Morrighan's Embrace - The Deaths Bride [Sirath&Heaven]

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    • Morrighan's Embrace - The Deaths Bride [Sirath&Heaven]

      Morrighan's Embrace - The Deaths Bride

      Vorstellung
      @Sirath Auf ein tolles RPG meine Liebe :3


      Morrighan

      Kälte. Viele mochten meinen, dass es das war, was einen nach dem Ableben erwartete. Er konnte dies nicht wirklich beurteilen, empfand er das Andersreich nicht wirklich als besonders kalt, ebenso wenig war es warm. Neutral war eine passende Bezeichnung dafür und das einzig Kalte, was die Sterblichen vielleicht spürten, war seine tödliche Berührung. Es war seltsam, wie viele phantasievolle Hirngespinste es gab wenn es um den Tod ging. Manche redeten sich ein, dass sie Unsterblich werden könnten, wenn sie zu den Göttern beteten oder sich Elixiere mischten. Närrische Hoffnungen waren das, nichts weiter. Er wusste, dass kein anderer Gott es wagen würde, sich in das Schicksal der Sterbenden einzumischen. Immerhin galt dies als seine Aufgabe und sein Reich. Er war der Gott des Todes, bekannt unter so vielen Namen und Älter, als die anderen sogenannten Gottheiten die neben ihm existierten. Morrighan warf einen Blick zurück auf die Pforte zum Reich der Toten. Er selbst nannte es nur Andersreich oder Zwischenwelt, verweilte dort kaum jemand wirklich lange. Die Reise der Seelen endete nie und entweder wurden sie in den Tiefen der Unterwelt gefoltert oder sie entkamen den Strafen und durften ihr nächstes, neues Leben beginnen. Als was konnte kaum jemand bestimmen. Manche wurden erneut als Menschen geboren, andere wiederum als Tiere. Einige wenige endeten als Pflanzen und verbrachten ihr neues Leben im Wachstum. Aber auch dieses hatte irgendwann ein Ende und an jedem Ende wartete er auf die Lebewesen Mutter Erde. Nicht unbedingt eine angenehme Aufgabe, Leben zu nehmen. Die meisten fürchteten den Tod, fürchteten ihre Liebsten zu verlieren und empfanden ein frühes Ableben als unfair und ungerechtfertigt. Dass dies alles Teil des Kreislaufs war sah niemand. Morrighan war es, der diese unliebsame Aufgabe die seine nannte. Er wurde so geschaffen und war an das Leben gebunden. Solange es Leben gab würde auch er existieren. Der Lebensstrom der Welt war seine Quelle, sein Ambrosia, welches ihn am Leben erhielt. Der Lebensstrom selbst war für die Sterblichen nicht einsehbar und selbst andere Götter wussten kaum etwas über ihn. Den blauen Fluss, der sich durch Zeit und Raum wand, die Menschen und Tiere am Leben erhielt und neues Leben erschuf. Ebenso führte eine Kappung der Verbindung eines Wesens zu diesem Fluss zum vorbestimmten Tode. Zufälle gab es in Morrighans Existenz nicht. Jeder Unfall, jede Krankheit und selbst die unheilvollen Kräfte der Natur waren alles Dinge, die bestimmt waren. Sei es um eine Überbevölkerung zu verhindern oder um Platz für Neues zu schaffen. Das Gleichgewicht war einerseits komplex und kompliziert, andererseits jedoch genauso zerbrechlich. Und damit dieses nicht zerbrach ging er der einsamen Aufgabe nach, nahm in Kauf, dass er gemieden wurde von anderen übernatürlichen Wesen, nahm in Kauf, dass es keine Gebete in seine Richtung gab. Morrighan war allein, begleitet von Zerfall und den Überbleibseln der Sterbenden. Doch hatte er sich daran gewöhnt, überdauerte er die anderen Wesen bei Weitem. Er und Gaia, die Mutter allen Lebens selbst, waren jene welche die Welt im Gleichgewicht hielten.

