste doch ein Scherz sein. Dal vernahm, wie die neue Gestalt dem Dokkaebi undeutlich sein Verhalten vorwarf, bevor sein scharfer Blick auf ihm landete. Der Schwarzhaarige nahm eine gerade Haltung ein und starrte ihn mit der gleichen Kälte an. Er gab sich nicht die Mühe wie der Bonehead vor seine Knie zu fallen. Schließlich war dieser alte Sack nur ein Sensenmann. Es wunderte ihn ein wenig, wieso sich der Narr überhaupt auf diese Weise sittsam verhielt. Diese Tatsache interessierte ihn aber nicht ausreichend genug, um darüber länger nachzudenken. Zu sehr war Dal von der Wut entfacht gewesen, damit er sich darüber eine Meinung bilden konnte.
      Mit wachen Sinnen beobachtete er aufmerksam, wie sich die Tür schloss. Als er sich in der nächsten Sekunde vergewisserte, dass sie zugefallen war, holte er seinen Arm aus und verpasste ihm den gleichen Schlag ins Gesicht. Mit der freien Hand hielt er ihn an der Schulter, damit er nicht davonkam.
      Es war für den Schwarzhaarigen ausreichend, dass er sich heute diesen Dokkaebi zu ertragen hatte. Nein, es musste sich noch ein genauso unerträglicher Sensenmann dazu mischen. Hatten sich heute die ganzen Kreaturen, die er nicht ertrug, zusammengeschlossen, um diesen Tag niederträchtiger zu machen? Dal wollte dem Idioten einen weiteren Schlag verpassen, doch im selben Moment öffnete sich die Tür, sodass er von ihm abließ. ,, Man kann euch nicht einmal für eine Minute allein lassen!“, ertönte sofort die mahnende Stimme. Diesmal war er es wirklich Bari gewesen. Er seufzte entnervt auf. Der Schwarzhaarige hatte wirklich nicht vor, von irgendjemanden eine Moralpredigt anzuhören. ,, Kommt rein“, befahl die ältere Dame, bevor der Sensenmann selbst zum Sprechen kommen konnte. Dal ließ es sich nicht ein zweites Mal sagen und folgte in den Raum, den er vor wenigen Minuten noch verlassen hatte. Diesmal wartete der alte Grim Reaper auf ihn, der sich gemütlich auf einem Sessel Platz genommen hatte.
    • Der Sensenmann, dessen Mine Jaewon wohl auch nicht Jahrhunderten nicht mehr zu hassen vergessen würde, hatte kaum auf seine Schläge reagiert. Er ließ den Dokkaebi machen, als hätte er schon verstanden wie er sich doch selbst die Schläge und die Strafe, die demnächst folgen würde, verdiente. Dass Dal so denken würde, war genauso fraglich wie das er sein Temperament überhaupt solange vor ihm zügeln konnte, hatte Jaewon ihm in seiner Wut doch genügend Möglichkeit gegeben etwas gegen ihn zu tun. Solch Frieden wie der Weißhaarige jedoch mit den Schlägen schließen konnte, war ihm gar egal geworden was ihn nicht gerade erwarten würde, wovor selbst Dal den Respekt erwies nicht ein weiteres Mal seine Hand gegen seine Feindschaft zu erheben. Doch den Respekt den Dal wohl mit seiner Haltung hatte, war gar nicht der Respekt den er wohl einer Person gebühren würde, die ihm wirklich wichtig war. Hatte das Skelett etwa jemand anderen erwarten oder war er wie gedacht hohl genug, um in dieser Situation wirklich jemand anderem einen guten Eindruck hinterlassen zu wollen? Er selbst hatte sich aus seiner Verbeugung gemacht, als man ihn mehr oder weniger für sein Verhalten ausschimpfte und auch seinem Streitpartner genauso wenig Beachtung schenkte. Die blasse Gestalt war so schnell weg wie sie für ihn da war und war die unbeholfene Begrüßung vorbei, ließ sich auch Dal gar nicht erst weiter davon abhalten die verpassten Schläge nachzuholen, die vor Überraschung auch Jaewon gar nicht erst abwehrte, schien er noch mit der geschlossenen Tür beschäftigt zu sein.
