In Zeiten des Chaos [Yasa&Caili]

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    • In Zeiten des Chaos [Yasa&Caili]

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      Dahlia

      Ihrem Ziel endlich einen Schritt näher gekommen, mit einem Stück Hoffnung im Herzen, verließ die Königin des kleinen, von Krieg und Leid geprägtem Land, Avyavashte mit erhobenem Haupt und emotionslosen Zügen ihre Kutsche, ihre Augen fixiert auf den Tempel vor ihr, gebaut in einer Zeit, in der der Glaube an die Götter und ihren guten Willen noch bestanden hatte.
      Das Bauwerk war alt, sehr alt, es möge sogar Jahrhunderte alt sein, doch hatte es sich genug gehalten, dass das Innere dieses als Zuflucht genutzt werden konnte. Getaucht in Dunkelheit konnte Dahlia jedoch nicht einmal erahnen, ob sie darin finden würde, was sie suchte.
      Sie könnte sogar direkt in eine Falle gehen und damit ihr Leben riskieren, doch welche andere Wahl hatte sie schon? Es war nur eine Frage der Zeit, bis ihr Reich fallen würde und mit jedem Jahr wurde es immer schwerer, die Grenzen zu schützen und immer mehr Tote waren zu verrechnen. Dies war ihre einzige Chance, dem allen ein Ende zu setzen, er war ihre einzige Chance, auch wenn sie ihn das auf gar keinen Fall wissen lassen durfte. Die Königin war nicht aus auf einen Retter, einen Helden, viel mehr war sie in Begriff ein Deal mit dem Teufel einzugehen. Doch sie würde mit einem Lächeln auf ihren Lippen ihre Seele für ihr kleines Land verkaufen, war es doch ihre Pflicht als Königin.
      Begleitet von vier Leibwächtern, welche allesamt bereit waren ihr Leben zu geben, damit Dahlia auch nur ein paar Minuten mehr hatte, um den Schattenfürsten von ihrem Deal zu überzeugen, stieg sie die Treppen hinauf. Dahlia war nervös, angespannt und die Furcht des Todes lag auch ihr im Nacken, doch war nichts von diesen Gefühlen in ihrem Gesicht zu sehen.
      Bereits bevor sie die letzte Stufe erreichte, konnte sie das weiße Haupt eines Mannes erkennen. War das das Monster, das sie suchten? Er musste es sein, nicht wahr? Die Reise hierher durfte einfach nicht umsonst gewesen sein.
      „Archyrion Tenebris?“, erhob die Königin ihre Stimme, welche von den Wänden des Tempels weiter getragen wurde und für einen Hall sorgte, welcher dem ein oder anderen einen Schauer über den Rücken laufen ließ.
      „Ich bin hier, um ihnen einen Deal vorzuschlagen.“, blieb sie nur wenige Meter vor dem fremden Mann stehen und beobachtete diesen mit entschlossenem Blick.