      Das krähen eines Raben holte den weißhaarigen Gott aus seinen Gedanken. Er löste sich vom Anblick des Andersreiches und wandte sich der irdischen Welt zu. Der Blick aus sehr hellen, stechend blauen Augen fuhr gen Himmel. Zwei der schwarzen Vögel kreisten über ihm, als wöllten sie ihn begrüßen und mit einem leichten Ansatz eines Lächelns erhob er die Hand. Einer der Raben landete freudig darauf und schmiegte seinen gefiederten Kopf in die andere ihm dargebotene Hand. Es waren die einzigen Wesen, welche nicht durch seine Anwesenheit starben. Sie schienen immun zu sein gegen seine tödliche Aura. Ein Umstand, der Morrighan erfreute, hatte er so doch immerhin Gesellschaft. Mit dem Raben im Schlepptau trat er verhüllt in einen dunklen Umhang, der kaum etwas von seinem Gesicht preisgab, nach vorne über das leicht feuchte gras. Regen hatte die letzten Tage in dem Teil des Landes Einzug gehalten und den Boden getränkt. Normalerweise wäre dies für die Bauern der Dörfer erfreulich, doch sorgte die Feuchtigkeit dieses Mal dafür, dass sich der schwarze Tod namens Pest nur umso schneller verbreitete. Ungeziefer kroch aus seinen Löchern auf die vollen Straßen, die mit Unrat geziert waren. Viele erlagen der Krankheit, gab es zur Zeit kein Heilmittel dagegen. Natürlich gab es keines, hatte der Weißhaarige diese Seuche doch erst eingeläutet. Es war an der Zeit, die dicht besiedelten Städte etwas auszumerzen, der Natur wieder Luft zum atmen zu geben und der ansteigenden Bevölkerung Herr zu werden. Ein weiteres vorbestimmtes Schicksal, dessen Werkzeug Morrighan selbst war. Manche überlebten, blieben gesund. Das war auch gut so, das Ziel war nicht die Ausrottung der Sterblichen. Nein, lediglich die Kontrolle über den Wachstum.