      Mit seiner freien Hand hatte er sich versucht von dem Griff des Sensenmanns zu lösen, war dann nicht doch ein Tritt womöglich die bessere Wahl gewesen. Als er jedoch seinen Fuß erhob und immer wieder sein Gesicht zu lenken versuchte, um den wenigsten Schaden davonzutragen, hatte er die langsam öffnende Tür erkannt und sich lieber als das Opfer hingestellt, indem er nicht doch zeigte, wie sehr Dal es darauf abgesehen hatte ihn zuschlagen. Glücklicherweise war es die mahnenden Stimme Baris, die dieses Mal Dal in seiner Wut erwischte und sie nicht doch hoffentlich zur Bestrafung in Richtung Hölle brachte, wenn sie zuvor ohnehin in ihrer Meinung zwiegespalten war. Ihre Worte brachten Jaewon jedoch wieder zum Grinsen, hatten die beiden Männer doch alles andere als Schmerz zu spüren, da war selbst die Mühe ihrer ausgewählten Schläge mühseliger, als das geschlagen zu werden. Das Grinsen entwickelte sich allmählich zu einem leisen Lachen, hatte er das Seufzen Dals vor ihm gehört und ihn damit nicht doch in die letzte Falle laufen gelassen. Wie als wäre nichts, hatte man von ihm abgelassen und ihn schließlich alleine darin gelassen, sich erneut aufzurichten und selbst zur Tür zu laufen, während er nicht doch seine Schulter versuchte zu lockern.

      Wenn auch mit Abstand, hatte sich Jaewon in der Nähe des demnächst bestraften Sensenmanns gestellt und sich doch nicht wenig später darin gemacht, eines der hängenden Bilder zu betrachten, schien Bari noch nicht bereit dazu wieder zu sprechen. Bloß der alte Sensenmann, der mit überschlagenden Beinen im Sessel saß und an seinem Tee nippte, schien wohl sehr unbekümmert über ihre Streitigkeiten zu sein. So wütend wie Bari wieder wurde, dass sie die beiden beim Prügeln erwischte, hatte sie nur laut aufgeseufzt und sich in ihren massiven Stuhl plumpsen lassen und die Dokumente weggeschoben. Den Ordner kannte noch zumindest Jaewon zu gut, standen da nicht alle Missetaten der beiden, die sie an ihrem Nebenmann verübten. " Ich brauche noch einen Moment Ruhe. Hyun-ho, würdest du? ", sprach sie aus, ehe sie ihren Kopf für einen Moment hängen ließ, ihn letztendlich wieder mit den Armen am Tisch stützte und den alten Sensenmann musterte. " Nun denn. ", atmete er aus, als er die Tasse Tee auf den kleinen Teller auf der Armlehne abstellte. Für einen Moment hatte er die beiden Männer betrachtet, überlegte wohl mit welcher Nachricht er am besten als erstes rausrückte, und entschied sich mit den schwarzen Augen schließlich für Jaewon. " Dokkaebi, wie weit bist du mit deinem Nebenauftrag? ", fragte die dunkle Stimme, die nicht doch ein Hallen im Raum verursachte. Jaewon blickte verwundert auf und wusste nicht zu antworten, bevor er jedoch verstand, was er von ihm verlangte. " Ich bin noch in den letzten Vorbereitungen, es genügt aber eine weitere Woche. ", erwähnte er, wenn auch seine Mimik überrascht über die Frage ist. Das nichtssagende Grinsen Hyunhos versteckte sich für eine Sekunde hinter der Tasse, an der er wiederholt nippte. " Deine verdiente Strafe wird dementsprechend noch auf dich warten, bis du den Auftrag abgeschlossen hast. ", sprach er aus, wenn auch selbst über etwas bestimmtes amüsiert. Nun griff aber wieder Bari ein, die sich in der Zeit einen Stift ergriff und etwas in den dicken Ordner hineinschrieb, in den Jaewon noch nie hineinblicken durfte. " Erwarte aber nicht, dass wird geduldig sein werden und noch lange nicht, dass du unbestraft davon kommst. " Jaewon nickte verständlich und setzte seiner Stille mit einer leichten Verbeugung einen Ausdruck von Dankbarkeit, der zuvor nicht zu erkennen war. Mit einem Schritt rückwärts zeigte er noch, dass er nicht weiter stören würde und sah deswegen lieber zu Dal, dem er mit genug Fantasie alles zur Bestrafung wünschen würde.
    • Dal stellte sich mit seiner geraden Haltung im Raum hin. Die folgenden Minuten würden offensichtlich sein Schicksal klarstellen, welches ihn in der Zukunft erwartete. Er konnte genau das Gelächter des Boneheads wahrnehmen, der für einen kurzen Moment den gesamten Raum erfasste, als er diesen betrat. Entnervt drückte er die Finger in seine Handinnenflächen, um sich dadurch davon abzuhalten, ihm weitere Schläge zu verpassen. Schaffte er es nicht, wenigstens in dieser angespannten Situation seine verdammte Fresse zu halten?