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      @Yasacura


    • Das Gerücht, jene einst von Ruhm und Macht renommierte Königin ersuche tatsächlich die lebendzehrende Verdammnis des global gefürchteten Schattentänzers, hatten Archyrion's feine Ohrhärchen das erste Mal in einer Schenke vernommen, während sein sensibler Gaumen sich eigentlich der Betäubung gedankenvernebelnden Nervengifts hingeben wollte, die ungesunde Neugier und vor allem tief am Grunde seiner verblassten Moral verankerte misanthropische Einstellungsmuster den jungen Mann jedoch inne halten ließ, um dem bizarren Klatsch, dessen Entwicklung vermutlich ohnehin bereits ein kreatives Eigenleben entfacht haben müsste, noch merkliche Sekunden mehr Gehör schenken zu können, bevor er es mit einem gelangweilten Schulterzucken hätte abgetan. Doch die Fassungslosigkeit der Boten über einen solch suizidale Tendenzen aufweisenden Entscheid hatte real, schlichtweg zu echt gewirkt, als dass Archyrion ihre ungeheure Erfindungsgabe wirklich wie eine ausgedachte Gutenachtgeschichte für böse Kinder hätte werten wollen. Nein, ihre Bestürzung entsprang unverkennbar den Wurzeln gnadenloser Realität, und die Wahrheit hatte ihre schwarzen Flügel längst über des Schöpfer's Schicksal hinaus emporsteigen lassen. Schlechte Nachrichten schien der Wind selbst durch seine luftige Stimme in die strapazierten Gehörsinne kriegserschöpfter Seelchen zu hauchen, ehe sie alsbald von menschlichen Phantasien apokalyptisch anmutend beschmückt wurden. Niemand aber würde ihn finden, wenn er sich ihres Erfolges verweigerte. Sein dämonisches Dasein blieb den Wissenden stets genommen und den Unwissenden erhalten; denn kein Mensch ward seiner Klinge je verschont - eigentlich. Eines Tages wagte ein, in Begleitung einer sich lächerlich schwach abzeichnenden Drei-Mann Phalanx, weiterer Kurier das neu erkorene Reich des Mannes, fern abseits der zivilisierten Hochburg, durch seine erbärmlich, kümmerliche Präsenz zu verseuchen - und Archyrion hasste diese verwundbare, dekadente Rasse -, umso überraschender schien es im Nachheinein, hatte den Mann ein, wenngleich vielleicht bedrohlich wirkender, Sinneswandel ereilt, den wimmernden, von Angst zerfressenden Worten dieses bemitleidenswerte Wesen eine Art Überzeugung zuzusprechen, die Königin persönlich zu Hofe komplimentieren zu dürfen. Umhin, dass die nächterne Bestie den Umstand zu fürchten ängstigte, den Nebel - präzisiert: seinen Titel des gesichtslosen Dämonen verlieren zu können, sobald er die Audienz und den daraus möglicherweise resultierenden Packt - warum sonst sollte ihn eine verzweifelte "Braut" ersuchen wollen? - einwilligen würde, denn nichts ließ das Herz mehr erzittern wie das tödlich Unbekannte; und gerade dieser Mantel eines übersinnlichen Phantoms, welches dem furchtsamen Tod selbst gleichen mochte, aber nun mal ebenso wenig greifbar wie die Dunkelheit selbst schien, bildete die Grundfeste seiner existenziellen Sicherheit.
      Locker - letztlich erwartete Archyrion doch nur die Ausgangsposition zwei baldig verscheidener Hoffnungsträger - lehnte der Mann den Rücken gegen die kühle, uralte Mauer, deren einstiges, monumentales Bauwerk das Leid des Krieges, das Schicksal unzähliger armer Teufel sicherlich schon Jahrhunderte schmerzvoll auf sich hatte nehmen müssen, bis es schließlich der zerstörerischen Gewalt machtbesessener Scheingötter zum Opfer gefallen, und nichts weiter als ein Schatten seiner selbst verlieben war. Die Mundwinkel des Mannes umspielte für ein schneeflockenzarter Augenblick das sanfte teuflische Lächeln eines Höllenfürsten, der sich im Licht seines Triumph bereits zu wähnen wog, wie sich zwei Gestalten seinem "Anwesen" näherten. Ihre Schritte durchschnitten die Landschaft ruhig und zielsicher, keine Spur von Furcht konnte der Weißhaarige in ihren beherzten Bewegungen erspähen; seine Schatten jedoch fühlten die Angst ihrer flatternden Herzen. „Archyrion Tenebris?“, empfing den Schatten-Lord eine helle, selbstbewusste Stimme, ganz anders schien die resolute Melodie femininer Stärke seine Ohren sogar beinahe beflügelt zu umschmeicheln, „Ich bin hier, um Ihnen einen Deal vorzuschlagen.“