      Morrighan schritt durch die menschenleeren Straßen, kaum dass er die saftigen Wiesen des Dorfes verließ. Es war Abenddämmerung und kaum jemand kreuzte seinen Weg. Aus manchen Häusern tönte das Röcheln und Keuchen der kranken, die mit widerlichen schwarzen Beulen gezeichnet waren. Der Gestank war eindeutig, die Leichen hatte man auf den Straßen liegen lassen. Die Menschen waren noch nicht soweit zu wissen, dass sie damit das Ganze beschleunigten. Die Luft selbst war verpestet - im wahrsten Sinne des Wortes. Sie aufklären wäre zu früh. Auch wenn man ihn dafür als unmenschlich oder gar gefühllos betiteln würde, so erfüllte es einzig seinen Zweck der Sache. Ein heftiges Husten zu seiner Rechten schreckte leicht den Raben auf, flatterte dieser kurz empört mit seinen Flügeln und reckte seinen Kopf in die Richtung. Doch ging Morrighan weiter. Jene Unglücklichen wären erst in einigen Tagen dran. Sein Ziel war das kleine Haus einer Bauernfamilie. Nichts Ungewöhnliches auf den ersten Blick und für gewöhnlich wäre ein Aufenthalt seinerseits auch nicht notwendig. Aber...etwas stimmte hier nicht. Die Erwachsenen waren in das Reich der Toten eingekehrt. Doch ihre Tochter blieb abwesend, obwohl sie genauso der Krankheit erliegen sollte wie ihre Eltern. Für Morrighan ein Dorn im Auge, mochte er es immerhin nicht, wenn etwas nicht wie geplant verlief oder gar sonderbar auf ihn wirkte. Deshalb nahm er sich der Sache selber an. Die kleinen Blumen am Wegesrand begannen bereits ihre Köpfe hängen zu lassen, kaum dass er an ihnen vorbeilief. Vor dem Haus blieb er stehen. Kein Feuer erhellte das Innere und ein übler Geruch hing in der Luft. Diese Menschen waren bereits vor einigen Tagen gestorben. Aber nicht ihr Kind. Was den Gott nun doch verwunderte, konnte es wohl kaum unter diesen Umständen überlebt haben. Die behandschuhte Hand drückte sachte gegen das Holz der EIngangstür, die sich knarzend öffnete und den Blick auf das dunkle Innere freigab. Wie zu erwarten lag das Ehepaar auf ihrem Lager, beide der Pest erlegen. Soweit so gut. Morrighan ließ seine hellen Augen durch den Raum wandern. An der Dunkelheit störte er sich nicht, war diese ebenso ein Teil seines Reiches und seine Seelenspiegel um einiges auffassungsreicher als normal. Sein Blick fuhr durch das kleine Häuschen, in dessen Inneren der Gestank um einiges stärker war. Vorbei an der Feuerstelle suchte Morrighan nach dem leblosen Körper eines kleinen Mädchens. Und tatsächlich fand er sie. Doch kaum dass er neben ihr in die Hocke ging stockte er. Sie...lebte noch. Gerade so, bereits am Rande des Todes und doch...sie lebte noch obwohl sie vor drei Tagen hätte sterben sollen. So lange hatte das kleine Ding durchgehalten? Nein, das war unmöglich. Ein erwachsener Mensch besaß nicht die kraft dazu, wie sollte es dann ein Kind? Morrighan blinzelte irritiert. Einmal, zweimal… Aber noch immer hob und senkte sich der kleine Brustkorb ganz schwach. Neugierig geworden streckte er seine Hand aus und berührte das kleine Ding an der Schulter, suchte nach ihrem Lebensstrang den es zu durchtrennen galt und abermals stoppte er ungläubig. Ihr Wille zu Leben war stark. Unbändig stark, ihr Strang leuchtete noch immer aus eigener kraft. Dieses junge Kind war sichtlich nicht gewillt zu sterben und klammerte sich immens an das Leben selbst. Zugegeben war Morrighan beeindruckt, hatte er das nicht erwartet. Sie war stark, stärker als die meisten Menschen. Und so voller Lebensmut dass es ihn sprachlos zurückließ. Das hatte er in seiner gesamten Existenz noch nicht erlebt. Sicher gab es Menschen, die krampfhaft am Leben versuchten festzuhalten. Aber niemand hatte es bislang durchgehalten, die Qualen des Klammerns auf sich zu nehmen. Niemand bis auf das Mädchen mit dem blonden, dreckigen Haar. Unwillkürlich machte sich in Morrighan eine Regung breit, die er so nicht erwartet hatte; Mitleid. Dieses Kind lag seit Tagen im Kampf gegen den Tod- gegen ihn- im Dreck. Hatte ihre Eltern sterben sehen und musste den verfaulten Geruch ertragen, ebenso die Krämpfe ihres eigenen Körpers. Er zögerte, den Handschuh bereits abgelegt um sie mit einer Berührung in die ewigen Jagdgründe zu schicken. Und doch zögerte er dieses Mal. Das erste Mal wohlgemerkt. Irgendetwas in ihm sträubte sich dagegen, das Leben der Kleinen endgültig zu beenden. Aber was sollte er tun? Sie würde nicht überleben, das stand fest…

      Noch ehe er wirklich darüber nachdenken konnte streckte er seine Hand nach dem Mädchen aus, ließ sie im blauen Licht seiner Macht erstrahlen und ein einziges Wort kam mit tiefer, ruhiger Stimme über seine Lippen: “Lebe!” Die Krankheit zog sich aus dem kleinen Körper zurück, als wäre sie nie an der pest erkrankt. Und dann starb sie. Er hatte ihr Leben für einen Moment beendet, nur um ihre Seele schließlich zurück in ihren Körper zu lassen, den er geheilt hatte. Es dauerte einen Moment ehe sie wieder zu atmen begann, diesmal kräftiger und gesünder als zuvor. Schockiert über seine eigene Tat sah er auf seine eigene Hand hinab. Er hatte sie zurückgeholt, zu einem Wesen gemacht, welches weder lebendig noch tot war. Eigentlich ein Privileg, welches nur seine Diener erfahren durften und nun hatte er das Kind ebenso mit diesem Geschenk - oder Fluch- belegt. War er noch bei Sinnen? Der Tod wäre wohl eher eine Erlösung gewesen, er hatte sie gerade zum ewigen Leben verdammt… Seufzend schüttelte er seinen Kopf und hob den kleinen Körper hoch. Sie war erschreckend leicht. Fürs Erste musste er sie aus diesem Drecksloch bringen, an einen Ort, an dem sie in Ruhe erwachen konnte. Und an dem er ihr nun erklären musste, dass sie zwar erwachsen werden würde, jedoch nie alt werden oder gar sterben konnte. Für viele klang es vielleicht zu Beginn phantastisch, geradezu traumhaft. Aber nach einem ersten Jahrhundert wurde einem bewusst, welcher Fluch Unsterblichkeit war. Nie in der Lage zu sein, eine Familie zu gründen, zusehen zu müssen wie jeder stirbt, den man ins Herz geschlossen hatte… Der Hellhaarige presste missmutig die Lippen zusammen. Er war ein Narr, aus einer Emotion heraus zu handeln. Das kannte er auch nicht von sich selbst, es erschreckte ihn fast, dass er überhaupt in der Lage war etwas zu empfinden. Morrighan ließ das verfluchte Dorf hinter sich und schlug den Weg zum Wald ein, die Raben seine Begleiter und neugierig, auf das neue Gesicht in ihrer Mitte. Er hatte nun ein Problem mehr um dass er sich kümmern musste...