      Der Sensenmann versuchte sich durch die wütenden Bemerkungen Baris abzulenken. Für die Bestattungsgöttin war es sicherlich eine Herausforderung, ihre wertvolle Zeit an die beiden zu verschwenden. Selbst der Schwarzhaarige bemerkte, dass er es kaum erwarten konnte, die Strafen endlich erteilt zu bekommen. Er wollte diesen Idioten endlich leiden sehen, damit sein Gesicht nicht mehr dieses strapazierende Lächeln zierte. Es war doch nicht zu viel verlangt und nach all den Jahrhunderten, in denen Dal durch seine Verfolgungen leiden musste, empfand er eine solche Vergeltung als berechtigt. Zumindest hoffte er innerlich, dieser Kakadu würde eine richtige Bestrafung erleiden. Sein Verstand redete ihm diese Vorstellung schön, doch tief in Innerem war ihm bewusst, dass ein solcher Ausgang unrealistisch war. Schließlich wusste er genau, wie sehr die Dokkaebis für die erbrachten Leistungen im vergangenen Leben präferiert wurden. Und Sensenmänner? Sie waren Sünder. Eine weitere Verbannung in die Hölle wäre nichts Außergewöhnliches für den Schwarzhaarigen. Zwar fehlten ihm die Erinnerungen an seinen vorherigen Ich, aber die Erinnerungen an die endlosen Strafen in der Unterwelt waren tief in ihm verankert gewesen. Ein deutliches Paradox. Er hatte keinen Einblick über seinen eigentlichen Namen, wusste nicht, wer er war - doch die Rückblicke an die Hölle und der endlosen Qual waren präsent, als würden sie ihn jedes Mal daran erinnern wollen, dass er ein Sünder war. Ein Brandmal, das ihn bis in die Ewigkeit markierte.
      Die Stimme des alten Sensenmanns übernahm die Rede, als Bari ihn darum bat. Hyun-ho. Erst jetzt rief sich Dal diesen Namen ins Gedächtnis. Er kannte diese Gestalt, zumindest aus den Gerüchten der anderen. Soweit ihn die Erzählungen nicht irrten, gehörte dieser Pensionär zu den frühen Sensenmännern. Er musste demnach alt sein, sehr alt. Dieser Mann hatte Dal nie wirklich interessiert, was unter anderem daran lag, dass es kaum etwas gab, was seine Neugier weckte. Demnach hatte er sich nie die Mühe gegeben, mit diesem Grim Reaper in irgendein Gespräch zu kommen, auch wenn sie deren Wege öfters gekreuzt hatten. Vielleicht lag es auch an seiner herablassenden Haltung, mit welcher er ihn behandelte. Dal war nicht dumm. Die überlegene Einstellung konnte er in den anderen Personen sofort erkennen. Bei anderen Wesen würde er durch Fäuste dafür sorgen, dass sie diese Gesinnung ihm gegenüber loswurden.
      Dieser alte Sack war jedoch kein einfacher Sensenmann und der Schwarzhaarige wusste, in welchen Moment er sich aus unnötigen Problemen rauszuhalten hatte. Er runzelte die Stirn, als er sich seine Bemerkungen anhörte.
      Was sollte das für eine Bestrafung werden? Wollten sich die ganzen Anwesenden über ihn verhöhnen? Dal hatte sich Einiges vorgestellt, aber dass sich dieser Idiot auf diese Weise retten könnte, hätte er nun wirklich nicht erwartet.
      Unbestraft davon kommen - wiederholte er gedrückt in seinen Gedanken. ,, Und du“, die Augen des Pensionärs richteten sich diesmal auf ihn. Der Schwarzhaarige bemerkte gar nicht, wie er seine Arme hinter dem Rücken verschränkt hatte. Er erkannte jedoch sofort, dass sich der Ton in der Stimme des höhergestellten Sensenmannes veränderte. ,, du wirst deine Strafe in der Menschenwelt absitzen.“
      Der ältere Herr schlug seine Beine leicht übereinander und musterte ihn weiterhin mit seinem kühlen Blick.
      ,, Deine Arbeitsstunden werden reduziert werden und du wirst einen Aufseher zugewiesen bekommen, der darauf achtet, dass du deine Arbeit richtig machst.“ Dal vernahm genau die Lehre, die ihm erteilt wurde und verstand, an was er andeutete.
      Er stand weiterhin in seiner ruhigen Haltung, obwohl es nicht zutreffend war, seinen Zustand als still zu bezeichnen, wenn man betrachtete, wie er vor Wut tobte.
      Der Schwarzhaarige war nicht aufgebracht über die eigene Strafe gewesen, sondern viel mehr über die nicht-vorhandene von diesem Dokkaebi. Es konnte doch nicht sein, dass er unversehrt aus dieser Situation herauskam? Er erwiderte dem Pensionär nichts. Das hatte er nicht vor. Was sollte er denn überhaupt sagen? Vielen Dank für diese armselige Kundgebung?