      "Hierher zu kommen war entweder sehr mutig oder sehr dumm von Euch, wählet weise, Eure hoheitliche Kühnheit.", resümierte Archyrion, statt einer aufschlussgebenden Antwort, ganz offenkundig amüsiert, ehe seine kurzweilig erheiterte Miene abermals die unnachgiebige Grausamkeit rabiater Machtdemonstration zu offenbaren gewahrte und der Seelen-Schlächter unbeeindruckt mit den Schultern zuckte. "Welches Angebot könntet Ihr mir unterbreiten, dass von lukrativen Wert für mich wäre?", schloss der naturverwildete Diabolus schließlich tonlos anbei und erhob innert einer geschmeidigen, fast fließenden Bewegung seinen muskulösen Korpus aus der schützenden Hülle des Schattens heraus, um die Stufen des zerfallenen Tempels leichtfüßig hinabzuschreiten. "Sehet sehet, welch bezauberndes Exemplar verirrte sich zu gegebener Stund in das Reich des Schlächters höchst persönlich? Nun, so lasset mich Eure Schönheit bekunden..." Obgleich die zaghafte Geste Archyrion's die unterschwellige Einladung eigentlich harmlos und - für seine oft wünschenswerten Verhältnisse – manierlich hätte erscheinen lassen müssen, ließ gerade dieses kafkaeske, ungewöhnliche Zögern sein Erscheinungsbild in einer sonderbaren Bedrohlichkeit münden, während sich der Mann gemächlichen Schrittes auf das zarte Pflänzchen zubewegte. Natürlich ergriff ihre Garde der Reiz automatisierten Beschützerinstinkts, zu welcher Reaktionsagilität und lebensmüden Entwicklungsvielfalt sie schlussendlich ausgebildet wurden, und ferner verstand er unter dem Aspekt ihres Schwurs auch die Notwendigkeit dieser Maßnahme, dennoch quittierte Archyrion ihr Gebaren folglich als potentielle Herausforderung seiner Autorität und ließ mit einer schnellen, kaum merklichen Handbewegung zwei nachtschwarze Speere aus den Schatten dreier Männer sprießen, die sich unweigerlich durch ihr verwundbares, schwächliches Fleisch wanden, bevor sie innerhalb eines röchelnden Ächzen stumm zu Boden sanken. "Ihr hättet alleine reisen sollen petite Lady, dann wären Euch diese Opfer wahrlich erspart geblieben." schnurrte der Weißhaarige selbstzufrieden, als verzehre er genüsslich den Erfolg unschuldig zugrunde gerichteter Leben, dann neigte der Schattenteufel das Haupt zu der Königin hinab und fuhr, mit der Fingerspitze, langsam jedes winzige Fleckchen Haut neugierig inspizierend, über den Kopf des schwarzen Falters, schob vorsichtig ihre Haare von den Schultern und ließ seine dunklen Monde nach Abschluss der Qualitätssicherung unmittelbar über das Spielfeld menschlichen Ausdrucksspektrums gleiten. "Eure Statur ist gewiss von außergewöhnlicher Attraktivität. Sprechet, warum seid Ihr wirklich hier? Doch nicht etwa, um Euren Körper in die Dienste eines Freuden- Püppchen zu zwingen?"
    • Dahlia
      Dumm? Mutig? Dahlia war keines davon, oder vielleicht auch beides zugleich, sie war nicht diejenige, die darüber richten sollte, doch sie wusste eines: sie war verzweifelt. Warum sonst sollte sie die Hilfe eines solch gefährlichen, mysteriösen Mannes, von dem kaum etwas bekannt war und von dem man sich erzählte, er wäre die Reinkarnation des Teufels selbst, die Versinnbildlichung des Chaos dieser Welt, geschickt um diese Welt den Erdboden gleich zu machen, damit eine neue entstehen kann. Die Personifikation der Zerstörung, ein Dämon, die Gerüchte konnten noch deutlich fantastischere Ausmaße nehmen, doch was Dahlia hier vor sich hatte, war ein von sich selbst überzeugter Mann. Ein Mann, der genau wusste, wie er auf andere wirkte, über welche Macht er verfügte und das weder sie noch ihre Leibwache etwas zu bieten hatten, um ihm seinen Weg zu versperren. Doch das war auch nicht, was sie vor hatte. Sie war hier um ihm etwas anzubieten, etwas zu geben, im Austausch verstand sich, und nicht ihren Willen mit Gewalt durchzusetzen. Denn wenn die Gerüchte auch nur zu einem Bruchteil stimmten, so war dies sowieso unmöglich.