      Es tut weh fallen gelassen zu werden, ohne zu wissen warum. Aber letztendlich weiß man anschließend, was man jenen Personen überhaupt bedeutet hat.
    • Lucia
      Wie lange verweilte sie schon hier? In dem Haus ihrer Eltern; alleine, ohne Hoffnung auf Hilfe. Die meisten Menschen hatten eigene Probleme, von ihnen konnte sie keine Rettung erwarten. Sie fühlte sich einfach nur mies, diese furchtbare Seuche nahm ihrem Körper die letzten Kräfte. Ihr Blick huschte durch die Dunkelheit, sie sah ihre Eltern, tot... es war kaum zu glauben, dass sie nun nicht mehr hier waren. Warum sie noch lebte wusste sie nicht. Doch zugleich war sie auch nicht gewillt, einfach so aufzugeben. Lucia hatte noch so viele Pläne, so viele Ziele. Nein, sie durfte einfach nicht sterben. Nicht jetzt!

      Während Lucia um ihr Leben kämpfte, hörte sie wie in Trance Krähen, leise, fast lautlose Schritte. Ein Schatten huschte durch das Fenster, dann wurde die Tür aufgestoßen. Das Mädchen schloss die Augen, da ihm die Kraft fehlte, sie noch länger offen zu halten. Sie kauerte am Boden, kraftlos, sterbend. Obwohl sie nicht in der Lage war, den Tod zu verhindern, hing sie sehr am Leben. Auf ihren Wangen spürte sie erst jetzt ihre Tränen, die jedoch bereits getrocknet waren.

      Lucia wüsste gerne, wem dieser Schatten gehört hatte, doch ihr Körper reagierte nicht. Im nächsten Moment hustete sie, doch auch dies klang schwach. Jede Sekunde die verging, wurde sie schwächer, näherte sich immer mehr ihrem Ende.

      Ihr Körper krampfte, kämpfte verzweifelt gegen den Tod. Sie hörte eine Stimme;

      "Lebe!"

      Dann wurde ihr komisch, ihr wurde schwarz vor Augen und...es war vorbei.

      Träumte sie, oder flog sie? Nein, Lucia erkannte ihren Irrtum. Sie wurde getragen. Immer noch war sie zu erschöpft, um etwas zu machen. Völlig regungslos ließ sie zu, dass sie der Fremde sie trug. Es war ungewohnt für sie, getragen zu werden. Die Situation erinnerte sie an früher, damals, als alles gut war; als die Pest nicht alles zerstört hatte. Zuerst hatte es ihre Mutter getroffen, kurz danach ihren Vater. Und dann...erkrankte schließlich auch Lucia. Die Kleine hatte zusehen müssen, wie ihre Eltern starben.
      "Ma-ma...?" nuschelte sie leise, fragend. Lucias Augen waren immer noch geschlossen. Sie war überfordert mit der Situation, denn sie hatte geträumt, gestorben zu sein. Was für ein Alptraum. Waren ihre Eltern denn auch noch am Leben?
    • Morrighan