      Dal verspürte, wie seine Hände, die zu festen Fäusten zusammengeballt waren, immer stärker von der Kälte erfasst wurden.
      ,, Nicht in meine Zimmer!“, ertönte die strenge Stimme, die diesmal von Bari kam. Der Schwarzhaarige legte mit einem mahnenden Gesichtsausdruck seinen Kopf in den Nacken. Die Bestattungsgöttin wollte offensichtlich nicht, dass er die Kontrolle über seine eigenen Kräfte verlor. ,, Was deine Regelverstöße angeht“, fuhr die Dame in ihrer autoritären Stimme fort, ,, werde ich unter vier Augen besprechen.“
      Dal zog seine Augenbrauen hoch. ,, Unter vier Augen?“, hakte er spöttisch nach, während er wieder ernst wurde,
      ,, werden Sie denn seine Regelverstöße ebenfalls unter vier Augen besprechen oder wird er da auch verschont?“
      Bari erwiderte nichts auf diese Bemerkung, doch ihr Blick reichte ihm aus, um die Antwort zu sehen. Offensichtlich hatten sich die beiden gegen ihn gewandt und sich auf die Seite dieses Boneheads gestellt.
      ,, Na dann“, schaffte es Dal, diese Worte von seinen Lippen herauszupressen. Er nickte der Bestattungsgöttin zu und verließ den Raum, denn er war sich nicht sicher, was er anrichten würde, wenn er sich länger hier aufhielt.
      Nachdem er hinter der Tür verschwand, sorgte der Schwarzhaarige dafür, in einem dunklen Rauch zu verschwinden. Eine Sekunde länger wollte er in diesem Ort ganz sicher nicht verbringen.
    • Die Strafe desjenigen, der allein durch sein damaliges Ehrenamt genügend Ehre sammelte, um selbst zu dieser Zeit fast straflos entkommen zu sein, war genau wie erwartet. Er dachte nicht an die Hölle, wünschte er sich auch selbige für den Pechfleck neben ihn, dessen Grinsen er schon an der Tür verspürte. Sie bekamen sich mehr als in die Haare, wenn sie nicht gerade vor den beiden höheren Personen vermöbelt im Gesicht wirkten, vielleicht auch weil genau dies die Situation traf. War Jaewon auch erleichtert über die milde Strafe, würde sie denn auch später nicht deutlich schlimmer werden, schien es sein Nebenmann ihm nicht wirklich gönnen zu wollen. Für ihn gab es gerade nichts besseres als genau dies beobachten zu können, spuckte der Sensenmann nicht gerade noch hohe Töne, weil sie sich in der Hölle wiedersehen werden. Jetzt war es nur noch er allein der dorthin geschickt werden kann und das nicht zum ersten Mal, hörte er wenigstens die wenigen Male zu, wenn man Gerüchte über den Gesichtslosen aussprach. So viel er auch Hass gegen diesen Sensenmann verspürte, war es alles andere als sich auch in seiner restlichen Zeit mit diesem zu beschäftigen. Nur weil er jemanden beeindruckte, etwas schlechtes tat und es nun die Runde machte, brauchte sich Jaewon nicht auch daran interessieren und schon gar nicht, wenn er mit Dal auch sich immer wieder an seine Frau erinnerte und so gern er es tat, so gab Dal ihm nicht die positiven Gefühle zurück. Da blieb ihm auch jetzt für einen Moment das Grinsen aus, auch wenn es genügend Gründe dafür gab, für das Ende der Geschichte dankbar zu sein. Schon lange wollte der Dokkaebi hier raus, wo er seinen nächsten Termin kannte würde er sogar schon gehen können - aber er entschied sich anders, wenn auch nur um sein rasendes Herz stillen zu können, weil er den Sensenmann wenigstens ein Mal im Leben förmlich brennen sehen wollte. Die blauen Augen richteten sich wieder auf Hyun-ho, der sich nicht weiter darin abhielt weiter zu sprechen, würde er seine Nachricht so oder so Kund geben müssen. Zeit war hier ohnehin ein Teil, der nicht mehr wertgeschätzt wurde. Während sich die Menschen vor schlechten Nachrichten zu drücken versuchten, weil sie ihr kurzes Leben mit so viel Glück füllen wollten wie sie nur konnten, hatten die Gestalten in diesem Anwesen kaum mehr etwas anderes zu verlieren als ihr eigenes Gesicht, weil sie weder im Boden versinken, noch anderweitig verschwinden konnten.