      Die Königin konnte nur hoffen, dass was sie ihm zu bieten hatte, noch einen Wert für ihn hatten und wenn nicht... musste sie einen Weg finden herauszufinden, was es ist, dass er möchte, ohne eine zu schwache Position in den Verhandlungen einzunehmen. Ein Spiel mit dem Feuer, doch sie war bereit dieses zu spielen.
      Sie atmete tief ein, um ihrer Stimme Stärke und Überzeugungskraft zu verleihen, doch bevor sie auch nur einen Tod von sich geben konnte, wurde sie bereits unterbrochen, oder es war wohl besser zu sagen, dass sie gar nicht erst die Chance bekam etwas zu sagen.
      Fast hätte sie einen belustigten Laut von sich gegeben. Bezauberndes Exemplar? Schönheit? Aber nun gut, sollte der Mann machen, wie er wollte, wenn es ihr Körper war, den er im Austausch haben wollte, so soll er ihn bekommen. Das wäre bei weitem nur ein kleiner Preis, den sie zu zahlen bereit war, wenn sie dadurch ihre Ziele erreichen könnte.
      Noch bevor Dahlia bemerkte, dass ihre Leibgarde nach ihren Schwertern griffen, bereit bei dem kleinsten Anflug von Gefahr einzuschreiten, hörte sie bereits die erstickenden Schmerzenslaute und der Saum ihres Kleides wurde befleckt mit dem Blut der Toten, welche nun als Leichen den einst heiligen Boden schmückten.
      Er war perfekt. Genau das, wonach sie gesucht hatte: eine Waffe. Ein Kämpfer. Wenn er doch nur auf ihrer Seite statt gegen sie stünde. Ihre ausdruckslosen Gesichtszüge zuckten nicht einmal, während sie ihren Blick zu Boden schweifen ließ, über die Körper der Toten, durchlöchert von Speeren aus Schatten, ehe sie aus dem Augenwinkel die letzte verbliebene Leibwache beobachtete, welche zitternd noch immer die Hand auf dem Knauf seiner Waffe liegen hatte, von Furcht gelähmt, bevor er auch nur daran denken konnte, das Schwert zu ziehen und jetzt fiel ihr auf, dass auch ihre Hände zu zittern begonnen hatten.
      Um diese körperliche Reaktion bei Anbetracht des Grauen und der Möglichkeit die nächste sein zu können zu verstecken, legte sie ihre Hände übereinander vor sich und hielt diese einander fest, um das Zittern in Griff zu halten. Ob sie wohl doch noch nicht mit ihrem Leben abgeschlossen hatte? Noch nicht bereit war zu sterben? Nicht dass sie die Zeit für solche Gedanken hätte.
      Eines war gewiss: selbst wenn ihr verbliebener Leibwächter noch sein Leben besaß, so war er doch für seine Aufgabe nutzlos geworden. Ob er überhaupt in der Lage wäre ihr auch nur eine Sekunde zu schenken, wenn ihr Gegenüber der Meinung war, sie tot sehen zu wollen? Dahlia bezweifelte es.