      Mit bedachten Schritten führte der Tod seinen Weg in den Wald fort. Nach seinen Kenntnissen befand sich in der Nähe ein verlassener Hof. Jene Familie war aus Furcht vor der Pest geflohen und in eine andere Stadt gereist, sie dürften die Krankheit sogar überleben. Soweit Morrighan wusste standen diese Menschen nicht auf seiner Liste. Für ihn war es eine glückliche Fügung, ein leerstehendes, von Krankheit nicht befallenes Haus zu haben, in das er dieses Mädchen bringen konnte. Auf halben Weg durch das dichte Grün des verwilderten Pfades schien das Kind in seinen Armen zu sich zu kommen. Sie murmelte ein einziges Wort, was den Weißhaarigen nur schwer ausatmen ließ. Er war nicht ihre Mutter und das Kind würde ihre Eltern nicht einmal auf der anderen Seite wiedersehen können. Dafür hatte er gesorgt und noch immer konnte er nicht fassen, dass er seine eigenen Regeln missachtet hatte.
      "Ich bin nicht deine Mutter, Kind.", waren seine ruhigen Worte an den Blondschopf während er ungerührt weiterging. Einige Pflanzen ließen bereits ihre Blätter und Blüten hängen, wurde ihnen doch durch seine Anwesenheit das Leben geraubt. Ein wahrer Fluch, lag es doch nicht in Morrighan's Absicht, der Vegetation zu schaden. Ein kurzer, resignierter Blick auf sein Umfeld und der Tod beschleunigte leicht seine Schritte. Die Raben kreisten über den Beiden, sangen ihr krächzendes Lied und beäugten das Mündel neugierig, welches in seinen Armen lag.

      Der Pfad teilte sich, wurde weiter und die dornigen Ranken des Unterholzes zogen sich leicht zurück, als sich eine Lichtung vor ihnen erschloss. Das wohlgepflegte und doch verlassene Heim der Bauern begrüßte sie mit dunklen Fenstern. Einige Flechtkörbe waren umgestoßen, das Heu lag verstreut, nachdem man wohl sehr übereilt aufgebrochen war. Es war überraschend zu sehen, dass sich bislang noch keine Diebe an dem Hab und Gut zu schaffen gemacht hatten, immerhin schien dies keine ärmliche Behausung und alles hatte die Familie nicht mitnehmen können. Zumindest waren die regale noch gefüllt, die Einrichtung Großteils vorhanden und einzig die Tiere des Stalls sowie die wirklich wertvollen Gegenstände schienen zu fehlen. Im Haus angekommen legte der Weißhaarige das Mädchen auf einem der Feldbetten ab. Sie brauchte Ruhe um wieder zu sich zu kommen. Morrighan ließ sich auf einem Hocker nieder und betrachtete das Gesicht des Kindes genauer. Die rundlichen Züge sahen viel gesünder aus, hatte sich die Krankheit vollends zurückgezogen. Selbst das blonde Haar hatte wieder an Kraft gewonnen, auch wenn das Kind sich waschen müsste, hing noch immer der Schmutz in den Strähnen. Aber dafür hatte sie hier genügend Zeit und Möglichkeit. Der Tod schnaubte leicht. Ein Kind... Warum bei allen Göttern dieser Welt hatte er ein verdammtes Kind zurückgeholt?! War er von allen guten Geistern verlassen? Noch immer fiel es Morrighan schwer zu glauben, dass er tatsächlich eine emotionale Regung verspürt hatte. Mitleid gab es für ihn nicht. Er erfüllte seine Pflicht und hatte schon dutzenden Kindern das Leben genommen, wenn ihre Zeit gekommen war. Warum also hatte er sie leben lassen? War es wirklich wegen ihrem trotzigen Willen, ihm zu trotzen? Er wusste es nicht. Ein Umstand, der den Tod erst recht durcheinanderbrachte. In seiner Existenz gab es niemals wirklich Zufälle oder unvorhergesehene Ereignisse. Und nun saß er hier, in dem Haus von fremden Bauern mit einem Kind, was nicht mehr leben durfte. Rückgängig konnte er seinen Fehler nicht machen. Er hatte sich über die Regeln des Lebensstroms hinweggesetzt und ihr eine neue Verbindung geschaffen, die für die Ewigkeit bestimmt war. Sollte er sie zu einer seiner Diener machen? Nein, dafür war sie noch viel zu jung und wohl kaum dafür geeignet...
      "Was mache ich bloß mit dir?", murmelte er leise und setzte langsam die schwere Kapuze ab. Seine hellen Augen lagen nachdenklich auf dem Gesicht des Mädchens. Wie erklärte man einem Kind, dass es unsterblich war? Noch nie hatte er sich mit großen Konversationen mit den Menschen auseinandersetzen müssen... Es war wirklich ein unangenehmer Schlamassel, für den er hier gesorgt hatte.