      Mit den Augen auf dem uralten Sensenmann hatte er sich während seiner Sprache die Erlaubnis gegeben dieses ausreichend zu mustern, sah man ihn ohnehin nicht oft. Die Finger waren knochig, als hätte er schon zu oft seine Sichel erheben müssen und nun auch nichts anderes mehr tragen können als die Tasse, die seiner Porzellanhaut versuchte Konkurrenz zu machen. Für wenige Sekunden war Jaewon wie weggetreten, weil er sich noch an die menschlichen Aufgaben erinnern musste die er in seinem Alltag zu erledigen hatten, doch genügte auch die Annäherung an dem selben Thema, um ihn wieder aus dieser Trance zu holen. Dal in der menschlichen Welt, während er beobachtet wird und richtig arbeiten muss? Fast ein Traum für Jaewon, zeigte er sich nicht gerade darüber erschrocken, bald gar noch eine Welt, eine Gemeinsamkeit mit ihm teilen zu müssen. " Niemals! ", brüllte er überrascht mit dem breitesten Grinsen, den er sich heute wohl aufsetzen konnte. Letzten Endes war es eine wirkliche Strafe für Dal und gar eine, mit der er noch nicht umzugehen wusste, anders als in der Hölle. Er wartete nur noch auf eine richtige Reaktion des Sensenmanns, der sich wohl äußerlich herzlichst wenig darum scheren wollte, was ihn so oder so noch erwarten würde. Da war es schon fast zu lange, kannte Jaewon Dals Geduldfaden und seine Schwächepunkte zu sehr, als seine momentane Ruhe nicht schon zur Rekordzeit werden konnte.
      Nur Bari schien zu wissen was gerade um sie geschah, warnte er Dal schon über etwas, was Jaewon noch nicht erkennen konnte. Die Nachricht kam wohl aber trotzdem an und wenn der Dokkaebi mit gehobener Braue versuchte zu erkennen, warum man die Warnung aussprach, schien er nicht schlau zu werden. Es brauchte noch eine gefühlte Ewigkeit für Dal irgendwas aussprechen zu können ohne dabei an die Decke zu gehen und als dieser Moment fast begann, hatte er sich aus dem Staub gemacht und einen überraschten Dokkaebi hinterlassen, der das zufriedene Lächeln nicht verlieren konnte. " Na dann. ", begann er zusprechen, war ihm auch alles andere lieber als noch weiter die Nerven des Sensenmanns zu strapazieren. Kurz winkte er der Bestattungsgöttin, sprach zum Abschied ihren Namen aus und drehte sich mit derselben Freude zu Hyun-ho. " Hyun-ho, ein Krümel hat sich in deinem Haar verfangen. ", verabschiedete er sich auch von ihm und wenn er auch versuchte die ganze Zeit nicht zu lachen, musste er es nun abermals rauslassen. Bevor man ihn aber verfluchen konnte, verschwand Jaewon und begab sich nicht weit später zum Erledigen der Aufgabe seines kläglichen Menschenlebens.
    • Erst als er sich umschaute, bemerkte er, dass er sich in einen abgelegenen Bereich teleportiert hatte. Dal war immer noch in der Unterwelt, da er sich jedoch in einem Sektor befand, der nur den Sensenmännern zugänglich war, konnte er wenigstens eine minimale Erleichterung verspüren, nicht diesen Weißschopf sehen zu müssen. Zu seinem Glück war in der breiten Umgebung kaum niemand zu erkennen gewesen. Unkontrolliert holte er sich eine Zigarette raus und bevor er ein zweites mal blinzelte, lag sie angezündet zwischen seinen Lippen. Den Schwarzhaarigen würde es nicht überraschen, wenn er in den folgenden Minuten die gesamte Packung ausleerte.
      Es war schon eine gefüllte Ewigkeit vergangen, seitdem sich seine Nerven einer solchen provokativen Herausforderung gestellt hatten.
      Seine Munwinkel zuckten mehrere Male und sein Verstand quälte ihn mit den aktuellen Vorfällen.
      Er schaute hoch - eine Angewohnheit, die er sich beim Rauchen angeeignet hatte -, seine Augen erblickten jedoch nicht den Himmel der Menschenwelt, sondern ein dunkles Gewölbe, welches ebenfalls von Sternen bedeckt war oder zumindest von irgendwelchen leuchtenden runden Körpern. Der markanteste Unterschied lag darin, dass auf diesem kein Mond zu erkennen war. Man konnte aufgrund der Gemeinsamkeiten trotzdem behaupten, dass es sich um den Himmel der Unterwelt handelte - womöglich traf diese Formulierung am ehesten zu, aber bis jetzt hatte er sich auch nicht wirklich Gedanken darüber gemacht. Es war anscheinend das erste Mal für seine Gedanken darüber zu kreisen und nachdem er es realisierte, wunderte er sich, ob das ein Versuch von seinem Verstand war, ihn von seiner Wut abzulenken. Lange hielt der Effekt nicht, denn er landete wieder bei dem Bonehead. Er konnte es nicht fassen.