      „Ich habe euch bereits gesagt, wieso ich hier bin. Ich möchte ein Verhandlung mit euch führen.“, ließ sie nach der Prozedur ihres Gegenübers, welche sie ohne zu zucken über sich gebrach hatte, ihre Worte für einen Moment wirken, ehe sie fortsetze, nicht in Begriff sich auf die Unverschämtheiten ihres Gegenübers einzulassen und sich von ihrem eigentlichen Unterfangen ablenken zu lassen, „Ich habe gehört, ihr sucht nach Rache? Eine Möglichkeit euren Hass zu befriedigen? Und doch könnt ihr nach all den vielen Jahren nicht einmal eine Spur zu euren Widersachern finden, wie ich hörte... ich biete euch Unterstützung für euer Unterfangen an. Ich kann euch Informationen, Netzwerke und Männer bieten, welche eure Suche effizienter und schneller gestalten können. Ich kann sie für euch finden... wie ich euch heute gefunden habe.“
      Während ihres Angebotes beobachtete sie das Gesicht des Teufels genau, versuchte darin zu lesen wie in einem Buch, herauszufinden, wie er zu ihren Worten stand, noch bevor er diese Gedanken und Gefühle in eigene Worte umwandeln könnte.
      Wäre ihr Angebot genug? Oder war sie doch nur her gekommen um zu sterben?


    • Ein ganzer Moment endlos vorbeihuschender Sekunden – vielleicht mochten es nur wenige unscheinbare Atemzüge gewesen sein, die er auf eine mögliche Reaktion der einst glorreichen Landesrichterin hätte warten müssen, bevor er die Erwartung auf eine Antwort angesichts seiner mangelnden Kapazität an Geduld vorschnell verwarf und fast enttäuscht seine schneeschimmernde Kaskade feiner Haarsträhnen aus der Stirn schüttelte - hatte der Mann vermeintlich ruhig seine Iriden in die funkelnden Seelengewässer jener lebensmüden, aber kühnen Königin gleiten lassen. „Könnt Ihr meine Frage nicht beantworten, weil die Unwissenheit Euren Wahrheitsgehalt trübet oder lähmet Euch die Angst vor mir Eurer eloquentes Zünglein? Eine Königin ohne festen Standpunkt bekennt sich als schwach, und ich verabscheue schwache Wesen.“, zischte der Weißhaarige unter einem verächtlichen Schnauben, während sein Blick tief hinter die Fassade undurchdringlicher Gemütsbewegung zu dringen versuchte, als würde er dort auf den Erfolg einer greifbaren Antwort hoffen können. Die Gesichtszüge des armen Seelchen jedoch blieben, zumindest für seine kaum vorhandene Basiskenntnis an Psychologischen Deutungsansätzen, verschlossen. Im ersten Augenblick, so musste sich der verkannte Despot fast widerwillig eingestehen, mochte er das Schweigen seines mondscheinhaarigen „Gast“ fälschlicherweise der Unverfrorenheit ostentativer Ignoranz beigemessen haben, bis Archyrion’s Schlüsselreiz seine erbaute Grundfeste für systematische Abwehrhaltung den Impuls überlieferte, dass ihr Verhalten an der Grenze unerwarteter Faszination gründete; denn wer hatte ihm jemals – nach Aufschluss seiner Person- derart gefasst und furchtlos gegenübergestanden? Die ausdruckslose Miene der zarten Silberblüte, ihre gefasste, nahezu emotionskalte Haltung, das wachsame, aber selbstbewusste Funkeln in ihren Augen, das alles erweckte eine Art längst verloren geglaubte Begeisterung am gemütsverblassten Abyss des Schattentänzers. Ein Lächeln begann die eben noch verhärteten abendscheingehauchten Lippen des Mannes beinahe sanft zu umschmiegen; umhin, dass seine Aura noch immer gleichermaßen bedrohlich wirkte, als würde er seine Beute jeden Augenblick verschlingen wollen. Und vielleicht war gerade dieses entzückende Gedankenspiel sein eigentliches Begehren. „Ich habe Euch bereits gesagt, wieso ich hier bin. Ich möchte eine Verhandlung mit Euch führen.“