      Es tut weh fallen gelassen zu werden, ohne zu wissen warum. Aber letztendlich weiß man anschließend, was man jenen Personen überhaupt bedeutet hat.
    • Lucia

      Sie vernahm eine fremde, männliche Stimme. Wer war das? Immer noch fehlte ihr die Kraft, die Augen aufzuschlagen. Die Schritte des Mannes, der sie trug machte sie zusätzlich müde. Lucia beschloss still, sich noch ein wenig auszuruhen. Normalerweise hasste sie es, getragen zu werden, doch was sollte sie denn schon dagegen tun? Im Unterbewusstsein hörte sie das Krächzen von Krähen, fast kam es ihr vor, als würden sie sie begrüßen. Ein leichtes Lächeln legte sich auf die Lippen des Mädchens. Langsam wurden ihre Sinne wieder schärfer, sie nahm den Geruch des Fremden wahr. Er roch...anders. Nicht, dass sie die Menschen durch Gerüche auseinanderhalten konnte, doch sie mochte seinen Geruch. Und er war angenehm kühl, oder lag das nur an seiner Kleidung? Lucia spürte, wie er sein Tempo beschleunigte. Doch warum? Lag es am Wetter? Floh er vor Regen? Einem Gewitter? Oder wurden sie verfolgt? Sie kniff die Augen zusammen, wollte Kraft sammeln, sie zu öffnen, doch dann wurde wieder alles schwarz und Lucia verlor das Bewusstsein.

      Wo war sie? Was war passiert? Mühsam öffneten sich die Augen des Mädchens. Zunächst war alles verschwommen, nur langsam klärte sich ihre Sicht. Dann kamen die Erinnerungen zurück. Die Kleine setzte sich unbeholfen auf, ließ ihren Blick fast schon hektisch durch den Raum wandern. "W-was...?" stammelte sie mit rauer Stimme. Lucia hatte das Gefühl, schon lange nicht mehr gesprochen zu haben. Ihre Kehle fühlte sich trocken an- wann hatte sie eigentlich das letzte Mal etwas getrunken?- und ihr ganzer Körper tat weh. Stöhnend sank sie ein Stück zusammen. Was war los mit ihr? Lucia hatte das Gefühl, dass etwas nicht stimmte. Wo war sie? Noch wichtiger: Wo waren ihre Eltern?

      Nun kamen all ihre Sinne zurück, waren noch geschärfter als zuvor- zumindest als zum Zeitpunkt dieser verdammten Pest. Moment; die Pest. Ihre Augen weiteten sich. Oh Gott; Die Pest. Sie war doch tödlich. Wieso war sie dann immer noch am Leben? Hatte sie sich all das eingebildet? Nein, das konnte nicht sein? Es musste Real gewesen sein. Ihre Eltern und sie...sie waren an dieser Seuche erkrankt, sie musste mit ansehen, wie die beiden Erwachsenen immer schwächer wurden- und dann waren sie tot. Die Erinnerungen schnürten ihr die Kehle zu, sie kämpfte mit den Tränen. Ihre Eltern hatten ihr immer eingeschärft, keine Schwäche zu zeigen. Dennoch konnte sie ein Schluchzen nicht unterdrücken.

      Erst jetzt bemerkte sie, dass sie nicht alleine war. Erschrocken blickte sie auf den fremden Mann, der neben ihr stand. Er erhob die Stimme. Was er mit ihr machen sollte? "Was ist passiert?" wisperte Lucia, unfähig, das Ganze zu verstehen. "Wer bist- seid Ihr?" fügte sie hinzu. Hatte er sie gerettet? Wie auch immer dies möglich war.