      Diese Unterwelt war gefüllt von Kriechern, die er nicht vertrug. Dal wollte nicht akzeptieren, dass man ihn auf diese Weise dreist und diskriminierend behandelte hatte. Die Dokkaebi-Karte schien diesen Narren aus jedem drohenden Problem zu retten.
      Es war für ihn kein Geheimnis, wie diese heiligen Wesen besser behandelt wurden. Er hätte aber trotzdem nicht erwartet, dass sie es auf diese Weise offensichtlich machen würden. Seine Verdrossenheit erreichte ein weiteres Mal den höchsten Punkt und er bereute es, in dieser Umgebung keinen weiteren Sensenmann anzutreffen, den er als Sündenbock für seinen Zorn benutzen konnte. Natürlich war es unwahrscheinlich, hier irgendwen zu sehen. Schließlich waren sie alle mit ihrer Arbeit beschäftigt. Wahrscheinlich müsste sich der Schwarzhaarige nach den Seelen erkundigen, die er wegen dieses nervenden Weißschopfs nicht geschafft hatte einzusammeln.
      Das würde er nach der ganzen Demütigung ganz sicher nicht tun. Sollten sie doch jemanden anderen mit dieser Aufgabe beauftragen.
      Verdammten Heuchler - flog es durch seinen Kopf, wobei er jeden Bewohner der Unterwelt verfluchte.

      Er drückte die schwarze Reisetasche, die um seine rechte Schulter hing, fest zu. Dal schaute sich ein weiteres Mal in der Umgebung um, indem seine Augen in beide Richtungen blickten, um sich zu vergewissern, dass er vor der richtigen Tür stand.
      Die Skepsis war an seinem Gesicht trotzdem präsent gewesen. Er zuckte ohne Belang die Schultern und transportierte sich in die Wohnung hinein. Die Schlüssel, die ihm der Aufpasser, der ihn bis zu der Haupttür des Gebäudes gebracht hatte, überreicht hatte, ignorierte der Schwarzhaarige gekonnt. Er hatte sich vergewissert, dass sich kein Mensch in seiner Umgebung befand. Und nur weil er jetzt gezwungen war, in der Welt dieser Narren zu verweilen, bedeutete es noch lange nicht, sich deren Verhalten anpassen zu müssen.
      Er war ein Sensenmann, welcher es nicht nötig hatte, irgendwelche Schlüssel zu benutzen, um eine Wohnung zu betreten.
      Dal staunte noch mehr, als er im Inneren ankam. Er hatte sich am Anfang gewundert, ob ihn der Aufpasser zum richtigen Ort gebracht hatte, denn es war eine offensichtlich wohlhabende Gegend. In diesem Moment schien er zu verstehen, warum viele Wesen darauf erpicht waren, in der Menschenwelt zu verweilen. Man lebte in deutlich luxuriösen Bedingungen. Oder vielleicht lag es schlicht an seinem Mitbewohner, der einfach gutes Geld besaß, um sich eine solche Wohnung zu erlauben? Dal war nicht darüber informiert, doch ihm war bewusst, dass er früher oder später die Antworten auf seine Fragen kriegen würde. Er wanderte durch das Wohnzimmer und ließ seine Tasche auf die Couch fallen. Viel hatte er nicht mitgenommen. Nur einige Arbeitsanzüge und irgendwelchen Kram, den er als wichtig genug ansah, um sie zu verstauen. Beim Packen hatte der Schwarzhaarige realisiert, dass er überhaupt nicht viele Sachen hatte, seien es nun Klamotten oder anderes Zubehör. Außerdem würde er sich das Notwendige sowieso in der Menschenwelt holen können.
      Der Sensenmann begab sich auf eine Wohnungserkundung, indem er sich jedes Zimmer vornahm. Sein Mitbewohner schien zwar nicht anwesend zu sein, doch er brauchte seine Präsenz für einen Rundgang nicht. Nachdem er jede Ecke analysierte, ließ er sich auf die Couch fallen und starrte auf die Decke. Das einzige Geräusch, welches den Raum erfüllte, war das Ticken der Uhr. Eigentlich konnte Dal solche kleinen Geräusche schlecht vertragen, er war aber in diesem Moment zu sehr in seinen Gedanken vertieft, um wirklich darauf zu achten.
      Das würde somit sein neues “Zuhause“ für die nächsten Monate oder gar Jahre sein.
      Der Schwarzhaarige konnte sich seit dem letzten Vorfall wieder unter Kontrolle kriegen. Vielleicht lag es auch daran, dass schon mehrere Tage vergangen waren. Er hatte selbst den Überblick verloren und in seinem erteilten Schicksal kaum Gespür für die Zeit gehabt.