      „Nun, das Problem an Verhandlungen ist, sie können scheitern. Aber ich schätze Eure makellose Selbstbeherrschung, selbst die Furcht, welche meine Opfer hat bis zum Tode erzittern lassen, vermag bei Euch nur ein unmerklicher Hauch sanfter Brise zu sein. Ganz anders als dieses erbärmliche Geflehe und Gejammer, was ich sonst zu ertragen leide.“, resultierte die lebendige Klinge innert eines abschätzigen Blickes, den er – fast warnend – der letzten Leibgarde zuwarf, welche daraufhin zuckend zusammenfuhr. Bedauernswert. „Ich habe gehört, ihr sucht nach Rache? Eine Möglichkeit euren Hass zu befriedigen?“ Misstrauisch lauschte der Schattenlord auf, hatte er zwar mit einer ähnlichen Bitte gerechnet, doch nicht etwa, dass ihm Hilfe bei seiner Suche nach Genugtuung zuteilwürde. Skeptisch ließ der Weißhaarige eine Braue in die Höhe schnellen, und mit jedem Detail ihrer weiteren Ausführung erschien ihm der Vorschlag abwegiger; als laure hinter dem Bestreben eine Falle, die ihn zu stürzen anstrebte. Weshalb sollte man gerade ihm einen selbstlosen Gefallen anbieten? Was vermochte die Königin in eine derartige Situation der Abhängigkeit manövriert haben, dass sie dem Glauben – dieser trügerischen Hoffnung - ihrer Ratio vorzog? Wollte sie ihr Reich aufgeben, das Volk fallen sehen und sich in die Klauen eines unberechenbaren Seelenfressers begeben? Nein, eine derartige Zwangslage wollte und konnte er dem seltsamen Verständnis der Frau dann doch nicht zubilligen. „Ihr seid Euch doch bewusst, was das für Euer Land bedeuten könnte? Was dieser Entscheid für Euch bedeuten würde? Gnädigste, es war wahrlich dumm von Euch, hierherzukommen, aber solch ein Pakt wird Euch geradewegs die Arme des Höllenfürstens; in meine Hände, stürzen. Aber das kann kaum der wahre Grund Eurer Anwesenheit gewesen sein.“
      „Ich kann sie für euch finden... wie ich euch heute gefunden habe.“ Ein lautes, dunkles Lachen entrann den Tiefen Archyrion's Pharynx, wie eine unsichtbare Kralle, die blutlechzend an den uralten Mauern frühgeschichtlicher Epochen entlangscharrte und sich tödlich kichernd um den Hals der Silberhaarigen niederzulassen geruhte. „Niemand findet mich, wenn ich meine Existenz dem menschlichen Auge verwehre, petite Marie. Nein; ich lasse mich finden. Und ich hoffe, dass Euer wirkliches Anliegen mein Verlangen zu stillen begünstigt, andererseits haben Eure Augen das letzte Mal das Licht der Welt erblickt. Lasst den heutigen Tage nicht Euer letztes Erwachen vor dem Tod sein, Eure Hoheit.“

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    • Dahlia

      So war das also. Er hatte sich findenlassen. Dahlia war sich nicht sicher, ob sie ihm dafür dankbar sein sollte. Dennoch spürte sie die Angst und Panik in sich aufsteigen, als ihr bewusst wurde, dass ihrem Gegenüber ihr Angebot nicht so verlockend wirkte, wie sie es gehofft hatte, oder verbarg er dies nur? Hatte sie sich letztendlich verspielt und er brauchte ihre Hilfe gar nicht?
      Nun, ihr blieb nichts anderes übrig, als weiter zu spielen und ihre Karten Stück für Stück aufzudecken.
      „Ich habe nicht vor, weder mich noch mein Volk in eure Hände zu geben. Ich biete euch Informationen, Hilfe bei eurem Unterfangen, aber selbstverständlich nicht aus Selbstlosigkeit, auch ich möchte aus diesem Deal etwas gewinnen. Ich brauche eure Stärke, um einen Krieg zu gewinnen. Einen Krieg, welcher mein Land und Volk schon sehr bald auslöschen wird, wenn kein Wunder geschieht. Und ich hoffe, dass ihr dieses Wunder sein könntet, nicht umsonst, wie euch sicher bewusst geworden ist. Nun?“, wartete sie auf eine Antwort ihres Gegenübers, unsicher, ob das ihre letzten Worte sein würden.