      Nach seinem Wutausbruch hatte er ein weiteres Gespräch mit Bari gehabt - unter vier Augen, so wie sie es angedeutet hatte.
      Es war ein Segen gewesen, dass dieser Bonehead, an den er sich so wenig wie möglich erinnerte, nicht in seiner Nähe war. Ansonsten hätte er sich nicht auf diese Weise beherrscht mit der Bestattungsgöttin unterhalten können.
      Sie hatte ihm seine Strafe genauer erläutert und die Konsequenzen, die ihn auf eine ungewisse Zeit erwarteten. Ihm war es bewusst, dass die Strafe für ihn viel gravierender hätte ausfallen können. In den Augen anderer Sensenmänner war es sicherlich nicht einmal eine Ahndung. Für ihn war es trotzdem eine Herausforderung. Er seufzte und drückte sich von der Couch hoch. Der Schwarzhaarige wollte sich nicht mit diesen Gedanken quälen. Er überlegte, womit er sich ablenken könnte und realisierte, dass eine Erfrischung die beste Idee sein würde. Und mit einer Erfrischung war natürlich ein warmes Duschbad gemeint. Dal ließ es nicht zweimal durch seinen Kopf irren und landete am gezielten Ort.
      So wie er es erwartet hatte, brachte ihn die besagte Wohltat auf ermutigende Gedanken. Er beruhigte sich damit, dass die Hölle eine viel schlimmere Strafe gewesen wäre und er dankbar für die jetzigen Zustände sein sollte.
      Mit einem weißen Tuch, das er um seinen Unterkörper wickelte, verließ er das Badezimmer, ohne völlig ausgetrocknet. Er merkte gar nicht, wie seine nassen Füße Spuren auf dem Boden hinterließen. Dal hatte nicht daran gedacht seine Tasche mitzunehmen. Er wollte sich aber frische Klamotten rausnehmen, weil er die alten durchnässt hatte, als er damit beschäftigt war, zu verstehen, wie man die Dusche aufdrehen sollte.
      Beim Gehen überkam ihn eine zweite Erleuchtung, durch welche er realisierte, dass er sich keine richtige Sachen zum Wechseln mitgenommen hatte. Nur die schwarze Arbeitskleidungen, die er den Großteil des Tages trug.
      Er blieb stehen und versuchte eine Lösung für das neue Problem zu finden. Sein Blick fiel auf eine Tür, die in das Zimmer seines Mitbewohners führte. Das hatte er nach seiner Wohnungserkundung festgestellt. Bevor er diesen Gedanken zu Ende dachte, stand er schon im Zimmer und stellte sich vor dem Schrank hin. Er gab sich die Erlaubnis, diesen zu öffnen und einige Teile herauszunehmen, die ihm passen könnten.
    • Die schwere Autotür ließ einen lauten Knall zu, als Jaewon sie mit einem lauten Schnauben zuzog und sich lieber darum bemühte sich in den Fahrersitz fallen zu lassen und den den Kopf in den Nacken zu legen, weil er sich nichts anderes mehr wünschte als seine Ruhe. Auch wenn er die Eigenschuld darin trug einer zu langen Schicht einzuwilligen, war es vermutlich noch weiter bloße Dummheit die ihn dazu brachte, unzählige Klemmbretter auf den Beifahrersitz fallen zu lassen. Er nahm sich die Arbeit mit nach Hause, fiel er zur Entschädigung seiner Arbeitszeit für einen Tag auch im Krankenhaus aus und musste eigentlich ohnehin nicht mehr arbeiten, weil er mittlerweile den Eindruck bekam das Geld wuchs endlos auf Bäumen. Auf unbestimmte Zeit könnte Jaewon auch frei leben, sich nicht mehr an irgendwelchen Termin halten müssen und sah er sich auch oft genug in diesen Vorstellungen, tat er es trotzdem nicht. Während sich andere in seinem menschlichen Alter bereits zu Hause auf Frau und gar Kind freuten, gab es nichts und niemand für den Dokkaebi, der ihn erwartete. Es gab nur ihn selbst und die Patienten, zu wessen Pflege er sich selbst verdammte.
      Jaewon rührte sich nur wenige Minuten erst später, als er sich schließlich dazu bewegen konnte das Lenkrad zu umfassen und den Kopf zu schütteln, weil seine mangelnde Energie an ihn nagte. Vielleicht war er ja verrückt geworden, weil er jetzt sofort wieder aus dem Auto steigen würde, rief man nur genügend nach seiner Hilfe, oder das menschliche Leben holte ihn ein - fing er nicht an Ängste zu erleben, Beziehungen aufzubauen und an anderen Dingen Freude zu finden, als an neue Hinweise zu seiner Frau oder den einseitigen Gesprächen, die er am Grab Sehuns führte. Der Dokkaebi hätte sich einfach vor die eigene, neue Haustür teleportieren können und doch befand er sich fahrend in dem weißen Auto, weil seine Umgebung sich mit Zeit misst und schnell in Hinterfragung kommt, warum er so schnell nach spontanen Anrufen erscheinen kann. Mehr Geschwindigkeit in seinem Leben wünschte sich Jaewon abermals, beschleunigte er den Wagen nicht höher als er durfte, kaum waren die Straßen und sein Kopf ansatzweise frei, weil er in der immer wiederkehrenden Trance nur wenig realisierte. Die Umgebung war ihm neu genug, dass ihn während seiner Fahrt die Stimme der Navigation begleitete und mit ihm die gedankliche Einkaufliste die er sich versuchte zu machen, weil er die meisten Lebensmittel in seiner damaligen Wohnung lieber achtlos wegschmiss, um sich das elendige Einräumen zu sparen und die Zeit einzuhalten, die er damals Bari und Hyun-ho in ihren Plänen versprach. Man hatte ihm vor einer Weile bereits den Auftrag gegeben sich eine größere Wohnung zu suchen, weil genügend Fälle von Gestalten aus dem Jenseits existierten, die ihre Menschlichkeit verloren und sich diese unter Beobachtung wieder aneignen mussten, um auch ihre erteilten Aufgaben richtig erledigen zu können. Jaewon schätzte es zumindest so ein, war Bari sehr wortkarg in seiner Mission, dass sie ihn mit so wenig Information wie möglich in die neue Wohnung einziehen ließ. Irgendwen müsste Jaewon wohl sicherlich in seiner Wohnung begrüßen müssen, in eine Wohnung die selbst Jaewon so wenig betretet, dass er nicht eines der Gesichter seiner Nachbarn sonderlich im Kopf behielt.
      Mit schweren Schritten und vor allem zu vollen Händen hatte er sich nach einer weiteren Stunde in den Fahrstuhl begeben und mit seinem Ellenbogen jene Etage gedrückt, in welchem man ihn schnellstmöglich fahren sollte, drohte ihm demnächst alles aus den Armen zu fallen. Eines der Taschen hatte er vor seiner Tür fallen lassen müssen, um in seiner Jacke nach dem Schlüssel zu suchen und diesem im Schloss umzudrehen. Leise hatte er die Tür aufgestoßen und geschlossen, um die Einkäufe in die Küche zu tragen und sie dort liegen zu lassen, weil niemand außer ihm darauf warten würde, sie an ihrem richtig Platz zu sehen. Viel fand in der Wohnung jedoch nicht Platz, war sie zwar durch den Dokkaebi edel und voll möbliert und mit hängenden und stehenden Kunstwerken verziert, gewann dadurch jedoch wenig an wirklicher Persönlichkeit. Es gab wenig was er offen an sich zeigte oder gar zeigen konnte, weil keine Familienfotos von ihm existierten und auch keine Erinnerungsstücke, die er nicht seinen Besuchern begründen musste. Lediglich kannte er die Künstler an seinen Wänden persönlich, erlagen sie schon vor Jahrzehnten ihrem natürlichen Tod und gewannen nur noch in den Erinnerungen Jaewons an Leben. Das Schmunzeln richtete sich jedoch an die Skulptur an der er mit den Klemmbrettern vorbeilief und an der er nebenbei den dünnen Staubfilm wegwischte, bevor er jedoch skeptisch den Kopf hob. Hatte er da gerade jemanden gehört?
      Mit gerunzelter Stirn machte er sich wieder auf seinen eigentlich Weg und ging an die offene Tür, die in das Zimmer des Dokkaebis führte. Er war genug in Eile in seinen Schritten gewesen, dass er sich rasant im Türrahmen selbst stoppte und lieber den halbnackten Mann an seinem Schrank musterte, der ihn noch dazu bewegte, in Windeseile die Kraft in seinen Händen zu verlieren. Die Schreibmappen und Klemmbretter, die er noch so vorsichtig versuchte mit sich zu tragen, vielen in ihrer gesamten Stückzahl hinunter gaben genug Überraschung in ihrem Ausdruck, als das man noch seine Existenz hinterfragen konnte. " Du kranker Perversling, ", begann Jaewon sich schon aufgrund seines Aufzugs, oder eher gesagt aufgrund des fehlenden Aufzugs, zu beklagen und kam nur langsam zu weiteren Entschlüssen. " was machst du an meinen Sachen und noch schlimmer, was machst du Fleck Pest in meiner Wohnung? "